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Tölt Training reloaded: wenn der Knoten platzt

S6 E204 · Takt und Verstand - der Islandpferde Podcast
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775 Plays9 days ago

In dieser Folge teilen wir mal wieder Einblicke in unser Tölt Training. Bei Svenja und Stefnir ist ein Knoten geplatzt, Stefnir hat große Fortschritte im Tölt gemacht und Svenja teilt ihre Strategien und Erfahrungen. Wer neue Impulse für sein Tölt Training braucht, sollte diese Folge unbedingt anhören!


Diese Folge enthält gemafreie Musik von frametraxx.de

Recommended
Transcript

Einführung in den Podcast: Islandpferde mit Svenja und Melanie

00:00:03
Speaker
Takt und Verstand, der Islandpferde-Podcast.
00:00:07
Speaker
Alles rund ums Islandpferd mit Svenja und Melanie.

Svenjas Fortschritte im Pferdetraining

00:00:26
Speaker
Hi Svenja, herzlich willkommen zurück.
00:00:30
Speaker
Hallo, schön dich zu sehen und zu hören und wieder eine neue Folge hier im Podcast zu besprechen.
00:00:36
Speaker
Ich freue mich.
00:00:38
Speaker
Ich freue mich auch.
00:00:39
Speaker
Wie ist es dir denn die letzten zwei, drei Wochen ergangen?
00:00:43
Speaker
So, mit dem Pferdetraining.
00:00:46
Speaker
Also.
00:00:47
Speaker
Sag es bitte einfach in drei bis fünf Sätzen.
00:00:50
Speaker
Kurz gesagt, gut.
00:00:52
Speaker
Das ist mir zu kurz.
00:00:55
Speaker
Nein, also ich hatte das letzte Jahr ganz schön mit dem Thema Passigkeit und auch mit dem Thema Vorwärts zu kämpfen.
00:01:05
Speaker
Und irgendwie platzen jetzt so ein paar Knoten.
00:01:10
Speaker
Und deswegen bin ich mega happy, obwohl ich noch nicht sagen würde, dass wir jetzt an einem Stand sind, wo ich sage, guck mal hier, ich zeige jedem, wie mein Pferd läuft und ich bin ultra stolz.
00:01:17
Speaker
Guck mal, was für ein geiler Teil, geiles Teil.
00:01:22
Speaker
Aber ich würde sagen, es geht irgendwie jetzt was, was ganz lange nicht gegangen ist.

Herausforderungen mit Stepnier: Passiver Widerstand

00:01:29
Speaker
Das ist schon mal spannend.
00:01:31
Speaker
Was ist denn ganz lange nicht gegangen?
00:01:33
Speaker
Und von welchem Pferd sprichst du?
00:01:35
Speaker
Also ich spreche von Stepnier, der ist ja sehr fünfgängig veranlagt und
00:01:42
Speaker
Ich weiß nicht, ob du dich noch an die Male erinnern kannst, wo du so die ersten Male drauf saßt und ihn geritten bist.
00:01:48
Speaker
Er war immer so ein Pferd, der eher so ein bisschen klemmig war, passig war.
00:01:53
Speaker
Also der hat schon immer genug Gang an sich gehabt, aber halt mit der Tendenz zu sehr passig.
00:01:59
Speaker
Am Anfang würde ich sagen, er ist eigentlich rein Schweinepass gelaufen und man hat nicht von Tölt unbedingt sprechen können.
00:02:05
Speaker
Und halt dazu alles so ein bisschen energieloser oder klemmig.
00:02:09
Speaker
Also irgendwie, man hat so das Gefühl gehabt,
00:02:12
Speaker
Es verhungert alles so irgendwo am Widerriss und es geht nicht die Bewegung durch den Körper durch, es zieht nicht nach vorne, so ein bisschen das.
00:02:19
Speaker
Und das hat uns jetzt doch ziemlich lange begleitet, das Thema.
00:02:23
Speaker
Ja, der war einfach so ein bisschen eumelig.
00:02:26
Speaker
Der ist da so nett vor sich hin gejuckelt.
00:02:29
Speaker
Genau, gejuckelt trifft es eigentlich ganz gut.
00:02:31
Speaker
Also du hast was gemacht, so 50% von deinen Hilfen sind irgendwo im Sande verlaufen.
00:02:37
Speaker
Bisschen was ist angekommen, bisschen was hat er wahrscheinlich auch noch wegignoriert.
00:02:40
Speaker
Und Reiten an sich war jetzt nicht so aufregend, sagen wir es mal so.
00:02:45
Speaker
Es war eher so ein bisschen schwerfällig alles, so ein bisschen hä.
00:02:49
Speaker
Ja, das war jetzt natürlich deine Interpretation.
00:02:52
Speaker
Aber und was ist jetzt anders?
00:02:56
Speaker
Mein Pferd geht vorwärts und zwar wirklich vorwärts.

Fortschritte bei Stepniers Energie und Zusammenarbeit

00:03:01
Speaker
So vorwärts, dass ich sage, okay, wir müssen jetzt daran arbeiten, dass er jetzt diese Energie, die er entwickelt hat, auch irgendwie sinnvoll im Körper umsetzen kann und nicht einfach nur rennt.
00:03:11
Speaker
Und insgesamt einfach so die Reaktivität, die Kraft erfolgt,
00:03:17
Speaker
Das Reitgefühl, es macht jetzt einfach, du hast jetzt das Gefühl, du hast ein Pferd unter dir.
00:03:22
Speaker
Sagen wir es mal so.
00:03:23
Speaker
Du hast jetzt so ein Reitpferd unter dir, du sitzt jetzt drauf und merkst, der ist ready, der ist da.
00:03:27
Speaker
Da ist so, okay, was machen wir heute?
00:03:29
Speaker
Es ist mehr so, du hast jetzt das Gefühl, er denkt jetzt mehr mit dir zusammen mit.
00:03:33
Speaker
Und am Anfang war es eher so, so ein bisschen er denkt für sich, er juckelt für sich darum, hat eine gute Zeit.
00:03:40
Speaker
Und jetzt hat man eher das Gefühl, er denkt mit dem Reiter zusammen in Richtung, was arbeiten wir heute oder was erleben wir heute gemeinsam.
00:03:47
Speaker
Und das ist nicht so...
00:03:49
Speaker
ja, ich gehe raus und bin brav und alles ist schön, sondern es ist eher so ein gemeinsames Ding.
00:03:56
Speaker
So hatte ich jetzt das letzte Mal das Gefühl, weil ich durfte ihn ja jetzt letztens auch mal wieder reiten und ich reite das ja nicht so oft.
00:04:03
Speaker
Und für mich sind die Unterschiede da viel, viel größer.
00:04:07
Speaker
Ja, er hat jetzt eine Arbeitsmoral.
00:04:08
Speaker
Er ist jetzt einfach da.
00:04:10
Speaker
Also er ist jetzt einfach bei dir, er ist da und es ist nicht mehr so,
00:04:13
Speaker
du guckst mal, was du hinkriegst, sondern er setzt das auch um, was du ihn fragst, umzusetzen.
00:04:20
Speaker
Das ist für mich ein riesiger, riesiger, riesiger Schritt, weil ich habe schon den Anspruch an meine Reitpferde, dass sie mit mir kommunizieren und immer wieder in einer Art Dialog stehen.
00:04:32
Speaker
Und ich mag das gar nicht, wenn du so passagiermäßig auf einem Pferd sitzt und dich so durch die Gegend tragen lässt.
00:04:40
Speaker
Ja, das ist einfach ein Unterschied der Herangehensweise.
00:04:43
Speaker
Also du bist ja kein Tourist, der nichts machen will.
00:04:46
Speaker
Man will ja schon irgendwie ein bisschen trainieren und arbeiten.
00:04:49
Speaker
Und das ist natürlich super schwierig, wenn du ein Pferd hast, das da nicht mitzieht oder nicht mitziehen kann, das sehr langsam ist, sehr faul ist nach dem Motto, du musst irgendwie überhaupt gucken, dass du das Pferd in Bewegung setzt.
00:05:03
Speaker
Ja.
00:05:03
Speaker
Kannst du das auch von Halas Jadna damals oder war die schon immer eigentlich so, dass sie gut vorwärts gelaufen ist?

