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#23 Mit Mut und Liebe ins höchste Amt - ein Gespräch mit Sebastian Guggolz

Alles BuchMarkt
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561 plays · Oct 26, 2025

Wie viel Leidenschaft und wie wenig Schlaf braucht man, um an Bücher zu glauben? Sebastian Guggolz, Verleger [https://www.guggolz-verlag.de/] und neuer Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels [https://www.boersenverein.de/], erzählt, warum er kaum schläft, nie Alkohol trinkt und trotzdem jeden Tag mit Begeisterung für Literatur lebt. In dieser Folge sprechen Tina, Andi und Alex mit ihm über den Zauber kleiner Verlage, die Zukunft des Lesens, über Mut, Verantwortung – und darüber, wie man Haltung bewahren kann, ohne den Humor zu verlieren. Ein kluges, warmes und manchmal sehr lustiges Gespräch über das, was Bücher mit uns machen – und warum Idealismus heute wichtiger ist denn je. Für alle, die Geschichten lieben – egal, ob im Verlag oder auf dem Sofa. Buchtipps: Sebastian Guggolz empfiehlt Katerina Poladjan - Goldstrand (Fischer). Bei Genialokal [https://www.genialokal.de/Produkt/Katerina-Poladjan/Goldstrand_lid_55376005.html] bestellbar. Tina empfiehlt Usama Al Shahmani - In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied (Limmat). Den Roman könnt ihr bei Genialokal [https://www.genialokal.de/Produkt/Usama-Al-Shahmani/In-der-Tiefe-des-Tigris-schlaeft-ein-Lied_lid_55476400.html] bestellen.

Transcript

Speaker: Hallo und herzlich willkommen.

Speaker: Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt, der Podcast.

Speaker: Heute zu einer ganz besonderen Folge.

Speaker: Ich mache es mal transparent.

Speaker: Heute ist Donnerstag nach der Buchmesse.

Speaker: Man hört es mir ein bisschen an.

Speaker: Ich bin ein bisschen verschnupft.

Speaker: Die Messe ist vorbei.

Speaker: Tina hat sich maßlos viele Bücher mitgebracht.

Speaker: Ich war bei manchen Shoppingtouren dabei.

Speaker: Ich habe mir Corona mitgenommen.

Speaker: Ich dachte, dann habe ich vielleicht ein bisschen länger was davon.

Speaker: Aber, keine Sorge, ich habe hier eine große Kanne mit unappetitlichem Tee vor mir stehen, der aber helfen soll.

Speaker: Und wir haben heute einen wirklich tollen Gast, der sich noch was anderes mitgebracht hat von dieser Messe, was einige Veränderung bedeuten wird in seinem Leben.

Speaker: Allerdings nicht in seinem ersten Brotjob und auch nicht in seinem zweiten Brotjob und auch nicht in seinem karitativen Ehrenamt, was er noch so betreut.

Speaker: Also kurz gesagt, wir haben heute wieder einen Menschen da, der nicht schlafen muss und umso schöner, dass er heute da ist.

Speaker: Das wird ein wirklich tolles Gespräch und ich freue mich sehr.

Speaker: Wir waren ein bisschen aufgeregt, dass die Zusage gekommen ist.

Speaker: Aber ich würde sagen, damit wir alle jetzt erstmal durchatmen, gibt es von Tina ein paar Fragen.

Speaker: Kurz erstmal zum Reinkommen.

Speaker: Ich weiß nicht, ob die Fragen zum Durchatmen für den Gast sind.

Speaker: Aber wir schauen mal.

Speaker: Frankfurter Buchmesse, Pflichttermin oder jährlicher Adrenalinschub?

Speaker: Beides, aber natürlich ein großer Adrenalinschub.

Speaker: Lieber mit dem Kulturstaatsminister diskutieren oder mit Buchhändlern feiern?

Speaker: Definitiv mit Buchhändlern feiern.

Speaker: Das ist das Schönste.

Speaker: Aber das mache ich auch am liebsten.

Speaker: Aber mit dem Kulturstaatsminister diskutieren, das habe ich ja jetzt auf der Buchmesse das erste Mal machen dürfen, ist überraschend angenehm.

Speaker: Das hätte ich nicht erwartet.

Speaker: Dein Verlag bekommt plötzlich eine Million Euro überwiesen.

Speaker: Kaufst du die Gesamtausgabe Thomas Mann oder machst du eine Party für alle deine Übersetzer und Sitzerinnen?

Speaker: Also die Gesamtausgabe Thomas Mann habe ich natürlich schon als Zuständiger für die Klassiker bei Fischer.

Speaker: Eine Party würde ich, glaube ich, auch nicht machen.

Speaker: Nee, nichts von beiden.

Speaker: Ich würde das in neue Bücher investieren.

Speaker: Was anderes bleibt mir gar nicht übrig.

Speaker: Was wäre schlimmer?

Speaker: Drei Tage ohne Bücher oder drei Tage ohne WLAN?

Speaker: Drei Tage ohne Bücher wäre das Schlimmste.

Speaker: Standard-Antwort.

Speaker: 100 Jahre alte Übersetzung oder 25-jährige Übersetzerin?

Speaker: Wem vertraust du mehr?

Speaker: Oh, ich würde, das kommt sehr darauf an, ich würde beidem vertrauen.

Speaker: Es gibt ganz hervorragende, auch sogar 200 Jahre alte Übersetzungen, zum Beispiel von Shakespeare, an die man nie wieder herangereicht.

Speaker: Und es gibt 25-jährige Übersetzerinnen, die so gut sind, dass man sie unbedingt sofort von der Stelle weg engagieren muss.

Speaker: Also ich glaube, ich kann nicht das eine gegen das andere ausspielen.

Speaker: Du hast die Regeln nicht ganz verstanden.

Speaker: Nee, habe ich nicht.

Speaker: Er hat aber auch schon den diplomatischen Dienst erreicht.

Speaker: Oh ja.

Speaker: Lektorat abgeben oder selber doch nochmal kurz reinlesen?

Speaker: Auf jeden Fall selber nochmal reinlesen.

Speaker: Würdest du in deinen Urlaub lieber einen Klassiker oder was mit Happy End nehmen?

Speaker: Ich lese praktisch keine Bücher mit Happy End.

Speaker: Also er übt sich die Frage.

Speaker: Ich würde auf jeden Fall und ich würde auch nicht nur einen Klassiker mitnehmen.

Speaker: Und jetzt ganz ehrlich, mehr Leidenschaft fürs Buch oder für die Leute, die es machen?

Speaker: Ganz ehrlich, mehr Leidenschaft fürs Buch.

Speaker: Auch wenn das jetzt ein schlechtes Licht auf mich wird.

Speaker: So, der Podcast war sehr kurz, aber war schön mit ihr.

Speaker: Aber wir haben noch eine schnelle Frage.

Speaker: Lesepate, vorlesen mit Leidenschaft oder heimlich Textstellen kürzen?

Speaker: Darf ich die Antwort verweigern?

Speaker: Nein, natürlich in der Lesepatenschaft mit Kindern leidenschaftliches Vorlesen.

Speaker: Das ist einfach schön.

Speaker: Wobei ich auch sehr gerne vorlesen lasse.

Speaker: Von Kindern.

Speaker: Von Kindern?

Speaker: Ja, das ist wunderschön, wenn Kinder die Texte selber vorlesen.

Speaker: Cool.

Speaker: Und noch wissen wir nicht deinen Namen.

Speaker: Und Andi wird wie immer in unserer, ich finde immer, Andi macht das so ein bisschen wie Susi früher bei Herzblatt.

Speaker: Andi wird dich einfach kurz vorstellen und uns verraten, was noch so alles an Geheimnissen in dir schlummelt.

Speaker: Ja, und heute habe ich mir mal einen etwas anderen Ansatz überlegt, aber das hört ihr jetzt.

Speaker: war einmal in einem kleinen Dorf am Ufer eines tiefblauen Sees.

Speaker: Da wuchs ein junger Mann namens Sebastian auf.

Speaker: Schon als Kind liebte er Bücher über alles.

Speaker: Ihre umgeblätterten Seiten, die Geschichten, die dort auf ihn warteten und das leise Knistern des Papiers, wenn er sie öffnete.

Speaker: In seinem Dorf war das Leben einfach.

Speaker: Seine Mutter war Logopädin, sein Vater Lehrer.

Speaker: Und gemeinsam mit vier Schwestern lebte Sebastian in einem alten Bauernhaus.

Speaker: Geld war kaum vorhanden, doch dafür gab es etwas viel Wertvolleres, Fantasie und Leidenschaft.

Speaker: Sebastian studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Volkskunde und wollte eigentlich promovieren, doch dann zog ihn das magische Licht der Bücherwelt in eine neue Richtung.

Speaker: Bei einem Abendessen lernte er den Verlagsleiter Andreas Rützer kennen, der ihn mit seiner Begeisterung für Literatur erfüllte.

Speaker: Zwei Tage später war Sebastian Praktikant im Verlag Mattes & Seitz.

Speaker: Sechs Jahre lang lernte Sebastian von Grund auf, wie man Bücher auswählt, gestaltet und in die Welt bringt.

Speaker: Er hatte Feuer gefangen.

Speaker: Und schließlich, im Jahr 2014, wagte er es.

Speaker: Er gründete seinen eigenen Verlag, mit ganzem Herzblut und dem festen Willen, Literatur aus Ost- und Nordeuropa wieder aufleben zu lassen.

Speaker: Sebastian hatte einen Plan gemacht, aber unterschätzt, wie viel Geld nötig war.

Speaker: Er startete mit einem kleinen Kredit und eigenem Sparen, weit unter dem, was manche rieten.

Speaker: Es war, als ob er mit einer kleinen Laterne in einen tiefen Wald voller Bücher und Möglichkeiten hineinging und hoffen musste, dass Licht und Weg sich fanden.

Speaker: Eine besonders magische Wendung kam, als Sebastian beschloss, an einer Quizshow teilzunehmen.

Speaker: In seinem Kopf war die Rechnung kühn.

Speaker: Wenn er gewann, würde dieses Preisgeld seinen Verlag voranbringen.

Speaker: Und tatsächlich, er gewann.

Speaker: Mit dem Geld konnte er Lizenzen kaufen, Übersetzer bezahlen und den Vertrieb ausbauen.

Speaker: Langsam, aber stetig wuchs sein Verlag.

Speaker: Aber Sebastian war nicht nur Verleger, er kümmerte sich zudem um Lektorat, Vertrieb und Pressearbeit.

Speaker: Und so trat Sebastian eines Morgens auf die Verlagsleiter, die er sich selbst gebaut hatte, und blickte hinaus über den See seines Heimatdorfs und über die Bücherwelt, in der er nun heimisch war.

Speaker: Er wusste, sein Traum war kein ferner Stern geblieben, sondern ein klarer Leuchtturm geworden.

Speaker: Mit Mut, Liebe zu Literatur und der Bereitschaft, auch Risiken einzugehen, hatte er etwas Eigenes geschaffen, das Bestand hatte.

Speaker: Und wenn er nicht aufgehört hat zu lesen und zu verlegen, dann lebt sein Verlag noch weit in die Zukunft und noch viele Bücher werden dank ihm ihren Weg in die Welt finden.

Speaker: Und ich hoffe, ihr wisst jetzt alle, um wen es geht.

Speaker: Kein Märchen ist, sondern tatsächlich die Realität.

Speaker: Und wir freuen uns tatsächlich sehr, dass er heute Zeit für uns hat.

Speaker: Herzlich willkommen im Alles-Buchmarkt-Podcast, Sebastian Gugolz.

Speaker: Hallo, ich freue mich sehr, hier zu sein.

Speaker: Und du hast dein eigenes Märchen bekommen.

Speaker: Ja, das ist ja nicht schlecht.

Speaker: Ich dachte, ich bin auf Schmerzmitteln, aber gut.

Speaker: Dafür, dass er keine Bücher mit Happy End mag, finde ich, klingt das sehr nach Happy End.

Speaker: Na, das Ende ist noch nicht erreicht, würde ich sagen.

Speaker: Das wäre jetzt ja sogar der Übergang, weil das I-Töpfchen oder beziehungsweise der vorläufige Höhepunkt kam ja jetzt erst letzte Woche.

Speaker: mit der wortwörtlichen Staffelstabübergabe.

Speaker: Und genau, du bist jetzt der neue Vorsteher des Börsenvereins.

Speaker: Ja.

Speaker: Und genau, dazu auch nochmal herzlichen Glückwunsch.

Speaker: Also, das ist wirklich toll.

Speaker: Danke.

Speaker: Und genau, die Buchmesse liegt gar nicht so weit zurück.

Speaker: Ich konnte leider nicht da sein.

Speaker: Deswegen würde mich mal jetzt von Sebastian, dir interessieren, aber auch von Tina und Alex, vielleicht könnt ihr mal so ein paar Eindrücke schildern oder wie für euch die Messe so war.

Speaker: Also, für dich wahrscheinlich war sie ganz außergewöhnlich, oder?

Speaker: Ja.

Speaker: Jeder wollte dir die Hand geben.

Speaker: Ja, das war so.

Speaker: Die Leute, mit denen ich sonst immer die Messen verbracht habe, wenn die mal kurz mit mir über die Messe gelaufen sind, haben auch nur den Kopf geschüttelt und haben gesagt, man kann ja keine fünf Meter mehr mit dir gehen, ohne dass Leute auf mich zustürmten, mich beglückwünschten oder auch, das fing natürlich auch gleich an, mir Tipps gaben, was erklärten, was jetzt vor mir besteht.

Speaker: Aber ehrlich gesagt stand für mich die Messe sehr stark auch im Zeichen,

Speaker: dass ich mir das alles angucken konnte.

Speaker: Meine Vorgängerin Karin Schmidt-Friedrichs, die ja bis jetzt quasi noch im Amt ist oder war, also der Friedenspreis war der letzte offizielle Auftritt von ihr, die hat eine wirklich außerordentliche Fähigkeit, die ich in der letzten Zeit, wenn ich das sonst so mitgekriegt habe in der Buchbranche oder überhaupt nicht, die es nicht so häufig gibt, sie kann wahnsinnig gut übergeben.

Speaker: Und das muss wirklich nochmal betont werden, weil sie

Speaker: absolut transparent gemacht hat, was sie tut.

Speaker: Sie hat mich zu allem mitgenommen.

Speaker: Sie hat mich eingeladen, überall dabei zu sein, was dazu führte, dass ich das erste Mal bei der Pressekonferenz war, bei der offiziellen.

Speaker: Ich war aber auch bei mehreren eher so Hinterzimmer, Abendessen dabei, wo ich eben überall dabei sein durfte, weil sie mir das erlaubt hat und weil sie das auch wollte.

