Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen.
Speaker: Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Allesbuchmarkt, der Podcast.
Speaker: Wir machen das Ganze jetzt schon über ein Jahr und Weihnachten steht vor der Tür.
Speaker: Und wofür steht Weihnachten?
Speaker: Ganz klar Stress.
Speaker: Deswegen wollen wir heute einfach mal ein bisschen besinnlich sein.
Speaker: Wir haben uns keinen Gast eingeladen.
Speaker: Das wird heute eine besondere Folge.
Speaker: Wir machen heute Weihnachtsfeier, Podcast Weihnachtsfeier und ihr sollt dabei sein und wir haben uns das folgendermaßen überlegt.
Speaker: Man nimmt sich ja immer vor zu Weihnachten, man liest ein bisschen, man kommt zur Ruhe.
Speaker: Das klappt aber alles nicht.
Speaker: Deswegen machen wir das heute.
Speaker: Wir werden ein paar Bücher, die uns allen jeweils am Herzen liegen, uns anschauen, ein bisschen darüber sprechen, auch daraus lesen und
Speaker: Für die gute Laune haben wir gesagt, wir nehmen nur Bücher, die gute Laune machen, die lustig sind, die Stimmung machen.
Speaker: Ich weiß nicht genau, was die anderen so mitgebracht haben.
Speaker: Wir überraschen uns auch ein bisschen.
Speaker: Wir werden auch ein, zwei Bücher zusammen lesen.
Speaker: Ich freue mich total, dass wir das heute machen.
Speaker: Habt ihr, Tina, Andi, habt ihr euren Glühwein parat?
Speaker: Ja.
Speaker: Ich habe hier noch ein paar Plätzchen.
Speaker: Es kann losgehen.
Speaker: Wir machen es uns kuschelig.
Speaker: Noch eine Kerze an.
Speaker: Und dann beginnen wir.
Speaker: Herzlich willkommen zur Alles-Buchmarkt-Weihnachtsfeier.
Speaker: Hallo, willkommen.
Speaker: Hallo.
Speaker: Und ich darf anfangen mit einem Buch, was wir alle drei in diesem Jahr schon mehrfach erwähnt haben, was wir alle drei auch gut finden.
Speaker: Und deswegen haben wir alle drei auch beschlossen, das lesen wir in verschiedenen Rollen.
Speaker: Und es geht natürlich um André Herrmann, schön war es aber nicht nochmal, Urlaub mit den Eltern,
Speaker: Das Buch ist dieses Jahr rausgekommen und Andre Herrmann fährt mit seinen Eltern nach Israel, Tel Aviv.
Speaker: Diese Reise ist viral gegangen durch den Hashtag umde, den er verwendet hatte während der Reise.
Speaker: Da ist sein Twitter bzw.
Speaker: Ex-Account durch die Decke geschossen.
Speaker: Also Urlaub mit den Eltern.
Speaker: Danke, Alex, dass du es uns nochmal synchronisierst.
Speaker: Gerne.
Speaker: In jedem Fall ist der Robert Verlag auf ihn zugegangen und hat gesagt, hey, lass uns daraus ein Buch machen, schreib uns einen Roman.
Speaker: Das hat André Herrmann getan und er ist der witzigste Roman des Jahres.
Speaker: Wir haben, wie gesagt, beschlossen, dass wir das in verschiedenen Rollen vorlesen.
Speaker: Ich darf André lesen.
Speaker: Alex liest die Mutter und Andi liest den Vater.
Speaker: Es geht um die Folge Pesto.
Speaker: Und in dieser Folge ist es so, der Vater findet die Kapselmaschine in seinem Hotelzimmer äußerst begehrenswert.
Speaker: Die Kapseln spielen immer mal wieder eine Rolle im Verlauf des Buches.
Speaker: Und hier ist es so, dass André Herrmann morgens
Speaker: Auf seine Eltern wartet, wundert sich, dass sie nicht erscheinen und geht jetzt sozusagen auf die Suche nach seinen Eltern und klopft an dessen und deren Hotelzimmer.
Speaker: Ich steige einfach mal ein.
Speaker: Um 9.55 Uhr habe ich immer noch keine Nachricht von meinen Eltern.
Speaker: Ich schnappe mir mein Portemonnaie und gehe sie holen.
Speaker: Ich klopfe nichts.
Speaker: Ich klopfe noch einmal, wieder nichts.
Speaker: Geht das wieder los, denke ich.
Speaker: Gerade will ich sie anrufen, da öffnet sich die Tür einen Spalt breit und meine Mutter schaut aus dem Zimmer.
Speaker: Ach, morgen, sagt sie unschuldig.
Speaker: Du bist ja schon da.
Speaker: Ja, denke ich, weil ihr sonst spätestens eine Minute nach der verabredeten Zeit die Nerven verliert.
Speaker: Morgen, sage ich, störe ich?
Speaker: Nee, nee, nee, sagt meine Mutter.
Speaker: Sicher?
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Meine Mutter schaut etwas nervös nach links und rechts.
Speaker: Lass gut sein, denke ich.
Speaker: Geh einfach runter und warte in der Lobby.
Speaker: Aber ich wäre nicht das Kind meiner Eltern, wenn ich plötzlich meine Neugierde übernehmen würde.
Speaker: Weil normalerweise seid ihr ja immer überpünktlich, sage ich.
Speaker: Ach, wir wollten dich schlafen lassen.
Speaker: sagt meine Mutter und versucht möglichst viel Platz im Türrahmen einzunehmen, damit ich auch Jan nicht ins Zimmer sehen kann.
Speaker: Der Vater nicht da?
Speaker: Doch, doch, sagt meine Mutter und schiebt die Tür noch etwas weiter zu.
Speaker: Der ist auf Toilette?
Speaker: Ähm, die Toilettentür ist aber offen, sage ich und deute über ihren Kopf hinweg.
Speaker: Ja, weil, weil, weil, der gerade erst auf Toilette gehen wollte?
Speaker: »Wo ist er denn?« frage ich.
Speaker: »Wer?« »Mein lieber Vater«, sage ich.
Speaker: Sie zögert.
Speaker: »Äh, na hier?« Sie zeigt hinter die Tür.
Speaker: »Auf dem Bett liegt er.
Speaker: Uhu, siehst du, er winkt.« »Ne, sehe ich tatsächlich nicht«, sage ich.
Speaker: »Na gut, dann bis gleich.« Sagt sie abrupt und will die Tür schließen.
Speaker: Ihr verheimlicht mir doch was, oder?
Speaker: Frage ich.
Speaker: Ach was?
Speaker: Sagt sie.
Speaker: Wo ist der Vater?
Speaker: Frage ich.
Speaker: Psst, der schläft noch.
Speaker: Okay, was macht ihr hier, frage ich und versuche an ihr vorbeizuschauen.
Speaker: Meine Mutter streckt sich, um so viel Fläche wie möglich aus ihren 1,60 Meter herauszuholen, aber es nützt nichts.
Speaker: Ich bin einfach größer.
Speaker: Nur was, wenn ich jetzt irgendetwas richtig Schlimmes sehe, das mich bis an mein Lebensende allabendlich beim Einschlafen heimsuchen wird, denke ich.
Speaker: Aber ich kann nicht anders.
Speaker: Wieso ist die Balkontür offen, frage ich.
Speaker: Na, wegen der frischen Luft?
Speaker: Ihr habt eine Klimaanlage im Zimmer.
Speaker: Ich sehe, wie sich ein Arm vom benachbarten Balkon herüber auf den Balkon meiner Eltern tastet.
Speaker: Was macht ihr hier, frage ich ungläubig.
Speaker: Hilf mir mal!
Speaker: Hör ich die Stimme meines Vaters.
Speaker: Ich dränge nämlich an meiner Mutter vorbei in Richtung Balkon.
Speaker: Im gleichen Moment sehe ich, wie sich mein Vater mit verkrampftem Gesicht und nur einem Arm außen am Geländer zwischen dem Nachbarzimmer und dem Zimmer meiner Eltern festklammert.
Speaker: Ob du mir vielleicht mal... »Hebt er an und bricht sofort ab, als er mich sieht.« »Wie, du schreibst das ins Internet!« ruft er.
Speaker: »Was dann?
Speaker: Dass mein Vater in Israel Fassaden hochklettert?
Speaker: Ach, das interessiert doch niemanden, sage ich.
Speaker: Mein Vater schaut meine Mutter an.
Speaker: »Jetzt hilf mir, Ma!« Meine Mutter geht zu ihm, er hangelt sich ein Stück weiter, sodass ein anderer Arm zum Vorschein kommt, unter dem er eine der kleinen Kaffeemaschinen geklemmt hat.
Speaker: die in jedem Zimmer stehen.
Speaker: Nicht euer Ernst, sage ich entgeistert.
Speaker: Jetzt nimm mal ab, ruft mein Vater und meine Mutter, nimmt ihm das Gerät ab.
Speaker: Nur mit Mühe schwingt er erst ein Bein über das Geländer, dann das andere.
Speaker: Okay, sage ich, als er wieder im Zimmer steht.
Speaker: Ich frag einfach nur mal so, was zum Teufel?
Speaker: Unsere war kaputt.
Speaker: sagt er unbeeindruckt und stöpselt die neue Maschine ein.
Speaker: »Ja, weil du zwei Kapseln auf Emma reingemacht hast.« »Du hast selber gesagt, da kommen immer so kleine Tassen raus,« brüllt mein Vater.
Speaker: »Ach, jetzt bin ich schuld, dass die Maschine geschmolzen ist, oder wie?« brüllt meine Mutter zurück.
Speaker: »Leute,« rufe ich kopfschulend, »wieso fragt ihr nicht einfach nach einer neuen Maschine?« »Hab ich,« ruft mein Vater.
Speaker: »Wir sind nicht nur die Maschine,
Speaker: Aber die Rene macht Frau nebenan, wollte sie nicht rausrücken.
Speaker: Logisch, da muss man natürlich rüberklettern, sage ich.
Speaker: Mein Vater nickt.
Speaker: Ich weiß nicht, wann genau es passiert ist, aber irgendwann nach ihrem 60.
Speaker: Lebensjahr haben meine Eltern begonnen, ihr Verhalten peu à peu vom jedweder sozialer Norm zu entkoppeln und es stattdessen nur noch darauf auszurichten, ihre eigenen Bedürfnisse schnellstmöglich zu befriedigen.
Speaker: Vielleicht hätte man das Ganze noch aufhalten können...
Speaker: denke ich.
Speaker: Aber mittlerweile wäre das in etwa so, als würde man einem außer Kontrolle geratenen Auto bei 100 Stundenkilometern in die Räder fassen.
Speaker: Ohne erheblichen Schaden kommt man da einfach nicht mehr raus.
Speaker: Das Einzige, was einem bleibt, ist, das immer schneller werdende Auto irgendwo hinzulenken, wo es möglichst wenig Ärger anrichten kann.
Speaker: Okay, so öffnet es ich.
Speaker: Hat dich jemand gesehen?
Speaker: Natürlich nicht, sagt mein Vater.
Speaker: Ich war fünf Jahre an der Grenze.
Speaker: Gut, nicke ich.
Speaker: Dann gehen wir jetzt einfach eine Runde raus, weil wenn wir gar nicht erst da waren, können wir es auch nicht gewesen sein.
Speaker: Meine Mutter greift ihre Tasche.
Speaker: Kein Kaffee erstmal?
Speaker: fragt mein Vater und tetschelt liebevoll die neue Maschine.
Speaker: Auf keinen Fall, sage ich und schiebe die beiden zur Tür.
Speaker: Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch und ähnlich wie die Kaffeemaschinengeschichte geht es hier auf
Speaker: mehr als 300 Seiten, eine Woche Urlaub mit Andres Eltern.
Speaker: Es ist so, ich habe die Eltern so lieb gewonnen.
Speaker: Wir hatten das, glaube ich, schon mal gesagt in einer früheren Folge, dass er, diese Eltern sind brutal lustig und trotzdem schafft er es aber immer, dass er sie nicht lächerlich macht.
Speaker: Also man merkt trotzdem, dass er seine Eltern gern hat.
Speaker: Und es ist ganz zauberhaft.
Speaker: Und es ist halt so, irgendwie ist es nicht absurd,
Speaker: Also es ist nicht so, dass man sich denkt, nee, das kann nicht realistisch sein, wie die Geschichte mit dem verlorenen Hörgerät an der Grenze, was aus Versehen in der Security hängen bleibt.
Speaker: Es ist einfach so witzig.
Speaker: Und ich habe mich schwer getan, eine passende Stelle rauszusuchen.
Speaker: Ich fand auch gut die Sache mit dem Bus, wo der Vater sozusagen nicht mehr mit reinkommt und dann von einem Einheimischen mit dem Auto hinterhergefahren wird.
Speaker: Also es gibt skurrile Geschichten, die aber gar nicht absurd sind.
Speaker: Ich würde jetzt gerne aus meiner eigenen Geschichte irgendwie zeigen, wie wenig absurd diese Eltern sind, aber dann darf ich, glaube ich, Weihnachten nicht nach Hause kommen.
Speaker: Mir geht es ähnlich.
Speaker: Das wollte ich auch sagen.
Speaker: Ich glaube, man kennt das ja auch.
Speaker: Jeder macht ja Urlaub mit den Eltern und hat, glaube ich, so Geschichten auf Lager.
Speaker: Aber ja, das ist ja einfach unglaublich witzig erzählt.
Speaker: Und ich muss ja gestehen, ich bin nicht so ein Freund von...
Speaker: humorvollen Büchern, weil mir da irgendwie immer was fehlt.