Melanies Erfahrungen mit Halas Jadna: Ein ähnlicher Trainingsweg

00:05:10
Speaker
Nee, die musste das auch lernen.
00:05:13
Speaker
Vor allem, also als ich die angeritten habe, war das eine Zeit lang auf dem Platz oder in der Halle oder so.
00:05:19
Speaker
Da hat sie das gar nicht verstanden, warum sie da im Kreis laufen soll.
00:05:23
Speaker
Und da mussten wir schon auch ein bisschen durchboxen, dass sie da auch lernt, auch dort zu laufen, vorwärts zu gehen.
00:05:32
Speaker
Im Gelände war das besser, aber da gab es auch Phasen, wo sie im Gelände eher langsam unterwegs war.
00:05:40
Speaker
Ich meine, die hat von sich aus schon immer ein bisschen mehr Gehwillen und Bewegungswillen.
00:05:45
Speaker
Aber so wie es jetzt ist und das Richtige, dass man sie anschalten kann und dass sie wirklich läuft und richtig auch Spaß hat, das musste die auch erst lernen.
00:05:57
Speaker
Das war nicht von Anfang an so da.
00:05:59
Speaker
Ja, dieses Anpacken, dass man wirklich das Gefühl hat, das Pferd, das packt so an und sagt, okay, wir gehen jetzt und wir machen das jetzt.
00:06:06
Speaker
Das entwickelt sich natürlich mit der Zeit.
00:06:08
Speaker
Und viele werden jetzt aufschauen und sagen, hey, ist ja klar, ein Jungpferd, das muss erst Kraft aufbauen, das muss erst verstehen, was es tun soll.
00:06:14
Speaker
Und da stimme ich absolut zu, das ist für einen Jungpferd absolut normal, dass die am Anfang natürlich noch nicht so anpacken, wie dann später, wenn sie einfach auch körperlich dazu in der Lage sind und mental sind.
00:06:26
Speaker
Und ich glaube, so war es bei Halas Diadna.
00:06:28
Speaker
Also gerade als Junge, die musste das einfach lernen und Kraft bekommen, weil bei ihr hatte ich nie so das Gefühl wie jetzt bei Steffen, dass sie so krass auf der Bremse steht, sondern es war eher dieses Jungpferde-Ding.
00:06:42
Speaker
Aber es gibt natürlich auch Pferde, die vom Temperament her anders sind oder denen man auch Temperament in gewissem Maßen mehr beibringen kann oder muss.
00:06:53
Speaker
Also du meinst mit Temperament jetzt wahrscheinlich vorwärts?

Einfluss von Temperament und Charakter auf das Training

00:06:57
Speaker
Ja, und auch diesen Willen, weil natürlich ist es auch genetisch festgelegt und charakterlich und Temperament ist ja auch einfach eine Eigenschaft.
00:07:06
Speaker
Aber man kann da, glaube ich, auch so ein bisschen was rauskitzeln.
00:07:10
Speaker
Also es gibt ja Pferde, die sind sehr in sich und gehen nicht raus und sind dann eher so ein bisschen...
00:07:17
Speaker
Und schüchtern und da kann man auch ein bisschen was rauskitzeln.
00:07:22
Speaker
Natürlich kannst du nicht den Charakter komplett ändern, aber ich finde, man kann denen auch beibringen, ein bisschen mehr anzupacken.
00:07:29
Speaker
Tatsächlich hatte ich bei Steppen ja nicht das Gefühl, dass er schüchtern ist in dem Sinne, sondern ich glaube, bei ihm war es mehr so eine Art Selbstschutz.
00:07:36
Speaker
Der war ein Pferd, der war schon immer sehr selbstbestimmt und hat seine Grenzen,
00:07:41
Speaker
Gegenüber den Menschen immer sehr klar definiert.
00:07:43
Speaker
Also er hat immer gesagt, er hat nicht immer gesagt, aber er hat schon auch mal gesagt, bis hierhin und nicht weiter, das kann ich, das kann ich nicht.
00:07:51
Speaker
Und es war immer schon ein Pferd, der nicht einfach nur kompromisslos ausgeführt hat, was du von ihm wolltest, der hat alles, was er umsetzen konnte, für dich gemacht, ohne dass du zweimal nachfragen musstest.
00:08:02
Speaker
Wirklich.
00:08:02
Speaker
Wirklich, also alle Aufgaben, die er lösen konnte, macht er auf Anhieb, macht er mega toll, er ist super kooperativ.
00:08:08
Speaker
Und wenn es an seine körperlichen und mentalen Grenzen geht, dann zeigt er dir das auch deutlich.
00:08:13
Speaker
Und das fand ich extrem spannend.
00:08:15
Speaker
Das hatte ich bei meinen Jungpferden in der Vergangenheit oft eher nicht so, sondern die konntest du auch mal über ihre Grenzen hinaus pushen und die haben das mitgemacht.
00:08:25
Speaker
Ob das immer gut war oder nicht, darüber kann man sich streiten.
00:08:29
Speaker
Aber er ist da schon eher am Pferd, das tendenziell eher gesagt hat, halt Stopp.
00:08:33
Speaker
Und dann ist halt auch die Frage, ob er dieses Klemmige auf der Bremse stehende auch so ein bisschen aus Selbstschutz quasi genutzt hat.

Herausforderungen im Training: Selbstschutz bei Stepnier

00:08:42
Speaker
Es kommen noch verschiedene Faktoren hinzu, die das Ganze natürlich begünstigt haben und es gibt natürlich Strategien, wie man daraus rauskommen kann, aber ich glaube schon,
00:08:51
Speaker
dass es nicht nur Faulheit war oder körperliches Unvermögen, sondern so ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren war und auch ein bisschen eben der Charakter mit reingespielt hat.
00:09:01
Speaker
Und Pferde, die jetzt so schüchtern und in sich gekehrt sind, die kriegt man da, glaube ich, leichter, indem man ihnen einfach die wilde, weite Welt zeigt und die selbstsicherer werden.
00:09:11
Speaker
Ja, einfach Selbstbewusstsein auch aufbauen und dann wird das Temperament sozusagen, das, was sie eigentlich haben, auch einfach, dann kommt das auch einfach raus.
00:09:20
Speaker
Genau, aber ich glaube, bei ihm war es eben nicht dieses Selbstbewusstsein, was per se gefehlt hat.
00:09:27
Speaker
Und das war für mich einfach wahnsinnig knifflig, weil das andere kannte ich gut.
00:09:32
Speaker
Aber das hatte ich so bei keinem Reitpferd vorher.
00:09:35
Speaker
Und du hast gemerkt, der hat Antritt, der hat Go, das ist schon immer wieder durchgekommen.
00:09:40
Speaker
Aber im Alltag hat sich das einfach nicht gezeigt.
00:09:42
Speaker
Und da musste ich viel dran arbeiten und viele Strategien anwenden und viel auch andere Aspekte anschauen, um wirklich zu verstehen, wie wir darüber hinwegkommen können und was wir tun können.
00:09:53
Speaker
Und ich glaube, jetzt...
00:09:55
Speaker
Im Nachhinein hätte man viele Umwege nicht gehen müssen, wäre man einfach schon auf dem Wissensstand von jetzt gewesen.
00:10:00
Speaker
Das kann man schon sagen.
00:10:02
Speaker
Ja, du warst ja länger im Prinzip auf der Stelle und bist nie so ganz über diesen Punkt drüber gekommen.
00:10:07
Speaker
Es waren immer so Kleinigkeiten, die sich verbessert haben oder...
00:10:11
Speaker
Aber du bist nie so, dass der Knoten wirklich aufgegangen ist, dass man da drüber gegangen ist.
00:10:16
Speaker
Und da warst du ja teilweise auch ein bisschen verzweifelt und hast gesagt, ja, ich weiß nicht, ob das überhaupt das richtige Pferd für mich ist, ob es überhaupt noch kommt.
00:10:25
Speaker
Vielleicht ist er auch einfach...
00:10:27
Speaker
ein super liebes Pferd mit wenig Temperament, der einfach für jemand anderen besser geeignet wäre, der zum Beispiel nicht in die Richtung Turnier oder einfach mehr möchte von seinem Pferd.
00:10:41
Speaker
Vielleicht musst du, dann warst du auch schon so weit, wo du gedacht hast, vielleicht muss ich auch mal über ein anderes Pferd nachdenken oder so, ob das wirklich perfekt passt.
00:10:49
Speaker
Und das ist, glaube ich, schon auch, sagen wir mal, eine Phase, die auch anstrengend und mental anstrengend und frustrierend war.
00:10:56
Speaker
weil du immer das Gefühl hattest, du spürst zwar ein Potenzial, aber du kommst da nicht hin und es geht nicht.
00:11:03
Speaker
Und wenn du jetzt einen großen Schritt weitergekommen bist, ist halt mega cool zu sehen.
00:11:11
Speaker
Und hier sind wir auch wieder an einem Punkt, wo man klar sagen muss, es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn man sagt, okay, man fragt,
00:11:18
Speaker
kommt da nicht zusammen.
00:11:19
Speaker
Also ich habe halt gesagt, ich will dann auch nicht mein Pferd in irgendeine Rolle reindrücken, die es nicht erfüllen kann.
00:11:24
Speaker
Das wäre auch vollkommen in Ordnung gewesen.
00:11:26
Speaker
Aber ich liebe einfach seinen lustigen Charakter und ich liebe dieses Pferd einfach für das, was es ist.
00:11:32
Speaker
Und ich wäre schon sehr traurig gewesen, hätte ich ihn jetzt aus dem Grund abgeben müssen, einfach nur, weil er vom Potenzial her nicht passt.
00:11:39
Speaker
Das ist irgendwie auch ein bisschen schade, aber
00:11:42
Speaker
umso mehr bin ich jetzt wirklich vom Glück erfüllt, dass er jetzt so einen Schritt weiter gegangen ist und er wird nie das ultraspektakuläre WM-Pferd werden.
00:11:52
Speaker
Das kann man ihm natürlich nicht zusprechen, aber ich möchte einfach, dass er ein schön anzuschauendes Reitpferd wird, wo man sagt, der läuft harmonisch, der trägt sich, der hat Ausstrahlung, der sieht nett aus.
00:12:04
Speaker
So, das wünsche ich mir halt schon.
00:12:06
Speaker
Ja, und er ist halt eher der Typ Pferd, das länger braucht, um an diesen Punkt zu kommen und der vielleicht auch körperlich diverse Baustellen hatte und ein Pferd, bei dem man einfach andere Strategien anwenden muss, als jetzt bei so einem, sagen wir mal, klassischen Jungpferd, das ins Muster passt.
00:12:25
Speaker
Der Schlüssel ist, glaube ich, tatsächlich immer noch das Warten.
00:12:30
Speaker
Und ich habe ihn ja schon langsam angearbeitet.
00:12:32
Speaker
Ich habe mit ihm ja nur halbe Geschwindigkeit gemacht von dem, was ich normalerweise mit einem Pferd in einem Alter gemacht hätte.
00:12:38
Speaker
Magst du vielleicht noch mal kurz sagen, sorry, wenn ich da reinspringe, wie alt der jetzt ist?
00:12:42
Speaker
Einfach damit man unsere Hörerinnen noch mal genau wissen, in welchem Zustand wir gerade sind.
00:12:48
Speaker
Jetzt muss ich überlegen, der ist 2017 geboren, der wird jetzt neun.
00:12:52
Speaker
Kann das sein?
00:12:53
Speaker
Ja.
00:12:54
Speaker
Schon?
00:12:55
Speaker
Ja, es ist beängstigend.
00:12:57
Speaker
Ich musste überlegen, ich habe den mit dreieinhalb Jahren quasi bei mir gehabt.
00:13:01
Speaker
So lange ist er schon da.
00:13:02
Speaker
Es ist erschreckend, wie die Zeit verfliegt.
00:13:05
Speaker
Und jetzt erst kommen wir an einen Punkt, wo ich sage, da wird jetzt erst ein Reitpferd, das mir anfängt zu gefallen und das ich gerne reite.
00:13:11
Speaker
Das ist unfassbar.
00:13:13
Speaker
Es ist wirklich verrückt.
00:13:15
Speaker
Aber er ist...
00:13:18
Speaker
in Anführungsstrichen schon alt und ich würde eigentlich von einem neunjährigen Pferd schon sehr, sehr, sehr viel mehr erwarten, was seine Skills

