Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen zu Tee und Taktik, deinem Podcast zu strategischem Protest.
Speaker: Wir sind Lea und Lila.
Speaker: Hallo.
Speaker: Herzlich willkommen.
Speaker: Hallo zu einer neuen Folge von Tee und Taktik.
Speaker: Ich hoffe, euch geht's gut.
Speaker: Und ja, zuerst mal alles Gute nachträglich zum Weltfrauentag.
Speaker: Vielleicht bin ich ein paar Wochen zu spät dran, aber ich würde sagen, ganz ehrlich, ist das eine Sache, was man nicht nur einen Tag im Jahr feiern sollte, genauso wie die Pride im Juni, sondern dass man sich das ganze Jahr über für Queersein und Frausein einsetzen und kämpfen kann.
Speaker: Deswegen machen wir diese Folge einfach mal im April, denn genau heute geht es eben um das Thema Einsatz von Frauen und queeren Personen für Gerechtigkeit, um Sichtbarkeit, um Geschichten von Frauen und queeren Menschen, die leider in den Geschichtsbüchern doch mal oft vergessen werden oder nur am Rande erwähnt werden.
Speaker: Und ja, ich habe heute einen sehr besonderen Gast dabei, Jasmin Löchner.
Speaker: Du bist Journalistin, Podcasterin und Autorin und ich freue mich sehr, dass du da bist, weil ich deinen Podcast Her Story sehr, sehr gerne höre, in dem du eben viele spannende Geschichten und oft vergessene Geschichten von Frauen und Queers erzählst, die viel zu selten gewürdigt werden.
Speaker: Hallo Jasmin.
Speaker: Hallo Lea.
Speaker: Schön, dass ich da sein kann.
Speaker: Ich freue mich.
Speaker: Ich mich auch.
Speaker: Bevor wir in das Thema rein starten, wollte ich dich fragen und unsere kleine Tee- und Taktik-Tradition halten, welchen Tee du dir heute für unsere Aufnahme gekocht hast.
Speaker: Ich habe mir einen Tee gekocht mit Granatapfel, Blaubeere und Acaibeere, also ein grüner Tee mit all diesen leckeren Früchten drin.
Speaker: Den trinke ich sehr, sehr gerne.
Speaker: Ich mag Beeren sehr gern.
Speaker: Den hatten wir auf jeden Fall bei Tee und Taktik so auch noch nicht.
Speaker: Also klingt gut.
Speaker: Ich habe mir heute einen Kräutertee gekocht.
Speaker: Da sind so Schafgarbe, Frauenmantel, Himbeerblätter und so weiter drin, weil ich heute tatsächlich nicht wegen dieser Folge, aber meine Endometriose sehr doll merke.
Speaker: Und da dachte ich, passt's.
Speaker: passt dieser Tee leider sehr gut und ist auch eigentlich schon eine gute Überleitung zu diesem Thema heute, weil Endometriose ist ja auch so eine Krankheit, die als Frauenkrankheit nicht wirklich erforscht ist.
Speaker: Und das ist ja, was ja immer noch Realität ist, dass Frauen und Queers eben in vielen Bereichen benachteiligt sind.
Speaker: Also...
Speaker: eben in der Medizin oder Gesundheit, wie Endometriose oder das Herzinfarkte falsch diagnostiziert werden bei Frauen.
Speaker: Auch ganz krass natürlich bei Arbeit und Löhnen.
Speaker: Also Gehaltsunterschiede liegen in Deutschland aktuell bei 16 Prozent.
Speaker: Das heißt, wenn eine Frau 100 Euro verdient, verdient ein Mann 116 Euro.
Speaker: Und eigentlich arbeiten wir die ersten 58 Tage des Jahres.
Speaker: Also dieses Jahr war es bis zum 27.
Speaker: Februar.
Speaker: Hinzu kommt ja die unbezahlte Hausarbeit, die dann oft auch noch dazu kommt.
Speaker: Genauso ist es eben auch mit Queerfeindlichkeit, die weiter ansteigt.
Speaker: Viele Rechte, die wieder zurückgenommen werden oder stagnieren, auch hier in der EU.
Speaker: Straftaten, die gegen queere Personen extrem ansteigen.
Speaker: Und das Ganze eben vor dem Hintergrund von neuen Studien, die aktuell rauskommen, dass die junge Generation, also die Gen Z, insbesondere die Männer, die Jungs, dass ein signifikanter Teil von ihnen eben der Meinung ist, auch mit Gleichberechtigung, das passt schon so.
Speaker: und teilweise konservativere Meinungen vertreten als die älteren Generationen.
Speaker: Also vor diesen ganzen Fakten, die ich jetzt mal so zum Einstieg genannt habe, ist es ja klar, warum du dich auch mit diesem Thema beschäftigst, warum das so wichtig ist.
Speaker: Aber ich wollte dich trotzdem noch mal fragen, was dich persönlich dazu motiviert hat, auch dieses Thema aufzugreifen und warum du es eben wichtig findest, über Frauen und Queers zu sprechen.
Speaker: Mhm.
Speaker: Ja, du hast ja schon eine ganze Reihe sehr guter, aktueller Punkte genannt, warum uns das einfach heute diese Themen so umtreiben und was immer noch die aktuellen Aufhänger sind.
Speaker: Und ich arbeite ja als Journalistin mit Schwerpunkt auf eben Geschichte, kümmere mich also um historische Themen und stecke da sehr tief drin.
Speaker: Und da habe ich es einfach auch immer wieder gemerkt, dass einfach die weibliche Perspektive fehlte und natürlich auch die
Speaker: Die queere Perspektive.
Speaker: Und die Frage, die ja damit drinsteckt, ist eben, warum ist das in der Geschichtsschreibung so?
Speaker: Also wir sehen, auf jeden Fall zeigt es uns, es ist historisch geprägt und Geschichtsschreibung ist eben auch sehr männlich geprägt, so wie unsere Welt war.
Speaker: Bis heute.
Speaker: Und bei der Geschichtsschreibung gehört einfach mit dazu, sich zu fragen, wer hat denn die Geschichten aufgeschrieben?
Speaker: Und das waren natürlich überwiegend Männer, die als Chronisten gearbeitet haben oder als Mönche, die ja in den Klöstern eben historische Schriften abgeschrieben und kopiert haben.
Speaker: Und auch in Machtpositionen waren ja historisch überwiegend Männer, also als Könige und als Päpste.
Speaker: Und denen wurde eben die Beachtung geschenkt und Frauen und Queers fielen da überall aus dem Raster.
Speaker: Und deswegen sehe ich eben auch, Geschichtsschreibung ist auch eine Machtfrage.