Speaker: Aber bei diesem Buch, also das zählt auch dieses Jahr definitiv zu einem der besten Bücher, die ich gelesen habe.
Speaker: Es macht einfach unglaublich Spaß, dem zu folgen und das Buch zu lesen.
Speaker: Was ich jetzt mal mitbekommen habe, er war, ich glaube, im Oktober oder November.
Speaker: mit den Eltern in Japan.
Speaker: Das ist der Ausgang des ersten Buches, dass die Eltern ihm androhen, mit ihm da hinfahren zu wollen.
Speaker: Das ist wohl jetzt anscheinend auch passiert.
Speaker: Deswegen bin ich, deswegen freue ich mich eigentlich auf nächstes Jahr, dass wir vielleicht einen Nachfolger zu Urlaub mit den Eltern bekommen werden.
Speaker: Ich hoffe.
Speaker: Es muss so sein.
Speaker: Okay, vielen Dank.
Speaker: Machen wir vielleicht mal direkt weiter.
Speaker: Andi, was hast du uns mitgebracht?
Speaker: Wenn du Humor schon nicht so magst.
Speaker: Ja, da ist es richtig schwierig.
Speaker: Aber ich habe auch ein paar humorvolle Bücher natürlich zu Hause.
Speaker: Ich wollte jetzt eigentlich mal mit einer Frau weitermachen.
Speaker: Und zwar ist es eigentlich auch eine bekannte Komikerin in Deutschland, Julia Becker.
Speaker: Ich glaube, die kennen auch sehr viele.
Speaker: Hat angefangen im Neo Magazin Royal bei Böhmermann, arbeitet mit Karolien Kebekus zusammen, ist Drehbuchautorin, hat selber einen eigenen Podcast, Drinnis auch sehr zu empfehlen.
Speaker: Und die ist auch Schriftstellerin und hat dieses Jahr ihr zweites Buch rausgebracht.
Speaker: Das heißt, wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anders.
Speaker: Auch kleiner Wink mit dem Zaunfall an Alex.
Speaker: Ja, soll ich dir was sagen?
Speaker: Deswegen habe ich es nicht gelesen, weil ich den Titel schon so schlaumeierhaft fand.
Speaker: Oh nee, das lese ich nicht.
Speaker: Und dieses Buch ist sozusagen eine Sammlung von auch absurden Situationen und Gedanken.
Speaker: von ihr und ich will einfach mal ein Stück vorlesen, gleich aus dem Anfang.
Speaker: Da macht sie sich Gedanken über den Tod und am Anfang überlegt sie, wie wäre es denn so eigentlich ewig zu leben, stellt dann fest, ah nee, macht eigentlich gar keinen Sinn ewig zu leben, ist schon ganz gut, wie das so alles funktioniert.
Speaker: Aber du hast das schon richtig verstanden, dass wir heute über Humor reden.
Speaker: Ja.
Speaker: Aber red du mal über den Tod, ist bestimmt super.
Speaker: Ich habe nachher noch eine wunderbare Geschichte, die dazu passt.
Speaker: Da geht es um die Geburt.
Speaker: Aber ja, ich meine, wir sind doch jetzt hier Weihnachten, Tod, Geburt.
Speaker: Also, naja, der Tod kommt später.
Speaker: Naja, also Jesus wird erst mal geboren.
Speaker: Die Osterfolge kann mir das jetzt gerne noch mal machen.
Speaker: Der Circle of Life.
Speaker: Darum geht es doch hier so ein bisschen.
Speaker: Und genau, jetzt möchte ich einen kurzen Abschnitt aus dem Kapitel Tod vorlesen von Julia Becker.
Speaker: Die Erkenntnis, dass ich es eh nicht in der Hand habe, lässt mich leichtfüßiger durchs Leben gehen.
Speaker: Natürlich, ich versuche mich nur noch selten auf Insekten abzustützen, die mit ihren Spitzenstachel Gift in meine Blutlaufbahn absondern.
Speaker: Aber ansonsten lasse ich das Leben größtenteils geschehen.
Speaker: Ich genieße es in vollen Zügen und damit meine ich, dass ich besonders wohlig geluchse, wenn ich auf der Couch sitze.
Speaker: Eine eigene Couch in einem warmen, wespenfreien Zimmer, wie geil kann das Leben denn bitte noch werden?«
Speaker: Ich brauche keinen Bungee-Sprung von einer klapprigen Fußgängerbrücke im Grand Canyon, um mich lebendig zu fühlen.
Speaker: Was ich brauche, ist ein geladener E-Reader, Hosen mit hohem Stretch-Anteil und angenehme 23 Grad Zimmertemperatur.
Speaker: Das ist für mich das pure Leben, Wonne, Wirksamkeit.
Speaker: Ich habe noch nie verstanden, wieso Menschen ein Vermögen für die Miete ihrer Wohnung zahlen, wenn sie sie kaum nutzen.
Speaker: Wer bucht ein schweineteures Hotel und verbringt dann den ganzen Tag draußen?
Speaker: Das ist ignorant und ergibt keinen Sinn.
Speaker: Ich habe vor, jeden Cent meiner Miete auszukosten, bis zum letzten Quadratzentimeter.
Speaker: Manchmal lege ich mich im Flur auf das weiche Klicklaminat in Eichenoptik und streiche über die sauber verlegten Dielen.
Speaker: Es ist pflegeleicht, schmutzabweißend und reduziert Trittschall.
Speaker: Es ist mir wichtig, dass es weiß, wie sehr ich das schätze.
Speaker: Außerdem zahle ich pro Quadratmeter 16,03 Euro Miete.
Speaker: Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen müssen, nur auf 60 Prozent der von mir bezahlten Fläche gelegen zu haben.
Speaker: Deswegen liege ich meine Wohnung ein.
Speaker: Man wohnt nur einmal.
Speaker: Manchmal, wenn ich im Flur liege oder auf den Fliesen unter dem Küchentisch, plane ich in Gedanken meine Beerdigung.
Speaker: Ich liebe es, meine Beerdigung zu planen, wie andere es lieben, ihre Hochzeit zu planen.
Speaker: Im Prinzip ist es ja auch fast das Gleiche.
Speaker: Ein paar Leute heulen und es gibt nicht genug Kuchen für alle.
Speaker: So soll es bei mir aber nicht werden.
Speaker: Ich plane ein rauschendes Fest.
Speaker: Zuerst dachte ich, es sei vermessen zu erwarten, dass meinetwegen alle ihre Termine absagen und sich irgendwo versammeln.
Speaker: Man könnte die Bestattung auch über Zoom abhalten.
Speaker: Die Leute müssten dann nur obenrum schwarz tragen und könnten untenrum in Unterhose vor dem Computer sitzen.
Speaker: Mein Vater würde es aber wahrscheinlich nicht schaffen, sein Mikrofon stumm zu schalten und die ganze Trauergesellschaft würde mitbekommen, dass er nebenbei Bundesliga guckt.
Speaker: Bei irgendeiner Cousine würde im Hintergrund Kleinkinder mit Mehl um sich werfen oder stolz ihren Schniedel zeigen und meine Oma würde mit offenem Mund einschlafen.
Speaker: Nein, das wäre zu schade für ein Online-Meeting.
Speaker: Das soll alles in der Öffentlichkeit passieren.
Speaker: Ich stelle mir meine Beerdigung weniger wie eine bedrückende Versammlung vor, bei der sich traurige Menschen mit Hüten zu trauriger Klaviermusik von Jan Thiersen gegenseitig versichern, dass sie auf jeden Fall traurig sind, sondern mehr wie eine elektrisierende, effektreiche Show, so DJ-Bobo-mäßig, mit viel Trockeneisnebel und bunten Strobelichtern, die über die Menge fegen.
Speaker: Es gibt einen Mindestverzehr von 50 Euro und am Eingang bekommt man ein zu enges Festivalbändchen, das niemand wieder abbekommt.
Speaker: Der Hauptsponsor Desperados verteilt an einem Stand gratis Tikiabier und in einer Fotobox kann man sich mit einem lebensgroßen Pappaufsteller von einem friedlich ruhenden Leichnam in einem Sarg ablichten lassen.
Speaker: Das Foto dafür habe ich allerdings schon zu Lebzeiten schießen lassen, denn ich möchte auf keinen Fall wirklich in einem Sarg beerdigt werden.
Speaker: Meine günstigen Polyester-Unterhosen würden sich nämlich nicht von selbst kompostieren.
Speaker: Und nach ein paar Jahren würde mein Skelett dann immer noch diese makellose Unterhose mit zu hohem Polyamid-Elastan-Anteil tragen.
Speaker: Diesen Sieg möchte ich dem hyperkapitalistischen Dumping-Textilmarkt nicht gönnen.
Speaker: Nein, ich will verbrannt werden und zwar nicht so 0815-mäßig mit Körper in den Ofen schieben, 1200 Grad Umluft, Asche raus, fertig.
Speaker: Ich bin doch kein Schlemmerfilet.
Speaker: An meinem Sarg soll eine Zündschnur angebracht werden und die Person, die am meisten Tekia Bier intus hat, darf sie mit einer Art olympischer Fackel entzünden.
Speaker: Sobald die knisternde Feuerspur sich ihren Weg zu meinem menschlichen Überristen bahnt, ertönt eine epische Musik, entweder der Interstellar-Soundtrack oder
Speaker: Oder was von Safri Duo.
Speaker: Da bin ich noch unentschlossen.
Speaker: Auf gigantischen Bildschirmen wird ein Countdown runtergezählt.
Speaker: Daneben werden Fotos eingeblendet von mir und meinen schönsten Momenten zu Lebzeiten.
Speaker: Ich mit meinem Hasen Paulchen.
Speaker: Ich bei der Überweisung der letzten Studienkreditrate.
Speaker: Ich verliebt grinsend auf meinem Klicklaminat.
Speaker: Die Spannung steigt ins Unermessliche.
Speaker: Die Zündschnur nähert sich immer mehr dem Kiefernholzsarg auf der Bühne der Messehalle Ost in Köln-Deutz.
Speaker: Alle halten den Atem an, als der Countdown bei eins ankommt.
Speaker: Die Zünschnur endet auf dem Sargdeckel, der sofort Feuer fängt und zeitgleich mit einem großen Knall aufspringt.
Speaker: Die Menge erschrickt, jemand schreit, der Sarg ist leer.
Speaker: So, hier höre ich jetzt mal auf.
Speaker: Es geht noch eine Weile weiter.
Speaker: Es wird noch viel, viel absurder.
Speaker: Und was ich hier an der Stelle mag, ist einfach, es ist natürlich, niemand denkt irgendwie gerne über den Tod nach, aber sie vermischt das mit so viel trockenem Humor.
Speaker: Und ja, deswegen finde ich das wunderbar.
Speaker: Und auch der Rest des Buches hat einfach so wunderbare Alltagsbeobachtungen, wunderbare Gedanken von ihr.
Speaker: Deswegen kann ich das allen nur werbsten empfehlen.
Speaker: Julia Becker, wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anders.
Speaker: Aber ist das ein Roman oder sind das kleine Kolumnen, Kurzgeschichten?
Speaker: Das sind so eine Art Kurzgeschichten, Kolumnen, Episoden.
Speaker: Ist jetzt kein Roman.
Speaker: Ihr erstes Buch war ein Roman und das ist eher so eine Textsammlung, würde ich es jetzt mal nennen.
Speaker: Okay.
Speaker: Ich habe letztens bei Instagram ein
Speaker: Sarg angezeigt bekommen, der diskokugelmäßig außen war.
Speaker: Der würde dazu passen, zu der Geschichte.
Speaker: Ich fand den super cool.
Speaker: Der ist halt auch nicht verbrennbar, aber der würde zur Geschichte passen.
Speaker: Ich frage mich trotzdem, was dein Algorithmus ist.
Speaker: Nein, ich habe nicht nach Särgen gesucht.
Speaker: Okay.
Speaker: Und jetzt haben wir ja auch die schweren Themen am Anfang weg.
Speaker: Jetzt können wir wieder zurück zu den...
Speaker: Ich hatte überlegt, ob ich den neuen Heinz Strunk, Zauberberg 2, mitbringe, was ich ganz, ganz toll finde, aber was eben sehr viele komische Szenen hat, aber eben nicht nur.
Speaker: Dieses Buch ist auch wahnsinnig oft sehr, sehr traurig und tiefsinnig und melancholisch.
Speaker: Die Hauptfigur denkt auch sehr viel über den Tod nach, musste ich gerade dran denken.
Speaker: Aber das war mir für heute zu schwer.
Speaker: Aber es stimmt natürlich.
Speaker: Man kann sich diesem Thema natürlich auf ganz vielen Ebenen und Wegen nähern.
Speaker: Aber das hat Strunk ja an sich, dass er so tragisch komisch ist.
Speaker: Also in jeder Geschichte merkt man ja schon, dass er das
Speaker: Tragische immer mit der Komik verbindet und dass es immer so einen Twist hat, dass man sich hinterher denkt, wie absurd das Ganze ist.
Speaker: Ich glaube, das Wort wird heute noch öfters fallen.
Speaker: Und gleichzeitig steht man mit offenem Mund daneben, weil diese Figur so tragisch dabei ist.
Speaker: Ja.
Speaker: Also das ist nebenbei ganz dicke Empfehlung.
Speaker: Heinz Strunk hat jetzt in einem Interview gesagt, er wollte eben an den Zauberberg von Thomas Mann eine Art Hommage schreiben und sagte dann den Satz, ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.
Speaker: Und der Meinung bin ich auch.
Speaker: Ganz fantastisch, nebenbei mal dicke Empfehlung.
