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SplitterCast 76 - Dirk Rehm vom Reprodukt Verlag

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1,021 plays · Sep 9, 2025

Wenige Gäste haben die Bezeichnung "Macher der deutschsprachigen Comicszene" redlicher verdient als Dirk Rehm, der Gründer und Verleger des Reprodukt Verlags. Seit 34 Jahren steht der Berliner Verlag für feinste Comic-Kunst aus aller Welt, echte Liebe zum Medium und absolute Hingabe zum Detail. Unzählige Fans, eine Riege herausragender Künstler:innen im Portfolio und zahlreiche Preise quittieren, dass Dirk und sein Team aus der deutschen Comicszene absolut nicht wegzudenken sind. In dieser Folge des SplitterCast bitten wir ein Urgestein zum Stelldichein und erfahren viel Wissenswertes nicht nur über Reprodukt, sondern über Comic-DACH allgemein. Die Website des Reprodukt Verlags: https://reprodukt.com/ Auf Instagram: https://www.instagram.com/reprodukt_berlin/ Und uns, den Splitter Verlag, findet ihr hier: https://www.splitter-verlag.de/

Transcript

Speaker: Hallo und herzlich willkommen zum Splittercast, dem Podcast von und mit dem Splitter Verlag, Bielefelds Bestem Comic und Manga Verlag.

Speaker: Mein Name ist Max und in diesem Podcast spreche ich mit Macherinnen und Machern aus der deutschsprachigen Comicszene.

Speaker: Bevor ich in die nächste Folge einsteige, schulde ich euch vielleicht eine ganz kleine Entschuldigung, denn wie die letzten Jahre auch, bin ich in die Sommerpause abgestiegen, ohne vorher Bescheid zu sagen.

Speaker: Ja.

Speaker: Auf gut Deutsch, ich war in Urlaub und habe einige Zeit jetzt nichts hochgeladen.

Speaker: Wir hatten keine neuen Folgen und ich habe vorher das mal wieder nicht kommuniziert.

Speaker: Das ist ganz allein meine Schuld und hat nichts mit dem restlichen Splitter Verlag zu tun.

Speaker: Es tut mir sehr leid.

Speaker: Ich hoffe, ihr verzeiht mir dieses Durcheinander.

Speaker: Dafür haben wir jetzt eine ganze Reihe von Folgen anstehen.

Speaker: Das heißt, in den nächsten Wochen und Monaten müsst ihr auf den Splittercast nicht mehr verzichten.

Speaker: Die heutige Folge...

Speaker: ist mit einem Gast, auf den ich mich sehr freue, der auch schon ganz lange auf meiner Wunschliste stand.

Speaker: Nicht, weil es so schwer wäre, ihn zu einem Gespräch zu bewegen, im Gegenteil, sondern weil irgendwie immer andere Sachen dazwischen kamen.

Speaker: Dirk Rehm ist im Splittercast.

Speaker: Dirk Rehm ist der Gründer und Verleger des Reprodukt Verlags, ein von mir sehr geschätzter Verlag.

Speaker: Und ich spreche mit Dirk über...

Speaker: Ja, über alles Mögliche, ehrlich gesagt.

Speaker: Wir reminiscrieren ein bisschen, wir tauschen Empfehlungen aus.

Speaker: Dirk hat massenhaft Schwenke aus seiner verlegerischen Geschichte, die über 30 Jahre inzwischen andauert.

Speaker: Und er hat auch das eine oder andere zur Comicszene an sich zu erzählen.

Speaker: Wir reden über Uli Lust, wir reden über Kleinode, die versteckt im Verlagsprogramm sind Überraschungserfolge und über gewusste Erfolge.

Speaker: Es ist insgesamt einfach ein sehr kurzweiliges Gespräch geworden und bei dem ich sehr viel Freude hatte und ich hoffe, ihr habt das auch.

Speaker: Schreibt mir doch gerne, ob ihr das auch hattet oder auch nicht.

Speaker: splittercast at splitter-verlag.de ist unsere E-Mail-Adresse.

Speaker: At Splitter Verlag auf den Social Media Plattformen allen Einschlägigen.

Speaker: Meldet euch, gebt uns gerne Feedback, da würde ich mich sehr drüber freuen.

Speaker: Und lasst natürlich auch sehr gerne eine Bewertung da, wo auch immer ihr diesen Podcast hört.

Speaker: Am besten fünf Sterne oder wie viele es auch maximal zu vergeben gibt.

Speaker: Bewertet uns, verteilt uns, empfehlt uns weiter.

Speaker: Das hilft diesem Podcast sehr.

Speaker: Und dann wünsche ich euch jetzt ganz viel Spaß mit Splittercast Folge 76, der ersten nach der inoffiziellen Sommerpause mit Dirk Rehm vom Reprodukt Verlag.

Speaker: Hallo lieber Dirk, einen wunderschönen Nachmittag wünsche ich dir und herzlich willkommen im Splittercast.

Speaker: Schön, dass du die Zeit nimmst, um hier zu sein.

Speaker: Hattest du bisher einen guten Tag?

Speaker: Ja, hallo, vielen Dank für die Einladung.

Speaker: Bisher hatte ich einen ruhigen Tag.

Speaker: Ich sitze hier im Berliner Wedding im vierten Stock im Büro und Freitag ist bei uns der Homeoffice-Tag.

Speaker: Da ist die Belegschaft zu Hause, bis auf eine Mitarbeiterin in der Herstellung.

Speaker: Julia, die ist gerade hier, aber es ist immer ein sehr angenehmer, ruhiger Tag, der Freitag.

Speaker: Das klingt hervorragend.

Speaker: Das ist bei uns größtenteils auch so.

Speaker: Ich bin jetzt gerade selber im Homeoffice.

Speaker: Dementsprechend weiß ich nicht, was die in der Redaktion so treiben.

Speaker: Aber Freitage sind meistens eher entspannt.

Speaker: Es sei denn kurz vor Druckabgabe.

Speaker: Das kannst du wahrscheinlich auch.

Speaker: Das kann ich mir vorstellen, ja.

Speaker: Wir wollen heute ein bisschen über, ja du hast es gerade schon gesagt, über den Verlag, über Reprodukt sprechen.

Speaker: Du bist Gründer, Verleger, CEO, CFO, wahrscheinlich ganz, ganz viele Dinge auf einmal in Privatunion.

Speaker: Und ja, einer der, ich hoffe, das ist jetzt, das ist ja nicht unangenehm, aber doch, muss man halt sagen, einer der bedeutendsten Comic-Machenden, die wir hier in Deutschland haben.

Speaker: Ja, ich weiß, aber es ist so, Dirk, es tut mir leid.

Speaker: Okay, danke, danke.

Speaker: Ich bin mir auch sicher, viele der Hörerinnen und Hörer kennen deinen Namen zumindest.

Speaker: Reprodukt dürfte euch allen ein Begriff sein.

Speaker: Es kommt auch nicht so selten vor, dass Bücher von Reprodukt hier empfohlen werden, entweder von mir oder von den Gästen, die ich da habe.

Speaker: Das bleibt einfach nicht aus und kommt immer wieder vor.

Speaker: Und Reprodukt war auch nicht zuletzt einer der Gründe, weshalb ich mehr und mehr in dieses Comic-Thema abgerutscht bin, wenn man so will.

Speaker: Und deshalb dachte ich, warum nicht mal Dirk Rehm einladen und mit dir ein bisschen über deine Arbeit sprechen und über die Bücher, die da zuletzt so erschienen sind.

Speaker: Ihr hattet ja auch in letzter Zeit den einen oder anderen großen Erfolg.

Speaker: Ich fange aber ein bisschen vorher an, würde ich sagen.

Speaker: Ich habe gesehen, Reprodukt ist 1991 gegründet worden von dir.

Speaker: Und damit ist dein Verlag genauso alt wie ich.

Speaker: Ja.

Speaker: Und man kann viele Interviews mit dir im Internet finden.

Speaker: Vielleicht verlinke ich auch das ein oder andere Mal in den Shownotes.

Speaker: Und deshalb will ich das jetzt alles gar nicht nochmal aufrollen.

Speaker: Aber

Speaker: Trotzdem interessiert mich und interessiert, glaube ich, auch viele Hörerinnen und Hörer, die ja auch gerne informiert sind, was unseren Verlag angeht.

Speaker: Wie kam es denn damals dazu?

Speaker: Die Frage hast du bestimmt auch schon mal beantwortet, aber trotzdem.

Speaker: Wie hast du damals diese Idee gehabt, vor jetzt 34 Jahren?

Speaker: Warum hast du das überhaupt gemacht?

Speaker: Ein Comicverlag gründen, das ist ja nichts, was man mal eben so aus dem Arm schüttelt.

Speaker: Ja, also das ist ein Bedürfnis gewesen, das so langsam entstanden ist, als ich angefangen habe in den 80er Jahren die amerikanischen Independent Comics zu entdecken von Zeichnern wie Daniel Klaus oder den Lost Boss Hernandez, Drew Ducey, ein bisschen später Joe Matt, auch Mary Fleener.

Speaker: Also wo ich den Eindruck hatte, das sind jetzt erst

Speaker: Mal, seit ich Comics lese und ich habe Comics gelesen, seit ich irgendwie was lesen konnte oder Bilder schauen konnte, seit 4, 5, mit 4, 5 Jahren glaube ich, habe ich schon angefangen Comics zu lesen.

Speaker: Das waren das erste Mal Comics, wo ich das Gefühl habe, okay, jetzt spricht jemand zu mir, den ich wirklich verstehe, wo ich gesagt habe, wir haben einen gleichen Erfahrungsschatz, vielleicht auch einen gleichen Wertesystem und die Zeichner eben, die auch gleichaltrig waren, wie ich ungefähr ein oder zwei Jahre jünger oder älter

Speaker: die haben eben davon erzählt, was sie beschäftigt hat.

Speaker: Das war Musik, Konzerte, Punkkultur, das war soziales Erleben, also Liebschaft natürlich auch, also das Ausgehen mit anderen.

Speaker: Das war bei den Herrn Lendersbrüdern ein bisschen dramatisch, noch so Gangkriege von L.A., wo ich jetzt nicht so eine Beziehung zu haben natürlich, aber es war eben das, was

Speaker: ich in der Zeit in Hamburg auch ganz viel erlebt habe.

Speaker: Erste Beziehungen, abends ausgehen, Freundschaften pflegen, kleine Abenteuer erleben im Alltag eigentlich.

Speaker: Das fand ich total spannend.

Speaker: Das hat mir die Augen geöffnet, wie universell das doch ist.

Speaker: Das waren Comics, die bei zwei amerikanischen Independent-Verlagen erschienen sind.

Speaker: Bei Fetter Graphics in Seattle und bei Draw & Quarterly in Montreal.

Speaker: Und die Verlage fand ich auch spannend, weil das eben auch so selbst Einzelkämpfer waren, die Spaß hatten an Comics, Interesse an Comics und dafür ihren Verlag gegründet haben und mir das eigentlich vorgelebt haben.

Speaker: Ich dachte, das möchte ich auch machen und gerade mit diesen Comics anfangen, weil ich mir solche Comics nicht vorstellen kann bei Konzernverlagen, die in Deutschland damals eben vorherrschend waren wie Carlson und Egmont.

Speaker: Ich würde gerade fragen, welche waren das damals?

Speaker: Carlson und Egmont, die sahen damals vom Programm her aber natürlich noch vollkommen anders aus als heute.

Speaker: Ja, die haben so 80er Jahre franco-belgische Funnies und sowas, Hauptsache immer Abenteuerserien, also eigentlich vor allem Genre, aber eben kein Independent-Kram,

Speaker: Da war vielleicht irgendwas dazwischen auch und Karsen hat später auch mit Peter Beck, Leck mich vorgelegt.

Speaker: Also sie haben es ein bisschen später versucht aufzuholen auf eine Art.

Speaker: Aber ja, es gab damals eigentlich nur die Institution Moderne, die in die Richtung gearbeitet hat, die ich mir vorstellen konnte.

Speaker: Aber Institution Moderne hat damals auch mehr so franco-belgische, literarische Comics gemacht, die weniger so an der Szene waren.

Speaker: Das waren dann eben so Nestor Burma oder...

Speaker: Genau, solche Sachen.

Speaker: Silence von Cumesen, also aus As Vivo die Sachen, die kamen dann bei EZModerna.

Speaker: Kannst du vielleicht ein, zwei Titel nennen, so zur Einordnung, was von Klaus zum Beispiel du damals gelesen hast?

Speaker: Ich weiß zugegebenermaßen nicht, was der damals so gemacht hat.

Speaker: Also er hat angefangen mit Lloyd Lurlin, das ist eine Heftserie gewesen bei Fantagraphics.

Speaker: Vorher hat er schon, glaube ich, für

Speaker: Nicht Mad-Magazin, aber so ein Ableger davon, ich hab grad nicht den Titel gezeichnet, Lloyd Doolin war in der ersten Heftserie mit so einem Protagonisten, der in 50er-Jahre-Looks so rumlief, mit Tolle und so, eher ein bisschen so Richtung Elvis Presley.

Speaker: Das hat aber nach ein paar Ausgaben abgebrochen und ist dann mit Ed Ball angefangen.

Speaker: Und Ed Ball war für mich so die Erleuchtung, wo er dann eben vor allen Dingen Like a Velvet Glove, Cust and Iron, was wir dann als erstes von ihm verlegt haben.

Speaker: Also wie ein samten Handschuh und eisernen Fesseln.

Speaker: Das war eigentlich so für mich das

Speaker: Spannendste, das ist eigentlich so ein gelebter Albtraum des Protagonisten, Clay Laudermilk, das ist ein super Buch, das kann ich sehr empfehlen.

Speaker: Und von Jaime und Gilbert Hernandez war das erste, der Tod von Speedy und das zweite dann, der Blut von Paloma, das erste von Jaime, das zweite von Gilbert.

Speaker: Und die haben wir dann weiter fortgesetzt, dann kam Gilles Doucet dazu, Farah Hostarts Comics, Mary Flina, Debbie Drexler, also eigentlich in den ersten Jahren haben wir hauptsächlich amerikanisch independent

Speaker: Zeichnerinnen verlegt.

Speaker: Man merkt, du bist auch immer noch ziemlich tief in der Materie drin.

Speaker: Also diese ganzen Namen, die fließen dir ja nur so von den Lippen.

Speaker: Das ist schon, als würde man in deinen Kopf in ein Archiv reingucken.

Speaker: Es ist aber auch so, dass ich eben immer sehr großes Interesse hatte, die Menschen hinter den Comics kennenzulernen.

Speaker: Das war das Erste, was ich gemacht habe, als ich es okay bekommen habe von Fantagraphics, dass wir

Speaker: Love & Rockets machen dürfen, weil die Lizenz nicht bei Fantagraphics, dass ich in die USA geflogen bin und hab die beiden getroffen, Heimer und Gilbert und eben auch Dan und Julie in Montreal und da einfach irgendwie Kontakt aufgenommen und dann vergisst man den Namen natürlich auch nicht so schnell.

Speaker: Und Debbie auch.

Speaker: Debbie lebt in Santa Barbara beim Charles-Schulz-Museum sozusagen.

Speaker: Das ist wirklich irgendwie gerade das, was mich am Comics machen am meisten noch motiviert, einfach mit den Menschen zu arbeiten, die Menschen kennenzulernen und auch

Speaker: International, also wo ich kann, mache ich es.

Speaker: In Frankreich kenne ich auch natürlich ganz viele Zeichner oder ja, da vor allen Dingen, weil ich da so halb beheimatet bin auch eigentlich quasi.

Speaker: Das heißt, du bist immer noch quasi, also wenn man jetzt mal einfach mal, sag mal, den Reprodukatalog aufmacht, den Großteil der Leute kennst du immer noch irgendwie persönlich oder versuchst es zumindest?

Speaker: Genau, also ich denke mal so 90 Prozent wahrscheinlich fast, ja.

Speaker: Wow, das ist echt eine Menge.

Speaker: Das ist natürlich auch sehr dankbar.

Speaker: Also wenn man jetzt Leute wie zum Beispiel Gidele, den ich auch so lange kenne oder erlebe es auch, mit dem ich quasi befreundet bin.

