Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen bei Konflikte in kleinen Dosen mit den Kellerkindern.
Speaker: Alina Jensen.
Speaker: Und Lisa Zinker.
Speaker: Willkommen.
Speaker: Sag mal, ich habe ein Wort, das spreche ich jetzt aus und ich bin richtig gespannt, was dir als erstes dazu einfällt.
Speaker: Lass uns einfach mal frei assoziieren.
Speaker: Und zwar Wut.
Speaker: Also zuerst kommt mir Zerstörung, Feuer, Glut.
Speaker: Ja, ich habe auch Hitze, sagen, was man nicht meint, übertreiben.
Speaker: Ich habe diese indische Götzchen Kali im Kopf, die einfach über alles wegfegt.
Speaker: Katastrophen.
Speaker: Ja, Überreaktion, keine rationalen Entscheidungen mehr, wild sein.
Speaker: Strategien, die nicht funktionieren.
Speaker: Schon interessant, weil eigentlich wollen wir heute über Wut sprechen und wie Wut eigentlich gut tut in Konflikten und wie das auch mal helfen kann, dieses Gefühl zu benutzen als Energiequelle.
Speaker: Mal schauen, wie wir da jetzt hinkommen, weil offensichtlich ist ja in unserer Gesellschaft und auch bei uns selber gar nicht, ist das Image gar nicht so gut von der Wut.
Speaker: Ja, habe ich auch gedacht, da haben wir uns jetzt so ein richtig schönes Ei gelegt, in dem wir...
Speaker: Genau das Gegenteil von dem, wo wir hinwollten, jetzt hier aufgezeigt haben.
Speaker: Ich bin gespannt, wie wir die Brücke bauen, aber vielleicht kann ich trotzdem einfach nochmal einsteigen damit, dass ich auf jeden Fall bei mir bemerkt habe und wir in der Vorbereitung, dass schon alleine das Wort Wut so viele für uns negativ behaftete Konditionen zutage gebracht hat, dass es vielleicht an dieser Stelle gut ist, die erstmal alle rauszuhauen, um dann nochmal tiefer einsteigen zu können.
Speaker: Und vielleicht auch da schon die erste Abgrenzung zu haben, das meinen wir nicht.
Speaker: Es gibt ja diese sogenannten Fight-Flight-Freeze-Modi, die als Abweichungsmechanismen oder als Kampfstrategien genannt werden, die so typische Reaktionen auf akute Stresssituationen sind.
Speaker: Und das ist das, was wir nicht meinen.
Speaker: Das sind Strategien, die uns in dem Fall...
Speaker: nicht gut tun, sondern wir wollen jetzt langsam in den nächsten Minuten dahin kommen, eben ein Wort für Wut zu finden, was gut passt und wo wir uns vielleicht in unseren Gefühlen regulieren können mit der Wut.
Speaker: Weil was kann denn die Wut uns alles Gutes tun?
Speaker: Also zum einen hat Wut eine enorme Kraft und ist eine richtige Energiequelle im Körper.
Speaker: Also wenn man sich mal so im Ultrarotscanner anguckt vom Körper, wo dann Areale aktiviert sind, dann ist es fast überall.
Speaker: Das heißt, dass die Zellen und unser Nervensystem einfach in seiner sehr hohen Spannung stehen.
Speaker: Spannung bedeutet Kraft, Spannung bedeutet, dass wir hoch fokussiert sind, Spannung bedeutet aber auch, oder Aktivierung bedeutet auch, dass wir die Atmung benutzen, um diese Kraft noch zu verstärken.
Speaker: Also wir atmen dann meistens sehr,
Speaker: Flach, aber dafür kräftig.
Speaker: Und alle Zellen sind sozusagen darauf ausgerichtet, eigentlich wie zu kämpfen.
Speaker: Und wie wir das auch in jeder Folge, in der wir über Gefühle sprechen, immer wieder sagen...
Speaker: Erstmal ist auch die Wut eine Information.
Speaker: So wie verschiedene Emotionen, Gefühle eine Information sind, ist auch Wut eine Information in Form von Energie.
Speaker: Und was es auch Schönes an sich hat, ist, dass wir so bei uns sind und uns spüren, weil diese Wut ist.
