Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen bei Konflikte in kleinen Dosen mit den Kellerkindern Alina Jensen und Lisa Zenker.
Speaker: Willkommen.
Speaker: Identität entsteht in Beziehungen.
Speaker: Das Thema finden wir so spannend und haben wir in der Vorbereitung auch sehr, sehr viel diskutiert untereinander, haben da sehr viele Meinungen und richtige Ergüsse dazu gerade gehabt.
Speaker: Und wie immer möchten wir das erstmal mit einem kleinen Beispiel untermauern, um das dann von
Speaker: von hinten aufzudröseln sozusagen.
Speaker: Ich habe Lisa gerade erzählt, dass immer, wenn ich wieder in mein Elternhaus fahre, meine Schuhe einfach mitten im Weg abstelle und mich dann erstmal aufs Sofa setze, weil ich weiß, meine Mutter wird mir dann erstmal ein Getränk anbieten.
Speaker: Und dann kommt spätestens nach der Frage, willst du was trinken, Mensch Alina, kannst du nicht mal deine Schuhe da aus dem Weg stellen?
Speaker: Und da muss ich immer wieder drüber lachen, weil in dem Haus, in dem ich hier in Berlin wohne, würde ich niemals dieses Verhalten an den Tag legen.
Speaker: Da bin ich dann wie so eine 14-Jährige, die einfach nicht drüber nachdenkt, wo die Schuhe landen und kriegt dann sofort Ärger von meiner Mutter.
Speaker: Hier in Berlin stelle ich natürlich meine Schuhe aus dem Weg, weil ich weiß, hier wohnen andere Menschen im Haus und ich möchte es für mich und andere Menschen schön gestalten.
Speaker: Und es ist ja ganz besonders das Verhalten, was du gerade beschreibst.
Speaker: Und ich kann mir vorstellen, dass es 10.000 andere Varianten gibt, wie du dich auch noch verhalten könntest.
Speaker: Aber das ist ja wie so dein ganz individuelles.
Speaker: Genau, das hat natürlich ganz viel damit zu tun, was ich für eine Beziehung mit meiner Mutter habe und sollte erst mal zeigen, dass wir uns ja auch in verschiedenen Situationen mit verschiedenen Menschen unterschiedlich verhalten.
Speaker: Und das ist das, wie ich diesen Satz interpretiere, dass meine Identität aus verschiedenen Facetten, aus verschiedenen Anteilen besteht.
Speaker: Und je nachdem, in welcher Situation und mit welchen Menschen ich mich umgebe, hole ich verschiedene Seiten und Ausprägungen raus.
Speaker: Und dann verhältst du dich anders?
Speaker: Und ich kann mir vorstellen, wenn dann deine Mutter auf dich zukommt, dir das Getränk anbietet und dich auffordert, die Schuhe zur Seite zu räumen, dann damit ist ja schon eine Beziehungsgestaltung passiert oder ein Kontakt entstanden.
Speaker: Und ich kann mir auch vorstellen, dass der...
Speaker: von Tag zu Tag oder von Mal zu Mal auch unterschiedlich aussehen kann, je nachdem welchen Zustand ihr gerade habt, ob ihr entspannt seid, ob ihr über das Muster lachen könnt, wenn es regelmäßig passiert oder ob es vielleicht auch nervt oder ihr in einem Zustand seid, wo ihr das nicht gut für euch regulieren könnt und dann ist eine andere Beziehungsgestaltung auch das Ergebnis davon.
Speaker: Genau.
Speaker: Und ich habe mich jetzt hier mit diesem Beispiel auch erstmal nackig gemacht, weil ich weiß, dass dieses Verhalten jetzt per se erstmal ganz normal ist.
Speaker: Weil, wie wir auch schon total oft hier angemerkt haben, ist das Gehirn ja so programmiert, dass es erstmal in der
Speaker: einen Energiesparmodus hat und den zapfen wir somit an.
Speaker: Also wir sind darauf aus, regelmäßige Dinge zu tun, Gewohnheiten zu schaffen, weil die eben nicht so viel Energie kosten im Gehirn und deswegen ist es erstmal normal, dass ich
Speaker: durch den Kontakt mit Menschen, durch die Erfahrung, ein gewisses Verhalten etabliere und das auch immer wieder zeige, wenn ich auf diese Person treffe oder in die Situation komme.
Speaker: Erst wenn ich dieses Verhalten immer und immer wieder zeige, was mir vielleicht gar nicht so dient, also so ein bisschen dysfunktional ist, dann können wir darüber sprechen, ob wir dieses Verhalten vielleicht noch mal verändern sollten.
Speaker: Also was du ja gerade sagst, ist unser Gehirn möchte kontinuierlich Komplexität reduzieren, weil das Leben einfach so heftig ist und deswegen ist es total dienlich, dass wir uns so eine Muster anschaffen.