Speaker: Throntheim meinst du?

Speaker: Throntheim.

Speaker: Da ist es dann auch kein Problem, die nach Deutschland einzuladen.

Speaker: Die freuen sich ja noch mal und fühlen sich noch wohl.

Speaker: Also es ist eben wirklich eine freundschaftliche Beziehung auch.

Speaker: Oder gerade wenn, habt ihr bestimmt auch bei Splitter, wenn du eben so bestimmte Autoren Jahre pflegst, entsteht aber ein Vertrauensverhältnis und ist dann relativ...

Speaker: Simpel zu sagen.

Speaker: Also es ist auch natürlich leicht, Rechte zu bekommen, weil man dann die Option über die Autoren bestimmt erhalten kann.

Speaker: Aber eben auch eben zu gucken, was kann man gemeinsam machen.

Speaker: Also es ist auch zum Beispiel kein Problem, Liebes zu fragen, Liebes tront dann wieder, ob er einen Titel für uns lettern würde, also ein Cover-Titel oder sowas.

Speaker: Oder jetzt habe ich gerade David Bredomm gefragt, ob er ein Cover für uns neu einfärben würde.

Speaker: Das war kein Problem.

Speaker: Also es ist da eben sehr dankbar, wenn man diese Beziehung so versucht zu pflegen.

Speaker: Ja, das glaube ich sofort, dass es das an vielen Stellen einfacher macht und ist ein guter Punkt.

Speaker: Wir arbeiten ja sehr viel mit den Verlagen direkt oder mit Agenturen dazwischen, so direkten Kontakt zu vielen unserer Künstlerinnen und Künstler haben wir ja gar nicht.

Speaker: Naja, Tanja schon.

Speaker: Also ich kenne euch ja auch ein bisschen.

Speaker: Aber das Problem von Dirk ist ja, dass er Dirk Schulz jetzt, dass er offensichtlich nicht so gut Französisch spricht.

Speaker: Aber Tanja ist ja toll und unterwegs.

Speaker: Also Tanja kenne ich auch.

Speaker: Meine Freundin Sophie kennen wir uns ein bisschen.

Speaker: Und die ist ja auch sehr umtriebig und in Paris eben auch sehr aktiv.

Speaker: Also Tanja kennt ja auch viele, ne?

Speaker: Ja.

Speaker: Tanja Krämling, eine unserer Hauptübersetzerinnen, mit der ich auch schon mal eine Folge aufgenommen habe, falls euch das interessiert, könnt ihr euch das mal anhören.

Speaker: Genau, Tanja kommt ja auch zum Beispiel immer mit, wenn Dirk, also Schulz, Dirk Schulz, mein Chef, der Splitterverleger, es gibt in der deutschen Comicszene sehr viele Dirks irgendwie, wenn der auf der Frankfurter Buchmesse ist und so, naja, klar.

Speaker: Es ist vielleicht eine etwas klischeehafte Frage, aber dann vor 34 Jahren, hättest du gedacht, dass die Reise dahin geht, wo du jetzt bist?

Speaker: Oder wo Reprodukt jetzt ist in der Größe mit dem Programm, mit der Ausrichtung?

Speaker: Denn ihr macht natürlich zum Beispiel immer noch amerikanische Titel, aber ja nun bei weitem nicht mehr nur.

Speaker: Ich glaube vor allem vielen Hörerinnen und Hörern seid ihr vor allem für Eigenproduktionen eher bekannt.

Speaker: Könnte ich mir vorstellen.

Speaker: Das ist zumindest das, was in der Presse oft am meisten vorkommt.

Speaker: War das damals schon so ein Ziel von dir?

Speaker: Irgendwann verlegen wir ganz viele deutsche AutorInnen?

Speaker: Ja, das wahrscheinlich schon.

Speaker: Also ich habe mir nicht vorgestellt, wie der Verlag aussehen würde in 30 Jahren oder so.

Speaker: Ich hatte keine Idee.

Speaker: Also ich habe mich eigentlich immer mit dem wohl gefühlt, was wir gemacht haben.

Speaker: Das war zuerst, war ich zu Leine, dann war ich zusammen mit meiner Kollegin Jutta Harms, dann kam Claudia Jerusalem dazu, dann waren wir drei.

Speaker: Und so ist der Verlag eigentlich organisch gewachsen.

Speaker: Heute sind wir, glaube ich, zehn und ich zahle 15 Gehälter auch für drei Ladenmitarbeiterinnen, die wir haben.

Speaker: Also schon ganz schön gewachsen.

Speaker: Also die Idee war schon natürlich, in der deutschen Szene sowas zu kreieren oder sowas zu leben, wie die Amerikaner das in den 80ern mit den Independent Commons auch geschafft haben.

Speaker: Das war also der zweite Punkt, dass wir

Speaker: Nach den Amis mit Andreas Michalk und Minu Zaribav eine Heftserie ins Leben gerufen haben, artige Zeiten.

Speaker: Wir alle haben in Hamburg gewohnt damals, gelebt und

Speaker: Die haben dann Comics gemacht, auch über Punk-Kultur, über Graffiti, Andreas war Sprayer, also über Straßenkunst und ja, auch über Zwischenmenschliches und die zweite Comicserie, die wir gemacht haben im Stil eben der amerikanischen Floppies damals, das war Krim Krim von Markus Kulczynski.

Speaker: Ein schwuler Comiczeichner, der leider nach ein paar Jahren aufgehört hat mit den Comics und jetzt eher Webdesign und sowas macht, der in vier Heften zum Beispiel eine Geschichte gemacht hat über die Fehlfarben und sein Verhältnis zu der Bandfehlfarben und so.

Speaker: eine ist eine schwule Liebesgeschichte, also verschiedene Sachen aus dem Kontext aus so einem Universum.

Speaker: Das finde ich auch noch für einen der stärksten deutschen Arbeiten eigentlich, aber eben hat leider aufgehört mit dem Comiczeichnen.

Speaker: Da habe ich noch nie von gehört.

Speaker: Okay.

Speaker: Also ja, wie gesagt, es ist halt ein bisschen außerhalb meiner Generation, aber...

Speaker: Vielleicht machen wir nächstes Jahr in Erlangen einen Vintage-Stand, da gibt es dann diese ganzen Reste von diesen Heften zu kochen, die immer noch im Büro rumfliegen haben.

Speaker: Ich wollte gerade fragen, das wäre jetzt die Anschlussfrage gewesen, ist das noch lieferbar?

Speaker: Ja, das ist noch lieferbar.

Speaker: Also nicht alle, aber von den vier sind noch drei lieferbar.

Speaker: Naja, das ist gar nicht so schlecht für die lange Zeit.

Speaker: Genau, und das hat sich dann aber erst als Ende der 90er, also Anfang 2000, glaube ich, ist Anke Feuchtenberg angefangen als Professorin in Hamburg und Anke hat dann sehr viel bewegt.

Speaker: Da sind viele Leute zu ihr gegangen, die explizit Comics arbeiten wollten und da haben wir dann sehr viele Autoren aus ihrem

Speaker: Studenten, also ihre Studentenschaft eigentlich abgeschoppt.

Speaker: Sascha Hommer, Arne Belstorff, Lene Hoven, also die zweite Generation von Autoren, die wir gemacht haben, die kamen fast alle von Anke oder vielleicht war noch jemand hier bei Henning Wagengret in Berlin, aber das waren eben schon Studenten.

Speaker: die dann wiederum wie Sascha Hommert zu Professoren geworden sind.

Speaker: Und jetzt haben wir eben mit deren Studenten eigentlich zu tun.

Speaker: Anke Feuchtenberger, zuletzt Genossen Kuckuck veröffentlicht.

Speaker: Das kennen vielleicht die ein oder andere von euch da draußen.

Speaker: Aber so wurde mir Anke Feuchtenberger damals im Verlag, also im Splitter Verlag auch vorgestellt, die Grand Dame der deutschen Comics-Szene veröffentlicht.

Speaker: wo viele Leute auf die eine oder andere Art und Weise von ihr gelernt haben und sei es nur durch ihre Vorbildfunktion.

Speaker: Das ist schon spannend.

Speaker: Ja.

Speaker: Die erste, die hat ja in den 90er Jahren bei Jochen Enterprises hier in Berlin die ersten Bücher verlegt.

Speaker: Also als mit Holger Ficklscher auch als Ostberliner Zeichner, die beiden glaube ich, als erste Ostberliner.

Speaker: Attack dann auch, ja, da kommt auch noch dazu.

Speaker: Aber sie wollte mit die erste Frau, die Comics-Würfen, die hat die eben auch über Deutschland hinaus aufgrund ihrer Zeichenkunst eben Resonanz gefunden haben.

Speaker: Die ist relativ schnell in Frankreich verlegt worden.

Speaker: In den USA, glaube ich, auch gab es erste Sachen und hat da auch Epigonen nicht nur in Deutschland, sondern auch woanders gefunden.

Speaker: Aber genau, die war so ein Rollenmodell für viele deutsche Zeichnerinnen, die ihr dann gefolgt sind.

Speaker: Wenn du sagst, dass ihr damals solche Sachen gemacht habt, warst du dann auch in den kreativen Part zu den Anfangszeiten eurer Eigenproduktion noch stärker involviert?

Speaker: Du bist selber ausgebildeter oder studierter Grafiker auch, oder?

Speaker: Nee, kann man nicht sagen.

Speaker: Ich habe visuelle Kommunikation studiert und habe mich an der Hochschule für Bildende Künste in den

Speaker: 80ern und habe da aber hauptsächlich Experimentalfilm studiert.

Speaker: Ich bin da zwar mit Comics beworben, Comics und Filmen an der HBK, bin dann aber, weil ich den Professor Rüdiger Neumann am spannendsten fand, in Experimentalfilm gegangen und erst am Ende des Studiums bin ich umgeschwenkt aus dem Film raus, wieder zurück zum Comic und tatsächlich war der erste Comic, den wir

Speaker: veröffentlicht habe, eben der Tod von Speedy von Heime, das war gleichzeitig meine praktische Abschlussarbeit an der Hochschule.

Speaker: Ah, okay.

Speaker: Das habe ich an dem Buch eben fast alles selbst gemacht.

Speaker: Das ist einfach die Übersetzung eigentlich und den Druck.

Speaker: Das klingt einfach alles sehr, sehr eng miteinander verzahnt, wenn ich das mal so sagen darf.

Speaker: Da geht es wirklich alles sehr, sehr eng in Hand, damals zumindest.

Speaker: Nimmst du das heute auch noch so wahr, eure Redaktionsarbeit, deine verlegerische Arbeit, eure verlegerische Arbeit?

Speaker: Ich meine, ein Team von 15 Leuten plus minus ist ja nun nicht mehr so einfach an einen Küchentisch zu setzen zum Beispiel.

Speaker: Ja, tatsächlich ist es so, wir sind auch mittlerweile verstreut, also es gibt Michael Grünewald, der ist Redakteur bei ihr Produkt, der macht eben auch seinen Kiebitz-Verlag nebenbei mit Sebastian Oehler, der ist Redakteur, Heike Drescher ist Redakteurin, Heike ist in Berlin, also Heike ist in der Regel im Büro unter der Woche und wir sind aber immer noch so klein, zum Glück, dass wir im Grunde mit einer Wochenbesprechung auskommen, am Dienstag setzen wir uns immer für zwei Stunden zusammen ungefähr und

Speaker: jeder erzählt so, was er gerade macht und wir denken natürlich auch da ein bisschen festerkibisch, ein bisschen strategisch, was gemacht werden muss.

Speaker: Dann machen wir nochmal eine Produktionsrunde im kleinen Rahmen mit den Herstellerinnen und den Redakteurinnen.

Speaker: Aber tatsächlich in dieser Runde kriegen alle von allem was mit und das ist sehr hilfreich.

Speaker: Dadurch ist diese

Speaker: logistische Arbeit so ein bisschen beschränkt, ein bisschen beglänzt.

Speaker: Also ich habe früher haben wir mal eher so mit allen Abteilungen ständig gesprochen und dann aus dem Großverlag kenne ich das auch noch, ich weiß nicht, wie ihr das macht bei Schwitter, aber dann ist man irgendwann nur noch in Sitzungen und kann gar nicht mehr

Speaker: Konstruktiv arbeiten, das ist sehr frustrierend.

Speaker: Wir haben ja eine ähnliche Größe tatsächlich.

Speaker: Insofern reicht bei uns auch eine wöchentliche Grußbesprechung aus, die auch so in der Größenordnung ist.

Speaker: Wir sind sehr viel konzentrierter auf Bielefeld.

Speaker: Insofern sind bei uns die Wege vielleicht noch ein bisschen kürzer, zumindest geografisch.

Speaker: Das heißt, dann kriegt doch die Herstellung was von der Redaktion mit und auch vom Vertrieb oder ist das dann mehr so...

Speaker: Ja, unser Vertrieb, okay, unser Vertrieb, der wird halt sehr stark von PPM geregelt.

Speaker: Keine Vertreter, ne?

Speaker: Entschuldigung.

Speaker: Nee, genau, wir haben keine Vertreter.

Speaker: Ja.

Speaker: Genau, das läuft nochmal über eine andere Schiene.

Speaker: Ich meine, also wenn ich von Splitter Verlag rede, meine ich primär die Redaktion und Marketing und Herstellung, genau.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Aber da hört ihr auch, die Organisationsstruktur aller Verlage ist nicht ganz gleich.

Speaker: Das ist durchaus individuell.

Speaker: Was aber auch den Reiz der Sache so ein bisschen ausmacht.

Speaker: Bei uns ist es so, wir haben zwei Vertriebler in-house, Frank Metzschewski und Yves Keuler im Moment.

Speaker: Der eine beschäftigt sich mehr mit dem Comichhandel, das ist der Yves, und Frank mehr mit dem Buchhandel.

Speaker: Und

Speaker: Dann haben wir eben auch noch Vertreter, die unterwegs sind in allen deutschen Bundesländern, also vier für verschiedene Teile von Deutschland sozusagen.

Speaker: Dann haben wir jetzt seit neunsten auch nochmal drei in der Schweiz und einen Sebastian Bosker in Österreich.

Speaker: Und das ist für uns natürlich, weil wir, denke ich, stärker als Spitter vor allen Dingen auch im unabhängigen Buchhandel unterwegs sind, in unseren Büchern und eben Buchformate machen, nicht so diese Albenformate, die wir im Buchhandel schwer unterbringen können, macht das für uns Sinn.

Speaker: Und das ist jetzt für so ein Buch, was du ja vorhin schon ein bisschen

Speaker: Frau schauen, gesagt, das will für Uli Lust und die Frau als Mensch ist natürlich sehr dankbar, wenn du so ein Buch hast, was

Speaker: über den Buchpreis eine Wahrnehmung bekommt, wenn du das mit dem Vertreter in die Buchhandlung bringst, dann verstärkt das das ungemein nochmal.

Speaker: Das ist an so einer Stelle sehr dankbar, Vertreter zu haben.

Speaker: Genau.

Speaker: Ja, also da sind wir definitiv unterschiedlich ausgerichtet.

Speaker: Deshalb meinte ich das auch mit der Presseaufmerksamkeit und das, worüber die Leute, die jetzt zuhören, Reprodukt wahrscheinlich identifizieren können.

Speaker: Zumindest, wenn sie jetzt nicht von Anfang an dabei waren, was sicherlich auch der Fall war bei einigen der Leuten, die hier zuhören.

Speaker: Aber Reprodukt ist halt so auch die Speerspitze, ich sag mal, der Comics und Graphic Novels im Feuilleton, wenn man das mal so ausdrücken darf.

Speaker: Und nicht zuletzt habt ihr ja auch mit dem Verlag schon eine ganze Reihe von Preisen abgeräumt.

Speaker: deutschen Verlagspreis zum Beispiel.

Speaker: Und du als Verleger hast auch schon einen Verlegerpreis erhalten.

Speaker: Und diese ganze Aufmerksamkeit, die kulminiert halt schon darin, dass Reprodukt, glaube ich, bei vielen Hörerinnen und Hörern in so einer Öffentlichkeit schon so als der Graphic Novel Verlag oder der Comic Verlag mit hohem Anspruch dasteht.

