Transcript
Speaker: Hallo!
Speaker: Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis.
Speaker: Diese Folge wird euch präsentiert von der Frankfurter Buchmesse.
Speaker: Vom 15. bis 19.
Speaker: Oktober trifft sich die Buchwelt in Frankfurt.
Speaker: International, lebendig, vielfältig.
Speaker: Dieses Jahr bringt der Ehrengast Philippinen 183 Sprachen und starke Geschichten mit.
Speaker: Jetzt Tickets sichern auf buchmesse.de.
Speaker: Und jetzt viel Spaß mit der Folge.
Speaker: Hallo und herzlich willkommen.
Speaker: Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt, der Podcast.
Speaker: Es ist jetzt schon ein paar Wochen wieder her, da habe ich im Fernsehen einen Beitrag gesehen, wo zwei Menschen aus Berlin, die jeweils einen Verlag führen, in einem Beitrag zu sehen waren im RBB, in dem sie wahnsinnig ehrlich darüber geredet haben, dass es gerade in den Geschäften nicht so richtig gut läuft.
Speaker: Und das ist noch untertrieben.
Speaker: Die haben wirklich...
Speaker: Die waren sehr ehrlich und das hat mich nicht losgelassen.
Speaker: Ich habe danach noch lange überlegt, warum haben die das gemacht?
Speaker: Warum haben die sich da so ins Fernsehen gesetzt?
Speaker: Jetzt kann man natürlich sagen, es gibt ja das alte Sprichwort, jammern ist des Kaufmannsgruß.
Speaker: Ich meine, wir machen das eh alle nur für die Kultur und niemand von uns muss Essen kaufen oder braucht mal eine Hose.
Speaker: Geld verdienen mit Büchern ist eh verpönt.
Speaker: Und gehört es sich nicht eigentlich auch zum guten Ton als Geschäftsmann oder Geschäftsfrau, dass ich immer sage, Mensch, es läuft alles Bombe.
Speaker: Ich bin eigentlich unantastbar, es könnte jedes Jahr nur zuwächse.
Speaker: Und es hat mich wirklich länger beschäftigt, was das bedeutet, sich da so hinzusetzen und so ehrlich zu sein.
Speaker: sodass für uns dann klar war, so ein kurzer Fernsehbeitrag reicht nicht aus, die laden wir ein, die fragen wir, wie sieht's aus in der Verlagswelt, dass es schwierig ist für Indies, insbesondere für alle, für Druckereien, für Buchhandlungen, für jeden, völlig klar.
Speaker: Aber wie ist eigentlich, wie ist wirklich, wir machen mal Kassensturz, wie sieht's aus und gibt's irgendwie Licht am Ende des Tunnels und warum tut man sich das eigentlich alles noch an?
Speaker: Das
Speaker: Erhoffe ich mir, dass wir das heute ein bisschen ansprechen.
Speaker: Ich freue mich sehr, dass die beiden da sind.
Speaker: Herzlich willkommen, Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer.
Speaker: Hallo, ich freue mich auch.
Speaker: Hallo, ebenso.
Speaker: Zum Beginn unseres Podcasts haben wir immer neun schnelle Fragen an unsere Gäste.
Speaker: Und da wir heute wieder zwei Gäste haben, werden die wie immer abwechselnd befragt.
Speaker: Und die Fragen haben wir diesmal schon auch wieder ein bisschen drauf zugeschnitten.
Speaker: Und würden einfach, ich fange einfach mal mit Britta an.
Speaker: Die Dame vor dem Herrn.
Speaker: Druckereipanne bei der Kolorierung oder Tippfehler auf dem Buchcover?
Speaker: Was ist schlimmer?
Speaker: Auch Tippfehler auf dem Buchcover natürlich.
Speaker: Lieber 1000 Exemplare eines Lyrikbands verkaufen, für den du brennst oder 100.000 eines Titels, den du für banal und überflüssig hältst, Jörg.
Speaker: ich kann keine banalen und überflüssigen Titel verkaufen, ich bin da ein schlechter Verkäufer, mir merkt man das sofort an und dann denkt man, oh, das Buch ist scheiße, obwohl man es vielleicht geliebt hätte.
Speaker: Deswegen 1000 Lyrikbände.
Speaker: Außerdem sind 1000 Lyrikbände ein großes Ereignis, das ist mehr als 100.000 Kitschromane.
Speaker: Geht ja um Umsatz, Umsatz, Umsatz.
Speaker: Pritta, Verlagsvorschau als TikTok oder die Buchpremiere als Poetry Slam?
Speaker: Hm, also dann würde ich vielleicht doch, obwohl ich wenig Erfahrung sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen habe, aber da würde ich doch die Buchpremiere als Poetry Slam vorziehen und einfach mal ausprobieren.
Speaker: Jörg, das Manuskript noch auf Diskette oder die Leseprobe als Sprachnachricht per WhatsApp?
Speaker: Oh mein Gott, ist das schlimm.
Speaker: Trotzdem WhatsApp.
Speaker: Fritta, den Herausgeberpreis sei vom Wirtschaftsministerium erhalten oder ein Fanbrief von Elfriede Jelinek.
Speaker: Oh, das... Geld oder Liebe?
Speaker: Das ist schwer.
Speaker: Da würde ich ja am liebsten beides bekommen.
Speaker: Aber in der jetzigen Situation muss ich jetzt leider doch den schnöden Wirtschaftspreis annehmen.
Speaker: Das ist ehrlich und gut.
Speaker: Lieber das komplette Programm 2025 beziehungsweise 26, wir sind ja, ihr seid sicherlich auch schon im Frühjahr, mit Chat-GPT-Plan oder mit dem Würfel entscheiden lassen.
Speaker: Würfel.
Speaker: Ich glaube, das ist weniger zufällig.
Speaker: Pritta, wir kommen noch mal zu einer Cover-Frage.
Speaker: Cover in Comic-Sense oder Klappentext in Reimform?
Speaker: Oh, Klappentext in Reimform finde ich super.
Speaker: Das will ich gerne mal ausprobieren.
Speaker: Jörg, verkaufst es, aber jeder sagt, es sei typisch Bastel-Lübbe oder für ihr Torliebling mit 47 verkauften Exemplaren.
Speaker: Gegen Bastel-Lübbe ist grundsätzlich nichts einzuwenden, also Bastel-Lübbe.
Speaker: Und Britta, du noch eine letzte Frage.
Speaker: Nie wieder ein Buch über Frauen verlegen oder jeden Tag mit Christian Lindner zu Mittagessen?
Speaker: Oh, also das ist wirklich, da kann ich nicht auswählen.
Speaker: Also nie wieder ein Buch über Frauen, das geht überhaupt nicht.
Speaker: Aber das Mittagessen auch nicht.
Speaker: Aber das Mittagessen mit Christian Lindner, nee, da bin ich leider unpestlich.
Speaker: Ja.
Speaker: Und da ihr jetzt schon ganz viel sozusagen intime Details der beiden VerlegerInnen gehört habt, stellt Andi euch die jetzt nochmal in Kürze vor, weil die haben beide einen super spannenden Lebensweg hinter sich.
Speaker: Genau.
Speaker: Und wie es sich natürlich gehört, fange ich mit der Dame an.
Speaker: Britta Jürgs wurde in Frankfurt am Main geboren.
Speaker: Sie ist Germanistin, Romanistin und Kunsthistorikerin.
Speaker: 1997 gründete sie ihren Aviva-Verlag.
Speaker: Aviva bedeutet auf hebräisch Frühling und der Name könnte tatsächlich passender gar nicht sein, denn der Verlag hat sich vor allem um die Wiederbelebung vergessener jüdischer Autorinnen verdient gemacht.
Speaker: Im Verlag erscheinen zudem Romane, Reiseberichte, Reportagen, Lyrik oder auch Theaterstücke vergessener Autorinnen sämtlicher Epochen.
Speaker: Bei Aviva geht es also nicht um Trends, denn jedes Buch ist eine Herzensangelegenheit.
Speaker: Und ich glaube, das haben wir ja auch schon bei den neuen Fragen hören dürfen.
Speaker: Neben ihrem Verlag leitet Britta seit 2012 die Redaktion der Virginia Frauenbuchkritik, der ältesten feministisch geprägten Literaturrezensionszeitschrift im deutschsprachigen Raum.
Speaker: Ihr literarisches und gesellschaftliches Engagement führten zu zahlreichen Preisen.
Speaker: Letztes Jahr erhielt sie zum Beispiel den Kurt-Wolf-Preis auf der Leipziger Buchmesse.
Speaker: Sie war zudem die Bücherfrau des Jahres 2011 und hat auch mit dem Verlag mehrmals den Deutschen Verlagspreis gewonnen.
Speaker: Unser zweiter Gast Jörg ist ebenfalls Preisträger des Kurt-Wolf-Preises und auch des Deutschen Verlagspreises.
Speaker: Bevor er aber ebenfalls zum Preisträger wurde, studierte er in Bielefeld Literaturwissenschaften.
Speaker: Irgendwann zog es ihn dann nach Berlin, wo er eher aus einer Schnapsidee heraus einen Verlag gründete.
Speaker: Dieser Verlag feiert übrigens dieser Tage seinen 30.
Speaker: Geburtstag, also an dieser Stelle auch nochmal Happy Birthday und hoffentlich dann auf die nächsten 30 Jahre.
Speaker: mit dem Chihuahua Tiller und seiner Partnerin in Crime, die später zum Verlag dazu stieß, aber die bei uns auch schon zu Gast war.
Speaker: Und zwar in der allerersten Folge, die redet es natürlich von Christine Listau, führt er den Verbrecher Verlag.
Speaker: Was also 1995 eher aus Schabernack entstand, ist mittlerweile zu einem literarischen Schwergewicht im deutschen Buchmarkt geworden.
Speaker: Im Verbrecher Verlag erscheinen preisgekrönte Romane, politische Essays, Comics, Kinderbücher und noch vieles mehr.
Speaker: Alles bewegt sich so zwischen Pop und Theorie.
Speaker: Unser Gast ist übrigens nicht nur Verleger, sondern noch viel mehr.
Speaker: Er ist Gründungsmitglied von Penn Berlin, saß selber im Vorstand der Kurt-Wolf-Stiftung.
Speaker: Er ist Kolumnist und selber auch Autor.
Speaker: Und hier noch ein kleiner Funfact, den hat Britta mir verraten.
Speaker: Er hat ein Buch über Berliner Friedhöfe geschrieben.
Speaker: Das finde ich sehr, sehr spannend.
Speaker: Das habe ich gelesen, das ist sehr gut.
Speaker: Wir dürfen uns also glücklich schätzen, dass wir heute zwei der klügsten Köpfe zu Gast haben, wenn es ums unabhängige Publizieren geht.
Speaker: Herzlich willkommen nochmal im Alles Buchmarkt Podcast, Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Danke für den warmen Empfang, da wird man ja ganz rot im Gesicht.
Speaker: Ja, aber ihr habt ja beide auch eine eindrucksvolle Vita.
Speaker: Das ist wirklich sehr, sehr spannend und auch sehr dankbar in der Vorbereitung.
Speaker: Mit Wolfsstiftung, da waren wir übrigens zusammen im Vorstand.
