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18 | Jürgen Becker – 40 Jahre Hörakustik mit echter Leidenschaft (Teil 1) image

18 | Jürgen Becker – 40 Jahre Hörakustik mit echter Leidenschaft (Teil 1)

S1 E18 · Akustik Impulse
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52 Plays8 months ago

In dieser Folge ist Jürgen Becker zu Gast, ein echtes Urgestein der Hörakustik. Seit 1980 in der Branche, seit 1993 selbstständig, betreibt er heute vier Fachgeschäfte und ist darüber hinaus als überbetrieblicher Dozent aktiv.

Mit Gabor und Klaus spricht er über seine Anfänge in der Branche, die Zeit vor dem Internet, seine ersten Anpassungen mit dem Schraubenzieher und darüber, was sich bis heute nicht verändert hat: der Schlüssel zur Kundenzufriedenheit.

Themen dieser Folge:

  • Wie Jürgen 1980 in den Beruf fand
  • Selbstständig seit 1993 und wie es damals war, ein eigenes Geschäft zu eröffnen
  • Warum gute Kontakte zu HNO-Ärzten früher der Erfolgsfaktor Nr. 1 waren
  • Die Hörgeräteversorgung vor der Digitalisierung zwischen Muster 15 und Faxgerät
  • Was sich in 40 Jahren verändert hat und was gleich geblieben ist
  • Warum Tragedauer wichtiger ist als Technik
  • Persönliche Betreuung als Erfolgsrezept damals wie heute

„Die Geräte waren einfach, aber die Kunden waren trotzdem zufrieden. Entscheidend war immer, dass sie die Geräte wirklich tragen.“

proabo.com
agentur-tielesch.de
akustik-pioniere.de

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Transcript

Einführung in den Akustikimpulse Podcast

00:00:02
Speaker
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Akustikimpulse, dem Podcast mit dem Rundumblick in die Branche, damit du am Zahn der Zeit bist, wenn es darum geht, dein Geschäft erfolgreich und sorgenfrei zu führen.
00:00:16
Speaker
Und hier mindestens einer deiner Hosts, Gabor Kartei und Klaus Thielisch.

Vorstellung der Moderatoren und des Gastes

00:00:22
Speaker
Einen wunderschönen guten Tag an alle Zuhörer und Zuhörerinnen und natürlich auch an den Klaus, der wieder mit dabei ist.
00:00:30
Speaker
Guten Tag.
00:00:31
Speaker
Guten Tag.
00:00:32
Speaker
Auch heute haben wir wieder einen Gast mit dabei und zwar den Jürgen Becker, den wahrscheinlich einige schon irgendwie kennen, mal vielleicht etwas von ihm gelesen haben.
00:00:43
Speaker
Ja, auch mal ein herzliches Hallo an dich.
00:00:45
Speaker
Hallo, Graboa.
00:00:47
Speaker
Wir haben uns letztes Jahr auf der Euha ganz, ganz kurz einmal gesehen.
00:00:53
Speaker
Da bin ich auch im Klaus quasi über die Euha getingelt und da haben wir uns auch mal ganz kurz getroffen.
00:01:00
Speaker
Aber so richtig viel weiß ich von dir nicht und wir beginnen ja meistens dann quasi hier im Podcast damit, dass sich unsere Gäste ein wenig

Jürgen Beckers Weg in der Akustikbranche

00:01:09
Speaker
umsetzen.
00:01:09
Speaker
vorstellen und Klaus hat das im Vorgespräch auch schon mal so gesagt.
00:01:14
Speaker
Ja, uns ist wichtig, dass die Gäste wissen, mit wem haben wir uns hier zu tun und stell dich doch gerne mal vor, so wie du zur Akustik gekommen bist und ja, so ein bisschen so dein Werdegang und was du dann auch heute machst.
00:01:27
Speaker
Ja, hallo, also ich bin seit 1980 in der Akustik tätig, ununterbrochen.
00:01:34
Speaker
Wow.
00:01:38
Speaker
weil mein Ausbilder damals bei Herbert Bonzel, den kennen eventuell einige noch, war der Sohn des Cousins meiner Mutter.
00:01:50
Speaker
Und da konnte ich dann quasi in die Akustik reinschnuppern und bin dann in der Akustik auch hängen geblieben, weil mir der Beruf sehr viel Spaß gemacht hat.
00:02:02
Speaker
Habe dann meine Lehre bei Hörgeräte Bonzel durchgeführt
00:02:07
Speaker
Bin erfolgreich einmal durch die Gesellenprüfungen gefallen, was eigentlich nicht so schlimm ist.
00:02:12
Speaker
Das passiert halt im Leben.
00:02:14
Speaker
Man muss auch mal scheitern können.
00:02:16
Speaker
Habe dann meine Gesellenzeit bei Bonzel verbracht.
00:02:20
Speaker
Bin 1988 zur Meisterschule nach Lübeck gegangen und 1989 habe ich dann meinen Meisterbrief erhalten.