Speaker: Ist das was, was du auch so oder was ihr auch so von euch wahrnehmt?

Speaker: Oder

Speaker: Wie würdest du... Ich sehe uns eigentlich immer als Verlag der Unterhaltung produziert.

Speaker: Also ich sehe diesen Anspruch, wie du sagst, von außen ein bisschen projiziert, aber ich empfinde das nicht so.

Speaker: Also bei uns ist es eigentlich so, wir fangen mit einem Autor an und bei den meisten Autoren sind wir mit einem autobiografischen Projekt angefangen, zum Beispiel, um nochmal auf Levis Thontam zurückzugehen,

Speaker: Ich glaube, bei Approximate Continuum Comics der erste Comic, den wir verlegt haben, in dem es um seinen Umzug von Paris nach Montpellier eigentlich geht.

Speaker: Ich glaube, irgendwann Mitte der 90er Jahre oder sowas.

Speaker: Und das war das erste Buch und davon ausgehend haben wir aber entschieden, eben mehr mit Trontam zu machen oder uns für Trontam als Autor entschieden und sind dann auch zu sowas wie Donjon gekommen, was dann eine Fremdserie ist, die wir

Speaker: aus dem Start weg so nicht gemacht haben, aber weil uns das in seinem Universum

Speaker: schlüssig erscheint und ich auch sagen kann, was ihn da begeistert in dieser Serie, das ist auch ein bisschen Thema in der Proximity, dass er eben so ein Fantasy-Leser ist und diese Fantasy-Universen parodieren wollte und aber eben man merkt seine Leidenschaft für dieses Thema in Don't-Juddy eben ganz stark.

Speaker: So wachsen eben die Dinge und sind natürlich auch nicht ganz vorhersehbar, aber es erscheinen eben

Speaker: Donjon oder auch Herr Hase würde ich als Unterhaltung eigentlich ganz klassisch verstehen.

Speaker: Und klar, jemand wie Gideville, der hat dann Lust, eine Biografie zu machen, das finde ich auch super.

Speaker: Und so was jetzt, die Erdwirt-Mulbitsch-Biografie, das ist ein

Speaker: Fotograf aus dem 18.

Speaker: Jahrhundert, der dieses Pferd fotografiert hat, das beim Laufen den Boden berührt im Galopp.

Speaker: Das ist so eine ganz bekannte, im Animationsfilm viel tradierte Fotoserie von einem Pferd, das galoppiert ohne den Boden zu berühren.

Speaker: das ihn begeistert als Animationszeichner, weil er ist gelernter Animationszeichner und Mobius hat ihn als Mensch oder auch dieses Thema eben Animation immer interessiert und da ist es auch dann ganz schlüssig, dass er dann eben diese Biografie macht und so wächst das eigentlich irgendwie alles in alle möglichen Richtungen die ganze Zeit, aber ich hoffe immer oder für mich ist es einfach sehr, bleibt es sehr nachvollziehbar und homogen, was wir machen.

Speaker: Ich weiß nicht, ob

Speaker: Weiß man nicht nur, ob es von außen auch so erscheint oder so wirkt, aber das können wir erklären.

Speaker: Das ist eine super interessante Frage, die wir uns auch immer mal wieder stellen müssen.

Speaker: Da könnt ihr ja gerne mal was zu schreiben.

Speaker: Also liebe Hörerinnen und Hörer, ihr wisst ja, wie ihr uns erreicht.

Speaker: Würde mich durchaus mal interessieren, also jetzt nicht nur auf Reprodukt, aber auch auf Splitter, wirkt das eigentlich von außen noch homogen?

Speaker: Denn es wächst ja wirklich in verschiedenste Richtungen.

Speaker: Wie kommt in dem Kontext denn das Kindercomic-Thema jetzt zum Beispiel mit rein?

Speaker: Denn das ist ja durchaus ein Schwerpunkt, den ihr in den letzten Jahren echt erarbeitet habt.

Speaker: Ich hatte ja auch schon mal Sebastian von Kiebitz hier im Podcast und ich hatte auch schon ähm

Speaker: Ja, jetzt fehlt mir sowohl der Name des Verlags als auch der Verlegerin.

Speaker: Peinlich.

Speaker: Kindercomic, Edition Helden?

Speaker: Ja, genau, Edition Helden.

Speaker: Martina Streble?

Speaker: Martina, danke.

Speaker: Genau, die war auch schon mal hier.

Speaker: Aber Reprodukt ist ja sogar noch ein bisschen früher dran gewesen mit dem Kindercomic-Fokus.

Speaker: Wie ging das denn damit los?

Speaker: Ja, 2013 haben wir angefangen.

Speaker: Also das rührt daher, dass ich glaube hauptsächlich Micha und ich, also Michael Grönabend und ich, wir hatten ungefähr zur gleichen Zeit Kinder bekommen und haben dann gemerkt, wir würden denen gerne Comics zu lesen geben und vermitteln, was wir beruflich machen, was wir lieben und haben gemerkt, okay, da gibt es jetzt in Deutschland gar nicht viel außer...

Speaker: Mickey Mouse vielleicht so und das ist ja auch nicht so das Frühstelesealter.

Speaker: Und waren natürlich aber parallel immer auf den französischen Markt gegangen und haben gesehen, da gab es sowas wie Petit Paulu, was so ganz ohne Wort ist, was jetzt dann bei uns kleiner Struppel geworden ist oder Areol.

Speaker: Also da gab es Kindercomics, die wir total ansprechend fanden und haben dann eben da...

Speaker: den Ansatz gefunden, dass wir diese Sachen auf Deutsch übersetzen und auch das um deutsche Zeichner ergänzen wollten.

Speaker: Das hat auch ganz gut geklappt.

Speaker: Und das ist ein Segment, das sieht man ja auch in den Statistiken des Buchhandels, das eben ständig wächst, das Kinderbuch.

Speaker: Also das ist

Speaker: Wir sind uns ja dankbar.

Speaker: Ihr macht ja auch Kinderbuch, aber nicht so viel.

Speaker: Nicht gar nie, nicht so viel und auch irgendwie eine andere Ausrichtung, klar.

Speaker: Genau, und da ist ja auch bei euch wieder Alben.

Speaker: Aber wir merken ja auch, wir haben am meisten Erfolg mit den Buchformaten, die eben so groß sind wie andere Kinderbücher auch.

Speaker: Vielleicht gibt es auch sogar eine Verwechslungsgefahr, dass die Eltern das kaufen und erst zu Hause merken, oh, ist ja ein Comic.

Speaker: Aber das ist für uns natürlich sehr hilfreich.

Speaker: Das ist durchaus nachvollziehbar.

Speaker: Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Speaker: Aber auch da spielt halt wieder mit rein, dass ihr halt mehr im allgemeinen Sortiment, so im normalen Buch, wenn man so will, wahrscheinlich eine bessere Position habt oder eine andere als wir.

Speaker: Schwer erarbeitet, sag ich dir.

Speaker: Das glaube ich sofort.

Speaker: Das glaube ich sofort.

Speaker: Gab es denn da, also in dem Zusammenhang, gute Frage eigentlich, gab es da so einen Moment, wo da ein Damm gebrochen ist?

Speaker: Oder war es das einfach so ein ständiges Bohren und steht da, Tropfen höhlt den Stein?

Speaker: Ja, letzteres.

Speaker: Also, nee, kein Damm gebrochen ist.

Speaker: Also, Kiste ist ein großer Erfolg.

Speaker: Kiste, glaube ich, läuft viel über die Mundpropaganda.

Speaker: Aber Kiste ist jetzt mittlerweile ein Kibitz-Titel.

Speaker: Da gab es ein bisschen Patrick Wirbleit-Kippen.

Speaker: wollte weiterziehen, sagen wir mal, und hat es woanders nochmal versucht und ist dann bei Kibitz gelandet, letztlich wieder bei Micha, ist sehr gut mit ihm befreundet und das macht total Sinn, dass Patricks Bücher jetzt bei Kibitz sind.

Speaker: Und das hat gut funktioniert, also besser als alle anderen Comics und im Moment ist es aber so, dass Areol zunehmend Bekanntheit erlangt und ich glaube aber auch,

Speaker: Hauptsächlich, weil Kinder das anderen Kindern oder Eltern anderen Eltern empfehlen.

Speaker: Es hat einen großartigen Witz, der ist so sehr an René Gouchinis Witz oder Son P. angelehnt.

Speaker: Ein bisschen an der kleine Nick, würde ich sagen.

Speaker: Noch ein bisschen zeitgemäßer und frecher natürlich.

Speaker: Und der funktioniert total gut, wo er gekauft wird.

Speaker: Aber uns fehlt so, wie euch natürlich auch an der Stelle, natürlich so der

Speaker: finanzieller Hintergrund, um das jetzt bei Italia oder so breit platzieren zu können.

Speaker: Da gehört es in unseren Augen eigentlich hin, aber wir schaffen das da nicht so richtig hin.

Speaker: Also da arbeiten wir halt die ganze Zeit dran, dass wir da hinkommen und es dann auch nochmal mehr sichtbar wird.

Speaker: Also die Sichtbarkeit der Comics ist ja überhaupt unser großes Problem und euer Genauso.

Speaker: Das ist das Problem der Kleinverlage.

Speaker: Ja, der Kleinverlage, aber auch nicht nur ganz der Kleinverlage.

Speaker: Also es wird ja viel über Marken irgendwie letzten Endes entschieden.

Speaker: Da hast du recht, ja klar.

Speaker: Aber in dem Zusammenhang kurze Randnotiz für die Hörerschaft, was Dirk da meinte mit, dass uns der Fehlerzähler-Background fehlt, um bei Thalia stattzufinden.

Speaker: Das ist vielleicht eine Sache, die außerhalb der Buchszene nicht so bekannt ist, aber diese großen Thementische, die er bei den Thalia-Filialen gerne sieht, die kauft man als Verlag.

Speaker: Also das ist oft nicht so, dass die Thalia-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das irgendwie von sich aus gestalten oder von der Zentrale gesagt bekommen, da kauft man sich ein.

Speaker: Und das kostet eine Stange Geld.

Speaker: Ist natürlich eine coole Sache, ist jetzt auch nicht immer unbedingt so.

Speaker: Ich war nie bei Thalia, ich kann das jetzt nicht aus erster Hand bezeugen, aber ich gehe davon aus, dass du darauf anspieltest.

Speaker: Jedenfalls in der Breite ist es so.

Speaker: In einzelnen Talia-Verlagen oder mit einzelnen Einkäufern, aber da, ja, das ist vielleicht ein anderes Thema.

Speaker: Also wie Talia eben auch zentral einkauft oder eben in einzelnen Figaren einkauft, das ist...

Speaker: deren Politik, die jetzt von außen auch für uns, glaube ich, immer zu durchschauen ist.

Speaker: Ja.

Speaker: Ich würde gerne, du hast den Titel vorhin schon genannt und du hast ja auch in meinem kleinen Skript gesehen, dass ich darauf hinaus wollen möchte, Die Frau als Mensch von Uli Lust.

Speaker: Uli Lust, muss ich kurz sagen, war auch eine der ersten Comic-Autorinnen, die ich so richtig wahrgenommen habe.

Speaker: Also das war eine der Uli Lust damals, heute ist der letzte Tag vom Rest seines Lebens, glaube ich war das, ihre autobiografische Graphic Novel über ihren Trip nach Italien damals.

Speaker: Das war so eine der Comics, die ich als junger Student gelesen habe, wo ich begriffen habe, was dieses Medium eigentlich kann.

Speaker: Vorher waren Comics für mich auch mehr reine Unterhaltung und irgendwie nicht so tiefschürfend.

Speaker: Und Uli Lust hat jetzt vor kurzem mit Die Frau als Mensch, einem Sachcomic über weibliche Kulturgeschichte im weitesten Sinne, wenn man so will, einen sehr großen Erfolg gefeiert.

Speaker: Deutschen Sachbuchpreis gewonnen.

Speaker: Ich vermute mal, dass das für euch auch ein sehr großer Erfolg war als Verlag, der das gemacht hat.

Speaker: Ist ein sehr schönes Buch auch.

Speaker: Kannst du oder magst du uns ein bisschen was über die Genese von diesem Werk erzählen?

Speaker: Also hat sie das...

Speaker: Wie fing das bei euch an?

Speaker: Hat sie euch da früh ins Boot geholt?

Speaker: War das so ein Projekt, an dem sie ewig lange rumgetüftelt hat und dann legte euch ein fertiges Manuskript vor?

Speaker: Oder wie habt ihr das irgendwie beim Sachbuchpreis so platziert, dass es gewonnen hat?

Speaker: Oder passierte das überraschenderweise?

Speaker: Also die Genese ist, glaube ich, erstmal zurückzuführen, soweit Uli mir das erzählt hat und ich das richtig verstanden habe, hoffentlich aus ihrer Faszination für das Thema dieser Genese.

Speaker: Skulpturen von weiblichen Figuren in der wahrscheinlich Frühsteinzeit schon.

Speaker: Das hat sie schon als Kind fasziniert und sie ist in Museen gegangen, hat diese Figuren gesehen und hat dann dazu auch Bücher gelesen.

Speaker: Das ist so bei ihr, sie ist ja bei der Stange geblieben, also von Kindheit an bis heute und hat da viel Wissen angesammelt und

Speaker: hat dieses Projekt dann irgendwann, weiß nicht, was jetzt da aussieht, oder war das wirklich als Buch zu machen?

Speaker: Das ändere ich jetzt nicht, aber sie ist tatsächlich mit einem eher fertigen Manuskript, fertigen Comic schon fast zu uns gekommen.

Speaker: Der Anlass war eigentlich, dass sie, also seit dem Buch, das du gerade erwähnt hast, heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens, das ist bei Avant Verlag erschienen in seiner Zeit, war auch, glaube ich, verkaufstechnisch ein großer Erfolg und dann hat sie Surkamp abgeworben.

Speaker: Die nächsten beiden Bücher waren das nächste Buch in Adoption von einem Roman von Marcel Bayer, Flughunde.

Speaker: das übernächste wieder autobiografisch und sie hatte dann irgendwann die Nase voll davon, bei Sokom zu sein, hauptsächlich deshalb, weil sie der Comicszene entfernt war.

Speaker: Also es waren auch für Sokom durchaus erfolgreiche Bücher, aber Sokom macht halt keinen Comic

Speaker: stand auf dem Comic-Seiland, Erlangen, in Hamburg oder sonst was.

Speaker: Also du bist mal alleine als Künstler mit deinen Büchern da und das ist natürlich auf Dauer ein bisschen frustrierend, wenn dir der Kontext so fährt.

Speaker: Und deshalb ist sie tatsächlich mit dem Buch erst zur Erwandt gegangen und Hannes wollte das ursprünglich machen.

Speaker: Dann haben sich die beiden aber irgendwie gestritten und dann kam sie zu mir, zu uns, zu ihr Produkt und hat es uns dann angeboten.

Speaker: Und ich fand das Thema von vornherein total super.

Speaker: Ich hatte vor schon mal mit ihr oder schon öfter mit ihr darüber gesprochen.

Speaker: Also wir kennen uns auch schon ewig, seit sie

Speaker: bei Monogatari ist, also wir kennen uns aus den 90ern, wir sind auch so über 30 Jahre Wegbegleiterinnen wir beide, also insofern war der Weg eigentlich kurz und das Vertrauen war vorhanden.

Speaker: So ist es dann bei uns zu dem Buch gekommen und wir haben viel Potenzial drin gesehen, genau an diesem Thema, wo ja Liv Strömquist mit ihren Büchern schon ein bisschen den Weg auch geebnet hat für dieses Thema.

Speaker: mit dem Ursprung der Welt und einer eher weiblichen Kulturgeschichte.

Speaker: Und da setzt Uli jetzt ein bisschen noch einen drauf.

Speaker: Oder ist natürlich immer toll, weil sie eine österreichische Zeichnerin ist, die in Deutschland lebt und einfach eine andere Präsenz auf dem deutschen Markt haben kann, als sie strömküsst, das von Schweden aus.

Speaker: Das ist uns sehr, sehr dankbar.

