Transcript
Speaker: Takt und Verstand, der Islandpferde-Podcast.
Speaker: Alles rund ums Islandpferd mit Svenja und Melanie.
Speaker: Kleiner Test.
Speaker: Oh ja, man kann uns hören.
Speaker: Herzlich willkommen zu unserer Live-Podcast-Folge heute.
Speaker: Svenja, das ist eine ganz besondere Folge.
Speaker: Ja, das ist eine sehr besondere Folge.
Speaker: Normalerweise sind Melanie und ich bei der Podcast-Aufnahme zu Hause eingemummelt in eine gemütliche Decke mit einem warmen Tee irgendwann abends in einer verwuschelten Frisur.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: So ist es.
Speaker: Wir haben uns nämlich extra, weil hier an der Messe so viele Pferdemenschen da sind, haben wir uns Menschen aus anderen Disziplinen eingeladen.
Speaker: Für alle, die uns noch nicht kennen, wir sind aus der Island-Pferdeszene und da dachten wir natürlich, brauchen wir eine gute Mischung und haben uns Menschen aus anderen Disziplinen eingeladen.
Speaker: Einmal den Josef Gmoch, den kennt ihr bestimmt alle.
Speaker: Dann haben wir Jessica Chaya und Katja Schnabel.
Speaker: Jawohl, das hast du schon sehr schön angeteasert.
Speaker: Und jetzt würde ich sagen, ihr Lieben, stellt ihr euch einmal kurz für unsere Zuhörenden hier in der Halle und auch für unsere Zuhörenden online vor.
Speaker: Und vielleicht könnt ihr kurz erklären, wer ihr seid und was ihr so mit euren Pferden macht.
Speaker: Wir fangen einfach mal mit dir, Jessica, an.
Speaker: Ja, hallo von mir.
Speaker: Mein Name ist Jessica Csaja.
Speaker: Ich bin hauptberufliche Trainerin seit über zehn Jahren jetzt und habe einen Betrieb in der Nähe von Leipzig, Grimma.
Speaker: Ich arbeite hauptsächlich mit Western gerittenen Pferden im Freizeitbereich, aber auch im Turniersport, Nachwuchssport, bin in der Nachwuchsförderung und nehme mir
Speaker: Das ganze Thema Horstmannship auch sehr zu Herzen.
Speaker: Arbeite mit Kleinpferden, mit Westernpferden primär.
Speaker: Auch reitweisenübergreifend und ja, freue mich, dass ich hier sein kann.
Speaker: Herzlich willkommen.
Speaker: Vielen Dank, Jessica.
Speaker: Sehr schön, dass du heute hier bist mit uns.
Speaker: Und jetzt würde ich sagen, geben wir das Mikro doch gleich mal weiter an den Hahnemkorb hier.
Speaker: Josef, stell dich doch bitte noch mal vor.
Speaker: Ja, also mein Name ist Josef und ich bin auch hier aus der Nähe, aber ein Stückchen weiter weg als die Jessica.
Speaker: Ich komme aus Chemnitz und ja...
Speaker: bin im Springsport aktiv und versuche die Pferde trotz diesem Leistungsgedanken, trotz dem Leistungssport so frei wie möglich, so fair wie möglich und so natürlich wie möglich auszubilden.
Speaker: Ich habe auch in der Nähe von Chemnitz einen kleinen Ausbildungsbetrieb, wo ich neben meinen eigenen Turnier- und Showpferden Brittpferde aufnehme.
Speaker: die Pferde da ausbilde, mit ihren Besitzern begleite.
Speaker: Ja, bin auch deutschlandweit eben auf den Kursen unterwegs, auf den Shows.
Speaker: Das ist ja in den letzten Jahren ein Steckenpferd von mir geworden.
Speaker: Wir durften da schon viele verschiedene Bühnen sehen, wofür ich sehr dankbar bin.
Speaker: Und genau, ich freue mich, dass ich heute hier sein darf und bin gespannt auf den Austausch.
Speaker: Genau.
Speaker: Vielen Dank, Josef.
Speaker: Dann geht es noch weiter mit der Katja.
Speaker: Ich arbeite auch hauptberuflich mit den Pferden und habe mich so diesem Natural Horsemanship auch verschrien und arbeite da mit allen Pferderassen dieser Welt.
Speaker: Das ist ganz egal.
Speaker: Heute zum Beispiel ganz frisch mit einem Isländer.
Speaker: Das war ganz spannend.
Speaker: Da gab es so Gelassenheitsthemen.
Speaker: Ich bin deutschlandweit unterwegs, Deutschland, Österreich, Schweiz, gebe Kurse, gebe Bootcamps, das sind immer so längere Tage.
Speaker: Und man kennt mich aus den Zeiten noch von den Pferdeprofis, da habe ich viele Jahre lang für Vox gedreht und da hatten wir auch Besitzer mit Pferden, die eben Alltagsprobleme mal kleinere bis zu wirklich schlimmen Problemen haben.
Speaker: und die im Rahmen dieser Sendung mit uns ihre Pferde dann trainiert haben und denen helfen konnten.
Speaker: Über die Zeit sind da auch ganz viele Projekte daraus entstanden.
Speaker: Ich bin mit Bernd auf Lives, mache Live-Training, mache die Messen.
Speaker: Ich bin jetzt wirklich fast auf allen Messen vertreten in ganz Deutschland und das macht halt auch irrsinnig viel Spaß und arbeite mit Pferden hier immer auf diesen Messen, die ich nicht kenne.
Speaker: Das ist so ein bisschen mein Thema geworden.
Speaker: Denn ich will so ein bisschen diese Live-Situation herstellen, wie wir sie auch im Training dann haben, wenn wir zu Kursen oder zu Camps eingeladen werden oder wie sie geben.
Speaker: Denn da gibt es ja auch nichts Vorbereitetes oder keine schon guten Pferde.
Speaker: Du bleibst hier.
Speaker: Und ja, das macht mir auch total viel Spaß und auf dem Messen kann man dann, findet sich so wirklich auch jeder so ein bisschen in diesen Themen wieder und kann was für zu Hause mitnehmen.
Speaker: Und ja, danke für die Einladung und cool, dass ich hier dabei sein kann in dieser Talkrunde.
Speaker: was für Zuhause mitnehmen, das wollen wir heute glaube ich alle auch sehr gerne und zwar reitweisenübergreifend, disziplinenübergreifend.
Speaker: Deswegen würde ich sagen, wir springen einfach mal direkt ins Thema rein und ich würde gerne mal von der Jessica wissen, warum Western reiten?
Speaker: Warum hast du dich für diese Disziplin entschieden?
Speaker: Ja, das ist wirklich eine gute Frage.
Speaker: Ich habe klassisch Englisch angefangen.
Speaker: Ich bin ein bisschen freizeitmäßig springen geritten tatsächlich und es war mir irgendwann zu wenig milde, sage ich mal.
Speaker: Ich habe im Westernreiten über diesen Hossmanship Gedanken, also ich hatte Glück, Menschen zu treffen, die das innerhalb dieser Reitweise praktiziert haben, mir das einfach
Speaker: als Arbeitsweise eher ohne das Equipment zu ändern erstmal angenommen sozusagen.
Speaker: Ich muss aber sagen, dass mir der Lifestyle Western auch sehr gefällt.
Speaker: Cowboyhüte, die Cowboys, dieser Lifestyle, das Klima, die Lagerfeuer.
Speaker: Also das ist schon, das passt auch so ein bisschen.
Speaker: zu meiner Freizeitgestaltung und ja irgendwann mal wurde dann ein großes Ganzes daraus und ich habe dann ja meine Trainerin kennengelernt, die war im Turniersport unterwegs und ich durfte dann ganz milde über die EWU damals in den Turniersport schnuppern und ja bin dann Trainerin geworden, weil ich viel Nachfrage hatte, habe Komplimente für die Arbeit mit den Pferden bekommen und bin dann sozusagen über den Quereinstieg zum Trainer geworden.
Speaker: Ja, super, vielen Dank, das klingt sehr, sehr schön.
Speaker: Spannender Weg, ich meine auch bei den Islampferden finden wir Lagerfeuer auch toll.
Speaker: Ja, wir finden alle Lagerfeuer-Sport.
Speaker: Jetzt Katja, warum Pferde?
Speaker: Also was gibt dir der Pferdesport persönlich?
Speaker: Ich meine, du hast es zu deinem Hauptberuf gemacht, warum ist es deine Leidenschaft?
Speaker: Ja, das begann natürlich auch mit jungen Jahren.
Speaker: Ich war neun und mein Stiefvater hatte ein eigenes Pferd, unsere Cheyenne.
Speaker: Und daher bekam ich dann diesen Pferdevirus relativ bei Zeiten mit.
Speaker: Aus dieser Stute gab es dann irgendwann mal einen Fohlen, den Carino.
Speaker: Da war ich tatsächlich neun, als er geboren wurde.
Speaker: Und das wurde so mein erstes eigenes Pferd.
Speaker: Das durfte dann bei uns bleiben.
Speaker: Und natürlich hat man Tag und Nacht sozusagen bei diesen Pferden verbracht.
Speaker: Nach der Schule, zack, Tasche in die Ecke und raus.
Speaker: Und dann mit dem jungen Fohlen, mit dem...
Speaker: Ich konnte schon als junges Mädel da einfach mit den Pferden sein.
