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#63 Funktionskultur statt Zeitkultur| Vertrauenskultur | Nähe statt Distanz | Interview mit Enno Simonis   image

#63 Funktionskultur statt Zeitkultur| Vertrauenskultur | Nähe statt Distanz | Interview mit Enno Simonis

Führen mit Herz & Verstand
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61 Plays6 months ago

Führen mit Herz und Verstand

In dieser Folge spricht Normen Ulbrich mit Enno Simonis – Diplomkaufmann, CEO der Otto Dörner Gruppe und leidenschaftlicher Gestalter von Unternehmenskultur – über Führung zwischen Vertrauen, Verantwortung und moderner Arbeitswelt. Seit 30 Jahren prägt Enno den Weg des Familienunternehmens, das heute mit über 1.300 Mitarbeitenden zu den führenden Akteuren seiner Branche zählt.

Er gibt tiefe Einblicke, warum Führung immer vom Menschen ausgehen sollte: Weshalb Vertrauen als Vorschuss wirkt, wie sich Führungskultur von der Zeit- zur Funktionslogik entwickelt und warum Nähe stärker motiviert als Distanz.

🔎 Themen dieser Folge:

  • Vertrauen als Vorschuss: Warum Führung ohne Misstrauenskultur gelingt

  • Zwischen Zeit- und Funktionskultur: Wie moderne Arbeit Freiheit ermöglicht

  • Nähe statt Distanz: Was das „Du“ in kritischen Momenten bewirkt

  • Erwartungen klar formulieren: Konsequenz und Klarheit als Führungsinstrumente

  • Vom Patriarchat zur modernen Führung: Warum Menschen mögen die wichtigste Kompetenz ist

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🖼️ Das Führungsposter: Dieses Poster bietet Führungskräften und Teams inspirierende Grundsätze, um eine positive und unterstützende Atmosphäre zu schaffen. Es fördert Innovation, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung und stärkt so die Führungskompetenzen im Unternehmen. Das Führungsposter ist in den Größen A3 und A2 erhältlich. Du findest es bei uns im Shop.

Recommended
Transcript

Freiheit für Mitarbeiter und Führungskräfte

00:00:00
Speaker
Wenn du selber den Mitarbeitern eine lange Leine lässt, bist du auch selber frei.
00:00:07
Speaker
Du kannst dich als Mitarbeiter vielfach in so einem Unternehmen auch nur vernünftig entwickeln, wenn dein Unternehmen wächst.

Führungskultur und Unternehmenserfolg

00:00:14
Speaker
Der Erfolg eines Unternehmens hängt ganz entscheidend von der Führungskultur im Unternehmen ab.
00:00:20
Speaker
Denn wenn sich Mitarbeiterinnen zufrieden fühlen, steigt die Produktivität um bis zu 20%.
00:00:27
Speaker
Doch die Frage lautet, wie kann das bei dem hohen Druck der Zeitverdichtung und den vielen operativen Aufgaben gelingen?
00:00:34
Speaker
Lausche den Deep Talks und erhalte erprobte und praxisnahe Führungswerkzeuge für eine sinn- und menschenorientierte Führung.
00:00:41
Speaker
Erlebe gleichzeitig, wie eine positive innere Haltung den Unterschied bei meinen Gästen gemacht hat.
00:00:48
Speaker
Ich bin Norm Ulbrich und heiße Dich herzlich willkommen zu meinem Podcast Führen mit Herz und Verstand.

Vorstellung: Enno Simonis

00:00:56
Speaker
Heute darf ich euch einen ganz besonderen und wunderbaren Gast ankündigen.
00:01:01
Speaker
Seit 30 Jahren gestaltet er den Weg eines Unternehmens, das heute mit rund 1300 MitarbeiterInnen zu den führenden Akteuren seiner Branche zählt.
00:01:10
Speaker
Als Diplomkaufmann verantwortet er bedeutende Schritte, die Expansion in Norddeutschland, die Kommunalentsorgung für bis zu eine Million Menschen, Digitalisierungsprojekte und den Aufbau von Kundenportalen.
00:01:22
Speaker
Heute leitet er die Otto-Dörner-Gruppe als CEO,
00:01:25
Speaker
Mit klarer Haltung, viel Erfahrung und spürbarer Leidenschaft für Menschen.

Vertrauen und Verantwortung in der Führung

00:01:30
Speaker
Seine Überzeugung, Führung heißt Vertrauen schenken, Verantwortung zutrauen und Freiheit ermöglichen.
00:01:37
Speaker
Motivation kann niemand machen, aber Demotivation lässt sich vermeiden.
00:01:42
Speaker
Für ihn sind Führungskräfte vor allem Ermöglicher, Trainer, die Talente entwickeln.
00:01:48
Speaker
Besonders prägend finde ich sein Bild vom Segelboot.
00:01:51
Speaker
Bei Sonnenschein ist jede Mannschaft gut, im Sturm zeigt sich, warum Dutzkultur, Vertrauen und Nähe so entscheidend sind.
00:01:58
Speaker
Was mich beeindruckt, er denkt Führung immer von Menschen aus, nicht von Kontrolle.
00:02:04
Speaker
Respekt, Klarheit und Integrität sind seine Maßstäbe.
00:02:07
Speaker
So bleibt er nahbar und gleichzeitig konsequent.
00:02:10
Speaker
Und damit sage ich herzlich willkommen im Podcast.
00:02:12
Speaker
Ich freue mich riesig, dass du heute hier bist.
00:02:14
Speaker
Enno Simonis.
00:02:16
Speaker
Ja, hallo Norman.
00:02:18
Speaker
Hi.

Kulturelle Veränderungen im Unternehmen

00:02:19
Speaker
Enno, du hast einmal Führung mit einem Seegeboot verglichen und du hast so sinngemäß gesagt, also es ging da in unserem Gespräch um die Dudes-Kultur und dass du so ein Dudes-Typ bist, so habe ich das verstanden.
00:02:32
Speaker
Und du hast so sinngemäß gesagt, auf so einem Seegeboot bei Sonne,
00:02:38
Speaker
und klarem Wetter ist das kein Problem, quasi, wenn alle sich siezen, aber im Sturm wird das ein bisschen schwierig.
00:02:46
Speaker
Und genau, kannst du uns von solch einem Stormmoment, wo dir diese Nähe für die Aufgabe nützlich war, kannst du uns von dem, kannst du uns in so einem Stormmoment mal mitnehmen?
00:02:59
Speaker
Ich will ein bisschen weiter ausholen, also auch da, das ist ja auch, auch diese Sichtweise ist eine Entwicklung.
00:03:05
Speaker
Ich habe
00:03:07
Speaker
Mal angefangen und im Unternehmen und eine der prägenden Persönlichkeiten, die mich und meine Sichtweisen geprägt haben, war logischerweise mein Vater.
00:03:20
Speaker
Und der war der tiefsten Überzeugung, dass man sich in der Firma siezen muss.
00:03:25
Speaker
Und genau mit dieser Überzeugung bin ich natürlich auch in so eine Firma vor 30, 35 Jahren gegangen und habe mich mit allen gesiezt.
00:03:33
Speaker
Und gerade wenn du Karriere machen willst, hat er mir eingetrichtert,
00:03:37
Speaker
musst du dich siezen.

Krisenmanagement und Teamzusammenhalt

00:03:39
Speaker
Und also ich habe mich mit allen gesiezt.
00:03:42
Speaker
So im Großen und Ganzen ließ ich das aber dann irgendwie dann doch nicht durchhalten.
00:03:46
Speaker
Und dann wurde das aufgeweicht und dann fand ich das irgendwann auch ungerecht.
00:03:51
Speaker
Also zu sagen, wen duzt sich denn jetzt, aus welchen Gründen und wieso und wen siezt sich und warum eigentlich.
00:03:58
Speaker
Und
00:03:59
Speaker
Die Zeiten haben sich einfach, glaube ich, auch geändert.
00:04:02
Speaker
Und auch meine Sichtweise hat sich geändert.
00:04:04
Speaker
Und da kommt eben auch diese Sichtweise her, zu sagen, ja, bei schönem Wetter, da kannst du dich auch siezen.
00:04:15
Speaker
Aber wenn du wirklich mal in Schwierigkeiten bist, also ich sage mal,
00:04:23
Speaker
Situationen erlebst, wie wir hatten in der Firma mal so einen Hackerangriff und dann nichts mehr geht, nichts mehr geht und alles, also ja nicht mal mehr das Telefon geht heute und alles dann manualisiert werden muss und mit riesigem Aufwand und Einsatz der Mitarbeiter, wo alle weit über das gewöhnliche Maß hinausgehen müssen.
00:04:50
Speaker
Und warum machen das Menschen?
00:04:53
Speaker
Und dann, also ja nicht wegen Befehl und Gehorsam, glaube ich, sondern das machen sie eben aus meiner Überzeugung heraus, aus einer intrinsischen, tiefen, inneren Motivation und einer Identifikation mit dem Unternehmen.
00:05:07
Speaker
Und dann glaube ich, jeder von uns, auch so ein Sie, erzeugt so einen Abstand, was mein Vater auch richtig und wichtig und gut fand, so früher.
00:05:20
Speaker
Also der hat immer zu mir gesagt,
00:05:22
Speaker
Es lässt sich leichter du Arschloch sagen als sie Arschloch und das wäre irgendwie besser und ich finde, du erzeugst damit auch so eine Distanz.
00:05:33
Speaker
Also die deutsche Sprache ist schon eine sehr feine Sprache und
00:05:37
Speaker
mit dem sie erzeugst du auch mehr Distanz.
00:05:40
Speaker
Und die Frage ist ja, möchtest du Distanz erzeugen oder möchtest du sie nicht erzeugen?
00:05:44
Speaker
Und aus meiner Sicht, ich möchte sie eben nicht mehr erzeugen, weil ich finde jetzt in unserem Unternehmen gibt es ganz viele tolle Mitarbeiter und jeder an seiner Stelle ist ein toller Mitarbeiter.
00:05:57
Speaker
Und ich habe gewisse Erwartungshaltungen an die Rolle Kraftfahrer zum Beispiel,
00:06:04
Speaker
Ich denke aber nicht, dass ich etwas Besseres wäre als die, nur weil ich einen anderen Job habe.
00:06:09
Speaker
Vielleicht verdiene ich auch mehr Geld.
00:06:12
Speaker
Aber die haben auch eine klare Erwartungshaltung an mich.
00:06:16
Speaker
Und jeder von uns muss seinen Job möglichst gut machen.
00:06:20
Speaker
Und deswegen, wie gesagt, ich finde, deswegen kann ich mich mit allen wunderbar duzen und
00:06:29
Speaker
Die Sichtweise meines Vaters, dass dabei irgendwie Ernsthaftigkeit oder Distanz verloren geht, das kann ich nicht feststellen, sondern ich kann einfach sagen, in wirklich kniffligen Einsatzmomenten ist die Mannschaft eher bei dir, meiner Meinung nach beim Du, als wenn du da so ganz distanziert reinkommst mit goldenen Manschettenknöpfen, ein Stechtuch und sieh.
00:06:58
Speaker
Okay.
00:06:59
Speaker
Und diese Nähe, die das erzeugt, was du gesagt hast, wofür ist die aus deiner Sicht wichtig?
00:07:12
Speaker
Oder wo brauchst du die?
00:07:14
Speaker
Ja, also...