Speaker: Und ja, wir haben gemerkt, wir haben

Speaker: um jetzt zum Deutschen Sachbuchpreis die Kurve zu kriegen, dass man über diese Preise, die es gibt, diese Literaturpreise hauptsächlich, also die Preise der Leipziger Buchmesse, der Deutsche Buchpreis, keine Ahnung, es gibt ja ganz viele kleinere noch, und der Deutsche Sachbuchpreis ist relativ jung, den gibt es seit vier Jahren, dass man über diese Preise und über Nominierungen eine ganz tolle Sichtbarkeit für Bücher erlangt, die sonst vielleicht natürlich sowieso toll sind, aber eben nicht in den Fokus Öffentlichkeit

Speaker: kommen und seitdem wir das so ein bisschen mitgekriegt haben, versuchen wir uns da einmal zu bewerben und hatten dann das Glück mit dem Buch von Udi nominiert zu werden für den Deutschen Sachbuchpreis, was so einen ersten Hype so einen kleinen ausgelöst hat.

Speaker: Also wir haben

Speaker: eine Erstauflage von 5000 gemacht, die war tatsächlich dann nach einer Woche weg.

Speaker: Das ist richtig stark.

Speaker: Dann kam diese Nominierung, dann mussten wir zwei Wochen auf die zweite Auflage warten, die war auch dann relativ schnell weg.

Speaker: Und dann gab es, nachdem wir tatsächlich diesen Preis gewonnen haben, wovon keiner von uns gerechnet hätte, wir haben vor der Preisverlangen am Morgen vorher noch...

Speaker: gelacht, sind wir denn vorbereitet, wenn sie den Preis bekommen haben?

Speaker: Nein, wir haben nichts vorbereitet, nichts gemacht und dann musste der arme Philipp Kolek, unser Pressemann, glaube ich, die nächste Woche nur votiert, als Uli diesen Preis bekommen hat und unser Vertrieb auch, weil wir dann die zweite Auflage auch sofort verkauft hatten und die dritte wieder warten mussten.

Speaker: Jetzt sind wir mittlerweile bei der fünften Auflage und

Speaker: Haben, glaube ich, fast 40.000 Bücher verkauft in einem irre kurzen Zeitraum.

Speaker: Also sowas haben wir doch nie gehabt.

Speaker: Das ist auch ein wahnsinnig guter Buch.

Speaker: Wir haben im Kinderland auch so um die 30.000 verkauft, aber in zehn Jahren.

Speaker: Von Emina auch nicht schlecht, aber auch in einem ganz anderen Zeitraum.

Speaker: Also es ist faszinierend zu sehen.

Speaker: Und wir hatten das vorher schon eben mit Anke Feuchtenberger.

Speaker: Die haben wir mit Genossen Kuckuck eingereicht beim Preis der Leipziger Buchmesse und haben...

Speaker: 2023 Nominierung bekommen und haben auch, also Anke musste dann ständig Interviews geben, war im Fernsehen, im Radio die ganze Zeit und das Buch erreicht ganz andere Leute als Comics normalerweise.

Speaker: Also du bist einfach dann über dieser Comic-interessierten Blase hinaus sichtbar und es ist erstaunlich, wie offen die deutsche Gesellschaft mittlerweile ist für Comics.

Speaker: Also es hat mich jetzt auch wirklich verblüfft.

Speaker: Ich hätte gedacht, vielleicht kriegen wir so einen Preis in vier, fünf Jahren mal.

Speaker: Also wir waren wirklich sehr

Speaker: sehr überrascht, dass wir diesen Sachbuchpreis für Udis Buch bekommen haben.

Speaker: Das ist schon toll.

Speaker: Ja, aber auch gerade, ich hatte mich nämlich ehrlich gesagt gefragt, ob Uli Lust dieses Thema schon länger mit sich rumtrug, von der Recherchemenge her und von der Art und Weise, wie es geschrieben ist.

Speaker: Falls ihr es noch nicht gelesen habt, liebe Hörerinnen und Hörer, schaut es euch auf jeden Fall mal an.

Speaker: Ich habe es gelesen.

Speaker: Von der Art und Weise, wie es geschrieben ist, fühlt es sich halt nach etwas an, was sehr, sehr lange im besten Sinne des Wortes gegärt ist.

Speaker: Also was einfach gereift ist über eine längere Zeit.

Speaker: Aber ich hatte mich nämlich dann auch im Kontext dessen, dass Liv Strömquist damit so Erfolg hatte und das ja auch über...

Speaker: Hier Juval Noah Harari, kurze Geschichte der Menschheit und so, das ist durchaus ein Thema, was ja in den letzten Jahren, wenn nicht sogar zehn Jahren, auch gerade in Deutschland sehr en vogue war.

Speaker: Genau.

Speaker: Was jetzt auch nicht schlimm wäre, aber das war so eine Frage, die ich hatte in dem Kontext.

Speaker: Also danke für die Antwort.

Speaker: Ja.

Speaker: würdest du diesen Erfolg des Sachcomics jetzt auch in Sachbuchpreis, also das ist wahrscheinlich auch der erste Comic, der ein Sachbuchpreis, also Sachbuch des Jahres wurde, oder?

Speaker: Ja, das ist der erste Comic, der da auch nominiert war, glaube ich, genau.

Speaker: Ja.

Speaker: Sachcomics ist ja ein Sujet, also ist ein Genre, was in letzter Zeit immer mal wieder aufpoppt.

Speaker: Ist das was, wo ihr jetzt vielleicht auch in Zukunft einen größeren Blick drauf haben werdet?

Speaker: Also ich meine, man kann jetzt darüber streiten, ob ein autobiografischer Comic ein Sachcomic ist oder nicht.

Speaker: Ich würde sagen eher nein.

Speaker: Ja, wir fokussieren natürlich erstmal auf den Autor, die Autorin.

Speaker: Und wenn jemand kommt, also bei Uli ist es ja auch das Glück, finde ich, dass es Uli Lust ist.

Speaker: Eine Autorin, die hat schon einen Ruf, der voraus erinnert, die sich erarbeitet hat, also einen positiven

Speaker: Durch ihre Bücher wie vor, durch ihre Präsenz bei Surkamp auch.

Speaker: Also es ist jetzt nicht so, dass wir irgendeinen Sachcomic gemacht haben, der von irgendwoher kommt oder besitzt haben, sondern wir haben Uli dahinter.

Speaker: Und Uli ist ja auch dann für uns super hilfreich, das Buch einfach zu verkaufen, weil die auch Spaß hat, das zu vermitteln, Vorträge zu machen, Lesungen zu machen und so.

Speaker: Also ich sehe das eher als eine Autorin, die wir jetzt haben, glücklicherweise, und die hat einen Sachcomic gemacht.

Speaker: Und wir gucken nach wie vor nach Autorinnen und nicht nach Themen eigentlich.

Speaker: Es ist ein glücklicher Zufall in diesem Fall.

Speaker: Ja, okay.

Speaker: Das ist ja mal eine klare Aussage.

Speaker: In dem Zusammenhang...

Speaker: Ich habe es jetzt nicht verfolgt, ehrlich gesagt, aber habt ihr die Lizenz inzwischen auch schon verkauft ins Ausland?

Speaker: Also die Frau als Mensch, wird das auf Englisch, Französisch, wie auch immer erscheinen?

Speaker: Weißt du das schon?

Speaker: Ja, haben wir in noch nicht so viele Länder, aber in fünf oder sechs tatsächlich wird es bei in Frankreich bei Saela erscheinen, in Spanien bei Gabwix Books.

Speaker: Ich bin jetzt kurz davor einen Vertragsunterschreiben mit einem amerikanischen Sachbuchverlag, der es machen will, aber es ist noch nicht unter Dach und Fach.

Speaker: Ja.

Speaker: In Italien bei Coconino Press, in Polen bei Kultur Gnievo.

Speaker: Also es sind einige Länder und Verlage, mit denen wir eh schon viel zusammenarbeiten, die wir schon kennen und die auch Ulis Bücher schon vorher verlegt haben.

Speaker: Ist das inzwischen für Reprodukt für euch auch ein, ich sag mal, ein wichtiger Anteil der Kalkulation von so einer Eigenproduktion, dass ihr das ins Ausland bringt?

Speaker: Nee, es ist schwer kalkulierbar.

Speaker: Also wir hoffen immer drauf, aber ich rechne das jetzt bei einer Kalkulation nicht rein.

Speaker: Das ist eigentlich immer so ein Bonus und ist natürlich vor allem toll, wenn du jetzt junge Zeichnerinnen hast.

Speaker: Zum Beispiel haben wir Klaus Daniel Herrmann mit Pinke Monster.

Speaker: Das war sein Debüt bei uns, hat vorher bei Yaya vielleicht schon ein Buch gemacht gehabt.

Speaker: Aber der hat jetzt einen Vertrag bekommen von Mondadori, von einem italienischen...

Speaker: Großverlag, Konzernverlag eigentlich sogar und von IDW in Amerika.

Speaker: Und auch wenn er jetzt in Deutschland mit seinem Wohnen nicht so viel verkauft hat, ist das natürlich was, wo du recht hast, das fängt natürlich dann die Unkosten wieder auf und hilft einem, das Risiko zu tragen.

Speaker: Also das ist super.

Speaker: So weiß ich auch nicht, aber würde es mir auch mal interessieren, wie ihr das macht.

Speaker: Also wie vermittelt ihr denn eigentlich, verkauft ihr Lizenzen ins Ausland aktiv?

Speaker: Geht so, ehrlich gesagt.

Speaker: Also so richtig gut funktioniert hat es bisher nur bei Malcolm Max von Ingo Römling und der ist dadurch dann jetzt aber halt selber nach Frankreich abgewandert, wenn man so will, und arbeitet jetzt ja für den französischen Markt, sodass wir seine Sachen zurücklizenzieren.

Speaker: Ja, macht für ihn monetär wahrscheinlich Sinn, klar, ja.

Speaker: Ja, natürlich, das macht für ihn total Sinn.

Speaker: Das war auch immer sein Traum.

Speaker: Also das freut mich, freut uns definitiv sehr, dass er das jetzt so machen kann.

Speaker: Und ansonsten, wir haben halt nicht sehr viele Eigenproduktionen.

Speaker: Wir haben einen Lizenzkatalog, den wir immer wieder mal mitnehmen.

Speaker: Aber wenn es halt keine Graphic-Novel-Themen sind, also die so...

Speaker: Diese eher Genresachen, die wir so machen, die haben die Franzosen zum Beispiel halt größtenteils auch schon selbst.

Speaker: Also ihr habt da niemanden bei euch, der jetzt mal die französischen Verlage trifft, Angolem oder in Frankfurt und den Sachen auch präsentiert oder in der Agentur oder sowas macht die gar nicht?

Speaker: Bisher nicht.

Speaker: Bisher nicht.

Speaker: Das ist ein Thema, was Kirk Schulz immer mal wieder umtreibt.

Speaker: Ja, sollte er auch.

Speaker: Ja, gut.

Speaker: Kann ihn als Zeichner auch noch in zweiter Instanz sein, logisch.

Speaker: Nee, aber das läuft bei uns definitiv noch nicht so rund, aber wir haben auch bei Weipen nicht so viele Eigenproduktionen wie Reprodukt.

Speaker: Also das betrifft halt irgendwie im Jahr vielleicht zwei Bücher.

Speaker: Ja, okay, das ist nicht so viel.

Speaker: Sagen wir mal vier, fünf irgendwie, wenn es hochkommt.

Speaker: Und davon sind die meisten dann Fortsetzungen.

Speaker: Das ist einfach nicht so der große Anteil.

Speaker: Aber in dem Zusammenhang hatte ich jetzt nämlich noch, wir machen jetzt so ein lustiges Hin- und Hergeben von Fragen.

Speaker: Ihr macht ja beide Schienen sehr groß, sowohl Eigenproduktionen als auch Lizenztitel.

Speaker: Ich vermute mal, dass ich die Antwort weiß, aber trotzdem habt ihr da irgendwie so eine Quote, die ihr versucht aufrechtzuerhalten?

Speaker: Gibt es irgendwie so ein Halbjahr, im Halbjahr, wenn ihr die Programmplanung macht, gibt es da irgendwie so den Moment, wo ihr sagt, okay, wir haben jetzt irgendwie 50-50 erreicht und das können wir jetzt machen?

Speaker: Oder gibt es so den Moment, wo ihr sagt, oh, das sind zu viele Lizenztitel, das geht so nicht an?

Speaker: Ne, wir sind ja wirklich nach wie vor ein Comic-Entwicklungsland in Deutschland.

Speaker: Da bist du wieder bei Ingo.

Speaker: Hier kann man niemanden mit einem Comic beauftragen, der daran ein, zwei Jahre arbeitet wie einer langen Graphic-Novel und ihm das bezahlen.

Speaker: Also unsere Vorschüsse sind so wenig

Speaker: Vielleicht hoch bis 4000.

Speaker: Jetzt bei Uli Lust ein bisschen mehr, bei Isabel Kreitz ein bisschen mehr.

Speaker: Aber bei Isabel zum Ausstieg, die macht nebenher noch andere Jobs.

Speaker: Die zeichnet Käthe Kolbets Biografie für den amerikanischen Verlag oder macht Illustrationen für diesen Verlag.

Speaker: Also die lebt aus vielen Quellen.

Speaker: Und insofern ist es für uns so, dass wir mit deutschen Zeichnern schlecht planen können.

Speaker: Also ich kann kein Budget machen mit deutschen Produktionen.

Speaker: Wir sind mittlerweile zu der, oder schon lange eigentlich zu der, dazu gekommen, dass wir kurz bevor wir ein Programm zusammenzumachen, wir machen zwei Halbjahresprogramme, einmal Frühjahr, einmal Herbst und das Frühjahrsprogramm verabschieden wir im Oktober.

Speaker: Und wir haben sicherlich immer im Oktober einige Projekte mit deutschen Zeichnen am Laufen und müssen die dann fragen, was meint ihr?

Speaker: Seid ihr so weit, dass euer Buch in einem halben Jahr erschienen kann?

Speaker: Und dafür ist aber so, die Pi mal Daumen muss ein Dreiviertel des Comics eigentlich schon fertig gezeichnet sein.

Speaker: Dann kann man planen, dass es in vier, fünf Monaten realistisch ist zu erscheinen.

Speaker: Wenn es nicht erscheint, ist es einfach irgendwie von Schaden für das Buch, für den Autor und für den Verlag.

Speaker: Also das haben wir gemerkt, dass wir eben

Speaker: vertrieblich darauf hinarbeiten, dass dieses Buch erscheint durch die Vorschau, durch Social Media, dass Presse auf diesen Termin hinarbeitet und dann Artikel erscheinen sollen und wenn das Buch dann nicht erscheint, dann verpufft diese ganze Energie, in die man in dieses Buch steckt und insofern sind wir da sehr vorsichtig geworden und da können wir eigentlich nicht mit planen.

Speaker: Das ist der Vorteil in den Lizenztiteln, die sind meistens schon da oder wir wissen, die kommen dann vielleicht

Speaker: In diesem Jahr auf jeden Fall noch, wenn sie im Frühjahr erscheinen wollen.

Speaker: Das ist auch wieder wie bei euch, wie bei Splitter, denke ich.

Speaker: Damit können wir einfach ein Budget planen.

Speaker: Ich weiß, wie viele Bücher jeden Monat erscheinen und wie viele ich wahrscheinlich damit umsetze, aufgrund der Erfahrungssätze aus vorher.

Speaker: Und dann können wir Deutsche draufsatteln, aber Deutsche Titel, wie ich jetzt beschrieben habe, wir machen die gerne und möglichst viel, aber wir können damit nicht richtig kalkulieren, sondern wir können es nur so draufsatteln.

Speaker: Ja, also von der Quote weit entfernt, aber ihr macht ja dann doch relativ viele Eigenproduktionen in einem Lauf.

Speaker: Betreut ihr die relativ intensiv oder ist es eigentlich so, dass was Uli Lust jetzt, äh Quatsch, nee doch, Uli Lust jetzt gemacht hat, so der Standard, dass das quasi als Block en Block bei ihrem Server landet und dann guckt jemand drüber?

