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Was keiner sieht, fragt auch keiner image

Was keiner sieht, fragt auch keiner

S3 E7 · ATHEMfrequenz
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37 Plays1 month ago

Jürgen Krauß schreibt Texte, macht Podcasts und redet öffentlich über Schmerzen. Nicht weil er muss, sondern weil er irgendwann gemerkt hat: Aus dem eigenen Leid etwas Sinnvolles zu machen, ist befriedigender als so zu tun, als wäre alles in Ordnung. In dieser Folge geht es um chronische Schmerzen im Arbeitsalltag, um eine Arbeitswelt, die immer noch nicht gelernt hat zu fragen warum – und um die Frage, was es eigentlich braucht, damit Menschen wirklich gut arbeiten können. Ehrlich, direkt und ohne das übliche Beschönigen.

Themen dieser Folge

→ Wie Jürgen als Werbetexter und Podcast-Berater arbeitet – und warum er sich diesmal bewusst langsamer macht

→ Selbstständigkeit zu zweit: Was es bedeutet, wenn beide Partner gleichzeitig gründen – Vorteile, Risiken und die ehrliche Bilanz

→ Painfluencer: Wie Jürgen aus seinem chronischen Schmerz ein öffentliches Gesprächsangebot gemacht hat – und warum das für ihn leichter ist als das Gespräch mit der eigenen Familie

→ Chronische Schmerzen im Arbeitskontext: Warum Millionen Betroffene unsichtbar leiden – und was das mit der steigenden Zahl an Krankheitstagen zu tun hat

→ Der Unterschied zwischen „weniger kranksein" und „Ursachen verstehen" – und warum politische Debatten dazu oft am Kern vorbeigehen

→ Bewerbungsgespräche auf Augenhöhe: Was sich im Recruiting verändern muss – und was Jürgen selbst im ersten Gespräch sofort auf den Tisch legt

→ Die nachkommende Generation und Grenzen: Warum Jürgen sie nicht belehren, sondern von ihr lernen will

→ Sein Appell: Den Ort schöner verlassen, als du ihn vorgefunden hast

Takeaways

→ Wer seine Bedürfnisse nicht kommuniziert, gibt dem Gegenüber keine Chance zu reagieren. Das gilt im Job genauso wie im Bewerbungsgespräch.

→ Chronische Schmerzen sind unsichtbar – aber ihre Auswirkungen auf Produktivität, Motivation und mentale Gesundheit sind real und massiv unterschätzt.

→ Die junge Generation weiß schon, wie man Grenzen setzt. Unsere Aufgabe ist nicht, ihnen das beizubringen – sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen diese Grenzen möglich sind.

→ Ein Bewerbungsprozess, nach dem jemand mit einem guten Gefühl rausgeht, ist kein Zeichen von Naivität. Er ist das beste Employer-Branding, das ein Unternehmen haben kann.

→ Immer gleiche Abläufe ohne Hinterfragen sind keine Stabilität. Sie sind eingefrorene Mittelmäßigkeit.

Zusatzinfos

Jürgen Krauß – Werbetexter, Podcast-Macher, Painfluencer
→ LinkedIn: linkedin.com/in/esisteinkrauss
→ Portfolio Podcast: podcast-brause.de
→ Unternehmen: es-ist-ein-krauss.de
→ Geschichtspodcasts: geschichtspodcasts.de

Transcript

Einführung in den Podcast und Vorstellung des Gastes

00:00:06
Speaker
Aloha und herzlich willkommen bei Atemfrequenz, dein Podcast, wenn es um Human Intelligence geht.
00:00:13
Speaker
Ich bin Karin von Atem und gemeinsam mit euch begrüße ich jede Woche einen Gast zu dem Thema Human Intelligence.
00:00:21
Speaker
Der Podcast soll euch Inspiration und Motivation geben, vor allem in Zeiten von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung.
00:00:28
Speaker
Wir gehen gemeinsam mit der Frage auf den Grund, wo wir Menschen in der Welt noch Platz haben und welche Kompetenzen wir dafür brauchen.
00:00:35
Speaker
Es geht los.
00:00:36
Speaker
Viel Spaß mit der heutigen Folge.
00:00:41
Speaker
Es war einmal ein Werbetexter, der keinen Bock mehr auf langweiliges Marketing- und KI-Shop hatte.
00:00:50
Speaker
Und in diesem Sinne begrüße ich dich herzlich willkommen, Jürgen.
00:00:54
Speaker
Dankeschön.
00:00:54
Speaker
Hi.
00:00:55
Speaker
Schön, dass du da bist.
00:00:56
Speaker
Ja, ich freue mich auch.
00:00:57
Speaker
Ja, ich hoffe, es geht gut.
00:00:59
Speaker
Ja, soweit.
00:01:00
Speaker
Ja, schön, schön.
00:01:02
Speaker
Wir starten in dem Podcast immer, dass sich die Gäste kurz vorstellen.
00:01:05
Speaker
Einfach mal erzählen, wer sie sind, was sie so machen, was sie auszeichnet.

Jürgens Leidenschaft für Texterstellung und Podcasting

00:01:10
Speaker
Und dann starte ich eigentlich schon mit meinen Fragen, die ich habe.
00:01:14
Speaker
Boah, ja, schwierig.
00:01:15
Speaker
Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll.
00:01:17
Speaker
Ich bin so vieles, unter anderem Werbetexter.
00:01:20
Speaker
Bin jetzt wieder auch selbstständig als Werbetexter.
00:01:23
Speaker
War vorher aber auch im Marketing.
00:01:25
Speaker
Hab ganz viel in einem kleinen Unternehmen, was Digitalmarketing angeht, gemacht.
00:01:29
Speaker
Also von SEO über Content Management über Video über Foto.
00:01:34
Speaker
Also alles, was da irgendwie halt relevant ist.
00:01:37
Speaker
Ich mach auch mal InDesign auf, wenn es sein muss.
00:01:38
Speaker
Aber im Herzen bin ich ein Werbetexter.
00:01:42
Speaker
Und eine zweite Leidenschaft von mir ist Podcast.
00:01:44
Speaker
Also von daher auch ganz cool, dass ich hier sein darf.
00:01:47
Speaker
Ich bin immer gerne...
00:01:58
Speaker
Ich habe damit auch schon vor über 15 Jahren angefangen.
00:02:02
Speaker
Also ich bin schon ein bisschen dabei, habe auch so eine Live-Podcast-Veranstaltungsreihe, auf die ich ein bisschen stolz bin, weil es irgendwie total Spaß macht, so regionale kleine Podcasts auf Bühnen zu stellen und denen ein Publikum zu geben.
00:02:14
Speaker
Also Podcast ist so ein Herzensthema von mir, wo ich natürlich auch beruflich immer wieder Brücken hinbaue und dann gibt es noch so eine dritte Säule, das ist der chronische Schmerz.
00:02:25
Speaker
Das ist auch so ein bisschen mein Thema, mit dem ich auch, hast du sicherlich auf LinkedIn gesehen, mit dem ich auch ein bisschen hausieren gehe, weil ich da einfach...
00:02:33
Speaker
Also A, bin ich natürlich selber betroffen und muss das irgendwie verarbeiten für mich und habe gemerkt, wenn ich das so in

Umgang mit chronischen Schmerzen und deren öffentliche Verarbeitung

00:02:40
Speaker
die Öffentlichkeit trage, dann fällt mir das leichter.
00:02:42
Speaker
Also tatsächlich kann ich leichter in ein Mikrofon über meine Schmerzen sprechen, als manchmal meinen Familienmitgliedern gegenüber.
00:02:49
Speaker
Und B habe ich aber auch gemerkt, dass ich damit natürlich anderen eine Ansprechstation sein kann und das ist wahnsinnig befriedigend, also aus meinem Nachteil, aus meinem Leid sozusagen was Positives zu machen, ansprechbar zu sein, sichtbar zu sein, hörbar zu sein und anderen so ein ich-bin-nicht-alleing-gefühl zu geben.
00:03:08
Speaker
Das ist auch was, das immer wieder in mein Arbeitsleben natürlich mit rein spielt.
00:03:13
Speaker
Genau, das sind so die wesentlichen Punkte aus meinem Leben.
00:03:18
Speaker
Ja, sehr, sehr spannend.

