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#21 Indie Verlage am Limit? Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen image

#21 Indie Verlage am Limit? Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen

Alles BuchMarkt
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603 Plays6 months ago

Wir öffnen in dieser Folge den Vorhang für unabhängige Verleger:innen, die häufig im Verborgenen arbeiten.
Tina, Alex und Andi sprechen mit Britta Jürgs (AvivA Verlag) und Jörg Sundermeier (Verbrecher Verlag). Es geht um Umsatzeinbrüche, öffentliche Sichtbarkeit und die politischen Förderperspektiven. Ebenso im Fokus: Chancen durch BookTok, Indiebook Day oder die Hotlist, sowie das Potenzial der Branche auf Messen und im Buchhandel.

Key-Takeaways:
- Detaillierte Einblicke in Finanzlage, Medienpräsenz & Handel

- Strategien und Initiativen, die Indie-Labels aktuell stärken

- Expert:innengespräche mit praktischem Tiefgang und klaren Perspektiven

 Shownotes:
- hier geht es zum Aviva Verlag

- Link zum Verbrecher Verlag

- mehr Infos zum Indiebook Day gibt es hier

- die angesprochene Hotlist unabhängiger Verlage gibt es hier

- Kurt-Wolff-Stiftung - Passend dazu empfehlen wir Episode 4 vom Alles Buchmarkt Podcast. Darin sprachen wir mit Daniel Beskos, dem Vorstand der Kurt Wolff Stiftung über die Frage, ob Bücher zu teuer seien.

Buchempfehlungen unserer Gäste: 

Britta Jürgs empfiehlt: Catrin George Ponciano: Alles bloß nicht vage. Die portugiesische Dichterin Florbela Espanca. Zum Buch direkt beim AvivA Verlag, oder ganz einfach bei Genialokal bestellen.

Jörg Sundermeier empfiehlt: Bela Winklmann: Brief an die Mutter. Zum Buch beim Verbrecher Verlag. Bestellbar natürlich auch bei Genialokal

Recommended
Transcript

Einleitung und Vorstellung der Frankfurter Buchmesse

00:00:00
Speaker
Hallo!
00:00:01
Speaker
Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis.
00:00:04
Speaker
Diese Folge wird euch präsentiert von der Frankfurter Buchmesse.
00:00:08
Speaker
Vom 15. bis 19.
00:00:10
Speaker
Oktober trifft sich die Buchwelt in Frankfurt.
00:00:14
Speaker
International, lebendig, vielfältig.
00:00:17
Speaker
Dieses Jahr bringt der Ehrengast Philippinen 183 Sprachen und starke Geschichten mit.
00:00:26
Speaker
Jetzt Tickets sichern auf buchmesse.de.
00:00:30
Speaker
Und jetzt viel Spaß mit der Folge.
00:00:39
Speaker
Hallo und herzlich willkommen.
00:00:40
Speaker
Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt, der Podcast.
00:00:45
Speaker
Es ist jetzt schon ein paar Wochen wieder her, da habe ich im Fernsehen einen Beitrag gesehen, wo zwei Menschen aus Berlin, die jeweils einen Verlag führen, in einem Beitrag zu sehen waren im RBB, in dem sie wahnsinnig ehrlich darüber geredet haben, dass es gerade in den Geschäften nicht so richtig gut läuft.
00:01:07
Speaker
Und das ist noch untertrieben.
00:01:10
Speaker
Die haben wirklich...
00:01:12
Speaker
Die waren sehr ehrlich und das hat mich nicht losgelassen.
00:01:15
Speaker
Ich habe danach noch lange überlegt, warum haben die das gemacht?
00:01:18
Speaker
Warum haben die sich da so ins Fernsehen gesetzt?
00:01:22
Speaker
Jetzt kann man natürlich sagen, es gibt ja das alte Sprichwort, jammern ist des Kaufmannsgruß.
00:01:29
Speaker
Ich meine, wir machen das eh alle nur für die Kultur und niemand von uns muss Essen kaufen oder braucht mal eine Hose.
00:01:35
Speaker
Geld verdienen mit Büchern ist eh verpönt.
00:01:39
Speaker
Und gehört es sich nicht eigentlich auch zum guten Ton als Geschäftsmann oder Geschäftsfrau, dass ich immer sage, Mensch, es läuft alles Bombe.
00:01:48
Speaker
Ich bin eigentlich unantastbar, es könnte jedes Jahr nur zuwächse.
00:01:52
Speaker
Und es hat mich wirklich länger beschäftigt, was das bedeutet, sich da so hinzusetzen und so ehrlich zu sein.
00:02:01
Speaker
sodass für uns dann klar war, so ein kurzer Fernsehbeitrag reicht nicht aus, die laden wir ein, die fragen wir, wie sieht's aus in der Verlagswelt, dass es schwierig ist für Indies, insbesondere für alle, für Druckereien, für Buchhandlungen, für jeden, völlig klar.
00:02:18
Speaker
Aber wie ist eigentlich, wie ist wirklich, wir machen mal Kassensturz, wie sieht's aus und gibt's irgendwie Licht am Ende des Tunnels und warum tut man sich das eigentlich alles noch an?
00:02:29
Speaker
Das
00:02:30
Speaker
Erhoffe ich mir, dass wir das heute ein bisschen

Einführung der Gäste: Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer

00:02:32
Speaker
ansprechen.
00:02:32
Speaker
Ich freue mich sehr, dass die beiden da sind.
00:02:33
Speaker
Herzlich willkommen, Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer.
00:02:38
Speaker
Hallo, ich freue mich auch.
00:02:40
Speaker
Hallo, ebenso.
00:02:43
Speaker
Zum Beginn unseres Podcasts haben wir immer neun schnelle Fragen an unsere Gäste.
00:02:48
Speaker
Und da wir heute wieder zwei Gäste haben, werden die wie immer abwechselnd befragt.
00:02:53
Speaker
Und die Fragen haben wir diesmal schon auch wieder ein bisschen drauf zugeschnitten.
00:02:58
Speaker
Und würden einfach, ich fange einfach mal mit Britta an.
00:03:02
Speaker
Die Dame vor dem Herrn.
00:03:04
Speaker
Druckereipanne bei der Kolorierung oder Tippfehler auf dem Buchcover?
00:03:08
Speaker
Was ist schlimmer?
00:03:11
Speaker
Auch Tippfehler auf dem Buchcover natürlich.
00:03:15
Speaker
Lieber 1000 Exemplare eines Lyrikbands verkaufen, für den du brennst oder 100.000 eines Titels, den du für banal und überflüssig hältst, Jörg.
00:03:26
Speaker
ich kann keine banalen und überflüssigen Titel verkaufen, ich bin da ein schlechter Verkäufer, mir merkt man das sofort an und dann denkt man, oh, das Buch ist scheiße, obwohl man es vielleicht geliebt hätte.
00:03:36
Speaker
Deswegen 1000 Lyrikbände.
00:03:39
Speaker
Außerdem sind 1000 Lyrikbände ein großes Ereignis, das ist mehr als 100.000 Kitschromane.
00:03:46
Speaker
Geht ja um Umsatz, Umsatz, Umsatz.
00:03:50
Speaker
Pritta, Verlagsvorschau als TikTok oder die Buchpremiere als Poetry Slam?
00:03:56
Speaker
Hm, also dann würde ich vielleicht doch, obwohl ich wenig Erfahrung sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen habe, aber da würde ich doch die Buchpremiere als Poetry Slam vorziehen und einfach mal ausprobieren.
00:04:12
Speaker
Jörg, das Manuskript noch auf Diskette oder die Leseprobe als Sprachnachricht per WhatsApp?
00:04:19
Speaker
Oh mein Gott, ist das schlimm.
00:04:23
Speaker
Trotzdem WhatsApp.
00:04:26
Speaker
Fritta, den Herausgeberpreis sei vom Wirtschaftsministerium erhalten oder ein Fanbrief von Elfriede Jelinek.
00:04:35
Speaker
Oh, das... Geld oder Liebe?
00:04:38
Speaker
Das ist schwer.
00:04:41
Speaker
Da würde ich ja am liebsten beides bekommen.
00:04:44
Speaker
Aber in der jetzigen Situation muss ich jetzt leider doch den schnöden Wirtschaftspreis annehmen.
00:04:50
Speaker
Das ist ehrlich und gut.
00:04:54
Speaker
Lieber das komplette Programm 2025 beziehungsweise 26, wir sind ja, ihr seid sicherlich auch schon im Frühjahr, mit Chat-GPT-Plan oder mit dem Würfel entscheiden lassen.
00:05:07
Speaker
Würfel.
00:05:08
Speaker
Ich glaube, das ist weniger zufällig.
00:05:13
Speaker
Pritta, wir kommen noch mal zu einer Cover-Frage.
00:05:17
Speaker
Cover in Comic-Sense oder Klappentext in Reimform?
00:05:22
Speaker
Oh, Klappentext in Reimform finde ich super.
00:05:25
Speaker
Das will ich gerne mal ausprobieren.
00:05:29
Speaker
Jörg, verkaufst es, aber jeder sagt, es sei typisch Bastel-Lübbe oder für ihr Torliebling mit 47 verkauften Exemplaren.
00:05:40
Speaker
Gegen Bastel-Lübbe ist grundsätzlich nichts einzuwenden, also Bastel-Lübbe.
00:05:46
Speaker
Und Britta, du noch eine letzte Frage.
00:05:48
Speaker
Nie wieder ein Buch über Frauen verlegen oder jeden Tag mit Christian Lindner zu Mittagessen?
00:05:53
Speaker
Oh, also das ist wirklich, da kann ich nicht auswählen.
00:06:01
Speaker
Also nie wieder ein Buch über Frauen, das geht überhaupt nicht.

Britta Jürgs: Engagement für feministische Literatur

00:06:06
Speaker
Aber das Mittagessen auch nicht.
00:06:08
Speaker
Aber das Mittagessen mit Christian Lindner, nee, da bin ich leider unpestlich.
00:06:11
Speaker
Ja.
00:06:15
Speaker
Und da ihr jetzt schon ganz viel sozusagen intime Details der beiden VerlegerInnen gehört habt, stellt Andi euch die jetzt nochmal in Kürze vor, weil die haben beide einen super spannenden Lebensweg hinter sich.
00:06:26
Speaker
Genau.
00:06:27
Speaker
Und wie es sich natürlich gehört, fange ich mit der Dame an.
00:06:31
Speaker
Britta Jürgs wurde in Frankfurt am Main geboren.
00:06:34
Speaker
Sie ist Germanistin, Romanistin und Kunsthistorikerin.
00:06:40
Speaker
1997 gründete sie ihren Aviva-Verlag.
00:06:43
Speaker
Aviva bedeutet auf hebräisch Frühling und der Name könnte tatsächlich passender gar nicht sein, denn der Verlag hat sich vor allem um die Wiederbelebung vergessener jüdischer Autorinnen verdient gemacht.
00:06:56
Speaker
Im Verlag erscheinen zudem Romane, Reiseberichte, Reportagen, Lyrik oder auch Theaterstücke vergessener Autorinnen sämtlicher Epochen.
00:07:09
Speaker
Bei Aviva geht es also nicht um Trends, denn jedes Buch ist eine Herzensangelegenheit.
00:07:15
Speaker
Und ich glaube, das haben wir ja auch schon bei den neuen Fragen hören dürfen.
00:07:20
Speaker
Neben ihrem Verlag leitet Britta seit 2012 die Redaktion der Virginia Frauenbuchkritik, der ältesten feministisch geprägten Literaturrezensionszeitschrift im deutschsprachigen Raum.

