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Bildungsräume

lautdenken
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44 Plays22 days ago

Stephie und Lars sprechen darüber, was gute Orte zum Lernen ausmacht – in der Schule, an der Hochschule, im Betrieb und zu Hause. Sie zeigen, warum Lernen besser klappt, wenn Menschen ihren eigenen Lernanlass finden, Fragen stellen dürfen und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Es geht um Räume, in denen Neugier zählt, unterschiedliche Blickwinkel Platz haben und alle als Menschen ernst genommen werden. Dabei erzählen die beiden, wie sie solche Lernräume in ihrem Studiengang und in Meetings schon heute ausprobieren – mit Bewegung, einfachen Materialien und viel Beziehungsarbeit.
Das und mehr in der neuen Folge lautdenken.

LEISE WEITERDENKEN

Graupe, S., & Bäuerle, L. (2022). Bildung in fragilen Zeiten: Die Spirale transformativen Lernens.

Bieri, P. (2011). Wie wollen wir leben?

Hochmann, L., & Möller, S. (2024). Organisationen hacken: Einfallstore in eine nachhaltige Arbeitswelt.

Transcript

Einleitung: Bildungsräume neu denken

00:00:16
Speaker
War es schon wieder eine neue Folge Lautdenken?
00:00:20
Speaker
Steffi, ich grüße dich.
00:00:21
Speaker
Ich grüße dich, Lars.
00:00:23
Speaker
Und ja, ich habe mich schon wieder drauf gefreut.
00:00:27
Speaker
Völlig zu Recht auch ein herzliches Moin raus in die Welt an all jene, die da zuhören.
00:00:34
Speaker
Ich habe einen Begriff mitgebracht, Steffi.
00:00:36
Speaker
Ich möchte mit dir reden über etwas sehr Naheliegendes, weil wir in unseren Folgen immer wieder an so einen Punkt kommen, an dem wir merken, Mensch, anders lernen, das wäre doch irgendwie wichtig.
00:00:50
Speaker
Es geht irgendwie...
00:00:52
Speaker
Egal wie wir diskutieren, immer wieder kommt so ein Berührungspunkt, kommen wir in unserer Debatte an einen Punkt, an dem wir merken, Mensch, das hat was mit Bildung zu tun und deswegen möchte ich mit dir heute gerne reden über Bildungsräume.
00:01:08
Speaker
Bildungsräume, also nicht Bildungsträume, was für Räume wir gerne hätten, sondern direkt über die Bildungsräume.
00:01:16
Speaker
Ja, die Räume, in denen Bildung stattfinden kann.
00:01:20
Speaker
Damit meine ich jetzt gar nicht so sehr die Zimmer, wobei über die können wir selber auch gerne noch reden.
00:01:25
Speaker
Aber erstmal so, was sind das eigentlich für Räume, in denen Bildung auch gelingen kann und so?
00:01:34
Speaker
Vielleicht fangen wir da mal etwas niedriger noch an.
00:01:38
Speaker
Wenn ich gerade sagte, wir kamen immer wieder an so einen Punkt, an dem es auch um Bildung geht.
00:01:43
Speaker
Wie siehst du das denn?
00:01:46
Speaker
Welche Bildung brauchen wir denn eigentlich heute?
00:01:53
Speaker
Meinst du inhaltlich oder von wem mit wem?
00:01:58
Speaker
Ja, sowohl als auch.
00:02:00
Speaker
Also Praxis lässt sich ja dann nicht in Form und Inhalt aufteilen, sondern da fällt das ja in eins.
00:02:07
Speaker
Also wenn wir über Transformationen reden, reden wir viel über Bildung.
00:02:11
Speaker
Und welche Form von Bildung, was ist das, was macht diese Bildung aus, die wir jetzt heute brauchen im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung?

Kritik an traditionellen Bildungssystemen

00:02:19
Speaker
Ja.
00:02:19
Speaker
Du hast mich vor vielen, vielen Folgen mal mit Peter Biri geschenkt und das Zitat begleitet mich seitdem ganz, ganz viel und ich gebe es überall rein, wo es irgendwie möglich ist, weil ich diesen Dreiklang von Wachkenntnisreich kritisch ganz wichtig finde.
00:02:36
Speaker
Und da sich für mich Bildung und vorgeschriebenes Lernen unterschreitet,
00:02:47
Speaker
Also jetzt muss ich vielleicht ein bisschen überlegen, wie ich vorgeschriebenes Lernen erläutern kann.
00:02:53
Speaker
Es gibt, oder zumindest erlebe ich es im schulischen Kontext, gerade in meiner Kinder, aber auch im hochschulischen Kontext immer wieder, es gibt so vorgeschriebene Lernräume, die ich noch nicht als Bildungsräume veranke.
00:03:09
Speaker
bezeichnen würde, sondern da ist ganz faktisch vorgeschrieben, was am Ende das Ergebnis zu sein hat.
00:03:15
Speaker
Also es ist wirklich vorgeschrieben, nicht nur was das Ergebnis ist, sondern was die Inhalte sind, was der Weg ist, wie das abzulaufen hat.
00:03:23
Speaker
Das hat für mich zumindest nicht mehr viel mit den Bildungsräumen zu tun, die ich in eher transformativen Bedarfen sehe, weil ich da gar nicht vorschreiben kann,
00:03:38
Speaker
weil ich in manchen Fällen vielleicht noch nicht mal beschreiben kann, wohin ich auf diesem Lernweg gehen

Selbstbildung vs. Fremdbildung

00:03:44
Speaker
möchte.
00:03:44
Speaker
Und das ist eher ein Ankommen in jedem Schritt, wo Bildung mich wacher, erkenntnisreicher, kritischer macht und ich noch gar nicht genau sagen kann, wer mit mir da wann, wo, wie mitgeht oder mit wem ich Schritt halten kann und möchte und welche Fußabdrücke ich hinterlasse und wo sie mich vielleicht auf
00:04:06
Speaker
sehr, sehr wichtigen und zentralen Umwegen hinführen.
00:04:09
Speaker
Also dieses vorgeschriebene, kausale, lineare Lernraumgestalten ist für mich nicht das, wie ich gerne Bildungsräume denken würde.
00:04:22
Speaker
Du hast jetzt sehr oft ich und mir und so, also dich selbst als Mensch gewissermaßen ins Zentrum gestellt.
00:04:30
Speaker
Und wenn ich so auf meine Bildungsbiografie schaue, dann kann ich die Momente an zwei Fingern abzählen, an denen eine für solche Bildungsräume verantwortliche Person mich gefragt hat, sag mal, was willst du eigentlich?
00:04:47
Speaker
Was ist dir eigentlich wichtig?
00:04:49
Speaker
Also wo geht es tatsächlich um die sich bildenden Menschen?
00:04:55
Speaker
Und an all den Stellen, die du jetzt so als vorgeschrieben hast, wo du gesagt hast, irgendwie dieser Raum, da ist irgendwie schon klar, was in ihm passieren kann.
00:05:04
Speaker
Das reicht ja vom Spielplatz, der durchdesignt ist, wo jede Erfahrung quasi schon von einer
00:05:09
Speaker
pädagogischen und produktdesignerischen Taskforce im Vorfeld festgelegt ist, welcher Quadratzentimeter ist für welche Erfahrung irgendwie da und Fantasie und Ideenreichtum von Kindern wird überhaupt nicht mehr stimuliert.

