Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen bei Konflikte in kleinen Dosen mit den Kellerkindern.
Speaker: Alina Jensen und Lisa Zenker.
Speaker: Willkommen.
Speaker: Das heutige Thema ist, wir gewöhnen uns an alles.
Speaker: Und dazu habe ich ein sehr interessantes Beispiel mitgebracht, was mein Alltag gerade bestimmt, und zwar meine Arbeit.
Speaker: Ich war jetzt anderthalb Jahre festangestellt in Vollzeit und hatte schon bei dem Bewerbungsprozess
Speaker: Herausforderungen und viele Gedanken über das Unternehmen und habe mich gefragt, ob das wirklich zu mir passt und ob auch die Vollzeit mit Kind wirklich zu mir passt, sodass ich auch viel erfragt habe, ob es möglich wäre, nochmal in Teilzeit zu wechseln.
Speaker: Dann habe ich am ersten Tag des Antritts
Speaker: gespürt, dieses Set, dieses Setting-Set ist in dem Fall, fühle ich mich hier erst mal nicht so wohl.
Speaker: Und es waren dann aber am Ende die Menschen in meinem Team, die mich da wirklich jetzt die letzten anderthalb Jahre getragen haben.
Speaker: Diese komischen Gefühle, die erst mal am Anfang total diffus waren, wurden irgendwann konkreter.
Speaker: Ich konnte benennen, was mich dort herausgefordert oder gestört hat, was aber nicht dazu geführt hat, dass ich gekündigt habe.
Speaker: Und das ist das Interessante an der Geschichte, denn ich habe mich tatsächlich über die anderthalb Jahre so daran gewöhnt, mit diesem Störgefühl meinen Alltag zu bestreiten,
Speaker: dass ich das gar nicht mehr gemerkt habe, auch zum Teil, in welchem gesundheitlichen Zustand ich mich befinde und einfach weitergemacht.
Speaker: Und das finde ich gerade ganz bezeichnend, was du da beschreibst, weil das ist ein ganz, ganz typischer Verlauf.
Speaker: Unser Körper und vor allen Dingen auch unser Nervensystem ist so anpassungsfähig, dass es sich wie daran gewöhnt.
Speaker: Und du sagst es ja auch, also am Anfang waren die noch größer, die Effekte in dir.
Speaker: Und irgendwann gehörte es so dazu, dass es, ich sag mal, wie ein Abstumpfen gab und es gar nicht mehr die Pizzo eingenommen hat.
Speaker: Das ist natürlich jetzt total spannend.
Speaker: Der Spannungsbogen ist gespannt.
Speaker: Wie bist du denn da rausgekommen?
Speaker: Ich glaube, was auch wirklich ein typischer Effekt ist, ist, dass ich das gar nicht aus der aus einer eigenen Energie bei mir in meiner Umwelt, in meiner Lebensrealität sich was verändert hat, sondern Veränderung innerhalb der Organisation, die jetzt so
Speaker: aufrütteln waren, die diese Organisation nochmal komplett neu aufgestellt hat und umgedreht hat, die haben dazu geführt, mich wie so wach zu rütteln und zu sagen so, ey, sag mal, hackt's eigentlich?
Speaker: Du bist immer noch da.
Speaker: Was ist da los mit dir?
Speaker: Warum ist es so?
Speaker: Warum ist dir das so wichtig?
Speaker: Und meine Antwort darauf ist, dass ich natürlich
Speaker: existenzielle Ziele darin gefunden habe, diesen Job fortzuführen und auch eben auf dieser Beziehungsebene, die mir sehr wichtig ist, viel Erfüllung gefunden habe.
Speaker: Und ich kann mir vorstellen, dass sich die ein oder andere Hörerin oder der Hörer auch wiederfindet in dieser Beschreibung.
Speaker: Zum einen, dass Krisen im Außen wie uns wachrütteln und uns erst so eine richtige Veränderungsmotivation geben.
Speaker: weil es ja auch sauanstrengend ist, in so eine große Veränderung zu gehen.
Speaker: Also wir lieben ja, unser System mag es ja auch, sich zu reproduzieren und eigentlich zu stabilisieren dadurch.
Speaker: Wohl wissentlich, dass es immer nur so Nuancen nimmt der Anpassung, weil du hast dich ja an die Störfaktoren auch geändert.
Speaker: Also angepasst.
Speaker: Von daher hat sich ja irgendwas auch minimal verändert.
Speaker: Aber so wirklich, ich schreite von A nach B,
Speaker: Und mache das bewusst, das passiert durch den Träger von außen.