Speaker: Und im Nachhinein muss ich sagen, das war, ich glaube, das weiß ich erst sehr viel später zu schätzen, was das alles

Speaker: was das alles für ein Vorteil war, weil ich dadurch natürlich jetzt auch viel weniger Angst habe oder Unsicherheit, was mir denn dabei vorsteht.

Speaker: Oder gerade einschüchtern manchmal.

Speaker: Na, das Gute ist, in der Märchengeschichte diese Familie mit den vier Mädchen und dem Jungen in der oberschwäbischen Provinz ist ja eine anti-autoritäre gewesen.

Speaker: Meine Eltern haben mich sehr stark anti-autoritär erzogen.

Speaker: Das heißt, ich habe keine Einschüchterung vor großen Namen.

Speaker: Auch Wolfram Weimar kann mir keine Angst machen.

Speaker: Mein Vater hat mit so einem schwäbischen Idiom immer gesagt,

Speaker: dass die anderen Leute ja auch alle eine Unterhose tragen und alle gleich aussehen.

Speaker: Also das kennt ja, glaube ich, jeder, aber meine Eltern haben das wirklich gelebt.

Speaker: Und das hat so tief

Speaker: sich in mir festgesetzt, dass das wirklich so ist.

Speaker: Ich hatte noch nie Angst vor Autoritäten.

Speaker: Ich hatte noch nie Einschüchterung von Berühmtheiten.

Speaker: Und das hilft mir jetzt natürlich sehr.

Speaker: Und deswegen war das wirklich einfach nur eine große Freude, mir das alles einmal als Trockenübung sozusagen anzuschauen, um dann jedes Mal zu denken, naja, da stehe nächstes Jahr ich.

Speaker: Und aha, das werde nächstes Jahr ich machen.

Speaker: Das war schon ziemlich toll und ziemlich aufregend auch.

Speaker: Also ich kann vielleicht ganz kurz, bevor wir das noch ein bisschen vertiefen, aus meiner Sicht sagen, das eine beherrschende Thema war natürlich unter den Ausstellern das Messekonzept, was irgendwie überarbeitet werden soll, was auch immer das werden soll.

Speaker: Ich glaube, es ist zu kurz gegriffen, da nur zu schimpfen.

Speaker: Ich verstehe viele, viele Aspekte von dem Ganzen.

Speaker: von den ganzen Bemühungen und ich möchte nicht in der Haut stecken der Buchmesse, die alle diese Interessen unter einen Hut bringen muss.

Speaker: Und das andere Gefühl, was ich hatte, weil es war ja auch, wir hatten erst, das ist noch nicht so lange her, als wir mit Jörg Sundermeyer und Britta die Folge gemacht haben, wie dramatisch es gerade bei den kleinen Verlagen steht, dass sich das so ein ganz kleines bisschen wieder

Speaker: nicht beruhigt, aber ein kleines bisschen entschärft zumindest.

Speaker: Das war mein Eindruck, dass es nicht mehr ganz so prekär ist wie noch so Jahresmitte, wo Britta, die ja ganz offen gesagt hatte, sie ist bei der Hälfte des Vorjahresumsatzes, dass sich das so ein kleines bisschen zu nivellieren scheint.

Speaker: Und von daher, ich die Stimmung dann doch irgendwie ganz gut fand, auch wenn die Verbrecher gerade schon wieder aus dieser rechtspopulistischen Ecke rund um News ganz, ganz ekelhafte Sachen erfahren müssen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Speaker: Nichtsdestotrotz fand ich die Stimmung aber gut.

Speaker: Es war wieder unfassbar viele Leute da.

Speaker: Es wurde gekauft ohne Ende.

Speaker: Mich trägt diese Messe dann immer so ein halbes Jahr wieder weiter, dass man weiß, warum man das alles macht.

Speaker: Und wenn man sich da irgendwie die Seuche mit nach Hause holt, aber dass man einfach sieht, da ist...

Speaker: Und hunderttausende Menschen, die zum Teil, das muss man sich mal überlegen, 90 Euro, glaube ich, für so ein Tagesticket kaufen, um da hinzukommen, das ist schon Wahnsinn.

Speaker: Und solange das noch alles da ist, bin ich immer sehr optimistisch, dass das alles noch weitergeht.

Speaker: Ja, ich glaube, diese grundoptimistische Stimmung, die hat man wahrgenommen.

Speaker: Also die Leute, die auf der Messe waren, die Erfahrung habe ich auch oder den Eindruck habe ich auch, die waren, die hatten Lust, die hatten auch Lust auf die Bücher.

Speaker: Dann diese bisher jetzt schon kleinen Öffnungen, dass man mehr verkaufen darf, länger verkaufen darf, dass die Besucher ein bisschen früher zugelassen wurden.

Speaker: All das sind, glaube ich, Signale in die richtige Richtung.

Speaker: Aber ich glaube, dass das nicht überdecken darf, dass die Lage für die kleinen und unabhängigen Verlage und auch für die kleinen und unabhängigen Buchhandlungen wirklich weiterhin extrem prekär ist.

Speaker: Es gibt einen leichten Aufschwung, den gibt es immer in der zweiten Jahreshälfte.

Speaker: Dann auch noch zum Weihnachtsgeschäft.

Speaker: Nach dem Weihnachtsgeschäft werden auch alle eher früh sein.

Speaker: Aber ich habe schon die Befürchtung, dass diese Krisensituation vom Frühjahr auch nächstes Frühjahr sich wiederholt, weil ich zumindest nicht sehen kann, dass für die unabhängigen kleineren Verlage da eine gravierende Verbesserung da ist.

Speaker: Und die Rücklagendecke, die ist einfach schon aufgebraucht.

Speaker: Also das ist wirklich so, wenn man dann in direkte Gespräche geht, in intensive Gespräche geht, dann merkt man schon, dass das

Speaker: Naja, dass das auch manchmal ein bisschen Galgenhumor fast schon ist.

Speaker: Also dass die Leute wissen, sie tanzen jetzt mit dem letzten Hemd auf der Rasierklinge.

Speaker: Jetzt habe ich aber eine Menge an Metaphern untergebracht.

Speaker: Aber das ist wirklich so.

Speaker: Also die Rücklagen sind aufgebraucht.

Speaker: Es gibt eigentlich keinen Spielraum mehr.

Speaker: Aber alle wollen halt weitermachen.

Speaker: Das möchte ja auch keiner aufgeben.

Speaker: Und das Problem ist auch, dass man die, die nicht da sind, nicht sieht.

Speaker: Also man sieht natürlich auf der Messe die, die sich noch einen Messestand leisten können, die, die noch ein Programm machen können.

Speaker: Und es gibt, das ist mir jetzt dieses Mal auf der Messe doch nochmal aufgefallen, als ich so die Reihen durchgegangen bin und dann gesehen habe, es sind doch nicht alle da.

Speaker: Es gibt, glaube ich, ein sehr stilles, also jetzt will ich nicht zu martialisch werden, aber ein stilles Sterben.

Speaker: Es gibt die wenigsten gehen dann mit so einem großen Knall, dass es alle mitkriegen, sondern die hören einfach auf mit ihrer Produktion, die kommen einfach nicht mehr.

Speaker: Und deswegen ist das manchmal, glaube ich, auch fast ein bisschen latent trügerisch, wenn man dann nach der Messe sagt, ach, so schlimm ist es ja gar nicht.

Speaker: Ja, und es betrifft ja mittlerweile auch nicht mehr nur die Kleinen.

Speaker: Also es ist halt so, dass es raumgreifend ist.

Speaker: Also ich weiß auch, dass viele Mittelständische sich die Messe nicht mehr leisten können oder darauf verzichten.

Speaker: Und was halt ein großes Thema war, ist einfach dieses...

Speaker: Druckereigewerbe.

Speaker: Also wie viele Bücher sind nicht zur Messe da gewesen, weil einfach wir Schwierigkeiten haben in der Hardcover-Produktion, weil es eben nicht mehr allzu viele Druckereien gibt in Europa, die uns die Ware liefern.

Speaker: Ich habe die Stimmung schon auch als positiv wahrgenommen, vielleicht nicht positiv, sondern optimistisch, nennen wir es mal.

Speaker: Ich bin da auch sehr optimistisch weggefahren, weil ich fand es eigentlich

Speaker: gut, dass der Freitag sich geöffnet hat für das Endkundenpublikum.

Speaker: Ich hatte schon die Wahrnehmung, weil sonst war ja ab Freitag Mittag tote Hose.

Speaker: Also da sind ja alle abgereist.

Speaker: Und mittlerweile ist es halt so, dass man hat zwar die Endkunden, aber man hat einfach unfassbar schöne Momente und Gespräche dadurch, dass man einfach drei Tage Publikum hat.

Speaker: Und ich fand auch das Publikum sehr interessiert.

Speaker: Vielleicht noch, ich fand es teilweise auch ein bisschen zurückhaltend im Kaufen.

Speaker: Ich weiß jetzt nicht, wie bei euch die Statistiken sind, zum Umsatz hin von der Messe.

Speaker: Über Vorjahr.

Speaker: Über Vorjahr, okay.

Speaker: Da kann ich gerade tatsächlich nichts zu sagen, weil ich am Gemeinschaftsstand bin und die Kasse nicht betreut habe sozusagen und wir das erste Mal in der Gemeinschaft auch verkauft haben.

Speaker: Es war vorsichtig optimistisch, aber es gibt halt einfach Probleme, die es so vor einem Jahr nicht gab, wie jetzt zum Beispiel das mit den Druckereien.

Speaker: Oder eben mit den, es werden halt leider immer weniger Buchhandlungen.

Speaker: Also es ist so ein bisschen wie dieser Geburtenknick in der Bevölkerung.

Speaker: Wir kommen mit dem, Sterben steht nicht im Verhältnis zur Geburt.

Speaker: Also es gibt immer wieder Buchhandlungen, die neu aufmachen, aber leider sterben zu viele weg.

Speaker: Und das finde ich tatsächlich ziemlich schade, weil diese Diversität dann einfach am Markt fehlt.

Speaker: Übrigens waren die beiden Bookish Empire Süßmäuse bei mir am Stand.

Speaker: Das war ganz hinreißend, dass wir uns mal persönlich kennengelernt haben.

Speaker: Grüße an euch auch an der Stelle.

Speaker: Aber da kann ich kurz einhaken, weil das bringt mich zu dem Punkt, der mir aufgefallen ist, dass ich von der Buchmesse tatsächlich mehr online mitbekommen habe.

Speaker: Und dass auch von den BesucherInnen mehr gepostet wurde.

Speaker: Also man kennt von der Leipziger Buchmesse, da funktioniert das immer super.

Speaker: Von der Frankfurter kannte ich es bisher so noch nicht, dass wirklich auf TikTok und auch auf Instagram ich da sehr, sehr viel mehr gesehen habe als in den Vorjahren.

Speaker: Also ich glaube, da merkt man auch schon, dass das zumindest von dem Konzept her Richtung Besucher das Meer zu öffnen, dass das schon so ganz gut aufgeht, finde ich zumindest.

Speaker: Absolut.

Speaker: Mir ist beim Gassigehen, hat mich eine Frau angesprochen und hat gemeint, ach, ich sei ja jetzt ein paar Tage nicht da gewesen, sie hätte mich und den Hund nicht gesehen.

Speaker: Und da habe ich gesagt, ja, ich war irgendwie auf einer Messe und dann wollte sie wissen, was ich arbeite und dann habe ich gesagt, was mit Büchern und dann sagte sie dann so komplett ohne Zusammenhang, ja, da war ja jetzt irgendwie auch sowas Großes, das hat sie im Internet gesehen.

Speaker: Also das war eine, die mit Büchern jetzt nicht so wahnsinnig viel zu tun hat, aber dass es doch irgendwie mehr Menschen durchdringt.

Speaker: Das ist schon schön.

Speaker: Aber wir wollen wieder zurück ins Lamentieren und ins Jammern kommen, denn nur deswegen wurde im Prinzip Sebastian gewählt, um all dieses Elend und Leid zu beenden.

Speaker: Oh ja.

Speaker: Der Messias ist auch verstanden.

Speaker: Ja.

Speaker: Lass uns da vielleicht mal, oder anders, magst du mal in zwei Sätzen sagen, was für dich dieser Job, dieses Ehrenamt des Vorstehers bedeutet und was die Funktionen dieser Funktion sind?

Speaker: Das ist natürlich schwierig in zwei Sätzen.

Speaker: Zum einen muss man ganz klar sagen, das ist ein repräsentatives Amt.

Speaker: Es gibt ja im Börsenverein das Hauptamt, das ist eine

Speaker: sind an die 40 Mitarbeiter mit einem Hauptgeschäftsführer, Peter Kraus von Kleff, die in Frankfurt sind und die das ganze Alltagsgeschäft machen.

Speaker: Da gibt es, das wird jeder, der in der Buchbranche ist, wird damit irgendwie schon mal mit zu tun gehabt haben, eine legendäre Rechtsberatung, also die Rechtsabteilung des Börsenvereins ist sehr stark

Speaker: Das ist, wenn man Leute fragt, immer das Erste, was sie sagen.

Speaker: Also Leute, die nicht so nah am Börsenverein dran sind, dass sie irgendwie mal mit der Rechtsberatung zu tun hatten und dass die ihnen erstaunlicherweise geholfen hat.

Speaker: Das finde ich auch immer ganz interessant.

Speaker: Und die haben aber natürlich ein großes Angebot auch an

Speaker: an Kursen, an Workshops und so weiter.

Speaker: Dann gibt es diese ganzen Unternehmen, die um den Börsenverein herum angegliedert sind.

Speaker: Das ist zum einen die Frankfurter Buchmesse, die ist eine Tochter des Börsenvereins.

Speaker: Das ist der Mediacampus, also die Ausbildungsstätte für die Buchhändler.

Speaker: MVB, wo man die ESPN kaufen kann und diverse andere Dinge machen kann.

Speaker: Also das ist das Hauptamt.

Speaker: Das ist der Börsenverein, so wie er steht.

Speaker: Und dann gibt es, und ich finde das eine ziemlich tolle

Speaker: Der Börsenverein ist ja auch uralt, 200 Jahre alt.

Speaker: Wir haben den 200.

Speaker: Geburtstag gefeiert dieses Jahr.

Speaker: Und dann gibt es eben diese Einrichtung des Vorstands.

Speaker: Der besteht nicht nur aus dem gewählten, dem jetzt gerade neu gewählten Vorstand, sondern auch aus den Ausschussvorsitzenden vom Verlegerausschuss, also aus den drei Sparten Verlegerausschuss, Buchhandlungs- und Sortimentausschuss und Zwischenbuchhandelausschuss.

Speaker: Und dann eben diese fünf Gewählten, die auch nach einem gewissen Proporz, das ist ein bisschen aufwändig, aber ich glaube, man kann es dann leicht verstehen, zwei aus dem Buchhandel, zwei aus den Verlagen und eine Person aus dem Zwischenbuchhandel.