Kritisches Denken und Selbstreflexion

00:05:23
Speaker
Das zieht sich ja so durch diese ganzen Bildungsinstitutionen, diese sogenannten, die wir haben.
00:05:28
Speaker
Also das
00:05:30
Speaker
dass das, was so aus dem Menschen selbst herauskommt, dieser Impuls, sich zu bilden, das eigene Verhältnis zur Welt zu reflektieren, also ich operiere da mit einem sehr humboldtschen Bildungsbegriff, Bildung ist grundsätzlich immer Selbstbildung,
00:05:49
Speaker
unterscheidet sich in dem Sinne eben von Erziehung, wo es immer noch eine andere Person gibt, eine Erzieherin, ein Erzieher, der mich auf etwas hin erzieht, Benimmregeln beibringend oder eben auch vieles von dem, was in der Schule passiert, wo es dann eine Lehrerin, einen Lehrer gibt, eine Lehrkraft gibt.
00:06:09
Speaker
Da entstehen dann ja so hybride Formen, wo gar nicht mehr so richtig klar ist, geht es da jetzt um Bildung?
00:06:13
Speaker
Also ich
00:06:15
Speaker
Ich als Schüler oder als Schülerin reflektiere mein Verhältnis zur Welt und setze mich deswegen auseinander mit unterschiedlichen Fächern und so weiter.
00:06:27
Speaker
Oder geht es vor allen Dingen darum, irgendeinen Kanon zu reproduzieren?
00:06:33
Speaker
Irgendwas, wovon irgendwer mal gesagt hat, damit man in dieser Welt sein kann, muss man die folgenden Bücher gelesen haben, muss man bestimmte Rechenarten beherrschen und so weiter und so fort.
00:06:43
Speaker
Und ich weiß aber gar nicht, was das mit mir und meinem Leben zu tun hat.
00:06:49
Speaker
Und dieses Moment, das hat ja irgendwie mit mir nichts zu tun, das habe ich selber so erlebt und erlebe es nach wie vor sehr, sehr stark auch im Gespräch mit Studierenden zum Beispiel.
00:07:05
Speaker
Ja, also gerade weil...
00:07:08
Speaker
gerade weil ich versuche, bei mir in der Lehre es anders zu machen, also Hochschulbildung wieder als einen solchen Bildungsort auch zu begreifen, muss ich mich auseinandersetzen mit meinem Gegenüber.
00:07:19
Speaker
Muss ich halt gucken so, also wo stehst du und was willst du von der Welt und wie möchtest du dein Verhältnis zur Welt reflektieren.
00:07:27
Speaker
Mir ist völlig egal, ob die irgendeinen Kanon reproduzieren können, ob die irgendein Fach reproduzieren.
00:07:37
Speaker
auswendig lernen und wiedergeben können.
00:07:41
Speaker
Das interessiert mich überhaupt nicht, aber dass dort ein Mensch ist, der sein Verhältnis zur Welt überdenkt und sich die Welt, so wie sie ist, nicht für gegeben betrachtet, sondern sich jedem, Bogen zurück, Peter Biri, wach, kenntnisreich und kritisch aneignet.
00:07:55
Speaker
Das ist das, was mir zum Beispiel wichtig ist und wo ich auch merke, ja, wenn wir Transformation wollen, dann brauchen wir auch eine solche Bildung.
00:08:04
Speaker
Eine Bildung, die wieder Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Entwicklung von Menschen in den Mittelpunkt stellt und darüber dann schaut, welche fachlichen Bezüge gibt es und welche sind wofür auch hilfreich, was können wir damit sehen, was können wir damit nicht sehen, wo produzieren wir blinde Flecken und so weiter und so fort.
00:08:26
Speaker
Also so eine gewisse Bezüge.
00:08:28
Speaker
Ja, so eine Befähigung auch zum pluralen Denken, wenn du so möchtest.
00:08:38
Speaker
Das scheint mir heute wichtiger denn je zu sein, unterschiedliche Standpunkte nachvollziehen zu können, Argumente führen zu können, ohne dass ich sie mir zu eigen mache,
00:08:54
Speaker
Tiefe im Denken zu entfalten, sich auseinanderzusetzen mit Literatur, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern weil ich darüber etwas lernen kann über die Gegenwart.
00:09:06
Speaker
Das war jetzt viel, ne?
00:09:12
Speaker
Du hörst meinen Kopf rattern.
00:09:17
Speaker
Rumpelt vielleicht noch ein bisschen gerade.
00:09:21
Speaker
Es war nicht viel, es war bunt.
00:09:25
Speaker
Damit ist es viel, aber nicht viel im Sinne von zu viel, sondern ganz, ganz unterschiedliche Zugänge, die ich da im gewassen Sinne des Wortes bemerkenswert finde und wo ich es für wichtig halte.
00:09:41
Speaker
darauf zu schauen, weil ich glaube, dass was wir dafür auch brauchen, lernen dürfen auszuprobieren, was es braucht, also die Antwort, was es wirklich braucht, habe ich noch gar nicht, ist, dass diese Form der Räume anderer Rollen und Ressourcen möglich machen und nötig machen, sowohl als auch.

Bildung als kulturelle Aneignung

00:10:02
Speaker
Es gibt dann vielleicht weniger jemanden, der es in Anführungszeichen besser weiß,
00:10:09
Speaker
der in der Rolle ist, dass das Besserwissen entsteckt und Ressource dessen, wo und wie und womit wir lernen, auch etwas sein kann, indem man schaut, was steht mir jetzt zur Verfügung und das, was da ist, ist genau das, was richtig ist und wer ist gerade mit da und diese Personen sind genau die, die diesen Lernraum halten und gestalten, also es ist weniger ein
00:10:38
Speaker
Vieles Einsortierte kann sich darüber aufheben.
00:10:43
Speaker
Also sowohl was Lernstufen, was Qualifikationsstufen, was eine Wertigkeit von wer weiß mehr, weil es gar nicht um das mehr Wissen geht, um die Antworten, sondern vielleicht im ersten Moment mehr um Fragen.
00:11:03
Speaker
Um Fragen, ja, und um Wissen als Befähigung vor allem.
00:11:09
Speaker
Ja, als Tatbestände.
00:11:13
Speaker
Ja, mir ist das Moment der Befähigung da wirklich sehr wichtig.
00:11:16
Speaker
Also gerade damit man nicht in so ein Besserwissen irgendwie reinkommt, das ja dann häufig gar kein Besserwissen ist, sondern ja, so ein, ja, umgangssprachlich würden wir sagen, so ein Klugscheißen.
00:11:30
Speaker
Also was, was… Naja, eine enorm gesteckte Idee von, was ist hier gerade das richtige Wissen?
00:11:37
Speaker
Ja, und es ist halt zahnlos, das meinte ich an der Stelle, also weil es dann irgendwie zu einer Plattitüde wird, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht und dann heißt es, naja, aber das hat irgendwie auch was mit Macht zu tun.
00:11:49
Speaker
Da würde ich sagen, ja, klar, logisch, irgendwie, es hat was mit Macht zu tun, weil
00:11:53
Speaker
soziales Leben halt immer auch ein vermachtetes Leben ist.
00:11:56
Speaker
Jetzt müssen wir über den Machtbegriff reden und auf wen wir uns da beziehen wollen und was bedeutet Macht?
00:12:01
Speaker
Macht als Handlungsvermögen beispielsweise reflektiert, da kommen wir in ganz andere Gefilde rein und so weiter und so fort.
00:12:07
Speaker
Also, dass man so aus diesem Plattitüdenhaften irgendwie rauskommt und tatsächlich auch in die Lage versetzt wird, anders zu handeln und nicht nur anders zu handeln, sondern im Grunde genommen ein anderes Leben zu führen.
00:12:23
Speaker
Wenn bei Peter Biri, an den du direkt eingangs wieder erinnert hast, dankenswerterweise dieses Zitat mit wachkenntnisreich und kritisch, also die wachkenntnisreiche und kritische Aneignung von Kultur als Bildung zu beschreiben oder andersrum Bildung als wache, kenntnisreiche und kritische Aneignung von Kultur zu verstehen,
00:12:46
Speaker
Dieses Zitat stammt aus einem Büchlein, das heißt, wie wollen wir leben?
00:12:50
Speaker
Und das ist im Grunde für ihn die Frage, mit der alles anfängt und dann in dem Moment Bildung halt auch wieder aufhört, nämlich als eine Never-Ending-Story, dass wir uns vergewissern, wie wollen wir denn eigentlich leben?
00:13:02
Speaker
Und dafür brauchen wir ja nicht nur Menschen, die irgendwie klug schnacken können, sondern da geht es ja wirklich um
00:13:13
Speaker
anderen Alltag.
00:13:14
Speaker
Es geht darum, sich anders zu ernähren, anders mobil zu sein, anders zu wohnen, anders zu kommunizieren und so weiter und so fort.
00:13:22
Speaker
Aber ja nicht anders, um das Anderssein willen, sondern weil vorgängig man sich die Frage gestellt hat, ja, wie wollen wir denn leben?