Gründung und Wachstum von Jürgens Unternehmen

00:02:29
Speaker
Bin seitdem tätig in Leitender Position.
00:02:32
Speaker
1993 habe ich dann mein Unternehmen, die Hörgerätefachberatung Becker, gegründet.
00:02:38
Speaker
die bis heute besteht.
00:02:40
Speaker
Ich bin jetzt, stand jetzt, überbetrieblicher Gastdozent an der Akademie, Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss und habe viel Freude in unserem Beruf, weil es ein sehr, sehr vielfältiger Beruf ist, der mir sehr, sehr viel gibt.
00:03:00
Speaker
Okay, also ja, du warst schon tätig in Akustik, bevor es mich gab.
00:03:06
Speaker
Wahrscheinlich bevor ich geplant war.
00:03:12
Speaker
Könnte ganz, ganz viel schon in der Zeit irgendwie fragen.
00:03:15
Speaker
Was mich gerade, was gerade bei mir so aufkommt, 93 quasi selbstständig gemacht.
00:03:22
Speaker
Wir haben es meistens oder so in letzter Zeit mit vielen Leuten zu tun, die sich halt irgendwie so entweder erst kürzlich
00:03:29
Speaker
vor drei, vier Jahren selbstständig gemacht haben oder dann wenigstens irgendwie so in den 2000ern.
00:03:34
Speaker
2010 ist ja auch schon ein gutes Stück her.
00:03:38
Speaker
Wie war das denn damals, sich selbstständig zu machen?
00:03:42
Speaker
Ja, also damals war erst mal die Frage, gehe ich in ein Einzelunternehmen oder in eine GmbH?
00:03:47
Speaker
Ich habe den Stand für die GmbH entschieden.
00:03:50
Speaker
Bin quasi dann mit der Gründung in Rüsselsheim in mein erstes Geschäft gegangen.
00:03:58
Speaker
das relativ schnell sehr gut lief, habe dann eine zweite Filiale aufgemacht und so hat sich das langsam entwickelt.
00:04:05
Speaker
Mein ältester Mitarbeiter, ein Meister, der ist jetzt 50, das war mein erster Lehrling, der hat, glaube ich, 1994 bei mir angefangen.
00:04:15
Speaker
Der ist auch schon ewig dabei und es war so ein dynamischer Prozess.
00:04:20
Speaker
Am Anfang geht man natürlich mit einer Euphorie rein und wenn man dann sieht,
00:04:23
Speaker
Es ist erfolgreich, dann versucht man auch Veränderungen zu machen, eventuell zu filialisieren.
00:04:29
Speaker
Insgesamt bin ich immer mal mit einer Filiale mehr, mit einer Filiale weniger jetzt bei vier Filialen gelandet.
00:04:38
Speaker
Und der Prozess an sich des Selbstständigmachens, den habe ich gar nicht so schlimm empfunden, weil ich glaube, bei uns in der Branche ist es noch damals relativ entspannt gewesen.
00:04:49
Speaker
Man brauchte eine gute räumliche Ausstattung.
00:04:53
Speaker
Und halt eben ein Meister, aber im Gegensatz zu anderen Handwerken, wo viele Angebote erstellt werden und, und, und.
00:05:00
Speaker
Das war bei uns damals nicht.
00:05:02
Speaker
Wir haben ein Muster 15 vom Arzt bekommen und das war unsere Versorgungsgrundlage.

Veränderungen in der Akustikindustrie

00:05:08
Speaker
Und somit hatten wir eigentlich den sehr engen Kontakt zu Ohrenärzten und haben da eigentlich relativ gut was aufbauen können, wenn wir den Kontakt zu den Ohrenärzten richtig gepflegt haben.
00:05:22
Speaker
Ja, na gut, generell Netzwerkpflege, auch das hatten wir kurz im Vorgespräch, ist super, super wichtig.
00:05:27
Speaker
Und ja, es haben sich aber ganz, ganz sicher viele, viele Sachen verändert, seit 1993.
00:05:39
Speaker
Was würdest du denn heute komplett anders machen, wenn du sagen würdest, du würdest heute komplett neu starten?
00:05:46
Speaker
Das ist schwierig.
00:05:49
Speaker
weil damals ganz andere Voraussetzungen waren.
00:05:51
Speaker
Wir hatten noch ganz andere Vertragspreislisten.
00:05:54
Speaker
Wir hatten ein ganz anderes Versorgungssystem.
00:05:58
Speaker
Es war eigentlich damals gerade der Umschwung von monauraler Versorgung in binauraler Versorgung.
00:06:06
Speaker
Es war noch eine analoge Technik, die wir angepasst hatten mit Schraubendreher an einem kleinen Podi, wo wir die Eigenschaften vom Hörgerät eingestellt haben.
00:06:17
Speaker
Anders machen als Unternehmer wüsste ich nicht, weil ich war erfolgreich.
00:06:22
Speaker
Warum sollte ich jetzt was anderes machen, das damals erfolgreich war?
00:06:27
Speaker
Also für mich war wichtig die Nähe zum Kunden, die Nähe zu meinen Auftraggebern, weil heutzutage hat sich das geändert.
00:06:36
Speaker
Heute ist häufiger der Kunde der Auftraggeber und nicht mehr
00:06:41
Speaker
Primär der HNO-Arzt, der zwar in der Erstversorgung an uns verweist oder nicht verweist, also der die Erstversorgung begleiten muss.
00:06:51
Speaker
Und die Folgeversorgung ist frei.
00:06:53
Speaker
Früher war es noch so, dass auch die Folgeversorgung Rezept bewährt war.
00:06:57
Speaker
Also wir mussten zwingend in Muster 15 auch für die Folgeversorgung nachweisen, sodass der Versorgungsvorgang, auch der Wiederversorgungsvorgang deutlich stärker
00:07:08
Speaker
komplizierter war, weil es hing immer davon ab, ob der Arzt seine Zustimmung gegeben hat oder nicht.
00:07:14
Speaker
Und da haben die Unternehmer heute sehr, sehr viel mehr Freiheit.
00:07:19
Speaker
Wichtig ist es, die ersten sechs Jahre zu überleben, weil die Folgeversorgung, die sichern eigentlich auch den geschäftlichen Erfolg.
00:07:26
Speaker
Ja, sicherlich.
00:07:27
Speaker
Also gerade, das ist ja ganz egal in welcher Branche, wenn man schon einen Kunden hat, der einen Bedarf wiederhaben wird, ja, den wieder als Kunden zu bekommen, ist natürlich viel einfacher, als einen ganz neuen Kunden zu erhalten.
00:07:46
Speaker
Und ja, dann haben wir wieder das Thema Netzwerk oder Kontaktpflege.
00:07:49
Speaker
Wenn das eben gut läuft, dann passt das.
00:07:52
Speaker
Ja, damals, ja, E-Mail und Co.
00:07:56
Speaker
war in den Startlöchern, aber gerade in dem Klientel, glaube ich, noch nicht wirklich vorhanden, oder?
00:08:01
Speaker
Ehe ich mich da?
00:08:02
Speaker
Also 1993 war E-Mail noch weit, weit weg.
00:08:06
Speaker
Internet war noch weit, weit weg.
00:08:08
Speaker
Wir reden hier von einem Zeitraum von über 30 Jahren.
00:08:12
Speaker
Also,
00:08:13
Speaker
Da waren wir froh, dass wir ein Faxmodem hatten.
00:08:19
Speaker
Das war noch ganz was Neues.
00:08:21
Speaker
Bildschirmtext kam, das sagt wahrscheinlich den Jüngeren überhaupt nichts, aber Bildschirmtext war ein Kommunikationsmedium, was damals irgendwo eine Eingabe über eine Tastatur in ein Übertragungsmedium ermöglicht hat, aber das war alles noch sehr, sehr weit entfernt.
00:08:39
Speaker
Also die Kommunikation, die lief über Briefe, über individuelle Anschreiben.
00:08:44
Speaker
Wir haben damals auch einen Online-Shop gegründet.
00:08:48
Speaker
Wir haben damals teilweise 5.000, 6.000, 7.000 Briefe in Filialen kuvertiert, die alle händisch ausgedruckt wurden und dann auch händisch gefaltet wurden und ein Kuvertier zur Post gebracht wurden.
00:09:04
Speaker
Also das war schon eine sehr, sehr
00:09:08
Speaker
Aufwendige Aktion, da haben wir heute ganz andere Medien, um unsere Kunden zu erreichen.
00:09:13
Speaker
Aber auch damals wie heute, egal welches Medium man verwendet, die Kundenbindung, die persönliche Ansprache, die ist immer ganz wichtig, weil unser Kunde ist ein etwas besonderer Kunde und der will auch gerade eine persönliche Ansprache haben.
00:09:30
Speaker
Der möchte möglichst den gleichen Mitarbeiter haben, von dem er betreut wird.
00:09:35
Speaker
Ähnlich wie bei uns, wenn wir in eine Gemeinschaftspraxis beim Arzt gehen, möchten wir ja auch nicht ständig zum anderen Arzt gehen in der Gemeinschaftspraxis, sondern wir haben Vertrauen zu einer Person aufgenommen und die wollen wir dann auch weiter, dass die uns betreut.
00:09:50
Speaker
Das ist also auch wichtig, schon damals gewesen.
00:09:53
Speaker
Und das hat uns auch damals schon, damals fing es an, dass die Ketten sich so entwickelt haben,
00:10:00
Speaker
Und damals war das schon ein Thema, dass der gleiche Mitarbeiter längerfristig in einem Unternehmen zur Verfügung steht.
00:10:07
Speaker
Ja.
00:10:09
Speaker
Absolut, also das kann ich nur bestätigen.
00:10:11
Speaker
Es gibt viele Dinge, die haben sich im Laufe der, ja gut, wenn man jetzt mal von deiner Ausbildung 1980 mal loslegt, also in diesen 45 Jahren haben sich manche Dinge nicht verändert, aber es haben sich auch extrem viele Dinge wahnsinnig verändert.
00:10:23
Speaker
Mich würde mal interessieren, weil ich bin 1993 in die Akustik eingestiegen, das war zum Zeitpunkt deiner Gründung, aber die Zeit davor ist für mich so ein schwarzes Loch,
00:10:32
Speaker
Erzähl doch mal ein bisschen, was hat sich denn verändert in Sachen Ladenausstattung, Technik und solche Dinge?
00:10:38
Speaker
Weil ich glaube, viele können sich nicht vorstellen, wie vielleicht 1980 so Hörgeräte-Läden ausgesehen haben und wie vielleicht auch die Shop-Ausstattung etc.
00:10:46
Speaker
war.
00:10:47
Speaker
Also ich sage mal so, zuerst mal die Erfassung des Hörvermögens ist gleich geblieben.