Speaker: Und dann begann meine Reise mit den Pferden.
Speaker: Und es war natürlich klar, man muss halt irgendwas Vernünftiges lernen.
Speaker: Zu Hause wurde gesagt, mit den Pferden lass das mal schön ein Hobby sein, das ist verrückt.
Speaker: Du lernst was Vernünftiges.
Speaker: Mach eine Ausbildung, geh studieren und behalte das einfach nebenbei.
Speaker: Und ich immer so, eigentlich will ich nur das machen.
Speaker: Ich habe aber noch parallel Leistungssport gemacht.
Speaker: Ich war 14 Jahre Handballerin im Profisport und war auf der Sportschule, war im Internat.
Speaker: Damals bin ich mit 13 von zu Hause weg, habe das Pferd mitgenommen übrigens.
Speaker: Das kam dann mit nach Leipzig.
Speaker: Genau, ich habe in Leipzig gelebt und mein Sportabitur hier gemacht und habe noch für den HCL gespielt, viele Jahre, bevor ich dann habe angefangen hier zu studieren, Englisch, Spanisch, Französisch, wollte eigentlich Dolmetschen machen und habe aber gemerkt, aber irgendwie,
Speaker: Tierärztin irgendwie nicht so, weil dann habe ich nicht so mit den Pferden zu tun, aber irgendwas mit Pferden.
Speaker: Pferde-Osteopathie, dann kam das mit Geithner damals auf, die Dualgassen-Geschichte.
Speaker: Das war auch ganz nett, aber irgendwie von zu Hause, du musst was Richtiges lernen.
Speaker: Aber ich habe dann trotzdem abgebrochen in Leipzig und habe Pferdewissenschaften studiert in Wien.
Speaker: Da begann das dann alles mal einen ordentlichen Weg sozusagen.
Speaker: Ich habe dieses Studium gemacht und ganz viel gelernt.
Speaker: Das war so ein bisschen die Basis.
Speaker: Ich habe auch da übrigens mein Pferd mitgenommen.
Speaker: Das lebte mal in den Wiener Bergen, war echt schön.
Speaker: Ich habe da Handball gespielt, habe mein Leben mit Handball finanziert, damit ich in Wien ein Leben
Speaker: konnte und studieren konnte.
Speaker: Es war ganz toll.
Speaker: Dann habe ich noch den Besamungswart in Neustadt gemacht, innerhalb, im Rahmen meines Studiums.
Speaker: Bin, weil ich alles wissen wollte, natürlich will man alles sich aneignen, bin dann in ein Jahr nach Spanien gegangen, habe in Spanien gelebt und gearbeitet auf Gestüten, habe da dem Tierarzt assistiert, eben als Besamungswartin und die jungen Hengste mit ausgebildet und konnte da die Althengste reiten.
Speaker: Also da ja auch meine
Speaker: Eigentlich ist mein Herz so in Spanien und bei den Spaniern und bei den Lusitanos, das ist so meine Rasse.
Speaker: Und dann ging das sein Weg, dann bin ich nochmal nach Deutschland zurück und habe bei Richard Hinrichs gelernt, ein bisschen in die Barockschiene, habe ich rein stuppern können und habe da ganz viel mitgenommen.
Speaker: Ja, und dann habe ich meinen ersten Job gehabt und habe einen kleinen Reiterhof gestüt geleitet bei Berlin.
Speaker: Wir haben gezüchtet, da gab es die ersten Messe-Events, weil der Hof sich ja präsentieren musste, weil wir, um Werbung zu machen natürlich,
Speaker: Wir haben Pferde verkauft, die wir gezüchtet haben, die Kamarker-Pferde.
Speaker: Wir hatten Reiterferien, Reitschule, Ausritte, Wanderritte.
Speaker: Wir hatten ein kleines Bistro, Pensionszimmer, also Vollgas.
Speaker: Und dann gab es kein Zurück mehr.
Speaker: Die Pferde sind einfach fester Bestandteil.
Speaker: Manchmal gibt es einfach keinen Ausweg.
Speaker: Genau.
Speaker: Und dann war klar,
Speaker: Ich will nur Pferde machen und dann habe ich mich selbstständig gemacht als Trainerin und das dann mobil betrieben und jetzt sitzen wir hier.
Speaker: Also es gibt in meinem Leben halt, ich kann auch nichts anderes außer Pferd.
Speaker: Ich kann auch nichts anderes.
Speaker: Ja, man muss vielleicht auch nichts anderes können, aber was mich jetzt noch interessieren würde, Josef, warum Springsport?
Speaker: Bist du da zufällig dran gekommen oder war das eine ganz bewusste Entscheidung?
Speaker: Also es war eigentlich einfach immer da, so würde ich sagen.
Speaker: Also ich habe schon immer, seit ich denken kann, eine große Faszination für die Tiere im Allgemeinen gehabt.
Speaker: Also ja, egal wo halt ein Pferd war, wollte ich halt hin.
Speaker: Also ganz klassisch, wie man es kennt.
Speaker: Oh, da steht ein Pferd und ja, okay, da muss ich hin.
Speaker: Und ja, das haben auch meine Eltern mir immer so bestätigt in meinen jungen Jahren.
Speaker: Mein Vater stand immer so zwei Meter hinter mir.
Speaker: und hat die von Weitem beobachtet und ich wollte immer näher ran, ich wollte Verbindung mit den Tieren haben und ja, dann bin ich halt normal in eine Reitschule gegangen, durfte ich mit meinem Schulanfang dann beginnen, haben meine Eltern mir ermöglicht und ja, dann war aber eigentlich immer die Faszination doch für den Springsport da irgendwie, es war immer so, ich möchte Springreiter werden, aber ich möchte
Speaker: ja, das partnerschaftlich machen.
Speaker: Also das war irgendwie so das Ziel.
Speaker: Ich habe so gesagt, ja, Leistungssport, aber hey, wir arbeiten ja mit einem Individuum zusammen und ich möchte das schaffen, dass es halt irgendwo auf einer gemeinsamen Ebene stattfindet.
Speaker: Genau, also es war tatsächlich einfach da, dass ich halt mich für den Springsport faszinieren konnte oder fasziniert habe und ja, jetzt tatsächlich ist es trotzdem so, dass mein Training, ja, zu großen Teilen aus der Arbeit am Boden
Speaker: aus der Tresorarbeit besteht, weil das ist nun mal die Grundlage und ich finde, das muss man leisten, das muss man auch gegenüber den Pferden leisten, damit man sich das verdient, in den Parcours zu gehen.
Speaker: Und so mit der Einstellung lebe ich eigentlich den Sport, genau.
Speaker: Und das ist so mein Ansatz, den ich da verfolge und ich finde auch da viele Parallelen eben auch zum Westernsport, zum Netto-Behorchmanship, weil das für mich eine super Basis ist.
Speaker: Ich finde das super, wie die Westernreiter
Speaker: den Grundgedanken, den die Westernreiter haben, dass die Pferde in der maximalen Länge gehen sollen, erstmal sich dort balancieren sollen, selber balancieren dürfen und halt dort auch erstmal Länge finden.
Speaker: Und das ist für mich so eine Basis, die habe ich mir auch super mit in die Arbeit genommen, auch wenn ich aus dem klassischen Bereich komme und versuche mir daraus halt alles zu erarbeiten und denke, dass es dort halt viele Verbindungsstücke gibt und freue mich da auch, dass ich dann am Sonntag zusammen
Speaker: das mit der Jessica im Aktionsring zeigen darf, weil wir dort eben unter dem Thema Western meets Englischreiten zusammen eben die Arbeit vorstellen werden und eben versuchen zu zeigen, dass eigentlich egal ist, welche Reitweise wir verfolgen, welche Sparte wir verfolgen, sondern dass wir halt eigentlich wieder das Meer schaffen müssen in der Reiterwelt zu diesem Grundgedanken zurückzukommen, zurück zur Natur zu kommen, zum Pferd zurückzukommen und zu sagen, hey okay, deswegen sitzen wir halt eigentlich alle hier, deswegen sind wir hier in Leipzig.
Speaker: Ja, das ist ein super schöner Gedanke.
Speaker: Applaus dafür.
Speaker: Zwischenapplaus.
Speaker: Applaus auch für alle unsere Gästinnen und Gäste heute Abend, heute Nachmittag hier.
Speaker: Genau, und man merkt schon, wir alle oder ihr alle habt sehr, sehr viel Leidenschaft für Pferde und für das ganze Thema und deswegen wollen wir auch genau darüber sprechen, was uns eigentlich verbindet, egal welcher Reitweise ihr angehört.
Speaker: Und
Speaker: Kaum eine Szene ist so leidenschaftlich wie die Pferdesszene, aber es gibt natürlich auch extrem viel Streit und Missgunst in diesen Szenen und deswegen wollen wir heute mal ein bisschen über Vorurteile sprechen, weil wir jetzt alle aus unterschiedlichen Disziplinen kommen.
Speaker: Und da gibt es so ganz, ganz grundsätzliche Vorurteile, die so herrschen.
Speaker: Wenn ich jetzt mal eins in den Raum werfe, die Springreiter sind alle grob und es geht nur um höher, schneller, weiter.
Speaker: Oder die Dressurreiter sind alle eingebildet.
Speaker: Senja, was kennst du über die Islandpferde?
Speaker: Die Islandpferdereiter reiten natürlich alle nur geradeaus und sitzen auf der Gruppe.
