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🤔#218: Wie werden wir in Zukunft leben? - Teil 1

E218 · Higher Health Podcast
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94 Plays8 years ago

In dieser Episode lernst du:

  • Wie wir Zukunft leben werden

  • Wieso Strom in der Zukunft nichts mehr kosten wird

  • Wie die Ernährung der Zukunft aussieht 

  • Welche Rolle Energie in der Zukunft haben wird

Empfehlungen aus der Episode:

Bücher:

Hole dir die Zusammenfassung des Buches „Die-Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ im kostenfreien getAbstract 3 Tage Gratis Abo unter: christian-wenzel.com/abstrakt 

 

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Transcript

Einführung und Hintergrund von Timo Leukefeld

00:00:00
Speaker
Mein Name ist Timo Leukefeld und ich bin in einer Fürsterei aufgewachsen, habe sozusagen das Thema Nachhaltigkeit bereits mit der Muttermilch aufgenommen. Meine Mutter war Revierförsterin und mein Vater Jäger und Hundezüchter. In diesem Jahr in meiner Kindheit habe ich viel gelernt. Zum einen den Respekt vor der Natur und ich habe gelernt integral zu denken.
00:00:26
Speaker
Und das beruht auf Zusammenhangswissen, das, was uns heute oft in vielen Zusammenhängen und Diskussionen auch in der Politik einfach verloren gegangen ist.

Karriere und nachhaltige Energieprojekte

00:00:35
Speaker
Ich selber habe einen ordentlichen Handwerksberuf gelernt, bin danach, wie man als Ingenieur die Welt aufbaut und mit sauberer Energie versorgen kann, wie man viele Menschen gut ernähren kann, wie man sich fortbewegt, wie die Mobilität aussieht und wie die Wohnformen der Zukunft aussehen können.
00:00:56
Speaker
Ich habe deswegen auch kürzlich mit dem MDR Fernsehen eine Weltreise gemacht und nach Lösungen genau auf die Frage gesucht, wie werden wir in Zukunft leben? Ich selber fühle mich in der Wissenschaft zu Hause und will natürlich immer wissen als Praktiker, wie können wir vom Wissen zum Handeln kommen? Ich selbst entwickle heute energieartige Gebäude, lebe auch in solchen Häusern, arbeite in solchen Häusern, entwickle neue Geschäftsmodelle.
00:01:23
Speaker
arbeite am Zukunftsinstitut in Frankfurt mit und bin sehr, sehr interessiert, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Wow. Also, so eine Vorstellung hatte ich selten. Herzlich willkommen, lieber Professor Dr. Timo Leukefeld im Wegen Podcast. Schön, dass Sie da sind und dass ich die Ehre habe, Sie heute zu interviewen. Und du, lieber Zuhörer, herzlich willkommen, dass du heute zuhörst bei diesem ganz besonderen Gast heute.

Energieunabhängigkeit durch erneuerbare Energien

00:01:51
Speaker
wagen wir einen Blick in die Zukunft und nicht nur in die Zukunft der Ernährung, sondern eben auch in die Zukunft von ganz vielen Dingen, was vor allem Energie angeht. Und da haben wir einen hochkarätigen Keynote-Speaker eingeladen, Professor Timon Lohgefeld. Hallihallo nochmal. Schönen guten Morgen, Herr Wenzel. Ich freue mich auch.
00:02:13
Speaker
Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wir haben uns kennengelernt bei einem oder im Zuge eines Events von einem veganen Stromanbieter, in dem wir den Prof. Dr. Timo Lorgefeld als keynote speaker haben wollten. Das hat dann nicht geklappt und dafür klappt es jetzt im Podcast und wir erreichen noch viele viele tausende Menschen mehr und darauf freue ich mich.
00:02:36
Speaker
Ja, wir werden heute uns ganz viel darüber unterhalten, wie kann eine gute Ernährung in der Zukunft aussehen? Und natürlich eben auch, wie werden wir in der Zukunft überhaupt leben? Und ich glaube, da haben Sie einiges zu sagen, richtig? Genau, es gibt ja da viele große Felder. Mein Feld ist die Energie, aber ein ganz klares Etat ist auch das Thema.
00:03:01
Speaker
Ja, Sie sind ja Energieexperte, Autarkiesucher und Denkwandler. Was kann ich mir denn unter einem Autarkiesucher und Denkwandler vorstellen?
00:03:11
Speaker
Also unsere Energieversorgung beruht ja auf Kohlenstoffbasis. Das heißt, wir holen aus der Erde Gas, Öl, Kohle, solche Rohstoffe heraus, verbrennen die und machen daraus Energie. Also Mobilität, Wärmestrom und solche Dinge. Und ich beschäftige mich damit, wie man diese Energieversorgung umstellen kann. Wo kommt diese Energie her in Zukunft? Wie können wir uns mit sauberer, nachhaltiger Energieversorgung aus der Sonne zum Beispiel, aus dem Wind, aus dem Wasser

