Transcript
Speaker: Es war viel mehr ein Familienausflug daher als nur auf die Turniere fahren.
Speaker: Das war sehr nett.
Speaker: Das war wirklich ein Erlebnis, das ich glaube ich nie vergessen werde.
Speaker: Vielfalt war einfach sehr notwendig, damit ich nicht nur in einer Gruppe, in einem Bereich, in einem Gebiet bleibe und nur diese gewissen Dinge kenne.
Speaker: Wenn du die Sprache nicht kennst, dann wirst du einfach übersehen.
Speaker: Ja.
Speaker: Niemand wird was mit dir zu tun haben.
Speaker: Du wirst niemanden verstehen.
Speaker: Du wirst die Menschen einfach nicht kennenlernen und nicht verstehen, was sie wollen.
Speaker: Mike Rider Deep Talk Menschen Business Diskussionen Der Sprecher Podcast
Speaker: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge MikeRider Deep Talk.
Speaker: Bevor die Folge losgeht, noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache.
Speaker: Ich freue mich total über Nachrichten von euch, über Feedback, über Fragen an meine Gäste, über Anregungen zu neuen Themen, zu Vorschlägen für Gäste, die ihr findet, dass ich mich mal mit denen unterhalten sollte.
Speaker: Feedback, konstruktive Kritik, genau.
Speaker: Schreibt mir ein E-Mail an deeptalk at mike-rider.com oder schreibt mir auf Insta oder auf Spotify, kann man jetzt auch kommentieren oder auf YouTube, wo ihr wollt.
Speaker: Alle Nachrichten führen zu mir und ich freue mich von euch zu hören.
Speaker: Heute bei mir zu Gast ist Abbas Salih.
Speaker: Abbas, schön, dass du da bist.
Speaker: Danke dir.
Speaker: Du bist Fahrradmechatroniker und hast auch selber einen kleinen Verein gegründet im 10.
Speaker: Bezirk, wo du anderen Leuten hilfst, ihre Fahrräder selbst zu reparieren und ihnen das beibringst.
Speaker: Wir zwei kennen uns vom Kampfsport.
Speaker: Wir haben zusammen Schinergy gemacht und da auch auf ein paar Turnieren gekämpft.
Speaker: Und du hast auch 2019, war das glaube ich, bei den Amateur-Weltmeisterschaften in Bregenz die Goldmedaille geholt.
Speaker: Kickbox-Leichtkontakt.
Speaker: Aber es ist schön, dass du da bist.
Speaker: Vielen lieben Dank für die Einladung.
Speaker: Ich würde mich heute gerne ein bisschen mit dir darüber unterhalten, was das für dich bedeutet.
Speaker: Über deine Geschichte, über deine Reise hierher, aber auch über, wie es ist, selbstständig zu sein am Ende und über Sprache, über Integration und so weiter wollen wir ein bisschen sprechen.
Speaker: Danke, dass du das mit mir machen möchtest.
Speaker: Ich sage auch Danke für die Einladung hier und ich freue mich, mit dir dieses Gespräch zu führen.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: Du kommst ursprünglich aus dem Irak.
Speaker: Genau, ich bin ursprünglich in Irak geboren, in einem Gebiet, die sehr wechselhaft ist.
Speaker: Es heißt Kanakin und ein Großteil der Bewohner sind Kurden und wir sind auch eine kurdische Familie, aber es ist halt die politische Lage so komisch, dass sich einfach dieses Gebiet einmal die
Speaker: Kurdistan, das autonomes Gebiet gehört und einmal die Zentralregierung, die irakische Zentralregierung gehört.
Speaker: Ja, und bis 2015 habe ich dort gelebt und dort aufgewachsen und Ende 2015 bin ich hierher gekommen.
Speaker: Das heißt, es war wahrscheinlich auch der Auslöser, dass dieses Gebiet so umstritten war, dass du geflüchtet bist?
Speaker: Genau.
Speaker: Nach dem Sturz der Saddam Hussein-Regime war die Lage immer unstabil.
Speaker: Nachdem die USA zu uns gekommen ist, war einfach ein heftiges Krieg und haben sich auch viele Milizen gebildet von unterschiedlichen Richtungen.
Speaker: Und die Lage war bis Ende 2017, 2018 sehr, sehr schlimm.
Speaker: Und ab dann hat es angefangen, glaube ich, ein bisschen ruhiger zu werden.
Speaker: Ich weiß nicht genau, wie die Situation dort ist momentan, aber man hört von den Nachrichten, dass es ab und zu auch was los ist.
Speaker: Aber 2007, 2008, 2009 und danach der riesige Krieg gegen die IS usw.
Speaker: Das war halt einfach ein Kriegsgebiet sozusagen.
Speaker: Bist du dann alleine gekommen oder mit Familie?
Speaker: Nein, also mein Kosovo Akil wohnt auch jetzt in Wien.
Speaker: Der wurde geschossen und er hat auch eine Rückenmarkverletzung.
Speaker: Und aufgrund dessen kann er nicht mehr jetzt gehen.
Speaker: Er ist halt halb gelähmt.
Speaker: Und wir sind zur Zeit hierher gekommen.
Speaker: Du bist mit ihm hierher gekommen?
Speaker: Genau, es war auch eine sehr spannende Reise hierher, weil er nicht gehen kann und die Strecke teilweise auch unter Rollstuhl zu Fuß hierher gekommen sind.
Speaker: Okay.
Speaker: Genau.
Speaker: Wie alt warst du damals und wie alt war er, als ihr rausgegangen seid?
Speaker: Er ist genau zehn Jahre älter als ich.
Speaker: Das heißt, vor ungefähr neun oder zehn Jahren.
Speaker: Genau, ich war 20, er war 30.
Speaker: Mhm.
Speaker: Er ist auch ein sehr netter, lieber Kerl.
Speaker: Man sieht es auch nicht, dass er erst 40 ist.
Speaker: Ich glaube, er hat auch seinen Humor, einen, die sich einfach mit seinen Situationen, weil er gelähmt ist, mit dieser Art und Weise kann es sehr gut damit zurechtkommen, mit den Menschen umzugehen und so weiter.
Speaker: Weil er hat es...
Speaker: durch seine Behinderung auch noch schwerer.
Speaker: Ja, das glaube ich.
Speaker: Aber ich glaube auch, dass Humor in solchen extremen und traumatischen Situationen dann oft vielleicht die einzige Lösung ist.
Speaker: Oder manchmal sagt man ja auch, etwas ist so schlimm, ich kann fast nur noch drüber lachen.
Speaker: Und wenn man das schafft, ist es wieder nur noch halb so wild.
Speaker: Ist das ungefähr so, wie du das beschreibst?
Speaker: Genau das meine ich.
Speaker: Ich glaube, das hilft ihm auch viel psychisch.
Speaker: Möchtest du ein bisschen über die Reise erzählen, wie das war, wie ihr gekommen seid?
Speaker: Wolltet ihr ursprünglich schon nach Österreich?
Speaker: Nein, eigentlich war Österreich mir nicht einmal bekannt.
Speaker: Es war einfach eine Entscheidung heute auf morgen.
Speaker: Wir haben zwei Tage vorher darüber gesprochen, als die Situation sehr schlimm war, ob wir das überhaupt machen sollen.
Speaker: Und der Akil hat gemeint, ich glaube, das wäre eine gescheite Idee.
Speaker: Ich habe damals sogar ein Sportstudium besucht.
Speaker: Ich wollte es fertig machen.
Speaker: Es war mein letztes Jahr.
Speaker: Also ich habe es mir nie gedacht, dass ich hierher kommen werde.
Speaker: Und
Speaker: Genau, dann haben wir einfach heute auf morgen entschieden, okay, wir kaufen jetzt ein paar Sachen und wir hauen ab.
Speaker: Das zahlt sich einfach nicht mehr aus.
Speaker: Dann sind wir einfach nach Norden gefahren.
Speaker: Es gibt so nicht Sammelbusse, sondern so ähnliches.
Speaker: Man wartet, bis es halt eine Anzahl in dem Bus ist und fährt man halt Richtung die Bundesland-
Speaker: Und dann sind wir nach Suleymaniye gefahren mit dem Bus und von dort haben wir unser Ticket gekauft und weiter mit einem anderen Bus nach Türkei gefahren.
Speaker: Es hat so ungefähr 24 Stunden gedauert, die Reise nach Türkei.
Speaker: Und hattet ihr da einen Rollstuhl?
Speaker: Da hatten wir einen Rollstuhl und dann sind wir in Axrei angekommen.
Speaker: Das ist so eine Stadt in Türkei.
Speaker: Dort haben wir zwei, drei Tage nach einer Schlepper gesucht, der uns über das Meer bringt.
Speaker: Und wir haben den zweiten Tag einen gefunden, aber das Wetter war so schlecht und wir haben uns große Sorgen gemacht, dass dieser Schlauchboot nicht halten kann.
Speaker: Wir haben gesagt, okay, wir verschieben es auf einen anderen Tag.
Speaker: Dritter Tag haben wir gesagt, okay, wir machen das heute.
Speaker: Und dann haben wir der Schlepper, glaube ich, 1.300 Dollar bezahlt pro Person.
Speaker: Und der hat uns auch mit so einem Bus zu dem Strand gebracht.
Speaker: Und das hat acht Stunden gedauert.
Speaker: Das war wirklich ein Bus, der nur, glaube ich, für...
Speaker: 12 Menschen gedacht ist, waren ungefähr 30 Menschen drinnen.
Speaker: So alles übereinander, dunkle Fenster.
Speaker: Man hat nichts sehen können von außen rein.
Speaker: Und bei mir war auch so ein sehr kleines Kind, so ungefähr 4-5 Jahre alt, so ein kleiner Mädel.
Speaker: Echt?
Speaker: Ihre Mama war hinter mir, aber was so viel los war, sie hat es nicht geschafft, zu ihrer Mama zu gehen.
Speaker: Dann hat sie sich hier gesessen, dann hat sie mit ihrer Mama kommuniziert.
Speaker: Ich bin da, ich habe gesagt, ich passe auf, kein Problem.
Speaker: In den nächsten Stunden wirst du bei deiner Mama sein.
Speaker: Und sie ist dann eingeschlafen.
Speaker: Ich bin auch irgendwann eingeschlafen.
Speaker: Und dann sind wir am Strand angekommen und dort haben wir den Rollstuhl wegschmeißen müssen, weil kein Platz hatte in diesem Schlauchboot.
Speaker: Der Schlauchboot war wirklich so ungefähr zweimal sieben oder acht, so länglich.
Speaker: Und wir waren, glaube ich, 51, 52 Personen auf diesem Schlauchboot.
Speaker: Ja.
Speaker: Wow.
Speaker: Und mit Kindern, mit einem Bruder, der nicht gehen kann, mit wahrscheinlich Leuten, die eigentlich noch mehr Betreuung oder Hilfe brauchen und die auch selber nicht mithelfen können wahrscheinlich.
Speaker: Ja, also ich habe nicht gewusst, dass es so sein wird.
Speaker: Ich habe nur Videos geschaut, okay, ein paar Menschen auf ein Boot.
Speaker: Ich dachte, das ist kein Problem.
Speaker: Aber wenn man wirklich selber in der Situation ist und in diesem Schlauchboot sitzt, dann hat man einfach eine ganz andere Gefühle und Perspektive über dieses Schlauchboot.
Speaker: Die Situation für Akil Meinko war noch schlimmer, weil er halb gelähmt ist und wenn irgendwas passiert, er kann nichts machen.
Speaker: Er kann nicht gescheit schwimmen, oder?
Speaker: Gar nicht.
Speaker: Er wäre sicher gestorben, wenn das Boot untergegangen wäre.
Speaker: Ja, ich glaube, sehr wahrscheinlich auch und als armer, kleiner Kind ebenso.
Speaker: Ja, waren auch viele andere Menschen auf diesem Boot, so ältere Menschen.
Speaker: Ich glaube, ein Mann aus Iran, der hat auch nur einen Bein gehabt mit Krücken.
Speaker: Und wie lange wart ihr auf dem Boot?
Speaker: Wie lange hat das gebraucht?
Speaker: Mein Handy ist leider kaputt gegangen, dadurch ein bisschen Wasser in dieses Schlauchboot reingekommen ist.
Speaker: Es war so ein älterer Samsung-Modell und es ist sehr schnell kaputt gegangen.
Speaker: Dann habe ich nicht wissen können, welche Uhrzeit wir haben und so weiter.
Speaker: Und ich schätze, dass es über zwei Stunden war, zwei Stunden plus.
Speaker: Aber es hat sich so wie ein ewig lang gefühlt.
Speaker: Und das Schlauchboot war neu.
Speaker: Sie haben es dort ausgepackt, aufgepumpt und die Menschen auch als Hilfsarbeiter benutzt, dass sie es als den Motor tragen, zu Strand bringen, auffumpen und wirklich mit Gewalt.
Speaker: Okay.
Speaker: Ja, das musst du machen.
Speaker: Du kannst nicht Nein sagen, du bist ausgeliefert.
Speaker: Und die Motor war auch neu und es hat sich mehrere Mal ausgeschaltet, weil es einfach neu war.
Speaker: Und jedes Mal, als ich ausgeschaltet habe, hat...
Speaker: dein Herz stoppt mit, sag Gott.
Speaker: Weil die Wellen schleppen dich in eine Richtung, die du nicht haben willst und wenn das Schlauchboot einfach so quer sich stellt gegen diese Wellen, kann kippen wir derzeit.
Speaker: Ja, weil auch viel zu viele Leute drauf sind und total überladen und keine Chance, das irgendwie auszugleichen oder so.
Speaker: Genau.
Speaker: Und dann sind wir an die Insel, glaube ich, Mitalini heißt, angekommen.
Speaker: Und wir dachten, okay, das war's.
Speaker: Wir sind angekommen und der Rest geht leicht.
Speaker: Das ist eine Insel von Griechenland?
Speaker: Genau, von Griechenland.
Speaker: Wir sind dort angekommen, da sind wir weiter zu Fuß gegangen zu einem Lager, waren wirklich viele tausende Menschen dort.
Speaker: Und von dort weiterhin mit einem Bus zu einer anderen Insel, die jetzt mir die Name nicht einfällt.
Speaker: Und dort mussten wir so Unterlagen herstellen, so Fotos machen, Fingerabdrücke und so weiter.
Speaker: Und da musste man auch sehr lang warten.
Speaker: Und
Speaker: Wir hatten keinen Rollstuhl hier und ich habe öfter Akil tragen müssen und ab und zu auch auf sehr festen Untergrund hinstellen sollen und zwar heiß und das hat ihm glaube ich Dokubitus verursacht, so Wunden, weil er einfach einen harten Untergrund lang gesessen ist.
Speaker: Oh Gott, okay.
Speaker: Genau, und von dort sind wir zu dem Zentrum dieses Insel gefahren.
Speaker: Es gab so ein riesiges Schiff, zum Glück kein Schlauchboot.
Speaker: Okay.
Speaker: Und wir haben Tickets gekauft.
Speaker: Mit diesem Schiff sind wir dann nach, glaube ich, Albanien gefahren, wenn ich das noch richtig im Kopf habe.
Speaker: Und von dort dann mit Zug, mit Bus durch Serbien und dann durch Kroatien und dann Slowenien.
Speaker: Und als wir in Österreich angekommen sind, es war in Stiftmilk, glaube ich, heißt es.
Speaker: Stiftmilk, ja.
Speaker: dort ist die Situation von Akil, also die gesundheitliche Situation sehr schlimm geworden durch die Dokupitus, die Wunden, die er bekommen hat, weil er, wie gesagt, öfter auf fester Untergrund gesessen ist.
Speaker: Er hat keinen Rohstuhl gehabt und
Speaker: Da haben die Menschen auf dieser Halle, die wir dort gelandet sind, haben entschieden, dass sie jetzt Arzt anrufen, weil er war wirklich schwer krank.
Speaker: Und die Ärzte haben ihn einfach dann mit dem Rettungswagen zum Krankenhaus mitgenommen.