Speaker: Wer hat sie geschrieben, wessen Geschichten werden aufbewahrt, wessen Geschichten werden übersetzt?
Speaker: Wessen Geschichten schaffen es in Schulbücher oder werden in Denkmäler gemeißelt?
Speaker: All das steckt da mit drin.
Speaker: Und was auch da mit reinspielt, ist, dass auch die Art der Überlieferung zählt.
Speaker: Also Frauen und queere Menschen haben ihre Spuren eben auch oft in einer anderen Form hinterlassen,
Speaker: als Männer mit gesellschaftlicher Macht.
Speaker: Also Männer waren eben Feldherren, Könige, Staatsmänner und so weiter.
Speaker: Und Frauen hatten nicht immer die gleichen Möglichkeiten und queers eben auch nicht, um ihre Perspektiven sichtbar zu machen.
Speaker: Also sie haben eher Briefe, Tagebücher, mündliche Überlieferungen hinterlassen oder auch Netzwerke, die aber nicht immer politisch wahrgenommen wurden und die politisch nicht immer das gleiche Wirkungsfeld hatten.
Speaker: Und die Geschichtsschreibung selbst musste auch erst lernen, solche Quellen mit einzubeziehen.
Speaker: Also ich finde, auch wenn wir uns Geschichte und Geschichtsschreibung anschauen, stecken da ganz viele Machtfragen und Machtverhältnisse mit drin.
Speaker: Und deswegen finde ich es wichtig, das zu thematisieren und dem natürlich auch was entgegenzusetzen, indem wir diese Geschichten erzählen und ihnen Raum geben.
Speaker: Ja, das finde ich total wichtig.
Speaker: Also insbesondere, was du gerade gesagt hast, wer ist sichtbar und wer hat auch den Zugang zu sprechen.
Speaker: Ich glaube, das war für mich auch eine große Motivation.
Speaker: Ich habe in meinem Buch ein ganzes Kapitel dem Thema Frauen und Quills im Widerstand gewidmet, weil es mich auch in der Praxis immer wahnsinnig aufgeregt hat im Protest, dass die Männer mit so einer Selbstverständlichkeit sich vor die Kamera stellen, mit Journalistinnen reden oder in Politikerinnen Gespräche gehen oder auch auf die Polizei zu gehen.
Speaker: Und
Speaker: Einfach da verschiedene Perspektiven auch sichtbar zu machen.
Speaker: Auch aus einer akademischen Perspektive heraus wissen wir, dass auch Frauen einen sehr positiven Effekt haben können auf Protest und Widerstand und dass sie ihn eben erfolgreicher machen, weil sie auch oft viel disziplinierter gewaltfrei sind und diese Friedlichkeit hochhalten können.
Speaker: Und eine Geschichte, die will ich einfach am Anfang nochmal kurz erzählen, aber die für mich das einfach so perfekt auf den Punkt bringt, ist eigentlich so der ganze Hype um Martin Luther King, der damals mit seinem I have a dream, das hat ja noch bis heute zitiert und lernt man in der Schule und so weiter, so total berühmt dafür geworden ist.
Speaker: Aber dieser Satz gar nicht von ihm stammt, sondern von einer weiblichen Priesterin, Persia Hall, die
Speaker: ihn als erstes gesagt hat und er war nur in der Predigt von ihr dabei und hat es gehört und hat es dann übernommen und hat aber auch in der großen Rede, wo dieser Satz sehr bekannt geworden ist, wollte er ihn gar nicht sagen, sondern hatte eine ganz langweilige Rede eigentlich dabei.
Speaker: Und dann hat die Vorsängerin vor ihm, Mahalia Jackson, hat ihn aufgefordert und gesagt,
Speaker: Martin, erzähl ihn von deinem Traum, weil es einfach viel zu langweilig war und so ist das Ganze ins Rollen gekommen.
Speaker: Also es ist für mich einfach immer wieder faszinierend zu sehen, dass zwei so starke Frauen hinter diesem ganzen, also Martin Luther King hat natürlich auch viel geleistet, aber trotzdem viel auch übernommen von Frauen.
Speaker: Genau, und deswegen haben wir uns eben vor heute überlegt, uns drei verschiedene Geschichten anzuschauen, auch bewusst vielleicht Namen, die jetzt nicht so bekannt sind.
Speaker: Ich glaube, sie haben schon einen bestimmten Bekanntheitsgrad, aber vielleicht die ein oder andere nochmal neu ist.
Speaker: Also zum einen Anne-Dore Leber, Bertha von Suttner und Stormy de la Verie.
Speaker: Anne-Dore Leber war Schneiderin, Publizistin, Verlegerin und Widerstandskämpferin und Politikerin.
Speaker: Werther von Suttner ist dann bekannt für die Friedensbewegung als Pazifistin und erste Frau, die den Friedensnobelpreis bekommen hat und Stormy de Laverie als Sängerin, Drag-Performerin und am Ende auch Türsteherin.
Speaker: Und Jasmin, vielleicht kannst du uns als erstes mitnehmen in die Geschichte von Anne-Dore Leber.
Speaker: Ja, sehr gerne.
Speaker: Also Anne-Dore Leber, ich bin Anne-Dore Leber-Fan, kann ich gleich im Vorfeld sagen.
Speaker: Also sie wurde als Anne-Dore Rosenthal geboren in Lübeck.
Speaker: Die Familie war ziemlich bürgerlich und hatte auch entsprechend bürgerliche Erwartungen, sag ich mal, an die Tochter.
Speaker: Aber die Tochter ist dann wirklich einen anderen Weg gegangen.
Speaker: Also sie hat ihr Studium abgebrochen und ist stattdessen in eine Schneiderinnenlehre eingetreten.
Speaker: Weil sie eine andere Art von Arbeit wollte.
Speaker: Das Studium war ja irgendwie zu muffig.
Speaker: Das hat sie nicht erfüllt.
Speaker: Und das war ihren Eltern schon nicht ganz geheuer, dass sie in einen Handwerksberuf gegangen ist.
Speaker: Und dann hat sie 1926 auch noch Julius Leber geheiratet.
Speaker: Der war zu dieser Zeit schon sozialdemokratischer Reichstagabgeordneter und war auch Journalist.
Speaker: Und auch das macht ihre bürgerlichen Eltern zunächst nicht besonders glücklich.
Speaker: Also Sozialdemokraten und Bürgertum, auch das ging nicht immer so gut zusammen.
Speaker: Und noch dazu hatte Julius Leber, wenn ich mich nicht irre, auch einen unehelichen Hintergrund oder die Eltern waren getrennt.
Speaker: Also irgendwas war da bei seinen Eltern, was mir nicht mehr so ganz genau im Hintergrund ist.
