Einführung und Vorstellung von Alexander Braun
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Speaker
Hallo und herzlich willkommen zum Splittercast, dem Podcast von und mit dem Splitter Verlag, Bielefelds bestem Comic Verlag. Mein Name ist Max und in diesem Podcast spreche ich mit Macherinnen und Machern aus der deutschsprachigen Comic Szene, Künstlerinnen und Künstlern, Journalistinnen und Journalistinnen, Händlern und Händlerinnen und mit Wissenschaftlern.
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Speaker
So wie heute. Wobei für meinen heutigen Gast das Wort Comic Wissenschaftler eigentlich viel zu kurz greift, denn ich spreche mit Dr. Alexander Braun aus Dortmund. Alexander studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie und hat sich im Laufe der Zeit, nachdem er auch selber als bildender Künstler gearbeitet hat,
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Speaker
auf comics spezialisiert kann man so sagen seit 2008 kuratiert alexander immer wieder und sehr erfolgreich alle möglichen ausstellungen zum thema comic zu verschiedenen comic themen auch zum thema manga also das kann man durchaus weit sehen und zu verschiedenen
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Speaker
Strömungen, politischen Eckdaten und so weiter und so fort, was damit in Zusammenhängt.
Comic Schauraum in Dortmund
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Speaker
Dafür wurde er inzwischen sogar zweimal mit dem Eisener Award ausgezeichnet, nämlich für seine Arbeiten über Crazy Cat und auch über. Wo steht es?
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Speaker
Winsor McKay, Little Nemo, so gut. Das ist Authentizität, das ist Podcast. Ja, es gibt wahnsinnig viel über Alexander zu erzählen, viel mehr gehe ich da jetzt auch gar nicht ins Detail, ihr merkt schon, ich verhasse mich schon bei den paar Sätzen, die ich hier vorbereitet habe.
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Speaker
Wir sprechen über den Comic Schauraum in Dortmund, einen wunderbaren Schauraum, eine wunderbare Ausstellung, einen wunderbaren Ausstellungsort direkt am Dortmunder Hauptbahnhof, in dem es jetzt neu eine Ausstellung zu Horror Comics gibt, die ich vor kurzem besucht habe.
Einblicke in die aktuelle Ausstellung und Feedbackmöglichkeiten
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Speaker
Das Ganze ist kostenlos und super leicht zu erreichen. Da kommen wir gleich auch noch mal drauf zu sprechen. Eine ganz, ganz tolles Projekt, ausgesprochen sehenswert. Und wir sprechen über die Hintergründe davon, über Alexanders Arbeit daran, wie es dazu kam, wo es hingehen wird, über Horrorcomics insgesamt und über Comics insgesamt. Es ist ein sehr, sehr interessantes, aufschlussreiches Gespräch geworden, wie ich finde. Und ich hoffe, ihr stimmt mir dazu.
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Speaker
Kritik, Fragen, Anregungen, Kommentare, wie immer gerne an die info at splitter-verlag.de oder auf den sozialen Medien at splitterverlag. Lass mich gerne wissen, was ihr zu dem Thema zu sagen habt, was ihr euch dazu denkt und natürlich auch was ihr diesem Podcast zu sagen habt und darüber
Gespräch über die Lage und Zugänglichkeit des Schauraums
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Speaker
denkt. Ich freue mich über eure Nachrichten und jetzt wünsche ich euch erstmal viel Spaß mit Splittercast Folge 31 mit Alexander Braun und dem Comic-Schauraum in Dortmund.
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Speaker
Hallo, lieber Alexander. Sehr schön, dass du dir die Zeit nimmst, heute im Splittercast dabei zu sein. Herzlich willkommen. Hallo, Max. Ich freue mich für die Einladung. Ja, ich freue mich, dass du ihr gefolgt bist. Ich hoffe, dir geht es gut soweit. Ja, sehr gerne. Heute ist ein Tag, wo die Sonne scheint, von morgens bis abends. Ja, das ist korrekt. Das könnt ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, jetzt gerade hoffentlich nachvollziehen. Ich hoffe, wenn ihr das hier hört, ist auch schönes Wetter. Hier ist gerade ganz herrliches Wetter in Dortmund bzw. in Bielefeld.
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Speaker
Dortmund ist auch direkt das Stichwort wir sprechen heute über den Comic Schauraum in Dortmund ein wunderbares kleines. Museum Museums Projekt am Dortmunder Hauptbahnhof in der Nähe und bevor ich mich jetzt weiteren Verstrecke Alexander du kuratierst die aktuelle Ausstellung kuratiert heißt.
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Speaker
die vergangenen Ausstellungen. In deinen eigenen Worten, wie würdest du den Comic-Schauraum beschreiben? Was macht diesen Ausstellungsraum aus? Was ist Besonderes daran? Was macht für dich als denjenigen, der die Ausstellung erstellt, diesen Schauraum einzigartig? Ich würde sagen, klein, aber fein. Es ist ein Kleinod und in dieser Art und Weise in Deutschland sicherlich einzigartig.
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Speaker
Weil die Lage ist natürlich sensationell. Wir liegen genau gegenüber vom Hauptbahnhof. Wenn man rauskommt und über die große Treppe in die Fußgängerzone strebt, sind wir gleich links davon. Rechts von der Treppe ist das Deutsche Fußballmuseum. Das ist ja auch echt prominent. Links von uns dann wiederum die Stadt- und Landesbibliothek, mit der wir kooperieren. Also wir sind da wirklich so im Herzen der Dortmunder Kulturmeile und gleichzeitig so unglaublich gut gelegen, dass uns jeder, der irgendwie in Dortmund ankommt oder von Dortmund
Erfolgreiche Ausstellungen und deren Besonderheiten
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Speaker
zur Kenntnis nehmen muss und da der Eintritt frei ist und es extrem niederschwellig ist, nicht nur im Sinne von barrierefrei, dass man einfach bei uns auch mit dem Rollstuhl reinrollen könnte, sondern man hat nicht diese Berührungsängste wie Museen, die sonst haben, dass man erst in so ein Foyer kommt und seine Kleidung ablegen muss, ein Ticket ziehen muss, sondern man ist bei uns sofort drin und
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Speaker
bekommt dann, so hoffe ich zumindest, Erstaunliches zu sehen. Erstaunliches zu sehen, das ist definitiv so. Man kommt rein, wird von einem wunderbaren, überdimensionierten Wand, ja Gemälde nicht, einer Wandbedruckung begrüßt und kann sich dann von links nach rechts oder von rechts nach links, da kommen wir gleich noch zu, durch eine erstaunliche Sammlung von Comicseiten, Comickunst,
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Speaker
Und ja, in diesem Fall Horror Comics durcharbeiten. Die aktuelle Ausstellung handelt von Horror Comics und du hast da eine ganz, ganz erstaunliche Auswahl wirklich zusammengestellt. Bevor wir darauf aber im Detail eingehen, würde mich interessieren, ich denke, das würde vielen Hörerinnen und Hörern ähnlich gehen, wie es eigentlich dazu kam, dass dieser Schauraum
Entwicklung und Unterstützung des Schauraums
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Speaker
an dieser prominenten stelle denn das das ist es wirklich also ich war jetzt schon öfter in dortmund da auch familie wohnen und dieser schaum ist fantastisch gelegen. Wie kam es eigentlich dazu dass sie diesen raum bekommen habt und ihn so bespielen dürfte es ist jetzt ja nicht so dass es so was an jeder ecke in deutschland gäbe.
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Speaker
Ja, das ist tatsächlich manchmal das Zusammentreffen von vielen Zufällen. Die eigentliche Keimzelle geht auf den Kulturdezern in der Stadt Dortmund zurück, den Jörg Stüdemann, der bei einer internationalen Veranstaltung dem Bernd Polenz über den Weg gelaufen ist. Und der Bernd Polenz ist ein Karikaturist aus Berlin und der betreibt eine Internetplattform, die heißt Toonpool.
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Speaker
Das ist quasi die Gelegenheit, wo sich selbstständige, freie Kartonisten und Karikaturisten ein Profil anlegen können und da ihre Cartoons posten. In der Regel keine Comics, also wirklich Cartoons und Karikaturen. Und die Idee dieser Plattform ist, dass wenn es potenzielle Kunden geben würde, Magazine, Printmedien, Internet, was auch immer, die Interesse an Cartoons haben zu einem bestimmten Thema,
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Speaker
Dann können sie die da quasi kaufen oder buchen, die Lizenz, und kriegen dann die Daten geschickt. Und gleichzeitig ist diese Plattform aber auch eine tolle Datenbank über die deutsche Cartoon-Szene, wo man mit Suchbegriffen, weiß nicht, Fußball oder Rassismus oder Nazis oder was auch immer, dann alle Treffer bekommt, die zu diesem Thema passen und man also stundenlang Cartoons lesen könnte. Und diese beiden
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Speaker
Herrschaften haben sich darüber unterhalten und der Jörg Stüdemann, der Kulturdezernent, erzählte quasi, dass er eine vakante Immobilie hat in einer zentraler Lage, nämlich diesen Raum, in dem wir jetzt sind. Der wurde vorher bespielt vom Presse- und Informationsamt der Stadt Dortmund, was von der Lage her da auch sinnstiftend ist, weil wenn man jetzt als Reisender nach Dortmund kommt und braucht ein Hotel oder einen Stadtplan oder ähnliches, konnte man da hingehen.
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Speaker
Die haben sich aber irgendwann verändert und vergrößert und seitdem stand dieses Ladenlokal von knapp 200 Quadratmetern.
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Speaker
leer und die Stadt Dortmund, da war sie klug beraten, wollte eben es irgendwie an dieser prominenten Stelle klüger bespielen, als dass man einfach nur wieder eine Dönerbude drin hat oder irgendeine Billig-Boutique oder so was.
Kombination von Forschung und künstlerischer Präsentation
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Speaker
Und da es das Fußballmuseum ja schon gab, sicherlich irgendwas mit BVB gemacht worden oder so, hatte man eben überlegt, kulturell etwas reinzumachen und der Bernd Polenz hat gesagt,
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Speaker
mach doch was mit mit Cartoons, wäre doch irgendwie eine schöne Idee. Und dann kam man auf mich zu und das hat damit zu tun, dass ich gebürtiger Dortmunder bin, dass ich 30 Jahre lang in Dortmund gelebt habe und während meines Studiums sehr aktiv im Dortmunder Kulturleben war. Ich habe ja Kunst studiert und Kunstgeschichte. Ich bin dann zwischenzeitlich mal in Berlin gewesen zum Studium, bin dann aber wieder nach Dortmund zurückgekommen.
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Speaker
Und ich habe im Museum für zeitgenössische moderne Kunst als Student gejobbt. Ich habe für das andere Museum für Kunst und Kulturgeschichte, die also die ältere Kunst und Kunstgewerbe machen, einige Ausstellungen begleitet, indem ich da die ganzen Grafiksachen gemacht habe, die Kataloge gestaltet habe und, und, und. Und als ich dann vor
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Speaker
Ich glaube, 15 Jahren anfing Comic-Ausstellungen zu machen, die habe ich ja quasi in vollständiger Eigenregie organisiert, also in einer Ausstellung zusammengestellt, ein Buch dazu geschrieben und dann
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Speaker
Museen gesucht, die diese Ausstellung zeigen wollten, um sie zu refinanzieren. Da habe ich natürlich immer meine alten Freunde in Dortmund gefragt. Also, warum soll ich jetzt nach Hamburg und München gehen? So viel Lokalpatriotismus hatte ich dann schon, auch als ich nicht mehr in Dortmund gelebt habe, dann zu sagen, Dortmunder Museen habt ja nicht Interesse. Und an den ersten drei großen Ausstellungen hatten die jedes Mal Interesse. Von daher war ich immer mit einer großen Comic-Ausstellung in Dortmund wieder präsent im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.
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Speaker
Und dadurch wussten die natürlich, dass ich im Comic-Bereich sehr versiert bin. Erstens kann ich Ausstellungen, zweitens kann ich wissenschaftlich drüber schreiben, drittens habe ich selber eine große Sammlung.
Zukunftspläne und Herausforderungen des Schauraums
00:10:20
Speaker
Also da waren sie jetzt relativ klug beraten, sich an mich zu wenden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt zwar sehr viel zu tun.
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Speaker
in dem Jahr davor diese große Ausstellung in Frankfurt für die Schirn, diese Pioniere des Comics kuratiert und dann ein Jahr drauf mit Andreas C. Knicke zusammen für die Bundeskunsthalle im Bonn, diese große Comic-Manga-Graphic-Novel-Ausstellung. Und dann kam also Dortmund und sagte, kannst du mal kommen und wir setzen uns mal zusammen und stecken die Köpfe zusammen und überlegen, was wir da machen könnten. Und ich fand diese Idee sehr schön. Der Raum ist, wie gesagt, mit seinen knapp 200 Quadratmeter nicht übermäßig groß, aber das muss ja auch nicht sein.
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Speaker
Und ich fand die Idee einfach charmant, weil Comicmuseum wissen wir jetzt alle, seit Jahrzehnten ist in Deutschland eigentlich extrem vakant. Irgendjemand müsste sich mal endlich aufraffen. Er lang erzählt seit 30 Jahren drüber und das gelingt nicht richtig. Und die Problematik ist natürlich wirklich, wenn man mit kommunalen Trägern oder Städten zu tun hat,
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Speaker
Da ist keiner, der quasi die Verantwortung und die Initiative übernimmt und sagt, wir gründen jetzt mal ein Museum und das kostet viel Geld und wir bauen ein Gebäude oder nehmen eins, was schon da ist und wir schaffen Planstellen, die im Jahr weiß nicht, wie viel kostet, mit Lohnnehmkosten und was alles dranhängt und jemand an der Kasse sitzt und,
Leidenschaft für Comics und deren kulturelle Bedeutung
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Speaker
Das macht keiner. Deshalb habe ich gesagt, lass uns doch erstmal Content schaffen. Also nicht jetzt Großorganisation, sondern lass uns aufsetzen auf dem, was in Dortmund da ist. So war das auch schon immer geplant durch die räumliche Nähe zur Stadt- und Landesbibliothek, die eine sehr gut sortierte Comic-Abteilung haben. Auch schon vor dem Schauraum jetzt natürlich nochmal besser.
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Speaker
Weil Comic ist ja immer auf der Nahtstelle quasi zwischen Kunst und Literatur und da war die Bibliothek immer sehr engagiert unter ihrem vorherigen Abteilungsleiter, der das unter sich hatte und jetzt der Kollegin auch. Also dann das Museum für Kunst und Kulturgeschichte, was so, weiß nicht, 300 Meter entfernt ist. Also lasst uns einfach die Infrastruktur nutzen, die es schon gibt und einfach mal was machen. Nicht so teuer.