Jörg Sundermeyer: Verlegerischer Hintergrund

00:07:35
Speaker
Ihr literarisches und gesellschaftliches Engagement führten zu zahlreichen Preisen.
00:07:41
Speaker
Letztes Jahr erhielt sie zum Beispiel den Kurt-Wolf-Preis auf der Leipziger Buchmesse.
00:07:48
Speaker
Sie war zudem die Bücherfrau des Jahres 2011 und hat auch mit dem Verlag mehrmals den Deutschen Verlagspreis gewonnen.
00:07:58
Speaker
Unser zweiter Gast Jörg ist ebenfalls Preisträger des Kurt-Wolf-Preises und auch des Deutschen Verlagspreises.
00:08:06
Speaker
Bevor er aber ebenfalls zum Preisträger wurde, studierte er in Bielefeld Literaturwissenschaften.
00:08:13
Speaker
Irgendwann zog es ihn dann nach Berlin, wo er eher aus einer Schnapsidee heraus einen Verlag gründete.
00:08:20
Speaker
Dieser Verlag feiert übrigens dieser Tage seinen 30.
00:08:23
Speaker
Geburtstag, also an dieser Stelle auch nochmal Happy Birthday und hoffentlich dann auf die nächsten 30 Jahre.
00:08:31
Speaker
mit dem Chihuahua Tiller und seiner Partnerin in Crime, die später zum Verlag dazu stieß, aber die bei uns auch schon zu Gast war.
00:08:42
Speaker
Und zwar in der allerersten Folge, die redet es natürlich von Christine Listau, führt er den Verbrecher Verlag.
00:08:52
Speaker
Was also 1995 eher aus Schabernack entstand, ist mittlerweile zu einem literarischen Schwergewicht im deutschen Buchmarkt geworden.
00:09:00
Speaker
Im Verbrecher Verlag erscheinen preisgekrönte Romane, politische Essays, Comics, Kinderbücher und noch vieles mehr.
00:09:08
Speaker
Alles bewegt sich so zwischen Pop und Theorie.
00:09:12
Speaker
Unser Gast ist übrigens nicht nur Verleger, sondern noch viel mehr.
00:09:16
Speaker
Er ist Gründungsmitglied von Penn Berlin, saß selber im Vorstand der Kurt-Wolf-Stiftung.
00:09:25
Speaker
Er ist Kolumnist und selber auch Autor.
00:09:29
Speaker
Und hier noch ein kleiner Funfact, den hat Britta mir verraten.
00:09:32
Speaker
Er hat ein Buch über Berliner Friedhöfe geschrieben.
00:09:36
Speaker
Das finde ich sehr, sehr spannend.
00:09:38
Speaker
Das habe ich gelesen, das ist sehr gut.
00:09:41
Speaker
Wir dürfen uns also glücklich schätzen, dass wir heute zwei der klügsten Köpfe zu Gast haben, wenn es ums unabhängige Publizieren geht.
00:09:51
Speaker
Herzlich willkommen nochmal im Alles Buchmarkt Podcast, Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer.
00:09:59
Speaker
Vielen Dank.
00:10:00
Speaker
Danke für den warmen Empfang, da wird man ja ganz rot im Gesicht.
00:10:04
Speaker
Ja, aber ihr habt ja beide

Finanzielle Herausforderungen im unabhängigen Verlagswesen

00:10:05
Speaker
auch eine eindrucksvolle Vita.
00:10:07
Speaker
Das ist wirklich sehr, sehr spannend und auch sehr dankbar in der Vorbereitung.
00:10:11
Speaker
Mit Wolfsstiftung, da waren wir übrigens zusammen im Vorstand.
00:10:16
Speaker
Ich wäre die Vorsitzende, aber genau.
00:10:18
Speaker
Das ist auch das Engagement für die unabhängigen Verlage und das unabhängige Verlegen.
00:10:25
Speaker
Ja, deswegen haben wir euch ja auch eingeladen und für mich, ich habe jetzt eure ganzen Preise erwähnt, gleich mal vielleicht als Einstiegsfrage, die sind ja oft auch dotiert, eher Tropfen auf den heißen Stein oder ist sowas überlebenswichtig für euch?
00:10:47
Speaker
Es ist natürlich nichts, womit man rechnen kann.
00:10:51
Speaker
Das ist das große Problem dabei.
00:10:54
Speaker
Aber es wird zunehmend überlebenswichtig, weshalb wir ja auch schon seit Jahren dabei sind, tatsächlich mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen eine strukturelle Verlagsförderung zu fordern und zu wünschen.
00:11:13
Speaker
Es ist gut, aber es reicht nicht.
00:11:16
Speaker
Woran scheitert diese Verlagsförderung denn?
00:11:21
Speaker
Ohne jetzt in den aktuellen Verhandlungen zu sitzen, glaube ich schon, und das merkt man ja auch immer wieder, dass es einen gewissen politischen
00:11:30
Speaker
Unwillen gibt bei der Kulturförderung und bei der, gerade wir, Britta und ich, sitzen ja beide in Berlin und wissen, hier beim Kultursenat wird dann richtig durchgespart.
00:11:41
Speaker
Dafür wird schon die nächste Autobahn geplant.
00:11:45
Speaker
Damit könnte man den Kulturetat verdoppeln quasi.
00:11:48
Speaker
Also es ist einfach ganz fürchterlich.
00:11:51
Speaker
Und
00:11:53
Speaker
Natürlich ist es viel Geld, aber unser Vorbild war hier immer die Kinolandschaft.
00:12:01
Speaker
Auch da wird ja gefördert und ohne das wären die meisten Kinos nicht mehr betreibbar.
00:12:08
Speaker
Insofern ist das, glaube ich, auch keine Sache, bei der man sich schämen muss oder wo Christian Lindner sagen würde, ja, man muss sich am Markt durchsetzen, wie Christian Lindner gerade selbst erfahren hat.
00:12:19
Speaker
Klappt das nicht immer?
00:12:21
Speaker
Und insofern
00:12:23
Speaker
Deswegen denke ich, das wäre schon eine günstige Sache.
00:12:26
Speaker
Es gibt ja auch viel Absichtserklärung aus der Politik, aber es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis es dann wirklich kommt.
00:12:35
Speaker
Ich habe in der Vorbereitung, Jörg, ein Interview von dir gehört, was du dem Deutschlandfunk im Januar 2022 gegeben hattest, wo man dich gefragt hatte, wie wird das Verlagsjahr für dich, was erhoffst du dir?
00:12:48
Speaker
Und du hast damals gesagt, ja Mensch, mal eine Befreiung der Mehrwertsteuer, das wäre doch was, vielleicht klappt das ja dieses Jahr mit der Regierung.
00:12:56
Speaker
Jetzt sind wir im August 25, so richtig ist da auch noch nichts zu sehen.
00:13:02
Speaker
Wobei man fairerweise auch sagen muss, wenn wir die ganze Zeit auf anderen Branchen rumtrampeln, die gefördert werden, weiß ich, dass auch in der Filmförderung oder auch in der Fernsehförderung, auch die haben ganz, ganz große Probleme, weil es alles sehr vage ist und weil die natürlich genauso auf Zusagen warten und das alles irgendwie unplanbar ist.
00:13:26
Speaker
Also es ist kein exklusives Problem, was wir haben.
00:13:29
Speaker
Und trotzdem
00:13:31
Speaker
muss man ja sagen, ihr beide werdet mit Preisen überhäuft.
00:13:36
Speaker
Jörg, nicht nur du natürlich, denn wenn mich die sozialen Medien nicht angelogen haben, dann hat deine Frau heute Geburtstag und du hast die Party verlassen.
00:13:46
Speaker
Und deswegen nochmal doppelt danke, dass du dir die Zeit heute genommen hast.
00:13:51
Speaker
Liebe Grüße.
00:13:53
Speaker
Aber was, vielleicht gehen wir mal so rum, wie kam es damals, diese Anfrage an euch, wollt ihr in diesem Fernsehbeitrag mitmachen oder habt ihr das angestoßen, wie kam es dazu?
00:14:04
Speaker
Reden wir vielleicht da erst mal, das war ja der Stein des Anstoßes auch für uns heute.
00:14:11
Speaker
Ich wurde angefragt.
00:14:12
Speaker
Ich habe keine Ahnung, weshalb und warum, aber dachte dann, ja, na klar, über die Branche und das unabhängige Verlegen, da sage ich zu.
00:14:25
Speaker
Ich hatte natürlich dann ein bisschen nach dem netten Vorgespräch, habe ich dann gehört, okay, Fernsehen und dachte dann so, oh Gott, in mein Chaosbüro.
00:14:35
Speaker
Da soll tatsächlich dann ein Fernsehteam kommen.
00:14:39
Speaker
Also das hatte mich dann kurz mal stutzen lassen, aber dann dachte ich so, okay, so ist die Realität.
00:14:45
Speaker
Bei mir sind die Stapel überall und ja, so, dann sollen sie eben bei mir filmen.
00:14:52
Speaker
Aber war das Ziel dieses Beitrags am Anfang, wir machen was über die unabhängigen Verlage oder haben die gegoogelt Verlegerinnen Geldnöten und dann warst du der erste Treffer?
00:15:05
Speaker
Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich mich

Auswirkungen von Buchhandlungs-Schließungen

00:15:10
Speaker
dann so geoutet habe, wie stark die Umsatzeinbrüche in diesem Jahr sind, was sie natürlich auch sofort übernommen haben, wo ich dann dachte, oh, war das jetzt gut, dass ich das tatsächlich gesagt habe.
00:15:23
Speaker
Aber ich weiß es nicht genau.
00:15:28
Speaker
Aber natürlich ist es so, dass ich auch häufiger, also nicht so häufig wie Jörg, denke ich mal, aber doch, wenn es um unabhängige Verlage und auch die Schwierigkeiten, es sollte um die Schwierigkeiten der unabhängigen Verlage gehen.
00:15:43
Speaker
Und da melde ich mich doch auch häufiger zu Wort.
00:15:47
Speaker
Und deswegen, ja,
00:15:51
Speaker
Und bin eben auch nach wie vor auch im Vorstand des Landesverbands, des Börsenvereins Berlin-Brandenburg und so weiter.
00:16:01
Speaker
Also ja, da kommt man dann schon irgendwie auch auf meinen Namen.
00:16:07
Speaker
Machen wir es ruhig nochmal konkret.
00:16:08
Speaker
Du hast gesagt in diesem Beitrag, ich hoffe, ich darf das jetzt sagen, oder nicht, dass du es mittlerweile bereust, du hast gesagt, naja, du bist jetzt verglichen mit dem Vorjahreszeitraum knapp bei der Hälfte, glaube ich, des Ruhmesatzes zum Zeitpunkt dieser Ausstrahlung.
00:16:27
Speaker
Jetzt weiß, glaube ich, jeder, jeder Buchhändler, jeder, der irgendwie eine Firma hat oder...
00:16:33
Speaker
Es braucht für jedes Geschäft eine gewisse Kontinuität, damit man planen kann.
00:16:38
Speaker
Eine Abweichung von ein paar Prozenten ist nicht schön, vor allem, wenn es nach unten geht, aber es immer noch irgendwie aufzufangen.
00:16:45
Speaker
Aber das ist ja wirklich, das ist dramatisch und Existenzbedrohung.
00:16:49
Speaker
Ich glaube, das war auch das, was bei mir wirklich so hängen geblieben ist.
00:16:51
Speaker
Ich dachte, boah, krass, dass sie das ausspricht, dass sie sich das traut, dass sie so ehrlich ist und verbunden mit der Frage, ist das so eine...
00:17:02
Speaker
Oder so eine jetzt ist auch alles egal Haltung, jetzt mache ich es einfach öffentlich und transparent oder kam das aus dir raus, war die Redakteurin oder der Redakteur so vertrauensselig, dass du gedacht hast, Mensch, jetzt rede ich mal über meine Zahlen, weil das ist ja trotzdem was, was nicht so üblich ist.
00:17:23
Speaker
Ich bin nun mal halt auch ziemlich vertrauensselig oder ziemlich ehrlich und kann mich da immer nicht so zurückhalten.
00:17:32
Speaker
Und ich dachte halt auch so, okay, das muss jetzt auch mal jemand aussprechen, wie dramatisch das ist.
00:17:38
Speaker
Wir tun immer so, als würde alles in unserem wirklich spannenden, aber nicht einfachen Dasein alles immer so weitergehen.
00:17:47
Speaker
Aber
00:17:49
Speaker
Aber es ist nicht selbstverständlich.
00:17:51
Speaker
Und natürlich kennen wir irgendwie alle schon Durststrecken.
00:17:56
Speaker
Also ich habe da mehrere Zeiten in diesem Jahr, mittlerweile auch so 28 Jahren Verlag fast, wo es auch sehr, sehr schwierig war.
00:18:08
Speaker
Aber das Erschreckende ist ja, auch wenn es bei mir oder in meinem Verlag jetzt in diesem Jahr noch etwas krasser ist als bei anderen, aber
00:18:18
Speaker
Das Erschreckende ist ja wirklich dieses Symptom oder dass es halt wirklich strukturell zu sein scheint.