Technologische Evolution: Analog zu Digital

00:10:54
Speaker
Also wir haben damals schon Ton-Audio, Sprach-Audio, Husschwelle, Knochenleitung, alles gemessen.
00:11:00
Speaker
Die
00:11:02
Speaker
Eigentlich, Hörgeräteversorgung sollte über die Einstellungen über eine Messbox erfolgen.
00:11:07
Speaker
In aller Regel im Laden hat die Messbox schön prominent irgendwo gestanden, dass jeder sie sehen kann.
00:11:12
Speaker
Und da hat eine schöne Pflanze drauf gestanden, weil die nie verwendet wurden.
00:11:17
Speaker
Es wurde eigentlich über den Daumen eingestellt.
00:11:20
Speaker
Wir hatten aber auch nicht die Einstellmöglichkeiten wie heute.
00:11:24
Speaker
Wir haben drei Trimmer gehabt.
00:11:26
Speaker
Also das sind quasi die Einstellpotentiometer.
00:11:30
Speaker
an denen wir schrauben konnten.
00:11:32
Speaker
Das war einmal eine Klangblende, die passiv war, die 3 dB im Maximum in Tiefen, Plus und Minus war.
00:11:39
Speaker
Dann hatten wir entweder eine AGCO oder eine AGCI, wo wir einen Einstellpunkt einstellen mussten.
00:11:47
Speaker
Damals gab es ein Gerät von Siemens, das war der Vorgänger von Signia, das war das 24 pp AGCI.
00:11:53
Speaker
Und da hat die Industrie erkannt, dass wenn die AGC in der Voreinstellung auf 75 dB liegt,
00:12:00
Speaker
AGCI steht, dass dann die besten Erfolge am Kunden auch zu erreichen sind, ohne dass der Akustiker groß manipulieren muss.
00:12:10
Speaker
Dann hatten wir noch eine PC, um den maximalen Ausgangsschalldruckpegel zu begrenzen und das war es.
00:12:17
Speaker
Was aber ganz wichtig war, also wir haben das sehr individuell eingestellt, wir hatten auch nicht die Bandbreite an Einstellungsmöglichkeiten.
00:12:26
Speaker
Heute kann man jeden Kanal sehr gut einstellen, man kann die
00:12:31
Speaker
Gain sehr gut einstellen, also die Verstärkung, also die Verstärkungsreserve ist bei uns sehr hoch, die kann auch sehr gut limitiert werden.
00:12:38
Speaker
Das gab es früher alles nicht.
00:12:39
Speaker
Früher gab es für jede Verstärkungsstufe 30, 40, 50 dB ein eigenes Gerät, das man halt einstellen musste.
00:12:48
Speaker
Was sich aber auf keinen Fall geändert hat, ist, dass die Kundenzufriedenheit an der Tragedauer festgemacht werden kann.
00:12:58
Speaker
Weil wir hatten damals schon sehr zufriedene Kunden und rückblickend muss ich sagen, auch mit einer ganz einfachen Technik, haben die Kunden, die das Gerät von morgens bis abends getragen haben, die größten Erfolge haben.
00:13:11
Speaker
Die haben auch gesagt, ich möchte auf das Gerät nicht verzichten, wie es heute auch ist.
00:13:15
Speaker
Geräte, die damals in der Schublade gelandet sind, waren die Kunden zufrieden und das ist heute genauso.
00:13:20
Speaker
Also da hat sich überhaupt keine Veränderungen gemacht.

