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T&T21 Widerständler*innen

S3 E21 · Tee & Taktik
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63 Plays5 days ago

Wer schreibt eigentlich (Widerstands-)Geschichte — und warum tauchen Frauen und queere Personen darin so oft nur am Rand auf?

Zu Gast ist Jasmin Löchner, und gemeinsam entdecken wir drei eher unbekannte, aber unglaublich spannende Geschichten von Annedore Leber, Bertha von Suttner und Stormé de Laverie. Es geht um Frauen und queere Personen, um Widerstand, Mut und Sichtbarkeit — und um Leben, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Höre jetzt rein!

Du hast Ideen für eine neue Folge oder Feedback? Schreib uns an teeundtaktik@proton.me
Unterstütze Tee & Taktik, damit es weitergehen kann hier.
 @dalilah_shemia @lea_bonasera

Wir danken der Bertha-von-Suttner-Stiftung für die finanzielle Unterstützung sowie Simon Graf für die Postproduktion. Ein großes Danke auch an alle, die regelmäßig Tee und Taktik hören und unterstützen.

Buch von Lea
Jasmin Lörchner
HerStory Podcast
Annedore Leber
Buch: Das Gewissen steht auf
Bertha von Suttner
Buch: Die Waffen nieder!
Stormé de Laverie
Marsha P. Johnson
Mahalia Jackson
Dr. Pratia Hall
Leymah Gbowee
Endometriose Vereinigung
Gender Pay Gap
Gender Pay Gap Statistisches Bundesamt
Queerfeindlichkeit
Unsichtbare Frauen
Gen Z Studie
Stonewall

Recommended
Transcript

Einleitung und Begrüßung

00:00:07
Speaker
Hallo und herzlich willkommen zu Tee und Taktik, deinem Podcast zu strategischem Protest.
00:00:14
Speaker
Wir sind Lea und Lila.
00:00:15
Speaker
Hallo.
00:00:17
Speaker
Herzlich willkommen.
00:00:20
Speaker
Hallo zu einer neuen Folge von Tee und Taktik.
00:00:23
Speaker
Ich hoffe, euch geht's gut.
00:00:25
Speaker
Und ja, zuerst mal alles Gute nachträglich zum Weltfrauentag.
00:00:30
Speaker
Vielleicht bin ich ein paar Wochen zu spät dran, aber ich würde sagen, ganz ehrlich, ist das eine Sache, was man nicht nur einen Tag im Jahr feiern sollte, genauso wie die Pride im Juni, sondern dass man sich das ganze Jahr über für Queersein und Frausein einsetzen und kämpfen kann.

Frauen und Queers in der Geschichte

00:00:46
Speaker
Deswegen machen wir diese Folge einfach mal im April, denn genau heute geht es eben um das Thema Einsatz von Frauen und queeren Personen für Gerechtigkeit, um Sichtbarkeit, um Geschichten von Frauen und queeren Menschen, die leider in den Geschichtsbüchern doch mal oft vergessen werden oder nur am Rande erwähnt werden.
00:01:05
Speaker
Und ja, ich habe heute einen sehr besonderen Gast dabei, Jasmin

Gast: Jasmin Löchner und ihr Podcast 'Her Story'

00:01:09
Speaker
Löchner.
00:01:09
Speaker
Du bist Journalistin, Podcasterin und Autorin und ich freue mich sehr, dass du da bist, weil ich deinen Podcast Her Story sehr, sehr gerne höre, in dem du eben viele spannende Geschichten und oft vergessene Geschichten von Frauen und Queers erzählst, die viel zu selten gewürdigt werden.
00:01:27
Speaker
Hallo Jasmin.
00:01:28
Speaker
Hallo Lea.
00:01:29
Speaker
Schön, dass ich da sein kann.
00:01:30
Speaker
Ich freue mich.
00:01:31
Speaker
Ich mich auch.
00:01:32
Speaker
Bevor wir in das Thema rein starten, wollte ich dich fragen und unsere kleine Tee- und Taktik-Tradition halten, welchen Tee du dir heute für unsere Aufnahme gekocht hast.
00:01:43
Speaker
Ich habe mir einen Tee gekocht mit Granatapfel, Blaubeere und Acaibeere, also ein grüner Tee mit all diesen leckeren Früchten drin.
00:01:55
Speaker
Den trinke ich sehr, sehr gerne.
00:01:56
Speaker
Ich mag Beeren sehr gern.
00:01:58
Speaker
Den hatten wir auf jeden Fall bei Tee und Taktik so auch noch nicht.
00:02:01
Speaker
Also klingt gut.
00:02:04
Speaker
Ich habe mir heute einen Kräutertee gekocht.
00:02:06
Speaker
Da sind so Schafgarbe, Frauenmantel, Himbeerblätter und so weiter drin, weil ich heute tatsächlich nicht wegen dieser Folge, aber meine Endometriose sehr doll merke.
00:02:15
Speaker
Und da dachte ich, passt's.

Herausforderungen für Frauen und Queers heute

00:02:17
Speaker
passt dieser Tee leider sehr gut und ist auch eigentlich schon eine gute Überleitung zu diesem Thema heute, weil Endometriose ist ja auch so eine Krankheit, die als Frauenkrankheit nicht wirklich erforscht ist.
00:02:28
Speaker
Und das ist ja, was ja immer noch Realität ist, dass Frauen und Queers eben in vielen Bereichen benachteiligt sind.
00:02:35
Speaker
Also...
00:02:36
Speaker
eben in der Medizin oder Gesundheit, wie Endometriose oder das Herzinfarkte falsch diagnostiziert werden bei Frauen.
00:02:43
Speaker
Auch ganz krass natürlich bei Arbeit und Löhnen.
00:02:45
Speaker
Also Gehaltsunterschiede liegen in Deutschland aktuell bei 16 Prozent.
00:02:51
Speaker
Das heißt, wenn eine Frau 100 Euro verdient, verdient ein Mann 116 Euro.
00:02:55
Speaker
Und eigentlich arbeiten wir die ersten 58 Tage des Jahres.
00:02:59
Speaker
Also dieses Jahr war es bis zum 27.
00:03:01
Speaker
Februar.
00:03:04
Speaker
Hinzu kommt ja die unbezahlte Hausarbeit, die dann oft auch noch dazu kommt.
00:03:09
Speaker
Genauso ist es eben auch mit Queerfeindlichkeit, die weiter ansteigt.
00:03:13
Speaker
Viele Rechte, die wieder zurückgenommen werden oder stagnieren, auch hier in der EU.
00:03:18
Speaker
Straftaten, die gegen queere Personen extrem ansteigen.
00:03:22
Speaker
Und das Ganze eben vor dem Hintergrund von neuen Studien, die aktuell rauskommen, dass die junge Generation, also die Gen Z, insbesondere die Männer, die Jungs, dass ein signifikanter Teil von ihnen eben der Meinung ist, auch mit Gleichberechtigung, das passt schon so.
00:03:39
Speaker
und teilweise konservativere Meinungen vertreten als die älteren Generationen.
00:03:44
Speaker
Also vor diesen ganzen Fakten, die ich jetzt mal so zum Einstieg genannt habe, ist es ja klar, warum du dich auch mit diesem Thema beschäftigst, warum das so

Motivationen und Narrative: Wer erzählt die Geschichte?