Vertrauen als Geschenk in Beziehungen

00:07:16
Speaker
Ich bin ja, hast du ja eingangs gesagt, ich bin ja jemand, der ganz stark an eine Vertrauenskultur im Unternehmen glaubt für Führung.
00:07:27
Speaker
Und Vertrauen ist ja ein Geschenk.
00:07:29
Speaker
Das heißt, du schenkst ja erst mal Vertrauen.
00:07:32
Speaker
In jeder Form der menschlichen Beziehung ist Vertrauen, glaube ich, wichtig und du verschenkst es erst mal.
00:07:40
Speaker
Also für mich ist immer das einfachste Beispiel, wenn du deinem Partner nicht vertraust,
00:07:46
Speaker
dann hat dein Partner am Ende des Tages ja auch nichts zu verlieren.
00:07:50
Speaker
Das heißt, aus meiner Sicht entsteht da mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zumindest eine self-fulfilling prophecy und das bei Mitarbeitern eben auch so.
00:08:00
Speaker
Und deswegen ist für mich erstmal, ich möchte gerne, also ich schenke allen Mitarbeitern erstmal Vertrauen.
00:08:08
Speaker
Ich halte das auch für richtig, auch wenn es hier und da in meiner Karriere schon mal enttäuscht worden ist.
00:08:14
Speaker
Deswegen bleibt das aber trotzdem richtig.
00:08:17
Speaker
Ich möchte gerne, dass die Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und sich wie Erwachsene benehmen und auch von mir wie Erwachsene behandelt werden.
00:08:29
Speaker
Und ja, dann habe ich noch so den Anspruch, ein gewisses Vorbild zu sein.
00:08:35
Speaker
zumindest ein Haltungsvorbild zu sein.
00:08:40
Speaker
Bevor wir auf das Haltungsvorbild, das finde ich ganz spannend, vor da auf eingehen, ist so ein bisschen wie bei der Anschnallpflicht, als die kam.
00:08:49
Speaker
Da gab es ja, also ich
00:08:51
Speaker
Ich bin in dem Alter, ich weiß nicht mehr, wie es davor war, aber ich weiß, dass es da große Diskussionen gab über Sinn und Unsinn von Anstehungspflicht im Auto.
00:09:01
Speaker
Und da ist immer dieser eine von, weiß ich nicht, 100 Fällen quasi erzählt worden, der...
00:09:09
Speaker
wo, also der durch die Windschutzscheibe geflogen ist und dadurch nicht verbrannt ist im Auto.
00:09:15
Speaker
Genau.
00:09:16
Speaker
Nicht von den 99, die überlebt haben, weil sie nicht durch die Windschutzscheibe geknallt haben.
00:09:21
Speaker
Genau.
00:09:22
Speaker
Und da erinnert mich das dran, weil das erlebe ich auch manchmal, dass wir...
00:09:27
Speaker
dass ich ein Unternehmen auf Führungskräfte treffe, die mir dann von den 5 oder 10 oder vielleicht auch 15 Prozent erzählen, die sie enttäuschen, also beim Vertrauen zum Beispiel oder die das missbrauchen.
00:09:38
Speaker
Du hast ja angedeutet, hast du auch erlebt.
00:09:41
Speaker
Hallo.
00:09:41
Speaker
In so vielen Jahren ist das auch anzunehmen.
00:09:46
Speaker
Aber
00:09:48
Speaker
Selbst wenn das 15 Prozent werden, die das dauerhaft enttäuschen, dann hast du ja immer noch 85 Prozent, die es nicht tun.
00:09:55
Speaker
Und die Frage ist, worauf sollte ich mich fokussieren?

Führungserwartungen und soziale Fähigkeiten

00:09:59
Speaker
Aber du kannst ja mal Leute fragen, du machst ein großes weißes Flipchart und machst einen kleinen schwarzen Punkt drauf und dann fragst du deine Mannschaft, die davor sitzt, was sie sehen.
00:10:11
Speaker
Mhm.
00:10:13
Speaker
Und dann würde ich mal tippen, dass 80% sagen, sie sehen einen kleinen schwarzen Punkt.
00:10:19
Speaker
Und maximal 20% sagen, sie sehen ein großes weißes Flipchart mit einem kleinen schwarzen Punkt drauf.
00:10:26
Speaker
Das ist ja nur so unsere Sichtweise.
00:10:28
Speaker
Oder es ist eine menschliche Sichtweise.
00:10:31
Speaker
Da habe ich zehn Mathe-Aufgaben mitgebracht.
00:10:34
Speaker
So 1 plus 1 ist 2, 2 plus 1 ist 3 und so weiter.
00:10:37
Speaker
Zehn Stück.
00:10:38
Speaker
Und die sechste oder siebte mache ich dann falsch.
00:10:42
Speaker
Und dann sind quasi genau das gleiche Prinzip, was du hattest.
00:10:45
Speaker
Dann sind ja 90 Prozent meiner Rechnungen sind richtig und 10 Prozent sind falsch.
00:10:51
Speaker
Aber im Grunde sagt fast nie jemand 90 Prozent.
00:10:54
Speaker
Aber immer sagen einige, das ist eine Aufgabe falsch hier.
00:10:59
Speaker
Guck mal, das ist so 8.
00:11:02
Speaker
Naumann, guck mal, du Idiot.
00:11:05
Speaker
Ich habe dich davon rechnet, was ist denn da los?
00:11:07
Speaker
Ja, genau, ja.
00:11:11
Speaker
Du hast gesagt Vorbild an Haltung.
00:11:16
Speaker
Wenn ich bei dir im Unternehmen arbeite, wie glaubst du, wie würde ich das erleben?
00:11:21
Speaker
Woran würde ich das festmachen?
00:11:23
Speaker
Ich würde von dir nichts erwarten, was ich von mir selber nicht auch erwarten würde.
00:11:27
Speaker
Und das würde ich versuchen auch vorzuleben.
00:11:30
Speaker
Und das ist so meine Grundeinstellung.
00:11:35
Speaker
Also mir hat mal
00:11:38
Speaker
Ich würde immer sagen, was du selbst nicht willst, das füge auch anderen nicht zu.
00:11:44
Speaker
Das ist bei mir so eine Grundhaltung.
00:11:47
Speaker
Da hat mal so ein schlauer Trainer zu mir gesagt, in meiner langen Zeit, dass es schließlich auch Sadisten geben würde.
00:11:55
Speaker
Ja, auch die gibt es wieder.
00:11:57
Speaker
Aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, bin ich in meinem Leben mit dieser Einstellung zu sagen, verlange nichts von anderen, was du nicht selbst machen würdest.
00:12:05
Speaker
Behandle andere nicht anders, als du selbst behandelt werden möchtest.
00:12:08
Speaker
Das war für mich immer ein gutes Maß.
00:12:11
Speaker
Und das würde ich einfach jedem raten, sich so zu verhalten, weil ich glaube,
00:12:17
Speaker
da bist du schon mal ganz gut unterwegs, wenn du dich selbst als Gratmesser nimmst.
00:12:23
Speaker
Und wenn du doch mal sagst, ich behandle andere Menschen nicht anders, als ich selbst behandelt werden möchte.
00:12:29
Speaker
Ich finde, das ist schon nicht unanspruchsvoll.
00:12:33
Speaker
Also wenn man das mal wirklich ganz...
00:12:35
Speaker
durchzieht und sagt so, wie möchte ich kritisiert werden oder wie möchte ich geführt werden, wie möchte ich, ja, wie gesagt, es gibt ja auch mal, es gibt natürlich die schönen Wettergespräche, aber es gibt ja auch immer mal Sachen, wo die vielleicht ein bisschen schwieriger sind, wo du sagst, ich möchte, dass irgendjemand sein Verhalten ändert und wie sage ich es dem jetzt vor diesem Hintergrund und das hat auch was damit zu tun, wie du
00:13:02
Speaker
dann am nächsten Tag in den Spiegel guckst.
00:13:05
Speaker
Also ich schlafe zum Beispiel immer gut, weil ich mit mir selbst versuche, sehr im Reinen zu sein.
00:13:13
Speaker
Und auch das ist etwas, was ich jedem raten würde, versuchen authentisch zu sein.
00:13:19
Speaker
Also du bist so, wie du bist.
00:13:20
Speaker
Versuch nicht anders zu sein.
00:13:22
Speaker
Und niemand ist gleich.
00:13:24
Speaker
Also wir sind alle anders.
00:13:26
Speaker
Und jeder muss versuchen, irgendwie auf seine Art und Weise zu
00:13:31
Speaker
authentisch zu sein.
00:13:33
Speaker
Und verhalte dich respektvoll.
00:13:35
Speaker
Das finde ich auch so unfassbar wichtig.
00:13:37
Speaker
Bringe allen Menschen Respekt und Wertschätzung entgegen.
00:13:42
Speaker
Aber auch das ist eine tiefe innere Haltung.
00:13:45
Speaker
Hast du die oder hast du die nicht?
00:13:47
Speaker
Und ich finde eben diese Social Skills heute beim Thema Führung mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als die Hard Facts.
00:13:59
Speaker
Also zu sagen, ja,
00:14:01
Speaker
Es gibt ganz viele schlaue Studenten, aber kannst du deswegen führen, weil du ein schlauer Student warst und ganz tolle, was weiß ich, lineare Optimierungen durchführen kannst im Kopf oder am Computer oder so?
00:14:14
Speaker
Folgt dir deswegen jemand?
00:14:17
Speaker
Also vielleicht irgendein Mathe-Genie, der sagt, oh Gott, kann der aber gut.
00:14:21
Speaker
Aber so grundsätzlich, wenn du sagst, ich möchte Leute begeistern, sag mal,
00:14:31
Speaker
vielleicht eine Müllabfuhr zu optimieren, was sehr viel mit körperlichen Dienstleistungen zu tun hat und vielleicht auch mit dem Schritt schneller gehen und so, dann glaube ich, da kannst du so viel und so gut rechnen können, wie du willst.
00:14:47
Speaker
Da sind dann irgendwelche anderen Skills gefragt, dass es dir gefolgt wird.
00:14:54
Speaker
Das, was du sagst, erinnert mich so ein bisschen an diese Herausforderung, die wir als Führungskräfte, egal auf welcher Ebene wir aktiv sind, haben, wenn wir so in Veränderungsprozesse eintauchen.