Speaker: Und dort wurde entschieden, dass er die Krankenhäuser nicht verlassen darf.
Speaker: Er muss dort bleiben.
Speaker: Seine Situation ist sehr kritisch.
Speaker: Okay.
Speaker: Genau, und das war dann die, das hat die Entscheidung ausgemacht, dass wir da bleiben.
Speaker: Okay.
Speaker: Weil er nicht weiter konnte.
Speaker: Nicht weiter konnte und wir wollten eigentlich nach Deutschland.
Speaker: Genau, und das war der Grund, dass wir hier geblieben sind.
Speaker: Okay, wow.
Speaker: Ja.
Speaker: Ich habe mir viele Fragen eingefallen, aber ich wollte dich nicht unterbrechen.
Speaker: So wie du das jetzt beschrieben hast, war das damals dann noch nicht so, dass es so wie ich es dann später gehört habe, dass dann alle
Speaker: entweder in Griechenland oder auf der türkischen Seite quasi festgehalten wurden und nicht weitergelassen wurden.
Speaker: Damals wart ihr noch relativ am Anfang, weil am Anfang ging es noch, soweit ich weiß, ganz okay, dass man weiterreisen durfte und nicht eben in Moria oder auf der türkischen Seite dann monatelang verbringen musste, oder?
Speaker: Oder wie lange wart ihr insgesamt?
Speaker: Ja, ich glaube, wir sind früher losgefahren und das ist, ja, ich glaube, ein Jahr später war dann die Situation so.
Speaker: Aber auf der griechischen Insel Mithilini habe ich tausende Menschen, also Flüchtlinge dort gesehen, die im Lager waren.
Speaker: sie haben auch nicht ausreisen können, ich glaube, weil sie kein Geld hatten, also finanziell ist es nicht ausgegangen, dass sie die Tickets kaufen, also das Schiff, Boostickets, also wir haben auch für die Transport bezahlt und wer es sich leisten kann, diese Transporte zu bezahlen, dann kann gehen und wer nicht, dann muss darauf warten, dass halt, weiß ich nicht, entweder von der Regierung oder wie auch immer transportiert werden.
Speaker: Okay, verstehe, verstehe.
Speaker: Und wie lange hat die Reise insgesamt gedauert, bis ihr dann in Österreich sozusagen angekommen seid?
Speaker: Ich glaube so elf oder zwölf Tage, genau, von Irak aus bis zu Österreich, ja.
Speaker: Okay, wow.
Speaker: Ja, schön, dass du da bist.
Speaker: Ich finde das immer noch.
Speaker: Also ich wusste ja schon, wir haben uns ja schon mal darüber unterhalten ein bisschen, aber das jetzt nochmal so zu hören, stimmt mich sehr nachdenklich, vor allem, was du beschreibst mit den Kindern und so.
Speaker: Ich habe selber eine kleine Tochter und dann muss ich, ich weiß nicht, ich muss mir immer sofort vorstellen, wie das wäre, wenn das meine Tochter wäre.
Speaker: Und das ist grauenvoll.
Speaker: Das ist die schlimmste Vorstellung, die ich mir vorstellen kann.
Speaker: Deswegen danke, dass du das teilst.
Speaker: Wie war das dann für dich?
Speaker: Okay, dein Cousin Akil war im Krankenhaus, war in kritischem Zustand, war aber in guten Händen, glaube ich, grundsätzlich.
Speaker: Ja, zum Glück.
Speaker: Und du bist dann einfach da geblieben und hast ihm, also du hattest ja dann auch erst mal
Speaker: sozusagen du hattest eine riesen aufgabe bis dahin nämlich ihn zu stützen und zu tragen und für ihn auch da zu sein wie war das dann für dich als er im krankenhaus war und du warst dann hier sozusagen gestrandet ohne ohne diese akute aufgabe diese diese hilfe leisten zu mir ja
Speaker: Es war so, dass ich so einen lieben Menschen getroffen habe, Anna Wach.
Speaker: Sie hat mich, weil ich dürfte nicht mit dem Rettungswagen einsteigen.
Speaker: Nur der oder die kranke Person darf auch mit dem Rettungswagen zu Kranken ausgehen.
Speaker: Dann hat sie es freiwillig angeboten, dass sie mich zu Krankenhaus bringt.
Speaker: Und als ich dort ankam und erfahren habe, dass sie hier mehrere Tage verbringen wird, vielleicht Wochen, das weiß man nicht, dann hat sie es mir angeboten, dass ich vorübergehend bei ihr zu Hause übernachten kann.
Speaker: Wirklich?
Speaker: Ja.
Speaker: Sie war sehr nett, sehr lieb und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich zufällig richtig nette Menschen getroffen habe, die mir geholfen haben.
Speaker: Ich wollte gerade fragen, wie habt ihr euch getroffen?
Speaker: Wie seid ihr zueinander gekommen?
Speaker: Also wir sind in dieser, ich glaube, das war in so einer Fußballhalle, die sie mit vielen Schlafbetten hergerichtet haben für die Flüchtlinge, die ankommen.
Speaker: Und sie hat freiwillig dort gearbeitet.
Speaker: Und dort habe ich sie kennengelernt.
Speaker: Und dann hat sie gesehen, wie die Situation ist und das hat sie dann mir angeboten.
Speaker: Sehr nett, sehr lieb und ich glaube, ich war sehr privilegiert, dass ich richtige, liebe Menschen getroffen habe, die mir auch geholfen haben, Richtung Integration, Sprache oder das meiner Verfahren und so weiter.
Speaker: Ja, da würde ich gerne auch noch mit dir drüber sprechen.
Speaker: Wie war die Sprachbarriere?
Speaker: Deutsch konntest du sicher nicht?
Speaker: Konntest du Englisch?
Speaker: Kein einziges deutsches Wort.
Speaker: Wie habt ihr euch verständigt?
Speaker: Ich habe studiert und da hatte ich nicht super gute Englischkenntnisse, aber so, dass man halt kommunizieren kann, verstehen kann, was man will und so weiter zum Verstehen gibt, was man will und so weiter.
Speaker: Genau, Englisch war unsere Kommunikationssprache.
Speaker: Ich glaube, dann hast du schon einen riesen Vorteil gehabt, weil ich kann mich erinnern, ich habe damals auch in so einem Erstaufnahmezentrum ausgeholfen, ein paar Monate, als es so richtig losging 2015 und die wenigsten konnten, also Deutsch schon gar nicht, aber Englisch zum Beispiel.
Speaker: Ja.
Speaker: Und da war...
Speaker: Da war es sozusagen manchmal sogar leichter mit Menschen aus Afrika, die Französisch konnten zum Beispiel.
Speaker: Also ich selber kann kein Französisch, aber relativ viele Leute hier können irgendwie ein bisschen Französisch zum Beispiel sich mit denen zu verständigen.
Speaker: Und dann hat man immer jemanden gesucht, der Französisch spricht, damit man sich verständigen kann oder so.
Speaker: Aber ja, also ich glaube Englisch, wenn du Englisch kannst, ist ein großer Vorteil.
Speaker: Ja, sehr vorteilhaft auf jeden Fall.
Speaker: Zum Glück.
Speaker: Okay.
Speaker: Und wie war es dann mit deinem Cousin?
Speaker: Wie lange hat er gebraucht, bis er wieder genesen war, bis er wieder aus dem Krankenhaus durfte?
Speaker: Und wie ging es dann weiter mit euch?
Speaker: Ja, ich glaube, er hat so fünf Tage bis eine Woche gebraucht, bis er sich wieder bewegen konnte.
Speaker: Und da haben wir dann die Entscheidung getroffen, okay, deine Situation ist so, du kannst, glaube ich, keine Reise mehr aushalten, dann bleiben wir einfach da.
Speaker: Und dann sind wir, ich glaube, das hat auch die Anna organisiert, dann sind wir nach Wien gekommen.
Speaker: Mhm.
Speaker: In die Krankenhaus Hitzing, glaube ich, das ist der 13.
Speaker: Bezirk.
Speaker: Genau.
Speaker: Da gibt es viele Pavillone.
Speaker: Ja.
Speaker: Und sie haben mehrere davon für die Flüchtlinge hergerichtet, aufgeteilt einfach mit vielen Betten.
Speaker: Und die Neuen, die ankommen, können sie dann dort sich aufhalten.
Speaker: Ja, dann sind wir dort gekommen und dann haben wir die nächsten Tage viele Amtswege machen müssen.
Speaker: Du wahrscheinlich hauptsächlich.
Speaker: Ja, stimmt.
Speaker: Ach, ich will wahrscheinlich noch nicht.
Speaker: Nein, ich glaube, ja, ich hauptsächlich, aber er musste auch wegen seiner Fingerabdrücke und so weiter, trotz seiner Dokubitus, müsste er auch viele Wege machen.
Speaker: Das war sehr notwendig.
Speaker: Also der Amt wird nicht nach Hause kommen und sagen.
Speaker: Klar.
Speaker: Genau.
Speaker: Dann sind wir, glaube ich, so über zwei Jahre in dieser
Speaker: Pavillon geblieben.
Speaker: Wirklich?
Speaker: So lang?
Speaker: Ja.
Speaker: Aber das war dann nicht nur sozusagen für Krankenhaus oder weil dein Cousin so lange krank war, sondern das war eine... Nein, nein, nein, das war ganz normal.
Speaker: Die Verfahren dauern einfach sehr lang.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Und unser hat auch sehr lang gedauert.
Speaker: Und zuerst waren wir auch, ich habe sogar Fotos, wir waren in Zimmern, wo wirklich zehn Menschen in einem Zimmer waren.
Speaker: So einen Raum so groß wie hier.
Speaker: So ungefähr 15, 20 Quadratmeter.
Speaker: Und dann nachher haben wir so eine
Speaker: andere Zimmer bekommen mit sechs Personen und dann irgendwann waren wir zu zweit, weil Menschen sind, also die dort gewohnt haben, haben eine andere Unterkunftsmöglichkeit bekommen oder positiver Asylbescheid und dann sind immer weniger worden und als mehr Räume zur Verfügung gab, dann haben wir dann zu zweit wohnen können in einem Zimmer.
Speaker: Das war sehr erleichternd.
Speaker: Das glaube ich dir, ja.
Speaker: Ich meine, ich weiß jetzt nicht, wie lange es so gedauert hat, bis ihr zumindest zu zweit einen Raum für euch hattet, was ihr nach so einer Reise und so einem extremen Erlebnis mit dem kritischen Zustand von deinem Cousin und so weiter
Speaker: Da braucht man ja auch ein bisschen Ruhe und Zeit für sich und das irgendwie zu verarbeiten.
Speaker: Wie ging es dir mit diesem ganzen Amtsprozess, mit dem Asylantrag?
Speaker: Hattest du das Gefühl, dass dir vielleicht jemand geholfen hat
Speaker: Oder es jemand gut mit dir gemeint hat oder eher das Gefühl, dass man dir Steine in den Weg gelegt hat oder das nicht so gerne gemacht hat?
Speaker: Wie war das für dich in deinem?
Speaker: würde ich sagen, sehr mühsam, sehr anstrengend, wie die Verfahren sind.
Speaker: Es dauert ewig lang, du musst wirklich jahrelang warten, bis du halt ein Interview bekommen kannst und dann nachher Monate oder vielleicht über ein Jahr auf eine Antwort warten.
Speaker: Und in dieser Zeit darfst du wirklich
Speaker: nichts machen.
Speaker: Du hast keine Arbeitserlaubnis.
Speaker: Du darfst keine Ausbildung machen oder irgendeine Weiterbildung und was auch immer.
Speaker: Nicht einmal mein Studium, das ich gemacht habe, neues zertifizieren lassen.
Speaker: Das geht nicht.
Speaker: Was man machen kann, ist freiwillige Arbeit in den Garten, in diese Krankenhausgaben auch motivierte ältere Menschen, die gerne auch so den Garten gepflegt haben, Pflanzen einsetzen und so weiter.
Speaker: Mhm.
Speaker: Ähm.
Speaker: Zu meiner Zeit, als ich dort war, war es so, ich glaube, jetzt schaut es ein bisschen anderes aus.
Speaker: Jetzt dürfen sie halt, glaube ich, auch so in soziale Projekte engagiert werden, zum Glück, was auch eigentlich sehr hilft, um die Menschen einfach zu integrieren, weil nur Sprachkurse hilft nicht, wenn du etwas lernst und nie anwendest.
Speaker: Aber Sprachkurse dürftest du schon machen, oder?
Speaker: Sprachkurse habe ich nach acht Monaten bekommen von Diakonie.
Speaker: Ich glaube, damals weiß ich nicht, das Projekt war auch neu.
Speaker: Und da habe ich 14 Monate Deutschkurse machen können bis B2.
Speaker: Und dann nachher gab das Gesetz von der Herr Kurz, dass man für die Deutschkurser bezahlen muss.
Speaker: Dann bin ich da ausgestiegen.
Speaker: Ich erinnere mich, woher sollst du es auch nehmen?
Speaker: Und ich wollte noch etwas anderes sagen zu dem Ja.
Speaker: Es stimmt, man darf jetzt auch bei sozialen Sachen mithelfen, auch wenn man noch keine Arbeitserlaubnis hat, aber trotzdem nur für ein Taschengeld.
Speaker: Man darf trotzdem nur, ich glaube, 100 oder 150 Euro im Monat verdienen, egal wie viel man macht, wie viel man mithilft.
Speaker: Und das finde ich schon, ehrlich gesagt, eine Schweinerei, weil zumindest geringfügig sollte man bezahlt werden können.
Speaker: Was willst du mit 100 Euro im Monat machen?
Speaker: Mit 500 Euro kannst du schon mehr machen oder 550, wenn du eh, also wenn du so viel dann arbeitest.
Speaker: Aber das wollte ich noch ergänzen zu, es ist
Speaker: glaube ich, total wichtig, dass man eine Aufgabe hat, aber es ist nicht fair, dass die dann mit 100 Euro im Monat, oder 150, glaube ich, sind bezahlt.
Speaker: Ich finde es auch moralisch gesehen sehr schlimm, nicht fair.
Speaker: Ich glaube, man kann auch
Speaker: sie als Arbeitskraft benutzen.
Speaker: Es gibt so viele Jobs, wo man wirklich nicht so ein hohes Deutschniveau braucht.
Speaker: In Lager Schachteln verpacken, Putzkraft, Gartenarbeit.
Speaker: Es ist vieles klar.
Speaker: Viele beschweren sich
Speaker: Die sind eine Belastung für uns.
Speaker: Sie nehmen viel Geld von unserer Steuer, von unserem Steuergeld.
Speaker: Und ja, dann ist es leichter einfach die Schuld schieben auf eine Gruppe, sie als Sündenbock benutzen.
Speaker: aber auch keine Lösung dafür finden.
Speaker: Ich finde, dass es eigentlich viele Lösungen gibt.
Speaker: Aber sie umzusetzen wäre ein wichtiger Punkt, weil dann sind sie nicht mehr, sie beziehen nicht mehr soziale Hilfe, sondern sie zahlen auch Steuer, wenn sie arbeiten.
Speaker: Ja, und sie haben auch wirklich eine Aufgabe und etwas, wofür es sich lohnt, aufzustehen und die Sprache zu lernen und teilzunehmen am Leben.
Speaker: Ich kann mich erinnern, wir hatten meine Freundin, ich hatte meine Patenschaft von einem Jugendlichen aus Afghanistan und der hat, als er dann den subsidiären Schutz bekommen hat,
Speaker: durfte er dann endlich was machen.
Speaker: Und der hat sich so gefreut, das klingt so bescheuert, aber man hat richtig gemerkt, wie dankbar, jetzt endlich kann ich auf die Berufsschule gehen, eine Ausbildung machen und zum Friseur irgendwas machen, irgendwas Sinnvolles mit seinem ganzen Tag, weil du hockst da rum.
Speaker: Der war 18, 19 und konnte
Speaker: Duhockster, der war auch gekommen, war er glaube ich mit 13 oder 14 und hat so lange gedauert, fünf Jahre oder so, bis er den bekommen hat, den Subsidiaritätschutz, ewig.
