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#22 Wer braucht heute noch eine Buchgemeinschaft?

Alles BuchMarkt
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461 plays · Sep 28, 2025

Transcript

Speaker: Hallo!

Speaker: Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis.

Speaker: Diese Folge wird euch präsentiert von der Frankfurter Buchmesse.

Speaker: Vom 15. bis 19.

Speaker: Oktober trifft sich die Buchwelt in Frankfurt.

Speaker: International, lebendig, vielfältig.

Speaker: Dieses Jahr bringt der Ehrengast Philippinen 183 Sprachen und starke Geschichten mit.

Speaker: Jetzt Tickets sichern auf buchmesse.de Und jetzt viel Spaß mit der Folge.

Speaker: Herzlich willkommen, wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Allesbuchmarkt, der Podcast.

Speaker: Heute ist es passiert.

Speaker: Ich weiß nicht, wie vielte Folge das heute ist.

Speaker: Ich habe es jedes Mal pünktlich geschafft und normalerweise überlege ich mir dann immer noch so einen Einstiegssatz.

Speaker: Und heute ist es zum ersten Mal passiert, dass ich eine Nachricht bekommen habe mit Wo bist du?

Speaker: Und ja, jetzt sitzen wir hier in fröhlicher Runde und ich bin ein bisschen überrumpelt.

Speaker: Das wird man heute vielleicht an der einen oder anderen Stelle hören und wir haben uns heute ein Thema genommen, das hatten wir euch beim letzten Mal schon angekündigt und zwar ist das ein Modell, über das wir heute reden wollen, das einerseits so ein bisschen aus der Mode gekommen ist, wie es dazu kam, über die Geschichte werden wir später sprechen, aber andererseits auch ein Phänomen, das mir gerade sehr häufig begegnet, dass man

Speaker: Buchabos abschließen kann, was auch immer das bedeutet.

Speaker: Auf jeden Fall haben wir uns heute ein ganz abseitiges Thema gesucht und doch gleichzeitig eins, was ganz, ganz viel Spaß machen kann und sagen erst einmal herzlich willkommen zu dieser Folge.

Speaker: Und wir steigen ein, wie immer, mit neun schnellen Fragen.

Speaker: Und diesmal ist es mit, oder uns eigentlich, tatsächlich nicht so leicht gefallen, weil wir unseren Gast noch gar nicht so gut kennen, privat.

Speaker: Aber nichtsdestotrotz gibt es Fragen, die uns interessieren und die uns Corinna vielleicht etwas näher bringen, bevor Andi wieder einsteigt, uns den Gast mal ganz beruflich vorzustellen.

Speaker: Also, liebe Corinna, wir fangen mal an.

Speaker: Wenn deine Bücher sprechen könnten, würden sie dich für deinen Buchgeschmack loben oder dich für den Stapel ungelesener Exemplare verachten?

Speaker: Also ich glaube, sie würden durchaus meinen Lesegeschmack schätzen.

Speaker: Die Qual der Wahl.

Speaker: Du stehst vor einem öffentlichen Bücherregal und musst dir ein Buch mitnehmen.

Speaker: Konzalik, Pilcher oder krass?

Speaker: Krass.

Speaker: Wie ist deine Einstellung zum Farbtrend?

Speaker: Bücher nach Farbe oder Erscheinungsjahr sortieren?

Speaker: Also eigentlich weder noch, aber wenn, dann Erscheinungsjahr.

Speaker: Wenn du deine Buchliebe teilen müsstest, ein Mitgliedsausweis oder ein geheimer Handschlag aller Geheimbund zur Begrüßung?

Speaker: Ein Handschlag.

Speaker: Die Frage wird sich gleich noch für alle erklären, die noch nicht wissen, wer unser Gast ist.

Speaker: Nein.

Speaker: Warum die sich mit Handschlag... Sherlock.

Speaker: Was wäre dir lieber?

Speaker: Die Bücher gilde als Traditionsverein mit Schrebergartensatzung oder heimliche Hipster-Community?

Speaker: Unser großer Wunsch ist natürlich beides, aber eine Community ist einfach das Stichwort, das mir am sympathischsten wäre.

Speaker: Und programmatisch liebst du lieber die Klassiker wiederzuentdecken oder förderst du lieber junge Stimmen?

Speaker: Das ist alles ganz schön schwierig, weil auch da bin ich komplett 50-50 aufgeteilt.

Speaker: Ich muss es leider sagen.

Speaker: Also ich liebe Klassiker, aber junge Stimmen sind vielleicht dann nochmal eine zusätzliche Inspiration.

Speaker: Wenn es um Ausstattung geht, empfindest du Neid oder Anerkennung für diese Young Adult Buchrückengestaltung oder generell Covergestaltungen, weil die doch sehr viel Spiel haben?

Speaker: Ich erfahre

Speaker: Ich empfinde Anerkennung für das, was sie da auch transportiert haben.

Speaker: Und manche sind ja durchaus kreativ.

Speaker: Dein Tipp für Mitglieder der Büchergilde.

Speaker: Lieber selber aussuchen oder auf Empfehlungen warten?

Speaker: Na, auf unsere Empfehlungen warten.

Speaker: Da kann Alex bestimmt nachher was zu sagen.

Speaker: Und jetzt noch zum Schluss die Gewissensfrage.

Speaker: Wofür hast du mehr Verständnis?

Speaker: Kolleginnen oder Kollegen, die sich Leseexemplare von fremdsprachigen Verlagen bestellen, also sozusagen Lizenzmöglichkeiten, weil sie das Buch gerne selber vorab lesen möchten?

Speaker: Oder Kolleginnen und Kollegen, die in Buchhandlungen Bücher umsortieren, damit ihr Lieblingsautor ganz vorne präsentiert wird?

Speaker: Zweites.

Speaker: Das finde ich cool und das kann ich auch gut nachvollziehen.

Speaker: Wenn man da eine Leidenschaft hat für einen ganz bestimmten Autor oder Autorin und möchte, dass die anderen das wahrnehmen, würde ich mich für Zweites entscheiden.

Speaker: Super.

Speaker: Ich wollte eigentlich, hatte ich ja damals vorgeschlagen, dass wir irgendwie fragen, ob du Bücher auf der Buchmesse dir ertauschst oder ob du sogar Bücher klaust.

Speaker: Und dann war da noch irgendwie, nee, die ist viel zu seriös, sowas dürfen wir auf gar keinen Fall fragen.

Speaker: Das wäre wesentlich leichter zu beantworten gewesen, als so manche andere Frage, die ihr mir gestellt habt.

Speaker: Denn nein, das mache ich nicht.

Speaker: Ich werde ja dankenswerterweise von den Verlagen vorab versorgt.

Speaker: Aber nutzt du das ab und zu?

Speaker: Steigen wir doch mal direkt ein.

Speaker: Hast du das schon mal gehabt, dass du gedacht hast, das Buch würde mich wirklich interessieren?

Speaker: Ach komm, ich schreibe den mal mit meiner Firmen-E-Mail.

Speaker: Ich sage ja nicht jetzt direkt, dass wir das als Lizenz wirklich machen werden, aber vielleicht kann ich die Lüste wecken und dann schicken die mir das ja zu.

Speaker: Also du meinst jetzt unabhängig von beruflichen Zusammenhängen?

Speaker: Einfach ein Buch, was dich privat, wo du denkst, das will ich jetzt bitte sofort lesen.

Speaker: Ich will auch nicht bis zum Erscheinungstermin warten.

Speaker: Ich habe davon irgendwie gehört.

Speaker: Und ich missbrauche jetzt mal meine Stellung.

Speaker: Ich tue so, als würde ich das Buch in Erwägung ziehen wollen für unser Programm.

Speaker: Wobei wir immer noch nicht gesagt haben, wer du eigentlich bist.

Speaker: Und das dann ein bisschen ausnutzen und sagen, ich habe da übrigens Interesse dran.

Speaker: Nee, also um Gottes Willen gar nicht.

Speaker: Also zum einen ist es ja so, dass ich inhaltlich das große Glück habe, mich mit den Büchern zu beschäftigen, die auch ganz, ganz viel mit meinem eigenen Lesegeschmack zu tun haben.

Speaker: Also das heißt, die Dinge, die Texte, die Romane, Sachbücher, die ich für die Büchergelde zu prüfen habe, wären im Prinzip, sagen wir mal, zu 90 Prozent auch die, die ich mir auch ganz privat im Laden anschauen würde.

Speaker: Also ich bin mit hervorragendem Lesestoff versorgt.

Speaker: Und natürlich gibt es immer mal wieder Bücher, das kommt nicht so oft vor, aber es gibt natürlich Bücher, wo ich sage, da habe ich jetzt ein ganz persönliches Interesse dran.

Speaker: Die Wahrscheinlichkeit, dass das für die Büchergild in Frage kommt, geht gegen null.

Speaker: Aber das sage ich dann dazu.

Speaker: Das ist dann natürlich schon so, dass ich dann, also entweder ich gehe in die Buchhandlung ganz normal, das finde ich ja auch schön und das mache ich ja auch häufig,

Speaker: Oder ich würde Kolleginnen ansprechen in den anderen Verlagen, aber das sage ich dann dazu.

Speaker: Und da gibt es Rabattvereinbarungen, aber das zahle ich dann natürlich gerne.

Speaker: bin ja am Erhalt der Branche interessiert.

Speaker: Die Frage sagt auch mehr über Alex als über dich.

Speaker: Ich finde auch, wir sollten jetzt erst mal erfahren, wer du bist.

Speaker: Andi macht das immer so fantastisch.

Speaker: Ich glaube, den engagiere ich mir für das nächste Bewerbungsgespräch, dass er mich vorstellt, per Ton.

Speaker: Aber jetzt hören wir erst mal, wer du bist.

Speaker: Vielen Dank, Tina, für die Blumen.

Speaker: Unser heutiger Gast studierte Germanistik und Hispanistik in Bamberg und fand 1996 ihren Einstieg in die Buchbranche beim Ars Vivendi Verlag.

Speaker: Dort hatte sie ein breites Aufgabenprofil.

Speaker: Von der Akquise über Satz und Lektorat bis zu vertrieblichen und Marketingaktivitäten betreute sie dort Projekte von Anfang bis Ende.

Speaker: Die größte Leidenschaft entwickelte sie aber in dieser Zeit vor allem für Lektorat und Vertrieb.

Speaker: Zwei Jahre später zog es sie zur Büchergilde Gutenberg, der sie bis heute treu geblieben ist.

Speaker: Zunächst arbeitete sie als Lektorin, seit 2001 ist sie Programmleiterin und erfüllte sich damit ihren großen Traum, einmal an der Programmgestaltung dieser traditionsreichen Buchgemeinschaft mitarbeiten zu können.

Speaker: Schließlich wurde sie vor sechs Jahren in den Vorstand der Verlagsgenossenschaft gewählt und führt seitdem neben dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Elsprass die Geschäfte der Verlagsgenossenschaft.

Speaker: In ihrer Freizeit liebt sie Begegnungen mit Büchern, mit Menschen, beim Wandern, Tanzen oder auf dem Tennisplatz.

Speaker: Also gerne draußen und mit Freunden und Familie.

Speaker: Wir freuen uns sehr, dass sie heute zu Gast ist im Alles Buchmarkt Podcast.

Speaker: Und nochmal ganz offiziell herzlich willkommen, Corinna Huffman.