Speaker: Ich wäre die Vorsitzende, aber genau.
Speaker: Das ist auch das Engagement für die unabhängigen Verlage und das unabhängige Verlegen.
Speaker: Ja, deswegen haben wir euch ja auch eingeladen und für mich, ich habe jetzt eure ganzen Preise erwähnt, gleich mal vielleicht als Einstiegsfrage, die sind ja oft auch dotiert, eher Tropfen auf den heißen Stein oder ist sowas überlebenswichtig für euch?
Speaker: Es ist natürlich nichts, womit man rechnen kann.
Speaker: Das ist das große Problem dabei.
Speaker: Aber es wird zunehmend überlebenswichtig, weshalb wir ja auch schon seit Jahren dabei sind, tatsächlich mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen eine strukturelle Verlagsförderung zu fordern und zu wünschen.
Speaker: Es ist gut, aber es reicht nicht.
Speaker: Woran scheitert diese Verlagsförderung denn?
Speaker: Ohne jetzt in den aktuellen Verhandlungen zu sitzen, glaube ich schon, und das merkt man ja auch immer wieder, dass es einen gewissen politischen
Speaker: Unwillen gibt bei der Kulturförderung und bei der, gerade wir, Britta und ich, sitzen ja beide in Berlin und wissen, hier beim Kultursenat wird dann richtig durchgespart.
Speaker: Dafür wird schon die nächste Autobahn geplant.
Speaker: Damit könnte man den Kulturetat verdoppeln quasi.
Speaker: Also es ist einfach ganz fürchterlich.
Speaker: Und
Speaker: Natürlich ist es viel Geld, aber unser Vorbild war hier immer die Kinolandschaft.
Speaker: Auch da wird ja gefördert und ohne das wären die meisten Kinos nicht mehr betreibbar.
Speaker: Insofern ist das, glaube ich, auch keine Sache, bei der man sich schämen muss oder wo Christian Lindner sagen würde, ja, man muss sich am Markt durchsetzen, wie Christian Lindner gerade selbst erfahren hat.
Speaker: Klappt das nicht immer?
Speaker: Und insofern
Speaker: Deswegen denke ich, das wäre schon eine günstige Sache.
Speaker: Es gibt ja auch viel Absichtserklärung aus der Politik, aber es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis es dann wirklich kommt.
Speaker: Ich habe in der Vorbereitung, Jörg, ein Interview von dir gehört, was du dem Deutschlandfunk im Januar 2022 gegeben hattest, wo man dich gefragt hatte, wie wird das Verlagsjahr für dich, was erhoffst du dir?
Speaker: Und du hast damals gesagt, ja Mensch, mal eine Befreiung der Mehrwertsteuer, das wäre doch was, vielleicht klappt das ja dieses Jahr mit der Regierung.
Speaker: Jetzt sind wir im August 25, so richtig ist da auch noch nichts zu sehen.
Speaker: Wobei man fairerweise auch sagen muss, wenn wir die ganze Zeit auf anderen Branchen rumtrampeln, die gefördert werden, weiß ich, dass auch in der Filmförderung oder auch in der Fernsehförderung, auch die haben ganz, ganz große Probleme, weil es alles sehr vage ist und weil die natürlich genauso auf Zusagen warten und das alles irgendwie unplanbar ist.
Speaker: Also es ist kein exklusives Problem, was wir haben.
Speaker: Und trotzdem
Speaker: muss man ja sagen, ihr beide werdet mit Preisen überhäuft.
Speaker: Jörg, nicht nur du natürlich, denn wenn mich die sozialen Medien nicht angelogen haben, dann hat deine Frau heute Geburtstag und du hast die Party verlassen.
Speaker: Und deswegen nochmal doppelt danke, dass du dir die Zeit heute genommen hast.
Speaker: Liebe Grüße.
Speaker: Aber was, vielleicht gehen wir mal so rum, wie kam es damals, diese Anfrage an euch, wollt ihr in diesem Fernsehbeitrag mitmachen oder habt ihr das angestoßen, wie kam es dazu?
Speaker: Reden wir vielleicht da erst mal, das war ja der Stein des Anstoßes auch für uns heute.
Speaker: Ich wurde angefragt.
Speaker: Ich habe keine Ahnung, weshalb und warum, aber dachte dann, ja, na klar, über die Branche und das unabhängige Verlegen, da sage ich zu.
Speaker: Ich hatte natürlich dann ein bisschen nach dem netten Vorgespräch, habe ich dann gehört, okay, Fernsehen und dachte dann so, oh Gott, in mein Chaosbüro.
Speaker: Da soll tatsächlich dann ein Fernsehteam kommen.
Speaker: Also das hatte mich dann kurz mal stutzen lassen, aber dann dachte ich so, okay, so ist die Realität.
Speaker: Bei mir sind die Stapel überall und ja, so, dann sollen sie eben bei mir filmen.
Speaker: Aber war das Ziel dieses Beitrags am Anfang, wir machen was über die unabhängigen Verlage oder haben die gegoogelt Verlegerinnen Geldnöten und dann warst du der erste Treffer?
Speaker: Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich mich dann so geoutet habe, wie stark die Umsatzeinbrüche in diesem Jahr sind, was sie natürlich auch sofort übernommen haben, wo ich dann dachte, oh, war das jetzt gut, dass ich das tatsächlich gesagt habe.
Speaker: Aber ich weiß es nicht genau.
Speaker: Aber natürlich ist es so, dass ich auch häufiger, also nicht so häufig wie Jörg, denke ich mal, aber doch, wenn es um unabhängige Verlage und auch die Schwierigkeiten, es sollte um die Schwierigkeiten der unabhängigen Verlage gehen.
Speaker: Und da melde ich mich doch auch häufiger zu Wort.
Speaker: Und deswegen, ja,
Speaker: Und bin eben auch nach wie vor auch im Vorstand des Landesverbands, des Börsenvereins Berlin-Brandenburg und so weiter.
Speaker: Also ja, da kommt man dann schon irgendwie auch auf meinen Namen.
Speaker: Machen wir es ruhig nochmal konkret.
Speaker: Du hast gesagt in diesem Beitrag, ich hoffe, ich darf das jetzt sagen, oder nicht, dass du es mittlerweile bereust, du hast gesagt, naja, du bist jetzt verglichen mit dem Vorjahreszeitraum knapp bei der Hälfte, glaube ich, des Ruhmesatzes zum Zeitpunkt dieser Ausstrahlung.
Speaker: Jetzt weiß, glaube ich, jeder, jeder Buchhändler, jeder, der irgendwie eine Firma hat oder...
Speaker: Es braucht für jedes Geschäft eine gewisse Kontinuität, damit man planen kann.
Speaker: Eine Abweichung von ein paar Prozenten ist nicht schön, vor allem, wenn es nach unten geht, aber es immer noch irgendwie aufzufangen.
Speaker: Aber das ist ja wirklich, das ist dramatisch und Existenzbedrohung.
Speaker: Ich glaube, das war auch das, was bei mir wirklich so hängen geblieben ist.
Speaker: Ich dachte, boah, krass, dass sie das ausspricht, dass sie sich das traut, dass sie so ehrlich ist und verbunden mit der Frage, ist das so eine...
Speaker: Oder so eine jetzt ist auch alles egal Haltung, jetzt mache ich es einfach öffentlich und transparent oder kam das aus dir raus, war die Redakteurin oder der Redakteur so vertrauensselig, dass du gedacht hast, Mensch, jetzt rede ich mal über meine Zahlen, weil das ist ja trotzdem was, was nicht so üblich ist.
Speaker: Ich bin nun mal halt auch ziemlich vertrauensselig oder ziemlich ehrlich und kann mich da immer nicht so zurückhalten.
Speaker: Und ich dachte halt auch so, okay, das muss jetzt auch mal jemand aussprechen, wie dramatisch das ist.
Speaker: Wir tun immer so, als würde alles in unserem wirklich spannenden, aber nicht einfachen Dasein alles immer so weitergehen.
Speaker: Aber
Speaker: Aber es ist nicht selbstverständlich.
Speaker: Und natürlich kennen wir irgendwie alle schon Durststrecken.
Speaker: Also ich habe da mehrere Zeiten in diesem Jahr, mittlerweile auch so 28 Jahren Verlag fast, wo es auch sehr, sehr schwierig war.
Speaker: Aber das Erschreckende ist ja, auch wenn es bei mir oder in meinem Verlag jetzt in diesem Jahr noch etwas krasser ist als bei anderen, aber
Speaker: Das Erschreckende ist ja wirklich dieses Symptom oder dass es halt wirklich strukturell zu sein scheint.
Speaker: Also dass da wirklich, es gibt ja auch ganz viele Gründe.
Speaker: Das hat jetzt nicht damit zu tun, dass ich jetzt, was weiß ich, die aktuellen Titel, das alles irgendwie überhaupt nicht verkauft.
Speaker: Das kann ich auch gar nicht sagen.
Speaker: Oder dass halt irgendwie das Programm so schlecht war.
Speaker: Das bestreite ich total.
Speaker: Aber es gibt halt viele Gründe, die dazu führen, dass man bei Kolleginnen und Kollegen, gerade irgendwie bei den unabhängigen Verlagen, aber es ist auch wirklich, also das ist bei den großen Häusern, hört man das ja auch, also dass es überall zunehmend Probleme gibt.
Speaker: Und deswegen dachte ich auch,
Speaker: Ja, ich spreche das mal aus.
Speaker: Es ist jetzt irgendwie wirklich krasser.
Speaker: Aber wie soll es anders sein, wenn ganz viele Buchhandlungen, unabhängige Buchhandlungen hier und also aus den verschiedensten Gründen dicht machen?
Speaker: Das sind die, die unsere Kunden, Kundinnen so anbieten.
Speaker: verlässliche Kundinnen und Kunden immer waren, die einen machen aus Altersgründen, die anderen, weil die Nachfolger dann so eine hohe Miete bekommen, dass sie dann damit keine Buchhandlung mehr machen können.
Speaker: Also es gibt die verschiedensten Gründe, aber wenn sie dann zu neuen Thalias werden, dann sind wir da raus im Normalfall.
Speaker: Es sei denn, wir haben mal gerade einen zufälligen Bestseller,
Speaker: Okay, bei mir ist der letzte jetzt 20 Jahre noch nicht her, aber fast 20 Jahre her, als ich einen kleinen Bestseller hatte.
Speaker: Da ist man dann natürlich automatisch drin, aber ansonsten kommt man da einfach nicht gut rein.
Speaker: Und dann halt, ja, also das ist natürlich ein gewichtiger Grund, auch die sogenannten Remittenten, die wieder von den Buchhandlungen immer schneller zurückgeschickten Bücher, das ist auch wirklich ein Grund, denn Umsätze sind vielleicht da und dann kommen wieder so viele Remis dazu,
Speaker: dass dann nichts hängen bleibt.
Speaker: Aber natürlich auch die immer größere Unsichtbarkeit überall in den Medien.
Speaker: Klar, so richtig beklagen kann ich mich auch nicht.
Speaker: Viele sind viel unsichtbarer und werden nicht nur
Speaker: Also da kommt schon, der Aviva Verlag kommt auch vor, aber natürlich viel geringer als das noch vor, was weiß ich, vor zehn Jahren war, weil die Plätze natürlich immer geringer werden.