Herausforderungen der Digitalisierung

00:15:08
Speaker
Du hast eben von Optimieren der Müllabfuhr gesprochen, aber ich hatte das ja eingangs gesagt, ihr habt ja auch einige Digitalisierungsprojekte bei euch gemacht,
00:15:18
Speaker
durchgeführt oder seid wahrscheinlich auch dabei.
00:15:20
Speaker
Und da wird ja genau das die Herausforderung sein, Menschen mitzunehmen in solche Prozesse.
00:15:28
Speaker
Also weil sie ja auf jeden Fall noch Bestandteil unserer Arbeitswelt sind.
00:15:36
Speaker
Ich glaube auch übrigens immer bleiben.
00:15:39
Speaker
Also ich glaube immer bleiben.
00:15:41
Speaker
Und das kann KI geben, so viel es will.
00:15:45
Speaker
Da ist eins meiner Lieblingsbeispiele, ist zu sagen, oder behaupte ich auch, dass es richtig ist.
00:15:51
Speaker
Ich glaube, dass der meist untersuchte Bereich, wie Menschen handeln werden, die Börsen sind.
00:16:02
Speaker
Und ich glaube, dass sich da wirklich Menschen unfassbar viele Gedanken gemacht haben, um Börsenbewegungen vorhersagen zu können.
00:16:09
Speaker
Da gibt es ja, was weiß ich, angefangen bei der Chart-Technik, alles Mögliche.
00:16:12
Speaker
Und mit KI hat man da bestimmt auch
00:16:14
Speaker
Lange versucht, daran rumzuforschen, aber du hast immer einen, der verkauft und einen, der kauft.
00:16:24
Speaker
Und der, der verkauft, denkt, er macht das Richtige und der, der kauft, denkt auch, dass er das Richtige tut.
00:16:29
Speaker
Also ich glaube, und so wird es im...
00:16:34
Speaker
in so einer Firma auch immer sein.
00:16:36
Speaker
Du hast einfach Menschen und Menschen sind zum Glück unterschiedlich und zum Glück nicht vorhersehbar und handeln zum Glück nicht vorhersehbar.
00:16:45
Speaker
Vielleicht kannst du aus viel Erfahrung oder KI viel vorhersehen, aber in letzter Konsequenz
00:16:54
Speaker
weiß man nicht, was passiert.
00:16:55
Speaker
Also wir wissen weder, was um uns herum passiert.
00:16:59
Speaker
Also wenn du mich gefragt hättest, fliegen irgendwann mal Flugzeuge ins Empire State Building, da hätte ich gesagt, nein, das passiert nicht.
00:17:09
Speaker
Oder irgendwelche, gibt es einen Krieg in Europa, hätte ich auch gesagt, nein, das passiert nicht.
00:17:14
Speaker
Hätte ich mir nicht vorstellen können.
00:17:16
Speaker
Ich hätte es mir einfach nicht vorstellen können.
00:17:17
Speaker
Andere hätten es sich vielleicht vorstellen können, ich nicht.
00:17:20
Speaker
Und deswegen...
00:17:21
Speaker
Das sind ja auch da handeln Menschen in einer bestimmten Art und Weise, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können.
00:17:26
Speaker
Also hätte ich auch, wäre ich in einer falschen Strategie unterwegs gewesen und übrigens behaupte ich, auch KI hätte diese Handlung auch nicht vorhersehen können.
00:17:37
Speaker
Also das ist ja immer so dieses Buzzword, zu sagen, was passiert da alles und ich glaube eben, wir müssen Menschen mitnehmen, in denen wir vorleben und
00:17:51
Speaker
glaubhaft sind, wie gesagt, authentisch sind.
00:17:54
Speaker
Und ich auch das, also als ich vor 30 Jahren angefangen habe, da war es so ein guter Mitarbeiter, wenn du eigentlich viel anwesend warst.
00:18:06
Speaker
Es war so eine Zeitkultur, nenne ich das.
00:18:09
Speaker
Hat sich das bei euch schon verändert?
00:18:10
Speaker
Ja, wir haben absolut, also meiner Meinung nach haben wir ganz stark eine Funktionskultur.
00:18:15
Speaker
Also mir ist das scheißegal, wer wo, wann, wie ist.
00:18:21
Speaker
Hauptsache, sie erfüllen ihre Funktion.
00:18:24
Speaker
Und mir ist das doch egal, wenn du Vertriebler bist und hast bis mittags um zwölf unglaublich gute Vertriebserfolge gemacht, wenn du danach in Timmdorf

Ergebnisorientierte Kultur und Zeitmanagement

00:18:38
Speaker
am Strand bist, ist mir Wumpe.
00:18:40
Speaker
Ich würde nicht sagen, Norman, wieso bist du nicht im Büro?
00:18:43
Speaker
Ja.
00:18:44
Speaker
Genieß es doch.
00:18:45
Speaker
Mach deinen Job, mach ihn gut.
00:18:47
Speaker
Wann, wie, wo.
00:18:49
Speaker
Ich glaube, das ist heute, wie gesagt, das ist eine andere Kultur.
00:18:55
Speaker
Also ich bin da ein großer Freund von.
00:18:57
Speaker
Also bei uns im Unternehmen haben wir auch so eine, also wir haben ja gar kein Gebäude, wo wir uns irgendwie treffen könnten.
00:19:04
Speaker
Wir sind verteilt über die ganze Welt und arbeiten sozusagen wann und wo,
00:19:10
Speaker
wir wollen.
00:19:12
Speaker
Und auch da würde ich sagen, spielt eine Menge Vertrauen, von dem du vorhin gesprochen hast, quasi von uns allen auch eine Rolle und Funktions, wie hast du es genannt, Funktionskultur?
00:19:21
Speaker
Ja, eine Funktionskultur versus Zeitkultur.
00:19:23
Speaker
Also das war viel mehr Zeit entscheidend.
00:19:26
Speaker
Genau.
00:19:28
Speaker
Aber so meiner Wahrnehmung würde ich sagen, also da gehört ihr sicherlich eher zu einer kleinen Gruppe an Unternehmen.
00:19:36
Speaker
Ja, weißt du, was ich erschreckend finde, ist, dass
00:19:40
Speaker
uns im Endeffekt vorgeschrieben wird, modern in Anführungsstrichen vorgeschrieben wird, vom Gesetzgeber die Arbeitszeit von jedem Mitarbeiter zu erfassen.
00:19:52
Speaker
Ja, und das gab es hier vorher gar nicht.
00:19:56
Speaker
Es sei denn Leute, die eben nach Zeit bezahlt wurden.
00:19:59
Speaker
Ja, da gab es das.
00:20:00
Speaker
Aber ansonsten gab es diese, haben wir immer eine Vertrauenskultur, auch was die Arbeitszeit angeht.
00:20:06
Speaker
Und wenn du sagst,
00:20:08
Speaker
du Mitarbeiter, ich vertraue dir nicht mal bei deiner Arbeitszeit.
00:20:12
Speaker
Was willst du denn dann noch?
00:20:13
Speaker
Also dann ist ja eigentlich schon vorbei das Gespräch.
00:20:17
Speaker
Und das finde ich so falsch vom Gesetzgeber, dass der da in einer völlig falschen Richtung etwas vorlebt, was meiner Meinung nach völlig überholt ist.
00:20:26
Speaker
Und ich weiß nicht, warum solche gestrigen Dinge auch noch in Gesetzen dann landen.
00:20:31
Speaker
Und
00:20:34
Speaker
Fürs Unternehmen ist das nicht schön, aber vor allen Dingen für Führung und für Mitarbeiter.
00:20:40
Speaker
Ich sage mal, was bringst du für eine Message rüber, wenn du sagst, so als erstes mal stempelst du morgens mal ein und stempelst abends wieder aus.
00:20:48
Speaker
Und ich muss sehen, wie viel Zeit du in der Firma verbracht hast.
00:20:53
Speaker
Also was ist das für eine Aussage, dass die es doch von...
00:20:56
Speaker
die ist so 30 Jahre alt.
00:20:59
Speaker
Naja, vor allen Dingen, also wenn du das dann, wenn du, also ich habe einige Mitarbeiterinnen, die Mütter sind, von noch jungen Kindern und bei denen beobachte ich das, dass die durchaus ihre Arbeit quasi
00:21:18
Speaker
in die Bereiche schieben, wo die Kinder schlafen oder unter Aufsicht sind.
00:21:24
Speaker
Das heißt, für die ist es manchmal viel, viel einfacher und viel, viel stressärmer, so würde ich sagen, so spiegeln die mir das wieder, zu sagen, die planen ihre fünf, sechs Stunden, was auch immer, so dass die in den Tag hineinpassen und die trotzdem maximal viel Zeit mit ihrer Family, ihren Kids verbringen können.
00:21:45
Speaker
Und dann arbeiten die vielleicht vormittags ein paar Stunden und dann holen die die mittags ab und dann sind die mit den Kids zusammen und dann arbeiten die vielleicht später nochmal eine Stunde, weil noch irgendwas ist.
00:21:54
Speaker
Und das geht ja in die gleiche Richtung.
00:21:55
Speaker
Also ich sage mal, Norman, diese Mitarbeiterin, die wäre ja nicht bei dir, wenn sie nicht eine Aufgabe hätte.
00:22:01
Speaker
Ja, ja, genau.
00:22:02
Speaker
Und irgendwo ist ja auch doch moderne Führung.
00:22:06
Speaker
Du schätzt ab, wie lange diese Aufgabe wohl dauern würde.
00:22:10
Speaker
Und wenn die dann das in der halben Zeit schafft,
00:22:15
Speaker
dann ist das ja nicht schlecht.
00:22:17
Speaker
Auf gar keinen Fall.
00:22:18
Speaker
Sondern dann ist das ja sehr gut.
00:22:19
Speaker
Und du würdest vermutlich mittelfristig auf die Idee kommen, zu sagen, okay, da stopfen wir nochmal irgendwas nach.
00:22:25
Speaker
Tu es, die schnell.
00:22:26
Speaker
Aber du würdest das auch irgendwann mitkriegen, dass die so schnell war.
00:22:30
Speaker
Aber das ist doch gut.
00:22:31
Speaker
Und was die dann sozusagen mit der zweiten Hälfte der Zeit macht, das ist doch ihr Ding.
00:22:37
Speaker
Sie hat doch ihre Aufgabe erfüllt.
00:22:40
Speaker
Und du bezahlst sie doch für eine Aufgabe und nicht für Anwesenheit.
00:22:43
Speaker
Und im Grunde, wenn du das jetzt weiterdenkst, was passiert denn?
00:22:48
Speaker
Also das ist ja sicherlich so, wenn jemand schneller fertig ist, dann schicken wir den ja tendenziell nicht nach Hause.
00:22:54
Speaker
Also die meisten machen das nicht.
00:22:56
Speaker
Also in Deutschland würde ich sagen, ist das nicht Kultur.
00:22:59
Speaker
Dass man dann um 15.30 Uhr sagt, okay, du hast deine Aufgaben erfüllt, müsstest du eigentlich nur bis 17 Uhr, genieß den Nachmittag.
00:23:06
Speaker
Sondern was würde man machen?
00:23:07
Speaker
Du hast noch eine extra Aufgabe dir verdient.
00:23:10
Speaker
Ey!
00:23:12
Speaker
Und eigentlich, also wenn die Menschen da nicht völlig dumm sind, dann müsste man eigentlich sagen, okay, dann mache ich halt noch ein Päuschen mehr.
00:23:19
Speaker
Oder I go slow.
00:23:23
Speaker
Und das ist natürlich, wenn man das, also das wird ja auch jeder, jede Führungskraft gar nicht anders betrachten, weil das ist ja völlig kontraproduktiv.