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Speaker
Und weil ich auch kein städtischer Mitarbeiter werden wollte, dafür habe ich zu lange selbstständig sowohl als bildender Künstler als jetzt auch als Ausstellungskurator gearbeitet. Das ist einfach immer sehr schwierig, wenn man unglaublich viel Arbeits- und Lebensenergie lässt, um Verwaltung nebenher machen zu müssen. Haben wir quasi dieses Konzept überlegt, die Politik gibt uns mal für drei Jahre grünes Licht, damit zu starten. Wir überlegen uns, welche Ausstellungen interessant sein könnten, womit wir beginnen.
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Speaker
Und ich mache für einen Pauschalpreis eine komplette Ausstellung fertig, inklusive Publikation. Also die Stadt Dortmund hat kein Problem damit. Wo kommt das her? Und sie müssen keine 70 Leihverträge schreiben und nicht irgendwelche Sammler besuchen oder sonst was. Das mache alles ich. Das kommt hängefertig, gerahmt und mit einer wissenschaftlichen Publikation begleitet.
Einfluss von Comic-Kunst auf moderne Medien
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Speaker
Weil das wiederum war mir wichtig, weil wir haben eine Tradition von Comic-Ausstellungen, von denen aber häufig nichts geblieben ist. Ich kann mich erinnern, der Carsten Lagva aus Berlin hatte in den, glaube ich, 90er-Jahren im Schloss Oberhausen mal eine großartige Comic-Ausstellung mit quasi Meisterwerken durch alle Jahrzehnte kuratiert. Da gab es noch nicht mal einen Flyer zugeschweige denn ein Katalog. Und diese Dinge
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Speaker
gehen dann wieder alle verloren. Es sind dann ein paar hundert oder tausend Menschen, die die Ausstellung gesehen haben und sich mühsam daran erinnern. Also wir kommen in Deutschland nicht vom Fleck, wenn wir nicht irgendwie ein bisschen mittelfristig denken. Und das war quasi so meine Bedingung, da ich gesagt habe, das bringt auch nichts jetzt für so eine Ausstellung zwei Euro Eintritt zu nehmen. Das wird sowieso von Steuergeldern finanziert. Also lasst uns den Bürgern das als Geschenk zurückgeben. Es gibt diese Ausstellungen, die sind umsonst. Jeder kann reinkommen und kann so oft wie er kommen, wie er will.
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Speaker
Und gleichzeitig zeigen wir aber mit dem Anspruch eines Museums nur Originalexponate.
Soziale Themen in Comic-Kunst
00:14:32
Speaker
Wir machen jetzt nicht irgendwas mit übertrieben digital, oder? Doch, machen wir schon auch. Es gibt zum Beispiel diese Beacons, das sind so kleine Sender an den Exponaten, wo man sich auf Smartphone zusätzlich Informationen senden kann oder so. Also wir sind schon im 21. Jahrhundert angekommen, oder?
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Speaker
sehr weit vorne, aber so die Aura der Originalzeichnung, dass man das Unikat hat, dass man sieht, der Zeichner, die Dinger sind ja immer viel größer, als die Leute sich vorstellen in der Regel, außer bei Ralf König, da sind sie besonders klein. Die sind so klein, wie sie gedruckt werden. Das ist wirklich sehr, sehr selten, dass man das trifft, der einzige Künstler, der ähnlich klein zeichnet.
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Speaker
oder gezeichnet hat, ist der Dick Brown gewesen, der Hager gemacht hat. Also Hager ist auch unwesentlich größer als so, wie es dann in der Zeitung gedruckt wird. Sowas gibt es manchmal, dass die Künstler offensichtlich Freude haben, sich da ganz in ihr Papier reinzuknüsseln.
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Speaker
Ist aber sehr ungewöhnlich. Ist sehr ungewöhnlich, ja. In der Regel sind sie deutlich größer und natürlich viel, also künstlerisch viel, viel großartiger, als sie im gedruckten oder verdruckten Comic-Heft dann am Ende auf grobem Papier und mit zusammen fließenden Farben erscheint. Gerade so bei den Exponaten vom EC-Verlag ist es verblüffend, wie viel Liebe und Energie die Zeichner investiert haben.
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Speaker
Obwohl sie ja wussten, wie schlecht es am Ende getroffen aussieht. Sie wurden ja pro Seite bezahlt. Sie hätten sicher auch die Arbeit extrem erleichtern können und hätten vielleicht doppelt so viele Seiten hinbekommen. Aber das ist eben das künstlerische Ethos und das künstlerische Ethos, was im Comic eben sehr stark vorhanden ist, das kann ich nur zeigen, wenn ich Originalunikate zeige. Und deshalb haben wir mit diesem Schauraum so eine komische Sache. Die Leute können einfach so reingehen und das ist so am Weg,
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Speaker
quasi wie wenn man in irgendeinen Laden geht und dann kriegt man da unglaubliche für die Comic Geschichte Kunstwerke zu sehen. Unsere erste Ausstellung war ja Ente Süß Sauer, Karl Barks und die Folgen. Und von Karl Barks haben sich aus den 50er Jahren zwölf und eine halbe Seite überlebt, also als Original. Und wir hatten drei davon hängen. Also wenn man denkt, die sind jetzt in alle Welt verstreut und
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Speaker
Dann haben wir da plötzlich drei Originalseiten aus den 50er Jahren. Das ist natürlich sehr nationell und das würde man in dem Raum da auch nicht unbedingt erwarten. Und so schaffen wir eigentlich diese ganze Spanne. Jemand, der einfach nur so reinkommt und von Comic überhaupt keine Ahnung hat, der ist verblüfft. Wie groß, wie schön, wie gut die gezeichnet sind.
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Speaker
Und gleichzeitig das Fachpublikum, also bei Barks war das so, dass wir Leute hatten, die aus Hamburg gefahren gekommen sind wegen der kleinen Ausstellung, sage ich jetzt mal in Anführungszeichen, oder bei der Ausstellung danach, nimm das Adolf, über Comics im Zweiten Weltkrieg hatten wir im Besucherbuch plötzlich Besucher aus Mailand, die gekommen waren, also Sammler, also
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Speaker
sehr spezifisches Fachpublikum, die davor in einem italienischen Comicmagazin gelesen hatten und dann Dortmund-Mailand gibt es eine Flugverbindung, tatsächlich für eine Nacht im Hotel mal eben nach Dortmund gejattet sind. Und das ist eigentlich das Faszinierende. Wir machen die
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Speaker
die das Fachpublikum glücklich, weil sie Originale sehen, die nicht alle naßlang zu sehen sind. Und wir brechen eine Lanze für das Medium Comic bei den Menschen, die vielleicht noch überhaupt keine Ahnung haben. Ich hab das auch, als ich jetzt da war, tatsächlich in erster Hand erfahren. Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als super informiertes Fachpublikum, vor allem was Historie angeht, bezeichnen, aber ich war mit meiner Schwester und ihrem Partner da. Und die haben von Comics auf gut Deutsch wenig Ahnung.
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Speaker
außer hin und wieder halt welche, die ich ihnen in die Hand drücke. Und die waren richtig fasziniert im Nachgang dann zu sehen, auch gerade weil es halt Originale sind und man den handwerklichen Prozess noch nachvollziehen kann, weil halt an den Seiten der, also an den Seiten der Seiten dann noch die Markierungen von den Verlagen sind und teilweise Kommentare zur Kolloration untergebracht wurden und so weiter und so fort.
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Speaker
dann einfach mal die die ja die handwerklichkeit und die kunstfertigkeit hinter dem comic zu sehen und dann halt auch zu verstehen oder teilweise vorgeführt zu bekommen wie solche themen in dem fall halt bestimmte horror themen zombies war jetzt
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Speaker
Also das war das, was Eden vor allem wahrscheinlich aus persönlicher Neigung hängen geblieben ist, weil sie beispielsweise gar nicht wussten, dass The Walking Dead ursprünglich ein Comic war. Du hast eine Zombie-Verwandtschaft. Ja, ich hatte eine Zombie-Verwandtschaft. Deine Schwester hat einen Zombie geheiratet.
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Speaker
So in der Richtung. Nein, aber dass solche Themen halt auch so früh schon aufgegriffen wurden und von der Ästhetik her, was wir heute auch im Horror und in Horror-Serien und Filmen und generell an Visualität haben, dass das nicht zuletzt auch von Comics irgendwie beeinflusst wurde, offensichtlich. Also, ich meine, es vereint sich ja irgendwie immer gegenseitig. Das ist ja eine meiner Kerntesen, warum ich da so leidenschaftlich eine Lanze für den Comic breche.
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Speaker
Wenn wir uns angucken, wie wir heute konsumieren oder kommunizieren, auch medial, es ist ja eine Kombination aus Text und Bild. Wenn wir im Internet unterwegs sind oder am Tablet, es ist ja immer lesen, gucken, lesen, gucken. Das heißt, wenn wir das ernst nehmen, dann fängt das mit dem modernen Comic Ende des 19. Jahrhunderts an. Plus der Comic im Ende des 19. Jahrhunderts, wo er in den amerikanischen Sonntagszeitungen sich durchsetzt als farbiges Supplements,
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Speaker
Das ist ja die erste Generation, die in Millionenauflage möglich war zu produzieren. Das heißt, wir haben diese Simultanität von Kulturgutkonsum von ganz, ganz vielen Menschen gleichzeitig. Wir wissen ja, wenn ein lustiges Katzenvideo heute im Internet ist, dann hat das sofort oder in kürzester Zeit drei Millionen Klicks. Das heißt, der Mann in Indien guckt es sich genauso an wie die Frau in Deutschland.
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Speaker
Und bei den Comics jetzt in Amerika, das Mickey Mouse Strip in den 30er Jahren fällt mir jetzt gerade ein, weil wir einen in der Ausstellung hängen haben von Floyd Gottfridson, wurde abonniert von 2000 Zeitungen in Amerika. Also 2000 Zeitungen plus die jeweiligen hunderttausende von Lesern, die eine Zeitung hatte, eine Serie wie Gersolin Alley, die
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Speaker
der die Leute täglich folgten, weil es quasi ihr Alltagsleben darstellte, da war ja eine Kommunikation zwischen Comiczeichner und seinem Publikum. Da wurde ja das verhandelt, was die Leute etwa in einer großen Depression, wenn die Comicfiguren die gleichen Alltagsprobleme haben wie die Leser, dann ist das ja eine massenmediale Kunstform, wo das Kunstwerk mit seinem Publikum spricht.
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Speaker
Und deshalb finde ich das für uns heute extrem wichtig, bis auf die Quellen zu gehen oder überhaupt die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts immer mitzudenken.
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Speaker
Gerade aus dem Grund, weil das Medium eben so stiefmütterlich behandelt wurde, weil die großen Museen sich nicht darum gekümmert haben, weil es nicht gesammelt wurde. Also es geht ja unglaublich viel Wissen und gerade die alten historischen Zeitungen, die dann irgendwann auf ihrem säurehaltigen Papier zerfallen, da geht ja wirklich ein Kulturerbe verloren, was ganz, ganz viel mit unserer Gegenwart zu tun hat.
00:22:10
Speaker
Definitiv. In dem Zusammenhang, wir haben uns jetzt von den Zombies so ein bisschen wegbewegt, aber wieso denn dann eigentlich Zombies? Also das leuchtet mir alles total ein, finde ich sehr interessant, aber jetzt die aktuelle Ausstellung sind ja nun Horrorcomics. Ja, also wir machen unser Programm so, wir setzen uns zusammen im Team und ich habe hier so ein Zettel da stehen,
00:22:33
Speaker
20 Ausstellungen drauf, die ich gerne in meinem Leben noch machen möchte. Nur 20? Du kannst ruhig zugeben, wenn es mehr sind. Ja, es sind schon mehr, aber welche, wo ich denken würde, das ist in der zumutbaren Zeit zu realisieren. Das macht jetzt auch nicht Sinn, irgendwelches Wunschdenken, wo von den Zeichnern nichts erhalten geblieben ist oder man weiß, es ist so schwierig, was zu kriegen oder so. Nee, also sagen wir mal, 20 muss erst mal reichen.
00:22:59
Speaker
Und dann versuchen wir, eine gute Mischung hinzukriegen, bestimmte Zielgruppen zu erreichen, Dinge mitzunehmen, wo gerade Jubiläen sind. Also die erste Ausstellung war eben Karl Barks. Und die Folgen, das macht Sinn, wenn man so einen Raum eröffnet, nimmt man irgendwas, was die Leute kennen, also Donald Duck.
00:23:17
Speaker
So, dann war das gleich bombmäßig. Wir hatten also in den fünf und ein bisschen Monaten, wo sie lief, fast 7000 Besucher. Das sind mehr als 1000 Besucher im Monat. Das ist für so einen kleinen Raum hammermäßig. Also besser konnte man gar nicht starten. Da hatte keiner mit gerechnet. War der absolute Hype.
00:23:35
Speaker
Und weil wir dann im Jahr drauf, also das war 2019 und dann, nee, wir haben in dem Jahr, glaube ich, noch eröffnet, da war das Jubiläum 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs. Also hatten wir überlegt, das ist irgendwie so eine Wegmarke, gucken wir doch mal, was der Comic im Zweiten Weltkrieg getan hat.
00:23:58
Speaker
Die ganzen Superhelden, die patriotisch gegen Hitler und Mussolini und Japan angetreten sind, gleichzeitig geguckt, was haben die Nazis zu bieten, viel hatten wir ja nicht, Vater und Sohn von Erich Osa und und und. Dann die großen Kriegserien, jetzt auch vom EC-Verlag zum Beispiel in den 50er Jahren oder dann bei DC und Marvel, also so quasi bis in die Gegenwart, haben wir verfolgt wie der Weltkrieg im Comic.
00:24:24
Speaker
lief auch Bombe und hatte den super Effekt, dass die Schulen total drauf einstiegen. Also diese Geschichtslehrer, die sonst immer nur zu irgendwelchen Gedenkstätten gehen mussten und schwarz-weiße Filme im Unterricht gezeigt hatten, die gingen jetzt plötzlich in eine Comic-Ausstellung, wo auf der einen Seite Spirou und auf der anderen Seite Tim und Struppi hingen. Und dann erzählen wir, wie Ergé mit Tim und Struppi sich in Belgien bei einer Zeitung, die von den Nationalsozialisten komplett kontrolliert wurde,
00:24:55
Speaker
quasi angepasst hat, um Karriere zu machen. Also Karrieren, die wir ja in Deutschland vom Film und von Schauspielern und so was auch kennen. Also man passt sich an und sagt, ja, ich mache ja nur Comic, alles andere interessiert mich nicht. Und gleichzeitig die Leute 70 Kilometer südlich in Marcinelle, wo die Spirou-Redaktion saß, die gesagt hat, nee, wir gehen in krasse Opposition. Wir gründen den Club der Freunde von Spirou, damit die Jugend, die Belgische, nicht zur Hitlerjugend geht, sondern zu uns und den Spirou-Freunden kommt.