Herausforderungen und Visionen der Selbstversorgung

00:03:39
Speaker
Wie können wir eigentlich in Zukunft unsere fundamentalen Grundbedürfnisse mit Energie abdecken, sodass auch noch unsere Kinder, Enkel, Urenkel auf dieser Welt weiter sich mit Energie versorgen können? Und es geht natürlich auch darum, wie können wir von dieser Fremdbestimmung, also wir müssen Energie zukaufen von jemandem, der auf dieser Energie, auf diesen Rohstoffen sitzt, hin zu einer Selbstbestimmung kommen, also zum Beispiel zur Sonne, die über jedem Gebäude scheint, überall auf der Welt. Also auch das ist ein Thema,
00:04:09
Speaker
von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung zu kommen und wie geht eine saubere Energieversorgung der Zukunft. Und wir beschäftigen uns in meiner Firma damit, Gebäude zu entwickeln, die sich selbst mit Wärmestrom und Mobilität aus der Sonne versorgen.
00:04:24
Speaker
Die machen ihre Bewohner unabhängig und laden am Ende, da diese Energie dann kostenlos zur Verfügung steht, auch zu einer Art intelligentem Verschwenden ein. Ich halte dazu auch einige Vorträge eben im Bereich Wandlung der Energie, neue Geschäftsmodelle und natürlich wie könnte unsere Zukunft in nachhaltiger Weise aussehen.
00:04:45
Speaker
Sehr, sehr spannend. Da bin ich gespannt, was Sie erzählen, wie die Zukunft in nachhaltiger Weise aussieht. Und im Vorgespräch haben wir erläutert, dass Sie auch eine Solar-Firma mal hatten und die, glaube ich, Insolvenz anmelden musste. Also Sie beschäftigen sich schon sehr, sehr lange mit dem Thema, auch Solar und Energie aus der Sonne, richtig? Genau, eigentlich seit 20 Jahren, seit Beginn meines Studiums.
00:05:10
Speaker
Ich habe also schon nebenbei mit dem ersten Semester eine eigene Firma gehabt, die Solarwerbenanlagen geplant hat. Und die dann, seit 20 Jahren mit diesem Thema, wir haben eine autarke Stadt geplant in Spanien, in Andalusien in den Bergen, also eine kleine Stadt, die dort neu gebaut werden sollte und sich komplett energieautark versorgen sollte.
00:05:36
Speaker
Und das haben Sie geplant und ist dann aber nicht stattgefunden, oder? Genau, das ist nicht umgesetzt worden, weil das dann in diese spanische Immobilienblase hinein entwickelt wurde, wo im Prinzip der gesamte Immobilienmarkt dort für viele Jahre lahmgelegt wurde und alle Neubauprojekte dieser Größenordnung auf Eis gelegt worden sind, leider.
00:05:55
Speaker
Aber es war schon ein theoretischer Vorlauf, ein Üben der Zukunft. Heute planen wir hier in Deutschland auch ganze Quartierslösungen, wo die Gebäude sozusagen sich komplett mit Sonnenenergie versorgen und wo man zum Beispiel eine Pauschalmiete zahlt, in der eine Energieflat drin ist. Man weiß, für zehn Jahre zahle ich dieselbe Miete und da ist alles drin. Wohnen, Wärme, Strom, E-Mobilität als Flatrate.
00:06:20
Speaker
Das ist schon Realität oder ist das jetzt noch in der Planung? Das wird jetzt schon. Also die ersten drei Projekte dieser Art, also Mehrfamilienhäuser, wo man dann eben Mieter anspricht und nicht Hausbesitzer, sind jetzt bereits im Bau und dort ziehen im Sommer die ersten Mieter ein. Also wir hatten gestern gerade so eine Mieterveranstaltung, wo wir dieses Konzept den Mietern vorgestellt haben und die waren völlig bach.