00:03:52
Speaker
wichtig ist.
00:03:52
Speaker
Aber ich wollte dich trotzdem noch mal fragen, was dich persönlich dazu motiviert hat, auch dieses Thema aufzugreifen und warum du es eben wichtig findest, über Frauen und Queers zu sprechen.
00:04:03
Speaker
Mhm.
00:04:04
Speaker
Ja, du hast ja schon eine ganze Reihe sehr guter, aktueller Punkte genannt, warum uns das einfach heute diese Themen so umtreiben und was immer noch die aktuellen Aufhänger sind.
00:04:15
Speaker
Und ich arbeite ja als Journalistin mit Schwerpunkt auf eben Geschichte, kümmere mich also um historische Themen und stecke da sehr tief drin.
00:04:26
Speaker
Und da habe ich es einfach auch immer wieder gemerkt, dass einfach die weibliche Perspektive fehlte und natürlich auch die
00:04:33
Speaker
Die queere Perspektive.
00:04:35
Speaker
Und die Frage, die ja damit drinsteckt, ist eben, warum ist das in der Geschichtsschreibung so?
00:04:40
Speaker
Also wir sehen, auf jeden Fall zeigt es uns, es ist historisch geprägt und Geschichtsschreibung ist eben auch sehr männlich geprägt, so wie unsere Welt war.
00:04:49
Speaker
Bis heute.
00:04:50
Speaker
Und bei der Geschichtsschreibung gehört einfach mit dazu, sich zu fragen, wer hat denn die Geschichten aufgeschrieben?
00:04:54
Speaker
Und das waren natürlich überwiegend Männer, die als Chronisten gearbeitet haben oder als Mönche, die ja in den Klöstern eben historische Schriften abgeschrieben und kopiert haben.
00:05:05
Speaker
Und auch in Machtpositionen waren ja historisch überwiegend Männer, also als Könige und als Päpste.
00:05:14
Speaker
Und denen wurde eben die Beachtung geschenkt und Frauen und Queers fielen da überall aus dem Raster.
00:05:19
Speaker
Und deswegen sehe ich eben auch, Geschichtsschreibung ist auch eine Machtfrage.
00:05:23
Speaker
Wer hat sie geschrieben, wessen Geschichten werden aufbewahrt, wessen Geschichten werden übersetzt?
00:05:29
Speaker
Wessen Geschichten schaffen es in Schulbücher oder werden in Denkmäler gemeißelt?
00:05:34
Speaker
All das steckt da mit drin.
00:05:38
Speaker
Und was auch da mit reinspielt, ist, dass auch die Art der Überlieferung zählt.
00:05:42
Speaker
Also Frauen und queere Menschen haben ihre Spuren eben auch oft in einer anderen Form hinterlassen,
00:05:50
Speaker
als Männer mit gesellschaftlicher Macht.
00:05:51
Speaker
Also Männer waren eben Feldherren, Könige, Staatsmänner und so weiter.
00:05:55
Speaker
Und Frauen hatten nicht immer die gleichen Möglichkeiten und queers eben auch nicht, um ihre Perspektiven sichtbar zu machen.
00:06:03
Speaker
Also sie haben eher Briefe, Tagebücher, mündliche Überlieferungen hinterlassen oder auch Netzwerke, die aber nicht immer politisch wahrgenommen wurden und die politisch nicht immer das gleiche Wirkungsfeld hatten.
00:06:16
Speaker
Und die Geschichtsschreibung selbst musste auch erst lernen, solche Quellen mit einzubeziehen.
00:06:20
Speaker
Also ich finde, auch wenn wir uns Geschichte und Geschichtsschreibung anschauen, stecken da ganz viele Machtfragen und Machtverhältnisse mit drin.
00:06:28
Speaker
Und deswegen finde ich es wichtig, das zu thematisieren und dem natürlich auch was entgegenzusetzen, indem wir diese Geschichten erzählen und ihnen

Bedeutung von Frauen und Queers in Protesten

00:06:36
Speaker
Raum geben.
00:06:36
Speaker
Ja, das finde ich total wichtig.
00:06:38
Speaker
Also insbesondere, was du gerade gesagt hast, wer ist sichtbar und wer hat auch den Zugang zu sprechen.
00:06:43
Speaker
Ich glaube, das war für mich auch eine große Motivation.
00:06:45
Speaker
Ich habe in meinem Buch ein ganzes Kapitel dem Thema Frauen und Quills im Widerstand gewidmet, weil es mich auch in der Praxis immer wahnsinnig aufgeregt hat im Protest, dass die Männer mit so einer Selbstverständlichkeit sich vor die Kamera stellen, mit Journalistinnen reden oder in Politikerinnen Gespräche gehen oder auch auf die Polizei zu gehen.
00:07:03
Speaker
Und
00:07:04
Speaker
Einfach da verschiedene Perspektiven auch sichtbar zu machen.
00:07:07
Speaker
Auch aus einer akademischen Perspektive heraus wissen wir, dass auch Frauen einen sehr positiven Effekt haben können auf Protest und Widerstand und dass sie ihn eben erfolgreicher machen, weil sie auch oft viel disziplinierter gewaltfrei sind und diese Friedlichkeit hochhalten können.
00:07:24
Speaker
Und eine Geschichte, die will ich einfach am Anfang nochmal kurz erzählen, aber die für mich das einfach so perfekt auf den Punkt bringt, ist eigentlich so der ganze Hype um Martin Luther King, der damals mit seinem I have a dream, das hat ja noch bis heute zitiert und lernt man in der Schule und so weiter, so total berühmt dafür geworden ist.
00:07:45
Speaker
Aber dieser Satz gar nicht von ihm stammt, sondern von einer weiblichen Priesterin, Persia Hall, die
00:07:52
Speaker
ihn als erstes gesagt hat und er war nur in der Predigt von ihr dabei und hat es gehört und hat es dann übernommen und hat aber auch in der großen Rede, wo dieser Satz sehr bekannt geworden ist, wollte er ihn gar nicht sagen, sondern hatte eine ganz langweilige Rede eigentlich dabei.
00:08:07
Speaker
Und dann hat die Vorsängerin vor ihm, Mahalia Jackson, hat ihn aufgefordert und gesagt,
00:08:12
Speaker
Martin, erzähl ihn von deinem Traum, weil es einfach viel zu langweilig war und so ist das Ganze ins Rollen gekommen.
00:08:19
Speaker
Also es ist für mich einfach immer wieder faszinierend zu sehen, dass zwei so starke Frauen hinter diesem ganzen, also Martin Luther King hat natürlich auch viel geleistet, aber trotzdem viel auch übernommen von Frauen.