00:25:23
Speaker
Die haben in Spirou-Magazinen versteckte Botschaften der Resistance übermittelt. Die haben dieses berühmte Marionettentheater gegründet mit Spirou-Figuren, um durch ganz Belgien zu fahren und jüdische Kinder bei belgischen Familien unterzubringen, um sie vor der Deputation zu retten oder so. Also wir können so Kernthemen der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts
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Speaker
mit Hilfe von Tim und Struppi und Spirou erzählen. Das ist doch der nackte Wahnsinn. Und auch das hat dann unglaublich gut funktioniert, dass das sehr dankbar aufgenommen wurde, dass die Kids was zu sehen bekommen, was sie cool finden, weil es Comic ist und gleichzeitig bringt man sie zu den Kernthemen und zu den Dingen, die man eigentlich erzählen will.
00:26:11
Speaker
Die Ausstellung danach war dann anime fantastisch, da haben uns dann mal ein bisschen vom Comic wegbewegt und haben den japanischen Animationsfilm gewürdigt, auch sowas. Die Generation, die in den 70er, 80er Jahren groß geworden ist, ist dann mit Heidi und Biene Maia groß geworden, dann kam die 2000er Generation mit Dragon Ball und
00:26:30
Speaker
Sailor Moon und so was, da konnten wir plötzlich japanische Kulturgeschichte gleich mit erzählen. Das war dann auch so, wie du jetzt von deiner Schwester erzählst, da waren ja ganz viele Leute und sagten, was? Biene Maier, Heidi, das kommt aus Japan, das wissen wir ja gar nicht. Das lief doch bei uns im ZDF, wie kann denn das sein? Werden wir vorstellen. Also wir haben immer diesen Anspruch, ja, wir zeigen auch die Geschichte des Mediums, aber wir gucken halt immer über einen Tellerrand,
00:26:58
Speaker
und schauen, was wir damit erzählen können. Und diese Horrorgeschichte, das war ja deine eigentliche Frage, die war eigentlich schon für 2020 geplant. Und dann kam uns die Pandemie dazwischen. Das heißt, die Ausstellungen, die dann liefen oder nicht sofort eröffnet werden konnten, weil Lockdown waren, haben wir dann entsprechend gestreckt. Und 2020 wäre halt ein gutes Jubiläumsjahr wieder gewesen, weil der Horror Comic beginnt ja quasi plus minus im Jahr 1950 mit dem EC-Verlag. Da wären es also 70 Jahre.
00:27:27
Speaker
Horrorcomics gewesen. Jetzt sind wir zwei Jahre darüber hinaus. Das ist jetzt kein schlimmes Ding. Jetzt haben wir 72 Jahre und witzigerweise haben wir 72 Original an den Wänden hängen. Also wir machen... So schließt sich der Kreis aus. Ja, wenn wir es vor zwei Jahren gemacht hätten, hätte ich zwei Originale weniger hängen können. Wäre ja auch ärgerlich gewesen.
00:27:52
Speaker
Ja, so ist das einfach. Also da saßen wir zusammen und haben gesagt, ja, Hocher wäre auch schön. Gibt es da irgendein Jubiläum oder irgendein Anlass? Ja, hier passt das. Und dann wollten wir es eigentlich, also im Original, ja, hätten wir es dann auch an Halloween eröffnet. Das hat jetzt durch die Verschiebung nicht geklappt. Jetzt sind wir im Frühjahr und im Sommer. Aber ja, Hauptsache, die Ausstellung ist stimmig. Da braucht man jetzt nicht zwingend einen Anlass.
00:28:18
Speaker
Nee, definitiv nicht. Ich glaube auch, das ist eins von diesen Themen, die immer aktuell sind. Und ich meine, dadurch, dass ihr euch jetzt auch nicht auf einen bestimmten Stil, Zeichner, Künstler innen konzentriert, sondern einen ganz, ganz großen Bogen spannt.
00:28:35
Speaker
Ja, wozu die künstliche Verknappung, wozu sie selbst beschneiden? Wir hatten also, bevor wir jetzt Horror, also wir hatten ja im letzten Jahr diese große Will-Ice-Not-Retrospective, das war dann eben Graphic Novel, da haben wir erzählt, wie es zum erzählerisch-literarischen Comic quasi gekommen ist. Horror ist jetzt eher ein Nerd-Thema und dazwischen in der Ausstellung
00:28:56
Speaker
Jetzt über den Winter hatten wir einen Dortmunder-Kartonisten den Holger Rosen gezeigt. Also das geht dann auch. Wir gucken dann auch, können wir die lokale Szene pflegen oder gibt es im Ruhrgebiet was Spannendes zu entdecken. Also da sind wir eigentlich für alles offen und am Ende ist es die Schnittmenge aus dem Mix des Angebots, was
00:29:18
Speaker
dann irgendwie ein vollständiges Bild ergibt. Und den Reiz ausmacht er auch. Ja, hier übrigens der Bernd Polenz, der Krallkartourist aus Berlin, der da ganz am Anfang initiativ war, der ist uns auch immer noch erhalten geblieben. Wir haben also eine unserer Schaufensterscheiben umgewandelt in ein Monitor-Schaufenster, wo er quasi mit dem digitalen Material seines Tunpools
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Speaker
im Internet zu bestimmten Themen Cartoons zusammenstellt. Also man kann uns dann sogar auch in der Nacht sehen, wenn die Öffnungszeiten vorbei sind. Dann läuft dieser Monitor in einem durch. Das heißt, wir haben eigentlich ein 24-Stunden-Programm.
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Speaker
Und auch das wertet städtebaulich diese Ecke da ein bisschen auf, denn wir wissen ja, Bahnhof ist immer ein bisschen schwieriger. Ich würde jetzt niemanden dazu hören, hier empfehlen, nachts am Dortmunder Bahnhof sich rumzutreiben. Naja, der Dortmunder Bahnhof ist jetzt auch nicht schlimmer als andere Bahnhöfe. Es gibt schlimmere Bahnhöfe, sicherlich. Ja, es ist in Frankfurt, glaube ich, noch schlimmer. Nichts gegen die Stadt. Ja, keine Frage. Nichts gegen Dortmund. Ich würde auch mich nachts nicht am Bielefelder Bahnhof rumtreiben. Ja, ganz schlimm, Bielefelder Bahnhof.
00:30:26
Speaker
Das ist übrigens schön, weil ihr in Bielefeld sitzt. Also diese Initialzündung zu meiner Comic-Kurator-Karriere hat tatsächlich in Bielefeld stattgefunden. Ich hatte also eine Ausstellung als Künstler in einer Kunsthalle Bielefeld und mich sprach die damalige Direktorin vom Museum Hülsmann an.
00:30:45
Speaker
dem Kunstgewerbemuseum, weil die von gemeinsamen Freunden gehört hatte, dass ich da beim Comic mich auskenne und eine Sammlung hätte und so. Und die war natürlich auch wie immer bei Kunstgewerbemuseen, die Zeit ist vorbei, wo die immer nur Teppiche, Möbel und Silber zeigen können. Und die wollte gerne mal was Popkulturelles machen und hatte mich gefragt, ob ich da nicht Lust so hätte. Und ich war da so ein bisschen hin und hergerissen, weil ich ja
00:31:11
Speaker
Ja, dadurch, dass ich da von der Bildenden Kunst komme, ich weiß ja, was bedeutet, Ausstellungen zu machen, und ich dachte dann, oh, das ist aber zeitintensiv, da muss ich dann andere Sachen für schleifen lassen.
00:31:21
Speaker
Und dann war bei meinem Entschluss, doch Lust hätte ich dazu schon, aber nur, wenn eben im Vergleich zu den Ausstellungen, wo nie was bleibt, wenn es möglich ist, einen Katalog zu publizieren, damit man mal so ein Statement setzt. Und das hatte sie dann zugesagt. Das hat dann natürlich nur mit Bielefeld alleine nicht geklappt. Ich habe dann noch drei andere Museen gesucht und in der Gesamtfinanzierung war es dann möglich. Aber diese erste größere Comic-Ausstellung, die ich kuratiert habe, dieses Jahrhundert der Comics, hat tatsächlich in Bielefeld stattgefunden.
00:31:50
Speaker
Wie so viele gute Dinge im Leben. Kommt irgendwie aus Bielefeld. Wie der Vanillepudding. Wie der Vanillepudding, Alexander. Kann ich nicht komplett bestätigen, aber wahrscheinlich ist das so, ja.
00:32:04
Speaker
Auf den Katalog kommen wir gleich auch nochmal zu sprechen, aber du hast jetzt auch schon mehrfach das Wort Sammlung fallen lassen. Und ich habe mich in Dortmund her mit einem Kollegen von dir sozusagen und einem Mitarbeiter, dem Roman, getroffen und der erzählte mir dann so im Nebensatz, dass ein Großteil der Sachen, die dort hängen, ein Großteil dieser 72 Originale tatsächlich aus deiner Sammlung stammen oder aus der Sammlung, die du
00:32:32
Speaker
Ist es deine Sandung, die German Academy of Comic Art? Ja, zur German Academy of Comic Art bin ich ja. Bist du ja? Du bist die German Academy of Comic Art? Ich bin die German Academy, ja. Kann man eigentlich so sagen? Ich wollte das jetzt nicht so.
00:32:47
Speaker
nicht so in den Raum stellen. Das darf man so sagen. Und die Sammlung, die dort, ja, was heißt dort hinterlegt ist, deine Sammlung ist, das hast du mir vorhin auch so in einem Nebensatz verraten, sind so etwa 2000 Stück querbeet durch alles. Also das weiß ich nicht. Das ist genauso. Ja, das ist so, wenn du Leute fragst,
00:33:09
Speaker
Wie viel Comic hast du? Ja, keine Ahnung. Es gibt Leute, die können das ganz exakt sagen. Ich gehöre nicht dazu, aber es gibt Leute, die wissen das sehr genau. Ja, das kann ich mir vorstellen. Wir sind ja in Nerd-Bereichen unterwegs. Richtig. Ich habe das nie gezählt, weil in der Zeit, wo ich es zählen würde, könnte ich schon wieder ein Buch geschrieben haben. Also von daher ist das völlig unerheblich, wie viel es ist.
00:33:37
Speaker
Ich vermute, dass es immer mehr ist, als das man denkt. Also die Kollegen, die ich kenne, die das dann mal gemacht haben und gezählt haben, waren alle völlig platt. Also man unterschätzt es eher, als dass man es überschätzt, aber es wird irgendwas in den tausender Bereichen sein, ja. Aber es ist schon die, also das meiste, was dort hängt, gehört dir und stammt aus deiner Sammlung. Ist das so richtig?
00:34:03
Speaker
Da kann ich vielleicht zwei Sachen erklären. Zum einen, wie ich zum Sammeln gekommen bin. Ich habe immer ein Herz für Comics gehabt. Ich habe sehr gerne Comics gelesen. Ich hatte das Glück, Eltern zu haben, die sie nicht vernichtet, weggeschmissen oder für Schundliteratur gehalten haben. Von daher, ich hatte die da immer stehen. Ohne Probleme. Ich bin Jahrgang 66. Das heißt, ich bin 70er, 80er an Comics sozialisiert.
00:34:26
Speaker
habe quasi so den Schwung zum anspruchsvollen Comic mitbekommen, wo einem die Augen übergingen, was das alles gibt und man gar nicht in Deutschland wusste, dass es sowas gibt. Also Hugo Pratt, Südsepal, Ballade, wer hatte denn in Deutschland vorher von Hugo Pratt gehört? Den gab es gar nicht. Wir hatten Fix und Foxy, Mickey Mouse, Lustige Taschenbücher, Lucky Luke, Asterix, Tim und Struppi und dann war es vorbei.
00:34:51
Speaker
Also ich bin die Generation, die das so quasi aktiv miterlebt hat, fand das ganz großartig, bin dann aber quasi in die Hochkultur gegangen, also in die zeitgenössische Kunst.
00:35:03
Speaker
Und als ich das dann verstanden hatte, was es mit der Hochkultur aufgehört hat, und das ja auch sehr liebe, ich finde das sehr, sehr schwierig, dass die Comic-Leute dann immer so Probleme haben mit der bildenden Kunst und das alles immer für Scharlatanerie und für Scheißerei und das kann auch nicht sein und warum ist denn da nur eine rote Fläche drauf oder was spricht oder so.
00:35:23
Speaker
da kriege ich dann immer Pickel. Gleichzeitig die Leute aus der Hochkultur sagen, Comic, was ist denn Comic und so. Also ich fühlte mich da so zwischen den Stühlen und hatte aber immer dieses Gefühl, man müsste da irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit herstellen, da ich immer dachte, das kann nicht sein. Also ich kenne jetzt Kunstgeschichte, Hochkultur und die erzählt mir was von Impressionismus und Expressionismus und Abstraktion und so.
00:35:45
Speaker
Und dann sehe ich da einen Wunser McKay, der quasi mit Jugendstilelementen arbeitet und gleichzeitig Unterbewusstsein, Träume, Albträume in seiner anderen Serie behandelt, quasi auf Augenhöhe mit Sigmund Freuds Traumdeutung 1900. Und keiner bemerkt das oder keiner spricht drüber. Wieso macht George Harriman mit Crazy Cat dadaistischen Humor, wo in jedem Panel hinten die Landschaft sich verändert? Das ist hochmodern, das ist hochabstrakt.
00:36:15
Speaker
Das ist weit vor den, also was heißt weit, aber auf Augenhöhe oder tatsächlich eine Nasenlänge voraus vor den Entwicklungen in 20er-, 30er-Jahren in der bildenden Kunst. Wieso lese ich da in den Kunstgeschichtebüchern zum 20. Jahrhundert nichts drüber? Also das hat mich immer, immer sehr umgetrieben und dann stellte ich fest,
00:36:36
Speaker
Keine Institution in Deutschland sammelt das, keiner kümmert sich drum, keiner erhält das. Gerade die großen amerikanischen Zeitungsbeilagen des frühen 20. Jahrhunderts. Lionel Feininger, der diese Comicserie für die Chicago Tribune gemacht hat, wird als Fußnote in der Feininger Literatur abgehandelt. Dabei ist da alles drin, was sein malerisches Werk später ausmacht. Die Kirchturmspitzen, die Segelboote, die altdeutschen Städte, alles ist drin und keiner schreibt drüber. Das hat mich maßlos geärgert.
