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Folge 50: Alles wird schlimmer? – Der große Unterschied zwischen Weltbild und Lebensrealität

Next Stop Future: Trends – Wandel – Zukunft.
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20 Plays8 days ago

Wenn man News-Feeds, Talkshows und Kommentarspalten glaubt, sind wir längst kollektiv im Dauer-Alarmmodus. Und trotzdem erleben viele Menschen ihr eigenes Leben als erstaunlich stabil – während „Deutschland“ oder „die Welt“ als zunehmend außer Kontrolle wahrgenommen werden. Genau dieses Paradox nehmen wir uns in dieser Folge vor: der große Unterschied zwischen Weltbild und Lebensrealität.

Als empirischen Anker greifen wir u. a. die R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ auf. Spannend ist vor allem der Angstindex (Durchschnitt über alle abgefragten Sorgen):

  • 2025: 37
  • 2024: 42
  • 2023: 45 
  • 2022: 42

Heißt: Trotz Omnikrisen-Gefühl sinkt das durchschnittliche individuelle Angstniveau zuletzt deutlich – und 2025 ist laut R+V im Langzeitblick sogar einer der niedrigsten Werte seit Beginn der Reihe.

In der Folge fragen wir deshalb skeptisch nach: Was messen solche Zahlen wirklich – und was erzählen sie nicht?


Wir sprechen außerdem darüber, wie sehr Medienlogiken und Social Media unsere kollektive Wahrnehmung verstärken können (Stichwort: Aufmerksamkeitsökonomie, Zuspitzung, Dauererregung) – und warum das subjektiv schnell „die Welt wird immer schlimmer“ ergibt, selbst wenn die individuelle Realität differenzierter ist.

Und wir drehen den Begriff „Zukunftsangst“ ein Stück weit um: Vielleicht ist es oft weniger Angst vor der Zukunft – und mehr das Gefühl von geringem Handlungsspielraum gegenüber großen Systemthemen. Wenn Distanz groß ist und Einfluss klein wirkt, kippt der Blick schneller ins Dystopische.

Gleichzeitig suchen wir nach dem, was uns im Gespräch wichtig war: Wie bleiben wir handlungsfähig, ohne naiv zu werden?
Welche Rolle spielen Narrative, politische Visionen und ganz pragmatische Routinen, um den „Zukunftsmuskel“ zu trainieren – also wieder mehr Optionen, Alternativen und gestaltbare Zukünfte zu sehen, statt nur den nächsten Alarm.

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Transcript

Einführung der Thematik: Weltbilder vs. persönliche Realität

00:00:15
Speaker
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Next Stop Future.
00:00:19
Speaker
Alles wird schlimmer?
00:00:21
Speaker
Der große Unterschied zwischen Weltbild und Lebensrealität.
00:00:25
Speaker
Das ist heute unser Thema.
00:00:28
Speaker
Ja, alles wird schlimmer?
00:00:29
Speaker
Das ist so ein Satz, der sich gerade fast irgendwie logisch anfühlt.
00:00:33
Speaker
Zumindest wenn man einmal durch die News, Feeds oder auch Kommentare auf Social Media scrollt.
00:00:39
Speaker
Und trotzdem, viele Menschen erleben ihr eigenes Leben gar nicht als permanenten Absturz, eher als natürlich kompliziert ab und zu, herausfordernd, aber grundsätzlich machbar und auf jeden Fall viel positiver als das, was gerade da draußen passiert.
00:00:56
Speaker
Und genau darüber wollen wir in Folge 50 sprechen.

Warum ist unsere Weltsicht dunkler als unsere persönliche Realität?

00:01:00
Speaker
Warum unser Blick auf die Welt oft viel düsterer ist als unsere persönliche Realität.
00:01:05
Speaker
Und was das mit unserem Denken, unserem Stresslevel und unserem Handeln macht.
00:01:11
Speaker
Ein Anker in unserem Gespräch ist die R&V Langzeitstudie, die Ängste der Deutschen.
00:01:16
Speaker
Das ist eine Befragung, die seit 1992 durchgeführt wird.
00:01:20
Speaker
Und jedes Jahr wird dann aus den befragten Ängsten der Deutschen ein Durchschnittswert generiert, ein sogenannter Angstindex.
00:01:29
Speaker
Und der liegt bei 37 Prozent in 2025.
00:01:35
Speaker
Und das ist ein deutlich niedriger Wert als in den letzten Jahren.
00:01:39
Speaker
Es ist sogar der zweitniedrigste Wert überhaupt.
00:01:43
Speaker
Und genau da wird es interessant.

R&V Langzeitstudie: Der abnehmende Angst-Index in Deutschland

00:01:45
Speaker
Wenn der Alarm im Außen so laut ist, warum sinkt dann dieser Index?
00:01:52
Speaker
In dem Zusammenhang sprechen wir auch über Medienlogging.
00:01:55
Speaker
Wir sprechen über Dauererregung und das Gefühl, bei den großen Themen vielleicht durchaus keinen Hebel zu haben.
00:02:04
Speaker
Insofern ist die Frage, sprechen wir über Hebel, Handlungsspielräume oder sprechen wir wirklich über Angst?
00:02:10
Speaker
Fragezeichen.
00:02:12
Speaker
Und was hilft uns, damit aus der gefühlten Angst keine Lähmung wird?
00:02:17
Speaker
Welche Narrative machen uns nicht blind, aber beweglich?
00:02:20
Speaker
Und wie bleibt man realistisch,

Mehr Gäste für zukünftige Episoden geplant

00:02:22
Speaker
ohne zynisch zu werden?
00:02:24
Speaker
Ich wünsche euch viel Spaß bei dieser Folge.
00:02:27
Speaker
Tanja, ich grüße dich.
00:02:31
Speaker
Schön, dich wieder zu sehen zu unserer zweiten Folge in diesem Jahr.
00:02:36
Speaker
Und ja, wir haben ja die erste, haben wir gestartet gleich mit dem Gast.
00:02:40
Speaker
Also so viel sei schon zu verraten.
00:02:42
Speaker
Wir werden noch ein paar mehr Gäste haben dieses Jahr.
00:02:45
Speaker
Das haben wir uns so ein bisschen als Ziel gesetzt.
00:02:48
Speaker
Und da gibt es ja durchaus sehr, sehr spannende Menschen um uns herum in unserem Netzwerk, die
00:02:54
Speaker
die ganz viele von unseren Themen auch mit begleiten und damit diskutieren.
00:02:58
Speaker
Und die wollen wir auf jeden Fall hier in dem Podcast holen.
00:03:00
Speaker
Also seid gespannt, lasst euch überraschen.
00:03:04
Speaker
Aber heute sind wir wieder zu zweit.
00:03:05
Speaker
Heute werden wir dann auch immer wieder neben Gästen dann auch immer unser Duo, unser Dialog führen.
00:03:13
Speaker
Und das ist ja auch immer ganz wertvoll, wenn man da dann manchmal auch an Themen reinschauen kann und reindenken kann, die wir uns ein bisschen immer selbst erarbeiten.
00:03:22
Speaker
Genau.
00:03:23
Speaker
damit dann auch tatsächlich dann nochmal weiterdenken.
00:03:26
Speaker
Weil das Finnis ist ja auch mal so ein Prozess an unserer Arbeit,

Langfristiges Denken und persönliche Themen

00:03:28
Speaker
dass manche Sachen sind ja nie irgendwie, die sind ja in so einem Prozess.
00:03:31
Speaker
Also das heißt, man spürt Signale, man spürt irgendwelche, man hat eine semantische Analyse von Beobachtungen und ich finde, das fällt dann auch mal da rein.
00:03:41
Speaker
Also ich glaube, das ist vielleicht auch für unsere, oder ich hoffe zumindest, dass unsere ZuhörerInnen auch immer das Spannende ist, dass wir uns dann auch Themen nähern,
00:03:49
Speaker
die dann vielleicht auch erst in den nächsten Monaten oder auch manchmal Jahren so richtig ihre Kraft und ihr volle Potenzial entfalten.
00:03:56
Speaker
Ja, das ist ja letztendlich auch eigentlich ein großer Teil der Zukunft, der Zukunft.
00:04:01
Speaker
Und tatsächlich aber eigentlich so ein bisschen auch der Bereich, der ja so auf einer menschlichen Ebene schwerfällt.
00:04:08
Speaker
Gerade dieser weitere Blick, der wirklich lange Blick, der ist ja oft der herausfordernde.
00:04:13
Speaker
Ja, dieser lange Blick und dann auch so dieses nicht-lineare Denken zu pflegen.
00:04:18
Speaker
Ich meine, das ist ja auch immer so, ich nenne es immer so, den Zukunftsmuskel im Kopf so ein bisschen zu trainieren.
00:04:23
Speaker
Und das ist ja genau das eigentlich, dass wir gerne in diesen linearen Fortschreibungen oder in so Fokuspunkten denken und alles, was darüber hinaus ist oder manchmal auch die Komplexität, dann unser Gehirn so ein bisschen faul wird.
00:04:38
Speaker
sich da immer wieder so ein bisschen dran zu erinnern.
00:04:40
Speaker
Ich glaube, das ist für mich auch immer wieder so eine eigene Arbeit.
00:04:42
Speaker
Das muss ich selbst auch pflegen.
00:04:45
Speaker
Man muss sich immer an die eigene Nase fassen oder sollte es zuerst vielleicht.
00:04:51
Speaker
Aber wir haben heute auch ein spannendes Thema und
00:04:55
Speaker
Das ist tatsächlich auch so ein bisschen, wie soll ich sagen, ein Herzensthema, beziehungsweise hat mich das schon auch sehr begleitet, so über den Jahreswechsel, wenn man ja mal ein bisschen Zeit hat, wenn nicht immer in seinem Hamsterrad ist, kann man ja immer mal reflektieren, zumindest versucht man es.
00:05:13
Speaker
Ein bisschen besser.
00:05:15
Speaker
Und da ist mir dieses Thema tatsächlich immer wieder untergekommen, in meinen Gedanken, aber auch in den Dingen, die ich dann doch ab und zu mal gelesen habe online.
00:05:24
Speaker
Und daher ist heute diese Folge auch daraus entstanden.