Speaker: Die Berichterstattung über Bücher, über Verlage, über Literatur wird ja immer kleiner und dann geht die Schere immer weiter auseinander, wie sie eben auch im Buchhandel immer weiter auseinander geht.
Speaker: Wer kommt vor?
Speaker: Was muss man haben?
Speaker: Was sind die Pflichttitel?
Speaker: Und ja, also dazu zählt mein Programm nicht.
Speaker: Das ist die Kür und das ist das Sahnehäubchen.
Speaker: Aber es ist jetzt nicht unbedingt, schon gar nicht mit jedem Titel oder mit jedem Programm was dabei, worüber unbedingt alle sprechen müssen und wollen.
Speaker: Und so kommt das.
Speaker: Aber das ist natürlich so eine Tendenz, die macht sich bei den anderen genauso bemerkbar, nur vielleicht nicht ganz so extrem.
Speaker: Aber was ich ja auch interessant finde, und das war auch so ein bisschen der Aufhänger für uns, dass ja durchaus, wenn man sich so die Presse anschaut, also wenn man sich so die Buchmarktzahlen anschaut, dann sieht man hier, ich habe jetzt gerade vom Börsenblatt offen, das vergangene Jahr hat der Buchbranche ein leichtes Umsatzplus beschert.
Speaker: Und dann hier noch ein Zitat, der Buchmarkt behauptet sich erfolgreich in angespannten Zeiten.
Speaker: Das klingt alles sehr positiv und so schön und man denkt, ah, scheint ja doch irgendwie alles gut zu sein.
Speaker: Und dann hört man von euch beiden eigentlich genau das Gegenteil.
Speaker: Das ist auch irgendwie...
Speaker: was ja einfach so interessant ist und was ich bei mir auch noch nicht im Kopf zusammenkriege.
Speaker: Also, dass die Schere da so auseinandergeht.
Speaker: Wer ist denn, also sind es die großen Verlage, die quasi für den Umsatzplus sorgen?
Speaker: Also ich muss da ein bisschen widersprechen.
Speaker: Ich glaube, das Umsatzplus erklärt sich ganz einfach durch die höheren Buchpreise.
Speaker: Punkt.
Speaker: Die Stückzahlen der verkauften Bücher ist nicht gestiegen.
Speaker: Das ist aber auch nicht so stark gesunken, wie man es eigentlich dann denken sollte und vermuten sollte, wenn man sich die Umsätze anguckt bei den Verlagen oder die Gewinne.
Speaker: Wenn wir uns angucken, die letzten drei großen Buchmessen im deutschsprachigen Raum, Frankfurt, Wien, Leipzig, alle an mindestens einem Tag ausverkauft.
Speaker: Alle kennen das nicht.
Speaker: Das kannten die nicht bis dahin.
Speaker: Das ist nie auf einer Buchmesse passiert.
Speaker: Selbst 100-jährige Buchmessenbesucher haben keine ausverkaufte Buchmesse gesehen.
Speaker: In Leipzig zwei Tage lang, da standen die Leute bis zum S-Bahnhof, also mindestens eine Stunde Wartezeit, um über 20 Euro Eintritt zu bezahlen, um dann Bücher anzuschauen oder eben kaufen zu können.
Speaker: Da können wir uns auch einmal auf die Schulter klopfen.
Speaker: Da kommt komischerweise nichts.
Speaker: Das finde ich immer ganz komisch.
Speaker: Also da ist die Branche dann ganz kleinlaut oder sagt dann etwas verächtlich, ja, das ist ja alles New Adult und dieses Zeug.
Speaker: Das sind Leserinnen und Leser, die erstmal offensichtlich dieser Kulturtechnik etwas abgewinnen können.
Speaker: Das ist nicht ganz wenig.
Speaker: Dann bleiben diese Leute auch bei uns hängen.
Speaker: Christine hat letztens noch wieder erzählt, wir hatten eine Manga-Figur bei uns.
Speaker: Also wir konnten auch kein Geschlecht bestimmen, bis dann mit einer sehr tiefen Sprache sie angesprochen wurden.
Speaker: Und diese Manga-Figur stand, das war so ein bisschen so ein
Speaker: Lazy Samstag Frühabend und stand bei uns in der Theorie-Ecke, also wirklich kritische Theorie, Adorno, Horkheimer, dieses und wirklich so Spezialfälle, wo ich teilweise auch sagen muss, da verstehe ich auch nicht mehr alles.
Speaker: Und
Speaker: Ich habe gedacht, naja, da stehst du aber auch richtig gut, Manga-Mensch.
Speaker: Und dann kam diese Figur zu uns mit vier so Kloppern, die alle im Bereich Mitte, Ende 20 Euro liegen und sagt, kann ich mit Karte bezahlen?
Speaker: Dann habe ich gesagt, ja, ist schon ein bisschen teurer.
Speaker: Wir sind jetzt schon bei 100 Euro.
Speaker: Ja, kein Problem.
Speaker: Mach dann die Tüte auf, von der ich jetzt dachte, da ist lauter lustiges japanisches Zeug drin und da waren nur Surkamm-Theorie-Klopper drin.
Speaker: Ich schaffte da auch so Sachen dazu.
Speaker: Das fand ich ganz toll.
Speaker: Dann habe ich natürlich überlegt, wäre Adorno heute auch eine Manga-Figur?
Speaker: Und wenn man sie in den Badehosen sieht, kann man es sich vorstellen.
Speaker: Aber das nur am Rande.
Speaker: Ich glaube, da passiert was.
Speaker: Was bei vielen Buchhandlungen auch passiert, ist eine deutliche Verjüngung des Publikums.
Speaker: Das berichten ganz viele.
Speaker: Jetzt haben wir aber auch Buchhandlungen, in denen ist das gesamte Personal doppelt so alt wie das junge Publikum oder dreimal so alt.
Speaker: Teilweise auch, weil die Leute das Geschäft nicht abgeben können.
Speaker: Teilweise, weil sie keine gute Rente haben.
Speaker: Das sind ja auch reale Probleme.
Speaker: Aber
Speaker: Ich war jetzt oft unterwegs, ich bin immer, und wir sind immer mit dem Fahrrad unterwegs, Christine und ich, und wir können einfach nicht an Buchhandlungen vorbeifahren.
Speaker: Das ist eine schlimme Sache, man muss einfach immer reingehen.
Speaker: Die Buchhandlungen, selbst in der mecklenburgischen oder holsteinischen Pampa, die da eine Manga-Ecke haben, die eine New Adult-Ecke haben, da sind Leute drin.
Speaker: Also man sollte das auch nicht verachten.
Speaker: Wenn man aber...
Speaker: sagen wir mal, nur seine Thomas-Mann-Ausgaben da hat, glaube ich, wird das nicht mehr funktionieren.
Speaker: Und diesen Buchhandel gibt es auch noch, da muss es auch einen Umbruch geben.
Speaker: Da müssen wir uns auch bei der Frage der Überalterung selbst ein bisschen an die Nase fassen.
Speaker: Und wir haben eben, unsere jüngste Mitarbeiterin ist noch keine 30 und wir lernen wahnsinnig viel von der.
Speaker: gerade auch ein anderer Zugang zu Büchern.
Speaker: Und diese Frau ist ein echter Bücherfresser.
Speaker: Also wenn du dir Bücher wegnimmst, die geht ein wie eine Blume ohne Wasser.
Speaker: Und ich glaube schon, dass da was ist und dass vieles auch in der Branche geändert werden müsste.
Speaker: Es gibt dann aber allgemein...
Speaker: Ich nenne es mal kulturfeindliches, feindlich ist vielleicht zu hart, ein kulturbeargwöhnendes Klima.
Speaker: Und spätestens, man hält Bücher immer für Luxus.
Speaker: Ja, in den Ferien lese ich dann ein oder zwei.
Speaker: Das geht auch anders.
Speaker: Und die Glotze muss auch nicht den ganzen Tag laufen.
Speaker: Und
Speaker: Das andere ist natürlich, dass wir haben jetzt gerade in der Politik nicht die Leute, also sehen wir mal ab von Steinmeier, der sich sehr in Sachen Buch engagiert, aber ansonsten haben wir das nicht so, dass sich der Kanzler oder irgendwelche Kabinettsmitglieder gerade mit Intellektualität hervortun wollen.
Speaker: Im Gegenteil, selbst wenn sie Intellektuelle sind, tun sie so, als seien sie es nicht.
Speaker: Auch Scholz
Speaker: der wirklich erwiesenermaßen ein großer Buchliebhaber ist, konnte das sehr gut verbergen.
Speaker: Wie er so vieles verbergen konnte, was eigentlich menschlich war oder ist.
Speaker: Und das ist ein Problem.
Speaker: Und dann kommt schnell das Gefühl auf, das muss man ja jetzt auch wirklich so sehen, ich war jetzt gerade im Holsteinischen, ich habe da mit Leuten auf dem Land gesprochen und die denken noch immer,
Speaker: dass demnächst Robert Herbeck bei ihnen klingelt und die Heizung abmontiert.
Speaker: Und dann müssen sie eine neue kaufen.
Speaker: Und darauf sparen die.
Speaker: Es ist ja auch schwierig, es ist ja nicht leichter geworden, gerade auch in der Landwirtschaft und so, das verstehe ich alles.
Speaker: Natürlich ist es nicht leichter geworden, aber sie sparen dann.
Speaker: Und sie sparen aber
Speaker: Am Buch.
Speaker: Weil wenn man manchmal sagt, so ein Buch für 20 Euro, das sind auch nur vier Glas Bier in der Kneipe, dann staunen alle, weil niemand das umrechnet.
Speaker: Und ich weiß nicht, ob vier Glas Bier, Kater eingeschlossen, so lange vorhalten wie ein Buch.
Speaker: Aber das ist eben gerade die Problematik.
Speaker: Und ich glaube, wir haben uns selbst ein bisschen schlechtes Image gegeben.
Speaker: Und Imagekampagnen wie Vorsicht Buch sind allein schon die Parole ist sehr kompliziert und wenn man das dann macht mit Leuten, die ansonsten nur in der Bild-Zeitung auftauchen, ist das für zu gewinnende Leserinnen und Leser nicht interessant.
Speaker: Farbschnitt aber hat die Kids geholt.
Speaker: Also man muss sich schon überlegen, wie es geht.
Speaker: Ich würde gerne, falls ich das nochmal ergänzen darf, also jetzt nicht dazu, finde ich alles vollkommen richtig, aber zu den Buchmessen nochmal kommen und diese tollen Publikumszahlen dann da, was mich eigentlich auch in dieser für mich oder meinen Verlag sehr schwierigen Situation durchaus immer motiviert und mir Hoffnung macht, sind wirklich
Speaker: Die Buchmessen und die Büchermärkte und Büchertische.
Speaker: Also dieser Fernsehbeitrag vom RBB war ja am Vorabend, bevor das Berliner Bücherfest hier in Berlin auf dem Bebelplatz war, mit 100 Personen.
Speaker: über 100 Verlagen und Buchhandlungen und sowas, da sieht man dann, okay, sie sind nicht weg, die Leute.
Speaker: Sie interessieren sich, sie interessieren sich für Bücher, sie interessieren sich auch für unsere Bücher und sie kaufen und kaufen und kaufen.