Speaker: Hallo, ich freue mich auch sehr, hier sein zu können.

Speaker: So, bevor wir, also was ich mich gleich am Anfang gefragt habe, wir müssen noch ein bisschen so Struktur reinbringen, ist eine überhundertjährige Geschichte, von der du übrigens, habe ich gerade festgestellt, ja, ein Vierteljahrhundert bist du Teil der Büchergelde und das ist schon beeindruckend und sehr, sehr toll.

Speaker: Aber bevor wir auch einsteigen in diesen Unterschied zwischen der Buchgemeinschaft und der Genossenschaft, vielleicht gehen wir tatsächlich mal zurück ins Jahr 1924.

Speaker: Was war denn so der Grund oder die Geschichte dahinter, die Büchergilde zu starten?

Speaker: Das war tatsächlich eine unheimlich spannende Zeit und auch eine sehr spannende Geschichte.

Speaker: Und zwar geht das zurück auf den Interessensverband der Deutschen Buchdrucker.

Speaker: Die haben sich vor über 100 Jahren zusammengetan und in Leipzig war das und sind zu dem Schluss gekommen, wir haben so viel Know-how, wir können so tolle Bücher machen, wir können sie super ausstatten, kostet aber Geld und wir selber, die, die das bewerkstelligen, könnten es uns gar nicht leisten und fällt uns dazu etwas ein.

Speaker: Und da hat man sich zusammengesetzt und hat sich überlegt, naja,

Speaker: Je höher die Auflage, desto günstiger das einzelne Exemplar.

Speaker: Das wissen wir alle bis heute.

Speaker: Und das ist denen damals natürlich auch nicht unbekannt gewesen.

Speaker: Und haben sich gesagt, wenn wir uns verpflichten, wenn wir genug Leute sind, wenn wir uns verpflichten, dass jeder von den Neuerscheinungen der Büchergilde, die dann gegründet werden sollte, also dieses Vereins, der zunächst ja noch keinen Namen hatte,

Speaker: jeder ein Exemplar kauft, dann wissen wir schon, wir kommen auf eine bestimmte Auflage X, so und so viele Leute.

Speaker: Und damit könnten wir die Bücher auch zu Preisen anbieten, die auch für Arbeiter, für Buchdruck und alle anderen erschwinglich sind.

Speaker: Und das war tatsächlich die Gründungsidee.

Speaker: Das heißt, diese Pfeiler, wir machen tolle Bücher, schöne Gestalt, wir machen Inhalte, die auch für

Speaker: die Arbeiterschaft interessant sind, war auch verbunden mit einem gewissen Bildungsauftrag und wir machen sie zu erschwinglichen Preisen.

Speaker: Das waren die Säulen, die zu der Gründung beigetragen haben und das sind die Säulen in gewisser Weise nach wie vor bis heute.

Speaker: Und das war die Idee und die hat funktioniert.

Speaker: Und es war die erste Buchgemeinschaft, hat ja dann einige Nachfolgevereine gefunden, international auch.

Speaker: Und ja, wir sind jetzt noch.

Speaker: Die letzte verbliebene literarische Buchgemeinschaft.

Speaker: Immer noch mit diesem Anspruch.

Speaker: Das muss man, glaube ich, wirklich noch mal sich vor Augen führen, was das damals für eine Zeit war, als die Büchergilde gegründet wurde, aber eben auch als aus verschiedenen Parteien und Gewerkschaften es Buchgemeinschaften gab, die daraus erwachsen sind, um wirklich Bücher breit in die Arbeiterschaft zu bringen, die da einfach wirklich alles andere als selbstverständlich waren zu der Zeit.

Speaker: Und wir haben ja verschiedene Strömungen, die Entwicklung des Taschenbuchs und all solche Geschichten, die da ja alles mit reinfällt.

Speaker: Aber damals war es eben wirklich alles andere als selbstverständlich, dass Menschen ganz einfach Zugang zu Büchern hatten und da war das eben eine ganz große Innovation.

Speaker: die, wenn man jetzt mal so ein bisschen nach vorne läuft in der Zeit, immer populärer wurde.

Speaker: Jeder von uns, glaube ich, kennt zumindest vom Namen her auch große Gemeinschaften wie den Club Bertelsmann, die

Speaker: alle immer geeint hat, es gibt es im wissenschaftlichen, im Sachbuchbereich hatten wir natürlich die WBG, die sehr, sehr lange gehalten hat, die sich 2024 leider auflösen mussten, die aber alle immer gemein hatten, dass ich mich eben, das hast du eben schon gesagt, verpflichte.

Speaker: Und das bedeutet eigentlich,

Speaker: verpflichte ich mich ja auf ein Buch.

Speaker: Das heißt, es hat sich bei euch natürlich auch gewandelt.

Speaker: Ihr könnt ja nicht einfach nur jedes Programm oder jedes Quartal sagen, wir machen jetzt ein Buch.

Speaker: Damit beschäftige ich mich jetzt sehr lange und die ganze Apparatur arbeitet, damit es dieses ein Buch gibt.

Speaker: Ihr habt euch irgendwann dann so ein bisschen geöffnet.

Speaker: Selbstverständlich.

Speaker: Also das passierte auch schon sehr schnell.

Speaker: Also sowohl inhaltlich als auch von der ganzen Struktur hat sich das sehr schnell gewandelt.

Speaker: In der Tat

Speaker: wurde das Angebot an Büchern sehr schnell viel breiter, sodass es auch eine Auswahl gab.

Speaker: Das erste Buch der Büchergilde war beispielsweise Mark Twain mit heiteren Augen.

Speaker: Das war eine Zusammenstellung von Erzählungen Twains und ist insofern in jeglicher Hinsicht ein Symbol für das, was da kommen sollte, weil es zum einen zeigte,

Speaker: Es ist nicht nur auf deutsche Autoren begrenzt, sondern wir gucken auch über die Grenze hinaus.

Speaker: Es war etwas Eigenes, eine eigene Zusammenstellung.

Speaker: Also die Büchergelde wollte ja auch nicht nur Lizenzen herausbringen, sondern haben sehr viele Eigenproduktionen gemacht, wo die Büchergelde die Rechte hatte.

Speaker: Und es sollte was Heiteres sein.

Speaker: Also es sollte jetzt nicht, also ich hatte vorhin gesagt, Bildungsgedanke, das spielte immer eine Rolle, aber es sollte eben auch der Unterhaltung dienen.

Speaker: All das hat dieses Buch von Anfang an schon signalisiert.

Speaker: Und ja, das Programm wurde immer breiter.

Speaker: Es wurde dann mit Erich Knauf auch das Sachbuch mit aufgenommen.

Speaker: Am Anfang war es belletristisch orientiert, dann kam das Sachbuch dazu.

Speaker: Auch das wurde dann immer breiter, sodass im Laufe der Jahre unser Programm, die Anzahl der Titel natürlich immer größer geworden ist, sodass man eine breite Auswahl anbieten konnte.

Speaker: Und trotzdem kam es irgendwann dann dazu mit der Machtergreifung der Nazis, dass die Büchergilde vereinnahmt wurde.

Speaker: Wie sehr hat man das am Programm ablesen können?

Speaker: Das hat man enorm ablesen können.

Speaker: Also das war ja eine sehr spektakuläre Nacht, in der das praktisch passiert ist.

Speaker: Die Büchergilde sollte gleichgeschaltet werden.

Speaker: Die Büchergilde war von Anfang an sehr linksorientiert.

Speaker: sowohl in den belletristischen Texten, man kennt vielleicht noch Betraven, das war ein ganz großer Erfolgsautor der Büchergelde seinerzeit.

Speaker: Und ganz viele namhafte Autoren und Autorinnen der Zeit, die auch politisch engagiert waren, politisch links engagiert waren, hatten in der Büchergelde ihre literarische Heimat.

Speaker: Und im Sachbuch dann natürlich auch.

Speaker: Und das war den neuen Machthabern dann ein Dorn im Auge.

Speaker: Und die Büchergelde sollte, also die damaligen

Speaker: leitenden Mitarbeiter sollten auch verhaftet werden.

Speaker: Und es gab aber einen Hinweis darauf und in einer ziemlichen Nacht-und-Nebel-Aktion ist der damalige Geschäftsführer mit sämtlichen relevanten Unterlagen in die Schweiz, ins Exil, konnte Buchbestände sichern, hatte auch den politischen Rückhalt der Autoren und Autorinnen

Speaker: auf seiner Seite und es wurde in der Schweiz dann eine Exilbüchergilde gegründet und hat wirklich nahezu übergangslos von der Schweiz aus operiert mit Brecht, mit vielen anderen.

Speaker: Und gleichzeitig aber wurde die Büchergilde in Berlin, also kurz nach der Gründung in Leipzig, zog die Büchergilde nach Berlin,

Speaker: wurde gleichgeschaltet und es kamen dort komplett neue Mitarbeiter rein und es kamen natürlich auch komplett neue Titel ins Programm, die das damalige NS-Gedankengut repräsentiert haben.

Speaker: Das heißt, für die Zeit des Krieges, des Nationalsozialismus, gab es de facto zwei Büchergilden, die eigentliche in der Schweiz und eine neu gegründete Pseudobüchergilde in Berlin.

Speaker: die dann mit dem Ende des Krieges 1945 komplett verschwand.

Speaker: Sämtliche Buchbestände, sämtliche Mitarbeiter aus dieser Zeit und so weiter waren nicht mehr gesehen.

Speaker: Und die Exilbüchergilder aus Zürich kamen zurück nach Berlin.

Speaker: Beziehungsweise nicht Berlin, Entschuldigung, eben nicht Berlin, sondern kam dann tatsächlich nach 1945 zurück nach Frankfurt.

Speaker: Und da sind wir ja nach wie vor.

Speaker: Und hat mit einer relativ kurzen Pause direkt die Geschäfte wieder aufgenommen.

Speaker: Das heißt, du würdest aber sagen, diese Schweizer Zeit, das ist eigentlich die, die auch die Bücher wieder fortgeführt hat.

Speaker: Und das andere ist ein sehr unappetitliches Kapitel, was irgendwie dann dazugehörte, aber die Büchergilde eigentlich ausmacht.

Speaker: Also ein sehr unappetitliches Kapitel und

Speaker: Auf eine Art, wenn man jetzt drauf schaut, auch ein unrelevantes Kapitel, weil aus dieser Zeit nichts bestehen geblieben ist, wohingegen die Zeit der Büchergelde in der Schweiz eine sehr erfolgreiche war.

Speaker: Also die Büchergelde hatte nie wieder so viele Mitglieder wie zu dieser Schweizer Zeit, weil es einfach für viele Autoren Heimat geworden ist, Illustratoren im Übrigen auch.

Speaker: Denn auch dort wurden Bücher illustriert, wurden hochwertig herausgegeben und

Speaker: Die Gilde hatte seinerzeit einen sehr großen Ruf und war auch für engagierte Autoren sehr beliebt.

Speaker: Und insofern gab es da auch einen großen Zulauf, denn es gab ja gar nicht zu dieser Zeit gar nicht so viele Texte, so viele linksorientierte Bücher und das Bedürfnis danach war da.

Speaker: Aber deswegen hat es wahrscheinlich dann auch im Nachgang, als Sie aus der Schweiz zurückgekommen sind, auch ganz gut wieder funktioniert, oder?