Diskrepanz zwischen Marktberichten und Realität

00:18:25
Speaker
Also dass da wirklich, es gibt ja auch ganz viele Gründe.
00:18:28
Speaker
Das hat jetzt nicht damit zu tun, dass ich jetzt, was weiß ich, die aktuellen Titel, das alles irgendwie überhaupt nicht verkauft.
00:18:36
Speaker
Das kann ich auch gar nicht sagen.
00:18:39
Speaker
Oder dass halt irgendwie das Programm so schlecht war.
00:18:42
Speaker
Das bestreite ich total.
00:18:44
Speaker
Aber es gibt halt viele Gründe, die dazu führen, dass man bei Kolleginnen und Kollegen, gerade irgendwie bei den unabhängigen Verlagen, aber es ist auch wirklich, also das ist bei den großen Häusern, hört man das ja auch, also dass es überall zunehmend Probleme gibt.
00:19:04
Speaker
Und deswegen dachte ich auch,
00:19:06
Speaker
Ja, ich spreche das mal aus.
00:19:08
Speaker
Es ist jetzt irgendwie wirklich krasser.
00:19:10
Speaker
Aber wie soll es anders sein, wenn ganz viele Buchhandlungen, unabhängige Buchhandlungen hier und also aus den verschiedensten Gründen dicht machen?
00:19:21
Speaker
Das sind die, die unsere Kunden, Kundinnen so anbieten.
00:19:26
Speaker
verlässliche Kundinnen und Kunden immer waren, die einen machen aus Altersgründen, die anderen, weil die Nachfolger dann so eine hohe Miete bekommen, dass sie dann damit keine Buchhandlung mehr machen können.
00:19:38
Speaker
Also es gibt die verschiedensten Gründe, aber wenn sie dann zu neuen Thalias werden, dann sind wir da raus im Normalfall.
00:19:46
Speaker
Es sei denn, wir haben mal gerade einen zufälligen Bestseller,
00:19:50
Speaker
Okay, bei mir ist der letzte jetzt 20 Jahre noch nicht her, aber fast 20 Jahre her, als ich einen kleinen Bestseller hatte.
00:20:01
Speaker
Da ist man dann natürlich automatisch drin, aber ansonsten kommt man da einfach nicht gut rein.
00:20:06
Speaker
Und dann halt, ja, also das ist natürlich ein gewichtiger Grund, auch die sogenannten Remittenten, die wieder von den Buchhandlungen immer schneller zurückgeschickten Bücher, das ist auch wirklich ein Grund, denn Umsätze sind vielleicht da und dann kommen wieder so viele Remis dazu,
00:20:28
Speaker
dass dann nichts hängen bleibt.
00:20:32
Speaker
Aber natürlich auch die immer größere Unsichtbarkeit überall in den Medien.
00:20:41
Speaker
Klar, so richtig beklagen kann ich mich auch nicht.
00:20:44
Speaker
Viele sind viel unsichtbarer und werden nicht nur
00:20:49
Speaker
Also da kommt schon, der Aviva Verlag kommt auch vor, aber natürlich viel geringer als das noch vor, was weiß ich, vor zehn Jahren war, weil die Plätze natürlich immer geringer werden.
00:21:03
Speaker
Die Berichterstattung über Bücher, über Verlage, über Literatur wird ja immer kleiner und

Demografischer Wandel bei Buchlesern

00:21:10
Speaker
dann geht die Schere immer weiter auseinander, wie sie eben auch im Buchhandel immer weiter auseinander geht.
00:21:16
Speaker
Wer kommt vor?
00:21:17
Speaker
Was muss man haben?
00:21:19
Speaker
Was sind die Pflichttitel?
00:21:21
Speaker
Und ja, also dazu zählt mein Programm nicht.
00:21:26
Speaker
Das ist die Kür und das ist das Sahnehäubchen.
00:21:30
Speaker
Aber es ist jetzt nicht unbedingt, schon gar nicht mit jedem Titel oder mit jedem Programm was dabei, worüber unbedingt alle sprechen müssen und wollen.
00:21:44
Speaker
Und so kommt das.
00:21:45
Speaker
Aber das ist natürlich so eine Tendenz, die macht sich bei den anderen genauso bemerkbar, nur vielleicht nicht ganz so extrem.
00:21:53
Speaker
Aber was ich ja auch interessant finde, und das war auch so ein bisschen der Aufhänger für uns, dass ja durchaus, wenn man sich so die Presse anschaut, also wenn man sich so die Buchmarktzahlen anschaut, dann sieht man hier, ich habe jetzt gerade vom Börsenblatt offen, das vergangene Jahr hat der Buchbranche ein leichtes Umsatzplus beschert.
00:22:14
Speaker
Und dann hier noch ein Zitat, der Buchmarkt behauptet sich erfolgreich in angespannten Zeiten.
00:22:19
Speaker
Das klingt alles sehr positiv und so schön und man denkt, ah, scheint ja doch irgendwie alles gut zu sein.
00:22:25
Speaker
Und dann hört man von euch beiden eigentlich genau das Gegenteil.
00:22:28
Speaker
Das ist auch irgendwie...
00:22:30
Speaker
was ja einfach so interessant ist und was ich bei mir auch noch nicht im Kopf zusammenkriege.
00:22:36
Speaker
Also, dass die Schere da so auseinandergeht.
00:22:39
Speaker
Wer ist denn, also sind es die großen Verlage, die quasi für den Umsatzplus sorgen?
00:22:46
Speaker
Also ich muss da ein bisschen widersprechen.
00:22:47
Speaker
Ich glaube, das Umsatzplus erklärt sich ganz einfach durch die höheren Buchpreise.
00:22:51
Speaker
Punkt.
00:22:52
Speaker
Die Stückzahlen der verkauften Bücher ist nicht gestiegen.
00:22:57
Speaker
Das ist aber auch nicht so stark gesunken, wie man es eigentlich dann denken sollte und vermuten sollte, wenn man sich die Umsätze anguckt bei den Verlagen oder die Gewinne.
00:23:12
Speaker
Wenn wir uns angucken, die letzten drei großen Buchmessen im deutschsprachigen Raum, Frankfurt, Wien, Leipzig, alle an mindestens einem Tag ausverkauft.
00:23:25
Speaker
Alle kennen das nicht.
00:23:27
Speaker
Das kannten die nicht bis dahin.
00:23:28
Speaker
Das ist nie auf einer Buchmesse passiert.
00:23:31
Speaker
Selbst 100-jährige Buchmessenbesucher haben keine ausverkaufte Buchmesse gesehen.
00:23:36
Speaker
In Leipzig zwei Tage lang, da standen die Leute bis zum S-Bahnhof, also mindestens eine Stunde Wartezeit, um über 20 Euro Eintritt zu bezahlen, um dann Bücher anzuschauen oder eben kaufen zu können.
00:23:51
Speaker
Da können wir uns auch einmal auf die Schulter klopfen.
00:23:53
Speaker
Da kommt komischerweise nichts.
00:23:55
Speaker
Das finde ich immer ganz komisch.
00:23:56
Speaker
Also da ist die Branche dann ganz kleinlaut oder sagt dann etwas verächtlich, ja, das ist ja alles New Adult und dieses Zeug.
00:24:06
Speaker
Das sind Leserinnen und Leser, die erstmal offensichtlich dieser Kulturtechnik etwas abgewinnen können.
00:24:12
Speaker
Das ist nicht ganz wenig.
00:24:13
Speaker
Dann bleiben diese Leute auch bei uns hängen.
00:24:17
Speaker
Christine hat letztens noch wieder erzählt, wir hatten eine Manga-Figur bei uns.
00:24:21
Speaker
Also wir konnten auch kein Geschlecht bestimmen, bis dann mit einer sehr tiefen Sprache sie angesprochen wurden.
00:24:27
Speaker
Und diese Manga-Figur stand, das war so ein bisschen so ein
00:24:31
Speaker
Lazy Samstag Frühabend und stand bei uns in der Theorie-Ecke, also wirklich kritische Theorie, Adorno, Horkheimer, dieses und wirklich so Spezialfälle, wo ich teilweise auch sagen muss, da verstehe ich auch nicht mehr alles.
00:24:48
Speaker
Und
00:24:51
Speaker
Ich habe gedacht, naja, da stehst du aber auch richtig gut, Manga-Mensch.
00:24:56
Speaker
Und dann kam diese Figur zu uns mit vier so Kloppern, die alle im Bereich Mitte, Ende 20 Euro liegen und sagt, kann ich mit Karte bezahlen?
00:25:11
Speaker
Dann habe ich gesagt, ja, ist schon ein bisschen teurer.
00:25:13
Speaker
Wir sind jetzt schon bei 100 Euro.
00:25:17
Speaker
Ja, kein Problem.
00:25:19
Speaker
Mach dann die Tüte auf, von der ich jetzt dachte, da ist lauter lustiges japanisches Zeug drin und da waren nur Surkamm-Theorie-Klopper drin.
00:25:28
Speaker
Ich schaffte da auch so Sachen dazu.
00:25:29
Speaker
Das fand ich ganz toll.
00:25:31
Speaker
Dann habe ich natürlich überlegt, wäre Adorno heute auch eine Manga-Figur?
00:25:37
Speaker
Und wenn man sie in den Badehosen sieht, kann man es sich vorstellen.
00:25:41
Speaker
Aber das nur am Rande.
00:25:43
Speaker
Ich glaube, da passiert was.
00:25:45
Speaker
Was bei vielen Buchhandlungen auch passiert, ist eine deutliche Verjüngung des Publikums.
00:25:52
Speaker
Das berichten ganz viele.
00:25:53
Speaker
Jetzt haben wir aber auch Buchhandlungen, in denen ist das gesamte Personal doppelt so alt wie das junge Publikum oder dreimal so alt.
00:26:03
Speaker
Teilweise auch, weil die Leute das Geschäft nicht abgeben können.
00:26:06
Speaker
Teilweise, weil sie keine gute Rente haben.
00:26:08
Speaker
Das sind ja auch reale Probleme.
00:26:11
Speaker
Aber
00:26:12
Speaker
Ich war jetzt oft unterwegs, ich bin immer, und wir sind immer mit dem Fahrrad unterwegs, Christine und ich, und wir können einfach nicht an Buchhandlungen vorbeifahren.
00:26:19
Speaker
Das ist eine schlimme Sache, man muss einfach immer reingehen.
00:26:24
Speaker
Die Buchhandlungen, selbst in der mecklenburgischen oder holsteinischen Pampa, die da eine Manga-Ecke haben, die eine New Adult-Ecke haben, da sind Leute drin.
00:26:35
Speaker
Also man sollte das auch nicht verachten.
00:26:37
Speaker
Wenn man aber...
00:26:40
Speaker
sagen wir mal, nur seine Thomas-Mann-Ausgaben da hat, glaube ich, wird das nicht mehr funktionieren.
00:26:45
Speaker
Und diesen Buchhandel gibt es auch noch, da muss es auch einen Umbruch geben.
00:26:50
Speaker
Da müssen wir uns auch bei der Frage der Überalterung selbst ein bisschen an die Nase fassen.
00:26:56
Speaker
Und wir haben eben, unsere jüngste Mitarbeiterin ist noch keine 30 und wir lernen wahnsinnig viel von der.
00:27:03
Speaker
gerade auch ein anderer Zugang zu Büchern.
00:27:05
Speaker
Und diese Frau ist ein echter Bücherfresser.
00:27:07
Speaker
Also wenn du dir Bücher wegnimmst, die geht ein wie eine Blume ohne Wasser.

Bedeutung von Buchmessen und Festivals

00:27:12
Speaker
Und ich glaube schon, dass da was ist und dass vieles auch in der Branche geändert werden müsste.
00:27:20
Speaker
Es gibt dann aber allgemein...
00:27:26
Speaker
Ich nenne es mal kulturfeindliches, feindlich ist vielleicht zu hart, ein kulturbeargwöhnendes Klima.
00:27:35
Speaker
Und spätestens, man hält Bücher immer für Luxus.
00:27:39
Speaker
Ja, in den Ferien lese ich dann ein oder zwei.
00:27:43
Speaker
Das geht auch anders.
00:27:44
Speaker
Und die Glotze muss auch nicht den ganzen Tag laufen.
00:27:48
Speaker
Und
00:27:50
Speaker
Das andere ist natürlich, dass wir haben jetzt gerade in der Politik nicht die Leute, also sehen wir mal ab von Steinmeier, der sich sehr in Sachen Buch engagiert, aber ansonsten haben wir das nicht so, dass sich der Kanzler oder irgendwelche Kabinettsmitglieder gerade mit Intellektualität hervortun wollen.
00:28:11
Speaker
Im Gegenteil, selbst wenn sie Intellektuelle sind, tun sie so, als seien sie es nicht.
00:28:16
Speaker
Auch Scholz
00:28:17
Speaker
der wirklich erwiesenermaßen ein großer Buchliebhaber ist, konnte das sehr gut verbergen.
00:28:24
Speaker
Wie er so vieles verbergen konnte, was eigentlich menschlich war oder ist.
00:28:29
Speaker
Und das ist ein Problem.
00:28:33
Speaker
Und dann kommt schnell das Gefühl auf, das muss man ja jetzt auch wirklich so sehen, ich war jetzt gerade im Holsteinischen, ich habe da mit Leuten auf dem Land gesprochen und die denken noch immer,
00:28:45
Speaker
dass demnächst Robert Herbeck bei ihnen klingelt und die Heizung abmontiert.
00:28:49
Speaker
Und dann müssen sie eine neue kaufen.
00:28:51
Speaker
Und darauf sparen die.
00:28:55
Speaker
Es ist ja auch schwierig, es ist ja nicht leichter geworden, gerade auch in der Landwirtschaft und so, das verstehe ich alles.
00:28:59
Speaker
Natürlich ist es nicht leichter geworden, aber sie sparen dann.
00:29:02
Speaker
Und sie sparen aber
00:29:05
Speaker
Am Buch.
00:29:05
Speaker
Weil wenn man manchmal sagt, so ein Buch für 20 Euro, das sind auch nur vier Glas Bier in der Kneipe, dann staunen alle, weil niemand das umrechnet.
00:29:14
Speaker
Und ich weiß nicht, ob vier Glas Bier, Kater eingeschlossen, so lange vorhalten wie ein Buch.
00:29:20
Speaker
Aber das ist eben gerade die Problematik.
00:29:22
Speaker
Und ich glaube, wir haben uns selbst ein bisschen schlechtes Image gegeben.
00:29:26
Speaker
Und Imagekampagnen wie Vorsicht Buch sind allein schon die Parole ist sehr kompliziert und wenn man das dann macht mit Leuten, die ansonsten nur in der Bild-Zeitung auftauchen, ist das für zu gewinnende Leserinnen und Leser nicht interessant.
00:29:41
Speaker
Farbschnitt aber hat die Kids geholt.
00:29:43
Speaker
Also man muss sich schon überlegen, wie es geht.
00:29:46
Speaker
Ich würde gerne, falls ich das nochmal ergänzen darf, also jetzt nicht dazu, finde ich alles vollkommen richtig, aber zu den Buchmessen nochmal kommen und diese tollen Publikumszahlen dann da, was mich eigentlich auch in dieser für mich oder meinen Verlag sehr schwierigen Situation durchaus immer motiviert und mir Hoffnung macht, sind wirklich
00:30:14
Speaker
Die Buchmessen und die Büchermärkte und Büchertische.
00:30:18
Speaker
Also dieser Fernsehbeitrag vom RBB war ja am Vorabend, bevor das Berliner Bücherfest hier in Berlin auf dem Bebelplatz war, mit 100 Personen.
00:30:30
Speaker
über 100 Verlagen und Buchhandlungen und sowas, da sieht man dann, okay, sie sind nicht weg, die Leute.
00:30:40
Speaker
Sie interessieren sich, sie interessieren sich für Bücher, sie interessieren sich auch für unsere Bücher und sie kaufen und kaufen und kaufen.
00:30:49
Speaker
Und das

