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#30 60 Jahre BuchMarkt: Vom "Lagerfeuer" der Branche zu BookTok

Alles BuchMarkt
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437 plays · May 10, 2026

60 Jahre BuchMarkt! Und damit 60 Jahre deutsche Buchbranche im Wandel. In dieser besonderen Jubiläumsfolge reisen Alex, Tina und Andi gemeinsam mit ihren Gästen durch sechs Jahrzehnte Buchmarktgeschichte: von den konservativen Anfängen der 60er-Jahre über die Wendezeit, den Aufstieg der Filialisten und Amazon bis hin zu E-Books, Digitalisierung und Empfehlungsmarketing. Zu Gast sind: * Holger Ehling, Journalist und langjähriger Branchenbeobachter * Hanna Schönberg, Chefredakteurin des BuchMarkt-Magazins * Helmut Benze, Buchhandels- und Verlagsveteran mit jahrzehntelanger Erfahrung Es geht um: 📚 die Gründung des BuchMarkt-Magazins 📚 warum Marketing im Buchhandel lange verpönt war 📚 die Rolle der Frankfurter Buchmesse 📚 die Wende und das Schicksal der DDR-Verlage 📚 Amazon, Buchpreisbindung und Digitalisierung 📚 die Frage, warum sich die Branche oft so schwer mit dem Verkaufen tut Eine Folge über Bücher, aber vor allem über die Menschen dahinter.

Transcript

Speaker: Du hast alles erreicht.

Speaker: Den Ruhm, das Geld, den Applaus.

Speaker: Aber wer bist du, wenn das alles weg ist?

Speaker: Tore des Lebens.

Speaker: Der Fußballroman, der zeigt, was hinter den Schlagzeilen wirklich passiert.

Speaker: Von Lars Wilhelm Baumgarten.

Speaker: Jetzt vorbestellen.

Speaker: Hallo und herzlich willkommen, wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt, der Podcast.

Speaker: Und heute haben wir eine ganz besondere Folge für euch vorbereitet.

Speaker: Heute ist unser Titel Programm.

Speaker: Heute reden wir über alles im Buchmarkt.

Speaker: Und der Anlass ist ganz einfach.

Speaker: Wenn ihr das heute hört, direkt zur Ausstrahlung, dann ist der 10.

Speaker: Mai 2026.

Speaker: Heute vor 60 Jahren hat Christian von Zitwitz mit ein paar Weggefährten das Buchmarkt-Magazin gegründet.

Speaker: Wir müssen heute begrifflich ganz sauber arbeiten.

Speaker: Wir müssen unterscheiden,

Speaker: Buchmarkt-Magazin, das ist also das Heft, und der Buchmarkt, die ganze Branche.

Speaker: Und wir wollten nicht groß feiern.

Speaker: Wir sind, glaube ich, alle nicht so die Feiertypen.

Speaker: Aber was wir machen wollen, wir haben uns ein paar Stationen herausgepickt aus diesen 60 Jahren, in denen das Magazin erschienen ist, gedruckt, mittlerweile online, das wisst ihr, oder eben bei uns im Podcast.

Speaker: Und wir wollen so ein bisschen mal die Schnittstellen zum Buchmarkt suchen.

Speaker: Warum wurde überhaupt das Magazin damals gegründet?

Speaker: In was für einem Umfeld?

Speaker: Und wie ging das Ganze weiter?

Speaker: Was waren diese ganzen Krisen und kleinen und großen Ereignisse in der Weltgeschichte, die natürlich sich auch auf dem Buchmarkt ausgewirkt haben?

Speaker: Ich glaube, wir werden einiges heute lernen, denn machen wir uns nichts vor, Andi, Tina, ich, wir wissen relativ wenig.

Speaker: Gerade aus dieser frühen Phase.

Speaker: Wir haben eben gerechnet, wir machen das jetzt irgendwie auch schon 15 Jahre, sind wir in der Branche, aber da ist noch eine ganze Ecke davor.

Speaker: Und dafür haben wir uns ganz großartige Menschen eingeladen, die den Buchmarkt schon sehr, sehr lange begleiten, bestens von innen kennen und uns einiges, denke ich, heute erzählen können.

Speaker: Ich freue mich wahnsinnig.

Speaker: Andi, wer ist heute dabei?

Speaker: Heute wird's dreifach spannend.

Speaker: Drei Gäste, drei Perspektiven und jede Menge Erfahrung aus ganz unterschiedlichen Ecken des Buchmarkts.

Speaker: Was sie aber verbindet?

Speaker: Ihre Nähe zum Buchmarkt-Magazin und ihr geschulter Blick auf die Branche.

Speaker: Mit dabei ist Holger Ehling, Journalist, Sachbuchautor, internationaler Branchenkenner und regelmäßiger Autor im Buchmarkt-Magazin.

Speaker: Seine Stationen reichen von Reportagen aus Afrika und Lateinamerika über Tätigkeiten als Literaturkritiker und Verleger bis hin zur Unternehmenskommunikation der Frankfurter Buchmesse.

Speaker: Als Kolumnist mit Weitblick bringt er seine internationale Perspektive auch beim Buchmarktmagazin ein und nimmt dort Trends wie Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle im Buchhandel genau unter die Lupe.

Speaker: Heute berät er außerdem Verlage und Medienunternehmen und entwickelt Fachveranstaltungen.

Speaker: Außerdem zu Gast Hanna Schönberg, Chefredakteurin des Buchmarktmagazins und damit eine der zentralen Stimmen der Branche.

Speaker: Nach ihrem Masterstudium im Bereich Medien, Kommunikation und Kultur startete sie beim Fachmagazin Buchreport, wo sie sowohl redaktionell arbeitete als auch digitale Formate mitentwickelte.

Speaker: Nach weiteren Stationen prägt sie aktuell beim Buchmarktmagazin die inhaltliche Ausrichtung zwischen klassischer Branchenberichterstattung und neuen digitalen Ansätzen.

Speaker: Und last but not least unser dritter Gast Helmut Benze, eine Persönlichkeit, die die Buchbranche seit vielen Jahrzehnten mitgestaltet.

Speaker: Seine Laufbahn begann im Buchhandel und führte ihn über das Lektorat bis in leitende Funktionen großer Verlags- und Medienhäuser.

Speaker: Als Kommunikationsdirektor, Cheflektor und geschäftsführender Gesellschafter hat er die Branche aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebt.

Speaker: Seine Erfahrung bringt er immer wieder auch im Austausch rund um das Buchmarktmagazin mit ein.

Speaker: Heute ist er als Berater, Coach und Seminarleiter unterwegs und gibt sein Wissen weiter.

Speaker: Seine Kolumne Benzes besonderes Buch war bzw.

Speaker: ist wieder eine Institution im Buchmarktkosmos.

Speaker: Drei Gäste, viele Blickwinkel und ein gemeinsamer Ausgangspunkt, das Buchmarktmagazin.

Speaker: Und damit herzlich willkommen Holger Ehling, Hanna Schönberg und Helmut Benze.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Wir danken für die sehr huldvolle Einführung.

Speaker: War alles richtig bei euch?

Speaker: Fast richtig.

Speaker: Ich darf nur korrigieren, ich bin nicht mehr aktiv unterwegs, sondern kapaziere mich ausschließlich auf zwei Dinge.

Speaker: Einmal die Kolumne für den Buchmarkt, die übrigens die Buchmarkt-Chefredaktion so benannt hat.

Speaker: Das ist nicht meine Eitelkeit, dieser alle kaltierende Titel.

Speaker: Und zum anderen löse ich nach wie vor ein Versprechen ein, das ich, als ich noch unterwegs war als Coach, gegeben habe,

Speaker: was, wie mein liebster Mensch, meine Frau sagte, leichtfertig war.

Speaker: Aber ich halte das ein.

Speaker: Ich habe nämlich meinen Klientinnen und Klienten gesagt, wenn ihr im Verlauf eures Lebens, eures Berufslebens, zu den Themen, die ich mit euch bearbeite, Konfliktlösung, kreative Arbeitstechniken, Buchverkauf, Lektorat,

Speaker: jemals ein Problem oder eine schwierige Frage habt, bei der ihr gerne meine Meinung hörtet, könnt ihr mich unentgeltlich anrufen.

Speaker: Das tun manche noch heute.

Speaker: Das ist wirklich ein schwieriges Versprechen.

Speaker: Und für die, die das vergessen hatten, die haben es jetzt nochmal gehört.

Speaker: Da kommen jetzt nochmal ein paar Anrufe dazu.

Speaker: Ja, ich schäue mich auch nicht, das zu sagen.

Speaker: Ich bin der Meinung, wenn man solche sensiblen Themen, wie ich sie eben genannt habe, bearbeitet oder sich erdreistet, sie zu bearbeiten, erschöpfen kann man das ja nicht, dann sollte man auch Kontinuität anbieten und über das Erlebnis eines Seminars, sei es an verschiedenen Orten oder auf Lanzarote, auch ermöglichen und ermöglichen.

Speaker: Es hält sich in guten Grenzen.

Speaker: Ja, aber Kontinuität ist ein schönes Stichwort.

Speaker: Lasst uns mal ganz, ganz, ganz nach hinten gehen.

Speaker: In den Mai 66.

Speaker: Ihr habt beide Christian von Sittwitz gut gekannt.

Speaker: Aber erzählt uns vielleicht mal so ein bisschen aus euren Augen, in was für einem Umfeld wurde dieses Magazin gegründet, beziehungsweise warum?

Speaker: Warum wurde dieses Magazin gegründet?

Speaker: Es gab damals ja auch das Börsenblatt, warum war das nötig?

Speaker: Vielleicht Holger.

Speaker: Naja, als Christian als sehr junger Hüpfer den Mut gefasst hat, das Magazin zu starten, hat es noch ein Jahr gedauert, bis ich eingeschult worden bin.

Speaker: Das heißt, die Zeiten der 60er und 70er im Buchmarkt kenne ich nur aus Anekdoten.

Speaker: Aber ihr wisst mehr als wir, deswegen lassen wir uns mal so ein bisschen teilhaben.

Speaker: Ich würde deshalb das schon gerne Richtung Helmut weiter titschen.

Speaker: Ich greife das gerne auf und erzähle, was ich erlebt habe.

Speaker: Da war ich schon etwas älter, ich bin ja 41.

Speaker: Ich habe zwei Dinge erlebt.

Speaker: Erstens mal Christian von Zitwitz, relativ früh, das Jahr kann ich jetzt nicht mehr sagen, als einen höchst überzeugenden, gewinnenden Cocktail aus präziser Orangen- und Zahlenorientierter Handlungsbereitschaft und

Speaker: als visionärer, also an den Inhalten der Bücher interessierter Mensch.

Speaker: In dieser produktiven Mischung, Anführungszeichen, habe ich die damaligen Blattmacher oder später hinzukommenden nie so erlebt.

Speaker: So gesehen war für mich Christian von Sidwuz eine geradezu Wünschfigur in der Branche.

Speaker: Die Branche damals, so habe ich sie wahrgenommen,

Speaker: war eine Branche, die überwiegend von vorurteilsgestärkten Menschen, überwiegend männlichen Geschlechts betrieben wurde, während das dem Kunden dienende Sortiment überwiegend von Frauen bedient wurde, im Wortsinne.

Speaker: Und die fanden zum großen Teil allein schon den Titel Buchmarkt eine Zumutung.

Speaker: Warum?

Speaker: Da wird verhökert, da wird ausgerufen, da wird verkauft.

Speaker: Das ist nicht unser Selbstverständnis.