Speaker: Und einer davon wird eben zum Vorsteher gewählt und das bin ich.

Speaker: Und ich finde das wirklich hochklug, dass dieser Vorstand ehrenamtlich besetzt ist.

Speaker: Also dass es getrennt ist vom Hauptamt, was das Alltagsgeschäft macht, weil das zum einen

Speaker: Ganz toll ist, dass dadurch dieser Vorstand sehr viel stärker verankert ist in der Alltagspraxis der ganzen Mitglieder.

Speaker: Also es ist auf jeden Fall jemand da, der sich im Buchhandel auskennt.

Speaker: Es ist auf jeden Fall jemand da, der sich im Verlagsbetrieb und in der Verlagsalltagsarbeit auskennt und sogar noch aus dem Zwischenbuchhandel.

Speaker: Und das ist natürlich extrem hilfreich, dass der Vorstand nicht abgehoben ist und dass das irgendwelche Bürokraten sind oder Verwalter oder Technokraten, sondern Leute aus der Praxis und Leute, die dann

Speaker: zum einen ihre Expertise aus der Praxis einbringen können, zum anderen aber natürlich auch in ihre jeweiligen Sparten zurückstrahlen können.

Speaker: Und nämlich diese Frage der Sparten ist auch was extrem Wichtiges im Börsenverein.

Speaker: Und das ist auch eine der Hauptaufgaben des Vorstehers, eine, die man nicht so stark sieht nach außen.

Speaker: Im Börsenverein ist ja sowohl das produzierende als auch das handelnde Gewerbe vertreten.

Speaker: Das ist eine absolute Ausnahmesituation.

Speaker: Das gibt es in keinem anderen Land.

Speaker: Sonst sind das immer getrennte Verbände, die sich ständig bekriegen und die immer über Kreuz liegen.

Speaker: Bei uns passiert das Bekriegen und über Kreuz liegen eben intern.

Speaker: Und dann kommt die große Aufgabe des Vorstehers.

Speaker: dass der Vorsteher oder die Vorsteherin jetzt die letzten sechs Jahre vermitteln muss, moderieren muss, Interessensausgleich finden muss und dieses heute so schlecht beläumendete Wort Kompromisse finden muss.

Speaker: Ich versuche immer, um das positiver, euphemistischer zu verzeichnen, zu sagen, wir finden keine Kompromisse, wir finden Lösungen, weil ja am Ende etwas stehen muss,

Speaker: was uns alle weiterbringt, also was für uns alle einen positiven Effekt bringt und der Vorsteher oder die Vorsteherin muss das dann nach außen hin vertreten und repräsentieren.

Speaker: Und ich habe jetzt relativ ausführlich da ausgeholt, weil ich aber glaube, dass das wirklich ganz entscheidend ist.

Speaker: Also diese Funktion,

Speaker: Ist also so gewissermaßen auch losgelöst von bestimmten Erfordernissen, also von den Mühen des Alltags, von den Mühen der Ebene, die man da im Hauptamt auch zu vollbringen hat, sondern steht wirklich dafür da, zu repräsentieren, also große Reden zu halten, zum Beispiel bei den Eröffnungen der Messen.

Speaker: Aber auch, und das ist auch ganz entscheidend und auch etwas, worauf ich mich besonders freue, politische Arbeit zu machen.

Speaker: Der Börsenverein ist ja wirklich die Interessensvertretung, eine Art Lobbyvertretung für die gesamte Buchbranche.

Speaker: Und die Arbeit in die Politik sind ganz viele Dinge, die man gar nicht so sieht.

Speaker: Die Tatsache, dass wir unsere Buchpreisbindung und den reduzierten Mehrwertsteuersatz haben,

Speaker: wird uns nicht geschenkt.

Speaker: Da muss der Börsenverein permanent dafür kämpfen und natürlich auch der Vorsteher dafür einstehen, immer wieder neu erklären, warum das wichtig ist, warum das elementar ist und eben im besten Falle, ich habe mir sowas wie die strukturelle Verlagsförderung auf die Fahnen geschrieben, auch

Speaker: weitere zusätzliche Unterstützung oder Förderungen aus der Politik zu erhalten, die dazu beitragen, dass die Branche stabilisiert wird oder sogar sich noch weiterentwickeln kann.

Speaker: Und dafür arbeitet der Börsenverein, dafür arbeitet dann auch der Vorsteher natürlich in hervorgehobener Position.

Speaker: Und deswegen ist auch für mich zumindest, als ich 2014

Speaker: meinen Verlag gegründet habe, unmittelbar klar gewesen, dass ich auch Mitglied im Börsenverein sein möchte, weil der Börsenverein eben, selbst wenn man nicht Mitglied ist, aber für die ganze Branche einfach irgendwie das A und O ist, also der Verein ist, an dem man sich wendet, der Verein, der uns vertritt, der Verein, der dafür kämpft.

Speaker: Ja.

Speaker: Du wirkst so ein bisschen, kann das sein, dass du so ein bisschen harmoniebedürftig bist?

Speaker: Das bin ich, ja.

Speaker: Jetzt, als du eben gesagt hast, lieber Lösungen statt Kompromisse.

Speaker: Ich erinnere mich an einen Satz, ich kann ihn nicht wortgenau wiedergeben, im Zuge des, vor der Wahl hattest du gesagt, das Ganze ist ja kein Wahlkampf, sondern es ist einfach schlicht die Auswahl zwischen zwei Kandidaten.

Speaker: Was ich ganz stark fand von der Botschaft her, aber leichter gesagt wahrscheinlich aus der Sicht des Siegers dann.

Speaker: Nein, da war ich ja noch nicht der Sieger.

Speaker: Aber sag mal, wie kam es dazu?

Speaker: Weil ich habe, wenn man sich so ein bisschen umhört, dann...

Speaker: wird ja schon so ein bisschen gemunkelt, dass dein, wie darf ich ihn denn nennen, Gegenkandidat, der war mehr oder weniger, in seinen Augen und auch in den Augen einiger, war der quasi gesetzt.

Speaker: Schon zu Zeiten noch, als Karl Schmidt Friedrichs noch Vorsteherin war, war eigentlich klar, okay, irgendwann dieses Amt ist auf zwei

Speaker: Legislaturen quasi begrenzt.

Speaker: Nach sechs Jahren ist also automatisch so oder so Schluss.

Speaker: Und dann war klar, es wird dann der andere.

Speaker: Für ganz viele.

Speaker: Und dann kam auf einmal dieser Indie-Verleger aus der Bresche gesprungen und sagte, Mensch, traue ich mir auch zu.

Speaker: Wie kam es dazu?

Speaker: Was hatte ich da, ich wollte jetzt fast sagen, was hatte ich da geritten?

Speaker: Harmoniebedürftig heißt das gewogen.

Speaker: Das ist jetzt schwierig, wie ich da antworte.

Speaker: Also ich hatte Signale aus der Branche gehört, also das stimmt, dass Herr Köhnemann, der, Stefan Köhnemann, der Mitstreiter oder die Alternativ, der Alternativkandidat, dass der schon lange feststand, weil der schon vor zwölf Jahren wohl drüber nachgedacht hat, als es darum ging, als Heiner Riedmüller gewählt wurde, der Vorgänger von Karin Schmid Friedrichs, der vor sechs Jahren gegen Karin Schmid Friedrichs angetreten ist und ihr ganz knapp unterlegen ist in der

Speaker: Abstimmung und es war relativ klar, dass er auf jeden Fall auch wieder sich aufstellt, sich zur Verfügung stellt.

Speaker: Er will das werden oder er wollte das werden.

Speaker: Und ich habe Signale oder Stimmen gehört aus der Branche, die gesagt haben, so ganz gut ist das nicht, weil es ist bei aller Harmoniesucht und bei aller Lösungsorientiertheit eine Wahl und auch eine Wahl, die demokratisch sein sollte und zu einer demokratischen Wahl gehört, dass es nicht nur einen Kandidaten gibt.

Speaker: Sonst hat man, sonst ist es eine Art Bestätigungswahl.

Speaker: Und ich hatte Stimmen gehört von Leuten, die gesagt haben, ja, und das wäre vielleicht ganz gut, wenn wir noch einen Gegenkant, jemanden haben hätten, der sich auch aufstellt, der ein Alternativangebot bietet.

Speaker: Und dann, also ich will Stefan Köhnemann allen Ehren wirklich nicht zu nahe treten, dann kommt eben auch dazu.

Speaker: Das wollen wir heute auch gar nicht machen.

Speaker: muss man dazu sagen.

Speaker: Will ich auch generell gar nie, auch sonst nie, dass er einfach über diese zwei Amtszeiten von Heiner Riedmüller und von Karin Schmidt-Friedrichs auch schon über 60 geworden ist.

Speaker: Und das ist die Frage, wer den Börsenverein in die Zukunft führen will, wer das nächste Kapitel aufschlägt, ganz pathetisch gesagt, wer in den nächsten drei oder möglicherweise auch sechs Jahren dafür verantwortlich ist, den Börsenverein zu repräsentieren,

Speaker: da kann man nichts dagegen tun.

Speaker: Da spielt die Frage des Alters natürlich trotzdem auch eine Rolle.

Speaker: Und ich habe, also ich wurde, ich kann es glaube ich so frei sagen, es war nicht, dass ich mir in meinem Kämmerchen diese Idee ausgedacht hätte, dass ich gedacht hätte so, ach, das wäre doch toll, wenn ich das mache, sondern ich wurde angesprochen.

Speaker: Ich wurde gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte.

Speaker: Und dann habe ich auch mir relativ lange Zeit gelassen, mir das wirklich gut durch den Kopf gehen zu lassen, weil es ja schon eine sehr große Aufgabe ist, eine große Sichtbarkeit, eine große Verantwortung.

Speaker: aber habe mich dann dafür entschieden und zwar auch genau aus all den Gründen, die wir jetzt eben vorher auch schon so ein bisschen skizziert hatten, dass ich, also meine Diagnose, mein Befund ist, diese Branche ist in einem wirklich entscheidenden Phase.

Speaker: Also nicht nur das, was wir gesagt haben, diese wirtschaftliche Zuspitzung, die sich vor allem im Feld der unabhängigen Verlage und Buchhandlung immer weiter fortsetzt,

Speaker: sondern ehrlich gesagt auch, was die Frage der Technologien angeht, also die KI, die Frage der Digitalisierung, die jetzt schon ein bisschen länger da ist, aber KI ist jetzt ein neueres Phänomen.

Speaker: Also es gibt sehr viele Fragen, die neu auftauchen, die auch deutlich in die Zukunft gerichtet sind, die auch deutlich an die jüngeren, jüngere Generationen sich mit Fragen oder mit Aufgaben stellen.

Speaker: Und ich dachte, dass das eine gute Idee sei, wenn dann vielleicht auch der höchste Vertreter nach außen des Börsenvereins

Speaker: ein bisschen näher an diesen Generationen dran ist, die das auch betrifft.

Speaker: Also das war eine der Hauptmotivationen, war wirklich, dass ich das Gefühl hatte, das ist gut, wenn das jemand Jüngeres macht.

Speaker: Das ist gut, auch als Zeichen an die Branche, dass es nicht nur die Alten sind, die ihre Verdienste haben, ganz unbestritten, die diese Buchbranche durch die letzten Jahrzehnte geführt haben, dass die dann sich am Ende ihrer Karriere das dann nochmal leisten können, auch so ein Ehrenamt anzunehmen, sondern ich wollte zeigen, dass

Speaker: auch jüngere Generationen Lust haben, Verantwortung zu übernehmen, dass auch jüngere Generationen diese Branche gestalten können und an ihrer eigenen Zukunft aktiv mitarbeiten können.

Speaker: Also über deinen Verlag reden wir jetzt gleich nochmal eh dezidiert, aber für einen Verleger gehört sicher auch ein gewisser Ehrgeiz, sonst würde das alles nicht klappen.

Speaker: Kannst du gut verlieren oder anders, was wäre gewesen, wenn das Ergebnis andersrum ausgegangen wäre?

Speaker: Ja, dann hätte ich mit leben können.

Speaker: Das ist Demokratie, auf Wiedersehen.

Speaker: Ja, ich glaube schon.

Speaker: Also ich kann es nicht sagen, wie es wirklich gewesen wäre, weil es nicht so passiert ist, aber ich glaube schon.

Speaker: Also ich hätte damit leben können, wenn die Mitglieder sich entschieden hätten, dass sie das Angebot von Stefan Ködemann besser finden oder dass sie die Vorstellung mit ihm die nächsten sechs Jahre den Börsenverein geleitet zu sehen.

Speaker: Wenn sie das besser gefunden hätten, dann hätte ich natürlich damit leben müssen und auch leben können.

Speaker: Diese Option gibt es ja immer.

Speaker: Das war ehrlich gesagt auch in meinem Verlag.

Speaker: Als ich den vor elf Jahren gegründet habe, habe ich mir am Anfang immer gesagt, es wäre kein Weltuntergang, wenn der Verlag es nicht überleben würde oder wenn ich irgendwann schließen müsste.

Speaker: Es wäre sehr traurig und ich tue alles dagegen, tue alles dafür, dass ich das nicht muss.

Speaker: Aber wenn es denn sein muss, dann ist das einfach so.

Speaker: Die Frage des Scheiterns ist, wenn man etwas tut, wenn man aktiv werden will, immer mit inbegriffen.

Speaker: Die gibt es immer und man darf davor keine Angst haben oder man darf sich davor nicht zurückschrecken lassen, sonst verfällt man in Lähmung.

Speaker: Davon bin ich überzeugt.

Speaker: Und ich hätte natürlich damit mitleben können und ehrlich gesagt, ich fand das auch erstaunlich, also das, was du vorhin zitiert hast mit, dass ich den

Speaker: den Wahlkampf nicht als Wahlkampf sehen wollte, dass das stimmt und das ist ein heeres Ziel.

Speaker: Aber es gab natürlich diese Situation und vor allem gab es die Situation, dass es absolut undurchsichtig war, wie das Ergebnis wird.

Speaker: Also mir zumindest und allen, mit denen ich gesprochen habe, auch.

Speaker: Es war bis zu dem Moment, wo Christiane Schulz-Rother, die die Aufgabe hatte, das Ergebnis zu verkünden, den Umschlag aufgemacht hat und den Namen vorgelesen hat,

Speaker: Absolut unklar.

Speaker: Niemand wusste, wie das Ergebnis sein wird und ich wusste es ehrlich gesagt auch nicht.

Speaker: Und ich war mir, also das, was wir jetzt gerade gesagt haben, ich habe mir sehr lange immer gesagt, ja, es ist kein Problem, wenn ich es nicht werden sollte.