Speaker: Genau.

Speaker: Also bei den 60er, 70er war wahrscheinlich dann auch der Aufwind für die Büchergilde in Deutschland.

Speaker: Genau, genau.

Speaker: Das war dann auch ein Aufwind.

Speaker: Es hat sehr gut wieder funktioniert.

Speaker: Die Büchergilde durfte auch relativ schnell wieder in Produktion gehen.

Speaker: Das hat ja dann nach 1945 auch ein bisschen gedauert für verschiedene Verlage.

Speaker: Und es gab einen großen Autoren- und Autorinnenstamm, auf dem man aufbauen konnte.

Speaker: Die Texte von denen waren sehr gefragt.

Speaker: Und die Vorstellung, es gibt da so eine Büchergilde, es gibt da so etwas, wo man Mitglied sein kann und man hat dadurch auch Vorteile.

Speaker: Also das muss man sich jetzt vielleicht auch noch mal vor Augen führen.

Speaker: Es gab da keinen

Speaker: Amazon oder irgendwie so etwas.

Speaker: Es gab kein Amazon Marketplace etc., sondern die Büchergilde war auch der Laden, der angeboten hat, nicht nur zu günstigeren Preisen bestimmte Titel anzubieten, als man sie im Buchhandel bekam, man kam sie auch nach Hause geschickt.

Speaker: Es gab ja zu dieser Zeit auch noch sehr, sehr wenige Buchhandlungen.

Speaker: Das musste ja alles erst wieder in Jahren und Jahrzehnten sich etablieren.

Speaker: Und die Leute auf dem Land hatten da erst recht keinen Zugang zu gedruckten Büchern.

Speaker: Das heißt, zu sagen, wir schicken euch die nach Hause, war natürlich auch nochmal ein Riesenvorteil.

Speaker: Und dadurch konnte die Büchergilde in dieser Zeit durchaus auch florieren.

Speaker: Mich würde mal interessieren, wie du persönlich zur Büchergilde gekommen bist.

Speaker: Also ich habe es ja auch in der Einleitung gesagt, es war für dich auch schon irgendwie ein großer Traum.

Speaker: Wie hast du denn die Büchergilde entdeckt?

Speaker: Also war es durch diese Geschichte zum Beispiel oder war es wie bei vielen anderen auch, man entdeckt halt einfach dann mal so ein Buch, was schön gestaltet ist und guckt sich an und entdeckt dann, ah, Büchergilde und arbeitet sich da ein bisschen rein.

Speaker: Wie bist du dazu gekommen?

Speaker: Da kamen zwei Dinge zusammen.

Speaker: Das eine war das Interesse an diesem Verlag und das andere war, dass zeitgleich ich die Entscheidung getroffen hatte oder große Neigung hatte, ins Rhein-Main-Gebiet zu kommen, aus ganz anderen Gründen und habe deshalb mich umgeschaut von AswiWendi kommend, was hier so im Rhein-Main-Gebiet es für Möglichkeiten gibt.

Speaker: Und das war unter anderem die

Speaker: Büchergilde natürlich.

Speaker: Es gab auch noch zwei, drei andere sehr attraktive Häuser.

Speaker: Damals war ja in Frankfurt noch ein bisschen... Da war noch ein bisschen mehr los, was die Verlagslandschaft angeht als heute.

Speaker: Ja, das ist richtig.

Speaker: Und was mich bei der Büchergilde von Anfang an, und das ist bis heute der Fall, so fasziniert und was meinen Job ausmacht und was mir daran so Spaß macht, ist, dass

Speaker: dass ich tatsächlich auch mit meinem eigenen Lesegeschmack mich da sehr wiedergefunden habe und dass es eine Mischung ist aus Arbeit am Text und Arbeit, die darüber hinaus geht.

Speaker: Also wenn wir jetzt zum Beispiel dann Lizenzen verhandeln, dann

Speaker: geht es um die Verhandlungen mit den Verlagen.

Speaker: Dann geht es darum, wie würden die Bücher aussehen, wie könnten wir sie für die Zielgruppe passend machen und so weiter.

Speaker: Also diese ganzen Überlegungen gehen ja in die Überlegung, welches Buch machen wir und welches nicht, gehen die ja auch mit ein.

Speaker: Und da die Möglichkeit zu haben, man arbeitet im Lizenzbereich, was ein hochspannender Bereich ist und gleichzeitig aber, indem wir auch Eigenproduktion machen,

Speaker: Nicht so viele, aber eben doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit geht das reine Lektorat.

Speaker: Die Arbeit am Text geht nicht verloren.

Speaker: Also wir machen eigene Bücher, das macht Spaß.

Speaker: Und der Lizenzbereich macht aber auch Spaß.

Speaker: Und dieser Arbeitsplatz in der Büchergilde verbindet beides.

Speaker: Und das hat mich doch sehr überzeugt.

Speaker: Das war mir gar nicht so klar, um ehrlich zu sein, im Vorfeld, als dann klar war, du wirst bei uns zu Gast sein, da dachte ich, ja gut, aber eine Programmleitung, eine Lektorin, was macht die denn bei der Büchergilde, denn in meiner Vorstellung ist das eben ausschließlich Lizenzeinkauf gewesen, aber

Speaker: Verbunden auch mit der Frage, geht ihr da nochmal über die Texte drüber oder ist das in der Regel wirklich der Originaltext, den ihr dann auch wieder verwendet?

Speaker: Also die Lizenzausgaben, die wir herausbringen, sind definitiv absolut die Originaltexte.

Speaker: Also da dürften wir auch gar nicht eingreifen.

Speaker: Da kaufen wir das Recht für unsere Ausgabe ein und wir nutzen die

Speaker: In den meisten Fällen die Daten der Originalverlage.

Speaker: Manchmal setzen wir selber, wenn wir das Satzbild anders gestalten möchten.

Speaker: Aber wir würden auf gar keinen Fall in den Text eingreifen, in welcher Weise auch immer.

Speaker: Das müsste in jeder Form, selbst wenn uns da irgendwie Tippfehler auffallen, das müssen wir in Absprache mit den Originalverlagen machen.

Speaker: Da gehen wir nicht mehr drüber.

Speaker: Meistens stehen die Satzbilder auch fest.

Speaker: Und da geht es darum, wie statten wir das aus?

Speaker: Welches Papier nehmen wir?

Speaker: Wie binden wir es ein?

Speaker: Prägung und so weiter.

Speaker: Und vielleicht eine andere Schriftart.

Speaker: Aber wir machen auch Originalausgaben.

Speaker: Es gibt so Zwitter-Originalausgaben.

Speaker: Bedeutet, wir erwerben die Rechte am Text und machen aber insofern eine komplett andere Ausgabe draus, indem wir sie beispielsweise illustrieren lassen.

Speaker: Das ist ja so...

Speaker: das Tafelsilber bei der Büchergelder.

Speaker: Also das war von Anfang an so unser Kennzeichen und etwas, was damals besonders war, schon in der Anfangszeit und was es ja jetzt kaum noch gibt.

Speaker: Es gibt jetzt zwar Graphic Novels und so weiter, aber es ist ein völlig anderes Genre, aber illustrierte Erwachsenenromane zu machen, von Künstlern original illustrieren lassen und so weiter, das ist ja das, was wir regelmäßig tun.

Speaker: Und das sind dann natürlich, da entstehen dann Bücher, die sind vom Text her, sind die originalgetreu dem Vorbild, aber es entsteht ein komplett anderes Buch.

Speaker: Und es gibt aber auch Titel, an denen wir haben wie die Rechte.

Speaker: Da sind Bücher mal eingekauft worden, übersetzt worden.

Speaker: Wir bekommen ja ganz, ganz viele Manuskripte auch zugeschickt, wie jeder andere Verlag auch.

Speaker: Da ist natürlich nur ganz selten für uns was dabei, weil wir so wenige nur machen an Eigenausgaben.

Speaker: Aber gelegentlich ist es dann eben doch der Fall.

Speaker: Und auch so entstehen Eigenproduktionen der Büchergilde.

Speaker: Und das sind dann Titel, die gibt es tatsächlich nur in der Buchgemeinschaft und gar nicht auf dem freien Markt.

Speaker: Es sei denn, zu einem späteren Zeitpunkt lizenzieren wir sie wiederum nach draußen.

Speaker: Also es gibt immer beides.

Speaker: Vielleicht, das bietet sich gerade an, dass wir das kurz einmal anschneiden, weil mir das jetzt kürzlich immer wieder begegnet ist.

Speaker: Ja, die Verlage, die nehmen ja nur noch Manuskripte von Agenturen an und all das, was die so in den Briefkasten reinbekommen, das lesen die ja sowieso nicht.

Speaker: Wäre jetzt die Möglichkeit für dich, dass ihr euer Briefkasten mal ein bisschen noch voller macht?

Speaker: Wie handhabt ihr das?

Speaker: Also wir arbeiten nicht mit Agenturen zusammen.

Speaker: Also es ist bei uns tatsächlich so, dass unsere Mitglieder-Community, die schicken uns ganz oft Texte, die sie geschrieben haben oder von denen sie gehört haben und geben uns Hinweise auf jemanden, aber wir bekommen nahezu ausschließlich, also mit wenigen Ausnahmen, bekommen wir Manuskripte von Privatpersonen, ob sie jetzt zur Büchergilde gehören oder nicht, aber von Privatpersonen und

Speaker: Wir sprechen natürlich auch mit Agenturen, aber da geht es dann um andere Dinge.

Speaker: Aber dass wir mit Agenturen proaktiv verhandeln, um zu sagen, habt ihr da etwas für uns?

Speaker: Das ist weniger der Fall.

Speaker: Es gibt ja allerdings auch Agenturen, die sowohl Originalmanuskripte betreuen, Autoren und Autorinnen betreuen, als auch die Weiterlizenzierung ebenfalls betreuen.

Speaker: Und da kommen wir dann zum Teil mit ins Boot.

Speaker: Also dass es dann zum Beispiel heißt, wir haben hier wirklich einen supercoolen Text und wir sprechen noch mit Verlag XY, aber vielleicht wäre das ja für euch dann auch im zweiten Schritt etwas.

Speaker: Also so läuft das dann zum Teil.

Speaker: Aber das, was bei euch im E-Mail-Postfach oder im Briefkasten landet, das guckt ihr euch auch an.

Speaker: Alles.

Speaker: So.

Speaker: Alles.

Speaker: Haben wir das mal wieder.

Speaker: Aber wirklich alles.

Speaker: Alles.

Speaker: Das eine länger, das andere kürzer.

Speaker: Man merkt ja relativ schnell, passt das ins Programm oder tut es das nicht.

Speaker: Oder ist es ein Serienbrief?

Speaker: Oder ist es ein Serienbrief oder ist es irgendwie ein sehr spezielles Sachthema wissenschaftlicher Art, das einfach zur Büchergilde nicht passt etc.

Speaker: Sowas merkt man ja natürlich sehr schnell.

Speaker: Aber es gibt nicht den Fall, dass wir ungelesen irgendwas wegklicken.

Speaker: Aber du hast gerade das Stichwort gebracht, passt das ins Programm oder nicht?

Speaker: Also wie wählt ihr denn aus?

Speaker: Was passt denn ins Programm und was nicht?

Speaker: Kannst du da ein bisschen Einblick geben?

Speaker: Wir haben alle drei ein Buch geschrieben, wir möchten uns bewerben.