Speaker: Ich bin jetzt auf Halbzeit.
Speaker: Ich habe mich ja schon gewundert.
Speaker: Ich dachte ja, einer von euch beiden bringt Heinz Strunk mit.
Speaker: Aber jetzt haben wir zumindest so drüber gesprochen.
Speaker: Ich war vorhin noch kurz davor, das Buch mitzubringen, was er da vorgeschrieben hatte.
Speaker: Es ist immer so schön mit dir.
Speaker: Das ist einfach wirklich, das ist ähnlich wie der Zauberberg.
Speaker: Ein tragisch komischer Mensch.
Speaker: Es ist auch dieses Niendorf-Buch von ihm.
Speaker: Es ist immer eine tragische Figur, die aber durch ihre Lebensweise so viel Komik ausstrahlt, dass man eigentlich nicht wirklich weint, sondern fassungslos lachend daneben steht.
Speaker: Ich weiß gar nicht, wird das gerade sehr gekauft oder ist der nach wie vor so ein bisschen nischig noch unterwegs?
Speaker: Also soweit ich weiß, ist er auf der Bestsellerliste.
Speaker: Okay, das ist das Minister.
Speaker: Waren nicht alle seine Bücher auf der Bestsellerliste?
Speaker: Das jetzt ist aber, glaube ich, tatsächlich direkt in die Bestsellerliste reingerutscht.
Speaker: Ja, ich glaube, mit dem goldenen Handschuh ging es los.
Speaker: Ja.
Speaker: Obwohl, das ist jetzt wirklich nicht lustig.
Speaker: Davon müssen wir ganz schnell wegkommen jetzt.
Speaker: Davon müssen wir ganz schnell wegkommen, genau.
Speaker: Alex, was hast du uns denn mitgebracht?
Speaker: Ich befürchte leider Schlimmeres, dass ich heute um das Känguru nicht drum rumkomme.
Speaker: Das ist vollkommen richtig.
Speaker: Man muss das eh vielleicht, das kann man jedem mal empfehlen.
Speaker: In Vorbereitung, als wir haben uns gesagt, wir machen diese kleine Weihnachtsfeier.
Speaker: Und dann steht man so vor seinem Bücherregal und nimmt sich so Bücher in die Hand und denkt, ach Mensch, das würde doch passen oder das.
Speaker: Ach, das auch.
Speaker: Und dann habe ich mir die alle so beiseite geräumt und dann wurde dieser Stapel immer größer.
Speaker: Und das hat so eine Freude gemacht und man...
Speaker: Ich habe dadurch so viel wiederentdeckt, wo ich denke, das will ich jetzt mal wieder lesen.
Speaker: Natürlich, man hat das im Kopf, man weiß, man hat das irgendwann schon mal gelesen, aber wenn man sich so mit einem Thema dem Bücherregal nähert und auf Basis dessen, das da mal so rauszieht, war ein total spannendes Erlebnis.
Speaker: Vielleicht sollte man das sich selber ab und zu mal vornehmen, dass man sich so ein Thema nimmt, geht so sein Bücherregal durch und guckt, was passen könnte.
Speaker: Und entdeckt wahnsinnig viel.
Speaker: Es hat echt Spaß gemacht.
Speaker: Ich saß auf der Couch und habe sie so alle rausgezogen und auch wenn du mich gleich schlagen wirst, ich mache ja immer Eselsohren da rein, wo ich Stellen besonders gut finde oder unterstreiche auch mal Sachen, die ich besonders gut finde.
Speaker: Und ich musste eigentlich nur drüber nachdenken, welche Bücher fand ich denn witzig.
Speaker: Und dann waren die Eselsohren theoretisch schon drin und dann habe ich immer so mal reingelesen und dachte mir, ja stimmt, das war ja auch noch.
Speaker: Also viele Szenen ploppen plötzlich wieder in einem auf.
Speaker: Von daher kann ich das...
Speaker: mich dir nur anschließen, das wirklich mal zu machen, ans Regal gehen, ein Thema raussuchen, auch im Freundeskreis einfach.
Speaker: Wir haben das ja schon mal gemacht, ein nettes Essen dazu und man liest sich gegenseitig ein paar Passagen vor zu einem bestimmten Thema.
Speaker: Macht super viel Spaß und man hat zusammen einfach so viele Erinnerungen, literarische Erinnerungen an so tolle Bücher.
Speaker: Ja,
Speaker: Ich hatte nur mit einem Problem zu kämpfen.
Speaker: Ich habe ganz viele Bücher rausgezogen, aber wo ich die insgesamt irgendwie witzig sind, aber wo ich keine schöne Szene rausholen konnte.
Speaker: Also man müsste dann quasi das ganze Buch lesen, um sozusagen den Humor besser zu verstehen.
Speaker: Und dann, genau, habe ich mich eben auf die Bücher konzentriert, wo man dann auch kurze, prägnante Stellen vorlesen kann.
Speaker: Da gibt es ja auch nochmal sozusagen Differenzen.
Speaker: Hat man so ein
Speaker: humoristischen Unterton oder ist einfach das, was passiert, auch witzig.
Speaker: Stimmt.
Speaker: Ja, das stimmt.
Speaker: Ich weiß, wir hatten damals... Da können wir alle eine ganze Liste aufmachen.
Speaker: Fällt mir gerade ein, wir hatten vor vielen Jahren im Quintett ja mal den... Ein Mann wie Holm, glaube ich, hieß das, ne?
Speaker: Waren das Trömer oder so?
Speaker: Keitel.
Speaker: von Matthias Keitel, genau, der so eine, auch eine wahnsinnig tragische Figur war.
Speaker: Ich glaube, da würde man sich jetzt auch schwer tun und trotzdem haben wir das alle, glaube ich, als recht amüsantes Buch im Kopf.
Speaker: Aber gut, das... Da war sogar Teil 2 noch richtig gut.
Speaker: Stimmt.
Speaker: Teil 3 ist dann abgeflacht, aber Teil 1 und 2 waren eigentlich richtig gut.
Speaker: Stimmt, stimmt.
Speaker: Ich glaube, das hat Andi sogar vorgeschlagen im Quintet.
Speaker: Nein?
Speaker: Ich glaube nicht.
Speaker: War es Alex?
Speaker: Die lustigen Bücher immer von Andi.
Speaker: Immer von Alex, ja.
Speaker: Immer von Alex.
Speaker: Ja.
Speaker: Ich hab, eigentlich wollte ich von Lars Ruppel Holger die Waldfee vorlesen, aber das sind so brillante, der hat Gedichte, zehn Gedichte über über Redensarten geschrieben.
Speaker: Die sind wirklich fantastisch, aber ich hatte Angst, ich würde mich blamieren, weil ich das nicht vorlesen kann.
Speaker: Da musste ich eben dran denken, Andi, als du vom hyperkapitalistischen Polyamyd Textilanteil gelesen hast, hätte ich mir niemals im Leben rausgesucht die Stelle.
Speaker: Aber es stimmt, ich bin bekennender Mark-Uwe Kling Fan von seinem kompletten Oeuvre.
Speaker: Das geht bis zum Neid, den ich auf diese Kreativität habe, die dieser Mann hat.
Speaker: Egal, ob es jetzt Kinderbücher sind, ob es die Känguru-Chroniken waren, ob es Quality Land 1 und das noch bessere Quality Land 2 war, der Thriller jetzt Views, der großartig war.
Speaker: Er macht Musik und wenn man was in seinem Shop kauft, dann wird das auch noch in der Regel, wird der Gewinn für irgendwelche wohltätigen Zwecke gespendet.
Speaker: Also so richtig, unsympathisch gut.
Speaker: Aber nichtsdestotrotz, eine Kängurugeschichte habe ich heute mitgebracht, weil es mir endlich die Möglichkeit gibt, dass ich das mal vorlesen darf, ohne dass ich von Tina unterbrochen werde.
Speaker: Das lasse ich mir nicht entgehen.
Speaker: Das ist aus dem ersten Band, genau, aus den Kängurukroniken.
Speaker: Ich möchte ganz kurz anmerken, ich mache das Schnittprotokoll.
Speaker: Ich wollte gerade sagen, wer weiß, ob das in der Folge am Ende landet.
Speaker: Ich überspreche das einfach mit was anderem.
Speaker: Und alles weggepiept.
Speaker: Die ganze Zeit.
Speaker: Also, ich habe eine kurze Geschichte rausgesucht.
Speaker: Und zwar heißt die Theorie und Praxis.
Speaker: Ganz kurz noch ein Satz.
Speaker: Mein Problem ist, dass Marc-Uwe Kling ja natürlich auch diese Hörbücher sind ja auch unglaublich gut und natürlich höre ich die auch und ich muss jetzt, habe im Vorfeld überlegt, ich fürchte, ich werde das so lesen, wie ich es immer höre.
Speaker: Das heißt, ich werde jetzt eine schlechte Marc-Uwe Kling-Imitation abgeben, weil ich es nicht mehr mit eigener Sprache lesen kann.
Speaker: Aber gut, nehmt es hin.
Speaker: Nicht mein Problem.
Speaker: Theorie und Praxis Vor fünf Jahren hatte ich einen Flug im Internet gebucht.
Speaker: Äußerst günstig, versteht sich.
Speaker: Abflug 5.30 Uhr.
Speaker: 5.30 Uhr morgens.
Speaker: Es war unbestreitbar ökonomisch richtig, den frühen Flug zu nehmen.
Speaker: Die praktische Umsetzung meiner Wahnsinnstat bekümmerte mich nicht im Geringsten.
Speaker: Als heute um halb vier der Wecker klingelte, bin ich selbst zum Opfer meines Fünfjahresplans geworden.
Speaker: Das Känguru hingegen ist quietschfidel, hat ganz laut Nirvana aufgedreht und hüpft dazu wie wild in meinem Zimmer auf und ab.
Speaker: Nun sind auch alle meine Nachbarn Opfer meiner unbestreitbar ökonomisch richtigen Entscheidung geworden.
Speaker: »Alter«, sage ich, »es ist vier Uhr früh.
Speaker: Was hast denn du für einen Bio-Rhythmus?«
Speaker: Wir fliegen von Berlin-Schönefeld nach Berlin-Tegel.
Speaker: Wollen da im gleichnamigen See baden.
Speaker: Durch den Frühbucher-Rabatt war der Flug einen Euro billiger als S-Bahn zu fahren.
Speaker: Als wir das Ticket für die S-Bahn zum Flughafen lösen, beschleicht mich der unangenehme Verdacht, irgendeinen Denkfehler gemacht zu haben.
Speaker: Am Flughafen gibt es zufällige, verdachtsunabhängige Intensivkontrollen und wie immer wird zufällig, verdachtsunabhängig ausgerechnet das Känguru kontrolliert.
Speaker: »Weil ich zufällig, verdachtsunabhängig nicht so unverdächtig weiß-mitteleuropäisch aussehe?«, fragt es.
Speaker: »Exakt«, brummt der outgesourcete, lohngedammte Sicherheitsdienstleister.
Speaker: »O no?«, fragt das Känguru.
Speaker: »Was willst du von mir, Mann ohne Eigenschaften?«
Speaker: Lehren Sie mal bitte Ihren Beutel.
Speaker: Wahnsinn, was es alles immer dabei hat.
Speaker: Kurt Cobains Tagebücher, eine Familienpackung Aspirin, einen alten Teddybär, eine Hängematte, ein Schlauchboot, eine Mao-Bibel, rote Boxhandschuhe, diverse Aschenbecher, zwei Packungen Schnapsballin, mein MP3-Player.
Speaker: Ach, guck an, sage ich.
Speaker: Mein MP3-Player.
Speaker: Das Känguru zuckt mit den Schultern.
Speaker: Ach, mein, nein, das sind doch bürgerliche Kategorien.
Speaker: Dann jetzt noch den Beutel aufs Band, bitte, sagt der Mann.
Speaker: Das Känguru blickt ihn verwirrt an.
Speaker: »Äh, das geht nicht«, sagt es konsterniert.
Speaker: »Den Beutel bitte aufs Band«, wiederholt der Mann.
Speaker: »Der ist angewachsen«, sagt das Känguru.
Speaker: »Der Beutel«, sagt der Mann noch mal überdeutlich, »muss aufs Band«.
Speaker: Seine Kollegin versucht mit einer Übersetzung weiterzuhelfen.
Speaker: »Please put the Beutel on the band«.
Speaker: Das Känguru zieht mehrmals an seinem Beutel, macht dabei Quietschgeräusche und sagt überdeutlich und genervt, »I, I, I, I, angewachsen, geht nicht!« »Der Beutel muss aufs Band, so sind die Vorschriften«, brummt der Mann.
Speaker: »Das ist entwürdigend«, ruft das Känguru eine Minute später vom Band, kurz bevor sein Kopf in der Durchleuchtemaschine verschwindet.
Speaker: »Ich kann nix erkennen«, murmelt die Frau hinter dem Bildschirm.
Speaker: »Wir müssen das nochmal machen«, sagt sie zum Känguru, als es auf der anderen Seite wieder rauskommt.
Speaker: »Und drehen Sie den Beutel bitte nach oben.« »Ihr habt ja wohl den Arsch offen«, beginnt das Känguru zu fluchen.
Speaker: Der Mann nimmt sein Funkgerät, um Verstärkung zu rufen.
Speaker: Ich blicke das Känguru flehend an.
Speaker: Es schnaubt böse, hüpft vom Band, stampft wieder zurück und legt sich nochmal andersrum drauf.
Speaker: »Ein Idiot in Uniform«, murmelt das Känguru, »ist immer noch ein Idiot.«
Speaker: Ein Idiot in Uniform, erwidert der Sicherheitsdienstleister, ist immer noch in Uniform.