Physische Entwicklung und Geduld im Training

00:13:25
Speaker
angeht.
00:13:25
Speaker
Und es zeigt sich einfach, dass erstens er körperlich ein extremer Spätsünder ist, der fängt jetzt erst an, in der Brust vorne breiter zu werden, der fängt jetzt erst an, wirklich die Muskulatur aufzubauen, das Goal zu entwickeln
00:13:40
Speaker
Und es hat einfach, auch da gab es körperlich einfach Grenzen, wo es nicht weiterging.
00:13:45
Speaker
Und das war für mich extrem schwierig zu akzeptieren.
00:13:49
Speaker
Ja.
00:13:49
Speaker
Weil ich halt immer eigentlich gedacht habe, der ist jetzt schon so und so alt, der sollte jetzt das und das können.
00:13:54
Speaker
In meiner Vorstellung gibt es ja immer so kleine Checkpunkte sozusagen, der sollte jetzt das und das und das können.
00:13:59
Speaker
Und wir waren halt irgendwie noch nicht mal bei einem Drittel von den Sachen.
00:14:01
Speaker
Und
00:14:03
Speaker
Da ist halt auch einfach wieder zu sagen, das ist nichts, was du jetzt mit Gewalt oder mit Abkürzungen oder mit Durchdrücken hinbekommen hättest, weil das waren einfach seine körperlichen Grenzen.
00:14:12
Speaker
Und er hatte die Kraft einfach nicht und er konnte das nicht.
00:14:14
Speaker
Und jetzt merkst du, kriegt er halt auf einmal, also was in den letzten Wochen oder Monaten an Kraft da aufgebaut wurde und an Go sich entwickelt hat, ist einfach nur verrückt.
00:14:25
Speaker
Das ist ein Pferd, der galoppiert mir jetzt am Stück Runde um Runde, wenn ich das will.
00:14:29
Speaker
Und das war noch vor einem halben Jahr nicht denkbar.
00:14:31
Speaker
Ja, da hat er zwei Runden geschafft und war todesfertig.
00:14:35
Speaker
Und das ist natürlich auch das Training und auch die Fütterung und auch körperliche Themen, aber es ist halt einfach auch, sich die Zeit zu nehmen, das Pferd sich entwickeln zu lassen und das ist nicht immer einfach.
00:14:47
Speaker
Es ist schwierig.
00:14:48
Speaker
Weil da muss man Kontrolle abgeben.
00:14:52
Speaker
Das liegt nicht immer in deiner Hand.
00:14:54
Speaker
Ja, das ist auch was, da kannst du nichts machen.
00:14:55
Speaker
Also da kannst du nicht sagen, okay, ich kann das irgendwie beeinflussen und sagen, ich finde da einen Weg, sondern du musst einfach abwarten.
00:15:03
Speaker
Wie ist es denn jetzt im Tölt?
00:15:05
Speaker
Ist er denn jetzt immer noch schweinepassig unterwegs?
00:15:08
Speaker
Er wird mit Sicherheit noch eine Weile der Typ Dieselmotor bleiben.
00:15:13
Speaker
der Typ fährt, der einfach ein bisschen Zeit braucht, um sich warm zu laufen.
00:15:16
Speaker
Das ist schon so.
00:15:17
Speaker
Er läuft nicht, tackla los.
00:15:19
Speaker
Das ist, glaube ich, auch oder wäre auch die falsche Erwartung, aber wir sind
00:15:23
Speaker
weit weg von dem anfänglichen Schweinepass-Gelatsche, irgendwo durch die Gegend und was wir jetzt haben, ist einfach, ich würde von Tölt sprechen, ja, der Tölt ist noch etwas gebunden, aber es ist einfach schon ein ordentlicher Tölt und die Qualität vom Tölt wird auch während einer Reiteinheit richtig, richtig nett, es wird richtig ordentlich, wir können jetzt anfangen, da auch wirklich viel zu arbeiten und
00:15:45
Speaker
Ich bin ein bisschen stolz, weil in der letzten Reitstunde hat er dann tatsächlich angefangen, das erste Mal sowas Tänzerisches zu bekommen.
00:15:50
Speaker
Und das ist eigentlich genau das, was ich mir für dieses Pferd immer gewünscht habe, dass er einfach anfängt, sich ein bisschen zu tragen, so ein bisschen Ausdruck zu bekommen.
00:16:00
Speaker
Und ich denke, das ist einfach das, wo wir hinwollen.
00:16:03
Speaker
Aber du weißt ja noch, wie der angefangen hat.
00:16:05
Speaker
Ich meine, das war ein Schweinepassgewatschel auf der Stelle und es war schwierig, da irgendwie Energie oder sonst irgendwas reinzubekommen, weil bist du vorwärts geritten, hat er sich verspannt.
00:16:14
Speaker
Wolltest du was von ihm, hat er sich verspannt.
00:16:17
Speaker
Es war einfach immer schwierig.
00:16:19
Speaker
Jetzt möchte ich aber dann natürlich auch wissen, wie du da hingekommen bist.
00:16:23
Speaker
Genau, und ich glaube, es ist mega wichtig, sich da mal anzugucken, okay, wie kommt man denn von so einem schweinepassenden, verspannten, energielosen Pferd zu einem Pferd, was wirklich ein Reitpferd ist, was unter dir anfängt zu tanzen.
00:16:36
Speaker
Ich übertreibe es mal ein bisschen, aber ich glaube, das ist schon das, wo wir eigentlich hinwollen.