Speaker: Wir machen nicht das Anschreiben auf die Büchergilde, sondern den Inhalt.

Speaker: Und das sind auch drei komplett unterschiedliche Bücher, weil wir auch unterschiedliche, also von daher mal gucken, wer von uns dann den Zuschlag bekommt.

Speaker: Wir machen das in so einer Bonus-Folge, dann wir pitchen dir das dann alles so nach.

Speaker: Wir nehmen dich dabei auf, wie du diplomatisch dann unsere doofen Ideen bewährst.

Speaker: Okay.

Speaker: Ja, also die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, einfach weil sie so viele offene Enden hat.

Speaker: Was passt ins Programm der Büchergelder?

Speaker: Also unser Profil, unsere Zielgruppe sind tendenziell anspruchsvolle Fehlleser.

Speaker: Das sind Menschen, die haben schon viel gelesen, die haben Lieblingsautoren, die gucken sehr auf die Novitäten, die gucken auf die literarische Qualität etc.

Speaker: Bei Sachbuchthemen

Speaker: sind es auch die Dinge, die vielleicht so ein bisschen mehr Standardwerkcharakter haben, weil wir ja diesen Erscheinungsabstand haben.

Speaker: Also die Bücher, die bei uns in Lizenz kommen, brauchen einen Minimalabstand von vier Monaten zur Originalausgabe.

Speaker: Das heißt, irgendwie ein noch so interessantes Buch zum Wahlkampf, das dann bei uns nach der Wahl erscheint, fällt also raus.

Speaker: Das heißt, wenn da Standardwerke, historische, kulturhistorische und so weiter, das ist das, worauf wir ein besonderes Augenmerk haben, wissenschaftlich auch.

Speaker: Aber dann eben auch für eine breite Zielgruppe nicht theoretisch trocken geschrieben, sondern es sollte zugänglich sein für eine Laienleserschaft.

Speaker: Im belletristischen Bereich ist es natürlich nochmal diffiziler, da ist es tatsächlich so, dass wir immer auch auf Klassiker gucken, also es gibt ja immer wieder auch sehr tolle Neuübersetzungen von Klassikern, da wissen wir, sowas kommt gut an, sowohl bei uns als auch vor allem bei den Mitgliedern.

Speaker: Neue Stimmen, davon war ja vorhin schon mal die Rede, da haben wir immer ein Auge drauf, Debutanten, Debutantinnen, die

Speaker: mal ganz was anderes wagen ist.

Speaker: Und Bücher, die, jetzt komme ich mal ganz kompliziert daher, die wir gut finden und die wir geeignet finden.

Speaker: Und wir finden sie immer dann gut und geeignet, wenn es sprachlich ein Niveau hat, wenn es vielleicht auch was Ungewöhnliches bietet, einen ganz besonderen, überraschenden Plot, den man so noch nicht gelesen hat, oder atmosphärisch oder vom

Speaker: ja, von einer transportierten Message was Besonderes hat.

Speaker: Also es sollte rausfallen, ohne zu verschrecken.

Speaker: Und man merkt, dass das, deswegen tue ich mich auch so ein bisschen schwer, das so ganz genau zu beschreiben, weil da auch ganz viel so eine Gefühlssache dabei ist.

Speaker: Also man fängt an zu lesen und man merkt einfach, das

Speaker: Die Erfahrung macht ja jeder, auch so im Privaten, spricht mich an oder nicht.

Speaker: Und da ist es natürlich unsere große Herausforderung, dass wir es zwar objektiv einschätzen können, vom persönlichen Lesegeschmack abstrahieren müssen, um objektiv drauf zu gucken, hält das Ganze, die Struktur knirscht nicht, das ist eine runde Sache.

Speaker: Es wird viele Menschen geben in unserer Zielgruppe, die wir einigermaßen gut kennen, die das lesen möchten.

Speaker: Und dann gibt es natürlich auch noch so Aspekte, Bücher, über die jeder spricht, die gerade durchs Feuilleton gehen.

Speaker: Meistens allerdings lesen wir die Bücher schon lange vorher, noch so im Manuskript- oder PDF-Stadium.

Speaker: Und da fallen dann zum Teil auch schon Entscheidungen.

Speaker: Aber natürlich spielt das auch noch mit eine Rolle.

Speaker: Oder Autoren, von denen wir wissen, die werden bei uns immer sehr nachgefragt.

Speaker: Und da hat jetzt ein toller Autor, den wir auch toll finden,

Speaker: hat jetzt das dritte oder vierte Buch, da erwarten die Mitglieder auch so ein bisschen, das wird dann auch kommen.

Speaker: Wobei es da unsererseits das Versprechen nicht gibt.

Speaker: Es gibt unsererseits das Versprechen, jedes Buch wird geprüft.

Speaker: Und nur weil drei Romane von einem Autor toll waren, das unterscheidet uns von anderen Verlagen, heißt das noch lange nicht, dass das vierte auch kommt, dann ist vielleicht das fünfte wieder besser.

Speaker: also dass wir wirklich kuratieren und müssen diese Autoren, Autorinnen-Treue nicht halten, was bei anderen Verlagen vielleicht eher der Fall ist, sondern wir müssen die Treue zu unseren Mitgliedern halten, indem wir sagen, es ist wirklich nicht nur jetzt wieder ein Erfolgsautor, sondern das Buch überzeugt auch wirklich.

Speaker: Und da fließen ganz viele Aspekte tatsächlich mit ein und das

Speaker: versuchen wir natürlich auch generationenübergreifend hinzubekommen.

Speaker: Also 50-, 60-Jährige Mitglieder lesen, haben andere Lesevorlieben als jetzt 25-, 30-Jährige.

Speaker: Und unser Programm ist ja nicht so groß.

Speaker: Im Quartal kommen so 20-, 24 Titel über alle Sparten hinweg.

Speaker: Und wir versuchen tatsächlich den Spagat hinzubekommen, dass wir für jeden Tag

Speaker: was dabei haben, dass man sich amüsieren kann, dass man nachdenklich werden kann, dass man überrascht wird, entdeckt.

Speaker: Das wollen wir machen.

Speaker: Ich habe gerade das Bild vor Augen, wo einem so der Schweiß runterläuft.

Speaker: So viele Sachen, also im Flugzeug, du sitzt vor der großen Apparatur, weißt gar nicht, welche Knöpfe du alles drücken musst, dir läuft der Schweiß.

Speaker: So fühlt sich das irgendwie gerade an, dir zuzuhören.

Speaker: Weil es so viele Sachen sind, die ihr beachten müsst.

Speaker: Aber wie fällt dir denn die Entscheidung?

Speaker: Also du bist Programmleiterin.

Speaker: Kannst du dann am Ende sagen, ich will das jetzt durchdrücken?

Speaker: Oder...

Speaker: Also wie entscheidet ihr das im Team?

Speaker: Wie funktioniert das?

Speaker: Also wir sind im Lektorat zu viert.

Speaker: Es gibt noch zwei weitere Lektorinnen mit im Team und es gibt eine Lektoratsassistentin, die viel Organisatorisches macht, die sich um die Verträge kümmert und so weiter.

Speaker: Alles, was da so anfällt und aber auch mitliest, sprich mitprüft.

Speaker: Und wir

Speaker: Also es gibt die ganzen üblichen Gespräche.

Speaker: Wir sind ganz eng in Kontakt mit ganz, ganz, ganz vielen Verlagen in jeglicher Form die ganze Zeit.

Speaker: Dann gibt es natürlich die Begegnung bei der Messe.

Speaker: Wir bekommen die Kataloge zugeschickt, wie andere Buchhandlungen auch.

Speaker: Die gehen wir alle durch, machen überall unseren Beppe rein, wo wir das Gefühl haben, das könnte in Frage kommen.

Speaker: Das klingt vielversprechend.

Speaker: Darum bemühen wir uns dann, dass wir dann der Lesestoff bekommen,

Speaker: Und dann teilen wir uns das so ein bisschen auf.

Speaker: Und wenn die ganzen Texte dann kommen, entweder die Bücherkisten oder die PDFs, die Manuskripte, und dann fangen wir an, loszulesen.

Speaker: Und entweder en passant, wenn wir es gar nicht abwarten können, also einmal in der Woche setzen wir uns zusammen, aber oft ist es dann so, dass man dann am nächsten Morgen im Büro ist und sagt, boah, ich habe jetzt diesen Roman angefangen, haben mehr und so weiter.

Speaker: Oder dass wir sagen, hm,

Speaker: ich glaube, den können wir erst mal zur Seite legen.

Speaker: Also man kann sich ja vorstellen, bei Aberhunderten von Neuerscheinungen und wir kommen dann mit unseren 20 Büchlein pro Quartal, da müssen wir auch ganz, ganz viele, die uns am Herzen liegen, zur Seite legen.

Speaker: Das bleibt gar nicht aus.

Speaker: Und so wird dann der Pool, der dann da ist von Büchern, die uns überzeugen, denen wir dann zurecht ruckeln, was das für verschiedene Zielgruppen

Speaker: was da ist.

Speaker: Es kommt jetzt auch darauf an, befinden wir uns im Sommer, die Leute wollen was für die Strandtasche oder befinden wir uns im Herbst, wo die Leute Weihnachtsgeschenke wollen.

Speaker: Auch das denken wir natürlich mit.

Speaker: Und ja, so wird die Auswahl dann immer kleiner, bis es alles eine runde Geschichte ist.

Speaker: Und wenn die steht, dann besprechen wir das noch mit den Kollegen in Marketing und Vertrieb und dann geht's los.

Speaker: Aber ich habe so ein bisschen den Eindruck, dass du eine wahnsinnig bescheidene Person bist und Andis Frage gerade so ganz elegant umschiffen wolltest.

Speaker: Aber wenn ich jetzt richtig rechne, dann kann es auch mal vorkommen, dass da einfach zwei finden es gut, zwei finden es nicht so gut.

Speaker: Was machst du?

Speaker: Dann sagst du, okay, wir werden uns nicht einig, wir treffen uns zum Duell.

Speaker: Wir werfen eine Münze.

Speaker: So geht's, Freunde, alles tanzig.

Speaker: Tatsächlich, also sobald es jemand von uns nicht

Speaker: gut findet.

Speaker: Also da reicht auch schon eine Stimme von vielen.

Speaker: Dann werden wir skeptisch.

Speaker: Und dann überlegen wir uns, woran liegt es.

Speaker: Also meistens weiß die Kollegin dann ja, warum es so ist.

Speaker: Also ich kenne ja auch selbst die Situation, dass ich denke, ich komme da jetzt nicht rein.

Speaker: Dieses Buch erreicht mich nicht.

Speaker: Irgendwas sagt mir, das ist ein richtig gutes Buch.

Speaker: Aber vielleicht gefällt es mir im halben Jahr.

Speaker: Im Moment merke ich einfach, da wird nichts aus uns beiden.

Speaker: Und dann würde ich es auf jeden Fall auch noch einer Kollegin geben.

Speaker: Wenn die was Ähnliches sagt, ist es draußen.

Speaker: Und wenn sie sagt, oh ja, fand ich super, dann, und bei mir würde der Eindruck bleiben, ja, da ist auf jeden Fall Potenzial, beziehungsweise dieses Buch hat die Zielgruppe.

Speaker: Also ich kaufe es ja nicht für mich, sondern ich überlege mir, wie viele Menschen in unserer Community interessieren sich dafür.