Speaker: Kann ich schon durchgehen, frage ich.
Speaker: Schuhe aus, Hut ab, Jage weg, Gürtel auf, Pullover runter, sagt der Mann.
Speaker: Als das Känguru wieder ganz in der Maschine drin ist, hört man seltsame Geräusche und plötzlich ist das Bild auf dem Monitor verschwunden.
Speaker: Der Kopf des Kängurus wird unter dem schwarzen Gummivorhang vorgeschoben.
Speaker: »Und was meinen Sie, Herr Doktor?« fragte es im fatalistischen Tonfall eines Emergency Room Statisten.
Speaker: »Ist es was Schlimmes?« Ich habe mich derweil komplett ausgezogen und frage, »Ist gut so, oder soll ich auch noch die Haare wegrasieren?«
Speaker: Vier Tage später werden wir aus der Untersuchungshaft entlassen, nachdem das Känguru erfolgreich argumentiert hat, es sei nur an den Kabeln hängen geblieben, während ich mich damit entschuldigte, nur die Anweisungen im vorauseilenden Gehorsam zu Ende gedacht zu haben.
Speaker: Wir werden ins Flugzeug gesetzt, drei Minuten später landen wir in Tegel.
Speaker: Das Känguru ist aber immer noch mies drauf, weil es für sein Beutel noch 10 Euro Gepäckzuschlag bezahlen musste.
Speaker: Ich finde es großartig.
Speaker: Also ich musste sehr lachen und Tina sitzt die ganze Zeit da.
Speaker: Es ist nicht mein Humor.
Speaker: Es ist nicht mein Humor.
Speaker: Ich weiß auch nicht, dass es so, ich wusste gar nicht, dass Marc-Uwe Kling so spaltet, aber ich finde ihn auch tatsächlich auch großartig.
Speaker: Auch die Känguru-Chroniken.
Speaker: Ich finde alles außer dem Känguru gut von ihm.
Speaker: Aber da komme ich einfach nicht ran.
Speaker: Tja.
Speaker: Nicht in diesem Leben im Nächsten.
Speaker: Faszinierend.
Speaker: Ja.
Speaker: Aber wir haben ja immer, wenn andere das... Also in meinem ganzen Freundeskreis, alle sind super Fans von Känguru.
Speaker: Es ist auch in Ordnung.
Speaker: Es ist
Speaker: bin nicht die tragende Meinung.
Speaker: Gut, ich weiß auch nicht, wie viel hunderttausendfach es sich jetzt verkauft hat mittlerweile.
Speaker: Hätte man vorher nochmal recherchieren können.
Speaker: Das war jetzt definitiv kein Geheimtipp.
Speaker: Aber, um vielleicht einmal ganz kurz seriös zu werden, der Börsenverein hatte eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht werden oder wurden.
Speaker: Und zur Backlist.
Speaker: Zur Backlist in Verlagen, das ist natürlich, ist diese Quote immer so ein bisschen unterschiedlich.
Speaker: Beim Kinderbuch, im Kinderbuchsegment hat die Backlist ein bisschen höhere Bedeutung als bei klassischen Belletristik-Novitäten, Belletristiktiteln.
Speaker: Aber so im Schnitt kann man
Speaker: über den Daumen weg sagen, reden wir von 40% Backlist, die nach wie vor im Buchhandel verkauft werden.
Speaker: In dieser Studie wurde alles Mögliche untersucht, insbesondere natürlich der Preis, weil vor fünf Jahren Bücher noch anders gekostet haben.
Speaker: Wie werden da die Preise angehoben?
Speaker: Und
Speaker: Das war für mich aber auch heute für diesen Tag so ein bisschen die Initialzündung, wirklich mal nach älteren Büchern zu gucken und einfach ein bisschen heute Backlist zu beleben und nicht nur die neuesten Titel nochmal in den Fokus zu rücken.
Speaker: Denn es gibt eben auch ganz, ganz viele ältere, tolle, tolle Titel.
Speaker: Ich glaube, ich habe auch gar nichts Neues dabei, außer den André Herrmann von diesem Jahr.
Speaker: Habe ich tatsächlich einen Fokus auf die Backlist gelegt?
Speaker: Wahrscheinlich aus demselben Grund wie du, da ist man glaube ich zu sehr verlegender Mensch, weil man weiß, wie wichtig dieser Umsatz einfach auch auf das eigene Geschäft ist.
Speaker: Man kann es aber auch nachvollziehen, wenn Buchhändler sich die Backlist reduziert hinlegen, weil einfach auch unfassbar viele Neuerscheinungen immer auf den Markt kommen.
Speaker: Wir haben das ja jetzt auch dieses Jahr schon mehrfach von Buchhändlern gehört, die wir zu Gast hatten, dass das einfach, wenn da tausend Neuerscheinungen im Jahr kommen oder im Monat kommen, da den Fokus zu legen und zu sagen, ich nehme das und das auf meine Tische und
Speaker: Den Platz dann noch für die Backlist zu haben, ist schwierig.
Speaker: Aber eigentlich finde ich es dann ganz gut, dass wir heute mal eine einfache Empfehlung machen und einfach gucken, was lohnt sich.
Speaker: Weil, wie gesagt, man findet es nicht mehr wirklich auf den Büchertischen.
Speaker: Das Ziel ist ja auch so ein bisschen, für mich zumindest, so viele Leute fahren über Weihnachten irgendwo hin und müssen rumpendeln.
Speaker: Das hat ja nichts mit Gemütlichkeit zu tun, sondern man muss erst diese eine Familie besuchen und dann die andere und dann ist man doch mit Freunden verabredet und dann muss man eigentlich zwischen den Jahren vielleicht nochmal arbeiten und dann wieder zurück, weil man irgendwo Silvester feiern will.
Speaker: Und egal ob ihr jetzt im Auto sitzt oder auf einer Zugfahrt oder so, war unser Ziel, dass ihr da jetzt was auf die Ohren bekommt und einfach mal so ein bisschen runter kommt.
Speaker: Und wir lesen euch ein bisschen was vor.
Speaker: Und nächstes Jahr machen wir dann weiter mit wieder tollen, tollen Gästen und dann wird es wieder seriös.
Speaker: Aber heute ist einfach, ich trinke mal noch ein bisschen Glühwein.
Speaker: Komm.
Speaker: Deine Kekse hättest du mal teilen können.
Speaker: Das war eigentlich nur Geschwindel, weil wenn ich jetzt hier in den Keks beißen würde, würde die Hälfte wahrscheinlich abschalten, wenn es da so ins Mikrofon knuspert.
Speaker: Ja, und wir würden wieder einen Rüffel kriegen von unserem Techniker.
Speaker: Ja, der muss immer unsere Fehler ausbügeln.
Speaker: Aber weil du gerade von Weihnachten gesprochen hast, würde ich jetzt gerne die Geschichte lesen, die ich hier vor mir habe, weil du sagst, stressige Weihnacht und man muss hierhin und muss dorthin.
Speaker: Unser Autor Thomas Glavinec muss noch zum Friseur.
Speaker: Und ich würde die Geschichte total gerne jetzt einfügen, dass man sie gerade so gut passt.
Speaker: Aber eigentlich müsste man einen Zwischeneinschub machen.
Speaker: Unser Autor ist eigentlich Alex und Tinas Autor.
Speaker: Ich möchte das nochmal bedrohen.
Speaker: Aber das ist eine längere Geschichte, die auch eigentlich eine extra Folge wert wäre.
Speaker: Ich sag's mal so, lieber Andi, bei mir ist das Känguru, bei dir ist es Thomas Klawinitz.
Speaker: Bei Alex finden wir auch noch den todbringenden Autor.
Speaker: Officer Pembrey.
Speaker: Oh ja.
Speaker: Ja gut, den fand ich aber auch nicht gut.
Speaker: Also da müssen wir jetzt auch nicht weiterreden.
Speaker: Okay, gut.
Speaker: Also die Geschichte ist aus Thomas Glavinec, Wie man leben soll.
Speaker: Auch den haben wir, glaube ich, schon oft genug erwähnt und haben euch Einblicke gegeben in unser privates Leseverhalten und wie wir zu den Büchern von Glavinec stehen.
Speaker: Wie man leben soll ist eines der ersten Bücher, kann man sagen, von Glavinec, in dem er in
Speaker: anekdotenhaft einen jungen Mann verstellt, der Student noch ist und Carl oder genannt Charlie hat diverse Neigungen zu Alkohol, zu Sex, zu seiner Freundin, ist aber jetzt nicht unbedingt der attraktivste Typ in der Stadt und er versucht durchs Leben zu kommen und diese Versuche, wir hatten es gerade schon mal bei Strunk besprochen, sind teilweise sehr tragisch komisch
Speaker: und teilweise sehr verwirrend.
Speaker: Also mich hat das Buch schon wieder sehr sprachlos hinterlassen, nachdem ich es jetzt noch mal gelesen habe.
Speaker: Ich überlege gerade, das ist glaube ich ursprünglich sogar, ich sehe es gerade 2004 erschienen, gibt es glaube ich nur noch im Taschenbuch.
Speaker: Also ich habe gar keine Hardcover Ausgabe gefunden dazu und es ist einfach fantastisch.
Speaker: Und Mene, also er nimmt uns diesmal mit zum Friseur.
Speaker: weil er möchte sich für seine Freundin noch einen feschen Haarschnitt machen lassen.
Speaker: Wenn man kurz vor Weihnachten zum Friseur geht, wird man von einer dominanten Blondine bedient, der das Geschäft gehört und die vom Trubel, der den Feiertagen vorangeht, genervt ist.
Speaker: Als man ihr erklärt, wie man den Schnitt wolle, hört sie nicht zu.
Speaker: Nach links und rechts bellt sie Kommandos an die Lehrmädchen, dann sprüht sie einem die Haare nass und beginnt zu schnippeln.
Speaker: Schön ist es beim Friseur, wenn man die Augen schließt, sich entspannt und einem dabei sanft der Kopf geschoren wird.
Speaker: Weniger schön ist es, wenn die Friseurin dieses kontemplative Rasten von Zeit zu Zeit durch Brüllen im Kasernenhofton unterbricht.
Speaker: Noch viel weniger schön ist es, wenn man nach der Eröffnung der Friseurin, sie sei fertig, die Augen aufmacht und im Spiegel einen fremden und sehr hässlichen Menschen erblickt.
Speaker: Schroff bürstet einem die Friseurin Härchen vom Gesicht und Hals,
Speaker: An der Kasse verlangt sie eine unerwartet hohe Summe.
Speaker: Noch immer kann man sich nicht dazu durchringen, etwas zu der missglückten Frisur zu sagen.
Speaker: Nach dem Zahlen ist es zu spät.
Speaker: Obwohl man viel zu viel Trinkgeld gegeben hat, verschwindet die Frau grußlos nach hinten.
Speaker: Man steht da und statt auf die Sparschweinchen, die neben der Kasse stehen, noch einmal in den Spiegel zu schauen, wagt man nicht.
Speaker: Zu Hause nimmt man die Katastrophe in Augenschein.
Speaker: Man sieht aus, als habe einem die Friseurin einen Topf aufgesetzt und rundherum geschnitten.
Speaker: So kann ich mich nirgendwo sehen lassen.
Speaker: Man ringt mit sich, man ist ein 82-prozentiger Mitläufer.
Speaker: Wie soll man da in seinen Friseursalon gehen und sich beschweren, man sei verschnitten worden?«
Speaker: Vielleicht klappt es mit Charme und Freundlichkeit.
Speaker: Zurück im Laden bittet man, die Chefin sprechen zu dürfen.
Speaker: Nach einer Weile schlurft sie mit mürrischer Miene nach vorn.
Speaker: Sie erkennt einen nicht, kann sich nicht erinnern.
Speaker: Lächeln sagt man, das sei wohl etwas schiefgelaufen.
Speaker: Diese Frisur habe man nicht bestellt.
Speaker: Was wollen Sie?
Speaker: ruft sie so laut, dass sich andere Kunden umdrehen.
Speaker: Das passt doch alles.
Speaker: Was soll ich getan haben?
Speaker: Verschnitten.
Speaker: Man deutet mit den Händen murmelnd, so habe man das nicht gemeint.
Speaker: Man schluckt
Speaker: Grob greift sich einem an den Kopf, reißt mal hier, mal da an den Haaren.
Speaker: Das ist doch okay, da ist nichts auszusetzen.
Speaker: Drücken Sie sich das nächste Mal deutlicher aus, sagen Sie einfach, was Sie haben wollen.
Speaker: Was gefällt Ihnen nicht?
Speaker: Mittlerweile wird man von den Anwesenden angestarrt.
Speaker: Erleichtert stimmt man ihr zu, als sie einem nachweist, dass mit dieser Frisur alles in Ordnung ist.
Speaker: Man nickt, bedankt sich überschwänglich und knallt mit dem Kopf gegen die geschlossene Tür, weil man es so eilig hat, den Laden zu verlassen.
Speaker: Vor dem Spiegel daheim ist man so verzweifelt, dass man zu weinen beginnt.
Speaker: In drei Tagen ist Heiligabend.
Speaker: Was soll man denn jetzt anstellen?
Speaker: Nach eigener Betrachtung glaubt man, dass die größeren Problemzonen ausgemacht zu haben.
Speaker: Entschlossen greift man zur Schere.
Speaker: Da ein Schnitt, dort ein Schnitt, da noch einer, hier noch einer.
Speaker: Das Ergebnis ist nicht restlos befriedigend.
Speaker: Man schwitzt.