Machbarkeit von Solarenergie in Deutschland

00:06:45
Speaker
Wir haben gesagt, für zehn Jahre eine feste Miete, da ist alles drin und wir müssen da nicht die Heizung runterdrehen, das Licht ständig ausmachen, schlechtes Gewissen haben, uns einschränken, sondern wir können einfach so sein, wie wir sind. Trotzdem wird die Umwelt geschont und das Portemonnaie.
00:07:00
Speaker
Ja stark also und vor allem eben faszinieren dass es eben auch hier in deutschland möglich ist wenn ich jetzt mir hier den winter so anschaue indem wir uns gerade befinden wenn wir den podcast aufnehmen dann sehe ich selten die sonne und trotzdem klappt es dann also das heißt die technik ist mittlerweile so weit dass wir das eben auch hier zu lande machen das war ja auch einer der größten zweifel in der branche ja das ginge in deutschland nicht die sagen ja die sonne scheint im sommer und
00:07:28
Speaker
Die meiste Energie brauchen wir im Winter. Und wenn Sie so ein festgefahrenes Vorurteil brechen wollen, können Sie am Anfang nur in den Selbstversuch gehen. Also ich habe dann selber ein Haus gebaut, bin da eingezogen. Die Uni hat das mit 190 Sensoren gespickt, weil man eben überall dachte, das funktioniert nicht. Und jetzt nach vier Jahren ist das sehr, sehr schön belegt, dass das wunderbar funktioniert. Man braucht halt große Flächen, die nach Süden ausgerichtet sind.
00:07:57
Speaker
Und man braucht Langzeitenergie-Speicher. Das ist halt der Schlüssel für diese Frage. Dann kann ich nämlich die Sommer-Sonnen-Hitze mit in den Winter nehmen und kann mich aus dem Speicher im Winter versorgen. Ja, super stark. Und die gibt es mittlerweile. Und von daher freue ich mich. Aber ich höre jetzt so raus, dass es noch kein Modell ist, was jetzt, sag ich mal, komplett alles revolutionieren würde oder überall möglich ist. Das hängt schon damit zusammen, wo ich auch wohne und wie die Ausrichtung.
00:08:25
Speaker
Genau. Also ich denke, vom Wetter her ist es in ganz Deutschland möglich. Man braucht halt in Hamburg etwas mehr Solarfläche als in München. Das ist dann einfache Planungsauslegung. Und ich brauche natürlich eine Südausrichtung und Verschattungsfreiheit. Wenn das gegeben ist, kann ich das überall in Deutschland im Neubau zum Beispiel machen.