Speaker: Wir sind Prediger des guten Buches.

Speaker: Wir sind die Sachwalter der hohen Literatur.

Speaker: Wir bedienen Anspruchsvolle, die wissen, was sie wollen.

Speaker: Wir verkaufen nicht.

Speaker: Naja, wenn ich da reinhaken darf, das hat die Branche auch bis in die Nullerjahre zum Teil geprägt, dass man sich gerne als etwas Besseres empfunden hat.

Speaker: Wir sind nicht der reine Kommerz, ich kann mich erinnern,

Speaker: In den 90er Jahren, als ich erst mal als Presschef der Frankfurter Buchmesse war, gab es bei der Buchmesse 94 am Messesonntag ein Interview mit Vito von Eichbaum, dem dieser der Frankfurter Buchmesse vorgeworfen hat, das sei doch jetzt alles nur noch Kommerz und Kultur spielt keine Rolle und ihr verkauft eure Seele und bla bla bla bla.

Speaker: Vito konnte da ja auch sehr

Speaker: Raum greifend argumentieren.

Speaker: Und der Hessische Rundfunk lud mich dann ein zu einem Streitgespräch mit Vito von Eichborn, das dann am Dienstag nach der Messe stattfand.

Speaker: Ich bin dann natürlich gerne hingegangen nach dem Motto, wie mit Vito streiten im Rundfunk?

Speaker: Sowieso gerne.

Speaker: Ja, er schickte aber dann seinen Vertriebsleiter und hat gekniffen.

Speaker: Und das Interview ging relativ schnell zu Ende.

Speaker: Denn, ja, die sind die Vorwürfe, ja, Kultur, Kommerz, Buchmesse, Seele verkaufen, da, da, da.

Speaker: Und Herr Eling, was sagen Sie dazu?

Speaker: Und ich habe nur gesagt, Sie sind doch der mit dem kleinen Arschloch.

Speaker: Natürlich großes Erstaunen und Entsetzen bei der Moderatorin.

Speaker: Ja, womit hat Vito in der Zeit... Das hat auch bei mir Moment gebraucht.

Speaker: Womit hat Vito unter Eichborn Verlacht damals richtig Geld geschäffelt mit der kleinen Arschloch-Serie.

Speaker: Also wenn der herkommt und mir vorwirft, dass Kultur und Kommerz irgendwie durcheinander kommen bei der Buchmesse.

Speaker: Also diese Haltung gab es sehr, sehr lange.

Speaker: Und als wir dann auch, es war ja auch 1994, als wir digitale Medien eingeführt haben auf der Frankfurter Buchmesse,

Speaker: gab es dann so Kommentare, ich kann mich nicht erinnern, vom damaligen Aufsichtsratschef, das mit dem Internet, das geht vorbei.

Speaker: Wobei dieser Herr sehr, sehr genau hingeschaut hat, was die Kolleginnen und Kollegen in den digitalen Medien eigentlich getrieben haben.

Speaker: Und bei seinem Frühjahrsprogramm, das war ein Sachbuchverlag, lag tatsächlich bei jeder Neuerscheinung eine CD ab.

Speaker: Also konservativ, aber auch lernfähig.

Speaker: Das ist die Branche insgesamt immer geblieben.

Speaker: Dass man dann immer mal wieder zu hören kriegt, ihr wollt doch nur Geschäfte machen.

Speaker: Ja, fein.

Speaker: In meiner Zeit als Pressesprecher habe ich auch gelernt, wenn du einem Kulturjournalisten einen Satz vorlegst, in dem drei Zahlen stehen, bekommt die Person glasige Augen.

Speaker: Also ich habe es auch nie geschafft, die Frankfurter Buchmesse in den Wirtschaftsteil der Medien zu kriegen, sondern wir wurden immer nur als Kulturveranstaltung behandelt, was die Buchmesse natürlich gerne sein möchte, aber bei Lichte gesehen, die Frankfurter Buchmesse ist ein Zirkus,

Speaker: Der Buchmesse-Direktor ist der Zirkus-Direktor.

Speaker: Die Mitarbeitenden sind dafür da, die Arena zu fegen, die Sicherheitsmetze aufzuspannen, die Artisten und die Stars, das sind die Aussteller.

Speaker: Und rechte Buchmisse.

Speaker: Da kommen wir gleich, glaube ich, noch dazu.

Speaker: Es war uns vorher schon klar, wir laden uns zum ersten Mal drei Gäste ein.

Speaker: Das wird schwierig irgendwie zu strukturieren.

Speaker: Aber eigentlich hätte uns klar sein müssen, wenn man zwei so alte, entschuldigt, Haudegen dazu holt, dass ihr hier irgendwie so einen eigenen Ablauf im Kopf habt.

Speaker: Ich will trotzdem noch mal kurz zurück in die 60er Jahre, in diese Anfangszeit.

Speaker: Wenn ihr es mir nicht sagen wollt, dann zeige ich halt, was ich in meinen Hausaufgaben gemacht habe.

Speaker: Mir hat sich ja dieses Bild erst mal erschlossen, dass man das vielleicht alle, die uns hören, die das eben nicht so sich vorstellen können.

Speaker: Wir haben also einen Buchhandel, der viel, viel, viel weniger Umsatz gemacht hat als heute, aber auch noch in den 70er, 80er Jahren.

Speaker: Wir reden hier über 2, 3 Milliarden Mark und in den 70ern waren wir dann schon bei über 5 Milliarden Mark.

Speaker: Wir hatten so gut wie kaum Taschenbücher.

Speaker: Heine war ganz, ganz vorne mit dabei.

Speaker: Goldmann, Rowold, auch für mich als Krimi-Mensche natürlich interessant, dass es so gut wie bis auf die schwarze Reihe von Rowold keine Krimis gab.

Speaker: Dafür gab es natürlich ein dickes Schulbuchgeschäft, es gab Gesangbücher.

Speaker: was so der Buchhandel verkauft hat, all das sorgt natürlich auch so ein bisschen für dieses elitäre Denken, was ihr beide da eben so ein bisschen angesprochen habt.

Speaker: Also es war schon ein sehr, sehr konservatives Umfeld, glaube ich.

Speaker: Und dann kommt dann eben, Helmut, das hast du eben gesagt, so ein junger Buchhandel,

Speaker: energischer Mensch, der auf einmal mit einem Magazin um die Ecke kam.

Speaker: Also das muss man auch sagen, das gegründet 1966 im Mai.

Speaker: Das erste Heft ist dann erschienen zur Buchmesse im selben Jahr und dann hat das so ein bisschen gedauert.

Speaker: Die Frequenz wurde immer höher geschraubt und ab, ich habe es vergessen, ab 71 ist das Heft dann monatlich erschienen.

Speaker: Und ich habe so ein bisschen jetzt im Vorfeld mal ein bisschen rumgefragt, was die Menschen so gesagt haben über Zitwitz, aber eben auch über diese Zeit, warum er dieses Magazin gegründet hat.

Speaker: Und dann kam auch immer wieder als Antwort, es gab das Börsenblatt zu der Zeit.

Speaker: Und das war ein...

Speaker: ich sage es mal vorsichtig, ich will es mir nicht wieder verscherzen, aber ein angestaubtes Verbandsblatt mit Verbandsarbeit.

Speaker: Aber dann kam da eben ein Heft, was für den Buchhandel super interessant war, weil da auf einmal Tipps waren, wie dekoriere ich Tische, wie sind die Zahlen.

Speaker: Einer sagte auch so ein kleines bisschen, ja da auch ein bisschen Tratsch war da irgendwie auch immer noch schön verpackt drin.

Speaker: Und dann kam ein ganz toller Satz.

Speaker: Zitwitz hat das, Moment, jetzt muss ich gucken, dass ich es richtig zitiere, mit Zitwitz zog Marketing in den Buchhandel ein.

Speaker: Er hat das zum Thema gemacht.

Speaker: Und was ja für mich so ein bisschen auch dazu passt, was ihr sagtet, dieses angestaubte Konservative.

Speaker: Und auf einmal zeigte sich in der Branche, man muss ja auch ein bisschen sich strecken, sowohl von Verlagsseite als auch von Buchhandelsseite.

Speaker: Helmut, du hast Buchhandlungen beraten.

Speaker: Kannst du dem zustimmen?

Speaker: Hat Zitwitz das Marketing erfunden für die Branche?

Speaker: Das hat er nicht, aber er hat es der Rede wert erfunden und er hat nach meiner Wahrnehmung eine Verbindung geknüpft, die ich eben so einzigartig fand und weswegen ich ihn auch regelrecht kollegial verehrte.

Speaker: Er hat das emotionale Marketing erfunden, was sich unter anderem darin widerspiegelt, dass dann irgendwann, seitlich kann ich das nicht genau festmachen, diese Zuordnung des Bildes vom Lagerfeuer der Branche kam.

Speaker: Und Lagerfeuer ist für mich etwas sehr Emotionales, aber auch etwas, wo der Mensch, der sich am Lagerfeuer nicht nur erwärmt, sehr wach sein muss, wach erhält, auf Geräusche achten muss, auf Entwicklung achten muss.

Speaker: Das spielt ja alles bei Lagerfeuer mit.

Speaker: Sich erwärmen darf, sich Gleichgesinnte vielleicht zum Feuer holen darf.

Speaker: Aber, und das sind wir wieder beim Marketing, ein Feuer brennt und leuchtet und wärmt nur, solange man es füttert.

Speaker: Und füttern kann man es nur letztlich durch Handel, indem man erworbenes, erlesenes, gesammeltes oder gekauftes Holz oder Kohle nachlegt.

Speaker: Weswegen ich dieses Bild auch sehr stimmig fand.

Speaker: Und manche Buchhändler haben das positiv gesehen und andere fühlten sich ertappt bei einem Themenstrang, den sie persönlich nicht verkörpern wollten, nämlich Marketing.

Speaker: Funktionen zu übernehmen.

Speaker: Die wollten beraten, beseelen, überzeugen, missionieren, aber nicht verkaufen.

Speaker: Und übrigens bis in neuste Zeit hinein, also als ich vor wenigen Jahrzehnten beim Bibliografischen Institut das Vergnügen und die Ehre hatte, für Großlexika die Rede führen zu dürfen,

Speaker: Das sind ja Produkte, die einen kostbaren Wert haben.

Speaker: Habe ich bis übrigens in jüngste Tage bei manchen Telefonaten erlebt, dass Buchhändlerinnen und Buchhändler, wenn sie den Preis, den Gegenwert nennen, durch Körpersprache zeigen, dass sie das eigentlich zu teuer finden.

Speaker: Womit sich die Buchhändler

Speaker: Handelslandschaft zum Teil selbst strangulierte, weil sie nicht dazu stand, dass es kostbare Bücher gibt, die allemal ihren Preis wert sind und dass der erklärt, vermittelt, überzeugend dargestellt werden muss, damit der potenzielle Kunde sagt, ach ja, das ist mir das Buch oder das Lexikon oder das Sammelwerk wert.

Speaker: Das ist auch heute noch so.

Speaker: Das hat sich tatsächlich kaum geändert.

Speaker: Wir haben ja auch solche Sammlerstücke beziehungsweise gesammelte Werke oder kritische Ausgaben.

Speaker: Und da wird ganz oft der Wert der Arbeit nicht gesehen.

Speaker: Und deswegen finde ich es eigentlich gut, wenn es dann ein Magazin gibt, was

Speaker: einfach sagt, Buchverkauf ist eben nicht reines, du hast es glaube ich genannt, Missionieren, sondern nichtsdestotrotz ist es ein Geschäft.