Kundenbindung und Service in der Hörgerätebranche

00:13:23
Speaker
Der Schlüssel für eine erfolgreiche Hörgeräteversorgung ist heute zwar eine komfortable Technik,
00:13:29
Speaker
Aber das ist nicht der Schlüssel.
00:13:30
Speaker
Der Schlüssel ist die Tragedauer des Kunden.
00:13:33
Speaker
Wenn der Kunde damals in den 80er Jahren in meiner Lehre, wenn der von morgens bis abends, ich habe es nur noch so ein, zwei Leute im Kopf, die waren top zufrieden, die haben das Gerät, sehr einfache Geräte von der Technik, linear verstärkend, mit ganz wenig Korrekturmöglichkeiten durch uns und die waren hoch zufrieden und haben auch höher Erfolge in schwierigen Situationen gehabt, trotz
00:13:57
Speaker
fehlen von den ganzen Funktionen, die wir heute kennen, Störgeräuschunterdrückung.
00:14:02
Speaker
Das gab es früher gar nicht.
00:14:03
Speaker
Es gab gar Impulsschallunterdrückung.
00:14:05
Speaker
Gut, das war die PC, die hat einfach das Signal abgeschnitten.
00:14:09
Speaker
Aber früher gab es die ganzen Komfortfunktionen, die heute selbstverständlich sind, überhaupt nicht.
00:14:14
Speaker
Der erste Schritt, der sich verändert hat von der analogen Technik, war kurz nach meiner Meisterprüfung, da wurden die Geräte digital einstellbar.
00:14:22
Speaker
Und dann konnte man über
00:14:24
Speaker
Ein digitales Medium, damals war noch nicht der PC, da hatten wir eine Programmiereinheit.
00:14:29
Speaker
Die erste Programmiereinheit war die Fox-Einheit.
00:14:33
Speaker
Dann hat die Siemens-Gruppe mit dem PMC Programmable Multichannel, also quasi die ersten Schritte in Richtung Mehrkanalität,
00:14:47
Speaker
eingeführt und so hat sich das langsam entwickelt, bis dann die ersten PC-Programme, da gab es NOAA noch nicht, da war das alles noch nicht standardisiert, dann musste man PC-Programme installieren, hatte für jedes Hörgerät ein anderes Kabel.
00:15:02
Speaker
Ältere Akustiker können sich noch schön an die Kabelbäume, die man in der Anpasskabine hatte, erinnern, wo jeder Hersteller mindestens drei, vier Kabel zur Verfügung hatte und wir mussten das ja dann auch beidohrisch
00:15:18
Speaker
Also das war schon spannend und das hat sich immer mehr verfeinert und heutzutage die Komfort-Elemente, die wir heute kennen, die waren damals völlig unbekannt.
00:15:30
Speaker
Das war also quasi Science-Fiction damals.
00:15:33
Speaker
Hätte niemand geglaubt, dass man ein Hörgerät automatisch ein Störgeräusch erkennen kann und das reduzieren kann.
00:15:39
Speaker
Das war unglaublich.
00:15:40
Speaker
Undenkbar.
00:16:06
Speaker
Es kommt auf den Kern drauf an, wie man auf den Kunden eingeht und auch heute noch, das weiß sogar ich als Außenseiter außerhalb der Branche, es ist wichtig, wie man mit den Kunden spricht, wie man sie nicht davon überzeugt, aber einfach ihnen klar macht, okay,
00:16:25
Speaker
Du hast nun mal ein Thema mit den Ohren und du kannst etwas dafür tun, damit das besser wird.
00:16:30
Speaker
Ja, das Hörgerät hilft dabei, aber das Bewusstsein dafür, das schaffst ja alles du.
00:16:35
Speaker
Und je länger du es trägst, desto mehr können auch die Hörgeräte deinem Hirn helfen, die ganzen Sachen wieder zu verarbeiten.
00:16:45
Speaker
Und dadurch wird es besser.
00:16:47
Speaker
Und ja, ein menschliches Gehirn, auch wenn man sagt, durch Evolution und Co.
00:16:52
Speaker
verändert sich das.
00:16:53
Speaker
Ich glaube aber im Kern, wenn wir jetzt diese 30 Jahre nehmen als Zeitspanne, hat sich das nicht großartig verändert.
00:17:00
Speaker
Nur das, was von außen kommt, also Medien und Co.
00:17:03
Speaker
und die ganzen Eindrücke von Umwelt und so weiter und so fort.
00:17:08
Speaker
Oder vielleicht auch noch ein bisschen Strahlung etc., wenn man darauf sogar hinaus will.
00:17:12
Speaker
Das hat sich verändert.
00:17:13
Speaker
Aber ich denke mal, der Kern eines Hirns ist mehr oder weniger gleich und deswegen galten damals auch schon die gleichen Regeln wie heute.
00:17:23
Speaker
Und das ist schön, dass du das damals auch schon erkannt hast und du hattest auch schon das Thema von Ketten angesprochen, wo man dann vielleicht doch immer wieder mal einen anderen Ansprechpartner hat.
00:17:34
Speaker
Und ja, das war damals wie heute so.
00:17:37
Speaker
Man möchte mit den Menschen, mit denen man ein Vertrauen schon aufgebaut hat, am besten da anknüpfen, anstatt wieder von Neuem zu starten und sozusagen den Lernzettel erneut ausfüllen zu müssen.
00:17:49
Speaker
Darf ich kurz eine Bemerkung zu deiner Evolution?
00:17:52
Speaker
Sehr, sehr gerne.
00:17:54
Speaker
Also ich kenne keinen Prozess in der Evolutionsgeschichte, der eine prägnante Veränderung innerhalb von 30, 40, 50 Jahren hat.
00:18:03
Speaker
hinbekommen hat.
00:18:04
Speaker
Die Evolution ist ein sehr, sehr langsam, behäbig dahindampfendes Schiff, das, wenn sich was verändern soll, sehr, sehr viel Zeit benötigt, um eine Struktur im menschlichen Aufbau zu verändern.
00:18:20
Speaker
Und in 30 Jahren ist für die Evolution noch nicht mal eine Zehntelsekunde.
00:18:26
Speaker
Richtig.
00:18:26
Speaker
Und die Evolution braucht ein Jahr.
00:18:29
Speaker
Also
00:18:30
Speaker
Das ist ganz klar, also da haben sich die Strukturen nicht geändert.
00:18:34
Speaker
Also das ist alles sehr, sehr gleich geblieben.
00:18:38
Speaker
Das wäre auch komisch, wenn sich ein Mensch innerhalb von 30 Jahren komplett ändern könnte.
00:18:44
Speaker
Dann würde er auch wahrscheinlich nicht überlebensfähig sein, weil auch gerade die Beständigkeit ja auch eine Überlebensfähigkeit sichert, weil die Beständigkeit ja Evolutionsprozesse integriert sind, die halt das Überleben auch sichern.
00:19:00
Speaker
Ja, da stimme ich dir auf jeden Fall zu, definitiv.
00:19:03
Speaker
Hab ich auch schon so weit angekündigt.
00:19:06
Speaker
Ja, Klaus, du atmest schon ein bisschen, als würdest du was fragen wollen.
00:19:10
Speaker
Ja, also ich hab das schon ein bisschen mitnotiert und ich find's spannend, dass es eben noch viele Parallelen gibt, die einfach wohl in unserer Branche unverrückbar sind und trotzdem hat sich natürlich unheimlich viel getan,
00:19:19
Speaker
Ich würde mal ganz gerne wissen von dir, Jürgen, wie haben denn die Läden ausgesehen?