Hinterfragen kultureller Normen

00:13:32
Speaker
Genau, und da finde ich neben den drei von mir so geschätzten
00:13:38
Speaker
Begrifflichkeiten von Fachkenntnisreichern kritisch, vor allen Dingen der Spannungsbogen von Bildung als Aneignung von Kultur so zentral.
00:13:47
Speaker
Weil ich mich zunächst damit auseinandersetze, wie möchte ich leben oder wie du sagst, wie möchte ich mich ernähren, wie möchte ich essen, wie möchte ich leben, auch die Frage, wie möchte ich lernen.
00:13:59
Speaker
Den Fokus rückt, das ist das eine und zum anderen aber auch,
00:14:02
Speaker
es immer ein Zweiklang ist von der Auseinandersetzung, wie möchte ich eigentlich leben und der Frage, wie möchte ich mich ernähren, daran sich zunächst erst einschlägt, was muss ich dafür können, was möchte ich dafür können, also was ist so eine Grundbedingung, um mich so ernähren zu können und was möchte ich darüber hinaus als Kulturpraktik erwerben, um es
00:14:29
Speaker
vielleicht noch in einer anderen Stufe anders, besser, verbundener machen zu können.
00:14:34
Speaker
Und da der wichtige Punkt bei Aneignung von Kultur, das ist nicht etwas isoliertes, eigenes, alleiniges, sondern das ist immer in Verbindung, immer in einer vernetzten Situation.
00:14:49
Speaker
Ja, und da finde ich diesen Dreiklang, wach, kenntnisreich und kritisch sich Kultur anzueignen, wirklich total wertvoll, weil es aufzeigt, es hat irgendwie auch was mit der Kontingenz der Entwicklung zu tun, hat was auch mit der Geschichtlichkeit zu tun, die in unseren Ernährungskulturen, Mobilitätskulturen, Wohnkulturen und so weiter eingelassen ist.
00:15:12
Speaker
Wenn ich einfach nur in die Welt hier irgendwann hineingeboren werde, dann ist da ja schon ganz viel angelegt.
00:15:18
Speaker
Aber nur weil ich zufälligerweise an diesem Ort zu dieser Zeit zur Welt gebracht wurde, ist ja noch nicht mal mein Verdienst, also ich wurde ja zur Welt gebracht,
00:15:33
Speaker
Daraus folgt ja nicht, dass ich irgendein Geburtsrecht oder einen Anspruch auf etwaige kulturelle Normalitäten hätte.
00:15:44
Speaker
Also niemand kommt auf die Welt und hat einen Anspruch auf eine bestimmte Form von Mobilität, auf eine bestimmte Form der Ernährung und so weiter.
00:15:53
Speaker
Und in der Regel eignen wir uns das nämlich nicht sonderlich wach an, sondern irgendwie schlafwandlerisch.
00:16:01
Speaker
Das ist halt so, wie man es halt dann irgendwie vorgelebt bekommt, ohne dass man das großartig reflektiert oder gar hinterfragt.
00:16:09
Speaker
Und in der Regel eignen wir uns diese Kulturen, diese Ernährungskulturen auch nicht sonderlich kenntnisreich an.
00:16:15
Speaker
Wir wissen gar nicht, was alles passieren muss, bis die Nahrungsmittel bei uns auf dem Teller landen.
00:16:20
Speaker
Das ist größtenteils.
00:16:23
Speaker
leben wir da wirklich im Dunkeln, was das anbetrifft.
00:16:25
Speaker
Und kritisch, im Sinne von unterscheidend, also nicht alles über einen Kamm scherend, eignen wir uns diese Kulturtechniken dann eben auch nicht an.
00:16:36
Speaker
Und wenn man all das mal in die Waagschale wirft und sich überlegt, okay, es geht dabei ja nicht um Kulturen,
00:16:45
Speaker
um soziale Praxis als irgendwie etwas, wo wir Menschen wie so Marionetten an den Fäden der Gesellschaft hängen und gar nicht wissen, was wir da eigentlich tun, sondern dass das was ist, was im Grunde genommen total veränderbare Praktiken

Gestaltung von Bildungsräumen

00:17:01
Speaker
sind.
00:17:01
Speaker
Also den Begriff der Praktik hast du gerade eben auch schon genannt, also Praktiken des Käsebrotschmierens zum Beispiel.
00:17:09
Speaker
Das kann man ja sehr schnell runterbrechen und sich dann eben fragen, was genau tue ich da und wo kommt das eigentlich her und was muss eigentlich vorgängig alles passiert sein, damit ich jetzt hier stehen kann und das so tun kann, wie ich das tue.
00:17:28
Speaker
Und wenn wir uns da mal ehrlich machen, dann ist diese Dimension der Lebensführung
00:17:36
Speaker
Also wie lebe ich, wie organisiere ich mein Leben und wie organisieren wir als Gesellschaft die dafür erforderlichen Institutionen?
00:17:45
Speaker
Machen wir ja auch nicht selber, ne?
00:17:46
Speaker
Also Brot backen manche noch von uns, aber spätestens wenn es dann ans Getreide geht, dann hat sich da jemand anderer die Hände schmutzig gemacht für.
00:17:55
Speaker
Erst recht beim Käse, also da ist Do-it-yourself, glaube ich, noch seltener.
00:18:00
Speaker
Jedenfalls, also wir organisieren das gesellschaftlich, ohne dass wir uns aber vorgängig die Frage stellen, ja, wie wollen wir das denn?
00:18:08
Speaker
Und diesen Reflexionsprozess, den müssten wir systematischer auf Fragen eines zukunftsfähigen Verhältnisses von Wirtschaft und Gesellschaft drehen.
00:18:25
Speaker
Und das fällt natürlich nicht vom Himmel und das wächst auch nicht an Bäumen, sondern das muss man dann wieder organisieren.
00:18:31
Speaker
Und da sind wir dann drin in diesem zweiten Teil, wir haben jetzt viel über Bildung gesprochen, an diesem zweiten Teil nämlich die Bildungsräume.
00:18:38
Speaker
Was sind das für Räume, in denen ich mir wach, kenntnisreich und kritisch Kultur aneignen kann?
00:18:47
Speaker
Du sagtest ja, wir dürfen uns ruhig von physischen Räumen laufen.
00:18:50
Speaker
Ich glaube, ein Raum, der auch in dem Zusammenhang
00:18:54
Speaker
mit dem du über Selbstbildung gesprochen hast, aus meinem Erleben gerade sehr wichtig ist, ist die Selbstverantwortung, also das Inverantwortung gehen für den eigenen Lernanlass.
00:19:06
Speaker
Dass es nicht von außen indoktriniert wird, das ist der Lernanlass und mit Fokus auf diesen lernst du etwas, sondern dass der Lernraum etwas ist, der in einem thematischen oder auch
00:19:23
Speaker
lebensweltlichen Zusammenhang ist, wie Frühstück und dann das Käsebrot oder Abendbrot essen und das Käsebrot oder wenn wir größer sind, ernähren, bewegen, wohnen, gesund erhalten, heilen, welchen größeren Raum ich auch nehme und wenn ich daraus einen kleinen Mosaikbaustein nehme und weiß, ich bewege mich jetzt in diesem Mosaikbaustein, was ist mein Anlass, dass ich in diesem und zu diesem Mosaikbaustein etwas lernen möchte, nicht muss, möchte.
00:19:52
Speaker
Und dass die Selbstverantwortung dort beginnt, wo ich diesen Anlass formuliere.
00:19:58
Speaker
Moderiert, begleitet, gerne, weil das ist gar nicht einfach.
00:20:01
Speaker
Das ist das, was wir als erstes verlernen, die Verantwortung für unseren Lernanlass haben zu dürfen und auch zu übernehmen.
00:20:08
Speaker
Und dass dieser Lernanlass uns den Ausgangspunkt dafür gibt, dass Bildung,
00:20:17
Speaker
etwas ist, was in unser Bewusstsein eindringt, also in unser bewusstes Sein.
00:20:26
Speaker
Die transformative Wirkung von Bildung und damit auch das Gestalten dieser Räume ist, dass wir bewusst sind, sein im Lebenssinne, also bewusst sind, da bewusst sein können.
00:20:40
Speaker
Und dass der Prozess des sich Bildenden und des Selbstbildenden
00:20:45
Speaker
das sich bewusst machens ist.
00:20:47
Speaker
Also das Bewusstsein, indem es mir in einer Wahrnehmungsform bewusst wird, damit ich es dann in einer Wirkungsform des Bewusstseins übersetzen kann.
00:20:59
Speaker
Also diese Doppeldeutigkeit von Bewusstsein.
00:21:03
Speaker
Es kommt in mein Bewusstsein, damit ich bewusst sein kann.
00:21:06
Speaker
Das ist das, was für mich einen großen Bildungsraum öffnen kann.
00:21:11
Speaker
Wenn Eigenverantwortung für den Lernanlass ist,
00:21:16
Speaker
bei jedem selbst liegen kann und darf.
00:21:19
Speaker
Unterstützt und bedeutet, weil es ist eine schwere Aufgabe.
00:21:23
Speaker
Und es ist gleich etwas, wo wir reinwachsen können.
00:21:26
Speaker
Und ich für sehr notwendig halte, dass wir das während mehr machen.
00:21:29
Speaker
Und ich erlebe das in unserem Studiengang, wo ja viel Eigenverantwortung für Lernanlass ist, wie viel Unsicherheit, Unklarheit, kritische Spannung dadurch auch entsteht.
00:21:40
Speaker
Und wo ich später in Modulportfolios dann lesen kann, wie viel
00:21:46
Speaker
Verantwortung auch für die Lernwirkung, die entfaltet wurde, übernommen wird und wie viel Reflektionstiefe entsteht, wenn beides zusammengebracht wird.