Ganzheitliche Selbstversorgung und Lebensstil

00:08:44
Speaker
Schwieriger ist es im Altbau. Dann steht halt das Haus irgendwo nach Osten, Westen, Süden ausgerichtet.
00:08:50
Speaker
und ist vielleicht auch verschattet. Also der Bestand ist schon dort schwieriger, aber im Neubau kann man das eigentlich überall in Deutschland recht gut verwirklichen.
00:08:59
Speaker
Okay ja super stark also und das hat das befriedigt dann quasi auch ihre suche nach autarkie ist diese autarkie jetzt immer nur auf ich sag man nur auf energie beschränkt das ist ja quark weil alles energie ist soweit ich weiß also ist es nur auf strom oder solar beschränkt oder beschäftigen sie sich eigentlich
00:09:23
Speaker
Eigentlich würde ich gerne einen anderen Begriff drüber stellen, nämlich dieses selbstbestimmte Leben als Thema. Und unter diesen Überbegriff können Sie alles drunter packen. Da passt die Ernährung drunter, die Altersvorsorge, die Energieanzette, Wasser passt da mit rein. Wir haben jetzt in den ersten Schritten mal technisch angefangen und haben gesagt, Wärmestrom und Mobilität wollen wir selbstbestimmt lösen mit der Sonne.
00:09:49
Speaker
also nicht mehr abhängig sein. Der nächste Schritt ist jetzt Wasser. Also wir beschäftigen uns auch mit der eigenen Wasserbereitstellung über Brunnen zum Beispiel und könnte dann auch noch einen Schritt weitergehen in Richtung Abwasser, dass man auch sein Abwasser selber aufbereiten kann, Pflanzenkläranlagen und natürlich die nächsten Schritte auch sein Haus so zu gestalten, dass ein Garten da ist, dass man gewisse Früchte anbauen kann, dass man wieder lernt Kräuter anzubauen, die man dann eben auch in der Küche einsetzen kann. Und das haben wir hier bei denen, in denen ich lebe, in den Weiden.
00:10:19
Speaker
Also in einem wohne ich mit meiner Familie und in dem anderen, das habe ich gemietet, arbeite ich. Haben wir da bewusst rings herum kein Gartentaun, aber jetzt aus dem Klimawandel langsam reifen. Und ich weiß, dass meine Kinder jeden Tag eigentlich im Garten unterwegs sind, um verschiedenste Früchte anzufassen, zu drücken, sind die schon reif, die zu essen. Und gesünder kann man die Familie dann auch nicht ernähren.
00:10:40
Speaker
Und das ist so ein Zusammenspiel zum selbstbestimmten Leben. Wenn man da noch einen Schritt weitergeht und sagt, man baut ein Insektenhotel, was sehr einfach zu bauen ist und kann dann dort Wildbienen sozusagen zum Ansiedeln bringen, dann erhöht sich wiederum die Ernte der Bären. Also wo man sieht, alles hängt eben mit allem zusammen.
00:10:59
Speaker
Ja, definitiv. Wie realistisch sehen Sie das, dass das quasi mal Realität ist für nahezu jeden Bürger oder zumindest für die Hälfte? Gerade in den Städten sehe ich das ja ein bisschen schwierig. Also in den Städten entwickeln sich Nischen.
00:11:16
Speaker
dieses Gardening, wie man so schön sagt, wo Leute Gemeinschaftsgärten haben, weil eben wenig Flächen sind, wo man auf den Balkonen kleine Gärtnereien macht und Dinge anbaut von Tomaten über Kräuter, wo man Bienenzucht macht. Es ist erstaunlich, wir haben mit dem MDR, als wir die Reise gemacht haben, natürlich nicht nur weltweit geguckt, was dort passiert,
00:11:39
Speaker
zum Teil auch erschreckende Entwicklungen, sondern wir haben auch in Deutschland geguckt, was diese Gärten in den Städten machen.