Paradox der persönlichen Verbesserung vs. globaler Pessimismus

00:05:28
Speaker
Und wir haben sie mal genannt, alles wird schlimmer?
00:05:32
Speaker
Das habt ihr ja vielleicht auch jetzt da schon im Intro so raushören können.
00:05:36
Speaker
Der große Unterschied zwischen Weltbild und Lebensrealität.
00:05:40
Speaker
Und was bedeutet das genau?
00:05:42
Speaker
Und wir haben das Thema auch immer mal wieder hier schon so ein bisschen mit andiskutiert, beziehungsweise ist natürlich klar dem Thema innewohnt, also dem Thema Zukunft.
00:05:54
Speaker
dass wir immer so auch gesprochen haben, naja, wie schauen die Menschen so insgesamt auf Deutschland?
00:05:59
Speaker
Wie schauen sie auf die Welt?
00:06:01
Speaker
Wie schauen sie auf Europa?
00:06:02
Speaker
Und da sieht man doch eine nicht so große Zuversicht, als wenn sie natürlich auf ihren eigenen Gestaltungsspielraum schauen, also auf ihr eigenes Leben.
00:06:15
Speaker
Und da haben wir ja mal so ein bisschen so ein Paradox drin.
00:06:19
Speaker
Also persönlich geht es immer besser, als
00:06:24
Speaker
weltpolitisch gesehen oder auch auf Deutschland geblickt.
00:06:28
Speaker
Und man könnte meinen, ja gerade momentan, also zumindest wird es ja auch durchaus so dargestellt, und wenn man einfach mal auch so die sozialen Medien sich anschaut, dass das tatsächlich viel, viel schlimmer geworden ist, ja, über die letzten Jahrzehnte.
00:06:46
Speaker
Und dass da tatsächlich auch so ein
00:06:49
Speaker
ja, fast so eine Zukunftsangst wird es auch manchmal genannt, also gesamt gesehen, und so ein Pessimismus dahinter steckt.
00:06:58
Speaker
Aber, und das sei schon mal vorweggenommen, dieses Muster ist überhaupt nicht neu.
00:07:03
Speaker
Also dieses Muster, ne,
00:07:05
Speaker
dass letztendlich die große Lage, die Lage des eigenen Landes und die Lage der Welt grundsätzlich pessimistischer eingeschätzt wird, das gibt es eigentlich schon seit geraumer Zeit und natürlich aber in unterschiedlicher Ausprägung.
00:07:22
Speaker
Und da kommen wir gleich mal drauf zu sprechen.
00:07:23
Speaker
Da gibt es nämlich ganz spannende Zahlen dazu.
00:07:27
Speaker
Und daher umtreibt uns das aber natürlich sehr, weil wir natürlich schon, finde ich, abhängig sind,
00:07:34
Speaker
dass die Menschen nicht nur, was sie persönlich betrifft, vielleicht eine einigermaßen optimistische Haltung haben, sondern natürlich auch eigentlich gesamtgesellschaftlich.
00:07:44
Speaker
Gerade wenn wir über die großen Themen sprechen, ich sage mal auch so diese gesellschaftliche Transformation, die wir ja immer wieder auch so ein bisschen fordern, durch die verschiedenen Aspekte, die wir da diskutieren, also tatsächlich auch teilhaben, mitwirken, zu einem veränderten vielleicht,
00:08:03
Speaker
Deutschland zu einem veränderten Blick vielleicht auch auf die Klimakrise, auf all diese Themen.
00:08:09
Speaker
Da ist es natürlich schon durchaus schwierig, viele zu begeistern, um es mal ein bisschen platt auszudrücken.
00:08:16
Speaker
Deshalb haben wir das heute ja auch so ein bisschen reingenommen, das Thema, um uns das mal genauer anzuschauen.
00:08:21
Speaker
Und wir schauen auch so ein bisschen rein.