Delegation und strategisches Wachstum

00:23:33
Speaker
Führung ist meiner Meinung nach eben in dieser modernen Welt anspruchsvoller geworden.
00:23:38
Speaker
Ja.
00:23:40
Speaker
nicht einfacher, anspruchsvoller.
00:23:42
Speaker
Und Vertrauenskultur ist nicht zu verwechseln mit laissez-faire, meiner Meinung nach.
00:23:47
Speaker
Sondern natürlich kannst du einem erwachsenen Mitarbeiter klar vermitteln, eine Erwartungshaltung von ihm.
00:23:56
Speaker
Und diese Erwartungshaltung, die kannst du auch kontrollieren und überprüfen.
00:24:01
Speaker
Also das eine schließt das andere überhaupt nicht aus.
00:24:05
Speaker
Ich würde es aber funktional überprüfen und sagen,
00:24:09
Speaker
erfüllt der jetzt hier im weitesten Sinne seine Aufgabe?
00:24:12
Speaker
Ich behaupte, kommt sowieso immer raus, wenn irgendeiner seine Aufgabe nicht erfüllt.
00:24:16
Speaker
Also da muss man gar nicht groß überprüfen, sondern nur so ein bisschen mit dabei sein.
00:24:22
Speaker
Und wir sind ja hier auch so ein bisschen, ich bin ja auch so ein Großmeister von Plattitüden austauschen.
00:24:29
Speaker
Und deswegen möchte ich noch sagen, wenn du selber den Mitarbeitern eine lange Leine lässt, bist du auch selber frei, ne?
00:24:38
Speaker
Das ist wie mit dem Hund.
00:24:39
Speaker
Wenn du den an der kurzen Leine hast, wer ist dann an der kurzen Leine?
00:24:44
Speaker
Der Hund oder du?
00:24:45
Speaker
Das ist ja die Frage.
00:24:46
Speaker
Und an der langen Leine, mir ging es auch immer darum, ich konnte das immer ganz gut, das Delegieren und Wertschätzen.
00:25:00
Speaker
Und dadurch hatte ich, glaube ich, auch immer Freiheit, mir
00:25:04
Speaker
Dinge auszudenken als Führungskraft, die dann das Unternehmen auch weitergebracht haben.
00:25:12
Speaker
Auf deiner eher strategischen Ebene.
00:25:14
Speaker
Genau.
00:25:15
Speaker
Also wenn ich mich selber in die Funktionalität und in die Kontrolle und Überprüfung und all diese Dinge reinbringe, dann glaube ich, kannst du dein Geld als Führungskraft gar nicht verdienen mit dem Zeug.
00:25:26
Speaker
Sondern du musst ja irgendwie andere Gedanken bringen,
00:25:32
Speaker
Und dafür musst du die Leute einfach auch machen lassen.
00:25:35
Speaker
Also wie gesagt, das heißt nicht laissez-faire, nicht, dass ich da falsch verstanden werde, aber es heißt einfach modern, meiner Meinung nach eben moderne Führung und die ist ganz anders als die patriarchalische Führung, die wir gelernt haben.
00:25:56
Speaker
Und du hast mir mal erzählt, dass du längere Zeit auch bei der Bundeswehr warst.
00:26:01
Speaker
Da gibt es ja eine ganz klare, da kann man ja sozusagen vom Weiten sehen und anhand dessen, was auf den Schultern ist, wer da wie viel zu sagen hat.
00:26:11
Speaker
Und ich kam als junger Abiturient zur Bundeswehr, um meinen Wehrdienst da zu absolvieren.
00:26:20
Speaker
Und dann waren da meiner Meinung nach...
00:26:25
Speaker
also aus meiner Abiturientenbrille heraus, unter Offiziere, die eindeutig nach ihren Schulterklappen mir sagen durften, was ich zu tun und zu lassen habe, wo ich sagte, puh, also vom Intellekt sind die mir aber unterlegen.
00:26:38
Speaker
Aber die hatten natürlich von diesen Dingen, die dort wichtig waren, hatten die viel mehr Plan als ich.
00:26:46
Speaker
Und deswegen war es auch richtig, dass es meine Vorgesetzten waren und die mir das gesagt haben.
00:26:50
Speaker
Und dann natürlich in einer hierarchischen
00:26:54
Speaker
Art und Weise, das ist ja auch lange her, aber auch da finde ich interessant, wie ist denn heute so ein Führungsstil?
00:27:04
Speaker
Also da wird ja auch drüber diskutiert, glaube ich, in unterschiedlichen Armeen mit unterschiedlichen Führungsstilen und was ist wie erfolgreich.
00:27:17
Speaker
Am Ende ist ja die Frage auch, also
00:27:21
Speaker
Bei der Armee würde ich sagen, ist das so.
00:27:25
Speaker
Bei Feuerwehr finde ich, das ist mal mein Beispiel, was ich in meinen Trainings bringe mit Führungskräften, weil das noch ein bisschen handhabbarer für die meisten ist.
00:27:34
Speaker
Wenn du so einen Feuerwehrmann hast und du kommst, also da kommt so ein Trupp, der kommt dann zu so einem Feuer, dann gibt es halt
00:27:41
Speaker
Ein Häuptling, der hat halt irgendwie, der hat das Sagen, der hat auch hier die meiste Lamette auf der Schulter und der sagt jetzt, wohin welcher Trupp geht.
00:27:51
Speaker
Und dann schickt er da halt Leute vielleicht auch ins Haus, um irgendwie Überlebende rauszuholen.
00:27:55
Speaker
Und im Grunde, also da diskutiert ja niemand, wenn die vorm brennenden Haus stehen.
00:28:01
Speaker
Das kann man sich ja nicht vorstellen, dass wir uns erstmal zusammenstellen, überlegen, was sitzt das Cleverste, sondern da gibt es einen, der sagt und
00:28:07
Speaker
die anderen, die machen.
00:28:09
Speaker
Und ich würde sagen, also Bundeswehr, also wann warst du bei der Armee?
00:28:23
Speaker
88.
00:28:23
Speaker
Das war ja also noch am Ende des Kalten Krieges, also Bundeswehr noch als reine Verteidigungsarmee.
00:28:30
Speaker
Als ich bin 96 eingezogen worden, auch als Wehrpflichtiger,
00:28:36
Speaker
Und da war gerade dieser, begann sozusagen der Wandel in Richtung Armee im Ausland, Auslandseinsätze.
00:28:44
Speaker
Und da war dann also auf einmal eine wirkliche Bedrohung da.
00:28:49
Speaker
Also weil, ich sag mal, wenn
00:28:52
Speaker
Deutschland im Kalten Krieg angegriffen worden