Herausforderungen der Medienberichterstattung

00:30:50
Speaker
zeigt ja, okay, da ist irgendwie was die, ja, es gibt sie, diese Leute und sie kaufen wie verrückt und wir staunen dann selbst und denken dann so, ja, warum geht das nicht, warum kann das nicht dauernd so weitergehen?
00:31:06
Speaker
Deswegen liebe ich das auch tatsächlich irgendwie Büchermärkte, Büchertische,
00:31:11
Speaker
und Buchmessen, obwohl sie eigentlich auch wahnsinnig teuer sind.
00:31:17
Speaker
Aber da bekommt man natürlich auch Kontakt zu den nicht nur potenziellen Leserinnen und Lesern, sondern zu denen, die dann auch die kaufen und lesen und die das super toll finden, was sie da alles entdecken können, was sie eben sonst in ihrer Buchhandlung vielleicht nicht finden oder höchstwahrscheinlich nicht finden.
00:31:38
Speaker
Ich meine, in Berlin haben wir
00:31:39
Speaker
haben wir das Glück, wir haben schon viele tolle Buchhandlungen und in denen finden wir Verbrecherbücher und Aviva-Bücher.
00:31:46
Speaker
Aber okay, das ist nicht überall so und auch natürlich nicht in jeder Buchhandlung in Berlin.
00:31:52
Speaker
Aber das motiviert mich halt so.
00:31:55
Speaker
Das macht mir dann doch noch Hoffnung, auch in dieser Situation, die aus den verschiedensten Gründen ausläuft.
00:32:01
Speaker
Auch weil das Geld halt sehr viel weniger locker sitzt als vielleicht noch vor ein paar Jahren, dass man halt das 20 Euro für ein Buch, ja, das ist viel geworden.
00:32:14
Speaker
Aber trotzdem motiviert mich das und macht mir auch Hoffnung, weiterzumachen.
00:32:20
Speaker
Das spricht ja vor allen Dingen das Thema Sichtbarkeit an.
00:32:22
Speaker
Also man merkt ja, Buchmesse, man ist präsent.
00:32:25
Speaker
Bücher, Tischmärkte, Festivals, man ist präsent.
00:32:28
Speaker
Und schon ist die Neugier ja da.
00:32:30
Speaker
Und ihr habt es ja schon angesprochen, dieses Buchhandelssterben, nenne ich es immer so schön.
00:32:35
Speaker
Der klassische Sortimentsbuchhandel, der ein inhabergeführtes Geschäft hat und beim Verlag bestellt, vielleicht Vertreterbesuch hat oder beim Barsortiment bestellt, der stirbt uns ein bisschen weg.
00:32:46
Speaker
Das muss man einfach so sagen, weil viele geben dann doch aus finanziellen Gründen auch an Thalia ab, die mittlerweile ja ganz gut den Markt beherrschen.
00:32:54
Speaker
Ich kann sagen, Berlin erfreut mich immer wieder wegen all der tollen Buchhandlungen, weil in Stuttgart, in der Innenstadt selbst, haben wir tatsächlich nur die drei Player Hugendubel, Thalia und Oseander.
00:33:05
Speaker
Und da finden selbst, ich sage jetzt mal, mittelständische Verlage schon kaum statt, geschweige denn die kleinen Unabhängigen.
00:33:12
Speaker
Da muss man wirklich immer suchen oder es sind dann halt diese preisträgerwürdigen Bücher da von den kleineren Verlagen, dann legen sie sich auch mal einen Stapel hin.
00:33:22
Speaker
Was ich festgestellt habe zu dem Bereich ist halt, und ich glaube Jörg hat das vorhin auch schon angesprochen, die Sichtbarkeit auch in den Medien.

Innovative Marketingstrategien im Buchhandel

00:33:31
Speaker
Ich versuche gerade auch einen unserer Titel im Herbstprogramm breit zu streuen, auch über Besprechungen, über Interviews, über Vorabdruck.
00:33:39
Speaker
Und das große Problem, ich meine, Stuttgart sitzt mit Stuttgarter Nachrichten halt die Südwestpresse, also es sitzen alle aus dem Südwesten auch in Stuttgart, deswegen kriege ich es immer hautnah mit.
00:33:51
Speaker
Es ist auch ein großes Redaktionssterben.
00:33:54
Speaker
Ich finde die Sichtbarkeit in den Medien generell, ob das, also es sterben ja auch diese ganzen Literatursendungen weg.
00:34:00
Speaker
Also man mag jetzt Dennis Schick mögen oder auch nicht, aber es fehlt ja auch die Literatur im Fernsehen.
00:34:07
Speaker
Sie ist da nicht mehr präsent oder sie wird so stark eingekürzt, dass einmal im Monat eine Literatursendung stattfindet.
00:34:14
Speaker
Die einzigen, die noch, finde ich, relativ konsequent sind, was auch Bücher betrifft, ist Deutschland, Radio, Kultur oder Deutschlandfunk.
00:34:20
Speaker
Bei uns ist es auch der SWR, der relativ viel noch macht.
00:34:23
Speaker
Aber auch, oder wie gesagt, viel stirbt halt einfach weg, was die Präsentation von Büchern betrifft, die unabhängig von uns stattfindet als Verlag.
00:34:33
Speaker
Also wir können die Messe bespielen, wir können Bücherfestivals bespielen, aber wenn es darauf ankommt, dass wir von Auftritten angewiesen sind, wird es halt echt schwer.
00:34:43
Speaker
Also ich finde, da muss man ganz schön rödeln, um ein Buch in die Besprechungen reinzubekommen.
00:34:48
Speaker
Und man muss in der Regel auch eine persönliche Ebene haben zu einem Redakteur,
00:34:53
Speaker
um reinzukommen.
00:34:54
Speaker
Also das soll jetzt nicht nach Vetternwirtschaft klingen, sondern es geht einfach darum, dass man braucht nichts mehr einfach hinschicken.
00:35:01
Speaker
Also wie früher, dass dann stapelweise Bücher in den Redaktionsbüros liegen, das ist alles nicht mehr der Fall, weil auch die Redaktionen permanent im Wechsel sind.
00:35:09
Speaker
Also das kriege ich hier unten im Südwesten mit, dass ganz viel immer entweder Zeitschriften zusammengelegt werden und dann aus einem Mantel bestehen.
00:35:18
Speaker
Und in diesen Mantel reinzukommen ist halt unfassbar schwer.
00:35:20
Speaker
Ich weiß nicht, ob es in Norddeutschland ähnlich ist.
00:35:23
Speaker
Da ist dann halt in der Woche nur zwei Plätze für Buchbesprechungen.
00:35:26
Speaker
Und da kommen dann halt Bestseller rein oder Sachbücher, die in irgendwelchen Kategorien sind, die halt gerade die Tagespolitik bestimmen.
00:35:34
Speaker
Also ich finde, es ist halt auch unfassbar schwer, Sichtbarkeit über Dritte zu generieren.
00:35:38
Speaker
Und das ist ja wie so eine Spirale.
00:35:42
Speaker
Also wir haben zum einen die Sichtbarkeit im Buchhandel, die Sichtbarkeit in den Medien.
00:35:48
Speaker
Und ich nehme mal an, das geht euch genauso.
00:35:51
Speaker
Also ich kann mir jetzt nicht vorstellen, also auch Gemeiner wird wahrscheinlich jetzt auch nicht in der FAZ besprochen, selbst wenn das Buch gut und präsent ist, eben weil die Sichtbarkeit da einfach fehlt.
00:36:03
Speaker
Und auch viele Redakteure,
00:36:06
Speaker
nicht nur dann die Bücher besprechen, sondern auch noch Filme besprechen.
00:36:09
Speaker
Also die Kulturlandschaft dann nur noch von einem Redakteur betreut wird, wo früher wahrscheinlich auch mal fünf saßen.
00:36:15
Speaker
Ja, das sind, glaube ich, jetzt eh zwei Themen, die wir nicht vermischen dürfen.
00:36:18
Speaker
Das eine ist, glaube ich, die Sichtbarkeit des Buches an sich.
00:36:21
Speaker
Das ist natürlich durch die ganzen Buchsendungen und so völlig klar, dass das ein bisschen nachlässt.
00:36:26
Speaker
Wobei ich da der Meinung bin, das ist gar nicht so dramatisch, wenn auf der anderen Seite durch Booktalk und sonst was Menschen auf einmal es wieder angebenswert finden, sich Bücher ins Regal zu stellen.
00:36:39
Speaker
Also diese Entwicklung haben wir gerade.
00:36:40
Speaker
Es sind aber unterschiedliche Zielgruppen, darf man nicht vergessen.
00:36:43
Speaker
Völlig klar.
00:36:43
Speaker
Klar, aber langfristig gesehen finde ich das schon mal sehr beruhigend und ob dann jetzt eben vier Bücher oder acht Bücher irgendwie diesen Monat vorgestellt werden im öffentlich-rechtlichen, bei 60.000 Neuerscheinungen ist das dem Rest auch herzlich egal.
00:36:58
Speaker
Aber jetzt kann man natürlich sagen,
00:37:02
Speaker
dann macht man das eben selber.
00:37:03
Speaker
Und Jörg, das ist jetzt eine ganz tolle Überleitung, aber ich habe in eurem Insta-Feed entdeckt, zu eurem Jubiläum macht ihr ja wirklich, wirklich viele
00:37:18
Speaker
günstige, unglaublich tolle Sachen.
00:37:21
Speaker
Ihr hattet eine Zeit lang abgelehnte Plakatentwürfe, die ich wirklich, wirklich abgefeiert habe.
00:37:28
Speaker
Da waren ein paar, die ich nicht verstehen kann, warum sie abgelehnt wurden, aber die waren sehr, sehr lustig.
00:37:33
Speaker
Das hat für eine Aufmerksamkeit gesorgt.
00:37:37
Speaker
Und ihr habt jetzt gerade...
00:37:40
Speaker
Im weitesten Sinne prominente, honorige Menschen, die den Verlag als solchen loben.
00:37:47
Speaker
Und als Sven Regner, einer meiner Säulenheiligen, da saß und den Verbrecherverlag lobte, saß ich sabbernd vorm Handy.
00:37:56
Speaker
Jetzt könnte man ja sagen, es ist doch Pfeif auf Dennis Scheck, was ihr da macht, ist doch großartig.
00:38:03
Speaker
Mehr Sichtbarkeit geht doch nicht, wenn einem sowas gelingt.
00:38:07
Speaker
Bringt das was und wie viel Arbeit war das und wie viel Überzeugungskraft braucht er das?
00:38:16
Speaker
Also das Schöne war jetzt schon, dass wir alle, wir haben halt in unserem erweiterten Bekanntenkreis, nenne ich das mal, also Leute schon, die wir kennen,
00:38:26
Speaker
Und wir mussten jetzt Sven Regner nicht überzeugen.
00:38:31
Speaker
Also überreden natürlich, dass er uns einen Film macht, das schon.
00:38:35
Speaker
Aber wir mussten ihn jetzt nicht vom Verlag oder so überzeugen.
00:38:39
Speaker
Er empfiehlt ihm ja auch seinen Jugendfreund, der mal Grimsen gemacht und so.
00:38:44
Speaker
Also da gibt es schon lange eine Connection.
00:38:48
Speaker
Trotzdem ist das natürlich Arbeit.
00:38:50
Speaker
Und trotzdem ist es auch immer Arbeit, das zu planen.
00:38:53
Speaker
Und man ist dann auch manchmal überrascht,
00:38:57
Speaker
was gut ankommt und was nicht gut ankommt.
00:38:59
Speaker
Man hätte das vielleicht sogar komplett andersrum gedacht.
00:39:03
Speaker
Und manchmal haben wir ein wahnsinniges Feedback alleine auf eine Lesungsterminankündigung, während ein aufwendig gemachtes Video einfach untergeht und nur ein paar Views hat.
00:39:15
Speaker
Das kann ich immer nicht genau erklären.
00:39:18
Speaker
Das hat natürlich auch viel mit der Ausspielungspolitik von Insta und Blue Sky und Facebook und TikTok.
00:39:27
Speaker
jetzt habe ich irgendwas vergessen.
00:39:30
Speaker
Threads kann man auch vergessen.
00:39:31
Speaker
Also wir sind bei denen und machen das und natürlich hängt das auch an den viel gründen und viel verachteten Algorithmen etc.
00:39:43
Speaker
schon klar.
00:39:43
Speaker
Und
00:39:49
Speaker
Das ist aber tatsächlich so, dass jetzt glaube ich das Buch, das er konkret benennt, das noch bei uns lieferbar ist, das ist von Rudolf Lorenzen, Ohne Liebe geht es auch.
00:40:01
Speaker
Sven Regner weist auch immer auf Konzerten von Element of Crime auf dieses Buch hin, weil sie ein Lied haben, das genau so heißt.
00:40:08
Speaker
Sie haben sich den Titel Ohne Liebe geht es ausgeliehen.
00:40:12
Speaker
Und
00:40:15
Speaker
Ich glaube nicht, dass wir seither 30 oder 40 Exemplare dieses Titels verkauft haben.
00:40:21
Speaker
Und auch das Video macht es nicht.
00:40:23
Speaker
Das heißt, da sind dann die konkreten Erfolge manchmal doch bescheiden.
00:40:30
Speaker
Das kann aber an vielen liegen.
00:40:31
Speaker
Das ist auch ein alter Titel.
00:40:33
Speaker
Er ist wirklich nicht mehr zu finden in den Buchhandlungen.
00:40:35
Speaker
Ähm, ähm,
00:40:42
Speaker
Rudolf Lorenzen wäre jetzt 105, das interessiert gewisse Buchleserinnen auch erstmal nicht mehr.
00:40:49
Speaker
Und das ist auch so, wenn ich 20 bin, glaube ich auch, dass nur 20-Jährige und vielleicht noch 30-Jährige mir sagen können, wie die Welt aussieht.
00:40:57
Speaker
Aber dass so 55-Jährige Opas wie ich einfach sterben müssen, war da auch klar.
00:41:03
Speaker
Das ist ja auch das Vorrecht der Jugend.
00:41:07
Speaker
Aber ich glaube, wie gesagt, man kann viel Sichtbarkeit herstellen, man muss viel Sichtbarkeit herstellen, was wir überall gerade haben, auch in den Fernsehsendern, auch in den Zeitungen etc.,
00:41:18
Speaker
Wir müssen ja auch mal sagen, warum so ein großer Sportteil, Leute?
00:41:22
Speaker
Die Vereine schalten keine Anzeigen und egal, wen man verehrt, ob Pauli oder Bayern, wie sie gespielt haben, weiß man schon, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt.
00:41:33
Speaker
Die Frage ist, warum funktioniert das so?
00:41:37
Speaker
Das ist eine Gewichtung in den Redaktionen auch.
00:41:40
Speaker
Das ist einfach so.
00:41:41
Speaker
Das ist egal, ob das Online-Medien sind, ob das Papiermedien sind, ob das Radios sind.
00:41:47
Speaker
Da ist Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur wirklich eine lobenswerte Aufnahme, aber auch da wurde ja das Literaturangebot schon ein bisschen eingeschränkt.
00:41:56
Speaker
Und mir hat mal eine Redakteurin vom Marischen Rundfunk gesagt, unsere Chefs glauben ernsthaft, wenn sie Rolling Stones spielen, kriegen sie die Jugend.
00:42:06
Speaker
Ich glaube Beethoven ist attraktiver, aber das ist halt eben dieses andere Problem, man unterschätzt einfach die Neugierde von Menschen total, weil wiederum man dafür selbst neugierig sein muss und Neugierde ist was Schönes, aber auch anstrengend.
00:42:27
Speaker
jeden