Speaker: Und das zeigt ja, okay, da ist irgendwie was die, ja, es gibt sie, diese Leute und sie kaufen wie verrückt und wir staunen dann selbst und denken dann so, ja, warum geht das nicht, warum kann das nicht dauernd so weitergehen?
Speaker: Deswegen liebe ich das auch tatsächlich irgendwie Büchermärkte, Büchertische,
Speaker: und Buchmessen, obwohl sie eigentlich auch wahnsinnig teuer sind.
Speaker: Aber da bekommt man natürlich auch Kontakt zu den nicht nur potenziellen Leserinnen und Lesern, sondern zu denen, die dann auch die kaufen und lesen und die das super toll finden, was sie da alles entdecken können, was sie eben sonst in ihrer Buchhandlung vielleicht nicht finden oder höchstwahrscheinlich nicht finden.
Speaker: Ich meine, in Berlin haben wir
Speaker: haben wir das Glück, wir haben schon viele tolle Buchhandlungen und in denen finden wir Verbrecherbücher und Aviva-Bücher.
Speaker: Aber okay, das ist nicht überall so und auch natürlich nicht in jeder Buchhandlung in Berlin.
Speaker: Aber das motiviert mich halt so.
Speaker: Das macht mir dann doch noch Hoffnung, auch in dieser Situation, die aus den verschiedensten Gründen ausläuft.
Speaker: Auch weil das Geld halt sehr viel weniger locker sitzt als vielleicht noch vor ein paar Jahren, dass man halt das 20 Euro für ein Buch, ja, das ist viel geworden.
Speaker: Aber trotzdem motiviert mich das und macht mir auch Hoffnung, weiterzumachen.
Speaker: Das spricht ja vor allen Dingen das Thema Sichtbarkeit an.
Speaker: Also man merkt ja, Buchmesse, man ist präsent.
Speaker: Bücher, Tischmärkte, Festivals, man ist präsent.
Speaker: Und schon ist die Neugier ja da.
Speaker: Und ihr habt es ja schon angesprochen, dieses Buchhandelssterben, nenne ich es immer so schön.
Speaker: Der klassische Sortimentsbuchhandel, der ein inhabergeführtes Geschäft hat und beim Verlag bestellt, vielleicht Vertreterbesuch hat oder beim Barsortiment bestellt, der stirbt uns ein bisschen weg.
Speaker: Das muss man einfach so sagen, weil viele geben dann doch aus finanziellen Gründen auch an Thalia ab, die mittlerweile ja ganz gut den Markt beherrschen.
Speaker: Ich kann sagen, Berlin erfreut mich immer wieder wegen all der tollen Buchhandlungen, weil in Stuttgart, in der Innenstadt selbst, haben wir tatsächlich nur die drei Player Hugendubel, Thalia und Oseander.
Speaker: Und da finden selbst, ich sage jetzt mal, mittelständische Verlage schon kaum statt, geschweige denn die kleinen Unabhängigen.
Speaker: Da muss man wirklich immer suchen oder es sind dann halt diese preisträgerwürdigen Bücher da von den kleineren Verlagen, dann legen sie sich auch mal einen Stapel hin.
Speaker: Was ich festgestellt habe zu dem Bereich ist halt, und ich glaube Jörg hat das vorhin auch schon angesprochen, die Sichtbarkeit auch in den Medien.
Speaker: Ich versuche gerade auch einen unserer Titel im Herbstprogramm breit zu streuen, auch über Besprechungen, über Interviews, über Vorabdruck.
Speaker: Und das große Problem, ich meine, Stuttgart sitzt mit Stuttgarter Nachrichten halt die Südwestpresse, also es sitzen alle aus dem Südwesten auch in Stuttgart, deswegen kriege ich es immer hautnah mit.
Speaker: Es ist auch ein großes Redaktionssterben.
Speaker: Ich finde die Sichtbarkeit in den Medien generell, ob das, also es sterben ja auch diese ganzen Literatursendungen weg.
Speaker: Also man mag jetzt Dennis Schick mögen oder auch nicht, aber es fehlt ja auch die Literatur im Fernsehen.
Speaker: Sie ist da nicht mehr präsent oder sie wird so stark eingekürzt, dass einmal im Monat eine Literatursendung stattfindet.
Speaker: Die einzigen, die noch, finde ich, relativ konsequent sind, was auch Bücher betrifft, ist Deutschland, Radio, Kultur oder Deutschlandfunk.
Speaker: Bei uns ist es auch der SWR, der relativ viel noch macht.
Speaker: Aber auch, oder wie gesagt, viel stirbt halt einfach weg, was die Präsentation von Büchern betrifft, die unabhängig von uns stattfindet als Verlag.
Speaker: Also wir können die Messe bespielen, wir können Bücherfestivals bespielen, aber wenn es darauf ankommt, dass wir von Auftritten angewiesen sind, wird es halt echt schwer.
Speaker: Also ich finde, da muss man ganz schön rödeln, um ein Buch in die Besprechungen reinzubekommen.
Speaker: Und man muss in der Regel auch eine persönliche Ebene haben zu einem Redakteur,
Speaker: um reinzukommen.
Speaker: Also das soll jetzt nicht nach Vetternwirtschaft klingen, sondern es geht einfach darum, dass man braucht nichts mehr einfach hinschicken.
Speaker: Also wie früher, dass dann stapelweise Bücher in den Redaktionsbüros liegen, das ist alles nicht mehr der Fall, weil auch die Redaktionen permanent im Wechsel sind.
Speaker: Also das kriege ich hier unten im Südwesten mit, dass ganz viel immer entweder Zeitschriften zusammengelegt werden und dann aus einem Mantel bestehen.
Speaker: Und in diesen Mantel reinzukommen ist halt unfassbar schwer.
Speaker: Ich weiß nicht, ob es in Norddeutschland ähnlich ist.
Speaker: Da ist dann halt in der Woche nur zwei Plätze für Buchbesprechungen.
Speaker: Und da kommen dann halt Bestseller rein oder Sachbücher, die in irgendwelchen Kategorien sind, die halt gerade die Tagespolitik bestimmen.
Speaker: Also ich finde, es ist halt auch unfassbar schwer, Sichtbarkeit über Dritte zu generieren.
Speaker: Und das ist ja wie so eine Spirale.
Speaker: Also wir haben zum einen die Sichtbarkeit im Buchhandel, die Sichtbarkeit in den Medien.
Speaker: Und ich nehme mal an, das geht euch genauso.
Speaker: Also ich kann mir jetzt nicht vorstellen, also auch Gemeiner wird wahrscheinlich jetzt auch nicht in der FAZ besprochen, selbst wenn das Buch gut und präsent ist, eben weil die Sichtbarkeit da einfach fehlt.
Speaker: Und auch viele Redakteure,
Speaker: nicht nur dann die Bücher besprechen, sondern auch noch Filme besprechen.
Speaker: Also die Kulturlandschaft dann nur noch von einem Redakteur betreut wird, wo früher wahrscheinlich auch mal fünf saßen.
Speaker: Ja, das sind, glaube ich, jetzt eh zwei Themen, die wir nicht vermischen dürfen.
Speaker: Das eine ist, glaube ich, die Sichtbarkeit des Buches an sich.
Speaker: Das ist natürlich durch die ganzen Buchsendungen und so völlig klar, dass das ein bisschen nachlässt.
Speaker: Wobei ich da der Meinung bin, das ist gar nicht so dramatisch, wenn auf der anderen Seite durch Booktalk und sonst was Menschen auf einmal es wieder angebenswert finden, sich Bücher ins Regal zu stellen.
Speaker: Also diese Entwicklung haben wir gerade.
Speaker: Es sind aber unterschiedliche Zielgruppen, darf man nicht vergessen.
Speaker: Völlig klar.
Speaker: Klar, aber langfristig gesehen finde ich das schon mal sehr beruhigend und ob dann jetzt eben vier Bücher oder acht Bücher irgendwie diesen Monat vorgestellt werden im öffentlich-rechtlichen, bei 60.000 Neuerscheinungen ist das dem Rest auch herzlich egal.
Speaker: Aber jetzt kann man natürlich sagen,
Speaker: dann macht man das eben selber.
Speaker: Und Jörg, das ist jetzt eine ganz tolle Überleitung, aber ich habe in eurem Insta-Feed entdeckt, zu eurem Jubiläum macht ihr ja wirklich, wirklich viele
Speaker: günstige, unglaublich tolle Sachen.
Speaker: Ihr hattet eine Zeit lang abgelehnte Plakatentwürfe, die ich wirklich, wirklich abgefeiert habe.
Speaker: Da waren ein paar, die ich nicht verstehen kann, warum sie abgelehnt wurden, aber die waren sehr, sehr lustig.
Speaker: Das hat für eine Aufmerksamkeit gesorgt.
Speaker: Und ihr habt jetzt gerade...
Speaker: Im weitesten Sinne prominente, honorige Menschen, die den Verlag als solchen loben.
Speaker: Und als Sven Regner, einer meiner Säulenheiligen, da saß und den Verbrecherverlag lobte, saß ich sabbernd vorm Handy.
Speaker: Jetzt könnte man ja sagen, es ist doch Pfeif auf Dennis Scheck, was ihr da macht, ist doch großartig.
Speaker: Mehr Sichtbarkeit geht doch nicht, wenn einem sowas gelingt.
Speaker: Bringt das was und wie viel Arbeit war das und wie viel Überzeugungskraft braucht er das?
Speaker: Also das Schöne war jetzt schon, dass wir alle, wir haben halt in unserem erweiterten Bekanntenkreis, nenne ich das mal, also Leute schon, die wir kennen,
Speaker: Und wir mussten jetzt Sven Regner nicht überzeugen.
Speaker: Also überreden natürlich, dass er uns einen Film macht, das schon.
Speaker: Aber wir mussten ihn jetzt nicht vom Verlag oder so überzeugen.
Speaker: Er empfiehlt ihm ja auch seinen Jugendfreund, der mal Grimsen gemacht und so.
Speaker: Also da gibt es schon lange eine Connection.
Speaker: Trotzdem ist das natürlich Arbeit.
Speaker: Und trotzdem ist es auch immer Arbeit, das zu planen.
Speaker: Und man ist dann auch manchmal überrascht,
Speaker: was gut ankommt und was nicht gut ankommt.
Speaker: Man hätte das vielleicht sogar komplett andersrum gedacht.
Speaker: Und manchmal haben wir ein wahnsinniges Feedback alleine auf eine Lesungsterminankündigung, während ein aufwendig gemachtes Video einfach untergeht und nur ein paar Views hat.
Speaker: Das kann ich immer nicht genau erklären.
Speaker: Das hat natürlich auch viel mit der Ausspielungspolitik von Insta und Blue Sky und Facebook und TikTok.
Speaker: jetzt habe ich irgendwas vergessen.
Speaker: Threads kann man auch vergessen.
Speaker: Also wir sind bei denen und machen das und natürlich hängt das auch an den viel gründen und viel verachteten Algorithmen etc.
Speaker: schon klar.
Speaker: Und
Speaker: Das ist aber tatsächlich so, dass jetzt glaube ich das Buch, das er konkret benennt, das noch bei uns lieferbar ist, das ist von Rudolf Lorenzen, Ohne Liebe geht es auch.