00:37:06
Speaker
Ich komme jetzt aus keinem Wohlhabenden Elternhaus, also ich hatte nicht die finanziellen Mittel da im großen Stil Dinge zu retten, aber das, was ich retten konnte oder wo ich mich dann mit amerikanischen Kollegen mal ausgetauscht
00:37:21
Speaker
habe, weil da viel ja Amerika die Quelle ist, vor den Zeiten von eBay war das natürlich viel, viel schwieriger, habe ich einfach versucht zu retten, was zu retten ist in der Haltung eines Museums. Also nicht, wo bin ich Fan von und ich finde XY ganz großartig und hätte gern von dem Zeichner mal, sondern wo ich geguckt habe, wo Kultur, historisch wichtige Dinge im Comic passiert sind. Und
00:37:49
Speaker
Ja, da kam dann immer was zusammen und dann bin ich über den Bill Blackbird gestolpert. Der Bill Blackbird ist ja quasi
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Speaker
die Schlüsselfigur zur Rettung des amerikanischen Comics im amerikanischen Kulturkreis, weil der ist in den 60er, 70er Jahren rumgefahren und hat bei den Bibliotheken alles quasi aus dem Papiercontainer gezogen. Die alten aufgebundenen Folianten mit den großen amerikanischen Zeitungen von William Randolph Hearst, von Pulitzer, wo alle diese Comics Sections drin waren.
00:38:20
Speaker
weil die Bibliotheken das alles auf Mikrofilmen verfilmt haben. Und auf Mikrofilmen ist super schrecklich und alles nur schwarz-weiß und das sind diese brillantenfarbigen Sonntagszeiten. Und der Bill Blackbird, so war ich über ihn gekommen, ich las dann in der Englischsprachennitratur immer von der San Francisco Academy of Comic Art.
00:38:40
Speaker
Und die stellte ich mir vor, in Kalifornien, die Sonne scheint, eine Akademie, Studenten, die da Comic studieren, mittags in die Mensa gehen, nachmittags auf der Wiese sitzen und sich über Comics unterhalten. Bis ich dann feststellen musste, das ist völliger Quatsch, diese San Francisco Academy of Comic Art ist nur Bill Blackbird, nur er privat und nur sein Zuhause, sein Pavillon.
00:39:06
Speaker
wo sich an den Seiten bis zur Decke die Zeitungsseiten stapelten sein Leben lang und das hatte den einfachen Grund, dass er sich so genannt hat, weil er von den Bibliotheken die Dinge nur gekriegt hat, wenn er eine Institution verstellt ist. Das heißt, sie konnten nicht ihre Zeitungsseiten an eine Privatperson verschenken, wenn sie
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Speaker
verfilmt haben auf Mikrofilm, sondern sie waren nur legitimiert, das zu tun, wenn es eine Institution und wenn es auch nur eine Person ist, die sich quasi dem Erhalt des Erbes blablabla und dann hat er die Dinger gekriegt. Und weil ich dann schon diese Ausstellung in Bielefeld gemacht hatte und feststellte,
00:39:47
Speaker
Es gab einen Bedarf der Institution, also die Museen waren irgendwie offen für das Thema, aber sie hatten keinen Ansprechpartner. Also entweder haben sie Fans, die können dir dann sagen, wann Spider-Man zum ersten Mal auf den grünen Kobold gestoßen ist. Das ist jetzt aber kein wirklicher kultureller Wert, der im Kunstkontext oder im musealen Kontext eine Wertigkeit hätte. Und den fehlte quasi ein Ansprechpartner, der diese beiden Welten zusammenbringt.
00:40:15
Speaker
Den haben sie dann irgendwie bei mir gefunden und die Basis dieser Ausstellung war dann eben immer meine eigene Sammlung plus die vielen Netzwerke, die ich dann hatte zu anderen Sammlern. Also das, was ich selber nicht hatte, musste man dann eben leihen und so ist das Prinzip bis heute geblieben.
00:40:32
Speaker
Und das war der Grund, warum ich mich in dieser Tradition von Bill Blackbird dann auch institutionalisiert habe. Es ist eigentlich eher eine Stiftung, weil ich will das ja nicht als Privateigentum an die nächste Generation weitergeben, sondern ich will ja, dass es institutionell wird. Es macht ja nicht Sinn, so viele Jahrzehnte das zu sammeln. Und ich will ja, dass es von den Menschen gesehen wird und dass man diese kulturelle Erbe teilt.
00:40:59
Speaker
Außerdem ist die Gesprächsebene eine andere. Ich hatte dann ein paar Mal so dieses Phänomen, dass die Museen glaubten, sie tun mir einen Gefallen, dass ich da meine Sammlung ausstellen darf und dann habe ich denen immer den Zahn gezogen, weil ich ja von der Kunst kam, wo ich sage, ja ich mache ja schon drei Ausstellungen im Jahr mit mir selber. Diese vierte, die ich für euch dann mache mit Comic, da reiße ich mir jetzt kein Bein für raus, dass ich zum
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Speaker
meine Sammlung zeigen darf, das sind ja so die Sammler, die ein Leben lang Streichholzschachteln gesammelt haben und dann geht ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie am Ende ihres Lebens einmal ein Museum davon überzeugen können, ihre Streichholzschachteln zu zeigen. Das war ja nicht bei mir die Lage. Ich musste ja effizient in meiner Zeit umgehen und das macht es leichter, wenn man einfach sagt, ich bin quasi wie eine Stiftung und wenn ich Bock habe, biete ich das als Dienstleistung an, eine Ausstellung daraus zu machen.
00:41:51
Speaker
Ja, und so ist das dann auch gekommen, dass ich so alles aus einer Hand mache, weil ich eben alles aus einer Hand kann und es faktisch am schnellsten geht. Die Ausstellung machen, den Scan machen, ich weiß dann das Layout, habe ich am Computer vom Buch, ich weiß, wie viele ich schreiben.
00:42:08
Speaker
muss, damit ich auf Seite 730 ankomme, ich kann gleich die Bildunterschrift einpflegen, weil ich die Maße vom Original nehmen kann. Also alles das, was im Museum fünf Leute beschäftigt, weil der eine macht, der die Scans und der zweite ist der Grafiker und der dritte ist der Autor und der vierte ist der Kurator, der die Hängung bestimmt und so. Das geht in diesem Tempo, wie ich es mache, nur wenn ich es effizient an einem Schreibtisch mache und so ist das dann gekommen.
00:42:35
Speaker
Ich würde aber trotzdem davon ausgehen, dass du lässt es jetzt so klingen, als wäre das alles eine Zeitersparnis. Aber man darf in dem Zusammenhang vielleicht nicht vergessen, der Katalog, von dem wir jetzt auch schon ein, zwei Mal kurz erwähnt hatten, ist ja eher eine Art von schön gelay-outeter Dissertation und im Fall dieser Horror-Comic-Ausstellung auch über 400 Seiten schwer.
00:42:58
Speaker
Das ist ein, ja, ich weiß nicht, ob man es jetzt schon Coffee Table Book nennen würde, aber es ist schon, erscheint ja auch ein Wandverlag, ist sehr schön gemacht von innen wie von außen. Und du machst nebenbei noch die Ausstellung mit deinen eigenen Exponaten und schreibst dann auch dafür noch die Texte und musst das ja auch alles erst mal konzipieren. Wie funktioniert das eigentlich? Also ist das jetzt so einfach? Ist es so einfach? Stelle ich mir das zu kompliziert vor oder?
00:43:30
Speaker
Zum einen muss ich mal gerade korrigieren, also die Ausstellungen haben nicht nur meine Originale, da ist viel dazu geliehen. Also wir haben zum Beispiel diesen großartigen, diese großartige Seite von Bernie Wrightson aus der allerersten Geschichte, die er von Warner für Warren, für den Verlag gemacht hat, eine Kurzgeschichte nach Edgar Allan Poe, The Black Cat. Das ist eine ganz, ganz legendäre Geschichte, eine ganz tolle Seite, die kommt aus einer Sammlung in Wien.
00:43:57
Speaker
Die Floyd Gottfridson Seite aus dieser Geistergeschichte The House of the Seven Hounds von Floyd Gottfridson kommt von einem Sammler aus Deutschland. Bei der Wolle Eisner Retrospektive letztes Jahr hatten wir ganz viele Leihgaben auch direkt aus der Familie.
00:44:13
Speaker
Die Witwe lebte damals noch, die ist dann leider kurz vor der Eröffnung gestorben. Die hat aber das ganze Projekt unterstützt, weil die eine Seite, der Vater von Wolle Eisner war ja Österreicher, der hat in Wien gelebt. Und da es in Deutschland noch nie eine Wolle Eisner-Ausstellung gegeben hat mit Originalen,
00:44:37
Speaker
war diese hochbetagte Witwe von Will Eisner sehr hoch erfreut, dass endlich mal was in dem quasi Land gemacht wird, wo die Wurzeln von Will Eisners Vater lagen. Also es ist immer quasi, wenn ich jetzt 72 Originale da hängen habe und ich müsste jedes Original einzeln von irgendjemandem leihen, dann hätte ich 72 Leihvergänge und die Frage, wie man schickt und wie es versichert ist und so, das wird es dann richtig kompliziert machen.
00:45:07
Speaker
ist der Grundstock quasi meine eigene Sammlung, dann leihe ich dazu, was ich selber nicht habe, aber für absolut notwendig erachte, plus in der Vorbereitung von solchen Ausstellungen, die ja dann immer so vom Kopf her zwei, drei Jahre Vorlauf haben, also nicht, dass ich da schon explizit für die Ausstellung arbeiten würde, aber dass man weiß, in zwei Jahren kommt die Ausstellung XY,
00:45:32
Speaker
gucke ich natürlich, wo manchmal auf dem Markt auch was zu haben ist, wo ich weiß, in zwei Jahren, wenn ich es dann brauche, dann kriege ich es nicht mehr. Also, entweder muss ich es jetzt kaufen, sonst habe ich es nicht in zwei Jahren. Das wäre jetzt mal eine nächste Frage ein bisschen gewesen, ob du tatsächlich für eine bestimmte Ausstellung, die du hast...
00:45:50
Speaker
Also, das würde ich jetzt nicht machen bei Originalen, die 10.000 Dollar kosten, aber wenn man was gut findet im Bereich, wo man sagt, ja, finde ich interessant, ja, kann ich für die Ausstellung gebrauchen, ja, hat einen Preis, der okay ist oder ein Kollege, der einem was anbietet oder sowas, dann erwerbe ich dann auch einiges für die Ausstellung.
00:46:12
Speaker
Gut, aber wie gesagt, es klingt trotzdem so, als wäre es sehr viel. Ich weiß, dass es für viele Hörerinnen und Hörer bestimmt interessant ist, kannst du eine Zahl drauf machen. Wie viel lange dauert es von dem Moment, wo du konkret anfängst an dieser
00:46:30
Speaker
Also ich glaube dir gerne, ich verstehe das auch, es ergibt ja auch Sinn, dass sich das nicht so auf die Minute bestimmen lässt, aber so ein, dauert das ein Jahr, dauert das ein halbes Jahr, dauert das fünf Wochen, ich weiß es nicht. Also ich würde für so einen, allein für den Katalog wahrscheinlich fünf Jahre brauchen. Ja, das wäre im normalen Fall auch so, das hat ja auch immer ein bisschen was mit Talent zu tun, also der eine… Ach, danke.
00:46:56
Speaker
Nein, der eine tut sich schwer mit Schreiben und quält sich extrem, dem anderen geht es leichter von der Hand. So zu schreiben würde mir sehr schwer fallen, ja. Ja, ja. Also diese, die sind, erstens sollte ich vielleicht in den Kontext setzen, weil ich finde, dass es sehr gut lesbar ist, aber dabei halt nicht in irgendeiner Form reißerisch. Ich finde, es ist eine tolle Balance zwischen wissenschaftlichem Anspruch und aber vernünftiger Lesbarkeit. Es ist halt eben nicht wie eine
00:47:23
Speaker
Echt wie eine Dissertation. Genau. Ich wollte das nicht sagen, nicht wie eine echte Dissertation. Das klingt auch wieder schlecht. Aber jeder, der mal eine wissenschaftliche Dissertation gelesen hat, die wirklich nur für Fachpublikum gemeint ist, weiß, dass das nicht unbedingt Spaß macht. Und den Katalog kann man gut lesen. Ich habe ja eine Kunstgeschichte promoviert und meine Dissertation sieht sehr anders aus als die Bücher, die ich da jetzt überkomme. Ich schreibe sie hat zum Beispiel erheblich mehr Fußnoten. Okay.
00:47:52
Speaker
Was natürlich die Leserlichkeit dann auch sehr hemmt, weil man dann nicht unterscheiden kann, was ist einfach nur ein Quellenverweis und wo steht noch mal substanziell was Interessantes in der Fußnote, was man vielleicht zur Kenntnis nehmen sollte. Also wenn man da immer blättert, dann hemmt einen das sehr.
00:48:08
Speaker
Nein, ich glaube, das ist bei mir die Mischung. Also ich kann es wissenschaftlich, weil das habe ich studiert und das habe ich gelernt und wenn man es in einem akademischen Kontext jetzt für eine Uni als Dissertation macht, sind dann eben nochmal andere. Aber ich will ja nicht an ein Fachpublikum
00:48:27
Speaker
sprechen oder für ein Fachpublikum schreiben, sondern ich möchte ja, dass die Leute meine Begeisterung für diesen Inhalt teilen und dann muss ich diese Gratwanderung hinkriegen. Ja, erst jetzt platt zu schreiben, ist ja Quatsch, weil dann fragen wieder andere Leute, ja, aber wo hat der denn die Information her und ist die denn überhaupt verlässlich oder so. Also man muss gewisse
00:48:48
Speaker
Kriterien schon einhalten, damit man zitierfähig bleibt. Aber gleichzeitig sollte das einen Tonfall haben, wo man erzählerisch ist, wo man die Leute mitnimmt, an die Hand nimmt und sagt, ihr guckt mal, das ist ganz großartig, weil so und so. Und das kann dann so wohl sein, indem man eine Anekdote zum Besten gibt, die einfach spannend ist. Also zum Beispiel jetzt in der aktuellen Ausstellung dieses Original von Bernie Wrightson, was ich da erwähnt hatte.
00:49:13
Speaker
Da gibt es zum Beispiel diese unglaubliche Anekdote. Also Bernie Wrightson hatte vorher Swamp Sing für DC gezeichnet, war damit sehr erfolgreich.