Übergang zur Selbstständigkeit und Herausforderungen im Home Office

00:03:20
Speaker
Ich gehe mal einfach gleich mal so chronologisch vor, wie du es mir auch aufgezählt hast, beruflich.
00:03:26
Speaker
Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen?
00:03:28
Speaker
Du bist jetzt wieder selbstständig.
00:03:30
Speaker
Du warst davor eben in einem kleinen Unternehmen, hast da sehr, sehr viel gemacht.
00:03:33
Speaker
Und jetzt, wo du selbstständig bist, wie sieht dein Alltag aus?
00:03:36
Speaker
Was machst du?
00:03:37
Speaker
Was ist so das, wo du sagst, das ist so meine Hauptbeschäftigung in dem Feld?
00:03:42
Speaker
Oder das möchte ich auch?
00:03:44
Speaker
Ja, cool.
00:03:46
Speaker
Das sind zwei unterschiedliche Themen.
00:03:47
Speaker
Von daher ist das eine ganz schöne Frage.
00:03:49
Speaker
Was mache ich?
00:03:50
Speaker
Also ich versuche es hauptsächlich mal ein bisschen langsam anzugehen.
00:03:53
Speaker
Das war auch der Grund, warum ich jetzt wieder in die Selbstständigkeit bin.
00:03:55
Speaker
Ich war schon mal selbstständig.
00:03:56
Speaker
Also ich weiß, worauf ich mich einlasse.
00:03:59
Speaker
Und ich weiß, dass man sich das sehr schnell verheizen kann, körperlich, gesundheitlich.
00:04:04
Speaker
Und mit dem Wissen versuche ich es jetzt aktiv ein bisschen vorsichtiger, ein bisschen langsamer anzugehen.
00:04:09
Speaker
Und was sich jetzt total cool ergeben hat, ist, dass meine Frau sich auch zeitgleich selbstständig gemacht hat.
00:04:13
Speaker
Also wir haben jetzt so ein bisschen so ein
00:04:15
Speaker
So ein kleines Startup zu Hause, so einen kleinen Coworking-Space.
00:04:19
Speaker
Ist bei uns auch so.
00:04:20
Speaker
Also wir haben zwar noch eine Location, also wir haben es nicht ganz zu Hause, aber das ist bei uns auch so.
00:04:25
Speaker
Aber das erfordert schon auch.
00:04:26
Speaker
Es ist mega, weil du bist flexibler irgendwie.
00:04:31
Speaker
Also es hat schon super viele Vorteile in der Taggestaltung einfach und auch in der Terminabschlache.
00:04:37
Speaker
Und beide sind so im gleichen Mindset irgendwie unterwegs.
00:04:40
Speaker
Ja.
00:04:41
Speaker
Du hast da auch sehr viel Verständnis dafür, wenn jemand abends nochmal schnell den Laptop anschmeißt und der andere vorm Fernseher sitzt oder jemand am Wochenende was macht.
00:04:50
Speaker
Oder so dieses Leben, Arbeiten, das verschwimmt total.
00:04:54
Speaker
Jetzt haben wir noch eine kleine Tochter, ich weiß nicht, ob ihr da auch gesegnet seid, von dem Spaß.
00:05:00
Speaker
Aber das bringt uns zum Beispiel auch total viel Flexibilität in der ganzen Betreuung.
00:05:06
Speaker
Und hat aber natürlich auch, worauf ich gerade hinaus wollte, auch Nachteile.
00:05:12
Speaker
Weil es erfordert, glaube ich, schon auch sehr viel Mut.
00:05:16
Speaker
Du weißt ja nie, wie es läuft.
00:05:19
Speaker
Und du weißt ja nie, was kommt so rein.
00:05:22
Speaker
Und vielleicht habt ihr ein paar Rücklagen.
00:05:24
Speaker
Ja, hatten wir auch.
00:05:26
Speaker
Hatten.
00:05:27
Speaker
Aber es erfordert schon auch einen gewissen Mut, zu sagen, wir machen das jetzt beide.
00:05:32
Speaker
Oder wie siehst du das?
00:05:33
Speaker
Ja.
00:05:33
Speaker
Ja, würde ich schon sagen.
00:05:34
Speaker
Also bei mir trägt ganz viel mehr als Mut, ist bei mir eigentlich der Dickkopf, der da eine Rolle spielt.
00:05:40
Speaker
Also ich sehe einfach nicht ein, dass das nicht funktionieren kann.
00:05:43
Speaker
Das ist vielleicht auch gut.
00:05:44
Speaker
Das ist so ein Ding.
00:05:46
Speaker
Aber ja, die Vorteile wiegen die Risiken für mich auf.
00:05:50
Speaker
Wir haben aber auch mit kleinem Risiko jetzt das Ganze gestartet.
00:05:54
Speaker
Also wir arbeiten von zu Hause aus, wir haben keinen Risiko.
00:05:56
Speaker
keinen Space, den wir irgendwie organisieren und bezahlen müssen.
00:05:59
Speaker
Wir arbeiten mit der Gründerförderung.
00:06:01
Speaker
Also jeder von uns kriegt individuell Gründerförderung, was natürlich jetzt auch für das erste halbe Jahr phänomenal ist, weil wir wirklich ganz solide die Grundlagen aufbauen können und jetzt nicht uns groß stressen müssen.
00:06:13
Speaker
Und das läuft gut.
00:06:15
Speaker
Aber
00:06:17
Speaker
Also verglichen mit 2018 habe ich mich, glaube ich, schon

Wirtschaftliche Veränderungen und Flexibilität

00:06:20
Speaker
mal selbstständig gemacht.
00:06:20
Speaker
Da war die wirtschaftliche Lage eine ganz andere.
00:06:23
Speaker
Und das merke ich jetzt schon.
00:06:26
Speaker
Ich habe zwar immer argumentiert, naja, gerade so menschliche Inhalte für einen Werbetexter wie mich, das wird jetzt relevanter, wenn man das richtig und gut macht und so.
00:06:35
Speaker
Aber es ist natürlich trotzdem insgesamt die wirtschaftliche Lage jetzt ein bisschen schwieriger als vor fünf, sechs, sieben Jahren.
00:06:43
Speaker
Das merken wir schon auch.
00:06:44
Speaker
Aber ich bin da total zuversichtlich.
00:06:46
Speaker
Also ich sehe nicht, dass das nicht funktionieren kann.
00:06:49
Speaker
Ja, ich glaube, das muss man auch.
00:06:52
Speaker
Ich sage immer, wenn ich gewusst hätte, was das Selbstständigmachen alles bedeutet, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht.
00:06:58
Speaker
Deswegen ist es ganz gut, wenn man so eine gewisse Naivität auch hat.
00:07:02
Speaker
Ja, für manche Themen braucht man das.
00:07:04
Speaker
Gar nicht negativ gemeint, aber diese Naivität, die lässt sich das dann auch einfach machen.
00:07:09
Speaker
Und ohne, dass du sagst, ich war auch wirklich, alle haben gesagt, ja, du musst ja so mindestens drei Jahre.
00:07:15
Speaker
Nach drei Jahren kannst du sagen, ob du es weitermachst oder nicht.
00:07:18
Speaker
Und wenn du nach drei Jahren mal positives Ergebnis hast, dann kannst du froh sein.
00:07:23
Speaker
Und ich so, nee, nee, nee, das habe ich schon so nach ein, zwei Jahren, easy.
00:07:27
Speaker
Und ja, kleiner Spoiler, wir kommen jetzt ins dritte Jahr.
00:07:31
Speaker
Es hat leider schon gestimmt, aber ja, die Naivität, das glaube ich, hilft einem da.
00:07:37
Speaker
Ja, also Naivität ist schon auch wichtig, weil wir sind tendenziell, glaube ich, auch hierzulande eher so Grübler und Sorgenträger und Bedenkenträger und haben so die German Angst, dass wir, was könnte alles schief gehen und brauche ich eine Versicherung.
00:07:52
Speaker
Das haben wir natürlich auch alles und mit meiner Situation, mit meiner gesundheitlichen Situation ist das nochmal eine weitere Dimension in der ganzen Überlegung.
00:08:01
Speaker
Das werden ja auch von außen alle gesagt haben, mach es nicht.
00:08:03
Speaker
Ja, die, die ich um ihre Meinung gefragt habe, aber ich habe nicht viele um ihre Meinung gefragt.
00:08:10
Speaker
Ich habe es den Leuten als gegeben verkauft, weil ich genau wusste, was passiert.
00:08:14
Speaker
Und ich bin ja selber auch, natürlich habe ich irgendwo diesen Gedanken, vielleicht ist es auch eine dumme Idee.
00:08:22
Speaker
Ich habe für mich im Arbeitsleben zuletzt zwei Wege gesehen.
00:08:24
Speaker
Also entweder ich schlitter in eine Langzeitkrankheit und bin wirklich irgendwie ein halbes Jahr, ein Jahr oder länger, falle ich aus und bin zu Hause und dann habe ich gesagt, also das ist so das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.
00:08:37
Speaker
Oder ich ändere was an meinem Arbeitsleben, an meinem Berufsleben, schaue, dass das so flexibel wie möglich ist, schaue, dass ich so frei und unbelastet wie möglich da irgendwie rangehen kann.
00:08:47
Speaker
Und das ist für mich die deutlich attraktivere Variante.
00:08:50
Speaker
Aber natürlich gibt es dazwischen auch ganz viele Sorgen und ganz viele, ja, das könnte jetzt vielleicht auch schwierig werden.
00:08:56
Speaker
Und wenn ich mal einen Tag irgendwie wirklich unfähig bin zu arbeiten und ausfalle,
00:09:01
Speaker
ratter ich natürlich auch in so Gedankenspiralen.
00:09:03
Speaker
Also davon bin ich auch nicht frei.
00:09:05
Speaker
Aber ich habe das, glaube ich, ganz gut im Griff.
00:09:11
Speaker
Wir sind von der Frage abgekommen.
00:09:12
Speaker
Ich glaube auch.
00:09:13
Speaker
Aber meine Frage war, was du gerne machen wollen würdest in der Selbstständigkeit.
00:09:19
Speaker
Wir sind über das Thema Selbstständigkeit weggekommen von der inhaltlichen Frage.
00:09:23
Speaker
Du hast recht.
00:09:23
Speaker
Also was ich heute mache, ist ganz viel natürlich im Bereich Text und auch Podcast.
00:09:27
Speaker
Also gerade in den Projekten, in denen ich jetzt bin, schreibe ich für junge Unternehmen...
00:09:34
Speaker
Textleitfäden, Texte für ihre Webseiten, also wirklich so ein Textkonzept.
00:09:39
Speaker
Also ich mache gerne nicht nur den letztendlichen Text, sondern eigentlich schaue ich aufs große Ganze und versuche zu verstehen, was wollen die überhaupt?
00:09:47
Speaker
Ist das, was sie bei mir beauftragen, überhaupt das Richtige?
00:09:50
Speaker
Können wir was besser machen?
00:09:51
Speaker
Also ich verstehe mich schon da ein bisschen als