Strategien zur Förderung der Vorwärtsbewegung

00:16:40
Speaker
Und das allererste, und das, glaube ich, hast du mit Halasiatna auch so gemacht, da unterscheidet sich die Jungpferdearbeit, glaube ich, gar nicht von der Arbeit, die ich mit ihm gemacht habe, war, okay, wir lassen Platz und Halle und alles das, was nicht gut funktioniert, erstmal weg und konzentrieren uns auf Gelände, auf Vorwärts in der Gruppe.
00:16:58
Speaker
Ich habe immer gesagt, ich will Wildreiten gehen, also viel Tölt, Galopp,
00:17:03
Speaker
erst mal sagen, okay, wenn es nicht perfekt ist, ist es nicht so schlimm, wenn die Haltung nicht so perfekt ist, ist es nicht so schlimm, Hauptsache, er entwickelt so eine gewisse Freude am Laufen, das war mir das Allerwichtigste, weil, wenn man dieses Pferd geritten ist, man hat immer die Tendenz, so anzufangen, den so zu bearbeiten, weißt du, dass du so klemmig da oben drauf saß und immer so vorwärts geschoben hast und so jeden Schritt versucht hast, rauszutreiben und es wurde eigentlich immer beschissener und
00:17:26
Speaker
Dauer treiben, weil das Pferd sonst stehen bleibt oder langsam macht, ist mein persönlicher absoluter Albtraum.
00:17:34
Speaker
Ich hasse es, wenn das Pferd nicht von selber laufen möchte.
00:17:39
Speaker
Es macht mich wahnsinnig.
00:17:40
Speaker
Es macht mich schon wahnsinnig, wenn ich ein Pferd mit Halfter hole von irgendwoher und ich muss es hinter mir herschleifen.
00:17:46
Speaker
Es nervt mich.
00:17:47
Speaker
Da kriege ich richtig Aggression.
00:17:52
Speaker
Es ist schlecht, ich weiß, so emotional zu sein, aber das nervt mich wahnsinnig.
00:17:56
Speaker
Und genau das war das Ziel, erst mal das rauszubekommen, dass man sagt, okay, der lernt es einfach mal zu laufen.
00:18:02
Speaker
Und da war es mir auch egal, wie er läuft, Hauptsache er läuft.
00:18:05
Speaker
Also das war wirklich so die wilde Phase, da muss man auch, glaube ich, vieles beiseite liegen lassen und sagen, okay,
00:18:11
Speaker
Da ist auch erstmal Schweinepass okay, weil wir müssen separieren.
00:18:19
Speaker
Wir können nicht alles auf einmal lösen, also müssen wir den, sagen wir mal, rudimentärsten Basic-Punkt als allererstes angehen und das ist Vorwärtslaufen.
00:18:27
Speaker
Voll.
00:18:28
Speaker
Und da ist es wirklich umso wilder, je oller, desto doller mit Ausreitkollegen einfach sagen, okay, kurz und knackig und es geht hier nicht darum, irgendwie irgendwelchen Normen zu entsprechen und es darf früher auch mal ein bisschen, ja, irgendwie nicht so sein, wie man es sonst machen würde.
00:18:45
Speaker
Und bei diesen Pferden, also ich wusste bei ihm einfach, man riskiert da nichts, der wird nicht blöd oder ein Durchgänger oder sowas.
00:18:52
Speaker
Und das war so ein bisschen die erste Strategie.
00:18:54
Speaker
Einfach ihn immer wieder loben, wenn er vorwärts gelaufen ist, wenn es irgendwie voranging und den Rest erstmal gut sein lassen.
00:19:01
Speaker
Und das Ganze war als nächster Schritt, habe ich das dann auf der Ovalbahn etabliert, weil ich mir gesagt habe, okay, in der Halle brauche ich das jetzt nicht direkt umsetzen.
00:19:09
Speaker
Ich habe die Möglichkeit, auf der Ovalbahn zu reiten.
00:19:12
Speaker
Zum einen ist da der Boden sehr viel einfacher für die Pferde, weil der nicht so tief ist.
00:19:15
Speaker
Die kommen besser weg.
00:19:17
Speaker
Und das ist diese Weitsichtigkeit, die haben ein bisschen mehr Offenheit auf der Umarbahn.
00:19:22
Speaker
Bisschen mehr Gelände-Feeling.
00:19:24
Speaker
Genau, das animiert die einfach mehr zum Laufen, als wenn sie in der Halle laufen, wo sie gefühlt von Wand zu Wand laufen.
00:19:30
Speaker
Das war dann das Zweite.
00:19:31
Speaker
Und was ich da ganz streng beachten musste, war, ich habe einfach aufgehört, primär mit dem Schenkel zu reiten.
00:19:39
Speaker
Jetzt werden manche sagen, oh mein Gott, aber das ist doch eine von den wichtigsten Hilfen und so weiter.
00:19:42
Speaker
Ja, ich auch, weil du willst ja, dass das Pferd auf deine primäre Schenkelhilfe reagiert.
00:19:49
Speaker
Wenn es das aber nicht tut, was mache ich denn dann?
00:19:51
Speaker
Genau, erstmal will ich aber, dass das Pferd lernt, einfach einen Gang einzulegen und die Energie von selber zu halten.
00:19:56
Speaker
Und wenn ich da immer mit dem Schenkel komme, dann wird das Pferd einfach nur noch stumpf.
00:19:59
Speaker
Es hilft nichts.
00:20:00
Speaker
Ich muss mir überlegen, okay, was will ich?
00:20:02
Speaker
Das heißt, ich darf den Schenkel einmal einsetzen, es reagiert nicht, dann setze ich den Schenkel vielleicht nochmal ein, es reagiert nicht, dann nehme ich die Gerte.
00:20:10
Speaker
Natürlich habe ich meinem Pferd das nicht verhauen, sondern ich habe zum Beispiel Stiefel angehabt und habe die Gerte gegen die Stiefel gehauen.
00:20:15
Speaker
Ich habe die Gerte in die Luft genommen und sie durch die Luft gewedelt.
00:20:18
Speaker
Ich habe mir was einfallen lassen.
00:20:20
Speaker
Und immer dann, wenn mein Pferd so einen Schub nach vorne gekriegt hat, habe ich es gelobt.
00:20:23
Speaker
Und das kann sogar als Reiter relativ unangenehm sein, wenn das Pferd wie so einen Schritt nach vorne macht.
00:20:28
Speaker
Und man muss einfach aufpassen, dass man dann nicht gleichzeitig wieder abbremst direkt.
00:20:33
Speaker
weil man sich vielleicht kurz erschreckt, weil das Pferd wie so einen kleinen Minisatz nach vorne gemacht hat oder auch mal antrabt, obwohl ich nur im Schritt vorwärts laufen wollte.
00:20:41
Speaker
Aber alles, was in die Tendenz nach vorne geht und Energie ist, muss ich erst mal loben und aufpassen, das nicht gleich abzubremsen.
00:20:50
Speaker
Wenn das Pferd zum Beispiel antrabt und, sagen wir mal, übertrieben reagiert, übertrieben antwortet auf meine Anfrage, lobe ich es erst mal trotzdem und versuche dann wieder langsamer zu machen.