00:49:21
Speaker
hatte aber keinen Bock, da ewig dieses Sumpfmonster zu zeichnen, weil DC natürlich schon anfing, das Sumpfmonster gegen Batman antreten zu lassen und das, also so das übliche, die üblichen Klischees. Und Bernie Wrightson wollte was ganz anderes. Der wollte Geschichten zeichnen, die aussahen wie Kupferstiche und Holzschnitte des 19. Jahrhunderts. Der wollte Schraffuren setzen. Der hat sein Artwork gefeiert. Der war unglaublich talentiert und
00:49:49
Speaker
In den 70er Jahren gab es da nur eine Adresse, die in Frage kam, das war der Warren Verlag mit seinem Horrormagazin Eerie und Creepy, der eben in schwarz-weiß gedruckt hat und im größeren Magazinformat. Das ist nach unseren heutigen Graphic Novel Ansprüchen auch nicht das Gelbe vom Ei, weil nicht auf Kunstdruckpapier und nicht gestochen scharf.
00:50:07
Speaker
Es war letztlich auch das holzhaltige, sehr grobe Papier, auf dem gedruckt wurde, aber im damaligen Kontext war das der Verlag, der am artificiellsten dem Artwork des Zeichners gerecht wurde und sein Talent und seine Kunstfertigkeit feierte. Und dann hatten die wohl telefoniert und vereinbart und Warren wusste, wer Wrightson ist und freute sich über das Interesse.
00:50:34
Speaker
Und dann hatte man sich verständigt, Wrightson macht eine Adaption dieser Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, The Black Cat.
00:50:42
Speaker
Die Warren aber noch nie gesehen hatte. Das heißt, es kommt dieser Tag, wo Wrightson mit seiner Mappe zu Warren kommt und Warren hatte so den Ruf, ein bisschen grumpy zu sein und seine Künstler am besten nicht zu loben, damit die nicht höhere Honorarforderungen stellen. Also so eine richtige Verlegerpersönlichkeit, so grummelig und ja gut, Konja, okay, genügt den Ansprüchen drucken werden.
00:51:07
Speaker
Und Wrightson schob ihm also diese Mappe rüber und Warren öffnete sie, guckte die ersten Seiten durch, die er da fand und war dann völlig konstant. John hat gesagt, ist das denn für ein Dreck, das drucke ich nicht und was soll das denn und so.
00:51:22
Speaker
Und dann hat Wrightson, so sagt es zumindest die Legende, schelmisch lächelnd da auf seinen Schreibtisch und hat gesagt, ach, wie sind die Arbeiten denn da reingekommen? Das habe ich doch als 16-Jähriger gezeichnet. Sorry, ich nehme das mal weg. Dann hat er die weggenommen und darunter war die Black Cat-Geschichte.
00:51:40
Speaker
Und die hat dann Warren so vom Sessel gefakt, dass er Wrightson zum Fahrstuhl begleitet hat mit, Herr Wrightson, Sie können zeichnen, was Sie wollen, ich drucke alles. Das ist so großartig, das ist so großartig. Das ist für den Shame. Also wenn ich jetzt so eine Anekdote weiß, dann erzähle ich die natürlich, weil das so die Sahne auf dem Kuchen ist.
00:52:01
Speaker
Gleichzeitig muss man dann davon wieder zurückfahren und wieder nüchterner werden und dann eben auch erzählen, wie so die Verlagstrukturen waren oder die Arbeitsbedingungen, dass die Leute nach pro Seite bezahlt wurden. Das Richard Corbin zum Beispiel zu Warren kam mit großen Schulden, weil er der große Underground-Künstler sein wollte, ein eigenes Magazin gegründet hat und das verkaufte sich dann gar nicht so gut.
00:52:22
Speaker
Und der hat dann bei Warren ein viel größeres Seitenpensum abgerissen als Wrightson, weil er eben seine Schulden noch bezahlen musste. Oder Frank Frazetta, der seinen letzten Comic bei Warren in einem ersten Heft von Creepy gezeichnet hat und dann zum Covermaler umgeswitcht ist.
00:52:40
Speaker
mit den bekannten Ergebnissen. Ja, mit Erfolg. Ja, also es ist so eine Mischung aus, was über die Zeit erzählen, etwas über die Arbeitsbedingungen erzählen, immer mal wieder eine Anekdote reinstreuen, also dass man einfach Lust hat, das zu lesen, weil man den Leser nicht annimmt. Aber im Einleitungskapitel, wo ich mir Gedanken gemacht habe, warum überhaupt horror und hat das auch irgendeine Tradition, bin ich ja abgeschweift in die Kunstgeschichte, habe grausamste Öl-Gemälde von Caravaggio und Rembrandt gezeigt oder
00:53:10
Speaker
darauf hingewiesen, dass Immanuel Kant im späten 18. Jahrhundert über das Radikal Böse im Menschen geschrieben hat, dass wir es eben nicht loswerden durch Bildung und Hinwendung und Liebe zu Menschen, sondern dass es immer einen Rest gibt, wo die Menschen böse sind.
00:53:26
Speaker
Ja, man kann eigentlich alles erzählen und wenn man eine Sprache findet, dass die Leute Lust haben, es zu lesen und zu folgen, dann funktioniert es auch. Und so kommen dann halt mal so schnell 400 Seiten zusammen, verstehst du? Genau, das war deine eigentliche Frage mit dem Arbeitspendum, ja. Müssen wir jetzt auch nicht groß ins Detail gehen? Nee, doch, ich kann das sagen. Also eigentlich habe ich ja immer nur die Zeitspanne zwischen der jetzigen und der nächsten Ausstellung. Also ich fange jetzt, wo die Ausstellung steht,
00:53:54
Speaker
an für die nächste Ausstellung zu arbeiten und die wird im November sein, also habe ich nur, muss ich jetzt zählen, sieben Monate oder was. Das hat zur Folge, dass unsere ersten Kataloge zu Barks und unserer Weltkriegsausstellung, die waren überschaubar, weiß nicht, 200 Seiten oder sowas, jetzt hatten wir letztes Jahr oder das Jahr davor, dieses Corona-Jahr, wo sich alles verschob, da hatte ich dann plötzlich zehn Monate,
00:54:19
Speaker
Und der Will Eisner wuchs dann auf 380 Seiten. Und jetzt, der Eisner war eröffnet im letzten Jahr im Februar. Dann gab es jetzt noch diese kleine Interimsausstellung mit dem Dortmunder Kartonisten. Das heißt, ich hatte noch mal ein bisschen mehr Zeit und der Katalog hat 456 Seiten. Das hat ein bisschen damit zu tun und ich muss gestehen, so viel Spaß das macht.
00:54:47
Speaker
Es ist 24-7, also ich habe in der Zeit tatsächlich jegliches soziales Leben schleifen lassen. Wir haben auch Corona dank, also in Anführungszeichen keine Urlaube gemacht, wo ich dann schon wieder ein paar Wochen extra hatte. Ja, es hat mit dem Zeitfenster zu tun.
00:55:09
Speaker
was sich bietet und dann habe ich einfach diesen persönlichen Wahnsinn oder diesen Ehrgeiz. Ich werde in meinem Leben nicht noch mal eine Horrorerstellung machen oder ein Buch drüber schreiben. Also was ich jetzt nicht schreibe, werde ich nicht wieder schreiben, weil es kommen dann andere Themen und so. Und da versuche ich dann wirklich ein Maximum rauszuholen und da kriege ich vermutlich mehr raus als manch anderer, der da länger für braucht. Ja, das hat dann was mit
00:55:37
Speaker
der Mischung aus Wahnsinn und Talent zu tun, dass das gelingt. Und da tatsächlich dieser Faktor, das kann ich nur unterstreichen, diese Effizienz und diese, ja, das ist dann auch mein künstlerischer Anspruch, dass ich möchte, dass optisch so aussieht, wie ich es mir vorstelle und dass diese Bücher ja zu fast, weiß nicht, 90 Prozent zu funktionieren, dass man immer das auf den Seiten sieht,
00:56:04
Speaker
worüber man gerade liest. Das ärgert mich an anderen Kunstkatalogen immer sehr. Da sind vorne drei einführende Beiträge und dann kommt Abbildung, Abbildung, Abbildung, Abbildung bis zum Ende. Dann kommt noch ein Anhang oder so. Ich möchte ja, dass man beim Lesen versteht, was man da liest, weil man es vor Augen sehen kann. Und manchmal verschiebt sich das mal vom Layout von einer halben Seite. Da muss man mal einmal blättern. Aber vom Prinzip sieht man immer das entlang des Textes.
00:56:32
Speaker
Und ja, das kann man eben einfach nur erreichen, wenn das aus einer Hand kommt. Also wenn da fünf Leute dran beteiligt wären, müsste man so viel kommunizieren, dass das dann in der Zeit nicht zu schaffen wäre. Es ist ein sehr, sehr schönes Buch, das ich auch wirklich nur empfehlen kann. Ich kann verraten, ich lese es sicherlich nicht in einem Stück durch, aber
00:56:52
Speaker
Man kann, so wie er aufgebaut ist, der Katalog und so wie die Ausstellung selber aufgebaut ist, auch gut von Thema zu Thema so ein bisschen springen, denn du hast dich dafür entschieden, nicht streng chronologisch zu arbeiten, was mich im ersten Moment überrascht hat. Also du hast eine sehr gute Einführung am Anfang und es gibt auch durchaus historische Aspekte. Bist du schon darauf eingekommen? EC Comics, da kommt dann ja auch der Comics Code dann ins Spiel mit der
00:57:19
Speaker
Ja, ich sag, Zensur ist eigentlich fast noch ein zu schwaches Wort, was dann damals abging mit Bücherverbrennung und so weiter. Aber gleichzeitig dann ein paar Kapitel später kommen dann solche Überschriften wie Nippon Gore, wo du dich mit Horrorcomics aus Asien beschäftigst. Und in der Ausstellung hängen dann plötzlich ganz hinten links auch Konzeptzeichnungen aus dem Ghostbuster-Film, wo dann aufgezeichnet wird, wie diese Strahlenkanonen am Set gebastelt wurden.
00:57:52
Speaker
Ich weiß gar nicht, nennt man das eklektisch? Eine ausgesprochen interessante Mischung und alles davon ist irgendwo interessant und spannend, wenn man sich das anguckt. Aber wieso eigentlich? Wieso nicht chronologisch? Wieso Zombies und Vampire und dann Tiefsee und dann Ghostbusters? Na ja, es hat schon eine
00:58:13
Speaker
Inhaltliche Verzahnung, also es beginnt schon. Das wollte ich gar mit dir nicht in Abrede stellen. Also die Übergänge sind schon da und fließend, aber sie sind halt nicht so wie ich sie erwartet hätte. Vielleicht liegt es aber auch an mir. Aber das ist ja das Schöne, also das ist ja auch, wenn ich jetzt immer in eine Picasso-Ausstellung gehe und mir immer das erzählt wird vom frühen, von der
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Speaker
frühen Phase zur blauen Periode, zur rosanen Periode, zum Kubismus, weiß nicht, was ist das ja, dann wäre ja jede Ausstellung gleich. Also es ist ja auch die Freude daran, Dinge miteinander korrespondieren zu lassen, die nicht zwingend miteinander korrespondieren. Chronologisch ist das sehr schwierig, gerade wenn man in unterschiedlichen Kulturregionen, wie jetzt Japan oder dies Italien-Kapitel unterwegs ist, dann müsste ich einen in 60er Jahren, weiß nicht, von Amerika bis Japan ständig hin und her springen.
00:59:06
Speaker
Also die Ausstellung und das Buch letztlich auch sind schon so konzipiert, dass es eine Einführung ins Thema Allgemein gibt. Dann beginnt man mit den frühesten Horrorcomics und dann ist man beim EC-Verlag, dann erzähle ich die Geschichte der Zensur und der Auseinandersetzung und und und.
00:59:25
Speaker
Dann kommt man, 1954 wird der Comics Code verabschiedet und dann kommt der Warren-Verlag zehn Jahre später und sagt, es ist so tragisch, dass es diesen Spirit von EC nicht mehr gibt, weil das hat er ja als Kind und Jugendlicher so gerne gelesen und fängt an, neue Horror-Magazine zu gründen, die er dann aber als Magazin definiert, damit er aus der Code-Problematik rauskommt, weil dieser Zensorkode nur für Comic-Hefte galt.
00:59:52
Speaker
Also dann bin ich quasi in den 60ern, komme mit dem Warren-Verlag in die 70er, in die 80er und dann weitet sich ja das Feld. Also da, wo die Gesellschaft liberaler wird in den 70er Jahren, fängt der Marvel an, seine Gruft von Graf Dracula zu machen und seinen Frankenstein und seinen Werwolf und andere Verlage versuchen, Warren-Konkurrenz zu machen. Dann kommt Heavy Metal und und und. Also ich muss, ich kann, wo es zielführend ist, chronologisch erzählen.
01:00:19
Speaker
Und wenn ich dann merke, es wird jetzt ein recht unübersichtliches Feld, muss ich mir eine neue Ordnungsstruktur suchen. Und die bot sich an die beiden Spezialfelder Japan, weil der Manga ist jetzt eben nicht beeinflusst von EC oder ähnliches. Das haben die nicht gekannt. Die haben ihre völlig autonome Blase. Italien ist mit seinen sehr, sehr hardcore Horrorpublikationen der 17. und 80er-Jahre auch eine völlig eigenständige Blase.
01:00:46
Speaker
Die haben zwar zur Kenntnis genommen, was in Amerika in Comics veröffentlicht wurde, aber diese eigene italienische Tradition ist was ganz Autonomes. Das kann ich also als einen Kapitel geschlossen erzählen. Von daher hast du völlig recht. Man kann in dem Buch hin und her switchen. Wenn ich jetzt nur Italien oder nur Japan lese, verstehe ich das genauso gut, wie wenn ich es von A bis Z, von vorne bis hinten gelesen hätte.
01:01:07
Speaker
Naja, und bei all den anderen Horrorfiguren macht es dann einfach Sinn, es an den Figuren festzumachen. Also ein Kapitel zu Vampiren, ein Kapitel zu Zombies. Dann die Überlegung, wo haben wir so Bereiche in unserer
01:01:22
Speaker
während des 20. Jahrhunderts, wenn wir dann auf dem Mond fliegen, ist quasi alles entdeckt. Es gibt keine Terra Incognita mehr und die zwei letzten Horrorgebiete, wo noch unheimlich möglich ist, ist entweder die Tiefsee, weil bislang im Marianngraben nur drei Menschen gewesen sind bisher, also die ersten beiden, Cousteau und sein amerikanischer Kollege in den 60er Jahren.
01:01:42
Speaker
Und dann vor 20 Jahren nochmal hier der James Cameron, der Regisseur von Titanic, alleine in einer Tauchglocke. Also eine Tier- und Lebenswelt, die wir überhaupt nicht kennen. Ich glaube, die Forschung kennt zehn Prozent der Tiere, die sich im Nativsee befinden. Also das ist wirklich die letzte Terra Incognita.