Speaker: Und was Alex auch vorhin gesagt hat mit, es war das erste Magazin, was gezeigt hat, wie Büchertische aussehen können oder Schaufenster und dass Werbung sinnvoll ist, zum Einsatz zu bringen, das fand ich persönlich sogar sehr lobenswert, dass das Buchmarktmagazin sich da hat, auch nicht vom Weg erbringen lassen, zu zeigen,

Speaker: hey Leute, Werbung kann euch dienlich sein.

Speaker: Und Buchmarkt heißt halt, wir sind ein Markt, ein ökonomischer Markt.

Speaker: Aber wie hat sich das gedreht?

Speaker: Also Zitwitz in allen Ehren, aber das war jetzt natürlich nicht nur das eine Heft.

Speaker: Wo hat sich das gedreht zu einer Entwicklung, die ich ja eigentlich sehr begrüße, dass es heute auch wirklich einfach ums Vergnügen geht, um Lektüre, an der man sich erfreut, egal was es ist, wo man einfach sagt, liest doch, was du willst, Hauptsache du liest,

Speaker: Holger, du hast ja auch einen sehr breiten Blick auf den internationalen Buchmarkt.

Speaker: Wie kommt das, dass wir heute nicht mehr alle nur noch verschämt das lesen, was im Feuilleton empfohlen wird, sondern dass jeder das liest, worauf er Lust hat?

Speaker: Ich denke mal, dass das Feuilleton einen großen Teil seines Einflusses auf die lesenden ist.

Speaker: eingebüßt hat.

Speaker: Wir haben ganz andere Kanäle und die gottähnlichen Figuren in den Feuilletons der FAZ und des Spiegel und der Süddeutschen sind im Grunde als Phänomene vor allen Dingen von sich selbst wahrgenommen und beachtet.

Speaker: Die Informationskanäle sind ganz anders.

Speaker: Ich kann mich erinnern, als das Thema Social Media losging in den späten Nullerjahren und tatsächlich mit Twitter, Facebook auch Plattformen da waren, die damals ja werbefrei waren und die tatsächlich diese sehr niedrigschwellige Empfehlungsmarketingarbeit möglich gemacht haben.

Speaker: Ich habe immer so um die 4.900 und schieß mich tot Freunde auf Facebook gehabt.

Speaker: die ich natürlich dann auch meinen Verlagskunden letztlich zur Verfügung gestellt habe, indem ich gesagt habe, Holger sagt euch, dieses Buch ist gut.

Speaker: Und das wissen wir alle, Empfehlungsmarketing ist das mit Abstand erfolgreichste Mittel.

Speaker: Und wenn man sich anschaut, was ich an Honoraren pro Monat von den Verlagen bekommen habe, das hat im Grunde bei den meisten nicht mal so viel gereicht, um eine Streifenanzeige in der Frankfurter Rundschau zu schreiben.

Speaker: Also die Effizienz war eine ganz andere und die Reichweite, die man damit erreichen konnte, war ganz erheblich.

Speaker: Das hat sich mittlerweile komplett geändert.

Speaker: Ich halte von diesen Plattformen gut Booktalk, scheint es zu funktionieren, mittlerweile nur noch sehr, sehr wenig.

Speaker: Aber ich möchte auch noch auf etwas anderes raus.

Speaker: Wenn wir die Zeitschriftenlandschaft anschauen, obwohl ich da erst in den 80er Jahren eingestiegen bin, ich habe in den 80ern als Studenten angefangen, für das Börsenblatt zu schreiben.

Speaker: Damals war das Börsenblatt schwarz-weiß, erschien zweimal die Woche, hatte den Anschein, als wenn da mehr Papier drin wäre als eine Bibel.

Speaker: Und man konnte im Grunde allen Senf dort abgedruckt bekommen, den man wollte, denn die Bestimmungen zum Verhältnis Text-Anzeige,

Speaker: machten es einfach nötig, dass die Chefredaktion des Börsenplatzes eigentlich alles an Grauwert gekauft hat, was nicht bei drei auf dem Baum war.

Speaker: Christian hat das von Anfang an, und ich habe tatsächlich ein paar Archivexemplare aus den 70ern auch noch gesehen, sehr stark darauf gesetzt, den Buchmarkt zum Lagerfeuer zu machen, aber vor allen Dingen zum Nützling zu machen.

Speaker: Als ich anfing, mich mit dem Buchmarkt intensiver zu beschäftigen, in den 90ern, war ich wirklich schwer beeindruckt, wie viel Anteil in jedem Heft auf ganz

Speaker: einfache handwerkliche Sachen für den Buchhandel konzentriert waren.

Speaker: Kolumnen, wie ich sie geschrieben habe, waren im Grunde nur Beiwerk.

Speaker: Das Wichtige, was der Buchmarkt gebracht hat, Zeit seiner Existenz, war tatsächlich

Speaker: nützlich zu sein im Alltag, den Leuten Tipps zu geben, bis hin dazu, dass dein Kalender ist, wann ist welche Art von Steuererklärung dies und das und jenes rechts und links fertig.

Speaker: Das war ein massiver Unterschied zum Börsenblatt und auch zum Buch-Apport.

Speaker: Ich kann mich erinnern, Volker Neumann war ja Marketingchef bei Bertelsmann,

Speaker: Und wurde 2002 Chef der Frankfurter Buchmesse, hat mich dann auch dahin geholt, wieder zurück.

Speaker: Vorher hatte ich ein Bombenverhältnis mit dem Buchreport.

Speaker: Kaum war Neumann da, hat Mr. Harenberg das Steuer rumgeworfen, denn

Speaker: Volker Neumann hatte ihm den Tort angetan, irgendwann mal die Bertelsmann-Anzeigen aus dem Buchreport abzuziehen und stattdessen auf den Buchmarkt zu konzentrieren mit dem Hinweis, was soll ich meinen Verlagskollegen erzählen, welche Bücher ich mache.

Speaker: Der Buchmarkt wird gelesen.

Speaker: Harenberg hat dann jeden Artikel, der über uns erschien, aufgespitzt.

Speaker: Das war ziemlich unerträglich.

Speaker: Aber Christian hat sich als sehr treuer Freund erwiesen gegenüber Volker Neumann.

Speaker: Was mich interessiert, wie kann man sich das denn damals vorstellen?

Speaker: War jetzt Christian von Zitwitz alleine und hatte vielleicht noch Helmut als Kolumnisten?

Speaker: Oder wie haben die denn, gab es eine kleine Redaktion oder hat Christian alles selber geschrieben?

Speaker: Wie hat das funktioniert?

Speaker: Er war schon ein Solitär, aber ich hatte immer das Gefühl, ohne dem jetzt Forscher nachzugehen, dass ein wachsendes Team im Hintergrund stand, das ihn unterstützte, das durchaus auch in seinem Sinne diese Branche und diesen Marktverstand, Begriff auch glaubhaft vertrat und Weichen stellte, sei es selbstschreibend wie ich oder eben

Speaker: Artikel oder Serien ermöglichen, die eine Mischung immer nach meiner Auffassung darstellten, von gut zu lesen, angenehm zu lesen, sich wohlzufühlen, sich eingemeidet und umhegt zu fühlen in der Branche, aber auch praktische, umwandelbar nützliche Hinweise zu bekommen.

Speaker: Ich gebe ein Beispiel.

Speaker: Manche meiner frühen Serien, Cheftreff zum Beispiel,

Speaker: wurde von manchen Buchhändlerinnen und Buchhändlern nicht gelesen, weil sie Chefs werden wollten, sondern weil sie Kriterien haben wollten, um mit ihren Chefs sich gleichsam auf Augenhöhe besser auseinandersetzen zu können.

Speaker: Oder meine Artikel zum Thema kreative Arbeitstechniken oder Konfliktlösung, natürlich friedlich und konstruktiv, haben manche aus innerer Betroffenheit

Speaker: Und weil ihnen die hochbezahlten Agenturen mit ihren Kreativitätsphilosophien und Feuerwerken auf die Nerven gingen, umgemünzt und gesagt, das können wir auch.

Speaker: Wir können auch tolle Vorschläge erarbeiten.

Speaker: Und es gibt Techniken, die relativ überzeugend sind und die, wenn man nicht völlig blöd ist, dank dem Buchmarkt, der da eine Bühne aufmachte, nutzvoll anwendbar und übertragbar sind auf unsere jeweilige andere Situationen.

Speaker: Also war der Blick auch gar nicht so verengt auf den Buchmarkt?

Speaker: Es scheint mir ja wirklich so auch breiteres Themenfeld aufzumachen, als nur genau auf Buchmarkt oder Buchhändler zu schauen.

Speaker: War nicht verengt und nach meiner Erinnerung, die jetzt nicht mehr präzise ist, aber so den großen Zügen nach, glaube ich, noch zutreffend, haben manche den Buchmarkt auch gelesen und begrüßt, weil die

Speaker: ein Buchmarktleserin, ein Buchmarktleser sich auswies als Zugehöriger zu einer interessanten, möglicherweise sehr stark von sich überzeugten Gemeinde, von interessanten, weil kulturschaffenden Leuten, die sich um den schwierigen Spagat bemühten, Handel und Marketing und inhaltliche Begeisterung, um nicht zu sagen Besoffenheit, zu verknüpfen.

Speaker: Und das gilt ja für manche als erstrebenswert.

Speaker: Für manche war der Buchmarkt, auch das demonstrative Hinlegen des Buchmarkts im Verlag, gleich so eine Art Visitenkarte.

Speaker: Ich bin Buchmarktleser oder Leserin und ich kümmere mich um die gesamte Branche, die habe ich im Blick und zu der gehöre ich und leiste denen den Beitrag.

Speaker: Das Filialen, gab es damals schon diese großen Händler?

Speaker: Das ist ein offenes Geheimnis, der Buchmarkt lag jetzt nicht in jeder Thalia-Filiale in den letzten Jahren rum.

Speaker: Wie war das damals in den 70ern, 80ern?

Speaker: Oder gab es dann nur diese kleinen Buchhandlungen?

Speaker: Da gab es, glaube ich, Hugendule, so ein paar sich größer machende, die gab es schon.

Speaker: Aber nach meiner Wahrnehmung, jetzt speziell von Göttingen geprägt, wo ich Buchhandeln gelernt habe, in einer internationalen Universitätsbuchhandlung, Dr. Henschel, waren übersichtlich mittelständische oder Familienbesitzende, von Familien besessene Buchhandlungen,

Speaker: Durchaus auch in der Nachbarschaft, die sich inhaltlich dann stark unterschieden, aber nicht in der Art und Weise, wie sie arbeiteten, sondern was sie vermittelten.

Speaker: Ja, es gab natürlich da schon den Beginn, du hast Hugendudel genannt,

Speaker: Die Mayer'sche Sternbuchhandlung, Dorste und so weiter.

Speaker: Aber das war wirklich noch am Anfang.

Speaker: Ich kann mich erinnern, in den 70ern, meine ich, hat Hugen Dugel seine erste Großfiliale in München eröffnet, der Marienplatz.

Speaker: Bin ich da richtig, Helmut?

Speaker: So in der Zeit?

Speaker: Ja.

Speaker: So in der Zeit muss das gewesen sein.

Speaker: Und das war dann schon tatsächlich dem Blick auch ins Ausland geschuldet.

Speaker: Gerade Heiner Hugendugel hat ja sehr intensiv aufgenommen, wie damals schon Unternehmen wie Barnes & Noble in den USA gearbeitet haben.