Vielfalt im Buchangebot fördern

00:42:28
Speaker
Tag den gleichen Scheiß zu machen, ist auch gut.
00:42:30
Speaker
Ich frage mich immer nur, wie lange geht das noch?
00:42:33
Speaker
Weil die, die jetzt berühmt sind, bleiben berühmt, das ist gar keine Frage, aber irgendwann sterben die auch.
00:42:40
Speaker
Und man hat sich ja schon gefragt, was kommt nach Madonna?
00:42:44
Speaker
Die Jugend hat es beantwortet.
00:42:46
Speaker
Aber einige wissen noch nicht,
00:42:48
Speaker
die wissen noch nicht mal richtig, glaube ich, dass es Taylor Swift gibt und wie sie denn alle heißen, Duel Looper und so weiter.
00:42:53
Speaker
Also die sind alle da, aber das wird nicht mehr so richtig wahrgenommen.
00:42:57
Speaker
Und ich glaube, das ist ein Riesenproblem,
00:43:00
Speaker
gerade an den Schaltstellen und das ist vielleicht auch in den Buchhandlungen manchmal ein Problem.
00:43:05
Speaker
Also wir haben jetzt mit vielen Buchhandlungen gesprochen, warum kauft ihr uns eigentlich nicht ein oder kaum?
00:43:11
Speaker
Und dann kam raus, ja, das ist ja ein ehrenwerter Verlag und das Engagement von euch allen, das bewundern wir.
00:43:17
Speaker
Mhm, mhm, mhm, mhm.
00:43:19
Speaker
Aber ihr seid ja Punkers, das ist ja nicht unser Publikum.
00:43:22
Speaker
Ich glaube, das letzte Mal, dass wir Punks waren, ist ungefähr 25 Jahre her.
00:43:27
Speaker
Wenn wir überhaupt je Punks waren, Punks würden das bestreiten.
00:43:30
Speaker
Da wird nicht mehr in das Verlagsprogramm geguckt.
00:43:33
Speaker
Und dann wird auch gesagt, ja, ihr kommt ja nicht in der FATS vor gestern.
00:43:36
Speaker
Also das ist einfach so, die lesen ja auch ihre FATS nicht mehr.
00:43:40
Speaker
Die haben halt ein Vorurteil entwickelt.
00:43:43
Speaker
und beharren darauf, dass das noch so ist.
00:43:44
Speaker
Und so wird dann auch unser Verlagsprogramm gelesen.
00:43:47
Speaker
Und ich glaube, wir könnten vorne drauf drucken, kein Punk.
00:43:50
Speaker
Dann würden sie denken, ah, geiler Punk.
00:43:51
Speaker
Das ist Punk.
00:43:54
Speaker
Ich kann das komplett bestätigen.
00:43:55
Speaker
Wir haben genau dasselbe Problem bei Patmos.
00:43:57
Speaker
Es ist immer noch ein religiöser Verlag, obwohl wir
00:44:00
Speaker
vielleicht zehn Prozent noch wirklich christliche Religion machen.
00:44:04
Speaker
Der Rest, eigentlich sind wir ein Psychologieverlag, ein Ratgeberverlag.
00:44:07
Speaker
Wir haben alle Weltreligionen im Programm.
00:44:09
Speaker
Aber ich weiß von unseren Vertretern, die Buchhandlungen legen die Vorschau beiseite, obwohl ich vorne auch nichts mehr mit Christentum draufstehen habe.
00:44:17
Speaker
Nichts steht da drauf.
00:44:18
Speaker
Aber sie sagen, ach Patmos, nee, das ist ja Christentum.
00:44:21
Speaker
Also es ist, man hat einen Stempel bekommen.
00:44:23
Speaker
Aber das heißt, es sind nicht, wie man jetzt auf den ersten Blick meinen könnte, schlechte Konditionen.
00:44:31
Speaker
Könnte man ja auch sagen.
00:44:33
Speaker
Man lehnt sich als kleiner Indie-Verlag jetzt mal so richtig weit aus dem Fenster und hofft, dass man es über die Masse macht und bietet Schweinekonditionen an und dann rechnet sich das schon.
00:44:50
Speaker
Ich werfe das jetzt mal so in den Raum.
00:45:07
Speaker
wenn du sehr lange mit uns verhandelst bei größeren Bestellungen, sind wir auch noch ein bisschen flexibel, natürlich klar.
00:45:15
Speaker
Aber die Konditionen sind es, glaube ich, eher nicht.
00:45:19
Speaker
Die Frage ist doch wirklich, also nochmal, ich glaube, dass man, was es früher mal gab und was früher ein bisschen selbstverständlich war, war, natürlich haben wir auch, was weiß ich, was war denn früher, ich sage jetzt mal Konsalik, da,
00:45:35
Speaker
weil es sich einfach

