Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen, wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt, der Podcast.
Speaker: Wir haben euch heute wieder eine schöne Folge vorbereitet.
Speaker: Jeder, der irgendwie beruflich mit Büchern zu tun hat, der hat das bestimmt schon mal erlebt, dass ihm jemand erzählt hat, oh, ich habe schon so viel erlebt, da müsste man mal ein Buch drüber schreiben.
Speaker: Und andersrum ist es genauso, das kennt ihr auch alle, dass man ein tolles Buch gelesen hat, eine tolle Geschichte und dann fragt man sich, wie ist der Autor oder die Autorin bloß auf diese Idee gekommen?
Speaker: Was für eine Kreativität.
Speaker: Und beide Situationen haben oftmals gemeinsam, dass dem Ganzen also eine reale Geschichte, ein realer Hintergrund zugrunde liegt, der schließlich zu einem Buch führt.
Speaker: Und ein zufälliges Treffen, ein zufälliges Kennenlernen hat uns vor kurzem dazu geführt, dass wir jemanden kennengelernt haben, der uns von dem Buch, der Buchspazierer erzählte und sagte, Mensch, diese ganze Geschichte, damit haben wir relativ viel zu tun.
Speaker: Und das war so eine verrückte Geschichte, dass wir einerseits gesagt haben,
Speaker: Wir reden mal darüber, wie kommen Autoren auf Ideen, wie ist das eigentlich, wenn Büchern ein wahrer Kern zugrunde liegt, was bedeutet das, wo kommt das her, ist das vielleicht dann besonders einfach, braucht man dann nur jemanden, der halbwegs mit Sprache umgehen kann und fertig ist das Buch oder braucht es da ein bisschen mehr?
Speaker: Und zweitens haben wir uns gedacht, Mensch, wir laden uns nicht den Autor ein und der erzählt uns was über das Buch, der Buchspazierer, sondern wir laden uns jemanden ein, der viel mehr mit dieser Geschichte zu tun hat, der nämlich den ganzen Hintergrund mitgebildet hat und uns ganz, ganz viel erzählen kann.
Speaker: Bevor wir den jetzt aber nochmal ausführlich vorstellen, würde ich sagen, quälen wir ihn erstmal mit ein paar entscheide-dich-Fragen.
Speaker: Lieber Martin, wir haben neun schnelle Fragen für dich vorbereitet und das geht zack, zack einfach durch.
Speaker: Du musst ad hoc entscheiden, was ist für dich das bessere Übel.
Speaker: Also, was verwendest du?
Speaker: Lesezeichen oder Eselsohren?
Speaker: Lesezeichen.
Speaker: Was nervt mehr?
Speaker: Kunden, die nach dem blauen Buch fragen oder jemand, der jeden Tag zur Beratung anruft?
Speaker: Jeden Tag zur Beratung finde ich ganz klasse und wer nach einem blauen Buch fragt, ist auch okay.
Speaker: Wir suchen wirklich lange.
Speaker: Was ist mehr überbewertet?
Speaker: Johann Wolfgang von Goethe oder Thomas Mann?
Speaker: Auweia.
Speaker: Da wir jetzt das Thomas Mann Jahr haben, würde ich sagen, ist Thomas Mann auf jeden Fall klasse.
Speaker: Womit kommst du besser klar?
Speaker: Die Tonys in Endlosschleife oder ständig Amazon-Pakete für die Nachbarschaft annehmen?
Speaker: Wir nehmen Amazon-Pakete für die Nachbarschaft manchmal an, aber Tonys sind das kleinere Übel an der Stelle.
Speaker: Was verkaufst du lieber?
Speaker: Zehn Stadtpläne oder das eigene Lieblingsbuch?
Speaker: Ja, das ist irgendwie klar, das eigene Lieblingsbuch.
Speaker: Was wäre für deine Buchhandlung besser?
Speaker: Jeden Tag zwei Stunden länger geöffnet oder auch sonntags verkaufen?
Speaker: Oh, sonntags verkaufen fände ich klasse.
Speaker: Wenn wir manchmal ja sonntags öffnen dürfen, dann ist es total entspannt.
Speaker: Die Kundschaft ist klasse und das macht richtig Spaß.
Speaker: Und eine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter melden sich tatsächlich freiwillig.
Speaker: Okay.
Speaker: Wer sollte ein Buch über dein Leben schreiben?
Speaker: Carsten Henn oder Martin Suter?
Speaker: Martin Suter.
Speaker: Und jetzt die Qual der Wahl.
Speaker: Abschaffung der Buchpreisbindung oder Einführung des erhöhten Mehrwertsteuersatzes für Bücher?
Speaker: Bei Abschaffung der Buchpreisbindung schließe ich den Laden sofort zu oder die Läden sofort zu und dann zur Not lieber den erhöhten Umsatzsteuersatz.
Speaker: Und jetzt noch die allerletzte Frage.
Speaker: Wer führt erfolgreicher eine Buchhandlung?
Speaker: Ein gelernter Buchhändler oder ein Quereinsteiger?
Speaker: Da kannst du jetzt auch deine Erfahrungen bauen.
Speaker: Da ich jetzt Quereinsteiger bin, möchte ich mich da nicht wirklich loben.
Speaker: Ich glaube, beides hat seine Vor- und Nachteile.
Speaker: Bei der Büchergilde war das so, dass die mich früher immer sehr
Speaker: exklusiv eingeladen haben, weil sie gesagt haben, du bringst eine völlig andere Sicht nochmal mit als all die Buchhändler, die hier sind.
Speaker: Aber zum Führen eines Unternehmens, ich glaube, das hat wirklich beides geht.
Speaker: Danke dir.
Speaker: Und jetzt?
Speaker: Darf Andi noch zwei, drei Worte zu dir verlieren, damit wir einfach auch mal wissen, mit wem haben wir es hier eigentlich zu tun?
Speaker: Genau, vielen Dank, Tina.
Speaker: Und unser heutiger Gast ist, wie wir schon gehört haben, zwar kein gelernter Buchhändler, aber wenn es in Aachen irgendwo nach frischem Papier duftet und nach neuen unternehmerischen Ideen, dann ist er wahrscheinlich gar nicht weit weg.
Speaker: Denn er ist nicht nur Unternehmensberater, sondern vor allem seit 2007 Geschäftsführer der Buchhandlung Backhaus mit mehreren Filialen in Aachen und Umgebung.
Speaker: Die Buchhandlung gibt es mittlerweile seit über 50 Jahren und gegründet wurde sie damals von Elisabeth Stevenson Backhaus.
Speaker: Daher stammt eben auch der Name.
Speaker: Dabei jongliert unser Gast mit dem Feingefühl eines Literaturliebhabers und dem Weitblick eines Unternehmers ganz locker verschiedenste Rollen.
Speaker: Denn er ist
Speaker: dem Geschäftsführer der Fair Concept GmbH, einem Versicherungsmarkterbüro.
Speaker: Auch wenn er in der Buchhandlung nur selten auf der Fläche steht und eher im Hintergrund arbeitet, ist unser Gast Bücherliebhaber durch und durch.
Speaker: Denn er ist auch seit 30 Jahren Mitglied der Büchergilde Gutenberg, deren Ansichtsrat er mitgestaltet.
Speaker: Ganz im Sinne von Demokratisierung und Mitbestimmung.
Speaker: Er ist außerdem engagiertes Mitglied der Buy-Local-Bewegung, ist aktiv in zahlreichen Aachener Einzelhandelsinitiativen und seine Backhaus-Buchhandlung wurde gleich vier Jahre in Folge mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.
Speaker: Klingt ja eigentlich fast schon unfair, aber es ist natürlich auch vollkommen verdient.
Speaker: Doch damit nicht genug in Sachen Vereinen, Initiativen und ehrenamtlichen Engagement.
Speaker: Denn er ist auch
Speaker: Denn er ist auch noch stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Walter-Hasen-Clever-Gesellschaft, wo er ebenfalls seine Begeisterung für Kunst und Kultur einbringen kann.
Speaker: Kurzum, unser heutiger Gast steht für einen Buchhandel mit Herz und Haltung.
Speaker: Jetzt nochmal ganz offiziell herzlich willkommen im Allesbuchmarkt-Podcast Martin Schwoll.
Speaker: Ja, lieber Martin, war das zu viel?
