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#31 Zwischen Intuition und Struktur - Strategieentwicklung im Familienunternehmen. Unser Gast: Alicia Lindner. image

#31 Zwischen Intuition und Struktur - Strategieentwicklung im Familienunternehmen. Unser Gast: Alicia Lindner.

No Strategy - No Breakfast
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65 Plays11 days ago

Strategieentwicklung ist für sich genommen schon ein fortwährender Balanceakt. In Familienunternehmen werden, das ist zumindest unser Eindruck, die jeweiligen Pole noch einmal verstärkt: Tradition und Innovation, Bauchgefühl und harte Fakten, Partizipation und schnelle Entscheidungen. 

Alicia ist Co-Geschäftsführerin und Familienunternehmerin in dritter Generation bei Annemarie Börlind, einem international tätigen Naturkosmetikunternehmen aus dem Schwarzwald. Sie spricht mit uns darüber, wie sie den Wechsel von einer eher intuitiven Unternehmerstrategie hinzu einem strukturierteren und partizipativeren Strategieentwicklungsprozess erlebt hat und welche Stolperfallen ihr hierbei begegnet sind.

Wenn ihr mehr über die Produkte von BÖRLIND wissen möchtet, schaut am besten hier vorbei: www.boerlind.com

Wer mehr über Alicia erfahren möchte, wird auf ⁠LinkedIn⁠ fündig.

Ihre Podcast Empfehlung - Hotel Matze mit Ferdinand von Schirach - könnt ihr euch  hier anhören. 

Und Alilcias Buchtipp - Das NEINhorn - mit erfrischend hoher Relevanz für den Arbeitsalltag findet ihr hier

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Transcript

Einführung der Gastgeber

00:00:03
Speaker
No Strategy, No Breakfast, der Podcast rund um Strategieentwicklung von und mit Jürgen Magetich und Karl Bredemeyer.
00:00:11
Speaker
Jürgen und ich sind Organisationsberater in Berlin und Wien und wir heißen euch ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge No Strategy, No Breakfast.

Empfehlungen aus der letzten Episode

00:00:19
Speaker
Ja, lieber Karl, aus dem letzten Podcast haben wir zwei Empfehlungen mitgenommen, die wir heute an den Start nochmal reflektieren wollen.
00:00:27
Speaker
War ja ein wirklich sehr interessantes Gespräch mit Jonas.
00:00:31
Speaker
Er hat uns mitgegeben ein Buch und ein Paper.
00:00:35
Speaker
Ja, vielleicht fangen wir mit dem Buch an.
00:00:37
Speaker
Ich kann mich noch erinnern, hast du reingeschaut?
00:00:40
Speaker
Ja, ich habe reingeschaut.
00:00:40
Speaker
Hast du eine Chance, den Umschlag zu eröffnen?
00:00:42
Speaker
Ja, genau.
00:00:44
Speaker
Also Jonas hat uns als Buchempfehlung von Richard Rummelt, ich weiß leider gar nicht genau, wie man ihn ausspricht, Good Strategy und Bad Strategy,
00:00:55
Speaker
Und das fand ich insofern spannend, als dass ich da halt vieles von Jonas' Haltung da wiedergefunden habe.
00:01:05
Speaker
Also für diejenigen, die das vielleicht noch nicht die Chance hatten.
00:01:08
Speaker
Wir haben auch nochmal eine kleine Zusammenfassung von Jonas' strategischem Profil.
00:01:14
Speaker
veröffentlicht auf LinkedIn.
00:01:16
Speaker
Das könnt ihr in den Shownotes auch nochmal nachschauen.
00:01:21
Speaker
Und da finden sich einfach so ein paar Sachen wieder, die auch in dem Buch von Richard zu finden sind.
00:01:29
Speaker
Also beispielsweise, was Jonas da ganz
00:01:32
Speaker
Wichtig war, er hat von der Frankenstein-Strategie gesprochen und in eine ähnliche Richtung geht es bei Richard ja auch, wo er sagt, keine faulen Kompromisse, es geht darum, an den wichtigen Stellen tatsächlich Entscheidungen zu treffen, die einen Unterschied machen.
00:01:46
Speaker
Das fand ich tatsächlich ganz spannend, das da nochmal wieder zu entdecken und tatsächlich kohärente
00:01:55
Speaker
kohärente Richtlinien irgendwie zu etablieren und nicht zu versuchen, es allen recht zu machen.