Speaker: Und Barnes & Noble ist natürlich auch durch Überdehnung, ähnlich wie Hugendugel, durch Überdehnung irgendwann wieder zur Vernunft gekommen.

Speaker: Und

Speaker: Dieses atemlose Erweitern und Erweitern und Erweitern, das dann letztlich zu der Situation geführt hat, dass heute

Speaker: den im stationären Buchhandlung Talia, Talia, Talia, Talia den Ton angibt.

Speaker: Das hat in den 70ern langsam angefangen, kam in den 80ern ins Rollen und ist dann in den 90er Jahren und auch in den Nullern wirklich explodiert mit einer massiven Flächenüberdehnung und sowas.

Speaker: Und da muss ich sagen, da hat Christian nicht wirklich allzu wohlwollend drauf geschaut.

Speaker: Und da gab es doch oft...

Speaker: kritische Stimmen, die er im Buchmarkt zu Gehör gebracht hat und die ihm dann auch zum Teil von den Handelnden in den Expansionsunternehmen auch in die Ohren gehauen worden sind, weil die natürlich nicht hören wollten, dass sie da mal ein bisschen Piano machen sollten.

Speaker: Und

Speaker: Ich kann mich erinnern, als Amazon in den späten 90ern aus dem Ei gekrochen ist, dass er am Anfang erst skeptisch war, aber dann im Laufe der Zeit gesagt hat, Amazon, ihr könnt euch beschweren über Amazon, aber ihr wart in einer wesentlich besseren Startposition.

Speaker: Alles, was Amazon macht, hättet ihr längst selber machen können.

Speaker: Also er hat da nicht da...

Speaker: wie es von ihm so unter Solidaritätsgesichtspunkten mit der deutschen Buchbranche erwartet worden wäre, sondern den Leuten schon auch ganz ordentlich auf seine sehr unnachahmliche, freundliche Art, gern auch beim Glas Rotwein, die Ohren langgezogen.

Speaker: also über Amazon und die späten 90er reden wir gleich noch.

Speaker: Es ist wieder, du hoppelst mir voraus.

Speaker: Aber vielleicht bei dem Glas Rotwein, sag mal ganz kurz an euch beide.

Speaker: Es soll diese legendären, ich sag mal ausgelagerten Sommerfeste bei einem Münchner Weinhändler oder so gegeben haben.

Speaker: Stimmt das?

Speaker: War das so wild, wie manche erzählen?

Speaker: Ich kann dazu nichts sagen, weil ich... Aber du warst nie eingenommen.

Speaker: Erstens das und zweitens, wahrscheinlich wäre ich auch kein so interessanter Gast gewesen, weil ich damals glaubte, heute sehe ich das etwas anders.

Speaker: Ich habe die entsprechende Lebensreife langsam gewonnen.

Speaker: Die Verbindung von Umturtelung durch Alkohol und ein entsprechend angenehmes Ambiente, mit dem man sich dann gleich selbst höher zu stellen vermochte,

Speaker: die war mir damals suspekt.

Speaker: Da kam ich mir, ich bin Wandervogel geprägt, von der Wertorientierung, was übrigens auch viele Buchhandler taten.

Speaker: Das erlaubt mir, dass ich da einen Begriff bringe, der damals mit spitzen Fingern angesehen und missachtet wurde.

Speaker: Heute ist es selbstverständlich, dass der Mensch sich gut unterhalten und spannend an einen Inhalt gebunden fühlen darf und darüber auch spricht.

Speaker: Ja.

Speaker: Damals, jetzt rede ich von meiner Lehrzeit bei Dr. Henschel, galt nach meinem Eindruck Unterhaltung als ein minderwertiges, eher nicht nennenswertes Nebenprodukt, wenn es unbedingt sein muss, Heftchenkultur geprägt.

Speaker: Und jemand, der Bücher danach aussuchte, dass sie ihn gut unterhielten,

Speaker: war kein sehr beliebter Kunde, das weiß ich aus meinen Seminaren, da habe ich nämlich Buchhändlerinnen und Buchhändler gefragt, wer sind denn euch die liebsten Kundinnen und Kunden?

Speaker: Und da waren die Sachbuchkundinnen und Kunden und die, die sogenannte anspruchsvolle Literatur, das war durchaus nicht immer nur anspruchsvolle Unterhaltung, sondern eben Sachbücher, Sammelwerke, Bildbände, die einen herausfordern und ein Enzyklopien und Lexika, ein- oder mehrbändig.

Speaker: Die waren beliebter.

Speaker: Weil das dann auch, glaube ich, die intellektuelle Leuchtreklame zum Leuchten brachte.

Speaker: Aber wollte man die beraten?

Speaker: Oder war einem das lieber, da kommt jetzt ein Intellektueller rein und der guckt sich dann so durch, was fehlt ihm noch in seiner Bibliothek und das kauft er dann?

Speaker: Oder wollte man da schon jetzt aber auch ein bisschen beraten?

Speaker: Da gibt es eine Zweiteilung nach meiner Erinnerung.

Speaker: Diejenigen, die sicher waren, anspruchsvolle Literatur und mehrbändige Werke

Speaker: wirklich einigermaßen profunde beraten zu können, berieten gern und brachten damit ihre Kompetenz auch ins Spiel.

Speaker: Diejenigen, für die das auch mit der Zange angefasst wurde, weil sie im Grunde genommen nicht wussten, wie ein Großlexikon oder eine Enzyklobie wirklich tickt und welchen mehrfachen Nutzen die bringt, die wollten gar nicht gefragt werden, weil sie dazu nur Blabla hätten sagen können.

Speaker: Und das habe ich vor allen Dingen bei meinen Lexikon-Seminaren erlebt,

Speaker: Das war für viele eine Offenbarung, überhaupt mal erklärt zu bekommen, wodurch sich Sammelwerke, das kann das Kinderliteraturlexikon sein, das kann natürlich der Borkhaus sein, die Meyers Enzyklopädie und Fachlexika, die waren dankbar, das erklärt zu bekommen und mussten es nicht selbst lesen und sich erarbeiten.

Speaker: Ich weiß heute, solche Werke kann man nur wirklich profund beraten, wenn man mit ihnen lebt.

Speaker: Ja.

Speaker: Deswegen ja auch mal ein Börsenblatt-Kolonist mich, was Lexika anging, als den Graham Greene, glaube ich, de Branche empfand, weil ich da verleuchtete, unter anderem.

Speaker: Also, es gab die Ablehnung von Unterhaltung, es gab die selbstidentifizierte, geprägte Zuneigung zur anschlussvollen Literatur mit einer gleichzeitigen inhaltlichen Hemmung, die auch zu beraten, weil viele das auch gar nicht gelesen hatten.

Speaker: Und die Buchhändlerinnen und Buchhändler jener Zeit, anders als heute, wie ich aus den Rückmeldungen zu meinen Artikeln erfahre, die Buchhändler meiner früheren buchhändlerischen Jahre und meiner ersten Lektoratzeit bei Quell und Meier in Heidelberg, die definierten sich auch darüber, dass sie als gebildete, belesene Menschen galten und gerne als solche gehalten werden wollten in Abgrenzung,

Speaker: sei es zu anderen Einzelhändlern, denn das ist der Wuhan, der ist Einzelhandel, mit einem besonderen Produkt.

Speaker: Ja, ich mache jetzt mal einen abrupten Sprung, aber da bin ich gerade bei dem besonderen Produkt, weil wir drei haben ja alle in Jena studiert, sind in den neuen Bundesländern aufgewachsen,

Speaker: Und jetzt lasst uns mal wieder, um den Zeitstrahl wieder so ein bisschen einzufangen.

Speaker: Das ist mit euch hier schier unmöglich.

Speaker: Ich probiere es trotzdem.

Speaker: Lasst uns mal auf die Wände gucken.

Speaker: Holger, da warst du, glaube ich, nee, da warst du noch nicht bei der Frankfurter Messe.

Speaker: Da kamst du später dazu.

Speaker: Aber da war auch noch alles recht frisch.

Speaker: Also ich habe Anfang der 80er angefangen, meine ersten Projekte für die Buchmesse zu machen.

Speaker: Aber angestellt war ich dann erst ab 94.

Speaker: Okay, aber dann lass uns da mal eintauchen.

Speaker: Ich meine, das war für ganz viele Menschen ganz einschneidend, aber natürlich auch für die Buchbranche, für den Buchmarkt als Ganzen.

Speaker: Wie war das damals?

Speaker: Man könnte jetzt sagen, das Buchmarkt-Magazin freut sich, juhu, ganz viele neue Abonnenten, da müssen wir nur hin, wir müssen das einsammeln.

Speaker: Für die Frankfurter Messe hieß das natürlich, da ist auf einmal jetzt auch eine Leipziger Messe, irgendwie auch im Frühjahr alles für alle.

Speaker: Wie hast du das erlebt, diese Welt, auf den Buchmarkt bezogen natürlich?

Speaker: Auf den Buchmarkt allgemein bezogen erstmal.

Speaker: Ja, tatsächlich, ich bin selbst an der alten Zonengrenze aufgewachsen, direkt am Zaun, auf der Westseite allerdings.

Speaker: Und natürlich, sobald das möglich war, war ich mit meinem Vater in Facha, wo er im Gymnasium war, bis die Russen kamen und er kein Gymnasium mehr hatte.

Speaker: Das war schon sehr bewegend, diese alten Kindheitsorte meines Vaters dann wiederzusehen.

Speaker: Volker Neumann, den ich ja schon mal erwähnt habe, als Marketing-Genie bei Bertelsmann, hat den...

Speaker: im Grunde immer leeren Buchmarkt in der Ex-DDR innerhalb von zwei Minuten zu seinen Gunsten analysiert und hat mehrere LKWs umbauen lassen in mobile Buchhandlungen und hat dort Remittenten und all sowas und vor allen Dingen eben Krimis, Unterhaltungsliteratur und sowas, Gen Osten geschafft und hat damit

Speaker: Riesige, riesige Umsätze gemacht zu kleinen Preisen.

Speaker: Es war tatsächlich die ersten ein, zwei Jahre, Helmut, denke ich mal, so zwei Jahre hat es gedauert, war das so ein bisschen Eldorado, so ähnlich wie die Gebrauchtwagenhändler oder sowas, die nach Osten geschwappt sind und dort alles losgeworden sind, was irgendwie zu verkaufen war.

Speaker: Dann gab es natürlich das Thema Treuhand.

Speaker: Die Ost-Verlage, sag ich mal, kamen ja alle unter Kuratel.

Speaker: Wir rennen uns an das Drama um den Aufbauverlag, der von der Treuhand in betrügerischer Weise an Herrn Lunkewitz verkauft worden ist.

Speaker: Denn das gehörte nicht der Treuhand, sondern der Gewerkschaft.

Speaker: Herr Lundkewitz hat von der Gewerkschaft nochmal das Ding gekauft und vor dem Bundesgerichtshof hat er verloren im Prozess um Schadensatz.

Speaker: Da hat Christian auch massiv auf Seiten von Bernd Lundkewitz geschossen und sich engagiert.

Speaker: Das war schon beeindruckend.

Speaker: Im Börsenblatt hat man sich eher zurückgehalten.

Speaker: Denn man wollte es ja nicht mit irgendwelchen Autoritäten verderben.

Speaker: Und

Speaker: Aber auch im Buchmarkt, meine ich mich zu erinnern, gab es dann eben wieder ganz viele Artikel, die ein bisschen mehr in die Basis zurückgingen und zum Teil eben Elemente der buchhändlerischen Ausbildung noch mal mehr transportiert haben und betont haben.