Speaker: Dann

Speaker: fallen die Entscheidungen entsprechend so.

Speaker: Aber wenn jetzt zum Beispiel ich auch ein Buch super finde und zwei Kolleginnen oder drei sagen, oh nee, dann fällt es raus.

Speaker: Also das ist schon, das ist so.

Speaker: Also da wäre ich dann auch, wo ich mir denke, das möchte ich ja nicht.

Speaker: Ich möchte, dass wir alle dahinter stehen, denn wir alle vier stehen für das Programm und wollen sagen, Hammer, wir können euch allen diese

Speaker: Titel empfehlen, das ist so manchmal die Frage, die ich mir stelle, wenn ich an so einen unsicheren Punkt komme, dass ich mich frage, wen in deinem Freundeskreis würdest du jetzt aus vollem Herzen dieses Buch empfehlen?

Speaker: Und wenn mir dazu wenige einfallen, dann kommt es erst mal auf den, schauen wir mal, gucken wir mal, Stapel.

Speaker: Denn es gibt immer noch so viele andere.

Speaker: obwohl das auch mein Erfahrungsschatz ist, keine Kompromisse sind meistens die erfolgreicheren Titel.

Speaker: Also wenn alle überzeugt sind von dem Produkt innerhalb des Verlages, funktioniert meistens auch das Buch.

Speaker: Wenn es zwei kritische Stimmen gibt und man macht es dann trotzdem, ist es ganz oft so, dass es nicht so läuft, wie man es erwartet hat.

Speaker: Also von daher kann ich das schon verstehen, dass ihr sagt, wenn drei dagegen sprechen, setze ich mich nicht durch.

Speaker: Nee, um Gottes Willen.

Speaker: Nein, nein.

Speaker: Und andersrum muss ich aber sagen, was bei uns, was mir immer mal auffällt und wo wir, was wir lange einfach haben laufen lassen und mittlerweile uns danach richten, wenn man sich über Monate mit so einem Buch beschäftigt und irgendwie dann immer noch, es ist, die Vorschau ist fast gedruckt und ich unterhalte mich mit meinem Chef oder mit Kollegen oder sonst wie und man sagt diesen Titel und dann ist so, welcher war denn das nochmal?

Speaker: Mhm.

Speaker: dann weiß man, da ist irgendwas, funktioniert nicht.

Speaker: Wenn wir im Haus es über Monate nicht schaffen, dieses Buch so prägnant zu platzieren, wenn es wirklich der Buchtitel ist, dass der eine Beliebigkeit ausstrahlt, dass man aber eben an diesen Punkt kommt, zu sagen, nee, dann nehmen wir das jetzt nochmal in die Hand und versuchen das nochmal besser zu machen und nicht einfach durchlaufen zu lassen, weil eben der Bauch dann an der Stelle schon sagt, das wird nichts.

Speaker: Und

Speaker: Das hat bei uns zumindest ein bisschen gebraucht, bis man sich so weit eingespielt hatte, dass man eben weiß, wenn so ein Fall eintritt, dann deutet das auch was.

Speaker: Aber ich als Marketing-Furzi habe in mehrerlei Hinsicht eben mit den Ohren geschlackert, als du geredet hattest.

Speaker: Denn was Andi dann eben sagte, als er seinen Vergleich mit dem Flugzeugcockpit brachte, viele Fragen, die ihr habt, viele Entscheidungen, die ihr treffen müsst, sind ja analog zu jedem anderen Buchverlag genauso.

Speaker: Ich habe gar nicht so sehr Mitleid gehabt, sondern ich war neidisch.

Speaker: Weil ich denke, ihr habt einen Vorteil, um den euch jeder andere Verlag beneidet.

Speaker: ihr kennt eure Zielgruppe, aber ihr kennt die wirklich bis ins Detail.

Speaker: Ihr kennt Kaufverhalten, ihr kennt die Adresse bis in die Straße genau, im besten Fall Altersstrukturen etc.

Speaker: Sachen für die andere Verlage entweder unbezahlbar viel Geld ausgeben müssten für irgendwelche Marktforschung oder

Speaker: man stochert irgendwie so ein bisschen im Blauen rum.

Speaker: Ihr wisst dadurch, dass es in der Regel ja die Mitglieder sind.

Speaker: Über das Konzept der Büchergeldbuchhandlung können wir gleich nochmal reden, aber wirklich, wenn wir mal von der Community, wie du sagst, ausgehen, ihr wisst ja genau, wer das ist.

Speaker: Und vorhin sagtest du dann, ja, wir müssen ja die Zielgruppe im Auge behalten.

Speaker: Ist das jetzt der 60-jährige Akademiker oder doch irgendwie der 25-jährige Germanistik-Student?

Speaker: Wen habt ihr da so vorrangig im Kopf?

Speaker: Oder wie kriegt man eine Schnittmenge hin zwischen diesen Menschen?

Speaker: Das ist spannend und wie du sagst, das ist tatsächlich ein großer Vorteil und das macht es auch toll.

Speaker: Die Kommunikation mit den Mitgliedern ist sehr eng.

Speaker: Die melden sich auch sehr regelmäßig und kommt dieses Buch bei euch, dann warte ich auf eure Ausgabe und so.

Speaker: Und ja, also das Gro der Mitglieder ist,

Speaker: über Ende 50.

Speaker: Also die Mitgliedschaft ist nicht die allerjüngste.

Speaker: Und die lesen aber erstaunlicherweise auch Bücher, wo wir manchmal denken, das ist so eher was für jüngere Leute.

Speaker: Nö, wir merken das, kaufen die ganz genauso.

Speaker: Und merken wir auch in der Auseinandersetzung, in der Kommunikation, wenn sie sich melden und auf welche Bücher sie sich dann freuen,

Speaker: Aber in der Tat, also die Mitglieder sind vorrangig etwas älter.

Speaker: Und wichtig ist uns aber selbstverständlich, auch die jüngeren Menschen für die Büchergilde zu begeistern.

Speaker: Das heißt, wir gucken genauso und es ist genauso wichtig, auf ganz junge Texte zu gucken, also die auch jetzt für Ende 20, Anfang 30-Jährige sind.

Speaker: geeignet sind.

Speaker: Die Themen sind völlig andere.

Speaker: Die Sprache ist vor allem eine andere, die Art, wie da mit Literatur umgegangen wird.

Speaker: Und da sehen wir zu, müssen wir zusehen, wollen das unbedingt auch, dass wir zeigen, dass wir für die gesamte breite Zielgruppe attraktiv sind.

Speaker: Also, dass wir sowohl

Speaker: das ist ja, was wir machen mit unserem kuratierten Programm, dass wir Empfehlungen aussprechen, was ist jetzt das Lesenswerteste aus der Saisonproduktion und das sowohl für jüngere Leute als auch für ältere Leute, als auch, sagen wir mal, die breite Mitte.

Speaker: Und das ist das, was ich vorhin auch so ein bisschen meinte, wenn wir dann gucken, wann ist das Programm rund.

Speaker: Das Programm ist rund, wenn wir das Gefühl haben, es geht nicht immer alles.

Speaker: Dafür ist es zu klein, das Programm.

Speaker: Aber es geht doch eine ganze Menge und das Programm ist dann rund, wenn wir es geschafft haben, dass

Speaker: für alle Zielgruppen da was richtig Lesens und Empfehlenswertes dabei ist.

Speaker: Aber es ist manchmal die Quadratur des Kreises und es ist manchmal ein ziemlicher Spagat.

Speaker: Das ist richtig.

Speaker: Aber ihr habt da nicht eine Liste an der Bürowand hängen und habt euch da so Persona gegeben, dass es da, weiß ich nicht, irgendwie Karl-Heinz gibt und ihr dann sagt, wir brauchen aber noch irgendwas für Jonas.

Speaker: Für Brigitte.

Speaker: Wir haben das tatsächlich mal ganz kurz gedacht.

Speaker: Wir tun das.

Speaker: Das ist so vor zwei, drei Jahren her gewesen.

Speaker: Dachten wir, wir sind jetzt da mal ganz schick und wir machen das so und haben festgestellt, also das hat nicht wirklich zu besseren Ergebnissen geführt, so zu denken, sondern dadurch, dass wirklich die Rückmeldung unserer Mitglieder eine sehr intensive ist.

Speaker: Wir haben ja auch eine

Speaker: Kundenservice-Abteilung, wo die Mitglieder jeden Tag anrufen.

Speaker: Wie gesagt, in der Programmabteilung rufen sie auch oft an oder mailen.

Speaker: Und es gibt viele Begegnungen.

Speaker: Also wir machen ja viele Veranstaltungen auch.

Speaker: Da hat man, so hat die Erfahrung gezeigt, bekommt man ein besseres Gespür, als wenn wir jetzt mit Jonas und Brigitte uns was

Speaker: an die Wand malen.

Speaker: Aber wie macht ihr das zum Beispiel mit, wir hatten es ja vorhin kurz, das Überraschungsbuch, also wenn man bei euch sozusagen innerhalb des Quartals nicht kauft, gibt es ja das Überraschungsbuch nach Hause.

Speaker: Wie sucht ihr das dann aus?

Speaker: Wird das zielgruppengerecht oder dem Kunden angepasst zugeschickt, also dass ihr auf die Kunden dann zugreift?

Speaker: Weil ich kann mir jetzt vorstellen, das ist vielleicht ein Bruchteil von denen, die bei euch Mitglied sind, die dann das vergessen haben, ein Buch zu kaufen und die ihr noch beschicken müsst.

Speaker: Oder habt ihr ein Buch, was alle kriegen?

Speaker: Also wie kriegt man das raus?

Speaker: Weil ich glaube jetzt, Brigitte möchte nicht das Buch, was ihr für Karl-Heinz euch überlegt habt.

Speaker: Mhm.

Speaker: Da gibt es tatsächlich die Möglichkeit, das auszuwerten.

Speaker: Gibt es jetzt zum Beispiel die Brigitte, die ausschließlich Krimis bei uns kauft und Karl-Heinz kauft sowieso nur Sachbücher oder eben irgendwie etwas anderes.

Speaker: Das Ding ist, dass es, die Leute kaufen ja zum Glück nicht nur ein Buch pro Quartal, sondern kaufen relativ viel.

Speaker: gut bei uns ein und deswegen geht das auch immer auseinander.

Speaker: Da weiß man jetzt auch nicht, was kaufen sie jetzt für die Tante und für den Enkel und für sich.

Speaker: Aber es gibt so ein ganz grobes Profil, sagen wir mal, das man herausfiltern kann.

Speaker: Und wir legen tatsächlich schon bei der Auflagenfestlegung, also wir schicken dann nicht irgendwie Ladenhüter oder so, sondern ganz im Gegenteil.

Speaker: Wir möchten ja

Speaker: dass die Leute sich freuen und dass sie es nicht zurückschicken oder sie können es ja auch zurück in die Buchhandlung bringen und so.

Speaker: Das möchten wir ja gerne vermeiden.

Speaker: Und deswegen wählen wir die Bücher aus, wo wir wissen, die wären ganz besonders schön oder die sind gerade für eine ganz breite Zielgruppe interessant, gehen überall durchs Füretung oder sind eine ganz tolle Entdeckung.

Speaker: Das will man auf jeden Fall behalten.

Speaker: Und das wird schon mal festgelegt.