Kollektive Aktionen zur Unterstützung unabhängiger Verlage

00:45:36
Speaker
gut verkauft hat.
00:45:36
Speaker
Und auf der anderen Seite hatte man die berühmte Kompetenztapete, das war das eine Regal, in der auch die Lyrik war, die besonderen Essays, die schöne Inselbücherei etc.
00:45:48
Speaker
Das waren keine Schnelldreher, aber die haben runtergeleuchtet auf den Konsalik und haben den Konsalik aus dieser Buchhandlung schöner gemacht.
00:45:57
Speaker
Ich glaube, dass das immer noch funktioniert, weil die Kaffeebar funktioniert ja auch.
00:46:03
Speaker
Außer du bietest schlechten Kaffee an.
00:46:04
Speaker
Aber sowas funktioniert ja.
00:46:06
Speaker
Und ich glaube, wenn du das wiederum machst, die Buchhandlung als anderen Erlebnisraum, auch eben als Raum für deine eigene Neugierde, dann kann es sein, dass du, um jetzt etwas doof im Beispiel zu bleiben, Konsalik und Marlin Haushofer kaufst.
00:46:23
Speaker
Und das ist ja nun wirklich eine Erlösung, wenn du Haushofer liebst.
00:46:29
Speaker
Aber das würde ja dann heißen, es sind gar nicht, es sind weniger die Kundinnen und Kunden, sondern der Buchhandel, der glaube ich sowieso auch, muss man auch sagen, sehr, sehr viele Probleme hat und sehr vom Personalmangel und sonst was alles betroffen ist, dass die sich nicht in jedes kleinere Verlagsprogramm reinfressen, auch nachvollziehbar ein Stück weit ist.
00:46:58
Speaker
Ähm,
00:46:59
Speaker
Aber das heißt ja dann ein bisschen mehr, weiß ich nicht, ist das Mut vom Buchhandel sich ein bisschen zu öffnen und alle oder viele Probleme würden sich automatisch dann lösen.
00:47:15
Speaker
Naja, automatisch nicht, aber so Mut und Neugierde helfen schon natürlich auch, ein anderes Publikum nochmal anzuziehen.
00:47:27
Speaker
Und bei Mut und Neugierde, da sind dann auch unsere Titel, also so der unabhängigen Verlage, würde ich mal sagen, auch total wichtig.
00:47:38
Speaker
Denn es ist ja nicht so, wie alle immer denken oder viele denken so,
00:47:43
Speaker
ach ja, okay, kleine Verlage, irgendwie, das geht dann schon, das geht ja alles nicht, das funktioniert ja nicht.
00:47:50
Speaker
Da gibt es ja genügend Beispiele, wo das halt sehr, sehr gut funktioniert, obwohl man dann immer Überraschungen hat und dann auch im eigenen Programm dann denkt so, hä, warum ist das denn, wo ich mal gerade dachte, da gehen vielleicht tausend Exemplare und jetzt habe ich gerade die vierte Auflage nachgedruckt.
00:48:09
Speaker
Also,
00:48:10
Speaker
Und da gibt es ja dann immer die Überraschung.
00:48:13
Speaker
Aber das gehört dazu, glaube ich, zur Schärfung auch, um die Bedeutung des Buchhandels und natürlich der eigenen ganz besonderen Auswahl herauszustreichen.
00:48:25
Speaker
Denn es bringt ja nichts, wenn überall immer nur das Gleiche.
00:48:29
Speaker
steht und das Gleiche aus den immer gleichen Verlagen.
00:48:32
Speaker
Also das Besondere, weshalb wir nicht nur Jörg und Christine, ich auch oder ihr bestimmt auch alle immer so gern in Buchhandlungen, in schöne, unabhängige Buchhandlungen geht, weil wir da immer wieder tolle Titel finden und tolle Überraschungen und auch dann, wenn die eben mutig und neugierig sind, ist es ja auch für uns toll, dann da Bücher aus Verlagen zu finden, die wir
00:48:58
Speaker
auch überhaupt nicht kennen oder eben von Autorinnen und Autoren, die uns nichts sagen, aber wo wir dann auf einmal von irgendwelchen besonderen Empfehlungen dann angesprochen werden und so.
00:49:08
Speaker
Also irgendwie, ja, mehr Mut und mehr Neugier.
00:49:11
Speaker
Das ist echt wichtig, finde ich.
00:49:14
Speaker
Finde ich einen ganz tollen Aufruf.
00:49:16
Speaker
Ich wollte damit, glaube ich, jetzt auch, das wissen hoffentlich alle, kein Buchhändler irgendwie an den Karren fahren und sagen, ihr stellt euch da alle nur den Blödsinn in den Laden.
00:49:25
Speaker
Mir ist das alles durchaus bewusst, aber es gibt dann eben doch, und das weiß man immer dann, wenn man mal so besondere Buchhandlungen besucht, wenn man auf einmal sieht, wie eine Buchhandlung eben auch aussehen könnte und was da alles so liegen könnte.
00:49:38
Speaker
Was an der Stelle natürlich hilft, ist eine Initiative, das ist der sogenannte Indie-Book-Day.
00:49:45
Speaker
Über den können wir vielleicht mal kurz reden, denn das ist ja im Prinzip, auch wenn das gar nicht so eine große Geschichte ist, ist die Botschaft dahinter nämlich genau die, dass man
00:49:57
Speaker
nicht diese vielen einzelnen kleinen Verlage betrachtet, von denen jeder Einzelne gucken muss, dass er irgendwie wahrgenommen wird, sondern dass man sagt, schaut mal her, die Kurt-Wolf-Stiftung ist da genauso ein gutes Beispiel oder auch der Buchmarkt, der damals ja immer dieses kleine Heftchen der Indies rausgegeben hat.
00:50:15
Speaker
dass man einfach mal zeigt, was es für eine Bandbreite gibt und für eine große Menge an diesen kleinen Verlagen und was alles zu entdecken gilt.
00:50:27
Speaker
Und da gibt es diesen Indie-Book-Day und vielleicht mag einer von euch nochmal so ein bisschen erzählen, was es damit auf sich hat und auch wie Buchhändlerinnen und Buchhändler, die das vielleicht gerade auch zum ersten Mal bewusst hören, sich einbringen können.
00:50:46
Speaker
Okay, Britta grinst mich an, dann übernehme ich das.
00:50:49
Speaker
Also erfunden hat das Ganze Daniel von Mairisch Verlag und Daniel Beskos und die Idee dahinter war so ein bisschen, sich zu orientieren am Record Shop Day, heißt er, glaube ich.
00:51:07
Speaker
Und der sterbende Plattenhandel hat eben
00:51:11
Speaker
Aktionen gemacht, es gibt sowas ähnliches auch im klassischen Comic-Bereich, dass eben dann die Buchläden sagen oder eben die Plattenläden sagen, okay, zu diesem einen Tag machen wir was und inzwischen ist es ja sogar so, dass extra dafür Platten gepresst werden, dass extra dafür Comics gemacht werden.
00:51:29
Speaker
Das könnten wir vielleicht uns auch noch überlegen oder der Buchhandel könnte uns auch noch auffordern.
00:51:34
Speaker
Wir sind auch dann immer offen,
00:51:37
Speaker
für Aktionen.
00:51:38
Speaker
Also wir haben auch schon Buchhandlungen gemacht.
00:51:41
Speaker
Alle halbe Stunde oder alle Stunde neu hat irgendeine Verlegerin irgendein Verleger in dem Buchladen verkauft, mitverkauft, hat Auskunft gegeben.
00:51:53
Speaker
Es gab immer wieder Shows.
00:51:56
Speaker
Und das machen auch dann viele kleinere Buchhandlungen.
00:51:59
Speaker
Das machen auch Buchhandlungen auf dem Land.
00:52:01
Speaker
Also das stimmt gar nicht, dieses...
00:52:04
Speaker
eh schwierige Stadt-Land-Gerede, sondern das machen dann wirklich auch Buchhandlungen in der Provinz und durchaus erfolgreich.
00:52:14
Speaker
Und es ist, wenn ich jetzt, mir fallen jetzt spontan ein, die Buchhandlungen Buchstabe in Neustadt in Holstein und die Fontane-Buchhandlungen in Neuruppin, beides jetzt auch nicht gerade Städte und Ecken, wo man sagt, okay, hier wächst das Gold auf der Straße, nein,
00:52:33
Speaker
Der wird schon auch, der muss hart gearbeitet werden für das wenige Geld.
00:52:37
Speaker
Trotzdem kriegen diese Buchhandlungen eben auch immer wieder was hin und ich weiß gar nicht, ob sich beide überhaupt am Indie-Book-Day beteiligen, ich glaube schon und dann machen sie wenigstens ein kleines Schaufenster oder so.
00:52:47
Speaker
Auch das ist ja, ich habe eben das Wort Kompetenztapete gesagt, auch das ist Teil der Kompetenztapete.
00:52:53
Speaker
Das ist deswegen auch, glaube ich, von Buchhändlerinnen,
00:52:58
Speaker
sehr gut angenommen worden, diese Aktion.
00:53:00
Speaker
Also das war wirklich sofort ein Erfolg und es machen ja auch wirklich viele Leute mit und posten dann ihr Foto mit dem gerade erworbenen Indie-Buch, möglichst noch vor der Indie-Buchhandlung.
00:53:13
Speaker
Also wirklich perfekt.
00:53:15
Speaker
Das wäre zum Beispiel so ein Synergie-Effekt.
00:53:17
Speaker
Und ja, es ist sicherlich schwer,
00:53:21
Speaker
Wenn man, was weiß ich, heute Wallstein macht, morgen Wolland und Quist, übermorgen Aviva, übermorgen Verbrecher, das ist viel.
00:53:30
Speaker
Das ist auch den Leuten nicht unbedingt zuzumuten.
00:53:33
Speaker
Und es gibt sicherlich auch einige Bücher in unserem Programm.
00:53:36
Speaker
Da gibt es zwei Bestellungen in der Landbuchhandlung und das war's, oder in der Stadtbuchhandlung.
00:53:40
Speaker
Und mehr ist in dem Kiez oder in diesem Landstrich nicht zu holen.
00:53:44
Speaker
Vielleicht schon, vielleicht auch nicht.
00:53:48
Speaker
Aber ich glaube, insgesamt, wenn man sozusagen die ganzen Orte etwas neugieriger gestalten würde, wie gesagt, wie die genannten Buchhandlungen beispielsweise tun, dann passiert schon auch was.
00:53:59
Speaker
Also ich glaube, das findet sich auch in den Umsätzen wieder.
00:54:02
Speaker
Und man kann eben auch sein Publikum erziehen.
00:54:07
Speaker
Auf der Buchmesse kriegen wir immer Besuch von der Buchhandlung Friebe mit Kaffee hier aus Berlin-Langwitz.
00:54:16
Speaker
Und das sind wundervolle Damen und Herren, die dann eben diese Organisation annehmen, dass sie da mit dem Bus hinfahren.
00:54:21
Speaker
Und da hat sich dann mal jemand interessiert und dann habe ich für ein Buch gesagt, ja, klar, wir verkaufen ja auch.
00:54:31
Speaker
Und dann hat er gesagt, nein, nein, nein, das kaufe ich in der Buchhandlung.
00:54:35
Speaker
Und die waren alle so.
00:54:36
Speaker
Also immer wieder, das merkt man einfach, die gucken sich die Bücher an und ich weiß, dann gehen die zu Oksana Grimm in die Buchhandlung und bestellen das, wenn sie sich interessieren.
00:54:44
Speaker
Und das ist ja auch super.
00:54:45
Speaker
Wir möchten ja auch nicht auf den Messen gegen die Buchhandlungen anverkaufen oder so.
00:54:51
Speaker
Das ist überhaupt nicht unser Ziel.
00:54:53
Speaker
Was eben irritierend ist, ist, dass
00:54:58
Speaker
schon, sagen wir mal, die großen Player nur noch am Umsatz interessiert sind und überhaupt nicht mehr an den Inhalten.
00:55:06
Speaker
Ich glaube, dass das am Ende dann auch dazu führt, dass du eben halt so viel Non-Book-Stände machen musst.
00:55:14
Speaker
Und ich glaube, dass das ganz am Ende auch nicht hilfreich ist.
00:55:18
Speaker
Also da muss ich wirklich sagen, ärgert es mich auch, dass man immer wieder sozusagen systematisch übersehen wird.
00:55:24
Speaker
Und
00:55:26
Speaker
Darf ich da ganz kurz schon mal ein aktuelles Beispiel einwerfen?
00:55:29
Speaker
Einer der großen Player hat hier die Etage Fachbuchkalender durch eine Spielwarenabteilung ersetzt.
00:55:36
Speaker
Also sowas zum Beispiel.
00:55:38
Speaker
Es ist einfach furchtbar traurig, dass sie meinen, sie könnten damit, also man muss dazu sagen, es
00:55:44
Speaker
Es ist hauptsächlich Lego und wir haben einen eigenen Lego-Store in derselben Straße.
00:55:48
Speaker
Also es ist vollkommen absurd, dass sie meinen, da eine Konkurrenz zu sein und gleichzeitig damit den Umsatz zu retten, der ihnen fehlt, anstatt durch Bibliobersität.
00:56:00
Speaker
Absolut.
00:56:02
Speaker
Aber sowas eben wie der Indiebook Day ist natürlich auch ein gutes Beispiel dafür und wirklich danke,
00:56:07
Speaker
Daniel, dass du das erfunden hast, dass du auf die Idee gekommen bist, weil es ist so einfach, es kostet nicht viel, es ist das Plakat, das Plakat wird beigelegt, die Auslieferungen sagen, ja, das legen wir einfach bei, die Barsortimenter sagen, ja komm, schickt uns ein paar tausend, legen wir bei den nächsten Aussendungen dazu.
00:56:25
Speaker
Es ist ein bisschen aufwendig, Quatsch zu machen im Internet und es funktioniert und das kommt aus der Branche heraus.
00:56:32
Speaker
Also das haben wir uns selbst ausgedacht.
00:56:34
Speaker
Das ist dann eben zum Beispiel eine Verlagsförderung, die wir uns selbst ausgedacht haben und auch eine Buchhandelsförderung.
00:56:40
Speaker
Das ist schon sehr gut und wichtig.
00:56:43
Speaker
Solche Aktionen braucht es auch mehr.
00:56:45
Speaker
Manchmal gibt es, glaube ich, auch so eine Tendenz bei uns in der Branche, auf die jeweils anderen Marktteilnehmer oder auf die jeweils anderen Branchen-Segmente zu zeigen und zu sagen, die sind schuld, die sollen sich bewegen.
00:56:57
Speaker
Das macht man aber auch sehr bequem mit dickem Hintern auf seinem Sessel.
00:57:02
Speaker
Man muss da schon auch selber ran und raus und losgehen.
00:57:05
Speaker
Ja.
00:57:05
Speaker
Ich würde da aber auch gerne noch zwei Ergänzungen zu diesen Aktionen bringen.
00:57:11
Speaker
Und zwar aus dem Indiebook Day ist ja erwachsen dann auch oder gekommen die Indiebook Challenge.
00:57:18
Speaker
Mag ich auch total gerne.
00:57:21
Speaker
Macht ihr ja genauso mit, wie wir das auch machen.
00:57:26
Speaker
Also halt auch, dass es in jedem Monat, am Anfang war das glaube ich noch jede Woche, also aber jetzt in jedem Monat ein
00:57:33
Speaker
Thema gibt und zu diesem Thema eben eine Challenge ist, also ein Buch gepostet oder mehrere Bücher, die dazu passen.
00:57:42
Speaker
Also in diesem Monat ist es jetzt gerade das Tabubuch und mit dem Hashtag dann auch auf Social Media gepostet und
00:57:49
Speaker
Was natürlich auch eine super Sache ist, um gerade unsere Backlist-Titel sichtbar zu machen.
00:57:55
Speaker
Das ist ja auch so ein wichtiges Thema.
00:57:57
Speaker
Also deswegen wollte ich das auch gerne hier mal ansprechen, dass einfach solche Aktionen toll sind und dafür sorgen, dass man auch einmal Titel, die überhaupt nicht mehr im Gespräch sind und im Normalfall auch nicht mehr in der Buchhandlung liegen,
00:58:15
Speaker
die wir aber, von denen wir immer noch ganz viele in der Auslieferung haben und die auch genauso unser Herzblut und Leidenschaft sind und die wir wichtig finden, dass wir eben all das, also solche Aktionen machen für Titel, die gut sind, aber eben nicht neu.
00:58:31
Speaker
Und das ist eben auch eine kleine Aktion, aber irgendwie auch eine super tolle Aktion.
00:58:39
Speaker
auch so ein bisschen im Zusammenhang oder eben aus dem Indiebook Day entstanden.
00:58:45
Speaker
Und was anderes, was natürlich auch natürlich aufwendiger ist, aber wo wir alle auch dem Lilienfeld Verlag total danken dafür, dass sie das immer noch weiter organisieren.
00:59:00
Speaker
Und das ist eben die Hotlist,
00:59:03
Speaker
Und ja, was eben auch so eine Aktion ist, wo eben Bücher aus den verschiedensten Genres, von der Graphic Novel über das Fachbuch