Geschichten von Anne-Dore Leber, Bertha von Suttner und Stormy de Laverie

00:08:33
Speaker
Genau, und deswegen haben wir uns eben vor heute überlegt, uns drei verschiedene Geschichten anzuschauen, auch bewusst vielleicht Namen, die jetzt nicht so bekannt sind.
00:08:43
Speaker
Ich glaube, sie haben schon einen bestimmten Bekanntheitsgrad, aber vielleicht die ein oder andere nochmal neu ist.
00:08:48
Speaker
Also zum einen Anne-Dore Leber, Bertha von Suttner und Stormy de la Verie.
00:08:54
Speaker
Anne-Dore Leber war Schneiderin, Publizistin, Verlegerin und Widerstandskämpferin und Politikerin.
00:09:01
Speaker
Werther von Suttner ist dann bekannt für die Friedensbewegung als Pazifistin und erste Frau, die den Friedensnobelpreis bekommen hat und Stormy de Laverie als Sängerin, Drag-Performerin und am Ende auch Türsteherin.
00:09:17
Speaker
Und Jasmin, vielleicht kannst du uns als erstes mitnehmen in die Geschichte von Anne-Dore Leber.
00:09:23
Speaker
Ja, sehr gerne.
00:09:24
Speaker
Also Anne-Dore Leber, ich bin Anne-Dore Leber-Fan, kann ich gleich im Vorfeld sagen.
00:09:30
Speaker
Also sie wurde als Anne-Dore Rosenthal geboren in Lübeck.
00:09:34
Speaker
Die Familie war ziemlich bürgerlich und hatte auch entsprechend bürgerliche Erwartungen, sag ich mal, an die Tochter.
00:09:41
Speaker
Aber die Tochter ist dann wirklich einen anderen Weg gegangen.
00:09:44
Speaker
Also sie hat ihr Studium abgebrochen und ist stattdessen in eine Schneiderinnenlehre eingetreten.
00:09:50
Speaker
Weil sie eine andere Art von Arbeit wollte.
00:09:51
Speaker
Das Studium war ja irgendwie zu muffig.
00:09:55
Speaker
Das hat sie nicht erfüllt.
00:09:57
Speaker
Und das war ihren Eltern schon nicht ganz geheuer, dass sie in einen Handwerksberuf gegangen ist.
00:10:01
Speaker
Und dann hat sie 1926 auch noch Julius Leber geheiratet.
00:10:07
Speaker
Der war zu dieser Zeit schon sozialdemokratischer Reichstagabgeordneter und war auch Journalist.
00:10:13
Speaker
Und auch das macht ihre bürgerlichen Eltern zunächst nicht besonders glücklich.
00:10:17
Speaker
Also Sozialdemokraten und Bürgertum, auch das ging nicht immer so gut zusammen.
00:10:22
Speaker
Und noch dazu hatte Julius Leber, wenn ich mich nicht irre, auch einen unehelichen Hintergrund oder die Eltern waren getrennt.
00:10:29
Speaker
Also irgendwas war da bei seinen Eltern, was mir nicht mehr so ganz genau im Hintergrund ist.
00:10:34
Speaker
Aber ihre Eltern waren am Anfang sehr skeptisch gegenüber dieser Verbindung.
00:10:40
Speaker
Und das legt sich nachher ein bisschen, sie sind schon beeindruckt von Julius Levers Einstellung, aber was man sagen kann, Anne-Dore Leber und Julius Leber haben eine sehr, eine Ehe auf Augenhöhe geführt, weil sie politisch sehr auf Augenhöhe waren und schon einen Tag nach der Machtergreifung von den Nationalsozialisten, einen Tag nach dem
00:11:00
Speaker
Adolf Hitler eben Reichskanzler wird, wird Julius Leber verhaftet.
00:11:03
Speaker
Also es gibt ja sehr schnell Repressalien und Verhaftungswellen, sowohl gegen KommunistInnen als auch gegen SozialdemokratInnen.
00:11:10
Speaker
Und Julius Leber ist eben einer von denen, die verhaftet wird.
00:11:14
Speaker
Er kommt in Konzentrationslager.
00:11:16
Speaker
Anne Dore Leber kämpft jahrelang unermüdlich für seine Freilassung.
00:11:20
Speaker
Also sie schreibt auch Bittgesuche, sie wendet sich an Anwälte und sie schafft es schließlich tatsächlich, ihren Mann auch frei zu bekommen.
00:11:27
Speaker
Und gleichzeitig eröffnet sie selbst eine Schneiderei in Berlin, um eben ihre Familie zu ernähren.
00:11:34
Speaker
Also das Paar hat eben auch gemeinsamen Nachwuchs.
00:11:37
Speaker
Und kaum kommt Julius Leber frei, geht er erneut in den Widerstand.
00:11:43
Speaker
Er hat sich eben schon vor seiner ersten Verhaftung aktiv gegen die Nationalsozialisten ausgesprochen und kaum ist er wieder frei, geht er also wieder in den Widerstand.
00:11:53
Speaker
Und auch Anne-Dore Leber ist nicht nur eingeweiht, sie ist auch eine Widerständige.
00:11:59
Speaker
Beide lehnen den NS wirklich von Grund auf ab.
00:12:03
Speaker
Und Julius Leber ist Teil des Kreisauer Kreises.
00:12:05
Speaker
Also das ist ja diese Gruppe um die Attentäter vom 20.
00:12:08
Speaker
Juli 1944.
00:12:09
Speaker
Und ihm wird auch eine Regierungsrolle zugedacht in der Zeit, nachdem Hitler gestürzt ist, nach diesem Attentat.
00:12:18
Speaker
Aber wir wissen ja alle, dass Attentat misslingt.
00:12:20
Speaker
Und dann wird auch Julius Leber wieder verhaftet.
00:12:23
Speaker
Und auch Anne-Dore Leber wird einige Zeit in Sippenhaft genommen, um
00:12:28
Speaker
Sie kämpft wieder für seine Freilassung, aber es ist tragisch, er wird relativ kurz vor Kriegsende noch hingerichtet, am 5.
00:12:35
Speaker
Januar 1945.
00:12:36
Speaker
Es ist ein wahnsinnig schwerer Verlust für sie und es ist aber gleichzeitig auch eine Lebensaufgabe.
00:12:43
Speaker
Also das Erbe des Widerstands zu bewahren, das macht sie sich als Journalistin und dann auch als Verlegerin.
00:12:50
Speaker
zur Lebensaufgabe.
00:12:51