Persönliche und unternehmerische Entwicklung

00:21:57
Speaker
Wo sich dann Lernmedien, Lernräume im Dialog oder im Austausch oder im Prozess gesucht werden, die auf diesen vorab definierten Lernanlass, also nach der Frage, was ist das Gutes Leben, im kleinen Mosaikbaustein, was ist dieser Lernanlass,
00:22:14
Speaker
den ich für diesen Baustein habe, was der für eine transformative Wirkung entfalten kann, wenn sich der bewusst gemacht wird, um hinterher über den Bewusstseinsschritt der Bildung in ein bewusstes Sein, also ins tatsächliche Handeln, übertragen lässt und nicht in einer Schublade landet.
00:22:33
Speaker
Also diese Wirkungsentfaltung von Bildung, die aus der Wachkenntnis reichen, kritischen Bewusstwerdung in einem Bewusstsein sich übertragen kann, halte ich dafür wichtig.
00:22:45
Speaker
Und das dreht sich oder hat einen starken Angelpunkt in der Selbstverantwortung für den Lernen.
00:22:55
Speaker
Warum will ich mir überhaupt ein Käsebrot machen?
00:22:57
Speaker
Vielleicht mag ich wieder Käse noch Brot.
00:22:59
Speaker
Und es geht einem gar nicht zu frühstücken.
00:23:00
Speaker
Und eigentlich bin ich nicht mal ein Frühstücksmensch.
00:23:04
Speaker
Ja, auf jeden Fall.
00:23:05
Speaker
Ich höre jetzt vor allen Dingen raus, Selbstbildung, in der doppelten Weise, wie man diesen Begriff der Selbstbildung verstehen kann, dass nämlich einerseits ich mich selbst bilde, also es eine Eigenständigkeit ist, das hat was mit meiner Verantwortung zu tun.
00:23:24
Speaker
Und dass es zugleich eine Selbstbildung ist, weil der Gegenstand der Bildung mein Selbst ist.
00:23:30
Speaker
Wir würden jetzt neudeutsch von Subjektivierung vermutlich reden, also Menschwerdung.
00:23:38
Speaker
Menschwerdung auf so einer humanistischen Ebene.
00:23:43
Speaker
Sich bilden heißt jeden Tag ein kleines bisschen mehr Mensch zu werden, ohne dass das irgendetwas wäre, was man tatsächlich abschließen kann, sondern es geht eigentlich um
00:23:53
Speaker
um Persönlichkeit.
00:23:55
Speaker
Und da fand ich jetzt gerade an dem, was du anekdotisch festgemacht hast an deiner eigenen Erfahrung.
00:24:02
Speaker
Du leitest an der Hochschule in Bremerhaven einen Studiengang, in dem es um eine Genossenschaft sich auch dreht und Studierende dort
00:24:15
Speaker
selber in die Verantwortung, auch auf einer organisationalen Ebene in die Verantwortung gehen.
00:24:21
Speaker
Und was ich an dieser Anekdote so verallgemeinerungswürdig finde, ist dieses schnelle Wachstum, was dadurch stattfindet.
00:24:31
Speaker
Dieses sprichwörtliche kalte Wasser, in das man Menschen wirft.
00:24:35
Speaker
Also wenn sie wirklich genötigt sind, auch sich Münchhausen gleich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen, weil niemand anders sonst da ist, der das für einen täte.
00:24:50
Speaker
Und es wirklich darum geht, dass das hier Individuen oder auch Gruppen, kann man ja auch gemeinschaftlich machen, aber eben gemeinsam in diese Verantwortung zu gehen für die eigene Bildungsbiografie, dass das etwas ist, an dem Menschen besonders schnell und ich möchte meinen, auch sehr nachhaltig wachsen.
00:25:13
Speaker
Das Wort wachsen ist super wichtig.
00:25:18
Speaker
Weil es genau dieses Wort lese ich in den Lernreflexionen.
00:25:22
Speaker
Also jedes unserer Portfolios hat am Ende eine Lernreflexion, wo sie nochmal auf ihren individuellen Lernanlass schauen, ihre Lernreise und wie sie mitnehmen.
00:25:29
Speaker
Ich lese ganz viel das Wort, ich bin gewachsen.
00:25:34
Speaker
Und zwar nicht quantitativ nur an neuen Wissensbeständen, sondern ich bin über mich hinausgewachsen.
00:25:43
Speaker
Ich habe mich als wirksam erlebt.
00:25:45
Speaker
Ich konnte in Wirkung gehen und habe mich als wirksam erlebt.
00:25:49
Speaker
Und dass dieses Wachstum ein qualitatives Wachstum ist, kein quantitatives.
00:25:55
Speaker
Ja, wunderschön, wunderschön.
00:25:57
Speaker
Also genau darum geht es doch, dass da Persönlichkeiten sind, die sich entfalten.
00:26:02
Speaker
Menschen, die mit einem geraderen Rücken herausgehen.
00:26:05
Speaker
Bildung als eine Erfahrung, aus der wir verändert hervorgehen.
00:26:11
Speaker
Wir sind ein anderer Mensch in der Persönlichkeit.
00:26:16
Speaker
Sie erfahren da ja in einem kleinen Momentum transformative Wirkung, die Sie selber anstoßen und deren Sie selber Teil sind.
00:26:25
Speaker
Und ich bin selber immer wieder im Sprachraum, wo der Team Academy Ansatz herkommt, der kommt ja zum Finishing, das ist viel ins Englische übersetzt.
00:26:35
Speaker
Ich suche immer noch deutsche, gute Begriffe, wie man diesen Dreiklang, an dem wir
00:26:40
Speaker
Bildungsräume ausprobieren dürfen zwischen persönlicher Entwicklung, also des sich-Entwickelns dessens, was vielleicht durch Sozialisation noch sehr verknotet ist und auch vielleicht ganz neu sich entwickeln kann, und unternehmerischer Entfaltung.
00:26:56
Speaker
Also was kann da alles daraus werden, die in einer akademischen Ausbildung fußt, wo sie vor allen Dingen methodisch
00:27:05
Speaker
befähigt werden und sich ausprobieren dürfen und für ihre Lernanlasse ein fachlich-inhaltliches Angebot bekommen.
00:27:12
Speaker
Und ich bin immer hin- und hergerissen, ob es jetzt persönliche Entwicklung und unternehmerische Entfaltung heißen sollte oder unternehmerische Entwicklung und persönliche Entfaltung.
00:27:24
Speaker
Also wo gehört das Wort persönlich und unternehmerisch ran?
00:27:28
Speaker
Also es ist eher, dass wir
00:27:30
Speaker
von einem persönlichen sich entwickeln und unternehmerischen Entfalten sprechen oder sollte es ganz anders kombiniert sein, weil beide Begriffe eine eigene Qualität haben.
00:27:39
Speaker
Und das macht Bildung für mich auch aus, diesen Suchweg dessen, wo sich Entfaltung und Entwicklung verbinden lassen und dass transformative Bildungsräume eben genau beides haben dürfen.
00:27:51
Speaker
Und das Unternehmerische muss da ja nicht eine rein wirtschaftliche Idee sein, sondern der Ansatz dessen,
00:27:58
Speaker
Vielleicht wie im Tetralemma A und B nicht immer zu zäh zu kombinieren, sondern auf etwas ganz anderes zu schauen.
00:28:05
Speaker
Handlungsfähig zu werden, ne?
00:28:09
Speaker
Ja, und um handlungsfähig zu werden, das ist ja die Krux, muss ich mich zunächst selbstwirksam erfahren.