00:21:00
Speaker
Ja, ich meine, du machst ja auch eine übertriebene Hilfe, eine übertriebene Aktion.
00:21:04
Speaker
Das ist ja auch okay, dass das Pferd übertrieben antwortet und sich vielleicht sogar mal ein Hüpferchen nach vorne macht und sich erschreckt.
00:21:10
Speaker
Ich habe das Ganze sogar eher so am durchhängenden Zügel gemacht, damit ich ja nicht anfange zu bremsen, weil ich gesagt habe, okay, erstmal muss der Hintern kommen, erstmal muss der Motor an, davor brauchen wir noch gar nichts machen und
00:21:21
Speaker
Das ist eben so die erste Strategie, dass du sagst, okay, ich muss einfach von mir selber reiterlich weg mit dem Schenkel vorwärts treiben und muss irgendwas anderes finden.
00:21:30
Speaker
Und das kann auch mal so weit gehen, das musste ich jetzt beim Steppen hier nicht machen, aber es kann auch so weit gehen, dass du mal eine Plastiktüte an die Gärte dran bindest und sagst, okay, ich raschle jetzt mit der Tüte und guck mal, natürlich wie gesagt bei Pferden, die sehr, sehr triebig sind, das macht man natürlich nicht bei einem sensiblen Pferd, was eh schon vorwärts läuft, das ist Selbstmord.
00:21:48
Speaker
Aber einfach, um zu sagen, okay, ich sensibilisiere dich jetzt wieder für irgendwas.
00:21:53
Speaker
Und natürlich bringt es nichts, das dauerhaft einzusetzen und dadurch das Pferd wieder stumpf zu machen, sondern es geht davon, ich will eine gewisse Reaktion, das soll irgendwie vorwärts laufen.
00:22:01
Speaker
Und dann lobe ich es übertrieben und darf es von mir erst mal wieder durchparieren oder stehen bleiben oder irgendwas.
00:22:06
Speaker
Aber wir fangen in kleinen Schritten an und sagen, okay, du reagierst einfach auf dieses Signal.
00:22:12
Speaker
immer verbunden mit einmal einem Schenkel, dass das Pferd weiß, jetzt kommt der Schenkel und wenn ich auf den Schenkel nicht reagiere, kommt ein Signal, das ich potenziell vielleicht ein bisschen ungeheuer finde.
00:22:22
Speaker
Ja, das ist ja wie so ein nach vorne treibend Rascheln im Gebüsch oder sowas simuliert das ja praktisch.
00:22:28
Speaker
Deswegen funktioniert auch das nach dem Motto, ich haue mit der Gärte einfach drauf, weil das kein natürliches Antreiben ist.
00:22:36
Speaker
Es ist nicht logisch für die Pferde, nein.
00:22:38
Speaker
Wollte ich jetzt an der Stelle nur nochmal betonen.
00:22:41
Speaker
Absolut, absolut richtig und was man dann eben bedenken muss, es geht nicht darum, deinem Pferd Angst zu machen und es panisch vorwärts rennen zu lassen, sondern es geht nur um deinen Impuls, weil du willst einen anderen Weg als Draufrauen finden, wie du deinem Pferd verständlich machen kannst, dass es vorwärts laufen soll und dann nutzen wir natürlich ein bisschen den Fluchtreflex des Pferdes.
00:22:59
Speaker
Bedeutet aber nicht, dass diese Pferde jetzt total Stress oder Angst haben müssen.
00:23:03
Speaker
Habe ich noch nie erlebt bei einem von den Pferden, wo ich das angewandt habe, dass die dann total durch den Wind waren.
00:23:08
Speaker
Also so weit soll man es nicht treiben, sondern man soll einfach das Signal setzen und loben.
00:23:11
Speaker
Und dann checken die das super schnell.
00:23:13
Speaker
Das machst du ja bei Pferden, die generell eher so ein bisschen...
00:23:17
Speaker
langsamer im Gemüt sind, was jetzt nichts Schlechtes ist, aber bei einem sehr, sehr temperamentvollen, sehr reaktiven Pferd brauchst du gar nicht so krasse Anregungen, bei denen funktioniert es viel einfacher.
00:23:28
Speaker
Da geht es eher darum, dieses vorwärts in geordnete und gesicherte Bahnen zu lenken.
00:23:35
Speaker
Und das machst du auch nicht lange.
00:23:36
Speaker
Also eigentlich verstehen die Pferde das sehr schnell.
00:23:39
Speaker
Und beim Stepnir war es tatsächlich so, der hat ziemlich schnell gecheckt und ich habe das aber auch forciert.
00:23:44
Speaker
Auf der Ovalbahn wird getöltet, garoppiert.
00:23:47
Speaker
Zwischendrin gibt es mal eine Stehpause.
00:23:48
Speaker
Also ich habe versucht natürlich die Einheiten, wo es vorwärts ging, kurz zu halten erstmal.
00:23:54
Speaker
Dass ich das Gefühl hatte, er kann die auch einhalten.
00:23:56
Speaker
Und dann wird durchpariert und eine Pause gegeben und ich erhalte das ziemlich cool.
00:24:00
Speaker
Das ist 15 Minuten reichen.
00:24:03
Speaker
Ich reite dahin im Schritt, dann ist er aufgewärmt.
00:24:05
Speaker
Ich gehe auf die Bahn, schotter wirklich, sag, Tölt, Galopp, yeah, geil, super, noch ein Trab, gut gemacht, kurze Pause, loben.
00:24:12
Speaker
Und dann gehe ich wieder.
00:24:13
Speaker
Und er wusste das.
00:24:14
Speaker
Und er war dann nach kürzester Zeit auf die Bahn gekommen und er hat gemerkt, okay, ich weiß, was los ist.
00:24:19
Speaker
Ich muss jetzt gleich schottern.
00:24:21
Speaker
Und dann brettert.
00:24:22
Speaker
Und das hat mich aber so gefreut, weil er das erste Mal so diesen Ansatz gezeigt hat, okay, ich gehe mal brettern, ich gebe mal ein bisschen Gas und so.
00:24:30
Speaker
Und natürlich muss man das dann auch wieder...
00:24:32
Speaker
ein bisschen einfangen und kontrolliert halten, der soll ja nicht durchgehen.
00:24:35
Speaker
Aber ich wusste bei ihm immer, das mit dem Durchgehen ist kein Thema für ihn.
00:24:38
Speaker
Der wird keiner, der blöd wird.
00:24:40
Speaker
Das muss man natürlich ein bisschen feinfühlig abpassen, dass die nicht überdrehen oder total gestresst sind, sondern der war so positiv.
00:24:48
Speaker
Du hast praktisch das genutzt, dass er gecheckt hat, was machen wir hier auf der Bahn immer an Training und hast das gelobt und ihn sozusagen immer weiter motiviert, dass er auch gut verstanden hatte, worum es geht.
00:24:59
Speaker
Und jetzt ist dann der Zeitpunkt zu sagen, ich lenke das jetzt in geordnete Bahnen und fange die Energie so ein, wie ich sie halt fürs Training auch brauche und für guten Tölt brauche.