Speaker: Zu viel Lobhudelei?
Speaker: Manchmal denke ich ja dann noch, bin ich das.
Speaker: Was mir ein wenig vielleicht gefehlt hat, also danke schon mal, das war ziemlich gut recherchiert, das ist, dass wir auch eine politische Buchhandlung sein wollen und Aufklärung in jedweder Hinsicht
Speaker: Also sowohl die politische Aufklärung als auch die Aufklärung, die geschichtliche als auch die durchaus sexuelle Aufklärung, all das ist irgendwie bei uns auch hoch geschätzt und hat einen großen Platz.
Speaker: Aber okay.
Speaker: Das ist ein toller, wichtiger Zusatz.
Speaker: Mich würde noch interessieren, als ich recherchiert habe, siehst du dich eher als Unternehmer oder als Buchhändler oder ist das bei dir ein und dasselbe und gar nicht trennbar?
Speaker: Tatsächlich ist das so, meinen Kunden sage ich häufig, die Buchläden sind mein Hobby.
Speaker: Es ist ein sehr umfangreiches Hobby und es ist tatsächlich etwas, was ich aus Leidenschaft mache, eben weil ich
Speaker: glaube, dass wir mit unserem Tun die Gesellschaft zumindest stabilisieren, wenn wir dich gar verändern können.
Speaker: Wir machen ganz viel Weltakt des Buches.
Speaker: Also wir empfangen viele, viele Kinder bis zu 1000.
Speaker: Das ist meine Bestmarke bisher.
Speaker: Zu Veranstaltungen, also die bekommen bei uns nicht das Buch, sondern das ist richtig was.
Speaker: Und das mache ich einfach, weil
Speaker: weil ich das wichtig finde, nicht aus ökonomischen, sondern aus Gründen, Filme im Kopf, Erweiterungen und Literatur bildet.
Speaker: Ich selber habe tatsächlich erst mit 13 Jahren angefangen zu lesen, damals Gerikottenhefte, verbotenerweise.
Speaker: Ich war in einem katholischen Jungeninternat und da war das...
Speaker: Da hat man es eher heimlich gelesen.
Speaker: Ja, ich habe vor allem im Deutschunterricht, meine Deutschnote wurde immer besser und die Lehrerin fragte dann, guckte natürlich bei Klassenarbeiten und fragte dann, woran liegt es?
Speaker: Und ich, nur ja, nicht sagen, das ist verfemte Literatur ganz sicher.
Speaker: Schund, könnte man auch sagen, damals jedenfalls und
Speaker: Ich erzähle das auch den Kindern, die da sitzen in der vierten oder der fünften Klasse.
Speaker: Ich frage zu Anfang, lest ihr oder wer liest gar nicht?
Speaker: Und dann melden sich ein paar, dann sage ich, toll, dass ihr den Mut hattet, das zu sagen.
Speaker: Und wer liest gerne?
Speaker: Und irgendwann sage ich dann, und eigentlich finde ich das sowieso großartig, weil ich habe erst mit 13 angefangen und ihr seid noch
Speaker: neun, zehn und ihr lesst schon so viel, das ist richtig toll.
Speaker: Bringt mich direkt diese Szene beim Buchspazierer, wo der Buchhändler, wir kommen gleich nochmal zum Buch, aber wo der Buchhändler Karl Kollhoff von seinem ehemaligen Chef gelernt hatte, immer wenn die Praktikanten
Speaker: In der Buchhandlung hatten die nicht lesen wollen, dann gibt er denen irgendwelche schnarchlangweiligen Aufgaben und legt irgendwie ein Buch daneben, was irgendwie vielleicht Interesse wecken könnte und vor lauter Stumpfsinn fangen die dann irgendwann freiwillig an, in dem Buch zu blättern.
Speaker: Aber da kommen wir glaube ich gleich nochmal dazu, wie das nun in dem Buch ablief und welche Parallelen es zu dir gibt.
Speaker: Aber lass uns vielleicht nochmal ganz kurz zurückgehen.
Speaker: Backhaus gibt es also schon sehr lange und du bist Quereinsteiger.
Speaker: Vielleicht willst du nochmal kurz oder wollen wir mal kurz erzählen, wie es dazu kam, dass du Quereinsteiger wurdest, wie du überhaupt an diese Buchhandlung gekommen bist.
Speaker: Die Buchhandlung wurde 1974, das wurde ja schon gesagt, gegründet von Elizabeth Stevenson Backhaus, der Tochter eines britischen Offiziers, der was mit den Eisenbahnen Stevensons zu tun hatte und einer deutschen Ärztin aus Bonn.
Speaker: Und die hat den Laden sieben Jahre geführt.
Speaker: Dann ist er übernommen worden von Peter Klein.
Speaker: einem Buchhändler zwischen, ich sage das häufig, zwischen Genie und Wahn, der so leidenschaftlich war, so intensiv.
Speaker: Die VertreterInnen haben sich häufig gefürchtet, Peter zu besuchen, weil er kannte in der Regel das Buch schon, was sie ihm gerade vorstellen wollten.
Speaker: Und wenn das nicht in Ordnung war für ihn, dann hat er das durchaus auch durchblicken lassen.
Speaker: Und Peter Klein kannte meine Frau.
Speaker: Und als er 1981 den Laden übernommen hat, war das die Buchhandlung unseres Vertrauens.
Speaker: Und Peter hat dann gemerkt, der Martin, der kennt sich ein bisschen auch mit Zahlen aus und mit Vertragsgestaltungen und hat manchmal auch ein bisschen Geld auf dem Konto.
Speaker: Das kam noch dazu.
Speaker: Und hat dann...
Speaker: häufig Rat gesucht und ja, so sind wir in Kontakt gekommen und ich habe bewundert, wie viele Lesungen Peter gemacht hat, bis zu 70 in einem Jahr und über mehrere Jahre, in seiner Bilanz war das dann auch deutlich zu sehen,
Speaker: diesen Lesungen.
Speaker: Als was Gutes?
Speaker: Es war immer das Unternehmergehalt, was dann dabei draufging.
Speaker: Ja gut, weil er glaube ich auch sehr hochkarätige Autoren immer für sich gewinnen konnte, soweit ich weiß.
Speaker: Genau, wer in der Literatur in der deutschen, europäischen, gelegentlich auch in der amerikanischen Rang und Namen hatte,
Speaker: war bei Backhaus.
Speaker: Harry Rowold als Beispiel hat seine erste Lesung bei Peter Klein gemacht bei Backhaus.
Speaker: Und ja, wir haben fünf Bände, Gästebücher mit ganz vielen Widmungen, ganz vielen Erinnerungen, die in den
Speaker: etwa 20 Jahren Peter Klein zustande gekommen sind.
Speaker: Der war schon sehr, sehr, sehr intensiv.
Speaker: So, Peter Klein ist 1999, dann hat er seinen zweiten Herzinfarkt im Geschäft.
Speaker: Ist zwar reanimiert worden, aber nicht ganz so schnell.
Speaker: Deswegen war er danach im Koma.
Speaker: Seine langjährige Mitarbeiterin hat mich gleich am nächsten Morgen angerufen und gesagt, Peter hatte
Speaker: einen zweiten Herzinfarkt und ist im Koma.
Speaker: Sie glaubt, das wird nichts mehr.
Speaker: Das war dann leider auch so.
Speaker: Und dann habe ich gefragt, Ulla, möchtest du denn weitermachen?
Speaker: Sagt sie, nee, ich möchte nicht.
Speaker: Und nach zwei, drei, vier Tagen rief sie an und fragte, wenn du Mitgesellschafter machst, dann mache ich weiter.
Speaker: Und dann habe ich gesagt, okay, gleich am Telefon, ja.
Speaker: Das war für dich sofort klar?
Speaker: Sofort, ja.
Speaker: Ganz sofort.
Speaker: Und dann sind wir halt losgezogen, haben eine neue Gesellschaft gegründet, der juristische Vertreter von Peter Klein, hier ein Insolvenzanwalt aus Aachen, der aber früher auch eine Buchhandlung hatte.
Speaker: Der hat dann gesagt, ich habe mal ganz kurz in die Zahlen geguckt und
Speaker: Wir müssen uns echt super beeilen, sonst müsste ich eigentlich sofort zum Konkursgericht laufen.