Speaker
Also nicht nur im NS, sondern auch nach 1945 werden Widerständige zunächst noch als HochverräterInnen angesehen.
00:13:01
Speaker
Und den Angehörigen haftet jahrelang dieses Stigma an.
00:13:05
Speaker
Und Anne-Dore Leber ist eine der treibenden Kräfte, die dieses Stigma brechen wollen.
00:13:10
Speaker
Und es gelingt ihr auch.
00:13:12
Speaker
Also sie gibt Erinnerungsschriften raus,
00:13:15
Speaker
Sie sammelt Informationen über Biografien von anderen Widerständigen und da vereinigt sie auch wirklich Widerständige aus allen politischen Spektrums.
00:13:23
Speaker
Sie sagt nicht, ich schaue jetzt einfach nur auf SozialdemokratInnen oder nur auf Männer, sondern sie gibt wirklich Bücher heraus, in denen auch KommunistInnen oder religiös bedingter Widerstand, in denen all das versammelt wird, sie gibt all diesen Menschen hin.
00:13:38
Speaker
Einen Namen, sie treibt Bilder auf, sie macht das auch nicht ganz alleine, sie hat Unterstützung, aber sie ist die treibende Kraft, weil sie dafür einen Verlag gründet und also diese Erinnerungsschriften an WiderstandskämpferInnen herausgibt und sie gibt ihnen also so einen Namen, ein Gesicht und vor allem einen Platz in der Erinnerung.
00:13:56
Speaker
Und das finde ich unheimlich beeindruckend, wenn man so ein bisschen darauf schauen will, welche Herausforderungen sie hat.
00:14:03
Speaker
Sie trägt jahrelang allein die finanzielle Verantwortung für ihre Familie, während ihr Mann also im Gefängnis und im Konzentrationslager sitzt.
00:14:12
Speaker
Sie lebt in ständiger Gefahr, weil sie eben auch selbst aktiv am Widerstand beteiligt ist, weil sie widerständiges Wissen hat, weil sie im Kreisauer Kreis eben auch eine Mitwirkende ist.
00:14:24
Speaker
Und sie navigiert wirklich mit großer Disziplin zwischen Widerstand, zwischen Tarnung und natürlich auch zwischen Familienleben weiter.
00:14:32
Speaker
Eine Ehefrau sein, Mutter sein und nach Kriegsende kämpft sie in einer Gesellschaft, die den Widerstand lange lieber vergessen will, als sich damit auseinanderzusetzen.
00:14:42
Speaker
Und deswegen kann man auch ihre Erfolge ganz eindeutig herausstreichen.
00:14:46
Speaker
Sie ist eine der wichtigsten Stimmen für die Rehabilitierung.
00:14:50
Speaker
Und die Erinnerung an den deutschen Widerstand in der Nachkriegszeit.
00:14:54
Speaker
Und eines ihrer wichtigsten Bücher ist Das Gewissen steht auf.
00:14:57
Speaker
Da sind 64 Lebensbilder drin von Personen aus dem Widerstand.
00:15:01
Speaker
Die erreichen auch ein recht breites Publikum.
00:15:04
Speaker
Sie gibt später noch einen zweiten Band heraus.
00:15:07
Speaker
Und das ist also so in Kurzform in einem schnellen Ritt das Wichtigste, was man über sie und ihre Biografie sagen kann.
00:15:14
Speaker
Und ich finde sie wirklich eine sehr beeindruckende Frau.
00:15:17
Speaker
Ja, auf jeden Fall.
00:15:18
Speaker
Also ich muss zugeben, ich kannte sie auch, bevor ich den Podcast gehört habe, nicht.
00:15:22
Speaker
Und sie hat ja wirklich sehr, sehr viele Sachen erreicht.
00:15:26
Speaker
Eine Sache, die total interessant war, quasi ihre Rolle als Verlegerin, hat sie ja in deinem Podcast beschrieben, dass es so ein Blatt war zwischen...
00:15:35
Speaker
zwischen heute Brigitte und Spiegel.
00:15:37
Speaker
Das ist eine interessante Kombination.
00:15:39
Speaker
Und da eben versucht hat, Haushaltsschnittmuster mit Politik zu verbinden, um Hausfrauen auch zu politisieren und demokratisieren.
00:15:48
Speaker
Und das hat mich erinnert, dass auch eine Zeit vorher schon, die Suffragetten damals, also die sich
00:15:53
Speaker
für das Frauenrecht eingesetzt haben, damals auch Kochbücher als Plattform sozusagen genutzt haben, um politische Texte zu verbreiten und in diese Rezepte mit einfließen zu lassen.
00:16:04
Speaker
Und finde ich einfach so eine kreative Art und Weise, auch mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, irgendwie Widerstand und neue Ideen zu verbreiten und leisten zu können.
00:16:14
Speaker
Und die andere Sache, als ich deine Podcast-Folge gehört habe, die ich sehr spannend fand, war auch nicht nur, wann erinnert man sich, an wen erinnert man sich, sondern auch, wie werden Menschen erinnert.
00:16:24
Speaker
Weil du hattest davon gesprochen, dass Anne-Dore Leber oft als Frau von erinnert wird, wenn ich das richtig verstanden habe.
00:16:31
Speaker
Und das finde ich eben auch...
00:16:34
Speaker
fallen mir so viele andere Geschichten auch parallel dazu ein.
00:16:36
Speaker
Also die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die auch nie wirklich als Widerständlerin am Anfang so gesehen wurde, sondern wo gesagt wurde, sie hatte müde Füße und deswegen hat sie sich im Bus hingesetzt und es war gar nicht so darauf bedacht, dass sie sich für die Rechte von Schwarzen einsetzt, was überhaupt nicht stimmt, weil das ein total strategisches Vorgehen von ihr war, sich in diesem Moment in diesem Bus hinzusetzen und für die Rechte von Schwarzen zu demonstrieren.
00:17:01
Speaker
Sehr, sehr inspirierende Frau, die Anne-Dore Leber auf jeden Fall.