Verfeinerung des Tölt: Balance und Ausdruck

00:25:08
Speaker
Also nichts, desto trotz haben wir natürlich immer auch an der Rittigkeit gearbeitet und haben natürlich immer Rittigkeitsübungen mit reingenommen.
00:25:16
Speaker
Trotzdem musste er
00:25:18
Speaker
Schenkel weichen, anhalten, antreten, rückwärts, diese ganzen Sachen sind natürlich immer Teil davon und sobald das vorwärts da ist, darf man natürlich auch anfangen, das Pferd und die Energie des Pferdes so ein bisschen mehr zu formen, indem man sagt, okay, es wird ein Kreislauf, es geht von hinten durch den Körper, wird vorne wieder aufgefangen, dass er natürlich anfängt,
00:25:35
Speaker
sich mehr aufzurichten, sich größer zu machen unter dem Reiter und sich dann mehr selbst zu tragen.
00:25:39
Speaker
Das ist klar.
00:25:39
Speaker
Und das ist auch der einzige Weg, wie du dann zu einem besseren Tölt kommst.
00:25:43
Speaker
Weil nur durch Rennen wird das Passige nicht weggehen.
00:25:45
Speaker
Aber du brauchst die Energie aus der Hinterhand, dass das Pferd anfängt, Last aufzunehmen und sich zu tragen.
00:25:50
Speaker
Weil wenn die Energie nicht hergestellt ist, wird er auch nicht zum Tragen kommen.
00:25:54
Speaker
Deswegen ist das einfach der erste Punkt.
00:25:56
Speaker
Und wie ging es dann weiter?
00:25:59
Speaker
Also wie sieht jetzt bei dir so eine typische Einheit auf der Orvalbahn jetzt aus, nachdem du eine Energie da hast?
00:26:06
Speaker
Wie bringst du das jetzt zusammen?
00:26:08
Speaker
Relativ klassisch eigentlich.
00:26:09
Speaker
Also ich habe dann relativ bald angefangen mit kurzen Sequenzen im Schritt nochmal.
00:26:14
Speaker
Wir müssen ja eh zur Orvalbahn reiten, deswegen ist ja schon warm, wenn wir dort sind.
00:26:18
Speaker
dann fange ich an, ein bisschen Schenkelweichen abzufragen, aber mehr so als Gehorsamkeitsfrage, nicht um ihn jetzt mega zu gymnastizieren, sondern einfach nur zu überprüfen, sind alle Hilfen noch da, wo sie sein sollen.
00:26:30
Speaker
Und dann fange ich eigentlich relativ bald im Trab oder im Tölt an, ihn zu lösen.
00:26:34
Speaker
Da darf er einfach nochmal ein bisschen vorwärts laufen.
00:26:36
Speaker
Da geht es erstmal wieder darum, diesen Grundzustand herzustellen.
00:26:39
Speaker
Okay, ich weiß, wo das Gas ist und ich laufe ein bisschen und dann
00:26:44
Speaker
habe ich jetzt eine Zeit lang sehr schnell angefangen, einen Galopp einzubauen, um die Schulter frei zu machen.
00:26:49
Speaker
Und durch den Galopp, der war schon immer durch den Galopp, wurde der frischer.
00:26:53
Speaker
Das war schon immer das, was ihm geholfen hat.
00:26:56
Speaker
Und danach fange ich dann an, im Tölt
00:27:00
Speaker
ja, Außenstellung, Innenstellung, vielleicht ein bisschen Tölt von der Innenkante zur Außenseite zu verschieben, die Kurven mehr auszureiten.
00:27:08
Speaker
So diese Sachen, die man auch normalerweise im Tölt arbeiten würde.
00:27:11
Speaker
Das heißt, du fängst jetzt an, wenn du die Energie hergestellt hast und einigermaßen Lockerheit oder Losgelassenheit mental und körperlich da ist, fängst du an, den Tölt geschmeidiger zu machen und ihn körperlich mehr zu fragen, hey, kannst du dich ein bisschen beweglicher machen?
00:27:26
Speaker
Können wir die Schulter mehr lösen?
00:27:28
Speaker
Können wir vielleicht
00:27:29
Speaker
bisschen mehr Last auf die Hinterhand nehmen, einfach um Gymnastizierung im Tölt auch mehr herzustellen.
00:27:36
Speaker
Genau, er ist ja ein Pferd, das hatte ich am Anfang schon gesagt, der so sehr Bedenken hat damit, die Kontrolle über seinen Körper abzugeben.
00:27:42
Speaker
Und das ist jetzt genau das Thema.
00:27:43
Speaker
Er muss lernen, und das ist für ihn so ein bisschen eine harte Schule, dass er sich jetzt auch ein bisschen beweglich machen lässt.
00:27:49
Speaker
Also dass er es zulässt, dass man sagt, okay, du biegst dich jetzt und lässt los.
00:27:53
Speaker
Weil für ihn war die erste logische Antwort auf zum Beispiel dann den Zügel immer erstmal nochmal eine Spannung.
00:28:00
Speaker
Weil das würde ihn ja aus seiner natürlichen Balance erstmal wieder rausbringen.
00:28:04
Speaker
Und das ist so ein bisschen, dass da galt es, so ein bisschen durchzureiten und zu sagen, doch, doch, probiere es, doch, doch, du kannst es, ich bleibe dran, ich bleibe dran, ich bin geduldig und warte, bis er einmal wirklich loslässt, in zum Beispiel einer Rechtsstellung oder so, dann gehe ich mit der Hand wieder vor, belohne ihn, lasse ihn einfach locker, fluffig nach geradeaus töten.
00:28:22
Speaker
Und da merkst du dann wahrscheinlich auch schnell, wie sich die Töltqualität ändert, oder?
00:28:27
Speaker
Und da verändert sich die Qualität des Töltes extrem und du merkst aber auch, dass das Pferd immer mehr anfängt,
00:28:34
Speaker
zu dir zu kommen und mehr bei dir zu sein und mehr auf dich zu hören.
00:28:38
Speaker
Aber das ist auch ein Weg, der es lange gedauert hat, weil diese Verantwortung über den Körper abgeben, fiel ihm sehr schwer.
00:28:45
Speaker
Und du musst es auch als Reiter recht lange aushalten, weil er kann super gut.
00:28:50
Speaker
Du nimmst den Zügel an, er drückt gegen und verharrt in dieser Position.
00:28:54
Speaker
Also du musst als Reiter auch ganz präzise
00:28:57
Speaker
reiten und sagen, nee, ich möchte jetzt eine Antwort, aber du darfst nicht grob bei der Antwort werden, weil dann wird er scheiße und dann wird er richtig hässig, sondern du musst wirklich so ein Zwischending finden, zu sagen, ich weiß jetzt genau, dass ich die Hilfe in der richtigen Menge gebe und du hast jetzt zu antworten und da abzuwarten und das ist was, was
00:29:17
Speaker
ein bisschen tricky ist, weil du bist so auf so einem schmalen Grat.
00:29:21
Speaker
Man muss so ein bisschen penetrant bleiben, ohne zu stark penetrant zu bleiben, dass es ihn zu sehr stört.
00:29:27
Speaker
Und das ist, glaube ich, wirklich schwierig, da in den Grat zu kommen.
00:29:30
Speaker
Aber da kannst du es ja auch so sehen, es ist wie so ein Spiel miteinander, wie so ein Punkte-Game nach dem Motto, jetzt habe ich gerade einen Punkt gemacht, dann machst du wieder einen Punkt.
00:29:40
Speaker
Aber wichtig ist, dass du am Schluss ein bisschen mehr Punkte gemacht hast, am Schluss der Einheit.
00:29:47
Speaker
Also ich denke, höfliche Penetrans ist hier sehr gut.
00:29:50
Speaker
Das könnten wir so einführen.
00:29:51
Speaker
Das finde ich eine gute Vorstellung.
00:29:55
Speaker
Und am Ende geht es mir nur darum, dass er das umsetzt und auf die Hilfe antwortet.
00:30:01
Speaker
Und dann verlieren wir das wieder und dann suchen wir wieder neu.
00:30:04
Speaker
Also ich finde es immer so ein Spiel vom Suchen und Finden.
00:30:07
Speaker
Du sagst, okay...
00:30:08
Speaker
Wir kommen dahin, er kann das kurz halten, ist ja auch mega der Kraftaufwand fürs Pferd, er trägt sich mehr.
00:30:13
Speaker
Dann lasse ich ihn wieder da raus und dann suchen wir uns wieder neu hin.
00:30:16
Speaker
Und diese Abstände des Suchens werden immer kleiner und die Abstände des Findens oder die Sequenzen des Findens werden immer größer.
00:30:24
Speaker
Und irgendwann ist es dann eben dieses Annehmen und Nachgeben, was das Ganze dann nur noch erhält.
00:30:28
Speaker
Aber das ist natürlich, davon sind wir noch ein bisschen entfernt.
00:30:32
Speaker
Und jetzt bist du ja in der Phase, wo du wirklich im Tölt arbeiten kannst und den auch verbessern kannst, weil er eben erhält Energie, geht weiter vorwärts, reagiert auf die Grundhilfen, Losgelassenheit ist da.

Neue Herausforderungen: Balance und Energiekanalisierung

00:30:45
Speaker
Was sind jetzt die Hürden, die jetzt aufgetreten sind?
00:30:49
Speaker
Weil jetzt, wenn ich jetzt zum Beispiel das bei Konzert betrachte, der hatte ähnliche Themen, obwohl komplett anderes Pferd, komplett anderer Körperbau war.
00:31:00
Speaker
aber der findet dann wieder neue Strategien, um sozusagen dem zu entgehen oder es gibt dann einfach wieder neue Themen, die man lösen muss.
00:31:07
Speaker
Ich meine, das ist normal, das entwickelt sich immer weiter, aber ich habe bei ihm zum Beispiel das Thema Energie mithilfe des Galopps gelöst.
00:31:16
Speaker
Ich habe dann den Tölt in Galopp aufgelöst, wenn ich gemerkt habe, er verliert Energie, weil bei dem war es ja eher, er wird dann
00:31:23
Speaker
Sehr langsam und trabt aus und hat halt gar keine Idee mehr nach vorne.
00:31:28
Speaker
Und durch das Lösen über den Galopp hat das ganz gut funktioniert.
00:31:31
Speaker
Jetzt, dann hat er eine Zeit lang den Galopp genutzt, um mir sozusagen auszugaloppieren aus dem Tölt.
00:31:38
Speaker
Da sind wir jetzt auch wieder durch.
00:31:40
Speaker
Und jetzt kommen aber wieder andere Themen, wie Gegendrücken, mich wegheben, mich nicht mehr sitzen lassen oder halt schnell wegrennen im Tölt.
00:31:50
Speaker
Hat der Steffen das auch?
00:31:52
Speaker
Voll.
00:31:52
Speaker
Also das war relativ schnell, jetzt dann vor ein paar Wochen seine Strategie.
00:31:56
Speaker
Wir haben den jetzt wirklich sehr frisch gemacht.
00:31:59
Speaker
Und da hatte ich gemeint, ja gut, wenn du willst, dass ich renne, dann renne ich halt.
00:32:01
Speaker
Und dann war ich auf einmal, saß ich auf meinem Pferd und dachte mir so, hoppla, wo habe ich den Dingknopf gefunden?
00:32:05
Speaker
Und der ist im wildesten passigen Tölt durch die Halle geschossen und ich war mal kurz einen Moment perplex.
00:32:11
Speaker
Aber das war dann halt seine logische Antwort auf dieses, okay, du möchtest, dass ich vorwärts laufe und ich merke, es wird für mich anstrengend, also warum laufe ich denn da nicht einfach noch mehr vorwärts?
00:32:21
Speaker
Weil...
00:32:22
Speaker
wenn die eh schon so ein bisschen auf der Vorhand sind oder so die Balance so ein bisschen mehr in Richtung Vorhand geht, können die sich über das Tempo sehr gut retten, dass sie dann sagen, okay, ich bleibe auf der Vorhand und es schiebt sich dann so durch die Halle durch das Pferd, sondern weil dieses Kraftaufnehmen bedeutet ja auch verlangsamen, lass auf die Hinterhand dieses Versammelndere und es ist eine ganz logische Antwort, dass sie dann anfangen erstmal noch zu probieren, okay, ich kann dir über das Tempo vielleicht entgehen,
00:32:51
Speaker
Und gib dir halt mal die Antwort.
00:32:52
Speaker
Und auch dieses Büffelige kann dann gut passieren.
00:32:56
Speaker
Das geht ja dann so ein bisschen miteinander einher.
00:32:58
Speaker
Und das ist einfach nur eine Strategie, die die Pferde ausprobieren.
00:33:01
Speaker
Und wir als Reiter müssen einfach mit unserer höflichen Penetranz an unseren Hilfen bleiben und sagen, nee, das war nicht das, was ich dich gefragt hatte.
00:33:10
Speaker
Auch wenn du es natürlich gut findest, dass der jetzt auch mehr vorwärts läuft und nicht dir austrabt oder in Galopp fällt oder in Schritt oder was auch immer.
00:33:20
Speaker
Und trotzdem müssen wir sagen, nee, nee, komm, du weißt eigentlich, wie es geht und dann wieder anfangen mit diesem Suchen und Finde-Spiel und sagen, okay, wir suchen jetzt aber wieder das, wo du mehr zu dir kommst und diese Energie nicht nach vorne einfach in den Boden hinein versinkt, sondern im Pferd aufgefangen wird und mehr in die Aufrichtung und in die Lastaufnahme geht.
00:33:38
Speaker
Und da dann halt auch streng sein.
00:33:41
Speaker
Und es kann schon auch sein, dass du das entweder über eine gebogene Linie machst, wenn das reicht, oder halt auch schon dann mal sehr