Leidenschaft versus finanzielle Herausforderungen

00:59:17
Speaker
bis zum Roman und zum Lyrikband aus unabhängigen Verlagen da eingereicht werden können.
00:59:23
Speaker
Und dann schließt sich zu einer Hotlist der zehn Buchstaben.
00:59:29
Speaker
zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen führen.
00:59:32
Speaker
Und das sorgt eben auch wirklich für eine Sichtbarkeit, auch einfach der Vielfalt dessen, was es in unabhängigen Verlagen gibt.
00:59:44
Speaker
Und das sind einfach auch zwei weitere tolle Aktionen, die
00:59:50
Speaker
Man weiß nicht genau, wie viel sie jeweils bringen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie dazu führen, dass auch Leute irgendwie aufmerksam werden und dass halt einfach das, was unabhängige Verlager machen, sichtbarer wird.
01:00:08
Speaker
Unbedingt, unbedingt.
01:00:10
Speaker
Ich würde nochmal kurz einen Einschub machen, denn der hier viel gelobte Daniel Beskos war bei uns hier tatsächlich schon zu Gast im Podcast.
01:00:19
Speaker
In der vierten Folge, glaube ich, war es, wo wir darüber gesprochen haben, sind Bücher zu teuer.
01:00:24
Speaker
Also hört da gerne nochmal rein.
01:00:26
Speaker
Es war auch eine sehr, sehr interessante Folge.
01:00:29
Speaker
Ich habe jetzt mal eine provokative Frage.
01:00:32
Speaker
Gibt es nicht einfach viel zu viele kleine unabhängige Verlage?
01:00:37
Speaker
Nein, es gibt aber viel zu viele überflüssige Bücher von vielleicht gar nicht unbedingt so kleinen Verlagen.
01:00:45
Speaker
Ja, das ist eine sehr gute, kurze, knackige Antwort, finde ich gut.
01:00:55
Speaker
Ich hatte tatsächlich Viola und Axel auch noch auf dem Zettel, um über die Hotlist zu reden.
01:01:02
Speaker
Das, also nochmal zur Erklärung, war eigentlich als Gegenentwurf, nachdem beim Deutschen Buchpreis Jahr für Jahr die großen bekannten Verlage unter den Nominierten waren, wurde dann also die sogenannte Hotlist ins Leben gerufen mit einem Kuratorium und was weiß ich nicht alles, einem System wie Zitul.
01:01:22
Speaker
sehr, sehr, sehr viele Verlagseinreichungen dann gesichtet wurden, dann entsteht also auch dort eine Longlist.
01:01:28
Speaker
Man kann sich auch beteiligen.
01:01:31
Speaker
Ich glaube, aktuell sogar kann man das noch, kann man noch dafür voten.
01:01:34
Speaker
Ja, aber wenn die Sendung läuft, dann nicht mehr, denn morgen ist die Deadline.
01:01:41
Speaker
Okay, dann im nächsten Jahr trotzdem die Hotlisten, schönes Mittel.
01:01:46
Speaker
Aber eine Sache, nachdem wir jetzt über so viel Positives geredet haben, möchte ich noch mal kurz auf die Messen kommen.
01:01:53
Speaker
Das war damals in einem Fernsehbeitrag.
01:01:57
Speaker
Jörg, dich und Christine, gefühlt übersehe ich euch jedes Wochenende auf irgendeiner Verkaufsmesse oder einer Veranstaltung.
01:02:05
Speaker
Britta, bei dir genau das Gleiche.
01:02:08
Speaker
Das ist einerseits wahnsinnig viel
01:02:12
Speaker
Zeit, Arbeitszeit, Lebenszeit, die ihr da verbringt, die man jetzt mal irgendwie aufrechnen könnte.
01:02:20
Speaker
Das macht man wahrscheinlich besser nicht.
01:02:23
Speaker
Das andere sind Umsätze, die dann dahinterstehen.
01:02:27
Speaker
Und jetzt habt ihr es aber selber ja eben auch gesagt, bei der
01:02:31
Speaker
großen, bei den großen Messen, äh, verkauft ihr auch und manchmal will man das gar nicht, da will man es eigentlich dem Buchhandel lieber gönnen, ähm, andererseits gehört es natürlich auch zur Wahrheit, dass, äh, dass das zumindest ein bisschen hilft, so eine sehr, sehr teure Buchmesse irgendwie zu finanzieren.
01:02:48
Speaker
Äh,
01:02:50
Speaker
Und tatsächlich, auch wir stehen jedes Jahr erneut vor der Frage, wie wichtig ist das Ganze gemessen am Umsatz, eh schwierig, wie viel ist Überzeugung und ist Liebe und mein Gott, man geht doch so gerne hin und ohne Stand und das wäre ja blöd und so.
01:03:12
Speaker
Deswegen, also nur mal das so in den Raum geworfen, immer wieder diese Frage, welche Messen tut man sich an, wie groß und wie klein und dann ist da noch die Fahrtzeit und was weiß ich noch, alles, was da dazukommt und die Unterbringung.
01:03:23
Speaker
Die müssen wir jetzt auch gar nicht beantworten mit Blick auf die Uhr.
01:03:28
Speaker
Aber eine Frage, die jetzt im Raum steht, ist an euch beide.
01:03:34
Speaker
Britta, vielleicht fangen wir mit dir an.
01:03:37
Speaker
Wie oft denkst du oder hast du daran gedacht,
01:03:41
Speaker
Ich lasse das.
01:03:42
Speaker
Ich weiß nicht, man kann vielleicht sogar die Backlist noch irgendwie lieferbar halten mit geringstem Aufwand oder man sucht sich vielleicht sogar einen anderen Verlag und verkauft da seine Backlist und sagt, hier bitte sorgt dafür, dass diese Bücher weiterhin lieferbar bleiben, aber ich bin raus aus diesem ganzen Käse.
01:04:00
Speaker
Ich will auch mal wieder gut schlafen.
01:04:02
Speaker
Ich will mir nicht immer ständig Sorgen machen müssen.
01:04:06
Speaker
Wie oft kommt das vor und warum machst du doch weiter?
01:04:10
Speaker
Nee, das kommt nicht vor.
01:04:11
Speaker
Ich bin da einfach, ich bin Überzeugungstäterin.
01:04:15
Speaker
Ich kann nicht anders.
01:04:17
Speaker
Ich will weitermachen und will auch wieder meine Umsätze größer machen.
01:04:25
Speaker
Nein, es kommt...
01:04:29
Speaker
es kommt sehr, sehr selten vor, bis überhaupt nicht, weil es einfach das ist, was ich liebe, was ich gerne machen will und ja, es ist natürlich auch, genau, es hat natürlich auch so diese, ja, messianische Ader, also so Leute von dem überzeugen zu wollen, was ich toll finde und was ich finde, was wichtig ist und was eben, ja, was andere auch toll finden müssen, also
01:04:58
Speaker
Ja, nee, ich will schon weitermachen, solange ich kann.
01:05:06
Speaker
Okay, und Jörg, an dich genau die gleiche Frage, weil auch das muss man ja mal sagen, wenn wir über sinkende Umsätze und so reden, alles schön und gut.
01:05:13
Speaker
Das sind ja aber nicht die einzigen Herausforderungen.
01:05:16
Speaker
Wir haben die, mal vom Umsatz abgesehen, wünschen wir uns alle, dass die Bücher sichtbar sind, weil sie einfach möglichst viele Leser erreichen sollen, weil wir ja davon überzeugt sind und wollen, dass auch möglichst viele andere das lesen.
01:05:27
Speaker
Es gibt andere Herausforderungen.
01:05:28
Speaker
Es gab damals die Insolvenz der KNV oder auch in Österreich hatten wir auch das mal, dass auf einmal so eine Auslieferung insolvent geht.
01:05:37
Speaker
Auch nicht so schön.
01:05:40
Speaker
Den Zusammenbruch von Weltbild oder auch den verheerenden Brand vor vielen Jahren bei der Auslieferung LKG, wo zigtausende Bücher zerstört wurden, was vorhanden
01:05:52
Speaker
für manche vielleicht nicht das Allerschlimmste war, aber trotzdem für sehr viele war es dann doch wieder dramatisch.
01:05:57
Speaker
Es gibt sehr, sehr, sehr viele Baustellen und Probleme.
01:06:03
Speaker
Trotzdem, Jörg, macht ihr weiter.
01:06:06
Speaker
Warum?
01:06:08
Speaker
Ich glaube, das ist schon so, das ist ganz einfach, wenn ich mir meinen privaten Kontostand angucke, meine Altersvorsorge, meinen Rentenanspruch, kann ja gar nicht anders, muss ich auch weitermachen.
01:06:21
Speaker
Dann haben wir mal ausgerechnet, das war wirklich vor 20 Jahren, als ich das noch mit Werner Labisch zusammen gemacht habe, mit dem ich den Verlag damals gegründet habe,
01:06:30
Speaker
Da haben wir überlegt, ob wir es wirklich zumachen, weil es ökonomisch außerordentlich prekär war und dann haben wir ausgerechnet, das dauert ja noch ein Jahr, bis wir das Ding abgewickelt haben, mindestens.
01:06:39
Speaker
Und dann haben wir gedacht, dann können wir ja auch gleich weitermachen.
01:06:42
Speaker
Dann ist ja auch egal.
01:06:44
Speaker
Und dann haben wir wieder Glück gehabt, also wir haben oft unverschämtes Glück gehabt, dass genau dann, wenn man dachte, jetzt geht nichts mehr, kam doch noch was anderes her.
01:06:55
Speaker
Und
01:07:01
Speaker
Nee, ich wirklich habe auch genau das, was Britta sagt und das ist auch Christine so wichtig.
01:07:09
Speaker
Ist das ein Missionsanspruch?
01:07:10
Speaker
Ich glaube es nicht.
01:07:12
Speaker
Ich glaube aber schon, ja, vielleicht haben wir auch was Didaktisches, weil wir vielleicht auch wirklich wollen,
01:07:20
Speaker
dass mit unseren Büchern die Welt schöner und solidarischer wird.
01:07:24
Speaker
Das muss nicht heißen, dass jedes Buch einen politischen Anspruch hat.
01:07:27
Speaker
Wir haben auch ganz normale Liebesgeschichten.
01:07:31
Speaker
Aber ich glaube schon, dass gerade Sachbücher eh, Wissenschaftsbücher eh auch,
01:07:39
Speaker
aber auch Literatur wirklich manche Dinge vermitteln kann über menschliches Verhalten, menschliches Zusammenleben etc.,