Medien und die verzerrte Wahrnehmung von Angst

00:08:24
Speaker
Wir wollen so ein bisschen schauen,
00:08:26
Speaker
Medienlogik, Social Media, die Häufung vielleicht auch von bestimmten Krisen, vielleicht auch eine fehlende Vision.
00:08:35
Speaker
Was haben die so einen Einfluss da drauf?
00:08:37
Speaker
Also auf dieses Bild, dass man gesamtgesellschaftlich oder wie gesagt auf Deutschland blickend da doch ein bisschen pessimistischer unterwegs ist.
00:08:46
Speaker
Und das werden wir einfach mal so diskutieren.
00:08:49
Speaker
Und zum Anfang auch habe ich noch ein paar spannende Zahlen und mich würde mal deinen Blick darauf interessieren, die ich durchaus schon wirklich sehr, sehr spannend finde.
00:09:00
Speaker
Und zwar ist das eine Langzeitstudie von der R&V-Versicherung.
00:09:07
Speaker
Und die haben seit 92 Fragen, die die Deutschen nach ihren Ängsten und
00:09:15
Speaker
Fragen da natürlich ab, wie sehr blickt ihr sozusagen auf bestimmte Krisen, auf die Wirtschaft, auf das Land und so weiter und so fort.
00:09:25
Speaker
Und was sind eure, ja, das klingt ein bisschen plakativ, aber was sind eure Top-Ängste?
00:09:32
Speaker
Und leiten dadurch natürlich so ein bisschen auch ein Bild ab der deutschen Gesellschaft.
00:09:37
Speaker
Und da gibt es zum Beispiel den Angstindex, der daraus resultiert.
00:09:42
Speaker
Und der ist sozusagen der Durchschnitt aller abgefragten Sorgen.
00:09:48
Speaker
Also im Blick, und ich nenne mal ein paar Sorgen, steigende Lebenshaltungskosten, bezahlbarer Wohnraum, Wirtschaftslage.
00:09:57
Speaker
Dann natürlich das ganze Thema Klima im Kontext von Naturkatastrophen, Wetterextreme, Klimaschutz.
00:10:03
Speaker
dann auch weltpolitische Lage, geopolitische Lage.
00:10:06
Speaker
All so Dinge werden da abgefragt.
00:10:09
Speaker
Und daraus resultiert ein Durchschnitt.
00:10:11
Speaker
Und was ich erstaunlich fand, ist, dass dieser Durchschnitt derzeit mit der niedrigste überhaupt ist.
00:10:19
Speaker
Nämlich der Angstdurchschnitt der Deutschen ist gerade bei 37.
00:10:24
Speaker
Also in den vergangenen Jahrzehnten war der durchaus höher.
00:10:29
Speaker
Und das fände ich natürlich schon bezeichnend,
00:10:32
Speaker
Weißt du, wenn du dir das Bild so von außen anschaust und wenn du dir gerade so auch anschaust, was in den Medien wie dargestellt wird, wie Dinge auch hochgespielt werden oder beziehungsweise auch diskutiert werden, hättest du dir ja fast erwartet jetzt, Mensch, der muss ja bei, weiß ich nicht,
00:10:51
Speaker
über 50 sein oder 70.
00:10:54
Speaker
Augenscheinlich hat ja jeder vor irgendwas Angst momentan, selbst im Kontext von Winter auf die Straße zu gehen, wenn man jetzt ein bisschen schneit und Glatteis ist.
00:11:05
Speaker
Also ich überspitze jetzt mal ein bisschen.
00:11:07
Speaker
Aber von der Stimmungslage hätte ich tatsächlich jetzt eine andere Zahl erwartet.
00:11:11
Speaker
Ja, gebe ich dir recht, also das überrascht mich auch, diese Zahl, also tatsächlich, weil das ist so ein bisschen dann auch so diese Ambivalenz, also wie wird wirklich so diese persönliche, wie ist die persönliche Zuversicht oder die persönliche Einschätzung gegenüber einer vielleicht auch medial, durch soziale Medien hochgespielten kollektiven Zukunftsangst, die wie so ein Narrativ über uns hängt.
00:11:35
Speaker
Ich meine, man spricht ja auch von der German Angst.
00:11:39
Speaker
Also man hat ja sozusagen auch schon, also Deutschland oder als Person in Deutschland hat man ja schon sozusagen dieses Label aufgedruckt bekommen quasi.
00:11:48
Speaker
Und ich finde das tatsächlich irgendwie auch diese Eigen- und Fremdwahrnehmung oder die Beziehung.
00:11:54
Speaker
eigene individuelle Perspektive gegenüber der Gesamten dann auch interessant.
00:11:57
Speaker
Also gerade aber auch, weil sich in den abgefragten Werten, die du gerade genannt hast von der R&V, dass dort natürlich auch Dinge drin sind, die die momentane Situation vielleicht abdecken, aber tatsächlich ja im Grunde genommen auch ein Stück weit mit Zuversicht gegenüber der Zukunft sind.
00:12:14
Speaker
Also wenn ich zum Beispiel an steigende Lebenshaltungskosten denke oder Wohnraum,
00:12:18
Speaker
scheint ja auch da sozusagen eine gewisse Zuversicht zu sein, dass das nicht schlimmer werden wird, sonst wäre ja diese Sorge und Angst auch höher.
00:12:26
Speaker
Also ich finde das tatsächlich auch ein interessantes Phänomen und für mich spiegelt sich darin tatsächlich auch das wieder, was teilweise durch eben auch wirklich nochmal Medien verstärkt wird, der ganze
00:12:38
Speaker
Ja, ja.
00:12:54
Speaker
das Ganze mit einem Live-Ticker zu begleiten und minütlich quasi Updates zu bekommen, wo gerade irgendwie eine Eisfläche entstanden ist.
00:13:02
Speaker
Also das ist natürlich etwas, was unsere, was unser Nervensystem ein Stück weit immer die ganze Zeit im Ausnahmezustand hält.
00:13:09
Speaker
Und da kann natürlich dann schnell eben auch so diese unterschiedlichen Wahrnehmungen entstehen.
00:13:15
Speaker
Also ich kann es psychologisch nicht erklären, weil ich keine psychologische Grundausbildung habe, aber das ist natürlich etwas, was etwas mit uns macht.
00:13:24
Speaker
Und da ist es dann eben umso erstaunlicher eigentlich und auch umso schöner,
00:13:29
Speaker
wirklich so diese, die individuelle Perspektive ganz, ganz viel Potenzial eigentlich bietet und ganz viel Stabilität.
00:13:35
Speaker
Also 37 Prozent sind natürlich immer noch eine Menge, aber trotzdem ist es letztendlich im Gegensatz zu dem, was man vielleicht auch vorher hatte, wenn du sagst, das ist der niedrigste Wert seit einigen Jahren, ist es eine stabile Basis, um eigentlich sozusagen auch mögliche andere Zukunfte zu denken.
00:13:51
Speaker
Und eben, ich glaube, wir brauchen diese Grundstabilität,
00:13:53
Speaker
in unserer Resilienz oder in unserer Entspanntheit, um sozusagen dann eben auch in andere, in die Zukunft denken zu können.
00:14:03
Speaker
Denn wenn alles unsicher ist im Äußeren, ist es natürlich auch schwieriger.
00:14:06
Speaker
Dann habe ich vielleicht Potenzial, um zivilgesellschaftlich etwas zu bewirken.
00:14:10
Speaker
Dann habe ich vielleicht Wut und kann auf die Straße gehen und kann etwas gegen etwas tun.
00:14:13
Speaker
Das ist vielleicht so die eine Folge.
00:14:15
Speaker
Aber gleichzeitig fehlt es sozusagen die Ruhe und die Zeit für eine strategische Planung und für eben auch diese Träume und die Möglichkeitsräume weiterzudenken.
00:14:23
Speaker
Und ich glaube, das ist gerade so in so einer Phase eben dann durchaus möglich.
00:14:27
Speaker
Wir haben auf der einen Seite eben schon auch durchaus ja, wir haben es ja auch schon in anderen Folgen eben gesprochen, eine Omnikrise, die ja irgendwie nicht weggeredet werden kann oder die ganzen Krisen, die wir haben oder die Bedrohungen oder eben auch möglichen Herausforderungen, mit denen wir umgehen müssen oder auch lernen müssen, umzugehen.
00:14:44
Speaker
Und die müssen natürlich in irgendeiner Weise auch begegnet werden.
00:14:47
Speaker
Und gleichzeitig aber eben, wenn dann sozusagen auf so einer individuellen Ebene, und ich glaube, das kann man teilweise auch auf unternehmerische Ebene übertragen, da ein Stück weit eine Stabilität da ist, lässt sich damit eigentlich ganz gut arbeiten, aus meiner Perspektive heraus.
00:15:01
Speaker
Weil eigentlich genau da sozusagen diese Zeit und die Ruhe da ist, in andere Zukunft, in andere Bereiche reinzudenken.
00:15:11
Speaker
Ich würde gerne noch mal, bevor ich gerade noch mal eine Frage konkret an dich hätte in dem Zusammenhang, einfach auch noch mal so ein paar andere Zahlen nennen, um das wirklich mal so ein bisschen auch im Verhältnis darzustellen.
00:15:25
Speaker
Also wie gesagt, es werden hier verschiedene Thematiken abgefragt und zum Beispiel auch die Angst vor Konflikten durch Zuwanderung.
00:15:34
Speaker
Das ist ja auch ein Riesenthema momentan, was auch politisch natürlich instrumentalisiert wird.
00:15:41
Speaker
Leider Gottes.
00:15:42
Speaker
Und auch da einfach mal eine Zahl genannt.
00:15:45
Speaker
Momentan ist die im Durchschnitt bei 45.
00:15:50
Speaker
Also für 20, 25 ist der Wert, was diese Angst betrifft der Deutschen.
00:15:56
Speaker
Man muss dazu aber sagen, auch das ist im Vergleich zu den letzten Jahren eine der niedrigsten Werte.
00:16:03
Speaker
Wir hatten schon mal niedrigere Werte.
00:16:04
Speaker
Also in, ich schaue mal hier rein, 2022 war es 37.
00:16:10
Speaker
Wir hatten davor aber deutlich höhere Werte.
00:16:12
Speaker
Also wenn wir in die 2017 schauen,
00:16:15
Speaker
Ja, 2016 67 Prozent.
00:16:18
Speaker
Und was ich damit nur sagen will, das ist auch bezeichnend auch, wie sehr eigentlich da auch dann, weißt du, so eine bestimmte, tatsächlich ja auch Faktenlage, ja, am Ende ja gar nicht mehr eine bestimmte Durchdringung erreicht.
00:16:38
Speaker
Und
00:16:40
Speaker
Und wie sehr es sich lohnt, tatsächlich mal sich auf diese Zahlen auch zu begeben, auf diese Zahlenebene zu begeben.
00:16:47
Speaker
Und das kann man oft genug sagen, bei unserer sehr polarisierenden Welt und polemischen Welt.
00:16:55
Speaker
Weil ich sage mal, das ist ja augenscheinlich schon für einige, aber tatsächlich für deutlich weniger ein Problem momentan, als es in Medial eigentlich diskutiert wird und von einigen natürlich auch entsprechend politisch genutzt wird.
00:17:13
Speaker
Ja, ich finde, da lassen sich so zwei Dinge draus schließen.
00:17:16
Speaker
Zum einen, denke ich, ist es wichtig, was du auch angesprochen hast, dass man sich diese Zahlen einfach mal anschaut.
00:17:21
Speaker
Also, dass man sich eben anschaut, wie ist momentan die Lage im Vergleich zum Beispiel zu 2017 oder 2022.
00:17:28
Speaker
Und gleichzeitig eben auch, dass man daraus keine Linearität und kein Ultimatum oder kein...
00:17:36
Speaker
keinen Punkt in dem Moment schließen kann und sagen kann, so und so ist es, sondern dass es tatsächlich eben auch abhängig ist von einer gewissen Momentaufnahme.
00:17:44
Speaker
Also dass es tatsächlich nichts ist, was sich linear fortsetzt und von äußeren Begebenheiten mal höher, mal stärker ist.
00:17:52
Speaker
Das ist natürlich dann auch immer so die Frage und da bin ich dann auch bei Zahlen immer wieder.
00:17:55
Speaker
Wie ist die Studie, wie ist das Studiendesign?
00:18:00
Speaker
Das muss man natürlich auch immer alles nochmal hinterfragen.
00:18:03
Speaker
Aber trotzdem ist
00:18:04
Speaker
ist im Endeffekt immer nur eine Momentaufnahme.
00:18:07
Speaker
Und zumindest dann, wenn sich nicht wirklich ein linearer Trend über mehrere Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte ablesen lässt.
00:18:14
Speaker
Aber ich finde dieses Beispiel wirklich sehr gut, da es wirklich zeigt, wir können oder dürfen da nicht linear denken.
00:18:23
Speaker
sondern es ist tatsächlich etwas, was sehr fluide ist.
00:18:26
Speaker
Ja, aber wie weit, um gleich nochmal eine andere Zahl genannt, aber an der Stelle, wo siehst du da sozusagen die Medienlandschaft, das Internet, die sozialen Medien mit in der Verantwortung?
00:18:40
Speaker
Also wenn man ja augenscheinlich sieht, wenn man sich damit beschäftigen würde,
00:18:46
Speaker
Ja, das sieht man ja auch im Kontext dieser Befragung