Strategische Entscheidungen und Langfristigkeit

00:02:03
Speaker
Was ist bei dir reingeblieben?
00:02:05
Speaker
Oder hattest du die Chance, dich ein bisschen reinzuhalten?
00:02:08
Speaker
Ich bin vor allem bei Port reingekippt, bei dem Paper, wo die Strategy ist eine Definition an ihr Liebe.
00:02:15
Speaker
Ich weiß nicht, ob sie immer hilfreich sind, aber es bindet ganz gut an das Buch an.
00:02:20
Speaker
Er macht ja in dem Paper eine gute Unterscheidung zwischen
00:02:24
Speaker
Positionierung als Kernelement von Strategie versus Operational Excellence, also die Effizienzen.
00:02:30
Speaker
Und spricht da auch von Strategien, die wirklich einen Inhalt haben und nicht zu generisch sind.
00:02:35
Speaker
Und das ist ein Thema, das mir hängen geblieben ist, weil ich das als Unternehmen kenne, die Effizienzstrategien.
00:02:42
Speaker
Was ist eure Strategie?
00:02:43
Speaker
Plus 2, minus 1.
00:02:44
Speaker
Man kann sagen, plus 2% Umsatz minus 1% Kosten oder plus 1 Umsatz minus 2 Kosten.
00:02:51
Speaker
Das sind vielleicht Ziele oder das ist vielleicht sinnvoll zu machen, aber das ist noch keine Strategie.
00:03:02
Speaker
Und das ist mir hängen geblieben.
00:03:04
Speaker
Und das Zweite waren, ich arbeite viel mit Modellen, die Modelle, die er darin gezeigt hat.
00:03:10
Speaker
Also das Modellieren in den Systemen, das fand ich nochmal auch wirklich sehr hilfreich.
00:03:16
Speaker
Aber eben wirklich zu sagen, eigentlich im Kern ist Strategie eine Logik, ist eine Positionierungslogik, die eben auch einen Unterschied machen muss.
00:03:27
Speaker
Und das erinnert beim Lesen auch an eine Diskussion, die wir schon mal hatten, erinnert dich aus dem Buch zum Thema systemische Strategie, auch die Fragestellung, jetzt habe ich es verloren.
00:03:42
Speaker
Ah!
00:03:43
Speaker
Ja.
00:03:44
Speaker
Okay, wir machen es nochmal.
00:03:47
Speaker
Wir machen es nochmal.
00:03:49
Speaker
Kein Problem.
00:03:51
Speaker
Warte mal, ich muss den Gedanken wieder finden.
00:03:53
Speaker
Die Fragestellung, die da wieder auftaucht, ist natürlich die auch nach der Fristigkeit und das greift ja auch gut auf.
00:04:01
Speaker
Im mehr natürlichen Strategie ist auch ein Reagieren auf Umfeld.
00:04:05
Speaker
Aber es ist nicht mehr planloses Reagieren in der Kurzfristigkeit.
00:04:09
Speaker
Da unterscheidet er schon sehr klar und sagt auch jetzt noch, es gilt immer noch, auch eine Linie zu fahren.
00:04:15
Speaker
Ich glaube, dass das vielleicht auch manchmal untergeht.
00:04:18
Speaker
Wir sind sehr stark im Reagieren.
00:04:20
Speaker
Und die Frage haben wir, eine Strategie, die über die Aufs und Abs des taktischen Alltags hinausgeht.
00:04:27
Speaker
Wie beim Investieren auch noch die Frage, bin ich Daytrader?
00:04:31
Speaker
Oder habe ich ein langfristiges Portfolio und je nachdem schaue ich auf die Welt und das ist das, was mich da auch nochmal beschäftigt.
00:04:37
Speaker
Und eben dann kommt es zur Positionierung zurück.
00:04:39
Speaker
Habe ich eine Positionierung, mit der ich auch in einem großen, langen Bogen durch die Widernisse und Volatilitäten durchsurfen kann?
00:04:48
Speaker
bin Leitstern oder bin ich sozusagen den Wellen ausgesetzt und mache nur mehr Kajak am großen Meer, Ausgleichsschläge.
00:04:55
Speaker
Das ist das, was mich da so ein bisschen beschäftigt hat.
00:04:58
Speaker
Kajak am großen Meer, schönes Bild.
00:05:02
Speaker
Ich finde, da sind die beiden sich auch tatsächlich ähnlich, also beide Empfehlungen, also sowohl Porter als auch Rommelt.
00:05:10
Speaker
Sagen halt, man soll nicht den Fehler machen, Ziele mit Strategien zu verwechseln.
00:05:15
Speaker
Das passiert einfach tatsächlich immer wieder.
00:05:18
Speaker
Und das ist vielleicht auch was, wo ich sage, wenn man das mitnimmt aus den beiden Büchern, hat man schon was gewonnen.
00:05:26
Speaker
Auf jeden Fall eine Empfehlung für diejenigen, die sich jetzt vielleicht noch nicht intensiv mit dem Thema Strategieentwicklung oder Strategiearbeit beschäftigen,
00:05:35
Speaker
entschieden haben und irgendwie einen Einstieg suchen.
00:05:37
Speaker
Vielleicht einen definitorischen, aber auch einen so was, was sind Good Practices, Bad Practices.
00:05:42
Speaker
Da ist das, finde ich, ein ganz guter Einstieg.
00:05:45
Speaker
Und als Merksatz habe ich mir einfach von Jonas dieses Entscheidung statt Addition.
00:05:53
Speaker
Das steht irgendwie über beiden Werken drüber und das kann man sich auf jeden Fall mitnehmen, würde ich sagen.
00:06:00
Speaker
Wunderbar.
00:06:01
Speaker
Dann freue ich mich schon auf unseren nächsten Gast.
00:06:03
Speaker
Ja, ich auch.
00:06:04
Speaker
Auf die nächste Folge.
00:06:06
Speaker
Auf die nächste Folge, genau.
00:06:10
Speaker
Bis dann, Jürgen.
00:06:11
Speaker
Bis dann.
00:06:11
Speaker
Ja, lieber Karl, ich freue mich, dass wir wieder zusammen sind.
00:06:15
Speaker
Strategie, wir haben ja viel über das Buch und Podcast und Paper gesprochen.
00:06:21
Speaker
Wen hast du denn heute eingeladen zu uns?
00:06:24
Speaker
Ich freue mich sehr, dass Alicia Lindner heute