Bertha von Suttners Weg zur Friedensbewegung

00:17:05
Speaker
Oh, wenn es gerade im Hintergrund schnarcht, ist das übrigens mein Hund, der sich heute sehr wohl fühlt auf seinem Hundebett.
00:17:10
Speaker
Das ist sehr süß.
00:17:12
Speaker
Ich dachte gerade, das ist irgendwie ein Rasenmäher oder so.
00:17:14
Speaker
Nee, das ist tatsächlich mein Hund Max.
00:17:17
Speaker
Das ist sehr süß.
00:17:22
Speaker
Eine andere Frau, die ein bisschen vorher gelebt hat, aber auch sehr, sehr viel erreicht hat, war Bertha von Suttner.
00:17:28
Speaker
Ich habe einmal vor zwei, drei Jahren in Weihnachten eine Münze von ihrem Bild geschenkt bekommen und mich damals so ein bisschen in sie verbracht.
00:17:36
Speaker
Und sie ist ja die erste Frau, die den Friedensnobelpreis gewonnen hat.
00:17:41
Speaker
Vielleicht kannst du uns auch erzählen, was überhaupt dazu geführt hat, dass sie an diesem Punkt auch gekommen ist.
00:17:46
Speaker
Ja, es ist auch ein sehr spannender und beeindruckender Lebensweg.
00:17:51
Speaker
Und übrigens bin ich ein bisschen leidisch auf die Mütze, die du da geschenkt bekommen hast.
00:17:55
Speaker
Das ist ja ein tolles Geschenk.
00:17:57
Speaker
Ja.
00:17:57
Speaker
Sehr gefreut, ja.
00:18:15
Speaker
... die Standesunterschiede schon auch eine große Rolle spielten oder wo sie das sehr gefühlt hat.
00:18:20
Speaker
Also zum einen, es war einfach ein Makel, dass sie halbweise war.
00:18:24
Speaker
Und vor allem gab es Geldmangel in der Familie, der auch recht drückend war.
00:18:30
Speaker
Also ihre Herkunft klingt vielleicht, wenn man hört, die Familie erstmal privilegiert.
00:18:35
Speaker
Aber das ist einer der Fälle, wenn man hinschaut, es ist ein bisschen komplizierter.
00:18:39
Speaker
Der Geldmangel war tatsächlich so drückend, dass sie dann auch mit fast 30 eine Stelle als Hauslehrerin bei der Familie von Suttner annimmt.
00:18:48
Speaker
Das heißt also, sie ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet, weil denn sie wird eben nicht wirklich als, also es ist ein bisschen schwer für sie zunächst eine Partie zu finden.
00:18:59
Speaker
In dieser Zeit versucht man ja die Mädchen zu
00:19:02
Speaker
Oder die jungen Frauen so früh wie möglich zu verheiraten.
00:19:05
Speaker
Es gibt, glaube ich, kurz einen Kandidaten, aber der ist wesentlich älter und sie kann sich einfach nicht überwinden, diese Wahl, die da für sie getroffen wird, auch anzunehmen.
00:19:16
Speaker
Und so tritt sie diese Position als Hauslehrerin an bei der Familie von Suttner.
00:19:20
Speaker
Und dort verliebt sie sich in den Sohn Arthur von Suttner.
00:19:23
Speaker
Und als diese Liebe bekannt wird, wird sie aus dieser Position entlassen und die Familie verstößt sie beinahe.
00:19:31
Speaker
Also man will sie so schnell wie möglich loswerden und vermittelt dann, also man zeigt ihr eine Anzeige in der Zeitung und diese Anzeige ist geschaltet worden von Alfred Nobel.
00:19:40
Speaker
Der sitzt in Paris und sucht eine potenzielle Sekretärin.
00:19:44
Speaker
Sie reist auch dorthin, lernt ihn kennen, entscheidet aber, dass sie diese Stelle nicht annimmt und stattdessen reist sie zurück nach Wien und heiratet dort Arthur von Suttner.
00:19:55
Speaker
Also die beiden heiraten heimlich und brennen durch und zwar nicht nach irgendwo hin, sondern nach Georgien.
00:20:02
Speaker
Und da leben sie fast neun Jahre.
00:20:05
Speaker
Und in Georgien beginnt Bertha von Suttner, wahnsinnig viel zu lesen und vor allem zu schreiben.
00:20:13
Speaker
Sie schreibt zunächst unter Pseudonym und sie macht das zunächst, um Geld zu verdienen, weil das Paar eben irgendwie seinen Lebensunterhalt finanzieren muss.
00:20:20
Speaker
Sie ist sehr wissenschaftsinteressiert, sie verschlingt die Literatur da regelrecht.
00:20:25
Speaker
Und als das Paar in Georgien lebt, bricht auch ein Krieg aus,
00:20:30
Speaker
Innerhalb von Georgien, beziehungsweise Russland marschiert in Georgien ein.
00:20:36
Speaker
Und dieser Krieg ist im Prinzip definierend für sie, weil der öffnet ihr die Augen, der holt sie aus ihrem bis dahin doch noch einigermaßen Verletzten.
00:20:48
Speaker
privilegierten Leben raus, privilegiert in der Hinsicht, dass sie sich mit Kriegen bis dahin eben mit Konflikten, bewaffneten Konflikten und Gewalt bis dahin nicht auseinandergesetzt hat.
00:20:57
Speaker
Und das sensibilisiert sie wahnsinnig für Kriegsfragen.
00:21:01
Speaker
Zurück in Österreich beschäftigt sie sich damit eben noch mehr.
00:21:06
Speaker
Sie spricht auch mit Menschen, die in Kriegen gekämpft haben, lässt sich deren
00:21:11
Speaker
Ereignisse, Erlebnisse schildern.
00:21:14
Speaker
Und daraus entsteht 1889 ihr Antikriegsroman Die Waffen nieder.
00:21:21
Speaker
Und das wird ein Bestseller.
00:21:23
Speaker
Das überrascht sie, glaube ich, zu einem gewissen Punkt auch selbst, wie dieses Buch aufgenommen wird.
00:21:28
Speaker
Und sie wird fast über Nacht zur bekanntesten Friedensaktivistin ihrer Zeit.
00:21:33
Speaker
Sie gründet die Österreichische Friedensgesellschaft.
00:21:36
Speaker
Sie fängt an, Vorträge auch auf internationalen Kongressen zu halten.
00:21:40
Speaker
Und sie pflegt bis zu ihrem Tod eine intensive Freundschaft und Korrespondenz mit Alfred Nobel, obwohl sie dessen Stelle ja nicht angenommen hat.
00:21:48
Speaker
Und sie gewinnt ihn für die Idee, den Nobelpreis zu stiften.
00:21:53
Speaker
Und wenn man so schaut, welche Herausforderungen sie hat, wenn man das so ein bisschen zusammenfasst nochmal.
00:21:58
Speaker
Also zum einen hat sie diese Herkunft, wo sie ihr ganzes Leben gegen Standesdünkel ihrer Zeit kämpft.
00:22:04
Speaker
Ihre Schwiegereltern akzeptieren sie in den ersten Jahren überhaupt nicht.
00:22:08
Speaker
Sie kämpft aber auch gegen eine Gesellschaft, in der politisch aktive Frauen erstmal noch gar nicht so ernst genommen werden.
00:22:16
Speaker
Sie lebt in Georgien mit ihrem Mann Arthur in bescheidensten Verhältnissen für relativ lange Zeit.
00:22:23
Speaker
Es gibt also finanzielle Sorgen und ihre progressiven Bücher werden zwar, also die bringen ihr schon Anerkennung, aber die werden natürlich auch nicht komplett von der Gesellschaft als warm aufgenommen, sondern natürlich gibt es auch da Menschen, die
00:22:39
Speaker
Die dem Ganzen mit Unverständnis und sogar Ablehnung begegnen.
00:22:42
Speaker
Und dazu gehört am Anfang auch ihre eigene Schwiegermutter, die sich zeitweise gegen Werther von Suttners Schriften wendet und sogar einmal versucht, einige ihrer Schriften zu verbrennen.
00:22:55
Speaker
Und dann muss man wirklich den Hut ziehen vor Bertha von Suttners Erfolgen.
00:23:01
Speaker
Sie bekommt 1905, du hast schon gesagt, als erste Frau den Friedensnobelpreis.
00:23:07
Speaker
Und die Waffen Nieder wird in zahlreiche Sprachen übersetzt und beeinflusst wirklich eine ganze Generation und ist bis heute eines der wegweisenden Bücher in Sachen Pazifismus.
00:23:18
Speaker
Und sie hat die organisierte Friedensbewegung
00:23:23
Speaker
Und sie hat außerdem entscheidend dazu beigetragen, dass es diesen Friedensnobelpreis überhaupt gibt.
00:23:31
Speaker
Also das ist schon eine ganze Menge, die man ihr anrechnet und für die man sie auch bewundern kann, finde ich.
00:23:38
Speaker
Ja, finde ich auch.
00:23:39
Speaker
Und ich finde vor allen Dingen sind ihre Schriften aktuell ja auch total wichtig.
00:23:44
Speaker
Also wir haben in der letzten Folge, hat Dalila über Kriegsdienstverweigerung gesprochen.
00:23:48
Speaker
Und ich meine, vor der Militarisierung und Aufrüstung, die wir gerade erleben, ist, glaube ich, so ein Buch wie die Waffen nieder, was man auch heutzutage im
00:23:57
Speaker
immer wieder auch lesen sollte und vieles von der Friedensbewegung sich ja eben auch auf Bertha von Suttner und ihre Schriften und ihre ganze Arbeit und die Organisation, die dahinter steckt, beruft.
00:24:09
Speaker
Von daher finde ich es sehr, sehr wichtig, dass sie in dieser Folge ist und das auch nicht nur, weil wir von der Bertha von Suttner Stiftung gefördert werden, diese Folge hier.
00:24:18
Speaker
Vielen Dank nochmal auf jeden Fall an die Stiftung.
00:24:20
Speaker
Aber ich finde auch trotzdem und gerade wegen dieser ganzen Sachen verdient Bertha von Suttner auf jeden Fall einen Platz in dieser Folge.
00:24:27
Speaker
Also ja, eine sehr, sehr inspirierende Ikone der Friedensbewegung.
00:24:33
Speaker
Und eine sehr andere inspirierende Person, ich finde es jetzt schön, dass wir nochmal sehr tiefer auch in ihre Geschichte einsteigen, ist Stormy de Laverie.