Speaker: Es gab auch Gratis-Abos in großer Menge, wenn ich mich recht erinnere.

Speaker: Gab es von Gosenbad auch.

Speaker: Und einfach alles, um irgendwie den Leuten nahe zu bringen, wie Buchhandel im kapitalistischen System eigentlich funktioniert.

Speaker: Denn in der alten DDR wurden Bücher zugeteilt.

Speaker: Es war Bückware unterm Ladentisch und so weiter.

Speaker: Das war natürlich jetzt alles anderes.

Speaker: Daran mussten sich die Kolleginnen und Kollegen im Osten auch natürlich erstmal gewöhnen.

Speaker: Und der Buchmarkt war bei dieser Eingewöhnung ein sehr, sehr guter, hilfreicher Begleiter.

Speaker: Also das ist ja eh, da könnte man mal eine ganze Folge dazu machen, das Schicksal der DDR-Verlage, aus den über 90 sind, glaube ich, nach vier, fünf Jahren waren noch zwölf oder so übrig.

Speaker: Das war ja wirklich dramatisch.

Speaker: Grüße an der Stelle an Christoph Links, der ganz viel gerettet hat, was zu retten war.

Speaker: Aber ich drücke jetzt mal so ein bisschen auf die Tube, damit wir endlich zu dem Thema kommen, was wir eben schon hatten.

Speaker: Nämlich 1998 war es dann so, dass das Buchmarkenmagazin online ging.

Speaker: Und mit einer Berichterstattung online von der Buchmesse 1998.

Speaker: Und du warst zu der Zeit auch schon Kolumnist, glaube ich?

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Helmut, ja, ich nicht.

Speaker: Genau, aber wie lief das dann ab?

Speaker: Dann hieß es auf einmal so, wir wollen jeden Tag Inhalte, wir müssen hier ganz viel rausspielen, weil da holen wir jetzt auch gleich Hanna ins Boot, deren Job das nämlich ja jetzt gerade ist, jeden Tag das zu befüllen.

Speaker: Wie hast du das, Helmut, damals erlebt, als auf einmal alles online war?

Speaker: War das dann die Gold... Nein.

Speaker: Wobei das möglicherweise an mir und meiner Atmosphäre, die mich umgibt, vielleicht

Speaker: Ich bin darauf nie angesprochen und nie auf dieses Boot gleichsam geheuert worden.

Speaker: Ich kann nur sagen, dass es Verlegerinnen und Verleger gab, und zwar nicht wenige, und Buchhändler und Buchhändler auch nicht wenige, die das Online-Gen als Verrat empfanden und die sich sagten oder mir sagten, also das ist ausgerechnet unser Buchmarkt, ne?

Speaker: diese Entwicklung, die kurzlebig sein wird und die sowieso ein Irrweg ist, jetzt geht und gleichsam anbahnt, das finden wir nicht so gut.

Speaker: Ich kann nicht statistisch sagen, welche Rolle diese Meinungen spielten.

Speaker: Ich kann mich nur sehr gut erinnern, dass das in Gesprächen immer auftauchte, sodass es sich bei mir in der Erinnerung, das ist ja jetzt Jahrzehnte her, abgelagert hat.

Speaker: Von den ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen hingegen habe ich in Erinnerung, dass der Buchmarkt

Speaker: als erfrischendes, begrüßenswertes Medium erkannt wurde, das völlig unideologisch, menschlich, sympathisch, vielfältig, praktisch auf nicht zu hohem Ross eingaloppierte und völlig unvergleichlich zu den vorgeschriebenen staatlichen Medien funktionierte.

Speaker: Und das wurde im Allgemeinen begrüßt.

Speaker: Im Gegenprogramm habe ich die Überheblichkeit westdeutscher

Speaker: Kolleginnen und Kollegen, zumal in Verlagen, die ursprünglich mal deren Wiege in Ostdeutschland stand, also wie Borkhaus, Biografisches Institut, Duden, alles ostdeutsche Geburtsstätten, da habe ich nur arrogante Haltungen erlebt.

Speaker: über diejenigen Ost-Verlage erlebt, die ja keine Ahnung hatten vom Verlegen, die nach der Pfeife des Staates tanzten, die nicht mal richtige Lexika machen konnten.

Speaker: Das war ein Maßstab, gerade das Bibelgauers-Institut, das ist ja selbstverständlich.

Speaker: Das hat mich sehr gestört und es wurde auch mit einer kolonialen Selbstherrlichkeit

Speaker: Die Verhandlungen geführt, als deren Teil ich eine gewisse Rolle hatte, die ich dann irgendwann abgelehnt habe, weil mich das störte.

Speaker: Verhandlungen geführt, im Grunde genommen, um sich das so günstig wie möglich, das angestammte Erbe unter den Nagel zu reißen.

Speaker: Das kann man markenpolitisch begrüßen.

Speaker: Menschlich und kollegial fand ich das nicht.

Speaker: Auch das ist, glaube ich, ein Thema, über das wir demnächst wirklich nochmal reden sollten.

Speaker: Da gibt es sehr, sehr viel.

Speaker: Ich renne jetzt so ein bisschen durch, wenn ihr erlaubt.

Speaker: Ich wollte noch einen Punkt kurz ansprechen.

Speaker: Ich finde es echt beeindruckend, wie früh Buchmarktmagazin da ja schon dran war.

Speaker: Ich meine, Mitte der 90er, Online-Gen und Online-Berichterstattung.

Speaker: Zum Rückblick war das Magazin schon sehr früh dran und dann 98 regelmäßig von der Messe online berichten, finde ich schon beeindruckend.

Speaker: Naja, das hat ein Weilchen gedauert, bis Christian da wirklich auf das Pferd gesprungen ist.

Speaker: Ich kannte den Buchmarkt, aber intensiv zusammengearbeitet mit dem Buchmarkt habe ich dann wirklich erst ab 94.

Speaker: Ich kann mich erinnern an das erste persönliche Treffen mit Christian bei der Buchmesse 94.

Speaker: Und als ich ihm dann voller Enthusiasmus dann digitale Medien und sowas beibringen wollte, alles mal langsam und alles mal abwarten.

Speaker: Ich muss auch daran denken, 1994 ist das Internet erst für alle geöffnet worden.

Speaker: Dass man 1994 da noch nicht aufspringt als Magazin, kann ich auch verstehen.

Speaker: Ich hatte 1994 eine E-Mail, aber meine Kunden...

Speaker: Bei den Zeitungen und Radioanstalten hatten keine.

Speaker: Ich musste bei der Frankfurter Rundschau elektronisch abliefern.

Speaker: Das hieß aber, dass ich mich ins Auto setzen musste und eine Floppy-Disk abgeben musste.

Speaker: Also das waren damals die Verhältnisse.

Speaker: Wenn man das heute den Leuten erzählt, es gab kein Internet.

Speaker: Wie hast du denn recherchiert?

Speaker: Ganz einfach.

Speaker: Christian hat ein Weilchen gebraucht, ehe er wirklich...

Speaker: geschluckt hat, was eigentlich möglich ist.

Speaker: Und er hat eben nicht den Fehler gemacht, irgendwie so wie das viele Medien getan haben, so halbgar da reinzugehen und von Anfang an zu sehen, Moment, da muss ich jetzt Geld verdienen mit und dann irgendwie gleich eine Sperrmauer machen, obwohl gar keine Inhalte da waren, so wie es Spiegel Online am Anfang gemacht hat und so was, sondern als er begriffen hat, welche Möglichkeiten er hat,

Speaker: hat er das ganz und gar umgesetzt, und zwar kostenlos.

Speaker: Und hat es damit geschafft, an Börsenblatt und Buchreport weit, weit vorbeizuziehen und für Jahre Buchmarkt online zur Startwebsite am Morgen im Betriebsalltag in Buchhandlungen und Verlagen zu machen.

Speaker: Das darf man nicht vergessen.

Speaker: Buchmarkt online war bis, würde ich mal sagen, 2010, 2012,

Speaker: für viele Kolleginnen und Kollegen in Verlagen und Buchhandlungen die erste Sache, die Sie am Morgen im Internet angeguckt haben.

Speaker: So, bevor du jetzt wieder über 2010, 2012 redest.

Speaker: Ich weiß, du musst gleich los.

Speaker: Aber ich würde gerne von dir noch einmal deine Einschätzung hören.

Speaker: Nämlich, wenn wir ins Jahr 2002 gehen.

Speaker: Das war das Jahr, in dem die Buchpreisbindung beschlossen wurde.

Speaker: Wann war es?

Speaker: Die Buchpreisbindung gibt es schon seit Anfang des 20.

Speaker: Jahrhunderts.

Speaker: Aber 2002, was war da?

Speaker: 2002 gab es eine Klage von Libro in Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Buchpreisbindung.

Speaker: Und das Ganze ist abgewehrt worden dadurch, dass der bis dahin gültige Sammelrewerb zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz

Speaker: abgeschafft wurde und durch nationale Buchpreisbindungsgesetze ersetzt worden ist.

Speaker: Buchpreisbindung gab es schon immer, sie wurde nur auf eine andere gesetzliche Grundlage gestellt.

Speaker: Das war jetzt 2001 oder 2002, aber in der Gemengelage war das.

Speaker: Börsenverein, Verlage und so weiter haben ja damit argumentiert, in dem Moment, wo die Buchpreisbindung fällt, werden Bücher im Durchschnitt teurer.

Speaker: Das hört sich erstmal absurd an, aber ich selbst habe das in England miterlebt.

Speaker: Ich bin ja Ende 1997 nach England als Korrespondent gegangen und die englische Buchpreis-Signal, das Netbook Agreement, war schon Anfang der 90er in Irland außer Gefecht gesetzt worden.

Speaker: Dann gab es

Speaker: Das war Dylans und Waterstones haben gesagt, sie machen es nicht mehr.

Speaker: Dann hat sich Random House angeschlossen, das damals noch nicht zu Bertelsmann gehörte und so weiter.

Speaker: Es wurde dann, 1995 hat der britische Verlegerverband gesagt, wir machen es auch nicht mehr.

Speaker: Und 1998 war so ein komplett Tod.

Speaker: Und das hat sofort dazu geführt, dass wir in Waterstones, Dylans gibt es nicht mehr, aber den großen Ketten, sofort diese berühmten Aktionen, zwei Bücher bezahlen, drei Stück kaufen, hatten Preis bei absoluten Bestsellern, Ersttagsverkaufspreise 50 Prozent unter dem empfohlenen Ladenpreis.

Speaker: Selbst bei Harry Potter, wo die Leute ja

Speaker: zehn Stunden teilweise Schlange gestanden haben, bevor sie es kriegen konnten.

Speaker: 50 Prozent Preissenkung am Erstverkaufstag.

Speaker: Das wurde aufgefangen ganz deutlich durch die Nicht-Bestseller-Titel.

Speaker: Die wurden wirklich sehr viel teurer, dass der Buchpreis insgesamt sehr viel teurer geworden ist.

Speaker: Das konnte man ganz deutlich sehen.

Speaker: Und diese Argumente konnten wir natürlich aus der englischen Zeit, das habe ich

Speaker: auch unter Pseudonym beim Buchmarkt teilweise untergebracht, aber eben auch beim Börsenblatt.

Speaker: Das konnten wir dann da auch zeigen.

Speaker: Warum unter Pseudonym?

Speaker: Ich war fest der Kursbind des Börsenplatzes in London.