Speaker: Aber ihre Eltern waren am Anfang sehr skeptisch gegenüber dieser Verbindung.
Speaker: Und das legt sich nachher ein bisschen, sie sind schon beeindruckt von Julius Levers Einstellung, aber was man sagen kann, Anne-Dore Leber und Julius Leber haben eine sehr, eine Ehe auf Augenhöhe geführt, weil sie politisch sehr auf Augenhöhe waren und schon einen Tag nach der Machtergreifung von den Nationalsozialisten, einen Tag nach dem
Speaker: Adolf Hitler eben Reichskanzler wird, wird Julius Leber verhaftet.
Speaker: Also es gibt ja sehr schnell Repressalien und Verhaftungswellen, sowohl gegen KommunistInnen als auch gegen SozialdemokratInnen.
Speaker: Und Julius Leber ist eben einer von denen, die verhaftet wird.
Speaker: Er kommt in Konzentrationslager.
Speaker: Anne Dore Leber kämpft jahrelang unermüdlich für seine Freilassung.
Speaker: Also sie schreibt auch Bittgesuche, sie wendet sich an Anwälte und sie schafft es schließlich tatsächlich, ihren Mann auch frei zu bekommen.
Speaker: Und gleichzeitig eröffnet sie selbst eine Schneiderei in Berlin, um eben ihre Familie zu ernähren.
Speaker: Also das Paar hat eben auch gemeinsamen Nachwuchs.
Speaker: Und kaum kommt Julius Leber frei, geht er erneut in den Widerstand.
Speaker: Er hat sich eben schon vor seiner ersten Verhaftung aktiv gegen die Nationalsozialisten ausgesprochen und kaum ist er wieder frei, geht er also wieder in den Widerstand.
Speaker: Und auch Anne-Dore Leber ist nicht nur eingeweiht, sie ist auch eine Widerständige.
Speaker: Beide lehnen den NS wirklich von Grund auf ab.
Speaker: Und Julius Leber ist Teil des Kreisauer Kreises.
Speaker: Also das ist ja diese Gruppe um die Attentäter vom 20.
Speaker: Juli 1944.
Speaker: Und ihm wird auch eine Regierungsrolle zugedacht in der Zeit, nachdem Hitler gestürzt ist, nach diesem Attentat.
Speaker: Aber wir wissen ja alle, dass Attentat misslingt.
Speaker: Und dann wird auch Julius Leber wieder verhaftet.
Speaker: Und auch Anne-Dore Leber wird einige Zeit in Sippenhaft genommen, um
Speaker: Sie kämpft wieder für seine Freilassung, aber es ist tragisch, er wird relativ kurz vor Kriegsende noch hingerichtet, am 5.
Speaker: Januar 1945.
Speaker: Es ist ein wahnsinnig schwerer Verlust für sie und es ist aber gleichzeitig auch eine Lebensaufgabe.
Speaker: Also das Erbe des Widerstands zu bewahren, das macht sie sich als Journalistin und dann auch als Verlegerin.
Speaker: zur Lebensaufgabe.
Speaker: Also nicht nur im NS, sondern auch nach 1945 werden Widerständige zunächst noch als HochverräterInnen angesehen.
Speaker: Und den Angehörigen haftet jahrelang dieses Stigma an.
Speaker: Und Anne-Dore Leber ist eine der treibenden Kräfte, die dieses Stigma brechen wollen.
Speaker: Und es gelingt ihr auch.
Speaker: Also sie gibt Erinnerungsschriften raus,
Speaker: Sie sammelt Informationen über Biografien von anderen Widerständigen und da vereinigt sie auch wirklich Widerständige aus allen politischen Spektrums.
Speaker: Sie sagt nicht, ich schaue jetzt einfach nur auf SozialdemokratInnen oder nur auf Männer, sondern sie gibt wirklich Bücher heraus, in denen auch KommunistInnen oder religiös bedingter Widerstand, in denen all das versammelt wird, sie gibt all diesen Menschen hin.
Speaker: Einen Namen, sie treibt Bilder auf, sie macht das auch nicht ganz alleine, sie hat Unterstützung, aber sie ist die treibende Kraft, weil sie dafür einen Verlag gründet und also diese Erinnerungsschriften an WiderstandskämpferInnen herausgibt und sie gibt ihnen also so einen Namen, ein Gesicht und vor allem einen Platz in der Erinnerung.
Speaker: Und das finde ich unheimlich beeindruckend, wenn man so ein bisschen darauf schauen will, welche Herausforderungen sie hat.
Speaker: Sie trägt jahrelang allein die finanzielle Verantwortung für ihre Familie, während ihr Mann also im Gefängnis und im Konzentrationslager sitzt.
Speaker: Sie lebt in ständiger Gefahr, weil sie eben auch selbst aktiv am Widerstand beteiligt ist, weil sie widerständiges Wissen hat, weil sie im Kreisauer Kreis eben auch eine Mitwirkende ist.
Speaker: Und sie navigiert wirklich mit großer Disziplin zwischen Widerstand, zwischen Tarnung und natürlich auch zwischen Familienleben weiter.
Speaker: Eine Ehefrau sein, Mutter sein und nach Kriegsende kämpft sie in einer Gesellschaft, die den Widerstand lange lieber vergessen will, als sich damit auseinanderzusetzen.
Speaker: Und deswegen kann man auch ihre Erfolge ganz eindeutig herausstreichen.
Speaker: Sie ist eine der wichtigsten Stimmen für die Rehabilitierung.
Speaker: Und die Erinnerung an den deutschen Widerstand in der Nachkriegszeit.
Speaker: Und eines ihrer wichtigsten Bücher ist Das Gewissen steht auf.
Speaker: Da sind 64 Lebensbilder drin von Personen aus dem Widerstand.
Speaker: Die erreichen auch ein recht breites Publikum.
Speaker: Sie gibt später noch einen zweiten Band heraus.
Speaker: Und das ist also so in Kurzform in einem schnellen Ritt das Wichtigste, was man über sie und ihre Biografie sagen kann.
Speaker: Und ich finde sie wirklich eine sehr beeindruckende Frau.
Speaker: Ja, auf jeden Fall.
Speaker: Also ich muss zugeben, ich kannte sie auch, bevor ich den Podcast gehört habe, nicht.
Speaker: Und sie hat ja wirklich sehr, sehr viele Sachen erreicht.
Speaker: Eine Sache, die total interessant war, quasi ihre Rolle als Verlegerin, hat sie ja in deinem Podcast beschrieben, dass es so ein Blatt war zwischen...
Speaker: zwischen heute Brigitte und Spiegel.