Speaker: Nee, das ist eigentlich nicht der Standard.

Speaker: Also es ist tatsächlich so, dass es von Mensch zu Mensch verschieden ist, was die Bedürfnisse sind.

Speaker: Also jemand wie Anna Haifisch

Speaker: Die Artist zeichnet, die fordert praktisch gar keine redaktionelle Rückmeldung ein.

Speaker: Die arbeitet mit Sascha Hummer manchmal, aber Sascha liest dann eigentlich nur drüber und macht so okay, okay, okay.

Speaker: Aber es gibt auch Projekte, zum Beispiel ist Kinderland ein gutes Beispiel,

Speaker: wo Marvel eine Dramaturgie haben wollte, die mit ganz vielen unvorhersehbaren Wendungen arbeitet und wo er auf jeder Seite, eigentlich am Ende der Seite, einen kleinen Cliffhanger war und wollte, dass man auf der nächsten Seite, also dass man unbedingt unten blättern würde.

Speaker: Also nach allen Regeln der Kunst, wie man einen Comic machen sollte.

Speaker: Genau, da hat er mit Michael Grönewald dran gearbeitet und sehr intensiv auch.

Speaker: Da war es zum Beispiel eine sehr intensive redaktionelle Begleitung.

Speaker: Und wir versuchen den Zeichnerinnen das zu geben, was sie meinen zu benötigen.

Speaker: Das ist aber auch eine Frage der Chemie, dass der eine mit dem anderen gut kann oder mit dem anderen nicht so gut.

Speaker: Aber genau, da versuchen wir auch die Bedürfnisse zu hören und denen entgegenzukommen.

Speaker: Das ist, glaube ich, auch so ein bisschen wie die Franzosen arbeiten.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Also das ist sehr, bei uns ist es relativ hands-off immer.

Speaker: Habe ich auch schon hier mit mehreren unserer Zeichnerinnen und Zeichner das besprochen.

Speaker: Ähm,

Speaker: Aber das ist mehr so wie nach dem franco-belgischen Prinzip.

Speaker: Anders als die Amerikaner, die vermute ich zumindest in den großen Studios mehr Vorgaben machen als Vorgaben erhalten von ihren Zeichnerinnen und Zeichnern.

Speaker: Nee, aber das klingt doch...

Speaker: Das klingt eigentlich ganz schön.

Speaker: Was wir auch machen zum Beispiel, das machen wir tatsächlich gerade in 14 Tagen, wir bieten einen Dramaturgie-Workshop an.

Speaker: Diesem hier heißt es ein Storytelling-Workshop.

Speaker: Wir haben jetzt im Moment, weiß nicht, so vielleicht ein Dutzend Projekte mit deutschen Zeichnern gerade gemacht.

Speaker: am Laufen und natürlich ergeben sich immer so Fragestellungen an Projekten, an denen man arbeitet.

Speaker: Und jetzt machen wir über ein Wochenende einen Workshop mit Markus Huber, der unterrichtet am Mutesus-Institut in Kiel.

Speaker: ein Workshop zum Thema Storytelling, wo dann die Zeichnerinnen aufgefordert werden, die Fragestellungen zu ihrem Projekt zu überlegen und dann kommen sie nach Berlin für ein Wochenende und wir machen zwei Tage Workshop und das ist das, was ich zu Anfang aus sagte, nur dann sind wir alle jetzt zusammen hier und haben eben auch so einen Austausch miteinander und hoffen dann auch ein bisschen so ein Wir-Gefühl zu erreichen, was einfach nicht schön ist.

Speaker: Für uns als Verlag ist es super, weil alle, die zumindest Lust haben, sich dafür zu interessieren oder sich informieren wollen, die können dann auch zum Workshop stoßen und

Speaker: sich dann auch mit an dem Austausch, an der Diskussion über die Arbeiten beteiligen und sind dann gleichzeitig informiert, wie zum Beispiel der Pressemann, der dann schon weiß, was kommt.

Speaker: Das ist aber eben auch immer ein großer Spaß, weil man eben Zeit zusammenbringt, abends zusammen isst und sich kennenlernt und da ist man sehr dankbar.

Speaker: Ja, sehr cooles Konzept.

Speaker: Funktioniert auch dankbar.

Speaker: Also ich glaube, ich lege mal meine Hand in Feuer, würde ich sagen, wenn ihr nicht in Berlin sitzen würdet, wäre das schwierig.

Speaker: Das stimmt, ja.

Speaker: Wobei einige anreisen, muss ich sagen.

Speaker: Wobei Künstlerinnen, die in Münster, in Hamburg natürlich sowieso oder auch in München sitzen, die tatsächlich kommen und die dann die Reise auf sich nehmen, ja.

Speaker: Ja, okay.

Speaker: Trotzdem, ja, ja, schön.

Speaker: Trotzdem ist Berlin natürlich vergleichsweise gut erreichbar.

Speaker: Das klingt wirklich, das klingt wirklich, das ist nicht öffentlich.

Speaker: Da könnten jetzt nicht Hörerinnen und Hörer von... Nee, das ist leider nicht öffentlich.

Speaker: Wir haben einen Tag der offenen Tür am 26.

Speaker: Verlage besuchen, heißt das.

Speaker: Aha.

Speaker: Am 26. was?

Speaker: Genau.

Speaker: Der ist bei uns auf der Website reprodukt.com.

Speaker: Unten gibt es Termine, da ist das angezeigt.

Speaker: Da kann man sich anmelden zum Verlagebesuchen.

Speaker: Ihr habt es gehört.

Speaker: Den Link zur Website findet ihr in den Shownotes.

Speaker: Könnt ihr mal reinschauen.

Speaker: Das klingt echt ganz cool.

Speaker: Schick.

Speaker: Ich habe, ja, genau.

Speaker: Uns kann man noch nicht besuchen.

Speaker: Vielleicht ändert sich das auch in Zukunft noch ein bisschen.

Speaker: Aber nach Bielefeld kommen die Leute halt auch nicht so oft.

Speaker: Wir haben auch nicht so ein großes Einzugsgebiet.

Speaker: Ich werde mal rumkommen demnächst.

Speaker: Ah, okay.

Speaker: Ja, sag Bescheid, dass wir nochmal aufräumen können.

Speaker: Okay.

Speaker: Ich würde gerne noch so ein bisschen den ein oder anderen Schwank aus deiner bewegten Verlagshistorie gerne abfragen, sage ich mal, oder wenn du mit uns treten willst.

Speaker: Ich hatte ja schon den ein oder anderen Verleger hier und das sind immer so ein paar Fragen, die ich gerne stelle.

Speaker: weil ich glaube, dass das viele Hörer und Hörer auch interessiert.

Speaker: Du musst dich da jetzt nicht unbedingt auf eine Antwort jeweils beschränken, aber einfach, um mal so ein Gefühl zu haben, denn ich glaube, es gibt wirklich, ich habe es am Anfang mit der Lobhudelei gesagt, aber ich glaube, es gibt wirklich wenige Menschen in Deutschland, die so lange durchgängig Comics gemacht haben wie du oder in dieser Szene unterwegs sind.

Speaker: In diesen 34 Jahren Verlegertum, ja,

Speaker: Was ist denn so, gab es so den einen oder anderen Moment, die so richtige Sternstunden waren, so ein großes Highlight, wo du dachtest, was mache ich hier jetzt eigentlich gerade?

Speaker: Kann das wahr sein?

Speaker: Ist das Traum oder ist das Realität?

Speaker: Ja, das gibt es immer wieder.

Speaker: Tatsächlich fällt es mir schwer, so Punkte zu erinnern.

Speaker: Als ich das gelesen habe, was du beschrieben hast, dachte ich mir, eine Sache, die wirklich bedeutend war, glaube ich, nicht nur für mich, sondern für alle im Verlag, die da gearbeitet haben zu der Zeit, das war glaube ich 2010, als wir Jimmy Corrigan verlegt haben.

Speaker: Das war so ein Buch, das schwirrte uns, glaube ich, allen oder jetzt speziell mich und mir über Jahre im Kopf herum und wir dachten, das ist unübertragbar.

Speaker: Und es war auch wirklich eine Riesenarbeit, dieses Buch zu übertragen, weil in dem Buch von Chris Ware, Jimmy Corrigan, gibt es ganz viele Texte, die fast versteckt sind.

Speaker: Es gibt extra kleine Sprechbladen, ganz wenige Buchstaben drin.

Speaker: Also man musste die Texte wirklich aufs Essenzielle immer runterkürzen und man dachte, es ging nicht, auch herstellerisch eben kaum, dass man eben so Zeitungsartikel übersetzt und lettert.

Speaker: Und ich glaube, Michael Hau, der Lettterer, hat mit der Lupe gearbeitet zum Teil auch.

Speaker: Ich weiß gar nicht, wie er das gemacht hat, aber

Speaker: Er hat es jedenfalls überlebt und wir haben dieses Buch gehabt und es war fantastisch, das zu haben.

Speaker: Das eine und das andere, das eine war eben, es war toll, dieses Buch zu haben und es funktionierte, als es da war, irgendwann 2000, weiß ich nicht, früher war es, glaube ich, und Chris Ware war in Berlin und hat das Buch auch präsentiert, zusammen mit einem Grafiker aus Berlin.

Speaker: Und wir dachten, jetzt haben wir einen riesen Bestseller, weil es uns erst in den Händen gerissen wurde und wir haben tatsächlich schon für uns verhältnismas viel gedruckt.

Speaker: 5000 Stück oder so, die waren dann weg.

Speaker: Und ich war so, ah super, jetzt funktioniert endlich Comic in Deutschland, jetzt drucken wir nach und haben dann 8000 nachgedruckt und als die dann da waren, kamen die 5000 wieder zurück so ungefähr.

Speaker: Das war so ein Backlash, super, super hart.

Speaker: Also das ist

Speaker: hat mich auch lange Jahre traumatisiert.

Speaker: Auch jetzt bei Ullis Buch eben nochmal zu dem Song.

Speaker: Jetzt wirklich nachdrucken, kommen die vielleicht doch wieder zurück.

Speaker: Aber man kann sowas nicht so richtig vorhersagen.

Speaker: Ja, und um jetzt vielleicht bei Chris Wehr zu bleiben, das war auch total schön.

Speaker: Chris Wehr war im April, glaube ich, oder im März, war da zum Graphic Novel Salon in Hamburg zu Besuch.

Speaker: Andreas Plathaus hat ihn eingeladen, wohl über Jahre.

Speaker: Und jetzt hat Chris endlich mal zugesagt.

Speaker: Und das war ein ganz schöner Auftritt von Chris zusammen mit Hannah Brinknern auf der Bühne und irgendwann später am Abend, als wir kurz davor waren und uns verabschieden, meinte er, can I hug you?

Speaker: Das ist super.

Speaker: Also wenn Chris Werner nicht kennt, Chris wirkt irgendwie so ein recht distanzierter Mensch.

Speaker: Wenn man Jerry Corrigan mal gelesen hat, hat man das Gefühl, dass dieser Mensch gerne Leute umarmt.

Speaker: Genau, und ich meine, es ist auch so, dass ich Chris alle fünf, sechs, sieben Jahre mal sehe, aber man eben nicht über diesen langen Zeitraum immer gesehen hat und

Speaker: offenbar weiß er vielleicht auch ein bisschen, was ich mache.

Speaker: Ich weiß auf jeden Fall, was er macht.

Speaker: Und es war total schön.

Speaker: Ja, klar.

Speaker: Aber ja, ich war eben auch ja so aus der Menge Can I hug you?

Speaker: Okay.

Speaker: Sowas ist ganz schön.

Speaker: Aber genau, es ist eben dieses Zusammenarbeiten mit den Zeichnerinnen, was er sehr dankbar ist.

Speaker: Das Vertrauen, dass man sich erarbeitet über die Jahre.

Speaker: Dass wir eben alle wissen, wir arbeiten für den Comic, wir arbeiten jetzt nicht für riesengeldende Tasche, sondern wir machen das, weil wir dieses Medium lieben.

Speaker: Das ist nicht die Antwort, die ich erwartet hätte, dass Jimmy Corrigan jetzt so ein Thema war.

Speaker: Habe ich da nie drüber nachgedacht.

Speaker: Ich hatte den Comic auf Englisch gelesen, deshalb eure Veröffentlichung nicht mehr beobachtet oder mir weiter Gedanken darüber gemacht.

Speaker: Aber ja, wenn ihr Hörerinnen und Hörer mal einen wahnsinnig handwerklich dichten Comic euch anschauen wollt, dann schaut mal in Jimmy Corrigan rein.

Speaker: Das ist...

Speaker: auch weniger eine Story als ein Erlebnis, wenn man so will.

Speaker: Zumindest wenn ich es richtig erinnere.

Speaker: Ist jetzt auch schon ein bisschen her, dass ich das gelesen habe.

Speaker: Es hat eine Story, ja klar.

Speaker: Aber die ganzen... Der hat da doch auch noch so Werbematerial.

Speaker: Also so Fake-Ausschneide- Passagen und Bastel-Anleitungen für irgendwelche Sachen mit reingedruckt.

Speaker: Ja, aber es geht hauptsächlich um die Beziehung zwischen Vater und Sohn.

Speaker: Zwischen Sohn und Vater.

Speaker: Zwischen Jimmy und seinem Vater, ja.

Speaker: Ja, also tolles Buch, sehr spannend zu lesen.

Speaker: Aber wie gesagt, war jetzt nicht ganz die Antwort, die ich erwartet habe.

Speaker: Umgekehrte Frage allerdings.

Speaker: Du hast jetzt natürlich einen Rückschlag schon vorweggenommen.

Speaker: Aber gab es denn auch noch andere Momente, wo du umgekehrt dachtest, was mache ich eigentlich hier um Gottes Willen, wo habe ich mich da reinbegeben?

Speaker: Oder was passiert ja jetzt eigentlich gerade im negativen Sinne?

Speaker: Ja, das könnt ihr wahrscheinlich auch teilen, wahrscheinlich Dirk und Horst mehr als du, aber man ist ständig in so einer Wellenbewegung.

Speaker: Also ich bin immer himmelhoch jaust und zu Tode betrübt.

Speaker: Das ist einfach sehr, sehr schwer zu bestehen, weil man nie so richtig weiß, was kommt.

Speaker: Und auch so einen großen Erfolg wie jetzt mit Udis Buch,

Speaker: bringt natürlich auch, also es hilft sehr, zum Beispiel wir können jetzt Lizenzen in die Zukunft finanzieren, wir können Lizenzzahlungen aus der Vergangenheit ableisten und so, aber wir wissen natürlich nicht, ob wir auf diesem Niveau bleiben können.

Speaker: Ich habe zum Beispiel jetzt die Helder angehoben und das kann sein, dass wir in ein paar Monaten dann wieder wie

Speaker: um das Geld zusammenzubekommen.

Speaker: Also es ist einfach eine, ja, es ist sehr schwer vorherzusagen, was passiert in dem Comic.

Speaker: Und grundsätzlich bin ich aber optimistisch, weil ich habe das Gefühl, wir wachsen jedes Jahr umsatztechnisch ein paar Prozent und das Interesse wächst.

Speaker: Und gerade jetzt dieses Jahr, habe ich das Gefühl, wenn wir Verkaufsveranstaltungen machen, dann ist da sehr viel mehr los, als okay, weil sie das Jahr zuvor oder vor zwei Jahren, sagen wir, das Interesse haben.

Speaker: Und die Offenheit gegenüber Comics in der Gesellschaft einfach nie sich verändert.

Speaker: Also da bin ich eigentlich ganz optimistisch, dass das funktioniert.

Speaker: Ich hoffe, ihr macht ja ähnliche Erfahrungen, aber ja.

Speaker: Aber trotzdem bleibst du bei diesem Begriff des Entwicklungslandes?

Speaker: Ja, also ich würde es immer mit, ich muss es irgendwie immer mit Frankreich vergleichen.

Speaker: Und wenn du in Frankreich in einen Laden gehst, wie jetzt Fnack oder so zum Beispiel, dann hast du halt das, was bei, keine Ahnung, was das bei Talia ist,

Speaker: Reisen oder Biografie.