Speaker: Und erst dann konnte er was anfangen mit seinem Tag und natürlich
Speaker: Wenn du ein Jugendlicher bist mit 18 und nichts machen darfst, na ja, natürlich kommst du dann auf blöde Ideen irgendwann.
Speaker: Natürlich hängst du dann an irgendwelche Bushaltestellen rum oder beginnst dann, weiß ich nicht, Dummheiten zu machen und so.
Speaker: Aber wenn du eine Aufgabe hast, wenn du auch eine gewisse Wertschätzung erfährst, egal ob durch Geld oder durch soziale Anerkennung, cool, du machst da jetzt auch mit, du hilfst, was auch immer, im Altenheim mit oder bei dem, wie du das beschrieben hast, dann ist das ja eine ganz andere Voraussetzung.
Speaker: Dann habe ich überhaupt gar nicht das Bedürfnis, irgendeinen Scheiß zu bauen.
Speaker: Oder viel, viel weniger vielleicht, oder?
Speaker: Ich bin total deiner Meinung.
Speaker: Ich glaube einfach, dieses Ausschließen von der Gesellschaft und nichts machen lassen, auch indirekt mitzubekommen, okay, ich bin daher schlecht gestellt, ich bin der Böse, ich
Speaker: wenn irgendwas passiert, sind immer die Flüchtlinge, die sind immer die Ausländer.
Speaker: Ich glaube, dass es so einen Einfluss auf die Psyche hat und wo man einfach, keine Ahnung, vielleicht als Jugendlicher keinen Bock mehr hat, irgendwas aufzubauen, einen Job oder eine Ausbildung und so weiter.
Speaker: Ich habe kein Asyl bekommen, keinen Subsidierschutz.
Speaker: Ich glaube, das hat so ungefähr vier Jahre lang gedauert bei mir oder vielleicht dreieinhalb.
Speaker: Wie gesagt, ich war wirklich privilegiert, dass sich viele nette Menschen geholfen haben und an unterschiedlichen Projekten teilnehmen durften.
Speaker: So wie die TU-Projekte, das war so Open Marks und die Menschen waren alle dort freiwillig.
Speaker: Viele Studentinnen von der TU waren dort, sie haben so einen schönen Ort gebaut, jetzt existiert leider nicht mehr.
Speaker: Dort haben sich viele Menschen getroffen aus unterschiedlichen Richtungen, Studentinnen, Flüchtlinge und so weiter und sie haben was unternommen.
Speaker: Und es gab auch so ein kleines Fahrradwerkstatt.
Speaker: Und dort hat angefangen die Fahrradgeschichte mit mir.
Speaker: Und dort habe ich den Giga getroffen, der Grigori Kuklin.
Speaker: Er hat jetzt eine Fahrradwerkstatt im 10.
Speaker: Ja, dort habe ich angefangen halt mit dem Fahrrad basteln und halt mit den Menschen, also unter die Menschen kommen und so weiter.
Speaker: Und ja, und das hat mir alles, glaube ich, viel geholfen.
Speaker: Stimmt, ich wollte dich eh fragen, das habe ich auch am Anfang vergessen zu erwähnen.
Speaker: Du bist Fahrradmechatroniker, du arbeitest in einer Fahrradwerkstatt und wollte ich dich fragen, wie du dazu gekommen bist, weil ich auch weiß, du warst auch mal Fahrradlehrer, hast sozusagen Kindern oder Menschen Fahrradfahren beigebracht und ich weiß, du hast auch eine kleine Werkstatt selber noch gegründet, wo du
Speaker: Genau, das ist die Bastelwerkstatt im Zehnten, so einen kleinen Keller, mit der Idee, dass auch Menschen dort kommen können, auch selber reparieren oder lernen, wie man was, die Kleinigkeiten macht, Bremsbeläger tauschen, Seiltauschen und so weiter.
Speaker: Ich habe als Kleiner, glaube ich, zwei Jahre lang in einer Werkstatt gearbeitet mit einem älteren Herr, immer nach der Schule.
Speaker: Und dort habe ich nur Schlauch picken dürfen.
Speaker: Dann habe ich immer für jedes Schlauchpicken so ungefähr einen Euro bekommen, wenn man es umrechnet.
Speaker: Und da habe ich so ein bisschen Ahnung gehabt vom Fahrrad und so weiter.
Speaker: Im Irak aber jetzt sozusagen?
Speaker: Genau, im Irak, als ich klein war.
Speaker: Ich glaube, Kinderarbeit ist dort erlaubt.
Speaker: Und ich habe immer die Gelegenheit genutzt, nach der Schule irgendwas zu machen.
Speaker: Ich habe viele unterschiedliche Jobs gemacht für mein Alter.
Speaker: Mhm.
Speaker: Und darunter auch das Fahrradwerkstatt.
Speaker: Genau, da habe ich so ein bisschen Ahnung gehabt vom Fahrräder.
Speaker: Und als ich in die Open Marks war, dann habe ich halt ein bisschen viel mehr gelernt.
Speaker: Mit der Hilfe von den Menschen, die auch dort waren, die mir erklären könnten, die Begriffe, was das heißt, wie man was nennt und was Teil das macht und so weiter.
Speaker: Natürlich.
Speaker: Und ja, ich war auch in sehr unterschiedlichen Babeln unterwegs.
Speaker: Und das war sehr hilfreich, dass ich auch sehr viele verschiedene Menschen und Gruppen kenne,
Speaker: Und das kommt zu einer Vielfalt.
Speaker: Ja.
Speaker: Genau.
Speaker: Aber erzähl vielleicht noch kurz, bevor wir es vergessen, du hast keinen subsidiären Schutz bekommen.
Speaker: Nein, also ich habe nichts bekommen.
Speaker: Meine Geschichte war nicht glaubwürdig.
Speaker: Okay.
Speaker: Und der von meinem Cousin auch ebenso nicht.
Speaker: Wirklich?
Speaker: Der man deutlich sehen kann, dass er wirklich eine Kugel ihm getroffen hat.
Speaker: Er hat eine Wagenoperation gehabt.
Speaker: Er ist gelähmt.
Speaker: Er ist gelähmt.
Speaker: Ich weiß es nicht, wie das sie beschrieben haben, aber auf jeden Fall, es war so, dass sie gemeint haben, okay, meine Geschichte ist nicht glaubwürdig.
Speaker: Mein Papa wurde ermordet.
Speaker: Er war Polizist.
Speaker: Ich habe sogar Unterlagen mitgehabt als Beweis.
Speaker: Und bei Aikil war es so, dass er auch zweimal negativer Asylbescheid bekommen hat.
Speaker: Und zum Schluss in Linz hat eine humanitäre Bescheid bekommen wegen seiner Lage, wegen seiner gesundheitlichen Situation.
Speaker: Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ist das weniger oder mehr wert als Subsidiererschutz?
Speaker: Wie kann man das vergleichen?
Speaker: Ich kenne mich auch nicht sehr gut aus, wie das ist, aber die sind auch sehr unterschiedlich.
Speaker: Es gibt auch die Rot-Weiß-Rot-Karte.
Speaker: Das bekommst du nur, wenn du ein Jobangebot bekommst.
Speaker: Dann hast du die Subsidiarien-Schutz.
Speaker: Dann gibt es noch eine andere Aufwandart-Karte, wo du jedes drittes Jahr deine Situation überprüfen lassen sollst und kriegst du es entweder neu oder nicht.
Speaker: Und dann gibt es die Fünfjährige.
Speaker: Ich weiß nicht, wie man das nennt, aber jeder fünfte Jahr muss man auch zu einer Aktualisierung oder Erneuerung, die auf den Datenscharten gehen sollen.
Speaker: Dass die Behörden das nochmal deine Situation anschauen.
Speaker: Ich glaube, das ist dann wirklich vollwertiges Asyl.
Speaker: Genau.
Speaker: Positives und subsidiärer Schutz ist.
Speaker: in Anführungszeichen weniger wert.
Speaker: Man muss öfter kommen zum Überprüfen.
Speaker: Einmal im Jahr.
Speaker: Genau, einmal im Jahr.
Speaker: Und das hat jetzt der Aki, ich glaube, er hat es bekommen aufgrund seiner Situation, humanitärer Asyl oder humanitärer Bescheid.
Speaker: Ich weiß nicht, wie man das genau nennt.
Speaker: Und er geht einmal im Jahr um das zu erneuern.
Speaker: Und dann wird eine neue Entscheidung getroffen.
Speaker: Okay, wird es verlängert oder nicht?
Speaker: Ist die Situation noch so?
Speaker: Geht es ihm noch so, dass er das braucht?
Speaker: Ich glaube, seine Situation kann sich eh nicht verändern.
Speaker: Nein, natürlich, das ist ja das Absurde.
Speaker: Aber sie haben endlich entscheiden können, dass er seinen Behinderungsausweis fristlos herstellen kann, weil seine Situation eh nicht sich verändern kann.
Speaker: Wirklich?
Speaker: Ja, das war so vorteilhaft.
Speaker: Jetzt?
Speaker: Nach zehn Jahren?
Speaker: Das ist eine sehr lange Überprüfung.
Speaker: Muss man halt überprüfen, anschauen.
Speaker: Ob er nicht vielleicht doch wieder geht.
Speaker: Ob er nicht vielleicht doch wieder plötzlich anfängt, Bodenturnen zu machen mit seiner Lähmung.
Speaker: Diese Bürokratiesachen sind auch wirklich sehr mühsam und kosten dir sehr viel Kraft.
Speaker: Wenn man auch die Sprache nicht gut kennt und hier neu ist, dann hat man viel weniger Ahnung davon.
Speaker: Und bei mir war auch die gleiche Situation.
Speaker: Ich fühle mich auch ausgeliefert.
Speaker: Okay, ich muss zu diesem Termin, was dort stattfinden wird, keine Ahnung, aber ich muss dorthin.
Speaker: Als ich auch in Krankenhaus Hitzing angekommen bin, ich hatte kein Handy,
Speaker: Dort ist auch ein gezaunter Ort.
Speaker: Viele Pavillone sind in der Mitte und es gibt keinen Supermarkt oder sehr wenige Möglichkeiten.
Speaker: Nicht einmal ein Fußballfeld usw.
Speaker: Es gibt nur bestimmte Dinge, die du machen kannst.
Speaker: Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mich orientieren konnte,
Speaker: Ich habe kein GPS, keine Navigation, kein Handy, bis ich mich getraut habe, einfach herumzulaufen.
Speaker: Ich wusste nicht, wie die Öffis funktionieren, wann soll man ein Ticket kaufen und so weiter.
Speaker: Ja, das hat sehr lange gedauert, bis ich wirklich verstanden habe, okay, ich bin da, ich bin hier angekommen, diese Möglichkeiten besteht, ich kann mich so weit bewegen.
Speaker: Ja, es ist sehr beschränkend.
Speaker: Das glaube ich dir.
Speaker: Und
Speaker: Wie ist deine Situation jetzt, wenn ich fragen darf, mit Aufenthaltsstatus?
Speaker: Ich habe zum Glück, wie gesagt, ich habe immer Liebe richtiger Menschen getroffen.
Speaker: Als ich angekommen bin in Hitsink, zwei Tage nachher,
Speaker: Wir haben nach einem Polster gesucht für Akil, weil er Ducubitus hatte und er brauchte so einen weichen medizinischen Polster für seinen Ruhestuhl, damit die Wunden sich nicht verschlimmern.
Speaker: Und dann hat sich die Julia gemeldet, freiwillig.
Speaker: Sie ist jetzt meine Partnerin.
Speaker: Und zwei Tage nachher hat sie die Polster vorbeigebracht und
Speaker: Und so haben wir uns kennengelernt und dann hat sie mir vorgeschlagen, als ich die negative Asylbescheid bekommen habe, dass wir standzamtlich heiraten.
Speaker: Das ist aber nett von dir.
Speaker: Ja, super nett.
Speaker: Aber ihr wart schon zusammen?
Speaker: Ja.
Speaker: Also ihr habt schon eine Beziehung gehabt, das war jetzt nicht... Genau.
Speaker: Wie gesagt, zweiter Tag nachdem wir angekommen sind, haben wir uns kennengelernt.
Speaker: Und wir haben viele Amtswege gemeinsam für die Asylverfahren gemeinsam gemacht.
Speaker: Sie war auch dabei bei meiner Interview, wo ich die negative Asylbescheid bekommen habe.
Speaker: Mhm.
Speaker: Ja, und dann hat sie gemeint, okay, das erleichtert unser Leben.
Speaker: Wir machen das jetzt.
Speaker: Und es war kein leichtes Verfahren.
Speaker: Es war so mühsam.
Speaker: Es hat ihr so viel Kraft und Zeit und Geld gekostet.
Speaker: Überhaupt nicht.
Speaker: Damit ich diese Aufenthaltskarte bekommen kann, müsste sie
Speaker: extra nach Ausland reisen und vier Monate sich in einem EU-Land aufhalten, damit ich diese Aufenthaltskarte bekommen darf.
Speaker: Sie musste ausreisen?
Speaker: Sie musste ausreisen.
Speaker: Das ist die EU-Aufenthaltskarte.
Speaker: Und das sind die Voraussetzungen.
Speaker: Die Partner oder Partnerin muss sich vier Monate lang in einem EU-Land... Also, dass ihr geheiratet habt, hat nicht gereicht, dass du da bleiben darfst?
Speaker: Nein, also die Heirat alleine ist nicht ausreichend.
Speaker: Das ist ja so ein Klischee, was man eigentlich denkt oder hört, dass wenn man heiratet, darf man eher hierbleiben oder so.
Speaker: Ja, es ist trotzdem ein sehr langes Verfahren.
Speaker: Also heiraten alleine ist nicht nur genug, um ein Aufenthaltserlaubnis hier zu bekommen.
Speaker: Du musst halt auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um diese Karte zu beantragen dürfen.
Speaker: Und dann dauert es sechs Monate, bis du die Aufenthaltskarte bekommen kannst.
Speaker: Und es war auch so, dass ich meinen Reisepass bei den EMA-Bus
Speaker: 48 abgegeben habe und ich habe es gebraucht, damit ich bei dem Standesamt den Heiratantrag abschließen darf.
Speaker: Und dann nachher dafür, dass ich die Aufenthaltskarte bekommen kann, bräuchte ich meinen Reisepass.
Speaker: Und sie haben es verweigert, den Reisepass zurückzugeben.
Speaker: Und dann wurde behauptet, dass es verloren gegangen ist.
Speaker: Dann sind wir wirklich hin und her gelaufen die ganze Zeit, wo es dieser Reisepass.
Speaker: Unglaublich.
Speaker: Und ja, es war einfach nicht glaubwürdig, dass es verloren war.
Speaker: Es war tatsächlich klar, sie wollen es einfach nicht zurückgeben.
Speaker: Dann haben wir es schließlich bei der Thalistraße, dort gibt es auch ein Amthaus, dort bekommen dürften, weil die Aufenthaltskarte alleine reicht nicht, du brauchst auch einen Reisepass dazu.
Speaker: Okay, Wahnsinn.
Speaker: Es ist ein ewig langer Weg und überhaupt nicht einfach, wie viele sich vorstellen.
Speaker: Ja, das glaube ich dir.
Speaker: Nein, das klingt auch wirklich unfassbar anstrengend.
Speaker: Aber jetzt, seit ihr das abgeschlossen habt, könnte man eigentlich meinen, jetzt ist alles gut, aber ich kann mich erinnern, letztes Jahr hast du mir erzählt, dass es doch nochmal auf der Kippe stand und dass es doch nochmal nicht so klar war, ob du noch bleiben darfst.
Speaker: Ich glaube, vielleicht habe ich das nicht gut formuliert.
Speaker: Ich habe einen Antrag auf die Österreich-Staatbürgerschaft gestellt.
Speaker: Seit fünf Jahren.
Speaker: Das ist auch eine
Speaker: ewig langer Weg und wirklich sehr mühsam.