Speaker: Und Christian und ich waren nur dicke Kumpel.

Speaker: Lief das so, dann hat er, Mensch, Mensch, du kennst dich doch aus, schreib mir doch da mal ein paar Zeilen.

Speaker: Kannst du nicht mehr, also genau.

Speaker: Eins, zwei Sachen waren auch noch tatsächlich mit dem Pseudonym gekennzeichnet.

Speaker: Das hieß Phil Space.

Speaker: Ah, das ist schön.

Speaker: Das gefällt mir sehr, sehr gut.

Speaker: Okay, das war jetzt ein wilder...

Speaker: Bis in die 2000er.

Speaker: Buchpreisbindung hat ja noch eine weitere Folge.

Speaker: Wir hatten das ja in der Schweiz in den 10er Jahren.

Speaker: Da war ich auch tatsächlich im Gefecht gemeinsam mit dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband.

Speaker: Bei der Abstimmung haben die französischsprachige, italienischsprachige Schweiz, die schon keine Buchpreisbindung hatten, mit großer Mehrheit für die Buchpreisbindung bestimmt.

Speaker: Und die Deutschsprache der Schweiz, wo es sie bisher gab, hat, da es ja die Bevölkerungsmehrheit ist, hat dafür gesorgt, dass es in der Schweiz keine Buchpreisbindung mehr gibt.

Speaker: Und das hat auch dazu geführt, dass viele Buchhandlungen schließen mussten und dass tatsächlich die Bücher in der Schweiz darüber gebraucht sind.

Speaker: Helmut, hast du auch unter Pseudonym zu prekären Themen geschrieben?

Speaker: Nein.

Speaker: Okay, das war deutlich.

Speaker: Also das war jetzt erstmal ein, ich habe euch ziemlich durchgescheuert, das war ein wilder Ritt durch die Jahre 66 bis 2000, bis in den 2000er rein.

Speaker: Vielen Dank erstmal an euch beide.

Speaker: Holger, du musst los, aber danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

Speaker: Und ihr anderen beiden bleibt dabei.

Speaker: Wir reden gleich weiter und alle, die uns hören, bis dahin.

Speaker: Da sind wir wieder und wir machen direkt weiter.

Speaker: Holger Ehring hat sich verabschiedet, aber wer hier die ganze Zeit schon sitzt, ist Hanna Schönberg, unsere Redakteurin, die uns auch im Podcast immer betreut.

Speaker: Hanna, dich wollen wir jetzt auch einmal ein bisschen dazuholen, denn in den nächsten Minuten, und Helmut ist natürlich noch da, in den nächsten Minuten wollen wir mal ein bisschen darüber reden, was sich dann im weiteren Verlauf der Jahre getan hat.

Speaker: Man muss bei dir sagen, wir hatten das in der ersten Folge jetzt mal so ein bisschen, es gab schon früher eine ziemlich krasse Konkurrenz zwischen dem Buchreport und dem Buchmarktmagazin.

Speaker: Konkret zwischen Christian von Zitwitz und dem Harenberg.

Speaker: die sich, glaube ich, so munkelt man in den späteren Jahren durchaus mit Respekt dann begegnet sind.

Speaker: Und ich weiß nicht, ob man da wirklich von einer Freundschaft redet, aber sie waren sich dann doch schon sehr zugetan.

Speaker: Du hast früher beim Buchreport gearbeitet.

Speaker: Wie hast du damals das erlebt?

Speaker: Wie hat man über den Buchmarkt geredet?

Speaker: Ja, ich würde sagen, der Eindruck stimmt natürlich schon, dass man Konkurrenten sozusagen war.

Speaker: Aber trotzdem waren es auch völlig andere Ausrichtungen.

Speaker: Also Buchmarkt war immer eher auf den unabhängigen Buchhandel fokussiert, auch viel, ja ich sag mal, emotionaler, menschlicher in der Gestaltung und von den Geschichten her.

Speaker: Buchreport dagegen eigentlich eher in Richtung Verlage orientiert, viel zahlengetriebener, lebte viel mehr von der Spiegel-Bestsellerliste.

Speaker: Also von daher hatten beide Zeitschriften so ihre Nische, würde ich sagen, und haben schon gegenseitig einfach das akzeptiert, respektiert, was jeweils die andere Redaktion gemacht hat.

Speaker: Und kamen sich auch gar nicht so sehr in die Quere.

Speaker: Genau.

Speaker: Okay.

Speaker: Helmut, wie hast du das empfunden?

Speaker: Du warst stolzer Buchmarktkolumnist oder ab und zu auf einer Messe oder so auch mal irgendwie mit Harenberg heimlich irgendwie hinter einem Café.

Speaker: Ich habe auch gelegentlich vor hunderten von Jahren für den Buchreport geschrieben und ansonsten teile ich den Eindruck, den eben Hannah gesagt hat.

Speaker: Mein Eindruck ist ja ein bisschen ein externerer.

Speaker: Ja.

Speaker: Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Speaker: Lasst uns mal zu einem Thema springen, das für den Buchhandel ja nicht nur schön war, und zwar die Etablierung des E-Books.

Speaker: Das war natürlich erstmal eine Geschichte, von der der stationäre Buchhandel mal gar nichts hatte, aber

Speaker: Ich weiß, ich hatte ganz, ich glaube, das erste Gerät hatte ich von Weltbild.

Speaker: Die hatten damals ein relativ günstiges Einstiegsmodell, so ein E-Reader.

Speaker: Dann hatte ich irgendwann mal so ein Sony.

Speaker: PAS-T1, glaube ich, hieß der.

Speaker: Und ich weiß nicht, wieso ich das noch weiß.

Speaker: Das war natürlich eine komplett neue Bewegung.

Speaker: Jetzt könnte man sagen, man hat ganz viel aus der Musikbranche schon lernen können, wo alles so ein bisschen schon vorfristig lief mit illegalen Plattformen und solchen Geschichten.

Speaker: Das war...

Speaker: Nicht der Fall, irgendwie wurden ganz viele Fehler wieder neu gemacht.

Speaker: Wie dramatisch war die Einführung des E-Books für den Buchhandel, Helmut?

Speaker: Ich will ehrlich sein und bin es.

Speaker: Ich habe das gar nicht als einen Einschnitt wahrgenommen und wurde auch selten darauf angesprochen und hatte auch selbst...

Speaker: mit dieser Variante von Literaturdermietung nichts zu tun.

Speaker: Oder flapsig gesagt, nichts am Hut.

Speaker: Deswegen bin ich da ein schlechter Auskunftsgeber.

Speaker: Nein, das deckt sich ja eigentlich mit den Zahlen.

Speaker: Denn es ist, glaube ich, nach wie vor so, quer über die Branche reden wir über einen Umsatzanteil von, ich glaube, 6%.

Speaker: Also eigentlich durchaus vernachlässigbar.

Speaker: Und trotzdem kam es ja dann dazu, dass es diese große Tolino-Allianz gab von, wer war dabei,

Speaker: Talia Hung-Double, glaube ich, und dann noch die Telekom, die die ganze Technik gestellt hat.

Speaker: Das war eine Riesenaktion, um gegen dieses Kindle-Universum von Amazon vorzugehen.

Speaker: Und auf einmal musste in allen Buchhandlungen oder in ganz vielen Flächen auf einmal ein bisschen was freigeräumt werden, dass man da diese Reader hinstellen kann, die man irgendwie auch noch bedienen können muss, um sie seinen Kunden zu erklären, damit der dann weiß Gott wo verkauft.

Speaker: Insofern war das, glaube ich, mehr Arbeit für den Buchhandel, als es wirklich dann Umsatz bringt, zumindest für den stationären.

Speaker: Ja.

Speaker: Darf ich kurz einhaken?

Speaker: Mich würde interessieren, Helmut, warum du dem Ganzen nicht so viel beigemessen hast.

Speaker: Also jetzt rein, weil du persönlich auch keine Beziehung oder Berührungspunkte hast oder weil du wirklich sagst, nee, das ist kein Konkurrenzprodukt.

Speaker: Und wenn ja, würde mich interessieren, warum?

Speaker: Also die Konkurrenzsituation habe ich schon empfunden, vor allen Dingen für die Produkte des Verlags, für das ich in jener Zeit verfolge.

Speaker: nämlich Bibliografisches Institut und Duden und Borkhaus später.

Speaker: Für mich persönlich als Leser, und ich betone jetzt Lesen und nicht Hörer, war das E-Book kein interessantes Angebot.

Speaker: Ich habe das gewürdigt als für bestimmte Adressaten interessante Erweiterung ihrer Teilnahmemöglichkeit an Literatur, eben halt hörbar gemachte Literatur.

Speaker: Das hatte meine Hochachtung und durchaus auch Bewunderung,

Speaker: Aber mich betraf das nicht.

Speaker: Und bei den Buchhändlerinnen und Buchhändlergesprächen, die ich jetzt natürlich nicht statistisch abwägen kann, sondern aus Erinnerung, als Summe empfinde, hatte ich den Eindruck, die waren ähnlich distanziert von diesem Medium und setzten auf das Buch und hofften auf eine Kurslebigkeit dieser von manchen als affig empfundenen Modernisierung,

Speaker: des klassischen Buchmarktes, manche sagten, es ist doch unnötig, Leser lesen und hören ist was ganz anderes.

Speaker: Und die Gegenargumentation, die ich manchmal aus Testgründen versucht habe, dass das doch die Nutzbarkeit von guter Literatur, habe ich betont, erweitert, wurde von vielen Buchhändlern nicht richtig gewürdigt, vielleicht auch, weil sie sich dann überflüssig fühlten.

Speaker: weil sie ja zur Erklärung genötigt sich sahen, nämlich nicht nur das Hören, das muss man ja nicht erklären, sondern die Technik, die zum Hörbarmachen von Literatur führt, mussten sie ja selbst beherrschen und mit wenigen Worten plausibel, um nicht zu sagen begeistert, erklären können.

Speaker: Und das konnten manche, um nicht zu sagen viele, nicht.

Speaker: Aber hängt das auch zusammen mit dem, dass die Buchbranche generell eher konservativ ist, aber lernfähig?

Speaker: Ist das hier vielleicht auch eher so diese konservative Branche?

Speaker: Also ist ja jetzt auch nichts Schlechtes und dass man eben beim Buch bleibt, anstatt neuen Formaten hinterher zu jagen.

Speaker: Ich sehe das durchaus so, dass ich berichte jetzt ja überwiegend aus der Anfangszeit.

Speaker: Und da war der überwiegend der Buchhandel, glaube ich, insgesamt, sowohl in den Verlagen als auch in stationären Buchhandel, nicht nur jetzt die Göttinger Buchhandelslandschaft, im guten Sinne konservativ, in manchmal auch selbstgefährdenden Sinne, weil dadurch Entwicklungen, die interessant und buchhandelsrelevant werden könnten, übersehen wurden.

Speaker: Wenn ich heute mit Buchhändlerinnen und Buchhändlern spreche, die auf meine Kolumne reagieren oder mich anrufen als ehemaligen Coach, habe ich das Gefühl, ich spreche mit einer anderen Generation, die ganz selbstverständlich mit allen medialen Auftritten von Buch zu tun hat und offen für alles ist.

Speaker: Nur nicht fürs aktive Verkaufen.

Speaker: Nach wie vor nicht.

Speaker: Was ich mit Bedauern sage, weil ich der Auffassung bin,

Speaker: Unser Geschäft, das Büchermachen, das Literaturkreieren, hängt von den Umsätzen ab, die wir generieren, um die Mittel dafür zu haben, gute Bücher und gute Autorinnen und Autoren zu honorieren.