Speaker: Und wir haben uns dann beeilt und haben das wirklich alles gut über die Bühne bekommen.
Speaker: Und seine langjährige Mitarbeiterin Ulla Bein, also Peter Kleins langjährige Mitarbeiterin Ulla Bein, ist dann einige Jahre später mit ihrer Lebenspartnerin in die Schweiz gezogen.
Speaker: Wir haben versucht, Backhaus auszutauschen.
Speaker: an den Mann, an die Frau zu bringen.
Speaker: Das hat leider nicht geklappt.
Speaker: Und ich wollte Backhaus nicht schließen.
Speaker: Und habe gedacht, Buchhändlerin und Buchhändler, das findest du.
Speaker: Ich habe als Unternehmensberater ja völlig klar auch ein Konzept gemacht.
Speaker: Und dann haben wir losgelegt.
Speaker: Und das war dann nicht ganz so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Speaker: Deswegen wir zu Anfang auch
Speaker: ein wenig Verluste angehäuft haben.
Speaker: Und irgendwann kam dann eine junge Frau, die dann gesagt hat, Sie haben ja auch noch nicht alles probiert.
Speaker: Als ich gesagt habe, naja, irgendwie sehe ich die Zukunft nicht mehr so rosig.
Speaker: Sie haben ja auch nicht alles probiert.
Speaker: Ich habe gesagt, stimmt, weil ich habe niemanden, der meine Ideen im Laden umsetzt.
Speaker: Und sie hat dann gesagt,
Speaker: Ich würde es machen und ich habe dann gesagt, okay, machen wir eine Vereinbarung, 18 Monate haben sie Zeit.
Speaker: Das werde ich mitmachen noch und dann ist gut.
Speaker: Also danach entscheiden wir, wie wir es weitermachen.
Speaker: Und sie hat das total gut umgesetzt.
Speaker: Aber wenn ich jetzt Unternehmensberater bin und gucke mir das an, so toll dieser Ruf war, den Backhaus damals hatte, du hast eben selber gesagt, die Zahlen waren schwierig.
Speaker: Was ist denn das, was man dann streicht?
Speaker: Streicht man die Veranstaltungen, aber die sind ja wahrscheinlich mit Kern des Ganzen?
Speaker: Oder setzt man irgendwie Änderungen im Sortiment?
Speaker: Was habt ihr damals gemacht?
Speaker: Wir haben das Sortiment ein wenig verändert.
Speaker: Peter Klein hatte etwa 70.000 Bücher im Geschäft.
Speaker: Also
Speaker: Ich habe früher immer gesagt zu Peter, den höchsten Quadratmillimeter Buchbestand der Republik.
Speaker: Möglicherweise gibt es auch noch andere, aber es war auf jeden Fall dicht, dicht, dicht.
Speaker: Und wir haben das Angebot reduziert ein wenig.
Speaker: Wir sind immer noch so, dass wir sagen, wir sind eine sehr experimentelle und ausgefallene Buchhandlung, also Grundschaft, die
Speaker: aus anderen Städten kommt, sagt, das hätten wir aber auch gerne bei uns.
Speaker: Also es ist schon besonders, was wir anbieten.
Speaker: Das ist der eine Teil, also wir haben reduziert.
Speaker: Wir verkaufen tatsächlich auch Bestseller, wenn sie gut sind.
Speaker: Die anderen haben wir nicht vorrätig, aber auf Wunsch bestellen wir sie.
Speaker: Das hat Peter Klein anders gemacht.
Speaker: Bei Peter Klein gab es Bücher, die ihm nicht gefallen haben.
Speaker: Bestseller, egal.
Speaker: Die gab es einfach nicht.
Speaker: Die dürfte man woanders kaufen.
Speaker: Und die Veranstaltungen haben wir deutlich reduziert, also Veranstaltungen mit Autorinnen und Autoren.
Speaker: Wir setzen eher auf so Veranstaltungen, die wir kreiert haben, wie jetzt zum Beispiel das Buchschnuppern.
Speaker: Der Buchhändler stellt eher emotional.
Speaker: ein wenig ein Buch vor und reicht mir das rüber und sagt, diesmal bitte von Seite X bis Y. Dann stellen wir etwa acht Bücher vor oder aber die Spätlesemenschen kommen, nachdem sie sich angemeldet haben, abends hin.
Speaker: Es gibt eine Führung durch die Buchhandlung, das Sortiment wird kurz angeteasert und dann
Speaker: Der Bernd stellt dabei auch immer ein paar Bücher vor.
Speaker: Und dann sind wir als Team wirklich weg.
Speaker: Von uns ist niemand mehr im Laden.
Speaker: Die Kundschaft oder die Gäste bleiben alleine bei einem leckeren Käse, Bio-Käse, Buffet mit Baguette und Wein und Wasser und Kaffee und was man so haben möchte.
Speaker: Und nach drei Stunden komme ich dann meistens um
Speaker: 22 Uhr und befreie.
Speaker: Und natürlich freue ich mich dann, wenn auf etwas gekauft wird.
Speaker: Die drei Dinge machen wir halt anders als Peter.
Speaker: Ja, wobei ich sagen muss, das ist ein Konzept, ich weiß, dass das gerade einige Buchhandlungen machen, was ich nicht verstehe, warum Kunden unbedingt im Laden eingeschlossen werden wollen, wenn ich denke, ihr habt doch irgendwie, ich weiß nicht, zehn oder zwölf Stunden tagsüber Zeit gehabt, wo euch doch auch keiner irgendwie jetzt ständig...
Speaker: in die Seite niest, wenn ihr da gerade irgendwas anguckt, wieso Menschen das abends nochmal brauchen.
Speaker: Aber gut, das scheint ja zu funktionieren, das machen ja viele Buchhandlungen mittlerweile recht gern und offenbar auch erfolgreich.
Speaker: Ich wäre dabei.
Speaker: Ich auch, ich finde es super.
Speaker: Also Andi und ich gehen auf jeden Fall.
Speaker: Ja, wenn man tagsüber arbeiten muss und dann im vollen Buchladen hat man oft nicht so
Speaker: die Ruhe und wenn du dann aber weißt, okay, ich habe jetzt drei Stunden Zeit und kann mich einfach mal ganz in Ruhe umschauen, es kommt auch niemand, der mich in Anführungsstrichen nervt und sagt, hier hast du das Buch schon mal gelesen und das ist toll.
Speaker: Oder steht im Weg rum.
Speaker: Und dann mit Käseschnittchen ist doch perfekt.
Speaker: Ich brauche das nicht, das Käseschnittchen, ich brauche nur die Bücher.
Speaker: Wenn ich zufällig mal da bin, wenn die Gäste kommen, dann erlebe ich ja
Speaker: So die Quirligkeit des Tages, ich sage jetzt gar nicht hektik, sondern Quirligkeit des Tages.
Speaker: Wenn ich dann auch um 22 Uhr komme, dann ist häufig so eine Omm-Springung.
Speaker: Und die Gäste nutzen das ganz, ganz, ganz unterschiedlich.
Speaker: Manchmal holen sie sich Decken hoch aus unserem Sutera, legen die aus und legen sich dahin, lesen sich vor.
Speaker: Manche gehen hin und sagen, ich nehme mir ein Regal oder mehrere Regale vor und gehe Buch für Buch für Buch und habe alles mal in der Hand gehabt.
Speaker: Beim späteren Kassieren wundere ich mich gelegentlich, was wir alles haben.
Speaker: Also wenn ich dann so gucke und denke, wow, das ist ja toll.
Speaker: Oder auch, was die Kundschaft gefunden hat.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Ich glaube, wir müssen mit Alex das mal bei dir machen.
Speaker: Ja, vielleicht gerne.
Speaker: Wir kommen mal auf den Käse.
Speaker: Auf jeden Fall.
Speaker: Als wir zum ersten Mal den Buchpreis gewonnen haben, war die Anmoderation für diese zweite Preisträgergruppe, also derjenigen, die 15.000 Euro bekommen haben.
Speaker: Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht,
Speaker: einen ganzen Abend, eine ganze Nacht in einer Buchhandlung verbringen zu dürfen.
Speaker: Da war mir klar, jetzt sind wir dran.
Speaker: Okay, vielleicht bin ich da Außenseiter, aber das ist auch total in Ordnung.