Speaker: Das sind dann, sagen wir mal, drei, vier Titel.

Speaker: die wir dann dafür auswählen.

Speaker: Unser illustriertes Buch ist natürlich auch dabei, das hat auch viele Fans.

Speaker: Und dann können Gruppen, Profilgruppen gebildet werden, wo wir sagen, okay, da vielleicht ist das illustrierte Buch, kommt am besten an und da kommt vielleicht jetzt der Krimi am besten an.

Speaker: Das kann man nicht super detailliert machen, aber man kann es einigermaßen steuern.

Speaker: Aber es wird individualisiert sozusagen.

Speaker: Also es kriegen nicht alle...

Speaker: die es vergessen haben, dasselbe Buch, sondern ihr guckt schon drauf, dass jeder individuell dann nochmal so einen Nachschlag bekommt.

Speaker: Aber das ist ja toll.

Speaker: Ich danke dir für diese Richtigstellung nach Jahren, denn das war die Geschichte, die Tina am Anfang sagte.

Speaker: Ich war ganz lange begeistert als Mitglied der Bücherhilde.

Speaker: Ich erzähle diese Geschichte auch, weil man mir von vielerlei Seite versichert hat, dass dieses Problem behoben wurde.

Speaker: Und ich habe damals schon nicht zwingend irgendwie dann immer mir Bücher in der Buchhandlung gekauft, aber dieser Überraschungseffekt, den habe ich gelassen.

Speaker: Das heißt, ich war so ein typischer Kandidat, der einmal im Quartal im Buchhandlung

Speaker: Und ich weiß es noch, es war eine an sich wahnsinnig schöne, illustrierte Ausgabe von der talentierte Mr. Ripley, glaube ich.

Speaker: Und die habe ich zweimal hintereinander bekommen.

Speaker: Und das war in der Zeit, als ich noch in Frankfurt gewohnt habe.

Speaker: Okay.

Speaker: Und dann habe ich das ausgepackt und mich gefreut.

Speaker: Und dann dachte ich, das habe ich doch schon.

Speaker: Und dann...

Speaker: Bin ich fuchsteufel jetzt wieder auf meine kleine Vespa gestiegen und bin da zur konstrunden Wache gefahren und habe wahrscheinlich eine ziemlich unwürdige Szene gemacht und bin theatralisch ausgetreten.

Speaker: Und mittlerweile weiß ich aber, das war irgendein komischer Fehler in der Datenbank.

Speaker: Das war sicherlich ein Systemfehler, ja.

Speaker: Genau, weil das war tatsächlich, darf man das glaube ich nicht unterschätzen, was das für einen Spaß macht, auch diese Überraschungstüte für Erwachsene, die da auch kommt, auch wenn es euch natürlich lieber ist, wenn die nicht nur einmal im Quartal was von euch kaufen, auch klar.

Speaker: Ja.

Speaker: Aber das war ein kurzer privater Exkurs.

Speaker: Lass uns vielleicht mal noch drüber reden.

Speaker: Es gibt eben, wie gesagt, auch diese Büchergilde-Buchhandlungen.

Speaker: Und es gibt ja aber auch Buchhandlungen, die das Büchergilde-Programm anbieten.

Speaker: Oder magst du da mal kurz diese Struktur erklären?

Speaker: Also das sind Franchise-Unternehmen.

Speaker: inzwischen.

Speaker: Es gab da mal eine Vertriebsgesellschaft, die das Ganze auch zentraler gesteuert hat.

Speaker: Das sind Buchhandlungen, die in ihr, die fungieren wie jede andere Buchhandlung auch.

Speaker: Die haben ihr Sortiment, das sie bestücken, wie sie möchten und sind aber auch, wenn sie Partnerbuchhandlungen sind, diesen Unterschied meinst du vielleicht, dann sind es Buchhandlungen, die auch wirklich für die

Speaker: die sehr überzeugt sind von der Büchergilde, die Veranstaltungen machen, die auch unsere gesamten Novitäten immer haben und ausstellen und Lesungen machen und so weiter, die sich also als Büchergilde Buchhandlung verstehen.

Speaker: Deswegen haben sie aber trotzdem alles, was man sonst anbieten kann im Buchhandel.

Speaker: Aber die Büchergilde nimmt da einen großen Raum ein an der Relevanz der Buchhandlung selber.

Speaker: Und dann gibt es noch andere Buchhandlungen, die sind, die vertreten uns auch, aber nicht in dem Umfang und nicht mit diesem großen Arrangement, wie das andere Buchhandlungen machen.

Speaker: Also sprich, da gibt es vielleicht in der Buchhandlung irgendwo an der Seite ein Regal oder zwei, wo so die gängigsten Bücher stehen, ein paar von den schönsten und dann vielleicht noch das Neueste,

Speaker: Und das sind dann Anlaufstellen für Mitglieder, die sagen, ich möchte jetzt nicht aus dem Internet oder aus dem Katalog bestellen, ich möchte das Buch schon mal in der Hand gehabt haben.

Speaker: Oder da steht, das wäre illustriert, möchte aber erst mal sehen.

Speaker: Und da gibt es dann die Möglichkeit hinzugehen.

Speaker: Die Buchhändler bestellen dann alles für die Interessenten und man kann es sich anschauen, man kann reinblättern, man kann sich inspirieren lassen.

Speaker: aber eben nicht in dieser Fülle, wie es andere Buchhandlungen machen.

Speaker: Also die zwei Modelle gibt es.

Speaker: Und das dürfen dann aber auch nur, trotzdem diese Bücher dürfen nur die Mitglieder kaufen und dann ist es egal, ob es eine Lizenz, eine Lizenzausgabe ist oder von euch eine Originalausgabe, richtig?

Speaker: So sieht es aus.

Speaker: So sieht es aus.

Speaker: Also das ist tatsächlich so eine Sache, die

Speaker: zum Glück nicht mehr so abschreckend wirkt, wie es zeitweise gewesen ist.

Speaker: Wir waren von den 60ern, 70ern.

Speaker: Da war so Vereinswesen, Mitglied zu sein, das war schick, da war jeder in allen möglichen Vereinen.

Speaker: Und dann kamen die 80er, 90er, da war es überhaupt nicht mehr schick.

Speaker: Da wollte man keine Verbindlichkeiten eingehen.

Speaker: Jeder wollte individuell sein.

Speaker: Um Gottes Willen, womöglich muss ich da ein Buch kaufen.

Speaker: Das haben wir natürlich auch gespürt.

Speaker: Das ist in der Zwischenzeit glücklicherweise ja wieder längst anders.

Speaker: Also wenn man sich überlegt, wie viele Buchgemeinschaften online es inzwischen gibt, ist irgendwie Audible, Spotify, wie sie alle heißen, Abos von Podcasts etc.

Speaker: Also so diese Vorstellung, ich bin irgendwo und bin da monatlich irgendwie involviert, geschweige denn steckt da in der Verbindlichkeit,

Speaker: Das ist jetzt dieser jüngeren Generation überhaupt nicht mehr fremd.

Speaker: Zumal es ja bei uns quartalsweise noch nicht mal monatlich ist und nichts kostet, wenn ich das mal ganz kurz noch einwerfen darf.

Speaker: Die Mitgliedschaft kostet nichts.

Speaker: Genau, aber ja, der Deal ist, dass wir all diese Vorteile, die wir bieten, können wir nur bieten, wenn wir, wie damals unsere Vorväter 1924 wissen, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen uns

Speaker: eine bestimmte Anzahl von Büchern abkauft, sage ich mal, sodass wir die Auflagen so gestalten können, dass sich das Ganze rechnen kann, dass die Qualität der Bücher nach wie vor sehr hochwertig ist und das Ganze zum günstigen Preis.

Speaker: Das würde nicht funktionieren, wenn man es so gar nicht einschätzen kann.

Speaker: Und deshalb ist nach wie vor

Speaker: Die Vereinbarung, hey, alle drei Monate ein Buch kaufen, es kann auch was anderes sein.

Speaker: Wir haben ja auch Non-Books, wir haben Grafiken, also das Programm ist ja breit, aber das Kerngeschäft sind natürlich komplett die Bücher.

Speaker: Ein Buch pro Quartal reicht schon, aber da müssen wir uns so ein bisschen drauf verlassen können.

Speaker: Und nur dann können wir so planen und kalkulieren, wie wir das tun und so funktioniert es nur.

Speaker: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das bei jüngeren Leuten in der Zwischenzeit, also so auf Messen beispielsweise, ist überhaupt kein Thema mehr.

Speaker: Die sagen, ein Buch pro Quartal kaufe ich doch allemal und ist ja bei euch sogar noch günstiger und so weiter.

Speaker: Wo kann ich unterschreiben?

Speaker: Also diese Hürde ist zum Glück, toi toi toi, nicht mehr so, wie noch vielleicht vor 15 Jahren der Fall gewesen ist.

Speaker: Mich würde da mal interessieren, ich weiß jetzt nicht, ob du konkrete Zahlen nennen kannst, aber wie ist denn so die Entwicklung der Mitgliedszahlen?

Speaker: Steigt die, bleibt die konstant, sinkt die oder wie sieht es da aus?

Speaker: Also wir sind circa 50.000 Mitglieder und die Zahl ist einigermaßen konstant.

Speaker: Es gibt mal kleine Ausschläge nach oben, dann gibt es mal wieder welche nach unten, dann gehen sie mal wieder hoch.

Speaker: Also es ist einigermaßen konstant.

Speaker: Aber dann habt ihr natürlich auch noch eine ganz andere Struktur, die vor ein paar Jahren auf einmal für Aufsehen erregte.

Speaker: Ihr wart, glaube ich, wenn ich das richtig interpretiert habe, in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und habt euch entschieden, nicht mit irgendwelchen externen Geldgebern oder so euch zu sanieren, sondern die Mitglieder, über die wir jetzt schon ein paar Mal gesprochen haben, die Community oder wie auch immer wir sie nennen wollen,

Speaker: aktiv und auch mit ihrem Kapital in den Verlagen mit einzubinden oder in das Unternehmen mit einzubinden, indem die, und da sind wir jetzt wieder in einem sehr linken Spektrum wieder, Genossenschaftsanteile erwerben konnten.

Speaker: Und das hat ja, wenn ich das richtig verstanden habe, auch wirklich gut geklappt.

Speaker: Das hat auch wirklich gut geklappt.

Speaker: In der Tat haben wir vor inzwischen elf Jahren eine Genossenschaft gegründet, beziehungsweise haben die Büchergilde

Speaker: in eine Genossenschaft umgewandelt, haben zunächst mal über die Mitglieder, wobei man nicht Mitglied sein muss, nicht alle, die Genossen sind, sind Mitglieder und nicht alle Mitglieder sowieso sind Genossen, haben diese Genossenschaft gegründet, haben Anteile angeboten und in dem Moment, wo man einen Anteil erwirbt, man kann so viel erwerben, wie man möchte, aber zumindest einer, ist man Anteilseigner,

Speaker: Der Büchergilde.

Speaker: Also die Büchergilde ist ja eine GmbH und ist Tochter dieser Genossenschaft.

Speaker: Und in dem Moment ist man Anteilseigner, ist Mitinhaber der Genossenschaft und des Verlags.

Speaker: Es gibt einmal im Jahr eine Mitgliederversammlung, zu der alle Genossinnen und Genossen eingeladen werden.