Speaker: An einigen Stellen muss man noch einmal nachschneiden.
Speaker: Nun ergeben sich neue Schwierigkeiten.
Speaker: Man schneidet, man schnippelt und schnippelt.
Speaker: Merke, wenn man sich selbst vor dem Spiegel die Haare schneidet, sieht man nach kürzester Zeit aus, wie ein Psychiatrie-Patient nach einem Unfall.
Speaker: Glavinec, wie man leben soll.
Speaker: Ich glaube, man kann sich selbst ungefähr vorstellen, wie es davor und danach weitergeht.
Speaker: Es ist einfach urkomisch, ein
Speaker: sympathischer Mensch, mit dem man aber nichtsdestotrotz unfassbar viel Mitleid hat, der einem da präsentiert wird in diesem Buch.
Speaker: Und eines eigentlich der witzigsten Bücher von Glavinec.
Speaker: Also die anderen sind eher so lebensphilosophisch, aber das hier ist tatsächlich urkomisch.
Speaker: Ich kann nur sagen, ich kann das tatsächlich komplett nachvollziehen mit dem Friseur und selbst für Männer ist es unglaublich wichtig, einen Friseur zu haben, der oder die weiß, was man für eine Frisur will.
Speaker: Ich hatte das dieses Jahr, wo dann, ich habe so einen komischen Wirbel und dann war ich beim neuen Friseur, der hat dann zu kurz geschnitten und beziehungsweise hat das nicht in den Griff gekriegt und muss, ah nee, jetzt muss ich hier nochmal schneiden, ah nee, jetzt muss ich hier nochmal schneiden und es wurde immer kürzer und kürzer und das ist furchtbar und
Speaker: Ich kann das auch nachvollziehen.
Speaker: Und da geht man raus und denkt sich, gehe ich jetzt nochmal zurück und sage was, aber es ist dann eigentlich auch schon zu spät.
Speaker: War das dieser Friseurbesuch, als du aussahst, wie André Herrmann eine Zeit lang?
Speaker: Ja.
Speaker: Aber die Frisur war sehr sympathisch.
Speaker: Ja, trotzdem.
Speaker: Es war mir ein bisschen zu kurz.
Speaker: Aber zurück zu Glamis.
Speaker: Ich hatte mal den ganz merkwürdigen Friseurbesuch, als die Friseurin zu mir sagt, ich muss mal kurz aufhören, das blutet gerade zu stark.
Speaker: Und dann hatte ich kurz Angst, aber sie hatte sich wohl in den Finger geschnitten und dann musste sie sich kurz mal in Taschenluch da ranbinden.
Speaker: Aber das ist auch, wenn so ein Friseur hinter einem steht und der Satz sagt, es blutet gerade zu stark, wird einem auch mal kurz ein bisschen anders.
Speaker: Aber habt ihr jemals, wenn man dann so diesen Spiegel hinten an den Hinterkopf gehalten bekommt, jemals was anderes gemacht, als freundlich genickt und euch bedankt?
Speaker: Fun Fact, ich habe ja eine Brille mit einer sehr großen Stärke und ich setze dann ja immer die Brille ab und dann fangen die an mit ihrem Spiegel und dann meistens bin ich auch, komme ich nicht an meine Brille, passt alles so und ich nick einfach nur, das ist gar nichts.
Speaker: Ja toll und danach schön beschweren wollen.
Speaker: Das haben wir ja.
Speaker: Ich bin tatsächlich eine der Kundinnen, die es geht, wenn sie zufrieden ist.
Speaker: Allerdings habe ich auch eine langjährige Beziehung zu meiner Friseurin.
Speaker: Sprich, ich gehe da, glaube ich, seit mehr als zehn Jahren hin.
Speaker: Und bei mir ist die kritische Stelle tatsächlich das Pony.
Speaker: Und da bin ich einfach wirklich, dass ich so lange sitzen bleibe, dass es passt.
Speaker: Ich glaube, jetzt schweifen wir ein kleines bisschen ab.
Speaker: Ja, ich wollte noch eine Frage noch.
Speaker: Vor Weihnachten noch mal zum Friseur oder nicht?
Speaker: Macht man das noch so, dass man dann noch mal schnell, bevor man zu den Eltern fährt, den Sack noch mal ein bisschen frisch machen lässt?
Speaker: Auch hier gehen die Meinungen auseinander.
Speaker: Aber ich bin dieses Jahr noch...
Speaker: Dieses Jahr waren ja auch diese ganzen Buchmessen und dann auch noch die Buch Wien im November, ich weiß noch nicht.
Speaker: Lieber für eine Messe hübsch machen, als dann für Weihnachten.
Speaker: Aber gut, das kann jeder selber halten, wie er will.
Speaker: Wir haben noch so viele... Man sollte sich einfach nur nicht stressen.
Speaker: Das ist, glaube ich, das A und O. Also wenn es einen stresst, das zu machen, dann sollte man es einfach sein lassen.
Speaker: Und sich den Podcast auf die Ohren holen.
Speaker: Ich würde einfach mal abgeben an Andi, weil ich bin total gespannt, was Andi mitgebracht hat.
Speaker: Ja.
Speaker: Weil eben er auch, also bei Alex weiß ich einfach, der liest unfassbar viel humorvolle Literatur und Andi und ich sind ja eher die ernsten Geiste.
Speaker: Deswegen würde es mich da echt interessieren.
Speaker: Ihr seid die Intellektüllen.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja.
Speaker: Aber auch ich lese humorvolle Sachen und apropos Stress.
Speaker: Entschuldigung, Andi.
Speaker: Das ist jetzt nur das zweite Mal, dass wenn du über humorvolle Bücher redest, dann kommt so ein L'Oreal-hafter Zug auf einmal und wir schmunzeln auch gerne einmal.
Speaker: Ich bin so gespannt, was du jetzt vorstellst.
Speaker: Wahrscheinlich ist es wieder was mit Tod.
Speaker: Nein, diesmal nicht.
Speaker: Aber es ist eigentlich eher mit auch fast Geburt und Stress.
Speaker: Das heißt, wir reden über Elternschaft.
Speaker: Und es gibt ja sehr viele Elternblogger und auch Frauen, die über ihr Elterndasein bloggen, aber auch Männer.
Speaker: Und da gibt es tatsächlich sehr, sehr viele witzige Leute.
Speaker: Ich habe die eher eben durch...
Speaker: Social Media kennengelernt durch Instagram oder durch Kurznachrichtenplattformen.
Speaker: Und da gibt es auch einige, die Bücher geschrieben haben.
Speaker: Und einen möchte ich euch heute vorstellen, der heißt Christian Henne.
Speaker: Der hat als Blogger angefangen schon Ende der 90er Jahre und der nennt sich selber im Internet Familienbetrieb.
Speaker: Und der berichtet immer humorvoll über seine Familie.
Speaker: Er hat zwei Kinder, eine Frau lebt in Berlin und auch hier wieder Alltagsszenen sozusagen im Fokus.
Speaker: Und der hat mittlerweile auch schon vier Bücher rausgebracht.
Speaker: Das ein Buch heißt zum Beispiel, wenn es ein Junge wird, nennen wir ihn Judith.
Speaker: Und ich möchte euch jetzt aus seinem zweiten Buch vorlesen.
Speaker: Das heißt, ein Vater greift zur Flasche.
Speaker: Und in diesem Buch geht es darum, dass er, als seine Tochter geboren wurde, Elternzeit genommen hat.
Speaker: Er ist dann neun Monate in Elternzeit gegangen, hat seinen Job eben zur Seite gelegt und hat sich nur um seine Tochter gekümmert und erlebt dort allerlei Skurriles.
Speaker: Und man kann sich vorstellen, wie das so ist, wenn man als Mann neun Monate in Elternzeit geht,
Speaker: Da passieren sehr, sehr viele komische Sachen und man wird schon oft unnötig gelobt, oft auch irgendwie kritisiert, wie kann das sein, dass man seine Karriere vernachlässigt.
Speaker: Solche Sachen, darüber schreibt er und ja, das kann ich allen auch nicht nur Eltern empfehlen, sich das mal anzuschauen.
Speaker: Das hätte ich mich jetzt gefragt, ob ich das nur lustig finde, wenn ich das selber irgendwie kenne.
Speaker: Naja, wir schauen mal jetzt.
Speaker: Können wir jetzt gleich den Test machen.
Speaker: Ich lese jetzt den Anfang vor aus einem Kapitel Allein unter Frauen.
Speaker: Geh da mal hin, das macht bestimmt Spaß, sagt die Freundin.
Speaker: Und außerdem tut es dir ganz gut, wenn du Kontakt zu anderen Eltern hast.
Speaker: Es ist Samstagmorgen, 7.30 Uhr und wir frühstücken gerade.
Speaker: Die Tochter thront in ihrer Wippe auf dem Tisch, umringt von Aufschnitt, Marmelade und Nuss Nougatcreme.
Speaker: Während ich einen großen Schluck Kaffee nehme, lasse ich mir die Sätze der Freundin durch den Kopf gehen und komme nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, dass sie falsch sind, und zwar auf ganz vielen Ebenen.
Speaker: Geh da mal hin!
Speaker: bezieht sich auf einen sogenannten PCIP-Kurs.
Speaker: PCIP ist die Abkürzung für Prager Eltern-Kind-Programm und so eine Art Krabbelgruppe für Eltern und Kinder.
Speaker: Ein Kind finde ich meistens nett und süß, vor allem wenn es das eigene ist.
Speaker: Mehrere Kinder dagegen sind oft laut und anstrengend.
Speaker: Wobei das häufig gar nicht an ihnen, sondern an ihren Eltern liegt.
Speaker: Das macht bestimmt Spaß.
Speaker: Auch diesem Teil der Aussage der Freundin möchte ich nicht uneingeschränkt zustimmen.
Speaker: Ich möchte sogar entschieden widersprechen.
Speaker: Anderthalb Stunden mit mir unbekannten Menschen in einem Raum gepfercht zu werden, rangiert bei mir irgendwo zwischen dem Besuch eines Andreas Gabayer Konzerts und einer Darmspiegelung ohne Narkose.
Speaker: Und wenn es da tatsächlich so spaßig zugeht, wäre die Freundin in ihrer Elternzeit bestimmt selbst mit der Tochter hingegangen, ist sie aber nicht.
Speaker: Sie ist nämlich genauso Kontakt- und menschenscheu wie ich.
Speaker: Am liebsten würde sie alleine in einer abgeschiedenen Hütte irgendwo in den Bergen hausen.
Speaker: Es grenzt an ein Wunder, dass zwei so sozialphobische Menschen wie wir überhaupt zueinander gefunden haben.
Speaker: In Klammern, die Stichworte Studienzeit, Partys und Alkohol mögen Ihnen einen Hinweis darauf gehen, wie das gegen jede Wahrscheinlichkeit doch geklappt hat.
Speaker: Außerdem tut es dir gut, wenn du Kontakt zu anderen Eltern hast.
Speaker: Es ist mir vollkommen schleierhaft, was daran gut sein soll, mich mit anderen Eltern zu treffen.
Speaker: Seit zwei Wochen bin ich jetzt in Elternzeit und ich bin mit meiner Elternkontaktfrequenz sehr zufrieden.
Speaker: Ich finde, ich habe mehr als ausreichend Kontakt zu Eltern.
Speaker: Zum Beispiel zu meinen eigenen.
Speaker: Mit denen telefoniere ich jedes Wochenende und meine Mutter bringt mich dann auf den neuesten Stand über die Entwicklungen im Verwandten- und Bekanntenkreis und die Geschehnisse in meinem alten Heimatdorf.
Speaker: Es ist auch nicht so, als hätte ich gar keinen Kontakt mit anderen Eltern.
Speaker: Manchmal rede ich sogar mit denen.
Speaker: Im Park, beim Spazierengehen oder so.
Speaker: Also, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.
Speaker: Ich habe nämlich Angst, dass ich, wenn ich noch einmal den Satz »Mein Kind ist hochbegabt« hören muss, mir auf der Stelle beide Ohren abschneide, und das wäre für die Tochter sicherlich eine traumatische Erfahrung, die ich ihr gerne ersparen möchte.
Speaker: Die Freundin schwärmt dabei davon, wie wichtig solche Kurse für die Entwicklung von Kindern seien.
Speaker: Sozial, motorisch und kognitiv.
Speaker: Ich bin da eher skeptisch.
Speaker: Babymassage, Delphi, Pickler, musikalische Früherziehung für Neugeborene, Kinder-Yoga und was es da noch so alles gibt.
Speaker: Mir scheint es, dass das weniger der Förderung der Kinder dient, sondern dass optimierungswürdigen Eltern das Geld aus der Tasche gezogen wird.
Speaker: So eine Art Enkeltrick für Jungeltern.
Speaker: Darüber müsste es mal einen Bericht bei Nepper-Schlepper-Bauanfänger geben.
Speaker: Wir hätten sowas früher nicht gehabt und es hätte uns auch nicht geschadet, erkläre ich der Freundin.
Speaker: Die scheint meine Meinung nicht zu teilen.
Speaker: Sie antwortet aber nicht, sondern zieht lediglich die linke Augenbraue nach oben.
Speaker: Mich nervt das immer kolossal, denn ich bin nicht in der Lage, meine Augenbrauen einzeln und unabhängig voneinander zu bewegen.
Speaker: Im Gegensatz zur Freundin kann ich auch nicht die Zunge rollen oder mit den Ohren wackeln.
Speaker: Somit sind meine Fähigkeiten, Unterhaltungen nonverbal mittels mimischer Gesichtsakrobatik zu führen, sehr beschränkt.