Speaker: Du kommst einfach wegen des Weins mit und gut ist es.
Speaker: Ich komme für den Wein und alle sind zufrieden.
Speaker: So, jetzt gehen wir aber noch mal ein bisschen weiter mit Ziel Buchspazierer.
Speaker: Du hast da jetzt diese Kollegin, die das Ganze offenbar in richtige Bahnen lenkt, aber jetzt hast du quasi auch einen Mitarbeiter geerbt, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Speaker: Die Buchhandlung Backhaus ist ein Ausbildungsbetrieb.
Speaker: Wir haben also immer Azubis.
Speaker: Seit wir Filialen haben, haben wir auch eine Filiale in der Eifel in Nettersheim.
Speaker: Einer meiner Auszubildenden hat dort wohl erzählt, wir haben in Aachen übrigens ein Buchboten.
Speaker: Dann hat die dortige Dame des Literaturhauses die Leiterin aufgemerkt, war erstaunt, hat nachgefragt, hat dann auch mich befragt, warum wir das machen und wie wir das machen.
Speaker: Und ich habe das erzählt und habe mir ja auch nicht so viel dabei gedacht.
Speaker: Und die ist befreundet mit Carsten Henn und hat Carsten Henn das dann wohl auch erzählt.
Speaker: Und Carsten Hennen hat kürzlich im Fernsehen dann erzählt, dass er wie elektrisiert gewesen sei von der Idee.
Speaker: Und dann hatte er aber nicht sofort eine Idee zur Umsetzung.
Speaker: Und hat dann geschwiegen, geschwiegen, geschwiegen wie ein Grab, damit ihm nur ja keiner den Plot klaut.
Speaker: oder irgendwie auf die Idee kommt, da auch ein Buch zuzuschreiben und irgendwann ist ihm dann wohl die Shasha, die Neunjährige, als zusätzliches Element in den Kopf gekommen und dann hat er angefangen, das Buch zu schreiben.
Speaker: Also das kann man vielleicht mal ganz grob zusammengefasst sagen.
Speaker: Der Buchspazierer von Carsten Henn, wirklich Bestseller, Spiegel-Bestseller auch, sagt bestimmt jedem was, hat vielleicht nicht jeder gelesen.
Speaker: Es ist die Geschichte eines...
Speaker: in Ruhestand versetzten Mitarbeiters einer Buchhandlung, der aber nach wie vor jeden Abend seine Runde dreht und Kundenbestellungen in der Stadt ausliefert.
Speaker: Das sind zum Teil Bücher, die bestellt wurden, aber eben auch, die er für seine Kunden ausgesucht hat, von denen er weiß, das gefällt denen.
Speaker: Und porträtiert dieses Buch nicht nur eben diesen Buchhändler, sondern auch diese Menschen, die er dann auf seiner Runde immer trifft und die sich daraus diese Beziehungen ergeben.
Speaker: Und irgendwann begegnet ihm ein kleines, in meinen Augen anstrengendes, freches Mädchen, die ihn einfach nicht in Ruhe lässt.
Speaker: Ich habe es mir jetzt noch einmal zu Gemüte geführt in Vorbereitung dieser Folge.
Speaker: Und gut, ich war jetzt nicht der größte Fan.
Speaker: Aber das ist einfach Geschmacksache.
Speaker: Es hat ganz, ganz vielen Menschen, hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen.
Speaker: In der Brigitte wurde damals geschrieben, ein Buch zum Einkuscheln, ein Buch, das wärmt und Zuversicht spendet, genau das Richtige für alle, die wissen, wie wichtig ein gutes Buch sein kann.
Speaker: Kleine Literaturkritik am Rand.
Speaker: Ich fand es wirklich, es war so voll mit Stereotypen und irgendwie war so dieses Bild, jemand, der Bücher mag, der muss splinig und exzentrisch sein und irgendwie zurückgezogen leben und verlässt das Haus nicht oder das ist schon dieser Einstiegs-
Speaker: Szene mit dieser Frau, die dann auch gleich sagt, ich lese gute Bücher, aber die dürfen irgendwie kein grünes Cover haben und ich zahle sowieso nur bar, weil mit Plastikgeld, uiuiuiui, das war mir alles schon zu viel und zu anstrengend, weil ich glaube, es gibt sehr viele einfach normale Menschen, die gerne lesen und die gerne gute Bücher lesen.
Speaker: Aber gut, das nur am Rande.
Speaker: Nichtsdestotrotz.
Speaker: Und ich glaube, euch beiden ging es auch ähnlich.
Speaker: Also bei mir war das das Überraschende tatsächlich, ich habe tatsächlich dann eben, ich wusste, dass das Buch existiert, habe dann gesehen, oh, es wurde verfilmt.
Speaker: Und erst dann ist mir klar geworden, das basiert ja auf einer wahren Geschichte.
Speaker: Da hat sich das zumindest bei mir so ein bisschen geswitcht, weil ich die Idee erst...
Speaker: Ich dachte, wie kommt man auf so eine Idee, dass dann jemand rumläuft und Bücher dann tatsächlich zu den Kunden bringen?
Speaker: Das fand ich auf alle Fälle so für mich auch selber so ein Twist bei mir, wo sich dann so ein bisschen das Bild gedreht hat.
Speaker: Aber jetzt mal die Frage an den Buchhändler.
Speaker: Sind die Charaktere wirklich splinig oder ist das auch deine Erfahrung im Buchhandel?
Speaker: Es gibt solche Kunden, die...
Speaker: durchaus den Vorbildern aus dem Buch, dem Film entsprechen.
Speaker: Ja, die gibt es einfach und die sind bei uns, glaube ich, auch ganz gut aufgehoben, weil wir ein breites Sortiment haben, was interessant ist, auch für splinige Menschen.
Speaker: Für Menschen, die keine grünen Cover mögen.
Speaker: Ich finde es viel, also für mich die spannende Frage ist, wie viel steckt denn von dem echten Menschen, von dem Buchbotschafter in diesem Buchspazierer drin?
Speaker: Weil das war ja, glaube ich, wirklich der Auslöser.
Speaker: Dieser Buchbotschafter, den ihr da habt, der war ja die Inspiration und der Anstoß für Carsten Henn überhaupt dieses Buch zu schreiben.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: unser Buchbote ist nicht nur einfach ein Bote, sondern der war mit dem Buchhändler Peter Klein liiert, die haben in Partnerschaft zusammengelebt und der Halluk, der spätere Buchbote, der hat sein Studium dann abgebrochen, hat eine Buchhandelsausbildung gemacht, hat die auch abgeschlossen und hat dann
Speaker: viele Jahre eine türkische Buchabteilung bei Backhaus betreut.
Speaker: Nach Peters Tod ist er sehr in eine Depression gefallen und ist dann irgendwie mit Ulla Bayn, mit der Nachfolgerin von Peter, auch nicht besonders gut ausgekommen.
Speaker: dann hat er auch schon Bücher ausgetragen.
Speaker: Als ich den Laden übernommen habe, war mir wichtig, dass Halluk als Teil der Backhaus-Geschichte dabei ist.
Speaker: Und ich wollte ihn aber nicht als Buchhändler mehr haben, der war dann auch schon 65 und dann habe ich halt Halluk gefragt, sag mal, könntest du dir vorstellen, Bücher auszutragen?
Speaker: Wir haben ja
Speaker: immer wieder Kundschaft, die beliefert werden möchte.
Speaker: Und Halluk hat mich angestrahlt und hat gesagt, das finde ich eine ganz tolle Idee.
Speaker: Das mache ich, Martin.
Speaker: Und viele Jahre später, zum Beispiel, als wir den ersten Buchhandlungspreis gewonnen haben und im Laden dann alle gefeiert haben, da hat Halluk sich nochmal vorne hingestellt und hat gesagt, für ihn war diese Beschäftigung
Speaker: des Buchspazierens oder des Buchbootens eine, die für ihn überlebenswichtig war.
Speaker: Jeden Tag um 10 Uhr oder um 11 Uhr einen fixen Termin zu haben und zu wissen, ich stehe auf, weil da werde ich erwartet, da habe ich was zu tun.
Speaker: Das war im Grunde meine Art Lebensversicherung.
Speaker: Und insofern...
Speaker: Und glaube ich, war das für alle Seiten eine Win-Win-Situation.