01:02:03
Speaker
die wir auf der Erde haben. Und dann haben wir eben so Superhelden wie ein Submariner oder Aquaman, die genau in diesem Milieu spielen, also Tiefsee, Unheimlich, Grusel, Horror. Und das andere Extrem ist der Weltraum. Also da sind wir dann bei Aliens und Frickly Scott, Tiefen des Weltalls, wo wir nicht wissen, oder hier Mars Attacks, diese Sammelkarten.
01:02:25
Speaker
Und last but not least, diese Ghostbuster-Geschichte, ja, das ist dann einfach so ein kleines, exzentrisches E-Tüpfelchen. Also ich hatte einen Kapitel zu geistern.
01:02:36
Speaker
Und dann hatte ich die Gelegenheit, die Originalentwurfzeichnung von Steven Dane, der unter anderem auch die Requisiten für Blade Runner gemacht hat, also diese Szene gleich am Anfang, wo die Replikanten mit diesem Void-Kampftest herausfinden, das Gerät, was vor die Pupille gehalten wird. Auch dieses Gerät hat Steven Dane entworfen.
01:02:59
Speaker
Und dann habe ich hier Zugriff auf die Originalzeichnung aus den 80er Jahren für die ersten beiden Ghostbusters-Filme mit all diesen Geräten, wo da der Schleim weggesaugt wird und eingesammelt und diese Behälter auf dem Rücken und so. Na ja, und dann hat man eine Horror-Grusel-Weiß-Nicht-Was-Ausstellung und hat die Gelegenheit, diese Originalzeichnung zeigen zu können, die noch nie irgendwo in Deutschland zu sehen gewesen sind. Dann muss ich dafür einfach ein Stückchen Wann finden.
01:03:27
Speaker
Da ist dann nur unsere räumliche Limitierung ein Problem. Ich habe jetzt drei Zeichnungen untergebracht. Ich hätte aber 40 zeigen können. Das wäre jetzt, wenn es ein größerer Kontext wäre, würde man eine ganze Wand nur mit diesen Großpasta-Dingen machen. Jetzt sind es nur drei geworden.
01:03:45
Speaker
Das sind dann so die Nahtstellen, wo man auch immer mal Richtung Film guckt. Jetzt Aliens, wir haben zum Beispiel eine Originalseite von der Comicversion von Bernie Wrights und von dem Alien-Film, also wo man diese Wechselwirkung zwischen den Medien auch zeigen kann. Das ist dann, glaube ich, legitim, sich das nicht zu verbieten.
01:04:02
Speaker
Auf jeden Fall, auf jeden Fall legitim. Und danke für die Erklärung, wenn du es so darstellst. Dann wird es gleich sogar süß sein. Also es war auch nicht als als negativ Kritik gemeint, aber es war halt anders als ich erwartet hatte. Aber so schlüsselt sich das definitiv sehr gut auf. Ich hätte noch zwei kurze Fragen zu den Exponaten, bevor wir mal ein bisschen fortschreiten, sage ich mal.
01:04:32
Speaker
Ich bin gespannt, was da jetzt rumkommt. Und zwar würde mich interessieren. Ich könnte mir vorstellen, dass das vielen Hörerinnen und Hörern auch so geht. Wenn das nicht stimmt, dann korrigiert mich gerne. Gibt es denn von den Exponaten, die da jetzt hängen, von den 72 Stück einen Liebling, den du hast, einen Favoriten, wo du besonders stolz drauf bist oder was du besonders gerne dir auch anguckst vielleicht? Weiß ich nicht.
01:04:59
Speaker
Ja, natürlich. Ich hatte ja gesagt, ich sammle jetzt mehr unter kulturhistorischen Aspekten. Das heißt, dann sammle ich auch Sachen, die ich für wichtig halte, zum Beispiel für die Comic-Geschichte, die ich selber aber nicht mag. Das ist dann so. Ich kann ja nicht nur meine Favoriten sammeln. Ich habe grundsätzlich zu allen ein positives, liebevolles Verhältnis. Also ich würde jetzt nichts zeigen, was ich ablehne.
01:05:25
Speaker
Es gibt ja auch Zeichner, von denen man weiß, dass sie sehr reaktionär oder sehr... Da hätte ich jetzt keine Lust, die zu zeigen, weil das muss man jetzt nicht auch noch promoten. Ihre komische Sicht auf die Welt. Ja, es gibt so... Also, toll ist dieser Floyd Gottfridson, dieser Streifen von 1936. Das ist einfach so eine makellose Zeichenkunst. Und wenn man sich vorstellt, dass der Gottfridson jeden Tag so einen Streifen und am Wochenende an der Sonntagsseite, was das...
01:05:55
Speaker
Das sage ich jetzt mal ganz mit einem Zwinker in den Augen, aber wenn wir so die jüngeren Generationen sehen, die so Comics machen und wo es da nicht dafür reicht, einen Hintergrund zu zeichnen oder wo die Autos nicht erkennbar sind, weil man es zu mühselig empfindet, das zu recherchieren, wie denn so ein Auto wirklich aussieht oder das Talent nicht reicht.
01:06:19
Speaker
Also wenn man sich da auf diese Generation der klassischen Comic-Zeichner, auch jemand wie Milton Kenneth oder so, was das für unfassbare gute Künstler gewesen sind und mit welchem wahnsinnigen Arbeitsethos die das betrieben haben und mit welchem Fleiß. Wir wissen von Harold Foster zum Beispiel, Prinz Eisenherz, dass der immer mal nach England fahren wollte, um sich diese Burgen
01:06:44
Speaker
von König Artus, also historische mittelalterliche Burgen in Europa mal persönlich angucken wollte, damit er sie nicht immer nur aus Büchern recherchieren musste. Und das ist ihm tatsächlich erst im hohen Alter als sein Rente war gelungen, weil dieses Arbeitspensum in sechs Tagen immer so eine riesige Prinz Eisenherz-Seite fertig zu zeichnen, mit der ganzen Recherche dranhängt, mit Vorzeichnern, mit Lettern.
01:07:11
Speaker
Mit, wie sieht denn eine Rüstung aus? Also, er hatte ja diesen Anspruch, dass das dann auch historisch richtig ist und so. Das ist einfach so, das ist auch ein 24-7-Job geworden, dass die Leute es noch nicht mal geschafft haben, so viel Vorlauf zu erarbeiten. Die waren mit ihren Strips immer so drei Wochen vor der Erscheinung, falls sie mal krank wurden oder einen Blinddarmentzündung oder was hätten, dass dann die Serie nicht sofort abrupt unterbrach. Aber es ist ihm nie gelungen, Urlaub zu machen.
01:07:37
Speaker
Also das, das finde ich, das nötigt mir einen unglaublichen Aspekt, Respekt ab. Und wenn ich so einen Gott Fritzon sehe, dann geht so mein Herz auf, weil das einfach so wunder, wunderschön ist. Verstehe, ja. Ansonsten finde ich zum Beispiel, wir haben zwei Seiten hängen von Esad Tribic, der hat eine Submariner-Geschichte gemacht. Ein Zeichner aus Osteuropa, der für Marvel und DC mittlerweile sehr erfolgreich arbeitet und der diesen fotorealistischen, gemalten Stil hat, wie auch Alex Ross.
01:08:06
Speaker
Ich finde, Rebich ist noch ein Ticken besser als Alex Ross und diese Seiten, die ja auch auf dem Standardpapier von Marvel gezeichnet sind, also auch dieses etwas, die amerikanischen Formate sind anders, aber so Pi mal Daumen ist das A3. Und was er da mit Guache-Farbe zaubert, was da für Lichtübergänge in den Gesichtern sind, das ist so unfassbar schön, dass es mir da auch jedes Mal das Herz aufgehen lässt, zumal in einem Zeitalter, wo
01:08:37
Speaker
Ja, zumindest was Kolorierung betrifft, ja zu 80 Prozent mit Photoshop gearbeitet wird. Und das ist auch nett, diese technischen Dinge zu nutzen und die Effekte, die ja möglich sind. Aber wenn es dann jemand von Hand macht, dann muss man sagen, Chapeau, das ist ganz, ganz große Kunst. Die sind mir auch extrem gut in Erinnerung geblieben. Also da stand ich auch vor und war wirklich nachhaltig beeindruckt. Es gibt in der Zombie-Ecke ein Original von Aaron Kuda, der nicht besonders bekannt ist.
01:09:06
Speaker
Das mich aber so geflasht hat, als ich das gesehen habe, das ist so eine bizarro Geschichte. Es gibt da so einen etwas dämlichen Plot, sag ich jetzt mal, in der Superman-Historie, der geht zurück bis in die 60er Jahre, wo es eine Parallelwelt gibt, eine bizarro Welt, wo der bizarro Superman zu Hause ist, wo alles ins Gegenteil verkehrt ist. Also Superman ist hässlich und alle Bewohner sind hässlich und also alles ist ins Gegenteil gedacht. Das ist irgendwie ganz nett, wurde dann immer mal wieder reaktiviert bis in die Gegenwart.
01:09:35
Speaker
Und aus dieser Geschichte hat der Aaron Kuder und da sehen diese bizarro Superhelden eben aus wie Zombies und es fliegen im Bild einen Batman, einen Green Lantern und einen Martian Manhunter plus ein winzig kleiner Superman-Zwerg.
01:09:53
Speaker
in einer seltsamen Alice im Wunderland-Welt mit süßen Dackeln und Pilzen. Also ganz schräg. Und die Perspektive ist aber, dass wir quasi mit Superman, also mit diesem Zombie-Superman in die Tiefe fallen. Also man sieht unten am Boden eben diesen Dackel und diese Lebewesen stehen, die alle Richtung Himmel gucken. Und wir stürzen zusammen mit Green Lantern und Batman in die Tiefe.
01:10:20
Speaker
Da gibt es dann noch so kleine schwarzhumorige, fliegt noch so eine Skulptur durch die Gegend, die hat unten so ein Aufkleber drauf, not made by Amazon, also es sind so kleine, kleine schwarzhumorige Anleihe noch drin. Aber diese Perspektive, die ist so sensationell, dass mir dann, also wir haben ganz oft dieses Phänomen, man hat ja selten einen Comic, der auf beiden Seiten genial ist, also unglaublich gutes Storytelling, tolle Geschichte und unglaublich gutes Artwork.
01:10:44
Speaker
Viel öfter haben wir ja unglaublich gutes Artwork und eine beschissene Geschichte. Oder wie bei The Walking Dead zum Beispiel, das ist kein schlechtes Artwork, aber es ist ein solides, mittelmäßiges Artwork. Es ist zielführend. Es ist zielführend, genau. Aber die ganze Faszination kommt ja von der Erzählung. Also es ist vor allem Kirkman, der mit diesem Epos quasi Standards gesetzt hat, mit diesen großen Erzählbögen und ein bisschen ja auch wie im Manga.
01:11:10
Speaker
Hauptfiguren sterben zu lassen und zwar plötzlich und sehr unerwartet, also der so ein Erzählen macht, was im amerikanischen Comic eigentlich gar nicht zu Hause war, wo man natürlich seine Helden als unantastbar betrachtet. Und so ist einfach dieser Aaron Cuda, diese Zeichnung ist so unglaublich toll,
01:11:32
Speaker
und virtuos, dass mir dann auch die Geschichte wurscht ist. Also ich hab die gelesen, die ist ganz okay, aber ist jetzt nicht so, da ich sagen würde, eine Geschichte für die Ewigkeit.
01:11:43
Speaker
was man allerdings in Ausstellungen dann besser vermitteln kann. Also wenn ich großartige Zeichnungen zeige, wir haben ja auch immer eine Leseecke, wo man lesen kann. Also damals bei der Donald-Ausstellung hatte ich wirklich alle Donald-Geschichten zusammengekriegt, die wir in der Ausstellung hatten und mit einem Lesezeichen versehen, dass man also wirklich zu jedem Original auch die Geschichte lesen konnte. Das haben wir jetzt so ein bisschen, weil bei 72 Originalen wird es ein bisschen unübersichtlich, das haben wir eingedampft auf einige wesentliche
01:12:09
Speaker
Aber diese Mischung, dass man eben auch lesen darf bei uns, ist ganz wichtig. Und alles, was wir in der Ausstellung haben, ist drüben dann in der Stadt- und Landesbibliothek, dann eben in der Comic-Abteilung auch zum Lesen und Ausleihen noch mal zu dem, was ich eben auch ganz toll finde als Angebot, weil es ein demokratisches Angebot ist. Wir sind ja wirklich in der glücklichen Lage in unserer Gesellschaft, dass wir so viele Angebote machen,
01:12:35
Speaker
die einfach jeden Bürger erreichen dürfen. Also, die Frage ist ja, ob sie es annehmen oder nicht. Aber ich kann diese Ausstellung vollkommen kostenlos besuchen. Ich kann 20-mal wiederkommen und ich kann drüben in die Bibliothek gehen und mich wochenlang durch die Comic-Abteilung lesen und das alles kostenlos. Das ist ja ein unglaublich hohes Gut. Wir konsumieren das so als selbstverständlich, weil wir es jetzt so jahrzehntelang nicht anders kennen.
01:13:05
Speaker
Aber dass alle diese Institutionen jetzt auch die Corona-Zeit so gut überlebt haben, ist, glaube ich, wirklich ein ganz, ganz großer Gewinn unserer Vorstellung von Zivilisation, von Bildung, von Anteilnahme am kulturellen Leben.
01:13:22
Speaker
um nochmal ein großes Fass aufzumachen. Ja, wirklich, also natürlich, also was die Leute in unser Besucherbuch schreiben, ist meistens großartig. Tolle Ausstellung, ich hab bla bla bla, ich fand's ganz großartig.
01:13:39
Speaker
Manche Besucher, das kann ich dann wiederum nicht nachvollziehen, die da irgendwie erzählen, die seien 30 Stunden in der Ausstellung gewesen. Da wäre ich jetzt schneller. Aber es ist ja natürlich auch toll, wenn jemand da so viel Leidenschaft entwickelt, dass er da ganz, ganz lange von Original zu Original geht.
01:13:54
Speaker
Aber dann gibt es natürlich auch die Nörgler, die irgendwie sagen, ha, das Schildchen war zu tief oder warum gibt es ja nicht noch einen Kaffee oder so. Ja, da wundert man sich dann auch und deshalb finde ich halt auch manchmal wichtig, einfach auch zu würdigen. Alle schimpfen auf die Politik, aber letztlich ist das ja auch ein Ergebnis von guter Politik, dass wir sagen,
01:14:16
Speaker
diese kulturellen Angebote sind einfach nicht antastbar. In anderen Ländern, wenn man in Amerika guckt, ist alles privatwirtschaftlich organisiert, da gibt der Staat überhaupt nichts aus und wir sehen die Ergebnisse. Man verliert weite Teile der Bevölkerung, die sich in irgendwelchen Verschwörungsfantasien verlieren. Ich glaube,
01:14:38
Speaker
Da sind wir noch weitgehend vorgefeiert, weil unser Angebot so großflächig und so barrierefrei ist. Ja. Nein, du hast vollkommen recht. Ich finde es einen schönen Schritt zurück. Und ich will jetzt nicht sagen Schlusswort. Nein. Mich würde ja doch noch interessieren, wo es denn als nächstes hingeht. Also du hast schon erwähnt, es gibt eine nächste Ausstellung, die schon in Planung ist. Kannst du schon sagen, worum es gehen wird?