Verantwortung der Medien und kritisches Denken

00:18:50
Speaker
hier.
00:18:50
Speaker
Also diese Werte gehen immer auf und ab.
00:18:53
Speaker
Da gibt es keine Linie, die steil nach oben geht.
00:18:56
Speaker
Und das ist ja tatsächlich einfach auch die Realität mit so vielen Dingen.
00:19:01
Speaker
Aber inwieweit siehst du da auch so ein bisschen diese, wie gesagt, unser Medienverhalten, Medienkonsum, soziale Medien in der Verantwortung, dass dann doch augenscheinlich gesellschaftlich diese Themen so dominieren, dass andere gar nicht an die Oberfläche kommen, dass tatsächlich da vielleicht auch eine Art Angst entsteht, die völlig unrealistisch ist, eigentlich unbegründet.
00:19:27
Speaker
beziehungsweise die dann erst wirklich dann zur Angst führt, verstehst du?
00:19:33
Speaker
Obwohl sie gar nicht da ist.
00:19:35
Speaker
Ja, ja.
00:19:37
Speaker
Also genau, das sind, würde ich sagen, zwei Aspekte.
00:19:40
Speaker
Zum einen ist es sicherlich so die Algorithmenlogik der sozialen Medien, die ja genau darauf sozusagen auch ausgelegt sind, damit zu arbeiten und damit eben auch ihre Klicks zu erzeugen mit dem, was irgendwie polarisiert und das, was eben sozusagen auch vielleicht für Sprengstoff sorgt, für emotionalen Sprengstoff, davon leben sie ja quasi.
00:20:00
Speaker
Dann sind es aber natürlich auch gewisse Akteure, die besonders das natürlich auch nutzen.
00:20:03
Speaker
Also das ist ja auch irgendjemand speist ja quasi auch den Content in die sozialen Medien ein.
00:20:08
Speaker
Und da wissen wir ja auch, dass das teilweise eben auch ganz klare Steuerungen unterliegt, ohne jetzt in Verschwörungstheorien zu gehen, aber das wird natürlich genutzt.
00:20:17
Speaker
Und dann hat man damit eben auch eine gewisse Möglichkeit, ein Stück weit das die sozialen Medien als Propaganda-Instrument zu nutzen.
00:20:26
Speaker
Und auf der anderen Seite ist es aber natürlich auch die Frage der Medienkompetenz.
00:20:30
Speaker
Und ich glaube, da würde ich, also ich sehe jetzt irgendwie nicht, dass morgen sich die Algorithmen sozusagen ändern werden von den sozialen Medien.
00:20:40
Speaker
Auch wenn natürlich das schön wäre, wenn das transparent wäre und vielleicht auf anderen Werten basieren würde.
00:20:45
Speaker
Das ist aber, glaube ich, eine andere Diskussion.
00:20:46
Speaker
Aber ich glaube, viel wichtiger ist hier tatsächlich eben auch so dieses, das kritische Denken in der Gesellschaft zu fördern und da eben dann sozusagen ein Stück weit eine Reaktion,
00:20:56
Speaker
eine Immunisierung gegenüber diesen Angstszenarien und angstmachenden Dogmen oder angstmachenden Nachrichten zu generieren.
00:21:04
Speaker
Also das alles wirklich und das, was wir am Anfang, was ich am Anfang oder was wir am Anfang auch besprochen hatten, dieses sich selbst an die Nase fassen und sich selbst immer wieder zurückrufen und sagen, ist das, was ich jetzt gerade lese, wirklich auch etwas, was vielleicht in zwei Monaten noch relevant ist oder in zwei Wochen oder in zwei Tagen?
00:21:19
Speaker
Also
00:21:20
Speaker
Manchmal muss man ja vielleicht nur einmal die Woche eine Zeitung lesen.
00:21:25
Speaker
Natürlich ist es auch wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben, gar keine Frage.
00:21:28
Speaker
Aber das eben sozusagen auch richtig einzuordnen.
00:21:30
Speaker
Ich glaube, das ist in unserer heutigen Situation weitaus schwieriger, wo ja immer mehr Menschen sich auch
00:21:36
Speaker
Nachrichten über sozialen Medien eben auch holen und dort eben teilweise Quellen oder Informationen nicht eben kritisch hinterfragen können, auch weil sie es nicht gelernt haben oder weil es eben die nötigen Quellen nicht gibt.
00:21:48
Speaker
Also ich glaube, da würde ich tatsächlich noch weiter ansetzen, um diese Immunisierung oder ein Stück weit eine Immunisierung gegen diese Zukunftsängste zu haben oder das Ganze eben ein Stück weit mit erstmal zu beobachten, ohne gleich darauf

Niedriges Angstniveau bei Umweltfragen

00:22:02
Speaker
zu reagieren.
00:22:02
Speaker
Ja, ja.
00:22:04
Speaker
Also ich habe es versprochen, noch eine spannende Zahl in Bezug auf Umweltangste, äh Ängste.
00:22:11
Speaker
Was denkst du, haben wir da für einen Wert?
00:22:14
Speaker
Also so einen Vergleich zu den anderen, ohne den genauen Wert zu kennen, aber würdest du sagen, der ist höher, der ist gleich geblieben, der ist niedriger?
00:22:21
Speaker
Ich vermute mal, es ist niedriger als vielleicht in Ländern, die noch viel stärker von vielleicht Feuerbeschwemmungen momentan oder in den letzten Jahren eben betroffen waren.
00:22:31
Speaker
Ich denke jetzt hier in Griechenland oder Spanien, Wolframien, wo es ja auch gravierende Brände gab.
00:22:36
Speaker
Das ist sicherlich niedriger als dort, ist so meine Vermutung.
00:22:39
Speaker
Und gleichzeitig würde ich schon sagen, dass es angestiegen ist, weil das Thema präsenter geworden ist in den Medien auch.
00:22:46
Speaker
Manche Sachen sind sicherlich auch gar nicht möglich.
00:22:48
Speaker
gar nicht schlecht in der Information.
00:22:50
Speaker
Also ich glaube, da muss man ja immer abwägen.
00:22:51
Speaker
Also dass in manchen Dingen eine gewisse Sensibilisierung für Themen steigt, ist ja nicht schlecht, nur dass sie gleich Angst machen, das ist vielleicht ein anderes Thema.
00:23:00
Speaker
Aber ich glaube, dass die Sensibilisierung für dieses Thema gestiegen ist.
00:23:07
Speaker
Aber auch da natürlich immer sozusagen ist es die Frage, wie genau ist die Fragestellung, wie genau ist das Studium?
00:23:11
Speaker
Ich glaube, wenn Menschen nach dem Thema Nachhaltigkeit gefragt werden, wie wichtig ihnen das ist, ist das eher gesunken.
00:23:17
Speaker
Aber wenn es darum geht, um die Ängste vor Klimawandel und den Auswirkungen des Klimawandels, ich glaube, da ist es tatsächlich, würde ich sagen, in den letzten zwei, drei Jahren gestiegen.
00:23:26
Speaker
Aber ich bin gespannt, was du sagst.
00:23:28
Speaker
Ja, dann wirst du jetzt überrascht sein.
00:23:29
Speaker
Wir haben den niedrigsten Wert überhaupt.
00:23:32
Speaker
Also 2025 erreicht der Wert mit 36 Prozent den bisher niedrigsten Stand.
00:23:39
Speaker
Also dieses Thema an sich ist 2003 sozusagen in diese Umfrage, in diese Abfrage nach den Ängsten konkret auch mit aufgenommen worden.
00:23:50
Speaker
Und da ist es dann auch mit einigen Schwankungen zwischendrin grundsätzlich gestiegen.
00:23:56
Speaker
Und dann kam natürlich 2022 auch die, leider Gottes, die Ahrtalflut.
00:24:02
Speaker
Da hatte das eine natürlich sehr,
00:24:05
Speaker
hohe Präsenz, sehr hohe Angstpotenzial bei einigen Menschen anscheinend.
00:24:12
Speaker
Aber es ist jetzt kontinuierlich sinkt es nach unten.
00:24:19
Speaker
Und das finde ich schon auch tatsächlich erstaunlich.
00:24:22
Speaker
Und da kann man natürlich jetzt so ein bisschen drüber philosophieren, woran das liegt.
00:24:26
Speaker
Ob es tatsächlich auch diese allgemeine
00:24:32
Speaker
Ja, so ein bisschen, ich will nicht sagen Abkehr, aber das allgemeine Zurückrudern, gerade auf politischer Ebene, europäischer Ebene, dass wir so ein bisschen verzeichnen konnten.
00:24:43
Speaker
Oder ist es tatsächlich auch so ein bisschen vielleicht, man hat es.
00:24:47
Speaker
man hat sich so ein bisschen schon daran gewöhnt.
00:24:49
Speaker
Also es sind schon einige Dinge passiert.
00:24:53
Speaker
Das Thema ist grundsätzlich im Bewusstsein und man ist vielleicht gar nicht mehr so schockiert, wenn bestimmte Dinge passieren, weil wie gesagt, ich glaube, fast allen, würde ich jetzt immer sagen, ist grundsätzlich klar, dass sich die Umwelt verändert, dass dadurch schon auch einige Extreme entstehen.
00:25:15
Speaker
Vielleicht ist es aber auch so ein bisschen, wie gesagt, andere Themen überlagern jetzt einfach.
00:25:23
Speaker
Und ich habe jetzt mal so gesprochen, man kann sich ja nicht um alles kümmern oder man kann nicht alles zu einem eigentlichen persönlichen Angstthema machen.