Herausforderungen der urbanen Selbstversorgung

00:11:45
Speaker
Und wir waren völlig erstaunt, dass dort zum Beispiel Abrisshäuser umgebaut wurden, wo man mit Aquaponik Pflanzenzucht betrieben hat, in mehreren Etagen im Keller Fische gezüchtet hat und mit diesen abwässernder Fische wieder die Pflanzen bewässert hat, die genau die Nährstoffe dann wieder finden, die sie brauchen. Und dann kommt das Wasser wieder gereinigt zurück.
00:12:06
Speaker
Also es war unglaublich, welche Nischen dort entstehen. Natürlich wird es nicht reichen, um eine komplette Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln hinzubekommen. Und das wird natürlich in Zukunft eine Riesenherausforderung bei dieser Verstetterung, wie wir diese Mega-Cities sozusagen mit Ernährung, also mit Nahrung, mit Energie, mit Wasser und so weiter versorgen können. Denn das zieht ja dann weit ins Umland hinaus Kreise, wo die Dinge herkommen müssen, um sie in die Stadt zu bringen.
00:12:36
Speaker
Ja, das sehe ich genauso. Und es ist sehr, sehr spannend. Dieses Thema Urban Gardening nennt sich das ja, wo dann Bienenzucht auch in den Städten passiert. Das geht halt alles zu einem begrenzten Maße. Ich denke, so komplett autark wird der Stadtbürger dann nicht sein, aber es sind eben dann die ersten Anfänge. Und vielleicht ist es ja auch gar nicht ihr Ziel, dass jeder komplett 100 Prozent. Also das sehen wir zum Beispiel bei der Energie, wenn sie auf 100 Prozent
00:13:07
Speaker
Autarklösung gehen, ist es extrem teuer. Und wir wissen, dass die letzten 30 Prozent Autarkie, zumindest bei der Energie in Gebäuden, genauso teuer sind in der Investition wie die ersten 70 Prozent. Und das ist ja so nah an dieser 80-20-Regel, die man aus vielen Bereichen kennt. Das heißt, es ist eigentlich völlig viel einfacher, sich teilautark zu machen und sich zu vernetzen, mit anderen auszutauschen, als sich jetzt komplett unabhängig zu machen.
00:13:34
Speaker
Ich sehe das mit dem Gardening eher als einen sehr gesunden Anteil, den Menschen sozusagen in ihr Ernährungsprogramm aufnehmen können und natürlich auch dieses Gefühl, die Pflanzen wachsend zu sehen und dann zu ernten. Also das macht ja auch was mit einem. Ich denke, das Thema Ernährung, da müssen wir viel mehr hinschauen, dass die Landwirtschaft umgestellt wird, also die derzeitige Fördermittel.
00:13:58
Speaker
auf diese Großfelderwirtschaft mit Bodenverdichtung viel Pflanzenschutzmittel bringt uns eben absolut an Grenzen. Und hier müssen wir halt schauen, dass wir die Förderpolitik umstellen, weil das ist ja das, was eigentlich eine ökologische Landwirtschaft mit gesunden Produkten, also wo dann wirklich Lebensmittel rauskommen, also Mittel zum Leben, wenn man das nochmal sprachlich auseinandernimmt.

Vertikale Landwirtschaft und technologische Fortschritte

00:14:20
Speaker
Denn das sind es jetzt nicht mehr. Das ist Industrienahrung. Muss natürlich dort die Förderpolitik der EU vor allen Dingen geändert werden.
00:14:28
Speaker