Speaker: Du hast eben einen ganzen Raum für Comics mindestens.

Speaker: Eine Flächenpräsentation, wo du ganz viele Cover siehst und hast nicht so einen kleinen versteckten Tisch wie bei Talia, auf dem dann drei oder vier kleine Stab liegen.

Speaker: Und der Rest ist dann mit dem Buchrücken im Regal.

Speaker: Also es ist einfach eine andere Kultur.

Speaker: Ich glaube, wir bewegen uns da hin, aber eben so im Schneckentempo

Speaker: Und wir sind leider immer noch, finde ich, hinter Italien und Spanien auch.

Speaker: Also wenn du in Italien oder in Spanien unterwegs bist, ist Comics immer noch präsenter als bei uns.

Speaker: Aber ich glaube, wir kommen da hin.

Speaker: Aber dafür, denke ich, ist es ganz wichtig, dass wir, oder ihr hoffentlich auch, dann einfach mit deutschen Zeichnerinnen arbeitet, die einfach dann eine andere Präsenz bekommen durch Lesungen und eben Comic weitertragen.

Speaker: Also das finde ich bei uns jetzt gerade im Moment.

Speaker: Die jungen Zeichnerinnen, so Noelle Kröger, Klaus Daniel Herrmann, Lico Bolduan, die sind irre...

Speaker: umtriebig und machen Lesungen überall und tragen den Comic in die deutsche Buchlandschaft auch so.

Speaker: Das ist super.

Speaker: Also du siehst schon eine positive Entwicklung zumindest.

Speaker: Absolut, absolut.

Speaker: Kannst du irgendwie oder hast du eine Theorie oder eine Beobachtung, woran genau du das festmachen würdest, woran es liegt?

Speaker: Liegt es an bestimmten Genres?

Speaker: Liegt es, wie du gerade sagtest, daran, dass die Personen, die AutorInnen immer präsenter sind,

Speaker: Ich nehme jetzt einfach mal eine Antwort aus meiner Sicht nämlich vorweg.

Speaker: Ich finde diese Beobachtung, dass die Macherinnen und Macher irgendwie mehr als Personen mehr Anklang finden, finde ich sehr interessant und würde ich definitiv unterstreichen und ist auch was, was der Buchhandel, glaube ich, sehr mitunterstützt oder mittragen würde.

Speaker: Ich hatte jetzt gerade nämlich erst vor ein paar Tagen...

Speaker: so ein Treffen mit ein paar Buchhändlerinnen, Buchhändlern, wo halt auch ganz klar gesagt wurde, die Menschen interessieren sich für die Leute hinter den Büchern.

Speaker: Also Bücher an sich sind auch schön und gut, aber man will halt irgendwie aus Lesersicht jetzt vor allem auch wissen, wer hat das eigentlich gemacht und warum und kann man die mal sprechen, kann man die mal anfassen sozusagen.

Speaker: Ja, jetzt habe ich die Frage, glaube ich, selber beantwortet und ein Stück weit und dir den Redestein genommen.

Speaker: Also nochmal, ich drehe nochmal kurz zurück.

Speaker: Ich würde sagen, es geht nochmal Hand in Hand mit dem, was wir vorhin auch schon hatten, mit den Themen.

Speaker: Der Urban Verlag macht das sehr gut, finde ich.

Speaker: Johannes macht es sehr gut.

Speaker: Der arbeitet mehr mit Themen als schon mit Autoren.

Speaker: Aber es sind eigentlich immer Themen, oftmals auch politische Themen, die er durch deutsche Zeichnerinnen verhandeln lässt und

Speaker: Also das sind, glaube ich, bei ihm jetzt keine Aufträge, sondern das sind Zeichner, die kommen mit diesen Themen zu ihm und das ist dann nochmal dankbarer, wenn du zu einer Buchhandlung sagst, wir haben hier einen Zeichner mit dem und dem Thema.

Speaker: Zum Beispiel hat der Marius, in dem Nachnamen komme ich jetzt gerade rein, der hat ein Buch gemacht, Arlo und Gespenster, was in der Lübecker Bucht spielt.

Speaker: Und um den Untergang eines, wie heißt dieses Schiff?

Speaker: Ich hab's gerade nicht drauf.

Speaker: Aber das ist so ein regionales Thema eigentlich, was an der Ostsee in der Lübecker Bucht spielt.

Speaker: Und das ist natürlich super, damit nach Lübeck zu gehen oder eben in die Kiel auch, keine Ahnung, da auch in die Gegend und das Buch zu präsentieren.

Speaker: Und da hast du auch

Speaker: einen interessanten Menschen, der sich für dieses Thema leidenschaftlich interessiert und du hast eben dieses Thema und kannst da so andocken und machst da Comic einfach wie Nahbarer irgendwie so, ne?

Speaker: Also, dass die Leute merken, wie bei Uli Lust auch, ah ja, das kann man ja auch als Comic machen.

Speaker: Oder dann irgendwann vergessen die vielleicht sogar, dass es Comic ist und das ist ganz klar.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Das könnte ich mir nämlich bei Uli Lusts Buch, jetzt wo du es sagst, tatsächlich ganz gut vorstellen.

Speaker: Abgesehen davon, dass sehr viel Text drin ist auch einfach.

Speaker: Man nimmt es streckenweise vielleicht dann gar nicht mehr so sehr als Comic wahr, was auch irgendwie eine Kunst ist.

Speaker: Also positive Entwicklungen aus verschiedenen Gründen, wenn man so will.

Speaker: Auf jeden Fall.

Speaker: Da finden wir zwei gute Gründe.

Speaker: Das sind zwei gute Gründe.

Speaker: Wahrscheinlich sind es nicht alle.

Speaker: Falls ihr zu dem Thema Beobachtungen habt, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, schreibt uns das auf jeden Fall.

Speaker: Das ist noch wichtiger als die erste Frage, die ich vorhin gestellt habe.

Speaker: Das interessiert beide Dirks und auch mich.

Speaker: ob ihr da eine präzise Antwort so habt.

Speaker: Eine Antwort, um die ich dich jetzt noch bitten würde, es gibt ja in jedem Verlagsprogramm so den einen oder anderen Titel, der

Speaker: wo man selber sagen würde, das ist eigentlich was, was jede Person lesen sollte, das ist eigentlich das Ding des letzten Jahrzehnts und irgendwie will es dann trotzdem niemand kaufen und dann dementsprechend wahrscheinlich auch niemand lesen.

Speaker: Was wäre das denn beim Reprodukt Verlag oder aus eurem Programm oder vielleicht irgendein Titel, der dir besonders am Herzen liegt, den du jetzt unseren Hörerinnen und Hörern mal so vorschlagen möchtest, wo du sagst, das ist ein absolutes Kleinod und irgendwie hat es niemand mitbekommen?

Speaker: Oh, da gibt es natürlich viele, die einfach so unter dem Radar bleiben.

Speaker: Aus unserem letztjährigen Programm würde ich auf jeden Fall sagen, das ist Meute von Noel Kröger.

Speaker: Das ist eine Hamburger Zeichnerin, die auch bei Anke Feuchtenberger steht hat.

Speaker: Und Meute gibt es um das Thema...

Speaker: Transsexualität würde ich sagen, das an einem Werwolf oder einer Meute von Werwölfen behandelt wird und das macht sie sehr stimmungsvoll, also in großartigen Zeichnungen und Farben auch, so ein bisschen auch tatsächlich an vielleicht Tardie gemahnt, so im Ausdruck her, sehr, sehr dicht und einfach toll erzählt.

Speaker: Also das kann ich auf jeden Fall total empfehlen.

Speaker: Noelle arbeitet gerade auch an ihrem nächsten Buch, das Unterwasser spielen soll und ist gleichzeitig auch beim Comicfestival Hamburg aktiv in der Leitung.

Speaker: Also ist auch jemand, der sich einfach für Comics einsetzt.

Speaker: Also ich glaube, für mich ist es eine der größten Hoffnungen des deutschen Comics.

Speaker: Ah, interessant.

Speaker: Schön.

Speaker: Dass da noch viele spannende Sachen von ihr kommen.

Speaker: Noelle ist auch jemand, der einfach dem Comic wirklich sehr verhaftet ist.

Speaker: Das spürt man eigentlich immer, wenn man mit ihm, mit ihr spricht.

Speaker: Ja.

Speaker: Ihr habt es gehört.

Speaker: Ich habe den Comic auch gelesen, aber ich musste, als ich den in der Hand hielt, dachte ich mir auch so ein bisschen, das ist aber nicht sehr zugänglich so für die Allgemeinheit.

Speaker: Also nicht böse gemeint, ne?

Speaker: Ich meine, ich war ja inzwischen auch irgendwie durch die Arbeit bei Splitter einen sehr speziellen, einen eigenen, sehr geprägten Blick, sag ich mal, auf Bücher, auf Comics.

Speaker: Aber ich unterschreibe alles, was du gerade gesagt hast bezüglich der Stilbeschreibung und des Themas, aber ich hatte das so in der Hand und dachte, hui.

Speaker: Ja, muss man sich vielleicht ein bisschen auf einlassen.

Speaker: Also mich hat es angesprochen sofort.

Speaker: Also ich bin dafür empfänglich.

Speaker: Für den Stil und Ausdruck und die Farben und alles, ja.

Speaker: Es ist kunstvoll gemacht.

Speaker: Das ist ein super interessantes Thema.

Speaker: Es ist sehr gut erzählt.

Speaker: Ist das ihr Erstlingswerk tatsächlich?

Speaker: Nee, sie hat eine Brecht-Adaption schon mal gemacht, die wir damals abgelehnt haben, aber die beim amerikanischen Verlag erschienen ist.

Speaker: Naja, gut, auch nicht schlecht.

Speaker: Umgekehrte Frage.

Speaker: Gibt es einen Titel oder gab es Titel, wo du dachtest, dass die deutlich schlechter laufen, als sie dann gelaufen sind?

Speaker: Also so Überraschungserfolge, sage ich mal.

Speaker: die du zugeben möchtest, wenn du jetzt sagen willst, nein, wir werden mal beeintreten, klar, die sind super.

Speaker: Ich hab's vorhin ja von Genossen Kuckuck schon gesagt, also bei Genossen Kuckuck hätte ich nicht erwartet, dass wir tatsächlich 7000 Stück davon verkauft und vorher war das sowas bei Arke Feuchtenberger eher so Auflagen von

Speaker: 1200 2000 gemacht haben und sie ihr Publikum hat, aber das nie darüber hinaus gegangen ist.

Speaker: Und diese Nominierung für den Preis der Deutschen der Leipziger Buchmesse, die das Buch erfahren hat, hat Anke eben auch ein ganz anderes Publikum gefunden.

Speaker: Und das Thema ist eigentlich eine Jugend, ein Aufwachsen in Ostdeutschland, im Dorf in Ostdeutschland, Meckbom.

Speaker: Und das hat dann plötzlich irgendwie Anklang gefunden.

Speaker: Und das fand ich ganz faszinierend, dass man eben

Speaker: Anke ist nochmal, finde ich, erzählerisch sperriger als Noel Krüger, weil Anke sich ihre Sachen kodiert.

Speaker: Man muss sich da sehr mit beschäftigen, wenn man es überhaupt verstehen kann, wie sie schreibt und zeichnet.

Speaker: Aber sie ist grafisch einfach packend, finde ich.

Speaker: Und das war ein sehr, sehr positives Erfolgserlebnis.

Speaker: Also auch für Anke vor allen Dingen natürlich.

Speaker: Ja, vor allem auch für die Editionsform.

Speaker: Fast 500 Seiten, schwarz-weiß.

Speaker: Ja, 44 Euro.

Speaker: 44 Euro mit Goldschnitt, glaube ich.

Speaker: Ich gucke gerade in mein Regal.

Speaker: Das ist ein wunderschönes Buch.

Speaker: Es ist ein Objekt.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Gute Beschreibung.

Speaker: Es ist ein Objekt.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Also ja, das ist Haptik, darum ging es auch ganz stark.

Speaker: Aber das ist eben so funktioniert und tatsächlich irgendwie, Käufer, ich weiß nicht, ob das viele dann gelesen haben, wirklich, aber dass man dafür ein Interesse findet.

Speaker: Ja, ja, ja.

Speaker: Ich habe es gelesen.

Speaker: Ich fand es auch keine leichte Lektüre, aber ich habe es gelesen.

Speaker: Da dachte ich nämlich auch, als ich die Werte gelesen habe, das ist eigentlich so ein Thema.

Speaker: Meine Mutter liest ganz gerne so autobiografische Comics aus Deutschland, sage ich mal.

Speaker: Die fand damals Heimat von...

Speaker: Nora Krug, ja.

Speaker: Dankeschön, ich wollte gerade irgendwas mit Krüger sagen.

Speaker: Ne, genau, Nora Krug, super, weil es auch tatsächlich um die Region geht, in der meine Mutter selber auch aufgewachsen ist.

Speaker: Oh, okay, ja.

Speaker: Ja, ja, genau, seitdem hat sie da ein leichtes Fable für, für diese Art von Comic, weil sie so da sich irgendwie reinfinden kann, auch wenn es dann nicht Heimat ist, sodass es halt auch irgendwie im Bergischen spielt.

Speaker: Aber ich habe genossen, guckend, die sind nach so, hm,

Speaker: Ich glaube, das könnte sie überfordern.

Speaker: Ja.

Speaker: Als jemand, der Comics jetzt nicht so liebt, sage ich mal.

Speaker: Insofern ja, berechtigte Frage, ob die Leute, die es gekauft haben, es auch gelesen haben.

Speaker: Ich habe es jetzt mehrfach erwähnt, ihr seid jetzt 34.

Speaker: Das heißt, 2026 ist mal wieder so ein halbrundes Jubiläum.

Speaker: Präprodukt wird 35.

Speaker: Werdet ihr euch das irgendwie feiern?

Speaker: Werdet ihr da irgendwie was machen, was du jetzt schon erzählen kannst?

Speaker: Vielleicht in Erlangen, vielleicht in Berlin, wie auch immer?

Speaker: Noch nicht so richtig konkret.

Speaker: Also wir haben mal angefangen darüber zu sprechen.

Speaker: Wahrscheinlich machen wir zur Comic Invasion im Mai eine Party, eine Geburtstagsparty sozusagen.

Speaker: Vielleicht am Freitag davor oder am Samstagabend, das weiß ich noch nicht genau, aber das ist eigentlich das.

Speaker: Aber ich denke, so größere Festivitäten bewahren wir eher bis zum 40.

Speaker: Jubiläum auch.

Speaker: Ja, gut.

Speaker: Mal schauen.

Speaker: Party in Erlangen ist auch eine gute Idee, aber haben wir noch nicht konkret besprochen.

Speaker: Hat ja auch noch ein bisschen Zeit.

Speaker: Hat ja auch noch ein bisschen Zeit.

Speaker: Und dann gib uns aber doch nochmal einen kurzen Ausblick auf die nächsten Erscheinungen bei euch.

Speaker: Gibt es irgendein Buch, was du jetzt schon mal im Voraus für unsere Hörerinnen und Hörer irgendwie besonders empfehlen möchtest?

Speaker: Oder irgendein Buch von Reprodukt, auf das du persönlich dich sehr freust, dass das demnächst erscheinen wird?

Speaker: Ich freue mich immer auf alle Bücher.

Speaker: Ich wusste, dass du das sagst.

Speaker: Muss ich ja sagen, ist auch so.

Speaker: Das sind ja alles die Kinder, die man dann neu in die Welt setzt im Nächsten.

Speaker: Auf eine Art.

Speaker: Naja, da sind aber viele dabei.

Speaker: Also ich bin jetzt eigentlich immer das, an dem ich aktuell arbeite, das ist nämlich das, was mir Spaß macht und

Speaker: Das sind so mehrere Leidenschaften.

Speaker: Ich bin bei uns derjenige, der eigentlich die Manga-Reihe vor allen Dingen verantwortet.

Speaker: Also eigentlich nicht vor allem.

Speaker: Ach, wirklich?

Speaker: Und das macht mir sehr viel Spaß, das so langsam auszubauen und Autoren zu suchen und zu finden.