Die Bedeutung von Geduld und Konsistenz im Training

00:33:48
Speaker
konsequent bist.
00:33:48
Speaker
Also mir zum Beispiel, ich bin absolut kein Mensch, der ein Vertreter ist, mit starkem Zügelkontakt zu reiten.
00:33:57
Speaker
Aber da gab es jetzt auch Phasen, wo ich dann auch mal sagen musste, halt stopp und jetzt parieren wir mal durch bis zum Halt und klären nochmal, was der Zügel eigentlich bedeutet, ohne dabei jetzt fies zu sein.
00:34:07
Speaker
Aber da habe ich gemerkt, mussten wir dann schon zu dem Punkt zurück, wo wir sagen, okay, und ich drücke jetzt die Hilfe mal kurz durch, weil ich möchte meine Bremse behalten.
00:34:15
Speaker
Weil da ging es dann schon auch darum, dass man sich so ein bisschen drauf gedrückt hat, schneller wurde und gesagt hat, ich teste jetzt mal, ob das nicht ein Weg wäre und da bin ich relativ schnell aufgerufen.
00:34:25
Speaker
dann dahin gegangen, dass ich gesagt habe, okay, und wenn es sein muss, richtig auch wieder zwei Schritte rückwärts, dass wieder mehr Gewicht auf die Hinterhand kommt, dass die Balance wieder hergestellt wird und dann töte ich wieder los.
00:34:35
Speaker
Da sind wir wieder beim Thema Durchlässigkeit.
00:34:38
Speaker
Voll, voll.
00:34:39
Speaker
Und die geht dann auch dann mal wieder kurz, wenn es in die Richtung geht, vielleicht auch mal kurz wieder ein bisschen vermeintlich verloren, aber das einfach nur wieder neu sich finden in der Balance, in dem Tempo, das ist
00:34:50
Speaker
Ja, wie so ein bisschen eine natürliche Reaktion des Pferdes, würde ich sagen.
00:34:55
Speaker
Also alles in einem Rahmen.
00:34:57
Speaker
Wenn das Pferd jetzt ein Durchgänger wird, würde ich das nicht als natürliche Reaktion bezeichnen.
00:35:00
Speaker
Nee, nee.
00:35:02
Speaker
Das ist halt so eine Idee, die die dann bekommen, ja.
00:35:06
Speaker
Und da siehst du halt auch wieder, wie komplex das Töltraining ist und wie schnell man sich dann wieder an neue...
00:35:11
Speaker
Ideen und Gegebenheiten anpassen muss.
00:35:13
Speaker
Ich meine, erst hast du ein langsames Pferd, was fast nicht reagiert.
00:35:17
Speaker
Dann hast du ein zu schnelles Pferd, was auch nicht mehr auf Hilfen reagiert.
00:35:20
Speaker
Da muss man dann wieder andere Strategien finden, ohne das Pferd wieder komplett langsam zu machen.
00:35:25
Speaker
Das wisst ihr auch nicht.
00:35:27
Speaker
Genau, du willst ja nicht jetzt auf einmal rückwärts wirken mit dem Zügel und das Pferd würde total ausbremsen, weil eigentlich freust du dich ja darüber, dass er ja läuft.
00:35:33
Speaker
Ist ja toll, ist ja super.
00:35:34
Speaker
Vor allem, wenn er vorher nicht gelaufen ist.
00:35:37
Speaker
Deswegen, kurzes Zurücknehmen, sagen, hey, hey, Antwort kommt und dann geht die Hand wieder nach vorne, das Pferd darf nochmal nach vorne, dann wieder Kurzes Zurücknehmen, aufrichten, sagen, nee, nee, streng, streng, streng, wenn es gar nicht geht.
00:35:49
Speaker
in eine niedrigere Gangart, Kurzpause, wieder los.
00:35:54
Speaker
Und das dann einfach ganz streng etablieren und dann checken die das auch.
00:35:57
Speaker
Und dann ist das später nur noch ein Aufrichten des Oberkörpers vom Reiter.
00:36:01
Speaker
Vielleicht so ein leichtes, kaum merkliches Anlehnen nach hinten an den Sattel, aber wirklich sehr zart, also nicht so nach hinten lehnen, wie es die Isländer gerne manchmal noch gemacht haben früher.
00:36:13
Speaker
Oder wie du in der Couch sitzt an einem Freitagabend, keine Ahnung.
00:36:17
Speaker
Woher willst du so wissen, wie ich in der Couch sitze am Freitagabend?
00:36:20
Speaker
Ich weiß sehr viel über dich.
00:36:24
Speaker
Und ich glaube, dann kommt man eben dahin, dass es dann immer feiner und leichter wird.
00:36:30
Speaker
Aber es ist eben die höfliche Penetranz, die wir dann auch da an den Tag legen müssen.
00:36:34
Speaker
Sonst kommen wir...
00:36:36
Speaker
nicht zu dem Punkt.
00:36:37
Speaker
Und da darf man dann ruhig auch mal ein bisschen streng sein, nicht gemein, nicht grob, aber konsequent und sagen, nee, wir arbeiten jetzt an dem Punkt und wir ziehen das durch.
00:36:47
Speaker
Und das ist, für den Stepney war es das letzte Mal sehr frustrierend für eine kurze Zeit.
00:36:54
Speaker
Er hat sich da wirklich geärgert und dann musste ich wirklich auch so ein bisschen über mich
00:37:01
Speaker
selber lachen, weil ich einfach tendenziell schon, glaube ich, am liebsten gesagt habe, okay, wir lassen, wir machen was anderes, das arme Butzi, so ungefähr.
00:37:10
Speaker
Aber wenn man diese Konsequenz eben durchzieht, merkst du, er fängt dann an, dass er wirklich lernt, okay, wenn ich mich trage, es ist zwar im ersten Moment anstrengend, aber es fühlt sich viel besser an.
00:37:23
Speaker
Also der war sehr zufrieden dann am Ende und hat es dann immer besser umgesetzt und hat angefangen zu verstehen,
00:37:30
Speaker
Und ist dadurch einfach viel geschmeidiger und besser geworden und ausbalanciert.
00:37:34
Speaker
Und ich glaube, die Pferde verstehen das und die spüren das.
00:37:38
Speaker
Und dann wird es für sie immer leichter, das umzusetzen, weil sie es mental verstehen, weil körperlich natürlich die Kraft dann sich entwickelt und die Pferde es besser umsetzen können.
00:37:48
Speaker
Und weil sie auch merken, wie wenn du ins Gym gehst oder so, ich fühle mich danach eigentlich ziemlich gut.
00:37:53
Speaker
Da muss man dann natürlich auch über den Punkt drüber, wo es kurz wehtut, in Anführungsstrichen, dass es sich dann gut anfühlt.
00:38:00
Speaker
Ich glaube, man darf schon mal im Training an den Punkt, wo es ein Pferd ein bisschen ärgert, ohne dass man das Pferd jetzt dauerhaft unter Stress setzt oder gemein ist zu dem Pferd.
00:38:11
Speaker
Aber ich glaube schon, dass man bei so einem Pferd wie Stepnir in Maßen, aber man darf ihm schon auch mal sagen, hey, jetzt musst du mal durchziehen.
00:38:21
Speaker
Weil ich glaube, er ist jetzt bereit dafür.
00:38:23
Speaker
Ich glaube, er kann das jetzt.
00:38:24
Speaker
Und er sagt halt auch sehr klar, hey, ich habe da keinen Bock drauf.
00:38:27
Speaker
Und dann musst du sagen, hey, doch, komm, probier es einmal.
00:38:30
Speaker
Und sobald er das dann gemacht hat ansatzweise, kriegt er eine Belohnung.
00:38:33
Speaker
Und dann merkst du, dass er es versteht und dass es ihm anfängt, Spaß zu machen.
00:38:37
Speaker
Es ist nicht dauerhaft, dass ich ihn ärgere und er immer wütender wird.
00:38:41
Speaker
Aber man muss, glaube ich, schon manchmal so ein bisschen an die Punkte rankratzen, wo es so ein bisschen, ja, so ein bisschen auch mal in eine Richtung geht, wo das Pferd sich nicht 100% komfortabel fühlt, ohne jetzt es zu quälen oder gemein zu sein.
00:38:54
Speaker
Ich glaube, du verstehst, wo ich hin will.
00:38:56
Speaker
Ja, weil die Komfortzone erweitert sich halt eben nur, wenn du auch den Schritt über die Grenze machst.
00:39:01
Speaker
Das heißt nicht komplett über die Grenze und komplett drüber schießen und alles schlecht machen, aber den Minischritt aus der Komfortzone raus müssen wir gehen, um die zu erweitern.
00:39:12
Speaker
Das ist einfach ein normales Training.
00:39:14
Speaker
Und deshalb ist es auch Training nicht gleich Turnierreiten, Training nicht gleich der perfekte Ritt.
00:39:20
Speaker
Training sieht auch mal nicht so schön aus, fühlt sich eine Zeit lang mal nicht so schön an, aber man sollte dann zumindest am Schluss nochmal zu einem Punkt kommen, wo es einigermaßen geklappt hat.
00:39:31
Speaker
Und wenn man dann feststellt, ich muss nochmal einen Schritt zurückgehen, wie teilweise, hey, ich muss erst nochmal Energie herstellen, dann ist das so, dann gehört das genauso dazu.
00:39:38
Speaker
Das ist bei so Pferden, glaube ich, das Allerwichtigste, dass man im Training immer erst mal sagt, okay, ich weiß, der büffelt oder ich weiß, wir haben gerade das Thema, aber trotzdem stelle ich erst mal noch mal die Energie her und fange mit den Punkten langsam an und frage einmal kurz alle Hilfen ab und sage, ich reite es trotzdem erst mal frisch vorwärts und dann fange ich an zu arbeiten, dass du immer wieder dieses Mindset herstellst und nicht von Anfang an sagst, heute muss der Schädel runter und heute muss der aber so und so hören.
00:40:03
Speaker
Also man darf diese Leichtigkeit und diese Fluffigkeit bei solchen Pferden auf keinen Fall verlieren,
00:40:08
Speaker
Ja.
00:40:09
Speaker
Weil dann macht man die wieder tot und das wäre das Dramatischste, was man jetzt, glaube ich, so dem Stepney antun könnte, wenn man eben diese neu gewonnene Idee des Vorwärtslaufens und die Freude einer Bewegung, wenn man die ihm jetzt wieder nehmen würde.
00:40:24
Speaker
Also da muss man auch genau dosieren, wie viel...
00:40:28
Speaker
Anstrengung fordere ich und was.
00:40:30
Speaker
Und man muss immer wieder einbauen, okay, es geht ins Gelände, wir machen irgendwas Doofes, was ihm leicht fällt, keine Ahnung, damit der einfach so die Motivation behält.
00:40:39
Speaker
Ja, weil Perfektion erreicht man eben nicht direkt oder erreicht man eigentlich nie, sondern es geht immer darum, die Schritte anzupassen, immer kleine Vorbereitungen
00:40:48
Speaker
kleine Teile, Teilziele zu setzen.
00:40:51
Speaker
Wie das erste Teilziel war, einfach nur vorwärts, egal in welcher Haltung der läuft, egal wie der Takt ist.
00:40:58
Speaker
Und jetzt ist es halt ein kleiner, granulierteres Ziel, wie ich will Takt, aber ich muss keine perfekte Anlehnung haben und so weiter.
00:41:07
Speaker
Und so entwickelt sich das ja immer weiter.
00:41:10
Speaker
Noch ein wichtiger Aspekt, den ich hier jetzt noch vollkommen außen vor gelassen habe und der ja eigentlich mehr dein Fachgebiet ist.
00:41:15
Speaker
Was ich natürlich auch gemacht habe und was mir viel geholfen hat, war die Fütterung ziemlich drastisch umzustellen.