Speaker: Und dann hast du gesagt, dass du ganz gute Gründe auch gefunden hast, warum dein Verhalten die anderthalb Jahre auch wie eine Art Richtigkeit hatte.
Speaker: Oder Stimmigkeit, ne?
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, und deswegen habe ich das Beispiel ja auch erzählt, weil wir in der Vorbereitung auf das Thema auch gefunden haben, wie wichtig das ist, in dem Fall Selbstempathie zu haben und zu sehen, dass diese Energie in beide Richtungen ausschlagen kann.
Speaker: Also diese Anpassungsfähigkeit.
Speaker: hatte total viel Gutes für mein Leben.
Speaker: Und es ist in beide Richtungen okay, sich anzupassen.
Speaker: Es ist total in Ordnung, sich in solchen Situationen oder in Trauerreaktionen anzupassen.
Speaker: Das ist das Gute am Menschsein.
Speaker: Und wir können es aber auch beeinflussen in die positive Richtung.
Speaker: Genau und du sprichst gerade von diesen beiden Seiten.
Speaker: Ich glaube, uns ist es auch wichtig, die nochmal zu markieren, weil gesellschaftlich sehen wir auch gerade, wie wir uns anpassen zum Beispiel an rechtspopulistische Sprache.
Speaker: die in einem Prozess wie normal wird.
Speaker: Und wenn man aber dann mal kurz innehält und schaut, von wo wir eigentlich herkommen, merkt man schon, was für eine gewaltige Veränderung wir so peu à peu schleichend ertragen und als neues Normal auch wie akzeptieren oder uns darin einrichten.
Speaker: Was aber auch wieder total nachvollziehbar ist, weil wir eben nur ein gewisses Maß an Energie am Tag
Speaker: zur Verfügung haben.
Speaker: Und dieser Podcast, diese Folge soll euch vielleicht einfach nochmal daran erinnern, das nochmal zu überprüfen.
Speaker: Und dafür haben wir zwei verschiedene Parameter angesetzt sozusagen.
Speaker: Also im Innen und im Außen gibt es die Möglichkeit zu überprüfen, wie ihr in eurem
Speaker: Leben eure Energie einsetzt und wie diese Energie vielleicht nochmal anders verteilt werden könnte und ihr diesen Gewöhnungseffekt, der ja automatisch passiert, nochmal ins Bewusstsein holen könntet.
Speaker: Und ganz konkret könnt ihr zum Beispiel im Außen den Realitätscheck machen, indem ihr Menschen fragt, hey, sag mal, wenn du so auf meinem Leben blickst, wo gibt es denn Punkte, wo du denkst, dass ich mich
Speaker: eingerichtet habe oder wo du siehst, dass es vielleicht mal eine Überprüfung braucht, ob das noch so dienlich ist für mich.
Speaker: Sicherlich ist das eingefärbt, natürlich auch durch die Landkarte des Gegenübers und gleichzeitig hilft es schon mal, so einen Check zu bekommen.
Speaker: Und auf der anderen Seite, der innere Selbstcheck ist den eigenen Impulsen und Reaktionen und Gefühlen.
Speaker: Die sind ja nicht weggegangen bei deinem Beispiel.
Speaker: Also du hast ja schon auch bei jedem mal wieder einen Schmerz und eine Trauer und eine Wut und eine Irritation gemerkt, aber dem wie keine Bedeutung mehr gegeben, weil es sich so aneinandergereiht hat und dann irgendwie dazugehört hat.
Speaker: Und da für euch zu schauen, hey,
Speaker: Ich nehme mich wieder wahr und ich nehme mich auch wieder ernst in den Sachen, die hochkommen.
Speaker: Byron Katie, die Begründerin von The Work, sagte, sit with it.
Speaker: Das finde ich ganz gut.
Speaker: Also so hast du es gerade beschrieben.
Speaker: Ich nehme dich ernst damit.
Speaker: und überprüfe für dich vielleicht auch, indem du die einzelnen Themen aufmachst in deinem Leben, die einzelnen Felder, Arbeit, Privat, Hobby, wie auch immer du sie benennen möchtest und überprüfe mal, wie viel Energie geht in welche Sparte und bist du damit okay oder möchtest du daran was verändern, wenn du überprüft hast, wie es dir eigentlich gerade damit geht?
Speaker: Und lasst uns da gerne teilhaben von euren Erfahrungen unter konflikte.kellerkinder.online.