Transformative Lernerfahrungen

00:28:16
Speaker
Ja, das ist hilfreich auf jeden Fall.
00:28:19
Speaker
Ja, also anders über die Welt zu denken ist so das eine.
00:28:25
Speaker
Anders zu handeln ist dann nochmal was anderes und dann wirklich auch in eine neue Lebensform gewissermaßen einzumünden.
00:28:32
Speaker
Anders zu leben, anders mit anderen Menschen zusammen und beisammen zu sein.
00:28:38
Speaker
Das...
00:28:41
Speaker
Und zwar nicht irgendwie genötigterweise oder auch nicht zufälligerweise und auch nicht natürlich ein Stück weit emergent, weil natürlich nicht alles steuerbar ist in dieser Welt, aber eben dann doch als ein reflektierter, als ein bewusster Prozess, das heißt, das sich begründen kann, warum so und nicht anders.
00:29:05
Speaker
Ja, das finde ich sehr nachvollziehbar.
00:29:07
Speaker
Wenn wir jetzt schon mehr und mehr uns auch dem Konkreten, jetzt beispielsweise deinem Studiengang, zuwenden, fände ich die Anschlussfrage naheliegend ganz konkret gesprochen, was für dich einen guten Bildungsraum ausmacht.
00:29:38
Speaker
unterschiedliche Wahrnehmungsoptionen.
00:29:42
Speaker
Ich glaube, dass das eine zentrale Rolle spielt.
00:29:49
Speaker
Ich erlebe im Moment Bildungsinstitutionen sehr reduziert auf unserem Wahrnehmungsraum des kognitiven, rein fachlich Betriebenen und wir gerade
00:30:04
Speaker
aus dem Dialog und dem Austausch so viel mitnehmen können.
00:30:07
Speaker
Aber damit ich da was mitnehmen kann, über das Fachlich-Inhaltliche hinaus, braucht es wieder eine Schulung dessen, dass ich auch auf anderen Wahrnehmungsebenen, also auf Ebenen dessen, wie ich etwas sehe, wenn ich im Dialog bin, wie ich etwas höre, also wie ich mich dessen, was ich sehe, was ich höre, was ich vielleicht auf ganz anderen sensorischen Wegen noch wahrnehme, wie das anreichert, was ich
00:30:35
Speaker
für mich und meinen Lernanlass oder für dich und deinen Lernanlass und für uns und unseren Lernanlass auf diesen drei Ebenen, vom Ich und vom Du und vom Weh, was ich da an bestehenden Wissensbeständen anreichern kann durch Erfahrungsmomente, Wahrnehmungsmomente im Jetzt.
00:30:55
Speaker
Du hast vorhin schon gesagt, das Wissen, das wir haben, ist immer historisch bedingt.
00:31:00
Speaker
Und das zu hinterfragen, ist mit Sicherheit ein kritischer Teil der Aneignung von Kultur.
00:31:06
Speaker
Und er ist aber sehr, sehr reduziert bei dem, wie wir es heute machen, auf einen sehr, sehr kognitiven Wahrnehmungsraum.
00:31:12
Speaker
Und gute Bildungsräume lassen mich das auch körperlich spüren.
00:31:16
Speaker
Ich habe eine Übung auf einer Tagung mitmachen dürfen.
00:31:20
Speaker
Da haben wir das Konzept der Donut Economy genannt.
00:31:24
Speaker
selber mit einem Seil hingestellt und jeder hatte einen der Bereiche und du merkst es, wie das zog und wie die ineinander in Verbindung standen.
00:31:34
Speaker
Und was auch noch passierte, wenn du beide Donutkreise aufstellst und fühlst dich gegeneinander arbeiten.
00:31:40
Speaker
Also diesen Spannungsmoment zu spüren, hat mir dieses Konzept nochmal ganz anders nahe gebracht und ich habe viel dazu gelesen und viel dazu gesprochen, aber dieser kurze Moment, das wahrzunehmen, in dem es
00:31:53
Speaker
Teil meines Lebens in dem Moment war.
00:31:55
Speaker
Ein kurzer Wahrnehmungsmoment hat das ganz anders gemacht.
00:31:58
Speaker
Das macht gute Bildungsräume für mich.
00:32:00
Speaker
Also wo Ansätze von einer Embodiment-Ökonomie, wo Ansätze anderer Dialogräume zentral sind, wo es nicht vermittelt sind, sondern wo es erlebbar wird, indem es lebbar ist.
00:32:14
Speaker
Das ist, glaube ich, das eine, was für mich wichtig ist.
00:32:17
Speaker
Und
00:32:19
Speaker
Das ist das wichtigste, die wichtigste Essenz für solche Räume ist für mich, glaube ich, Neugier und der Wert von Neugier.
00:32:27
Speaker
Wie kann man das wahrscheinlicher machen, wenn ich mir jetzt vorstelle, ich möchte eine Schule, eine Hochschule oder auch im Betrieb irgendwo einen Raum einrichten, wirklich ein physisches Zimmer, einen Seminarraum einrichten und möchte all das, was du jetzt gesagt hast, möchte ich möglich machen.
00:32:46
Speaker
Wie tue ich das?
00:32:48
Speaker
Es ist schon immer die Frage, ob wir Seminarräume brauchen oder uns Räume suchen, die gerade frei sind.
00:32:53
Speaker
Ja.
00:32:54
Speaker
Also ich mag die Idee von Campus, weil alles auch zusammen ist, aber ganz viel kann man auch woanders erleben.
00:33:02
Speaker
Also wir haben in der Nähe von unserem Campus ein historisches Museum und die haben einen Vortragsraum und das ist ein ganz anderes Erleben, wenn du durch die Geschichte und Historie einer wirtschaftlichen Entwicklung und der nicht nachhaltigen Prozesse durchwanderst und in diesem Raum dich dann
00:33:18
Speaker
zusammenzusetzen, vielleicht sogar einfach auf den Boden zu setzen und auszutauschen, wer hat was wahrgenommen und was wissen wir darüber und welches Wissen benötigen wir noch.
00:33:27
Speaker
Also das mit einfließen darf, was rundherum gerade passiert.
00:33:34
Speaker
Wir haben einen Raum, der ist der Glaskasten, weil er einfach wirklich, und er hat einfach viele Fenster.
00:33:41
Speaker
Allein, dass das schon so ungewöhnlich ist, ich halte...
00:33:44
Speaker
Seminarräume ohne Fenster und zum Glück ist das in den meisten Schulen ja auch gar nicht mehr zulässig.
00:33:49
Speaker
Räume ohne Fenster ist wie Lernen mit Scheuklappen.
00:33:55
Speaker
Also es ist einfach zu.
00:33:57
Speaker
Also möglichst viel Öffnung da zu bewegen.
00:33:59
Speaker
Ich glaube, dass Bewegung viel hilft.
00:34:02
Speaker
Also auch das Wechseln in Räumen von, wenn ich mich schon nicht draußen bewegen kann, aber tatsächlich nehme ich manchmal meine Studierenden einfach raus und lasse die in Kleingruppen durch die Gegend laufen.
00:34:12
Speaker
Weil dieser Bewegungsmoment
00:34:14
Speaker
Wahrnehmung anders möglich macht.
00:34:18
Speaker
Ich finde es immer super spannend, wenn aus Seminaren vorher noch Material da liegt und man einfach guckt, was können wir da eigentlich von lernen?
00:34:26
Speaker
Also wenn noch ein Tafelbild da ist oder es liegt noch ein Ausdruck da und man versucht für sich dann Zugang aus der eigenen Perspektive zu kennen.
00:34:34
Speaker
Manchmal kommt dann auch der Kollege oder die Kollegin noch rein und man kann dann tatsächlich fragen, du sag mal, was habt ihr denn da gerade mitgemacht?
00:34:39
Speaker
In welchem Bedeutungszusammenhang steht das denn für euch?
00:34:43
Speaker
Das ist das, was ich mit Neugier meine.
00:34:46
Speaker
Das hat so ein bisschen die Idee, glaube ich, für mich, sich zu lösen von einer kausalen Logik und hin zu dem, was wir aus dem Effectuation zu nehmen, das auch für Bildung mehr zu verstehen.
00:34:55
Speaker
Also die Frage, was steht uns denn jetzt gerade zur Verfügung, um zu dieser Frage oder zu diesem Lernanlass etwas zu lernen?
00:35:02
Speaker
Wer?
00:35:02
Speaker
Also wen könnten wir sonst fragen?
00:35:03
Speaker
Also was passiert, wenn wir auf die Straße gehen und Menschen einfach ansprechen?
00:35:06
Speaker
Wen könnten wir anrufen?
00:35:08
Speaker
Wen könnten wir anschreiben über das,
00:35:11
Speaker
Lernanlass nehmen aus Büchern hinaus, wo wir ja auch tatsächlich andere Menschen bewusst schreiben, die es noch schon niedergeschrieben haben.
00:35:19
Speaker
Und auch die Frage, was ist der leistbare Verlust dessen, was wir da gerade lernen?
00:35:25
Speaker
Und wie viel Zeit und wie viel Raum gebe ich eigentlich wo rein, mit welchem Ergebnis?
00:35:30
Speaker
Und wofür ist das eigentlich gut, dass ich das gerade lerne?
00:35:35
Speaker
Also dass ich da gerade die Zeit von Menschen...
00:35:41
Speaker
ich als Lehrkraft gerade bestimme, dass diese Menschen gerade Zeit damit verbringen, etwas zu lernen.