Vertrauen in risikoreichen Rollen

00:28:54
Speaker
wäre.
00:28:54
Speaker
Da wären ja Soldaten eigentlich sogar in einer coolen Position, sage ich mal in Anführungszeichen gewesen, weil sie zumindest, also wären ja alle angegriffen worden in Deutschland und die hätten zumindest nicht verteidigen können.
00:29:07
Speaker
Bei so einem Auslandseinsatz ist das natürlich anders, weil da auf einmal dann Soldaten sich gemeldet haben, um irgendwo ans andere Ende der Welt geschickt zu werden und
00:29:15
Speaker
und dort dann ihre Haut zu Felde zu tragen.
00:29:19
Speaker
Und da habe ich mir immer gedacht, warum macht man das ja?
00:29:26
Speaker
Du trägst ja nicht dein Leben dort, bei der Feuerwehr würde ich sagen, genauso, weil das ehrenhaft ist.
00:29:33
Speaker
Das ist ja albern, das zu glauben.
00:29:36
Speaker
Sondern du machst das im Grunde aus den gleichen Gründen, die du vorhin schon mal gesagt hast, weil du dem, der jetzt sagt, wir müssen davor, weil du dem vertraust,
00:29:45
Speaker
Dass das korrekt ist, was der sagt.
00:29:47
Speaker
Und weil du dem vertraust, dass der alles dafür tut, dass du mit heiler Haut möglichst wieder rauskommst.
00:29:58
Speaker
Wenn du Leute in so ein brennendes Haus schickst und die wissen, dass sie nicht mehr rauskommen, dann würde sicherlich kein freiwilliger Feuerwehrmann da reinreden.
00:30:09
Speaker
Das heißt, du musst ja irgendwie diese Vertrauenskultur dann auch aufbauen.
00:30:12
Speaker
Und das ist vermutlich ja dann im... Ja, und das sage ich immer, also wenn du nicht vertraust, warum soll dir jemand vertrauen?
00:30:20
Speaker
Genau.
00:30:20
Speaker
Also das ist ja irgendwie auch ganz einfach.
00:30:21
Speaker
Was du sozusagen als Vorschuss gibst, was du dachtest.
00:30:23
Speaker
Ja.
00:30:25
Speaker
Und was tut ihr denn, du oder was tust du, was tut ihr bei euch, um diese Vertrauenskultur quasi zu stärken, am Leben zu halten?
00:30:36
Speaker
Also habt ihr da Maßnahmen, sage ich mal?
00:30:39
Speaker
Nein, also ich sage mal, wir leben hier eine Kultur, der verantwortlich, also von Verantwortung, von Umgang mit Erwachsenen und von wenig Kontrolle.
00:30:53
Speaker
Also
00:30:55
Speaker
Und wir versuchen eigentlich immer, ich würde dir sagen, versuchen zu erklären, was deine Aufgabe ist.
00:31:03
Speaker
Und dann würde ich denken, dass du ja weißt, dass du hier nicht in der Kita bist, sondern in einem professionellen Umfeld.
00:31:12
Speaker
Und dann würde ich dir als Profi zutrauen, da die Aufgabe auch zu erfüllen.
00:31:18
Speaker
Oder ich hätte ja bei der Auswahl von dir für die Aufgabe schon was falsch gemacht.
00:31:23
Speaker
Wenn du dafür gar nicht wusstest, was ich von dir wollte oder das gar nicht kannst, dann habe ich ja woanders was falsch gemacht.
00:31:31
Speaker
Aber wenn ich den richtigen ausgewählt habe, dann muss ich dir ja nicht sagen, wie du die Aufgabe erfüllen musst.
00:31:40
Speaker
Also das halte ich eben auch an unterschiedlichen Stellen, also sowohl im Unternehmen als eben auch in der Feuerwehr oder in der Armee für wichtig zu sagen, okay,
00:31:50
Speaker
Ich versuche dir die Aufgabe zu geben, den Sinn sozusagen, das Vertrauen, aber wie du das dann ganz genau machst, woher soll ich das wissen?
00:32:02
Speaker
Weiß ich ja nicht, weil ich bin ja nicht dabei.
00:32:05
Speaker
Du bist ja dann da.
00:32:06
Speaker
Und wenn in unserem Fall da der... Das musst du ja aus deinem Gefühl, wie man...
00:32:15
Speaker
wie gehe ich mit dem Kunden um?
00:32:17
Speaker
Oder wie gehe ich mit dem Kollegen um?
00:32:19
Speaker
Also, weil ich weiß ja nicht, was der gesagt hat und wie der dir gekommen ist.
00:32:23
Speaker
Und ich würde da sagen, Norman, die Grundidee sollte sein, dass wir versuchen sollten, den Kunden zu begeistern.
00:32:32
Speaker
Das ist die Grundidee.
00:32:35
Speaker
Und wie du das jetzt im Einzelnen machst, also das sollte auch schon dein Versuch sein.
00:32:40
Speaker
Dann würde ich dir sagen, lass dich aber bescheißen lassen, brauchst du dich dabei ja jetzt auch wieder nicht.
00:32:44
Speaker
Also das heißt, Kundenbegeisterung heißt ja nicht, dass du dich betrügen lassen musst, sondern das heißt schon Kundenbegeisterung.
00:32:53
Speaker
Und wie du das dann interpretierst, das würde ich dir überlassen.
00:32:58
Speaker
Mhm.
00:32:59
Speaker
Und also sprecht ihr da bei euch im Unternehmen irgendwie drüber, dass ihr euch dazu austauscht?
00:33:06
Speaker
Ja klar, also wir haben natürlich ganz viel, wir haben auch viele Führungszirkel, viel zu viele vielleicht oder auch nicht, das ist ja immer die Frage, und versuchen das eben in die Breite zu bringen.
00:33:21
Speaker
Also
00:33:23
Speaker
Das breiteste Medium, das wir haben, sind unsere sogenannten Leadership Days, wo mein Gesellschafter und ich so vor 120 Führungskräften sprechen.
00:33:39
Speaker
Weil wir sagen, wir wollen die auch mal persönlich erreichen und damit die das dann eben auch weitergeben, diesen O-Ton im Unternehmen.
00:33:47
Speaker
Aber das ist schon hier eine Kultur,
00:33:51
Speaker
Bei uns der Eigenverantwortlichkeit.
00:33:55
Speaker
Also hier wird dir nicht über die Schulter geguckt, was du gerade machst.
00:34:00
Speaker
Du wirst nicht verbessert etc.
00:34:03
Speaker
Also wie gesagt, das heißt nicht, dass du hier alles machen kannst, sondern das heißt nur, dass du wie ein Erwachsener behandelt wirst.
00:34:12
Speaker
Ich habe gerade daran denken müssen, ich hatte mal einen Geschäftsführer kennengelernt, der war verantwortlich für knapp 200 Leute, so ein Produktionsunternehmen und der hat die Maschinen eingestellt, also die Produktionsmaschinen, weil er gesagt hat, die sind allzu blöd dafür.
00:34:36
Speaker
Self-fulfilling prophecy, ich bin ganz sicher, die waren zu blöd dafür.
00:34:41
Speaker
Und haben ihnen die Dinge einstellen lassen.
00:34:42
Speaker
Also ich habe es gerade, also meine Frau ist auch selbstständig und hat eine Praxis mit ungefähr zehn Mitarbeitern.
00:34:57
Speaker
Und die hat mir auch erzählt, dass da alle möglichen Leute zu doof sind und die machen das einfach nicht.
00:35:04
Speaker
Ja, ich sage, und wer macht es dann?
00:35:06
Speaker
Ja, ich.
00:35:07
Speaker
Ja, weil die machen es ja nicht.
00:35:08
Speaker
Ja, na logisch.
00:35:10
Speaker
Also
00:35:11
Speaker
Ich meine, das ist logisch, dass du es machst.
00:35:16
Speaker
Das sind natürlich auch Prozesse, die man dann eben einfach auch aushalten muss oder klar die Erwartungshaltung formulieren muss, die ich an dich habe.
00:35:26
Speaker
Und dann musst du es auch aushalten.
00:35:28
Speaker
Und du musst auch aushalten, dass es die anderen Menschen einen anderen Weg gehen, als du selber gegangen wärst.
00:35:36
Speaker
Und
00:35:37
Speaker
Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen die auch irgendwie ins Ziel.
00:35:40
Speaker
Manchmal besser.
00:35:41
Speaker
Dann denkst du so, wow, geile Lösung.
00:35:44
Speaker
Und manchmal denkst du, ah, der ist aber komisch gegangen, aber irgendwie auch in der Nähe zumindest angekommen.
00:35:50
Speaker
Ja, auch okay.
00:35:52
Speaker
Also ich finde, das sind so, also wenn du das nicht zulassen kannst, oder du sagst, das hast du ja auch viel, dieses Thema, immer wieder, dass Leute sagen, ähm,
00:36:04
Speaker
Ja, in der Zeit, in der ich jetzt jemand anderen erkläre, wie das geht.
00:36:09
Speaker
In einem Bruchteil der Zeit habe ich es ja eben selber gemacht.
00:36:13
Speaker
Ja, das ist richtig.
00:36:14
Speaker
Aber dann machst du es eben immer weiter selber.
00:36:18
Speaker
Also immer.
00:36:19
Speaker
Nicht nur in dem Moment, sondern immer.
00:36:23
Speaker
Oder du erklärst das mal und übergibst das und übergibst die Verantwortung für irgendeine Tätigkeit.
00:36:33
Speaker
da fragen.
00:36:34
Speaker
Und wie gesagt, das muss man können und das muss man wollen.
00:36:38
Speaker
Und ich glaube, das sind wirklich die Führungsskills, die unheimlich wichtig sind in der Moderne.

Menschenkenntnis und Kommunikation

00:36:49
Speaker
Und für mich steht hinter allem, wie gesagt, ich finde, als Führungskraft musst du Menschen mögen.
00:36:57
Speaker
Ja.
00:36:59
Speaker
Das ist einer meiner Führungsgrundsätze hier.
00:37:01
Speaker
Oh, Entschuldigung.
00:37:05
Speaker
Guck mal her, das gibt den auf meinen, kannst du ja nicht sehen, aber auf meinem Bleistock habe ich den sogar draufstehen.
00:37:08
Speaker
Wer Menschen führt, muss Menschen mögen.
00:37:11
Speaker
Ja.
00:37:12
Speaker
Und halte ich auch für essentiell, weil es halt ein People-Business ist.
00:37:19
Speaker
Und dementsprechend muss ich das hinkriegen.
00:37:23
Speaker
Du hast vorhin schon ein paar Mal, da würde ich gerne nochmal hingucken, das Thema Erwartungen erwähnt.
00:37:30
Speaker
Angesprochen halte ich auch für ein total wichtiges Werkzeug, wenn man so will, von Führungskräften, oft auch unterschätzt, würde ich sagen, dass wir zu wenig als Führungskräfte die Erwartungen formulieren oder vielleicht auch die Erwartungen, die unsere, hast du ja auch gesagt, also logischerweise hat ja auch dein, was hast du gesagt vorhin, dein Fahrer, der hat ja auch eine Erwartung an dich.
00:37:55
Speaker
Und auch dieser Austausch, der findet, beobachte ich zumindest häufig nicht statt.
00:38:02
Speaker
Aber das ist auch etwas, was du in deiner Vergangenheit dir quasi angeeignet hast, dass du viel über Erwartungen mit deinen MitarbeiterInnen sprichst.
00:38:13
Speaker
Also ich würde sagen, es gibt ja einen ganz berühmten Menschen, der heißt, glaube ich, Schulz von Thun.
00:38:20
Speaker
Der sprach schon von dem
00:38:22
Speaker
Kommunikationsquadrat.
00:38:25
Speaker
Hamburger Jung.
00:38:27
Speaker
In diesem Kommunikationsquadrat gibst du ja auch in der Kommunikation immer eine Erwartung preis.
00:38:34
Speaker
Und häufig gibst du dir ja nicht so klar preis, dass dein anderer Kommunikationspartner das auch versteht.
00:38:39
Speaker
Und ich finde eben, das ist auch für mich ein ganz wichtiges Thema in der Führung ist, dass
00:38:46
Speaker
Klarheit und Konsequenz.
00:38:47
Speaker
Also zu sagen, der versteht mich auch, der weiß überhaupt, was ich von ihm will, weil wenn ich das Ding so verschacht und verpacke, dass der das auspacken kann, wie er will, wie soll der mich dann verstanden haben und dann beklage ich, dass der nicht das so macht, wie ich das möchte.
00:39:03
Speaker
Aber wahrscheinlich habe ich mich nicht klar ausgedrückt.
00:39:05
Speaker
Also das meine ich eben mit Klarheit und Konsequenz klar zu sagen, was man selber möchte.
00:39:16
Speaker
sich da ganz klar auszudrücken, möglicherweise sich nochmal rückversichern, wie das auch verstanden wurde, was man gesagt hat, um dann eben aber auch sicher zu sein.
00:39:28
Speaker
Und ich bin mir sehr sicher mit meiner Führungserfahrung, es gibt ganz wenige Leute, die absichtlich Scheiß machen, sondern in der Regel...
00:39:42
Speaker
liegt es entweder an mangelnden Pech, mangelnden Informationen oder, also es gibt ganz viele Gründe, aber dass jemand jetzt sagt, vorsätzlich fahre ich jetzt mit dem LKW gegen das andere Auto.
00:39:59
Speaker
Ich würde mal sagen, ich will jetzt nicht sagen, dass es nicht vorkommen kann.
00:40:03
Speaker
Das sind wieder so deine wenigen einstelligen Prozentbeträge, wo das vielleicht vorkommt.
00:40:10
Speaker
Aber der Regelfall ist das ganz bestimmt.
00:40:12
Speaker
Und ich finde eben, das ist für mich ein Punkt.
00:40:15
Speaker
Und ein anderer Punkt ist, ich finde, wir unterliegen auch gesellschaftlich einem Wertewandel.
00:40:22
Speaker
Und die Werte sind heute andere als vor 30 oder 50 Jahren.
00:40:27
Speaker
Und das heißt eben auch, ich muss auch generell, ich muss anders kommunizieren und ich muss anders mit Menschen umgehen.
00:40:38
Speaker
Und heute spielt, also ich sage jetzt mal, ich habe mich vielleicht noch mehr von,
00:40:43
Speaker
Aber auch nicht alleine, aber sicherlich habe ich mich auch noch stärker von Geld motivieren lassen.
00:40:47
Speaker
Aber ich behaupte, auch heute ist Geld nicht völlig egal.
00:40:54
Speaker
Aber vielleicht ist Sinnhaftigkeit, spielt heute vielleicht eine größere Rolle im Wertewandel, als es vor 30 Jahren der Fall war.
00:41:01
Speaker
Und dann muss ich eben sehen, wie kriege ich diese Dinge in meine Führung mit eingebaut.
00:41:08
Speaker
Aber ich bin sehr gegen solche Plattitüden wie...
00:41:13
Speaker
eine ganze Generation Z oder so, die wollen alle nicht arbeiten oder die verstehen wir alle nicht, das halte ich für Bullshit und ich halte das, ich glaube auch, dass es schon immer so war und ich kann mich zumindest erinnern, dass meine Oma wenig gute Haare an mir gelassen hat und an meiner Generation und
00:41:37
Speaker
Es gibt auch weitragende Sätze von Aristoteles, der sich schon über die Jugend und die zukünftigen Generationen oder Sokrates ausgelassen hat.
00:41:48
Speaker
Auf jeden Fall, es hat sich nie geändert, dass, sagen wir mal, die Aktiven über die Jungen skeptisch waren, wie die dann die Aufgaben erfüllen sollten.
00:41:59
Speaker
Und das finde ich eben auch so.
00:42:02
Speaker
Wir haben so tolle junge Mitarbeiter im Unternehmen,
00:42:09
Speaker
wo ich sage, das liegt doch auch an uns, wie wir die ansprechen, wie wir diese Talente entwickeln.
00:42:16
Speaker
Und wir haben jetzt so ein Talentmanagement eingeführt bei uns, wo eben diese ganz jungen über unterschiedliche, also es geht los mit Assessment und auch Tests, zu sagen, sind die überhaupt gute Fachkräfte oder sind es auch Führungskräfte?
00:42:33
Speaker
Und so,
00:42:35
Speaker
sie dann eben auch weiterzuentwickeln in Richtung Führung.
00:42:38
Speaker
Weil es gibt ja auch, ich meine, es gibt ja auch nicht nur Naturtalente, sondern vieles kann man ja auch lernen.
00:42:44
Speaker
Und da ist auch in der Vergangenheit einfach wenig gemacht worden.
00:42:48
Speaker
Und ich glaube, dass es nach wie vor ganz, ganz, ganz, ganz viele tolle Leute gibt, die ich mache mir da, also aus den Gründen mache ich mir um meine Rente überhaupt gar keine Sorgen.
00:43:01
Speaker
Da würde ich sagen, das ist so mein Punkt, den ich dir noch gerne anbieten würde, da ist so dieses Thema der Authentizität, da würde ich sagen, da stößt es so an Grenzen.
00:43:16
Speaker
Also ich bin grundsätzlich ein großer Freund davon, authentisch zu sein.
00:43:22
Speaker
Aber im Grunde, wenn ich mich daran festhalte, hieße das ja, dass ich mich gar nicht weiter verändern muss.
00:43:27
Speaker
Und du hast ja gerade gesagt, man kann das durchaus auch entwickeln.
00:43:32
Speaker
Also es fallen nicht alle als Führungskraft vom Himmel, sondern ich würde sogar sagen, die meisten.
00:43:37
Speaker
Ich habe mal von so einer Untersuchung vor Jahren schon gehört oder von...
00:43:43
Speaker
Ich weiß gar nicht, ob das war von Annahme oder einer These, dass so zwischen sieben und neun Prozent aller Führungskräfte quasi von Natur aus hochbegabte Führungskräfte sind.
00:43:55
Speaker
Und die anderen mussten das halt lernen.
00:43:59
Speaker
Also durch Erfahrungen, vielleicht auch durch den einen oder anderen Workshop oder durch jemanden, der die inspiriert hat, wie auch immer.
00:44:07
Speaker
Und insofern ist das, glaube ich, ein wichtiger Punkt, sich zu reflektieren und vielleicht auch entweder so ein Talentprogramm zu haben oder überhaupt irgendeine Art von Auseinandersetzung mit Führung immer mal wieder zu tätigen, ne?