Speaker: Sven Regner weist auch immer auf Konzerten von Element of Crime auf dieses Buch hin, weil sie ein Lied haben, das genau so heißt.
Speaker: Sie haben sich den Titel Ohne Liebe geht es ausgeliehen.
Speaker: Und
Speaker: Ich glaube nicht, dass wir seither 30 oder 40 Exemplare dieses Titels verkauft haben.
Speaker: Und auch das Video macht es nicht.
Speaker: Das heißt, da sind dann die konkreten Erfolge manchmal doch bescheiden.
Speaker: Das kann aber an vielen liegen.
Speaker: Das ist auch ein alter Titel.
Speaker: Er ist wirklich nicht mehr zu finden in den Buchhandlungen.
Speaker: Ähm, ähm,
Speaker: Rudolf Lorenzen wäre jetzt 105, das interessiert gewisse Buchleserinnen auch erstmal nicht mehr.
Speaker: Und das ist auch so, wenn ich 20 bin, glaube ich auch, dass nur 20-Jährige und vielleicht noch 30-Jährige mir sagen können, wie die Welt aussieht.
Speaker: Aber dass so 55-Jährige Opas wie ich einfach sterben müssen, war da auch klar.
Speaker: Das ist ja auch das Vorrecht der Jugend.
Speaker: Aber ich glaube, wie gesagt, man kann viel Sichtbarkeit herstellen, man muss viel Sichtbarkeit herstellen, was wir überall gerade haben, auch in den Fernsehsendern, auch in den Zeitungen etc.,
Speaker: Wir müssen ja auch mal sagen, warum so ein großer Sportteil, Leute?
Speaker: Die Vereine schalten keine Anzeigen und egal, wen man verehrt, ob Pauli oder Bayern, wie sie gespielt haben, weiß man schon, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt.
Speaker: Die Frage ist, warum funktioniert das so?
Speaker: Das ist eine Gewichtung in den Redaktionen auch.
Speaker: Das ist einfach so.
Speaker: Das ist egal, ob das Online-Medien sind, ob das Papiermedien sind, ob das Radios sind.
Speaker: Da ist Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur wirklich eine lobenswerte Aufnahme, aber auch da wurde ja das Literaturangebot schon ein bisschen eingeschränkt.
Speaker: Und mir hat mal eine Redakteurin vom Marischen Rundfunk gesagt, unsere Chefs glauben ernsthaft, wenn sie Rolling Stones spielen, kriegen sie die Jugend.
Speaker: Ich glaube Beethoven ist attraktiver, aber das ist halt eben dieses andere Problem, man unterschätzt einfach die Neugierde von Menschen total, weil wiederum man dafür selbst neugierig sein muss und Neugierde ist was Schönes, aber auch anstrengend.
Speaker: jeden Tag den gleichen Scheiß zu machen, ist auch gut.
Speaker: Ich frage mich immer nur, wie lange geht das noch?
Speaker: Weil die, die jetzt berühmt sind, bleiben berühmt, das ist gar keine Frage, aber irgendwann sterben die auch.
Speaker: Und man hat sich ja schon gefragt, was kommt nach Madonna?
Speaker: Die Jugend hat es beantwortet.
Speaker: Aber einige wissen noch nicht,
Speaker: die wissen noch nicht mal richtig, glaube ich, dass es Taylor Swift gibt und wie sie denn alle heißen, Duel Looper und so weiter.
Speaker: Also die sind alle da, aber das wird nicht mehr so richtig wahrgenommen.
Speaker: Und ich glaube, das ist ein Riesenproblem,
Speaker: gerade an den Schaltstellen und das ist vielleicht auch in den Buchhandlungen manchmal ein Problem.
Speaker: Also wir haben jetzt mit vielen Buchhandlungen gesprochen, warum kauft ihr uns eigentlich nicht ein oder kaum?
Speaker: Und dann kam raus, ja, das ist ja ein ehrenwerter Verlag und das Engagement von euch allen, das bewundern wir.
Speaker: Mhm, mhm, mhm, mhm.
Speaker: Aber ihr seid ja Punkers, das ist ja nicht unser Publikum.
Speaker: Ich glaube, das letzte Mal, dass wir Punks waren, ist ungefähr 25 Jahre her.
Speaker: Wenn wir überhaupt je Punks waren, Punks würden das bestreiten.
Speaker: Da wird nicht mehr in das Verlagsprogramm geguckt.
Speaker: Und dann wird auch gesagt, ja, ihr kommt ja nicht in der FATS vor gestern.
Speaker: Also das ist einfach so, die lesen ja auch ihre FATS nicht mehr.
Speaker: Die haben halt ein Vorurteil entwickelt.
Speaker: und beharren darauf, dass das noch so ist.
Speaker: Und so wird dann auch unser Verlagsprogramm gelesen.
Speaker: Und ich glaube, wir könnten vorne drauf drucken, kein Punk.
Speaker: Dann würden sie denken, ah, geiler Punk.
Speaker: Das ist Punk.
Speaker: Ich kann das komplett bestätigen.
Speaker: Wir haben genau dasselbe Problem bei Patmos.
Speaker: Es ist immer noch ein religiöser Verlag, obwohl wir
Speaker: vielleicht zehn Prozent noch wirklich christliche Religion machen.
Speaker: Der Rest, eigentlich sind wir ein Psychologieverlag, ein Ratgeberverlag.
Speaker: Wir haben alle Weltreligionen im Programm.
Speaker: Aber ich weiß von unseren Vertretern, die Buchhandlungen legen die Vorschau beiseite, obwohl ich vorne auch nichts mehr mit Christentum draufstehen habe.
Speaker: Nichts steht da drauf.
Speaker: Aber sie sagen, ach Patmos, nee, das ist ja Christentum.
Speaker: Also es ist, man hat einen Stempel bekommen.
Speaker: Aber das heißt, es sind nicht, wie man jetzt auf den ersten Blick meinen könnte, schlechte Konditionen.
Speaker: Könnte man ja auch sagen.
Speaker: Man lehnt sich als kleiner Indie-Verlag jetzt mal so richtig weit aus dem Fenster und hofft, dass man es über die Masse macht und bietet Schweinekonditionen an und dann rechnet sich das schon.
Speaker: Ich werfe das jetzt mal so in den Raum.
Speaker: wenn du sehr lange mit uns verhandelst bei größeren Bestellungen, sind wir auch noch ein bisschen flexibel, natürlich klar.
Speaker: Aber die Konditionen sind es, glaube ich, eher nicht.
Speaker: Die Frage ist doch wirklich, also nochmal, ich glaube, dass man, was es früher mal gab und was früher ein bisschen selbstverständlich war, war, natürlich haben wir auch, was weiß ich, was war denn früher, ich sage jetzt mal Konsalik, da,
Speaker: weil es sich einfach gut verkauft hat.
Speaker: Und auf der anderen Seite hatte man die berühmte Kompetenztapete, das war das eine Regal, in der auch die Lyrik war, die besonderen Essays, die schöne Inselbücherei etc.
Speaker: Das waren keine Schnelldreher, aber die haben runtergeleuchtet auf den Konsalik und haben den Konsalik aus dieser Buchhandlung schöner gemacht.
Speaker: Ich glaube, dass das immer noch funktioniert, weil die Kaffeebar funktioniert ja auch.
Speaker: Außer du bietest schlechten Kaffee an.
Speaker: Aber sowas funktioniert ja.
Speaker: Und ich glaube, wenn du das wiederum machst, die Buchhandlung als anderen Erlebnisraum, auch eben als Raum für deine eigene Neugierde, dann kann es sein, dass du, um jetzt etwas doof im Beispiel zu bleiben, Konsalik und Marlin Haushofer kaufst.
Speaker: Und das ist ja nun wirklich eine Erlösung, wenn du Haushofer liebst.
Speaker: Aber das würde ja dann heißen, es sind gar nicht, es sind weniger die Kundinnen und Kunden, sondern der Buchhandel, der glaube ich sowieso auch, muss man auch sagen, sehr, sehr viele Probleme hat und sehr vom Personalmangel und sonst was alles betroffen ist, dass die sich nicht in jedes kleinere Verlagsprogramm reinfressen, auch nachvollziehbar ein Stück weit ist.
Speaker: Ähm,
Speaker: Aber das heißt ja dann ein bisschen mehr, weiß ich nicht, ist das Mut vom Buchhandel sich ein bisschen zu öffnen und alle oder viele Probleme würden sich automatisch dann lösen.
Speaker: Naja, automatisch nicht, aber so Mut und Neugierde helfen schon natürlich auch, ein anderes Publikum nochmal anzuziehen.
Speaker: Und bei Mut und Neugierde, da sind dann auch unsere Titel, also so der unabhängigen Verlage, würde ich mal sagen, auch total wichtig.
Speaker: Denn es ist ja nicht so, wie alle immer denken oder viele denken so,
Speaker: ach ja, okay, kleine Verlage, irgendwie, das geht dann schon, das geht ja alles nicht, das funktioniert ja nicht.
Speaker: Da gibt es ja genügend Beispiele, wo das halt sehr, sehr gut funktioniert, obwohl man dann immer Überraschungen hat und dann auch im eigenen Programm dann denkt so, hä, warum ist das denn, wo ich mal gerade dachte, da gehen vielleicht tausend Exemplare und jetzt habe ich gerade die vierte Auflage nachgedruckt.
Speaker: Also,
Speaker: Und da gibt es ja dann immer die Überraschung.
Speaker: Aber das gehört dazu, glaube ich, zur Schärfung auch, um die Bedeutung des Buchhandels und natürlich der eigenen ganz besonderen Auswahl herauszustreichen.
Speaker: Denn es bringt ja nichts, wenn überall immer nur das Gleiche.
Speaker: steht und das Gleiche aus den immer gleichen Verlagen.
Speaker: Also das Besondere, weshalb wir nicht nur Jörg und Christine, ich auch oder ihr bestimmt auch alle immer so gern in Buchhandlungen, in schöne, unabhängige Buchhandlungen geht, weil wir da immer wieder tolle Titel finden und tolle Überraschungen und auch dann, wenn die eben mutig und neugierig sind, ist es ja auch für uns toll, dann da Bücher aus Verlagen zu finden, die wir
Speaker: auch überhaupt nicht kennen oder eben von Autorinnen und Autoren, die uns nichts sagen, aber wo wir dann auf einmal von irgendwelchen besonderen Empfehlungen dann angesprochen werden und so.
Speaker: Also irgendwie, ja, mehr Mut und mehr Neugier.
Speaker: Das ist echt wichtig, finde ich.
Speaker: Finde ich einen ganz tollen Aufruf.
Speaker: Ich wollte damit, glaube ich, jetzt auch, das wissen hoffentlich alle, kein Buchhändler irgendwie an den Karren fahren und sagen, ihr stellt euch da alle nur den Blödsinn in den Laden.
Speaker: Mir ist das alles durchaus bewusst, aber es gibt dann eben doch, und das weiß man immer dann, wenn man mal so besondere Buchhandlungen besucht, wenn man auf einmal sieht, wie eine Buchhandlung eben auch aussehen könnte und was da alles so liegen könnte.