Prozess des Lernens wertschätzen

00:35:48
Speaker
Ich nehme mir den Lebenszeit in dem Moment und was ist das Warum und wofür dahinter, was ich denen mitgeben kann und was sie für sich auch hinterfragen dürfen, ist diese Zeit, die ja wirklich für uns alle eine begrenzte Ressource ist, dass die einen Wert bekommt.
00:36:02
Speaker
Und zwar nicht nur in der Note am Ende, vielleicht in der Zwischennote, sondern jetzt genau in dem Moment, wo sie da ist.
00:36:10
Speaker
dass es eine wertvolle Zeit ist.
00:36:12
Speaker
Und das kann ich denen nicht sagen.
00:36:14
Speaker
Das müssen sie für sich entscheiden.
00:36:17
Speaker
Ich kann denen nicht sagen, das ist jetzt eine wertvolle Zeit für dich.
00:36:21
Speaker
Das wird keine Wirkung entfalten, sondern das müssen sie für sich erkennen und mitnehmen können und dass das möglich ist, dass dieser Raum entstehen kann.
00:36:28
Speaker
Das gehört für mich zentral dazu.
00:36:30
Speaker
Und da gehört ganz viel radikale Akzeptanz als Grundhaltung, glaube ich, zu.
00:36:39
Speaker
Und
00:36:41
Speaker
Vielleicht auch Ansätze des, also im Englischen spricht man immer von der Conditional Education, also von dem bedingungslosen Grundansatz, dass die Menschen, so wie sie kommen, gerade gut sind und dass der Entwicklungsschritt zählt und nicht das, wie sie sich entwickeln.
00:36:56
Speaker
Also es braucht dann tatsächlich auch eine andere Idee von Wertigkeit und Bewertung des Lernens.
00:37:02
Speaker
Auch das, was ja immer noch mit Abschlüssen zusammenhängt und ich habe echt Not,
00:37:07
Speaker
mit Noten geben manchmal.
00:37:08
Speaker
Jetzt bin ich in meinem Studiengang schon freier, weil ich andere Prüfungsformen nehmen kann.
00:37:13
Speaker
Aber die berechtigte Frage ist, wenn ein Student zwei Monate nach Prüfungsabgabe kommt und sagt, boah, jetzt ist es gesagt, jetzt würde ich das Modul ganz anders schreiben, ich habe gerade so viel mehr mitgenommen und ich kann das gar nicht mehr berücksichtigen.
00:37:26
Speaker
Zumindest zu sagen, wo findet sich es wieder und erfährt auch in dem Ausbildungszusammenhang, wo ja viele Bildungsräume sind, einen Wert.
00:37:34
Speaker
Können Sie damit was anfangen?
00:37:37
Speaker
Das war jetzt viele, viele, viele, viele bunte Perspektiven wieder.
00:37:42
Speaker
Ja, ich fand das total nachvollziehbar, muss ich sagen.
00:37:46
Speaker
Also in der ganzen schillernden Vielfalt dessen, was du dort auf den Tisch gelegt hast, ich habe vor allen Dingen...
00:37:59
Speaker
Modularität, Konfigurierbarkeit und die damit einhergehenden Befähigung, das auch zu tun, herausgehört.
00:38:08
Speaker
Also
00:38:11
Speaker
In meiner Wahrnehmung sind viele Bildungsräume so eingerichtet, dass sie das Form und Inhalt gewissermaßen voneinander abgeschnitten sind.
00:38:22
Speaker
Also wir haben Klassenzimmer, da machen wir Englischunterricht, Lehrerin geht raus, neuer Lehrer kommt rein und wir machen ein anderes Fach.
00:38:30
Speaker
Also wir haben irgendwie so einen Raum und wir kippen da einfach nur irgendwelche Inhalte rein.
00:38:35
Speaker
und nehmen den Raum als einen Lernraum eigentlich gar nicht wirklich ernst.
00:38:42
Speaker
Und in dem Moment, in dem wir jetzt aber anfangen, eine gewisse Modularität auch in der Raumgestaltung anzunehmen,
00:38:51
Speaker
zu berücksichtigen, also unterschiedliche Zugangsweisen beispielsweise zu ermöglichen, unterschiedliche Sitzarrangements, also die Art und Weise, wie Tische und wie Stühle stehen, unterschiedliches Material, um sich auszudrücken.
00:39:10
Speaker
Das muss ja nicht immer alles nur sein.
00:39:13
Speaker
sprachlich irgendwie oder das gesprochene Wort sein.
00:39:16
Speaker
Da gibt es ja viele andere Möglichkeiten auch noch.
00:39:19
Speaker
Also wenn wir über Tafeln, über Whiteboards sowohl die Analogen wie die Digitalen reden, wenn wir über Beamer reden,
00:39:31
Speaker
wenn wir über Flipcharts reden, wenn wir über das ganze Moderationsmaterial reden, wenn wir über Kreativtechniken reden wollen wie Knete, Lego und weiß der Teufel was nicht alles.
00:39:43
Speaker
Da gibt ja viele Möglichkeiten, irgendwie sich auszudrücken und die Form zu finden, die in dem Moment auf der inhaltlichen Ebene auch gebraucht wird und zwar nicht im Vorfeld festgelegt, sondern aus der Situation heraus.
00:40:00
Speaker
Das ist so eine Richtung, die dann aber natürlich bedeutet, wir müssten Schulen, Hochschulen, wir müssten Lernräume im Allgemeinen ganz, ganz anders gestalten, als wir das gegenwärtig tun.
00:40:16
Speaker
Wir müssten sie anders ausrüsten.
00:40:19
Speaker
Und Menschen müssten lernen, mit all dem umzugehen.
00:40:22
Speaker
Das gilt genauso für die Variante, die du gerade erläutert hast, Flipchart Karaoke.
00:40:27
Speaker
Ja, da ist noch irgendwie was von der Person davor und jetzt fängst du an und schaust mal, wie kannst du das irgendwie anschließen an die Konstruktion, die ihr gerade in eurem Seminar, in eurer Veranstaltung gerade vornehmt.
00:40:44
Speaker
Und wenn man da jetzt noch wieder hineingeht und Fragen von Inklusivität stellt, also beispielsweise Barrierefreiheit oder zumindest Armut, also Barrierearmut, dann sind wir da auf einer Ebene, wo es noch ganz, ganz viel methodische Befähigung, also Sensibilisierung von Lehrenden und Lernenden gleichermaßen erforderlich ist und dann aber auch Befähigung zum Umgang damit.
00:41:14
Speaker
Ich arbeite zum Beispiel unfassbar gerne mit diesem ganzen Moderationsmaterial.
00:41:18
Speaker
Alles, was so haptisch ist und dann nochmal einen ganz anderen Zugang auch im Raum selbst, in dem man Dinge ablegen kann, darüber Visualisierungen ja auch vornehmen kann, Distanzen aufzeigen kann.
00:41:31
Speaker
Zum Beispiel, kennst du diese...
00:41:33
Speaker
Privilege-Walk und ähnliche Geschichten, also wo man da auf einmal merkt, die stehen ganz woanders im Raum und es ist irgendwie nicht mehr abstrakt, sondern es ist sehr konkret so.
00:41:44
Speaker
Du bist ganz da hinten und ich stehe hier vorne und ich weiß eigentlich gar nicht genau, warum.
00:41:48
Speaker
Ganz viel in der Soziogrammarbeit, wenn er sich wirklich bewegen lässt, geht in die Richtung und
00:41:57
Speaker
Ein Gedanke, der mir dabei kommt, ich höre dann immer wieder, ja, wir haben ja kein Geld, wir können kein teures Moderationsmaterial bestellen.
00:42:04
Speaker
Was immer funktioniert, ist morgens, bevor man aus dem Weg geht, fünf Dinge, die einem begegnen, mitnehmen.
00:42:09
Speaker
Und schauen, wie man die über eine Symbolarbeit oder anderes integrieren lässt.
00:42:14
Speaker
Und es braucht auch nicht immer Moderationskarten.
00:42:16
Speaker
Es geht auch das Druckerpapier und dann an einer unterschiedlichen Ecke abgeschnitten, damit man weiß, wer es welche Gruppe war.
00:42:24
Speaker
Also diese Idee von
00:42:26
Speaker
Das ist privilegiert in dem Sinne, weil ich immer gutes, teures Moderationsmaterial kaufe.
00:42:31
Speaker
Ja, da haben sich Menschen tolle Gedanken zu gemacht, wie man es nutzen kann.
00:42:34
Speaker
Aber es geht auch ganz großartig ohne mit dem, was man gerade zur Verfügung hat.
00:42:40
Speaker
Es hat sogar noch einen sehr, sehr positiven Nebeneffekt.
00:42:44
Speaker
Ich sprach vorhin kurz von den Spielplätzen, die so durchdesignt sind, dass man im Grunde genommen keine eigenen Erfahrungen jenseits dessen, was von ProduktdesignerInnen vorgegeben ist, mehr machen kann.
00:42:59
Speaker
Und das natürlich jetzt nicht dazu fördert, dass kindliche Fantasie und Ideenreichtum angeregt wird.