Speaker: Aber war das für dich klar, dass das ein Erfolg ist?
Speaker: Oder war das irgendwie ein bisschen sozial gedacht?
Speaker: Weil es ist ja jetzt nicht so naheliegend, dass du sagst, der muss noch irgendwie beschäftigt werden, jetzt mal salopp gesagt.
Speaker: Gerade als Unternehmensberater ist das ja jetzt nicht die plausibelste Entscheidung.
Speaker: Ja.
Speaker: Mir war zunächst wichtig, dass Haluk ein Teil des Backhaus-Teams bleibt.
Speaker: Und man kann ja manchmal Werbemaßnahmen so oder so oder so gestalten.
Speaker: Und für mich war dieser Teil einfach so wichtig, dass ich gedacht habe, das gesamte Backhaus-Universum oder System verliert, wenn ich
Speaker: nicht Menschen, die noch mit dem alten Backhaus verbunden waren, weiter beschäftige.
Speaker: Und insofern war das richtigerweise schon klar auch ein Kostenfaktor, aber einer, den ich gerne in Kauf genommen habe.
Speaker: Tatsächlich ist mir der Aspekt, dass das nicht ganz normal ist,
Speaker: einen Buchboten zu beschäftigen, dass es halt wirklich Geld kostet, nochmal klar geworden bei der Vorstellung oder bei der Preview des Films hier im Kino.
Speaker: Die Dame aus Nettersheim, die ist mit vorne auf die Bühne gegangen und hat dann halt auch ihren Teil nochmal erzählt.
Speaker: Das war die ehemalige Auszubildende?
Speaker: Nein, das war die Leiterin
Speaker: Literaturhauses in Nettersheim.
Speaker: Dr. Kerstin Wolf.
Speaker: Viele Grüße an der Stelle.
Speaker: Genau.
Speaker: Und die hat dann auf der Bühne noch mal so erzählt, so wie sie das wahrgenommen hat mit dem Auszubildenden und, und, und, dass sie gefragt hat.
Speaker: Und dann hat sie auch gesagt, was der Martin da auf die Beine gestellt hat, das war mir in dem Moment gar nicht so klar, ne?
Speaker: Das ist wirklich etwas Besonderes, weil er hat sich um keine Kosten gescheut oder das ist jetzt ein bisschen blöd ausgedrückt.
Speaker: Ihm war das so wichtig und auch für den Halluk war es ja so wichtig, dass er eine Beschäftigung hat und da sind einfach zwei Teile gut zusammengekommen, die der Unternehmensberater dann manchmal vielleicht erst mal auf Seite tut.
Speaker: Es ist halt einfach eine Frage von Haltung dem Menschen gegenüber.
Speaker: Ja, genau so.
Speaker: Ich sehe das auch so.
Speaker: Das ist eine Frage von Haltung.
Speaker: Und das sieht man ja, das spürt man ja im Buch Spazierer aller Kritik, die Alex vorgebracht hat.
Speaker: Das Buch präsentiert ja schon eine gewisse Haltung der Branche gegenüber.
Speaker: Also dass man wirklich bis zum, also es gibt ja diese Szene, wo er nur noch zwei oder drei Bücher austrägt,
Speaker: Und trotzdem seine Runde dreht von irgendwie, ich glaube, es waren 18.000 Kilometer.
Speaker: Ich habe das jetzt nicht mehr so genau in Erinnerung.
Speaker: Aber dass er halt nichtsdestotrotz auch wegen dieser drei Bücher sich auf den Weg macht, weil diese drei Bücher beim Kunden ankommen sollen.
Speaker: Ist ja auch eine Form von Haltung.
Speaker: Oder wenn man jetzt mal noch das größer denkt, Verlage bringt teilweise Bücher raus, wo wir wissen,
Speaker: Wahrscheinlich wird es das nicht einspielen, aber es präsentiert ein Thema oder es, gerade wenn man jetzt über das politische Buch nachdenkt, es ist ein wichtiges Buch und es präsentiert auch die Haltung sowohl des Verlages, der es verlegt, als auch der Buchhandlung, die es auslegt zum Verkauf.
Speaker: Und ich finde, das wird schon im Buchspazierer sehr deutlich, das Thema.
Speaker: Wie ging es dir denn aber beim Lesen?
Speaker: Ich weiß nicht, hast du das vorab zum Lesen bekommen oder hast du, als es dann erschienen ist, wie früh wusstest du, dass das Ganze jetzt verarbeitet wird?
Speaker: An welchem Zeitpunkt hast du das eigentlich erfahren?
Speaker: Kerstin Wolf, die ja nun Carsten Henn auf die Spur gebracht hat und normalerweise von ihm seine Veranstaltung
Speaker: fertigen Bücher zum Redigieren bekommt, als erste so mal drauf gucken und machen und gucken, hat von Kersten dieses Buch nicht bekommen.
Speaker: Sie wusste es auch nicht.
Speaker: Sie wusste nicht, dass er es schreibt.
Speaker: Sie hat es nicht bekommen.
Speaker: Und insofern hatten wir einen Büchertisch in der Eifel in Nettersheim und dann rief Kersten an und sagt, Martin, guck dir das Buch bitte an.
Speaker: Das ist die Geschichte von
Speaker: deiner Buchhandlung.
Speaker: So ist das gekommen.
Speaker: Und dann hast du es dir bestellt, gelesen und was dann?
Speaker: Wütend mit dem Fuß aufgestampft oder die ganze Zeit gedacht, ach Gott, was sind die alle großartig?
Speaker: Oder hast du geweint?
Speaker: Wie muss man sich das vorstellen?
Speaker: Es war ein schöner Abend in der Lesung.
Speaker: Ich habe Halluk mitgenommen zu der Lesung, den Buchboten.
Speaker: Und
Speaker: Der hat sich wie Bolle gefreut und an der Stelle war das für mich noch völlig okay und ja, war völlig okay.
Speaker: Ich habe mich nicht geärgert, ich habe tatsächlich das Buch auch maximal 100 Seiten gelesen, weil es nicht mal eine Schreibe ist.
Speaker: Also insofern, ich kann das mit den
Speaker: Stereotypen und so gut verstehen.
Speaker: Ich fand den Film tatsächlich dann für mich intensiver und besser, weil es irgendwie schöner dargestellt war.
Speaker: Im Nachhinein, also jetzt mit all dem Abstand, denke ich gelegentlich, Carsten, das hättest du vielleicht ein bisschen anders machen können.
Speaker: Da hättest du vielleicht mal Bescheid sagen können und vielleicht auch sagen,
Speaker: wie wäre das denn mit einer schönen Lesung bei euch in Aachen?
Speaker: Das schenke ich euch für die Idee oder egal.
Speaker: Also das ist vielleicht die Unternehmensberatersicht, aber letztendlich denke ich dann schon, wenn Carsten heute so durchblicken lässt, ja, das ist eine Buchhandlung irgendwo rund um Aachen, statt, ja, da denke ich auch, hallo,
Speaker: Das hätte es ein bisschen anders machen können.
Speaker: Aber nutzt ihr das?
Speaker: Also bringt euch das was als Buchhandlung, dass ihr sozusagen, und habt ihr mal platt gesagt, in eurem Schaufenster hängt ein Plakat, die Buchhandlung aus der Buchspazierer oder wie nutzt ihr das für eure Zwecke?
Speaker: Ja, wir haben natürlich den Faden aufgenommen des Buchspazierers und haben in unserem Schaufenster
Speaker: jeweils in allen Filialen an Plakat hängen.
Speaker: Der Buchspazierer, war da was?
Speaker: Und dann kommt ein Text, tatsächlich geht die Geschichte auf unseren Buchboten zurück.
Speaker: Und dann ist auch ein Foto von Harlok Thurath auf dem Plakat.
Speaker: Und es ist tatsächlich auch so, dass viele Menschen,
Speaker: viel Kundschaft oder viele Interessierte am Wochenende zum Beispiel dann vorbeigehen und stehen bleiben und dann von oben bis unten kann man sehen, durchlesen und realisieren, ah ja, diese Buchhandlung hat etwas mit dem Buchspazierer zu tun.
Speaker: Zu Anfang, als der Film jetzt kam, haben wir auch einige Zuschriften aus der ganzen Republik bekommen, dass sie irgendwie erfahren haben, dass es wirklich eine Buchhandlung gibt, wo genau das passiert ist.