Speaker: Genauso wie Gefühle können wir körperlich wahrnehmen.
Speaker: Und das bedeutet, ich bin auf jeden Fall bei mir angekommen, wenn ich jetzt an den Konflikt denke, nicht bei meinem Gegenüber, sondern in meinem Körper.
Speaker: Und ich kann genau spüren, dass ich gerade mich in einer Situation befinde, mit der ich nicht einverstanden bin.
Speaker: Ja, oder dass mir etwas wichtig ist und das gerade verletzt ist.
Speaker: Also das ist ein schönes Indiz und ein gutes Beispiel, wie ich finde, um zu erkennen, also so nicht.
Speaker: Und wie wertvoll ist das eigentlich?
Speaker: Weil sonst...
Speaker: Ich weiß nicht, wie es euch da draußen geht, aber ich grübel schon manchmal und stelle mir die Frage, ach, was sind denn eigentlich gerade meine Bedürfnisse und was bräuchte ich denn jetzt, damit es mir besser geht?
Speaker: Und bei Wut ist es wie klar, so wie es jetzt ist, das möchte ich nicht.
Speaker: Und das ist ja schon mal die Hälfte der Miete.
Speaker: Und aber auch kein Wunder, dass es so schwierig ist, das nochmal irgendwie umzuprogrammieren gedanklich, weil ich schon behaupten würde, dass wir gesamtgesellschaftlich eben nicht darauf erzogen sind, unsere Wut zu jeder Zeit und an jedem Ort zu
Speaker: rauszubringen, weil da oft eher kein Platz für ist und eher in anderen Modi, also in so Anpassungsmodi für die Gesellschaft sozusagen, uns anzupassen.
Speaker: Und vielleicht könnt ihr da nochmal den Podcast Frust ist muss zu hören, als kleine Erinnerung.
Speaker: Da haben wir gesagt, es ist gut ab und zu mal die Bedürfnisse zu kennen, aber auch da zu verhandeln, wann lebe ich was aus.
Speaker: Und bei der Wut ist es so ähnlich.
Speaker: Wir haben dann irgendwie gelernt, wir haben diese Wut, aber wir müssen irgendwie lernen, die wegzupacken.
Speaker: Und dennoch ist es oft eher wie so Mauerwurfs-Hügel, dass sie dann das Wegpacken ist keine Bearbeitung, sondern kommt irgendwie an einer anderen Stelle wieder raus.
Speaker: Und ich finde, wir haben wenig Strategien gelernt, das nochmal hervorzuholen und uns das nochmal anzugucken, woher diese Wut kommt.
Speaker: Ja, und das merke ich auch gerade, wenn ich meine Tochter begleite, die jetzt zwei ist und ihr Ich langsam entdeckt.
Speaker: Und da sind auch Wutausbrüche sehr häufig an der Tagesordnung bei uns.
Speaker: Und ich habe gemerkt, wie ich wie keine...
Speaker: Vorbilder habe, wie begleite ich denn diese Emotion und wie mache ich es, dass die Wut stattfinden darf, ohne dass sie um sich schlägt, dass sie in sich reinfrisst, dass sie sich zu schnell in eine Anpassung begibt und das wandelt vielleicht in eine Traurigkeit oder sowas.
Speaker: Und dass es gar nicht so leicht ist, mit dieser Kraft den Raum zu halten.
Speaker: Ja, da habe ich auch sofort Erinnerungen an die Zeit, wo meine Tochter kleiner ist, weil das da auch einfach, also mir hat das auch ganz oft Scham ausgelöst, wenn sie sich irgendwie draußen hingeschmissen hat und irgendwie auffällig war, ne, so...
Speaker: Supermärkte sind ja tolle Beispiele dafür und dann ist es ja eine schlaue Strategie für uns selbst, erstmal die Kinder in dem Fall aus dieser Wut rauszuholen, damit wir uns gesellschaftlich anpassen können und vielleicht gerade selber dieses Schamgefühl nicht empfinden müssen.
Speaker: Und es ist aber nur so eine kurze Erleichterung und auf lange Strecke hat es glaube ich viele, viele Nachteile, oder?