Speaker: Ein gravierender Wettbewerbsnachteil in partnerschaftlichen Diskussionen.
Speaker: Aber möglicherweise hat die Freundin ja auch recht, was die entwicklungsfördernden Effekte dieser Babykurse angeht.
Speaker: Ich möchte mir später nicht vorwerfen lassen, es hat bei meiner Tochter nicht zum Olympiasieg im Kunstturn oder zum Medizin-Nobelpreis gereicht, weil ich damals den P-Kip verweigert habe.
Speaker: Also erkläre ich nonchalant, ich könnte mir das ja mal anschauen.
Speaker: Das ist ja ganz wunderbar, strahlt die Freundin.
Speaker: Ich habe euch da auch schon angemeldet.
Speaker: Nächsten Dienstag geht's los.
Speaker: Ich bin empört und protestiere.
Speaker: Sie können doch nicht einfach ohne mich zu fragen über meine Zeit verfügen.
Speaker: Die Freundin erwidert spöttisch.
Speaker: Während meiner Elternzeit gäbe es da bestimmt keine Terminkonflikte.
Speaker: Dann hebt sie die rechte Augenbraue und die Diskussion ist beendet.
Speaker: Das klingt nach mir, als wenn ich Kinder hätte.
Speaker: Ja.
Speaker: Und das ist eben dieses unglaubliche Sympathische daran, weil ich glaube, ein Großteil der Eltern denkt genauso wie er und sieht das auch so.
Speaker: Und es ist wirklich urkomisch und es geht ja von da noch weiter.
Speaker: Das war jetzt der Einstieg.
Speaker: Er berichtet dann, wie er dann da hingeht.
Speaker: Es ist so ein bisschen leicht esoterisch angehaucht.
Speaker: Die müssen sich dann irgendwie alle ausziehen.
Speaker: Die Babys pinkeln dann da frei rum.
Speaker: Und es ist unglaublich witzig.
Speaker: Und ja, deswegen sehr zu empfehlen.
Speaker: Eigentlich fast alle Bücher von Christian Henne kann man sich mal anschauen.
Speaker: Entdeckst du dich derselbe wieder, Andi?
Speaker: Bei den Geschichten?
Speaker: Ja, definitiv.
Speaker: Also mir geht es auch so, ich konnte das auch sehr gut nachvollziehen, ich war auch manchmal in so Eltern-Kind-Cafés und so was und dann sitzt man da und muss dann irgendwie angestrengt mit anderen Eltern ein Gespräch anfangen.
Speaker: Das Besondere ist ja auch, das beschreibt er ja hier auch, er kommt ja dann in eine Runde, wo nur Frauen sind.
Speaker: Und er ist der einzige Mann.
Speaker: Und das erzeugt oft einfach so unangenehme Situationen.
Speaker: Und die beschreibt er aber unglaublich witzig.
Speaker: Okay.
Speaker: Also es klingt auf jeden Fall fantastisch.
Speaker: Es könnte ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder sein.
Speaker: Und funktioniert offenbar auch ohne Kinder.
Speaker: Du hast recht.
Speaker: Ja, also ich glaube, du fühlst dich da auch wieder.
Speaker: Ein bisschen, ja.
Speaker: Als Hundefater.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, diese Gespräche als Hundebesitzer morgens, wenn man eigentlich noch gar nicht wach ist und dann begegnet man anderen Hundebesitzern, ist wahrscheinlich ähnlich.
Speaker: Möchtest du nicht ein Buch schreiben, Alex?
Speaker: Nein.
Speaker: Nein.
Speaker: Das Gesicht sagt nein.
Speaker: Nein.
Speaker: Ich vermute, Alex hat es bestimmt schon mehrmals versucht und hat ganz viel in der Schublade.
Speaker: Und alles wurde abgelehnt.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Von dir selber.
Speaker: Das wird das Problem meines Nachlassverwalters, genau.
Speaker: Marbach?
Speaker: Ich hoffe, du greifst nach oben zu den Sternen.
Speaker: Dass dein literarisches Erben Marbach landet.
Speaker: Wo sonst?
Speaker: Vielen Dank, Andi.
Speaker: Ich bin hier gerade so durchgegangen.
Speaker: Es ist noch so wahnsinnig viel, was ich mir so zusammengebaut habe.
Speaker: Was ich einfach jetzt nur mal kurz erwähne, was wir heute alles nicht, zumindest von meiner Seite aus, besprechen können.
Speaker: Aber ich bin auf so kleine Schätze gestoßen,
Speaker: wie von Uli Hannemann Hipster wird's nicht, ein Neukölln-Roman aus, ich weiß gar nicht von wann der ist, Moment, ich wollte mal eben schicken, 2014, wo mir nur so eine Szene im Kopf geblieben ist, wo ein älterer Mensch von seiner gut betuchten Freundin verlassen wird, also älter, er ist irgendwie so Ende 30, glaube ich, und nach Neukölln in eine Hipster-WG zieht, weil er irgendwo unterkommen muss und
Speaker: Und diese Hipster-WG findet es natürlich klasse, einen Dino in der Wohnung zu haben, weil damit sind sie so ein Alleinstellungsmerkmal, dass sie so einen alten da haben.
Speaker: Und er ihnen dann Derrick und solche Sachen zeigen.
Speaker: Auf einmal wird in ganz Neukölln, ist Derrick auf einmal wieder total hip.
Speaker: Und dann gibt es, weiß ich noch, so diesen einen Satz, wo er irgendwann sagt, und ich glaube, morgen mache ich Fanta wieder cool.
Speaker: Das ist großer Spaß.
Speaker: Wen wir gar nicht dabei haben heute, ist natürlich auch diese ganzen, wirklich die Dinos des Humors.
Speaker: Wir haben heute kein Loriot, wir haben kein Heinz Erhardt, wir haben kein Otto, all diese ganzen Bücher, die auch fantastisch immer wieder zum Verschenken sind oder einfach nur, um immer mal drinnen rumzuschmökern.
Speaker: Über Loriot habe ich tatsächlich auch nachgedacht.
Speaker: Ja.
Speaker: Also da kann man ja eigentlich auch blind zugreifen.
Speaker: Immer als super Geschenk.
Speaker: Immer noch.
Speaker: Das stimmt.
Speaker: Ja, aber auch die Gedichte von Heinz Erhard sind Gold.
Speaker: Ja.
Speaker: Wir könnten ja auch nochmal zu dritt lesen.
Speaker: Wir haben ja ein zweites Buch, wo wir zu dritt lesen.
Speaker: wo wir uns alle einig sind sozusagen.
Speaker: Das finde ich so.
Speaker: Oder möchtest du erst mal... Ich will nur einmal kurz das hier abarbeiten, weil ich habe diese ganzen Bücher gerade auf meinem Schoß und kann mich nicht bewegen.
Speaker: Deswegen, wen ich einfach alles jetzt noch erwähnt haben wollte, damit es weg ist, Sven Regner natürlich mit der Herr Lehmann-Trilogie oder Quadrologie am Ende.
Speaker: Absolut fantastisch.
Speaker: Patrick Salmen macht tolle Bücher.
Speaker: Sebastian Lehmann, diese ganzen Poetry-Slammer.
Speaker: die fantastische Bücher geschrieben haben aus fantastischen Verlagen.
Speaker: Ich habe noch eine.
Speaker: Bitte?
Speaker: Ich habe nachher noch eine.
Speaker: Ah, okay.
Speaker: Mir ist hier ein Buch in die Hand gefallen von Felix Lobrecht und Malte Roskopf.
Speaker: Zehn Minuten, das sind ja 20 Mark, im Satür Verlag.
Speaker: Da wird Felix Lobrecht noch als Student beschrieben, der irgendwann vielleicht mal nach Berlin ziehen will, was der für eine gigantische Karriere gemacht hat.
Speaker: Und angefangen hat alles im Satür Verlag.
Speaker: Den haben wir jetzt schon ein, zwei Mal in diesem Podcast besprochen.
Speaker: Wird von Volker Surmann geleitet und dieser Typ hat...
Speaker: Wenn es um Humorbücher geht, kam man ganz lange nicht an Wohland und Quiz vorbei und, finde ich, ganz besonders Satyr, weil Volker Surmann so ein Gespür für neue, moderne, gute Poeten, Komiker, Autoren und Autorinnen hat.
Speaker: Das muss man erst mal finden.
Speaker: Zu dem aber gleich noch ein Wort.
Speaker: Mike Marcinkowski, Kirsten Fuchs, um auch mal peinlicherweise jetzt endlich mal eine Frau noch zu erwähnen.
Speaker: Fabian Navarro habe ich noch.
Speaker: Thorsten Sträter, natürlich Thorsten Sträter.
Speaker: Und Rainer... Das hat Julius Fischer noch nicht erwähnt.
Speaker: Julius... Oh Gott, der liegt hier noch daneben.
Speaker: Der Stapel ist zu groß.
Speaker: Der ist runtergefallen.
Speaker: Die schönsten Wege der Wanderhure.
Speaker: Die schönsten Wanderwege der Wanderhure.
Speaker: Dann natürlich für mich persönlich Reinhard Grebe, der zum einen für Dietmar Bodinski vor vielen Jahren mal eine Hommage an einen großen Humoristen gemacht hat, den niemand eigentlich kannte, der Backstage oder hinter den Kulissen für große Komiker gearbeitet hat.
Speaker: Und natürlich auch das neue Buch von Reinhard Grebe, wie heißt es, Rheinland Grapefruit, glaube ich.
Speaker: wo er einerseits seinen Reha-Aufenthalt, also ganz ernst, verknüpft mit ganz viel Lügen und Quatsch und Komik.
Speaker: So, und das ist jetzt alles einmal weggefrühstückt.
Speaker: Ich muss mal gucken, ob wir das alles wirklich in die Shownotes packen.
Speaker: Aber Tina, du wolltest was lesen und wir sind wieder bei Satyr nämlich gelandet.
Speaker: Denn wir lesen jetzt was von Paul Bukowski.
Speaker: Und Paul Bukowski war Poetry Slammer, Autor, ist wahnsinnig viel unterwegs, macht ganz fantastische Lesungen, die sich sehr lohnen.
Speaker: Und er hat auch angefangen beim Satyr Verlag, ist dann rüber zu, ich glaube, Goldmann gegangen.
Speaker: Vielleicht erzähle ich auch gerade was Falsches.
Speaker: Aber das wolltest du noch mit uns lesen.
Speaker: Wir wollten das noch nicht.
Speaker: Wir wollten das, Entschuldigung, ja.
Speaker: Und ich muss dazu sagen, das Buch haben wir schon mal, ich hatte es ja eingangs erwähnt, Alex und ich hatten schon mal so eine, wir lesen uns lustige Stellen vor.
Speaker: Und Alex hat in der Vorbereitung gesagt, ja und da lesen wir auf jeden Fall Bukowski, diese eine Geschichte da.
Speaker: Und interessanterweise war da genau noch das Esel so drin.
Speaker: Weil wir es nämlich damals gelesen haben.
Speaker: Aber auch ein schönes Beispiel, wie sich Humor verändern kann.
Speaker: Weil das mir diese Geschichte so im Kopf blieb.
Speaker: Und als ich sie jetzt gelesen habe, dachte ich, was bist du für ein altes Ferkel.
Speaker: Ja, das war dein Humor.
Speaker: Aber...
Speaker: Ich habe gar kein Problem damit.
Speaker: Aber ganz ehrlich, Fäkalhumor geht irgendwie immer, oder?
Speaker: Ja, natürlich.
Speaker: Das ist ja auch nicht Fäkalhumor.
Speaker: Und diese Bücher sind wahnsinnig vielschichtig.
Speaker: Man hätte ganz viele Geschichten rausgreifen können, warum ausgerechnet diese eine Pipi-Kaga-Geschichte in meinem Kopf hängen geblieben ist.
Speaker: Das ist halt eine Frage, die ich mit mir selber in einem ausführlichen Wochenende in einem Kloster mal diskutieren muss.
Speaker: Wir wollen auch wieder in verteilten Rollen lesen.
Speaker: In dem Fall wird Alex die Rolle von Paul übernehmen.
Speaker: Ah ja, danke.
Speaker: Andi bleibt der Papa und ich übernehme die Mama.
Speaker: Und vielleicht noch vorweg, auch wenn es eine Pipi-Kaka-Geschichte ist, es gibt zur Not einfach, falls es euch doch irgendwie etwas unwohl dabei wird.
Speaker: Ich habe sie vorhin auch noch mal gelesen und dachte mir, ja...
Speaker: Das ist halt Alex.
Speaker: Das Eselsohr wird auf Lebenszeit drinbleiben, weil ich werde mich nicht nur an das Silvestre, sondern auch an die heutige Podcast-Folge dabei erinnern.
Speaker: Das Kapitel, also wir haben vergessen zu sagen, aus welchem Buch.
Speaker: Paul Bukowski, Allein ist man weniger zusammen und die Geschichte heißt, guck mal, was da schwimmt.
Speaker: Ich weiß nicht mehr, welcher Band das war.
Speaker: Es sind drei mittlerweile erschienen.
Speaker: Ich weiß nicht, welcher das war.
Speaker: Ich würde behaupten, es war der zweite.
Speaker: Das lassen wir so stehen.
Speaker: Wir lesen einfach mal.
Speaker: Ja.
Speaker: Guck mal, was da schwimmt.
Speaker: Besonders aus Sicht der Toilettenschüssel mag es ein äußerst ungewohnter Anblick gewesen sein.
Speaker: Drei erwachsene Menschen, noch dazu Mutter, Vater und Sohn, in trügerischer Harmonie vereint, ihre Köpfe tief gesenkt über die restwarme weiße Klobrille.