Gleichheit und Beziehungsaufbau in der Bildung

00:43:05
Speaker
Wir können aus Forschungen, aus empirischen Forschungen wissen, dass das Spiel von Kindern in Naturräumen einfach kreativer und selbstbestimmter ist, weil dort eben noch nicht von dieser Taskforce alles vorherbestimmt ist oder wahrscheinlicher gemacht wurde.
00:43:22
Speaker
Und genau diesen gleichen Effekt, dieses kreative Umgehen mit dem, was da ist, Ideenreichtum und Fantasie entwickeln, was können wir jetzt aus dem, was vorhanden ist, was können wir dort draus nutzen und wie können wir es für unsere Zwecke gerade dienlich machen.
00:43:38
Speaker
Also Improvisation im sehr wohlverstandenen Sinne des Wortes, also nicht im Sinne von so einem, so einem, so einem,
00:43:46
Speaker
Euphemismus für ich rede mir mein Prekariat schön, sondern schon als eine Fähigkeit.
00:43:52
Speaker
Improvisation wie in der Musik.
00:43:56
Speaker
Improvisation setzt Könnerschaft voraus.
00:43:59
Speaker
Also ich muss mein Instrument beherrschen.
00:44:01
Speaker
Ich muss das Handwerk beherrschen, damit das Kunstwerk entstehen kann.
00:44:05
Speaker
Und wenn wir auf so einer Ebene auch anfangen würden, über das Ausfüllen von Lernräumen zu reden, auf diese Art und Weise anfangen würden,
00:44:15
Speaker
Lern-Settings, Lern-Arrangements aufzubauen.
00:44:19
Speaker
Ich denke, da wäre im Prozess selbst noch so viel wertvolles Methodenwissen, aber eben auch Sozialkompetenzen, die dort geschult und trainiert werden können.
00:44:30
Speaker
Da lassen wir noch ganz, ganz viel liegen, indem wir Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, indem wir die vor allen Dingen auf irgendwelchen Sitzbänken festschnüren müssen.
00:44:43
Speaker
Ja, und gleichzeitig mag ich einladen, weil wir haben weder die Zeit noch den Raum noch andere Ressourcen, jeden Menschen, der eine Lehren und Rolle übernehmen kann, auf die Weise zu befähigen.
00:44:57
Speaker
Also vor allen Dingen keine Zeit.
00:44:59
Speaker
Wir brauchen es jetzt und ich mag da Mut machen, zu starten und selber auszuprobieren und das transparent zu machen.
00:45:06
Speaker
Ich mag heute mal was mit euch, was anderes ausprobieren und manchmal sind es da auch die eigenen Hobbys, die man einfließen kann.
00:45:12
Speaker
Vielleicht gibt es Menschen, die gerne zeichnen und nehmen eher einen visualisierenden Aspekt mit rein.
00:45:16
Speaker
Vielleicht sind es Menschen, die erst im sportlichen Bereich kommen und mögen eher etwas aus der Bewegung nehmen.
00:45:21
Speaker
Vielleicht sind es Menschen, die erst im Theaterbereich kommen und mögen eher an Rollen übergehen.
00:45:26
Speaker
Vieles
00:45:28
Speaker
wo wir Bildungsräume öffnen können, ist etwas, was uns besonders liegt und was wir schon einbringen können.
00:45:33
Speaker
Also ich mag einladen, etwas einzubringen, was einem wichtig ist, was einem liegt, was man gerne und häufig tut und das zu kombinieren.
00:45:43
Speaker
Denn ja, es gibt großartige Methodikausbildungen und es gibt großartige Methodiksets und Dinge, die ich noch lernen kann.
00:45:51
Speaker
Wenn wir alle warten, bis wir das alles können, vergeht so viel Zeit.
00:45:56
Speaker
Wir dürfen jetzt hier und heute schon und etwas, also wenn ich sagen würde, ich bin gespannt, ob ich es im Dezember auch noch sage, was ich jetzt in den letzten drei Quartalen für mich als wichtigsten Innehaltemoment mit, oh ja, da mag ich mehr drauf achten, mitnehmen durftest, die aus einer Schulung von Katharina Piech, die hat einen ganz tollen Online-Workshop gemacht, die kommt aus diesem Team rundum.
00:46:19
Speaker
Unconditional Teaching, also die, ich bin gerade am überlegen, ob ich noch weiß, an welcher Hochschule die sitzen.
00:46:27
Speaker
Müsste ich nachliefern, aber wir haben ja zum Glück ein Impro, wo wir dann noch mal schauen können.
00:46:33
Speaker
In dem unteren Bereich auf jeden Fall durfte ich über Sie das Buch von Peter Felten und Leo Lambert kennenlernen, Relationship Rich Education und für mich diese Idee von
00:46:43
Speaker
wie viel Beziehungsarbeit wir da eigentlich leisten und wie wichtig das ist, nochmal anders in den Fokus geht.
00:46:49
Speaker
Wenn wir gehen in Beziehung mit Menschen und mit Themen und das macht diese Aneignung von Kultur besonders und gerade wenn wir in Ausbildungskontexten gehen, sei es im Betrieb, sei es an der Schule, sei es an der Hochschule, sei es im Zertifikatsprogramm, die Menschen, die am Ende bewerten,
00:47:07
Speaker
du bist durch oder du bist nicht durch oder du hast eine bestimmte Qualität mehr oder minder als die andere.
00:47:12
Speaker
Also überall, wo wir in eine Bewertung und Benotung gehen, stehen wir in einem Machtverhältnis.
00:47:18
Speaker
Und das lässt sich auch nicht einfach auflösen.
00:47:21
Speaker
Das ist da, das ist Teil dieses Raumes.
00:47:24
Speaker
Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen können.
00:47:26
Speaker
Und wir werden es nicht gleichgestellt bekommen, weil genau dieses Machtverhältnis ja dafür da ist, dass wir Noten geben dürfen und es eine Person gibt, die diese Noten gibt, um die anderen zu
00:47:36
Speaker
in diesen Ausbildungsprozess weitertragen zu können.
00:47:38
Speaker
Wir werden sie nicht gleichberechtigt bekommen, weil nicht alle Menschen mit der gleichen Situation reinkommen.
00:47:43
Speaker
Wir können uns dem annähern, aber was wir immer, immer machen können, ist der Ansatz einer Gleichwürdigkeit, wie beispielsweise Jesper Juhl sie diskutiert.
00:47:51
Speaker
Egal wie unser Machtverhältnis sind, gerade wir in den Machtpositionen, Bildungsräumen,
00:47:56
Speaker
oder mit Machtprivilegien ausgestatteten Bildungsräumen können für eine Gleichwürdigkeit sorgen.
00:48:02
Speaker
Und das ist viel Beziehungsarbeit und das ist viel Dialog.
00:48:05
Speaker
Und das hat mit Haltung zu tun.
00:48:07
Speaker
Und das ist, glaube ich, das für mich immer wichtigste, wenn es um Aneignung von Kultur geht, wenn wir von Bildung sprechen, dass sie nicht nur wach, kenntnisreich und kritisch auf das Thema schaut, sondern auch, wie würdig wir miteinander umgehen.
00:48:22
Speaker
In dem Moment, in dem Bildung Selbstbildung ist, bedeutet die Gestaltung von Bildungsräumen immer auch eine Beziehungsarbeit.
00:48:35
Speaker
Weil wir nämlich nicht mehr den Kanon als ErzieherInnen, den Schützlingen gewissermaßen mit dem Nürnberger Trichter eintrichtern, sondern es wirklich darum geht, dass dort Menschen sind, die sich bilden können,
00:48:51
Speaker
Das heißt, die Rolle, in die Lehrende dann geraten, ist weniger die im Sinne von, das Wissen kommt von vorn, sondern hat viel mehr Gemeinsamkeit mit dem, was wir so Neudeutsch Facilitation nennen, wo es um eine ermöglichende Haltung geht, darum geht, diesen Raum zu öffnen.
00:49:13
Speaker
Natürlich nicht nur den Raum als Kontext zu halten, sondern schon auch,
00:49:18
Speaker
mit dem Wissen, mit der eigenen Erfahrung auch hineinzugehen, aber sich eben auch als eine Persönlichkeit in diesen Raum zu begeben, also als Lehrende einer Persönlichkeit in diesen Raum zu begeben, an der Studierende auch sich zu reiben lernen können.
00:49:37
Speaker
also sich auch abarbeiten können an diesen Lehrenden.
00:49:40
Speaker
Und nichts anderes ist vermutlich das, was du mit dieser Beziehungsarbeit auch meinst.
00:49:47
Speaker
Also, dass man einander als Mensch unter Menschen begegnet.
00:49:52
Speaker
Genau, und dass die grundsätzliche Annahme, die einer radikalen Akzeptanz ist und dass jede Person, die mit da ist, gute Gründe für ihr Verhalten hat und dass ich diese Gründe gar nicht kennen und vor allen Dingen auch nicht beurteilen muss.
00:50:06
Speaker
Und dass die Beziehungsannahme vor allen Dingen auch im Bildungsraum daran besteht, dass ich mich als Person, die diesen Bildungsraum aufmachen, halten und gestalten darf, damit auseinandersetzen darf, welche Lehr-Lern-Beziehungen habe ich eigentlich selber mal erlebt und welche davon haben mir gut getan und beim Lernen geholfen, welche, worauf ich mich ernst genommen respektiert gefühlt, was davon mag ich fortsetzen und was setze ich vielleicht unbewusst fort, ohne dass ich es für gut halte.