Speaker: Was mir noch wichtig ist, Peter Klein hatte den zweiten Herzinfarkt im Laden, ist danach erst ins Krankenhaus, dann ins Hospiz gekommen.
Speaker: Im Hospiz lag er angeschlossen an die ganzen Zugangsstative in einem Bett.
Speaker: Und wenn ihr euch erinnert, zum Ende des Buches,
Speaker: steht der Buchspazierer vor einer leeren Regalwand, schaut auf ein Schlüsselloch, öffnet die Tür, geht in einen Raum und in dem Raum steht ein Bett, stehen diese Stative, an denen die Infusionen hängen oder gehangen haben.
Speaker: Und das ist im Grunde die Erinnerung an das Trauma, was Halluk,
Speaker: mit sich trägt und was Carsten Henn auch dem Spazierer mit auf den Weg gegeben hat.
Speaker: Wir verlinken oder wir bringen auf Instagram euch mal ein Foto dieses Plakates, Martin, was du uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hast, damit ihr euch alle den echten Halluk auch einmal anschauen könnt.
Speaker: Wir haben aber im Vorfeld dieser Folge auch intern so ein bisschen gesprochen, was natürlich die
Speaker: der Reiz und die Probleme oder Herausforderungen sein können, wenn man so eine wahre Geschichte als Autor oder Autorin verarbeitet.
Speaker: Ich habe es vorhin so ein bisschen flapsig gesagt, das ist vielleicht sehr einfach, ich brauche keine eigene Idee, sondern ich kann ein bisschen mit Sprache umgehen und dann schreibe ich diese wahre Geschichte auf die.
Speaker: Kehrseite der Medaille und deswegen bin ich gerade auch so ein bisschen am überlegen, Martin, ob das vielleicht nicht alles auch ganz richtig so war, dass er das nicht so direkt immer alles erzählt hat, sind natürlich die ganzen juristischen Fallstricke.
Speaker: Ich glaube, es gibt viele Verlage, die damit leidvolle Erfahrungen schon gemacht haben, dass ein Buch, was nahezu fertig war,
Speaker: Dann kam auf einmal irgendein sehr weit entfernter Verwandter und sagte, ich erkenne mich hier wieder und dann musste ein Bug geschwärzt werden oder durfte gar nicht erst in Umlauf gebracht werden.
Speaker: Die Frage des Persönlichkeitsrechts ist natürlich ganz massiv entscheidend und natürlich immer auch ein gewisser Fallstrick, wenn ich jetzt so eine Geschichte erzähle.
Speaker: Das nur mal so als...
Speaker: als Gedanken.
Speaker: Das stimmt auch.
Speaker: Carsten Henn hat bei dem ersten Büchertisch in der Eifel zu Halluk und zu mir gesagt, also ich habe überlegt, spreche ich Halluk an, frage ich die Buchhandlung Backhaus und ich habe mich dagegen entschieden, damit ich wirklich völlig frei bin, in meiner Fantasie und in meinen Möglichkeiten, dieses Buch zu schreiben.
Speaker: Und das habe ich auch
Speaker: wirklich sehr gut verstanden.
Speaker: Also es war jetzt völlig okay.
Speaker: Dann hat er halt freie Bahn und im Buch diese Szene mit diesem Zimmer da hinten, da denke ich, er hat schon recherchiert und irgendwie rausgefunden, wie Peter gestorben ist und was möglicherweise den Buchboten dann belastet hat.
Speaker: Wahrscheinlich hat Kerstin Wolf ihm das auch erzählt.
Speaker: Und den Teil finde ich völlig in Ordnung.
Speaker: Ich habe auch so ein bisschen nachgedacht.
Speaker: Ich bin ja nun mal bekanntermaßen bei Gmeiner mit vielen Regionalkrimis.
Speaker: Und wenn wir über reale Hintergründe reden, dann ist natürlich bei uns immer ganz klar, dass der reale Hintergrund natürlich auch ein Ort sein kann.
Speaker: Beim Buchspazierer ist es ein Stadttor, eine liebenswerte Altstadt.
Speaker: Bei uns sind es, oder im Regionalbereich,
Speaker: Buch- oder Regionalkrimi-Bereich ist es ganz klar, die Verortung, die für den wahren Hintergrund sorgt.
Speaker: Ich habe auch gedacht an Benjamin von Stuckrad-Barre, der dieses Buch über den Bildchef, über Döpfner und so geschrieben hatte, was natürlich
Speaker: überhaupt nicht so war, wo vorne ja direkt drin ist, es ist alles absolut fiktiv, wo man ja auch so ein bisschen damit gespielt hatte, da gab es ja an keiner Stelle den Anspruch, dass es irgendwie auf wahren Begebenheiten beruht haben könnte und da hat man damit gespielt.
Speaker: Und trotzdem denkt jeder, es ist wahr.
Speaker: Wie empfindest du das mit Blick aufs Sortiment?
Speaker: Ist das
Speaker: weil wir haben das im Vorfeld so ein bisschen empfunden, ist das gerade ein Trend, dass dieser wahre Kern irgendwie besonders gefragt ist gerade?
Speaker: Also sei es biografische Romane, das ist ja weg von der Autobiografie, sondern wirklich, es darf ruhig belletristisch sein, aber biografische Romane haben gerade, du hältst auch gerade was in die Kamera, gerade einen, erleben die gerade einen Aufschwung?
Speaker: Wie ist dein Empfinden?
Speaker: Also biografische oder sonstige auf Wahrheit, auf tatsächlichen Geschehen beruhende Geschichten, Romane, Krimis, True Crime erleben auf jeden Fall im Moment einen Hype, werden verstärkt nachgefragt, wenn man sagen kann, also die Geschichte, das ist zwar fiktionalisiert, aber es ist ein wahrer Hintergrund, dann ist...
Speaker: häufig die Kundin der Kunde doch interessierter und sagt, jo, will ich mal gerne reingucken.
Speaker: Hast du eine Erklärung, warum das so ist?
Speaker: Mein sehr simples Verständnis ist doch eigentlich, dass ich sage, ich möchte etwas lernen, dann soll das Ganze bitte wirklich biografisch sein und nicht irgendwie kreativ angereichert sein oder ich möchte mich rein unterhalten lassen.
Speaker: Warum ist das für viele Menschen offenbar gerade so reizvoll, diese
Speaker: Kombination zu haben?
Speaker: Naja, biografische Bücher sind häufiger ja dann doch etwas trocken.
Speaker: Klar, es gibt Menschen, also ich beschäftige bei Fair Concept einen Kollegen, der sehr geschichtlich orientiert ist und der tatsächlich dann auch ganz viele Biografien liest.
Speaker: Die etwas fiktionalisierten Bücher, finde ich, haben den Vorteil, dass sie
Speaker: eine spannende Geschichte darstellen und du aber gleichzeitig, wie auf der Nebenspur, auch die historischen Teile noch mitbekommst.
Speaker: Und wenn das gut gemacht ist, dann weißt du auch, an welchen Stellen jetzt wirklich Historie passiert und an welchen Stellen Fiktion ist.
Speaker: Und ich glaube, das macht einfach viel her.
Speaker: Und bei True Crime, es gibt so viele Geschichten, die
Speaker: sich ausgedacht und klar, dann denkst du manchmal kann gar nicht sein, da kommt True Crime irgendwie daher und siehst du, ich kann mir gar nicht vorstellen, hätte man das so geschrieben als Krimi, das hätte keiner geglaubt.
Speaker: Aber wenn es True Crime halt war, also wenn es auf realen Begebenheiten existiert oder sich zurückführen lässt, dann ist das schon spannend.
Speaker: Ja, das denke ich auch.
Speaker: Übrigens, kleiner Hinweis, wir hatten in der Krimi-Folge auch schon mal so ein bisschen das Thema angerissen, ging es auch um True Crime und Authentizität und dass es eben für viele dann das Spannende ist, ich gebe dir da völlig recht, Martin, gib mir selber immer so, dass man sich denkt, diese Story, hä, wie kommt man auf sowas Abstruses und dann, ah, okay, es beruht auf wahren Begebenheit, es gibt tatsächlich irgendwie Menschen, die so ticken und dann
Speaker: Und auf einmal wird es irgendwie interessant und man denkt sich, okay, jetzt muss ich es mir doch mal anhören oder lesen.