Authentizität und persönliche Entwicklung

00:44:25
Speaker
Also für mich ist das an vielen Stellen ist das natürlich Technik.
00:44:29
Speaker
Das ist wie Kommunikation, ist ja auch Technik.
00:44:32
Speaker
Wie stelle ich Fragen?
00:44:33
Speaker
Offene, geschlossene.
00:44:34
Speaker
Das sind ja alles Dinge, wenn ich mal über die nachgedacht habe oder Kommunikationsquadrat und so.
00:44:41
Speaker
Das ist für mich Technik.
00:44:43
Speaker
Aber jeder bleibt ja trotzdem, wie er ist.
00:44:47
Speaker
Mein Ratschlag ist da einfach nur in deiner Grundhaltung und Grundart versuchen, authentisch zu sein.
00:44:54
Speaker
Und ja, ich bin jemand, der ist vielleicht nicht so nahbar wie andere und auch wie Kollegen von mir.
00:45:09
Speaker
Aber ich bin eben einfach so, wie ich bin und ich versuche mich auch gar nicht zu ändern oder zu verstellen oder anders zu sein.
00:45:15
Speaker
Und das kann ich nur jedem raten, zu sagen, seid da, wie ihr seid, ne?
00:45:22
Speaker
Ja, genau, da haben wir vielleicht vom Wort her vielleicht ein bisschen andere Bedeutung.
00:45:26
Speaker
Und ich glaube, rauszuhören, dass es das ist, was du sagst.
00:45:31
Speaker
Also, was sicherlich eine schlechte Entscheidung wäre, wäre eine Rolle quasi, also im Sinne von Schauspieler, eine Rolle zu spielen.
00:45:41
Speaker
Also, das werde ich nicht durchhalten.
00:45:44
Speaker
So viel Energie werde ich gar nicht aufbringen können.
00:45:48
Speaker
Ja, vor allen Dingen sind dein Publikum
00:45:52
Speaker
Und deine Kritiker, die sind ja unfassbar kritisch, was das angeht.
00:45:59
Speaker
Und du wirst ja als Führungskraft viel mehr beobachtet, als du dir überhaupt vorstellen kannst.
00:46:05
Speaker
Und insofern kann ich nur jedem raten, möglichst authentisch zu sein, weil dann kannst du dich auch ruhig beobachten lassen und du wirst sowieso beobachtet.
00:46:14
Speaker
Und wenn du eine Rolle spielst oder meinst in einer bestimmten Art und Weise, auftreten zu müssen, dann
00:46:21
Speaker
werden ja auch immer deine Lücken gefunden werden.
00:46:25
Speaker
Also dafür wirst du genug beobachtet werden.
00:46:28
Speaker
Und was alles über Führungskräfte erzählt wird und was sie alles machen und haben und tun und wie die sind, das ist ja Wahnsinn, das macht sich ja keiner ein Bild von.
00:46:37
Speaker
Also je mehr das in Richtung Geschäftsführung geht oder Vorstand, desto schlimmer wird das ja.
00:46:43
Speaker
Ich glaube auch, weil die...
00:46:50
Speaker
Je höher die Position, desto weniger im Unternehmen können sich ja überhaupt vorstellen.
00:46:54
Speaker
Also weil die Position so weit weg ist, was macht der eigentlich den ganzen Tag?
00:46:58
Speaker
Was macht so ein Enno Simonis eigentlich den ganzen Tag?
00:47:02
Speaker
Das ist für die Menschen, die dichter bei dir dran sind, natürlich nachvollziehbarer.
00:47:07
Speaker
Und für Menschen, die ganz weit weg sind, besteht, glaube ich, oft das Problem, dass die sich das gar nicht vorstellen können, weil die ja noch nie Geschäftsführer waren.
00:47:16
Speaker
Ja, das glaube ich auch.
00:47:18
Speaker
Aber wie gesagt, trotzdem gibt es eine Erwartungshaltung zu sagen, ich glaube, hier in diesem Unternehmen sind die meisten der Ansicht, dass ich gefälligst dafür zu sorgen habe, dass der Laden an sich Erfolg hat und an sich richtig aufgestellt ist.
00:47:35
Speaker
Ich glaube, das ist so eine durchgängige Meinung.
00:47:38
Speaker
Und wie ich das dann ganz genau mache, ist dem, glaube ich, ziemlich egal.