Speaker: Das ist mein dritter Antrag.
Speaker: Wirklich schon?
Speaker: Genau.
Speaker: Okay.
Speaker: Und mein erster Antrag war wegen meiner sportlichen Leistung, weil ich einmal die Weltmeisterschaft gewonnen habe.
Speaker: Ja, da müssen wir auch noch drüber reden.
Speaker: Ja, sehr gerne.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Und man kann auch einen Antrag aufgrund der sportlichen Leistung einen Antrag stellen.
Speaker: Mhm.
Speaker: Und ich habe es jetzt vor sechs Monaten mitbekommen, okay, der erste Antrag ist verloren gegangen.
Speaker: Dann wurde ohne meine Wissen ein neuer Antrag gemacht, zwei Jahre nachher.
Speaker: Und dieser Antrag wurde auch abgelehnt, weil meine Leistung war nicht genug.
Speaker: Weltmeister sein ist nicht genug.
Speaker: Es war nicht genug.
Speaker: Sportliche Leistung ist nicht genug.
Speaker: Also sportliche Leistung an sich.
Speaker: Genau, das hat zweieinhalb Jahre gedauert.
Speaker: Dazwischen wurde mir vorgeworfen, ich habe eine Deliktstrafe, ich habe meine Tochter nicht angeschlagen beim Autofahren, ich habe keine Tochter, ich muss es beweisen, dass ich keine Tochter habe.
Speaker: Was?
Speaker: Und so weiter.
Speaker: Das ist ja total absurd.
Speaker: Ja, das ist total absurd.
Speaker: Willst du beweisen, dass du keine Tochter hast?
Speaker: Weiß ich nicht.
Speaker: Das war auch so eine anstrengende Geschichte.
Speaker: Und ich müsste einfach zeigen, ich war wirklich nicht dieser Person.
Speaker: Ich habe keinen Führerschein.
Speaker: Ich habe keine Tochter.
Speaker: Ihr könnt es überprüfen, wann ich Führerschein bekommen habe.
Speaker: Unglaublich.
Speaker: Diese Delitzstrafen gehören mir nicht.
Speaker: Mhm.
Speaker: Genau, und dann wurde nochmal überprüft und bestätigt, das stimmt, das war ein Fehler von unserer Seite.
Speaker: Aber dann wurde schließlich abgelehnt, weil die Leistung nicht genug war.
Speaker: Jetzt habe ich vor einem Jahr einen neuen Antrag gestellt, weil ich schon so lange da bin.
Speaker: Und man hat recht nach sechs Jahren einen Antrag auf die österreichische Stadtbürgerschaft stellen.
Speaker: Ich erfülle alle Voraussetzungen.
Speaker: Es ist zwischen drei Jahren Vollzeitarbeiten.
Speaker: eine Wohnung besitzen, wo ausreichend ist für dich und deine Partnerin, falls du auch Kinder hast.
Speaker: Und in dieser Zeit nicht ausgereist haben aus Österreich, musst du sozial versichert sein, durchgehen und so weiter.
Speaker: Und wenn man das alles hat, dann darf man einen Antrag stellen.
Speaker: Und gesetzlich gesehen, dass dieser Antrag nicht länger als sechs Monate dauern darf, aber es gibt Hunderte, Tausende, die wirklich jahrelange dauern.
Speaker: Du warst dir nicht sicher, ob du dann wirklich die Staatsbürgerschaft bekommst und dann dauerhaft und keine Rechtfertigungen und keine Schikanen mehr ertragen musst.
Speaker: Ja, das macht wirklich einen großen Unterschied, wenn du einfach
Speaker: Reisepass hast, dann bist du gleichgestellt wie alle anderen, hoffentlich.
Speaker: Dann wärst du, sorry, wenn ich das so bescheuert sage, aber dann dürftest du sogar mehr als ich, dann dürftest du nämlich hier wählen.
Speaker: Genau, das stimmt.
Speaker: Ich darf hier ja nicht mal wählen.
Speaker: Aber egal, ich will mich jetzt überhaupt nicht beschweren, das ist jetzt für Elefants dagegen.
Speaker: Aber theoretisch, ja, dann hast du volle Rechte eines
Speaker: wie jemand, der hier geboren ist theoretisch.
Speaker: Genau, ich lebe und arbeite hier und ich habe auch Recht darauf einen Antrag zu stellen, also auf die Österreichs Stadbüberschaft.
Speaker: Ich habe jetzt eine Daueraufenthaltkarte, das habe ich auch aktualisiert.
Speaker: Fünf Jahre nachher darf man auch eine Daueraufenthaltkarte beantragen, das habe ich bekommen zum Glück.
Speaker: Es kann nichts passieren.
Speaker: Aber natürlich, wenn man als Bürger bezeichnet wird und einen Pass hat, dann hat man auch viele andere Vorteile, wie zum Beispiel wählen.
Speaker: Also ich darf nicht wählen.
Speaker: Und das wäre auch nicht so unwichtig.
Speaker: Ja, total.
Speaker: Na, absolut.
Speaker: Und wo steht das Verfahren jetzt?
Speaker: Wie schaut es da gerade aus?
Speaker: Ich glaube, das wird auch sehr ewig lang dauern, aber ich habe alle erforderlichen Unterlagen abgegeben und zum Schluss habe ich ein paar E-Mails bekommen.
Speaker: Warum habe ich damals in dieser Adresse gewohnt?
Speaker: Warum gibt es eine Nebenwohnsitzung?
Speaker: Und so weiter.
Speaker: Das habe ich beantwortet, aber es wird
Speaker: weiter so laufen, bis es eine Entscheidung getroffen wird.
Speaker: Ja oder nein.
Speaker: Ich habe die Prüfung gemacht.
Speaker: Es gibt auch so eine Prüfung.
Speaker: Neben den B2 Deutschkenntnissen musst du es auch vorweisen, dass du diese Niveau eine Prüfung gemacht hast und bestanden hast.
Speaker: Aber dann gibt es auch einen Test für die Staatsbürgerschaft.
Speaker: Und diese Teste habe ich gemacht, voller Punkte abgegeben, aber muss man halt warten.
Speaker: Lass uns vielleicht ein bisschen über die Zeit beim Shinneji reden, wo wir uns auch kennengelernt haben.
Speaker: Wie bist du dazu gekommen?
Speaker: Also für alle, die das jetzt vielleicht nicht wissen, Shinneji ist ein Kampfsport, eine Mischung aus Taekwondo und Kickboxen und so ein bisschen allgemeiner Selbstverteidigung, oder?
Speaker: Was der Ronny selbst entwickelt hat, sozusagen der Ronny Cockert.
Speaker: Genau, also ich hatte wirklich nie in meinem Leben ein großes Interesse an Kampfsport.
Speaker: Ich habe Sport studiert, ich kenne viele Sportarten, aber Kickboxen und Kampfkunst war für mich einfach, habe ich keinen Bock.
Speaker: Ich will das nicht.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Und ich hatte Geburtstag, ich glaube, es war meine 21. oder 22.
Speaker: Ich glaube, das war die 22.
Speaker: Geburtstagsjahr.
Speaker: Da habe ich dann einen Geschenk bekommen von Anna und Julia und Irina.
Speaker: Ich habe sie kennengelernt, wie gesagt, die Anna habe ich kennengelernt in Stiftmelk.
Speaker: Und Julia war meine Partnerin und Irina war Sendet und lieb.
Speaker: Sie hat ab und zu mit mir halt auch freiwillig und privat Deutsch geübt.
Speaker: Sie ist wirklich zu uns gekommen.
Speaker: Sie hat in der Pilgrimgasse gewohnt, sie ist extra nach Hitze gekommen und hat auch Zetteln und jede Menge Lernmaterialien gehabt für Deutsch, als ich noch keinen Deutschkurs hatte.
Speaker: Und dann haben sie mir einen Gutschein geschenkt.
Speaker: Es war so ein Ticket, den man einlösen kann.
Speaker: Dann habe ich einfach Kickboxen ausprobiert mit Julia.
Speaker: Und
Speaker: Und dann habe ich zwei, dreimal gemacht und gesagt, cool, das gefällt mir.
Speaker: Das finde ich super, weil ich habe auch was Bewegliches gebraucht.
Speaker: Ich habe intensiv Sport getrieben vorher und jetzt gar nichts.
Speaker: Und das war, ja, ich war auch 22, ich habe das irgendwie gebraucht.
Speaker: Ich sage, das gefällt mir, Julia.
Speaker: Und das war schon beim Shinergy?
Speaker: Oder war das noch woanders?
Speaker: Nein, das war woanders.
Speaker: Julia hat es mir erzählt, es gibt einen Verein Shinergy und dort gibt es auch ein Team, das heißt Freedom Fighters und das macht der Ronny Cockert.
Speaker: Und das ist kostenlos, kannst du einmal, zweimal die Woche dort hingehen und trainieren.
Speaker: Genau, zur Erklärung vielleicht.
Speaker: Die Freedom Fighters hat der Ronny gegründet für Geflüchtete als Ort, wo man sein kann, wo man sich mit anderen treffen kann und zusammen Kampfsport üben kann.
Speaker: eben als als soziale oder oder integrative Maßnahme sozusagen, weil wenn du dann schon ein bisschen länger dabei warst bei den Freedom Fighters, dürftest du auch ins normale Training sozusagen.
Speaker: Da haben wir uns dann im Endeffekt kennengelernt.
Speaker: Es gab so eigene Stunden, zweimal die Woche, glaube ich, wo man kostenlos trainieren konnte, wenn man eben geflüchtet war.
Speaker: Und du warst dann schon ein bisschen länger dabei und warst dann auch im normalen Training, hast auch die Kinder unterrichtet dann später.
Speaker: Ich weiß, meine Tochter erinnert sich heute noch sehr gerne daran.
Speaker: Das hat ja sehr großen Spaß gemacht.
Speaker: Geekbox-Training.
Speaker: Genau.
Speaker: Also das war sozusagen die... Die Friedensweitergeschichte.
Speaker: Ja.
Speaker: Genau, dann bin ich einfach dorthin gekommen und der Ronny hat es mir erklärt, wie es da abläuft.
Speaker: Und da waren wirklich viele verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Gegenden zur Friedensfeitergruppe gekommen.
Speaker: Es waren auch teilweise Einheimische, die auch gerne nur trainiert haben mit dem Friedensfeiter, weil sie es einfach gut gefunden haben oder ihnen gefallen hat.
Speaker: Genau, und das war sehr gut.
Speaker: Also ich meine, was beweglich ist und gleichzeitig lernst du viele Vokabeln durch Trainer oder die anderen Teilnehmerinnen und das hat mir sehr geholfen.
Speaker: Und...
Speaker: habe ich, glaube ich, so ungefähr acht Monate lang, sechs Monate lang durchgehend trainiert.
Speaker: Und die Ronny hat es mir dann angeboten, okay, da gibt es wirklich auch Turniere, Startmeisterschaft in Wels, glaube ich.
Speaker: Wenn er nicht mag, könnte ich gerne ausprobieren.
Speaker: Dann habe ich ja dann einfach ja dazu gesagt, ich wollte irgendwas machen und
Speaker: Das war ein sehr toller Angebot, wo ich nicht Nein sagen könnte.
Speaker: Okay, cool.
Speaker: Staatmeisterschaft.
Speaker: Da habe ich dann gekämpft und habe ich, glaube ich, dann auch gewonnen.
Speaker: Einmal Silber, einmal Gold.
Speaker: Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, das war 2018.
Speaker: Dann nachher habe ich dann mehr trainiert, als ich so die Basis von Shinaji beherrschen könnte.
Speaker: Dann gibt es, wie du weißt, Shinaji 2 für die Vorartgestrittene.
Speaker: Dann habe ich dann intensiver trainiert, so drei, vier Mal die Woche.
Speaker: Mhm.
Speaker: Und irgendwann hat der großzügige Ronny es mir erlaubt, auch dort das kurz zu besuchen.
Speaker: Es gab so eine einjährige Ausbildung.
Speaker: Zum Trainer.
Speaker: Als Trainer für Shinaji.
Speaker: Dann habe ich das auch besuchen können.
Speaker: Dann in der Mitte wurde unterbrochen, weil Corona gekommen ist und es war dann schwer.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, und nachher habe ich dann auch Familien, also Shinichi Family unterrichten können.
Speaker: Das ist so eine Mischung von bestimmten Trainings für Kinder und auch Eltern, falls sie mitmachen wollen.
Speaker: Genau, da war ich auch immer wieder.
Speaker: als eigentlich technisch und so weiter was lernen.
Speaker: Wird auch minimal so ein bisschen weitergegeben, aber die Kinder sind so klein, so drei, vier Jahre.
Speaker: Man kann auch nicht wirklich kampfschwarz beibringen.
Speaker: Es soll eigentlich viel mehr Spaß machen und Zeit mit Eltern verbringen.
Speaker: Genau, dann habe ich die Shinichi 2 gemacht und dann irgendwann habe ich nur Vertretungen gemacht.
Speaker: Das war auch so eine sehr gute
Speaker: es war sehr gut für den Aufstieg, oder wie sagt man das, dass ich einfach schrittweise unterrichten dürfte, zuerst eigentlich Familien und dann Jugendliche und dann Sommercamps, dann irgendwann habe ich auch so ein Wissen gehabt, oder dass ich
Speaker: mich trauen kann, auch für die Erwachsenen als Trainer unterrichten kann.
Speaker: Ja, und du warst ja dann am Ende auch bei der Amateur-Weltmeisterschaft in Bregenz.
Speaker: Hast du Gold geholt, hast du den Weltmeisterschaftstitel im Leichtkontakt geholt.
Speaker: Das stimmt, genau.
Speaker: Großartig.
Speaker: Das war 2019.
Speaker: Ich habe mir wirklich nie gedacht, dass ich in solchen Turnieren teilnehmen werde.
Speaker: Ich war auch sogar, glaube ich, zu dieser Zeit so verletzt.
Speaker: Ich habe so Meniskusprobleme gehabt.
Speaker: Ich habe mich nicht getraut, dort mitzufahren.
Speaker: Es war in Bregenz.
Speaker: Die Weltmeisterschaft findet sich jedes Jahr woanders.
Speaker: Stadt.
Speaker: Und zu dieses Jahr war einfach super Gelegenheit in Bregenz.
Speaker: Könnten wir mit dem Zug dorthin fahren.
Speaker: Aber ich habe diese Verletzung gehabt, die Meniskusprobleme.
Speaker: Und Ronny hat gemeint, kommst rein, komm, fahr mit.
Speaker: Du machst eintreten und wenn es schmerzhaft wird oder dass du nicht kannst, einfach sagen.
Speaker: Und wenn du überhaupt nicht eintreten willst, kannst du auch im Vorhinein sagen.
Speaker: Das ist überhaupt kein Problem.
Speaker: Dann bist du einfach dabei und unterstützt das Team.
Speaker: Ja, das stimmt.
Speaker: Ich kann es einfach mitfahren und wenn ich nicht kann, dann kann ich sagen, okay, will ich nicht, passt, fertig.
Speaker: Aber ich habe nie davon gewusst, es hat drei Tage gedauert, es war einfach ein großes Turnier.
Speaker: Ich habe nie davon geträumt, dass ich dieses
Speaker: Turnier gewinnen kann.
Speaker: Wahnsinn, wie war das für dich?
Speaker: Verrückt.
Speaker: Wie waren die Tage für dich?
Speaker: Also der erste Tag hatte ich so eine, ich habe drei Gegner gehabt.
Speaker: Drei, vier, ich glaube drei Gegner waren es genau.
Speaker: Das war Ende 2019.
Speaker: mehr als fünf Jahre her.
Speaker: Und ich glaube aus Kanada und aus Deutschland, dritter Gegner, fehlt mir jetzt nicht ein, woher er war.
Speaker: Aber das war dann der erste Tag, zwei Runden, jede Runde dauert, glaube ich, drei Minuten oder weniger, drei Minuten, glaube ich.
Speaker: Ja.