Speaker: Was an der Stelle natürlich hilft, ist eine Initiative, das ist der sogenannte Indie-Book-Day.
Speaker: Über den können wir vielleicht mal kurz reden, denn das ist ja im Prinzip, auch wenn das gar nicht so eine große Geschichte ist, ist die Botschaft dahinter nämlich genau die, dass man
Speaker: nicht diese vielen einzelnen kleinen Verlage betrachtet, von denen jeder Einzelne gucken muss, dass er irgendwie wahrgenommen wird, sondern dass man sagt, schaut mal her, die Kurt-Wolf-Stiftung ist da genauso ein gutes Beispiel oder auch der Buchmarkt, der damals ja immer dieses kleine Heftchen der Indies rausgegeben hat.
Speaker: dass man einfach mal zeigt, was es für eine Bandbreite gibt und für eine große Menge an diesen kleinen Verlagen und was alles zu entdecken gilt.
Speaker: Und da gibt es diesen Indie-Book-Day und vielleicht mag einer von euch nochmal so ein bisschen erzählen, was es damit auf sich hat und auch wie Buchhändlerinnen und Buchhändler, die das vielleicht gerade auch zum ersten Mal bewusst hören, sich einbringen können.
Speaker: Okay, Britta grinst mich an, dann übernehme ich das.
Speaker: Also erfunden hat das Ganze Daniel von Mairisch Verlag und Daniel Beskos und die Idee dahinter war so ein bisschen, sich zu orientieren am Record Shop Day, heißt er, glaube ich.
Speaker: Und der sterbende Plattenhandel hat eben
Speaker: Aktionen gemacht, es gibt sowas ähnliches auch im klassischen Comic-Bereich, dass eben dann die Buchläden sagen oder eben die Plattenläden sagen, okay, zu diesem einen Tag machen wir was und inzwischen ist es ja sogar so, dass extra dafür Platten gepresst werden, dass extra dafür Comics gemacht werden.
Speaker: Das könnten wir vielleicht uns auch noch überlegen oder der Buchhandel könnte uns auch noch auffordern.
Speaker: Wir sind auch dann immer offen,
Speaker: für Aktionen.
Speaker: Also wir haben auch schon Buchhandlungen gemacht.
Speaker: Alle halbe Stunde oder alle Stunde neu hat irgendeine Verlegerin irgendein Verleger in dem Buchladen verkauft, mitverkauft, hat Auskunft gegeben.
Speaker: Es gab immer wieder Shows.
Speaker: Und das machen auch dann viele kleinere Buchhandlungen.
Speaker: Das machen auch Buchhandlungen auf dem Land.
Speaker: Also das stimmt gar nicht, dieses...
Speaker: eh schwierige Stadt-Land-Gerede, sondern das machen dann wirklich auch Buchhandlungen in der Provinz und durchaus erfolgreich.
Speaker: Und es ist, wenn ich jetzt, mir fallen jetzt spontan ein, die Buchhandlungen Buchstabe in Neustadt in Holstein und die Fontane-Buchhandlungen in Neuruppin, beides jetzt auch nicht gerade Städte und Ecken, wo man sagt, okay, hier wächst das Gold auf der Straße, nein,
Speaker: Der wird schon auch, der muss hart gearbeitet werden für das wenige Geld.
Speaker: Trotzdem kriegen diese Buchhandlungen eben auch immer wieder was hin und ich weiß gar nicht, ob sich beide überhaupt am Indie-Book-Day beteiligen, ich glaube schon und dann machen sie wenigstens ein kleines Schaufenster oder so.
Speaker: Auch das ist ja, ich habe eben das Wort Kompetenztapete gesagt, auch das ist Teil der Kompetenztapete.
Speaker: Das ist deswegen auch, glaube ich, von Buchhändlerinnen,
Speaker: sehr gut angenommen worden, diese Aktion.
Speaker: Also das war wirklich sofort ein Erfolg und es machen ja auch wirklich viele Leute mit und posten dann ihr Foto mit dem gerade erworbenen Indie-Buch, möglichst noch vor der Indie-Buchhandlung.
Speaker: Also wirklich perfekt.
Speaker: Das wäre zum Beispiel so ein Synergie-Effekt.
Speaker: Und ja, es ist sicherlich schwer,
Speaker: Wenn man, was weiß ich, heute Wallstein macht, morgen Wolland und Quist, übermorgen Aviva, übermorgen Verbrecher, das ist viel.
Speaker: Das ist auch den Leuten nicht unbedingt zuzumuten.
Speaker: Und es gibt sicherlich auch einige Bücher in unserem Programm.
Speaker: Da gibt es zwei Bestellungen in der Landbuchhandlung und das war's, oder in der Stadtbuchhandlung.
Speaker: Und mehr ist in dem Kiez oder in diesem Landstrich nicht zu holen.
Speaker: Vielleicht schon, vielleicht auch nicht.
Speaker: Aber ich glaube, insgesamt, wenn man sozusagen die ganzen Orte etwas neugieriger gestalten würde, wie gesagt, wie die genannten Buchhandlungen beispielsweise tun, dann passiert schon auch was.
Speaker: Also ich glaube, das findet sich auch in den Umsätzen wieder.
Speaker: Und man kann eben auch sein Publikum erziehen.
Speaker: Auf der Buchmesse kriegen wir immer Besuch von der Buchhandlung Friebe mit Kaffee hier aus Berlin-Langwitz.
Speaker: Und das sind wundervolle Damen und Herren, die dann eben diese Organisation annehmen, dass sie da mit dem Bus hinfahren.
Speaker: Und da hat sich dann mal jemand interessiert und dann habe ich für ein Buch gesagt, ja, klar, wir verkaufen ja auch.
Speaker: Und dann hat er gesagt, nein, nein, nein, das kaufe ich in der Buchhandlung.
Speaker: Und die waren alle so.
Speaker: Also immer wieder, das merkt man einfach, die gucken sich die Bücher an und ich weiß, dann gehen die zu Oksana Grimm in die Buchhandlung und bestellen das, wenn sie sich interessieren.
Speaker: Und das ist ja auch super.
Speaker: Wir möchten ja auch nicht auf den Messen gegen die Buchhandlungen anverkaufen oder so.
Speaker: Das ist überhaupt nicht unser Ziel.
Speaker: Was eben irritierend ist, ist, dass
Speaker: schon, sagen wir mal, die großen Player nur noch am Umsatz interessiert sind und überhaupt nicht mehr an den Inhalten.
Speaker: Ich glaube, dass das am Ende dann auch dazu führt, dass du eben halt so viel Non-Book-Stände machen musst.
Speaker: Und ich glaube, dass das ganz am Ende auch nicht hilfreich ist.
Speaker: Also da muss ich wirklich sagen, ärgert es mich auch, dass man immer wieder sozusagen systematisch übersehen wird.
Speaker: Und
Speaker: Darf ich da ganz kurz schon mal ein aktuelles Beispiel einwerfen?
Speaker: Einer der großen Player hat hier die Etage Fachbuchkalender durch eine Spielwarenabteilung ersetzt.
Speaker: Also sowas zum Beispiel.
Speaker: Es ist einfach furchtbar traurig, dass sie meinen, sie könnten damit, also man muss dazu sagen, es
Speaker: Es ist hauptsächlich Lego und wir haben einen eigenen Lego-Store in derselben Straße.
Speaker: Also es ist vollkommen absurd, dass sie meinen, da eine Konkurrenz zu sein und gleichzeitig damit den Umsatz zu retten, der ihnen fehlt, anstatt durch Bibliobersität.
Speaker: Absolut.
Speaker: Aber sowas eben wie der Indiebook Day ist natürlich auch ein gutes Beispiel dafür und wirklich danke,
Speaker: Daniel, dass du das erfunden hast, dass du auf die Idee gekommen bist, weil es ist so einfach, es kostet nicht viel, es ist das Plakat, das Plakat wird beigelegt, die Auslieferungen sagen, ja, das legen wir einfach bei, die Barsortimenter sagen, ja komm, schickt uns ein paar tausend, legen wir bei den nächsten Aussendungen dazu.
Speaker: Es ist ein bisschen aufwendig, Quatsch zu machen im Internet und es funktioniert und das kommt aus der Branche heraus.
Speaker: Also das haben wir uns selbst ausgedacht.
Speaker: Das ist dann eben zum Beispiel eine Verlagsförderung, die wir uns selbst ausgedacht haben und auch eine Buchhandelsförderung.
Speaker: Das ist schon sehr gut und wichtig.
Speaker: Solche Aktionen braucht es auch mehr.
Speaker: Manchmal gibt es, glaube ich, auch so eine Tendenz bei uns in der Branche, auf die jeweils anderen Marktteilnehmer oder auf die jeweils anderen Branchen-Segmente zu zeigen und zu sagen, die sind schuld, die sollen sich bewegen.
Speaker: Das macht man aber auch sehr bequem mit dickem Hintern auf seinem Sessel.
Speaker: Man muss da schon auch selber ran und raus und losgehen.
Speaker: Ja.
Speaker: Ich würde da aber auch gerne noch zwei Ergänzungen zu diesen Aktionen bringen.
Speaker: Und zwar aus dem Indiebook Day ist ja erwachsen dann auch oder gekommen die Indiebook Challenge.
Speaker: Mag ich auch total gerne.
Speaker: Macht ihr ja genauso mit, wie wir das auch machen.
Speaker: Also halt auch, dass es in jedem Monat, am Anfang war das glaube ich noch jede Woche, also aber jetzt in jedem Monat ein
Speaker: Thema gibt und zu diesem Thema eben eine Challenge ist, also ein Buch gepostet oder mehrere Bücher, die dazu passen.
Speaker: Also in diesem Monat ist es jetzt gerade das Tabubuch und mit dem Hashtag dann auch auf Social Media gepostet und
Speaker: Was natürlich auch eine super Sache ist, um gerade unsere Backlist-Titel sichtbar zu machen.
Speaker: Das ist ja auch so ein wichtiges Thema.
Speaker: Also deswegen wollte ich das auch gerne hier mal ansprechen, dass einfach solche Aktionen toll sind und dafür sorgen, dass man auch einmal Titel, die überhaupt nicht mehr im Gespräch sind und im Normalfall auch nicht mehr in der Buchhandlung liegen,
Speaker: die wir aber, von denen wir immer noch ganz viele in der Auslieferung haben und die auch genauso unser Herzblut und Leidenschaft sind und die wir wichtig finden, dass wir eben all das, also solche Aktionen machen für Titel, die gut sind, aber eben nicht neu.
Speaker: Und das ist eben auch eine kleine Aktion, aber irgendwie auch eine super tolle Aktion.
Speaker: auch so ein bisschen im Zusammenhang oder eben aus dem Indiebook Day entstanden.
Speaker: Und was anderes, was natürlich auch natürlich aufwendiger ist, aber wo wir alle auch dem Lilienfeld Verlag total danken dafür, dass sie das immer noch weiter organisieren.
Speaker: Und das ist eben die Hotlist,
Speaker: Und ja, was eben auch so eine Aktion ist, wo eben Bücher aus den verschiedensten Genres, von der Graphic Novel über das Fachbuch bis zum Roman und zum Lyrikband aus unabhängigen Verlagen da eingereicht werden können.