Jürgens Arbeit als 'Painfluencer' und öffentliche Diskussion über chronische Schmerzen

00:09:54
Speaker
mit den jahren erfahrung die ich da jetzt mitbringen so ein bisschen als als partner als berater so das ist das eine und das andere ich begleite jetzt gerade auch kunden zu podcasts also ich entwickle mit denen zusammen podcast schaue dass die technischen setup haben das funktioniert schaue dass die workflows haben die funktionieren schaue dass die in podcast haben der irgendwie spaß macht der funktioniert das sind jetzt so zwei dinge in denen ich aktiv gerade gerade viel arbeite
00:10:18
Speaker
Und was ich aber mache parallel dazu, ich pitche gerade Buchkonzepte und Exposés an Verlage, weil das was ist, was ich eigentlich schon sehr, sehr lange vorhabe.
00:10:27
Speaker
Wohlwissend.
00:10:29
Speaker
dass man darauf keine Selbstständigkeit bauen sollte.
00:10:31
Speaker
Ja, alle, die Bücher schreiben oder irgendwie sagen, das ist eigentlich ein herzenes Thema.
00:10:36
Speaker
Kann man als Ehrenamt bezeichnen.
00:10:37
Speaker
Genau.
00:10:38
Speaker
Ja, wobei ich, also ich bin jetzt gerade noch im Bereich Fachbuch unterwegs, also ich sehe es schon als Teil.
00:10:44
Speaker
Also schon im Bereich deines Jobs.
00:10:46
Speaker
Genau, also ich sehe es schon als Teil von dem, was ich dann eben auch beruflich mache, dass ich damit wieder Türen aufstoße, dass ich damit auch mal einen Vortrag irgendwo bei einer Konferenz vielleicht irgendwie einreichen kann und so.
00:10:57
Speaker
Also
00:10:58
Speaker
Ich verstehe das schon als Teil des Ganzen und nicht als völlig parallel dazu.
00:11:02
Speaker
Aber wer weiß, irgendwann könnte ich mir auch vorstellen, wirklich mehr auch dann weg vom Fachbuch, vielleicht auch mal in einen Roman oder in einen.
00:11:09
Speaker
Aber das ist jetzt so ein bisschen weiter weg.
00:11:12
Speaker
Ja, spannend, spannende Sache.
00:11:15
Speaker
Aber ich kenne jetzt einige, die auch Bücher oder auch in ihrem Themengebiet Bücher veröffentlicht haben, die sagen genau das Gleiche.
00:11:21
Speaker
Das ist eigentlich mehr so eine Leidenschaft, wo man schon sagt, es soll irgendwann auch mal irgendwie mir was bringen, aber es ist eher...
00:11:29
Speaker
Erstmal zumindest das erste Buch ist viel, viel Ehrenamt und viel Klinkenputzen und hoffen, dass jemand sagt, ja okay, wir probieren es mal aus mit dir.
00:11:38
Speaker
Genau, das erste Buch ist so, du klopfst überall und dann sagen die, wer bist du denn eigentlich?
00:11:43
Speaker
Ja, leider.
00:11:44
Speaker
Dann kommst du in Erklärungsnot.
00:11:45
Speaker
Dann kommst du in Erklärungsnot.
00:11:48
Speaker
Ja, wir hatten noch das Thema Podcast und Podcast-Live-Events.
00:11:55
Speaker
Ich sehe schon, du verbindest das auch so ein bisschen mit dem Beruflichen, was ja eigentlich perfekt passt.
00:12:00
Speaker
Und wir sind aber auch schon in unserer Erzählung sehr auf das Thema Painfluencer, wie du es auch bezeichnest, gekommen.
00:12:09
Speaker
Und vielleicht magst du uns da nochmal so ein bisschen mehr mitnehmen, was du da genau machst.
00:12:14
Speaker
Und du hast es ja jetzt auch schon erwähnt, dass es für dich ein Grund auch mit war, dich jetzt selbstständig zu machen, weil du dann deine privaten oder gesundheitlichen Themen besser vereinen kannst.
00:12:27
Speaker
Aber vielleicht magst du uns da nochmal so ein bisschen deine Intention dahinter sagen und was du da genau machst.
00:12:33
Speaker
Ja, also dem Painfluencer bin ich jetzt geworden, mehr oder weniger auch über einen Podcast.
00:12:39
Speaker
Also ich habe die Schmerzenssache gestartet vor, ich glaube 2019, also auch schon vor acht Jahren, zusammen damals mit einer Leidensgenossin, die ähnliche Probleme hatte.
00:12:49
Speaker
Und wir haben gesagt, also wir ziehen jetzt mal los und versuchen unseren Schmerz besser zu verstehen.
00:12:53
Speaker
Also das war eigentlich unser initialer Gedanke, war hauptsächlich so Neugier.
00:12:57
Speaker
Also wir sind mit unserer Situation nicht zufrieden.
00:13:00
Speaker
Was können wir denn tun?
00:13:01
Speaker
Und schauen wir mal, ob wir irgendwas dabei lernen.
00:13:03
Speaker
Und wenn wir dabei jemanden mitnehmen können, umso besser.
00:13:06
Speaker
Und über die Zeit haben wir aber gemerkt, hey, dieser Gedanke, ja, das Schmerzverstehen ist wichtig.
00:13:11
Speaker
Das ist mir auch heute noch wichtig.
00:13:13
Speaker
Versuche ich auch heute noch dran zu bleiben.
00:13:15
Speaker
Aber der wichtigere Aspekt ist eigentlich, den Dialog tatsächlich in der Öffentlichkeit zu führen.
00:13:20
Speaker
Also wirklich da zu sein und das Thema chronische Schmerzen in die Öffentlichkeit zu bringen.
00:13:25
Speaker
Ich weiß jetzt die genauen Zahlen leider gerade nicht, aber wir sind glaube ich bei irgendwo zwischen 10 und 20 Millionen Leuten in Deutschland, die regelmäßig Schmerzen haben.
00:13:33
Speaker
Also das ist super viel.
00:13:36
Speaker
Ich habe auch in der Vorbereitung auf unserem Podcast mal so ein bisschen recherchiert, wie so Krankheitstage und Zahlen sind.
00:13:44
Speaker
Aber können wir auch gleich nochmal drauf kommen.
00:13:46
Speaker
Genau.
00:13:46
Speaker
Und da habe ich einfach gemerkt, es passt nicht zu dem, wie Schmerzen in der öffentlichen Diskussion stattfinden.
00:13:51
Speaker
Also da reden ganz wenige drüber und da hängt natürlich einmal das Körperliche dran, aber vielmehr ist bei chronischen Schmerzen eigentlich das Mentale ein Problem.
00:14:00
Speaker
Und das ist ja so ein Thema unserer Zeit.
00:14:01
Speaker
Also Mental Health, gerade im Arbeitsleben,
00:14:04
Speaker
Und da habe ich gemerkt, oh, da ist ein Thema.
00:14:06
Speaker
Da habe ich für mich schon sehr viele Schritte irgendwie durchgemacht in den letzten Jahren.
00:14:11
Speaker
Also da kann ich tatsächlich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, ohne dass ich jetzt Leuten Ratschlägen geben will, weil ich kann nur über meine Situation reden und nicht über die von anderen Schmerzleidenden.
00:14:21
Speaker
Aber allein das hilft anderen schon.
00:14:23
Speaker
Die können sich dann nämlich rauspicken, was vielleicht für sie interessant ist.
00:14:27
Speaker
Die sehen aber auch einfach, hey, ich bin nicht alleine in der Situation.
00:14:30
Speaker
Weil was ein chronisch Schmerzleidender oft hat, ist so ein gewisses Unverständnis im Umfeld.
00:14:36
Speaker
Also die Schmerzen sieht man nicht.
00:14:39
Speaker
Du sitzt nicht im Rollstuhl, du hast keine Krücken, du hast noch alle Gliedmaßen und dass du wirklich leidest mit Migräne, mit...
00:14:45
Speaker
Also es gibt so ganz viele Krankheitsbilder, wo man einfach nichts sieht und das macht Leute einsam.
00:14:52
Speaker
Und da habe ich wirklich gemerkt, okay, da habe ich ein Format, das da so ein bisschen dazu beitragen kann, dass die Welt ein bisschen besser ist.
00:14:59
Speaker
Es ist zwar ein super kleiner, super mini Ding, aber ich ziehe ganz viel Energie aus diesem Wissen.
00:15:05
Speaker
Und naja, und jetzt habe ich auch versucht, diesen Podcast so ein bisschen mit in die Selbstständigkeit zu nehmen.
00:15:10
Speaker
Also ich habe jetzt eine Steady-Kampagne gestartet dazu.
00:15:14
Speaker
Man kann mich jetzt auch über diesen Podcast finanzieren, damit ich eben weiter diesen Podcast machen kann, dass ich weiter dieses Gesprächsangebot machen kann.
00:15:23
Speaker
Und genau, das läuft jetzt gerade so an.
00:15:25
Speaker
Sehr cool.
00:15:26
Speaker
Du hast jetzt vieles erklärt.
00:15:27
Speaker
Ich wollte dich gerade eben fragen, was können wir uns unter chronischen Schmerzpatienten vorstellen?
00:15:33
Speaker
Also sind alles Menschen, die betroffen sind, denen man es eigentlich nicht ansieht von außen in der Regel?
00:15:42
Speaker
Und eben Krankheiten, die du gerade beschrieben hast, unter anderem.
00:15:45
Speaker
Es gibt wahrscheinlich sehr, sehr viel unter viele Facetten.
00:15:47
Speaker
Es gibt auch das chronische Schmerzsyndrom.
00:15:49
Speaker
Das ist jetzt so meine Diagnose.
00:15:51
Speaker
Das ist super diffus.
00:15:53
Speaker
Wo man jetzt auch nicht wirklich...
00:15:55
Speaker
Genau, sagt jetzt wenig, aber heißt halt, okay, da ist irgendwie ein Schmerz, wo man an der biologischen Ursache jetzt nicht mehr viel rüttelt.
00:16:04
Speaker
Und du hast es ja jetzt auch beschrieben im Arbeitsleben und du hast ja auch gesagt, es sind unfassbar viele Leute auch davon betroffen und es gibt wahrscheinlich in diesem Fall eine Dunkelziffer, sage ich jetzt mal, weil ja nicht jeder damit hausierend geht zu sagen, ja, mir geht es dann irgendwie mal nicht gut, sondern...
00:16:21
Speaker
Viele, glaube ich, arbeiten auch, obwohl sie Schmerzen haben.

