Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen zu Konflikte in kleinen Dosen mit den Kellerkindern.
Speaker: Alina Jensen.
Speaker: Und Lisa Zenker.
Speaker: Willkommen.
Speaker: Sag mal, kennst du das eigentlich auch so zyklusbedingt in dieser heißen PMS-Phase, dass du irgendwie richtig Lust darauf hast, dass so eine ganze Armee an Menschen sich um dich kümmert und dich auf verschiedensten Ebenen zufriedenstellt?
Speaker: Also Menschen sollen mir Sachen...
Speaker: von den Augen ablesen, sie sollen sich richtig verhalten, das richtige Essen zubereiten, die Schmerzen lindern, einbalsamieren.
Speaker: Ist dir das auch irgendwie bekannt?
Speaker: So nicht, aber ich wundere mich gerade, wenn du mich fragst, ob du da auch von dir selber sprichst.
Speaker: Asking for a friend.
Speaker: Ich glaube, dass die Realität sogar schon sehr nah an dem dran ist, wie du das gerade beschreibst.
Speaker: Nur, dass die...
Speaker: Wahrnehmung vielleicht eine andere ist, weil es ist ja so, dass wir Menschen so eine Tendenz haben, wenn jemand traurig guckt oder wütend ist oder auch irgendwie, also wir merken, dass da etwas im Argen liegt, dass wir sofort so einen Impuls haben von kann ich dir helfen, was kann ich tun, damit es dir besser geht.
Speaker: Also der Wunsch ist ja sofort da etwas besser, schöner, angenehmer zu gestalten.
Speaker: Von daher kann ich mir fast vorstellen, dass dein Umfeld schon auch
Speaker: diese Impulse drauf hat, aber vielleicht nicht in der Art und Weise, wie du sie in dem Moment genau brauchst oder dir erwartest.
Speaker: Also meinst du, das ist schon total normal?
Speaker: Das Problem ist aber, ich erfahre jeden Monat wieder zur gleichen Zeit Impulse.
Speaker: immer nach einem Monat.
Speaker: Die große Enttäuschung.
Speaker: Die große Enttäuschung, es funktioniert nicht.
Speaker: Also erstens sind da höchstens ein, zwei Leute, dann haben die ihr ganz eigenes Leben und dann verhält sich nie jemand genau so richtig, wie ich es brauche.
Speaker: Also so richtig funktioniert das System eigentlich nicht.
Speaker: Ja, okay, das kann ich total gut hören.
Speaker: Und ich verstehe auch die Erwartungen, und wir haben da ja auch schon die ein oder andere Podcast-Folge zu gemacht, dass wir auch glauben, dass vielleicht einige von euch so eine Erwartung haben, dass Menschen euch von den Augen ablesen können, was ihr jetzt konkret braucht, welche Form der Trauben es sein dürfen, welches Massageöl, aber welcher Geruch auch gar keinen Fall gibt.
Speaker: geht, das sind ja sehr oft implizite Erwartungen und seltenerweise explizit miteinander geteilte Erwartungen.
Speaker: Und da haben wir ja auch schon gesagt, also, dass die nicht erfüllt werden können, das liegt eigentlich schon fast auf der Hand.
Speaker: Also die Enttäuschung ist vorprogrammiert in dem Moment, in dem ihr diese Erwartungen habt.
Speaker: Und dennoch kann ich natürlich auch sehen, dass das irgendwie von Kindesbeinen anerzogen ist, dass sobald Menschen Mucks machen, wir dahin orientiert sind, die Person zu unterstützen und eben doch so zwischen den Zeilen zu lesen.
Speaker: Also so gesamtgesellschaftlich ist es schon was, was, glaube ich, gefordert ist.
Speaker: Und ich merke aber in solchen Situationen, dass das nicht funktioniert, weil man es mir auch nicht recht machen kann einfach.
Speaker: Also es könnten diese ganzen Menschen alles für mich tun und ich wäre trotzdem unglücklich.
Speaker: Und dann habe ich gedacht, okay, also so richtig funktioniert mein System noch nicht.
Speaker: Vielleicht haben wir ja eine Alternative im Angebot.
Speaker: Lass mich mal nachdenken.
Speaker: Ich glaube, das Wichtige ist wirklich, diesen ersten Impuls wie einmal so einzufrieren, den Impuls des Helfen-Wollens, weil wir den schon so verinnerlicht haben und dann noch mal zu überprüfen, sind das gerade überhaupt meine Angelegenheiten?
Speaker: Weil wenn ich merke, mir kann eigentlich keiner was recht machen, dann bedeutet das ja erst mal, ich muss mal anfangen, mir hier irgendwie was recht zu machen und dann brauche ich gerade Raum,
Speaker: für eine Innenschau und zu überprüfen, was ist das eigentlich?
Speaker: Und wir haben das ja schon so oft gesagt, aber ich sage es nochmal, Bedürfnisse können wir uns nur selber erfüllen.
Speaker: Das kann kein anderer machen.
Speaker: Und wenn ich grummlig bin, ist es meine Aufgabe zu schauen, was ist denn das gerade für ein unerfülltes Bedürfnis?
Speaker: Und wie kann ich mir das erfüllen?