Speaker: Dabei muss dieses etwas ungewohnte Szenario als familientherapeutischer Fortschritt gewertet werden, denn 30 Minuten lang hatten mein Vater und ich beständig und mit den süßesten Überredungskünsten auf meine Mutter eingeredet, die sich seit den frühen Morgenstunden in meinem Badezimmer verschanzt hatte.
Speaker: Nun endlich hatten wir Einlass erhalten und begutachteten in gemeinschaftlicher Ehrfurcht versunken die Ursache für dieses sonderbare Verhalten.
Speaker: Ein Wachtelei großes, dunkelbraunes, rund geformtes Stück, nun ja, menschlichen Unrats.
Speaker: Im Grunde, vor allem aus proktologischer Sicht, ein völlig mustergültiges Exemplar.
Speaker: Formschön, gleichmäßig, in Farbe und Struktur, aber ganz augenscheinlich und zu unserer großen Überraschung deutlich leichter als Wasser.
Speaker: Wir fanden Mutter aufgelöst, verloren in einem Zustand aus Scham, Wut und Verzweiflung, als hätte ihr eine höhere Macht plötzlich, unerwartet und völlig grundlos ein unsagbares Leid angetan.
Speaker: Und der Wille des Herrn kam über Hiob, auf das sein Vieh in dem Stall verendete, sein Korn auf dem Feld verdorrte und sein Stuhl nicht mehr zugrunde sank.
Speaker: Im Minutentakt hatte Mutter die Spülung betätigt, immer und immer wieder.
Speaker: Und jedes Mal war das verfluchte Ding wieder nach oben gestiegen und tänzelte zu allem Überfluss frech und hämisch auf der Wasseroberfläche.
Speaker: Und wie zum Beweis drückte sie abermals die Klospülung.
Speaker: Tatsächlich, eine kleine braune Boje.
Speaker: Nun schien Vater an der Reihe.
Speaker: Als sei das Betätigen einer Klospülung ein höchst kompliziertes Verfahren, für welches nicht nur besondere Fachkenntnisse, jahrelange Erfahrung, eine gehörige Portion gottgegebenes Talent und natürlich das richtige Geschlecht vonnöten waren, schob er die Hand meiner Mutter lässig beiseite, rieb sich kurz die Hände und drückte fachmännisch den weißen Hartplastikknopf.
Speaker: Doch wieder trat, nach rauschenden Sekunden, das kleine Corpus Fecali in Erscheinung.
Speaker: Erwartungsvoll blickten Mutter und Vater nunmehr in meine Richtung.
Speaker: Nach mehrmaligem aufforderndem Nicken meines Vaters rollte ich kurz mit den Augen und betätigte den Spülknopf.
Speaker: Doch auch von mir gab der kleine Knöterich sich unbeeindruckt.
Speaker: Mutter stöhnte auf.
Speaker: Nachdem wir das Fallobst ihres Leibes lange ungläubig bewundert hatten, war es mein Vater, der die andächtige Stille mit einer sehr rücksichtsvollen Bemerkung durchbrach.
Speaker: »Was hast du denn gegessen?« fragte er und beäugte meine Mutter skeptisch.
Speaker: »Und was ist mit dem Rest passiert?« schob ich hinterher, weil ich kaum glauben konnte, dass nur einer der kleinen Racker die wunderliche Fähigkeit zu schwimmen erlernt haben sollte.«
Speaker: Mutter schlug jaulend ihre Hände vors Gesicht.
Speaker: Für meinen Vater war die Sache klar.
Speaker: »Mehr Wasser«, rief er lautstark aus.
Speaker: Keine fünf Minuten später umringten wir abermals den schwimmenden Störenfried in seinem Keramikbecken.
Speaker: Nachdem Mutter von drei heruntergezählt hatte, presste sie ihre Hand so fest es ging gegen den Spülknopf,
Speaker: während Vater aus einem großen Nudeltopf und einem leeren Blumenkasten zwei breite Bäche in die Schüssel ergoss und ich mit weitaus gestreckten Armen die Distanz zwischen Badewannenarmatur und Klo überbrückte und mittels einer Duschbrause nahezu blind zwei Dutzend dicke Wasserstrahlen ins Getümmel schoss.
Speaker: Nachdem sich die Gischt gelegt hatte, machte sich Ernüchterung bereit.
Speaker: Ein neuer Plan musste her.
Speaker: Mutter berichtete, vor unserem Eintreffen mittels mehrerer Lagen Klopapier hoffnungsvolle Ergebnisse erzielt zu haben.
Speaker: Also ergriff jeder von uns frohen Mutes eine Rolle und legte reihum immer ein einzelnes Blättchen auf das schokoladenbraune Treibgut.
Speaker: Immer und immer wieder, bis es den sonderbaren Anschein erweckte, als läge eine große, nasse Ravioli in meiner Kloschüssel.
Speaker: Wieder zückte mein Blöck...
Speaker: Wieder zückte man Blumenkasten, Nudeltopf und Duschbrause und siehe da, die gut 30 Blätter waren im Äther des Abflusses verschwunden.
Speaker: Einzig die Mozartkugel aus Dung drehte im winzigen Wasserbecken seelruhig ihre Runden.
Speaker: »Oberflächenspannung«, rief mein Vater aus, eilt in die Küche und kehrte zu unserer großen Überraschung mit einem Salzstreuer zurück.
Speaker: Kurz stieg der Gedanke in mir auf, dass eines fernen Tages in vielen, vielen Jahren, während vor dem inneren Auge des alten Greises im Hospizpet neben mir sein ganzes Leben ablief, ich nur würde daran denken können, wie mein Vater damals in meiner Jugend zwei Minuten lang meine Klorschüssel salzen musste.«
Speaker: Als auch dieses Experiment ergebnislos zu Ende ging, machte ich den Vorschlag, über Weihnachten ans tote Meer zu fahren.
Speaker: Er hielt für diesen gut gemeinten Vorschlag, während Vater abermals in meiner Küche verschwand, allerdings nichts weiter als einen unfreundlichen Rüffel meiner Mutter.
Speaker: »Dein Vater ist Chemiker«, zischte sie.
Speaker: »Der wird schon wissen, was er tut.«
Speaker: Sie musste jedoch beschämt ihr Haupt senken, als Vater mit einer großen Flasche Olivenöl zurückkehrte.
Speaker: Bloß nicht das Olivenöl, rief ich.
Speaker: Auf dem Kühlschrank steht noch Rapsöl, sagte meine Mutter.
Speaker: Das ist abgelaufen, verteidigte sich Vater.
Speaker: Ist doch scheißegal, antwortete Mutter thematisch treffend formuliert.
Speaker: Was nun folgte, ähnelte einer der frühen Ausgaben der Knopf-Hoff-Show.
Speaker: Nachdem Vater einen halben Liter Rapsöl in das Toilettenbecken gekippt hatte, trieb das renitente Pralinee munter auf dem neu entstandenen Horizont zwischen Wasser und Öl.
Speaker: Mutter klopfte Vater anerkennend auf die Schulter, während ich versuchte, ganz unauffällig, ein Foto für Facebook davon zu machen.
Speaker: »Und wie kriegen wir das Öl wieder aus der Toilette?« jammerte ich.
Speaker: Eis, rief mein Vater.
Speaker: Mutter schlug ihm daraufhin mit der flachen Hand auf den Hinterkopf und dann mit der Faust auf den Spülknopf.
Speaker: Das Öl verschwand so schnell, wie es gekommen war.
Speaker: Einzig das exzentrische Exkrement kam unbeschadet davon.
Speaker: Mittlerweile war es Nachmittag geworden.
Speaker: Das Kotbällchen war nicht tot zu kriegen.
Speaker: Ich gehe jetzt googeln, sagte meine Mutter mit einem stürrischen Tonfall in ihrer Stimme.
Speaker: »Wir müssen Feuer mit Feuer bekämpfen«, rief ihr mein Vater hinterher.
Speaker: »Ich hab doch heute schon«, schallte es zurück.
Speaker: »Ich muss immer erst abends«, entgegnete ich, ungefragt, aber wahrheitsgemäß.
Speaker: »Wer soll denn dann?«, fragte mein Vater.
Speaker: »Na du«, sagte ich.
Speaker: »Dein Vater kann nur, wenn er Kaffee getrunken hat«, rief es aus dem Wohnzimmer.
Speaker: Während Vater ein paar Minuten später Milch und Zucker in seinen Kaffee schüttete, ließ ich Pürierstab, Teesieb und Schöpfkelle unauffällig im Wäscheschrank verschwinden.
Speaker: »Wasser ist zu dünnflüssig«, rief Mutter durch die Wohnung.
Speaker: Dann war da dieses Funkeln in ihren Augen.
Speaker: Zehn Minuten später kam sie mit einer großen Schüssel einer seltsamen Masse zurück ins Badezimmer, die aussah, als hätte jemand Pfannkuchenteig mit Toastbrot, Kaffeesatz und Haferflocken vermengt.
Speaker: Was ist das denn, rief ich angeekelt aus.
Speaker: Pfannkuchenteig mit Toastbrot, Kaffeesatz und Haferflocken, antwortete Mutter stolz und kippte die braunkraue Masse in das Toilettenbecken.
Speaker: Und jetzt 15 Minuten gehen lassen, sagte sie.
Speaker: Wir hatten einen Punkt erreicht, an dem Wahnsinn und Humor nicht mehr auseinanderzuhalten waren.
Speaker: Nein, ich nehme alles zurück, ich finde es immer noch lustig.
Speaker: Aber ich muss auch sagen, man schämt sich ja manchmal dafür, dass man so diesen Fäkalhumor dann doch irgendwie witzig findet, aber ich konnte mich auch nicht zurückhalten, das ist schon wirklich witzig und sehr, sehr gut und pointiert geschrieben.
Speaker: Es ist vor allen Dingen sprachlich total toll.
Speaker: Also alleine wie viele Worte er findet, um etwas zu beschreiben und zwar ein und dasselbe, ist einfach fantastisch.
Speaker: Und die auch alle jetzt nicht eklig sind.
Speaker: Es ist immer... Nee, gar nicht.
Speaker: Es entsteht alles im Kopf.
Speaker: Es entsteht alles im Kopf, genau.
Speaker: Also ich finde auch alle Bücher von Paul Bukowski sehr, sehr amüsant.
Speaker: Also es ist halt sehr oft auch im Dialogform geschrieben, deswegen hat es sich heute angeboten, das dialogisch auch vorzutragen.
Speaker: Ähm...
Speaker: Die Hausmeister-Geschichten sind fantastisch.
Speaker: Oder auch die Geschichten mit, wir haben ja jetzt hier diesen André-Hermann-Effekt ja auch wieder drin, diese Geschichten einfach um das eigene Familienleben drumherum, die gar nicht so abwägig sind, aber trotzdem absurd genug, dass man kopfschüttelnd und lachend daneben steht.
Speaker: Also das finde ich halt das Schöne bei Bauern Bukowski.
Speaker: Aber da muss man sagen, Bukowski hatte natürlich auch diesen wirklich sehr ernsthaften, rührenden, tollen, hintergründigen Roman.
Speaker: Also das ist, glaube ich,
Speaker: Humor schließt sich ja nicht aus, wir hatten das vor kurzem mit den Krimis, humorvolle Bücher zu schreiben ist nicht einfach nur was hingeworfenes, sondern kann wirklich auch Literatur sein und Kunst sein und ein Talent brauchen und eine Fähigkeit.
Speaker: Ja, ich finde es auch faszinierend, wenn man so, man sieht es ja, viele Geschichten, die wir heute vorgelesen haben, stammen ja quasi aus dem wahren Leben und man hat eben aus diesen Situationen dann das Humorvolle nochmal herausgeholt und hervorgehoben.
Speaker: Das ist ja tatsächlich auch eine große Kunst, wie du auch sagst, Alex.
Speaker: Dann auch aus ernsten oder manchmal auch aus völlig banalen Szenen dann was Humorvolles zu machen, dass dann plötzlich alle drüber lachen.
Speaker: Also das ist schon, ja, muss man können, sowas.
Speaker: Ich habe jetzt richtig Lust, mich durch diesen Stapel durchzuwühlen.
Speaker: Habt ihr noch ein bisschen was?
Speaker: Also ich würde auch sagen, wir machen einfach erstmal ein bisschen weiter und wer jetzt bereits genug hat, der sollte vielleicht einfach abschalten.
Speaker: Aber wir hoffen natürlich, dass eure Fahrt lang genug ist, dass ihr uns bis zum Schluss zuhört.
Speaker: Ich habe auch noch eine sehr, sehr lange Geschichte dabei, also lang im Sinne von, dass sie wahrscheinlich schon zehn Minuten dauert.
Speaker: Die würde ich mir für den ganz großen Schluss aufheben, wenn wir das Schlusswort gesprochen haben.
Speaker: Weil dann kann man da abschalten, wenn man möchte.
Speaker: Oder wollen wir die als Sonderfolge machen?
Speaker: Das können wir auch gerne als Sonderfolge machen.
Speaker: Direkt dann an Heiligabend vielleicht.
Speaker: Ich habe auf jeden Fall noch Hazel Brugger dabei, weil ich finde, also ich hatte hier auch einen kleinen Stapel an Stabilität,
Speaker: Stand Up und Poetry Slammer und Comedians.
Speaker: Ich hatte fast alle Bücher, die du hattest, auch auf meinem kleinen Stäbelchen.
Speaker: Aber es gibt unfassbar wenig Frauen in dem Medier, die auch Bücher geschrieben haben.