Speaker: Und wenn du beide Runden gewonnen hast, dann bist du in die Halbfinale.
Speaker: Und wenn du Halbfinale gewonnen hast, dann bist du in die Finale.
Speaker: Und dann den ersten Tag habe ich beide Runden gewonnen.
Speaker: Das war einfach für mich, wow, unglaublich.
Speaker: Ich habe das geschafft, ich glaube das nicht.
Speaker: Das war einfach für mich, ich habe gesagt, okay, genug.
Speaker: Wenn ich morgen verliere, bin ich trotzdem glücklich mit einem Bronz.
Speaker: Ich habe nicht einmal damit gerechnet.
Speaker: Ja.
Speaker: Und am zweiten Tag hatte ich so der Gegner aus
Speaker: Kanada.
Speaker: Und da habe ich auch gewonnen.
Speaker: Das war einfach unglaublich für mich.
Speaker: Ich verstehe das nicht.
Speaker: Aber ich freue mich.
Speaker: Ich glaube, ich kann das.
Speaker: Und das war einfach, glaube ich, auch sehr erleichternd, dass der Ronny mir überhaupt nicht Druck gegeben hat.
Speaker: Du schaffst das.
Speaker: Du kannst das.
Speaker: Ich glaube, das baut einfach so viel Druck.
Speaker: Und es kann einfach nur nicht gut sein.
Speaker: Einfach mit der Idee, okay, ich habe jetzt, ich komme mit, ich erwarte nichts von mir und wenn ich was geschafft habe, super und wenn nicht, dann einfach nicht.
Speaker: Ja, nämlich du auch, dass du dir selbst keine Erwartungen machst oder keinen Druck machst, dass du jetzt, ich habe jetzt darauf jahrelang hintrainiert und ich muss das jetzt schaffen, weil sonst habe ich irgendwie, war das alles umsonst oder so, sondern du wolltest eigentlich schon gar nicht und dann hast du halt gesagt, ja, ich schaue es mir halt mal an und schaue mal, was passiert und eine entspanntere,
Speaker: einen entspannteren Zugang zu so einem Turnier kann man ja gar nicht haben, weil die Situation im Ring dann selbst ist ja schon stressig genug.
Speaker: Und ich glaube einfach, mit diesem Gedanke einzutreten, dann frisst die einfach so viel Energie und verursacht die einfach zusätzlichen Stress.
Speaker: Diese Erwartungen, es nicht nur was Kämpfen betrifft,
Speaker: Ich glaube, das würde ich noch gerne erwähnen, dass Chineji nicht nur um zu kämpfen und kämpfen zu können, um einfach sich stärker fühlen und alle niederhauen.
Speaker: Das ist überhaupt nicht der Prinzip oder die Idee.
Speaker: Ich glaube, das, was man in Chineji lernt, kann man auch in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen anwenden.
Speaker: Und wie gesagt, ich glaube einfach mit der Idee irgendwo einzutreten, Prüfung oder wo auch immer und dir einen zusätzlichen Druck zu bauen, ich schaffe das, ich kann das, ich will, ich habe lange dafür gelernt und so weiter, ist überhaupt nicht hilfreich.
Speaker: Und diese Erfahrung hat mir das wirklich beigebracht, okay, das ist tatsächlich so.
Speaker: Und das hat mir sehr viel geholfen in diesem Turnier.
Speaker: Ich erwarte nichts von mir.
Speaker: Ich bin eigentlich nicht gesundheitlich fit.
Speaker: Und ich mache einfach mit, was auch immer rauskommt.
Speaker: Super.
Speaker: Ich habe teilgenommen.
Speaker: Stimmt, ja, aber das ist schön, dass du das erwähnst, weil für Menschen, die das nicht kennen oder die vielleicht, weiß ich nicht, in einem anderen Kampfsportverein sind, tatsächlich beim Shinaji haben wir immer am Anfang erstmal meditiert.
Speaker: Erstmal im Sitzen meditieren, dann im Stehen meditieren und wirklich ankommen im Hier und Jetzt und alle Probleme und den ganzen Stress draußen lassen, den man sonst vielleicht an seinem Partner auslässt, weil man,
Speaker: eben nicht vorher zehn Minuten gesessen ist und mal zur Ruhe gekommen ist und so weiter.
Speaker: Und ich glaube, das ist ein sehr wertvoller Teil davon, der nicht bei jedem Dojo oder bei jedem Verein auch so praktiziert wird.
Speaker: Ja, sicher nicht das einzige, wo es das gibt, aber ich finde es einen total wichtigen Ansatz.
Speaker: Vor allem, wenn ich daran denke, eben bei den Freedom Fighters sind Menschen, die so krasse Geschichten erlebt haben wie du oder teilweise noch krassere Geschichten.
Speaker: Das wollte ich dich eh fragen.
Speaker: Aber lass uns noch kurz bei der Weltmeisterschaft bleiben.
Speaker: Wir können gerne dazu kommen.
Speaker: Ich glaube, dass die Meditation hilft sehr viel.
Speaker: Viele Menschen sind wirklich so auf Autopilot.
Speaker: Mhm.
Speaker: gesteuert und sie machen einfach Dinge, weil sie gewohnt sind und ja, wie gesagt.
Speaker: Und ich glaube, diese Meditation hilft sehr einfach, im Moment zu sein, alles andere wegschieben.
Speaker: Ich bin da, ich führe jetzt dieses Gespräch mit dir und alles, was in diesem Raum ist, ist wichtig, was draußen ist, worüber ich jetzt nachdenke, ist nicht relevant.
Speaker: und das ist ein sehr wichtiges Teil für das Training finde ich
Speaker: Genau, aber nochmal zurück zu der Weltmeisterschaft.
Speaker: Ich habe Halbfinale gewonnen und das war für mich dann auch noch großartig.
Speaker: Ich habe mir gedacht, okay, ich habe wirklich alles geschafft.
Speaker: Viel mehr verlange ich nicht von mir.
Speaker: Ich habe jetzt eine Silbermedaille.
Speaker: Egal was auch immer morgen passiert, ich habe gewonnen.
Speaker: Ich habe einen Großteil bestanden.
Speaker: Natürlich sage ich nicht, dass ich einfach auch super toll war und ich habe das alleine geschafft.
Speaker: Ich glaube, ohne Hilfe von unserem Team, dass sie auch regelmäßig so trainiert haben gemeinsam.
Speaker: Die Atmosphäre war so nett, dass wir uns gegenseitig unterstützt haben.
Speaker: Der Christian, wir haben auch immer zu zweit in einem Zimmer gewohnt.
Speaker: Wir haben so eine riesige Hauskarte
Speaker: gemietet.
Speaker: Der Ronny hat das organisiert und die Mareika war dabei und der Christian und alle Reza und so weiter.
Speaker: Genau, andere Trainer.
Speaker: Genau, nach dem Turnier sind wir dann gemeinsam essen gegangen und wir haben so viel Spaß gehabt.
Speaker: Es war eher viel mehr als, es war viel mehr ein Familienausflug nachher als nur auf das Turnier fahren.
Speaker: Das war sehr nett.
Speaker: Das war wirklich ein Erlebnis, das ich glaube ich nie vergessen werde.
Speaker: Und das hat alles geholfen, glaube ich, in dieses Turnier einfach gut einzutreten zu können.
Speaker: Genau, dann war der dritte Tag.
Speaker: Ich hatte einen Gegner aus Deutschland
Speaker: Der war wirklich ein sehr gutes und ich glaube LK-Team, wenn ich es noch richtig im Kopf habe.
Speaker: Ich habe auf jeden Fall Videos von diesem Turnier.
Speaker: Und da waren auch zwei Runden, es waren viel mehr.
Speaker: Entschuldige, was heißt das?
Speaker: LK?
Speaker: Ich glaube, das Team aus Deutschland hat LK Team gehalten.
Speaker: Ach so, das Team hieß LK Team.
Speaker: Genau.
Speaker: Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, ich glaube schon.
Speaker: Da waren dann viel mehr Leute um den Ring, weil einfach die Finale ist.
Speaker: Viel mehr Stress.
Speaker: Das ist die entscheidende Runde.
Speaker: Und ich habe mir gedacht, ich habe verloren.
Speaker: Ich habe alles gegeben bis zur letzten Sekunde.
Speaker: Alle haben geschrien, komm, du schaffst das, bitte nicht aufgeben.
Speaker: Es waren zwei Runden.
Speaker: Und ich habe mir nicht gedacht, dass ich gewonnen habe.
Speaker: Ich habe diese Erwartung nicht gehabt, okay, ich habe es jetzt super gemacht, ich muss jetzt gewonnen haben, das gibt es ja nicht.
Speaker: Und da gibt es so ein Foto, das ich dir nachher zeigen werde, wie ich dann nach dieser Runde ausgeschaut habe.
Speaker: Einfach fertig und tot am Boden.
Speaker: Ich kann nicht reden.
Speaker: Ich will reden.
Speaker: Ich kann nicht reden.
Speaker: Ja.
Speaker: Und als entschieden wurde für mich, war ein unglaublicher Moment.
Speaker: Natürlich Tränen in den Augen und es war wirklich sehr schön.
Speaker: Genau.
Speaker: Ähm...
Speaker: Alle anderen natürlich haben sich auch riesig gefreut für mich und das war wirklich so ein Erlebnis, das in meiner Erinnerung fest bleibt.
Speaker: Aber ich finde es sehr schön, wie du das beschreibst, weil das was, wir haben ja dann später auch mal zusammen auf einer Staatsmeisterschaft gekämpft und was mir auch so in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl, als Familie dort hinzufahren und jeder ist für den anderen da und
Speaker: Fast alle, die dort mitgefahren sind, außer den Trainern, haben selber Kämpfe gehabt.
Speaker: Aber es war so, dass man für den anderen da war und miteinander geredet hat, sich gegenseitig aufgewärmt hat, sich gegenseitig den Rücken gestärkt hat, Mut zugesprochen hat, abgelenkt hat, je nachdem, was notwendig ist.
Speaker: Manchmal muss man irgendwie fünf Stunden warten auf seinen Kampf.
Speaker: was absurd ist.
Speaker: Also das kenne ich eigentlich nur von Vorsprechen von der Schauspielschule.
Speaker: Man kommt morgens irgendwo hin und dann erfährst du um 16.30 Uhr, vielleicht wird es auch 17.30 Uhr, keine Ahnung, musst du dann fünf Minuten alles performen, alles geben, was du kannst und dann voll auf Kommando funktionieren.
Speaker: Und so ist es beim Kampfsport, bei so großen Turnieren auch.
Speaker: Du kommst morgens rein, tausende Leute, hunderte, tausende Leute, hunderte, die mitmachen, tausende, die halt dabei sind mit Zuschauern und Trainingsteam und so weiter.
Speaker: Und alle sind aufgekratzt und alle sind sind die wenigsten sind entspannt, sagen wir es mal so.
Speaker: Und wenn man aber eben diesen, sage ich jetzt mal meditativen Zugang hat und sehr als Familie und wie du es auch beschreibst, als als
Speaker: wie ein Ausflug oder fast wie ein Urlaub oder so, dann ist das, glaube ich, nicht so stark, oder?
Speaker: Ich glaube, das ist einfach viel weniger stressiger, viel weniger Stress da und du trittst auch mit einem sehr guten Gefühl ein in die Turnier-Fuhrer.
Speaker: Und ich glaube, wenn du große Erwartungen von sich selbst hast und dich beweisen willst und auch vielleicht von deiner Gesellschaft oder von deiner Familie oder was auch immer,
Speaker: gewisse Dinge verlangt werden.
Speaker: Du musst diese Prüfung schaffen, du musst das gewinnen.
Speaker: Das kann einfach nicht nur gut laufen.
Speaker: Das macht einfach alles schlimmer als eigentlich gut.
Speaker: Und das hat, glaube ich, alles eine große Rolle gespielt.
Speaker: Man kann einfach mit einer lockeren
Speaker: mit einem lockerer Gefühl da einzutreten.
Speaker: Ich kann mich erinnern, Ali Reza und Sharif waren auch in diesem Turnier dabei.
Speaker: Und Sharif hat den Kampf verloren.
Speaker: Das war die Halbfinale.
Speaker: Und es war so schön zu sehen, okay, Sharif kämpft nicht mehr.
Speaker: aber er massiert am Abend alle Riesen, weil er morgen einen Kampf hat.
Speaker: Das war einfach wunderschön zu sehen, dass wir einfach auch füreinander da sind.
Speaker: Ich habe meinen Teil ausprobiert.
Speaker: Okay, es hat nicht gehauen.
Speaker: Ich habe eine Silbermedaille, passt.
Speaker: Aber ich bin für dich da.
Speaker: Ich will, dass du es schaffst.
Speaker: Dass ich einfach dir meiner Zeit und meiner Kraft zur Verfügung stehe und dir einfach eine bessere... Ja.
Speaker: Ja.
Speaker: um dich einfach zu unterstützen.
Speaker: Ja, voll schön.
Speaker: Wie ging es dir, das wollte ich dich eben fragen, weil du ja doch aus einem Kriegsgebiet gekommen bist, wie ging es dir mit dem Kampfelement von Kampfsport, mit dem Körperkontakt, mit dem Getroffenwerden und war das
Speaker: War das heilsam für dich, dich damit zu beschäftigen oder hat es dich Überwindung gekostet?
Speaker: Und wie ging es vielleicht?
Speaker: Was hast du von anderen mitbekommen, die vielleicht andere Erfahrungen gemacht haben?
Speaker: Ich glaube, für mich war das sehr.
Speaker: Es hat mich immer entspannt, wenn ich zu trainieren gegangen bin.
Speaker: Ich habe es immer gespürt, okay, da gibt es eine gewisse Energie in mir und das muss raus.
Speaker: Das kann auch auf die Zahnsack sein oder einfach Schlagpolster oder Sparring oder was auch immer.
Speaker: Aber ich bin nie mit der Mentalität da eingetreten, dass ich da wirklich...
Speaker: Kampfe für meine Fähigkeiten oder für was Großes.
Speaker: Es war immer für mich viel mehr ein Spiel als eigentlich Kampf.
Speaker: Ja, ich glaube, das war auch sehr stressreduzierend.
Speaker: Du machst einfach ein Ventil aus in dir, die dich einfach sehr belastet und drückt.
Speaker: Und das hat mir sehr, sehr geholfen zu dieser Zeit.
Speaker: Genau, und weiterhin nachher für meinen Alltag oder für meinen Beruf einfach zu wissen, okay, da habe ich was gelernt in Shinneji, also der Ronny hat es öfter gesagt, erkenne dich selbst, erkenne die Gegner, erkenne dich selbst im Gegner.
Speaker: Ich habe es ewig lang gebraucht,
Speaker: bis dass ich verstanden habe, okay, ich kann so viel und das, was vor mir steht, ist so groß und wenn ich meine Kraft in das einsetze, wie wird sich das ausgehen?
Speaker: Das hat bei mir sehr lange gebraucht, bis ich verstanden habe.
Speaker: Also ich glaube, ich stehe jetzt dort, wo viele ÖsterreicherInnen stehen in meinem Alter und
Speaker: von dem Denken und wie sie halt auch viele Dinge sehen.
Speaker: Aber ich habe, glaube ich, sehr lange gebraucht, bis ich verstanden habe, okay, vielleicht war das auch für mich alles neu.
Speaker: Deswegen habe ich länger gebraucht.
Speaker: Es war einfach eine neue Welt, neue Sprache, neue Menschen, Kultur und so weiter.
Speaker: Ich wusste nicht, was mir zur Verfügung steht, damit ich
Speaker: weiß, okay, meine Kraft, meine können so viel, aber ich muss dafür wissen, okay, was steht vor mir, welche Möglichkeiten gibt es, damit ich weiß, was ich da einsetzen kann oder dass ich plane für meine Zukunft oder dass ich entscheiden kann, endlich das will ich erreichen.
Speaker: Das hat sehr lange gedauert bei mir.