Unterschiedliche Angstfaktoren je nach Lebensstil

00:25:33
Speaker
Also Leute sitzen, haben dann vielleicht eher, wie gesagt, bestimmte Ausprägungen in bestimmte Richtungen und
00:25:40
Speaker
Man könnte ja auch so ein bisschen mutmaßen, das ist ja ein Thema auch, was eher gesamtgesellschaftlich, eher global auch, der Einflussbereich ist nicht unmittelbar, zumindest empfinden das so viele.
00:25:55
Speaker
Insofern rückt man vielleicht auch mal ein Stück weiter weg von dem Thema, wenn es halt nicht akut in Deutschland ist.
00:26:01
Speaker
Aber ich sage mal so, Lebenshaltungskosten, Inflation, wirtschaftliche Lage, da sind wir ja schon bei Themen, die tatsächlich auch einen starken Einfluss auf die individuelle Ebene haben und hätten.
00:26:14
Speaker
Genau, ich denke auch, das sind so, also ich würde zwei Sachen unterscheiden.
00:26:16
Speaker
Zum einen, wie du auch gerade gesagt hast, geht es darum, um meinen Alltag heute und morgen.
00:26:20
Speaker
Und da kann es ja etwas sehr Prekäres sein, wenn ich eine überteuerte Wohnung habe oder nicht genügend Geld irgendwie für gesundes Essen oder überhaupt für Essen.
00:26:29
Speaker
Das ist ja die eine Situation des Überlebens und das andere ist ja dann tatsächlich irgendwie so dieses mittelfristige, was betrifft mich.
00:26:35
Speaker
Also ich glaube, ein Landwirt, eine Landwirtin hat vielleicht nochmal ganz andere Sorgen vor diesem Thema als vielleicht jemand, der in der Stadt wohnt im vierten Schluck.
00:26:45
Speaker
mit Feuerschutz oder Treppe oder so.
00:26:47
Speaker
Also das heißt, da habe ich eine ganz andere Ausgangssituation.
00:26:49
Speaker
Und das andere ist, was ich unterscheiden würde, ist es sozusagen eine Sorge oder eine Sensibilität.
00:26:55
Speaker
Also das heißt, ich kann ja durchaus eben sensibel für das Thema sein und es aber konstruktiv angehen.
00:27:00
Speaker
Und das ist ja immer so auch die Frage, die wir uns ja auch schon gestellt haben bzw.
00:27:03
Speaker
diskutiert haben, dieses Zukunftsverweigerung.
00:27:06
Speaker
wann ist es so, dass mich eine Angst vor Entwicklung, vor Zukunft so lähmt, dass ich gar nicht mehr handlungsmächtig bin und gar nicht mehr entscheiden kann, in welche Richtung ich Zukunft mitgestalten möchte oder welche anderen Alternativen es vielleicht auch noch zu diesem Narrativ, zu dieser Geschichte gibt.
00:27:23
Speaker
Also Klimawandel,
00:27:25
Speaker
genau ist da.
00:27:26
Speaker
Wir werden ihn irgendwie als Individuum nicht lösen können.
00:27:29
Speaker
Wir können ihm nur Gesamtgesellschaft irgendwie begegnen.
00:27:33
Speaker
Und das ist ja dann auch nochmal so diese Ebene, wo ich auf einer individuellen Ebene mich schnell handlungsohnmächtig fühlen kann.
00:27:42
Speaker
Und ich glaube, das hatten wir ja oft auch, oder nicht oft, aber das hatten wir in der Vergangenheit, als wir noch eine sehr starke Fridays-for-Future-Bewegung hatten oder Extinction, wo da tatsächlich gerade junge Leute sehr stark von diesem
00:27:54
Speaker
von dem Klimawandel ja auch sich bedroht gefühlt haben, wo ja wirklich so etwas in eine Angst und eine Wut umgeschlagen ist und man dadurch aber natürlich auch gefordert hat und vielleicht auch einiges bewirkt hat.
00:28:09
Speaker
Momentan glaube ich, es ist vielleicht eher so, dass es in einigen Teilen zumindest, es ist natürlich politisch auch, wird zurückgerudert.
00:28:16
Speaker
Das könnte aber natürlich ja auch Angst machen.
00:28:18
Speaker
Und ich denke aber, dass wir auf der anderen Seite eben auch hier merken, dass es ja auch schon in einigen Bereichen durchaus ja auch Entwicklungen gibt.
00:28:25
Speaker
Also ich meine, wir arbeiten ja mit dem Thema auch ständig.
00:28:27
Speaker
Und wenn wir, und ich glaube, das kannst du so unterschreiben, wenn wir mit Unternehmen, Organisationen zusammenarbeiten, ist es ja selten, dass die sagen, ach, Nachhaltigkeit interessiert uns nicht, sondern dass das ja tatsächlich ein Teil des Ganzen ist.
00:28:38
Speaker
Also wir haben ja mittlerweile diese, was gerade den Klimawandel angeht, vielleicht auf einer politischen Ebene zurückgerudert, was nicht zu unterstützen ist aus meiner Perspektive.
00:28:49
Speaker
Aber auf der anderen Seite ist es natürlich schon in vielen Bereichen doch auch drin und implementiert oder wird verfolgt und gesehen.
00:28:56
Speaker
Und ich glaube, das ist vielleicht auch so ein Stück weit diese Ambivalenz, die sich da auch wieder auf einer individuellen Ebene versus da ja auch so einer kollektiven Wahrnehmung irgendwie unterscheiden kann.
00:29:07
Speaker
Und ganz klar eben die Frage, ist es die Angst oder ist es einfach eine Sensibilität für das Thema?