Speaker: Und deswegen habe ich mir Hazel Brugge rausgenommen, weil die war bei meinem allerersten Poetry Slam Besuch, den ich jemals gemacht habe, vor mehr als zehn Jahren, war die auf der Bühne und ich habe mich schockverliebt in diese Frau.
Speaker: Und deswegen habe ich sie mitgebracht.
Speaker: Was natürlich ultra gemein ist, weil wir alle wissen, dass Frauen mindestens so lustig sind wie Männer.
Speaker: Das ist einfach nur mal wieder so ein klassisches Gefälle in der Anzahl der Auswahl und nicht in der Bewertung der Lustigkeit.
Speaker: Definitiv.
Speaker: Also schließe ich mich komplett an.
Speaker: Soll ich die jetzt mal einschieben?
Speaker: Was ist das denn?
Speaker: Es ist aus Ich bin so hübsch.
Speaker: Okay.
Speaker: Es ist ja das allererste Buch von ihr gewesen.
Speaker: Im Namen des Fötus, des Hohens und des ewigen Spots.
Speaker: Und das sind ja mehrere kürzere, ich würde jetzt sogar sagen Poetry Slim Texte, die sie mal vorgetragen hat.
Speaker: Zumindest sind das alles Texte zum Thema Leben und Leben lassen, möchte ich fast meinen.
Speaker: Ich versuchte, dem Säugling nicht direkt in die Augen zu schauen.
Speaker: Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass das Babys aggressiv mache und auch wenn das Neugeborene noch keine Zähne hatte, wollte ich lieber nichts riskieren.
Speaker: Schließlich hatte so ein Breiviek oder Göring auch einmal keine Zähne gehabt und keinem von beiden wollte ich freiwillig in die Augen schauen.
Speaker: Was ich denn dazu meine, riss die Mutter der Brut mich aus meinen tiefen Gedanken.
Speaker: Sie finde ja, ihre Tochter habe genau die Nase des Vaters und exakt ihr Lächeln.
Speaker: Offensichtlich hatte sie mit der guten Figur auch alle anderen guten Geister verlassen.
Speaker: Es ist ja wohl allgemein bekannt, dass das echte, spezifische Lächeln erst irgendwann zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat einsetzt.
Speaker: Und da Nasen sowieso nie aufhören zu wachsen, handelt es sich dabei um ein denkbar dummes Vergleichsorgan.
Speaker: Es müsste wohl am Hormoncocktail liegen, aber es schien doch etwas dran zu sein am alten Sprichwort, Muttermund tut Unsinn kund.
Speaker: So war diese jetzt nämlich dazu fortgeschritten,
Speaker: mir in aller Ernsthaftigkeit von den Schönheiten der natürlichen Geburt zu berichten.
Speaker: Nun, ich weiß ja nicht, aber wenn ich zum Beispiel vor der Aufgabenstunde einen karasierten, schleimigen, adipösen Bernhardinerrüden unter Schmerzen aus dem Haus in den Garten bekommen zu müssen, so würde ich mich vermutlich dazu entscheiden, einfach die Haustüre zu öffnen, anstatt ihnen schreiend und stöhnt und jeglicher Würde er verlierend mit aller Kraft durchs Katzentürchen zu pressen.
Speaker: Es schien mir aber trotzdem keine sonderlich gute Idee zu sein, nun auf ihre vorerst total zerstörten Intimbereich und ihr dahinsichendes Sexualleben einzugehen.
Speaker: Ja, zu meinen großen Vergnügen war ich selbst ein Kaiserschnittbaby, was mir die Qual ersparte, bis zu meinem sechsten Lebensjahr irgendwelche albernen Hüte aufgesetzt zu bekommen, um mir von diesem ganzen elternatal gepressten Saugglockenkindern Dinge anhören zu müssen wie
Speaker: Keine Angst, das wächst sich ganz bestimmt noch aus.
Speaker: Oder ach, also so ein bisschen asymmetrisch finde ich ja ganz sympathisch.
Speaker: Und es ist ja auch wissenschaftlich erwiesen, dass genau das das gewisse Etwas bei einer Person ausmacht.
Speaker: Dieser fast schon hundert wassereske, gequetschte Look, diese Bruch sämtlicher Perspektiven regeln.
Speaker: Naja, das soll jetzt nicht heißen, dass ich gar nicht leiden musste.
Speaker: Im Gegenteil, denn wer sein Kind Hazel nennt, vergisst es auch an der Raststätte.
Speaker: Oder im Bällebad bei Ikea.
Speaker: Und dann viel Glück bei der Lautsprecherdurchsage, wenn alle Kunden sich fragen, was für ein Esel denn gerne im Kinderparadies abgeholt werden möchte.
Speaker: Wenn man sein Kind schon nach einem Nahrungsmittel benennen muss, dann sollte es wenigstens etwas Poetisches sein.
Speaker: Mit Tiefgang.
Speaker: Charlotte zum Beispiel.
Speaker: Damit kann man an jedem Elternabend beim Smalltalk punkten.
Speaker: Meine Tochter ist analog zur gleichnamigen mittelasiatischen Edelzwiebel sehr vielschichtig und ich müsste vermutlich weinen, wenn ich sie mit dem Messer in viele tausend Stücke zerhacke.
Speaker: Inzwischen hatte das Baby begonnen, einen Kotzschwall in drei verschiedenen Aggregatzuständen von sich zu geben.
Speaker: Die Mutter war höchst entzückt und sagte etwas von wegen Geschenk des Himmels, herrlich infantile Unbekümmertheit und es geht ja alles viel zu schnell vorbei.
Speaker: »Warte nur, bist du senil, dement und wieder in Windeln bist, dann kann dir vor lauter Unbekümmertheit gar nicht schnell genug gehen,« dachte ich und war wieder einmal überrascht darüber, wie ausgerechnet die prüdesten Leute immer am offensten über die Freude am eigenen Kind sprechen, wo sie doch über dessen Produktion nie ein Wort verlieren würden.
Speaker: Als wäre der Klapperstorch eine wissenschaftliche, wenn auch in Sodomie grenzende Tatsache,
Speaker: und weitaus weniger pervers als der Sexual Act an sich.
Speaker: Ganz nach dem Motto, Hello, I'm a Klapperstorch.
Speaker: I put the babies in the ladies.
Speaker: Und jetzt hocht das Bein, ich hab nicht unbegrenzt Kaulquäppchen in meinem Schnabel und sie werden auch nicht junge, gute Frau.
Speaker: Nein, so etwas würde ich mir ganz bestimmt nie antun wollen.
Speaker: Auf gar keinen Fall unvorbereitet.
Speaker: Also nockte ich die Mutter zur Seite, schnappte mir das Baby und rannte davon.
Speaker: Heute öle ich den Säugling regelmäßig ein und presse ihn durch die Katzentür.
Speaker: Ich werde bestimmt einmal eine sehr, sehr gute Mutter.
Speaker: Ah, fantastisch.
Speaker: Ja, bei der ist ja mittlerweile auch öffentlichkeitswirksam Mutter geworden und hat ja auch diesen Elternpodcast.
Speaker: Ich wüsste gerne, wie sie jetzt zu diesem Text stünde.
Speaker: Wir verlinken sie.
Speaker: Ich glaube, das hat sich nicht geändert.
Speaker: Ich glaube, Peter Wittgamp hat das gesagt.
Speaker: Kinder eher nicht zu empfehlen.
Speaker: Ja gut, da können Alex und ich nicht mitreden.
Speaker: Aber es gibt tatsächlich, wir hatten jetzt schon mehrere Texte zum Thema Kinder, gibt es auch unglaublich gute Comedians, Komiker, die da wirklich drüber schreiben, auch wirklich witzig drüber schreiben.
Speaker: Von daher, Marlene Helene fällt mir zum Beispiel ein, falls sie jemand kennt.
Speaker: Von daher, das ist ein unerschöpfliches Thema.
Speaker: Wir lieben alle unsere Kinder, aber es ist... Sie bieten viel Fläche für Humor.
Speaker: Ja, ja, definitiv.
Speaker: Alex wühlt schon wieder in seinem Bücherstab.
Speaker: Ich höre jetzt auf, dass es alles zu... Alex, du darfst noch... Alex darf noch kurz wühlen und ich habe zumindest... Ich habe jetzt keine weiteren Texte mehr vorbereitet, aber ich kann noch kurz erzählen, dass ich über zwei Bücher oder beziehungsweise Autorinnen auch nachgedacht habe.
Speaker: Die eine Autorin ist Paula Irmschler.
Speaker: Die arbeitet lustigerweise auch für Neo Magazin Royale.
Speaker: Die hat auch zwei wunderbare Bücher rausgebracht.
Speaker: Ich hätte was aus Superbusen, glaube ich, vorgelesen.
Speaker: Sehr toller Roman, sehr zu empfehlen.
Speaker: Und dann hatte ich noch eine Marlene Robrak.
Speaker: Ist jetzt nicht so richtig humoristisch, aber was ich bei beiden Autorinnen toll fand, die erzählen so ein bisschen aus so einer...
Speaker: eher Arbeiterklasse-Perspektive, aber ohne sich darüber lustig zu machen, aber haben da auch wirklich sehr witzige Situationskomik in ihren Büchern drin, kann man auch gerne mal reinschauen bei den beiden Autorinnen.
Speaker: Okay.
Speaker: Ich kann zum Beispiel auch noch Robert Seethaler empfehlen, den kennen wir ja alle auch.
Speaker: Er als ernsten Autor, aber Die Biene und der Kurt und weitere Aussichten sind beides Bücher, die
Speaker: wirklich so humorvoll sind, pointiert,
Speaker: mit einer unfassbaren klaren Sprache und auch, finde ich, immer mit einer unfassbar tollen Charakterbeschreibung der einzelnen Persona, die da drin auftreten.
Speaker: Also diese beiden Bücher, wer Robert Seethaler als ernsten Schriftsteller vielleicht nicht so mag, das ist sozusagen so wie bei mir mit Marc-Uwe Kling und dem Känguru, der sollte die lustigen Bücher von ihm mal versuchen und da gibt es halt wirklich zwei ganz tolle.
Speaker: Wen wir auch noch nicht heute erwähnt haben, ist Frank Schulz.
Speaker: Den hatten wir, glaube ich,
Speaker: auch noch nicht in unserer Liste, aber auch der ist mit seiner Trilogie zu Ono Fietz ja unfassbar witzig und situationskomisch.
Speaker: Das ist mir noch eingefallen.
Speaker: Und es gibt, ich glaube, wir würden uns freuen, wenn ihr einfach unter die Shownotes als Kommentar verlinkt, was ihr einfach als witzige Bücher habt.
Speaker: Also wir würden auch total interessiert sein daran, was lest denn ihr an lustigen Büchern?
Speaker: Genau, also schreibt uns das oder auf Instagram
Speaker: Und unter allesbuchmarkt wird es einen Post geben, wo ihr gerne mal ein bisschen drunter sammeln könnt und wo wir mal gemeinsam sammeln können und ein paar Anregungen uns holen können.
Speaker: Genau.
Speaker: Ich würde sagen... Von der Community für die Community.
Speaker: Hast du schön gesagt.
Speaker: Ich würde sagen, das heute war mal so ein bisschen, unser Grafiker sagt immer, wenn er live arbeitet, werden wir zugucken.
Speaker: Der nennt ja das immer quick and dirty.
Speaker: Ich habe den Eindruck, so ein bisschen wird heute diese Folge, wir werden, behaupte ich jetzt einfach mal, sehr wenig rausschneiden.
Speaker: Versprecher, Ass und sonst was, alles bleibt drin, damit ihr das mal so ein bisschen hört.
Speaker: Das war halt heute unsere Weihnachtsfeier, es ist halt so.
Speaker: Ihr habt da beigesessen, mitgehangen, mitgefangen.
Speaker: Euer Problem.
Speaker: Wenn ihr gerade im Zug sitzt, wünsche ich euch allen, dass ihr den Anschlusszug bekommt.
Speaker: Und ansonsten schöne Feiertage.
Speaker: Wir haben es vorhin schon gesagt, es geht weiter im neuen Jahr.
Speaker: Es wird sehr gut weitergehen.
Speaker: Weitere Details und weitere Informationen können wir dann zu gegebener Zeit dann mal euch ein bisschen mehr erzählen, wenn es richtig spruchreif ist.
Speaker: Ich würde sagen, wir trinken jetzt noch ein bisschen weiter.
Speaker: Mein Glühwein ist kalt geworden.
Speaker: Das ist immer das Schlimmste, was auf dem Weihnachtsmarkt passieren kann.
Speaker: Dass man das Tempo nicht richtig dosiert hat.
Speaker: Und dann hat man noch sowas in so einer kalten Tasse.
Speaker: Dann hat er jetzt aber für 18 Mark ein Glühwein in der Hand und ärgert sich.
Speaker: Wir machen mal ein bisschen weiter.
Speaker: Ihr seid entlassen für heute.
Speaker: Wir wünschen euch ganz wunderbare Weihnachten, Feiertage, guten Rotsch, überhaupt das Ganze.
Speaker: Und kommt ein bisschen zum Lesen.
Speaker: Vielleicht sollte man sich das einfach wünschen.
Speaker: Ich wünsche euch Zeit zum Lesen.
Speaker: Das wünschen wir uns.
Speaker: Also, das wünsche ich euch auch.
Speaker: Wunderbare Schlussworte.
Speaker: In diesem Sinne, kommt gut ins Neujahr, dann hören wir uns wieder.
Speaker: Bis dahin.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Bis dahin.
Speaker: Ciao, ciao.
Speaker: Tschüss.