Speaker: Das sind jetzt so roundabout 2000.

Speaker: man wird regelmäßig informiert über das, was wir tun.

Speaker: Es gibt da dann auch, es werden auch Vorschläge diskutiert, die aus der Genossenschaft kommen, die zum Teil auch schon umgesetzt worden sind, selbst im Titelbereich.

Speaker: Also man kann mitgestalten, wenn man möchte, muss man aber nicht.

Speaker: Ganz viele haben sich einfach zu dem Zeitpunkt gesagt, hey, ich möchte auch, dass die Büchergelde unabhängig bleibt und nicht entweder auswählen,

Speaker: oder geschluckt wird von irgendjemandem, wo dann das Profil verwässert wird.

Speaker: Und dadurch, dass es auch eine Einlage ist, die man auch zurückholen kann, wenn man irgendwann möchte, in einer gewissen Zeit, riskiert man auch nichts.

Speaker: Also es gibt keine Rendite, aber man riskiert auch nicht, dass man was verliert.

Speaker: Und das hat zum Glück viele Menschen erreicht,

Speaker: die da sehr solidarisch waren und gesagt haben, ich unterstütze euch gerne, die auch mehr als einen Anteil erworben haben oder die ein, zwei Jahre später mal noch aufgestockt haben.

Speaker: Und das hat uns tatsächlich geholfen, um nicht zu sagen gerettet in dieser Zeit.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Ich habe auch, wenn ich das richtig im Kopf habe, ich glaube, wir reden über 500 Euro für einen Anteilsschein.

Speaker: Ratenzahlung möglich.

Speaker: Richtig.

Speaker: Genau.

Speaker: Als jetzt hier gerade jemand zuhört und überlegt.

Speaker: Ich glaube, es gibt weitaus dümmere Wege, sein Geld auszugeben als dafür.

Speaker: Ja, vor allen Dingen, was ich auch spannend finde, also einerseits, wie Alex ja schon sagt, dieser linke Gedanke, der dadurch fortgesetzt wird und auch wenn man jetzt mal vielleicht auf die politische Realität schaut, ist es doch auch so eine Art Absicherung, oder?

Speaker: Also ich meine, wir wollen es jetzt alle nicht, dass es wieder passiert, aber dadurch kann man ja schon eine Unabhängigkeit auch behalten und Einfluss von außen quasi minimieren.

Speaker: War das auch so ein Gedanke dahinter?

Speaker: Ja, das war auf jeden Fall auch ein Gedanke dahinter und ist auch das Ziel, dass wir dadurch stabil und unabhängig bleiben.

Speaker: Also das ist auf jeden Fall so.

Speaker: Es ist auch sozusagen die, ja, der Gedanke der Gemeinschaft zu Ende gedacht.

Speaker: Es ist einfach eine sehr konsequente Folge daraus zu sagen, wir sind ja eine Buchgemeinschaft.

Speaker: Es haben damals schon 1924 die Leute gesagt, hey, wir

Speaker: investieren da ja auch, was damit kostet, ist noch Mitgliedsbeitrag, eine MAC pro Quartal.

Speaker: Und was wir ja wie gesagt nicht machen, aber so dieser Gedanke, man zahlt was ein, um eine Gemeinschaft herzustellen, von der alle profitieren.

Speaker: Und jetzt sind wir an einem Punkt, wo im Prinzip diese Gemeinschaft, alles das, was sie tut, was sie zur Verfügung stellt, was sie produziert, schöne Bücher,

Speaker: dass diese in die Hände just jener Gemeinschaft übergegangen ist.

Speaker: Weil jetzt im Prinzip die Genossen natürlich die Miteigentümer sind.

Speaker: Also es ist so eine Konsequenz aus dem Ganzen, so kann man es auch sehen.

Speaker: Deswegen war das seinerzeit dann, also vor elf Jahren, auch so ein recht plausibler Gedanke, diesen Weg zu gehen.

Speaker: Und zum Glück hat er funktioniert.

Speaker: Und spannend ist ja,

Speaker: dass man gerade in jüngster Zeit von allerlei Genossenschaftsgründungen hört.

Speaker: Also man hört das von Buchhandlungen, man hört das von neu gegründeten Verlagen, auch von durchaus etablierten, erfolgreichen anderen Verlagen, die das jetzt auch machen.

Speaker: Also es ist tatsächlich als Modell so ein bisschen en vogue geworden, habe ich den Eindruck.

Speaker: Und ja, das haben wir vor elf Jahren gemacht und

Speaker: Auch da hoffen wir natürlich zu wachsen, zu wachsen, zu wachsen.

Speaker: Ich meine, es gibt ja auch so Sachen wie Crowdfunding ist ein bisschen ähnlich oder du meintest ja auch schon, also es sind so Modelle, die es alle gerade gibt.

Speaker: Crowdfunding ist jetzt gerade in oder schon länger, aber auch eben Subscription-Modelle, wie du meintest, ist ja beides hier vorhanden in der Büchergilde.

Speaker: Also seid ihr ja quasi auch Vorreiter.

Speaker: Das ist auch sehr, sehr schön.

Speaker: Ja,

Speaker: Ziemlich modern mit, betagt im Alter.

Speaker: Ihr seid im vergangenen Jahr, habt ihr 100.

Speaker: Geburtstag gefeiert.

Speaker: In meiner Wahrnehmung auch tatsächlich ziemlich groß.

Speaker: Auch gerade in der Presse habt ihr, finde ich, eine ziemlich große Rolle gespielt.

Speaker: Das war doch irgendwie, dass man euch wahrgenommen hat.

Speaker: Ja.

Speaker: Aber bevor wir zum Ende kommen, gib uns doch mal so einen Ausblick, vielleicht nicht auf die nächsten 100 Jahre, aber sowas ist das Ziel in dieser wirklich gerade sehr, sehr angespannten Buchhandelslandschaft für euch, für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Speaker: Habt ihr da so ein Ziel, das ihr halten wollt, das ihr erreichen wollt?

Speaker: Also das Ziel ist in jeglicher Form sowohl für den

Speaker: für die Buchgemeinschaft als auch für die Genossenschaft zu wachsen.

Speaker: Das ist das A und O. Je mehr wir sind, desto schönere Bücher können wir machen.

Speaker: Wenn wir zu wenige werden, dann werden sie entweder nicht mehr schön oder es geht nicht mehr.

Speaker: Also wir müssen natürlich, wir wollen wachsen, wir müssen wachsen in jeder Form, denn wir haben einfach noch tausend Ideen.

Speaker: Also Bücher besonders zu machen und daran glauben wir einfach.

Speaker: Das ist, glaube ich, was uns leitet.

Speaker: Wir glauben an die Zukunft, die

Speaker: des Buches und an das gut gemachten, schönen Buch ist.

Speaker: Das ist auch das Feedback, das wir bekommen, dass Leute teilweise, also bei den Messen sehen wir es immer ganz besonders oder wir hören es von unseren BuchhändlerInnen, dass sie sich die Bücher angucken und sind dann immer baff und sind entzückt und freuen sich darüber, weil sicherlich jeder von uns auch einen Reader in die Hand nimmt.

Speaker: Diese Geräte haben ihre Berechtigung und die haben ihren Sinn in der heutigen Zeit.

Speaker: Das ist alles ganz wunderbar.

Speaker: Es wird aber trotzdem, davon sind wir überzeugt, immer die Leidenschaft für schöne Bücher geben, die man beschnuppert und die man in die Hand nehmen kann.

Speaker: Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

Speaker: Der eine schätzt die Auslese ganz besonders, der andere flippt aus, weil es so toll illustriert ist.

Speaker: Und diese Erfahrung machen wir und wir glauben daran, auch das zeigt unsere Erfahrung, dass es da noch ganz viel Potenzial gibt, dass auch unter den jüngeren Leuten, die jetzt so

Speaker: Das Handwerkliche, ich meine, Nachhaltigkeit spielt bei uns natürlich auch eine große Rolle.

Speaker: Könnte ich auch noch was dazu erzählen, was wir mit den Resten von Leinen, die nicht mehr benutzt werden, da Täschchen draus machen und so weiter, damit bloß nichts weggeschmissen wird.

Speaker: Und solche Dinge, da gibt es ganz viele Ideen im Haus, die natürlich nur schrittweise umgesetzt werden können.

Speaker: Und das überzeugt junge Menschen.

Speaker: Und wir wollen ja auch junge Menschen überzeugen,

Speaker: Und zeigen, dass wir zwar 100 Jahre alt sind, aber dass wir wissen, was das Stündlein geschlagen hat und was es noch alles für Themen gibt.

Speaker: Und da würden wir natürlich gerne noch ganz viel mehr machen und zeigen, was da an Kreativität möglich ist.

Speaker: Dafür müssen wir aber, deswegen liegen so manche Dinge auf Halde, müssen wir als Gemeinschaft noch weiter wachsen.

Speaker: Sonst geht das alles natürlich nur kleinschrittig.

Speaker: Aber wir haben durchaus das Gefühl,

Speaker: Es geht in die richtige Richtung, die Begeisterung für Bücher ist da.

Speaker: Wir haben jetzt, wenn ich das als Beispiel vielleicht noch bringen darf, nämlich ganz aktuell ein Buch gemacht, Twist, der Roman, wo es um die Tiefsee geht, da werden so Tiefseekabel verlegt und letztendlich wird dann die Verbindung gekappt und so weiter und

Speaker: Da hatten, als wir das vorgestellt hatten, im Verlag vor ein paar Monaten, hatte unsere Kollegin in der Herstellung, hatte direkt eine Idee und hat gesagt, boah, das Buch kriegt ein Loch.

Speaker: Wenn es um Datenverlust geht und Kabel und so weiter.

Speaker: Wir haben jetzt ein Buch, das müsst ihr euch mal angucken.

Speaker: Das ist wirklich vorne, hat es einfach nur das Mehr drauf und eben Titel und Autor und

Speaker: wir haben wirklich, also es wurde händisch erst mal probiert, geht das überhaupt?

Speaker: Wir haben nicht nur den Einwand durchbohrt, wir haben den gesamten Buchblock durchbohren lassen.

Speaker: Die Binderei dachte auch, wir haben nicht alle Tassen im Schrank, aber wir haben das gemacht, was natürlich bedeutet hat, dass wir das Buch komplett neu setzen mussten, weil man einfach nur durchbohrt durch den Text, geht Text verloren, es verbietet sich ja komplett.

Speaker: Also wurde in der Herstellung, wurde der Text dann um das

Speaker: Loch jeweils rumgesetzt, war eine Heidenarbeit und jetzt kann man wirklich da durchgucken und es gibt Gründe dafür, also das ist ja das, was die Büchergelde ausmacht, das Äußere soll immer zum Inhalt passen und möglichst irgendwie noch originell sein und vorhin fiel auch mal das Wort Vorreiter.

Speaker: Alles das haben wir uns ja auf die Fahnen geschrieben und das ist ein irrsinniger Aufwand.

Speaker: Es hat zum Glück funktioniert, es gab natürlich verschiedene Versuche, wie das funktionieren kann,

Speaker: Der Autor ist hellauf begeistert und jetzt haben wir dieses Buch, die Mitglieder sind total begeistert, finden das alle super und lauter so schräge Ideen haben wir und da kann man noch viel mehr machen und das geht aber nur, wenn wir wirklich genug Menschen sind, wo wir wissen, hey, da kommt eine Auflage zustande, da ist so ein Aufwand möglich.