Geringe Angst vor Ruhestand trotz alternder Gesellschaft

00:29:13
Speaker
Und ja, das finde ich, glaube ich, ist ganz relevant, dass ich eben mich da nicht sozusagen aus Ängsten und Sorgen in diese Handlungsohnmacht abwege.
00:29:22
Speaker
Zurückversetzen.
00:29:41
Speaker
Ich habe so ein bisschen auch schon dieses Thema Rente gestriffen und habe so ein bisschen beleuchtet, in welche Richtung man da vielleicht zukünftig auch denken könnte.
00:29:54
Speaker
Und grundsätzlich ist es ja so, das wird ja auch in dieser Befragung auch nochmal wiedergegeben, dass fast jeder fünfte Deutsche im Rentenalter gilt als armutsgefährdet.
00:30:07
Speaker
Das ist ja schon mal per se eine Aussage für ein Land wie Deutschland.
00:30:14
Speaker
Und da spiegelt sich natürlich grundsätzlich auch in dieser Befragung wieder, also dieses Thema Alter und wie geht es mir im Alter und wie gut stehe ich dann noch da, umtreibt die Deutschen.
00:30:25
Speaker
Dennoch muss man sagen, dass 2025 mit einer der niedrigsten Werte zu verzeichnen ist.
00:30:34
Speaker
Also wir liegen hier bei 34.
00:30:35
Speaker
Einen noch niedrigeren gab es 2020.
00:30:44
Speaker
Und ich sage mal, sonst zwischendurch und in den Jahren zwischendurch waren wir immer so ein bisschen, sage ich mal, so bei 38, teilweise auch schon aber mal bei 48 oder 47.
00:30:55
Speaker
Und was ich hier auch so ein bisschen spannend finde, wie gesagt, spiegelt ein Teil der Bevölkerung wieder, wie das so bei Befragungen ist.
00:31:05
Speaker
Aber dennoch ist es eine schöne, sozusagen eine schöne Betrachtung, insofern auch man diese Jahre halt hier sehr gut vergleichen kann und mal so ein bisschen reinschauen kann.
00:31:14
Speaker
Was ich aber sagen wollte, was ich spannend finde, ist, dass ja dieses Thema Rente, ja,
00:31:22
Speaker
Grundsätzlich ja ein riesengroßes ist eigentlich für dieses Land.
00:31:27
Speaker
Und gerade wenn wir über Zukunft sprechen, Zukunft gestalten, wenn wir über so viele Dinge sprechen, kommen wir doch oder zumindest streifen wir dieses Thema immer wieder, weil natürlich tatsächlich auch gesamtgesellschaftlich
00:31:43
Speaker
Sei es für den Arbeitsmarkt, fürs Gesundheitssystem, sei es für auch die Demokratie im Kontext auch von Wählen und wer wählt was und so weiter.
00:31:52
Speaker
Das hat ja wirklich Einfluss darauf, einerseits wie alt die Menschen werden, aber andererseits auch, wie sie dann noch leben und teilhaben an der Gesellschaft und so weiter.
00:32:02
Speaker
oft darüber gesprochen und daher finde ich es auch ein bisschen bezeichnend, dass im Verhältnis, immer gesehen auch zu anderen Themen, die in dieser Umfrage ja mit sozusagen angegeben werden oder anderen Ängsten, dass diese Angst momentan relativ niedrig ist, beziehungsweise auch im Verhältnis, wie gesagt, zu anderen Ängsten niedriger.
00:32:28
Speaker
Und das finde ich schon spannend für eine Gesellschaft, die sich darüber eigentlich doch mal Gedanken machen müsste.
00:32:38
Speaker
Die Frage, die ich mir stelle, ist 37 Prozent.
00:32:41
Speaker
Wir haben einen ziemlich großen Anteil von Boomern, die jetzt in Rente gehen, die natürlich vielleicht weniger Angst haben als die Next Gen, die ja durchaus auch eben weniger Prozente in unserer Gesellschaft ausmachen.
00:32:53
Speaker
Also das heißt, da ist natürlich, kann ich mir zumindest vorstellen, ich weiß nicht, ob das da die Zahlen wiedergeben, der Prozentsatz der Sorgen vielleicht doch nochmal ein anderer.
00:33:02
Speaker
Weil genau das hat man jetzt auch in den letzten Monaten in den politischen Diskussionen bemerkt und gemerkt, dass dort eben durchaus ein hohes Bewusstsein eben für dieses Thema da ist und durchaus ja auch sozusagen immer wieder ein Umdenken gefordert wird.
00:33:16
Speaker
Ich glaube, das ist das, was du gerade angesprochen hast, dass wir uns darüber Gedanken machen sollten, wie wir als Menschen, die älter werden, in einer älter werdenden Gesellschaft, trotzdem irgendwie ein gutes Lebensniveau erhalten wollen und natürlich dafür auch die Situationen und die Bedingungen schaffen.
00:33:33
Speaker
Ich finde das ganz schön, weil ich erinnere mich jetzt an unseren Podcast zur Multigraphie oder zu dem Mehrstunden-Karriere, ich glaube, so hatten wir es um Multikarriere,
00:33:44
Speaker
wo es ja genau auch um diese Themen geht, dass wir eben sozusagen nicht mehr in einer Gesellschaft leben, die an eine klassische Biografie orientiert sind, mit Ausbildung, mit Arbeitsleben.
00:33:55
Speaker
Und die Frau hat vielleicht maximal einen Nebenjob und der Mann ist der Hauptverdiener und man geht in Rente und ist irgendwie versorgt.
00:34:02
Speaker
So ist das ja nicht mehr.
00:34:03
Speaker
Und das heißt, diese Bedingungen haben sich ja aus ganz unterschiedlicher Perspektive verändert, zum einen aufgrund des demografischen Wandels,
00:34:10
Speaker
Aber natürlich auch aufgrund der Individualisierung, aufgrund von Geschlechterdiskussionen und Wandel, also Gender Shift.
00:34:18
Speaker
Also das sind natürlich Themen, die uns heute in eine ganz andere Situation bringen und dann sozusagen clashen.
00:34:27
Speaker
Ja, es wundert mich auf der einen Seite auch, so wie du sagst, dass da nicht eine größere Sorge ist.
00:34:32
Speaker
Und vielleicht ist aber dann tatsächlich auch so ein Stück weit so eine Resilienz gewachsen, dass man sich denkt, ich werde es in irgendeiner Weise irgendwie schon schaffen, weil man sich schon darauf einstellt.
00:34:40
Speaker
Also das heißt, ich glaube,
00:34:42
Speaker
Auch unsere Generation, du und ich, würde ich jetzt mal sagen, sind auch schon mit diesem Gedanken aufgewachsen, okay, Rente können wir uns eigentlich so ein Stück weit abschreiben.
00:34:50
Speaker
Das heißt, dieser Gedanke, dieses Narrativ ist ja eigentlich schon in unserer Gesellschaft auch schon länger da.
00:34:55
Speaker
Ob es nun stimmig ist oder nicht, will ich jetzt hier gar nicht bewerten, aber damit ist natürlich die nächste Generation vielleicht noch stärker konfrontiert.
00:35:03
Speaker
Und gleichzeitig die Entwicklung, dass man eben sagt, okay, ich kann nicht damit rechnen, dass ich irgendwie mit 67 eine Rente bekomme oder in Rente gehe.
00:35:10
Speaker
Und zum anderen habe ich vielleicht auch gar keine Lust und gar keine Motivation in dem Moment, weil ich ja sowieso vielleicht mit 67 eigentlich nicht so fühle im besten Fall und so gesund bin im besten Fall wieder, wie vielleicht früher Menschen mit Anfang 50 oder so.
00:35:23
Speaker
Also das ist natürlich auch nochmal so ein Hintergrund.
00:35:26
Speaker
der damit reinschwingt, zum einen verschiedene andere Lebensbedingungen, andere Lebenssituationen und dann eben auch das, was du gerade nochmal angesprochen hast, dieses große Thema von Longevity.
00:35:35
Speaker
Wie werde ich eigentlich, wie verlängere ich meinen Health-Span?
00:35:39
Speaker
Und das sind natürlich auch Möglichkeiten und Motivatoren, die solche Befragungen dann auch wieder beeinflussen können.
00:35:49
Speaker
Um da einfach noch zu ergänzen, ich glaube auch hier, das, was ja so ein bisschen ein so übergreifendes Thema ist, man könnte vermuten, dass der eigene Handlungsspielraum hier doch als größer eingeschätzt wird und in Anbetracht auch der Entwicklung, dass, ja, wie gesagt, ein Großteil oder ein Teil, sagen wir mal, zumindest der Bevölkerung da auch selber vorsorgt oder entsprechend diese Weichen stellt, wenn sie den
00:36:17
Speaker
gestellt werden können im Hinblick auf die Altersvorsorge.
00:36:22
Speaker
Und ich denke, dass da auch wieder sozusagen das, was wir am Anfang hatten mit dem Thema oder auch zum Beispiel mit dem Thema der Sorge vor Einwanderung oder Migration, was ja sozusagen einen niedrigeren Wert hat als 2017, wo es ja immer so diese Momentaufnahmen sind,
00:36:38
Speaker
Und genau das ist es ja auch wieder.
00:36:39
Speaker
Also inwieweit sozusagen eine Angst vor Altersarmut oder eine Angst vor steigenden Mieten präsent ist, ist ja dann auch wieder von den sozialen Medien abhängig und oftmals eben auch einem Moment.
00:36:50
Speaker
Die Frage, glaube ich, auch die aus einer Zukunftsperspektive interessant ist, wie resilient ist tatsächlich die Gesellschaft?
00:36:55
Speaker
Also inwieweit ist sie naiv sozusagen und hat ein naives Zukunftsbild?
00:37:04
Speaker
Inwieweit gibt es sozusagen nur dystopische Zukunftsbilder?
00:37:07
Speaker
oder inwieweit ist sie dann doch eben auch ein Stück weit sozusagen wirklich selbstbewusst in dem Moment und auch handlungsaktiv und fühlt sich handlungsfähig.
00:37:16
Speaker
Und ich finde diese Zahlen, die jetzt auch und die Vergleich der Zahlen über die Jahre auch zeigt eigentlich doch ein Stück weit, dass diese Gesellschaft resilienter ist, als wir sie wahrnehmen.
00:37:28
Speaker
Und das finde ich auch wieder ein sehr positives Narrativ.
00:37:33
Speaker
Und da sind wir dann wieder bei den Narrativen.
00:37:35
Speaker
Was erzählen wir uns eigentlich selbst über unsere Gesellschaft nicht?
00:37:39
Speaker
Und ich hatte es am Anfang gesagt, diese German Angst, die auch im Ausland ja immer sozusagen auf Deutschland rübergestülpt wird und wo man sich selbst eben auch darstellt, so nach dem Motto, naja, wir zögern erst mal, wir sind nicht wirklich Macher.
00:37:50
Speaker
Und das mag vielleicht auch in manchen Kontexten im Vergleich stimmen,
00:37:54
Speaker
Aber trotzdem ist es ein Stück weit eine gewisse Resilienz da.
00:37:59
Speaker
Und ich finde, das ist auch tatsächlich ein Narrativ, was wir eigentlich stärker pflegen