Speaker: Und dann schließt sich zu einer Hotlist der zehn Buchstaben.
Speaker: zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen führen.
Speaker: Und das sorgt eben auch wirklich für eine Sichtbarkeit, auch einfach der Vielfalt dessen, was es in unabhängigen Verlagen gibt.
Speaker: Und das sind einfach auch zwei weitere tolle Aktionen, die
Speaker: Man weiß nicht genau, wie viel sie jeweils bringen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie dazu führen, dass auch Leute irgendwie aufmerksam werden und dass halt einfach das, was unabhängige Verlager machen, sichtbarer wird.
Speaker: Unbedingt, unbedingt.
Speaker: Ich würde nochmal kurz einen Einschub machen, denn der hier viel gelobte Daniel Beskos war bei uns hier tatsächlich schon zu Gast im Podcast.
Speaker: In der vierten Folge, glaube ich, war es, wo wir darüber gesprochen haben, sind Bücher zu teuer.
Speaker: Also hört da gerne nochmal rein.
Speaker: Es war auch eine sehr, sehr interessante Folge.
Speaker: Ich habe jetzt mal eine provokative Frage.
Speaker: Gibt es nicht einfach viel zu viele kleine unabhängige Verlage?
Speaker: Nein, es gibt aber viel zu viele überflüssige Bücher von vielleicht gar nicht unbedingt so kleinen Verlagen.
Speaker: Ja, das ist eine sehr gute, kurze, knackige Antwort, finde ich gut.
Speaker: Ich hatte tatsächlich Viola und Axel auch noch auf dem Zettel, um über die Hotlist zu reden.
Speaker: Das, also nochmal zur Erklärung, war eigentlich als Gegenentwurf, nachdem beim Deutschen Buchpreis Jahr für Jahr die großen bekannten Verlage unter den Nominierten waren, wurde dann also die sogenannte Hotlist ins Leben gerufen mit einem Kuratorium und was weiß ich nicht alles, einem System wie Zitul.
Speaker: sehr, sehr, sehr viele Verlagseinreichungen dann gesichtet wurden, dann entsteht also auch dort eine Longlist.
Speaker: Man kann sich auch beteiligen.
Speaker: Ich glaube, aktuell sogar kann man das noch, kann man noch dafür voten.
Speaker: Ja, aber wenn die Sendung läuft, dann nicht mehr, denn morgen ist die Deadline.
Speaker: Okay, dann im nächsten Jahr trotzdem die Hotlisten, schönes Mittel.
Speaker: Aber eine Sache, nachdem wir jetzt über so viel Positives geredet haben, möchte ich noch mal kurz auf die Messen kommen.
Speaker: Das war damals in einem Fernsehbeitrag.
Speaker: Jörg, dich und Christine, gefühlt übersehe ich euch jedes Wochenende auf irgendeiner Verkaufsmesse oder einer Veranstaltung.
Speaker: Britta, bei dir genau das Gleiche.
Speaker: Das ist einerseits wahnsinnig viel
Speaker: Zeit, Arbeitszeit, Lebenszeit, die ihr da verbringt, die man jetzt mal irgendwie aufrechnen könnte.
Speaker: Das macht man wahrscheinlich besser nicht.
Speaker: Das andere sind Umsätze, die dann dahinterstehen.
Speaker: Und jetzt habt ihr es aber selber ja eben auch gesagt, bei der
Speaker: großen, bei den großen Messen, äh, verkauft ihr auch und manchmal will man das gar nicht, da will man es eigentlich dem Buchhandel lieber gönnen, ähm, andererseits gehört es natürlich auch zur Wahrheit, dass, äh, dass das zumindest ein bisschen hilft, so eine sehr, sehr teure Buchmesse irgendwie zu finanzieren.
Speaker: Äh,
Speaker: Und tatsächlich, auch wir stehen jedes Jahr erneut vor der Frage, wie wichtig ist das Ganze gemessen am Umsatz, eh schwierig, wie viel ist Überzeugung und ist Liebe und mein Gott, man geht doch so gerne hin und ohne Stand und das wäre ja blöd und so.
Speaker: Deswegen, also nur mal das so in den Raum geworfen, immer wieder diese Frage, welche Messen tut man sich an, wie groß und wie klein und dann ist da noch die Fahrtzeit und was weiß ich noch, alles, was da dazukommt und die Unterbringung.
Speaker: Die müssen wir jetzt auch gar nicht beantworten mit Blick auf die Uhr.
Speaker: Aber eine Frage, die jetzt im Raum steht, ist an euch beide.
Speaker: Britta, vielleicht fangen wir mit dir an.
Speaker: Wie oft denkst du oder hast du daran gedacht,
Speaker: Ich lasse das.
Speaker: Ich weiß nicht, man kann vielleicht sogar die Backlist noch irgendwie lieferbar halten mit geringstem Aufwand oder man sucht sich vielleicht sogar einen anderen Verlag und verkauft da seine Backlist und sagt, hier bitte sorgt dafür, dass diese Bücher weiterhin lieferbar bleiben, aber ich bin raus aus diesem ganzen Käse.
Speaker: Ich will auch mal wieder gut schlafen.
Speaker: Ich will mir nicht immer ständig Sorgen machen müssen.
Speaker: Wie oft kommt das vor und warum machst du doch weiter?
Speaker: Nee, das kommt nicht vor.
Speaker: Ich bin da einfach, ich bin Überzeugungstäterin.
Speaker: Ich kann nicht anders.
Speaker: Ich will weitermachen und will auch wieder meine Umsätze größer machen.
Speaker: Nein, es kommt...
Speaker: es kommt sehr, sehr selten vor, bis überhaupt nicht, weil es einfach das ist, was ich liebe, was ich gerne machen will und ja, es ist natürlich auch, genau, es hat natürlich auch so diese, ja, messianische Ader, also so Leute von dem überzeugen zu wollen, was ich toll finde und was ich finde, was wichtig ist und was eben, ja, was andere auch toll finden müssen, also
Speaker: Ja, nee, ich will schon weitermachen, solange ich kann.
Speaker: Okay, und Jörg, an dich genau die gleiche Frage, weil auch das muss man ja mal sagen, wenn wir über sinkende Umsätze und so reden, alles schön und gut.
Speaker: Das sind ja aber nicht die einzigen Herausforderungen.
Speaker: Wir haben die, mal vom Umsatz abgesehen, wünschen wir uns alle, dass die Bücher sichtbar sind, weil sie einfach möglichst viele Leser erreichen sollen, weil wir ja davon überzeugt sind und wollen, dass auch möglichst viele andere das lesen.
Speaker: Es gibt andere Herausforderungen.
Speaker: Es gab damals die Insolvenz der KNV oder auch in Österreich hatten wir auch das mal, dass auf einmal so eine Auslieferung insolvent geht.
Speaker: Auch nicht so schön.
Speaker: Den Zusammenbruch von Weltbild oder auch den verheerenden Brand vor vielen Jahren bei der Auslieferung LKG, wo zigtausende Bücher zerstört wurden, was vorhanden
Speaker: für manche vielleicht nicht das Allerschlimmste war, aber trotzdem für sehr viele war es dann doch wieder dramatisch.
Speaker: Es gibt sehr, sehr, sehr viele Baustellen und Probleme.
Speaker: Trotzdem, Jörg, macht ihr weiter.
Speaker: Warum?
Speaker: Ich glaube, das ist schon so, das ist ganz einfach, wenn ich mir meinen privaten Kontostand angucke, meine Altersvorsorge, meinen Rentenanspruch, kann ja gar nicht anders, muss ich auch weitermachen.
Speaker: Dann haben wir mal ausgerechnet, das war wirklich vor 20 Jahren, als ich das noch mit Werner Labisch zusammen gemacht habe, mit dem ich den Verlag damals gegründet habe,
Speaker: Da haben wir überlegt, ob wir es wirklich zumachen, weil es ökonomisch außerordentlich prekär war und dann haben wir ausgerechnet, das dauert ja noch ein Jahr, bis wir das Ding abgewickelt haben, mindestens.
Speaker: Und dann haben wir gedacht, dann können wir ja auch gleich weitermachen.
Speaker: Dann ist ja auch egal.
Speaker: Und dann haben wir wieder Glück gehabt, also wir haben oft unverschämtes Glück gehabt, dass genau dann, wenn man dachte, jetzt geht nichts mehr, kam doch noch was anderes her.
Speaker: Und
Speaker: Nee, ich wirklich habe auch genau das, was Britta sagt und das ist auch Christine so wichtig.
Speaker: Ist das ein Missionsanspruch?
Speaker: Ich glaube es nicht.
Speaker: Ich glaube aber schon, ja, vielleicht haben wir auch was Didaktisches, weil wir vielleicht auch wirklich wollen,
Speaker: dass mit unseren Büchern die Welt schöner und solidarischer wird.
Speaker: Das muss nicht heißen, dass jedes Buch einen politischen Anspruch hat.
Speaker: Wir haben auch ganz normale Liebesgeschichten.
Speaker: Aber ich glaube schon, dass gerade Sachbücher eh, Wissenschaftsbücher eh auch,
Speaker: aber auch Literatur wirklich manche Dinge vermitteln kann über menschliches Verhalten, menschliches Zusammenleben etc., das kriegt, sorry, nicht mal einen Podcast hin und schon gar nicht ein TikTok-Filmchen.
Speaker: Und in manchem Gedicht stecken tausend Buchseiten.
Speaker: Also da ist schon viel da und das macht einfach so große Freude.
Speaker: auch wenn manchmal der Ärger so groß ist, wenn du dann ein super tolles Buch gemacht hast, du weißt, es wird schwierig, dann wird es schwierig, dann wird es aber noch schlimmer, als du erwartet hast und dann bin ich total sauer.
Speaker: Und das nehme ich wirklich, also wir untersuchen natürlich, ist unser Klappentext falsch, haben wir zu wenig Werbung gemacht, die falsche Werbung, war die Pressearbeit gut, war die Veranstaltungsarbeit gut etc., das untersuchen wir alles, da finden wir natürlich auch Fehler.
Speaker: Aber eigentlich bin ich total sauer auf die Welt da draußen.
Speaker: Weil eigentlich brauchen alle dieses Buch.
Speaker: Es wird sie retten.
Speaker: Ich glaube auch wirklich noch an sowas.
Speaker: Ich glaube, dass Bücher retten.
Speaker: Ich kenne das aber auch vom Messestand, wenn Menschen kommen und ich habe da irgendwie gerade Standdienst und jemand fragt mich was und ich erzähle dann was vom Buch und dann sind die ganz freundlich und lesen sich vielleicht dann irgendwie noch den U4-Text durch und sagen Dankeschön und stellen es zurück ins Regal und gehen weiter.
Speaker: Und man möchte sie am liebsten am Arme halten und sagen, du bleibst jetzt hier, ich bin doch nicht fertig mit erzählen.
Speaker: Aber gut, wir haben jetzt wahnsinnig viel über Probleme und es war von vornherein klar, wir werden das heute alles nicht durch bloßes drüber reden klären können.
Speaker: Aber ich glaube, was klar geworden ist, ist zum einen dieser...