Speaker: Und ich glaube, durch diese Übungen und dieses Verständnis einfach zu verstehen, okay, ich habe einen Plan, ich muss mich selbst erkennen, erkunden und dann nachher, ich muss wissen, was da vor mir steht und damit ich endlich entscheiden kann, was kann ich da machen.
Speaker: Welchen Stellenwert hat für dich die Gemeinschaft und dieser Zusammenhalt, den du beschrieben hast, dieses familiäre, abgesehen vom sportlichen Aspekt sozusagen für dich, die Freedom Fighters sozusagen?
Speaker: Was bedeutet dir das?
Speaker: Wie hat dir das geholfen?
Speaker: Es war einfach schön, dass ich zu einem Ort komme.
Speaker: Wir haben alle das gleiche Interesse.
Speaker: Wir haben auch vielleicht ähnliche Geschichte und wir sind da und wir wollen was machen.
Speaker: Und uns interessiert Kampfkunst.
Speaker: Und
Speaker: Wir haben auch, wie gesagt, zufällig einen richtigen Kampfkunsttrainer gefunden, wo er es wirklich auf eine tolle Art und Weise macht und nicht die Burschen beibringt.
Speaker: zu erschlagen, beschlagen, so wie bei Cobra Kai, falls du die Serie kennst.
Speaker: Keine Gnade, sondern auch Kampfkunst ist wirklich eine schöne Kunst.
Speaker: Das heißt auch Kampfkunst.
Speaker: Es ist eine Sportart.
Speaker: Es geht nicht darum, dass ich einen gewissen Technik lerne und ich es auf der Straße an die Menschen anwende.
Speaker: Es ist, um sich selbst zu erkunden und
Speaker: um sich besser kennenzulernen und dieses Spiel auch mit den anderen ausüben.
Speaker: Und es war auch viel mehr auch ein sozialer Kontakt und unter die Menschen kommen.
Speaker: Und ich bin immer mit einer großen Begeisterung gekommen.
Speaker: Ich habe es auch nie bereut, jedes Mal nach dem Training, dass ich gekommen bin.
Speaker: Egal, ob ich nach der Arbeit gekommen bin, müde war, keine Lust hatte, was auch immer.
Speaker: Es war jedes Mal
Speaker: super es war jedes mal toll ich kann es mir auch vorstellen dass wir die anderen auch so war ich glaube auch also sowieso ging es mir auf jeden fall auch egal wie fertig ich in der früh war nach dem training hatte ich mehr energie für den restlichen tag als vor dem training also es ist total absurd ich habe mir schon gedacht
Speaker: Und danach war ich wie ausgewechselt und ich kann mir nur vorstellen, ich weiß es nicht, dass es
Speaker: dass ich wieder so in meiner Mitte war und entspannt, dass mein gesamter Körper und mein Gehirn einfach viel weniger Energie verbraucht haben als vorher.
Speaker: Vorher haben mich Dinge gestresst, das und das muss ich noch machen, ich muss noch arbeiten, das, dies, das und sowas verbraucht unheimlich viel Energie und baut irgendwie Druck auf, glaube ich.
Speaker: Und dann fühlt man sich sehr schnell erschöpft, einfach nur von dem ganzen Stress, den man so hat.
Speaker: Und wenn man dann anderthalb Stunden nur da ist und nichts anderes macht und alles die ganze Welt da draußen ist die Welt da draußen, dann ist das, glaube ich, sehr erholsam.
Speaker: Das heißt, was, was ist für dich?
Speaker: Was waren für dich die Schlüsselsteine für deine Integration?
Speaker: Ich würde jetzt mal sagen, du bist wirklich eine vorbildliche, vorbildlich integrierter Mensch,
Speaker: der jetzt hier seit zehn Jahren lebt und Teil der Gesellschaft ist.
Speaker: Ich werde es vielleicht nicht so definieren, aber danke.
Speaker: Wie gesagt, ich glaube, ich hatte ein riesiges Glück und ich war sehr privilegiert, dass ich viele unterschiedliche Babeln gelernt habe.
Speaker: Ich kenne Leute aus der Boko.
Speaker: Wir haben so einen Fahrradkurs gemacht,
Speaker: Als Trainer, dass ich, wenn ich fertig bin, dann kann ich Kinder Fahrradfahren beibringen oder Frauen.
Speaker: Es gibt auch so Vereine, die sich dafür einsetzen.
Speaker: Weil du sagst Frauen speziell wahrscheinlich für geflüchtete Frauen, die dort, wo sie herkommen, nie Fahrrad fahren durften.
Speaker: Zum Beispiel.
Speaker: Genau, oder das.
Speaker: Oder auch gibt es auch viele Frauen, die sich nicht trauen, auf die öffentlichen Straßen zu fahren.
Speaker: Weil auch manchmal gibt es so diese Fahrrad- und Straßenwege mit einer Sperrelinie.
Speaker: Und
Speaker: Und das erschreckt einfach, wenn dich ein Auto so nah überholt.
Speaker: Das Gesetz sagt, eine Meter Distanz müssen sie lassen, wenn das praktisch passiert nicht.
Speaker: Du fährst einfach mit 20 kmh Maximum und dann überholt dich mit 50 oder 70.
Speaker: Das kann erschreckend sein.
Speaker: Und wenn du das nicht gewohnt bist, dann kann blöd rauskommen.
Speaker: Ich verstehe.
Speaker: Und dann gibt es diese Kurse für die Frauen und auch große Firmen machen mittlerweile auch, sie bieten ihre MitarbeiterInnen an, dass sie Fahrradkurs machen, welche Strecken am schnellsten, am besten, am sichersten zu den Arbeitsweg benutzen können.
Speaker: Ich habe das Fahrradkurs bei Fahrsicher Rad gemacht.
Speaker: Das ist im zweiten bei dem Radlobbybüro.
Speaker: Und
Speaker: Ja, das war auch sehr spannend, sehr gut, dass ich auch gewisse Menschen in diesem Bereich kennengelernt habe und die Fahrradkurse mitgemacht habe.
Speaker: Es gibt auch viele Schulen, sie bieten auch die SchülerInnen
Speaker: Radspaß heißt das, wir bauen so Parcours und sie können so über Wippe, Treppen und so weiter, dieser Parcours mit dem kleinen Räder durchfahren.
Speaker: Es gibt auch viele Kinder, die zum ersten Mal ein Fahrrad fahren in den Schulen.
Speaker: Das kommt wirklich tatsächlich vor.
Speaker: Und dieser Radspaß macht einen riesigen Spaß für die Kinder.
Speaker: Und das habe ich gemacht, so ungefähr ein Jahr lang, nach dem Abschluss von der Ausbildung
Speaker: Und diese Vielfalt war einfach sehr notwendig, damit ich nicht nur in einer Gruppe, in einem Bereich, in einem Gebiet bleibe und nur diese gewissen Dinge kenne.
Speaker: Zum Beispiel, wenn Menschen nur im Pflegebereich arbeiten, als Freiwillig, als Arbeiter, dann lernen sie halt nur die Begriffe, die man auch in diesem Bereich putzen, hochheben, runter, verständlich.
Speaker: Aber viele andere Begriffe nicht.
Speaker: Und ich wollte auch, das ist auch ein sehr wichtiger Punkt, man muss es auch wollen und sich dafür einsetzen.
Speaker: Ich will das, ich will das machen, ich bin begeistert und dann sehe ich, was von Möglichkeiten besteht, dann trete ich ein.
Speaker: Wenn man nicht will, dann ist es wieder was anderes.
Speaker: Aber wichtig ist, dass es die Möglichkeiten besteht.
Speaker: Ich glaube nicht, dass jeder sein Leben schwerer machen mag oder nicht will, dass seine Situation und seine Person entwickelt zum Guten.
Speaker: Und ich glaube, jeder Person, der hier leben mag, muss die Sprache lernen, muss einfach sich gut auskennen.
Speaker: Weil ich glaube, wenn du die Sprache nicht kennst, dann wirst du einfach übersehen.
Speaker: Niemand wird was mit dir zu tun haben.
Speaker: Du wirst niemanden verstehen.
Speaker: Du wirst die Menschen einfach nicht...
Speaker: kennenlernen und nicht verstehen, was sie wollen, was sie denken, was sie eigentlich interessiert.
Speaker: Du bist einfach so wie vergessen.
Speaker: Du existierst physisch, aber eigentlich auch nicht.
Speaker: Das ist ein
Speaker: ein schönes, ein trauriges, schönes Bild.
Speaker: Und ich kann das total unterschreiben.
Speaker: Ich bin ja aus Rumänien und mit drei Jahren, knapp drei Jahren nach Deutschland gekommen.
Speaker: Und ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, im Kindergarten am Anfang, weil ich kein Wort Deutsch konnte, natürlich an keine konkrete Situation, aber das Gefühl weiß ich noch, wie das war, dass keiner mit mir gespielt hat und keiner sich mit, ich konnte mich mit niemandem verständigen.
Speaker: Und das war so scheiße, dieses Gefühl als kleines Kind.
Speaker: Und dann habe ich so schnell so gut Deutsch gelernt.
Speaker: Das ist natürlich ein Vorteil mit drei Jahren, dreieinhalb Jahren.
Speaker: dass ich dann nach einem halben Jahr mindestens genauso gut Deutsch konnte oder sogar besser wie alle anderen, die von da waren.
Speaker: Und dann habe ich gemerkt, das ist der Schlüssel zu allem, zu Freundschaft, zu mitmachen dürfen, zu lernen, zu, keine Ahnung.
Speaker: Und dieses Gefühl ist sehr tief verankert in mir.
Speaker: Das ist so ein
Speaker: eine Ur-Erinnerung oder so.
Speaker: Und deswegen finde ich das total schön, dass du das auch so beschreibst.
Speaker: Und ich finde es absurd und Wahnsinn, dass man die Leute ihre Deutschkurse selber bezahlen lässt.
Speaker: Ich weiß nicht, ob das jetzt heute noch so ist, hier in Österreich.
Speaker: Weißt du das, ob es wieder Gratis-Kurse gibt?
Speaker: Ich weiß es nicht, aber vielleicht von der Volkshilfe gibt es bestimmte Kurse.
Speaker: Aber ich habe eigentlich keine Ahnung, wie das da alles abläuft, weil ich bin schon seit langer Zeit aus diesem System raus.
Speaker: Und ja, ich habe auch keinen Deutschkurs mehr gemacht.
Speaker: Ich habe keinen Deutschkurs weitergemacht, nachdem ich kostenpflichtig war.
Speaker: Ich glaube, dann war ab B2 kostenpflichtig zu dieser Zeit.
Speaker: Bis B1 dürftest du es gratis machen und nachher nicht zahlen.
Speaker: So das Nötigste, okay, aber dann, wenn du besser werden willst, wenn du eigentlich wirklich gut Deutsch lernen willst, musst du es dir selber zahlen.
Speaker: Genau, dann bin ich dann ausgestiegen.
Speaker: Was finde ich völlig absurd ist, weil das ist der Schlüssel, finde ich, zu guter Integration.
Speaker: Wie du sagst, du kannst nicht am Leben hier teilnehmen, wenn du die Sprache nicht kannst.
Speaker: Du kannst nicht verstehen, warum sind Dinge hier so, wie sie halt hier sind.
Speaker: Wie ist die Kultur, wie sind die Regeln, die Normen, die Werte, die sozialen, diese zwischenmenschlichen...
Speaker: Die einfachsten Dinge.
Speaker: Ein Essen bestellen, bestimmtes.
Speaker: Vielleicht geht es mit Hand und Körper, aber du weißt es halt, wenn du eine Frage hast, was das beinhaltet oder was auch immer.
Speaker: Du kannst die einfachsten Dinge nicht machen.
Speaker: Also eigentlich ist für mich die Sprache der Schlüssel, um dann überhaupt alles andere darauf aufzubauen.
Speaker: Ja, definitiv.
Speaker: Mit Werten, mit Normen, mit Gesellschaft, mit Gesetzen.
Speaker: Ich glaube, ich bin auch überzeugt, dass jeder Mensch mag
Speaker: selbstständig sein Essen bestellen oder alle Dinge auch selbstständig machen.
Speaker: Aber ich glaube, dieses zusätzliche Stress und zusätzliche Belastung von was auch immer dazu kommt, führt einfach mal dazu, dass man an ganz was anderes denkt.
Speaker: Okay, kriege ich eine Arbeit?
Speaker: Darf ich arbeiten?
Speaker: wenn ja nur was, weil ich keine Ausbildung habe oder was auch immer, schaffe ich das, dass ich irgendwann meine selbstständige Wohnung habe, wenn ich nur so viel verdiene als Putzkraft, weil ich keine Ausbildung habe.
Speaker: Das führt alles dazu, okay, ich kann nicht mehr denken, weil ich an zehn verschiedene Sachen gleichzeitig denken muss, dann verliere ich meine Konzentration.
Speaker: Und wenn ich keine Konzentration habe, dann vergeht mir einfach Deutsch lernen.
Speaker: Du wolltest noch was sagen zum Thema Integration.
Speaker: Genau, ich wollte noch dieses Punkt hinzufügen bezüglich dem Thema, was als Kultur gesehen wird und wie man sich integrieren soll in dieser Gesellschaft.
Speaker: Ich habe gestern meinen Cousin begleitet zu einem Frühwald, heißt das, die Filiale, so wie beständig.
Speaker: Sie bauen so Rollstuhl und spezielle Orthesen für Menschen mit Behinderungen, für meinen Cousin.
Speaker: Und der Mann, der für ihn die Orthese gefertigt hat, hat einfach von sich selbst angefangen zu sprechen, weil ich ihn vor fünf Jahren gesehen habe, als er die Rollstuhl für mein Koso zusammengebaut hat.
Speaker: Das war derselbe Mensch.
Speaker: Genau, der war derselbe Mensch und dann hat es sich an mich erinnern können und gesagt, wow, du sprichst so super, als würdest du hier geboren wärst, sogar mit einem wienerischen Akzent.
Speaker: Ich habe gesagt, ja, das ist auch möglich, glaube ich, wenn man halt die Möglichkeit hat und die Unterstützung hat.
Speaker: Ich sage, ja, aber mich ärgert die viele Menschen,
Speaker: viele Menschen, die herkommen und an unserer Kultur nicht teilnehmen wollen oder nicht akzeptieren.
Speaker: Und dann hat bestimmte Gruppe genannt, welche am meisten sind, das mag ich nicht erwähnen.
Speaker: Was ich sagen wollte, ist, was man eigentlich als Kultur versteht oder das man erwartet von den Menschen, die herkommen, auch zu akzeptieren und nehmen.
Speaker: Ich habe gesagt, weil er auch im Vorhinein hat gemeint, er war wirklich ein bisschen frech, hat es meinen Kurs so angeboten, magst du eine Stelze oder magst du ein Glas Wein?
Speaker: Er war ein bisschen provokant und ein bisschen unhöflich.
Speaker: Und ich habe ihm gesagt,
Speaker: Ich weiß es nicht, was du als Kultur siehst.
Speaker: Wir treffen uns und wir teilen unsere Interessen.
Speaker: Es gibt viele Interessen, wo man sich auch, wo viele Menschen sich treffen können.
Speaker: Es muss nicht unbedingt...
Speaker: weil er von Alkohol gesprochen hat, sagt er, es muss nicht unbedingt saufen sein oder Stelze essen.
Speaker: Wir können uns auch auf andere Ebenen treffen und ein Interesse teilen.
Speaker: Das ist genauso schön wie saufen, falls du das als Kultur verstehst und als österreichische Kultur.
Speaker: Das ist auch machbar.
Speaker: Ja.
Speaker: Und ich finde, diese Kultur...
Speaker: Kultur verändert sich.
Speaker: Ich sehe niemanden jetzt auf der Straße, der ein Tendl anhat oder ein Tendl heißt das.
Speaker: Ja, nur ganz selten, wenn so im Herbst vielleicht.
Speaker: Am Land ist es noch mehr, in Tirol oder in den Bergregionen oder so.