01:15:04
Speaker
Das tun wir immer nicht so gerne. Dann lassen wir es sein. Nein, das ist alles gut. Das ist wegen dem Überraschungseffekt, weißt du? Ja, klar. Alles super. Aber ich muss halt trotzdem gefragt haben. Ja, nein. Das ist deine journalistische Pflicht. Oh man, schon wieder so ein großes Wort.
01:15:21
Speaker
Aber wenn du jetzt mal ein bisschen spinnen dürftest was du natürlich gerne darfst gerade in diesem kontext wohin würdest du den schaum denn gerne weiterentwickeln also gibt es da irgendwie etwas weiß ich nicht gibt es du gibt es von auf deiner auf deiner liste von 20 ausstellungen eine die du besonders gerne auch wenn es vielleicht nicht realistisch ist da mal unterbringen würde oder
01:15:44
Speaker
Würdest du, ja, ich weiß nicht, ganz was anderes nochmal ausprobieren wollen oder etwas anders machen, wenn du die Möglichkeit hättest? Ja, so Briefmarken sammeln oder so. Jetzt nicht, ach so. Ich verstehe, was du meinst. Aber es gibt auch die Menschen, finde ich auch erstaunlich, die jahrzehntelang irgendwas gesammelt haben und dann das Gefühl haben, ich habe alles zusammen und die dann komplett alles verkaufen, um damit was völlig anderem anzufangen. Ja, nee, ich weiß, was du meinst.
01:16:14
Speaker
Wir haben ja das Glück, dass wir jetzt im vierten Jahr unserer Existenz sind. Das bedeutet, dass was als Projekt auf drei Jahre von der Politik mit grünem Licht versehen wurde, haben wir jetzt hinter uns und tatsächlich hat die Politik gesagt, das ist super, was ihr da macht, macht bitte weiter so. Das heißt, ja, es steht die Frage im Raum, wohin soll die Reise gehen.
01:16:40
Speaker
Das ist jetzt alles noch nicht spruchreif. Wir machen jetzt erstmal unser Programm so weiter, wie wir es uns vorgenommen haben. Aber wenn man denn ein richtiges Comic-Museum werden will und nicht nur ein Schauraum oder ein Projektraum, wo wechselnde Sachen stattfinden, dann stellt sich natürlich die Frage einer ständigen Sammlung.
01:17:04
Speaker
Ja, sollte man in der Größe wachsen, dass man Räume hat, wie zum Beispiel das Museum in Brüssel, das Comic-Museum, oder Angolem hat es in gewisser Weise ja auch, dass man quasi die Geschichte des Comics in seiner Chronologie immer präsent hat. Was er dann bedeuten würde, im Anfang hatte ich von diesem schönen Beispiel da in der Weltkriegsausstellung erzählt, wenn man mit Tim und Struppi und Spirou
01:17:31
Speaker
zwei verschiedene Mentalitäten erzählen kann, wie man den Nationalsozialisten sich entgegenstellen kann. Das ist natürlich, wenn das für die Schulen so gut funktioniert, wäre es ja schön, wenn man das ständig anbieten könnte.
Besondere Exponate und Veranstaltungen im Schauraum
01:17:46
Speaker
Nicht nur in einer Wechselausstellung, die dann wieder verschwindet, sondern auch das hat ja Aura. Also wenn wir da in der Vitrine diese
01:17:53
Speaker
Dieser Club der Freunde von Spirou, die hatten dann so eine Anstecknadel, die man sich dann schicken lassen konnte und die wurde zum Beispiel von den Nationalsozialisten in Belgien verboten. Die Kinder durften nicht diese Anstecknadel tragen, weil die Nationalsozialisten natürlich gemerkt haben, dass das eine viel größere Attraktivität hat als ihre blöde Hitlerjungt. So, und wenn ich jetzt diese Originalnadel zeige und die Geschichte dazu erzähle, dann hat das unglaubliche Aura, also sich als Kind heute
01:18:23
Speaker
im 21. Jahrhundert vorzustellen, wie ein Kind im Belgien des Jahres 1944 mutig war, in der Schule trotzdem diese Anstecknadel zu tragen, wo nichts anderes zu sehen ist als ein kleiner Spirukopf und ein geschwungenes S. Damit kann man unglaublich schön arbeiten, so in unserem Sinne. Also das wäre so die nächste Entwicklungsstufe, dass man sagt, man müsste eigentlich in größerer
01:18:52
Speaker
suchen, finden, wo man eben bestimmte Sachen ständig präsent hält. Das hätte aber zur Folge, das ist dann das Lachen und das Weinen der Orge, dass man diesen unglaublich gut gelegenen Raum verliert. Wir können ja jetzt innerhalb des Gebäudes expandieren oder die
01:19:10
Speaker
die sehr freundliche, das sehr freundliche türkische Restaurant links neben uns okkupieren, rausschmeißen und Durchbruch machen. Also, ja, das muss man alles sehen. Aber das liegt so jenseits meiner Möglichkeiten. Das muss dann letztlich die Stadt Dortmund als Träger für sich entscheiden, wohin die Reise gehen kann. Aber wenn man mich jetzt fragen würde, dann würde ich sagen, ja, der nächste Schritt wäre eigentlich präsent, etwas zu haben.
01:19:37
Speaker
wo jeder, der noch gar nichts über die Geschichte des Comics kennt, Selbsträume mit Horror Comics wären dann ja als Präsenz vorstellbar als einen Kapitel der Comic Geschichte. Und so sind ja sonst Museen auch. Also man hat die ständige Sammlung, die das zeigt, was man besitzt. Und da zusätzlich macht man dann die Wechselausstellung zu bestimmten Themen oder mit bestimmten Künstlern.
01:20:05
Speaker
Das wäre so die Zukunftsvision, wenn ich mir den Fahrplan wünschen dürfte.
01:20:11
Speaker
Also in diesem Kontext hier darfst du das. Und ich drücke dann auch einfach mal die Daumen, dass es vielleicht sich hoffentlich auch in diese Richtung entwickelt. Hoffentlich noch in meiner Lebenszeit, weil manche, manche wäre natürlich wünschenswert. Das wäre natürlich wünschenswert. In meiner Hand liegt es aber natürlich nicht. Nein, in meiner auch nicht. Aber das ist auch ein Grund, warum wir zu Gast gegeben haben. Wenn du jetzt so vor dich hin dümpelst und so, dann kannst du natürlich die Leute nicht begeistern. Das ist dann schon toll, wenn das
01:20:41
Speaker
funktioniert. Wir haben ja auch sehr gute PR und wenn dann Arte kommt oder der WDR oder
01:20:48
Speaker
Bei Will Eisner hatten wir den ORF da, selbst Österreich hat mal rüber geschielt. Das ist dann natürlich schon toll, da wundert man sich, das kann man ja auch nicht beeinflussen, das passiert dann einfach so, aber das sind natürlich Pluspunkte, die auf unserem Konto dann unsere Position auch stärken. Ja klar, klar, klar, klar. Da muss man dran bleiben.
01:21:13
Speaker
Eine weitere Veranstaltung bei der du noch bevor ich uns jetzt so langsam hier rauswerfe bei der du involviert bist und zwar. Auch ziemlich intensiv teilweise ihr veranstaltet in regelmäßig unregelmäßigen Abstunden in Dortmund einen Comic Streit.
01:21:30
Speaker
Magst du unseren Hörerinnen und Hörern mal erzählen in ein paar Sätzen, wo es dabei darum geht? Ja, das ist schnell erklärt. Das ist quasi wie das literarische Quartett mit Comics. Das gab es auch vorher schon bei der Stadt- und Landesbibliothek mit Büchern, also Bücherstreit. Und wir haben dann da einfach angeschlossen und haben gesagt, wir wollen nicht nur das Featuren, was wir jetzt in der Ausstellung haben, sondern es wäre doch schön, wenn vier Menschen da sitzen und sich im günstigsten Fall darüber streiten.
01:21:59
Speaker
welche spannenden neuen Comics es gibt und dem einen gefällt es und dem anderen nicht. Da steht jetzt, also passend zur Ausstellung, machen wir dann immer ein Special. Also letztes Jahr haben wir dann ein Graphic Novel Special gemacht, als wir Will Eisner hatten. Wir werden jetzt Anfang April einen Horror-Special machen. Das ist dann allerdings schon der zehnte Comic-Streit. Also wir haben tatsächlich zehnmal diese Veranstaltung schon gemacht und wir haben
01:22:25
Speaker
sehr netten, sehr großzügigen Sponsor, 21, das ist die Energieversorgergesellschaft in Dortmund, also eigentlich früher Stadtwerke, die sind jetzt natürlich auch privatwirtschaftlich aufgestellt und die finden uns klasse und irgendwie scheinen wir auch in ihr Portfolio an zukunftsorientiert und dynamisch ganz gut zu passen. Das heißt, die Comic Streit sind dann insofern gewachsen, dass diese Live-Veranstaltung dann immer mit gefilmt wurde und dann auch im Internet
01:22:55
Speaker
langfristig nach zu gucken und zu hören ist. Ja, das ist so quasi das, was wir als Rahmenprogramm haben. Wir begleiten die Ausstellung ja auch immer mit Vorträgen und Ähnlichem. Wir haben hier zur Horror-Ausstellung Ende März den Marc Benecke zu Besuch, Deutschlands prominentesten Forensiker und Kriminalbiologen. Da kenn ich den Namen.
01:23:26
Speaker
Der sitzt auch recht oft im Fernsehen bei Talkshows. Ein sehr Comic-affiner, cooler Typ. Also ganz anders, als man sich Wissenschaftler vorstellt, mit vielen Tätowierungen und so. Naja, eine große Zahl von Followern, die er regelmäßig hat.
01:23:44
Speaker
neulich schon unser Horrorplakat ins Internet gehalten. Er ist sehr, sehr begeisterungsfähig. Und der guckt einfach, wie Horrorcomic so auf dem Prüfstand der Wissenschaft ist. Wie sehen denn tatsächlich verwesende Leichen aus und Ähnliches? Er kommt da aus dieser amerikanischen Schule der Forensik, wo man dann anhand der Fliegen und der Maden oder so was sagen kann, wie lange schon jemand tot ist.
01:24:08
Speaker
Deshalb, genauso wie unsere Ausstellung, ist die Veranstaltung auch ab 16. Wir müssen aufpassen, dass da nicht die Großmutter mit den Enkeln sich verirrt. Aber sowas ist toll. Also wenn wir dann sowas noch hinkriegen und das alles so ein
01:24:23
Speaker
Also, dem Marc Bennecke musste ich jetzt nicht lange bitten oder fragen. Der hatte die Ull-Eisner-Ausstellung gesehen und war total begeistert. Und dann hatten wir gesagt, ja, als nächstes kommt Horror, willst du nicht und so. Also, das ist einfach toll, wenn man so wächst mit so einem Pool von Leuten, die das cool finden, was man selber macht. Und wir finden cool, was er macht. Und dann kommt man zusammen und alles wird gut.
Verfügbarkeit und Reprints von Comics
01:24:45
Speaker
Infos dazu, soweit es sie jetzt schon gibt, werde ich auch in die Show Notes packen, genauso wie natürlich alle sonstigen Infos zum Schauraum und Anfahrt und so weiter. Aber wir haben das schon festgestellt, es ist nicht so schwer, den Schauraum zu finden. Ja, Russ aus dem Bahnhof Rinnen-Schauraum. Russ aus dem Bahnhof Rinnen-Schauraum.
01:25:05
Speaker
Das war auch so der Kommentar von meinem quasi Schwager, der auch sein Leben lang in Dortmund lebte und diese Ecke nie so richtig wahrgenommen hat. Der Knaller ist die ganz vielen Leute, die es jetzt so auf dem Schirm haben, die immer in Dortmund umsteigen müssen. Dortmund ist ja ein riesen Knotenpunkt im Bahnnetz und es gibt viele Leute, die von Nord und Süd unterwegs sind und dann immer in Dortmund umsteigen müssen.
01:25:25
Speaker
Und die haben es jetzt auch im Plan. Also die nehmen dann einfach einen Zug später und gewinnen dann nochmal zwei Stunden, um Brötchen zu essen und den Schauraum zu besuchen. Das ist natürlich auch sehr cool. Das bietet sich auf jeden Fall an. Auch wenn man mehrfach umsteigt, kann man sich nach und nach die Ausstellung so erschließen. Es gibt keinen Grund, nicht reinzugehen.
01:25:44
Speaker
Zum Abschluss würde ich dich noch, da du ja im Thema jetzt drin bist, sage ich mal, geh ich mal von aus, vielleicht, also an einige der Sachen, die im Schauraum hängen, ist, wenn man die jetzt nachlesen möchte, wahrscheinlich nicht so einfach dran zu kommen. Es gibt sicherlich von vielen Dingen Nachauflagen oder einiges, vieles ist ja auch modern.
01:26:12
Speaker
Es gibt relativ viel, also ich würde sagen 70% von dem, was wir dahängen haben. Also jetzt so extreme Exoten wie die Japaner, die in Deutschland zum Teil noch nie veröffentlicht wurden, ist dann natürlich schwierig. Aber wenn du jetzt zum Beispiel an die Marvel-Zombies denkst, gibt es alles. Walking Dead gibt es alles.
01:26:35
Speaker
Zwischen ja sogar in Farbe teilweise. Bei euch, gibt es das nicht sogar bei euch, bei Splitter, den Bernie Wrightson-Auswahlband. Wrightson und Korben sogar auch. Und Korben, genau. Alle mit den Geschichten, die für Warren erschienen sind. Floyd Gottfridson, Mickey Mouse, Geistergeschichte, gibt es bei Ehapa mittlerweile den dicken Schuba als Lizenz von der Phantagraphics-Ausgabe aus Amerika.
01:27:03
Speaker
Den Submariner, bei dem wir gesprochen haben, von Ribic, der ist mal erschienen, den kriegt man antiquarisch. Ich muss jetzt so in Gedanken durch die Ausstellung gehen. Darauf wollte ich gar nicht hinaus, aber gut, dass du es sagst, dass die Sachen verfügbar sind. Alfkönig Frankenstein ist vor zwei Jahren erschienen. Ja, nicht alles, aber doch relativ viel.