Anekdoten aus Jürgens frühen Tagen in der Branche

00:19:23
Speaker
Irgendwie hat man immer wieder mal so Geschichten, dass sie eher in Hinterhöfen waren, keine Schaufenster, sondern eher so versteckt.
00:19:29
Speaker
Man hat gehört, dass früher auch in den Läden geraucht wurde und all solche Dinge.
00:19:33
Speaker
Hast du da noch eine Anekdote zu erzählen, dass wir uns das Bild nicht vorstellen können?
00:19:37
Speaker
Kann ich wirklich, also geraucht wurde regelmäßig.
00:19:42
Speaker
Also wir hatten...
00:19:44
Speaker
Drei Raucher in meinem Ausbildungsbetrieb und es war also auch Gang und Gebe und die Kunden haben auch während der Messung oder während dem Anpassprozess geraucht.
00:19:54
Speaker
Das Einzige, was nicht so gern gesehen war, wenn jemand Zigarre geraucht hat, weil das doch ein sehr, sehr schwerer Geruch war.
00:20:00
Speaker
Aber im Grunde genommen war das völlig normal, dass geraucht wurde in Läden, dass die Einrichtung, ja, also
00:20:10
Speaker
Die Einrichtung, würde ich sagen, die war zeitgemäß.
00:20:12
Speaker
Die war für die damalige Zeit modern, wenn wir sie heute sehen, sagen wir auch wie Altbacken.
00:20:17
Speaker
Aber das war halt zeitgemäß.
00:20:19
Speaker
Man hat auch damals schon versucht, den Kunden so abzuholen, dass er einen gewissen Wohlfühlfaktor hat.
00:20:26
Speaker
Auch wenn wir irgendwie eine Aktion hatten, hatten wir immer Sekt, eine Anekdote war, die erzählt mein Meister heute noch.
00:20:36
Speaker
Wie gesagt, der Meister, mit dem ich quasi
00:20:39
Speaker
die Firma groß gemacht habe.
00:20:41
Speaker
Eine Kundin kam zu einem Servicetermin und wir hatten Sekt und die wollte eigentlich keinen Sekt trinken und hat dann einen Sekt getrunken.
00:20:50
Speaker
Ach ja, ist ja sehr schön, dann kann ich ja noch einen trinken.
00:20:54
Speaker
Ich hatte drei Sekt getrunken und hat auf einmal zu singen angefangen.
00:20:59
Speaker
Und eine Woche später kam es, mir ging es so schlecht, nachdem ich bei Ihnen zum Service war.
00:21:05
Speaker
Hat sich wirklich abgeschossen.
00:21:07
Speaker
Hat gesungen und bei den nächsten Inspektionen, es war eine treue Kundin, bei den nächsten Inspektionen, die wir eingeladen haben, wie gesagt, damals per Brief kamen sie immer, ich trinke aber keinen Sekt, ich möchte das nicht, also bitte, bitte, überreden Sie mich nicht.
00:21:23
Speaker
Das ist so eine Anekdote, die bleibt hängen.
00:21:26
Speaker
Und meine erste Einrichtung war von Ikea.
00:21:32
Speaker
Aber die war sehr funktionell, die war schön, die war
00:21:36
Speaker
Wie gesagt, damals zeitgemäß, ich fand die Ladeneinrichtungen sehr gelungen.
00:21:41
Speaker
Die Kunden haben sich wohl gefühlt.
00:21:42
Speaker
Also dass es nur in Hinterhöfen war, ist nicht.
00:21:45
Speaker
Ich hatte bei meinem ersten Laden riesen Schaufenster.
00:21:48
Speaker
Ich kann mich damals noch erinnern, da habe ich einen Schaufensterdekorateur gewechselt, der das erste Mal keine Dekoration von der Stange gemacht hat, sondern uns ein
00:22:02
Speaker
Eigenes Thema damals, Siemens Music, das war ein Hörgerät, das ist zweikanalisch, ist bei uns gelaufen wie geschnitten Brot.
00:22:11
Speaker
Und der hat uns ein Schaufenster individuell auf das Thema hergestellt und hat das dann auch dekoriert.
00:22:20
Speaker
Und das waren halt schon Hingucker, die Schaufenster, die wir damals hatten.
00:22:24
Speaker
Auch damals ging es darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
00:22:29
Speaker
und sich von Mitbewerbern abzugrenzen.
00:22:34
Speaker
Ein Beispiel damals, also in Mainz, als ich gelernt habe, da gab es drei Hörakustiker für 200.000 Einwohner.
00:22:45
Speaker
Und das Umfeld war also nicht, das ganze Hinterland war nicht mit Akustikern versorgt.
00:22:52
Speaker
Der nächste war in Alzheim, beziehungsweise in Worms.
00:22:55
Speaker
Und das ganze Hinterland war nicht,
00:22:57
Speaker
quasi unversorgt.
00:22:58
Speaker
Die mussten alle entweder nach Mainz oder Altsai-Worms fahren.
00:23:02
Speaker
Und heute sind wir, das ganze Umfeld ist mit Akustikern zugepflastert und wir sind in Mainz 14 Akustiker.
00:23:08
Speaker
Also der Wettbewerbsdruck hat sich also deutlich erhöht.
00:23:12
Speaker
Ja, absolut.
00:23:13
Speaker
Hochspannend.
00:23:15
Speaker
Ich sehe einfach so für mich gerade und da auch schon mal vielen Dank im Voraus, dass sich unsere grundsätzliche Tätigkeit und unsere Herausforderungen eigentlich gleich geblieben sind.