Speaker: Also es ist irgendwie, davor bin ich auch nicht gefeit, passiert selbst mir, dass ich dann sage, okay, jetzt hat es doch wieder eine andere Bedeutung für mich und ich finde es dann wieder spannender.
Speaker: Aber jetzt hast du eben gesagt, wenn es gut gemacht ist, erkenne ich das.
Speaker: Was heißt denn in dem Kontext gut gemacht in deinen Augen?
Speaker: Weil ich habe natürlich Angst, ich lese ein Buch und jetzt möchte ich mit meinem angelernten Schlaumeierwissen prahlen und behaupte dann Sachen, die ich gelernt habe.
Speaker: Und dann behaupte ich eben, dass es bei Backhaus gibt es ja diesen anstrengenden Kunden, das ist der reichste Mensch der ganzen Stadt, der jeden Tag ein Buch liest.
Speaker: Weil ich nicht weiß, wo die Fiktion aufhört und wo sie anfängt.
Speaker: Ich finde es einfach auch eine Herausforderung, mit so wachen Augen zu lesen, dass ich mir selber ein Urteil erlauben kann, was denkst du, was ist wahr und was denkst du, was ist jetzt die Fiktion.
Speaker: In guten Büchern, glaube ich, ist es dann auch so, dass am Ende ein Epilog gibt, wo dann drinsteht, das habe ich mir dazu gedichtet und das ist so.
Speaker: Aber erst zum Ende.
Speaker: damit ich vorher also wirklich gucken kann, aha, wie würde ich es sehen?
Speaker: Gut, das ist auch eine Diskussion, die wir heute ja gar nicht abschließend klären müssen.
Speaker: Vielleicht kann man es so sagen, Tina hatte das im Vorfeld, glaube ich, irgendwie gesagt, dass der Reiz dieser Bücher darin liegt, dass das Leben einfach dann doch scheinbar manchmal die besseren Geschichten schreibt und nur aufgeschrieben werden müssen, damit wir sie lesen können.
Speaker: Also es ist zwar eine Plattitüde, stimmt aber irgendwie.
Speaker: Ja.
Speaker: Das würde ja auf den Buchspazierer jetzt auch zutreffen.
Speaker: Es ist einfach eine Begebenheit.
Speaker: Eine Buchhandlung hat einem ehemaligen Buchhändler ein Gnadenbrot gegeben.
Speaker: Und ja, wenn man es jetzt mal so sieht, muss man es ja so sehen.
Speaker: Ein Gnadenbrot gegeben und...
Speaker: der nimmt das dankbar an und für beide ist das eine gute Entwicklung.
Speaker: Ja, vor allen Dingen, ich glaube, das Schöne ist ja hier auch, wenn man das liest und sich denkt, das ist eine ausgedachte Geschichte, denkt man auch so,
Speaker: Ja, ist irgendwie schön, herzerwärmend, aber in der heutigen Zeit gibt es das doch gar nicht mehr.
Speaker: Und dann eben zu wissen, doch, es gibt es in der heutigen Zeit und es gibt noch dieses Miteinander und diese Solidarität und das Mitgefühl, macht es ja dann irgendwie, ja, verstärkt quasi den Effekt nochmal, den die Geschichte hat.
Speaker: Richtig.
Speaker: Ja.
Speaker: Genau so soll das sein.
Speaker: Das soll genau so sein.
Speaker: Würde ich sagen, versuchen wir alle ein bisschen weniger abgestumpft zu sein, sondern versuchen ein bisschen das Schöne zu sehen, dass nicht immer nur Fiktion sein muss.
Speaker: Allen Verlagen sei geraten, das vielleicht hinten in den Epilog zu schreiben, damit auch die schlichteren Gemüter wie ich das verstehen, was ist Fiktion und was ist Realität.
Speaker: Und...
Speaker: Ansonsten stürzen wir uns jetzt alle auf biografische Romane.
Speaker: Es sei denn, Martin, du hast eine andere Buchempfehlung für uns mitgebracht.
Speaker: Darf ich noch eben zurück?
Speaker: Selbstverständlich.
Speaker: Zum Thema Epilog.
Speaker: Die erste Ausgabe des Buchspazierers war einfach der Roman in die neue Ausgabe mit dem Kinocover.
Speaker: Dort ist hinten dann jetzt auch die Geschichte, ein wenig jedenfalls,
Speaker: des Zustandekommens des Buches notiert.
Speaker: Okay, sollten alle die Kinoausgabe kaufen.
Speaker: Die verlinken wir euch selbstverständlich.
Speaker: Wir haben jetzt so viel über das Buch gesprochen, das könnt ihr euch bestellen.
Speaker: Wir verlinken das Buch bei Genial Lokal, zu Genial Lokal, dann könnt ihr es euch bestellen.
Speaker: Wir haben jetzt so viel darüber geredet.
Speaker: Aber du hast wahrscheinlich noch eine andere Buchempfehlung für uns heute mitgebracht.
Speaker: Genau, ich habe eine Buchempfehlung mitgebracht und zwar Steffen Kopetzky.
Speaker: Jetzt hat er halt neu vorgelegt Atom und die Geschichte eines britischen Rugby-Spielers, der vom MI6 angeworben wird und
Speaker: nach Berlin geschickt wird, um im Grunde einen russischen Studenten zu kontrollieren, der auch als Spion nach Berlin geschickt wurde.
Speaker: So jedenfalls sehen die Engländer das.
Speaker: Und angereichert wird diese Geschichte durch eine junge Frau, eine Mathematikerin, die mit den beiden Jungs dann immer unterwegs ist.
Speaker: Klar, auch ein wenig Liebesgeschichte.
Speaker: Das ist wie in Monschau auch, da gibt es ja auch die Liebesgeschichte, die fiktional ist.
Speaker: Und dann wird der, also das endet tragisch.
Speaker: Das wird im Buch auch nicht genau beschrieben, warum das tragisch endet, aber es endet tragisch.
Speaker: Und als der junge Mann hat sein Studium abgeschlossen, promoviert und er hat
Speaker: ist jetzt an der englischen Schule angestellt und es ist klar, es wird Krieg geben.
Speaker: Und sein Betreuer vom MI6 kommt wieder und sagt, wir brauchen dich, um die Pläne der Nazis in Bezug auf Raketentechnik zu finden.
Speaker: Also während der Studienzeit war es auch schon die Raketentechnik, auf die er angesetzt war.
Speaker: Und dann lernt er halt einen SS-Offizier, also er lernt etwas über einen SS-Offizier, nämlich Kammler, den bisher wohl keiner so richtig auf dem Schirm hatte.
Speaker: Und der...
Speaker: mit und mit diese ganze Forschung und Entwicklung der Raketen und auch der Atombombentechnik an sich gezogen hat und sehr effektiv, also so deutsch effektiv, das Ganze in eine Organisationsfolge bringt, sodass die Forscher relativ weit kommen.
Speaker: oder gekommen sind.
Speaker: Okay, wichtigste Frage, gibt es im Epilog für mich eine Einordnung?
Speaker: Ja, gibt es.
Speaker: Es gibt natürlich einen Epilog und das finde ich auch immer ganz toll, wo zum Beispiel dann beschrieben wird, dass die Mathematikerin auf jeden Fall erfunden ist.
Speaker: Okay.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Steffen Kupetzki, Atom, verlinken wir euch auch noch mal, wer sich das anschauen möchte, beziehungsweise auch die Bücher davor.
Speaker: Und von der Stimmung her ist das so, dass ich bin ein geschichtlich sehr interessierter Mensch und lasse mich super gerne abholen von Stimmung.
Speaker: Und zu Beginn des Romans habe ich mich
Speaker: richtig hineingesogen gefühlt in dieses Berlin der 30er Jahre und den Wannsee und das Ganze drumherum, das ist ähnlich intensiv wie bei Julia Frank, Mittagsfrau,
Speaker: Wir wollen nicht zu viel vorwegnehmen.
Speaker: Was ich aber spannend finde, wir haben vorhin sehr oft darüber geredet, du bist Unternehmensberater, du bist ja kein Buchhändler und so.
Speaker: Aber wenn du dann doch so ins Schwärmen von einem Buch kommst, dann bist du dann doch irgendwie auch schwer zu bremsen.