Speaker: Das ist eine interessante Kombination.
Speaker: Und da eben versucht hat, Haushaltsschnittmuster mit Politik zu verbinden, um Hausfrauen auch zu politisieren und demokratisieren.
Speaker: Und das hat mich erinnert, dass auch eine Zeit vorher schon, die Suffragetten damals, also die sich
Speaker: für das Frauenrecht eingesetzt haben, damals auch Kochbücher als Plattform sozusagen genutzt haben, um politische Texte zu verbreiten und in diese Rezepte mit einfließen zu lassen.
Speaker: Und finde ich einfach so eine kreative Art und Weise, auch mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, irgendwie Widerstand und neue Ideen zu verbreiten und leisten zu können.
Speaker: Und die andere Sache, als ich deine Podcast-Folge gehört habe, die ich sehr spannend fand, war auch nicht nur, wann erinnert man sich, an wen erinnert man sich, sondern auch, wie werden Menschen erinnert.
Speaker: Weil du hattest davon gesprochen, dass Anne-Dore Leber oft als Frau von erinnert wird, wenn ich das richtig verstanden habe.
Speaker: Und das finde ich eben auch...
Speaker: fallen mir so viele andere Geschichten auch parallel dazu ein.
Speaker: Also die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die auch nie wirklich als Widerständlerin am Anfang so gesehen wurde, sondern wo gesagt wurde, sie hatte müde Füße und deswegen hat sie sich im Bus hingesetzt und es war gar nicht so darauf bedacht, dass sie sich für die Rechte von Schwarzen einsetzt, was überhaupt nicht stimmt, weil das ein total strategisches Vorgehen von ihr war, sich in diesem Moment in diesem Bus hinzusetzen und für die Rechte von Schwarzen zu demonstrieren.
Speaker: Sehr, sehr inspirierende Frau, die Anne-Dore Leber auf jeden Fall.
Speaker: Oh, wenn es gerade im Hintergrund schnarcht, ist das übrigens mein Hund, der sich heute sehr wohl fühlt auf seinem Hundebett.
Speaker: Das ist sehr süß.
Speaker: Ich dachte gerade, das ist irgendwie ein Rasenmäher oder so.
Speaker: Nee, das ist tatsächlich mein Hund Max.
Speaker: Das ist sehr süß.
Speaker: Eine andere Frau, die ein bisschen vorher gelebt hat, aber auch sehr, sehr viel erreicht hat, war Bertha von Suttner.
Speaker: Ich habe einmal vor zwei, drei Jahren in Weihnachten eine Münze von ihrem Bild geschenkt bekommen und mich damals so ein bisschen in sie verbracht.
Speaker: Und sie ist ja die erste Frau, die den Friedensnobelpreis gewonnen hat.
Speaker: Vielleicht kannst du uns auch erzählen, was überhaupt dazu geführt hat, dass sie an diesem Punkt auch gekommen ist.
Speaker: Ja, es ist auch ein sehr spannender und beeindruckender Lebensweg.
Speaker: Und übrigens bin ich ein bisschen leidisch auf die Mütze, die du da geschenkt bekommen hast.
Speaker: Das ist ja ein tolles Geschenk.
Speaker: Ja.
Speaker: Sehr gefreut, ja.
Speaker: ... die Standesunterschiede schon auch eine große Rolle spielten oder wo sie das sehr gefühlt hat.
Speaker: Also zum einen, es war einfach ein Makel, dass sie halbweise war.
Speaker: Und vor allem gab es Geldmangel in der Familie, der auch recht drückend war.
Speaker: Also ihre Herkunft klingt vielleicht, wenn man hört, die Familie erstmal privilegiert.
Speaker: Aber das ist einer der Fälle, wenn man hinschaut, es ist ein bisschen komplizierter.
Speaker: Der Geldmangel war tatsächlich so drückend, dass sie dann auch mit fast 30 eine Stelle als Hauslehrerin bei der Familie von Suttner annimmt.
Speaker: Das heißt also, sie ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet, weil denn sie wird eben nicht wirklich als, also es ist ein bisschen schwer für sie zunächst eine Partie zu finden.
Speaker: In dieser Zeit versucht man ja die Mädchen zu
Speaker: Oder die jungen Frauen so früh wie möglich zu verheiraten.
Speaker: Es gibt, glaube ich, kurz einen Kandidaten, aber der ist wesentlich älter und sie kann sich einfach nicht überwinden, diese Wahl, die da für sie getroffen wird, auch anzunehmen.
Speaker: Und so tritt sie diese Position als Hauslehrerin an bei der Familie von Suttner.
Speaker: Und dort verliebt sie sich in den Sohn Arthur von Suttner.
Speaker: Und als diese Liebe bekannt wird, wird sie aus dieser Position entlassen und die Familie verstößt sie beinahe.
Speaker: Also man will sie so schnell wie möglich loswerden und vermittelt dann, also man zeigt ihr eine Anzeige in der Zeitung und diese Anzeige ist geschaltet worden von Alfred Nobel.
Speaker: Der sitzt in Paris und sucht eine potenzielle Sekretärin.
Speaker: Sie reist auch dorthin, lernt ihn kennen, entscheidet aber, dass sie diese Stelle nicht annimmt und stattdessen reist sie zurück nach Wien und heiratet dort Arthur von Suttner.
Speaker: Also die beiden heiraten heimlich und brennen durch und zwar nicht nach irgendwo hin, sondern nach Georgien.
Speaker: Und da leben sie fast neun Jahre.
Speaker: Und in Georgien beginnt Bertha von Suttner, wahnsinnig viel zu lesen und vor allem zu schreiben.
Speaker: Sie schreibt zunächst unter Pseudonym und sie macht das zunächst, um Geld zu verdienen, weil das Paar eben irgendwie seinen Lebensunterhalt finanzieren muss.
Speaker: Sie ist sehr wissenschaftsinteressiert, sie verschlingt die Literatur da regelrecht.
Speaker: Und als das Paar in Georgien lebt, bricht auch ein Krieg aus,
Speaker: Innerhalb von Georgien, beziehungsweise Russland marschiert in Georgien ein.
Speaker: Und dieser Krieg ist im Prinzip definierend für sie, weil der öffnet ihr die Augen, der holt sie aus ihrem bis dahin doch noch einigermaßen Verletzten.
Speaker: privilegierten Leben raus, privilegiert in der Hinsicht, dass sie sich mit Kriegen bis dahin eben mit Konflikten, bewaffneten Konflikten und Gewalt bis dahin nicht auseinandergesetzt hat.
Speaker: Und das sensibilisiert sie wahnsinnig für Kriegsfragen.