Schlussfolgerung und Aufruf zum Handeln

00:50:35
Speaker
Und jetzt kommt die ganz bittere Pille zum Abschluss dieser Folge.
00:50:40
Speaker
Ohne all das wird es eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht geben.
00:50:48
Speaker
Eieieiei.
00:50:50
Speaker
Und weißt du, was das Gute ist?
00:50:52
Speaker
Und gleichzeitig können wir tagtäglich etwas dafür tun.
00:50:55
Speaker
Genau so ist es, genau so ist es.
00:50:57
Speaker
Nur müssen wir uns eben auch dann genau diesem dicken, dicken Brett zuwenden und es so ernst nehmen, wie es ist.
00:51:06
Speaker
Denn ohne solche Bildungsräume wird es nicht gelingen.
00:51:11
Speaker
So, und jetzt müssen wir schauen, wie kriegen wir die in die Breite?
00:51:17
Speaker
Ei, ei, ei.
00:51:21
Speaker
Auch gut, oder?
00:51:23
Speaker
Ja.
00:51:24
Speaker
Auf jeden Fall gut, dass wir das schon machen dürfen und drüber sprechen dürfen und ich bin ganz gespannt, vielleicht wird der, die eine oder der andere gerade unseren Austauschen überlegt, wo er das selber tut und
00:51:38
Speaker
Vielleicht fühlst du dich dann gerade eingeladen, das zu teilen und darüber zu sprechen.
00:51:43
Speaker
Denn das macht Mut.
00:51:45
Speaker
Kollegiale Beratung.
00:51:47
Speaker
Ja, ich habe bei uns am Institut, wir haben mit kollegialen Beratungen da wirklich einen ganz, ganz großen Unterschied in der Gestaltung unserer Bildungsräume gemacht.
00:51:57
Speaker
Das ist niedrigschwellig, das ist nicht erzwungen, das ist direkt an der eigenen Praxis dran, das ist Austausch unter Kolleginnen und Kollegen.
00:52:09
Speaker
Also anzufangen, den Raum ernst zu nehmen, in dem wir uns bilden, darüber kann das Gespräch im Grunde sofort losgehen.
00:52:18
Speaker
Ja, und ich bin unsagbar neugierig, wie ihr da draußen, eure Bildungsräume.
00:52:24
Speaker
gestaltet, haltet und was ihr davon vielleicht auch mit uns teilen mögt.
00:52:29
Speaker
Ja, zumal ja manche von diesen Bildungsräumen auch ganz andere Namen haben, zum Beispiel Meeting.
00:52:36
Speaker
Ja, da muss man sich auch noch mal ehrlich machen.
00:52:39
Speaker
Also Bildung findet nicht nur in Schulen und Hochschulen statt oder sollte sie nicht nur, sondern auch anderswo.
00:52:46
Speaker
Und da nennen wir halt die Lehrkräfte anders, da heißen sie Führungskräfte.
00:52:49
Speaker
Aber die Aufgabe ist eine sehr, sehr ähnliche.
00:52:52
Speaker
Ja.
00:52:53
Speaker
Ja, das stimmt.
00:52:54
Speaker
Mensch, da müssen wir weiter drüber reden.
00:52:57
Speaker
Aber nicht jetzt.
00:52:58
Speaker
Steffi, ich danke dir für den Moment.
00:53:00
Speaker
Das war wieder mal ein Fest und auch ein herzliches Dankeschön an alle, die bis hierhin durchgehalten haben.
00:53:08
Speaker
Bis zum nächsten Mal.
00:53:09
Speaker
Macht's gut.
00:53:10
Speaker
Ciao, ciao.
00:53:10
Speaker
Ciao, ciao.