Speaker: Also irgendwie am Ende hat das alles schon sehr gut zusammengepasst.
Speaker: Ja, das passt gut zusammen.
Speaker: Ich bin, also ich liebe Literatur, das ist schon so.
Speaker: Ja, das hat man gemacht.
Speaker: Auch wenn Peter Klein früher gesagt hat, du bist ein Kulturbanause.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, das habe ich auch schon häufiger gehört, aber gut.
Speaker: Wahrscheinlich sind wir in seiner Sicht wahrscheinlich alle dann in Turbanhausen.
Speaker: Die, die ihn kennen, sagen tatsächlich, Martin, mach dir nichts draus, wir waren es alle.
Speaker: Von dem habe ich auch schon sehr viele spannende Geschichten gehört.
Speaker: Vielleicht eine Sache noch.
Speaker: Wir haben da heute immer wieder unterschieden Unternehmensberater, Kernsteiger und Buchhändler.
Speaker: Uns ist natürlich bewusst, dass jeder Buchhändler auch Unternehmer ist.
Speaker: Das war heute so ein bisschen zugespitzt formuliert.
Speaker: Damit wollten wir keinem auf die Füße treten.
Speaker: Das ist uns völlig klar.
Speaker: Aber wir wissen eben auch, dass viele Buchhändler ja dann doch mit sehr viel
Speaker: Liebe und Idealismus ihre Läden betreiben und nicht immer so ganz knallhart nur auf die Zahlen gucken, weil Martin, du hast es vorhin gesagt, dann vielleicht manche auch sagen würden, eigentlich lohnt sich das schon nicht mehr oder eigentlich hätte ich ja schon lange diesen Laden vielleicht abgeben sollen und nicht noch Mitte 70 hier stehen oder wie auch immer.
Speaker: Das nur nochmal am Ende, dass wir das nochmal klarstellen.
Speaker: Vielen Dank aber erst einmal Martin Schwoll von der Buchhandlung Backhaus mit ihren Filialen.
Speaker: Das muss man auch nochmal sagen, ihr habt kräftig expandiert und es sind glaube ich mittlerweile sieben oder sieben, sieben Filialen, die ihr betreibt.
Speaker: Jeder, der mal nach Aachen kommt, es gibt da auch andere schöne Buchhandlungen, aber definitiv sei zu empfehlen, auch mal in eine Filiale von Backhaus zu gehen.
Speaker: Die
Speaker: Soll ich das kommentieren, was ich da gerade, die Gesichter, die du in der Kamera machst?
Speaker: Nein.
Speaker: Wir gehen rüber, denn auch Tina hat uns heute natürlich wieder eine Buchempfehlung mitgebracht.
Speaker: Ich sage es gleich vorweg, es gibt kein Epilog zur Wahrheitsgehalt des Buches.
Speaker: Vielleicht sollte ich das zukünftig immer dazu sagen.
Speaker: Ja, bitte.
Speaker: Ich habe heute ein Buch mitgebracht von einem Autor, den ich wirklich sehr, sehr mag.
Speaker: Seit seinen ersten drei Büchern, muss man ja eigentlich sagen.
Speaker: Es war die misantropische Trilogie von Matthias Faltbacken und sein neuestes Buch, Armes Ding, habe ich lange drauf gefiebert, weil ich hatte schon, ich glaube, vor anderthalb Jahren gesehen, dass es im Norwegischen erschienen ist und es hat sich wahrscheinlich lange kein deutscher Verlag gefunden, der es übersetzen wollte.
Speaker: Jetzt hat sich BTB dazu durchgerungen.
Speaker: Und ich finde, es ist mal wieder ein sehr gelungenes Buch.
Speaker: Es ist Armes Ding von Matthias Faltbacken und im Grunde genommen spielt es, würde ich sagen, also es wird nicht zeitlich eingeordnet vom Autor, sondern ich würde jetzt mal sagen,
Speaker: Rein intuitiv würde ich es so in die erste Hälfte des 20.
Speaker: Jahrhunderts packen.
Speaker: Eine dörfliche Gegend, ein einsamer norwegischer Bauernhof, landwirtschaftlich betrieben von der Familie Blum und Oskar.
Speaker: Der Knecht findet im Wald ein sonderbares
Speaker: Kaum sprechfähiges, verwahrlostes Wesen, muss man dazu sagen.
Speaker: Also man kann am Anfang nicht so richtig zuordnen, es ist ein Junge, ein Mädchen, was ist es?
Speaker: Und er nimmt es auf, versteckt es erst in seiner Kammer, er gibt ihr den Namen Sonder und versucht es erst zu verheimlichen.
Speaker: Das geht irgendwann schief.
Speaker: Die Familie Blum nimmt dieses Wesen auf und es stellt sich heraus, es ist ein junges Mädchen.
Speaker: Und sie wächst schneller, als man gucken kann, möchte ich fast sagen.
Speaker: Also sowohl körperlich als auch psychisch.
Speaker: Sprich, sie emanzipiert sich auf eine sehr, sehr schnelle Art und Weise.
Speaker: Es kommt natürlich, wie es kommen muss.
Speaker: Oskar verliebt sich in dieses Wesen, was unfassbar schön ist.
Speaker: Und dieses Wesen hat am Anfang auch nur eine Zugänglichkeit zu Oskar.
Speaker: Beide fliehen in die große Stadt nach Oslo und hier nimmt die Emanzipation eine sehr schnelle Fahrt auf.
Speaker: Mehr will ich eigentlich erst mal gar nicht sagen, weil es natürlich zum Drama kommt zwischen Oskar und Sonder und Tommy, in dem Fall diesem Menschen, zu dem sie in Oslo fliehen.
Speaker: Es ist
Speaker: eine unfassbar, also ich würde es fast eine Fabel nennen, gepickt von, wie immer bei Faltbacken, Ironie oder fast sogar Zynismus.
Speaker: Das ist ja schon ein tragendes Element in seiner Sprache und in seinen Texten.
Speaker: Sehr ungewöhnlich, also man ist die ganze Zeit nur so, ah, noch so eine Absonderlichkeit.
Speaker: Sehr fesselnd, also man bleibt wirklich bis zum Schluss dran.
Speaker: Ich habe es, glaube ich, an einem Sonntag durchgelesen und für mich meine Empfehlung des heutigen Tages.
Speaker: Vielen Dank, Tina.
Speaker: Wir sind uns ja nicht immer so eins bei deinen Buchempfehlungen, aber bei Faltbacken, glaube ich, haben wir mal wieder eine Überschneidung.
Speaker: der tatsächlich auch die ersten drei Bücher, du weißt sie auswendig, wie sie hießen, die alle ganz... Macht und Rebel, Coca-Cola Company und Anfang.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Wie auf Knopfdruck.
Speaker: Der sei sehr empfohlen, den verlinken wir euch selbstverständlich auch.
Speaker: Das war es für heute, würde ich sagen.
Speaker: Noch einmal ganz herzlichen Dank an unseren Gast Martin Schwoll, dass du da warst, dass du uns einen Einblick gewährt hast in eure sehr, sehr spannende Unternehmensgeschichte, in die Buchhandelsgeschichte, in die Menschen dahinter.
Speaker: Und wir fragen uns künftig bei allen Büchern vielleicht mal, was war da wohl der Kern, wo ist da der Pudel drin, was war Steines Anstoßes, wo war die Inspiration?
Speaker: Da sind wir wieder am Anfang.
Speaker: Goethe wird überbewertet, aber der Pudel, der Pudel ist da.
Speaker: Aber wir haben ja gelernt, Goethe ist überbewertet und das Buch über unseren Gast Martin Schwoll wird irgendwann Martin Sutter schreiben.
Speaker: Liebe Grüße an der Stelle, da ist die neue Inspiration für das nächste Projekt.
Speaker: Wir hören uns demnächst wieder, wenn ihr mögt.
Speaker: Bis dahin, folgt uns auf Instagram, dort zeigen wir euch auch nochmal den Erdbeeren.
Speaker: echten Buchboten-Halluk.
Speaker: Und wenn ihr Fragen habt, oder Ideen für Themen, die wir mal aufgreifen sollen, dann schreibt uns gerne weiterhin an alles-at-buchmarkt.de So viel für heute.
Speaker: Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Tschüss.