Speaker: Ja, ich glaube auch.
Speaker: Also das, was ich bei mir merke, ich habe noch nicht, ich bin auf dem Weg, einen gesunden Zugang zu meiner Wut und wie die Abgrenzung gelingt mir teilweise gar nicht so gut, weil diese Energie, von der ich vorhin gesprochen habe, die hilft uns, für uns einzustehen.
Speaker: An dem Punkt zu sagen, halt, stopp, bis hierhin und nicht weiter, mir ist das gerade wichtig.
Speaker: Und das wie auch nachzuhalten und nicht bei dem ersten Gegenwind einzulenken und zu sagen, na gut, okay, war vielleicht doch nicht so wichtig, sondern da standhaft zu bleiben und zu wissen, nee, das hat jetzt eine Berechtigung.
Speaker: Und Grenzen setzen, das trotzdem kontaktvoll, das ist, glaube ich, die Kunst.
Speaker: Also es ist ja immer die Frage des Wie's.
Speaker: Und das heißt jetzt nicht, dass ich mich auf den Boden werfe und in einem Gespräch dann sage, nein, aber mir ist das so wichtig und nicht aufhöre zu strampeln.
Speaker: Das ist sicherlich keine günstige Strategie im Erwachsenenalter.
Speaker: Aber wie könnte es denn sein?
Speaker: Und da haben wir mal so ein bisschen in unseren Körper reingehört, wann kriegen wir uns denn ganz gut wie in eine Fassung gebracht, ohne das Gefühl zu verlieren?
Speaker: Und das wäre, wenn wir zum Beispiel mit der Atmung gehen.
Speaker: Also
Speaker: ganz bewusst die Atmung nehmen und uns sozusagen in sie vertiefen und darüber vielleicht nicht nur in eine flache Atmung zu kommen, sondern auch in eine kräftige Bauchatmung.
Speaker: Dann haben wir zumindest den Kontakt zu uns hergestellt und es ist nicht wie so eine Kopfwut, die alles zerstört, sondern wir sind zumindest mit uns in Kontakt und damit gelingt es auch leichter, mit unserem Gegenüber noch in Kontakt zu bleiben.
Speaker: Daran schließe ich auch gerne diese Body-Scan-Übung an, wie du gesagt, den Atem.
Speaker: Und ich gehe dann so weit, dass ich den Atem dann durch den ganzen Körper schicke und dabei merke, wie steif ich dann manchmal bin, gerade so ein Brustkorb.
Speaker: Und wenn ich das in Bewegung bringe, wie diese Wut eben als Energie in Bewegung gebracht werden möchte, dann kann ich die einmal von Kopf bis Fuß durch meinen Körper schicken.
Speaker: Und das ist ja erstmal eine Herangehensweise, wie wir mit uns selber umgehen können, dass wir diese Energien, die im Körper stecken,
Speaker: auch nutzen und gleichzeitig hilft es auch, wenn wir das gemacht haben, im nächsten Schritt die Wut auch zu adressieren an die Person, wie du gesagt hast, um die eigenen Grenzen zu schützen und zu wahren und ernst zu nehmen.
Speaker: Ihr könnt euch aber auch bewegen.
Speaker: Also wenn so viel Energie in eurem Körper steckt, ist es vielleicht auch gut, erst mal diese Energie an Fluss zu verleihen.
Speaker: Und das passiert am besten über Bewegung, also ein
Speaker: ein kurzer Spaziergang, ein Fenster öffnen, ein Aufstehen, ein zur Toilette gehen.
Speaker: All das kann Energie transformieren, ohne dass sie weggeht, sondern sozusagen, dass es im Körper fließen kann.
Speaker: Was ich ganz neu habe, ist Schreien.
Speaker: Schreit mal, stell dich an die U-Bahn, wenn die einfällt, schreien, in den Wald gehen, einfach mal schreien.
Speaker: Dann kannst du innerhalb von Sekunden, merkst du direkt, wie sich so die Energie in deinem Körper verändert.
Speaker: Ja, und damit unsere Einladung, der Wut einen Raum zu geben und sie zu nutzen.