Effektivität und Tragegewohnheiten von Hörgeräten

00:23:25
Speaker
Die Kunden wünschen sich eine persönliche individuelle Betreuung und für mich ein ganz, ganz wichtiges Ding, was man wirklich auch nochmal mitgeben kann.
00:23:33
Speaker
Ich hatte in den letzten zwei Wochen circa 80 Endkunden vor mir sitzen und habe Servicetage gemacht.
00:23:38
Speaker
Und ich kann genau das unterstreichen, was du gesagt hast, die Tragedauer ist der entscheidende Erfolgsfaktor.
00:23:44
Speaker
Weil immer, wenn ich das zuerst abfrage, jetzt mal ganz ehrlich, wie oft tragen wir das Gerät für Stunden im Durchschnitt, wenn da eine große Zahl kommt, habe ich danach sehr, sehr viele Erfolgsgeschichten und wenn eine kleine Zahl kommt, dann sind die Leute nur am Meckern.
00:23:56
Speaker
Und das kann man, glaube ich, mit rausgeben, dass es so der Schlüssel zum Erfolg ist, zu gucken, dass wir die Motivation bei den Leuten hinbekommen, dass sie die Geräte wirklich regelmäßig und über viele, viele Stunden tragen.
00:24:08
Speaker
Weil wenn man den Punkt einmal überschritten hat, dann hat man am Ende immer wieder die Aussage, ja, ich möchte mein Hörgerät nicht mehr missen.
00:24:14
Speaker
Und das ist eigentlich, glaube ich, das größte Ziel.
00:24:16
Speaker
Klaus, und da muss ich auch reingrätschen direkt, weil viele vergessen, dass wir der Fachmann sind.
00:24:26
Speaker
was sich sehr gut bei mir in der Praxis bewährt hat.
00:24:29
Speaker
Wenn ein Kunde kommt und sagt, ja, mit dem Hören, das klappt nicht und, und, und.
00:24:35
Speaker
Die Frage nach der Tragedauer wird ja auch teilweise nicht ehrlich beantwortet.
00:24:39
Speaker
Dann mal ins Data-Logging reinzuschauen.
00:24:41
Speaker
Und wenn man dann sieht, der Kunde trägt nur ein, zwei Stunden das Hörgerät, nicht hektisch anfangen einzustellen und sagen, ja, wir müssen mal gucken, dass wir die Störgeräusche oder irgendwas machen.
00:24:53
Speaker
sondern auch mal als Fachmann Stellung beziehen, sagen, hören Sie zu, wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, um Ihr Hörgerät einzustellen.
00:25:00
Speaker
Jetzt sehe ich, Sie tragen es nur ein, zwei Stunden.
00:25:03
Speaker
Ich gebe Ihnen jetzt als erste Aufgabe, ich verändere nichts am Hörgerät.
00:25:07
Speaker
Sie tragen es vier Wochen und nach vier Wochen, Sie sehen, ich kann sehen, ob Sie es getragen haben oder nicht, schaue ich mir das an.
00:25:15
Speaker
Erst dann kann ich auch wieder zielgerichtet arbeiten, weil wenn ich jetzt irgendwas verändere, dann verändert sich das Grundproblem nicht.
00:25:23
Speaker
Wenn die Leute das Gerät vier Wochen getragen haben am Stück und man sieht im Data-Logging, dass die sich wirklich auch überwunden haben, vier Wochen lang acht Stunden das Gerät zu tragen, kommen die meisten in den Laden, das ist ja das Erstaunliche, und sagen, ach, wir brauchen nichts mehr umstellen, jetzt funktioniert es viel besser.