Speaker: Ich habe zumindest auch die Kandidatur hat schon was bewegt und hat schon was gezeigt und so weiter.

Speaker: Und das ging ziemlich lange auch ziemlich gut bis zur letzten Woche.

Speaker: In der letzten Woche ging es mir so schlecht.

Speaker: Ich glaube, das kann man auch nachvollziehen, weil ich die ganze Zeit dachte, jetzt bin ich schon so weit gekommen.

Speaker: Jetzt habe ich schon so viel von mir nach außen gegeben.

Speaker: Wenn es jetzt nicht klappt, das wäre schon richtig, richtig scheiße.

Speaker: Und ich bin sehr froh, dass es nur bei dieser Woche des Zuhörerns

Speaker: Und es hat sogar sehr gut geklappt, muss man sagen.

Speaker: Ich habe jetzt das genaue Ergebnis nicht im Kopf, aber ich bilde mir ein, so was 250 zu 150.

Speaker: Also es war ein sehr, sehr, sehr deutliches Votum, was dir die Mitglieder da ausgesprochen haben.

Speaker: Es ist ja auch so, dass man in der letzten Woche…

Speaker: Man hat ja auch die Hoffnung, was zu verändern mit diesem Wahlkampf.

Speaker: Und das heißt, man hat sich schon so viele Gedanken gemacht.

Speaker: Was mache ich als erstes?

Speaker: Was mache ich als zweites?

Speaker: Und wie gehe ich mit Situationen um?

Speaker: Es wäre halt, also ich kann mir das als Enttäuschung vorstellen.

Speaker: Das ist ja nicht so, dass man dann jetzt plötzlich das Spielbrett durch die Gegend wirft.

Speaker: Aber es ist trotzdem eine Enttäuschung, wenn man sich wochenlang Pläne gemacht hat, wie man mit diesem Amt dann später mal umgeht.

Speaker: Weil man muss ja natürlich auch politische Reden schwingen.

Speaker: Man muss ja für sich Wahlkampf machen, warum man der bessere Kandidat ist.

Speaker: Und ich kann mir das schon vorstellen, dass die letzte Woche so ist.

Speaker: Nee, jetzt will ich das Ding auch nach Hause holen.

Speaker: Ja, ganz genau so war es und das wäre eine große Enttäuschung gewesen.

Speaker: Wie gesagt, ich hätte auch damit leben können, aber es ist schon besser, dass es so gekommen ist.

Speaker: Für uns alle.

Speaker: Wir finden es auch gut.

Speaker: Aber jetzt sag mal, du hast dich, was natürlich diese vielen Indie-Verlage und so besonders gefreut hat, du sprichst dich für eine Verlagsförderung aus.

Speaker: Du hättest ja auch mit kleineren Brötchen

Speaker: Ich meine, das ist jetzt wirklich was, an dem sich viele schon die Zähne ausgebissen haben.

Speaker: Wir haben das auf Landesebene in manchen Ländern, in manchen Bundesländern aber sind weit davon entfernt, weiß ich nicht, wie in der Schweiz oder so, wo das Ganze ja wirklich deutlich, deutlich deutlich ist.

Speaker: auskömmlicher funktioniert für die Verlage.

Speaker: Warum hast du dir so ein dickes Brett gesucht, mit dem du jetzt in den Wahlkampf oder nein, nenne es wie du willst gegangen bist?

Speaker: Weil das ist ja trotzdem was, an dem du dich dann in drei Jahren wahrscheinlich wirst messen lassen müssen.

Speaker: Ja, da werde ich mich dran messen lassen müssen.

Speaker: Und ich glaube, der Grund dafür ist, dass ich kein Politiker bin.

Speaker: Und ich kann

Speaker: Und ich hätte auch sagen können, weiß ich nicht, Digitalisierung und ich setze mich dafür ein, dass das, weiß ich nicht, VWB-Tix noch schneller läuft oder irgend so Kleinigkeiten und dann wunderbar.

Speaker: Ja, aber ich bin kein Politiker.

Speaker: Ich muss da nicht zu taktisch vorgehen.

Speaker: Also natürlich ist das jetzt ein Amt, was auch sehr starke politische Anteile hat.

Speaker: Und ich werde da jetzt auch in bestimmten Situationen nicht mehr so frei heraus sprechen können und umgehen können, wie ich das sonst immer als Privatperson oder als Verleger getan habe.

Speaker: Aber ich bin einfach von der absoluten Notwendigkeit total überzeugt, dass eine strukturelle Verlagsförderung unbedingt notwendig ist, dass wir das brauchen, dass, wenn das nicht klappt in den nächsten, ich sage jetzt mal fünf Jahren als Ziel, dass das uns riesige Probleme beschert, dass das auch die ganze Verlagsbranche,

Speaker: verändern wird und in eine ganz andere Richtung lenken wird.

Speaker: Und ich bin so davon überzeugt, dass ich einfach bereit bin, da bis ans Letzte dafür zu kämpfen.

Speaker: Und das ist ja auch bei weitem nicht das Einzige.

Speaker: Also das Feld der Themen, die mir da jetzt bevorstehen, ist ja wirklich groß.

Speaker: Also die Frage der KI ist eine große.

Speaker: Die Frage, wie gehen wir mit der KI um?

Speaker: Wie schaffen wir es, einen Ausgleich zu finden, dass wir einerseits

Speaker: sinnvoll einsetzen, da wo sie uns eine Erleichterung ist und da wo sie auch moralisch nicht fragwürdig ist und wie wir in anderen Fällen wie bei den gravierenden Urheberrechtsverletzungen da Einhalt gebieten.

Speaker: Aber auch da muss man sagen, der Börsenverein ist eine Interessensvertretung.

Speaker: Wir machen keine Gesetze, wir können letztlich die Dinge anstoßen, Druck machen, wir können Vorschläge machen, Konzepte vorstellen, aber die Umsetzung, an die Umsetzung dieser politischen Dinge, also dieser Gesetze und dieser politischen Dinge,

Speaker: Da sind wir nicht direkt daran beteiligt.

Speaker: Da werden wir vielleicht mal zu Rate gezogen in der Beratung, aber die Gesetze muss die Politik machen.

Speaker: Das ist zum Beispiel auch bei einem anderen Feld, was ich auch immer wieder angesprochen habe, was aber auch Stefan Könemann sehr stark angesprochen hat, die Leseförderung.

Speaker: Also das ist ja wirklich eklatant, wenn man sich das anschaut, die Zahlen, dass ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die die Grundschule verlassen, nicht sinnentnehmend lesen können.

Speaker: Und das ist, also davon muss ich euch nicht überzeugen, das ist ja

Speaker: nicht nur eine Gefahr dafür, für die Verlage und die Buchhandlungen, dass ihnen die Leserschichten, die ganzen Nachwuchsleser verloren gehen, sondern das ist wirklich, und das meine ich so pathetisch, wie ich sage, oder das meine ich so ernst, wie ich es pathetisch sage, das ist eine Gefahr für unsere Gesellschaft und für unsere Demokratie, wenn die Leute nicht mehr richtig lesen können, wenn die Leute nicht mehr richtig verstehen, was eigentlich geschrieben wird und sich nicht mehr richtig informieren können.

Speaker: dass da der Börsenverein keine unmittelbaren Lösungen haben kann, weil er in Interessensvertretung ist, das ist auch klar.

Speaker: Aber wir müssen einfach, wir dürfen nicht aufhören, der Stachel im Fleisch zu sein, der Politik da immer wieder auch nachzubohren, keine Ruhe zu geben, nicht Frieden zu geben, weil die Zustände einfach gerade jetzt, was die Leseförderung oder die Leseentwicklung angeht, so eklatant sind, dass

Speaker: dass man da, also ich weiß nicht, wie Bildungspolitiker derzeit gut schlafen können.

Speaker: Ich habe gehört, dass nächstes Jahr die PISA-Studie, die neue PISA-Studie wieder bekannt gegeben wird und die soll noch desaströser ausfallen als die letzte.

Speaker: Also ich weiß wirklich nicht, wie man guten Gewissens zurzeit schlafen kann oder sich auf die eigene Schulter klopfen kann, wenn man in der Bildungspolitik aktiv ist.

Speaker: Und das treibt aber eben ja uns alle um.

Speaker: Also da bin ich ja jetzt nicht der Einzige, den das bestürzt, sondern das sind ja ganz viele

Speaker: Und also das Feld der Aufgaben und der Herausforderungen ist so groß,

Speaker: Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie der Ausgangspunkt war, aber das, dass man unbedingt handeln muss.

Speaker: Da will ich direkt reingrätschen, denn das Feld ist so groß.

Speaker: Hast du mal für dich, hast du so einen Überblick, was das, weiß nicht, pro Woche, pro Monat an Arbeitspensum bedeutet?

Speaker: Weil du hast deinen eigenen Verlag, du bist bei Fischer für die Klassiker.

Speaker: Wir haben es vorhin auch gehört, du bist Lesepate, setzt dich also auch wirklich aktiv für Leseförderung ein.

Speaker: Wie viel macht denn das jetzt noch aus?

Speaker: Das kommt ja auch nochmal on top.

Speaker: Ja, das kann man nicht so richtig sagen, weil es diese Phasen gibt, wie die Buchmessen, wo sich das total zuzieht, wo ich dann quasi ununterbrochen für den Börsenverein im Einsatz bin.

Speaker: Dann gibt es verschiedene Sitzungen, verschiedene Gremien, bei denen ich anwesend bin.

Speaker: Und dann gibt es eben noch das Zusätzliche.

Speaker: Also es sind dann irgendwelche Grußworte.

Speaker: Ich kann jetzt was Konkretes auch sagen.

Speaker: Die Stuttgarter Buchwochen haben ihr 75.

Speaker: Jubiläum.

Speaker: Da habe ich dann sehr gerne zugesagt, dass ich da ein Grußwort halte, dass ich da hinfahre und ein Grußwort halte als Börsenvereinsvorsteher.

Speaker: Also solche Dinge, das sind ja auch... Bitte?

Speaker: Dann sehen wir uns da, ist doch schön.

Speaker: Und sowas sind ja dann auch total schöne Aspekte, finde ich.

Speaker: Da wäre ich eh gerne hingefahren und jetzt fahre ich eben in der Funktion hin.

Speaker: Das ist ja auch ganz toll.

Speaker: Aber es gibt dieses Hauptamt, dieses schon erwähnte Hauptamt und die machen natürlich diese Alltagsarbeit.

Speaker: Aber ich will das jetzt auch nicht kleinreden.

Speaker: Das ist natürlich eine große Aufgabe.

Speaker: Das sieht man schon.

Speaker: Und ihr habt das so scherzhaft gesagt mit dem Schlafen.

Speaker: Das ist wirklich so.

Speaker: Ich bin gesegnet damit, dass ich einen sehr gesunden Schlaf habe.

Speaker: Ich lege mich hin, ich schlafe und ich wache auf und ich bin wieder einsatzfähig.

Speaker: Das ist eine sehr wichtige Voraussetzung.

Speaker: Auch bei drei Stunden?

Speaker: Ja, und ich brauche relativ wenig Schlaf.

Speaker: Ich brauche so zwischen vier und fünf Stunden Schlaf und damit komme ich gut durch.

Speaker: Ich habe ein weiteres Geheimnis, das ich verraten kann, ich trinke keinen Alkohol.

Speaker: Das hilft mir sehr.

Speaker: Das hilft zum einen, dass ich morgens nicht so verknittert bin und zum zweiten, dass ich nicht so leicht versacke.

Speaker: Also, und das hat jetzt ein bisschen weniger Scherzhaftes, es hat natürlich mit einer guten Organisation, Alltagsorganisation, Arbeitsorganisation zu tun.

Speaker: Und es hat was damit zu tun, dass man sich mit Leuten zusammenarbeitet, auf die man sich verlassen kann.

Speaker: Also im Börsenverein sind das wirklich sehr gute, sehr fähige Leute, ist zumindest mein Eindruck.

Speaker: Und auf die muss ich mich einfach verlassen können.

Speaker: Hast du da jetzt eigentlich, ganz kurz, hast du da jetzt eigentlich einen Schüssel bekommen für die Braubachstraße, also für das Haus des Buches?

Speaker: Hast du da jetzt ein Büro?

Speaker: Kannst du da rein und raus, wann du willst?

Speaker: Oder hast du da deinen eigenen Kohleautomaten bekommen oder sowas?

Speaker: Also das wirkliche physische Büro wurde abgeschafft von ein paar Jahren.

Speaker: Es gab es früher auch ein Vorsteherbüro, aber das wurde viel zu wenig benutzt.

Speaker: Ich habe aber einen Platz im Büro von Peter Kraus vom Kleff.

Speaker: Da kann ich immer arbeiten, wenn ich in Frankfurt bin und im Börsenverein arbeiten will.

Speaker: Aber ich habe ja auch das Fischerbüro im Frankfurt.

Speaker: Ich wollte gerade sagen, ja.

Speaker: Aber es gibt, was sehr, sehr hilfreich ist, es gibt eine Assistentin, die die Reisen bucht und so weiter.

Speaker: Also da gibt es schon...

Speaker: Einen großen Komfort, einen Komfort, den ich in meinem eigenen Schalack so in keiner Weise hatte bisher.

Speaker: Da habe ich alles selbst gemacht.

Speaker: Aber es ist natürlich nicht wegzudiskutieren, dass es wirklich enorm viel Arbeit ist und vor allem auch, und das ist ja gar nicht jetzt irgendwie die Arbeit, dass ich einen großen Stapel habe, den ich wegarbeiten muss, sondern ich muss ansprechbar sein.

Speaker: ich muss mich informieren, ich muss agieren.

Speaker: Also die Kommunikation vor allem, das ist zumindest bis jetzt so abzusehen, die wird schon ein enormer Aufwand.

Speaker: Also viele E-Mails, die zusätzlich noch kommen, viele Anfragen, ganz viele Gespräche, Beratungsgespräche dann mit dem Hauptamt, mit dem Hauptgeschäftsführer als Vorbereitung für die Sitzung, als Vorbereitung für irgendwelche Termine.

Speaker: Das ist schon klar, dass da sehr viel auf mich zukommt.

Speaker: Aber ich weiß nicht, meine Erfahrung ist, dass ich

Speaker: dass ich, wenn ich richtig Lust drauf habe und wenn ich das mit Begeisterung mache, bisher habe ich es immer noch hingekriegt.

Speaker: Und das ist einfach meine zuversichtliche Einstellung für das, was jetzt noch kommt.

Speaker: Okay, aber mal Butter bei die Fische.

Speaker: Ich weiß, mein Verleger, Armin Gemeiner, war...

Speaker: Jahrzehntelang ja im Verband aktiv, hat im vergangenen Jahr auch die goldene Nadel bekommen und das hat unbestreitbar auch auf den Verlag zurückgespielt.