Und wir brauchen natürlich auch in den Städten neue Lösungen. Also wir haben uns zum Beispiel vertikale Farmen angeschaut. Und wenn Sie die ersten Architektenentwürfe sich mal anschauen von den Architekten, die sich damit beschäftigen, wo man zu einem typischen Wolkenkratzer in New York praktisch viele, viele Pflanzenebenen übereinander stapeln kann, so kann man mit so einem Wolkenkratzer als vertikale Farm etwa 30.000 Menschen im Jahr ernähren.
00:14:56
Speaker
Und man kann auch wieder Menschen Arbeit geben. Das heißt, wir sehen ja, dass in den Großstädten der Welt sehr viel verarmte Landbevölkerung hineinströmt, in der Hoffnung, dort das Glück zu finden, die aber oft auch dann wieder keine Arbeit finden. Und deren Erfahrungsschatz könnte man wieder mit einbinden. Man könnte ihnen eine Sinnstiftung geben. Sie könnten eigentlich wieder Landwirtschaft mitten in der Stadt in solchen Hochhaustürmen durchführen.
00:15:24
Speaker
Wow, sehr spannend. Also es ist schon immer wieder faszinierend, was wirklich alles möglich ist und was alles gibt, wenn wir eben auch nur wollen. Und Sie haben ja gerade gesagt, unsere Nahrung ist heute keine Mittel zum Leben mehr, sondern Industrienahrung.
00:15:41
Speaker
Können Sie das nochmal ein bisschen ausführen? Sie hatten ja auch ein Buch erwähnt, die Null-Kranz-Kosten-Gesellschaft. Ich glaube, das geht so ein bisschen damit einher. Genau, wir erleben praktisch, das ist so ein Begriff, der kommt von Jeremy Rifkin, einem amerikanischen Ökonom, der jetzt nicht verdächtig ist, irgendwie aus einer grünen Ecke zu kommen. Und der zeigt sehr gut diesen, oder der deutet diesen Wandel sehr gut. Er sagt, wir erleben also eine Effizienzsteigerung, also eine Wirkungsgradsteigerung, wie sie die Menschheit noch nicht erlebt hat.
00:16:11
Speaker
Also durch die Digitalisierung, den 3D Druck, Blockchain, Internet der Dinge, Industrieautomatisierung, erneuerbare Energien. Das sind ja alles Dinge, die extrem sozusagen den Wirkungsgrad steigern. Und er sagt, dadurch werden viele Produkte und Dienstleistungen immer billiger. Und wenn das so weitergeht, würde sich der Kapitalismus in gewissen Nischen auflösen und wir kommen in eine Gesellschaft des Tauschens, also die Sharing Economy.
00:16:40
Speaker
Und das erleben wir eben in vielen Bereichen, also bei den Nahrungsmitteln. Die industriell gefertigten Nahrungsmittel gehen in ein Preissegment runter, wo praktisch viele Dinge, die lebensnotwendig sind, nicht mehr existieren in der Nahrung. Das schmeckt noch so, das riecht auch so und sieht auch so aus, aber es ist nicht mehr das drin, was wir kennen. Und das erleben wir eben, diese Nahen-Null-Grenzkosten-Entwicklung. Also wenn Sie sich die Preise von Lebensmitteln in Supermärkten anschauen,
00:17:08
Speaker
sehen Sie ja, dass es wirklich so eine nahe Null-Grenzkosten-Entwicklung hat. Das erleben wir eben auch in anderen Bereichen, beim Taxifahren mit Uber, im Hotelwesen, wo Leute ihre Sofas anbieten. Und wir erleben es eben auch vor allen Dingen in der Energie. Also wenn Sie sich mal anschauen, Solarzellen und Module werden immer preiswerter. Das nächste sind dann die Batterien. Und wenn Sie mal hören, die Prognosen der Wissenschaftler, die gehen davon aus, durch diese Industrieautomatisierung Gigawatt-Fabriken
00:17:38
Speaker
kommt das Modul sozusagen fast zum Nulltarif