Speaker: Vielleicht mit Unterstützung von außen.
Speaker: Ja, und ich dachte auch gerade mit dem Impuls, helfen zu wollen und den einzufrieren, das könnte ja im ersten Moment auch erstmal als unempathisch wirken.
Speaker: Also dir geht es nicht gut, dein Partner macht dir aber auch kein Unterstützungsangebot.
Speaker: Also in unserer Gesellschaft, wie du sagst, wo das ja eigentlich gang und gäbe ist, könnte das auch erstmal als, was ist denn mit dem los?
Speaker: Sieht er nicht, welchen Schmerz ich habe, rüberkommen.
Speaker: nimmt er dich ja nur ernst als erwachsene Person und als diejenige, die am ehesten ihre Gefühle regulieren kann und auch ihre Bedürfnisse erfüllen kann.
Speaker: Also eigentlich mutet er dir da sehr viel zu und vertraut da sehr viel in deine eigenen Kompetenzen.
Speaker: Nur diese Perspektive haben wir, glaube ich, noch nicht so häufig geübt in unserem Alltag.
Speaker: Ja, ich glaube, das ist so eine Frage des Vertrauens auch.
Speaker: Also vertraue ich, traue ich meinem Gegenüber zu, dass es sich mir zumutet und traue ich auch mir zu, diese Stimmung und Emotionen zu halten.
Speaker: Und das Gute daran ist, dass ich langsam lerne, dass
Speaker: Stimmungen eben nur kurzzeitig da sind und dass sie immer wieder über den Tag sich verändern können.
Speaker: Und deswegen weiß ich wegen dieser Info, ich kann auch meinem Gegenüber zutrauen, diese Stimmung alleine zu halten, weil ich weiß, die wird sich auf jeden Fall wieder ändern.
Speaker: Ja und gleichzeitig, das klingt jetzt vielleicht so ein bisschen für euch als, was jetzt, dann leben wir nebeneinander her und mir ist es dann einfach egal, wie die Stimmung der anderen Person ist, so meinten wir das nicht.
Speaker: Also trotzdem darüber natürlich in Kontakt bleiben.
Speaker: Und das ist, glaube ich, das Essentielle.
Speaker: Also schon anzuknüpfen und zu sagen, Mensch, ich merke gerade, dass bei dir was los ist.
Speaker: Wie geht es dir denn gerade, ohne dabei den Anspruch zu erheben, jetzt zehn Hilfsangebote schalten zu müssen, sofort die Weintrauben schon parat zu haben und das Wärmekissen, sondern...
Speaker: auch erst mal es ernst nehmen von den Gefühlen und die Gefühle, du hast es im Vorgespräch so schön gesagt, als Informationsquelle zu nutzen.
Speaker: Ja, das wollte ich gerade noch sagen.
Speaker: Ich werde jetzt noch drastischer und behaupte jetzt einfach mal, es muss einem ja auch nicht immer gut gehen.
Speaker: Da stecken so viele Informationen drin, wie du gerade gesagt hast und die erstmal rauszufinden.
Speaker: Und wenn ich in meinem PMS-Modus bin, dann gibt es ehrlich gesagt auch gar nicht so viel, was mich da gerade rausholen kann, außer Wärmflasche und Couch und ein
Speaker: Kakao und das über viele, viele Stunden.
Speaker: Das ist das, was mir wirklich hilft.
Speaker: Und wenn dann jemand wie so ein Clown vor mir stehen würde und in die Hände klatschen würde, wäre das kein Hilfsangebot.
Speaker: Und das Schöne ist, dass ich in dieser Stimmung
Speaker: immer noch Zeit habe, mir zu überlegen, was ich brauche oder wen ich um Hilfe bitten kann oder was ich für mich tun kann, damit es besser geht, um mein System zu zeigen, es ist möglich, auch diese ganzen sogenannten negativen Emotionen zu fühlen und zu halten und sich aber auch langsam wieder umzuformen.
Speaker: Ja, und ich finde es gerade schön und habe da Lust auch, das nochmal für euch zu markieren.
Speaker: Also
Speaker: Diese Gefühle, egal ob sie für euch negativ, positiv, angenehm, unangenehm sind, wie auch immer ihr sie bewertet, sind ja grundsätzlich erstmal ein Anzeichen dafür, dass etwas da ist.
Speaker: Entweder ein erfülltes Bedürfnis oder auch ein Bedürfnis,
Speaker: unerfülltes bedürfnis oder eben ein hormoneller hintergrund oder eben ich bin einfach ein morgenmuffel also das können ja ganz unterschiedliche hintergründe sein warum diese stimmung oder dieses gefühl gerade da ist und erst mal das zu erkunden bevor man direkt denkt ach ich tue jetzt mal direkt was
Speaker: Ja, also hier unser Aufruf, lasst uns mal versuchen, noch mehr in diesen sogenannten unangenehmen Emotionen zu verweilen und uns darin ein bisschen umzuschauen und zu gucken, wie könnte ich mich hier einrichten und wo könnte der Ausgang sein?
Speaker: Und seid gewiss, ihr seid lernfähig, euer Gehirn ist lernfähig und kann eben auch diese Dinge lernen, besser zu halten, in Kontakt zu sein.