Speaker: Ja, nein, also ich glaube, jede Disziplin kennt so ein bisschen Vorurteile.
Speaker: Man vielleicht hat das eine oder andere selber schon gehört und wir würden gerne von euch wissen, habt ihr denn zu eurer Reiterei, zu eurer Disziplin schon mal Vorurteile gehört oder musstet vielleicht schon mal Vorurteile aufräumen?
Speaker: Katja nickt schon so ein bisschen.
Speaker: Ich überlege noch.
Speaker: Okay, du überlegst noch.
Speaker: Vielleicht Jessica, hast du da Erfahrung gemacht mit Vorurteilen gegenüber dem Westernsport?
Speaker: Ja, auf jeden Fall.
Speaker: Ich möchte es nicht verstehen.
Speaker: Ja, das ist so.
Speaker: Josef, war das bei dir auch schon mal so, dass du irgendwas wie die Springreiter gehört hast?
Speaker: Wurde dir schon mal was an den Kopf geworfen?
Speaker: Also ich glaube explizit jetzt für den Springsport nicht, aber natürlich also so die außenstehenden Leute, zum Beispiel vielleicht jetzt auch meine Oma, die das vielleicht so im Fernsehen gerne sich anguckt, hat natürlich die eine oder andere Frage gestellt, einfach um es zu verstehen.
Speaker: Und da hat er halt schon gefragt, okay, wie läuft das denn hinter den Kulissen?
Speaker: Weil gerade im
Speaker: Springsport würde ich sagen, ist es ja wirklich krass, weil man bekommt keinen realistischen Eindruck von dem Reiter-Fährt-Paar.
Speaker: Weil du siehst dort eine Minute und siehst dort vielleicht 12, 13 Hindernisse und ja, diese Minute ist halt einfach schnell vorbei.
Speaker: Wenn ich jetzt zum Beispiel aber an den Western-Sport denke, ich weiß nicht genau wie es ist im Turniersport, aber trotzdem gibt es dort viele Teildisziplinen, wo man sagt, okay, man kann diese Reiter-Fährt-Paare in verschiedenen Disziplinen, in verschiedenen Situationen sehen, beobachten, kennenlernen.
Speaker: Man sieht, wie das fährt sich an der Hand.
Speaker: Vielleicht, ich glaube Showmanship heißt das, oder Jessica?
Speaker: Genau, ja, wow.
Speaker: Okay, genau.
Speaker: Genau.
Speaker: Verhält.
Speaker: Und das gibt es ja nicht.
Speaker: Und da ist halt, glaube ich, schon eben das Problem, dass man halt gar nicht sieht, was für eine Arbeit dahinter steckt.
Speaker: Und ja...
Speaker: Ich habe es vielleicht eher andersrum erlebt, weil dadurch, dass ich vielleicht doch nicht den klassischen Weg im Springsport wähle oder gehe mit den Pferden, dass man eher meinen Weg sich vielleicht anschaut und erst mal sagt, kann man damit überhaupt Leistung abbringen, wenn man anfängt mit dem Pferd vom Boden auszuarbeiten, ein Pferd zu lösen, ein Pferd an einem so lockeren, langen Zügel zu reiten, zu lösen, wo dann eher sagt, okay, wie möchtest du am Ende damit Leistung abbringen und ja, da versuche ich eben halt auch,
Speaker: dann, wie Jessica das gerade gesagt hat, das eben wieder mehr in die Köpfe zu bringen, zu sagen, okay, ein Leistungssportler steht vor einem Start, wenn wir jetzt zum Beispiel einen Schwimmer sehen und er steht auf dem Startblock, nicht mit so einem Muskeltonus auf dem Startblock und sagt, okay, wann bin ich dran, sondern die versuchen mentale und körperliche Entspannung zu bekommen, diesen Tonus rauszunehmen, damit sie daraus Bestleistung erbringen können.
Speaker: Und wir nehmen hier das Pferd und wenn ein Pferd so schon in den Parcours geht,
Speaker: weil es halt gerade schon beim Abbreiten permanent komplett fest und mit diesem festen Muskeltonus gelaufen ist, wird es nicht reell seine Bestleistung erbringen können, sondern halt dann im Prinzip mit negativer Spannung arbeiten.
Speaker: Und das ist halt im Prinzip eigentlich das, was ich dann versuche, so ein bisschen wieder zu erläutern, zu sagen, hey, wir brauchen ein Mittelmal oder eine Balance zwischen Entspannung und Spannung, dass man sagt, okay, natürlich ist es
Speaker: Das Pferd in dem Moment, wenn das diesen Parcours absolviert, diese Minute unter einer Spannung, das ist in einer Leistungssituation, das ist vielleicht auch nicht immer komplett getragen und nicht immer super reell über dem Rücken.
Speaker: Aber das darf halt nicht die Norm sein, sondern die Vor- und Nachbereitung ist eigentlich das, was das Wichtigste ist.
Speaker: Und so versuche ich dann halt eigentlich wieder diese Vorurteile aufzubrechen in eine Ganzheitlichkeit zum Thema Pferd.
Speaker: Aber das zeigt ja schon wieder ein bisschen, wenn du sagst, andersrum erlebst du, eigentlich bist du derjenige, der verurteilt wird, nach dem Motto, du bist kein richtiger Springreiter, weil du nicht so und so arbeitest in dem Muster, wie jeder andere arbeitet oder vielleicht auch nicht jeder andere.
Speaker: Aber dadurch zeigst du ja schon, dass jetzt, sagen wir mal, wenn du mit Horsemanship und Bodenarbeit dein Pferd trotzdem zu dieser Leistung bringst, dass es auch anders geht und dass man das gar nicht so in diesem Muster machen muss, das vielleicht noch weiter verbreitet ist auch.
Speaker: Also da genau, es ist zum Beispiel so gewesen, dass ich auf Social Media ja viel meine Arbeit auch teile und man dort halt auch gerade oft die Britpferde oder Korrekturpferde sieht, dass die in einem sehr geöffneten Rahmen gehen und dann hört man das so, also das höre ich jetzt auch nicht direkt, aber so dann hinten rum über drei Ecken so sagen, okay, das sieht ja alles nett aus, aber wie soll daraus halt zum Beispiel ein Parcours oder eine Lektion entstehen und dort merkt man halt, wie
Speaker: dieser Gedanke, wie fehlgeleitet dieser Gedanke noch ist, was das Thema Anlehnung betrifft, was das Thema Lektionsarbeit betrifft, weil ich hatte das Bild auch früher im Kopf.
Speaker: Ich dachte, okay, die Lektion wird schwerer, also muss das Pferd ja kürzer werden.
Speaker: Aber das...
Speaker: ist ja rein physikalisch einfach nicht richtig, weil wir müssen es ja dahin schaffen, dass das Pferd in dem längstmöglichen Rahmen arbeitet, weil dann ist der Hebel ja viel größer und dann hat das Pferd ja es eigentlich erstmal schwerer, aber muss ja viel mehr reelle Kraft aufwenden, als wenn es sich erstmal verkürzt und sich zusammenzieht.
Speaker: Und dieser Anlehnungs-, Lektions-, Versammlungsgedanke, der ist halt wirklich, glaube ich, extrem wichtig, dass der wieder mehr in die Köpfe kommt, wo wir eigentlich herkommen.
Speaker: Jetzt hast du, Josef, gerade schon Social Media so ein bisschen erwähnt und Katja, du bist ja auch viel auf Social Media unterwegs.
Speaker: Wie ist denn da so die Resonanz?
Speaker: Hast du da auch manchmal mit negativen Kommentaren oder mit negativen Einstellungen von Leuten zu kämpfen und wie löst du das dann vielleicht auch auf?
Speaker: Also toi toi toi, in all den Jahren habe ich relativ wenig negativer Sachen so abbekommen und auch bei Facebook, Insta, das hält sich alles super in Grenzen.
Speaker: Und wenn dort jemand was schreibt oder man liest das natürlich am Rande, aber das...
Speaker: geht mir nicht nah, weil die Menschen, die das schreiben, haben gar nicht unser Leben.
Speaker: Die haben überhaupt nicht diese Erfahrung, die wuppen nicht ihr Leben, wie wir das jeden Tag machen, um in dieser Selbstständigkeit zu überleben.
Speaker: Sie haben nicht die Pferdeerfahrung, sie haben ihr eines Pferd oder zwei und daraus ziehen sie ihre Erfahrungen und ihre Geschichten.
Speaker: Aber wir als Trainer natürlich viel, viel mehr.
Speaker: Also ich gehe damit sehr entspannt um.
Speaker: Von daher gab es auch gar nicht so viel aufzulösen.
Speaker: Ich bin immer für Gespräche und Kritik da.
Speaker: Das sind wir alle.
Speaker: Die Leute können kommen und fragen, ich habe das im Video gesehen oder im Fernsehen.
Speaker: Warum, wieso, das geht ja gar nicht.
Speaker: Da muss man einfach ein konstruktives Gespräch suchen.
Speaker: Aber wir stehen alle hinter unserer Arbeit.
Speaker: Wir haben uns ja auch erst darin gefunden, haben uns entwickelt.
Speaker: Wir wurden ja auch nicht geboren und wussten all das, was wir jetzt wissen.
Speaker: Es ist ein langer Weg, es ist ein harter Weg.