Speaker: Und diesen Zusammenhang begreifen auch heutige, also aus meiner Sicht deutlich jüngere Buchhändler, wie mir scheint, zu selten.

Speaker: Okay.

Speaker: Und wenn dann so mit spitzen Fingern.

Speaker: Wie wichtig war denn im Laufe der ganzen, der vergangenen sechs Jahrzehnte das Lesungsgeschäft für Buchhändler?

Speaker: Das ist mittlerweile, bezeichnen das ja viele als Marketinginstrument, die haben ein Marketingbudget, das muss nicht immer kostendeckend laufen.

Speaker: Ähm,

Speaker: Vielleicht im Hinblick auf das, was wir in der ersten Folge darüber gesprochen hatten, inwiefern Marketing Einzug gehalten hat.

Speaker: Wie hat sich das Lesungsgeschäft für Buchhändler verändert?

Speaker: Nach meinem Eindruck positiv, um nicht zu sagen fast explosionsartig positiv, weil darin ein Begegnungs- und ein Geschäftsfeld gesehen wurde.

Speaker: Das ist ja eine grandiose PR für eine Buchhandlung, Lesungen anzubieten mit interessanten Autorinnen und Autoren.

Speaker: und Gesprächsmöglichkeiten zu schaffen.

Speaker: Ich habe mit meinem liebsten Menschen, meiner Frau, auf Lanzarote eine Buchhandlung betrieben.

Speaker: Und wenn wir dann da waren, das war am Anfang unserer Zeit ein paar Monate, dann haben wir Lesungen angeboten in der kleinen Buchhandlung oder in unserer Bücherfinka.

Speaker: Und das war immer überladen und überlaufen.

Speaker: von Leuten, die eigentlich als Urlauber auf die Insel gekommen waren und gar nicht damit gerechnet hatten, dass es dort ein Leseangebot gibt.

Speaker: Das haben die dankend angenommen.

Speaker: Urlauber verschiedenster geistiger Couleur.

Speaker: Und nochmal, ich beobachte das jetzt.

Speaker: Lesung ist, glaube ich, ein gutes Geschäft und wird positiv bewertet.

Speaker: Leider leiden manche Buchhandlungen und Buchhändler an einer zu geringen Würdigung dann, wenn die Autorinnen und Autoren nicht Magneten sind und schon prominent.

Speaker: Auch das ist ein weites Feld.

Speaker: Wir sammeln eigentlich heute nur Themen für die nächsten Folgen.

Speaker: Aber Leiden ist ein gutes Stichwort, Hanna.

Speaker: Du bist leidenserprobt.

Speaker: Du warst beim Buchreport, der dann still...

Speaker: seine letzte Ausgabe brachte, bist dann zum Buchmarkt gekommen.

Speaker: Dann hat eine Pandemie, korrigiere mich, wenn ich das gerade zeitlich alles falsch zusammenbringe, aber du hast, glaube ich, Corona voll in deiner Buchmarktzeit erlebt, die ja wirklich dramatisch war, in der der Buchmarkt, da meine ich jetzt wieder die Branche,

Speaker: gezeigt hat, wie kreativ und am letzten Endes doch wie stabil er sein kann durch diese vielen Wege, die da gefunden wurden, dass eben Haustürlieferungen oder Verkauf eben an der Geschäftstür und so.

Speaker: Nichtsdestotrotz, jetzt gucken wir mal wieder ins kleine, ins Buchmarktmagazin, war das wahrscheinlich auch ganz brutal, weil in der Zeit

Speaker: ihr nicht wirklich gelesen wurdet.

Speaker: Wie hast du das erlebt?

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Ich würde sagen, das ist auf jeden Fall ein Teil des Problems und auch sozusagen nach der Corona-Zeit, dass ja auch neue Büromodelle sich etabliert haben, also auch wie Homeoffice etc., dass die Leute gar nicht mehr alle zum Beispiel in den Verlagen vor Ort sind und wir dann gemerkt haben, okay, die Hefte liegen vielleicht da tagelang herum und keiner nimmt sie so richtig wahr.

Speaker: Ich würde sagen, das Leseverhalten hat sich schon auch allgemein verändert oder besonders das Informationsverhalten.

Speaker: Man sitzt heute den ganzen Tag am Rechner, zumindest in den Verlagen.

Speaker: Im Buchhandel ist das ja nochmal anders.

Speaker: Aber man informiert sich sozusagen schon,

Speaker: In erster Linie heutzutage online.

Speaker: Und das heißt, ja, sowohl die Abonnentenzahlen sind leicht zurückgegangen, vor allen Dingen aber auch das Anzeigengeschäft.

Speaker: Das ist sehr stark zurückgegangen.

Speaker: Also ja, das merkt man ja nicht.

Speaker: Aber jetzt machst du das genauso.

Speaker: Jetzt hüpfst du hier schon vor.

Speaker: Ja.

Speaker: Ich habe doch so eine schöne Dramaturgie im Kopf, weil jetzt wollte ich doch eigentlich erstmal langsam rüber schwenken zur E-Buch.

Speaker: Christian von Zitwitz hat dann das Buchmarkt-Magazin an die E-Buch verkauft.

Speaker: Die Mitarbeiter wurden übernommen, Kolumnisten wurden übernommen, es blieb alles wie immer, wie man das dann immer sagt.

Speaker: Das war ganz schön.

Speaker: Dennoch wurde dann das Heft irgendwann eingestellt, wahrscheinlich die größte Zäsur in der Geschichte des Magazins, natürlich.

Speaker: Was weiterging, damit das nicht ganz so traurig klingt, war natürlich der Podcast, den wir hier machen und auch deine Arbeit, die mittlerweile ja komplett online stattfindet.

Speaker: Du beackerst jeden Tag alle Meldungen.

Speaker: Erzähl uns mal ein bisschen, wie dein Tag aussieht.

Speaker: Ja, genau, das trifft es eigentlich ganz gut.

Speaker: Also mein Tag sieht tatsächlich so aus.

Speaker: Ich bekomme sozusagen so um die 50 E-Mails am Tag, die ich ja alle sichte, bewerte und eine Handvoll daraus wird dann sozusagen zu einer Meldung.

Speaker: Genau, die landet sozusagen auf der Website im ersten Schritt und dann auch im täglichen Newsletter und bei einzelnen Nachrichten machen wir auch noch Social Media Posts, also auf Instagram und Facebook und genau, daneben gibt es natürlich Geschichten, die

Speaker: die sozusagen ein bisschen längerfristiger sind, wo man Interviews führt oder mit Buchhandlungen telefoniert, was sozusagen nicht ganz so tagesaktuell getrieben ist.

Speaker: Die kann ich dann auch vorbereiten und erst in ein paar Wochen zum Beispiel bringen.

Speaker: Und so ist das so eine Mischkalkulation oder auch eine Mischung, wie mein Tag aussieht, würde ich sagen.

Speaker: Mhm.

Speaker: Genau, und daneben hat man eben auch immer mal noch andere Projekte.

Speaker: Also dazu zählt auch der Podcast.

Speaker: Am Rande zählen dazu die Spiegel-Bestsellerlisten.

Speaker: Aber da haben wir noch gar nicht geredet, du hast recht.

Speaker: Wann war das?

Speaker: 2025?

Speaker: Nein, wann sind die rübergewandert?

Speaker: Anfang 2024, wenn ich jetzt richtig im Kopf habe, oder?

Speaker: Ja, ich meine Anfang 2024.

Speaker: Okay.

Speaker: Ich würde mich dazu äußern als kollegial dem Buchmarkt verbundener und auch dem Buchmarkt-Team, aber trotzdem ja externer.

Speaker: Leg los.

Speaker: Es ist ja nicht ohne Anlässe, hat es diesen abrupten und gerade für Hannah und ihre Kolleginnen und Kollegen selbst zerstörenden Umbruch gegeben.

Speaker: Das hatte ja keiner geahnt.

Speaker: Christian von Zitwitz hat geglaubt, und das glaube ich ihm, den Buchmarkt im Alterungs- und Krankheitsprozess in einen sicheren Hafen zu bringen, von dem aus der Buchmarkt als Heft weiter auf große Fahrt gehen konnte.

Speaker: Aufgrund von Entwicklungen ist der Buchmarkt in Strudel und Stürme geraten, mindestens in eine Flaute geraten, um nicht zu sagen in schwierige Gewässer.

Speaker: Und es gibt ein weiteres Problem, worunter der Buchmarkt meiner Meinung nach

Speaker: dass es einerseits die Begeisterung der meisten Verlagsleute, das sind nicht nur die Presseabteilungen, auch Verlegerinnen und Verleger, für den Buchmarkt, unter anderem für meine Kolumne, aber die demgegenüber mangelnde Bereitschaft, den Buchmarkt durch Anzeigen zu ermöglichen.

Speaker: Das ist für mich eine Kluft, die weiter gar nicht auseinanderbrechen kann.

Speaker: Wenn ich die begeisterten Gespräche, die ich mit Verlegerinnen und Verlegern geführt habe, abprojiziere auf deren Häufigkeit als Anzeigenkundin,

Speaker: Das ist ein hartes Geschäft.

Speaker: Ich kann dir sagen, Helmut, wir grüßen mal das ganze Buchmark-Team, was mittlerweile nicht mehr dabei ist, aber unter anderem die ganz wunderbare Kirsten Peters, mit der ich dann immer zu tun hatte, wenn es um Anzeigenverkäufe ging.

Speaker: Das war schon zu einer Zeit, in der wir den Podcast gemacht haben.

Speaker: Wir fanden uns toll, wenn ich aber aus der...

Speaker: der Position des Marketing-Fuzzis mit ihr telefoniert habe, dann saß halt die Schatulle einfach immer ein bisschen eng.

Speaker: Das muss man einfach so sagen.

Speaker: Diese Begeisterung, von der du da gerade sprichst, das dann in Marketing-Budget umzumünzen, ist halt, das eine ist das, was man möchte und das andere ist das, was man kann.

Speaker: Das muss man leider so sagen.

Speaker: Das Marketing-Budget wird auch in jedem Verlag immer, immer enger.

Speaker: Gerade in dieser Phase, über die wir gerade gesprochen haben, Corona und so, das ist natürlich immer, Marketingbudget ist das Erste, was man relativ einfach stoppen und einfrieren kann, wenn es darum geht zu sparen.

Speaker: Aber Alex, wir müssen ehrlich sein, wir beide gehören oder unsere beiden Verlage gehören definitiv nicht zu denen, die gespart haben.

Speaker: Wir waren schon gute Anzeigenkunden.

Speaker: Aber ich weiß, ich kann sehr gut nachvollziehen, was Helmut meint, dass

Speaker: Das Börsenblatt lebt auch zum Teil von Vereinsgeldern und hat nochmal eine ganz andere Ausstattung.

Speaker: Was den Background betrifft, das hatte der Buchmarkt halt einfach nicht.

Speaker: Der hatte keine Vereinsgelder und musste sich quasi durch die Abonnenten selber tragen.

Speaker: Und dadurch, dass ich, also unsere Verlagsgruppe auch Zeitschriften hat,

Speaker: weiß ich, wie ernsthaft das ist, wenn Anzeigenkunden wegbrechen.

Speaker: Und das macht teilweise Magazine in der Produktion unfassbar schwer.

Speaker: Deswegen, es war in der Pandemie ein unfassbar schweres Geschäft.