Speaker: Hier ist es, glaube ich, wirklich nur noch ganz selten, wenn so eine bestimmte Weinernte oder keine Ahnung, Kiertag ist oder so.
Speaker: Genau, und es verändert sich und ich kann nicht an alles, was du als Kultur siehst, da teilnehmen.
Speaker: Ich habe kein Interesse manchmal an das, was du als Kultur siehst und wichtig findest.
Speaker: Aber wir könnten gerne, keine Ahnung, etwas trainieren oder was essen gehen oder was auch immer wir beide mögen.
Speaker: Ja, das ist schön, dass du dieser Provokation auch so freundlich begegnet bist, weil im Endeffekt wollte er, glaube ich, testen.
Speaker: Also ich weiß es natürlich nicht, aber es klingt so, als wollte er testen, wie reagierst du jetzt, wenn er dir so eine provokante Frage stellt und schaut, was passiert jetzt.
Speaker: Und im Endeffekt hast du wahrscheinlich netter reagiert und gelassener reagiert als die meisten anderen Menschen, die vielleicht sagen würden, was ist dein Vater?
Speaker: Ja, also ich finde das Zurückgeben und einfach nur die Gewinne sein ist einfach eine blöde Reaktion, aber einfach nur zum Verstehen geben, okay, was die Situation ist, was du verlangst, ist einfach, finde ich, nicht okay.
Speaker: Mhm.
Speaker: Ich sehe das so.
Speaker: Ja.
Speaker: Wie geht es dir jetzt hier?
Speaker: Ich habe das Gefühl, wenn wir uns unterhalten oder wie wir heute miteinander gesprochen haben, dass du eigentlich sehr ruhig und entspannt bist.
Speaker: Wie geht es dir, wenn du so in die Welt hinaus schaust und beobachtest, dass wieder mehr fremdenfeindliche Parteien oder auch Menschen in den USA zum Beispiel oder so an die Macht kommen?
Speaker: Was macht das mit dir als jemand, der das ganz, ganz unmittelbar irgendwie alles erfahren hat mit dieser Geschichte, mit dieser Reise?
Speaker: Ich glaube, diese politischen Umstände, die jetzt sich ergibt, hat einen großen Einfluss auf
Speaker: fast alle Jugendlichen, die auch nicht so ein Erlebnis haben wie ich.
Speaker: Und ich glaube, das macht Stress und vielleicht unterbewusst, dass einfach die Welt so unsicher ist momentan und immer mehr
Speaker: Ich weiß nicht, wie ich das jetzt bezeichnen werde von den Regierungen, ob fremdenfeindlich oder eigentlich bestimmten Gruppen feindlich in die Macht kommen und eher nicht in die richtige Richtung läuft für die Bevölkerung.
Speaker: Also ich beobachte Nachrichten, ich schaue viele Nachrichten an und ich glaube, ich muss es irgendwie reduzieren oder begrenzen, weil das kostet viel Kraft und verursacht auf jeden Fall auch viel Stress.
Speaker: Ich glaube, es hat Wirkungen auf viele Jugendliche, die einfach ihrer Zukunft leben.
Speaker: nicht positiv sehen können.
Speaker: Wenn man wirklich jeder auf der Straße fragt oder Großteil würde ich sagen, glaubst du, dass die Zukunft besser wird oder was ist deine Planung für die Zukunft oder wie stellst du es dir vor?
Speaker: Es kommen immer negative Antworten.
Speaker: Und das beeinflusst, glaube ich, die Psyche sehr stark und verursacht eine gewisse Unsicherheit.
Speaker: Ja, mir geht es genauso und ich bin nicht so unmittelbar betroffen.
Speaker: Ich glaube, du verstehst das richtig und ich möchte das
Speaker: genau deshalb so sagen, weil es so zynisch klingt, wie es klingt.
Speaker: Ich bin hier ein Ausländer erster Klasse.
Speaker: Ich schaue so aus, oder?
Speaker: Ich schaue so aus wie alle anderen.
Speaker: Ich bin zwar in Rumänien geboren, aber in Deutschland aufgewachsen.
Speaker: Das heißt, ich spreche, wenn ich den Mund aufmache, hört man jetzt nicht, dass ich aus dem Ausland komme.
Speaker: Maximal, weil ich so schönes Deutsch spreche und kein Dialekt oder so.
Speaker: Und selbst mich stresst es schon, weil ich meine Familie hier habe und weil ich eigentlich nicht möchte, dass meine Tochter in so einer Gesellschaft aufwächst.
Speaker: Und ich kann mir eben nur vorstellen, wie das für jemand ist, der wo noch viel mehr dran hängt.
Speaker: Ich habe das mit meinem Patensohn, mit dem Momo aus Afghanistan eben wirklich immer wieder gehabt, dieses Gespräch zu führen, dass die Welt unfair ist in
Speaker: wie sie mit ihm umgeht und wie sie mit mir umgeht.
Speaker: Oder wenn mich die Polizei aufhält, weil ich, keine Ahnung, auf dem Gehweg Fahrrad gefahren bin oder so, dann passiert mir was anderes als ihm wahrscheinlich.
Speaker: Ich glaube, ja, ich verstehe total, was du meinst.
Speaker: Wir schaffen leider diese unfaire Welt, weil die Welt in sich selbst ist nicht böse, sondern wir bauen das.
Speaker: Es ist halt leider Gottes, man kann sich nicht aussuchen, wo man geboren wird, wie man ausschauen wird.
Speaker: Und dann
Speaker: von Menschen aus gemacht, was schön ist und was nicht und was gut ist und was nicht.
Speaker: Schwarz-Weiß, helle Augen, braune Augen.
Speaker: Dann fehlt man halt auch in dieser Kategorie.
Speaker: Genau, Kategorisierung.
Speaker: ob man gut oder schlecht ist, leider Menschen ausgemacht.
Speaker: Und dann gibt es dann gewisse Verurteile.
Speaker: Okay, der hat schwarzer Kopf, wenn irgendwas passiert in der Nähe, es darf nur der sein.
Speaker: Aber du hast völlig recht, danke.
Speaker: Weil die Welt ist nicht schlecht.
Speaker: Es gibt manche Menschen, die an Machtpositionen sitzen, die dafür sorgen.
Speaker: Solche Informationen zu vermieten.
Speaker: Ich will jetzt nicht so Schlaumeier sein oder was anderes Reden.
Speaker: Aber du hast völlig recht.
Speaker: Ich habe eine Erfahrung vor zwei Jahren oder zweieinhalb Jahren,
Speaker: Wir haben öfter Urlaub gemacht, wir haben so ein Caddy Live, so einen Camper umgebaut mit einem Dachzelt und wir fahren sehr gerne nach Italien oder Kroatien, um dort zu campen.
Speaker: An der Grenze von Kroatien nach Slowenien, wir sind bis zum Albanien gefahren und wieder zurück und da werden wir aufgehalten.
Speaker: Mehr wird vorgeworfen, dass ich in Tupronik Springstoffe dabei hatte und irgendwo versteckt.
Speaker: Was?
Speaker: Ich war nie in meinem Leben in Tupronik.
Speaker: Und dann werde ich in dieser Nacht geschleppt, in Gefängnis gebracht, in so ein kleiner Zeller mit einem Scheißloch am Boden.
Speaker: Da musste ich neben dem Scheißloch schlafen.
Speaker: Das war wirklich so ein Loch, wo man rein...
Speaker: Scheißt.
Speaker: Rein scheißt.
Speaker: Und am nächsten Tag haben sie mich untersucht, nackt gemacht, alles überprüft, Fingerabdrücker und so weiter.
Speaker: Und sie führen mich von der Grenze nach Döbronek.
Speaker: Acht Stunden mit einem Transportwagen, hinten ohne Sitzplätzen.
Speaker: Das war alles Metallblech.
Speaker: Ich habe mich nicht einmal hinsetzen können, weil der Weg, wer diese Strecke gefahren ist, hat sehr viele Kurven.
Speaker: Und du fällst immer um.
Speaker: Es gibt nichts zum Greifen.
Speaker: Es gibt keinen Stoff.
Speaker: Du rutschst die ganze Zeit.
Speaker: Sie haben mir nichts zum Essen und Trinken gegeben von der Nacht, als sie mich festgenommen haben, bis dass ich angekommen bin, nächstes Tag so ungefähr um sieben.
Speaker: sie haben mir nichts zum Essen gegeben.
Speaker: Ich war so müde, so erschöpft.
Speaker: Ich habe so einen riesigen Hunger gehabt.
Speaker: Ich wusste nicht, was passiert.
Speaker: Ich habe mich die ganze Zeit abgelenkt.
Speaker: Okay, ich werde vielleicht jetzt vorgeworfen, dass ich etwas Böses gemacht habe.
Speaker: Aber was kann ich mit meiner Zeit machen?
Speaker: Da ist wieder diese Beschäftigung im Kopf, damit ich nicht in Panik komme.
Speaker: habe ich immer Vorstellungen gemacht.
Speaker: Okay, ich komme vielleicht in ein kroatisches Gefängnis, da verbringe ich mehrere Jahre, aber was kann ich daraus machen?
Speaker: Ich kann vielleicht Kroatisch lernen, dann habe ich eine Karriere.
Speaker: Das ist super.
Speaker: Also mir hilft auf jeden Fall dieser Gedanken, was kann ich aus meiner schlimmsten Situation die Beste rausholen?
Speaker: Ich habe mich die ganze Zeit mit dem beschäftigt.
Speaker: Was kann ich in dieser Situation machen, wenn ich jetzt ins Gefängnis komme und jahrelang da bleibe?
Speaker: Und dann komme ich dorthin
Speaker: Sie nehmen mein Handy, ich mache es für sie auf, sie überprüfen alles und der einzige Grund, warum sie mich festgehalten haben, weil der verdächtige Typ hat auch ein schwarzer Haar und einen schwarzen Bart, so wie ich.
Speaker: Wahnsinn.
Speaker: Echt.
Speaker: Es tut mir leid, dass ich vorhin gelacht habe, ich wusste nicht, wo in die Geschichte geht.
Speaker: Das war ein bisschen krass.
Speaker: Und dann haben sie dich gehen lassen.
Speaker: Dann haben sie alles überprüft.
Speaker: Dann warst du in Dubrovnik.
Speaker: Genau, und dann wirklich ohne Geld, nur mit meinem Reisepass und Handy hat noch 5%.
Speaker: Ich habe gesagt, bitte gib mir eine Bestätigung, weil ich Arbeit habe eigentlich.
Speaker: Ich habe heute Arbeit gehabt.
Speaker: Du warst auf dem Heimweg eigentlich und am nächsten Tag hättest du arbeiten müssen.
Speaker: Arbeiten müssen.
Speaker: Nein, ich bekomme nicht einmal eine Bestätigung, dass ich festgenommen wurde.
Speaker: Echt?
Speaker: Dann lasse ich mich raus und ich habe es geschafft, zum Glück zu Handy aufladen.
Speaker: Und dann habe ich angerufen, ich bin wieder draußen, bitte kaufe mir ein Ticket, damit ich heimgehen kann.
Speaker: Denn die liebe Julia hat mir ein Ticket gekauft, bin ich zu Fuß zu einer Busstation gegangen, habe ich mein Ticket online gekauft.
Speaker: Julia hat es für mich gekauft, sie hat es mir geschickt, zum Flughafen gefahren, wieder heimgeflogen nach Wien.
Speaker: Das war auch so ein Erlebnis.
Speaker: ein beschissenes Erlebnis aufgrund meiner Haarfarbe.
Speaker: Wenn irgendwas passiert, wer ist der Böse, der diese Haut hat oder dieser Kopfhaar hat?
Speaker: Ja, und das wird leider Gottes einfach so in die Medien oder die Menschen zum Verstehen gegeben.
Speaker: Okay, was ist böse und was ist gut, was ist schön und was nicht?
Speaker: Und die Menschen machen das aus.
Speaker: Ja, du hast recht.
Speaker: Danke, dass du das geteilt hast.
Speaker: Wie gesagt, ich wusste nicht, wo diese Geschichte hinführt.
Speaker: Deswegen habe ich am Anfang noch gelacht.
Speaker: Aber...
Speaker: Ja, traurig.
Speaker: Aber gleichzeitig finde ich es so schön, was du da beschreibst, dass du in dieser schlimmsten aller Situationen ausweglos, du weißt nicht, was mit dir passiert.
Speaker: Du weißt nicht, ob deine Zukunft die nächsten Monate oder vielleicht sogar Jahre in einem ausländischen kroatischen Gefängnis, du kannst wieder die Sprache nicht, du hast wieder keine Rechte.
Speaker: Und dann beschäftigst du dich damit, okay, was könnte ich jetzt da an Positiven rausholen.
Speaker: Ja, ich respektiere das total und ich finde, dass es kann man sich auch jetzt in nicht ganz so extremen Situationen vielleicht ein bisschen versuchen, zu Herzen zu nehmen, dass man sich nicht so stark darauf fokussiert, was ist jetzt gerade scheiße, sondern was hat das vielleicht für potenzielle positive Erwartungen.
Speaker: Auswirkungen oder was kann ich jetzt daraus machen?
Speaker: Mein Handlungs, dein Handlungsbereich, dein Handlungsspielraum war sehr, sehr, sehr klein bis quasi nicht vorhanden, als du in diesem Lieferwagen saßt nach Dubrovnik.
Speaker: Aber ich glaube, das ist auch ein guter Schutz davor, nicht verrückt zu werden.
Speaker: Definitiv.
Speaker: Ich glaube, dass es jeder auf seine Art und Weise machen kann, so einen Schutzmechanismus.
Speaker: Und jeder kann auch seinen eigenen Weg oder seinen eigenen Gedanken herausfinden, was hilft mir in dieser schwierigen Situation, was kann ich rausholen, was kann ich positiv sein.
Speaker: Okay, vieles ist schlecht, aber vielleicht hat es so ein kleines minimales Vorteil oder einen Spielraum und damit kann ich mich beschäftigen.
Speaker: und ich glaube, das ist auch mein eigener Schutzmechanismus, dass ich einfach nur die positive herausnehmen kann.
Speaker: Ich habe Energie, ich kann was machen, okay, sehe ich die Möglichkeiten, was besteht, ich kann das nicht, was ich mir wünsche oder es geht nur sich das aus, was in dieser Situation, dann mache ich nur das.
Speaker: Dann habe ich meine Energie investiert und habe ich eine kleine Beschäftigung, eine physische, eine... Schön.
Speaker: Ja.
Speaker: Total schön.
Speaker: Wie war das denn für dich?
Speaker: Wie fremd war dir die Welt hier, als du hergekommen bist, die Kultur und so weiter?
Speaker: Was war die größte Umstellung für dich?
Speaker: Hast du leicht in die Gesellschaft, in die Normen und in die sozialen Umgänge miteinander gefunden?
Speaker: Was war die größte Herausforderung?
Speaker: Ich glaube, es war alles eine Umstellung und eine Umgewohnung.
Speaker: Sogar das Klo eintreten, das ich jetzt gemacht habe.
Speaker: Also dort schaut es einfach anders aus.
Speaker: Jeder, der in der Türkei oder im Nahen Osten war, weiß, wie die Klos ausschauen, wie man sich einfach hocken soll.
Speaker: Und dann gibt es eine Keramik.
Speaker: Klumpsklos.
Speaker: So, dass da ein Loch im Boden ist und dann geht es da frei an.
Speaker: Genau.
Speaker: Es war alles neu.
Speaker: Die Sprache, die einfach die Stadt, die Struktur, die System, wie die einfach, wie alles funktioniert.
Speaker: Es braucht einfach ewig lang, bis man halt versteht, okay, wenn ich mit der Straßenbahn fahre, muss ich
Speaker: entweder Einzelfahrticket kaufen und dann entwerten, dann darf ich losfahren.
Speaker: Und wenn du einfach angekommen bist und du siehst eine Straßenbahn, die läuft und da gibt es eine Maschine und ich weiß es nicht, was ich da machen soll, weil in meiner Stadt gibt es keine Straßenbahn oder keine U-Bahn oder was auch immer.