Speaker: Und das hilft und das spart und das ist erstmal gut.
Speaker: So, und gleichzeitig, hast du ja auch gerade gesagt, kommt es in Situationen ja auch vor, dass ich dann wie schon so eine Vorerwartung habe.
Speaker: Also deine Mutter hat dann vielleicht die Vorerwartung, ach Alina kommt wieder, dann weiß ich ja, dass die Schuhe, dann mache ich schon mal Platz im Flur, damit sie da ihre Schuhe hinstellen kann.
Speaker: Also das passiert tatsächlich auch in Konfliktfällen, dass wir wie so eine Ahnung haben,
Speaker: wie sich der Partner oder die Partnerin oder das Gegenüber verhalten könnte, weil wir vielleicht schon eine Erfahrung gemacht haben und daher passen wir uns jetzt schon im Verhalten an, also sind dann vielleicht gar nicht mehr entspannt, sondern gehen schon mit einer Aggression oder mit einer Frustration oder mit einer Sorge in ein Gespräch, obwohl das noch gar nicht passiert ist.
Speaker: Aber nur aus der Erfahrung heraus passen wir uns schon an.
Speaker: Da habe ich leider direkt wieder ein Beispiel von Watzlawick und der Geschichte mit dem Hammer, dass jemand darüber nachdenkt, sich von dem Nachbarn einen Hammer zu leihen und dann in seinem Kopf so lange rumspinnt, was alles passieren könnte, wenn diese Person Nein sagt, dass der rausgeht, beinahe seinem Nachbar klingelt und den anschreit, warum er ihm denn keinen Hammer leiht.
Speaker: Und der Nachbar ist natürlich total überrascht von diesem Verhalten.
Speaker: Also damit hast du so den ersten...
Speaker: dieses erste Türchen in Richtung Konflikte aufgemacht, dass wir erstmal ein ganz normales Verhalten damit zeigen, indem wir eben erwartbare Situationen wiederherstellen wollen.
Speaker: Und aber der erste Schritt geht darin, wenn wir aber erwarten, dass es immer so passieren wird und eng und unflexibel werden, dann
Speaker: entstehen, glaube ich, sehr dysfunktionale Muster in dem Sinne, als dass wir dann keine Freiheit mehr haben, uns anders zu verhalten, wenn die Situation dann mal nicht so ist, wie wir sie uns erhoffen oder befürchten.
Speaker: Mhm.
Speaker: Und da merkt ihr wahrscheinlich, dass das eine große Verknüpfung hat auch an vorhergehende Folgen, vielleicht auch an das Konzept Mar, was ja Räume schafft, das hast du gerade gesagt, diese Freiheit zu behalten, wieder eine Entscheidung zu treffen, die bewusst ist, zu gucken, bringt das jetzt was?
Speaker: wenn ich genervt bin oder laut werde oder in mein bekanntes Verhalten verfalle.
Speaker: Oder kann ich mich wie in eine Pausentaste setzen und sagen, Moment, da möchte ich mich gerne gerade anders verhalten.
Speaker: Und es hat auch eine ganz gute Möglichkeit, das mal zu reflektieren, wie ich finde.
Speaker: Also ich stelle bei mir fest, dass ich ganz oft viel ruhiger bis hin zu melancholischer bin, wenn ich so ganz mit mir alleine bin.
Speaker: Und sobald ich auf andere Personen treffe, ist dann manchmal wie so eine Taste an und ich bin so da mit allem und auch viel humorvoller.
Speaker: Und wenn ich um diese ganzen Anteile in mir weiß, habe ich wieder die Chance, auch die rauszuholen und zu üben, bei anderen anzuwenden.
Speaker: Wie wir schon darüber gesprochen haben, diese Räume mal entstehen zu lassen, nicht in eine Stille rein zu quatschen, nur weil wir diese Stille nicht ertragen können, sondern überlegen, wo konnte ich diese Stille mal ganz gut halten und mit wem?
Speaker: Und dann das vielleicht auch zu reflektieren und Feedback mal zu geben, mit dir kann ich diese Stelle nicht so gut aushalten.
Speaker: Ich übe das aber gerade, ich wünsche mir das.
Speaker: Ich bin gerne mit dir zusammen zum Beispiel.
Speaker: Ja, und schaut auch, was das auf eure Beziehungsgestaltung, was das einen Unterschied macht.
Speaker: Macht es einen Unterschied?
Speaker: Welchen Unterschied?
Speaker: Gefällt euch der?
Speaker: Und lohnt es sich sozusagen auch da dran zu bleiben?
Speaker: Weil ihr seid nicht, sondern ihr seid.
Speaker: Selbst sitzt sozusagen in jeder Situation wieder neu und habt natürlich auch die Chance, eure Beziehung immer wieder neu zu gestalten.