Speaker: Zurück in Österreich beschäftigt sie sich damit eben noch mehr.
Speaker: Sie spricht auch mit Menschen, die in Kriegen gekämpft haben, lässt sich deren
Speaker: Ereignisse, Erlebnisse schildern.
Speaker: Und daraus entsteht 1889 ihr Antikriegsroman Die Waffen nieder.
Speaker: Und das wird ein Bestseller.
Speaker: Das überrascht sie, glaube ich, zu einem gewissen Punkt auch selbst, wie dieses Buch aufgenommen wird.
Speaker: Und sie wird fast über Nacht zur bekanntesten Friedensaktivistin ihrer Zeit.
Speaker: Sie gründet die Österreichische Friedensgesellschaft.
Speaker: Sie fängt an, Vorträge auch auf internationalen Kongressen zu halten.
Speaker: Und sie pflegt bis zu ihrem Tod eine intensive Freundschaft und Korrespondenz mit Alfred Nobel, obwohl sie dessen Stelle ja nicht angenommen hat.
Speaker: Und sie gewinnt ihn für die Idee, den Nobelpreis zu stiften.
Speaker: Und wenn man so schaut, welche Herausforderungen sie hat, wenn man das so ein bisschen zusammenfasst nochmal.
Speaker: Also zum einen hat sie diese Herkunft, wo sie ihr ganzes Leben gegen Standesdünkel ihrer Zeit kämpft.
Speaker: Ihre Schwiegereltern akzeptieren sie in den ersten Jahren überhaupt nicht.
Speaker: Sie kämpft aber auch gegen eine Gesellschaft, in der politisch aktive Frauen erstmal noch gar nicht so ernst genommen werden.
Speaker: Sie lebt in Georgien mit ihrem Mann Arthur in bescheidensten Verhältnissen für relativ lange Zeit.
Speaker: Es gibt also finanzielle Sorgen und ihre progressiven Bücher werden zwar, also die bringen ihr schon Anerkennung, aber die werden natürlich auch nicht komplett von der Gesellschaft als warm aufgenommen, sondern natürlich gibt es auch da Menschen, die
Speaker: Die dem Ganzen mit Unverständnis und sogar Ablehnung begegnen.
Speaker: Und dazu gehört am Anfang auch ihre eigene Schwiegermutter, die sich zeitweise gegen Werther von Suttners Schriften wendet und sogar einmal versucht, einige ihrer Schriften zu verbrennen.
Speaker: Und dann muss man wirklich den Hut ziehen vor Bertha von Suttners Erfolgen.
Speaker: Sie bekommt 1905, du hast schon gesagt, als erste Frau den Friedensnobelpreis.
Speaker: Und die Waffen Nieder wird in zahlreiche Sprachen übersetzt und beeinflusst wirklich eine ganze Generation und ist bis heute eines der wegweisenden Bücher in Sachen Pazifismus.
Speaker: Und sie hat die organisierte Friedensbewegung
Speaker: Und sie hat außerdem entscheidend dazu beigetragen, dass es diesen Friedensnobelpreis überhaupt gibt.
Speaker: Also das ist schon eine ganze Menge, die man ihr anrechnet und für die man sie auch bewundern kann, finde ich.
Speaker: Ja, finde ich auch.
Speaker: Und ich finde vor allen Dingen sind ihre Schriften aktuell ja auch total wichtig.
Speaker: Also wir haben in der letzten Folge, hat Dalila über Kriegsdienstverweigerung gesprochen.
Speaker: Und ich meine, vor der Militarisierung und Aufrüstung, die wir gerade erleben, ist, glaube ich, so ein Buch wie die Waffen nieder, was man auch heutzutage im
Speaker: immer wieder auch lesen sollte und vieles von der Friedensbewegung sich ja eben auch auf Bertha von Suttner und ihre Schriften und ihre ganze Arbeit und die Organisation, die dahinter steckt, beruft.
Speaker: Von daher finde ich es sehr, sehr wichtig, dass sie in dieser Folge ist und das auch nicht nur, weil wir von der Bertha von Suttner Stiftung gefördert werden, diese Folge hier.
Speaker: Vielen Dank nochmal auf jeden Fall an die Stiftung.
Speaker: Aber ich finde auch trotzdem und gerade wegen dieser ganzen Sachen verdient Bertha von Suttner auf jeden Fall einen Platz in dieser Folge.
Speaker: Also ja, eine sehr, sehr inspirierende Ikone der Friedensbewegung.
Speaker: Und eine sehr andere inspirierende Person, ich finde es jetzt schön, dass wir nochmal sehr tiefer auch in ihre Geschichte einsteigen, ist Stormy de Laverie.
Speaker: Und zwar geht es jetzt mehr in die queere Community der 60er Jahre in New York.
Speaker: Also ein kleiner Sprung, aber trotzdem, vielleicht kannst du uns da auch nochmal etwas zum Hintergrund erzählen.
Speaker: Ja, total gern.
Speaker: Stormy wird 1920 geboren.
Speaker: Wir wissen, dass sie im Dezember geboren wird in New Orleans.
Speaker: Sie ist das Kind eines wohlhabenden weißen Mannes und seiner afroamerikanischen Hausangestellten.
Speaker: Und zu dieser Zeit sind Mischbeziehungen in Louisiana illegal.
Speaker: Und genau deswegen wird ihre Geburt auch nie offiziell registriert.
Speaker: Und sie selbst legt sich später einen Geburtstag fest und sie legt sich fest auf den 24.12., was ich schon auch sehr, sehr interessant finde.
Speaker: Und sie sagt später auch, sie ist das Kind mit einer schwarzen Mutter und einem weißen Gesicht.
Speaker: So drückt sie das aus und sie erlebt schon als Kind Rassismus wirklich von allen Seiten.
Speaker: Und sucht sich ganz konsequent ihren eigenen Weg.
Speaker: Ich will nicht projizieren, aber man bekommt das Gefühl, dass sie auch einfach versucht, dieser Situation auch zu entfliehen ein Stück weit.
Speaker: Also sie singt schon als Teenager mit einer Jazzband.
Speaker: Sie versucht sich kurzzeitig als Artistin im Zirkus, bricht sich dabei allerdings auch, also tut sich dabei ziemlich weh.
Speaker: Und schließlich zieht sie nach Chicago und dann nach New York.
Speaker: Und dort lebt sie dann auch über 20 Jahre mit ihrer Partnerin Diana zusammen.
Speaker: Mitte der 40er Jahre wird Stormy von dem Produzenten der Jewelbox Review entdeckt.
Speaker: Das ist eine der ersten, wenn nicht die erste Dragshow in den USA.