Buchempfehlungen von Britta und Jörg

01:07:49
Speaker
das kriegt, sorry, nicht mal einen Podcast hin und schon gar nicht ein TikTok-Filmchen.
01:07:55
Speaker
Und in manchem Gedicht stecken tausend Buchseiten.
01:08:01
Speaker
Also da ist schon viel da und das macht einfach so große Freude.
01:08:05
Speaker
auch wenn manchmal der Ärger so groß ist, wenn du dann ein super tolles Buch gemacht hast, du weißt, es wird schwierig, dann wird es schwierig, dann wird es aber noch schlimmer, als du erwartet hast und dann bin ich total sauer.
01:08:18
Speaker
Und das nehme ich wirklich, also wir untersuchen natürlich, ist unser Klappentext falsch, haben wir zu wenig Werbung gemacht, die falsche Werbung, war die Pressearbeit gut, war die Veranstaltungsarbeit gut etc., das untersuchen wir alles, da finden wir natürlich auch Fehler.
01:08:32
Speaker
Aber eigentlich bin ich total sauer auf die Welt da draußen.
01:08:35
Speaker
Weil eigentlich brauchen alle dieses Buch.
01:08:38
Speaker
Es wird sie retten.
01:08:39
Speaker
Ich glaube auch wirklich noch an sowas.
01:08:40
Speaker
Ich glaube, dass Bücher retten.
01:08:43
Speaker
Ich kenne das aber auch vom Messestand, wenn Menschen kommen und ich habe da irgendwie gerade Standdienst und jemand fragt mich was und ich erzähle dann was vom Buch und dann sind die ganz freundlich und lesen sich vielleicht dann irgendwie noch den U4-Text durch und sagen Dankeschön und stellen es zurück ins Regal und gehen weiter.
01:09:00
Speaker
Und man möchte sie am liebsten am Arme halten und sagen, du bleibst jetzt hier, ich bin doch nicht fertig mit erzählen.
01:09:09
Speaker
Aber gut, wir haben jetzt wahnsinnig viel über Probleme und es war von vornherein klar, wir werden das heute alles nicht durch bloßes drüber reden klären können.
01:09:20
Speaker
Aber ich glaube, was klar geworden ist, ist zum einen dieser...
01:09:26
Speaker
Wille zum Mut und zur Neugierde, der euch antreibt, der den Buchhandel oft antreibt und weiter antreiben sollte, vielleicht ein bisschen mehr, um auch mal in die kleineren Programme zu schauen.
01:09:41
Speaker
Wir haben auch gehört, auch an den Konditionen liegt es nicht, das kriegt man alles hin.
01:09:46
Speaker
Und
01:09:48
Speaker
Irgendwie ist es dann doch eine Passion und eine Begeisterung, die manchmal vielleicht ins Unvernünftige abdriftet, aber genau deswegen macht das Ganze so großen Spaß.
01:09:59
Speaker
Und nachdem wir so viel theoretisch geredet haben, ist es gute Sitte in diesem Podcast, dass Gäste auch am Ende eine Buchempfehlung mitbringen.
01:10:08
Speaker
Und die würden wir uns jetzt gerne bei euch einfordern.
01:10:11
Speaker
Britta, fangen wir mit dir an.
01:10:13
Speaker
Welches Buch?
01:10:15
Speaker
Ich vermute, du hast einige gerade im Hinterkopf, aber eines hast du uns mitgebracht.
01:10:19
Speaker
Es ist ja wirklich immer sehr schwer, sich dann nur eins empfehlen zu dürfen.
01:10:25
Speaker
Aber es ist jetzt gerade noch Reisezeit und daher empfehle ich ein Buch, was sich da auch sehr gut eignet, über eine portugiesische Dichterin.
01:10:39
Speaker
Das heißt, alles bloß nicht vage, ist ein Porträt geschrieben von Katrin Giorgo Ponciano,
01:10:45
Speaker
über Flor Bella Espanca und auch wenn die ziemlich unbekannt ist, es ist ein super spannendes, tolles Porträt, wo man ganz viel auch über Portugal auch in den 20er Jahren erfährt.
01:11:00
Speaker
Es macht viel Spaß damit, auch ohne zu reisen, trotzdem nach Lissabon, Porto und in den Süden Portugals zu reisen und
01:11:15
Speaker
Das ist meine Empfehlung, alles bloß nicht vage.
01:11:18
Speaker
Die portugiesische Dichterin Florella Espanka und es sind ganz viele wunderbare Gedichte auf Portugiesisch und auf Deutsch auch drin erstmals übersetzt, aber es ist eigentlich ein Porträt, was Spaß macht.
01:11:33
Speaker
Und was für mich eine Entdeckung war, das macht ja auch so Spaß, dann selbst dann Welten zu entdecken, die man vorher nicht kannte.
01:11:41
Speaker
Und das habe ich mit diesem Buch gemacht und empfehle es auch vielen anderen.
01:11:47
Speaker
Und Britta, es heißt immer, nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
01:11:52
Speaker
Der nächste Urlaub kommt bestimmt, selbst wenn die Reise schon vorbei ist.
01:11:55
Speaker
Genau.
01:11:57
Speaker
Das schauen wir uns an.
01:11:59
Speaker
Vielen Dank.
01:12:00
Speaker
Wir verlinken das auch in den Shownotes wieder, sowohl zum Verlag als auch zu Genial Lokal, wer sich das kaufen möchte.
01:12:10
Speaker
Jörg, wie sieht es bei dir aus?
01:12:11
Speaker
Was hast du uns mitgebracht?
01:12:13
Speaker
Also erstmal kann ich auch sagen, alle Bücher aus dem Aviva Verlag unbedingt lesen.
01:12:19
Speaker
Da kommen wir nicht drum rum.

Abschluss und Ausblick auf die nächste Episode

01:12:20
Speaker
Und selbst dann
01:12:22
Speaker
wenn ich manchmal denke, ach nee, Britta, das interessiert mich nicht, dann nehme ich es doch mit und dann, wow, was ist das?
01:12:30
Speaker
Und dann merke ich eben, ich habe es nicht gewusst, aber es war nötig.
01:12:33
Speaker
Und das sollen alle lesen.
01:12:35
Speaker
Und
01:12:37
Speaker
Das denke ich natürlich auch über die Bücher in unserem Verlag.
01:12:41
Speaker
Deswegen empfehle ich auch ein Buch aus unserem Verlag.
01:12:45
Speaker
Und zwar ist es eine Autorin, die überhaupt nicht bislang in Erscheinung getreten ist, Bela Winkens.
01:12:52
Speaker
Bela Winkens ist 84 und ist vor 80 Jahren, also im Alter von vier Jahren aus dem KZ Theresienstadt befreit worden.
01:13:01
Speaker
Und hat dort zwei Jahre, zwei schreckliche Jahre verbracht.
01:13:07
Speaker
hat, wie das bei Kindern so üblich ist.
01:13:10
Speaker
Nur eingeschränkte Erinnerungen kann nicht alles benennen, ist schwer traumatisiert und sie hat in ihrem Buch, das heißt Brief an die Mutter, ihrer ebenfalls im KZ ermordeten Mutter einen Brief geschrieben, wie es ist, damit zu überleben.
01:13:29
Speaker
Das ist ein sehr genau aufgeteiltes Buch.
01:13:31
Speaker
Ich bin völlig überrascht, dass Bela Winkerns noch nie irgendwas veröffentlicht hat.
01:13:35
Speaker
Das ist nach der Menora strukturiert.
01:13:39
Speaker
Es ist voller Gedichte und ein Freund hat mir gerade gesagt, nach jedem dieser Gedichte, also es sind Prosa-Passagen, dann kommt wieder eine lyrische Passage und nach manchen dieser lyrischen Passagen,
01:13:52
Speaker
muss man das Buch erstmal weglegen, weil man schlucken muss.
01:13:55
Speaker
Es ist keine leichte Lektüre.
01:13:57
Speaker
Wir haben jetzt mehrere Leute, die sich sehr gut auskennen, auch gesagt, auch unter der Literatur von Überlebenden ist es nochmal ein sehr besonderes Buch.
01:14:07
Speaker
Das hat es natürlich schwer, weil eben Bela überhaupt nicht bekannt ist.
01:14:10
Speaker
Bela ist auch altersbedingt gerade nicht in der Lage, selbst aufzutreten.
01:14:14
Speaker
Wir haben dann Lesungen gemacht, wo dann Bettina Wilpert oder Anke Stelling, Manja Präkels, Esther Becker, Dilek Günger ihre Stimme Bela geliehen haben.
01:14:26
Speaker
Und es war schon manchmal schwierig, diese Passagen zu lesen.
01:14:28
Speaker
Also man kriegt schon echt feuchte Augen und man ist auch sehr wütend, weil das Buch ist auch ein unglaublich wütendes Buch.
01:14:33
Speaker
Das ist ein sehr lebendiges Buch, ein sehr anklagendes Buch.
01:14:39
Speaker
Und eben, da merkt man, die musste sich mal sozusagen ausschreien.
01:14:44
Speaker
Und macht das auf eine hochliterarische Art und Weise, dann gibt es noch ein sehr gutes, kundiges Nachwort von Gabi Bauer und Peter Pirro.
01:14:53
Speaker
Brief an die Mutter, Bela Winkens, das sind auch so Sachen, auf die man extrem stolz ist und da würde ich genauso sagen, wie bei Britas Büchern, alle müssen es lesen, alle müssen das wissen.
01:15:06
Speaker
Absolut, ich lese es auch gerade und finde es ganz großartig.
01:15:12
Speaker
Neben dem Verlegen habt ihr beide, das finde ich auch unglaublich gut drauf, eure eigenen Bücher zu präsentieren und vorzustellen.
01:15:21
Speaker
Und diese Begeisterung, die ihr empfindet, ist bei mir zumindest gerade angekommen.
01:15:25
Speaker
Bei den anderen beiden habe ich es auch gesehen.
01:15:27
Speaker
Hoffen wir, dass das gerade ganz vielen, die es hören, auch so geht.
01:15:32
Speaker
Vielen, vielen Dank, dass ihr beide euch die Zeit genommen habt, dass ihr euch so ehrlich gemacht habt.
01:15:40
Speaker
Wir wünschen uns allen, hier glaube ich, für uns alle steigende Umsätze.
01:15:48
Speaker
Künftig jeder... Nein, mehr Leserinnen und Leser, weil die kaufen ganz automatisch.
01:15:54
Speaker
Ich möchte einfach, das ist ja eigentlich die Krux, was wir vorhin hatten mit den Börsenblattzahlen.
01:15:59
Speaker
Die Krux ist ja eigentlich, dass uns die Leserinnen wegbrechen und die Leser.
01:16:03
Speaker
Also ich glaube, jeder einzelne Leser geht hin und kauft Unmengen.
01:16:09
Speaker
Also ich glaube, da brauche ich uns alle nur angucken, uns alle fünf.
01:16:12
Speaker
Aber die fehlen uns.
01:16:14
Speaker
Ich wünsche mir noch mehr begeisterte Menschen, die in die Buchhandlung gehen.
01:16:18
Speaker
Aber Tina, denk an die Buchmessen, denk an die Buchmärkte.
01:16:22
Speaker
Ja, wir haben ein Licht.
01:16:24
Speaker
Wir haben ein Licht.
01:16:26
Speaker
Die kommen wieder.
01:16:27
Speaker
Aber die Frage ist ja immer, ob wir noch die nächsten 20 Jahre überleben, bis sie soweit sind.
01:16:33
Speaker
sich wieder auf das Sachbuch zu konzentrieren.
01:16:35
Speaker
Oder vielleicht zehn Jahre.
01:16:37
Speaker
Zehn Jahre müssen wir jetzt überleben.
01:16:39
Speaker
Ich bin da vollkommen deiner Meinung, Jörg.
01:16:41
Speaker
Ich freue mich über jeden neuen Leser und jede neue Leserin, die auf die Messe kommt.
01:16:45
Speaker
Mir geht das Herz auch, wenn ich sehe, wie die mit dem Geld umgehen, um sich neue Bücher zu kaufen.
01:16:50
Speaker
Ich freue mich total.
01:16:52
Speaker
Die sind nur noch inhaltlich bei uns angekommen.
01:16:55
Speaker
Und ich fange jetzt nicht an, irgendwie Romans zu produzieren, um die zu bedienen.
01:17:00
Speaker
Ich muss einfach zehn Jahre durchhalten.
01:17:03
Speaker
Ja, wir teilen uns einfach auf.
01:17:05
Speaker
Die fangen jetzt erst mal mit Krimis an.
01:17:10
Speaker
Dann gehen sie zu den guten Romanen über und dann zum Sachbuch.
01:17:14
Speaker
Ist okay.
01:17:14
Speaker
Genau, genau.
01:17:16
Speaker
Und zum Lebensende hin dann zum christlichen Ratgeber.
01:17:21
Speaker
Das haben wir doch gar nicht mehr.
01:17:23
Speaker
Ach so, hättest du das mal ein bisschen erklärt.
01:17:26
Speaker
Am Lebensende dann Punk.
01:17:27
Speaker
Dann bitte zu uns.
01:17:32
Speaker
Oder einfach alles bunt durchgemischt.
01:17:34
Speaker
Wenn ihr Lust auf unsere beiden Gäste heute bekommen habt, ihr seid natürlich auch in Frankfurt auf der Messe.
01:17:44
Speaker
Euch kann man auch ganz wunderbar besuchen und Gmeiner kann man besuchen, Patmos kann man besuchen.
01:17:51
Speaker
Die E-Buch kann man auch besuchen, kann man ja auch mal sagen, da stehen wir gelegentlich rum.
01:17:57
Speaker
Und was ich auch noch sagen wollte, wir hatten im Mai, glaube ich, in der Mai-Folge die beiden ganz zauberhaften Buchhändlerinnen Rieke und Rieke vom Bookish Empire aus...
01:18:14
Speaker
die jetzt auch ganz frisch einen Podcast gegründet haben.
01:18:19
Speaker
Er heißt Zwischen Seiten und Süßmäusen.
01:18:23
Speaker
Wenn euch die beiden in unserer Folge auch so sympathisch rüberkamen, dann hört da mal rein.
01:18:29
Speaker
Das kann nur schön werden.
01:18:31
Speaker
Und wir sagen vielen Dank.
01:18:33
Speaker
Wir sind so gut vorbereitet wie nie.
01:18:35
Speaker
Wir wissen schon, wer der nächste Gast sein wird.
01:18:37
Speaker
Das ist nicht selbstverständlich.
01:18:39
Speaker
Das nächste Mal reden wir über Buchgemeinschaften.
01:18:45
Speaker
Da hat sich der Markt auch ein bisschen ausgedünnt.
01:18:48
Speaker
Da ist es nicht so schwer zu erraten, wen wir da zu Gast haben werden.
01:18:52
Speaker
Freut euch darauf, das wird gut.
01:18:53
Speaker
Vielen Dank für heute erstmal an Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer für die Zeit, für die Antworten und den Einblick.
01:19:00
Speaker
Dankeschön und bis zum nächsten Mal.
01:19:03
Speaker
Tschüss.
01:19:04
Speaker
Euch vielen Dank für die Einladung.
01:19:05
Speaker
Es war super.
01:19:07
Speaker
Hat Spaß gemacht.