Sozioökonomische Auswirkungen günstiger Energie und Nahrungsmittel

00:17:41
Speaker
raus. Das heißt, man geht in Deutschland zum Beispiel davon aus, dass 2030 eine Kilowattstunde Solarstrom nur noch ein bis zwei Cent kostet in der Produktion. Und damit wird klar, wie der Wandel, in welche Bereiche der reingeht. Bisher war ja beim Energieversorger das Geschäftsmodell, Kilowattstunden zu erzeugen im Kraftwerk und dann zu verkaufen beim Kunden. Und wenn jetzt die Kilowattstunde aber fast umsonst ist,
00:18:05
Speaker
Und der Kunde, die auch noch selber auf seinem Haus erzeugen kann, fällt das komplette Geschäftsmodell der Energieversorger der letzten 70 Jahre weg. Und das merkt man auch, wenn man sich die Bilanzen anguckt von RWE, EON, wie die Gewinne wegbrechen. Und das merken wir halt auch in der Nahrung. Und jetzt ist die Frage, wie gehen wir damit um? Soll die Effizienz noch mehr gesteigert werden? Wo wir auch wissen, dass gleichzeitig dann
00:18:31
Speaker
Die Widerstandsfähigkeit, die Resilienz auch sinkt. Das merkt man zum Beispiel auch, wenn sich Leute schlecht ernähren, dass sie halt öfter krank sind. Ich hatte erst gestern den Krankenkassenchef unserer örtlichen Krankenkasse da und er hat mir noch mal den Zusammenhang gezeigt, dass die geringen Einkommen
00:18:49
Speaker
bei den Menschen dazu führen, dass die Lebensweise schlechter wird, weniger sportgetrieben wird, weniger auf gesunde Ernährung geachtet wird. Und dann gerade diese Krankenkassenmitglieder extrem viel die Ärzte in Anspruch nehmen und hohe Kosten verursachen. Also die Krankenkassen haben da sehr, sehr gute statistische Zahlen. Also es gibt ganz klar einen Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und dem Gesundheitszustand.
00:19:16
Speaker
Wow, da war jetzt ganz viel drin. Da können wir jetzt auf ganz, ganz viele Dinge eingehen. Vorab, das Buch Die Null-Grenzkostengesellschaft von Jeremy Rifkin gibt es im Get Abstract. In der Zusammenfassung, wenn du lieber Zuhörer dich da eben auch mal mehr einlesen möchtest, kannst du das kostenfreie 3-Tage-Probe-Abo von Get Abstract dir holen. Den Link findest du in ihren Show-Notes oder einfach christian-schwenzel.com-abstrakt.
00:19:45
Speaker
ja sehr sehr spannend sie sagen ja dass quasi strom in der zukunft nichts mehr kosten wird und auch weitere ja vor allem eben auch nahrungsmittel immer günstiger werden aber dadurch natürlich auch die qualität schlechter wird und wenn ich so richtig verstanden habe wäre dann quasi wieder in diesen nichen ein übergang in die tauschgesellschaft da wie es aktuell ja schon ist also
00:20:12
Speaker
Wie können wir uns denn da die Zukunft vielleicht in 10, 15, 20 Jahren vorstellen, was unsere Nahrungsmittel angehen? Also gibt es da dann auch zwei Klassen? Die einen haben diese billige Industrienahrung, wo eigentlich alles synthetisch ist und die anderen bauen noch selber an und tauschen dann untereinander? Also das ist natürlich sehr, sehr davon abhängig, was wir heute tun. Wenn wir davon ausgehen, dass die Kaufkraft der Menschen immer mehr abnimmt und das ja auch durch
00:20:41
Speaker
diese Industrieautomatisierung mit der Robotik im Zusammenhang in den nächsten 20, 30 Jahren auch sehr viele Arbeitsplätze verschwinden werden, die eben nicht alle wieder aufgefangen werden durch Neuentwicklung in der Digitalisierung, weil wir eben nicht mehr in einer Wachstumsgesellschaft sind. Das war ja in der Industrierevolution anders, da sind die Weber arbeitslos geworden, weil die Maschinen kamen und dann gab es eben immer mehr Wachstum und dann sind die auch woanders untergekommen und es sind mehr Arbeitsplätze entstanden.
00:21:11
Speaker
Da wir nicht mehr in der Wachstumsgesellschaft leben, wird es in Zukunft nicht mehr für alle Menschen Arbeit geben. Rifkin spricht vom Ende der Arbeit, was auch eine Folge dieser Null Grenzkostengesellschaft ist. Und jetzt ist die Frage, lässt man das einfach laufen? Wird das ganz klar in eine Zweiklassengesellschaft hinein laufen? Das sieht man bei der Krankenkasse, das sieht man dann in der Ernährung, das sieht man im Tourismus oder
00:21:35
Speaker
Wir stellen eben die Bereichen richtig. Ich bin ja eher jemand, der sich die Entwicklung anschaut und sagt, wir müssen dann auf der anderen Seite der Waage etwas drauflegen. Und wenn jetzt Arbeiten verschwinden, die sowieso keiner gerne macht, also am Fließband zu stehen oder Toiletten sauber zu machen oder Friseur, Haare zu schneiden, weil es extrem schlecht bezahlt wird, wäre es ja eigentlich ein Fortschritt, wenn man die Menschen von dieser Arbeit erlöst. Jetzt muss man natürlich gucken, was macht man mit den Menschen?
00:22:02
Speaker
Und da ist ja eine sehr sinnvolle Gegengewichtung, das bedingungslose Grundeinkommen. Also wenn man das jetzt koppelt und sagt, die Gesellschaft baut sich eh um und sucht jetzt nach den Chancen, sagt, wir geben den Menschen eine Sinnstiftung, eine Grundabsicherung, dann wären sie auch wieder in der Lage, sich sozusagen gut und gesund zu ernähren. Weil diese Grundabsicherung, da ist ja Wohnen drin, Bildung und Nahrung.

Abschluss und Community-Einladung

00:22:28
Speaker
Und wenn das käme,
00:22:29
Speaker
würde ich sagen, rutschen wir nicht in eine Zweiklassengesellschaft hinein, hier in Deutschland. Wenn man aber alles so laufen lässt, wie es jetzt ist, wird das, denke ich, so werden, dass es in vielen Bereichen einfach eine Zweiklassengesellschaft gibt und die Schere natürlich auch immer weiter auseinandergeht. Vielen Dank, dass du den ersten Teil unseres Interviews mit Herrn Professor Timo Leukefeldt angehört hast. Hör jetzt gleich in den zweiten Teil rein und abonniere den Podcast.
00:22:59
Speaker
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00:23:25
Speaker
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