Speaker: Und die Besonderheit ist, dass schwarze und weiße PerformerInnen dort gemeinsam auftraten.
Speaker: Sie steht dort 14 Jahre lang als Drag-King auf der Bühne, oft im Smoking.
Speaker: Sie trägt kurze blonde Haare.
Speaker: Davon gibt es eben auch ein Foto von Stormi im Smoking.
Speaker: Sieht wirklich toll aus.
Speaker: Und Teil dieser Show ist, dass das Publikum den ganzen Abend rätseln muss.
Speaker: Am Anfang der Show wird ihnen gesagt, in dieser Truppe ist irgendwo eine Frau, aber tritt eben nicht als Frau auf, sondern tritt als Mann auf.
Speaker: Und das Publikum muss den ganzen Abend rätseln und jedes Mal, wenn Stormy sich abends zu erkennen gibt, am Ende des Abends,
Speaker: dann ist die Überraschung also wirklich sehr, sehr groß.
Speaker: Sie ist in der New Yorker LGBTQ-Community aktiv und sie besucht auch das Stonewall Inn.
Speaker: Und das Stonewall Inn ist ja heute bekannt als der Ort, der ganz, ganz wichtig für die LGBTQ-Community und für den Pride ist.
Speaker: Denn im Stonewall Inn brechen 1969 nach einer Polizeirazzia Unruhen aus.
Speaker: Also das Stonewall Inn ist damals der Club,
Speaker: wo die queere Community sich trifft.
Speaker: Aber sie werden immer wieder von Razzien, von der Polizei überrascht.
Speaker: Und 1969 gibt es also eine solche Razzia.
Speaker: Und bei dieser Razzia, die ist aber eben anders als die davor.
Speaker: Denn diesmal wehrt sich die queere Community gegen die Gängelung der Autoritäten.
Speaker: Und es gibt Berichte, dass Stormy damals als erste aktiv Widerstand leistete, indem sie nämlich einem Polizisten einen Faustschlag versetzt haben soll.
Speaker: Also Marsha P. Johnson, die andere wichtige Person dieses Abends, sie soll ja gerufen haben, ich glaube sie soll gerufen haben, I want my rights now, I want my gay rights now.
Speaker: Und Stormy soll diejenige gewesen sein, die also mit einem Faustschlag sozusagen das Ganze untermalt hat.
Speaker: Also ich will meine Rechte jetzt sofort bekommen von Marsha, ja.
Speaker: Genau, genau, genau.
Speaker: Und Stormy schreibt sich damit zum einen in einen der fast schon Gründungsakte des Pride ein und sie wird später auch regelrecht zur Beschützerin der New Yorker Lesben Community gegründet.
Speaker: Denn sie nimmt eben einen Job als Türsteherin an und sie patrouilliert sogar regelrecht durch die New Yorker Nachbarschaft, in der die Lesbenclubs sind.
Speaker: Und sie patrouilliert tatsächlich, sie hat eine Pistole dabei.
Speaker: Und warnt auch potenzielle Aggressoren, einfach weiterzugehen und hat auch immer mal gern den Satz gesagt, trust me, you want to keep walking, also vertrau mir, du willst weiterlaufen, quasi zwischen den Zeilen, bleib nicht hier stehen, sondern dann kriegst du Probleme.
Speaker: Und ich weiß nicht, wie offen sie diese Waffe getragen hat, aber zu wissen, dass sie eine mit dabei hatte, hat natürlich auch eine Wirkung gehabt.
Speaker: Und da können wir nachher nochmal drauf zu sprechen kommen, wenn wir so ein bisschen schauen, was verbindet die Frau und was unterscheidet sie vielleicht auch.
Speaker: Aber wenn wir auch bei ihr mal auf die Herausforderungen schauen, also ihr Leben ist von Anfang an geprägt von rassistischer Diskriminierung und natürlich auch von Queerfeindlichkeit.
Speaker: FreundInnen raten ihr davon ab, die Rolle in der Jewelbox Review anzunehmen.
Speaker: Sie habe ja schon genug Probleme, weil sie schwarz sei.
Speaker: In ihrer Bühnenzeit wird sie zweimal von der Polizei aufgegriffen, weil sie in Männerkleidung unterwegs ist.
Speaker: Und die queere Community, die sie später aktiv schützt, die ist eben noch lange auch über die Unruhen im Stonewall-In hinaus natürlich staatlicher Gewalt und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt.
Speaker: Aber wenn man sich Stormys Erfolge anschaut und die Wirkung, die sie gehabt hat, sie ist wirklich eine Ikone der queeren Bewegung und
Speaker: vor allem auch der lesbischen Bewegung, ihre Auftritte in der Jewelbox Review halfen auch dabei, Drag als Kunstform zu etablieren.
Speaker: Und das half eben auch, Räume für queere KünstlerInnen zu öffnen.
Speaker: Und nicht nur für queere KünstlerInnen, sondern eben auch für Menschen schwarzer Herkunft oder mit schwarzer Abstammung.
Speaker: In einer Zeit, in der es auch zum Teil immer noch Rassentrennung gab.
Speaker: Und sie hatte eine Freundin namens Lisa Canestrachi, die nannte Stormy eine lesbische Superheldin, was ich ein tolles Kompliment finde.
Speaker: Und Stormy selbst hat ihr Leben sehr...
Speaker: Ich glaube, auf so eine typische Stormy-Wiese zusammengefasst.
Speaker: Sie sagte nämlich, I am a human being that has survived.
Speaker: I helped other people survive.
Speaker: Also ich bin ein Mensch, die überlebt hat und ich habe dabei geholfen, dass andere Menschen überleben.
Speaker: Also da merkt man auch, dass sie diese...
Speaker: Zum einen auf ihr eigenes Trauma, ihre eigenen Verletzungen anspielt und gleichzeitig aber auch auf diese Rolle der Beschützerin, dass ihr das auch wichtig war.
Speaker: Und ja, das finde ich auch eine sehr interessante und sehr eindrucksvolle Weise, wie sie da ihre eigene Rolle beschrieben hat.
Speaker: Wichtig für den Hintergrund vielleicht auch zu der Zeit, um ihre Arbeit noch mehr wertschätzen zu können, ist ja auch zu wissen, dass die, du hast schon ein bisschen gesagt, aber dass die queere Szene damals ja eigentlich gar nicht richtig offiziell einen Ort auch hatte, wo sie sich treffen konnten und dass diese Bars, also
Speaker: auch das Stonewall ja oft illegale Bars waren, die sogar von der Mafia, weil die das als Geldquelle gesehen haben, Schwulen und Lesben Bars eben diesen Raum zur Verfügung gestellt haben, aber der halt natürlich total angreifbar war, auch für Polizeirazzien und ja auch unter prekären Bedingungen, also du sprichst in deinem Podcast ja auch darüber, dass sie nicht fließend Wasser hatten und oft nur einen Eimer Wasser hinter der Bar, um die Gläser zu spülen, also das eigentlich versucht wurde, die Vorstellung, ne?