Alicia Lindner und die Geschichte ihres Unternehmens

00:06:27
Speaker
bei uns ist.
00:06:27
Speaker
Wir haben es schon über ein paar Monate, möchte ich sagen, versucht zueinander zu finden.
00:06:32
Speaker
Jetzt hat es geklappt.
00:06:34
Speaker
Und Alicia, ich gebe direkt an dich, wer bist du und was machst du?
00:06:41
Speaker
Ich freue mich, dass ich da sein darf.
00:06:42
Speaker
Vielen Dank für die Einladung.
00:06:44
Speaker
Ich fange mal an.
00:06:45
Speaker
Ich führe ein Familienunternehmen, was aus einem Problem heraus entstanden ist.
00:06:50
Speaker
Meine Oma Annemarie hatte vor über 70 Jahren schlechte Haut, also Spätakne mit Ende 20 und hat nichts gefunden, was ihr geholfen hat bei ihrem Hautzustand und hat dann ihr eigenes Unternehmen gegründet.
00:07:02
Speaker
Und ich darf heute das Unternehmen Annemarie Börlind in der dritten Generation führen.
00:07:07
Speaker
Wir stellen Naturkosmetik her im Schwarzwald in Süddeutschland.
00:07:12
Speaker
Und zusammen mit meinem Bruder teilen wir uns die Geschäftsführung, haben noch einen dritten Geschäftsführer dabei.
00:07:17
Speaker
Ich bin für Vertrieb zuständig, für Private Label zuständig und bin darüber hinaus begeisterte Mama von drei Kindern und 37 Jahre alt.
00:07:27
Speaker
Ich bin in dem Alter, wo ich nachdenken muss, wie alt ich bin.
00:07:31
Speaker
Sehr schön.
00:07:32
Speaker
Herzlich willkommen.
00:07:34
Speaker
Schön, dass du da bist.
00:07:37
Speaker
Da war jetzt gerade was dabei, das habe ich echt auffangen lassen.
00:07:40
Speaker
Das Unternehmen wurde gegründet, um ein Problem zu beheben.
00:07:44
Speaker
Und manchmal denke ich mir, wir suchen heute mehr Probleme.
00:07:47
Speaker
Wir haben Problemmangel, es kehrt sich manchmal so um.
00:07:50
Speaker
Also tolles Beispiel, da gab es ein Problem, dann gründet man ein Unternehmen.
00:07:55
Speaker
Das finde ich schon einen guten Ansatz.
00:07:57
Speaker
Ja, und die Naturkosmetikwelt oder die Kosmetikwelt war damals in den 1950er Jahren eher auf die sogenannte konventionelle Kosmetik aus, das heißt, da war ja je mehr Chemie, desto besser und das war nicht der richtige Ansatz für meine Oma.
00:08:12
Speaker
Und sie suchte nach natürlichen Inhaltsstoffen, die der Haut helfen, sich selbst zu heilen.
00:08:18
Speaker
Und dann hat mein Opa ihr ein Kräuterbuch geschenkt und so hat sie das Unternehmen gegründet.
00:08:23
Speaker
Und damals das Credo gegründet, was bis heute das Credo ist, was ich nicht essen kann, gebe ich nicht auf meine Haut.
00:08:30
Speaker
Ein schönes Motto.
00:08:32
Speaker
War das für dich und deinen Bruder schon immer klar, dass ihr die Firma übernehmen werdet?
00:08:38
Speaker
Ja, das ist so ein bisschen die Frage, wann weiß ein Vogel, dass er fliegen soll.
00:08:44
Speaker
Also irgendwie, ja, war, glaube ich, schon recht früh klar, wenn du gerade mit einem Unternehmen aufwächst, was echte Produkte hat, die du ja auch im Alltag benutzen kannst.
00:08:55
Speaker
Das ist, glaube ich, super naheliegend und du hast einfach einen ganz engen Bezug zu den Produkten natürlich.
00:08:59
Speaker
Und ich würde mal sagen, so mit 13, 14, 15 bin ich irgendwie drauf gekommen, dass nicht nur Kosmetik das Schönste auf der Welt ist, sondern dass Naturkosmetik das Schönste auf der Welt ist.
00:09:07
Speaker
Und als drittes noch Naturkosmetik, eigenes Familienunternehmen.
00:09:11
Speaker
Das ist, glaube ich, so das Schönste, was man machen kann.
00:09:14
Speaker
Aus meiner Perspektive weiterzuentwickeln, was meine Großeltern angefangen haben, meine Eltern weiterentwickelt haben und jetzt ich meine Ideen reinbringen darf.
00:09:26
Speaker
Schön.
00:09:28
Speaker
Woher kommen die eigenen Ideen?
00:09:30
Speaker
Wir haben ein Buch, das war der Ursprungspunkt von Karl und meiner Arbeit zusammen, auch ein Thema der Familienstrategie, implizite, explizite Strategie.
00:09:39
Speaker
Da war es schön beschrieben, der Unternehmer, der in sich weiß, wohin will, die implizite Strategie, die dann zur Leitlinie für das Unternehmen wird und alle sozusagen leitet.
00:09:49
Speaker
Wie ist das bei euch?
00:09:50
Speaker
Ja.
00:09:52
Speaker
Wie und wo entsteht Strategie?
00:09:54
Speaker
Ist sie bewusst?
00:09:55
Speaker
Wir wissen einfach, wo wir hin müssen und wie wir hin