Speaker: Wille zum Mut und zur Neugierde, der euch antreibt, der den Buchhandel oft antreibt und weiter antreiben sollte, vielleicht ein bisschen mehr, um auch mal in die kleineren Programme zu schauen.
Speaker: Wir haben auch gehört, auch an den Konditionen liegt es nicht, das kriegt man alles hin.
Speaker: Und
Speaker: Irgendwie ist es dann doch eine Passion und eine Begeisterung, die manchmal vielleicht ins Unvernünftige abdriftet, aber genau deswegen macht das Ganze so großen Spaß.
Speaker: Und nachdem wir so viel theoretisch geredet haben, ist es gute Sitte in diesem Podcast, dass Gäste auch am Ende eine Buchempfehlung mitbringen.
Speaker: Und die würden wir uns jetzt gerne bei euch einfordern.
Speaker: Britta, fangen wir mit dir an.
Speaker: Welches Buch?
Speaker: Ich vermute, du hast einige gerade im Hinterkopf, aber eines hast du uns mitgebracht.
Speaker: Es ist ja wirklich immer sehr schwer, sich dann nur eins empfehlen zu dürfen.
Speaker: Aber es ist jetzt gerade noch Reisezeit und daher empfehle ich ein Buch, was sich da auch sehr gut eignet, über eine portugiesische Dichterin.
Speaker: Das heißt, alles bloß nicht vage, ist ein Porträt geschrieben von Katrin Giorgo Ponciano,
Speaker: über Flor Bella Espanca und auch wenn die ziemlich unbekannt ist, es ist ein super spannendes, tolles Porträt, wo man ganz viel auch über Portugal auch in den 20er Jahren erfährt.
Speaker: Es macht viel Spaß damit, auch ohne zu reisen, trotzdem nach Lissabon, Porto und in den Süden Portugals zu reisen und
Speaker: Das ist meine Empfehlung, alles bloß nicht vage.
Speaker: Die portugiesische Dichterin Florella Espanka und es sind ganz viele wunderbare Gedichte auf Portugiesisch und auf Deutsch auch drin erstmals übersetzt, aber es ist eigentlich ein Porträt, was Spaß macht.
Speaker: Und was für mich eine Entdeckung war, das macht ja auch so Spaß, dann selbst dann Welten zu entdecken, die man vorher nicht kannte.
Speaker: Und das habe ich mit diesem Buch gemacht und empfehle es auch vielen anderen.
Speaker: Und Britta, es heißt immer, nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Speaker: Der nächste Urlaub kommt bestimmt, selbst wenn die Reise schon vorbei ist.
Speaker: Genau.
Speaker: Das schauen wir uns an.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Wir verlinken das auch in den Shownotes wieder, sowohl zum Verlag als auch zu Genial Lokal, wer sich das kaufen möchte.
Speaker: Jörg, wie sieht es bei dir aus?
Speaker: Was hast du uns mitgebracht?
Speaker: Also erstmal kann ich auch sagen, alle Bücher aus dem Aviva Verlag unbedingt lesen.
Speaker: Da kommen wir nicht drum rum.
Speaker: Und selbst dann
Speaker: wenn ich manchmal denke, ach nee, Britta, das interessiert mich nicht, dann nehme ich es doch mit und dann, wow, was ist das?
Speaker: Und dann merke ich eben, ich habe es nicht gewusst, aber es war nötig.
Speaker: Und das sollen alle lesen.
Speaker: Und
Speaker: Das denke ich natürlich auch über die Bücher in unserem Verlag.
Speaker: Deswegen empfehle ich auch ein Buch aus unserem Verlag.
Speaker: Und zwar ist es eine Autorin, die überhaupt nicht bislang in Erscheinung getreten ist, Bela Winkens.
Speaker: Bela Winkens ist 84 und ist vor 80 Jahren, also im Alter von vier Jahren aus dem KZ Theresienstadt befreit worden.
Speaker: Und hat dort zwei Jahre, zwei schreckliche Jahre verbracht.
Speaker: hat, wie das bei Kindern so üblich ist.
Speaker: Nur eingeschränkte Erinnerungen kann nicht alles benennen, ist schwer traumatisiert und sie hat in ihrem Buch, das heißt Brief an die Mutter, ihrer ebenfalls im KZ ermordeten Mutter einen Brief geschrieben, wie es ist, damit zu überleben.
Speaker: Das ist ein sehr genau aufgeteiltes Buch.
Speaker: Ich bin völlig überrascht, dass Bela Winkerns noch nie irgendwas veröffentlicht hat.
Speaker: Das ist nach der Menora strukturiert.
Speaker: Es ist voller Gedichte und ein Freund hat mir gerade gesagt, nach jedem dieser Gedichte, also es sind Prosa-Passagen, dann kommt wieder eine lyrische Passage und nach manchen dieser lyrischen Passagen,
Speaker: muss man das Buch erstmal weglegen, weil man schlucken muss.
Speaker: Es ist keine leichte Lektüre.
Speaker: Wir haben jetzt mehrere Leute, die sich sehr gut auskennen, auch gesagt, auch unter der Literatur von Überlebenden ist es nochmal ein sehr besonderes Buch.
Speaker: Das hat es natürlich schwer, weil eben Bela überhaupt nicht bekannt ist.
Speaker: Bela ist auch altersbedingt gerade nicht in der Lage, selbst aufzutreten.
Speaker: Wir haben dann Lesungen gemacht, wo dann Bettina Wilpert oder Anke Stelling, Manja Präkels, Esther Becker, Dilek Günger ihre Stimme Bela geliehen haben.
Speaker: Und es war schon manchmal schwierig, diese Passagen zu lesen.
Speaker: Also man kriegt schon echt feuchte Augen und man ist auch sehr wütend, weil das Buch ist auch ein unglaublich wütendes Buch.
Speaker: Das ist ein sehr lebendiges Buch, ein sehr anklagendes Buch.
Speaker: Und eben, da merkt man, die musste sich mal sozusagen ausschreien.
Speaker: Und macht das auf eine hochliterarische Art und Weise, dann gibt es noch ein sehr gutes, kundiges Nachwort von Gabi Bauer und Peter Pirro.
Speaker: Brief an die Mutter, Bela Winkens, das sind auch so Sachen, auf die man extrem stolz ist und da würde ich genauso sagen, wie bei Britas Büchern, alle müssen es lesen, alle müssen das wissen.
Speaker: Absolut, ich lese es auch gerade und finde es ganz großartig.
Speaker: Neben dem Verlegen habt ihr beide, das finde ich auch unglaublich gut drauf, eure eigenen Bücher zu präsentieren und vorzustellen.
Speaker: Und diese Begeisterung, die ihr empfindet, ist bei mir zumindest gerade angekommen.
Speaker: Bei den anderen beiden habe ich es auch gesehen.
Speaker: Hoffen wir, dass das gerade ganz vielen, die es hören, auch so geht.
Speaker: Vielen, vielen Dank, dass ihr beide euch die Zeit genommen habt, dass ihr euch so ehrlich gemacht habt.
Speaker: Wir wünschen uns allen, hier glaube ich, für uns alle steigende Umsätze.
Speaker: Künftig jeder... Nein, mehr Leserinnen und Leser, weil die kaufen ganz automatisch.
Speaker: Ich möchte einfach, das ist ja eigentlich die Krux, was wir vorhin hatten mit den Börsenblattzahlen.
Speaker: Die Krux ist ja eigentlich, dass uns die Leserinnen wegbrechen und die Leser.
Speaker: Also ich glaube, jeder einzelne Leser geht hin und kauft Unmengen.
Speaker: Also ich glaube, da brauche ich uns alle nur angucken, uns alle fünf.
Speaker: Aber die fehlen uns.
Speaker: Ich wünsche mir noch mehr begeisterte Menschen, die in die Buchhandlung gehen.
Speaker: Aber Tina, denk an die Buchmessen, denk an die Buchmärkte.
Speaker: Ja, wir haben ein Licht.
Speaker: Wir haben ein Licht.
Speaker: Die kommen wieder.
Speaker: Aber die Frage ist ja immer, ob wir noch die nächsten 20 Jahre überleben, bis sie soweit sind.
Speaker: sich wieder auf das Sachbuch zu konzentrieren.
Speaker: Oder vielleicht zehn Jahre.
Speaker: Zehn Jahre müssen wir jetzt überleben.
Speaker: Ich bin da vollkommen deiner Meinung, Jörg.
Speaker: Ich freue mich über jeden neuen Leser und jede neue Leserin, die auf die Messe kommt.
Speaker: Mir geht das Herz auch, wenn ich sehe, wie die mit dem Geld umgehen, um sich neue Bücher zu kaufen.
Speaker: Ich freue mich total.
Speaker: Die sind nur noch inhaltlich bei uns angekommen.
Speaker: Und ich fange jetzt nicht an, irgendwie Romans zu produzieren, um die zu bedienen.
Speaker: Ich muss einfach zehn Jahre durchhalten.
Speaker: Ja, wir teilen uns einfach auf.
Speaker: Die fangen jetzt erst mal mit Krimis an.
Speaker: Dann gehen sie zu den guten Romanen über und dann zum Sachbuch.
Speaker: Ist okay.
Speaker: Genau, genau.
Speaker: Und zum Lebensende hin dann zum christlichen Ratgeber.
Speaker: Das haben wir doch gar nicht mehr.
Speaker: Ach so, hättest du das mal ein bisschen erklärt.
Speaker: Am Lebensende dann Punk.
Speaker: Dann bitte zu uns.
Speaker: Oder einfach alles bunt durchgemischt.
Speaker: Wenn ihr Lust auf unsere beiden Gäste heute bekommen habt, ihr seid natürlich auch in Frankfurt auf der Messe.
Speaker: Euch kann man auch ganz wunderbar besuchen und Gmeiner kann man besuchen, Patmos kann man besuchen.
Speaker: Die E-Buch kann man auch besuchen, kann man ja auch mal sagen, da stehen wir gelegentlich rum.
Speaker: Und was ich auch noch sagen wollte, wir hatten im Mai, glaube ich, in der Mai-Folge die beiden ganz zauberhaften Buchhändlerinnen Rieke und Rieke vom Bookish Empire aus...
Speaker: die jetzt auch ganz frisch einen Podcast gegründet haben.
Speaker: Er heißt Zwischen Seiten und Süßmäusen.
Speaker: Wenn euch die beiden in unserer Folge auch so sympathisch rüberkamen, dann hört da mal rein.
Speaker: Das kann nur schön werden.
Speaker: Und wir sagen vielen Dank.
Speaker: Wir sind so gut vorbereitet wie nie.
Speaker: Wir wissen schon, wer der nächste Gast sein wird.
Speaker: Das ist nicht selbstverständlich.
Speaker: Das nächste Mal reden wir über Buchgemeinschaften.
Speaker: Da hat sich der Markt auch ein bisschen ausgedünnt.
Speaker: Da ist es nicht so schwer zu erraten, wen wir da zu Gast haben werden.
Speaker: Freut euch darauf, das wird gut.
Speaker: Vielen Dank für heute erstmal an Britta Jürgs und Jörg Sundermeyer für die Zeit, für die Antworten und den Einblick.
Speaker: Dankeschön und bis zum nächsten Mal.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Euch vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Es war super.
Speaker: Hat Spaß gemacht.