Ehrliche Kommunikation mit Kunden

00:25:42
Speaker
Ja, welch Wunder, ne?
00:25:45
Speaker
Wir müssen einfach dem Kunden auch die Leitplanken setzen.
00:25:49
Speaker
Wir dürfen nicht auf jedes kleine Missempfinden sofort reagieren, dass wir sagen, oh, da müssen wir sofort was machen, sondern wir müssen das dem Kunden zielgerichtet erklären, müssen ihm das veranschaulichen, warum das Problem entsteht und warum erstmal der Kunde gefordert ist und nicht wir immer wieder hektisch in der Einstellung was verändern, was im Endeffekt nicht zielführend ist.
00:26:14
Speaker
Ein gutes Problem,
00:26:15
Speaker
Mittel dafür ist auch, wenn wir nach der Messung, also wenn wir das Hörgerät, heutzutage wird es ja schön mit Perzentile eingestellt, sollte nicht mit QuickFit, wenn wir dann eine Freifeldmessung machen und unser DB-Opt erreichen, dann können wir dem Kunden sagen, hör zu, deine maximale Leistung ist mit dem Hörgerät möglich.
00:26:34
Speaker
Wenn du jetzt eine Veränderung subjektiv möchtest, weil du den Klang noch nicht akzeptieren kannst, weil es dir zu laut ist, zu schrill oder was auch immer, dann nehmen wir von deiner Performance etwas weg.
00:26:46
Speaker
aber wir wissen, gleitend können wir dahin kommen.
00:26:48
Speaker
Und dann wird der Kunde sehr viel zufriedener sein, als wenn wir einfach nur jedes Mal reagieren und sagen, ja, wir müssen verbessern.
00:26:55
Speaker
Und auch mal sagen, dein Gehör ist am Limit.
00:26:59
Speaker
Du wirst mit deiner Behinderung oder mit deiner Einschränkung nie mehr die Performance erreichen, die ein gesunder Mensch erreichen kann.
00:27:08
Speaker
Du musst mit gewissen Kompromissen leben, auch mit dem besten Hörsystem.
00:27:11
Speaker
Und das vermisse ich in der Branche.
00:27:14
Speaker
dass viele, Videx hat früher mal eine Werbung gemacht, hören wie früher, nein, mit Hörgerät hat man trotzdem eine Einschränkung, die durch ein Hilfsmittel sehr, sehr viel besser erträglich wird, die aber ein normales Organisch ersetzen kann.
00:27:27
Speaker
Und das scheuen sich viele zu sagen, um Kunden zu halten.
00:27:31
Speaker
Ich habe da ein Beispiel, ein Kunde kam zu mir, der hatte wirklich einen Hochton-Steilabfall bis zwei Kilohertz und dann war Ende heutzutage eine CI-Versorgung.
00:27:44
Speaker
Der hat einen Akustiker-Hobbing gemacht und der war bei mir.
00:27:46
Speaker
Ich habe mit dem eine Messung gemacht, habe eine Freifeldmessung gemacht.
00:27:49
Speaker
Der konnte 30 Prozent, hat eine Diskrimination von 30 Prozent.
00:27:52
Speaker
Ich habe ihm gesagt, hören Sie zu, ich kann an der Einstellung nichts mehr groß ändern.
00:27:58
Speaker
Ihr Gehör ist kaputt.
00:28:00
Speaker
Punkt.
00:28:01
Speaker
Seien Sie froh, wenn Sie mit dem Gehör zu Hause mit Ihrer Frau noch einigermaßen kommunizieren können, weil mehr gibt das Gehör nicht.
00:28:09
Speaker
Und der Kunde hat angefangen, einen Mann bei mir zu weinen.
00:28:13
Speaker
Und hat gesagt, Sie sind der Erste, der mir mal ein ehrliches Urteil gibt.
00:28:20
Speaker
Die Hoffnung, die ich immer hatte, die ist zermürbend.
00:28:26
Speaker
Wenn ich aber weiß, wie ich damit umgehen muss mit meiner Behinderung, dann kann ich das sehr viel leichter ertragen, als wenn ich immer wieder das Gefühl habe, es hat jemand, der mich versorgt, was Falsches gemacht.
00:28:37
Speaker
Und da müssen wir hin als Fachmänner.
00:28:39
Speaker
Wir sind Fachmänner für die Gesundheit.
00:28:40
Speaker
Da gehören auch unangenehme Nachrichten dazu.
00:28:43
Speaker
Ja, also du sprichst mir komplett aus dem Herzen, weil ich kann das wirklich nur als den Tipp Nummer eins geben, dass wir wirklich sagen, nicht immer nur so schnell und hektisch reagieren, so wie du es auch wunderbar bildlich beschrieben hast, sondern wir müssen die Menschen im Herzen erreichen und auch deren Motivation steigern.
00:29:00
Speaker
Denn ich hatte genau so eine super nette ältere Dame bei mir letzte Woche sitzen, die auch wieder für neue Hörsysteme ansteht, hat aber die Geräte, also wenn es eine Stunde am Tag war, ist viel.
00:29:11
Speaker
Die war wirklich sehr ehrlich und ich habe auch gesagt,
00:29:13
Speaker
Lassen wir uns mal genau darüber sprechen, wie das aussieht.
00:29:16
Speaker
Die hatte Oberklasse-Hörgeräte, würde ich jetzt mal sagen, und wieder die Möglichkeit, über ihre private Krankenversicherung neue Hörsysteme zu bekommen.
00:29:25
Speaker
Das war eigentlich ihre Hoffnung.
00:29:26
Speaker
Ach, jetzt kriege ich neue Hörgeräte und dann wird alles gut, weil die Technik hat sich ja so weiterentwickelt.
00:29:30
Speaker
Ich habe da auch schon im Internet gelesen.
00:29:32
Speaker
Dann bin ich mit ihr auch dann wirklich deutlich ins Gespräch gegangen und habe gesagt, die Hoffnung ist natürlich da und die Technik hat sich auch ohne Frage weiterentwickelt.
00:29:39
Speaker
Aber der Schlüssel zum Erfolg, und da wiederhole ich mich jetzt, ist eben die Tragezeit.
00:29:43
Speaker
Und wir sind dann so verblieben, dass ich mit ihr vereinbart habe, sie soll jetzt vier Wochen ihre Hörgeräte tragen und zwar minimum acht Stunden am Tag.
00:29:51
Speaker
Dann werden wir ihre bewerten Systeme nachjustieren und dann machen wir einen reellen Vergleich mit der neuen Technik.
00:29:57
Speaker
Und ich glaube, das spricht auch genau das an, was du auch forderst, ein Stück weit von der Branche, dass wir da ehrliche Aussagen treffen, denn auch ein neues Hörsystem hätte bei der nichts verändert.
00:30:07
Speaker
Sie hätte ein bisschen größere Erfolge gehabt anhand der Technik, aber die Tragezeit hätte sie nicht verändert und die grundlegende Problematik wäre geblieben.
00:30:14
Speaker
Siehst du das auch so oder habe ich das jetzt irgendwie nicht ganz so wiedergegeben, wie du das?
00:30:19
Speaker
gemeint hast.
00:30:20
Speaker
Nein, da stimmen wir 100 Prozent überein.
00:30:22
Speaker
Das hatte ich ja auch im Vorfeld schon genau so, wie du es jetzt beschrieben hast, erwähnt, weil das ist der Schlüssel.
00:30:29
Speaker
Der Schlüssel ist, dass wir Fachleute sind, dass wir keine Erfüllungshilfen für die Kundenwünsche sind, in Anführungszeichen.
00:30:38
Speaker
Natürlich wollen wir unsere Kundenwünsche berücksichtigen, aber wir sind nicht quasi derjenige, der
00:30:47
Speaker
bedingungslos alle Kundenwünsche erfüllen kann, weil wir die Limitierung in der Behinderung des Hörvermögens haben und wir das auch offen kommunizieren müssen.
00:31:00
Speaker
Auch wenn es manchmal hart ist, weil es ist ja nicht nur für den Betroffenen hart, sondern es ist auch hart für denjenigen, der die unangenehme Nachricht überbringt.
00:31:10
Speaker
Aber wenn
00:31:11
Speaker
Wir werden sehr, sehr viel glaubwürdiger, wenn wir eine ehrliche, offene Kommunikation mit unserem Kunden haben.
00:31:17
Speaker
Und das ist das Vertrauen, was ich eben auch angesprochen habe, in den regelmäßigen Betreuer.
00:31:24
Speaker
Wenn wir einmal so eine Krise, das ist ja eine Krise für den Kunden, wenn er erfährt, er kommt nicht mehr dahin, wo er mal war.
00:31:31
Speaker
Wenn wir die gemeinsam bewältigen, dann wird er immer wieder bei seinem Sachbearbeiter oder bei seinem Hörakustiker beschäftigt.
00:31:41
Speaker
bleiben wollen, weil er hat einmal eine unangenehme Situation mit dem durchlebt und die will man ja nicht nochmal durchleben.
00:31:48
Speaker
Und deshalb ist der Wechsel an Personal auch ein hochgradig problematisches Feld in der Hörakustik, weil wir doch eine sehr, sehr personengebundene Versorgung haben.
00:32:00
Speaker
Und wir haben als Kleinunternehmer, Kleinfilialisten, haben wir gerade das Fund, dass wir eine sehr hohe Mitarbeiterbindung haben
00:32:10
Speaker
Eine geringe Fluktuation und wichtig für uns als Unternehmen ist es auch, unsere Mitarbeiter zu pflegen und unsere Mitarbeiter auch zu halten, um halt eben langfristigen Erfolg am Markt sicherzustellen.
00:32:26
Speaker
Ja, also ich habe jetzt viele, viele Minuten zugehört und zwischendurch auch ein bisschen Gänsehaut bekommen und habe einfach auch gemerkt, wie mich das sogar als komplett Unbeteiligter und auch nur durch eine Geschichte sogar mich irgendwie berührt hat.