Speaker: Von daher bin ich da ziemlich entspannt, gehe ich damit ziemlich entspannt um.
Speaker: Und wir hatten durch das Fernsehen ja und auch das YouTube und all diese Dinge haben wir eine riesen Reichweite.
Speaker: Und es gibt so viele Menschen mit so vielen Meinungen und Erfahrungen.
Speaker: Das ist alles, ich sag mal, ganz entspannt zu sehen.
Speaker: Und dann lasse ich sie da eben untereinander eher kämpfen, weil da gibt es natürlich auch, die dann einspringen und sagen, nein, das ist doch richtig.
Speaker: Und dann sagt der andere, nein, das ist falsch.
Speaker: Und dann...
Speaker: Sollen Sie sich mal da den Abschlag geben, alles gut.
Speaker: Und das ist diese Vorurteile.
Speaker: Also ich würde sagen, an jedem Vorurteil ist auch irgendwas dran, wenn man nochmal die ganzen Reitsparten aufteilt.
Speaker: Im Springsport gibt es gute Menschen, Rute Reiter, aber auch genauso schlechte, die da eher mit Druck und
Speaker: eher mit Gewalt und Bös dran sind, weil sie so leistungsorientiert sind.
Speaker: Genauso im Western, ganz schlimme Sachen gibt es da, aber es gibt auch super tolle Trainer, super tolle Menschen, die das halt auch auf anderen Wegen hinkriegen.
Speaker: So in der Dressur, wir wissen alle, welche Schlagzeilen da aktuell herrschen und welche Schlagzeilen es gibt.
Speaker: Und das sind halt aber gerade natürlich die Negativbeispielen.
Speaker: Und einer sagte mal, ja über die ganzen Grundsätze,
Speaker: Guten und Tollen wird nicht so viel geredet über das Schlechte, was man auf einmal irgendwo rauspickt.
Speaker: Das ist, muss man daran denken, dass die Guten, die bleiben nicht eine Woche lang Thema.
Speaker: Da sagt man super, toll gemacht, aber da wird sich nicht eine Woche drüber aufgeregt.
Speaker: Im Kutschensport, Wahnsinn.
Speaker: Im Islandsport.
Speaker: blöd, wenn dann die, da ist immer das eine Vorteil bei mir, dass die schweren, großen Männer, wie du vorhin sagtest, hinten auf der Gruppe bei diesen armen, kleinen Tierchen sitzen und die da irgendwie mit ihrem festen Rücken und einem festen, da kenne ich mich aber auch nicht so gut genug aus.
Speaker: Ich reite zum Beispiel keinen Isländer, weil ich natürlich viel zu groß und zu schwer bin, die Hebel passen gar nicht.
Speaker: Und dann gibt es aber auch das Vor- oder das
Speaker: Man sagt ja dazu, ja Isler sind aber gar keine Gewichtsträger eigentlich.
Speaker: Aber alle sagen, ach die Isi sind Gewichtsträger, die sind ja schön kurz im Rücken, da können wir ruhig rauf mit meinen 110, 120 Kilo, ein Mann.
Speaker: Also man muss immer alles betrachten und alles hinterfragen und Sicherheit auch alles grenzen.
Speaker: Der eine...
Speaker: die individuell bestimmbar oder eher subjektiv sind, aber ein paar objektive Dinge muss man da auch mit einbeziehen.
Speaker: Und da gibt es ja genug Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse.
Speaker: Mit der Wissenschaft muss man auch so ein bisschen mitgehen und die in sein Training mit einbauen.
Speaker: Die schwarzen Schafe haben wir leider überall, sodass an dem Verurteil doch irgendwo auch was dran ist und wir können es halt nur besser machen.
Speaker: Es ist super, dass du so vorangehst im Springsport um den Nachwuchs, der ja so wird, weil die Großen das so machen.
Speaker: Die werden ja so und halten es für richtig.
Speaker: Es wird ja immer von Generation zu Generation weitergegeben.
Speaker: Aber wenn es jetzt auch so eine Generation gibt, die sagt, natural Haussmanship,
Speaker: Beziehung zum Pferd geht in Harmonie Hand in Hand mit dem Springsport überein, weil die Menschen wollen das eigentlich.
Speaker: Und die jungen Mädels, die gehen zu den Pferden, weil sie die Pferde toll finden, lieb haben und mit den Pferden was machen wollen und nicht, weil sie so durch den Parcours jagen wollen.
Speaker: Man will dann gemeinsam was erarbeiten, gemeinsam mit einem Pferd sich eine Aufgabe schaffen.
Speaker: Und das geht halt anders und das ist genau dieser Natural Hospmanship-Ansatz.
Speaker: Also das ist super.
Speaker: Und genauso im Western-Sport.
Speaker: Das ist auch eine ganz tolle Verbindung, die man mit seinem Pferd hat.
Speaker: Im Dressursport, die Wanderreiter, die Distanzleute, die haben wir noch gar nicht.
Speaker: Die Distanz war Wahnsinn.
Speaker: Die sind 120 Kilometer mit dem Pferd unterwegs, stundenlang alleine.
Speaker: Das ist eine wahnsinnige Partnerschaft.
Speaker: Das Feld ist ja sehr, sehr groß mit Reitweisen und Spaten und halt darin sich befinden Individuen.
Speaker: Absolut.
Speaker: Ich glaube, das Wort Partnerschaft wird heute auch noch ein bisschen öfter fallen hier.
Speaker: Nicht nur in unserem Kontext, ich hoffe auch im generellen Pferdekontext hier auf der Messe.
Speaker: Jetzt hast du gerade schon so schön zusammengefasst, an jedem Vorurteil ist natürlich auch ein bisschen was dran und es steckt leider auch ein Fünkchen Wahrheit dahinter.
Speaker: Und ich finde es wichtig, sich auch mit diesen Vorurteilen auseinanderzusetzen, um zu überlegen, okay, was können wir als Pferdemenschen
Speaker: besser machen und zeigen, weil es ist tatsächlich so, Josef, wie du gesagt hast, oft sieht man nur diese kurzen Ausschnitte.
Speaker: Wo sieht man am meisten Pferdreiterpaare auf Turnieren oder Wettkämpfen?
Speaker: Da sieht man natürlich nur das Maximum einer Leistung.
Speaker: Da holt das Pferd-Pferd-Paar das Maximale an dem Tag mit der Tagesform, mit der Aufregung aus sich raus.
Speaker: Deswegen sehen wir auch selten dann den Weg dahin und die vielen, vielen Stunden schwerer Arbeit, die irgendwie dahinter stecken.
Speaker: Aber es gibt ja nicht nur innerhalb der Disziplin große Vorurteile oder Meinungen, mit denen wir hier zu kämpfen haben, sondern auch der ganze Pferdesport hat ja auch viel Außenwirkung und nicht wirklich nur schöne Außenwirkungen, sondern wir haben ja auch einige nicht so schöne Beispiele.
Speaker: Melanie, fällt dir da spontan was ein?
Speaker: Ja, du hast mir letztens tatsächlich ein Beispiel erzählt, als du von jemandem gefragt wurdest und erzählt hast, dass du ein Islandpferd hast und reitest und dann wurdest du gefragt, ja, macht ihr auch das mit diesem Barren?
Speaker: Und ich meine, Barren ist ja eher eine unschöne Methode aus dem Springsport, die wir jetzt bei den Islampferden nicht unbedingt anwenden.
Speaker: Nicht?
Speaker: Nee.
Speaker: Also wir wollen natürlich auch, dass die Islampferde die Beine hochheben.
Speaker: Nein, aber das zeigt natürlich schön, dass wir im Pferdesport auch eine deutliche Außenwirkung haben und die Menschen schon auch was...
Speaker: mitnehmen.
Speaker: Und jetzt würde ich mal gerne wissen, Jessica, denkst du, dass wir als Pferdemenschen jetzt nicht nur im Westernsport, sondern im Allgemeinen vielleicht auch irgendwo so ein paar blinde Flecken haben oder Dinge, die wir vielleicht besser machen könnten?
Speaker: Ja, also generell denke ich, dass wir uns ja stetig weiterentwickeln und das auch sollten.
Speaker: Also man sollte vielleicht nicht an den Punkt kommen, dass man denkt, wenn man sehr viel Erfahrung auch hat, dass man schon alles weiß.
Speaker: Und ich denke,
Speaker: mit dem Erlangen von immer mehr Wissen, auch durch Forschung oder durch Weiterbildung in der Psychologie, Weiterentwicklung in den ganzen Kenntnissen, ob das jetzt in der menschlichen Medizin ist oder
Speaker: auch in anderen Bereichen, auch im Pferdesport, dass wir sagen, okay, früher hat man dies oder jenes so getan oder so trainiert und heute hat man neue Kenntnisse erlangt.
Speaker: Das lässt uns diese oder jene Methode ersetzen durch eine andere.
Speaker: Oder einfach dadurch, dass wir uns auch als Menschen
Speaker: miteinander einfach dahingehend weiterentwickeln, dass wir nicht mehr so hart miteinander umgehen.
Speaker: und das dann auch nicht mehr mit den Pferden tun.
Speaker: Leistungsgedanke hat sich bei mir als Trainerin auch dahingehend verändert, dass ich sage, mir ist wichtiger, dass das junge Pferd eine gute Erfahrung auf dem Turnier macht, als meine Platzierung.