Psychische Gesundheit in der Pandemie und Unterstützung am Arbeitsplatz

00:16:25
Speaker
Zumindest bei dem Thema Endometriose, glaube ich, kenne ich einige, die dann halt trotzdem versuchen zu arbeiten und auch da zu sein, weil natürlich man mit der Krankheit vielleicht auch nicht nach draußen geht oder auch sich verabschiedet.
00:16:39
Speaker
Ich weiß nicht, ob man sich schämt oder ob man sagt, ich möchte nicht als schwach gelten oder wie auch immer die Gründe sind.
00:16:43
Speaker
Das ist, glaube ich, auch bei vielen sogar noch undiagnostiziert, weil das noch ein relativ, ich will nicht sagen, ein neues Krankheitsbild ist, aber es gibt schon auch so Trends in Krankheitsbildern, wie sie in die Wahrnehmung kommen.
00:16:53
Speaker
Migräne, habe ich das Gefühl, ist mittlerweile was, wo die Gesellschaft weiß, okay, das existiert, damit können wir jetzt so ein bisschen, das können wir ein bisschen einschätzen.
00:17:02
Speaker
Oder auch Fibromyalgie.
00:17:04
Speaker
Das habe ich glaube noch nie gehört.
00:17:07
Speaker
Genau, das sind keine neuen Krankheiten, aber das kommt jetzt erst so langsam in die Wahrnehmung.
00:17:15
Speaker
Ja, und ich habe mal in der Vorbereitung, wie ich gerade gesagt habe, schon ein bisschen so dieses Thema Krankheitstage angeguckt.
00:17:21
Speaker
Also wir haben einen starken Anstieg der Krankheitstage so nach der oder während der Pandemie.
00:17:26
Speaker
Also man merkt so 2021 ist es schon erstmal so diese Krankheitstage nach oben gegangen.
00:17:33
Speaker
Und du hast es auch schon vorhin kurz erwähnt.
00:17:37
Speaker
Vor allem auch das Thema mentale Gesundheit oder mentale Krankheiten nimmt deutlich zu.
00:17:42
Speaker
Wir haben auch einen Freund, der arbeitet in der Jugendhilfe beziehungsweise in der Schule mit Jugendlichen.
00:17:48
Speaker
Und da stellen die schon auch fest, dass es massive psychische Erkrankungen auch bei Kindern und Jugendlichen gibt, was sich...
00:17:58
Speaker
Schockierend finde.
00:17:59
Speaker
Und das ist ja auch ein Thema, was du mit ansprichst, das Thema mentale Gesundheit.
00:18:05
Speaker
Wie wichtig siehst du die Thematik im Arbeitskontext oder welchen Stellenwert hat es und sollte es wahrscheinlich haben?
00:18:14
Speaker
Das ist Dreh- und Angelpunkt eigentlich eines gesunden Angestelltenverhältnisses, würde ich sagen, dass du dich mental an deinem Arbeitsplatz wohlfühlst, weil sonst kommst du wohl oder übel auf eine Abwärtsspirale und ob die so schlimm wird, dass du dann vielleicht irgendwie ausfällst oder kündigen musst oder krank wirst, das ist mal dahingestellt.
00:18:35
Speaker
Aber wenn du dich auf der Arbeit nicht wohlfühlst, dann fängst du an, dich zu verstellen und fängst an, dich von deinem eigentlichen Ich so ein bisschen abzuspalten.
00:18:44
Speaker
Und das kann eigentlich keine gute Entwicklung sein.
00:18:47
Speaker
Also ich bin der Meinung, wir müssen da viel mehr und viel offener damit umgehen und viel offener darüber reden, auch im Arbeitsverhältnis.
00:18:58
Speaker
Offen reden über
00:19:00
Speaker
Also über die Bedürfnisse, die jeder Einzelne hat.
00:19:05
Speaker
Es muss jetzt gar nicht heißen, dass ich zu meinem Arbeitgeber gehe und dem meine Krankheitsbiografie hinlege und sage so, hier schau mal, das bin ich.
00:19:14
Speaker
Aber ich muss mir arg darüber klar werden, wenn ich so eine Diagnose habe, so eine Krankheit habe, was brauche ich, um gut arbeiten zu können?
00:19:23
Speaker
Und dann muss ich das einfordern.
00:19:25
Speaker
Anders geht es nicht.
00:19:27
Speaker
Und ja, da rede ich mich natürlich jetzt aus einer luxuriösen Situation raus.
00:19:31
Speaker
Also ich habe ein abgeschlossenes Studium und ich bin so im White-Collar-Bereich und wir reden ganz viel über modernes Arbeiten und New Work und
00:19:41
Speaker
Ja, die Chance hat nicht jeder, da so offen irgendwie ranzugehen und drüber zu reden, aber irgendwo müssen wir ja anfangen, darüber zu reden.
00:19:49
Speaker
Und also das ist für mich essentiell.
00:19:52
Speaker
Ja, ich glaube, wir sind da in unserem, wie du sagst, in unserem Arbeitsfeld auch privilegiert.
00:19:59
Speaker
Wir sprechen dann über New Work und wie soll mein Arbeitsplatz aussehen und wie möchte ich arbeiten und dann arbeite ich mal zu Hause und dann arbeite ich mal vielleicht im Urlaub und
00:20:08
Speaker
Mach so Work and Travel und ich kann so ein bisschen machen, was ich will.
00:20:11
Speaker
Aber wir haben natürlich in Deutschland auch ganz, ganz viele Berufe, wo das eben nicht geht und wo es, ich sage mal, knallharte Öffnungszeiten gibt oder lass uns den Gesundheitssektor entnehmen.
00:20:21
Speaker
Da kann ich nicht einfach sagen, Chef, heute geht es mir nicht so gut.
00:20:25
Speaker
Ich komme dann morgen zur Schicht, sondern ich habe eine ganz andere Verantwortung, wo es schwieriger ist.
00:20:31
Speaker
Trotzdem
00:20:33
Speaker
Sollte es auch dort Möglichkeiten geben zu sagen, ich kann mich individueller einbringen oder kann meinen Arbeitsalltag individueller gestalten oder kann auch offen darüber reden, was ich für Schwierigkeiten habe.
00:20:45
Speaker
Und diese Thematik mentale Gesundheit, wie du es jetzt auch gesagt hast, wir wissen ja auch, wenn jemand eine psychische Krankheit hat und sei es irgendwie eine Depression oder sei es einfach auch wie du jetzt sagst, ich habe jetzt eine Krankheit und bin Schmerzpatient,
00:21:03
Speaker
Aber es gibt ja auch noch unsichtbarere Krankheiten, wo du sagst, du hast psychische Erkrankungen.
00:21:09
Speaker
Diese Menschen fallen tatsächlich in der Regel drei bis vier Wochen am Stück aus oder noch länger, wenn es noch schlimmer wird.
00:21:18
Speaker
Und dass wir da...
00:21:21
Speaker
Zu wenig machen als Arbeitgeber ist eigentlich unerklärlich, weil die fallen ja nicht einfach mal nur eine Woche aus, weil sie eine Grippe haben, sondern es ist ja wochenlang, dass du auf einen Menschen in dem Arbeitskontext verzichten musst.
00:21:37
Speaker
Aber irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass das Menschen alarmiert, zu sagen, ja okay, wie schaffe ich denn ein Arbeitsumfeld, das für Menschen gesund ist?
00:21:46
Speaker
Also wir müssen ja nur mal in die Politik schauen.
00:21:48
Speaker
Ich empfinde es tatsächlich als einen Schlag ins Gesicht, wenn dann ein welcher Politiker auch immer sich hinstellt und sagt, die Leute dürfen nicht so viel krank sein und müssen mehr arbeiten, statt zu fragen, was ist denn eigentlich der Grund, warum die krank sind?
00:22:00
Speaker
Können wir da vielleicht was dran machen?
00:22:02
Speaker
Und nicht ein, wir müssen jetzt irgendwie schauen, dass die Leute sich krank zur Arbeit schleppen.
00:22:05
Speaker
Also das kann doch nicht wirklich die Diskussion sein.
00:22:08
Speaker
Ja, es ist bei der Diskussion, politisch gesehen, glaube ich, muss man auch, da gucke ich gar nicht mehr so richtig drauf.
00:22:16
Speaker
Das kann man nicht ernst nehmen.
00:22:18
Speaker
Das kann man nicht ernst nehmen, weil ich oft das Gefühl habe, dass die wollen einfach nur irgendwie provozieren oder irgendwie Leute an ihre Seite ziehen, um dann irgendwie, ich will jetzt nicht das Wort Propaganda in den Mund zu nehmen, aber irgendwie ist es manchmal schon so, dass es vielleicht einfach den Fokus hat, nur zu provozieren.
00:22:35
Speaker
Aber das, was du in deiner Aussage ja auch beschreibst, ist, wir gehen nicht an die Ursache ran.
00:22:41
Speaker
Wir fragen nicht, warum bist du denn krank oder was kann ich denn tun, damit du dich an deinem Arbeitsplatz wohlfühlst?
00:22:49
Speaker
Wie kann ich dich unterstützen, dass du morgen gerne hierher kommst?