Speaker: Ich glaube nicht, dass er es deswegen gemacht hat, das unterstelle ich dir auch nicht, aber es kann so einem Verlag unbestreitbar helfen.

Speaker: Wie ist das jetzt bei dir?

Speaker: Lass uns mal zum Googles Verlag kommen, mal weg von diesem Amt, was du jetzt antrittst, da können wir in drei Jahren nochmal reden und dann gucken wir, ziehen wir mal Bilanz gemeinsam, aber jetzt lass uns mal deinen Verlag angucken, denn der ist mindestens genauso erwähnenswert.

Speaker: Du hast einen wirklich, wirklich

Speaker: exquisites Programm, was du dir da erarbeitet hast.

Speaker: Hast du den Eindruck oder jetzt vielleicht sogar schon bekommen, dass dem Verlag hilft, diese Position, dass jetzt auf einmal dein Name in aller Munde ist, dass vielleicht auch Buchhändler und Buchhändlerinnen, die bisher bei dir noch nichts eingekauft haben, zumindest mal gesagt haben, ich gucke mir das Programm mal an?

Speaker: So richtig ersichtlich ist das noch nicht für meinen eigenen Verlag.

Speaker: Also das wird es auf jeden Fall.

Speaker: Und vor allem, was auch ganz entscheidend ist,

Speaker: Der eigene Verlag ist ja auch die Grundlage, dass ich überhaupt diese Vorsteherposition haben kann.

Speaker: Also ich bin mit meinem eigenen Verlag Mitglied im Börsenverein als Person und dadurch hatte ich die Berechtigung, für diesen Vorsteherposten zu kandidieren.

Speaker: Und das heißt natürlich auch, dass dieser Verlag die nächsten drei Jahre überleben muss.

Speaker: Sonst scheine ich aus dem Amt des Vorstehers aus.

Speaker: Das ist das eine.

Speaker: Und da ist die Rückwirkung noch nicht so wahnsinnig groß.

Speaker: Also es gab jetzt im Zuge der ganzen Berichterstattung auch zur Messe so ein paar mehr Direktbestellungen über die Homepage, aber ansonsten ist da gravierend bisher noch nichts.

Speaker: zu sehen gewesen.

Speaker: Ich glaube, ein bisschen relevanter ist es bei Fischer.

Speaker: Da musste ich mich natürlich auch vorher abstimmen, weil da bin ich angestellt, also da bin ich Mitarbeiter.

Speaker: Ich habe das natürlich mit der Unternehmens- und der ganzen Konzernleitung abgesprochen.

Speaker: Ich habe denen natürlich vorher Bescheid gesagt, dass ich das vorhabe und mir die Genehmigung geholt, weil es da natürlich auch zu gewissen

Speaker: Arbeitseinschränkungen kommen kann.

Speaker: Es gibt einfach Situationen, in denen ich dann für Fischer nicht zur Verfügung stelle und in meinem eigenen Verlag kann ich das für mich hin deichseln, wie ich will.

Speaker: Aber wenn ich ein Arbeitnehmer bin, muss das natürlich abgestimmt sein.

Speaker: Die sind aber auch sehr an meiner Seite oder hinter meinem Rücken, stehen hinter mir.

Speaker: Die fanden das auch richtig gut, dass ich dafür kandidiert habe und jetzt natürlich auch, dass ich das geworden bin.

Speaker: Und ich glaube, da ist das auch noch mal so ein bisschen relevanter, dass da jemand aus ihrer Konzerngruppe jetzt für Holz bringt,

Speaker: an der Spitze des Börsenvereins steht.

Speaker: Und ob das da aber dann wirklich wirtschaftliche Effekte hat, da habe ich auch meine leichten Zweifel.

Speaker: Es hat was mit einer gewissen Präsenz des Namens und überhaupt des Unternehmens zu tun.

Speaker: Und es hat vielleicht im besten Fall natürlich dann auch über die Netzwerke was damit zu tun, dass die sich denken, sie können mir leichter was einflüstern.

Speaker: Ob das dann auch tatsächlich der Fall ist, da bin ich mir nicht so ganz sicher.

Speaker: Aber ich glaube, dass ansonsten das

Speaker: Also das hilft vielleicht für ein positives Image oder so, aber ob das wirklich sich wirtschaftlich auszahlt, das kann ich mir nicht so richtig vorstellen.

Speaker: Da ist aber ja auch, das will ich nicht verschweigen, auch das Gute ist, es ist ein Ehrenamt, aber es gibt eine, wie ich finde, sehr angemessene Aufwandsentschädigung dafür.

Speaker: Das heißt, ich kriege ein bisschen Geld pro Monat, Aufwandsentschädigung für diese Arbeit, die ich jetzt natürlich, weil ich sie für den Börsenverein mache, nicht für meinen Verlag oder auch nicht für Fischer machen kann in der Form.

Speaker: Mich würde mal ganz kurz interessieren, du hast jetzt gerade gesagt, du musstest dich mit Fischer abstimmen.

Speaker: Du kommst eigentlich aus dem Indie-Verlag, hast deinen eigenen kleinen Verlag gegründet und arbeitest jetzt für Fischer.

Speaker: Also das geht gerade bei mir im Kopf noch nicht zusammen.

Speaker: Dann kommt man sozusagen von seinem eigenen kleinen Verlag und arbeitet dann für Fischer als Leiter des Klassikprogramms.

Speaker: Meinst du jetzt ganz praktisch oder meinst du, wie ich auf die Idee kam?

Speaker: Genau, wie kamst du dahin?

Speaker: Hast du dich da beworben einfach?

Speaker: Nee, nee, nee.

Speaker: Auch das war nichts, was ich mir irgendwie ausgedacht hätte.

Speaker: Ich habe eigentlich über seine Frau, über Insa Wilke, kenne ich Oliver Vogel, den Verleger von Fischer, sehr gut.

Speaker: Also mit Insa bin ich schon lange befreundet und über Insa habe ich mich dann auch mit...

Speaker: mit Oliver angefreundet und der, ich weiß nicht wie bekannt die Geschichte ist, der war ja viele Jahre Programmleiter für die deutsche Literatur bei Fischer, ist dann rausgegangen, ist zur Agentur Graf gegangen für ein knappes Jahr und wurde dann von Fischer zurückgeholt als Verleger.

Speaker: Und das war vor drei Jahren, vor gut drei Jahren und er sagte damals, als er zurückkam,

Speaker: war eine der Sachen, die er mitbringen wollte, sozusagen in diese Verlegerposition, war mich.

Speaker: Also er hat gesagt, er möchte das gerne mit mir machen.

Speaker: Er ist der Meinung, dass ich zwar meinen Verlag super mache und er die Bücher gerne liest, dass ich aber ganz bestimmt auch in so einer großen Struktur viel bewirken kann.

Speaker: Und er wollte mich unbedingt zu Fischer holen und hat mich überredet, sodass ich dann am Schluss zugesagt habe.

Speaker: Das war auch nicht ganz einfach, weil ich musste zum Beispiel in meinen Arbeitsvertrag reinschreiben lassen,

Speaker: dass mein eigener Verlag keine Konkurrenz zum Fischer Verlag ist, weil man ja auch, wenn man angestellt ist, nicht noch nebenher bei der Konkurrenz für eine Konkurrenz arbeiten darf.

Speaker: Und dann, ich habe mich damals eben überreden lassen und habe mich dann darauf eingelassen und Oliver hatte recht.

Speaker: Also diese Arbeit dort macht mir wahnsinnig Spaß.

Speaker: Ich bin auch, also das merkt man ja auch an der Ämterhäufung und an der Aufgabenhäufung, ich bin auch

Speaker: viel zu neugierig, um immer bei einer Sache zu bleiben.

Speaker: Ich bin zwar Teamleiter Klassiker, aber ich betreue inzwischen auch lebende deutsche Autoren, lebende internationale Autoren.

Speaker: Ich habe immer so viel Lust auf die Sachen, die ich mache, dass es immer mehr wird und dass ich mich nicht bremsen kann.

Speaker: Aber das waren ja auch in der Klassiker-Abteilung tolle Sachen, tolle Aufgaben.

Speaker: Ich habe letztes Jahr den 100.

Speaker: Todestag von Franz Kafka

Speaker: verantwortet und den ganzen Auftritt von Kafka.

Speaker: Dieses Jahr, das hat ja jeder in diesem Land, also wer es nicht mitgekriegt hat, muss die Augen und die Ohren zugemacht haben, habe ich Thomas Mann natürlich sehr stark im Fokus gehabt und diesen ganzen Auftritt mitverantwortet.

Speaker: Und das hat einfach so gut funktioniert.

Speaker: Und ich glaube ehrlich gesagt, dass diese Grundlage mit dieser riesigen Spreizung vom kleinstmöglichen Verlag, ein Ein-Mann-Verlag, der zwei Bücher pro

Speaker: Programm macht, also das Mindestmaß, was man machen muss, um als Verlag mit dem Börsenverein zu sein, sein zu können, in der Kurt-Wolf-Stiftung sein zu können und als Verlag mit Programmen sichtbar und wahrgenommen zu werden, sichtbar zu sein und wahrgenommen zu werden, bis hin zu einer Mitarbeit im größten, einem der größten Konzernverlage, den wir in Deutschland überhaupt haben.

Speaker: Ich glaube, dass diese Spreizung und die Tatsache, dass ich diesen Spagat eigentlich ganz gut hinkriege und weder das eine noch das andere verraten muss, sondern in mir vereine,

Speaker: dass das auch ein ganz schönes Pfund war in diesem sogenannten Wahlkampf, weil die Mitglieder des Börsenvereins eben gesehen haben, dass das möglich ist, das zu versöhnen, sogar in einer Person.

Speaker: Und dass ich eben Einblicke in sowohl das eine als auch das andere und deswegen natürlich auch in die Probleme und Herausforderungen des einen wie des anderen habe.

Speaker: Und ich glaube, dass mir das auch in der Zukunft noch ganz schön zugutekommen wird, dass ich eben nicht nur Interessensvertreter oder Vertreter einer kleineren Gruppe bin, sondern wirklich

Speaker: da auch ganz verschiedene Aspekte und die ganze Breite der Branche im Blick habe.

Speaker: Und so ist das damals zustande gekommen.

Speaker: Also über Oliver, der hat mich mitgenommen.

Speaker: Ich habe keine Berührungsängste gehabt, bin da sofort reingesprungen und das hat einfach gut funktioniert.

Speaker: So läuft es jetzt weiter.

Speaker: Jetzt verstehe ich auch sehr gut, warum du am Anfang bei Tinas neun schnellen Fragen dich nicht entscheiden konntest, weil bei dir ist irgendwie immer beides.

Speaker: Ich nehme alles.

Speaker: Entweder oder.

Speaker: Genau.

Speaker: Sowohl als auch statt entweder oder.

Speaker: Genau, sowohl als auch.

Speaker: Es fehlt dir jetzt halt noch eine Buchhandlung ohne Druckerei.

Speaker: Ja, das wartet zwar ab.

Speaker: Wir wollten drei Jahre in die Summe ziehen.

Speaker: Magst du vielleicht mal noch erzählen, wie es zum Googles Verlag gekommen ist?

Speaker: Also wie du, wir haben es gehört, der Fokus auf nordeuropäischer, osteuropäischer Literatur von verstorbenen

Speaker: Autoren und Autorinnen, die du wiederentdecken möchtest.

Speaker: Wie kam es aber zu diesem Fokus?

Speaker: Hast du da, ist das persönliches Interesse?

Speaker: War das Bildung?

Speaker: Ich meine, es gibt bestimmt auch ganz viele Portugiesen, die es nochmal zu entdecken gelten würde.

Speaker: Ja, gibt es.

Speaker: Ich versuche es so kurz wie möglich zu fassen, damit wir noch genug Zeit haben, über alles Mögliche zu reden.

Speaker: Also in der schönen Märchenvorstellung ist das ja schon angeklungen, dass ich

Speaker: meinen Einstieg in die Verlagsbranche über einen anderen Verlag, über Mathes & Seitz Berlin.

Speaker: Andreas Rötzer war der Verleger, der mich damals bei dem Abendessen kennengelernt hat und mit dem ich dann, mit dem ich eine solche Verbindung oder wir haben uns so gut verstanden, dass das dann sofort quasi Standepäde anfing, dass wir zusammengearbeitet haben, dass ich für ihn gearbeitet habe.

Speaker: Und dort war ich eigentlich auch sehr glücklich.

Speaker: Mathes & Seitz war damals noch sehr klein, als ich dort arbeitete.

Speaker: Ich war der erste feste Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit, nach dem

Speaker: Praktikum und dann haben wir irgendwann das Volontariat genannt und ich habe tolle Bücher machen können.

Speaker: Ich habe mich auch in dem Programm wohl gefühlt, aber ich, Andreas wollte, dass der Verlag größer wird.

Speaker: Heute ist er ja auch bedeutend größer.

Speaker: Heute ist es fast schon eher einer der mittleren Verlage, zumindest auch was das Programm angeht, aber auch inzwischen, was die Mitarbeiteranzahl angeht.

Speaker: Zu meiner Zeit war das sehr klein.

Speaker: Und ich habe das sehr geliebt und genossen.

Speaker: Genau dieses, dass man auf Zuruf arbeiten kann, dass man irgendwie immer auch einen Überblick über die anderen Bereiche hatte.

Speaker: Also im Nachhinein war das die perfekte Ausbildung für mich.

Speaker: Aber ich habe das auch für den Arbeitsalltag sehr geschätzt, dass ich bei der Presseverarbeit ganz nah dran war, dass ich mitgekriegt habe, was im Vertrieb los war.

Speaker: Und Andreas wollte das Ganze aber größer machen und professionalisieren.

Speaker: Aus heutiger Sicht muss man sagen, es war die richtige Entscheidung.

Speaker: Der Verlag ist gewachsen, der Verlag ist stabil, der Verlag ist nach wie vor gewachsen.

Speaker: einer der absolut interessantesten der deutschen Verlagsbranche.

Speaker: Aber für mich war das zu dem damaligen Zeitpunkt nicht das, was ich wollte.

Speaker: Ich wollte eine Konzentration, ich wollte eine Fokussierung.

Speaker: Ich wollte mich den Büchern so widmen, dass ich das Gefühl hatte, ich habe jetzt alles für das Buch getan.

Speaker: Und das geht, wenn man so viel produziert, wenn man größer werden will, geht das nicht in der Form, wie das geht, wenn man, wenn man, wenn man eben versucht, sich zu konzentrieren, wie man das in der kleinen Form machen kann.

Speaker: Und deswegen habe ich, haben wir beide dann gemeinsam irgendwann entschieden, dann, dann trennen sich vielleicht einfach unsere Wege.