Speaker: Jeder Ort, wo diese Gemeinschaft auch entstehen kann, halt kaputt zu machen und sich da so offen und mutig dafür einzusetzen, das finde ich schon echt krass.
Speaker: Sie hat mich so inspiriert, weil ich finde, Bodyguard ist jetzt nicht so das Erste, woran man denkt, wenn man irgendwie an Widerstand denkt.
Speaker: Aber so beim zweiten drüber nachdenken, ist es ja ein riesiger Verdienst, wenn man sich für den Schutz der Gemeinschaft einsetzt und halt aufpasst, dass die Beleidigungen nicht mehr zugelassen werden oder physische Gewalt und
Speaker: Sie war damals ja schon über 80, glaube ich, als sie noch Türsteherin gemacht hat oder eben Bodyguard war, was ich krass finde.
Speaker: Und dann aber auch ein bisschen traurig zu sehen, dass die junge Generation damals sie auch schon gar nicht mehr so richtig kannte, wenn ich das richtig aus deinem Podcast rausgehört habe.
Speaker: Also dass sie irgendwie so, so viel gegeben hat und dann aber doch sehr schnell in Vergessenheit geraten ist.
Speaker: Irgendwie ist es von nicht so ein bisschen bitter geworden.
Speaker: Ja, sie hat ziemlich bis ins hohe Alter noch ihre Türsteherin-Rolle wahrgenommen, das stimmt.
Speaker: Und sie hat später, sie ist 2014 gestorben und da war sie dann aber tatsächlich in der jüngeren Community, sie starb in einem Altersheim und sie
Speaker: hatte tatsächlich nicht ganz so den Bekanntheitsgrad.
Speaker: Ich glaube aber, dass sich das ein bisschen wieder verändert hat.
Speaker: Also weil wir ja auch in den letzten Jahren, also auch Marsha's Geschichte, Marsha P. Johnson, auch Marsha's Geschichte hat so eine Renaissance erfahren und
Speaker: In diesem Zusammenhang ist auch Stormy wieder ein bisschen sichtbarer geworden.
Speaker: Aber nichtsdestotrotz, sie könnte noch sichtbarer sein.
Speaker: Sie hätte es verdient, dass man sich noch mehr an sie erinnert.
Speaker: Und deswegen finde ich es auch immer wieder wichtig, wenn wir eine Möglichkeit haben, über Ikonen wie sie zu sprechen, dass wir es dann auch tun.
Speaker: Ja, da hast du mich auch echt zum Nachdenken angeregt bei deiner Geschichte von Anne-Dore Leber, weil du darüber gesprochen hattest, was passiert mit den Gegenständen und Besitztümern von Menschen, die verstorben sind, weil ihr Haus ausgeräumt wurde nach ihrem Tod und gar nicht so viel ins Archiv gebracht wurde oder aufbereitet wurde.
Speaker: Und ja, das ist ja jetzt was, wo man jetzt nicht so richtig plant oder das vorbereitet oder sowas da passiert, aber...
Speaker: dass es echt wichtig ist, diese Beweisstücke auch aufzuheben, um die Geschichte halt auch zu erhalten.
Speaker: Also sehr, sehr wichtige Punkte.
Speaker: Siehst du denn jetzt Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede zwischen diesen drei Persönlichkeiten?
Speaker: Ja, sowohl als auch.
Speaker: Also alle drei haben Widerstand geleistet in Systemen, die, wenn man so sagen will, nicht für sie gemacht waren.
Speaker: Also Anne-Dore Leber hat Widerstand gegen einen faschistischen Staat geleistet.
Speaker: Bertha von Suttner hat sich in einer Gesellschaft engagiert, die Frauen auch noch aus der Politik ausschloss und die eben mit diesen Standesdünkeln auch durchsetzt war.
Speaker: Und vor allem in einer Gesellschaft, sie hat sich ja in einer Zeit engagiert für den Frieden.
Speaker: Als es eine Zeit, die sehr vom Belizismus, also eben von der regelrechten Kriegswissenschaft und Hochrüstung, Aufrüstung und dem gewaltsamen Austragen von Konflikten geprägt war.
Speaker: Und Stormy hat sich in einem Land engagiert, in dem ihre Existenz buchstäblich ja noch kriminalisiert war.
Speaker: Also was ich auch spannend finde...
Speaker: Alle drei haben das ja nicht nur für sich gemacht, sondern sie haben damit ja auch andere im Blick.
Speaker: Also Anne-Doro Leber kämpft natürlich auch für ihren Mann, aber auch später für das Erbe des gesamten Widerstands und während des NS natürlich auch noch gegen ein System der Unterdrückung.
Speaker: Bertha von Suttner denkt ja nicht nur an sich selbst oder an Österreich, sondern sie strebt wirklich einen Frieden zwischen den Nationen auf der Erde an.
Speaker: Und Stormy kümmert sich nicht nur um sich selbst, sondern beschützt eine Community, die sie ja auch als ihre Familie, als ihre Community betrachtet.
Speaker: Und das ist, glaube ich, auch kein Zufall.
Speaker: Ich finde, das sieht man auch oft, wenn Frauen und queere Menschen sich organisieren und Widerstand leisten, dann tun sie es auch oft mit einem kollektiven Blick.
Speaker: Es geht ihnen nicht nur um irgendwas Individuelles, sondern sie setzen sich eben für die Community als Ganzes ein.
Speaker: Und alle drei sind auch ganz lange unterschätzt und vergessen worden.
Speaker: Also Bertha von Suttner hat trotzdem bis heute in Geschichtsbüchern nicht annähernd den Textanteil, den sie verdient, finde ich.
Speaker: Anne-Dore Leber taucht eben oft nur als, du hast es schon gesagt, Frau von Julius Leber als Frau eines Widerstandskämpfers auf, ohne dass ihre eigene Rolle als Widerständige umgeht.
Speaker: Und auch ihre Leistung nach dem Krieg in der Erinnerung an Widerständige ausreichend gewürdigt wird.
Speaker: Und Stormy ist 2014 gestorben und es gibt keine einzige Biografie über sie.
Speaker: Man muss sich die Informationen über sie aus Zeitungsartikeln und kleineren Papers irgendwie zusammenklauben.
Speaker: Das finde ich auch skandalös, ganz ehrlich.