Speaker: Also ich habe kein Problem, eine Prüfung abzubrechen oder ein Turnier gar nicht erst anzutreten, weil sich kurzfristig Dinge geändert haben und das hat sich sicherlich auch
Speaker: mit der Erfahrung, die ich mache oder mit den Erkenntnissen weiterentwickelt.
Speaker: Und das kann man sicherlich auf Trainingsmethoden auch übertragen.
Speaker: Es gibt viele Trainingsmethoden immer dann, wenn es ins Extrem geht, finde ich, die früher angewendet wurden, die wir heute nicht mehr einfach anwenden, weil aber auch der Druck der Öffentlichkeit, finde ich, auch durch Social Media vielleicht immer größer wird und auch mehr publiziert wird.
Speaker: Ja, total.
Speaker: Ich meine, das ist ja auch wichtig.
Speaker: Und es ist allen, dass Pferdewohl steht ganz oben.
Speaker: Und gerade durch den Druck in der Öffentlichkeit und die Skandale, die es jetzt in den letzten Jahren, in der letzten Zeit gab, die vielleicht auch berechtigt Skandale waren heutzutage, dadurch müssen wir als Pferdemenschen natürlich auch anfangen umzudenken und dann auch mal Sachen aufzulösen, die wir vielleicht früher anders gesehen haben.
Speaker: Wie du gesagt hast, du brichst jetzt heute eine Prüfung ab, wenn du merkst, es passt für das Pferd nicht.
Speaker: Katja, passt das wahrscheinlich jetzt bei so einer Live-Vorführung?
Speaker: Ich meine, wenn du da ein Pferd hast, das sowas noch nie gemacht hat, ist es glaube ich auch schwierig für manche Pferde.
Speaker: Also da kannst du ja nicht das Programm durchdrücken oder du könntest es durchdrücken.
Speaker: Wie gehst du mit sowas um?
Speaker: Bei mir ist ja nochmal etwas anderes.
Speaker: Ich komme nicht aus dem Sport.
Speaker: Da war ich nie, weil ich da nie hin wollte.
Speaker: Ich hatte nie die innere Ambition oder Motivation, mit meinem Pferd mich sportlich zu messen.
Speaker: Ich will es immer schön ausbilden, es soll alle Lektionen können, es soll ein bisschen springen können.
Speaker: Springen käme ich überhaupt nicht aus.
Speaker: Der Baum schon im Gelände geht, das war es dann aber auch.
Speaker: Und von daher habe ich einen anderen Anspruch als ein Sportler, der ein Turnier geht und erfolgreich sein möchte,
Speaker: immer besser werden möchte, sich mit dem vorderen Feld messen möchte und von daher kann ich immer ganz entspannt natürlich sagen, stopp, hier ist eine Grenze, wir müssen wieder ein paar Schritte zurück und nochmal neu starten, weil der hat irgendwas nicht kapiert, der hat irgendwas nicht verstanden, der hat noch irgendwo mit Stress zu tun.
Speaker: Und da geht es, glaube ich, das im Sport ein bisschen verloren, wenn man als einzigen Gedankenziel den Erfolg hat.
Speaker: Und dann kommt es wieder auf den einzelnen Menschen an, der sagt, ist mir egal, bin ich heute halt nicht platziert, mein Pferd hat es heute halt noch nicht geschafft.
Speaker: Im Western Sport ja genauso.
Speaker: Und ich glaube, je höher man kommt, umso größer ist dieser Leistungsdruck.
Speaker: Es geht auch um unglaublich viel Geld.
Speaker: Und wie du vorhin sagtest, wir wenden einige Methoden nicht mehr an heutzutage.
Speaker: Du, so viele Reithallen sind geschlossen.
Speaker: Man darf nicht rein während des Trainings.
Speaker: Ich will nicht wissen, was dahinter los ist, aber in allen Reitweisen.
Speaker: Also ich glaube, wir stehen hinter uns und sagen, wir machen keine unfairen Dinge, sondern werden Pferde psychologisch, Pferdepsychologie anwendend unsere Pferde trainieren, immer mit dem Pro-Pferde-Gedanken und so, dass das Pferd das versteht und es auch schaffen kann.
Speaker: Aber im Leistungssport, glaube ich, dominieren halt andere Motivationen.
Speaker: Und wenn ich hier merke, was wollten wir vorhin mit dem Pferd machen?
Speaker: Freiarbeit.
Speaker: und das Pferd ist aber immer weggegangen, wenn das noch Angst vor der Gerte hatte.
Speaker: Dann kann ich natürlich das Seil wieder ranmachen und sagen, ich brauche mein Pferd jetzt hier nicht irgendwie versuchen und unter Stress zu erklären, dass es bei mir bleiben soll.
Speaker: Also mache ich wieder strikt ran und erkläre die Gerte, mache ein bisschen friendly game, mache nochmal das Seil ab und schaue da, er hat es verstanden und bleibt bei mir, jetzt als Mini-Ausschnitt.
Speaker: Aber natürlich, wir passen uns immer wieder mehr an und langfristig nachhaltig ist das unserer Meinung nach.
Speaker: Ich hoffe, ich spreche auch für euch beiden besser, weil es nachhaltiger ist, wenn man mit dem Tempo des Pferdes geht.
Speaker: Und das ist einfach super individuell.
Speaker: Oder ich habe schlecht trainiert, es kann das körperlich gar nicht schaffen.
Speaker: Im Springsport, die müssen super körperlich dastehen.
Speaker: Im Westernsport, natürlich.
Speaker: Selbst die Wanderwander-Reitpferde müssten eigentlich ein bisschen mehr...
Speaker: trainiert werden, also gymnastiziert werden und da sind wir gefragt als Fachpersonal, also jeder Besitzer als Fachpersonal, mein Pferd bestmöglich auf die Sachen vorzubereiten oder zu merken, wow, stopp, Abbruch kann ich noch nicht.
Speaker: Ich schnappe mir noch mal ganz kurz das Mikro.
Speaker: Ich möchte mal ein Beispiel nennen und warum ich auch so gerne in der Jugendförderung bin.
Speaker: Ich habe eine junge Reiterin dabei, die ist ausgeliehen, 19 Jahre alt, die ist Tierwirtin und arbeitet hauptberuflich auch schon.
Speaker: Die wird den elterlichen Betrieb übernehmen.
Speaker: Und wir hatten heute Morgen eine zeitliche Verschiebung, mussten also von der Box aus ohne Abreiten in die Showarena.
Speaker: Sie hat ein ganz junges Pferd dabei, vier Jahre alt.
Speaker: Und das Pferd hat sich ohne diese Vorbereitung, also die älteren Pferde haben das Thema gut weggesteckt, die hatten das schon ganz oft gemacht und das junge Pferd hat sich unheimlich erschreckt in dieser Arena und war danach ja schon, ich würde mal sagen, mitgenommen, vielleicht ein bisschen traumatisiert von den ganzen Eindrücken.
Speaker: Und ich habe dann zu ihr eben gesagt, wir nutzen die nächste Einheit, du nimmst das Pferd an der Hand mit in die Arena, wir werden das den Menschen dort drin erklären, was passiert ist, wir lassen sie ein paar Mal applaudieren, üben mit denen zusammen, du kannst dem Pferd in Ruhe erklären, dass das nichts Schlimmes ist.
Speaker: Und das war überhaupt gar kein Problem.
Speaker: Und je mehr junge Menschen das verstehen, deswegen bin ich gerne in der Jugendförderung unterwegs,
Speaker: Wie wir auch an diese Ziele kommen, dann kann sie auf der nächsten Messe in Ruhe mit diesem Pferd ein gutes Vorbild sein.
Speaker: Und wir haben heute nicht unsere Aufführungen durchgedrückt.
Speaker: Und jeder hat es verstanden.
Speaker: Und die Jugend ist halt auch unsere Zukunft.
Speaker: Ich meine, gerade die Jungen sollten Freude mit dem Pferd haben.
Speaker: Die sollten verstehen...
Speaker: ja, dass es eigentlich eine Zusammenarbeit ist.
Speaker: Und ich glaube, der Josef möchte gerne noch was ergänzen hier.
Speaker: Er hat sich gerade schon das Mikro geschnappt.
Speaker: Also leg mal los.
Speaker: Ja, genau, weil wir jetzt gerade bei Beispielen sind, habe ich gedacht, ich bringe noch ein Beispiel aus dem Springsport.
Speaker: Also ich hatte das ganz oft, also oder ich bin ja auch normal in diese Turnierwelt dann reingekommen als junger Reiter.
Speaker: Und irgendwie war es da so standardmäßig, dass halt im April die Außensaison losging und im Oktober war die zu Ende.
Speaker: Das heißt, im April ging die Saison los.
Speaker: Im Oktober war die Saison zu Ende.
Speaker: Im besten Fall bist du alle zwei Wochen aufs Turnier gefahren, am besten Fall Samstag, Sonntag, jeden Tag zwei Prüfungen und irgendwie war das so normal.
Speaker: Und ich hatte dann aber halt, also mit dem Pferd, mit dem ich jetzt auch am erfolgreichsten bisher war im Sport, bin ich aber damit also an die Grenzen geraten.
Speaker: Das war halt für sie nicht das System.
Speaker: Und ich habe durch sie gelernt loszufahren, wenn es sich gut anfühlt, wenn ich zu Hause im Prinzip Langeweile hatte.