Verwaltung von Kundenerwartungen

00:32:43
Speaker
Aber diese Ehrlichkeit macht es dann im Endeffekt auch aus.
00:32:47
Speaker
Ja, dass dann mal ein Vertrauen kommt.
00:32:49
Speaker
Und ich hatte das in einem anderen Kontext, sodass eine Hoffnung zwar irgendwo schön ist und irgendwo gut ist, aber eine Hoffnung kann auch ganz, wie soll ich sagen, so ein bisschen negativ behaftet sein, weil wenn sie wirklich unbegründet ist,
00:33:08
Speaker
dann versuche ich immer wieder, das eigentlich Unmögliche zu erreichen, was rein faktisch so einfach nicht mehr möglich ist.
00:33:19
Speaker
Und dadurch klammere ich mich an etwas, was ich nie erfahren werde und bekomme immer wieder neue Hoffnung und noch mal neue Hoffnung und werde wieder enttäuscht.
00:33:30
Speaker
Aber die Hoffnung, die nicht erfüllt werden kann, wird destruktiv.
00:33:36
Speaker
Richtig.
00:33:37
Speaker
Ganz klar.
00:33:38
Speaker
Die wird dich zermürben, die wird dir Lebensenergie kosten, die wird dir Lebensqualität kosten.
00:33:44
Speaker
Deshalb ist der einmalige Schock, der dich vielleicht 14 Tage in ein tiefes Loch reinbringt, viel heilsamer als immer wieder sich an was festklammern, was nicht erreichbar ist.
00:33:55
Speaker
Das ist richtig.
00:33:56
Speaker
Es geht ja nicht darum, zu hoffen, dass man im Lotto gewinnt, sondern einfach einen ganz, ganz anderen entscheidenden Teil im Leben, der einfach Lebensqualität, du hast es gerade angesprochen, ausmacht.
00:34:08
Speaker
Und ja,
00:34:10
Speaker
Also danke für diese Worte auch.
00:34:13
Speaker
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der ein oder andere Akustiker, der hier eben zuhört, auch nochmal an sich selbst irgendwie denkt und sagt, okay, ja, stimmt, hat er recht und vielleicht selbst nochmal reflektiert, ob er oder sie da einfach doch nochmal ein bisschen ehrlicher sein kann und einfach nochmal mehr sagen kann, okay, komm.
00:34:32
Speaker
So sieht es aus, so sind die Fakten und jetzt schauen wir, dass wir das, was da ist, möglichst gut versorgen mit dem Start einer hohen Tragedauer.
00:34:43
Speaker
Absolut, lieber Gabor.
00:34:44
Speaker
Und das ist genau so.
00:34:45
Speaker
Das Schöne immer auch, deinen Blick von außen dann drauf zu haben.
00:34:48
Speaker
Ich glaube, das ist es und ich glaube, dass sich gerade jeder, der das dann auch hören wird,
00:34:51
Speaker
ein Stück weit auch hinterfragt, ob er das auslebt oder nicht auslebt und das wird doch ein wichtiger Impuls ist, weil es ist so, so wichtig, realistische Ziele zu setzen, weil sonst bleibt das alles beim Wunsch und der Hoffnung.
00:35:05
Speaker
Und auf Wünsche und Hoffnungen kann man nicht aufbauen.
00:35:07
Speaker
Wir müssen realistische Ziele mit dem Kunden erarbeiten, die erreichen und die Ehrlichkeit, das ist es, die erwarten das einfach auch von uns, weil das Thema Fachmann, Fachfrau ist jetzt auch schon x-fach gefallen.
00:35:19
Speaker
Ja, wir sind diejenigen, die einfach aus unserer Erfahrung heraus wissen, was möglich ist und was nicht.
00:35:24
Speaker
Und dann ist auch manchmal das eine unbequeme Wahrheit, aber die müssen wir aussprechen.
00:35:28
Speaker
Weil wenn wir das nicht haben, dann haben wir die Kunden regelmäßig im Laden stehen und immer stellen wir irgendwas nach und versuchen, was zu optimieren, was nicht mehr zu optimieren ist.
00:35:38
Speaker
Vielen Dank dafür, Jürgen.
00:35:39
Speaker
Also da bin ich wirklich dankbar, weil es auch mich nochmal gerade ein Stück weit auch zum Nachdenken gebracht hat, weil das ja auch übertragbar auf andere Dinge im Leben ist.
00:35:47
Speaker
Ja, definitiv.
00:35:48
Speaker
So, jetzt werde ich ja spontan eine Premiere in diesem Podcast

Ankündigung der Zweiteilung der Episode

00:35:55
Speaker
einleiten.
00:35:55
Speaker
Und zwar bestimme ich jetzt in diesem Moment, dass wir das Ganze auf zwei Teile aufteilen.
00:36:01
Speaker
Ja.
00:36:03
Speaker
Wir werden jetzt direkt hier weiter aufnehmen, aber für dich, liebe Zuhörenden oder Zuhörende, wir beenden an dieser Stelle den ersten Teil des Podcasts.
00:36:14
Speaker
Jetzt haben wir quasi über die Vergangenheit geredet, was damals los war und die Sicht von dir, lieber Jürgen, quasi auf die...
00:36:22
Speaker
Ja, auf die Herangehensweise, die sie ja im Grunde gar nicht verändert hat und wir wollen aber im zweiten Teil dann natürlich auch noch auf das Thema eingehen, was du heute mit unter, ich sag mal in Anführungszeichen und sehr vorsichtig nebenher machst, da wirst du uns gleich noch einiges dazu erzählen.
00:36:40
Speaker
Das heißt, wir verabschieden uns kurz einmal hier an dieser Stelle mit dem Hinweis, es wird kommende Woche den zweiten Teil geben.
00:36:47
Speaker
Danke schon mal hier fürs Zuhören an alle, die hier eben zuhören und danke Klaus und Jürgen und wir machen aber gleich weiter.
00:36:55
Speaker
Aber ihr dürft auch einmal kurz Tschüss sagen.
00:36:58
Speaker
Ciao in die Runde, ciao an die Zuhörenden.
00:37:01
Speaker
Ja, auch von mir ein herzliches Tschüss und ich hoffe, ihr erfolgt auf dem zweiten Fall.
00:37:09
Speaker
Da bin ich mir sicher.
00:37:10
Speaker
Also bis zum nächsten Mal.
00:37:11
Speaker
Wir hoffen, du konntest aus dieser Folge etwas für dich mitnehmen.
00:37:15
Speaker
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