Vielfalt und Teamrollen

00:47:42
Speaker
Aber das muss dabei irgendwie rauskommen.
00:47:44
Speaker
Und wenn ich glaube, ich da dauerhaft nicht erfolgreich bin, dann würde ich sagen, lass mal mit einem versuchen, der das kann.
00:47:53
Speaker
Der da besser ist.
00:47:56
Speaker
Ja, ich vergleiche das auch immer gerne mit... Ich finde, viele können ja was anfangen mit Fußballtrainer.
00:48:04
Speaker
Also deswegen...
00:48:09
Speaker
Du musst ja nicht besser Fußball spielen können als deine Mannschaft.
00:48:15
Speaker
Das, glaube ich, musst du nicht.
00:48:16
Speaker
Es schadet aber auch nicht, wenn du was vom Fußball verstehst.
00:48:21
Speaker
Also so ist das ja auch in the middle.
00:48:24
Speaker
Und du brauchst definitiv keine elf Robert Lewandowskis.
00:48:29
Speaker
Und das ist eben auch wichtig, dass die Personalauswahl
00:48:34
Speaker
ja auch unheimlich wichtig ist.
00:48:36
Speaker
Und wir alle ja immer wieder dem aufsitzen, dass wir gerne Leute einstellen, die so ähnlich sind wie wir selber.
00:48:43
Speaker
Und das ist ja eine ganz große Gefahr.
00:48:45
Speaker
Das ist an der einen oder anderen Stelle natürlich gut.
00:48:49
Speaker
Aber wenn man sich das so vorstellt wie so eine Mannschaft, wo man sagt, natürlich brauche ich einen Mittelstürmer und einen Mittelfeldregisseur, aber ich brauche einen Verteidiger und einen Torwart.
00:48:58
Speaker
Das muss auch irgendeiner machen können.
00:49:00
Speaker
Und die schießen vermutlich nicht so viele Tore.
00:49:02
Speaker
Nee, und da sind aber ganz andere Leute gefragt.
00:49:08
Speaker
Natürlich hast du ja auch in so einem Unternehmen immer Leute, die total nach vorne orientiert sind und auch immer weiterkommen wollen und immer mehr Karriere machen wollen.
00:49:18
Speaker
die sind ja auch anstrengend.
00:49:19
Speaker
Du musst ja auch ein paar Leute haben, die mal bereit sind, ein paar Jahre den gleichen Job zu machen und zu arbeiten.
00:49:25
Speaker
Also wenn du nur so Mittelstürmer hast, da drehst du ja auch komplett durch.
00:49:31
Speaker
Naja, also außer du hast... Keine Ahnung, außer du hast so ein Geschäftsmodell, wo das... Kann sein, ja....Geschäftsmodell ist, ne?
00:49:38
Speaker
Ja.
00:49:39
Speaker
Und bei euch würde ich sagen, da brauchst du schon auch ein paar, die einfach das machen, was sie vielleicht auch letztes Jahr und vorletztes Jahr und wo wir letztes Jahr schon gemacht haben.
00:49:49
Speaker
Genau.
00:49:51
Speaker
Ja, da bin ich bei dir, das stimmt.
00:49:53
Speaker
Habt ihr denn, also du hast das ja vorhin schon mal gesagt, das ist sozusagen, hat mich so ein bisschen tatsächlich an Google erinnert, als du das gesagt hast, wir suchen die Leute aus und wir suchen die dann so aus, dass die das machen, was sie machen und dann können die das ja und dann machen die das.
00:50:12
Speaker
Bei Google so eine, das habe ich mal vor einigen Jahren schon gelesen, die hatten so eine
00:50:16
Speaker
oder haben so eine ähnliche Philosophie, also die legen sehr viel Wert oder betreiben auch sehr viel Aufwand bei der Auswahl der Mitarbeitenden, um dann quasi den Richtigen für die Position zu finden und dem können sie dann im Grunde einfach sagen, mach wozu du Bock hast.
00:50:33
Speaker
und dann macht er quasi exakt das, für was sie den eingestellt haben.
00:50:37
Speaker
Da habe ich das vorhin so ein bisschen... Ja, das entspricht auch so grundsätzlich meiner Überzeugung.
00:50:45
Speaker
Ich sage mal, wenn du jetzt Lkw-Fahrer bist oder du bist in der Waage, dann sind deiner Kreativität da ein bisschen stärkere Grenzen gesetzt.
00:50:54
Speaker
Aber ich sage jetzt mal, gerade Führungsfunktionen der mittleren
00:51:02
Speaker
Ebene, da gibt es schon unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten deiner Führungsposition.
00:51:08
Speaker
Und mir geht es eben einfach darum zu sagen, du, ich vertraue dir, ich vertraue dir diesen Job an und wie du den jetzt ganz genau machst, das ist mir egal.
00:51:20
Speaker
Ich habe hier, was weiß ich, von deinem, du bist der Betriebsleiter und ich habe natürlich einen Chart, wo ich den wirtschaftlichen Erfolg deiner
00:51:30
Speaker
deiner Tätigkeit sehen kann.
00:51:32
Speaker
Und ich habe auch eine klare Vorstellung, dass die Kurve dann nach oben gehen muss in dem, was du tust.
00:51:38
Speaker
Und danach beurteile ich dich in letzter Konsequenz auch.
00:51:42
Speaker
Aber ob du nun links rum gehst oder rechts rum oder so, das ist mir am Ende des Tages egal.
00:51:49
Speaker
Aber die Erwartung...
00:51:53
Speaker
Also das ist schon hier eine Erfolgskultur.
00:51:56
Speaker
Also zu sagen, ich möchte schon, also die Kultur ist auch schon auf Erfolg ausgerichtet.
00:52:02
Speaker
Gut, aber das ist ja, ich meine, die Diskussion, die ist ja zumindest in meiner Meinung,
00:52:08
Speaker
LinkedIn Bubble taucht die immer mal wieder auf.
00:52:11
Speaker
Scheint ja eine Diskussion zu sein, ob wir noch eine Leistungskultur haben oder nicht.
00:52:15
Speaker
Aber die will ich gar nicht aufmachen, die Diskussion.
00:52:18
Speaker
Aber ich bin da ganz dicht bei dir.
00:52:21
Speaker
Also auch so aus meiner Unternehmerperspektive.
00:52:23
Speaker
Natürlich geht es, also am Ende geht es um einen wirtschaftlichen Erfolg.
00:52:28
Speaker
Und meine Rechnung, auch wenn ich mit GeschäftsführerInnen zu tun habe, ist ja im Grunde ganz einfach.
00:52:37
Speaker
Oder auch mit
00:52:38
Speaker
Betriebsräten manchmal.
00:52:40
Speaker
Also je erfolgreicher ihr seid, desto mehr steht zur Verfügung.
00:52:43
Speaker
Also für Zukunft.
00:52:44
Speaker
Das hätte ich sagen können.
00:52:49
Speaker
Erhöht den Verteilungsspielraum.
00:52:51
Speaker
Also das erscheint mir total offensichtlich.
00:52:54
Speaker
Und egal, was das dann bedeutet.
00:52:55
Speaker
Ob das, keine Ahnung, tollere Autos, tollere Gebäude, mehr Geld, whatever.
00:53:02
Speaker
Aber wenn wenig da ist, weil wir wenig erwirtschaften, weil wir wenig Leistung bringen, dann wird auch wenig verteilt werden.
00:53:08
Speaker
Also ich habe gestern gerade oder vorgestern gelesen, der letztes Jahr in den USA am meisten Geld verdient hat.
00:53:16
Speaker
Ich weiß weder wie er heißt noch wie das Unternehmen hieß, aber ich weiß noch, dass er 164 Millionen Dollar verdient hat.
00:53:23
Speaker
Und es war kein bekanntes Unternehmen.
00:53:26
Speaker
Und ich habe nur gedacht, auch neidfrei, wirklich komplett neidfrei, habe ich einfach nur gedacht, das hat der Laden vermutlich vorher erwirtschaftet, sonst würden sie es ihm nicht gegeben haben.
00:53:37
Speaker
Also insofern irgendwie muss das auch ein beachtliches Ergebnis gewesen sein, was der verdient hat, damit die ihm bereit waren, das abzugeben.
00:53:46
Speaker
Wie auch immer.

Leistungsorientierung und Unabhängigkeit

00:53:49
Speaker
Wie gesagt, es erhöht den Verteilungsspielraum.
00:53:51
Speaker
Erfolg erhöht den Verteilungsspielraum.
00:53:53
Speaker
Für dich selbst und für alle anderen.
00:53:55
Speaker
Genau.
00:53:56
Speaker
Und dann ist sicherlich die Frage, wie ist das Unternehmen aufgestellt, welche Werte verfolgt es, wie weit ist Partizipation und so.
00:54:03
Speaker
Das sind dann sicherlich nochmal andere Punkte.
00:54:05
Speaker
Da gibt es bestimmt auch zwischen den Unternehmen große Unterschiede.
00:54:08
Speaker
Aber grundsätzlich, genau, habe ich auch diese Idee.
00:54:13
Speaker
Also natürlich geht es darum, leistungsfähig zu sein.
00:54:15
Speaker
Nicht um jeden Preis vielleicht.
00:54:17
Speaker
Also das ist sicherlich auch ein Thema.
00:54:20
Speaker
Aber auf jeden Fall ist das das Ziel.
00:54:24
Speaker
Also ich finde ja auch, was ich noch sagen möchte, auch an die Kollegen ist, ich finde, dass ein guter Manager sich selbst versucht, überflüssig zu machen.
00:54:38
Speaker
Und dann lässt du dir wieder was Neues einfallen.
00:54:41
Speaker
Aber eigentlich versuchst du, überflüssig zu sein.
00:54:44
Speaker
Und vielleicht ist es im Grunde genau andersrum.
00:54:48
Speaker
In dem Moment, wo du überflüssig sein kannst, hast du ja erst die Ressource, dir was Neues einfallen zu lassen.
00:54:54
Speaker
Ja, so.
00:54:55
Speaker
Und wenn du die Maschinen einstellst oder wenn du den ganzen Tag bei dir über den Hof rennst und quasi Fahrer und Mitarbeitende kontrollierst, wann machst du dir dann Gedanken über die Zukunft des Unternehmens?
00:55:09
Speaker
Ja, und du störst ja die Entwicklung von anderen.
00:55:15
Speaker
Also es gibt ja einen anderen, der möchte ja die Maschinen einstellen.
00:55:20
Speaker
Und wenn du das immer machst, dann macht der das nie.
00:55:24
Speaker
Und deswegen störst du ja seine Entwicklung und der würde ja in seiner Karriereentwicklung vielleicht irgendwann mal gern der Maschineneinsteller sein und du behinderst den auch.
00:55:34
Speaker
So, das sage ich jetzt auch mit 30 Jahren.
00:55:40
Speaker
Betriebszügigkeit sage, ich möchte dem Fortschritt ja nicht im Wege stehen.
00:55:46
Speaker
Also noch scheint es nicht der Fall zu sein, aber ich möchte es auch nicht.
00:55:49
Speaker
Also das finde ich.
00:55:50
Speaker
Und da fragte mich neulich mein Gesellschafter, ja, wie lange machen Sie denn noch?
00:55:54
Speaker
Und da sage ich, ja, das hängt natürlich von unterschiedlichen Dingen ab.
00:55:57
Speaker
Und es hängt auch davon ab, ob ich, also was es da für Führungsnachwuchs gibt und ob irgendjemand meinen Job machen will und ob ich dem im Weg bin und so weiter und so fort.
00:56:08
Speaker
Also ich habe auch keine Lust, dass ich
00:56:10
Speaker
irgendjemand ganz toll ist, woanders hingeht, weil er sagt, bei euch komme ich nicht weiter, weil du bist mir im Weg.
00:56:19
Speaker
Und dann würde ich sagen, da muss man auch sagen, da bin ich vielleicht auch bereit, meinen Platz zu räumen, um Platz zu schaffen, weil es gehört auch dazu, zu der Verantwortung, dass Menschen, die gerne Verantwortung übernehmen wollen,
00:56:38
Speaker
dass man denen die auch gibt und die sich dann eben auch im Rahmen ihrer Verantwortung merken, dass sie sich entwickeln können.
00:56:45
Speaker
Und wenn die merken, wenn du solche Menschen hast, die dann nicht weiterkommen, dann ziehen die weiter häufig.
00:56:54
Speaker
Also ich habe mich immer gefragt, das ist ja so ein langläufiger Spruch, auch Unternehmen müssen immer wachsen.
00:57:02
Speaker
Da habe ich mich mal gefragt, warum und wie soll das eigentlich funktionieren?