Speaker: Und die Jasmina, also das Pferd, von der ich rede,
Speaker: hat mir das hat immer gezeigt ich habe durch diese vorarbeit die ich getroffen habe für die prüfung gefühlt wie dieses pferd heute drauf ist und ob es jetzt an der reihe ist diese prüfung zu reiten oder vielleicht auch dann noch eine prüfung hinten ran zu fahren ich bin ganz oft für eine prüfung losgefahren und meine eltern die jetzt nicht aus dem pferdebereich kommen die haben immer gesagt
Speaker: Mensch, der Aufwand und wenn du jetzt so schon hinfährst, dann reiht doch die Prüfung.
Speaker: Und da musste ich auch mich erstmal eine Zeit lang erklären, habe gesagt, nein, ich muss das für Sie entscheiden und für Sie entscheiden, wie es ihr jetzt weiterbringt, weil ich eben nicht dieses eine Turnier gesehen habe, sondern ich habe versucht, aufs Große und Ganze zu schauen und zu sagen, okay, was bringt uns denn weiter in unserer Partnerschaft, in der Ausbildung für das Pferd.
Speaker: Und am Ende...
Speaker: Tatsächlich habe ich das wirklich eine ganz lange Zeit gemacht, dass ich wirklich nur für eine Prüfung losgefahren bin auf das Turnier.
Speaker: Wirklich für diese eine Minute, dieser ganze Aufwand, dieser ganze Sprit, brauchen wir nicht drüber reden.
Speaker: Wissen wir alle, was dahinter steckt.
Speaker: Und am Ende war es aber so, dass wo ich dann mit ihr auch den Sprung in das 2-Sterne-M geschafft habe, in die 1,30-Klasse, dass ich dort tatsächlich dann irgendwann an dem Punkt war, dass ich halt vorher ein 1,20-Spring geritten bin.
Speaker: und dann gemerkt habe, hey, okay, wie ist sie drauf und ja, die fühlt sich gut an, bin danach sogar in das höhere Spring reingegangen.
Speaker: Also ich bin später, obwohl ja die Klassen höher wurden und die Ansprüche schwerer waren, wieder eigentlich zu diesem Grundsystem zurückgegangen.
Speaker: Aber ich hätte sie damit ja irgendwo kaputt gemacht, wenn ich halt einfach diese Masse oder diese Vorstellung, diese Erwartungshaltung erfüllt hätte.
Speaker: Ich glaube, am Ende ist es halt das, wo wir wieder hin müssen, dass der Sport wieder mehr nach dem Pferd ausgerichtet wird.
Speaker: Und mein bester Kumpel, der kam damals, also damals ist es schon wieder so, es war halt 2024, kam der am Ende von...
Speaker: am Ende der Saison zu mir und hat zu mir gesagt, ja, man kann auf Rimondo, da kennt auch wahrscheinlich jeder, so diese Ergebnislisten einsehen.
Speaker: Und da gibt es so ein Ranking deutschlandweit, wo es nicht um die Anzahl der Platzierungen geht, sondern dort wird das Verhältnis aufgegriffen zwischen Starts und Platzierungen.
Speaker: Und es war so krass, also dieses Pferd, also Jasmina und ich, wir hatten es dann dort wirklich in dem Jahr geschafft, in Deutschland unter dem Top 100 Springreitern
Speaker: zu kommen von dem Ranking, wie erfolgreich waren die Starts, weil ich sie halt immer im Prinzip nach meinem Gefühl gestartet habe und es war halt so, sie hatte eine super Quote in dem Jahr, war halt wirklich immer gut platziert, vorne platziert, bei denen, wo ich halt gestartet bin.
Speaker: Also ich habe halt sozusagen wirklich versucht, die Qualität über die Quantität zu stellen und ich glaube, das ist halt am Ende wichtig, wenn wir mit den Pferden und den Individuen arbeiten, dass wir halt sagen, die sind uns nichts schuldig.
Speaker: Und das ist halt, glaube ich, der Gedanke, den wir wirklich leben und tragen müssen oder der uns tragen sollte jeden Tag.
Speaker: Aber wie war das für dich persönlich?
Speaker: Ich will jetzt noch mal kurz nachfragen, weil du sagst, du bist auch ganz klassisch in den Turniersport gestartet.
Speaker: Da startet man ja schon auch mit einem Erfolgsdruck und so weiter.
Speaker: Wie war das für dich persönlich, da zu sagen, nee, ich mache das jetzt anders?
Speaker: Also ich hatte diesen Erfolgsweg, sage ich mal, mit meinem vorhergehenden Pferd.
Speaker: Das war auch ein gutes Springpferd.
Speaker: Ich habe den auch von klein auf ausbilden dürfen.
Speaker: Der war damals angeritten, der konnte nicht viel.
Speaker: Und mit ihm habe ich so ein bisschen den Sprung in die höheren Klassen geschafft.
Speaker: Ich bin dann damals mein erstes L-Spring geritten, mein erstes M-Spring.
Speaker: Und wir hatten, wo ich damals mein Abi gemacht habe, das ist wirklich schon damals, weil es ein bisschen her ist, aber gemacht haben,
Speaker: hatte ich so eine Saison, da bin ich mit ihm mein erstes A2 Sterne geritten, dann mein erstes L und wir haben es in einer Saison geschafft, in Leistungsklasse 3 aufzusteigen.
Speaker: Also quasi so, dass man dann auch S-Spring reiten durfte, weil wir dann halt sogar unsere ersten M-Platzierungen hatten.
Speaker: Das war halt ein krasser
Speaker: Höhenflug auch irgendwo, ein krasser Sprung und das stimmt, der Erwartungsdruck war da, ich habe den aber ja dadurch auch erstmal irgendwo erfüllt und ich würde auch sagen, ich bin damals auch nie unvergründet.
Speaker: Ich bin mit meinem Trainer oder mein damaliger Trainer, der halt wirklich auch zu tiefen DDR-Zeiten halt tätig war, auch DDR-Meister war und so, immer mit der Einstellung in den Springsport gekommen, dass er gesagt hat,
Speaker: Wenn es schlecht lief, haut ihr selber eine runter, hat er immer gesagt und gibt dem Pferd ein Stück Zucker.
Speaker: Aber mir hat dieser ganze Hintergrund gefehlt, also diese ganze Vorarbeit und dieses, warum mache ich was mit dem Pferd, warum reite ich welche Lektion und wie reite ich das vor allem.
Speaker: Es war halt immer nur, mach das, mach das, mach das, aber ich habe halt dieses Warum gesucht.
Speaker: Dort habe ich im Prinzip dann den Absprung schaffen müssen, weil dann eben dieses Pferd, die Jasmina in mein Leben getreten ist und dort eben dieser klassische Weg nicht mehr funktionierte, weil sie einfach nichts das leisten konnte mit ihren körperlichen und mentalen Voraussetzungen.
Speaker: Dort hat halt dieser klassische Weg einfach nicht mehr geklappt, ja.
Speaker: Ja, das ist oft so.
Speaker: Svenja hat ja auch so ein Pferd im Islam-Pferd, das nicht in das normale Muster passt und der uns praktisch dazu gezwungen hat, einfach auch mal anders zu denken und Sachen anders zu machen.
Speaker: Ja, der hat wirklich alles hinterfragt, was wir gelernt und gewusst haben.
Speaker: Hat gesagt, du musst dich neu erfinden, ansonsten wird das mit uns zwei nichts.
Speaker: Und jetzt muss ich sagen, ist er so ein cooles Pony geworden und entwickelt sich jeden Tag immer weiter.
Speaker: Das ist extrem schön zu sehen.
Speaker: Jetzt haben wir so viel über Vorurteile gesprochen, über negative Dinge.
Speaker: Aber eigentlich würde ich jetzt auch so ein bisschen gerne wieder zum Positiven zurückgehen, weil wir sind ja auch ein positiver Podcast und wollen ja nicht nur meckern die ganze Zeit.
Speaker: Und ich würde jetzt gerne mal von euch wissen,
Speaker: Was ist für euch guter Pferdesport?
Speaker: Vielleicht mag die Jessica nochmal anfangen und nochmal kurz sagen, was ist für dich richtig guter Pferdesport?
Speaker: Egal welche Disziplin, sondern im Allgemeinen.
Speaker: Ja, richtig guter Pferdesport oder ich versuche es mal anders aufzugreifen.
Speaker: Wir sind
Speaker: eine schöne Gruppe von Menschen, die sich gut versteht.
Speaker: Wir verbringen oftmals drei, vier Tage miteinander.
Speaker: Es gibt Austausch.
Speaker: Turniere sind auch für uns die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen.
Speaker: Das, was wir
Speaker: transportieren wollen, vielleicht auch ein Stück weit mit zu transportieren und diese Harmonie, also natürlich ist es schön, harmonische Ritte zu sehen, harmonische Pferde zu sehen, tolle Pferde zu sehen, auch diese Vielfalt, die vielleicht auf einem Gelände zusammenkommt, aber es ist auch für mich ein guter Pferdesport, wenn
Speaker: in der Veranstaltung einfach gutes Grundklima ist.
Speaker: Wenn das eine gemeinsam gelebte Zeit ist, wenn es auch unter den Menschen ein Miteinander gibt.
Speaker: Und ja, ich möchte, was die Menschen angeht, auch dazu noch sagen, ich habe auch oft erlebt, dass die Menschen
Speaker: für sich auch keine andere Idee haben.