Speaker: Und das ist unsere Vision, das ist meine Vision, das ist

Speaker: das Ziel, der Wunsch, den wir alle für die Büchergelder haben.

Speaker: Und wenn man dir so zuhört, haben wir den Wunsch für dich mit, für euch mit.

Speaker: Ja.

Speaker: Das war toll.

Speaker: Man hört dir deine Begeisterung an und lässt sich davon anstecken.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Ich gucke mir Twist an.

Speaker: Ich überlege, aber gut, das ist eine andere Geschichte.

Speaker: Die Buchanomkraft ist umgezogen, ne?

Speaker: Richtig.

Speaker: Er wohnt aber auch nicht mehr in Frankreich.

Speaker: Das ist gut.

Speaker: Aber das kriegt man auch so hin.

Speaker: Ich habe gerade überlegt, wir müssen langsam zum Ende kommen.

Speaker: Ich würde dir ein unmoralisches Angebot machen.

Speaker: Normalerweise käme jetzt der Part, wo du ein Buch vorstellst.

Speaker: Du könntest natürlich aber auch stattdessen über Täschchen aus Leinenresten reden.

Speaker: Suchst dir aus.

Speaker: Also ich könnte das verbinden.

Speaker: Ich würde nämlich, ich würde tatsächlich gerne ein Buch empfehlen.

Speaker: In der Tat ist das aus der Büchergilde und nur für Mitglieder zu haben, aber dass es da keine Einstiegshürde ist, gibt, habe ich ja gesagt.

Speaker: Und zwar ein Buch, das mir jetzt auch besonders am Herzen liegt, ist Wir haben Farm der Tiere von Philipp Wächter neu aufgelegt.

Speaker: Also nicht Farm der Tiere von Philipp Wächter, sondern

Speaker: Farm der Tiere von George Orwell, von Philipp Wächter illustriert.

Speaker: Und das hat ganz viel Charme.

Speaker: Er hat das sehr witzig gemacht und trotzdem hintergründig.

Speaker: Und es regt dazu an, dieses Buch nochmal zu lesen.

Speaker: Ich habe jetzt im Zusammenhang mit dem Projekt auch mit langen zeitlichem Abstand dieses Buch nochmal gelesen.

Speaker: Und man ist von den Socken, wie aktuell das immer noch ist.

Speaker: Damals ging es um den Kalten Krieg.

Speaker: Heute haben wir andere Sachen.

Speaker: Konstellationen mit Machtmissbrauch und so weiter zu tun haben.

Speaker: Man findet so vieles wieder.

Speaker: Es lohnt sich sehr, dieses Buch nochmal zu lesen.

Speaker: Und Philipp Wächter, der ja ein sehr bekannter Illustrator ist, vorrangig aus dem Kinderbuchbereich und für die Bücher gilt es schon, dass ein oder andere Roman illustriert hat, hat den illustriert.

Speaker: auf sensationelle Art und Weise, hat auch hinten ein kurzes Nachwort, was das für ihn bedeutet hat, dieses Buch zu gestalten und zu illustrieren.

Speaker: Wir haben das im Übrigen in zwei Sprachen, wir haben es auf Deutsch und auf Englisch in illustrierter Form gemacht.

Speaker: Also für diejenigen ist ja jetzt auch oft gefragt, die dann lieber Englisch lesen.

Speaker: Und da könnte es gut sein, jetzt sind wir bei dem Bogen, dass wir von den Leinen nutzen, die da anfallen,

Speaker: auch wieder so Täschchen machen, die wir bei anderen Büchern auch schon gemacht haben.

Speaker: Also es wird, wir versuchen bei den illustrierten Büchern da gerne immer noch was Zusätzliches zu machen und in dem Fall wird es wahrscheinlich wieder so sein.

Speaker: Da wird ein bestimmter Ausschnitt aus dem Umschlag genommen und vernäht mit, das passiert ja mit einer kleinen Werkstatt, mit der wir da zusammenarbeiten und so das dann wirklich am Ende

Speaker: Nichts übrig bleibt, kein Müll anfällt, sondern alles ganz wunderbar verwertet werden kann und man sich dann so seine Stifte reinstecken kann oder seine Post-its.

Speaker: Wir wollen ja nichts in die Bücher schreiben, aber seine Post-its, wenn man dann liest oder was auch immer.

Speaker: Ja, das wäre tatsächlich ein Tipp.

Speaker: Das sind ganz, ganz tolle Bilder und dieses Buch mal wiederzulesen, das hat mich überrascht, mit wie viel.

Speaker: Ich dachte, ich kann mich noch sehr gut erinnern, aber aus heutiger Perspektive ist nochmal zu lesen,

Speaker: Da profitiert man davon und auch von seinem Nachwort.

Speaker: Okay, vielen Dank.

Speaker: Ich werde ja in Frankfurt auf der Messe sein, da kann man sich das bestimmt angucken, da werdet ihr es dabei haben, vermute ich mal.

Speaker: Auf der Frankfurter Messe gibt es immer auch eine Aktion, weiß ich, wenn man sich anmeldet, kriegt man glaube ich ein Buch, kann man sich aussuchen oder sowas in der Art?

Speaker: Wenn man Mitglied wird, ja.

Speaker: Das ist tatsächlich immer so, das ist nicht nur bei der Messe so, dass wer Mitglied wird, bekommt ein Eintrittsgeschenk, kann sich ein Buch von uns aussuchen.

Speaker: Das ist das Willkommensgeschenk, das wir machen.

Speaker: Genau, darauf wollte ich nämlich auch noch hinweisen.

Speaker: Vielleicht animiert das ja auch den einen oder anderen nochmal jetzt zu denken, ach Mensch, dann ist das Risiko wirklich sehr, sehr überschaubar.

Speaker: Also www.büchergilde.de, da kann man alles sehen, was wir so treiben und wer Interesse hat und sich bei uns melden mag, ist sehr, sehr willkommen.

Speaker: Natürlich verlinken wir das auch und auch wenn Buchhandlungen, die uns hören, vielleicht Interesse haben, sich mal mit eurem Programm auseinanderzusetzen, auch da dicke Empfehlung an der Stelle.

Speaker: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Speaker: Ich hätte dir tatsächlich noch sehr, sehr lange zuhören können.

Speaker: Ich habe, obwohl ich so bombenvorbereitet in dieses Gespräch gegangen bin, mir noch währenddessen ganz viele Notizen gemacht, die wir alle überspringen, aber vielleicht beim nächsten Mal gerne nochmal aufgreifen.

Speaker: Sehr gerne.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Bleibt gerne noch bei uns, während Tina auch ein Buch noch dabei hat, das sie euch vorstellen möchte.

Speaker: Ich habe mir diesmal ein Buch ausgesucht, was auf der Shortlist ist.

Speaker: Es war aber ganz unbewusst auf der Shortlist, weil Thomas Meller hat ein neues Buch geschrieben.

Speaker: Und ich freue mich total für ihn, dass er es zumindest schon mal auf die Shortlist geschafft hat.

Speaker: Und ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn er auch den Buchpreis bekommt.

Speaker: Das Buch ist nichts für schwache Nerven, muss ich sagen.

Speaker: Haus zur Sonne heißt es.

Speaker: Es ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Speaker: Und

Speaker: Ich würde sagen, es ist schon ein Fortschreiben seiner bisherigen Bücher, beziehungsweise Die Welt im Rücken, denn es geht wieder um seine bipolare Störung.

Speaker: Man vermutet, es hat teilweise auch nicht nur fiktive Züge, sondern er schreibt auch aus seinem Leben.

Speaker: In Haus zur Sonne geht es darum, dass der Protagonist,

Speaker: unter schweren Depressionen und Manien leidet.

Speaker: Er hat eine bipolare Störung und möchte eigentlich sich das Leben nehmen.

Speaker: Und das Arbeitsamt bietet ihm an, im Haus zur Sonne noch einmal alles zu erleben, was er erleben möchte.

Speaker: Und es ist so eine Art Sanatorium, möchte ich fast sagen, in Brandenburg auf dem Land gelegen.

Speaker: Und es wirkt erst mal sehr steril.

Speaker: Er lernt dort verschiedene Menschen kennen, die unter ähnlichen Symptomen leiden.

Speaker: Und

Speaker: Es gibt Simulationen, in denen man sich hineinbegeben kann, natürlich aufgrund von chemischen Substanzen, in denen man die Dinge erlebt, die man gerne noch erleben möchte in seinem Leben.

Speaker: Und er selbst hat als Protagonist erstmal keine Wünsche, weil er sagt, ich möchte eigentlich gar nichts mehr erleben.

Speaker: Also ich habe keine Wünsche mehr.

Speaker: Ich möchte eigentlich nur noch einen Wunsch und das ist sterben.

Speaker: Und das können sie ihm aber nicht simulieren.

Speaker: Von daher ist er da so ein bisschen gefangen und mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten.

Speaker: Es ist

Speaker: so wie Melle auch in seinem ersten Buch sozusagen geschrieben hat.

Speaker: Es ist tief traurig, aber es ist nicht so, es platzt nicht so aus sich heraus mit seiner Traurigkeit, sondern es schwingt immer so ganz leicht mit.

Speaker: Und es ist definitiv nichts für schwache Nerven.

Speaker: Also ich habe es jetzt öfters mal wieder weggelegt, weil es mich schon arg berührt, dieser Protagonist.

Speaker: Und dennoch absolut lesenswert.

Speaker: Also ein ganz, ganz tolles Buch.

Speaker: Und ich wünsche Männer, dass ihr den Buchpreis bekommt.

Speaker: Melle und auch ein bisschen Kiwi noch, Klammer zu.

Speaker: Und wem Melle dann doch für den Moment erstmal zu schwermütig ist.

Speaker: Wir haben ja noch ein bisschen was heute gelernt.

Speaker: Wir haben Twist, wir haben die Farben der Tiere.

Speaker: Es gibt immer wieder ganz viel zu entdecken.

Speaker: Wir machen weiter.

Speaker: Für heute erst einmal Schluss.

Speaker: Vielen Dank, Corinna, dass du da warst, uns einen Einblick gegeben hast in deinen Alltag, der wirklich speziell ist und ganz, ganz toll klingt.

Speaker: Grüße nach Frankfurt.

Speaker: Wir sehen uns womöglich auch in Frankfurt auf der Messe, die ja bald ist.

Speaker: Ihr seid sogar, glaube ich, immer Standnachbarn nahezu von uns.

Speaker: Ja, das war schon auf der Fall, ja.

Speaker: Ihr seid immer in 3.1, würde ich sagen.

Speaker: 3.1?

Speaker: Oder verwechsel ich das mit Leipzig gerade?

Speaker: Leipzig.

Speaker: Also in Frankfurt seid ihr immer in der 3.1 oben.

Speaker: Da wart ihr nämlich quasi Standnachbarn von uns.

Speaker: Ich glaube, wir waren schon beides.

Speaker: Okay.

Speaker: Wir suchen euch.

Speaker: Wir werden bestimmt irgendwie über den Weg laufen.

Speaker: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, dass das geklappt hat.

Speaker: Vielen Dank fürs Zuhören.

Speaker: Vielen Dank, Tina und Andi.

Speaker: Und bis zum nächsten Mal.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Tschüss.

Speaker

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