Stormy de Laverie und ihr Beitrag zur Queer-Aktivismus

00:24:43
Speaker
Und zwar geht es jetzt mehr in die queere Community der 60er Jahre in New York.
00:24:47
Speaker
Also ein kleiner Sprung, aber trotzdem, vielleicht kannst du uns da auch nochmal etwas zum Hintergrund erzählen.
00:24:54
Speaker
Ja, total gern.
00:24:55
Speaker
Stormy wird 1920 geboren.
00:24:58
Speaker
Wir wissen, dass sie im Dezember geboren wird in New Orleans.
00:25:02
Speaker
Sie ist das Kind eines wohlhabenden weißen Mannes und seiner afroamerikanischen Hausangestellten.
00:25:08
Speaker
Und zu dieser Zeit sind Mischbeziehungen in Louisiana illegal.
00:25:16
Speaker
Und genau deswegen wird ihre Geburt auch nie offiziell registriert.
00:25:20
Speaker
Und sie selbst legt sich später einen Geburtstag fest und sie legt sich fest auf den 24.12., was ich schon auch sehr, sehr interessant finde.
00:25:31
Speaker
Und sie sagt später auch, sie ist das Kind mit einer schwarzen Mutter und einem weißen Gesicht.
00:25:36
Speaker
So drückt sie das aus und sie erlebt schon als Kind Rassismus wirklich von allen Seiten.
00:25:42
Speaker
Und sucht sich ganz konsequent ihren eigenen Weg.
00:25:45
Speaker
Ich will nicht projizieren, aber man bekommt das Gefühl, dass sie auch einfach versucht, dieser Situation auch zu entfliehen ein Stück weit.
00:25:56
Speaker
Also sie singt schon als Teenager mit einer Jazzband.
00:26:00
Speaker
Sie versucht sich kurzzeitig als Artistin im Zirkus, bricht sich dabei allerdings auch, also tut sich dabei ziemlich weh.
00:26:07
Speaker
Und schließlich zieht sie nach Chicago und dann nach New York.
00:26:11
Speaker
Und dort lebt sie dann auch über 20 Jahre mit ihrer Partnerin Diana zusammen.
00:26:17
Speaker
Mitte der 40er Jahre wird Stormy von dem Produzenten der Jewelbox Review entdeckt.
00:26:23
Speaker
Das ist eine der ersten, wenn nicht die erste Dragshow in den USA.
00:26:28
Speaker
Und die Besonderheit ist, dass schwarze und weiße PerformerInnen dort gemeinsam auftraten.
00:26:35
Speaker
Sie steht dort 14 Jahre lang als Drag-King auf der Bühne, oft im Smoking.
00:26:40
Speaker
Sie trägt kurze blonde Haare.
00:26:42
Speaker
Davon gibt es eben auch ein Foto von Stormi im Smoking.
00:26:46
Speaker
Sieht wirklich toll aus.
00:26:47
Speaker
Und Teil dieser Show ist, dass das Publikum den ganzen Abend rätseln muss.
00:26:52
Speaker
Am Anfang der Show wird ihnen gesagt, in dieser Truppe ist irgendwo eine Frau, aber tritt eben nicht als Frau auf, sondern tritt als Mann auf.
00:27:01
Speaker
Und das Publikum muss den ganzen Abend rätseln und jedes Mal, wenn Stormy sich abends zu erkennen gibt, am Ende des Abends,
00:27:09
Speaker
dann ist die Überraschung also wirklich sehr, sehr groß.
00:27:11
Speaker
Sie ist in der New Yorker LGBTQ-Community aktiv und sie besucht auch das Stonewall Inn.
00:27:18
Speaker
Und das Stonewall Inn ist ja heute bekannt als der Ort, der ganz, ganz wichtig für die LGBTQ-Community und für den Pride ist.
00:27:28
Speaker
Denn im Stonewall Inn brechen 1969 nach einer Polizeirazzia Unruhen aus.
00:27:35
Speaker
Also das Stonewall Inn ist damals der Club,
00:27:37
Speaker
wo die queere Community sich trifft.
00:27:39
Speaker
Aber sie werden immer wieder von Razzien, von der Polizei überrascht.
00:27:45
Speaker
Und 1969 gibt es also eine solche Razzia.
00:27:47
Speaker
Und bei dieser Razzia, die ist aber eben anders als die davor.
00:27:51
Speaker
Denn diesmal wehrt sich die queere Community gegen die Gängelung der Autoritäten.
00:27:56
Speaker
Und es gibt Berichte, dass Stormy damals als erste aktiv Widerstand leistete, indem sie nämlich einem Polizisten einen Faustschlag versetzt haben soll.
00:28:06
Speaker
Also Marsha P. Johnson, die andere wichtige Person dieses Abends, sie soll ja gerufen haben, ich glaube sie soll gerufen haben, I want my rights now, I want my gay rights now.
00:28:21
Speaker
Und Stormy soll diejenige gewesen sein, die also mit einem Faustschlag sozusagen das Ganze untermalt hat.
00:28:27
Speaker
Also ich will meine Rechte jetzt sofort bekommen von Marsha, ja.
00:28:32
Speaker
Genau, genau, genau.
00:28:35
Speaker
Und Stormy schreibt sich damit zum einen in einen der fast schon Gründungsakte des Pride ein und sie wird später auch regelrecht zur Beschützerin der New Yorker Lesben Community gegründet.
00:28:52
Speaker
Denn sie nimmt eben einen Job als Türsteherin an und sie patrouilliert sogar regelrecht durch die New Yorker Nachbarschaft, in der die Lesbenclubs sind.
00:29:05
Speaker
Und sie patrouilliert tatsächlich, sie hat eine Pistole dabei.
00:29:08
Speaker
Und warnt auch potenzielle Aggressoren, einfach weiterzugehen und hat auch immer mal gern den Satz gesagt, trust me, you want to keep walking, also vertrau mir, du willst weiterlaufen, quasi zwischen den Zeilen, bleib nicht hier stehen, sondern dann kriegst du Probleme.
00:29:24
Speaker
Und ich weiß nicht, wie offen sie diese Waffe getragen hat, aber zu wissen, dass sie eine mit dabei hatte, hat natürlich auch eine Wirkung gehabt.
00:29:32
Speaker
Und da können wir nachher nochmal drauf zu sprechen kommen, wenn wir so ein bisschen schauen, was verbindet die Frau und was unterscheidet sie vielleicht auch.
00:29:40
Speaker
Aber wenn wir auch bei ihr mal auf die Herausforderungen schauen, also ihr Leben ist von Anfang an geprägt von rassistischer Diskriminierung und natürlich auch von Queerfeindlichkeit.
00:29:51
Speaker
FreundInnen raten ihr davon ab, die Rolle in der Jewelbox Review anzunehmen.
00:29:56
Speaker
Sie habe ja schon genug Probleme, weil sie schwarz sei.
00:29:59
Speaker
In ihrer Bühnenzeit wird sie zweimal von der Polizei aufgegriffen, weil sie in Männerkleidung unterwegs ist.
00:30:06
Speaker
Und die queere Community, die sie später aktiv schützt, die ist eben noch lange auch über die Unruhen im Stonewall-In hinaus natürlich staatlicher Gewalt und gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt.
00:30:21
Speaker
Aber wenn man sich Stormys Erfolge anschaut und die Wirkung, die sie gehabt hat, sie ist wirklich eine Ikone der queeren Bewegung und
00:30:31
Speaker
vor allem auch der lesbischen Bewegung, ihre Auftritte in der Jewelbox Review halfen auch dabei, Drag als Kunstform zu etablieren.
00:30:39
Speaker
Und das half eben auch, Räume für queere KünstlerInnen zu öffnen.
00:30:44
Speaker
Und nicht nur für queere KünstlerInnen, sondern eben auch für Menschen schwarzer Herkunft oder mit schwarzer Abstammung.
00:30:52
Speaker
In einer Zeit, in der es auch zum Teil immer noch Rassentrennung gab.
00:30:56
Speaker
Und sie hatte eine Freundin namens Lisa Canestrachi, die nannte Stormy eine lesbische Superheldin, was ich ein tolles Kompliment finde.
00:31:06
Speaker
Und Stormy selbst hat ihr Leben sehr...
00:31:11
Speaker
Ich glaube, auf so eine typische Stormy-Wiese zusammengefasst.
00:31:14
Speaker
Sie sagte nämlich, I am a human being that has survived.
00:31:17
Speaker
I helped other people survive.
00:31:19
Speaker
Also ich bin ein Mensch, die überlebt hat und ich habe dabei geholfen, dass andere Menschen überleben.
00:31:25
Speaker
Also da merkt man auch, dass sie diese...
00:31:28
Speaker
Zum einen auf ihr eigenes Trauma, ihre eigenen Verletzungen anspielt und gleichzeitig aber auch auf diese Rolle der Beschützerin, dass ihr das auch wichtig war.
00:31:37
Speaker
Und ja, das finde ich auch eine sehr interessante und sehr eindrucksvolle Weise, wie sie da ihre eigene Rolle beschrieben hat.
00:31:47
Speaker
Wichtig für den Hintergrund vielleicht auch zu der Zeit, um ihre Arbeit noch mehr wertschätzen zu können, ist ja auch zu wissen, dass die, du hast schon ein bisschen gesagt, aber dass die queere Szene damals ja eigentlich gar nicht richtig offiziell einen Ort auch hatte, wo sie sich treffen konnten und dass diese Bars, also
00:32:03
Speaker
auch das Stonewall ja oft illegale Bars waren, die sogar von der Mafia, weil die das als Geldquelle gesehen haben, Schwulen und Lesben Bars eben diesen Raum zur Verfügung gestellt haben, aber der halt natürlich total angreifbar war, auch für Polizeirazzien und ja auch unter prekären Bedingungen, also du sprichst in deinem Podcast ja auch darüber, dass sie nicht fließend Wasser hatten und oft nur einen Eimer Wasser hinter der Bar, um die Gläser zu spülen, also das eigentlich versucht wurde, die Vorstellung, ne?
00:32:33
Speaker
Jeder Ort, wo diese Gemeinschaft auch entstehen kann, halt kaputt zu machen und sich da so offen und mutig dafür einzusetzen, das finde ich schon echt krass.
00:32:43
Speaker
Sie hat mich so inspiriert, weil ich finde, Bodyguard ist jetzt nicht so das Erste, woran man denkt, wenn man irgendwie an Widerstand denkt.
00:32:49
Speaker
Aber so beim zweiten drüber nachdenken, ist es ja ein riesiger