Speaker: Und dann habe ich eben relativ schnell entschieden, dass ich dann einfach meinen eigenen Verlag mache, weil ich ja das Gefühl hatte, ich weiß ja, wie man es machen muss.

Speaker: Ich habe ja eine Vorstellung davon.

Speaker: Und dann diese inhaltliche Ausrichtung, das war zum einen, also das mit den Klassikern und nur Übersetzung, das sind wirklich meine persönlichen Vorlieben.

Speaker: Das ist das, was ich auch persönlich am liebsten lese.

Speaker: Das, was mir die Bücher sind, die mir am meisten wert sind, sind diese unglaublich besonderen Wiederentdeckungen, von denen es ja auch davor schon einige Beispiele gab.

Speaker: Und auch heute gibt es andere Verlage, die das machen.

Speaker: Und ich habe mich dann für den geografischen Fokus verwendet.

Speaker: eigentlich im Ausschlusskriterium entschieden.

Speaker: Ich wollte, ich schätze die Arbeit der anderen unabhängigen Verlage so sehr, also ihr habt vorhin Britta und Jörg erwähnt, also Aviva Verlag, Verbrecher Verlag, diese ganzen Verlage machen so eine wirklich bewundernswürdige, fantastische Arbeit, dass ich das absolut absurd gefunden hätte, mich dann in Konkurrenz zu anderen zu begeben.

Speaker: Also du hast vorher geguckt, welche Nische es noch nicht belegt?

Speaker: Ja, das war wirklich die...

Speaker: Da kommt wieder die Harmoniesucht durch.

Speaker: Naja, aber warum sollte man bei einem Feld, wo es eh nichts zu gewinnen gibt an Geld, dann auch noch in Konfrontation oder in Konkurrenz gehen?

Speaker: Aber es ist so unfassbar sympathisch einfach hier.

Speaker: Naja, aber das eine ist natürlich dann die Konkurrenzvermeidung.

Speaker: Das andere ist, dass ich dort auch die größten Lücken gesehen habe.

Speaker: Also ich habe einfach einen Bedarf gesehen, einen persönlichen Lesewunsch und einen Bedarf, dass das auch auf der deutschen Klinik

Speaker: im deutschen Buchmarkt präsentiert wird und repräsentiert wird.

Speaker: Und da kam ich dann, damals war Skandinavien, das war gerade der Beginn des Skandinavien-Booms.

Speaker: Heute gibt es ja viele, die auch skandinavische Literatur machen.

Speaker: Und in Osteuropa gibt es einfach wahnsinnig viel und sehr wenige, die sich daran trauen.

Speaker: Auch, wie ich inzwischen weiß, weil die Verkaufszahlen ganz schön schwierig sind.

Speaker: Aber das hat mich ja noch nie abgeschreckt.

Speaker: Und so hat sich dann dieses

Speaker: dieser Fokus gebildet und die Arbeit mit den Übersetzern war, ich habe bei Mathes & Seitz alles gemacht, vom Sachbuch über die Gegenwartsliteratur bis zu den Klassikerübersetzungen

Speaker: Und die Arbeit mit den Übersetzungen war immer wirklich besonders toll.

Speaker: Also auch da war es ein bisschen die Vermeidung.

Speaker: Ich wusste, wie viel Arbeit eine, das ist kein Scherz, wie viel Arbeit eine Lesereise macht.

Speaker: Deswegen wusste ich, lebende Autoren kann ich in meinem Verlag nicht betreuen.

Speaker: Und da hätte ich jemanden einstellen müssen für.

Speaker: Und die Arbeit mit den Übersetzerinnen und Übersetzern ist wirklich eine so besondere im Lektorat.

Speaker: Und das habe ich immer besonders geliebt, dass ich dachte, dann mache ich einfach das zum Zentrum meiner Verlagsarbeit.

Speaker: Also es war so eine Mischung aus Vorlieben und Dingen, die ich besonders gerne mag und dass ich gucken wollte, dass ich nicht anderen was wegnehme oder dass ich mich in unnötige Konkurrenz begebe.

Speaker: Was mich beschäftigt hat im Vorfeld, du hast in einem der, es gibt von dir nicht so viele Interviews, aber wenn immer sehr lange und sehr persönliche und so fast so eine Rolle von so Plaudereien, macht große Freude, das zu lesen.

Speaker: Da sagst du an einer Stelle, dass du, du sprichst ja zum Teil die Originalsprachen gar nicht, also du verlässt dich auch nicht.

Speaker: Ich spreche keine einzige Sprache, aus der ich Bücher übersetzen lasse.

Speaker: Aber, also ich frage mich halt, ob ich da jetzt nur wieder so ein Kontrolletti bin, du bist ja vollkommen dem Übersetzer oder der Übersetzerin ausgeliefert, dass das schon so stimmen wird, was da kommt.

Speaker: Naja, ich würde es jetzt nicht ausgeliefert nennen.

Speaker: Also es ist Vertrauen, was ich den Übersetzern und Übersetzerinnen entgegenbringe.

Speaker: Und natürlich kann ich jetzt kein Litauisch und kein Estnisch und ich kann auch kein Kroatisch und ich kann auch kein Isländisch, aber ich habe immer das Original daneben liegen und sowas wie die Satzanzahl oder...

Speaker: Also wenn da jetzt, wenn jetzt was rauslassen würde, der Übersetzer oder die Übersetzerin, dann würde ich das schon merken.

Speaker: Und ich kann auch, inzwischen gibt es ja inzwischen einige technische Hilfsmittel, um Übersetzungen zumindest im groben Maße zu überprüfen.

Speaker: Das heißt, ich mache schon relativ viel mit Google Translate oder mit anderen Übersetzungsdiensten, wenn ich an irgendeiner Stelle das Gefühl habe, da stimmt was nicht.

Speaker: Aber ich sehe mich, also das ist ein bisschen eine Frage der Schule.

Speaker: Es gibt im Lektorat, im Übersetzungslektorat

Speaker: berechtigte Vertreterinnen und Vertreter der Schule, die sagen, man kann eigentlich kein Übersetzungslektorat, wenn man nicht ein Grundverständnis der Ausgangssprache hat.

Speaker: Das mag man sagen, aber naturgemäß bin ich da anderer Meinung, sonst könnte ich meine Arbeit nicht machen.

Speaker: Ich bin der Überzeugung, dass man als Lektor oder dass ich als Lektor bei einem Übersetzungslektorat für den deutschen Text zuständig bin.

Speaker: Und meine Erfahrung ist auch, das ist auch die Rückmeldung, die ich von Übersetzerinnen und Übersetzeren kriege, dass man, wenn man wirklich sehr genau und sehr nah den übersetzten Text liest,

Speaker: die Stellen aufspürt, an denen was nicht stimmt, wenn es eine gewisse Unstimmigkeit gibt, wenn es eine gewisse Sprunghaftigkeit gibt und so weiter.

Speaker: Also wenn man, wenn man wirklich konzentriert und aufmerksam einen übersetzten Text liest, findet man die Stellen, an denen was nicht ganz schlüssig ist.

Speaker: Und es gibt aber natürlich diesen Rest an Vertrauen, den ich aufbringen muss.

Speaker: Aber andernfalls müsste ich den Übersetzer oder die Übersetzerin auch nicht beauftragen, wenn ich wirklich Satz für Satz, Wort für Wort das ganze Original nochmal durchgehe.

Speaker: Es ist natürlich eine Erleichterung, wenn ich die Originalsprache könnte.

Speaker: Ich mache jetzt bei Fischer auch manchmal kann ich auch Sprachen machen, die ich spreche, also was aus dem Englischen zum Beispiel.

Speaker: Dann gucke ich natürlich auch häufiger ins Original und schaue, was steht da drin.

Speaker: Aber dann merke ich auch relativ schnell, dass man sich verheddert.

Speaker: Und das ist auch eine Rückmeldung, die ich von Übersetzerinnen und Übersetzern kriege, dass die oft sagen, sie finden das angenehmer, mit Lektoren zu arbeiten, die die Originalsprache nicht kennen, weil das oft

Speaker: Weil es geht bei der Übersetzung ja nicht nur um die korrekte Übertragung von Wort für Wort in die andere Sprache, sondern es geht immer auch darum, einen gewissen Ton zu treffen, eine gewisse Stimme zu entwickeln für eine Autorenstimme.

Speaker: Und das sind Dinge, wenn man da zu kritisch dann oder zu selbstbewusst einzelne Dinge dann eigenmächtig verändert, dann kommt das ganze Gefüge aus dem, aus dem Blut.

Speaker: Und es hat ja auch seinen Grund, warum ich Übersetzer und Übersetzerinnen auf das Cover schreibe und warum Übersetzerinnen und Übersetzer auch die Urheber der Übersetzung sind und nicht nur Dienstleister, sondern, sondern eben wirklich als Urheber gelten dieses Textes, dass dieser Text ein Kunstwerk eigenen Ranges ist.

Speaker: kann man unterstützend wirken als Lektor und als Lektorin, indem man versucht, daran noch so zu feilen, dass das so gut wie möglich wird.

Speaker: Aber seine eigene Stimme da einzubringen oder eigene Vorstellung, das funktioniert nicht so, das bringt das ganze Gefüge und das ganze Kunstwerk zum Wanken.

Speaker: Davon bin ich fest überzeugt.

Speaker: Man merkt es ja auch darin, dass viele Übersetzer immer für den gleichen Autor oder die gleiche Autorin gewählt werden, weil die einfach diese Tonalität mittragen.

Speaker: Das ist so ein bisschen wie eine Synchronstimme, finde ich, zum Übersetzer.

Speaker: Und es ist halt nicht einfach, wie du sagst, Wort für Wort, weil dann kann ich es wirklich bei DeepL oder Google Translator reinhauen, wenn ich wirklich nur Wort für Wort haben will.

Speaker: Aber wir wissen alle, wie diese Texte aussehen, wenn man die darüber transkribiert.

Speaker: Ich finde, Übersetzer ist ein unfassbar toller Beruf.

Speaker: Ich würde es mir nie zutrauen, aber was die rausholen sozusagen, um das zu transportieren, was der Auto hat, also der Auto hat ja immer eine Absicht mit seiner Tonalität.

Speaker: Also ich finde das einen großartigen Job und ich würde da auch blind vertrauen, ob das Englisch ist oder Französisch, was man selber sprechen kann.

Speaker: Ich übersetze es halt sehr technisch und die machen halt da ein Wunderwerk draus, ein literarisches Werk.

Speaker: Und trotzdem, wir haben schon mal eine Folge gemacht, wer alles an einem Buch verdient.

Speaker: Übersetzer sind nicht diejenigen, die den großen Batzen bekommen.

Speaker: Das muss man leider sagen.

Speaker: Die fallen ganz oft auch nochmal hinten runter.

Speaker: Ja, aber die Wertschätzung für Übersetzer ist wirklich so groß für mich.

Speaker: Und das kann ich jetzt ganz unmittelbar sagen.

Speaker: Am Montag zum Beispiel fahre ich nach Düsseldorf.

Speaker: Also ich fahre nach Düsseldorf am Wochenende, weil ich am Montag

Speaker: beim strahlender Übersetzerpreis sein werde, also bei dem höchst dotierten und einem der wichtigsten Übersetzerpreise, die es überhaupt in deutscher Sprache gibt.

Speaker: Und da darf ich die Laudatio halten auf eine Übersetzerin, mit der ich jetzt schon mehrfach zusammengearbeitet habe, Claudia Sinnig, die aus dem Litauischen übersetzt für mich schon Bücher übersetzt hat, jetzt auch für Fischer für mich ein Buch übersetzt hat.

Speaker: Und da ein

Speaker: Da was zurückzugeben, also natürlich, ich würde auch gerne mehr zahlen, aber da dann mit dieser Laudatio, die wird donnern, diese Laudatio, das kann ich euch versprechen.

Speaker: Da auch ein bisschen was zurückzugeben, das ist mir eine große Freude und wirklich auch ein großes Anliegen.

Speaker: Und daran sieht man aber auch, dass mein Verhältnis zu den Übersetzerinnen und Übersetzern so eng ist,

Speaker: Und auch so persönlich ist, das ist so wie alles, was ich in meinem eigenen Verlag mache, sehr persönlich ist.

Speaker: Das mag vielleicht auch dazu beitragen, dass viele der Gespräche und Interviews dann so persönlich werden.

Speaker: Ich werde das auch oft gefragt, so nach wann ich den Feierabend mache oder wie ich meine verschiedenen Arbeiten voneinander abtrenne.

Speaker: Und ich kann nur leider immer die vollkommen unbefriedigende Antwort geben, ich trenne überhaupt nicht.

Speaker: Also ich habe nicht dann mal den Fischerhut auf und mal den Gugolshut und jetzt auch noch den Börsenvereinshut, sondern ich bin immer alles gleichzeitig.

Speaker: Und das ist immer auch alles gleichzeitig in mir.

Speaker: Und sowas wie Feierabend habe ich eh schon seit Jahren aufgegeben, mir durchzusetzen.

Speaker: Sondern ich bin alles, was ich tue und was ich bin, fließt ein.

Speaker: Und diese Arbeit und diese Bücher, diese Verlage, das ist einfach mein Leben.

Speaker: Und das...

Speaker: Ich kann nicht sagen, ich könnte auch keine Stunden aufschreiben, wie viel ich wofür arbeite.

Speaker: Das, was getan werden muss, was ich finde, was getan werden muss, das mache ich.

Speaker: Und wenn ich es nicht schaffe, versuche ich eine Lösung zu finden, das abzugeben, das zu delegieren oder später zu machen.

Speaker: Aber dass ich sowas wie Feierabend wirklich bewusst setze, das funktioniert gar nicht richtig.

Speaker: Kannst du delegieren?

Speaker: Das fällt mir schwer, aber ich muss es lernen, ja.

Speaker: Weil alles, was du eben gesagt hast, kam mir sehr bekannt vor und ich glaube auch Tina sehr bekannt vor und dann kam aber dieser Punkt mit dem Delegieren und dann habe ich kurz gestockt.

Speaker: Manche Sachen kann man auch nicht delegieren, mal davon abgesehen.

Speaker: Manchmal muss man es einfach selber machen.

Speaker: Aber manche Sachen kann man auch delegieren, von denen man immer dachte, man könnte es nicht.

Speaker: Also das geht schon auch und das ist was, was man, also da bin ich jetzt bei bestimmten Punkten gezwungen, das einfach zu lernen.

Speaker: Es bleibt mir gar nichts anderes übrig.

Speaker: Aber sag mal, aus ganz privatem Interesse, nochmal zurück zur Verlagsgründung, weil das ist ja mittlerweile, wenn Menschen nochmal den Mut haben, einen Verlag zu gründen, dann ist, glaube ich, der beste Weg mittlerweile, irgendwo sich einen Vertriebspartner zu suchen, irgendwie bei einem anderen Verlag Huckepack zu gehen und da irgendwie mit in das Vertretersystem übernehmen oder so.