Einfluss von Ernährung und Ergänzungsmitteln auf Energie und Muskelaufbau

00:41:22
Speaker
Wir wissen ja eigentlich, sind unsere Isländer gute Futterverwerter und ich bin immer noch kein Fan davon, unbedingt Getreide zu füttern.
00:41:31
Speaker
Aber was ich jetzt tatsächlich angefangen habe zu füttern, ist ein Sportfutter.
00:41:35
Speaker
Und da muss ich schon sagen, diese Zusätze für die Muskulatur, Vitamin E, Aminosäuren und so weiter, glaube ich, es hilft schon auch sehr.
00:41:45
Speaker
Natürlich, es kommt aber halt einfach stark aufs Pferd drauf an.
00:41:48
Speaker
Stebner ist halt ein Pferd, das viel Zusatzenergie braucht.
00:41:52
Speaker
Dann habt ihr vielleicht in eurem Heu nicht so viel und es kommt immer darauf an, wie gut das Pferd das verwertet.
00:41:59
Speaker
Wenn du jetzt eine Halastja-Anna siehst, die verwertet ihr Futter ziemlich, ziemlich gut, da braucht die sicherlich nicht so viel, weil die eh schon genug Energie übers Futter mit reinbekommen.
00:42:08
Speaker
Wenn du aber einen Steppnir hast, der langsam mal frisst, nicht immer so ranghoch ist, dich den ganzen Tag frisst, vielleicht auch viel spielt und tagsüber schon Energie verbraucht, dann musst du natürlich gucken, dass du die Zufuhr auch hochfährst, wenn du das Training hochfährst.
00:42:24
Speaker
Aber das muss man immer individuell anpassen.
00:42:27
Speaker
Und ich hatte das eben erst über mehr so Heukops-Varianten probiert mit ein bisschen mehr Luzerne, ein bisschen proteinreicheres Futter und habe die Mengen auch wirklich richtig hochgefahren.
00:42:39
Speaker
Das hatte ich angefangen jetzt an Weihnachten, also wir sind jetzt dann knapp fünf Monate mit der Futterumstellung zugange, noch nicht ganz.
00:42:47
Speaker
Und da habe ich einfach gemerkt, die besten Resultate habe ich jetzt wirklich bekommen, wo ich komplett gesagt habe, okay, der kriegt jetzt einfach ein großpferdes Sportfutter.
00:42:54
Speaker
Also es ist immer noch ein getreidefreies Futter.
00:42:57
Speaker
Ich fand es irgendwie, für mich hat es Sinn gemacht von der Zusammensetzung und von dem, ich habe das Gefühl, es tut ihm auch gut, da muss man sich einfach ein bisschen überlegen, was sinnvoll sein kann.
00:43:06
Speaker
Aber ich habe einfach gemerkt, das hat ihm jetzt nochmal einen richtigen Push gegeben, weil er körperlich einfach jetzt hinterherkommt und das Training irgendwie fruchtet.
00:43:13
Speaker
Und das ist was, das habe ich total unterschätzt mit der Fütterung.
00:43:16
Speaker
Das habe ich wirklich extrem unterschätzt.
00:43:18
Speaker
Es ist individuell.
00:43:19
Speaker
Also da würde ich mich sonst auch wirklich beraten lassen von jemandem, der Erfahrung hat, wenn man da Training hochfahren will und das Gefühl hat, es passiert nichts.
00:43:28
Speaker
Absolut, ja.
00:43:29
Speaker
Und was man natürlich auch dazu sagen muss, ist körperlich muss man auch immer mit diversen Therapeuten erstmal schauen, weil es gibt eigentlich schon auch immer einen Grundsattel kontrollieren lassen, schauen, ob es irgendwo eine Blockade gibt oder eine Verspannung oder sonst irgendein Thema und das natürlich auch mit angehen, weil ganz oft sind die Pferde natürlich auch so, dass die sagen, okay, ich kann es einfach körperlich nicht umsetzen, weil ich hier irgendwie ein Problem habe.
00:43:51
Speaker
Also dann sind wir wieder bei der Ganzheitlichkeit von diesem
00:43:55
Speaker
ganzen Training, aber ich finde, wir haben heute nochmal interessante Einblicke fürs Tölt-Training gefunden, die vielleicht euch da draußen auch irgendwie helfen können.
00:44:05
Speaker
Wir freuen uns immer über Feedback, wenn ihr davon mal was ausprobiert habt, wenn was funktioniert und ihr vielleicht Impulse mitnehmen konntet, die euch selber für euer Training mit euren Pferden helfen können, sagt uns gern Bescheid.
00:44:17
Speaker
Das ist immer wichtiges Feedback für uns.
00:44:20
Speaker
Absolut, da kann ich dir nur zustimmen.
00:44:22
Speaker
Und jetzt wird erstmal weiter trainiert und dann gucken wir, ob wir noch mehr Knoten platzen oder was so passiert.
00:44:27
Speaker
Yes, mach's gut.
00:44:28
Speaker
Mach's gut, ciao, ciao.