Vergessene Heldinnen: Herausforderungen und Vergleiche

00:32:53
Speaker
Verdienst, wenn man sich für den Schutz der Gemeinschaft einsetzt und halt aufpasst, dass die Beleidigungen nicht mehr zugelassen werden oder physische Gewalt und
00:33:01
Speaker
Sie war damals ja schon über 80, glaube ich, als sie noch Türsteherin gemacht hat oder eben Bodyguard war, was ich krass finde.
00:33:09
Speaker
Und dann aber auch ein bisschen traurig zu sehen, dass die junge Generation damals sie auch schon gar nicht mehr so richtig kannte, wenn ich das richtig aus deinem Podcast rausgehört habe.
00:33:18
Speaker
Also dass sie irgendwie so, so viel gegeben hat und dann aber doch sehr schnell in Vergessenheit geraten ist.
00:33:24
Speaker
Irgendwie ist es von nicht so ein bisschen bitter geworden.
00:33:28
Speaker
Ja, sie hat ziemlich bis ins hohe Alter noch ihre Türsteherin-Rolle wahrgenommen, das stimmt.
00:33:35
Speaker
Und sie hat später, sie ist 2014 gestorben und da war sie dann aber tatsächlich in der jüngeren Community, sie starb in einem Altersheim und sie
00:33:51
Speaker
hatte tatsächlich nicht ganz so den Bekanntheitsgrad.
00:33:53
Speaker
Ich glaube aber, dass sich das ein bisschen wieder verändert hat.
00:33:57
Speaker
Also weil wir ja auch in den letzten Jahren, also auch Marsha's Geschichte, Marsha P. Johnson, auch Marsha's Geschichte hat so eine Renaissance erfahren und
00:34:08
Speaker
In diesem Zusammenhang ist auch Stormy wieder ein bisschen sichtbarer geworden.
00:34:12
Speaker
Aber nichtsdestotrotz, sie könnte noch sichtbarer sein.
00:34:16
Speaker
Sie hätte es verdient, dass man sich noch mehr an sie erinnert.
00:34:20
Speaker
Und deswegen finde ich es auch immer wieder wichtig, wenn wir eine Möglichkeit haben, über Ikonen wie sie zu sprechen, dass wir es dann auch tun.
00:34:29
Speaker
Ja, da hast du mich auch echt zum Nachdenken angeregt bei deiner Geschichte von Anne-Dore Leber, weil du darüber gesprochen hattest, was passiert mit den Gegenständen und Besitztümern von Menschen, die verstorben sind, weil ihr Haus ausgeräumt wurde nach ihrem Tod und gar nicht so viel ins Archiv gebracht wurde oder aufbereitet wurde.
00:34:48
Speaker
Und ja, das ist ja jetzt was, wo man jetzt nicht so richtig plant oder das vorbereitet oder sowas da passiert, aber...
00:34:55
Speaker
dass es echt wichtig ist, diese Beweisstücke auch aufzuheben, um die Geschichte halt auch zu erhalten.
00:35:01
Speaker
Also sehr, sehr wichtige Punkte.
00:35:05
Speaker
Siehst du denn jetzt Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede zwischen diesen drei Persönlichkeiten?
00:35:12
Speaker
Ja, sowohl als auch.
00:35:13
Speaker
Also alle drei haben Widerstand geleistet in Systemen, die, wenn man so sagen will, nicht für sie gemacht waren.
00:35:20
Speaker
Also Anne-Dore Leber hat Widerstand gegen einen faschistischen Staat geleistet.
00:35:24
Speaker
Bertha von Suttner hat sich in einer Gesellschaft engagiert, die Frauen auch noch aus der Politik ausschloss und die eben mit diesen Standesdünkeln auch durchsetzt war.
00:35:33
Speaker
Und vor allem in einer Gesellschaft, sie hat sich ja in einer Zeit engagiert für den Frieden.
00:35:40
Speaker
Als es eine Zeit, die sehr vom Belizismus, also eben von der regelrechten Kriegswissenschaft und Hochrüstung, Aufrüstung und dem gewaltsamen Austragen von Konflikten geprägt war.
00:35:51
Speaker
Und Stormy hat sich in einem Land engagiert, in dem ihre Existenz buchstäblich ja noch kriminalisiert war.
00:35:58
Speaker
Also was ich auch spannend finde...
00:36:00
Speaker
Alle drei haben das ja nicht nur für sich gemacht, sondern sie haben damit ja auch andere im Blick.
00:36:06
Speaker
Also Anne-Doro Leber kämpft natürlich auch für ihren Mann, aber auch später für das Erbe des gesamten Widerstands und während des NS natürlich auch noch gegen ein System der Unterdrückung.
00:36:19
Speaker
Bertha von Suttner denkt ja nicht nur an sich selbst oder an Österreich, sondern sie strebt wirklich einen Frieden zwischen den Nationen auf der Erde an.
00:36:30
Speaker
Und Stormy kümmert sich nicht nur um sich selbst, sondern beschützt eine Community, die sie ja auch als ihre Familie, als ihre Community betrachtet.
00:36:39
Speaker
Und das ist, glaube ich, auch kein Zufall.
00:36:41
Speaker
Ich finde, das sieht man auch oft, wenn Frauen und queere Menschen sich organisieren und Widerstand leisten, dann tun sie es auch oft mit einem kollektiven Blick.
00:36:49
Speaker
Es geht ihnen nicht nur um irgendwas Individuelles, sondern sie setzen sich eben für die Community als Ganzes ein.
00:36:55
Speaker
Und alle drei sind auch ganz lange unterschätzt und vergessen worden.
00:36:58
Speaker
Also Bertha von Suttner hat trotzdem bis heute in Geschichtsbüchern nicht annähernd den Textanteil, den sie verdient, finde ich.
00:37:05
Speaker
Anne-Dore Leber taucht eben oft nur als, du hast es schon gesagt, Frau von Julius Leber als Frau eines Widerstandskämpfers auf, ohne dass ihre eigene Rolle als Widerständige umgeht.
00:37:16
Speaker
Und auch ihre Leistung nach dem Krieg in der Erinnerung an Widerständige ausreichend gewürdigt wird.
00:37:22
Speaker
Und Stormy ist 2014 gestorben und es gibt keine einzige Biografie über sie.
00:37:27
Speaker
Man muss sich die Informationen über sie aus Zeitungsartikeln und kleineren Papers irgendwie zusammenklauben.
00:37:33
Speaker
Das finde ich auch skandalös, ganz ehrlich.
00:37:37
Speaker
Ja, und was sie unterscheidet, ist vor allem, glaube ich, der Kontext, aus dem sie Widerstand leisten.
00:37:47
Speaker
Also sie haben unterschiedliche Herkünfte, Bertha von Suttner aus dem Adel, Bertha von Suttner hat andere durch ihre Herkunft, auch wenn die komplex ist, ein bisschen andere Zugänge.
00:37:58
Speaker
Sodass sie sogar Alfred Nobel persönlich kennenlernen kann.
00:38:04
Speaker
Wäre sie eine Arbeiterin gewesen, hätte sie sich auf diese Stellenanzeige sehr wahrscheinlich nicht gemeldet und wäre wahrscheinlich auch nicht eingeladen worden.
00:38:15
Speaker
Anne-Dore lieber hat die bürgerliche Herkunft, ist gut vernetzt in der Sozialdemokratie.
00:38:20
Speaker
Auch sie hat Ressourcen und Bildung, die ihr später eben helfen, die ihren Weg mit beeinflussen.
00:38:27
Speaker
Und Stormy im Gegenzug hat nichts davon.
00:38:30
Speaker
Sie wird arm geboren, schwarz, lesbisch und muss jeden Freiraum, den sie sich erschafft, wirklich aus dem Nichts heraus erkämpfen.
00:38:39
Speaker
Und sie haben eine sehr unterschiedliche Gäste.
00:38:42
Speaker
Also das war das, was ich vorhin meinte.
00:38:45
Speaker
Stormy patrouilliert oder trägt eine Pistole, trägt eine Waffe mit sich.
00:38:51
Speaker
Das ist natürlich etwas, das wäre Bertha von Suttner nie in den Sinn gekommen.
00:38:56
Speaker
Für sie ist jede Form von Waffe, jede Form von Gewalt, selbst wenn es nur eine Gewaltandrohung ist, ist für Bertha von Suttner eine Gräuel.
00:39:05
Speaker
Also
00:39:06
Speaker
Sie haben da sehr unterschiedliche Herangehensweisen und trotzdem, glaube ich, versteht man jede dieser drei Figuren in ihrem jeweiligen Kontext, warum sie sich für ihre jeweilige Form des Widerstands entscheiden, aber es zeigt eben, dass Widerstand sehr, sehr unterschiedlich aussehen kann.
00:39:21
Speaker
Ja, das finde ich jetzt echt schockierend, dass da keine Biografie über Stormy ist.
00:39:24
Speaker
Also hier sind ja auch viele Menschen, die Masterarbeiten schreiben, Bachelorarbeiten schreiben, Filme drehen.
00:39:29
Speaker
Wäre doch mal ein gutes Projekt, sowas zu machen und das ein bisschen aufzuarbeiten.
00:39:34
Speaker
Ja, krass.
00:39:35
Speaker
Okay.
00:39:36
Speaker
Und das ist so eine Frage, die ich oft Menschen stelle, die hier zu Gast sind.