Speaker: Wie lief das bei dir damals ab?

Speaker: Ja, ich habe das ganz anders gemacht.

Speaker: Also da gibt es ja auch Beispiele, vor allem in der jüngsten Zeit, also mir würde jetzt der Eisele Verlag einfallen oder auch Kiona, die wirklich die beide auch, also jetzt die beiden Personen, Julia und Lars, die beiden Verleger, Gründerfiguren, die beide ja auch einen Hintergrund in einem großen Verlag haben und deswegen da auch weniger Berührungsängste hatten, glaube ich.

Speaker: Bei mir war das ganz anders.

Speaker: Ich habe

Speaker: Aber ich bin auch froh heute darüber.

Speaker: Ich würde das auch nicht machen.

Speaker: Es bestand die Möglichkeit, oder es hätte natürlich die Möglichkeit bestanden, als ich zu Fischer ging, zu sagen, ja gut, dann überführe ich jetzt den Googles Verlag im Vertrieb auch zu Fischer, dass die das mit übernehmen.

Speaker: Das war für mich aber immer klar, dass ich das auf gar keinen Fall haben will.

Speaker: Also die absolute Unabhängigkeit oder die größtmögliche Unabhängigkeit ist mir extrem wichtig, weil bei allem, was ich jetzt auch gesagt habe, dass ich immer alles bin und dass ich alles gleichzeitig bin und dass ich alles immer persönlich nehme, ist es schon im Kern so, dass mein eigener Verlag,

Speaker: mein Herz ist.

Speaker: Also das sollte alles andere scheitern.

Speaker: Das bliebe immer noch mein eigener Verlag bei mir.

Speaker: Und deswegen ist mir das auch ganz wichtig, den so unabhängig wie nur möglich zu halten.

Speaker: Und das bedeutet natürlich auch, dass es ein bisschen mehr Arbeit ist, wobei ich mir da gar nicht so sicher bin, weil diese, das sehe ich bei Fischer jetzt, wie viel Zeit in diesen ganzen Abstimmungsfragen, in diesen ganzen Korrespondenzen und Kommunikationen dann auch Missverständnisse, Missverständnisse aufklären.

Speaker: wie viel Zeit da verloren geht, wie viel Zeit man da investiert,

Speaker: Das weiß ich jetzt auch noch viel mehr zu schätzen, dass da, wie die Entscheidungsstrukturen in meinem eigenen Verlag sind.

Speaker: Nämlich ich bin von was überzeugt, ich sage so, oder ich denke, so mache ich das.

Speaker: Ich muss es ja nicht mal sagen und dann wird das so gemacht.

Speaker: Das spart schon extrem viel Zeit und es ist wirklich arbeitsökonomisch, das dann auch so zu machen.

Speaker: Dass man auch einen Gewinn kriegt, wenn man in größere Strukturen gibt, nämlich dass die größeren Strukturen auch eine gewisse Kraft zurückgeben, das ist unbestritten.

Speaker: Aber in meinem Verlag, ich bin zufrieden.

Speaker: Der trägt sich so, wie er ist.

Speaker: Ich habe mich ja nie davon ausgezahlt.

Speaker: Also ich habe nie meinen Lebensunterhalt mit meinem Verlag finanziert.

Speaker: Bevor ich bei Fischer war, habe ich immer nebenher gejobbt und das dann mit Lektoraten oder Korrektoraten oder anderen Aufgaben für andere Verlage erledigt.

Speaker: Jetzt habe ich eben nur einen großen Nebenjob bei Fischer.

Speaker: Aber abgesehen davon, dass ich mich selbst nicht auszahle, kann mein Verlag im Moment zumindest überleben.

Speaker: Und solange das der Fall ist, sehe ich auch mich nicht veranlasst, mich zu verkaufen oder mich in irgendeine andere Struktur zu geben.

Speaker: Wir müssen noch über diese abgefahrene Quiz-Champion gehen.

Speaker: Jeder von uns hat, glaube ich, schon mal gedacht, ein bisschen Geld wäre gut und jeder hat auch schon mal überlegt, sich in einer dieser diversen Shows irgendwie zu bewerben, aber kaum einer macht es.

Speaker: Zum einen ist, glaube ich, die Gefahr, dass man sich blamiert, recht hoch, dass man was gewinnt, die Wahrscheinlichkeit auch nicht so.

Speaker: Und du hast einfach durchgezogen und ich glaube, eine Viertelmillion gab es am Ende, ne?

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Also jetzt ist die Frage, soll ich die Kurzform oder eine ein bisschen lebendigere Form erzählen?

Speaker: Wir haben am Anfang ein Märchen gehört, also sind wir gespannt auf die langen Formen.

Speaker: Dann erzähl ich, also ich versuche die langen Formen so kurz wie möglich zu erzählen, so können wir es vielleicht sagen.

Speaker: Also es stimmt nicht, was ab und zu geschrieben wird, dass ich mit dem Quizgeld meinen Verlag gegründet hätte, sondern so wie es im Märchen geschrieben wurde, stimmte es.

Speaker: Ich habe...

Speaker: Mein Verlag gegründet, total unterfinanziert mit allem Idealismus, den ich nur aufbringen konnte und allem wirklich bis zum Münzgeld, was ich zusammenkratzen konnte.

Speaker: Und das fing ja auch sehr gut an.

Speaker: Also der Verlag war vom ersten Programm auch wirklich in den Företors präsent.

Speaker: Auch die Buchhandlungen sind sofort eingestiegen, aber natürlich nicht im ausreichenden Maße.

Speaker: Und vor allem diese Unterfinanzierung, die fiel mir einfach sehr schnell auf die Füße.

Speaker: Und ich habe sehr schnell gemerkt, lange kann das so nicht gut gehen.

Speaker: Ich brauche externes Geld.

Speaker: Das ist ja auch überhaupt nichts Schlimmes.

Speaker: Praktisch jeder unabhängige Verlag ist von der Erbschaft, von einem Mäzen, von irgendwelchen Glücksfällen, äußeren Zuwendungen begünstigt oder gegründet oder wird damit fortgesetzt.

Speaker: Und ich hatte das nicht.

Speaker: Ich hatte auch keine reichen Verwandten, die mir was hätten geben können.

Speaker: Und ich habe überlegt,

Speaker: dass die einzige Variante, was zu kriegen oder überhaupt den Verlag fortsetzen zu können, wäre, einmal einen großen Batzen zu erhalten.

Speaker: Und

Speaker: Ich habe immer gerne Quizshows geguckt, mein ganzes Leben und ich war immer überzeugt, Lektoren und Journalisten sind eigentlich ideale Quizshow-Kandidaten, weil man bei allem so ein bisschen Bescheid wissen muss, schon mal was gehört hat, vielleicht da mal zufällig recherchiert hat, vielleicht mal ein Buch gemacht hat zu dem und dem Thema.

Speaker: Also immer so ein bisschen so oberflächlich grundinformiert sein muss, aber nicht in die Tiefe, aber so eine akademische Tiefe wird in der Quizshow ja auch nicht abgefragt.

Speaker: Und ich habe einen

Speaker: Das habe ich bis heute ein unverdrossenes, unverwüstliches Selbstbewusstsein und habe deswegen gedacht, warum sollte ich das nicht, warum sollte ich nicht der sein, der dieses Geld kriegt?

Speaker: Und man sieht ja immer, man sieht im Fernsehen ja, Leute gewinnen diese Quizshows und habe mich dann systematisch, das war 2015, also ein Jahr nach der Gründung,

Speaker: habe ich mich systematisch bei allen Fernsehquiz-Shows, wo es was Vernünftiges zu gewinnen gibt, beworben.

Speaker: Es gibt ja auch welche, wo man fast gar nichts gewinnt.

Speaker: Da habe ich mich gar nicht erst beworben.

Speaker: Und mein Ziel war... Was wäre, wäre noch gekommen?

Speaker: Also mein Ziel wäre, wer wird Millionär gewesen?

Speaker: Ich dachte immer, da wartet die Million auf mich.

Speaker: Und habe mich dann bei allem beworben und beworben.

Speaker: Und das kann man wirklich, also man kann das im Internet dann nachlesen.

Speaker: Es gibt so Seiten, die einem sagen, wie man sich da am besten bewirbt.

Speaker: Weil das nicht einfach so einmal bewerben und dann wird man das, sondern ich habe mich bei Wer wird Millionär zum Beispiel, habe ich über zwei Monate jeden Tag dreimal angerufen und mich beworben.

Speaker: Einfach damit das Risiko, damit das Risiko ist, das Gegenteil, damit die Chance erhöht wird.

Speaker: Das sind jetzt mal irgendwie 150 Euro.

Speaker: Ja, man muss das wirklich systematisch angehen, sonst klappt das glaube ich nicht.

Speaker: Und dann war das auch so in diesem Frühjahr, dass ich...

Speaker: Also ich wurde zu Wer wird Millionär dann eingeladen.

Speaker: Dieses Casting-Verfahren ist sehr aufwendig.

Speaker: Das sind mehrere Runden, die prüfen, ob man überhaupt telegen genug ist.

Speaker: Dann prüfen sie natürlich, ob man überhaupt was weiß.

Speaker: Dann checken sie die Biografie, wollen Anekdoten von einem.

Speaker: Das sind so was wie fünf oder sechs Runden, durch die man da durch muss.

Speaker: Und ich habe das bei Wer wird Millionär alles gemacht und habe das auch geschafft.

Speaker: Und war im Mai, habe ich die Zusage gekriegt für die Aufzeichnung im September.

Speaker: Und ich hatte mich aber bei allen möglichen beworben und hatte so ein ähnliches Verfahren auch beim Quiz-Champion gemacht.

Speaker: Und der Werbett Millionär war aber das Erste, die mir die Zusage gegeben haben.

Speaker: Und ich habe kurz danach, ich glaube, es war sogar wirklich die Woche danach, das gleiche Verfahren dann auch beim Quiz-Champion gemacht, bin da auch genommen worden.

Speaker: Und da haben die die Aufzeichnung

Speaker: von Quiz-Champion war zwei Wochen vor der Aufzeichnung von Wer wird Millionär.

Speaker: Und ich dachte, das läuft ja ideal wie Märchen.

Speaker: Dann kann ich mir das einmal angucken, wie das so ist in so einem Fernsehstudio und mit so einer Quiz-Show und dann zwei Wochen später mir dann endlich diese Million abholen, die da ja auf mich wartet bei Wer wird Millionär, die Günther ja auch für mich in seinem Safe hat.

Speaker: Ich erzähle das jetzt so halb anekdotisch, aber ehrlich gesagt, das war wirklich genau so.

Speaker: Und dann habe ich mich versucht, ich habe nichts gelernt, weil ich wusste, das, was man lernt, ist eh quasi Ausschlusskriterium, das, was garantiert nicht gefragt wird.

Speaker: Deswegen habe ich versucht, mich wirklich sehr stark, also deswegen fand ich das mit dieser Generalprobe so gut, weil ich mich wirklich versucht habe, innerlich sozusagen darauf vorzubereiten, auf diese Situation zu bemerken.

Speaker: Weil das darf man wirklich nicht unterschätzen.

Speaker: Ich weiß nicht, ob ihr die Erfahrung schon mal hattet, in so einer Fernsehsendung zu sein oder im Fernsehstudio zu sein.

Speaker: Das ist alles ganz schön riesig und dann sind überall Scheinwerfer.

Speaker: Die Sendung wird ständig unterbrochen bei der Aufzeichnung, weil irgendwas gemacht wird.

Speaker: Also das ist eigentlich die absolute Überforderung.

Speaker: Das heißt, da so eine Generalprobe zu haben oder schon mal zu wissen, worauf man sich einlässt, ist wirklich nicht schlecht.

Speaker: Und dann kam es, wie es kommen musste.

Speaker: Es war diese Generalprobe.

Speaker: Ich war beim Quiz-Champion.

Speaker: Ich war total locker.

Speaker: Ich war gut gelaunt, weil ich ja wusste, ich gucke mir das hier nur an.

Speaker: Ich bin hier nur zu Besuch.

Speaker: Und dann, was zum Beispiel auch, was ich gar nicht wusste, es werden ungefähr doppelt so viele Kandidaten eingeladen, wie dann in die Sendung kommen, weil die ganz viel Backups haben.

Speaker: Und manche spielen auch in der Aufzeichnung und kommen dann gar nicht in die Sendung.

Speaker: Das wird ja dann auch noch mal zusammengeschnitten.

Speaker: Also das ist extrem diffizil und auch wirklich interessant, sich das anzugucken.

Speaker: Und was ich auch noch sagen muss,

Speaker: Es wird erst mit Ausstrahlung gültig.

Speaker: Das heißt, wenn die Sendung nicht ausgestrahlt wird, dann gewinnt man gar nichts.

Speaker: Dann hat man einfach an so einer Aufzeichnung teilgenommen.

Speaker: Naja, und dann kam eben diese Quiz-Champion-Aufzeichnung und ich war gut drauf.

Speaker: Und das haben die Aufnahmeleiter dann auch gesehen.

Speaker: Ich meine, es ist eine Show mit Regie.

Speaker: Die haben dann gesagt, den wollen wir spielen lassen.

Speaker: Der ist irgendwie sympathisch, der ist gut drauf.

Speaker: Mein Einspielfilmchen war natürlich auch anders als die anderen, weil ich das nur in meinem Verlag gemacht habe.

Speaker: Ich hatte bei diesem Einspielfilm, zu diesem Vorstellungsfilm, darauf bestanden, dass ich ein Buch von mir in die Kamera zeigen darf, damit es zumindest Werbung gibt.

Speaker: Naja, und dann kam es eben wirklich, wie es kommen musste.

Speaker: Ich habe diese Sendung ganz locker durchgespielt.

Speaker: Man spielt da ja gegen fünf Experten in ihren Kategorien.

Speaker: Und ich habe einfach alle Fragen richtig beantwortet.

Speaker: Ich habe nichts falsch beantwortet.

Speaker: Ich spazierte da so durch und ich habe es...

Speaker: einfach bis zum Schluss nicht richtig realisiert, was da eigentlich gerade passiert.

Speaker: Weil ich dann auf so einem Sofa… Weil du hast dich ja auf die Million fokussiert.

Speaker: Ja, eben.

Speaker: Ich habe mir das ja alles nur angeguckt.

Speaker: Und dann saß ich so auf so einem Sofa, irgendwo im Hintergrund dieses Studios, in so einem Scheinwerfer.

Speaker: Und dann hieß es plötzlich so als Durchsage ins Studio, wir haben noch Zeit für eine Kandidatin.

Speaker: Und ich merkte so plötzlich, oh krass, wenn die das nicht schafft, dann habe ich das gewonnen, diese Sendung.