Speaker: Zum Beispiel
Speaker: Und wenn keines dir das erklärt, ich bin zum Beispiel eine Woche lang oder sogar länger gratis gefahren, weil ich dachte, okay, das ist ein öffentliches Verkehrsmittel, steht für die gesamte Stadt zur Verfügung und es wird finanziert durch die Stadt.
Speaker: Was ja auch schön wäre.
Speaker: Ja, das wäre eigentlich super schön.
Speaker: Ich glaube, in irgendeiner, wo ist das so ähnlich, wo die Verkehrsmittel Luxemburg, glaube ich,
Speaker: Die Vergesmitteln kosten nichts, sie sind gratis.
Speaker: Und zum Beispiel die einfachsten Dinge.
Speaker: Und dann, du kennst die Sprache nicht, du kannst nicht einmal fragen, okay, wie funktioniert das?
Speaker: oder wie ich was machen soll.
Speaker: Das musst du halt wie ein kleines Kind alles wieder lernen.
Speaker: Abschauen, Menschen beobachten und dann nachmachen.
Speaker: Manchmal musst du halt dafür lernen, lesen oder was auch immer.
Speaker: Das ist einfach eine komplette Einstellung in dein Leben.
Speaker: Und leider da bist du kein Kind, wo du keine Sorgen hast, keine Gedanken.
Speaker: Das heißt, du hast eine zusätzliche Belastung.
Speaker: Du weißt nicht, wie deine Zukunft ausschaut.
Speaker: Das ist auf jeden Fall alles zum Betrachten.
Speaker: Genau.
Speaker: Und dann fangst du an, das einfach Schritt für Schritt lernen und ohne Hilfe, ohne Unterstützung
Speaker: wäre das sehr schwer sein.
Speaker: Es gibt Menschen, die das überhaupt nicht schaffen.
Speaker: Es gibt genug Menschen, die ihre Probleme auf eine falsche Art und Weise lösen.
Speaker: Alkohol konsumieren, Drogen nehmen oder was auch immer, um sich selbst zu beruhigen, um zu betäuben.
Speaker: Das kommt auch oft vor.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: und ich sage es auch nicht, dass ich das jetzt alles abgeschaut habe und gelernt habe und ich war super, ein intelligenter Mensch, ohne Unterstützung, die Menschen und die Leute, die mir dabei einfach geholfen haben, wäre das nicht möglich gewesen.
Speaker: Ganz sicher nicht.
Speaker: Genau.
Speaker: Und dann zusätzlich nachher denken, okay,
Speaker: Ich habe jetzt eine Aufenthaltserlaubnis.
Speaker: wie kann ich jetzt anfangen, was soll ich arbeiten, eine Ausbildung machen oder wo kann ich mich bewerben.
Speaker: Das braucht alles auf jeden Fall Unterstützung und Begleitung.
Speaker: Ich habe sofort gearbeitet.
Speaker: Zweiter Tag, nachdem ich die Aufenthaltskarte bekommen habe, bei einer Werkstatt in der Westbahnstraße, heißt Reanimated Back, kringfügig, bis ich mich angewöhnt habe an das System.
Speaker: Ja.
Speaker: Und danach habe ich viele verschiedene Jobs gemacht.
Speaker: Ich habe als persönlicher Assistent gearbeitet, als Pflegekraft, als Lieferant bei Amazon in den schlimmsten Zeiten, zur Corona-Zeit.
Speaker: Oh Gott, okay.
Speaker: als Kleintransporter, also Kaffeebohnen liefern nach Kärnten.
Speaker: Auf jeden Fall, ich habe viele verschiedene Jobs gemacht, weil zu dieser Zeit ist mir nur das zur Verfügung stand.
Speaker: Damit ich in die IMS-System reinkommen kann und eine Ausbildung bekommen kann, musste ich vorher ein Jahr lang arbeiten.
Speaker: Vollzeit, regelmäßig, dann habe ich Anspruch auf Ausbildungen, Weiterbildungen und auch Arbeitslosengeld.
Speaker: Genau, weil du musst ja während dieser Ausbildungszeit trotzdem von irgendwas leben.
Speaker: Genau.
Speaker: Lehrgeld nicht gut ist und nicht reicht.
Speaker: Ja, und das war damals möglich und ich habe das gemacht.
Speaker: Ich habe auch keinen Anspruch, glaube ich, bis heute auf eine Mindestsicherung oder auf, falls ich Kinder hätte, kriege ich auch Beihilfe, weil mein Aufenthalttitel beschränkt ist.
Speaker: Deswegen musste ich das machen.
Speaker: Also es war nie mein Wunsch, bei Amazon zu arbeiten, weil ich weiß, dass sie ein schlechter Unternehmer ist und alle Menschen leiden, die dort arbeiten und die Arbeitsbedingungen sind schlecht.
Speaker: Aber das steht mir jetzt zur Verfügung, weil erfordert nicht einer hohen Sprachniveau und das kann ich körperlich
Speaker: Ist schlecht, aber das kann ich machen.
Speaker: Dann mache ich das.
Speaker: Vielleicht in der Zukunft oder wenn ich in ein paar Monaten kriege ich eine bessere Möglichkeit, dann kann ich wechseln.
Speaker: Genau, dann habe ich viele verschiedene Baustellen überwinden müssen.
Speaker: bis ich dann entschieden habe, okay, dann mache ich diese Ausbildung und dann arbeite ich in diesem Bereich.
Speaker: Es ist doch was Schönes, halt auch so eine Mobilitätsart zu unterstützen und da zu arbeiten.
Speaker: Ich fahre auch sehr gerne Fahrrad und vielleicht in der Zukunft kann ich dann weiterbilden und wie gesagt, in den Schulen unterrichten können, so Fahrradtechnik.
Speaker: Was ist für dich zu Hause?
Speaker: Ist das jetzt hier oder ist Wien jetzt deine Heimat geworden oder hast du noch das Gefühl,
Speaker: der Irak dort, wo du aufgewachsen bist?
Speaker: Oder sind das vielleicht zwei Orte?
Speaker: Ich weiß es nicht.
Speaker: Das ist so eine sehr schwierige Frage.
Speaker: Ich glaube, man kann es nicht leicht antworten.
Speaker: Falls Heimat dort ist, wo man geboren wird, wo man es sich selber nicht ausgesucht hat,
Speaker: Ich weiß nicht, ob das als eine Antwort gilt, aber ich sage es, weil das Heimat dort ist, wo man es gerne und sich wohlfühlt mit den Menschen, die es gerne hat oder selber ausgesucht hat.
Speaker: Aber ob das 100%ig stimmt, weiß ich nicht.
Speaker: Aber für mich gilt das jetzt.
Speaker: Es muss ja nur für dich stimmen.
Speaker: Das wäre meine Antwort, würde ich sagen.
Speaker: Nein, ich finde, es muss ja nur für dich stimmen.
Speaker: Ich glaube nicht, dass es eine richtige Definition gibt.
Speaker: Das finde ich auch.
Speaker: Und ich habe auch das Gefühl, da wo ich mir mein Leben aufgebaut habe, die Familie, meine Familie habe ich hier gegründet, meine Frau, meine Selbstständigkeit, das habe ich mir alles hier aufgebaut.
Speaker: Natürlich bin ich in Rumänien geboren und in Deutschland aufgewachsen, aber mein Lebensmittelpunkt und das, was ich, wie du es richtig gesagt hast, das, was ich selbst bestimmen konnte, das habe ich hier.
Speaker: Das fühlt sich für mich jetzt wie mein Zuhause an, wie meine Heimat und mein Ursprung ist aber woanders.
Speaker: Und das ist auch völlig okay.
Speaker: Und das ist nicht.
Speaker: Aber ich habe ich persönlich habe zum Beispiel kein Bedürfnis mehr, nach Rumänien zurückzukehren irgendwann oder so.
Speaker: Wie geht es dir?
Speaker: Hast du?
Speaker: Ich glaube, das ist für mich auch ausgeschlossen.
Speaker: Ist ausgeschlossen.
Speaker: Ja, also ich glaube, dass ich mich ja gut gefunden habe.
Speaker: Ich
Speaker: Ich bin sehr gerne in Wien, ich lebe sehr gerne in Wien, ich habe auch einen Job, den ich gerne mache und ich habe so auch einen Plan, wie wenn meine Arbeitskarriere weitergehen wird und das mag ich auch alles hier aufbauen.
Speaker: Ja.
Speaker: dass ich Familie habe in Irak und ich sie gern habe.
Speaker: Auch dort, wo man aufwächst, hat man auch so eine emotionale Gefühle dafür, die verbindet.
Speaker: Es ist alles wunderbar und schön, aber die Idee einfach dort zurückkehren und dort leben und ein neues Leben aufbauen, ist ausgeschlossen.
Speaker: Also für mich, das kommt nicht in Frage.
Speaker: Danke dir.
Speaker: Danke für deine Ehrlichkeit und für deine Geschichte.
Speaker: Ich finde es total schön und es ist nicht selbstverständlich, dass man darüber mit dieser Offenheit redet.
Speaker: Ich sage danke dir für deine Zeit und für die Möglichkeit, die anderen zu erzählen.
Speaker: Ja, das braucht auf jeden Fall große Energie und Therapien.
Speaker: Ich habe es auf jeden Fall auch Therapien gemacht, damit mir auch gewisse Dinge klar werden.
Speaker: Die waren Situationen, die ich damals erlebt habe.
Speaker: Also ich kann es
Speaker: Ich glaube, viele Menschen tun sich schwer, einfach so offen darüber zu reden.
Speaker: Aber wenn man sich einfach nochmal Gedanken darüber macht, wie das war, okay, wo ich jetzt bin, das war die Vergangenheit, jetzt bin ich hier.
Speaker: Und es gibt Dinge, die auch man im Hinterkopf hat und einen Schutzmechanismus baut, wo gewisse Situationen auch von dem Gehirn her manipuliert wird und
Speaker: als Schutz und man sie falsch in Erinnerung hat und man checkt das nicht.
Speaker: Also ich dachte, es gab so eine Situation, als ich klein war, eine familiäre Geschichte, die urschlimm war.
Speaker: Ich dachte, mein Lebenslang, das war ein Traum, den ich erlebt habe.
Speaker: In der Früh bin ich aufgewacht und das war weg.
Speaker: Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich realisiert habe, das war kein Traum, das war Tatsache.
Speaker: Das habe ich als Kleiner erlebt, das war wirklich so.
Speaker: Und mein Kopf hat es einfach so verarbeitet, um mich zu schützen davon.
Speaker: Und ich glaube, ohne darüber zu reden, ohne Therapien, ohne nochmal darüber Gedanken zu machen, ist urschwer, einfach so offen darüber zu reden, weil du selber nicht weißt, okay, wie es war.
Speaker: Damit ich sehr erzählen kann,
Speaker: muss ich auch selber verstehen und wissen, was ich erzähle.
Speaker: Ja, das ist total schön.
Speaker: Und ich erinnere mich, in unserem Vorgespräch hast du mir auch kurz gesagt, wie schwer das eigentlich ist, als Mann über seine Gefühle zu reden, wenn man sein Leben lang dazu erzogen wurde, das runterzuschlucken und nicht zu zeigen.
Speaker: Und das hart zu sein und zu schaffen und davon nicht beeinflusst zu sein.
Speaker: Das finde ich sehr traurig.
Speaker: Wir werden leider damit aufwachsen.
Speaker: Ich glaube, das ist fast überall so, dass die Männer härter werden sollen, nicht über die Emotionen reden, Familien führen und so weiter, sich einfach zusammenreißen und so weiter.
Speaker: Ich finde, für gewisse Situationen ist es notwendig, wenn
Speaker: eine Krise ist oder wenn eine schlimme Situation ist.
Speaker: Aber dauerhaft einfach Gefühle zurückdrücken und einfach nicht offen sein und zulassen deiner Gefühle und deinen Emotionen.
Speaker: Das
Speaker: führt zu Schwierigkeiten, also persönliche oder vielleicht psychische Schwierigkeiten, dass du einfach mit gewissen Situationen und Emotionen nicht umgehen kannst.
Speaker: Dann kannst du nur noch davon weglaufen oder sich verstecken.
Speaker: Das ist sehr traurig.
Speaker: Und das gibt es, glaube ich, auch in vielen Gesellschaften, wo kein Krieg ist oder nicht so schwer ist, weil man einfach damit aufwächst.
Speaker: Absolut.
Speaker: Ich bin auch damit aufgewachsen.
Speaker: In Rumänien ist es so, Männer sind hart, Männer sind stark, Männer gehen arbeiten, schaffen das Geld ran und Frauen kochen und putzen und kümmern sich um die Kinder und um das mit den Gefühlen.
Speaker: Das ist alles so Frauensache.
Speaker: Das hat mir schon immer wieder strebt.
Speaker: Ich glaube, je westlicher, desto... Das stimmt auch nicht.
Speaker: Auch hier kenne ich genug deutsche oder österreichische Männer, die nicht über ihre Gefühle reden können und die anders damit umgehen.
Speaker: Aber ich glaube, die Chance ist dann auch höher, dass man mal aggressiv wird, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als zuzuschlagen.
Speaker: oder als verbal aggressiv zu werden, weil man nicht darüber reden will, weil man nie gelernt hat, wie das geht und das macht einem Angst und dann will man sich davor schützen vor diesem Schmerz oder so, was auch immer.
Speaker: Ja, ich glaube, das führt dann einfach nur zu schlechten Reaktionen und man kann einfach mit diesen Gefühlen nicht umgehen.
Speaker: Und das kann nur nicht gut rauskommen.
Speaker: Das kenne ich auf jeden Fall auch von gewissen Leuten, die hier geboren sind und hier aufgewachsen sind.
Speaker: Das war für mich am Anfang ein bisschen überraschend.
Speaker: Okay, das ist hier nicht notwendig, aber anscheinend es einfach gesellschaftlich weitergegeben wird.
Speaker: Das ist einfach Symbol für den Mann, dass die Härtere, Stärkere verantwortlich übernehmen soll, sich zusammenreißen und so weiter.
Speaker: Ja, ich glaube, es ändert sich gerade, aber es gibt noch sehr viele, die so aufgewachsen sind.
Speaker: Ich glaube, in ein, zwei Generationen sieht es schon wieder ganz anders aus, weil auch Menschen wie wir Kinder bekommen und ihren Kindern dann wieder andere, neue Werte beibringen und
Speaker: es okay ist, sich Hilfe zu holen, in Therapie zu gehen, Psychotherapie, darüber zu reden, über die Unsicherheiten, über die Überforderung, über die Ängste.
Speaker: Und ich glaube, das kann nur gut sein.
Speaker: Ich glaube, dass auch so wie wir heute miteinander geredet haben, es total wertvoll ist, sich auszutauschen und zu begreifen,
Speaker: Was ist deine Lebensrealität?
Speaker: Und wir leben und was ist meine Lebensrealität?
Speaker: Wir leben in derselben Stadt.
Speaker: Wir sind ein bisschen, ich bin ein bisschen älter als du, aber grundsätzlich in dem selben Lebensabschnitt.
Speaker: Und wie unterschiedlich können zwei Leben sein und trotzdem, was verbindet uns, was sind Gemeinsamkeiten, was sind.
Speaker: Also dafür möchte ich dir wirklich Danke sagen und ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht.
Speaker: Danke dir, Patrick, für diese schöne Gelegenheit.
Speaker: Ich sage dir auch Danke für das schöne Gespräch.
Speaker: Sehr gerne.
Speaker: Danke auch euch, dass ihr zugehört habt, dass ihr bis jetzt dran geblieben seid.
Speaker: Ich hoffe, es hat euch gefallen.
Speaker: Wenn ihr Fragen habt, wenn ihr Anregungen habt, wie gesagt, schreibt mir gerne auf Wurscht-Insta oder kommentiert auf Spotify oder am YouTube-Kanal oder auch ein E-Mail an deeptalk at mike-rider.com.
Speaker: Und ja, bis zum nächsten Mal.