Offener Dialog über Mitarbeiterbedürfnisse und mentale Gesundheit

00:22:53
Speaker
Können wir irgendwie Themen ändern?
00:22:54
Speaker
Das ist eine ganz simple Frage.
00:22:55
Speaker
Hat mir jetzt so noch nicht oft jemand gestellt im Arbeitskontext.
00:22:59
Speaker
Also mir jetzt vielleicht schon tatsächlich, weil ich super offen damit umgehe.
00:23:02
Speaker
Aber du hast das.
00:23:03
Speaker
Du hast ja tatsächlich auch ein Arbeitsumfeld in deinem Angestelltenverhältnis gefunden, wo dir diese Fragen gestellt wurden.
00:23:10
Speaker
Das ist vielleicht auch eine privilegierte Situation.
00:23:14
Speaker
Vielleicht Glück oder du hast genau hingeguckt.
00:23:17
Speaker
Kann man jetzt vielleicht keinen Grund dafür finden?
00:23:19
Speaker
Ich würde schon dazu noch sagen, ich habe die Debatte aber auch angestoßen.
00:23:23
Speaker
Ich bin tatsächlich in Bewerbungsgespräche gegangen, ins erste Bewerbungsgespräch und habe gesagt, Leute, ich habe Rücken und wenn ich nicht mindestens einen Stehschreibtisch habe,
00:23:31
Speaker
dann können wir das hier beenden.
00:23:33
Speaker
Dann wird das nichts.
00:23:35
Speaker
Ich habe das schon auch aktiv mit eingebracht und bin damit sehr gut gefahren in einem privilegierten Umfeld.
00:23:43
Speaker
Das ist mir klar.
00:23:44
Speaker
Aber vielleicht manchmal geben wir den Arbeitgebern auch die Chance gar nicht.
00:23:51
Speaker
Das muss immer ein Dialog sein.
00:23:53
Speaker
Da spielen schon beide Seiten auch eine Rolle.
00:23:56
Speaker
Über meine Bedürfnisse muss ich mir klar werden, damit ich sie kommunizieren kann.
00:23:59
Speaker
Dann hat der andere eine Chance, darauf zu reagieren.
00:24:01
Speaker
Dann sind wir eigentlich schon tief im Thema drin.
00:24:03
Speaker
Wie kriegen wir das jetzt hin?
00:24:04
Speaker
Zum einen natürlich selber für seine Themen einzustehen.
00:24:09
Speaker
Das ist vielleicht auch, das ist eine Seite zu sagen, ich stehe für meine Themen ein, ich stehe für meine Bedürfnisse ein, ich stehe für mich selbst ein, das zu lernen.
00:24:18
Speaker
Jetzt wissen wir aber, dass viele Arbeitssituationen

