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Mehr Glimmers im Leben

Konflikte in kleinen Dosen
Konflikte in kleinen Dosen

35 plays · Mar 25, 2026

Darauf, auf das ich mich fokussiere, davon bekomme ich mehr. So auch mit kleinen Funken der Freude und des Glücklich-seins am Tage. Wir als Menschen sind super stark in selektiver Wahrnehmung. Diese Superpower können wir nutzen in stressigen oder nervigen Momenten. Weiterer Lesestoff: Gerhard Tewes - Glimmer Bild: Nils Gilleßen Musik: Jan Lagowski

Transcript

Speaker: Hallo und herzlich willkommen zu Konflikte in kleinen Dosen mit den Kellerkindern.

Speaker: Alina Jensen.

Speaker: Und Lisa Zenker.

Speaker: Willkommen.

Speaker: Ich habe neulich in der Bahn was Verrücktes erlebt, das wollte ich dir nochmal eben erzählen.

Speaker: Ich bin mit meiner Tochter zur Schule gefahren, morgens im Berliner Verkehrschaos.

Speaker: Und wir hätten gar nicht genug Zeit hier in diesem Podcast, was ich alles in diesen anderthalb Stunden erlebt habe.

Speaker: Ich versuche einen kleinen Ausschnitt daraus zu nehmen.

Speaker: In der ersten Situation ist eine Frau zwischen die Hände meiner Tochter und mir gerast und hat uns damit auseinandergerissen, nur damit sie einen Platz im Bus bekommt, der total überfüllt war mit Leuten.

Speaker: Da war ich schon fassungslos im ersten Moment.

Speaker: Dann sind wir mit dem nächsten Verkehrsmittel gefahren und da habe ich in meiner eigenen

Speaker: Wut und Genervtheit, die ich bis dahin noch nicht gespürt habe, weil ich irgendwie für mein Kind da sein wollte, meine Laune halten wollte, eine Frau beobachtet, die mitten in der U-Bahn steht, ohne sich festzuhalten und sich dann aufgeregt hat,

Speaker: dass die Bahn gebremst hat und sie sich bewegt hat und dabei fast umgefallen wäre.

Speaker: Und dann habe ich sie so kopfschüttelnd angeschaut, habe die Person beobachtet und habe dann danach mich beobachtet, weil ich dachte, also die Frau regt sich über Sachen auf, die sie selber kreiert hat und ich reg mich über die Frau auf.

Speaker: und beobachte sie einfach nur und bin eigentlich in derselben Emotion.

Speaker: Es ist schon verrückt, wie viel an Dingen so auf uns einprasselt jeden Tag, oder?

Speaker: Und was uns dann so aktiviert oder triggert oder uns Gefühle gibt.

Speaker: Also ich meine, die Gefühle stellen wir ja schon in uns selber her, aber gleichzeitig ist das ja Teil davon.

Speaker: Ich finde das schon immens da draußen in der Welt, was wir da ausgesetzt sind.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Und in der Reflexion habe ich auch gedacht, was ist es?

Speaker: Und im ersten Moment dachte ich, also mir ist Gerechtigkeit total wichtig, die war gerade nicht da.

Speaker: Und in der zweiten Situation eben so diese Eigenverantwortung, von der ich ständig spreche.

Speaker: Und zu gucken, in welchen Handlungen stecke ich gerade drin und kann ich das ändern?

Speaker: Und aber...

Speaker: In beiden Fällen war ich eben selber so davon betroffen, dass ich mich da total habe reinziehen lassen.

Speaker: Und das automatisch, so habe ich es mir erklärt, eben bei mir auch irgendwelche Trigger angegangen sind durch diese Situation.

Speaker: Also Dinge, die mein Nervensystem angenommen haben, weil ich sie in der Vergangenheit schon mal erlebt habe und sie da schon mal Emotionen in mir hervorgerufen haben.

Speaker: Ja, und ich...

Speaker: Vielleicht kennt ihr das auch und ich erlebe das auch ganz viel, dass Menschen, wenn die in so einer Situation ausgesetzt sind, dann auch sofort gereizt oder laut oder aggressiv reagieren oder mit einem heftigen Augenrollen oder schnauben.

Speaker: Also dass gar nicht mehr wie so eine eigene Regulation stattfindet, die du ja in dir verwendest.

Speaker: hast stattfinden lassen, um eben nicht sie anzuschreien oder zurückzuschuppen.

Speaker: Und gleichzeitig merke ich, dass bei vielen Menschen dieser Mechanismus gar nicht mehr da ist, sondern in eine direkte Reaktion gegangen wird.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und ich glaube, das braucht diese Reflexion dazu eben.

Speaker: Und ich hatte in dem Moment sogar die Hilfe meiner achtjährigen Tochter, die dann sagte, aber Mama, du besträgst dich doch auch gerade auf.

Speaker: Und dann war ich so, huch, ertappt.

Speaker: Also da ist es gut, entweder, wenn man nicht von außen so ein Korrektiv hat, nochmal selber zu reflektieren.

Speaker: Und das Gute ist ja, die Emotionen sind ja eh passiert.

Speaker: Also wir haben sie entweder emotional im Kopf gemerkt,

Speaker: oder irgendwie auch körperlich gespürt.