Speaker: Ja, und was sie unterscheidet, ist vor allem, glaube ich, der Kontext, aus dem sie Widerstand leisten.
Speaker: Also sie haben unterschiedliche Herkünfte, Bertha von Suttner aus dem Adel, Bertha von Suttner hat andere durch ihre Herkunft, auch wenn die komplex ist, ein bisschen andere Zugänge.
Speaker: Sodass sie sogar Alfred Nobel persönlich kennenlernen kann.
Speaker: Wäre sie eine Arbeiterin gewesen, hätte sie sich auf diese Stellenanzeige sehr wahrscheinlich nicht gemeldet und wäre wahrscheinlich auch nicht eingeladen worden.
Speaker: Anne-Dore lieber hat die bürgerliche Herkunft, ist gut vernetzt in der Sozialdemokratie.
Speaker: Auch sie hat Ressourcen und Bildung, die ihr später eben helfen, die ihren Weg mit beeinflussen.
Speaker: Und Stormy im Gegenzug hat nichts davon.
Speaker: Sie wird arm geboren, schwarz, lesbisch und muss jeden Freiraum, den sie sich erschafft, wirklich aus dem Nichts heraus erkämpfen.
Speaker: Und sie haben eine sehr unterschiedliche Gäste.
Speaker: Also das war das, was ich vorhin meinte.
Speaker: Stormy patrouilliert oder trägt eine Pistole, trägt eine Waffe mit sich.
Speaker: Das ist natürlich etwas, das wäre Bertha von Suttner nie in den Sinn gekommen.
Speaker: Für sie ist jede Form von Waffe, jede Form von Gewalt, selbst wenn es nur eine Gewaltandrohung ist, ist für Bertha von Suttner eine Gräuel.
Speaker: Also
Speaker: Sie haben da sehr unterschiedliche Herangehensweisen und trotzdem, glaube ich, versteht man jede dieser drei Figuren in ihrem jeweiligen Kontext, warum sie sich für ihre jeweilige Form des Widerstands entscheiden, aber es zeigt eben, dass Widerstand sehr, sehr unterschiedlich aussehen kann.
Speaker: Ja, das finde ich jetzt echt schockierend, dass da keine Biografie über Stormy ist.
Speaker: Also hier sind ja auch viele Menschen, die Masterarbeiten schreiben, Bachelorarbeiten schreiben, Filme drehen.
Speaker: Wäre doch mal ein gutes Projekt, sowas zu machen und das ein bisschen aufzuarbeiten.
Speaker: Ja, krass.
Speaker: Okay.
Speaker: Und das ist so eine Frage, die ich oft Menschen stelle, die hier zu Gast sind.
Speaker: Hast du was für die heutige Zeit, was du...
Speaker: Frauen, queeren Personen mit an die Hand geben, würdest die Protestleister nicht für Gerechtigkeit einsetzen in ihrem Umfeld für verschiedenste Themen?
Speaker: Also ich glaube, da gibt es zwei, in Anführungsstrichen, relativ einfache Sachen.
Speaker: Also das eine ist, nicht darauf zu warten, dass einem jemand die Erlaubnis dazu gibt, ein System in Frage zu stellen oder sich gegen ein System aufzulehnen, wenn man es falsch findet.
Speaker: Es wird niemand kommen und sagen,
Speaker: Du darfst das jetzt machen und es wird einem niemand die Erlaubnis dafür geben.
Speaker: Also wenn man darauf wartet, wartet man, glaube ich, zu lang, sondern wenn man das Gefühl hat, dann sollte man nach seinem eigenen Moralkompass handeln und laut werden und sich stark machen.
Speaker: Und das andere ist, Netzwerke zu formen, weil Widerstand braucht immer Verbündete und sich aufzulehnen, Widerstand zu leisten, sich stark zu machen, ist immer einfacher, wenn man es in der Community tut, wenn man Netzwerke hat.
Speaker: Also ich glaube, die beiden Dinge sind ganz zentral.
Speaker: Ja, da kann mein Zitat, was ich für heute mitgebracht habe, auch sehr gut daran anschließen.
Speaker: Und zwar stammt es von der diberianischen Bürgerrechtlerin, Politikerin und auch Friedenslobeilpreisträgerin Demar Gobi.
Speaker: Und sie hat gesagt, dass wir unsere eigenen Gandhis, unsere eigenen Kings und unsere eigenen Mandelas sein sollten und nicht darauf warten müssen oder uns klein machen müssen vor anderen Personen.
Speaker: Das habe ich jetzt noch dazu gesagt.
Speaker: Genau, und an der Stelle, Dalila hat mich gebeten, auch nochmal die Liberia Woman for Peace zu erwähnen, von denen auch eben angesprochene Leema Gobi eine der Anführerinnen war.
Speaker: Und die haben es nämlich damals geschafft, im jahrzehntelangen Bürgerkriegskontext zwischen muslimischen und christlichen Lagern zu
Speaker: die Frauen beider Lager sich zusammenzuschließen und mit Mitteln gewaltfreien Widerstandes die Männer dazu gezogen haben, endlich Ruhe zu geben.
Speaker: Und dafür hat sie dann auch den Friedensnobelprass bekommen, also an dieser Stelle die Begrüße auch an der Lina.
Speaker: Und ja, vielen, vielen Dank, Jasmin, dass du heute da warst und dass du diese Geschichten erzählt hast und auch mit deinem Podcast so dazu beiträgst, dass sie gesehen werden und gehört werden.
Speaker: Es hat mich wirklich
Speaker: Ich habe mich wirklich gefreut, dass du da warst.
Speaker: Also vielen Dank.
Speaker: Dankeschön.
Speaker: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich da sein konnte und dass wir über drei so tolle Frauen sprechen konnten.
Speaker: Und danke auch für die Arbeit und das Engagement, das ihr macht.
Speaker: Also du, Lea und natürlich auch Danila, auch wenn sie heute nicht da sein und nicht mit dabei sein kann.
Speaker: Aber es war mir eine Freude, bei euch zu sein.
Speaker: Mir auch.
Speaker: Ich hoffe, wir sprechen in Zukunft auch noch mehr über ganz tolle Widerständlerinnen.
Speaker: Und ja, an der Stelle auch nochmal ein Danke eben an die Bertha von Suttner Stiftung, die diese Folge unterstützt, an Simon, der unseren Podcast schneidet und einen kleinen Ausblick auf die nächste Folge.
Speaker: Die wird auf jeden Fall auch wieder sehr spannend, weil jetzt können wir es endlich sagen, Arne Semsrott kommt zu uns in dem Podcast über sein neues Buch.
Speaker: Diese Kampf ist eine, die du gewinnen kannst.