Einstellungen der jungen Generation zu Arbeit und Grenzen

00:24:23
Speaker
Und viele Unternehmen keine Kultur haben, wo ich als, vielleicht kann ich das als Führungskraft oder als jemand, der karrieretechnisch schon ein bisschen aufgestiegen ist.
00:24:34
Speaker
Aber wenn ich jetzt ein junger Mensch bin, der vielleicht gerade erst anfängt, mit jung meine ich jetzt nicht alterstechnisch jung, sondern jung, was die Berufserfahrung auch angeht.
00:24:43
Speaker
Da traue ich mich ja vielleicht auch nicht zu sagen, hey pass auf übrigens, wenn ich hier anfangen soll bei dir in einem Laden, dann brauche ich das, das, das.
00:24:50
Speaker
So und weil natürlich meine Angst mitschwingt zu sagen, ja gut sagt der Gegenüber, dann suche ich mir jemand anderen.
00:24:57
Speaker
Du bist jetzt nicht Einstein, ich brauche dich auch nicht.
00:25:00
Speaker
Von dir gibt es vielleicht noch zehn weitere draußen am Markt, die jetzt gerade irgendwie von der Uni kommen oder die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben.
00:25:07
Speaker
Da nehme ich halt einen anderen, der macht, was ich sage.
00:25:11
Speaker
Was braucht es deiner Meinung nach, um da für möglichst viele Menschen ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen?
00:25:21
Speaker
Das ist eine super schwierige Frage, weil gerade, also da habe ich zwei Beobachtungen dazu, weiß ich aber nicht, ob ich eine Antwort darauf habe.
00:25:28
Speaker
Vielleicht finden wir sie.
00:25:30
Speaker
Zum einen wird es natürlich gerade bei Juniorstellen jetzt mit KI immer schwieriger.
00:25:35
Speaker
Also wir lesen ganz oft, dass gerade die Stellen von unerfahrenen Arbeitenden weniger werden, weil man die leichter mit KI ersetzen kann, als Stellen, wo man viel Erfahrung voraussetzt.
00:25:46
Speaker
Also das ist das eine.
00:25:47
Speaker
Und zum anderen nehme ich aber wahr, dass so die Generation, und jetzt beantworte ich das, was du vorhin so zwischen die Zeilen gefragt hast, ich habe zwei Kinder,
00:25:55
Speaker
Und ich beobachte, dass die Generationen, die nach uns kommen, gerade so in dem Alter meiner Kinder, dass die viel reflektierter sind, als wir das damals waren.
00:26:03
Speaker
Also dass die von Haus auf schon deutlich besser wissen, was sie brauchen und was sie wollen, als ich das in Erinnerung habe, wie ich in dem Alter war.
00:26:11
Speaker
Und das ist natürlich das, das werfen wir der Generation oft vor.
00:26:14
Speaker
Und ich glaube, da würde ich mal anfangen.
00:26:16
Speaker
Vielleicht ist das meine Antwort.
00:26:17
Speaker
Also wir dürfen nicht
00:26:18
Speaker
Wir dürfen nicht auf die junge Generation schauen und sagen, was die für Ansprüche stellen ans Arbeitsleben und so.
00:26:23
Speaker
Das ist ja völlig absurd.
00:26:24
Speaker
Die müssen jetzt auch erst mal buckeln und sich krummarbeiten und sie müssen in die Mine und unter Tage.
00:26:30
Speaker
Ich übertreibe jetzt, aber so ein bisschen ist ja die Haltung.
00:26:34
Speaker
Ja, absolut, die ist so.
00:26:34
Speaker
In der Breite.
00:26:35
Speaker
Und eigentlich finde ich das aber total beneidenswert, wie reflektiert die nachkommende Generation jetzt schon ist.
00:26:43
Speaker
Natürlich, weil wir auch jetzt irgendwie reflektierter werden und das weitergeben, das rede ich mir zumindest ein, dass das unser positiver Einfluss ist.
00:26:51
Speaker
Ich denke, wir haben da schon einiges auch dazu beigetragen.
00:26:54
Speaker
Genau, ich glaube, unser Beitrag jetzt so in unserer Generation muss sein, dass wir den Leuten nicht ein schlechtes Gewissen machen dafür, dass sie wissen, was sie wollen.
00:27:03
Speaker
Ich habe das auch noch nie verstanden, dass Leute immer gesagt haben, das kennt man aus Unternehmen oder ich kenne das auch aus meiner Erfahrung im Unternehmen, die dann immer gesagt haben, naja,
00:27:13
Speaker
Als ich Auszubildender war, wurde ich noch geschlagen.
00:27:16
Speaker
Ja, schön.
00:27:17
Speaker
Und deswegen machen wir das jetzt weiter?
00:27:20
Speaker
Oder du fandest es doch damals auch blöd?
00:27:22
Speaker
Genau.
00:27:22
Speaker
Und auch so ganz viele Aussagen, wo ich mir so gedacht habe, aber das ist doch schön, du hast es doch erkannt, dass das falsch war, dann können wir das doch jetzt ändern, dann dürfen die doch jetzt auch sagen, sie wollen das nicht.
00:27:32
Speaker
Aber irgendwie gehen wir so gar nicht damit um, das ist doch irgendwie schräg.
00:27:35
Speaker
Und das Gleiche beobachten wir aber ja jetzt, wie du auch beschreibst, mit der nächsten Generation, wo wir dann, wir kämpfen alle dafür, ja, unsere Bedürfnisse sind wichtig und die müssen im Unternehmen gesehen werden und wir wollen gut behandelt werden und wir wollen eine gewisse Sicherheit und wir wollen uns wohlfühlen.
00:27:53
Speaker
Und die nächste Generation, die kommt, die sagt, hä, wenn ich mich nicht wohlfühle, mache ich es nicht, aber dann werfen wir denen vor.
00:27:58
Speaker
Aber denen gönnen wir das dann irgendwie nicht mehr so.
00:28:00
Speaker
Die müssen erstmal richtig, richtig hart arbeiten.
00:28:02
Speaker
Das ist merkwürdig.
00:28:03
Speaker
Die müssen durch den Dreck kriechen, damit sie was erreichen.
00:28:08
Speaker
Es ist doch eigentlich sehr, sehr schön, dass sie schon klare Grenzen setzen können.
00:28:12
Speaker
Finde ich auch.
00:28:13
Speaker
Und es ist ja auch immer ein Spiegel dann für uns, in dem Fall als vielleicht Führungskräfte oder Arbeitgeber, dass die Generation kommt und sagt,
00:28:23
Speaker
du brauchst mir nicht helfen, Grenzen zu setzen, weil ich kann es schon.
00:28:26
Speaker
Wir können ja eigentlich jetzt woanders ansetzen.
00:28:28
Speaker
Die wissen schon, was Grenzen sind.
00:28:31
Speaker
Und das zeigt uns dann auch, dass wir unsere Rahmenbedingungen ändern müssen, damit sie ihre Grenzen wahren können.
00:28:37
Speaker
Also...
00:28:39
Speaker
Ich glaube, unsere Herausforderung

Produktivität durch Grenzziehung und Arbeitgeberunterstützung

00:28:40
Speaker
in der Zukunft als Arbeitgeber ist jetzt eine andere, weil sie können schon Grenzen setzen.
00:28:46
Speaker
Und jetzt, wir sagen immer allen, ja gut, oder was ich sehr oft feststelle ist, wenn ich jetzt Führungskräfte habe, die dann zu sagen, hey, du musst Grenzen setzen, du musst doch sagen, was sind deine Bedürfnisse und sie kämpfen noch an dieser Front und die können das jetzt schon.
00:29:01
Speaker
Das heißt, bei denen müssen wir dann halt vielleicht, vielleicht ist es ja wirklich ein Thema mit der jüngeren Generation zu sagen, ja, ihr könnt Grenzen setzen und euch müssen wir jetzt wahrscheinlich ein bisschen mehr beibringen, wie wir wieder als Gesellschaft produktiv werden.
00:29:16
Speaker
Wie schaffen wir trotzdem Ziele zu erreichen, auch wenn du Grenzen setzt.
00:29:20
Speaker
Du darfst ja sagen, du willst um 17 Uhr zum Arbeiten aufhören.
00:29:23
Speaker
Ist ja völlig fein, weil du sagst, du hast eine Freizeit.
00:29:26
Speaker
Aber trotzdem müssen wir ihnen ein Outcome schaffen.
00:29:28
Speaker
Und dann müssen wir halt mit ihnen gemeinsam Wege finden, um einen Outcome weiterhin zu schaffen, aber halt in einem anderen Weg.
00:29:36
Speaker
Und das ist auch, glaube ich, so eine Grundhaltungsding.
00:29:39
Speaker
Also bei denen stimmt ja die Grundhaltung, glaube ich.
00:29:42
Speaker
Also die wollen ja in der Regel auch arbeiten und die wollen produktiv sein.
00:29:45
Speaker
Und das werfen wir ihnen, glaube ich, insgeheim vor, dass die das nicht wollen.
00:29:48
Speaker
Und das ist aber, glaube ich, falsch.
00:29:50
Speaker
Ich glaube schon, dass die das wollen.
00:29:51
Speaker
Und
00:29:52
Speaker
Irgendwo liegt die Wahrheit wahrscheinlich auch dazwischen.
00:29:54
Speaker
Ich glaube, ein bisschen durch den Dreck gehen musst du, wenn du wirklich was in deinem Themengebiet erreichen willst, musst du auch die dreckigen Ecken deines Themengebiets irgendwie lernen und mal durchmachen.
00:30:05
Speaker
Und du musst wahrscheinlich mal Überstunden machen.
00:30:08
Speaker
Also das ist alles fein.
00:30:11
Speaker
Aber ich muss schon aufpassen, dass ich nicht das erwarte als Norm.
00:30:15
Speaker
Und ich glaube, dass wir die Führungskräfte, dass wir denen eben auch beibringen müssen, okay, das mit den Grenzen ist jetzt ein Ding.
00:30:21
Speaker
Die haben es halt anders gelernt, die sind irgendwie anders aufgewachsen.
00:30:24
Speaker
Deren Führungskräfte haben das anders gemacht.
00:30:27
Speaker
Und die haben jetzt auch eine neue Situation.