Speaker: Also sie sind nicht immer böse zum Pferd, weil sie böse sein wollen, sondern es ist ihre Idee für sich selbst auch.
Speaker: Und gerade in so einer Sportveranstaltung, wo viele Menschen zusammenkommen, kann man sicherlich auch, indem man Umgang miteinander zeigt, natürlich auch eine andere Lebensphilosophie vermitteln.
Speaker: Und guter Pferdesport ist für mich ein gutes Miteinander mit dem Pferd und auch mit den anderen Menschen.
Speaker: Genau.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: Dafür vielleicht nochmal Applaus, oder?
Speaker: Ja, ich glaube, gutes Miteinander ist das, was wir uns alle groß auf die Fahne schreiben dürfen.
Speaker: Katja, leg du mal los.
Speaker: Was ist für dich guter Pferdesport?
Speaker: Genau.
Speaker: Also das, was du gerade gesagt hast, war ganz schön und ist ganz wichtig.
Speaker: Ja, und einfach auch das, was wir gerade schon...
Speaker: beschrieben haben, das ist es eigentlich.
Speaker: Und dass wir unser Pferd, egal, du sagtest, reitweisend übergreifend auf die Aufgabe ordentlich vorbereiten und dass man sieht, dass das Pferd eine Aufgabe verstanden hat,
Speaker: es leisten kann und es ungestresst ist, ja, im Großen und Ganzen.
Speaker: Und das kann man erkennen, das sieht man Pferden an.
Speaker: Ob sie gestresst sind, ob sie Schmerzen haben, ob sie es gerade nicht können, nicht wollen, warum auch immer.
Speaker: Und wenn man dafür ein Händchen, ein Auge, ein Gefühl entwickelt,
Speaker: dann ist das guter Pferdesport und dann kann man die Pferde auch zu Leistungen bringen.
Speaker: Aber die Vorbereitung ist alles und die Pferde haben ein Menschenleben lang schon für uns Leistung gebracht.
Speaker: Ohne, muss man sich auch mal immer wieder mal vorhalten, wie lange das Pferd mit uns Menschen zusammen geht.
Speaker: Angefangen bei den Indianern, die die ersten Pferde zähmten und dann die Menschen angefangen haben, sich schneller fortbewegen zu können, immer weiter sich bewegen zu können und Land entdeckt wurde.
Speaker: Und dann die
Speaker: auch wenn es negativ ist, die Kriege.
Speaker: Man hat es mit Pferden gemacht, man hat die Postkutschen benutzt, man hat die Pferde zum Informationsfluss benutzt, zum Ackerbau, für so viele Dinge.
Speaker: Also das Pferd hat schon Unglaubliches für uns geleistet und jetzt macht es diesen doofen Sport für uns, weil wir das toll finden.
Speaker: Also eigentlich auch blöd, weil die wollen eine Aufgabe, okay, unbedingt, weil sie stehen halt rum, sie brauchen kein Wasser suchen, kein Futter sich suchen, das bringen wir ihnen ja mal schön an Ort und Stelle.
Speaker: Und deswegen ist eine Aufgabe richtig gut und deswegen muss das gut gemacht werden von uns Menschen.
Speaker: Genau, dann können die das auch.
Speaker: Und die wollen Partner sein, die sind Partner, die sind gerne bei uns.
Speaker: A und O ist die Vorbereitung, das Herz dafür, das Gefühl und ein Auge und dann habe ich nichts gegen Pferdesport, egal welche Reitweise.
Speaker: Dann ist auch Springen in Ordnung.
Speaker: Man muss halt Grenzen erkennen.
Speaker: Das ist eine perfekte Überleitung zu Josef.
Speaker: Genau, da gebe ich dir mal direkt.
Speaker: Für die Hörerinnen zu Hause, der Josef hat gerade selber ein bisschen lachen müssen und hat gesagt, okay, immer auf den Springsport.
Speaker: Das stimmt.
Speaker: Ja genau, also eigentlich habt ihr schon ganz viele wichtige Dinge gesagt und ich glaube ich kann das eigentlich ziemlich kurz zusammenfassen.
Speaker: Für mich ist es guter Sport, wenn er halt nach dem Pferd ausgerichtet ist und ja nicht nach dem Commerz und das ist halt glaube ich auch diese Schwierigkeit, die wir haben.
Speaker: Wir haben drei, verdienen unser Geld damit, dass wir morgen was zu essen auf dem Tisch haben und wir sind abhängig von den Pferden.
Speaker: Dort müssen wir es aber halt schaffen, dass wir eben trotzdem die Pferde immer wieder ganz nach oben heben und nicht sagen, okay,
Speaker: ja, das ist okay, dass wir die Pferde für kommerzielle Zwecke nutzen, weil es sind halt Nutztiere, sondern nein, es sind Individuen, die sich das nicht aussuchen können.
Speaker: Also ist es nicht selbstverständlich und es ist nicht normal, dass wir die Pferde für kommerzielle Zwecke nutzen, sondern es ist ein Privileg.
Speaker: Und dieses Privileg, ja, das müssen wir uns erhalten und ich glaube, deswegen müssen wir auch im Pferdesport arbeiten.
Speaker: weiter mit wissenschaftlich fundierten Herangehensweisen voranschreiten, weil sonst glaube ich, könnte es halt auch nicht so positiv ausgehen für den Sport.
Speaker: Also für die drei bitte nochmal einen Applaus, oder?
Speaker: Sehr, sehr schön.
Speaker: Für mich wäre das zum Beispiel, wenn wir jetzt über Werte sprechen, die wichtig sind im Pferdesport, für mich ist ganz oben das Thema Empathie.
Speaker: Einfach, dass man merkt, ich habe hier keine Maschine vor mir, die irgendein Muster oder irgendwelche Arbeitsschritte erfüllen muss und zwar so schnell, wie es geht, sondern wirklich dieses, ich denke mich ein bisschen in das Lebewesen rein und beachte das auch.
Speaker: Und dann bekommt man auch viel mehr zurück.
Speaker: Absolut, ja.
Speaker: Das kann ich einfach nur so unterschreiben.
Speaker: Ich hätte jetzt noch einen letzten kleinen Themenblock, eine letzte Frage an euch und dann müssen wir zwecks der Zeit leider auch schon zu einem Ende kommen, weil wir sitzen hier schon fast eine Stunde zusammen.
Speaker: Ihr habt alle drei eine ziemlich große Außenwirkung.
Speaker: Und erreicht sehr, sehr viele Leute hier draußen über Social Media, über eure Auftritte, über eure Arbeit im Endeffekt.
Speaker: Und wie seht ihr denn eure Rolle gegenüber den Pferden und gegenüber den Menschen?
Speaker: Und was denkt ihr, können wir alle vielleicht, die Außenwirkung haben, noch besser machen in der Zukunft?
Speaker: Wer möchte starten?
Speaker: Jessica vielleicht.
Speaker: Die goldene Mitte.
Speaker: Jessica muss immer anfangen, das ist echt unfair.
Speaker: Ich fange an.
Speaker: Außenwirkungen verbessern.
Speaker: Ich denke, dass Transparenz sehr, sehr wichtig ist, dass man, wir haben eben schon gehört, die verschlossenen Reithallen, Transparenz fördert immer Vertrauen, Transparenz
Speaker: fördert Wissen und ich denke, wenn man Social Media nutzt, wirklich gut transparent zu sein, zu sagen, wir arbeiten so, bei diesem Pferd haben wir es auf diese Art und Weise gemacht oder dieser Mensch konnte mit seinem Pferd
Speaker: dieses oder jenes nicht leisten, weil er hier oder da ist.
Speaker: Also ich bin wirklich ein großer Freund davon, auch die Menschen besser zu machen.
Speaker: Die Pferde, ja, ich liebe sie, aber sie haben ihre Besitzer und die Besitzer, je besser die Besitzer werden und verstehen, desto einfacher ist es am Ende für alle.
Speaker: Und dafür kann man
Speaker: Also das ist mir ganz, ganz wichtig, das auch zu transportieren.
Speaker: Und ich denke, dass es sich auch überträgt, dass wir diese guten Gedanken und diese guten Ansätze einfach immer, immer weiter übertragen müssen.
Speaker: Und dass es sich dann immer weiter überträgt.
Speaker: Und dafür müssen wir damit laut sein.
Speaker: Ja, ich finde es zum Beispiel, es gibt nochmal 10 Applaus.
Speaker: Ich finde es zum Beispiel gerade auf Social Media wahnsinnig wichtig, nicht nur die perfekten Bilder zu zeigen.
Speaker: Natürlich macht man das am liebsten.
Speaker: Man zeigt immer am liebsten, wenn irgendwas super funktioniert und alles toll und harmonisch ist.
Speaker: Man ist ja auch dann stolz.
Speaker: Also ich zeige ja auch gerne was, weil ich bin dann verdammt stolz.
Speaker: Schau mal, ich habe in meinem Pferd das erreicht.
Speaker: Aber die Realität sieht halt nicht immer so aus.
Speaker: Es gibt nicht immer die perfekten Szenen im perfekten Tag.
Speaker: Wir arbeiten mit Lebewesen, wir sind selber Lebewesen, wir funktionieren nicht immer wie eine perfekte Maschine.