Speaker: Und dann lohnt sich das total, da nochmal hinzugucken und zu sagen, was ist denn da eigentlich gerade passiert und ist das eine Situation, die mich wirklich in diesem Moment gestört hat oder hatte ich die früher schon mal und da hat sie dran angeknüpft?

Speaker: Das sind ja die sogenannten Trigger.

Speaker: Und einfach ist es auch wieder nicht, sondern es ist eher Übungssache und ein bewusstes Entscheiden auch, dass ich oder du oder ihr das anders machen möchtet.

Speaker: Also es ist nicht einfach, dass das kommt und euch zufliegt und sagt, ach, jetzt reguliere ich mich mal eben, sondern das ist wirklich etwas, was ihr aktiv steuern, wenn ihr wollt, müsst.

Speaker: Das ist eine Entscheidung, die ihr trefft.

Speaker: Gucke ich da jetzt hin, reagiere ich so, dass meine Impulse sich artikulieren oder möchte ich gerne anders reagieren, dann heißt es Übung an dem eigenen Wahrnehmen.

Speaker: Oh, was kommt da hoch?

Speaker: Wie möchte ich jetzt gerade reagieren?

Speaker: Und wie sehr bewusst da eine Stopptaste reinzulegen.

Speaker: Und das ist definitiv nicht leicht.

Speaker: Ja, ich finde das manchmal so herausfordernd, erwachsen zu sein.

Speaker: ständig Verantwortung für mich zu übernehmen und mich eben zusammenzureißen, es nicht immer anderen zu übergeben.

Speaker: Manchmal wäre ich auch gerne noch ein bisschen grantiger und würde es einfach so nach außen geben.

Speaker: In dieser Recherche haben wir aber noch ein schönes Wort gefunden für das, was Lisa gerade schon sagte.

Speaker: Wir können da was anderes draus machen.

Speaker: Wir können da irgendwie arbeiten.

Speaker: Und das sind die sogenannten Glimmers.

Speaker: Und die bedeuten einfach, dass wir, wenn wir von den Triggern gesprochen haben, dass wir auch uns ganz bewusst Momente entweder holen können oder Momente wahrnehmen können, die schon da sind, die uns eben verzücken, die unser Herz öffnen.

Speaker: Und das kann wunderschön sein.

Speaker: Und die, das meinst du ja auch, so ein bisschen über selektive Wahrnehmung kann man die steuern.

Speaker: So, da hattest du im Vorgespräch so ein schönes Beispiel, das finde ich wirklich bezeichnend.

Speaker: Vielleicht magst du nochmal unsere Zuhörerinnen da mit reinholen.

Speaker: Also da war ich auch in so einer BVG-Situation.

Speaker: Das ist vielleicht auch gut.

Speaker: Ein gutes Übungsfeld.

Speaker: Direktes Pendant zu den anderen.

Speaker: Das war auch ein neues Verkehrsmittel, diesmal war es die S-Bahn.

Speaker: Und dort stand ich am Gleis und fing wieder an, grantelig zu werden, weil jemand im nicht ausgezeichneten Bereich einfach eine Kippe geraucht hat und es voll gestunken hat.

Speaker: Und es war kalt in dem Moment und ich war migrantisch.

Speaker: Und dann habe ich mich daran erinnert, dass es diese Glimmers gibt.

Speaker: Und dachte ich, okay, ich suche mir jetzt diese winzig kleinen Funken hier am Tag, die ich brauchen kann, um aus der Situation herauszukommen.

Speaker: Und dann habe ich gesehen, wie cool der Sonnenschein da aufs Feld fällt, dass ich mit meinem Fahrrad fahren kann, ohne dass es total überfüllt ist, dass ich gerade frei habe und mein Kind gut betreut.

Speaker: Und wenn man erst mal anfängt, ist jetzt meine Erfahrung, ich habe es jetzt schon ein paar Mal geübt, dann kann das so richtig purzeln irgendwie.

Speaker: Also das ist ja wirklich wie so ein Muskel, den man trainieren kann.

Speaker: Ja, Übung macht die Meisterin auch in dem.

Speaker: Und ich finde das so schön, weil es triggert ja auch dein Nervensystem.

Speaker: Nur erzeugt es andere Gefühle oder Emotionen.

Speaker: Nämlich in dem Falle vielleicht ein kleines Lächeln.

Speaker: Und sobald sich der Kiefer entspannt, ist auch gleich so ein Schultern entspannt.

Speaker: Und dann setzt wie eine tiefere Atmung auch ein.

Speaker: Es ist vielleicht eine Entspannung, die sich dann einsetzt.

Speaker: Oder wir hatten das auch in der letzten Folge, dieser Seufzer, dieses...

Speaker: Also der kann ja auch stattfinden, wenn ich mich über etwas freue oder wenn ich mich wohlfühle.

Speaker: Und das kann ein Geruch vom Kaffee sein, das kann ein Huschen sein.

Speaker: Also das sind wirklich keine großen Events, die ihr euch da herstellt, sondern das sind diese Mini-Nuancen, wo ihr vielleicht ein bisschen mehr nach links guckt oder ein bisschen mehr nach oben und da vielleicht was anderes seht und damit auch...

Speaker: eine andere Reaktion in euch spürt.

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