Wachstum und Mitarbeiterentwicklung

00:57:06
Speaker
Also wie soll das funktionieren, dass ein Unternehmen immer wächst und warum muss es eigentlich mehr wachsen?
00:57:10
Speaker
Und ich glaube, noch wichtiger als das wirtschaftliche Momentum dabei ist wieder das soziale Momentum der Mitarbeiter.
00:57:21
Speaker
Also du kannst dich als Mitarbeiter vielfach in so einem Unternehmen auch nur vernünftig entwickeln, wenn dein Unternehmen wächst.
00:57:27
Speaker
Okay.
00:57:28
Speaker
Weil wenn dein Unternehmen schrumpft, wie willst du dich dann in diesem Unternehmen richtig weiterentwickeln?
00:57:36
Speaker
Also finde ich... Ein spannender Blick auf diese Frage, ne?
00:57:42
Speaker
Also weil, ich sag mal, gewachsen seid ihr, wenn ich das richtig verstanden habe, du bist eingestiegen, da wart ihr 300, glaube ich, ne?
00:57:47
Speaker
Ja, ja.
00:57:48
Speaker
Das war einfach, weil du auch immer, wenn du tolle Mitarbeiter hattest, dann hattest du auch tolle Aufgaben für dich.
00:57:54
Speaker
Ja.
00:57:55
Speaker
Und du hast auf der anderen Seite immer tolle Mitarbeiter für tolle Aufgaben gebraucht.
00:58:01
Speaker
Also es ist ja eine Win-Win-Situation.
00:58:05
Speaker
Ja klar, wenn du Menschen hast, die sich weiterentwickeln wollen, dann sind neue Herausforderungen, die auf einmal vor der Tür stehen, dann für eine bestimmte Gruppe Menschen halt auch mega spannend.
00:58:17
Speaker
Die dann sagen, okay, jetzt habe ich ja schon dreimal das gemacht, jetzt würde ich gerne mal was anderes machen.
00:58:22
Speaker
Und wenn du dann aber auch die Jobs hast, wo die, die gerne 20 Mal das Gleiche machen, um dann die nächsten 20 Mal noch besser das Gleiche zu machen.
00:58:29
Speaker
Also die sich weiterentwickeln, du dich weiterentwickelst, als Unternehmen weiterentwickelst und andersrum eben auch sagst, in Zeiten von vermutlichem Fachkräftemangel zu sagen, wir sind jetzt Familienunternehmen und Mittelstand,
00:58:49
Speaker
Und wir werden jetzt nicht freiwillig unsere Fachkräfte, die sich der Altersgrenze nähren, freiwillig abwerfen.
00:58:58
Speaker
Sondern wir machen uns eher Gedanken, wie können wir diese Fachkräfte und diese Know-how-Träger im Unternehmen bewahren, um das Know-how zu bewahren.
00:59:07
Speaker
Wie müssen wir uns vielleicht flexibilisieren, damit eben auch Leute, die in Rente gehen könnten, für uns noch weiter tätig sind.
00:59:17
Speaker
sein wollen.
00:59:20
Speaker
Das ist ein Thema, wo ihr euch mit beschäftigt gerade?
00:59:26
Speaker
Ja, weil ich eben sage, also ich glaube nicht, ehrlich gesagt, ich höre das immer mal so aus Konzernumgebungen, wo dann gesagt wird, weiß ich nicht, jeder der älter ist als 55, der kriegt irgendeine Abfindungsregelung, die dann ja auch wie auch sauteuer sind.
00:59:44
Speaker
Und
00:59:45
Speaker
Du schaffst natürlich wieder Platz, also teure Mitarbeiter schickst du nach Hause und schaffst natürlich Platz für jüngere Leute.
00:59:53
Speaker
Aber ich weiß gar nicht, ob wir uns diesen Platz vor diesem Fachkräftemangel und damit ja einhergehende auch Know-how-Armut, ob wir uns das als Unternehmen überhaupt leisten können.
01:00:06
Speaker
Ich habe mit dem Thomas Sattelberger auch einen Podcast gemacht.
01:00:10
Speaker
Der ist einer, der einzige, glaube ich, der in vier DAX-Vorständen war.
01:00:21
Speaker
War jetzt zum Schluss für die FDP im Bundestag.
01:00:25
Speaker
Und der hat das schön erklärt, warum Konzerne das machen, so alle sechs, sieben Jahre hat er gesagt, weil die sich dazwischen quasi so viel Fleisch angefressen haben oder so viel Fett, müsste man vielleicht sagen, dass sie es dann irgendwie, damit sie sich weiter bewegen können, wieder abschneiden müssen.
01:00:43
Speaker
Und weil dazwischen quasi, so hat er das formuliert, so wenig Fleisch,
01:00:49
Speaker
oder zu wenig harte Entscheidungen getroffen werden, sondern da heißt es, ja, da brauchen wir da noch ein bisschen, dann holen wir nochmal jemanden und dann holen wir da nochmal jemanden.
01:00:57
Speaker
Und ich würde annehmen, dass das im Mittelstand, also in der Tendenz zumindest, anders ist.
01:01:05
Speaker
Ja, aber wie gesagt, ich halte eben diese Pauschalurteile, egal ob über Generationen oder bestimmte Altersklassen, zu sagen, ja, natürlich bist du, wenn du
01:01:18
Speaker
du 55 Jahre bei uns im Callcenter bist und 30 Jahre da sitzt oder 35, bist du teurer als ein 25-Jähriger.
01:01:29
Speaker
Ganz sicher.
01:01:31
Speaker
Vielleicht kostet du fast das Doppelte.
01:01:33
Speaker
Kann sein.
01:01:35
Speaker
Aber ich würde tippen, also du hast wahrscheinlich eine hohe Glaubwürdigkeit, wenn du so lange da bist.
01:01:47
Speaker
Wahrscheinlich hast du eine hohe Zuverlässigkeit, wenn du so lange da bist.
01:01:50
Speaker
Und wahrscheinlich hast du auch ein hohes Know-how, wenn du so lange da bist.
01:01:53
Speaker
Und kannst dir auch historisch ein paar Dinge erklären.
01:01:58
Speaker
Und ich möchte dir dann eben auch die Wertschätzung für deine lange Loyalität entgegenbringen.
01:02:07
Speaker
Und das vermisse ich hier und da.
01:02:10
Speaker
Und da kommt natürlich, da kommt vielleicht ein
01:02:15
Speaker
eine junge Führungskraft, die vielleicht auch ein Quereinsteiger ist und sagt, was macht der eigentlich da?
01:02:22
Speaker
Und wieso ist der so teuer?
01:02:24
Speaker
So und schon stehst du auf irgendeiner Liste drauf.
01:02:27
Speaker
Das kann ja sein.
01:02:28
Speaker
Das muss eben Familienunternehmen auch von Konzernen unterscheiden, diese Loyalität.

Einzigartigkeit von Familienunternehmen

01:02:36
Speaker
Und wir haben ja hier so den Spruch, ankommen, bewegen, bleiben.
01:02:41
Speaker
Und
01:02:43
Speaker
Wir wollen eben am liebsten, dass wir die richtigen Menschen, die nach Möglichkeit blaues Blut haben, also blau ist so ein bisschen ja in Verruf geraten, aber wir sind schon länger da, als bevor das in Verruf geraten ist mit dem Blau.
01:02:58
Speaker
Und jetzt glaube ich etwas dunkler, ne, euers?
01:03:01
Speaker
Ja, vielleicht ist es auch ein bisschen dunkler.
01:03:03
Speaker
Ja, ja, ja, ich weiß schon.
01:03:05
Speaker
Das andere geht vorbei.
01:03:08
Speaker
Also bei uns geht es eben darum, wenn du dich identifizierst mit diesem Unternehmen und mein Gesellschafter sagt aus Familienunternehmen,
01:03:19
Speaker
Familie heißt eben auch, dass man in guten und in schlechten Zeiten füreinander da ist.
01:03:25
Speaker
Und so sehen wir das hier eben auch.
01:03:27
Speaker
Und dann, glaube ich, kannst du eben auch zusammen segeln gehen und dann kannst du auch bei schlechtem Wetter zusammen segeln.
01:03:33
Speaker
Und da halten wir uns eben auch gut für gut gerüstet im Marktumfeld der Konzerne.
01:03:43
Speaker
Und das, also ich arbeite ja ausschließlich, fast ausschließlich im Mittelstand, fast ausschließlich familiengeführt und da würde ich sagen, bei allen eigentlich, auf die das zutrifft, die teilen diese Haltung, die du gerade beschrieben hast.
01:04:01
Speaker
Und ich glaube, dass das tatsächlich auch der, also das Front ist, mit dem man wuchern kann als Mittelständler, als familiengeführter Mittelständler.
01:04:11
Speaker
Ja.
01:04:13
Speaker
Die Konzerne zahlen vielleicht mehr, aber die bieten halt viele andere Dinge, die der Mittelstand bieten kann und bieten möchte und irgendwie auch bietet, bieten die halt oft gar nicht.
01:04:25
Speaker
Ich weiß noch, als ich mich beworben habe vor 30 Jahren, da haben mir einige Unternehmen, und das fanden die gut, die haben mir meine Karriere der nächsten drei Jahre vorgezeigt.
01:04:37
Speaker
Da habe ich immer gedacht, die wissen doch gar nicht, wie ich bin.
01:04:41
Speaker
Woher wissen die denn schon, wie das alles genau abläuft?
01:04:44
Speaker
Das fand ich irgendwie komisch.
01:04:46
Speaker
Und ich glaube, dass du im Mittelstand kannst du eben wirklich, da kannst du Dinge bewegen, wenn du im richtigen Unternehmen bist.
01:04:56
Speaker
Aber es wird auch erwartet, dass du was bewegst.
01:04:58
Speaker
Ja.
01:05:00
Speaker
Naja, das ist klar.
01:05:02
Speaker
Das Ausruhen auf wenigen Schultern ist schwieriger als Ausruhen auf wenigen Schultern.
01:05:09
Speaker
Du, Enno, mit Blick auf die Zeit, ich würde gerne zu meiner Abschlussfrage kommen.
01:05:16
Speaker
Die stelle ich allen meinen Gästen und Gästinnen und also auch dir.
01:05:22
Speaker
Und die lautet wie folgt.
01:05:24
Speaker
Welche Pressemeldung würdest du gerne von dir, deinem Unternehmen,
01:05:29
Speaker
und oder über das Thema Führung in den nächsten zwölf Monaten lesen.
01:05:40
Speaker
Otto Dörner kauft die Stadt Reinigung Hamburg.
01:05:42
Speaker
Okay.
01:05:45
Speaker
Gut, ich bin ja nicht weit weg hier in Lüneburg.
01:05:49
Speaker
Ich werde die Augen und Ohren... Ja, das wird wohl nichts.
01:05:52
Speaker
Aber du hast ja mich gefragt, ob ich das gerne lesen würde.
01:05:55
Speaker
Das ist ein Wunsch.
01:05:58
Speaker
Und dann gucken wir mal, was in einem Jahr so ist.
01:06:02
Speaker
Enno, ich danke dir für deine Zeit und für das super coole Gespräch.
01:06:06
Speaker
Danke.
01:06:07
Speaker
Ciao, ciao.
01:06:13
Speaker
Das war eine neue Folge von Führen mit Herz und Verstand.
01:06:16
Speaker
Toll, dass du dabei warst und dir die Zeit genommen hast.
01:06:19
Speaker
Wenn es dir gefallen hat, hinterlass mir doch bitte direkt jetzt eine positive Bewertung.
01:06:25
Speaker
Ich wünsche dir eine tolle Zeit und gutes Gelingen bei dem, was auf dich wartet.