Speaker: Und ich glaube, da müssen wir auch wieder mehr hin, Realität zu zeigen und echtes Training und eben nicht nur perfekte Turnier-Ausschnitte.
Speaker: Und genau das gibt ja Social Media uns als Möglichkeit.
Speaker: Dass einer so viel zum Beispiel zeigen kann mit einem Video und es so viele Menschen sehen, ist ja eine super Möglichkeit, das zu spreenen.
Speaker: Und das funktioniert ja auch.
Speaker: Nicht umsonst verkaufen sich so viele online oder auch echte Kurse.
Speaker: mit dem Thema Freiarbeit, freies Reiten.
Speaker: Das ist ja super, was da passiert.
Speaker: Und es geht ja so schnell heutzutage, dieser Informationsfluss, dieser Austausch dank dieses Mediums.
Speaker: Und das nutzen wir durch Erklärvideos, durch Vorzeigen, durch immer wieder, guckt mal, es geht auch anders, wie auf kleinem Wege es früher nur ging.
Speaker: Da gab es...
Speaker: Genau, man braucht Mut, das zu zeigen, Mut, sich zu erklären.
Speaker: Aber früher, jeder Ort, wirklich Ort, Ort für sich, jede Reithalle, jeder Reitverein war halt in seinem Orbit geschüsselt jeden Tag.
Speaker: Also so machen wir es und das ist richtig.
Speaker: Jetzt kann jeder junge Mensch, jedes Mitglied im Reitverein gucken, wie machen die das dann da oben im Norden, in Hamburg, in München, in Paraguay, in Australien.
Speaker: Also dadurch gibt es ja einen unglaublich schnellen, ich wiederhole mich, Informationsfluss.
Speaker: Aber genau das ist ja unsere Chance zu zeigen, dass es anders geht.
Speaker: Und dass es nicht nur, weil sie es früher so gemacht haben, ist es richtig, da muss man die Gärte auf den Arsch, dann geht der Junge schon.
Speaker: Sondern man muss überlegen, warum nicht und wieso.
Speaker: Es gibt drei, vier Möglichkeiten, da etwas mitbekommen.
Speaker: diesem Pferd das so zu erklären und dann probieren wir es anders.
Speaker: Neue Wege aufzeigen.
Speaker: Genau, eine mega Sache, dieses ganze Online und YouTube und Kursgemache, dass das super für die Pferde ist, weil denen wollen wir ja helfen.
Speaker: Und wie du gesagt hast, die Menschen wissen ja oft gar nicht weiter.
Speaker: Missverständnisse in der Kommunikation.
Speaker: Wir interpretieren immer alles menschlich.
Speaker: Der ist so, weil...
Speaker: der das so und so, weil das Pferd denkt, es ist da so und so.
Speaker: Aber der Mensch sagt dem Pferd, dass es gerade so denkt.
Speaker: Aber es ist total falsch.
Speaker: Und deswegen müssen wir da was tun.
Speaker: Und deswegen gebe ich jetzt ab.
Speaker: Zurück ins Studio an Josef.
Speaker: Kurzer Einwurf noch.
Speaker: Josef, du darfst gleich losschießen.
Speaker: Aber ich finde, das Thema Mut muss man hier auch nochmal ganz groß schreiben, weil es ist immer viel einfacher zu zeigen.
Speaker: Es läuft alles perfekt.
Speaker: Aber ich glaube, du warst auch sehr mutig, als du zum Beispiel einen neuen Weg gegangen bist und da auch zu realisieren, es läuft vielleicht nicht gut.
Speaker: Und das auch zu zeigen ist was, das sollte viel mehr positive Rückmeldung bekommen und noch viel mehr Wertschätzung, weil genau das ist der Punkt, der uns erstmal viel Mut kostet, aber uns allen einfach auch viel mehr hilft.
Speaker: Weil wenn wir sehen, wo andere vielleicht strugglen, können wir auch davon was lernen und den Weg auch vielleicht ausprobieren.
Speaker: Ja, also das ist ein super wichtiger Punkt, den ich auch genauso erfahren habe, auch von meiner Community.
Speaker: Also ich habe wirklich eine super Community.
Speaker: Ich bin sehr, sehr dankbar für meine Community, auch auf Instagram, weil die super positiv ist und mich da auch echt extrem toll unterstützt und das supportet.
Speaker: Und ich auch dort aus der Community heraus eben den Support erhalten habe, weil sie gesagt haben,
Speaker: okay, sie sind dankbar, dass ich eben diesen Weg zeige, dass es halt nicht eine Partnerschaft dadurch entsteht, dass alles von Anfang an einfach super perfekt und harmonisch ist, sondern ich zeige zum Beispiel ja auch, wenn ich jetzt ein Pferd bekomme mit Themen,
Speaker: ein Berittpferd oder so, dann versuche ich das eben diesen Weg darzustellen und deswegen brauche ich auch manchmal für meine Videos extrem lange und sitze dann dort ja nicht nur zwei, drei Stunden, weil ich halt dann vielleicht den Weg von drei, vier, fünf Monaten Beritt versuche zu zeigen und die Entwicklung zu zeigen und auch zu zeigen, wie ich gescheitert bin mit dem Pferd an der einen oder anderen Stelle und dann aber halt auch zeige, okay, man kann es schaffen und versuche den Weg aufzuzeigen.
Speaker: Das ist natürlich auf Social Media, weil es eben sehr schnelllebig ist,
Speaker: recht schwer, deswegen habe ich versucht eben zwischen diesem Vorher-Nachher eine Brücke zu bauen mit meiner Online-Academy, wo ich halt ausführlich zeigen kann, wie der Weg war mit diesem Pferd und mit den Pferden.
Speaker: um halt dort auch den Leuten das nahbar zu machen, transparent zu machen und vor allem ehrlich zu zeigen, wie der Weg war.
Speaker: Und dass halt, ja, wir am Anfang vielleicht an der Bodenstange schon gescheitert sind, aber am Ende halt es trotzdem aufs Turnier geschafft haben.
Speaker: Aber weil wir einen ehrlichen, transparenten Weg gegangen sind, auch gegenüber oder vor allem gegenüber dem Pferd, dem Partnerpferd, und dass man halt gesagt hat, okay, man wartet auf das Pferd und kann dann aber eben halt auch diese Ergebnisse erzielen.
Speaker: Und das ist aber halt auch hier wichtig, dass man das nochmal erwähnt, dass das Warten nicht bedeutet, vorzunehmen,
Speaker: faul zu sein und zu sagen, ach ja, das wird schon morgen.
Speaker: Sondern man muss extrem fleißig sein und akribisch sein, detailverliebt sein und engagiert sein, aber muss halt sozusagen seine Genauigkeit, seine Perfektion und seinen Ehrgeiz in die richtigen Details stecken.
Speaker: Und so versuche ich das auch immer meinen Schülern zu erklären, zu sagen, okay, ihr dürft euch jetzt nicht drauf ausruhen, dass es jetzt nicht funktioniert und zu sagen, ja, das wird schon in zwei, drei Jahren.
Speaker: Nein, ihr geht jetzt den Weg, um da hinzukommen.
Speaker: Und den versuche ich eben auch auf Instagram zu zeigen, um zu zeigen, okay,
Speaker: ein Vorher-Nachher ist wichtig zu sehen, zu zeigen und ja, ich habe mich da am Anfang auch natürlich überwinden müssen, weil ich so dachte, puh, na, ich könnte jetzt eigentlich auch nur den zweiten Teil von dem Video posten, wie das Pferd am Ende halt dann fehlerfrei auf dem Turnier war, aber ich habe dann gedacht, ähm,
Speaker: Naja gut, ich lag aber auch vorher im Sprung oder bin halt mit dem Pferd da und da gescheitert und das ist halt der Weg.
Speaker: Und am Ende hat das trotzdem gerade mir auch auf Social Media diesen Zuspruch gegeben und gesagt, wo die Leute gesagt haben, hey danke oder ich habe auch schon Nachrichten von den Eltern bekommen und die gesagt haben, ja ich habe meiner Tochter das Video gezeigt und gesagt, ja hier der Josef, der hat auch mit dem Pferd zu tun gehabt und hat aber das geschafft und hat damit sozusagen ihrer Tochter versucht, die Geduld näher zu bringen und zu sagen, hey guck mal, auch
Speaker: andere Leute, auch Leute von Social Media, sind nicht perfekt.
Speaker: Und müssen den Weg gehen.
Speaker: Und dann kann man wachsen und lernen mit dem Pferd.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: Ich würde sagen, wir danken den drei nochmal für ihre Offenheit und für ihren Mut, jeden Tag zu zeigen, was sie tun, damit wir davon lernen können.
Speaker: Großen Applaus dafür.
Speaker: Ihr Lieben, vielen, vielen Dank, dass ihr euch mit uns hierher gesetzt habt und euch die Zeit genommen habt, mit uns über das Thema zu sprechen.
Speaker: Unsere Islandpferdefreunde warten hier schon in der Ecke und wollen den Platz hier übernehmen.
Speaker: Es gibt jetzt hier gleich noch ein Islandpferdetreffen für alle, die Interesse haben, die dürfen gerne dableiben.
Speaker: Für alle anderen danke, dass ihr da wart.
Speaker: Es hat mir großen Spaß gemacht.
Speaker: Auch nochmal Danke an euch drei und die Stunde ging viel zu schnell rum.
Speaker: Super.
Speaker: Vielen Dank.