Speaker: Und dann spielte diese Kandidatin, die kam auch noch wirklich klassische Dramaturgie, Märchendramaturgie, bis zur letzten Frage und beantwortete diese letzte Frage falsch.

Speaker: Und

Speaker: Und plötzlich knallte es und es kam goldener Konfetti-Regen vom Himmel.

Speaker: Und ich hatte 250.000 Euro gewonnen.

Speaker: Und das war natürlich absolut überwältigend und eine viel zu große Geschichte.

Speaker: Und vielleicht noch als geile Ausführung, ich habe mich ein bisschen geschämt danach.

Speaker: Ich meine, ich habe diesen hochseriösen, anspruchsvollen Verlag mit Literatur aus Nord- und Osteuropa.

Speaker: Und ich dachte, Gott, die werden mich nicht mehr ernst nehmen, wenn ich dann in so einer Fernsehquiz-Show bin.

Speaker: Und ich dachte, ich erzähle einfach niemandem davon.

Speaker: Aber das war Samstagabend, ZDF, es waren fünf Millionen Zuschauer und ich wurde in den zwei Wochen danach im Bus auf der Straße angesprochen und natürlich hat auch die ganze Branche das mitgekriegt.

Speaker: Da gibt es sehr viele Leute, die gerne Quizshows gucken.

Speaker: Buchhändlerinnen, lieben Quizshows, habe ich gelernt.

Speaker: Und dann gab es so viele Presseanfragen und da dachte ich, ach Quatsch, das benutze ich jetzt natürlich und das hat natürlich auch super funktioniert.

Speaker: Und um das noch abschließend zu sagen, wer wird Millionär, hat mich wieder ausgeladen.

Speaker: Die haben das mitgekriegt.

Speaker: Die haben das mitgekriegt natürlich.

Speaker: Also die sind auch untereinander vernetzt.

Speaker: Und die haben gesagt, also ausschließend, dass ich irgendwann nochmal kommen darf, wollen sie nicht.

Speaker: Aber das kann nicht so aussehen, als ob ich von Quizshow zu Quizshow springe.

Speaker: Und ehrlich gesagt, das war mir natürlich in diesem Moment mit diesen 250.000 Euro auf dem Konto völlig egal, ob ich dann auch noch zu Wer wird Millionär komme oder nicht.

Speaker: Ja, die Millionen holst du dir irgendwann.

Speaker: Aber dir fehlen jetzt 750.000 Euro.

Speaker: Eigentlich müsste ich die noch irgendwo abholen.

Speaker: Ja, das stimmt.

Speaker: Aber es ist tatsächlich so, das ist einfach eine ultra sympathische, tolle Geschichte, die ich, ich weiß nicht, wie oft ich auch schon irgendwie Hospitanten oder neuen Kollegen und so erzählt habe, wenn es darum geht, wie ein Verlag sich finanziert, dass du da einen ganz eigenen Weg gegangen bist.

Speaker: Ich kann doch auch noch als Kleine, wollte ich, glaube ich darf keine Namen sagen, wir haben zwei Verleger gesagt, dass sie auch schon mal bei mir näher waren.

Speaker: aber es nicht in die Mitte geschafft haben.

Speaker: Das heißt, es gab schon vor mir mindestens zwei Verleger, die eine ähnliche Idee hatten.

Speaker: Ach was.

Speaker: Ich sage jetzt keine Namen.

Speaker: Das Interessante ist, dass Alex jetzt nicht mehr schlafen kann.

Speaker: Ja, bis er die Namen raus hat.

Speaker: Ich weiß nicht, 4500 Folgen.

Speaker: Die Namen verrätst du uns, wenn wir gleich die Aufnahme beendet haben.

Speaker: Ja.

Speaker: Ich bedenke, Alex ist krank und unter Drogen.

Speaker: Er wird es bis morgen vergessen haben.

Speaker: Ja, aber Aufnahme beenden ist ein gutes Stichwort.

Speaker: Es macht einen Heidenspaß, mit dir zu reden.

Speaker: Und ich freue mich auf die nächsten drei Jahre, in denen wir deine Stimme noch häufiger hören können.

Speaker: Jetzt aber gehen wir in den obligatorischen Teil, in dem unser Gast

Speaker: ein Buch präsentiert und ich bin jetzt wahnsinnig gespannt, ob du dir jetzt den Fischerhut aufsetzt oder den Googleshut oder ganzen anderen, einen Buchhändlerhut aufsetzt und was du uns und den Hörerinnen und Hörern mitgebracht hast.

Speaker: Ich habe mich spontan entschieden, den Fischerhut aufzusetzen, wollte ich jetzt gerade sagen, aber ein Buch von Fischer vorzustellen.

Speaker: Was ich aber auch nicht selbst betreut habe, aber was ich ganz, ganz toll finde, es ist aber natürlich der Leserhut, es ist der Sebastianhut, wenn man das so nennen möchte.

Speaker: Das ist ein Buch, was ich wirklich atemberaubend toll finde und was meiner Meinung nach ein bisschen zu kurz gekommen ist, diesen Herbst, weil es so toll ist.

Speaker: Das ist Goldstrand von Katharina Pollardian.

Speaker: Ein relativ kurzes Buch, 160 Seiten.

Speaker: Katharina Pollardian ist ja eh so eine interessante, aufregende Autorin.

Speaker: Und dieses Buch beschreibt eigentlich die Therapiesitzungen eines italienischen Filmregisseurs.

Speaker: Es ist wahnsinnig lustvoll und auch verschachtelt gebaut, dieses Buch.

Speaker: Also man begleitet diesen Eli, diesen Filmregisseur von Therapiesitzung zu Therapiesitzung und dann entspinnt sich so die Rahmenhandlung und die reicht zum einen bis in das frühe 20.

Speaker: Jahrhundert zurück.

Speaker: und reicht zum anderen bis ganz weit in den Osten rein, bis zum Goldstrand, also dem Schwarzmeerstrand in Bulgarien.

Speaker: Und die Geschichte ist die, und es dreht sich so weit, also es ist so raffiniert und lustvoll erzählt, dass man am Schluss gar nicht mehr weiß, was ist eigentlich jetzt Realität, was ist eigentlich Erzählung, was ist Behauptung.

Speaker: Also dieser Eli hat das Äquivalent, wie nennt man das, eine Filmblockade, also das Äquivalent zur Schreibblockade.

Speaker: Der schafft es nicht mehr, einen neuen Film zu machen.

Speaker: Der hat einen Kurzfilm mal gedreht, der

Speaker: unglaublich erfolgreich war und alle möglichen Preise gewonnen hat und lebt jetzt sozusagen von diesem Nachruhm und fantasiert dann immer wieder neue Filme, neue Filmideen, die er in diesen Therapiesitzungen fantasiert, wo man auch nie richtig weiß, ist das jetzt Realität oder ist das Film?

Speaker: Setzt aber nie was um.

Speaker: Also es ist ein Buch über große Melancholie, ein Film, ja ein Film, ich sag jetzt die ganze Zeit, ein Buch über Europa.

Speaker: Ein Buch, was aber immer auch das Erzählen an sich als Form, also das Erzählen in der Filmform, das Erzählen in Literaturform, das Erzählen des Buches selbst mit in den Blick nimmt.

Speaker: Und es ist ein Buch, was einfach unglaublich anregend ist und ganz viel Spaß macht.

Speaker: Ich kann das nur jedem empfehlen, der Lust hat an einer Literatur, die das eigene Denken auch herausfordert, weil es die Fantasie so anregt und das eigene Denken herausfordert.

Speaker: Also mich hast du.

Speaker: Gucken wir uns an.

Speaker: Ich glaube, Tina, Andi, ihr guckt auch beide so.

Speaker: Ich habe es mir schon aufgeschrieben.

Speaker: Ja, ich auch.

Speaker: Das macht auch, wenn du Bücher vorstellst, macht das unheimliche Freude, dir dabei zuzuhören.

Speaker: Gott sei Dank.

Speaker: Das ist der Buchhändlerhut.

Speaker: Der Buchhändlerhut, der funktioniert, der sitzt auch.

Speaker: Wenn es nach mir ginge, könnten wir noch ein bisschen weitermachen, aber wir müssen irgendwann, wollen die Leute nicht mehr und dann hören die auf, bevor sie Tinas Buchtipp gehört haben, was auch blöd wäre.

Speaker: Das darf nicht passieren.

Speaker: Das darf nicht passieren.

Speaker: Für Alex ist es ja immer eher eine Qual als eine Freude, weil wir so unterschiedlichen Lesegeschmack haben.

Speaker: Ich bin gespannt.

Speaker: Und das Buch heute wird ihm auch nicht gefallen, aber hoffentlich vielen anderen Menschen, so wie mir.

Speaker: Osama Al-Shamani

Speaker: ich weiß, ich habe ihn schon mal erwähnt, Alex, als wir die Monika Kolb dabei hatten.

Speaker: Der hat ein neues Buch rausgebracht, In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied.

Speaker: Und diesmal ist der Protagonist immer noch Geflüchteter, also in all seinen Werken sind ja Geflüchtete die Hauptprotagonisten.

Speaker: Und es ist so...

Speaker: dass sein Vater nach wie vor in Bagdad lebt und er geflüchtet ist über Israel in die Schweiz.

Speaker: Und ich finde, dieses Buch schafft ein, also trotz dessen, dass es ein Roman ist, es ist kein Sachbuch, es schafft ein unfassbares Verständnis für den Israel-Irak-Konflikt, der einfach da ist.

Speaker: Also der im Moment ja uns alle irgendwie beschäftigt auch.

Speaker: Denn es geht darum, dass die Familie des Protagonisten jüdisch ist und in den 40er Jahren auch dort ein Genozid stattfand von jüdischen Menschen.

Speaker: Und die Familie flieht, der Vater bleibt zurück, begibt sich in den Widerstand sozusagen, er wächst ohne Vater auf, beziehungsweise in Distanz.

Speaker: Und der Vater hat einen letzten Wunsch und das ist, er möchte im Tigris verstreut werden.

Speaker: Und nach langem Hin und Her setzt er sich mit den Aufzeichnungen seines Vaters auseinander und erfüllt ihm seinen letzten Wunsch.

Speaker: Und ich finde, es schafft unfassbar viel Verständnis, also politische Aufklärung für diesen Konflikt, der dort vorherrscht zwischen Juden und Muslimen.

Speaker: Und nichtsdestotrotz ist auch diese Geschichte unfassbar berührend, diese Vater-Sohn-Geschichte, die dort erzählt wird.

Speaker: Und für mich

Speaker: war es einfach ein sehr berührendes Buch, was ich im Oktober gelesen habe.

Speaker: Es ist wie immer sprachlich herausragend von Hussama Al-Jarmani geschrieben.

Speaker: Im Limnath Verlag erschien mein Lieblingsverlag aus der Schweiz.

Speaker: Danke, Tina.

Speaker: Es war wieder schwere Kost, die du mitgebracht hast.

Speaker: Ich habe aber fürs nächste Mal leichte Kost.

Speaker: Okay, dann kriegst du mich wieder.

Speaker: Okay, ich würde sagen, wir kommen zum Ende.

Speaker: Wir sind jetzt schon bei, wir haben schon ordentlich überzogen, aber es gab so wahnsinnig viel zu erzählen, aber das passiert halt, wenn man sich einen Menschen mit 15 Biografien einlädt.

Speaker: Im Prinzip, wenn er nicht so viel zu tun hätte, würde ich ja sagen, wir machen demnächst mal weiter, aber vielleicht ergibt sich das, weiß nicht, vielleicht auch, wenn du in deinen ersten Skandal reinrutschst oder so.

Speaker: Oh.

Speaker: Das erste Fettnäpfchen, was ich aber, achso, wir zeichnen ihn ja noch auf, das erzähle ich nach der Aufzeichnung.

Speaker: Das ist jetzt wahnsinnig gemein für alle, die nicht zuhören, die da nicht hören können, aber genau, wir warten auf dein erstes Fettnäpfchen und dann kommst du hierher und darfst dich dann nochmal erklären.

Speaker: Aber was wir heute gelernt haben, Alex, ist, dass wir einen wunderbaren, tollen, neuen Börsenvereinsvorsteher haben.

Speaker: Absolut.

Speaker: Und auf diesem Wege, also ich glaube nicht, dass da viel schief gehen kann, aber wir wünschen dir alles, alles Gute für die nächsten drei Jahre.

Speaker: Ein glückliches Händchen.

Speaker: Diplomatisches Geschick.

Speaker: Danke.

Speaker: Ich werde es für die Branche einsetzen.

Speaker: Alles, was ich rausholen kann, hole ich raus.

Speaker: Und wenn du uns als Lobbyplattform brauchst, du kannst jederzeit als Gast kommen, um Werbung für was auch immer für ein Thema zu machen.

Speaker: Ja, einverstanden.

Speaker: So kann man sich auch verkaufen.

Speaker: Danke.

Speaker: Nein, also vielen, vielen Dank an Sebastian Gurgels, dass er sich so viel Zeit heute für uns genommen hat.

Speaker: Vorhin hattest du schon ein Gespräch mit der Süddeutschen, zusammen noch mit deiner Amtsvorgängerin Karin Schmidt-Friedrichs.

Speaker: die kommen, im besten Fall kommt das gedruckte Interview aber nach dem wir veröffentlicht haben.

Speaker: Also eventuell sind wir wirklich die, die als allererstes mit dir in dieser Funktion reden durften.

Speaker: Also ganz stimmt das nicht.

Speaker: Ich hatte schon in Deutschlandfunk ein kleines Interview, ich hatte im WDR schon ein kleines Interview und so weiter.

Speaker: Das ist Rundfunk, den zähle ich nicht.

Speaker: Außerhalb des Rundfunks, ja, da stimmt das.

Speaker: Nein, vielen Dank, dass du da warst.

Speaker: Vielen Dank an Andi und an Tina.

Speaker: Wenn ihr Fragen habt, wenn ihr Kritik habt, Anregungen, dann formuliert das gerne.

Speaker: Schreibt uns an alles.buchmarkt.de oder folgt uns auf Social Media.

Speaker: Bei Instagram heißen wir auch alles.

Speaker: Buchmarkt in einem Wort, glaube ich.

Speaker: Gebt uns auf der Plattform eures Vertrauens fünf Sterne.

Speaker: Das hilft einfach immer wieder bei der Sichtbarkeit.

Speaker: Dort kann man mittlerweile bei Spotify und Co.

Speaker: auch Fragen stellen oder kommentieren.

Speaker: Das nutzen einige schon.

Speaker: Macht das auch gerne weiter.

Speaker: Und dann hören wir uns beim nächsten Mal wieder.

Speaker: Und bis dahin vielen Dank und tschüss.

Speaker: Tschüss.

Speaker

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