Von der Angst zur Chance: Gesellschaftliche Erzählungen

00:38:04
Speaker
sollten.
00:38:04
Speaker
Was haben wir eigentlich für eine Kraft und was haben wir eigentlich für eine Handlungsmacht, um mögliche Zukunfte zu explorieren und dann auch eben mitzugestalten und diesen großen Themen, die eben uns Angst machen könnten, auch zu begegnen.
00:38:20
Speaker
Genau, das ist ein super Thema, weil da habe ich nämlich augenblicklich eine Frage im Kopf.
00:38:26
Speaker
Vielleicht sollten wir da auch ein bisschen wegkommen und ich will gar nicht vom Narrativ sprechen, sondern von der Begrifflichkeit.
00:38:35
Speaker
Reden wir dann eigentlich wirklich noch über Zukunftsangst oder reden wir nicht eigentlich um Einflussnahme und Handlungsspielraum?
00:38:46
Speaker
Das ist ja die Frage, wie wir das framen.
00:38:47
Speaker
Also wir sagen ja gerne, die Leute haben alle so große Zukunftsangst und weil es alles ganz schlimm wird und so weiter.
00:38:54
Speaker
Oder könnten wir nicht einfach mal ein bisschen reflektierter das auch beleuchten und sagen, naja, die Leute haben da natürlich Unsicherheiten oder schauen darauf ein bisschen...
00:39:04
Speaker
pessimistischer da, wo sie natürlich weniger Handlungsspielraum oder eigenmächtigen Handlungsspielraum spüren, ja, also dass sie tatsächlich eine Art von Kontrolle hätten, ja, und das muss ja nicht unbedingt automatisch Angst bedeuten, ja, also wenn wir jetzt, natürlich haben wir jetzt nicht alle Zahlen hier genannt und es ist
00:39:23
Speaker
sehr lesenswert, ich kann das nur empfehlen, wir verlinken diese Ergebnisse und Umfrage auch in den Shownotes.
00:39:30
Speaker
Aber wenn wir so ein bisschen rauslesen können, was du gerade sagtest, dass die Gesellschaft doch eigentlich ganz revisient ist und gar nicht so ängstlich wie immer dargestellt, sollten wir vielleicht auch weniger von Zukunftsangst sprechen, sondern eher von geringerer Handlungsoption oder Handlungsspielraum.
00:39:51
Speaker
Ja, von Momentaufnahmen der Gegenwartsangst.
00:39:54
Speaker
Also ich finde, also in dem Moment, wenn wir, also ich denke ja auch immer gerne Zukunft aus dem Gegen, aus der Gegenwart heraus.
00:40:00
Speaker
Und das heißt also eigentlich ist es ja gar nicht sozusagen die Angst.
00:40:04
Speaker
Natürlich haben wir vielleicht auch Sorgen vor möglichen Zukunften.
00:40:07
Speaker
Aber letztendlich spiegelt das ja eigentlich nur wieder, wie wir uns im Gegen, in der Gegenwart wahrnehmen und welche Vorstellungen wir in der Gegenwart von Zukunften haben.
00:40:15
Speaker
Und wenn das sich zeigt, dass diese Gegenwartssorgen tatsächlich Momentaufnahmen sind,
00:40:20
Speaker
die in dem nächsten Moment wieder ganz anders aussehen können, zeigt das im Grunde genommen auch, dass wir durchaus eben auch diese Flexibilität im Denken haben und auch diese Flexibilität nutzen können, um sozusagen dann auch in Handlungsoptionen und in Möglichkeiten zu denken.
00:40:36
Speaker
Und da tatsächlich auch und ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt in einem Podcast und ich bekomme es immer wieder rückgespiegelt, dass ich oft Menschen begegne, die eben auch Sorgen vor diesen großen Themen haben und Bedenken mitbringen.
00:40:49
Speaker
Und gerade irgendwie, wenn ich mit ihnen arbeite an negativen Zukunftsszenarien und versuche, diese umzuframen, dann kommt es zu sagen, was habe ich eigentlich als Individuum für eine Handlungsoption und Handlungsmacht?
00:41:03
Speaker
Und die Menschen darin zu bestärken und darin tatsächlich auch mehr sozusagen zu befähigen, etwas zu tun und ihre eigene Agency zu spüren, ich glaube, das ist tatsächlich für mich eines der zentralen Zukunftsthemen, die dann auch eben relevant sind.
00:41:18
Speaker
Also wie kann ich nicht nur das kritische Denken schärfen, sondern tatsächlich auch die eigene Agency schärfen oder befördern?
00:41:24
Speaker
Absolut.

Informationsüberlastung und kritische Medienbewertung

00:41:26
Speaker
Und
00:41:27
Speaker
inwieweit oder was sind so seine Gedanken und wir haben es vorhin schon mal kurz angerissen zu diesem Thema auch informiert sein versus Daueraufgeregt.
00:41:39
Speaker
Also tatsächlich, wenn um
00:41:42
Speaker
möglicherweise auch so einen Handlungsspielraum auch wirklich wahrzunehmen und den ja vielleicht auch mit ein paar Optionen zu füllen, ja, und ein paar Ideen, denke ich, ist es ja nützlich, sich zu informieren, ja, in einem gewissen Rahmen.
00:41:56
Speaker
Aber das merke ich halt auch,
00:41:57
Speaker
immer wieder oder es wird mir auch gespiegelt, dass es zunehmend vielen schwerfällt, das so zu tun, dass es zufriedenstellend ist beziehungsweise, dass man eigentlich nicht überfrachtet wird.
00:42:10
Speaker
Und gerade diese Auswahl, wo informiere ich, wie informiere ich, wie habe ich da auch tatsächlich dann das Gefühl, das reicht aus,
00:42:24
Speaker
Die Fear of Missing Out ist ja heute, die wird ja auch sozusagen gepusht, getrieben.
00:42:28
Speaker
Ich sage jetzt mal übertrieben, zu einem Thema gibt es ja heute, ich sage mal, vielleicht nicht nur zehn valide Erkenntnisse, sondern 50 augenscheinlich.
00:42:38
Speaker
Das ist ja schon ein Thema.
00:42:41
Speaker
Da ist ein schmaler Grad zwischen wirklich gut informiert sein und dann eigentlich schon so ein bisschen abdriften in Meinung.
00:42:50
Speaker
Genau.
00:42:53
Speaker
Und das ist die Frage, was kommt zuerst?
00:42:55
Speaker
Oder beziehungsweise wovor muss ich mich eigentlich zuerst wappnen?
00:42:58
Speaker
Und ich glaube, das ist zuerst diese Meinung.
00:43:00
Speaker
Weil das Thema...
00:43:02
Speaker
Also so, wie du es gerade eingeleitet hast, impliziert ja schon ein kritisches Auseinandersetzen mit Informationen.
00:43:08
Speaker
Und aber nicht selten ist es ja auch so, dass eine Nachricht einem eingespielt wird und man denkt, man fühlt sich wohl mit dieser Nachricht, weil sie irgendwie meine Meinung widerspiegelt.
00:43:14
Speaker
Weil es passt.
00:43:17
Speaker
Und dann aber diesen Schritt zu gehen und diese Meinung auch nochmal zu hinterfragen und überhaupt zu fragen,
00:43:23
Speaker
Also einfach so das, was wir auch so gerade gängig eben immer wieder leben wir eigentlich in einer pluralisierten Gesellschaft.
00:43:29
Speaker
Ist das der Fall?
00:43:30
Speaker
Und das kann man dann bejahen oder beneiden, aber dass man sich überhaupt mal auch diese Fragen irgendwie nochmal anders anschaut und guckt,
00:43:38
Speaker
das, was ich gerade so als Mainstream-Narrative übernehme, ist das überhaupt real?
00:43:43
Speaker
Ist das überhaupt Zukunft?
00:43:44
Speaker
Ist das überhaupt sozusagen das, was wirklich auch der Fall ist?
00:43:48
Speaker
Oder ist das ein großes Rauschen?
00:43:49
Speaker
Und ich glaube, das ist dann wieder so der zweite Punkt.
00:43:52
Speaker
Zum einen eben das kritische Denken anzuwenden und zum anderen dann eben zu gucken, was ist hier gerade wirklich Rauschen und was ist vielleicht auch wirklich ein Signal?
00:43:58
Speaker
Und das ist ja auch mal das, was unsere tägliche Arbeit sozusagen ausmacht, ja wirklich so die Signale von dem Rauschen zu unterscheiden.
00:44:06
Speaker
Und ich gebe selber zu, dass das, finde ich, auch durch die Flut an Informationen, wie sie aufbereitet sind, wie sie einem auch zugespielt werden, immer schwieriger wird.
00:44:14
Speaker
Also weil wir wirklich einen gerade auch nochmal so sehr, so gerne ich ja auch mit KI arbeite, so faszinierend ich das finde, ist das natürlich auch nochmal ein Treiber für mehr Content und für mehr Sachen, die zusätzlich verrauschend sorgen und
00:44:29
Speaker
Das ist schon nochmal eine Aufgabe, die tatsächlich ein Stück weit dann auch entweder ein Vertrauen in Medien erfordert und dafür müssen dann aber die Medien eben auch sich anders vielleicht verhalten, als sie es bisher tun, nämlich nicht auf dieses Clickbait setzen, sondern wirklich auch auf Qualitätsjournalismus setzen, das Ganze eben auch selbstkritisch hinterfragen.
00:44:49
Speaker
Und das ist, glaube ich, gerade auch so ein Punkt, wo tatsächlich ein Stück weit Vertrauen in unsere Gesellschaft fehlt,
00:44:55
Speaker
Nämlich in zuverlässige Medien und auch dieses nicht nur das Vertrauen, sondern eben auch dieses Selbsthinterfragen in vielen Teilen, weil es einfach bequem ist.