Menschlicher Ansatz im Rekrutierungsprozess und Respektkultur

00:30:29
Speaker
Also das ist das, was wir wahrscheinlich leichter beeinflussen können oder sollten, als den Nachrückenden auszutreiben, dass sie sagen, was sie brauchen und was sie wollen.
00:30:39
Speaker
Ja, das ist auch, ich glaube, das sind diese Schubladen, die wir haben, in denen wir dann denken, auch mit den nachkommenden Generationen, wie sie sind.
00:30:48
Speaker
Und das ist sehr, sehr individuell, wie sie sind.
00:30:51
Speaker
Und zum Arbeiten und zum Arbeitsleben gehört definitiv dazu, dass man Aufgaben macht, auf die man keinen Bock hat.
00:30:58
Speaker
Und das ist was, was jeder lernen muss, wenn er in die Arbeitswelt eintritt.
00:31:01
Speaker
Man hat nicht nur Aufgaben, die man cool findet.
00:31:04
Speaker
Nie, auch nicht, wenn man selbstständig ist.
00:31:06
Speaker
Dann muss man auch Dinge machen, auf die man keinen Bock hat.
00:31:08
Speaker
Richtig.
00:31:09
Speaker
Und das gehört, glaube ich, dazu.
00:31:12
Speaker
Jetzt ist nur die Frage, die ich mir stelle.
00:31:15
Speaker
Wir waren ja bei dem Thema Gesundheit auch oder mentale Gesundheit oder ein Arbeitsplatz, der für alle so ist, dass man sich wohlfühlt.
00:31:26
Speaker
Was sind deiner Meinung nach Bedingungen oder wie schaffen wir das?
00:31:30
Speaker
Was verändert sich auch gerade in der Arbeitswelt?
00:31:34
Speaker
Also ich glaube, ein offener Dialog ist so die Grundbedingung.
00:31:39
Speaker
Und das ist tatsächlich, wenn ich so an vergangene Bewerbungen und so weiter denke, da hat es oft schon daran gekrankt, dass der Dialog einfach auch nicht auf Augenhöhe stattfindet.
00:31:50
Speaker
Und das haben wir natürlich im Arbeitsleben oft.
00:31:53
Speaker
Wenn ich mich bewerbe,
00:31:54
Speaker
Je dringender ich den Job will, desto mehr bin ich in der Bittsteller-Rolle.
00:32:00
Speaker
Das wechselt aber auch immer mal, je nachdem wie gerade der Markt draußen ist.
00:32:05
Speaker
Eine Weile waren jetzt die Jahre so, dass du als Softwareentwickler, da haben sich die Unternehmen bei dir beworben.
00:32:12
Speaker
Wenn wir uns da einfach irgendwie wie Menschen begegnen in der Mitte und uns auf Augenhöhe austauschen und einfach normale Gespräche führen, dann ist glaube ich schon viel gewonnen.
00:32:22
Speaker
Und das habe ich jetzt so ein bisschen vom Rand mitbekommen.
00:32:25
Speaker
Ich habe zuletzt, wir haben es im Vorgespräch darüber geredet, ich habe zuletzt in einem Team mit HR an Recruiting-Themen gearbeitet.
00:32:33
Speaker
Von daher war ich da so ein bisschen nah dran, ohne wirklich jetzt im Bewerbungsprozess involviert zu sein.
00:32:39
Speaker
Aber da habe ich schon gemerkt, es gibt so eine neue Art, damit umzugehen und die ist einfach, den Leuten wirklich zu begegnen und zu sagen, hey, was bist du für ein Mensch, was hast du für Hobbys, was hast du für Bedürfnisse und nicht um die auszuräuchen und nach roten Flaggen zu suchen, sondern um wirklich mit denen in Kontakt zu kommen und festzustellen, hey, passen wir zusammen?
00:32:59
Speaker
Und dann zu schauen, wie müssen wir jetzt die ganzen Rahmenbedingungen abstecken.
00:33:02
Speaker
Aber wenn wir nicht zusammenpassen, dann bringen auch die Rahmenbedingungen nichts.
00:33:06
Speaker
Und früher war das mehr so ein Abchecken, ein okay, das hat er schon mal gemacht, das hat er schon mal gemacht, das hat er schon mal gemacht, das kann er, da gibt es eine Referenz und das steht im Lebenslauf.
00:33:15
Speaker
Und heute ist es mehr ein, ja, jetzt lass uns mal den Lebenslauf ein bisschen zur Seite schieben, vielleicht noch nicht ganz vom Tisch, ja, aber zur Seite.
00:33:21
Speaker
Und jetzt begegnen wir uns mal und reden und schauen mal, was willst du, was wollen wir jetzt unternehmen, bringen wir das irgendwie zusammen und wie können wir voneinander profitieren.
00:33:29
Speaker
Und das sollte, glaube ich, der Standard sein.
00:33:33
Speaker
Ja, es ist der erste Start im Endeffekt, ob willst du dort irgendwo arbeiten oder kannst du es dir vorstellen.
00:33:39
Speaker
Und ich habe auch lange ja im HR gearbeitet, auch im Recruiting oder ich habe dann am Ende nicht mehr im Recruiting gearbeitet, aber als sich auch noch Leute eingestellt habe.
00:33:49
Speaker
Das ist das, was meine Chefin mir auch beigebracht hat.
00:33:52
Speaker
Das ist kein Bewerbungsgespräch, wo jemand kommt, der sich bei uns bewirbt und wir sind eine Jury, sondern wir wollen den auch für uns begeistern.
00:34:02
Speaker
Und das ist schon so eine Haltung, die uns auf Augenhöhe bringt, wenn wir uns gegenseitig voneinander begeistern wollen oder wenn wir sagen, wir wollen uns auch von einer guten Seite zeigen und
00:34:13
Speaker
mir auch immer gesagt, auch wenn du schon nach fünf Minuten merkst, das passt irgendwie nicht, wir führen trotzdem circa mindestens 20 Minuten bis eine halbe Stunde ein Gespräch und erzählen noch was über das Unternehmen, weil es sehr, sehr wichtig ist, dass jemand auch mit einem guten Gefühl rausgeht, auch wenn er die Stelle vielleicht danach nicht bekommt.
00:34:32
Speaker
Aber es ist wichtig, dass wir
00:34:34
Speaker
wir begegnen uns da auf Augenhöhe.
00:34:36
Speaker
Der hat sich für uns Zeit genommen oder die und wir haben uns für die Person Zeit genommen.
00:34:40
Speaker
Und unser Mindestanspruch ist, dass der mit einem guten Gefühl rausgeht und sagt, hey, das war ein gutes Gespräch.
00:34:46
Speaker
Es hat uns dann oft leider auch so ein bisschen schlecht in die Karten gespielt, weil die Leute natürlich auf Basis des guten Gesprächs, weil sie es vielleicht nicht gewohnt waren, immer gedacht haben, ja, die Chancen stehen gut.
00:34:57
Speaker
Sie kriegen den Job und sie konnten nicht so richtig rauslesen, ja oder nein.
00:35:02
Speaker
Aber ich persönlich habe das nie als schlecht empfunden, weil ich gedacht habe, es war trotzdem halt ein gutes Gespräch und ich hatte mit dem eine gute halbe Stunde.
00:35:10
Speaker
Und ich verstehe schon, dass der vielleicht rausgeht und sich denkt, wow, das war gut und ich kriege den Job.
00:35:15
Speaker
Aber ich würde es auch nicht anders machen, weil es hat ja auch was mit Respekt und Wertschätzung gegenüber, dass der sich eine halbe Stunde Zeit nimmt.
00:35:22
Speaker
Und das muss auch keine Abbruchkante sein.
00:35:24
Speaker
Also das Ende von so einem Gespräch muss nicht das Ende einer Beziehung sein.
00:35:28
Speaker
Sondern man kann mit den Leuten ja auch
00:35:30
Speaker
in Zukunft nochmal reden, wenn es irgendwie menschlich gematcht hat oder fachlich oder irgendwas halt gefehlt hat und es ändert sich, die Voraussetzungen ändern sich im Laufe der nächsten Jahre, dann warum nicht nochmal miteinander reden?
00:35:41
Speaker
Und oft ist es so ein, okay, der Bewerbungsprozess, ja, und dann habe ich das Gefühl, kommen die Bewerbungen irgendwo in eine Schublade und werden nie mehr angeschaut, aber man kann mit den Leuten auch in Kontakt bleiben.
00:35:51
Speaker