Speaker: Aber eigentlich sind das Autoren, die mir schon lange mit mir

Speaker: rumschwingen auf eine Art.

Speaker: Und da sind es im nächsten Jahr Shinji Abe, das ist einer aus der Ga-O-Generation, der zeichnet ein bisschen wie Jack Kirby oder Raymond Pettibon, der ganz intensive Geschichten aus dem Alltag macht.

Speaker: Und eine andere Zeichnerin, Akino Kondo, das ist eine Japanerin, die ist ein bisschen jünger, die ist so Anfang 40, die lebt in New York und von der machen wir

Speaker: so New Yorker Tagebuchartige Geschichten.

Speaker: Wir haben den Titel für das Buch noch nicht, aber es geht darum, das ist so ein bisschen wie Lost in Translation umgekehrt, dass eine Japanerin eben nach New York zieht und dann schreibt und zeichnet, was sie erlebt und was so besonders ist aus japanischen Augen heraus auch in New York.

Speaker: Das sind so zwei Sachen, die

Speaker: mir gerade Spaß machen, mit denen zu denken und die Beziehung auch zu den Verlagen und zu den Autoren mit Aquino zum Beispiel dann direkt aufzubauen.

Speaker: Und mit Anke machen wir der Spalt in der erweiterten Version.

Speaker: Das ist ein Buch, was bei

Speaker: Museum Villa Stuck erschienen ist vor, glaube ich, zwei Jahren.

Speaker: Ein sehr großformatiges Heft, das damals eine Geschichte enthalten hat.

Speaker: Wir machen es ja als 100-seitiges Buch, das so mehrere Kurzgeschichten von ihr auch in Farbe enthält.

Speaker: So großformatig in nicht ganz A3, aber relativ groß.

Speaker: Da

Speaker: Das wird ein Spaß.

Speaker: Ein Comic, der mich seit den 80er Jahren begeistert und der kommt jetzt endlich heim zu sagen, das ist From Hell machen wir im nächsten Frühjahr auch.

Speaker: Ihr macht From Hell.

Speaker: Hättet ihr gerne gemacht, aber wir machen das jetzt.

Speaker: Nee, nee, nee, nicht gerne, aber wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir das machen wollen.

Speaker: Ja, ich auch.

Speaker: Voller Transparenz, ich war einer von den Leuten, die gesagt haben, nein, weil ich From Hell immer katastrophal langweilig war.

Speaker: Ich fand es total spannend, genau, entgegensetzt.

Speaker: Wirklich spannend im Sinne von spannend?

Speaker: Diese ewig langen Stadtpassagen, wo sie in der Kutsche da irgendwie durch die Gegend gondeln?

Speaker: Total spannend.

Speaker: Ich weiß nicht.

Speaker: Genau, und da sitzen wir gerade dran, also wir arbeiten die Version, die Gerlinde Althoff, aber wir arbeiten gerade in Übersetzung, die sie gemacht hat, damals für Speed, vor, weiß ich auch schon, 30 Jahren wahrscheinlich.

Speaker: Ja.

Speaker: Und wir wollen das hart dattern lassen, also so eine definitive Ausgabe machen davon hoffentlich, ja.

Speaker: Oh, schön.

Speaker: Okay, aber das erschließt sich wieder ein Stück weiter.

Speaker: So viel Aufwand hätten wir natürlich nicht betrieben.

Speaker: Das wertet es dann natürlich nochmal deutlich auf.

Speaker: Cool.

Speaker: Da freue ich mich jetzt auch schon drauf.

Speaker: Ich sage mal, nicht es zu haben, aber es zu sehen.

Speaker: Ich habe From Hell hier im Regal, so ist es nicht, aber es ist eine englische Ausgabe.

Speaker: Aber

Speaker: Ja, na klar, ich habe es auch nicht auf Englisch gelesen.

Speaker: Ich kann nicht behaupten, dass ich es wirklich gern gelesen habe.

Speaker: Ich habe damals noch die einzelnen, es gab ja so kleine Alben, die man nicht auf das nächste Kapitel warten konnte.

Speaker: Das hat um 10 Jahre gedauert.

Speaker: Es wurde eine Zeitung von 10 Jahren veröffentlicht.

Speaker: Das war fürchterlich.

Speaker: Fürchterlich, ja.

Speaker: Okay, sorry.

Speaker: Anderes Thema.

Speaker: Ja, cool.

Speaker: Aber dann hast du uns ja echt schon mal einen kleinen Ausblick gegeben.

Speaker: Vielen Dank dafür.

Speaker: Ja, gerne.

Speaker: Zum Abschluss habe ich wie immer ein paar Fragen im Gepäck, um deinen Lesegeschmack noch mal ein bisschen kennenzulernen und auch unseren Hörerinnen und Hörern noch ein paar Empfehlungen sozusagen mitzugeben.

Speaker: Aber alle meine Gäste haben auch noch die Gelegenheit zu einer Gegenfrage, wenn sie möchten.

Speaker: Wenn du also noch was loswerden willst, dann wäre jetzt die Gelegenheit und wenn nicht, ist auch nicht schlimm.

Speaker: Ja, was hast du von David Barzer gelernt, als du bei deiner Praktikum gemacht hast?

Speaker: Okay, ja, interessant.

Speaker: Die Frage habe ich nicht kommen sehen.

Speaker: Ja, genau, also ich habe, viele Hörerinnen und Hörer, habe das bestimmt schon mal mich sagen gehört, ich habe nach dem Studium bei David Basler in der Edition Moderna in Zürich ein dreimonatiges Packetum gemacht.

Speaker: Inzwischen ist David Basler in Rente, wohlverdienterweise.

Speaker: Tatsächlich, also einerseits, glaube ich, so eine gewisse Schweizer Entspanntheit,

Speaker: Die hatte er immer.

Speaker: Das hat mir damals sehr gefallen, weil ich irgendwie dachte, mit Büchern arbeiten muss viel angespannter sein.

Speaker: Und das war auch so ein Grund, weshalb ich danach gesagt habe, auch Verlagsbranche ist vielleicht gar nicht so schlecht, weil er halt eine sehr, nicht unprofessionell, nicht unterspannt, aber eine sehr, du kennst ihn ja auch, ne?

Speaker: Ja, ja, klar.

Speaker: Eine sehr ruhige Art und Weise an alles rangebracht hat.

Speaker: Und was mir damals halt sehr gefallen hat, ist das, was auch bei dir jetzt oft, jetzt gerade so in der letzten Stunde angeklungen ist.

Speaker: Die Edition Moderne, ich weiß nicht genau, wo sie jetzt sitzen, aber damals waren die ja in diesem Atelier.

Speaker: diese Ateliergemeinschaft auch mit mehreren IllustratorInnen zusammen und mit Kathi Rickenbach, die auch bei der Ezio Moderne verlegt wurde und mit Baru damals und so, also mit ganz vielen kreativen Leuten in einem Atelier in so einem großen offenen Raum, Licht durchflutet, alles voller Bücher und voller Zeichnungen und ganz, ganz, ganz, ganz schön.

Speaker: Und dass man

Speaker: Ich will jetzt nicht sagen, dass das, ich meine, diese Ateliergemeinschaft, die rotierte halt schon viel um David rum.

Speaker: Er hatte das irgendwie gegründet oder mitgegründet und irgendwie war er da so der Papa von dem Laden.

Speaker: Und das hat mir damals schon sehr zugesagt.

Speaker: Also das fand ich toll, dass diese Branche oder dass diese Szene so tickt.

Speaker: Vorher hatte ich da ja gar keinen Augenblick drin, außer als Leser.

Speaker: Ansonsten, ich glaube jetzt so handwerkszeugmäßig, dafür war ich damals noch zu unbeleckt, um da so richtig viel zu machen, wenn ich ehrlich bin.

Speaker: Wie lange warst du da?

Speaker: Drei Monate?

Speaker: Drei Monate, ja.

Speaker: Also es war wirklich auch nur kein Volontariat.

Speaker: Es war eine relativ kurze Zeit.

Speaker: Hast du wieder, also du hast ihn ja wahrscheinlich über die Jahre relativ oft getroffen.

Speaker: Was würdest du sagen, was ihn so ausgemacht hat?

Speaker: Ich war häufig in Zürich, auch in den ersten Jahren von Rebrik, weil er uns irgendwann unter seine Füttchen genommen hat und wir haben dann

Speaker: glaube ich, zwei oder drei Bücher gemacht, die er sozusagen produziert hat, die er finanziert hat und wir haben die Produktionsarbeit geleistet und dann wurden die über den Medienservice vertrieben, seinen Vertrieb damals, da war ich relativ viel im Austausch, ich habe auch ein paar Schabazinhefte, was ich nicht viele, drei oder viermal als Herausgeber betreut,

Speaker: Ja, und wie du sagst, ich fand ihn immer sehr offen und interessiert, vor allen Dingen auch gut mit jungen Leuten konnte und aber wirklich eben sehr offen war für alles Mögliche, was man natürlich als Strapaziner-Ausgeber auch sein muss.

Speaker: So ein Avantgarde, so ein Vorläufer-Magaziner-Alaufpunkt für junge deutschsprachige Zeichnerinnen.

Speaker: Und eben immer sehr verbindlich und auf den Punkt.

Speaker: Also ich habe immer gerne mit David zusammengearbeitet, ja.

Speaker: Medien-Servers, jetzt wo du es gerade sagst, jetzt kommt nämlich so eine Erinnerung hoch, die ich schon wieder so halb verdrängt hatte.

Speaker: Dieser Vertrieb, von dem du da gerade sprichst, den gibt es ja inzwischen nicht mehr.

Speaker: Aus dem ist ja Poluda gewachsen, mehr oder weniger.

Speaker: PPM-Vertrieb.

Speaker: Peter Poluda war damals bei

Speaker: Und Medienservice bei Balder Buscher, wenn es nicht ein Praktikum war, aber hat dann in Zartan gearbeitet und sich eben abgeschaut, wie der Laden läuft.

Speaker: Genau, aber der Medienservice ist dann ja insolvent gegangen, meinst du?

Speaker: Der ist insolvent gegangen, ja.

Speaker: Und das war zu der Zeit, wo ich da Praktikum gemacht habe oder kurz vorher.

Speaker: Und ich erinnere mich nämlich noch, wie David mich mitgenommen hat ins eins der alten Lager, um mal zu gucken, welche Bücher da eigentlich noch liegen.

Speaker: Aber ja, das habe ich mit Sebastian auch gemacht.

Speaker: Wir haben unsere Bücher da rausgeholt.

Speaker: Das war nämlich so ein Moment, wo ich tiefen Respekt hatte vor seiner Entspanntheit und seiner Produktivität, dann im Angesicht von so einem Scherbenhaufen, wo er meinte, ja, unser Vertrieb ist übrigens gerade insolvent gegangen.

Speaker: Ich habe keine Ahnung, wie viele Bücher da jetzt sind.

Speaker: Wir fahren da jetzt mal hin und schauen uns das an.

Speaker: Ja, das war nicht lustig.

Speaker: Das könnte man auch als eine Anekdote auf jeden Fall noch hervorbringen.

Speaker: Das hat ja auch seine tragischen Aspekte auf jeden Fall.

Speaker: Ja, natürlich, das war tragisch und war sehr ärgerlich und alles.

Speaker: Aber er ging da mit so einer, ich will nicht sagen Gottergebenheit, aber mit so einer sehr großen Souveränität.

Speaker: Ja, so ein bisschen stoisch.

Speaker: Ja, stoisch, aber im besten Sinne.

Speaker: Schicksalsergeben, ja, ja, genau.

Speaker: Ja, schön, ja.

Speaker: Ach ja, boah, das ist auch schon wieder lange her.

Speaker: Okay.

Speaker: Genug geschwägt in Nostalgie.

Speaker: Bist du bereit für noch ein paar kleine Fragen, die ich für dich hätte?

Speaker: Ja, ich schätze schon, ja.

Speaker: Ja, okay.

Speaker: Dirk, wenn du drei Comics oder Manga oder Graphic Novels oder Comic Reihen auf die sprichwörtliche einsame Insel mitnehmen müsstest, dich dafür drei Sachen entscheiden müsstest, welche drei Bücher, Bücherserien würdest du mitnehmen?

Speaker: Oh Gott, kann ich wirklich nicht sagen.

Speaker: Ich dachte gerade vielleicht, was ich noch nie gelesen habe, so richtig hinpasst mich irgendwie, was alle als den großen Höhepunkt, frühen Höhepunkt der Comics sehen, das wäre sowas vielleicht wie Crazy Cat, dass ich mir mal eine Crazy Cat Sammlung mitnehme und die tatsächlich mal studiere.

Speaker: Also ich finde es auch total toll, aber es hat mich nie so richtig in den Bann gezogen, Crazy Cat, aber

Speaker: Das ist das, worauf sich eigentlich alle großartigen Comiczeichner immer wieder berufen.

Speaker: Und ja, George Harriman ist natürlich super.

Speaker: Aber das ist ja schon mal eine Antwort.

Speaker: Also wenn du jetzt keine drei Titel hast, ist das auch überhaupt nicht schlimm.

Speaker: Aber das sagt zumindest, du bist einer von den Leuten, die das Herangehensweise haben, irgendwas, was sie noch nicht kennen.

Speaker: Das zum Beispiel, ja.

Speaker: Also ich meine, ich kenne es natürlich schon, aber ich habe mich nie so ausführlich damit beschäftigt.

Speaker: Dann habe ich gerade die Crump-Biografie von Dan Nadel gelesen.

Speaker: Also Crump ist für mich einer der Wegbereiter der Erwachsenen-Comics.

Speaker: Weiß nicht, kann man vielleicht so sagen.

Speaker: Der erste war, der so selbstbeschaubetrieben hat und sich sehr selbstironisch verwendet.

Speaker: in Comics umgesetzt hat und aber heutzutage ja sehr von der jungen Relation sehr schwierig eingestuft wird.

Speaker: Aber ich finde ihn faszinierend und ich denke, ohne das Schaffen von Crumb gäbe es die deutsche Independent-Szene gar nicht und es gäbe auch keine Judy Ducey oder keinen Dan Klaus, der ist ein bisschen hervorreiter.

Speaker: Ja.

Speaker: Und da dachte ich auch nochmal, als ich die Biografie jetzt gelesen habe, eben auch noch sein Werk oder vielleicht so ein Schlüsselwerk von ihm ist Head Comics.

Speaker: Vielleicht würde ich sowas noch mitnehmen auf die Einsammeinsel auch und auch nochmal.

Speaker: Also doch relativ anspruchsvolle Kost, würde ich sagen.

Speaker: Crazy Cat ist auch lustig irgendwie, aber ja doch zu einem gewissen historischen Interesse zu lesen.

Speaker: Ja, aber du bist ja dann doch lange mit so einem Buch auf einer einsamen Insel, jedenfalls denkt man sich das so.

Speaker: Nee, vollkommen richtig.

Speaker: Eine Frage, die ein bisschen kompliziert ist, auch leider, aber die Antworten finde ich immer recht interessant.

Speaker: Ein Comic, den es noch nicht gibt, aber den es geben sollte, deiner Meinung nach, ganz egal, wie du das jetzt interpretierst,

Speaker: was wäre das für ein Comic?

Speaker: Also ich meine, ja, keine Ahnung, wie auch immer du diese Frage verstehst.

Speaker: Muss ich noch ein bisschen zurückstellen, drüber nachdenken vielleicht, irgendwie so im Hintergrund.

Speaker: Ja, okay, ich mach nichts.

Speaker: Es ist nicht einfach.

Speaker: Wenn du keine Antwort hast, ist auch nicht schlimm.

Speaker: Die Fragen sind nicht ganz ohne.

Speaker: Tatsächlich irgendwie dachte ich jetzt gerade, es gibt in der deutschen Kunstszene, es gibt ja so Jonathan Mies oder Daniel Richter.

Speaker: Daniel Richter zum Beispiel ist so ein

Speaker: mittlerweile auch nicht mehr so ganz junger Künstler, also eben in der Bildungskunst unterwegs ein Maler, der ganz stark von Comics beeinflusst ist.

Speaker: Also was ich total spannend finde, wenn der mal einen Comic machen würde zum Beispiel.