Optimismus im persönlichen Leben und gesellschaftliche Aussichten

00:45:04
Speaker
Und ich möchte damit jetzt irgendwie überhaupt gar kein Urteil sprechen, weil ich denke, dafür sind wir alle genauso anfällig.
00:45:09
Speaker
Also das ist eher so eine Wir-Perspektive.
00:45:12
Speaker
Absolut.
00:45:14
Speaker
Das sind einfach Aufgaben für unsere Zukunft.
00:45:16
Speaker
Und wenn die Medien das nicht lösen können, die sozialen Medien das nicht lösen können, dann müssen wir die Menschen befähigen.
00:45:22
Speaker
Und wenn sie eine gewisse Resilienz mitbringen und tatsächlich auch eine gewisse Zukunftsbedingung,
00:45:28
Speaker
Ein Zukunftsoptimismus tatsächlich haben, würde ich jetzt einfach mal auch unterstellen, dass wir ein Stück weit alle einen Zukunftsoptimismus auch haben.
00:45:36
Speaker
Auf das eigene Leben projiziert, definitiv, ja.
00:45:39
Speaker
Richtig.
00:45:40
Speaker
Und das impliziert ja im Grunde auch, wenn ich das auf mein eigenes Leben projiziere, bedeutet es ja auch, mein eigenes Leben ist ja abhängig von äußeren Umständen, ja.
00:45:49
Speaker
Und dann habe ich tatsächlich ja auch diese Möglichkeit, eben da diese Resilienz weiter zu fördern und auch dieses kritische Denken zu fördern.
00:45:56
Speaker
Und das finde ich eigentlich auch eigentlich ein zentrales Thema für die Zukunft.

Fehlende nationale Vision und ihre Auswirkungen

00:46:02
Speaker
Letzter Punkt und damit auch letzte so ein bisschen Frage hier an uns.
00:46:07
Speaker
Das ist ja etwas, was uns bei verschiedenen Themen umtreibt, auch zur Zukunft des Tourismus.
00:46:13
Speaker
Auch da haben wir schon mehrfach drüber gesprochen.
00:46:16
Speaker
Welche Visionen gibt es für den Tourismus?
00:46:18
Speaker
Gibt es überhaupt eine?
00:46:20
Speaker
Gibt es eine auch speziell für Deutschland?
00:46:23
Speaker
Und genauso hier die Frage, welche Visionen gibt es eigentlich für Deutschland als Land?
00:46:30
Speaker
Und mein Gedanke war so tatsächlich auch im Sinne einer Befähigung der Menschen, im Sinne auch eines Abholens, eines, ja, so ein bisschen auch eines Ziels vorgeben, wäre das doch eigentlich etwas, was wir gerade in solchen Zeiten benötigen würden.
00:46:49
Speaker
Also das wird tatsächlich da in einer Art und Weise formuliert, wo geht es mit diesem Land hin?
00:46:58
Speaker
Wie wollen wir sein?
00:46:59
Speaker
Wie wollen wir in 10, 15 Jahren leben?
00:47:03
Speaker
Welche Rolle sehen wir für uns in Europa?
00:47:06
Speaker
Und das ist tatsächlich, glaube ich, etwas, was bei diesem ganzen Thema auch mit Ängsten unterschiedlichster Art vielleicht doch dem einen oder anderen helfen würde.
00:47:16
Speaker
Tatsächlich auch in diesem Kontext von Übertreibung und Politik.
00:47:22
Speaker
extrem nahe Zielbild geben würde.
00:47:28
Speaker
Ein Zukunftsbild.
00:47:29
Speaker
Also ich glaube, wir brauchen Zukunftsbilder, die wir sozusagen eben auch in der Gesellschaft haben.
00:47:35
Speaker
Wo ist die Strategie?
00:47:37
Speaker
Wo ist das Zukunftsbild, wo steht Deutschland, wo steht aber auch Europa?
00:47:41
Speaker
Und ich möchte hier tatsächlich auch nochmal, ich glaube noch an den europäischen Gedanken irgendwo, dass das auch eher sozusagen, also wo möchte eigentlich Deutschland innerhalb oder mit Europa eigentlich hin?
00:47:52
Speaker
Und ich glaube, dass wir auch gerade tatsächlich, oder gerade aufgrund dieser Krisensituation, der globalen Situation,
00:48:02
Speaker
die Chance hätten, eigentlich eben auch für Europa ein neues Zukunftsbild zu kreieren.
00:48:08
Speaker
Und ich glaube, dass das auch tatsächlich die Menschen abholen würde und dass das auch ein Antidot wäre gegen zunehmende Polarisierung und vielleicht auch Extremismus, wenn wir tatsächlich irgendwie da eine Vision hätten und auch eine Strategie hätten.
00:48:24
Speaker
Und das sind ja ganz banale Dinge, die es sein können.
00:48:27
Speaker
Infrastruktur aufbauen, Versorgung aufbauen, eine gute
00:48:31
Speaker
eine gute Struktur aufräumen, die Lebensqualität erhöhen.
00:48:33
Speaker
Und das bringt uns ja dann auch wieder sozusagen ein Stück weit zu dem Bild vom Tourismus, das es gibt.

Tourismus und nationale Identität

00:48:40
Speaker
Und Tourismus wird es weitergehen.
00:48:41
Speaker
Er wird natürlich sich anders zusammensetzen.
00:48:44
Speaker
Aber wir arbeiten ja auch viel im Bereich der Destinationsentwicklung.
00:48:47
Speaker
Und da geht es ja im Grunde genommen auch darum, sozusagen die Lebensqualität vor Ort zu erweitern.
00:48:52
Speaker
zu halten, zu fördern, auszubauen und eben gerade auch nochmal so diese Zukunftswerte eben heute anzustoßen und zu schaffen.
00:48:58
Speaker
Und wenn das sozusagen auch diese Zukunftsbilder auf einer politischen Ebene wären, die transportiert werden, ich glaube, das würde schon viel, viel, viel Zukunftsmut in der Gesellschaft erzeugen und eben auch den Mut zu lassen, in verschiedenen Zukunftsbildern zu denken und diese auch zu diskutieren und miteinander auszuhandeln.
00:49:19
Speaker
Ja, absolut.
00:49:20
Speaker
Das ist doch ein schönes Schlusswort.
00:49:22
Speaker
für unsere kleine, feine Runde hier heute.
00:49:25
Speaker
Wir haben versucht, das Thema ein bisschen zu durchforsten und ein paar verschiedene Perspektiven drauf zu wenden.
00:49:34
Speaker
Mein persönlicher Wunsch, nach unserem Podcast, die Zukunftsangst aus dem Vokabular zu streichen.
00:49:44
Speaker
eher die Wahrnehmung von Handlungsräumen oder Handlungsspielräumen mehr zu betonen und dass die natürlich für jeden anders sind, völlig legitim, aber allein, dass man wahrnimmt, dass man einen hätte oder hat, ändert doch schon das eigene vielleicht Narrativ und das Narrativ aufs große Ganze.
00:50:06
Speaker
Insofern können wir uns da vielleicht drauf einigen.
00:50:10
Speaker
Schauen wir mal.
00:50:13
Speaker
Mal so ein Wünsch dir was am Ende.
00:50:14
Speaker
Super.
00:50:15
Speaker
Ich danke dir, Anja.
00:50:18
Speaker
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und wir hören uns demnächst.
00:50:23
Speaker
Bis dann.
00:50:23
Speaker
Tschüss.
00:50:24
Speaker
Ciao.