01:27:27
Speaker
Gut, dass du darauf hinweist, das hätte ich tatsächlich anders... Diese Stephen King The Stand Comic Version von Mike Perkins gezeichnet. Gibt es auf Deutsch? Doch, es gibt relativ viel. Okay. Sowas wie Vampirella, diese sexy Vampirin ist ja völlig wurscht, ob man jetzt die Geschichte überhängt oder nicht. Irgendwas mit Vampirella kriegt man auch.
01:27:53
Speaker
Gibt es denn irgendetwas über die Sachen, die dort aushängen, hinaus an Horror Comics, was du empfehlen würdest, sag ich mal? Also Hörerinnen und Hörer sind ja auch immer ganz gerne. Zumindest kriege ich das von euch meistens so gespiegelt, dass ihr auch ganz gerne Leseempfehlungen entgegennehmt. Gibt es da etwas, was du aus Spaß an der Freude? Also ich lebe gerade als Spaß an der Freude und gleichzeitig mit einem
01:28:18
Speaker
Wehmütigen mit einer Träne im Auge, weil wir es nicht in der Ausstellung haben. Diesem Manga Berserk von Kentaro Miura, der erscheint gerade in einer Neuausgabe in so Doppelbänden und das werden 20 große Bände und ich glaube, die sind jetzt mittlerweile bei Band 12.
01:28:38
Speaker
Und ich bin gerade in Band 9. Und das hatte ich zwar vorher beim Thema schon auf dem Plan, aber Miura mit den Japanern ist einfach sehr schwierig. Die kennen diese Kultur des Ausstellens überhaupt nicht. In Japan selbst arbeiten die nur mit Faximiles. Es ist eine ganz andere Mentalität. So ein Mangaka hat das Gefühl, wenn sein Opus Magnum über 4000 Seiten läuft,
01:29:06
Speaker
dass wenn er jetzt eine Seite verleiht, mit der was passiert und die mit dem Flugzeug abstürzt oder verbrennt oder Meteorit fällt drauf oder keine Ahnung, dann ist ein ganzes Werk geschändet, weil diese eine Seite fehlt. Ach was. Also die japanische Mentalität ist eine völlig andere. Es ist unglaublich schwierig, also in Bonn, in der Bundesgunsthalle ist uns das ja gelungen, wirklich sehr, sehr wichtige und gute Originale zeigen zu können, bis hin zurück zu Astro Boy.
01:29:36
Speaker
Das ging eigentlich nur, weil es die Bundeskunsthalle war und weil die Bundeskunsthalle mal eine Ausstellung mit dem Nationalmuseum in Tokio gemacht hat. Und dann brauchten wir aber einen Repräsentanten in Japan, der das quasi alles auf Japanisch für uns organisiert und die ganzen Gespräche geführt hat.
01:29:54
Speaker
Und da war tatsächlich der Türöffner, also die lassen einen kalt abtropfen, wenn man da irgendwie sagt, wir machen da eine schöne Ausstellung in Deutschland, wir hätten gerne ein Original, dann sagen die, ja, ja, kriegt ihr digitalen Daten, druckts euch aus, macht ein Faximilli, dann müssen wir erklären, nein, in Europa ist das so ein bisschen anders, Faximilli hängt man nicht so wirklich ins Museum, wenn es nicht irgendwie aus konservatorischen Gründen nicht anders geht, das ist eine Kultur der Originale und der Aura und so.
01:30:20
Speaker
verstehen die dann nur bedingt, weil es eben nicht ihre Kultur ist. Aber dieser Hinweis der Nationalmuseum in Peking, das ist bei denen das nationale Heiligtum und wer mit denen schon mal zusammengearbeitet hat, da öffneten sich dann Türen und das ging dann aber auch über die Botschaft und so. Also es ist sehr kompliziert. Und Miura, der Berserke zeichnet hat, hat wirklich noch nie eine Seite rausgegeben. Der ist ja leider letztes Jahr gestorben.
01:30:46
Speaker
Relativ früh, der war glaube ich erst 56 oder 55. Das heißt, das ist völlig unmöglich. Man kriegt keinen Berserk original, da kann man sich fünf Jahre Zeit nehmen und zehnmal nach Japan reisen und so dicke Bretter bohren, das ist einfach unverhältnismäßig.
01:31:05
Speaker
Aber jetzt, wo ich es noch mal in einem Rutsch lese, war ich doch extrem gekickt, weil man spielt ja in so einem mittelalterlichen Setting und das hat was mit Dämonen und Geisterreich und sonst was zu tun. Das ist ja zum Teil dafür, dass der Manga schon in den 90er Jahren angefangen hat.
01:31:23
Speaker
extrem brachiale Szenen, wo also Köpfe gespalten werden und Augen rauspoppen und so. Also das hätte super bei uns reingepasst. Verstehe. Ich hätte jetzt eher gedacht, dass das Fantasy ist. Ich kenne ehrlich gesagt nur so ein, zwei Cover-Artworks, wo er mit diesem großen Schwert da hochliegt. Genau. Und die Covers sind richtig gruselig. Die sind also schlecht, also farbig irgendwie so gemalt. Teilweise wirken seine Augen sehr weit voneinander entfernt. Darin erinnere ich mich.
01:31:48
Speaker
Also wenn ich jetzt nur die Cover sehen würde, käme ich nie auf die Idee, dass man Berserk lesen müsste. Wenn man es dann liest, das schwarz-weiß-Artwork ist wirklich großartig und es gibt und das kann der japanische Comic wirklich gut und da verstehe ich auch, warum die jüngere Generation so fixiert auf Mangas ist und sich mitunter wenig für das andere interessiert. Also wenn man endlos diese amerikanischen Klischee-Geschichten hat, der Gute überlebt immer und der Böse verliert und wenn man tot ist, ist auch nicht schlimm, dann wird man wiederbelebt, so bei den Superhelden oder so.
01:32:18
Speaker
Und dann kommt da jemand mit so einer ganz düsteren und so einer Erzählkunst, die in langen Erzählbögen, also man denkt erst, es ist so ein Fantasy-Ding, dann denkt man, es wird so ein Mittelalter-Epos, weil es ja viel mit Schlachten und Schwertern und sowas ist, dann ist die Geschichte des Helden von Kindesbeinen an und man hat eigentlich immer die Erwartungshaltung, naja, jetzt wird es so und dann wird es aber ganz anders.
01:32:40
Speaker
Und dann gibt es in Band 6 so ein apokalyptisches Szenario, wirklich wie bei Hieronymus Bosch, unglaublich über Dutzende von Seiten. Und das hat mich, wo ich ja nun wirklich sage, dass ich schon viel in meinem Leben Comic gelesen habe und auch oft, wenn man viel liest, genervt ist, dass das wirklich dann nicht so gut ist oder dass man denkt, ja Geschichte war ganz nett, Artwork war aber richtig kacke oder so. Also, dass mich da nochmal sowas so dramaturgisch so umfegt, weil
01:33:10
Speaker
diese Climax auf, dass das hinausläuft, so auf halber Strecke, ist einfach so unfassbar. Das hat mich wirklich als Leseerfahrung extrem gekickt. Und gleichzeitig war ich traurig. Ich dachte, das hätte ich gerne in der Ausstellung. Naja, gut. Aber immerhin, immerhin. Hauptsache immerhin Spaß gehabt daran. Das ist auch eigentlich schon mit das Wichtigste.
01:33:34
Speaker
Definitiv, also das ist Unterhaltung. Definitiv nicht unter Niveau. Es ist sehr, sehr gute Unterhaltung und zeichnerisch. Er hat auch alles. Er ist keiner von den Mangakas gewesen, der dann zehn Assistenten hatte oder viel mit dem Computer gearbeitet. Er hat alles alleine gezeichnet, alles von Hand. Und ich finde, das ist auch so ein bisschen die Kernidentität des Comics. Also uns ist klar, dass in Amerika jetzt stark so ein
01:34:02
Speaker
Semi-industrielle Arbeitsweise vorher herrscht, der eine zeichnet vorher, der andere tuscht, der Dritte machts lettering, der Vierte macht die Kolorierung am Computer, plus plus plus. Abgesehen von den Leuten, die gleich am Computer arbeiten. Aber letztlich ist die Faszination am Comic, diese subversive Qualität, dass eine einzelne Künstlerpersönlichkeit zu seinem Publikum spricht.
01:34:24
Speaker
Und das ist ja, glaube ich, auch der Kern der Attraktivität, wenn wir sehen, wie viele Fernsehserien bei Netflix, nicht nur Walking Dead, sondern jetzt Sweet Toos oder was alles gibt, basiert ja alles auf, nicht alles, aber sehr häufig auf Comics. Das heißt, dieser einzelne Comics-Einheit, der sich eine Geschichte ausdenkt, ist eben besser im Erzählen als das Kollektiv, was im Studio
01:34:51
Speaker
in Hollywood sitzt und sich überlegt, wie muss unser Produkt ausschauen, damit es weltweit marktfähig ist und was mögen die Chinesen und was mögen die Europäer und was mögen die Amerikaner und vielleicht darf es dann auch noch in Russland im Kino laufen, damit wir möglichst viel Rendite machen. Das ist ja Comic alles nicht. Da sitzt einer mit dem Stift und mit dem Zettel und der liegt los. Und wenn man jetzt so Miura sieht,
01:35:16
Speaker
Ja, wenn der das alles noch von alleine gezeichnet hat, fühle ich mich als Leser auch einfach wohl damit, mit einem Produkt konfrontiert zu sein, was ein Mensch für mich gemacht hat. Da sprechen Menschen miteinander, der das gemacht hat und die Leser. Und über die Geschichte kommt man irgendwie in Verbindung. Und ich habe eben nicht so stark wie beiden Amerikanern häufig das Gefühl, da hat jemand was für mich konfektioniert, damit alle meine Bedürfnisse möglichst gut abnehmen. Ich möchte, dass jemand mich überrascht.
01:35:44
Speaker
dass da was passiert, womit ich nicht gerechnet habe, was nicht das Klischee erfüllt, sondern was über den Tellerrand hinausguckt und was Eigenständiges hinkriegt.
Einblicke in den Schaffensprozess von Comics
01:35:56
Speaker
Eure Meinungen zu dem Thema könnt ihr uns gerne schreiben. Wir sind jetzt leider ein bisschen am Ende unserer Zeit angelangt. Ich glaube über das Thema könnte man noch sehr sehr lange diskutieren, denn also ich persönlich glaube, dass es auch kleine kleine Gruppen an Comic Schaffenden gibt, also gerade so Duos oder vielleicht Trios, die durchaus auch hervorragende Sachen schaffen können, die sie einzeln nicht machen könnten.
01:36:22
Speaker
Ja, das ist jetzt... Nein, nein, das war jetzt nicht so. Nein, nein, ganz im Gegenteil. Ich bin auch ein großer Vertreter davon. Wenn jemand ein guter Zeichner ist, muss er nicht ein guter Geschichtenerzähler sein. Sucht ihr doch bitte einen Szenaristen, der es besser kann. Das war jetzt gar nicht. Es war mehr so... Aber es hat eine Faszination, wenn es Leute gibt, die das alles aus einer Hand in sich...
01:36:40
Speaker
aus sich heraus schaffen, um einen Kommunikationskanal zu einem Leser, zu einer Leserin herzustellen. Ich verstehe schon, was du meinst. Meine Kampfansage war eher an die Industrie gerichtet. Ja, hab ich auch so verstanden. Da würde ich auch mitgehen. Da würde ich zum allergrößten Teil auch mitgehen. Ja, vielen Dank für diesen Tipp. Berserk hatte ich immer etwas anders einsortiert. Aber ich muss auch zugehen, dass ich mit Manga nicht besonders gut auskenne.
01:37:09
Speaker
Ja und auch vielen herzlichen dank alexander für dieses wahnsinnig aufschlussreich und interessante gespräch also ich hab viel dazugelernt das mag ich immer besonders an diesem podcast ich hoffe dass es euch liebe hörerinnen und hörern ähnlich geht. Gehe aber fast davon aus danke dass du dir die zeit auch genommen hast.
01:37:29
Speaker
Sehr gerne, wir können ja dann mal eine Fortsetzung machen. Machen wir bei Gelegenheit spätestens zwei Jahre oder so. Mal gucken, mal gucken. Wenn ihr Alexander, also ihr habt es ein bisschen in der Hand, wenn ich Alexander nochmal eher wieder einladen soll, dann schreibt uns das doch gerne. Info at splitter-verlag.de ist die E-Mail Adresse und ihr erreicht mich und den Verlag auch auf den sozialen Medien. Facebook, Twitter, Instagram at splitterverlag.
01:37:57
Speaker
Wisst ihr ja alles schon. Alle Infos zum Schauraum und zu dem Comic-Streit und was es da sonst noch sich anzugucken gibt und zu wissen gibt, packe ich euch in die Show Notes. Ihr verpasst nichts. Ich kann es wirklich wirklich nur empfehlen, wenn ihr es irgendwie einrichten könnt, mal in Dortmund vorbeizukommen oder vielleicht seid ihr ja auch schon dort, Freunde zu besuchen oder Familienmitglieder mitzunehmen, so wie ich.
01:38:23
Speaker
Der Schauraum ist wirklich toll. Es ist kein Aufwand, weder finanziell noch logistisch. Man kann da auch in eine halbe Stunde reingehen und sich einfach ein bisschen begeistern für das, was da hängt. Und auch in einer Viertelstunde kann man was mitnehmen. Im Winter kann man sich aufwärmen bei uns. Im Zweifelsfall auch das. Und es ist wirklich ein tolles Projekt und eine sehr, sehr schöne Ausstellung, wenn man 16 oder älter ist zumindest.
01:38:53
Speaker
In dem Fall. Sonst sind wir ohne Altersfreigabe, das ist jetzt mal die Ausnahme. Das liegt jetzt nur an dieser Ausstellung, bevor ich mich jetzt in Teufels Küche bringe und irgendwelche Verführung der Jugendlichen vorgeworfen kriege. Das wäre so Donald Duck ab 16. Donald Duck ab 16, ja. In den Schubladen der Zeichnerer gibt es wahrscheinlich solche Sachen, die da
01:39:11
Speaker
anderes Thema. Nein, also Alexander, vielen Dank, dass du da warst. Gerne bei Gelegenheit wieder und dann wünsche ich dir jetzt noch einen schönen restlichen Frühling, Frühfrühjahrtag und euch, liebe Hörerinnen und Hörer, natürlich auch. Macht's gut und bis zum nächsten Mal. Ja, wünsche ich euch auch allen und spätestens sehen wir uns in Erlangen, denn unsere Wille Eisner Ausstellung kommt ja nach Erlangen im Juni. Das ist meine Ansage. Bis dahin. Alles klar. Tschüss. Vielen Dank für das Interesse.