Speaker: Also wenn aus der Bildungskunst mal so ein Rückantwort in den Comic kommt, also so Leute, die

Speaker: eben schöpfen eigentlich, weiß ich, Roy Richtenstein ist vielleicht auch so ein Beispiel, aber der ist ja, glaube ich, gestorben, dass eben diese Sachen, die man mitnimmt aus dem Comic, mal wieder zurückgegeben werden.

Speaker: Auch vielleicht, weiß nicht, ja, vielleicht von einem Maler auch mal.

Speaker: Das wäre spannend.

Speaker: Das ist doch eine super Antwort.

Speaker: Also das ist eine perfekte Antwort, finde ich.

Speaker: Finde ich eine sehr interessante auch.

Speaker: Sollten die dann auch selber schreiben, deiner Meinung nach?

Speaker: Ja, die sollten das schon schön selber schreiben.

Speaker: Okay, okay, okay.

Speaker: Ja, gut, okay.

Speaker: Die haben ja meist Gedanken zu ihren Bildern und wissen, was sie da eigentlich sagen wollen.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Ja, klar.

Speaker: Das stimmt auch.

Speaker: Spiel mal Kuppler für ein Comic-Kreativ-Team.

Speaker: Wenn du einen beliebigen Autor oder Autorin mit einem beliebigen Zeichen oder Zeichnerin zusammensetzen könntest in ein Projekt.

Speaker: Ist auch egal, ob das jetzt realistisch ist oder nicht.

Speaker: Also Sprachgrenzen spielen jetzt keine Rolle in dem Zusammenhang.

Speaker: Wie würdest du gerne mal zusammen was machen sehen?

Speaker: Oh, ist auch wieder was, wo ich eigentlich ein bisschen nachdenken müsste.

Speaker: Vielleicht auch wieder so eine Kombination mit, weiß nicht, vielleicht einem Schriftsteller, der für was ganz Eigenes steht, zusammen mit einer Comiczeichnerin, die auch wieder ein unverwechselbares Spiel hat.

Speaker: Aber ich wüsste jetzt ja nicht keine Namen so richtig.

Speaker: Ist okay, dann überspringen wir das.

Speaker: Aber du hast so ein bisschen ein Fave, oder du wünschst dir so ein bisschen, dass Leute, die eigentlich nicht so direkt mit Comics zu tun haben, mal einen Comic in die Welt setzen.

Speaker: Das höre ich so im Subtext raus.

Speaker: Eigentlich eher so, dass ich andere...

Speaker: Leser oder andere Publikumswelten der Comic erschließen lässt.

Speaker: Ah ja.

Speaker: Ja, ist ja eine vollkommen valide Antwort.

Speaker: Dann machen wir einen ganz kurzen Werbeblock.

Speaker: Ich revanchiere mich in der nächsten Frage dann auch dafür.

Speaker: Empfiehle uns doch mal einen Comic aus dem Splitterprogramm, egal wann der erschienen ist.

Speaker: Irgendwas, was dir besonders gefallen hat bei uns.

Speaker: Ja, das habe ich eben auch schon gelesen und ein bisschen drüber nachdenken können, aber man musste eigentlich nicht lange, weil ich musste in die Anfänge von Schwitter-Verlag zurück zu Comanche oder Comanche.

Speaker: Wie spricht das eigentlich richtig aus?

Speaker: Die Frage, Spoiler, stelle ich mir in der nächsten Podcast-Folge auch schon.

Speaker: Wir nehmen hier gerade was auf, nachdem ich schon andere Sachen im Kasten habe.

Speaker: In der Redaktion sprechen die Leute es französisch aus.

Speaker: Comanche, ja.

Speaker: Ja, nein, es ist wirklich so.

Speaker: Also Martin Budde zum Beispiel, den du ja auch kennst, schätzt du.

Speaker: Gnadenlos, ja, Gnade.

Speaker: Er spricht das Comanche aus.

Speaker: Also ich verstehe auch nicht genau, wieso.

Speaker: Aber ich hätte immer gesagt Comanche oder so.

Speaker: Ja, ich hätte auch gedacht Comanche.

Speaker: Ich glaube, im Kopf war immer Comanche und sagen wollte ich vielleicht Comanche, weil es ja von den Indianern kommt, also dieser Name.

Speaker: Also der, gut, der Person in dem Fall, ja.

Speaker: Genau, also da muss ich eben zurückgehen.

Speaker: Meine eigene Sozialisation, die wahrscheinlich mit Horst Gotter oder vielleicht mit Dirk ähnlich ist, ich habe in den 70er Jahren zack entdeckt und war schwer begeistert eben von zum Beispiel Hermann und Greg.

Speaker: Also ich bin gerade Comanche oder auch Blueberry damals von Jean Giraud, aber speziell jetzt bei Comanche ist es spannend, wie Hermann damit die Natur zeichnet und Atmosphäre schafft mit

Speaker: mit der Natur und mit Elementen und eine Dichtheit der Story auch von Greg auf der Lampe, die ich großartig finde.

Speaker: Und ich habe eben zu Anfang von Spitter hat Horst Gotter oftmals gezeigt, wie er diese Seiten retuschiert, also die ganzen Originale oder die Vorlagen aufwertet.

Speaker: Und das fand ich faszinierend zu sehen.

Speaker: Und ich habe eben damals als Leser auch schon diese Geschichten erlebt,

Speaker: verschlungen und bin immer wieder darauf zurückgekommen auch so in meinem Leben oder auch in Ausstauern, weil ich dann so Bilder sehe aus dieser Serie oder auch aus anderen Serien von Hermann, wobei ich eben tatsächlich die Sachen mit Greg am besten finde, weil der einfach einen humanistischen Ansatz hat, den Hermann als alleiniger Erzähler und Zeichner so nicht hat.

Speaker: Aber eben Bernard Prance, also Andy Morgan, das ist einfacher, das zu sagen und Comanche, das sind eben wirklich tolle

Speaker: Tolle Serien.

Speaker: Und genau, also jedes Album für sich auch, weil das immer in verschiedenen, oder in der Regel in verschiedenen Orten, auch in Städten, in den Bergen, in der Prärie, sonst wie.

Speaker: Also diese Stimmungen, die er schafft, sind einfach fantastisch.

Speaker: Und ich finde auch ziemlich einzigartig, als zeichnet er einfach mit die Naturzeichen wie Kommen André.

Speaker: Das ist schon...

Speaker: Super und da habt ihr eine tolle Arbeit gemacht und genau, Horst.

Speaker: Ja, Horst vor allem eine tolle Arbeit gemacht.

Speaker: Also alles, was Horst irgendwie mal retuschiert hat und wo er sich so richtig reingekniet hat, auch unsere Möbios ausgaben, das ist schon ein anderes Level.

Speaker: Ja.

Speaker: Habe ich selber nicht gelesen.

Speaker: Comanche, wie auch immer, muss ich zugeben.

Speaker: Ich weiß auch nicht, wie es ist, wenn man nicht damit aufgewachsen ist, ehrlich gesagt.

Speaker: Davor habe ich ein bisschen Angst, muss ich zugeben.

Speaker: Aber Western ist auch nicht so ganz mein Genre.

Speaker: Insofern, ich meine, ich habe ja keinen weiten Weg dahin.

Speaker: Vielleicht muss ich es doch mal auf den Nachttisch legen, sozusagen.

Speaker: Ich sagte, ich revanchiere mich.

Speaker: Ich empfehle auch eine Kleinigkeit des Augen Verlages.

Speaker: Ich könnte ganz viele Sachen empfehlen.

Speaker: Reprodukt ist mit einer der Verlage Nachsplitter, die ich noch am meisten lese.

Speaker: Aber ich freue mich, ich würde mich sehr freuen, wenn das weitergeht.

Speaker: Das ist jetzt auch so ein bisschen eine unterschwellige Frage.

Speaker: Ich lese die Sache von Katrin Klingner sehr, sehr gerne.

Speaker: Katze hast Welt und über Spanien lacht die Sonne.

Speaker: Schön, ja.

Speaker: Total.

Speaker: Also ich habe die einfach aus so einer Laune heraus mal in die Hand genommen.

Speaker: Und die Art und Weise zu erzählen und diese ganz, diese, diese, diese,

Speaker: Ruhige Erzählstile passiert gar nicht so irre viel immer, aber es ist so eine naturalistische Art und Weise, den Alltag zu porträtieren über diese etwas verschobenen Tierfiguren und dann, wie sie mit ganz

Speaker: ganz minimalistischen Mitteln so starke Gesichtsausdrücke und so viel Emotion der Protagonisten, der Agieren dann irgendwie reinbringen und dann hat das alles noch diesen surrealen Touch, weil die Figuren mal Tiere sind, mal gar nicht irgendwie so Kreaturen eher.

Speaker: Ich kann das auch ganz schlecht in den Worten fassen, wie du vielleicht merkst.

Speaker: Ja, das ist schon ganz gut, finde ich eigentlich.

Speaker: Aber das fasziniert mich total.

Speaker: Und es ist trotzdem nicht schlecht lesbar.

Speaker: Also es ist irgendwie ein Comic, der ein bisschen avantgarde wirkt, aber wenn man ihn liest, sehr zugänglich ist, finde ich.

Speaker: Also beide.

Speaker: Sehr lustig, sehr lustig.

Speaker: Also sie hat ja so einen tonnen komischen Witzen.

Speaker: Ich finde auch, das Gehirn macht ganz viel, weil diese Zeichnung ist ja so ganz viel ausgelassen, aber es funktioniert einfach total gut, das hast du ganz gut beschrieben.

Speaker: Aber dieser Witz ist halt nicht so Schenkelklopfer-Haha-mäßig, das ist was ganz Feines, so was ganz Ätherisches.

Speaker: Und das fasziniert mich total, weil ich selber auch gar nicht wüsste, wie man es machen würde.

Speaker: Ähm...

Speaker: Ja, also über Spanien lacht die Sonne und Katze hast Welt, das ist der zweite, der jüngere Band, glaube ich, von beiden, von Katrin Klingner, finde ich ganz, ganz toll.

Speaker: Weißt du, ob er von dir nochmal was macht?

Speaker: Ja, das weiß ich nicht so genau, sie arbeitet, sie hat ein Projekt uns angetragen, das Arbeitszittel ist Amsterdam, daran hat sie zwei Jahre gearbeitet.

Speaker: Aber Katrin hat Familie mit zwei Kindern und sie hat, glaube ich, vor einem halben Jahr entschieden, dass sie umsattelt.

Speaker: Sie ist jetzt, wenn ich mich nicht täusche, Zugbegleiterin.

Speaker: Oh, okay.

Speaker: Und weiß nicht, ob sie noch genug Zeit hat, Comics zu zeichnen.

Speaker: Sie haben es erst mal auf Eis gelegt, deshalb.

Speaker: Ein Schicksal einer deutschen Comiczeichnerin, was mir sehr nachvollziehbar ist.

Speaker: Aber ja, wenn du gerade mit Familien hast, brauchst du halt ein mäßiges Einkommen.

Speaker: Leider.

Speaker: Zeichner hast du das nicht.

Speaker: Leider sehr nachvollziehbar, aber gut.

Speaker: Ich werde es trotzdem im Auge behalten und die beiden Bücher sind ja zumindest noch da.

Speaker: Kann ich euch sehr empfehlen, je ihr hier zuhört.

Speaker: Eine letzte Empfehlung.

Speaker: Irgendwas, was kein Comic ist, was dich in letzter Zeit begeistert hat.

Speaker: Buch, Film, Serie, Videospiel, keine Ahnung, ganz egal.

Speaker: Och, da bin ich wieder bei der Crump-Biografie von Dan Niedel, der mich sehr begeistert hat.

Speaker: Das hat Dan Niedel zusammen mit Crump auch gemacht.

Speaker: Also Crump hat das alles abgesignet, was er da geschrieben hat.

Speaker: Und noch ein anderes Buch kann ich noch anschließen.

Speaker: Also das fängt jedenfalls, dass Crump, glaube ich, Ende der 30er, Anfang der 40er geboren, habe ich nicht so im Kopf, aber Crump ist sozialisiert, komik sozialisiert vor allem mit Karl Barks und

Speaker: Walt Kelly, was mir gar nicht so klar war.

Speaker: Danny Dell empfiehlt in dem Crump-Buch auch ein anderes Buch von Michael Barrier, ist der Autor, das heißt Funny Books.

Speaker: Und in diesem Buch geht es um die Geschichte von Dell Publishing.

Speaker: Dell Publishing ist eine Firma oder ein Ableger von Western Publishing Company Limited, wenn ich es richtig verstehe.

Speaker: Und da geht es um die Geschichte von Western Publishing und um die Redakteure, also so ein bisschen das spiegelt, was wir vielleicht täglich erleben.

Speaker: Also da geht es darum, wie die gekämpft haben, um diese...

Speaker: Comics rauszubringen, wie die versucht haben, zum Beispiel Walt Kelly in bestimmte Richtungen zu drängen in seinen Comics.

Speaker: Walt Kelly ist der Zeichner von Pogo und der dritte wichtige Zeichner war John Stanley mit Little Lulu.

Speaker: Es wird eben auch ganz viel über Karl Barks geschrieben in dem Buch und über das Geniefolgen Karl Barks, der der einzige war, der seine Geschichten immer abgeben durfte, ohne dass ihm irgendjemand da reingesprochen hat.

Speaker: Über viele Jahre, bis in den späten

Speaker: Anfang der 60er Jahre, die Zensur immer stärker wurde und es schon keine Auseinander dazu mehr zwischen Donut und den Neffen geben durfte in seinen Comics, weil das schon eben so zu viel war für die amerikanische Gesellschaft.

Speaker: Also richtig super strikt, super konservativ, aber genau diese Geschichten zu lesen über Barks fand ich total faszinierend.

Speaker: Das ist das, was wir heute machen, aber eben vor 100 Jahren sozusagen.

Speaker: Und nicht so anders eigentlich.

Speaker: Das klingt spannend, muss ich zugeben.

Speaker: Funny Books von Michael Barrier.

Speaker: Vielen Dank für die Empfehlung.

Speaker: Und dann die allerletzte Frage.

Speaker: Bin ich mal gespannt, ob du da was ad hoc hast.

Speaker: Wenn du einen Wunsch frei hättest.

Speaker: Ich sage hier immer einen nerdigen Wunsch, aber letzten Endes ist es relativ egal.

Speaker: Egal wie groß, egal wie klein, ob nur für dich, ob für die ganze Welt, wenn du dir irgendwas wünschen würdest, was würdest du dir wünschen?

Speaker: Nö, da fällt mir nichts zu ein.

Speaker: Ganz resolute Antwort, kann ich respektieren.

Speaker: Ja, Dirk, dann glaube ich, würde ich dich an dieser Stelle entlassen.

Speaker: Ja, vielen Dank für das Interesse.

Speaker: Hat mich sehr getrollt.

Speaker: Vielen Dank für die Offenheit und für die vielen schönen Anekdoten.

Speaker: Ich hoffe, ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, habt auch eine gute Zeit.

Speaker: Schreibt mir gerne, schreibt uns gerne splittercast-verlag.de.

Speaker: Die Links zu Reprodukt und vielleicht zu dem einen oder anderen Buch, über das wir hier gerade gesprochen haben, packe ich euch in die Shownotes und natürlich auch die Social-Media-Kanäle von Reprodukt.

Speaker: Ja, also ich könnte noch sehr viele mehr Sachen fragen und ich könnte auch noch über viel mehr von euren Büchern mit dir quatschen.

Speaker: Aber das vertagen wir jetzt einfach mal auf spätestens den Comicsalon in Erlangen oder wann auch immer man sich mal über den Weg läuft.

Speaker: Danke für deine Zeit.

Speaker: Ich wünsche dir noch einen schönen Resttag.

Speaker: Ja, gleichfalls dir auch und ein schönes Wochenende.

Speaker: Aber ja, vielen Dank für das Interesse für uns, für Reprodukt, für das Shoppen hier.

Speaker: Sehr gerne, natürlich.

Speaker: Sehr, sehr gerne.

Speaker: Dann mach's gut und bis ganz bald.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Ja, ciao Max.

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