Speaker: Also es ist einfach Fakt, dass es nach wie vor auch nicht besser wird.

Speaker: Also jetzt kommen halt andere Krisen und Situationen hinzu, die es den Verlagen schwer machen.

Speaker: Aktuell sind es die steigenden Papierpreise und Produktionskosten, die durch diverse Kriege in dieser Welt steigen.

Speaker: Und die nehmen Alex und mir natürlich dann auch das Geld beim Marketing weg.

Speaker: Und man muss gucken, wem gönne ich noch die Anzeige und wem nicht mehr.

Speaker: Wer ist lang verbündet und wer nicht.

Speaker: Es wird nicht einfacher, muss man einfach ganz ehrlich sagen.

Speaker: Ich stimme dem zu, möchte nur auf zwei Probleme die Aufgaben hinweisen.

Speaker: in Aufgaben umformuliert werden könnten, hinweisen.

Speaker: Erstens, es ist natürlich eine Binse unter uns, Kolleginnen und Kollegen, dass ein journalistisch gemachtes Blatt oder nicht Blatt, ein anderes Format, den Teufel an die Wand sich holen würde, wenn es gleichzeitig versucht, Anzeigenkunden dergestatt zu gewinnen, dass man ihnen sagt, wir bringen einen Artikel über euch, eine Kolumne und dann

Speaker: dann das Händchen auffällt.

Speaker: Das ist ein Konflikt, der sich aber bearbeiten ließe.

Speaker: Und das Zweite ist ein Erkenntnisproblem bei den Verlagen.

Speaker: Nach meiner Einschätzung, nach meinen Gesprächen, ich habe ja manchmal agiert gegenüber Verlegern und Presseabteilungen von großen Verlagen, als ob ich ein abgesondertes Buchmarkt sei, wurde und wird nicht gesehen, dass der Buchmarkt

Speaker: das Hauptzielpublikum für Verlage, die Marketing betreiben wollen, nicht erreicht, und zwar zentral erreicht.

Speaker: Anders als in Verlagen wird der Buchmarkt im Buchhandel ja von denen gelesen und verinnerlicht und gelobt, die Bücher verkaufen sollen.

Speaker: Also Scharniere des Marketings an der interessanten Spitze.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Und da ist ein Erkenntnis- und Gestaltungsmangel auf der Verlagsseite zu erkennen.

Speaker: Da sind auch manche Presseabteilungen, die das erkennen, machtlos, weil sie sagen, wenn wir intern in unseren Verlagen das Budget dergestalt verändern wollen, dass wir entscheiden können, wem wir Anzeigen geben, nämlich jemand, der für uns nützlich ist, dann beißen die auf Granit.

Speaker: Häufig.

Speaker: In den großen Verlagen geht das bestimmt, Alex und ich sind in kleinen mittelständischen Verlagen.

Speaker: Da ist es immer noch in der Gestaltung.

Speaker: Da haben wir ein bisschen mehr Möglichkeiten.

Speaker: Und dann ist natürlich auch immer der Fakt, was das für Menschen, die da in diesen Verlagen sind.

Speaker: Mein Chef, der einfach immer dem Buchmarkt sehr, sehr zugetan war,

Speaker: Das war so ein unverrückbarer Posten, das Anzeigenbudget für den Buchmarkt.

Speaker: Das mag in anderen Häusern auch nochmal anders sein.

Speaker: Aber jetzt lass uns mal nach vorne gucken.

Speaker: Hanna, wie geht es bei euch weiter?

Speaker: Es ist jetzt gerade, gab es erst einen großen Relaunch der Homepage, also die Marke Buchmarkt lebt, das kann man sagen.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Das ist sozusagen echt eine schöne Botschaft, die wir jetzt am Anfang des Jahres auch hatten.

Speaker: Im Januar ist die Seite überarbeitet worden und auch sozusagen auf stabile Füße gestellt worden.

Speaker: Die alte Website war tatsächlich auch technisch in die Jahre geraten.

Speaker: Aha.

Speaker: Von daher war das jetzt zwingend notwendig.

Speaker: Und ja, also ich freue mich auf jeden Fall, dass es weitergeht, wenn auch eben jetzt in rein digitaler und damit auch etwas abgespeckterer Form.

Speaker: Aber ja, wir versuchen natürlich, das Ganze zu stabilisieren und vielleicht

Speaker: langfristig auch wieder mehr wachsen zu lassen.

Speaker: Also die neue Webseite ist wirklich ein Genuss.

Speaker: Und das kann ich sagen, nachdem ich jetzt schon einen Relaunch durchgemacht habe.

Speaker: Also sie ist wirklich sehr toll geworden, aus rein redaktioneller Sicht.

Speaker: Dankeschön.

Speaker: Ja, das freut mich.

Speaker: Aber ist das eine Überlegung bei euch, dass man sagen würde, man monetarisiert auch diese ganzen Informationen?

Speaker: Es gibt den Matthias Köfler mit dem Langendorfsdienst, der das ja praktiziert.

Speaker: War das auch eine Idee bei euch oder wird erstmal alles noch so zur Verfügung stehen?

Speaker: Ja, das ist natürlich eine Idee.

Speaker: Es war ja auch so, dass das Heft früher was gekostet hat.

Speaker: Also die Idee einer Paywall oder eines ähnlichen Systems liegt natürlich nahe.

Speaker: Da sind wir aber noch nicht ganz entschieden, ob und wenn ja, wie und wann.

Speaker: Das kommen könnte, wäre aber eine Idee.

Speaker: Momentan finanziert sich die Seite sozusagen in erster Linie über die Spiegel-Bestsellerlisten, auch über den Titelschutzanzeiger, über die Anzeigenplätze, die es dort gibt und die es auch im Newsletter gibt.

Speaker: Genau, aber das ist eben natürlich alles eng gestrickt und da müssen wir gucken, wie das so perspektivisch weitergeht.

Speaker: Ja, gut.

Speaker: Ich habe so ein bisschen den Eindruck, also zum einen habe ich den Eindruck, das finde ich sehr beruhigend und irgendwie hat das was nach sechs Jahrzehnten, dass man trotzdem sieht, es fand immer wieder eine Wandlung statt, was ja auch total normal ist, aber dass es eben trotzdem weitergeht, dass wir diesen kleinen Rumpelpodcast führen dürfen, dass du jeden Tag alles sichtest und die Menschen informierst.

Speaker: Es ist halt gerade nicht das Heft, aber wer weiß, wo die Reise hingeht.

Speaker: Alles wird digital.

Speaker: Schauen wir mal.

Speaker: Helmut, du schreibst deine Kolumne weiter.

Speaker: Wir bitten darum.

Speaker: Ich sage das zu, solange ich bei gutem Sinnes bin.

Speaker: Das heißt einfach, du schreibst weiter, das finde ich sehr gut.

Speaker: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob uns das heute so gelungen ist, sechs Jahrzehnte Buchhandel in knapp eineinhalb Stunden zu pressen.

Speaker: Es war ein Versuch.

Speaker: Wir haben vieles nur anpieken können, völlig klar.

Speaker: Aber ihr habt es mitbekommen.

Speaker: Ich glaube, wir haben wirklich so ein paar Themen heute mal so angestachelt von...

Speaker: denen wir noch nicht so ganz wegkommen, denen man sich vielleicht mal wirklich mal widmen könnte.

Speaker: Allein wirklich dieser ganze Treuhandgeschichte, Lunkewitzes Schicksal von DDR-Verlagen oder so, da gibt es einiges.

Speaker: Trotzdem erstmal vielen Dank.

Speaker: Wir feiern jetzt wirklich, wir schneiden jetzt Torte an und feiern sechs Jahrzehnte Buchmarkt.

Speaker: Hanna, zur Frankfurter Messe gibt es wieder Schwarzbier.

Speaker: Das bleibt.

Speaker: Genau, also Bier in jeder Form.

Speaker: Früher war es ja nur Altbier.

Speaker: Es war halt nicht schwarz, Entschuldigung.

Speaker: Genau, Altbier.

Speaker: Inzwischen gibt es aber auch Pilz und alles, was man haben möchte.

Speaker: Aber da stoßen wir sozusagen nochmal auf die 60 Jahre an.

Speaker: Also wie gewohnt an dem Messe-Dienstag, also am Aufbautag.

Speaker: Und ja, freuen uns da auf jeden Fall drauf und auch über jeden, der vorbeikommt.

Speaker: Etwas noch vielleicht als Schlusswort von meiner Seite für die Zukunft, sowohl unserer Zusammenarbeit, die ich sehr beglückend und anregend empfinde, und die Zukunft des Buchmarktes.

Speaker: Vielleicht wäre es nützlich für eine Fortsetzung dieser Arbeit, darüber sich Gedanken zu machen, was müssen wir ansprechen und aussprechen und welche Erfahrungen müssen wir in die Zukunft führen, die den Buchmarkt relativ konkret nützen,

Speaker: im Sinne von wirtschaftlicher Sicherung und gesteigerte Akzeptanz.

Speaker: Und dann fallen manche Themen, die wir heute angerissen haben, vielleicht in die zweite oder dritte Reihe, weil der historische Teil vielleicht manche weniger interessiert und andere Themen interessiert.

Speaker: die mit dem Buchmarkt, jetzt meine ich das Produkt, die Marke, Marketing zu tun haben, kriegen einen höheren Wert, was dann auch der Redaktion die Spielräume erweitert, das zu tun, was sie nach diesen dramatischen Umbrüchen, wie ich finde, Kompliment an Hannah, großartig leistet.

Speaker: Dankeschön.

Speaker: Ja, apropos Qualität, wir könnten auch mal eine Folge über Literaturkritik machen.

Speaker: Keine Grüße gehen raus an Dennis Schick an der Stelle.

Speaker: Ich sage ganz herzlichen Dank.

Speaker: Wir picken bestimmt ein bisschen was raus.

Speaker: Vielen Dank für alle, die hier zugehört haben.

Speaker: Literaturtipps sparen wir uns heute.

Speaker: Das wäre gut.

Speaker: Kurzer Hinweis, Literaturtipps.

Speaker: Wenn ihr interessiert seid, was Alex so liest oder hört, schaut doch mal auf unserem Instagram-Kanal nach.

Speaker: Da gibt es ein paar schöne Videos von Alex.

Speaker: Er hat sein Versprechen gehalten,

Speaker: Und von daher müssen wir jetzt Andi und ich nachziehen mit unseren Rezensionsvideos beziehungsweise Buchtippsvideos.

Speaker: Aber danke an Alex.

Speaker: Also du hast einen ganz tollen Start bei uns bei Instagram hingelegt.

Speaker: Ja, aber deswegen heute keine Buchtipps.

Speaker: Die beiden posten es noch.

Speaker: Was Helmut empfiehlt, lest ihr auf buchmarkt.de.

Speaker: Hanna, du kannst, du suchst dir ein Buch aus, das packen wir in die Shownotes rein.

Speaker: Okay, gerne, ja.

Speaker: Vielen Dank an Holger Elling, an Helmut Benze, an Hanna Schönberg, dass ihr heute dabei wart und uns einen Einblick in eure Arbeit in die vergangenen Jahre und Jahrzehnte, muss man sagen, gewährt habt.

Speaker: Wir halten fest, der Buchmarkt lebt, das Buchmarkt-Magazin lebt auch.

Speaker: Wir machen weiter und wünschen euch jetzt erstmal eine gute Zeit und bis zum nächsten Mal.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Bis zum nächsten Mal.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Bis bald.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Auf Wiederlesen.

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