Also ich bin tatsächlich mit zwei Leuten, die sich mal bei uns beworben haben, heute noch in Kontakt, mit denen spiele ich zusammen Rocket League.
00:35:58
Speaker
Das ist
00:36:00
Speaker
Das ist absolut nicht normal.
00:36:03
Speaker
Aber warum nicht?
00:36:04
Speaker
Warum ist das nicht normal?
00:36:05
Speaker
Warum kann man sich nicht menschlich begegnen und schauen, hey, wir haben gemeinsame Interessen.
00:36:09
Speaker
Lass uns doch mal in Kontakt bleiben.
00:36:11
Speaker
Ja, und was ich auch gemacht habe, ist Bewerbungen auch aufzuheben, wenn ich gemerkt habe, okay, die Person passt nicht auf die und die Stelle, dann habe ich den aufgeschrieben.
00:36:19
Speaker
Einfach kurz fragen, darf ich die Bewerbung aufheben?
00:36:22
Speaker
Und ich bin auch wieder auf, ich war da auch erfolgreich, ich meine, es ist nochmal eine Zusatzarbeit, die du natürlich hast, weil du musstest es merken und ich konnte mir das zum Glück immer auch ein bisschen merken, dass ich dann sage, da hatte ich doch jemanden, der würde doch da gut passen und die dann wieder angeschrieben und gesagt, hey, jetzt wäre in dem und dem Bereich was frei und
00:36:41
Speaker
Warum ich das auch so wichtig finde oder weil das ist ein erster Schritt, um so als Unternehmen auch vielleicht nahbarer zu sein oder menschlicher zu sein, indem du wirklich den Menschen anders begegnest, weil sie dann auch anders über dich als Unternehmen sprechen.
00:36:56
Speaker
Ja, und wenn du denen noch Tipps gibst, was sie dann, hey, bei uns klappt es jetzt nicht, aber ich habe ein Feedback für dich.
00:37:00
Speaker
Ja.
00:37:01
Speaker
Willst du es haben?
00:37:02
Speaker
Das kannst du ja mit in den nächsten, also wie gehen denn die da raus?
00:37:04
Speaker
Mit was für einem Gefühl von deinem Unternehmen?
00:37:06
Speaker
Ja.
00:37:06
Speaker
Auch wenn du sagst, ja, es klappt jetzt nicht, aber trotzdem, ich habe ganz oft dann auch auf einer Plattform, wo man dann Unternehmen bewerten kann, zum Bewerbungsprozess sehr, sehr gutes Feedback bekommen.
00:37:17
Speaker
Da stand dann drin, es war ein unfassbar tolles Gespräch, schnell, wertschätzend.
00:37:22
Speaker
Ich habe die Stelle nicht bekommen, aber es war ein ganz toller Bewerbungsprozess.
00:37:26
Speaker
Und das ist doch das beste Aushängeschild, was du als Unternehmen hast.
00:37:29
Speaker
Genau, das muss doch unser Ziel sein.
00:37:32
Speaker
Auch wenn ich es nur wirklich an solchen Dingen festmachen will, ein KPI, okay, dann ist das mein KPI.
00:37:38
Speaker
Und dann auch, dass der Bewerber raus und sagt, ja, da kannst du dich bewerben.
00:37:42
Speaker
Genau.
00:37:42
Speaker
Das passt.
00:37:45
Speaker
Was ist so, wir haben jetzt über viele Themen gesprochen, aber unser Kernthema glaube ich ganz nicht verlassen.
00:37:52
Speaker
Wenn wir jetzt so an die Zukunft denken, wo sagst du, was ist so dein Tipp oder was ist dein Appell?
00:37:59
Speaker
an die Leute?
00:38:01
Speaker
Also ich glaube, wir haben jetzt schon ganz viele Appelle hier irgendwie zusammengetragen.
00:38:06
Speaker
Ja, was ist der wichtigste?
00:38:07
Speaker
Also, was ist jetzt der wichtigste Appell?
00:38:14
Speaker
Das ist eine ganz wertvolle Frage, die will ich jetzt nicht vergeuden.
00:38:16
Speaker
Ja.
00:38:18
Speaker
Ich glaube, man darf sich nicht zu sehr von der Vergangenheit beeinflussen lassen.
00:38:28
Speaker
Die Vergangenheit ist super wichtig, weil wir schon so viele Erfahrungen in unserem Leben, aber auch als Gesellschaft gesammelt haben.
00:38:35
Speaker
Und wir müssen nicht alle Fehler nochmal machen.
00:38:36
Speaker
Von daher ist Vergangenheit immer super relevant.
00:38:39
Speaker
Aber was wir oft machen ist, wir verstecken uns ein bisschen hinter der Vergangenheit und sagen, hey, so hat es doch funktioniert.
00:38:44
Speaker
Wir müssen das heute immer noch so machen.
00:38:46
Speaker
Und da fängt meiner Meinung nach der Fehler an.
00:38:49
Speaker
So davon müssen wir uns lösen.
00:38:50
Speaker
Also wir müssen uns eigentlich echt immer fragen, hey, kann ich jetzt...
00:38:56
Speaker
das Projekt, den Prozess, die Aufgabe, die ich gerade vor mir habe, kann ich die vielleicht auch noch ein bisschen besser machen, als von mir gerade erwartet wird.
00:39:02
Speaker
Gar nicht, weil ich irgendwie ein Streber sein will, gar nicht, weil ich irgendwie damit mich jetzt besonders wertvoll profilieren will, sondern einfach, weil das doch dann auch einem selber viel mehr Spaß macht.
00:39:14
Speaker
Also ich ziehe null Befriedigung aus den immer gleichen Tätigkeiten.
00:39:20
Speaker
Und wenn ich was habe, wo immer eine ähnliche Tätigkeit habe, dann setze ich mich hin und überlege mir,
00:39:24
Speaker
so, jetzt habe ich das irgendwie dreimal so gemacht, aber irgendwie, man könnte doch vielleicht noch hier noch ein bisschen was und da noch ein bisschen Feenstaub und hier noch ein bisschen Glitzer.
00:39:32
Speaker
Und also das ist so eine Grundhaltung, glaube ich.
00:39:36
Speaker
Und mir sind schon viele Leute begegnet, die in diesem, ah ja, das war doch bisher alles cool so und lass uns doch so weitermachen.
00:39:44
Speaker
Und ich glaube, da und da, wenn alle so wären, hätten wir heute ein Problem.
00:39:47
Speaker
Das war vielleicht...
00:39:49
Speaker
War das lange Jahre okay.
00:39:51
Speaker
Ich glaube, da haben sich auch die Uhren ein bisschen langsamer gedreht in den letzten Generationen.
00:39:54
Speaker
Aber ich glaube, heutzutage reicht es einfach nicht mehr.
00:39:57
Speaker
Die Herausforderungen, die wir haben, da müssen wir wirklich echt uns immer sehr, sehr ernst in die Augen schauen und schauen, funktioniert das noch so?
00:40:03
Speaker
Können wir was besser machen?
00:40:05
Speaker
Müssen wir was besser machen?
00:40:06
Speaker
Und ja, das möchte ich gerne, dass jeder so ein bisschen das im Hinterkopf hat.
00:40:12
Speaker
Wenn er so eine Aufgabe hat, ja, okay, das wird von mir erwartet, aber was wäre denn, wenn wir jetzt da noch dran denken und hier noch dran denken?
00:40:18
Speaker
Und so, das finde ich, glaube ich, einen guten… Das ist ein schöner Appell.
00:40:23
Speaker
Den kann man auch sehr gut zusammenfassen.
00:40:24
Speaker
Ich will den Ort schöner verlassen, als ich ihn vorgekunden habe.
00:40:27
Speaker
Ja, darauf kann man es runterbrechen.
00:40:29
Speaker
Ja, wenn das dein Anspruch ist, dann, glaube ich, kann es nur erfolgreich werden.
00:40:34
Speaker
Ja, wenn alle das machen, dann, glaube ich, haben wir viele Probleme nicht, die wir aktuell haben.
00:40:38
Speaker
Ja, ja.
00:40:39
Speaker
Ja, ich danke dir.
00:40:40
Speaker
Gerne.
00:40:41
Speaker
Es war eine schöne Folge mit viel, viel Inhalt.
00:40:44
Speaker
Und genau.
00:40:47
Speaker
Bis bald.
00:40:48
Speaker
Ja, bis bald.
00:40:49
Speaker
Ciao.
00:40:51
Speaker
Wie stehst du zu diesem Thema?
00:40:53
Speaker
Schreib es uns gerne in die Kommentare.
00:40:55
Speaker
Ich hoffe, du konntest was für dich mitnehmen und vielleicht sehen wir uns ja mal bei einem unserer Workshops.
00:41:00
Speaker
Bis zum nächsten Mal.
00:41:01
Speaker
Deine Karin.