Ratschläge für moderne Aktivist:innen

00:39:41
Speaker
Hast du was für die heutige Zeit, was du...
00:39:44
Speaker
Frauen, queeren Personen mit an die Hand geben, würdest die Protestleister nicht für Gerechtigkeit einsetzen in ihrem Umfeld für verschiedenste Themen?
00:39:54
Speaker
Also ich glaube, da gibt es zwei, in Anführungsstrichen, relativ einfache Sachen.
00:39:59
Speaker
Also das eine ist, nicht darauf zu warten, dass einem jemand die Erlaubnis dazu gibt, ein System in Frage zu stellen oder sich gegen ein System aufzulehnen, wenn man es falsch findet.
00:40:09
Speaker
Es wird niemand kommen und sagen,
00:40:11
Speaker
Du darfst das jetzt machen und es wird einem niemand die Erlaubnis dafür geben.
00:40:17
Speaker
Also wenn man darauf wartet, wartet man, glaube ich, zu lang, sondern wenn man das Gefühl hat, dann sollte man nach seinem eigenen Moralkompass handeln und laut werden und sich stark machen.
00:40:28
Speaker
Und das andere ist, Netzwerke zu formen, weil Widerstand braucht immer Verbündete und sich aufzulehnen, Widerstand zu leisten, sich stark zu machen, ist immer einfacher, wenn man es in der Community tut, wenn man Netzwerke hat.
00:40:45
Speaker
Also ich glaube, die beiden Dinge sind ganz zentral.
00:40:48
Speaker
Ja, da kann mein Zitat, was ich für heute mitgebracht habe, auch sehr gut daran anschließen.
00:40:53
Speaker
Und zwar stammt es von der diberianischen Bürgerrechtlerin, Politikerin und auch Friedenslobeilpreisträgerin Demar Gobi.
00:41:01
Speaker
Und sie hat gesagt, dass wir unsere eigenen Gandhis, unsere eigenen Kings und unsere eigenen Mandelas sein sollten und nicht darauf warten müssen oder uns klein machen müssen vor anderen Personen.
00:41:12
Speaker
Das habe ich jetzt noch dazu gesagt.
00:41:14
Speaker
Genau, und an der Stelle, Dalila hat mich gebeten, auch nochmal die Liberia Woman for Peace zu erwähnen, von denen auch eben angesprochene Leema Gobi eine der Anführerinnen war.
00:41:26
Speaker
Und die haben es nämlich damals geschafft, im jahrzehntelangen Bürgerkriegskontext zwischen muslimischen und christlichen Lagern zu
00:41:34
Speaker
die Frauen beider Lager sich zusammenzuschließen und mit Mitteln gewaltfreien Widerstandes die Männer dazu gezogen haben, endlich Ruhe zu geben.
00:41:42
Speaker
Und dafür hat sie dann auch den Friedensnobelprass bekommen, also an dieser Stelle die Begrüße auch an der Lina.
00:41:47
Speaker
Und ja, vielen, vielen Dank, Jasmin, dass du heute da warst und dass du diese Geschichten erzählt hast und auch mit deinem Podcast so dazu beiträgst, dass sie gesehen werden und gehört werden.
00:41:58
Speaker
Es hat mich wirklich
00:41:59
Speaker
Ich habe mich wirklich gefreut, dass du da warst.
00:42:01
Speaker
Also vielen Dank.
00:42:02
Speaker
Dankeschön.
00:42:03
Speaker
Ich habe mich sehr gefreut, dass ich da sein konnte und dass wir über drei so tolle Frauen sprechen konnten.
00:42:08
Speaker
Und danke auch für die Arbeit und das Engagement, das ihr macht.
00:42:13
Speaker
Also du, Lea und natürlich auch Danila, auch wenn sie heute nicht da sein und nicht mit dabei sein kann.
00:42:18
Speaker
Aber es war mir eine Freude, bei euch zu sein.
00:42:20
Speaker
Mir auch.
00:42:21
Speaker
Ich hoffe, wir sprechen in Zukunft auch noch mehr über ganz tolle Widerständlerinnen.
00:42:25
Speaker
Und ja, an der Stelle auch nochmal ein Danke eben an die Bertha von Suttner Stiftung, die diese Folge unterstützt, an Simon, der unseren Podcast schneidet und einen kleinen Ausblick auf die nächste Folge.
00:42:37
Speaker
Die wird auf jeden Fall auch wieder sehr spannend, weil jetzt können wir es endlich sagen, Arne Semsrott kommt zu uns in dem Podcast über sein neues Buch.
00:42:44
Speaker
Diese Kampf ist eine, die du gewinnen kannst.