Strukturierter Strategieprozess

00:10:00
Speaker
müssen.
00:10:00
Speaker
Ja, das ist eine Mischung aus beiden.
00:10:02
Speaker
Also zu wissen, wo man hin muss, reicht halt leider nicht.
00:10:05
Speaker
Man muss das ja in konkrete To-dos übersetzen.
00:10:09
Speaker
Und ich glaube, da hilft es, wenn man abgestimmt ist mit zum einen Geschäftsführerkollegen,
00:10:13
Speaker
Zum einen mit den Abteilungsleitenden und mit der ganzen Organisation.
00:10:17
Speaker
Nur dann wird eine Strategie auch wirklich gut und wirklich brauchbar und greifbar, wenn man sie ja umsetzt in konkrete Ziele und nächste Schritte und To-Dos.
00:10:30
Speaker
Gibt es da so Momente, wo du mit deinem Bruder in einem privaten Kontext zusammensitzt und ihr dann sagt, okay, das müssen wir jetzt mit reinbringen und noch mit anderen abstimmen?
00:10:46
Speaker
Oder ist es dann klar, ihr beide habt eine Idee, wo es hingeht und dann muss das irgendwie auf die Straße kommen?
00:10:54
Speaker
Die Momente gibt es auch, ja, aber der überwiegende Teil ist eher ein strukturierterer Prozess.
00:11:01
Speaker
Worüber ich persönlich sehr dankbar bin, weil sonst hat man das Gefühl, man muss ständig und immer an den Strategiethemen arbeiten und das passiert dann im Urlaub und an Weihnachten besonders gerne, weil da hat man dann die Zeit und so weiter.
00:11:12
Speaker
Ich versuche das zu vermeiden, allein meine drei Kinder und meinem Mann zu Liebe und auch ehrlicherweise mir selbst zu Liebe.
00:11:19
Speaker
Das heißt, wir haben einen strukturierten Strategieprozess.
00:11:22
Speaker
Da überlegen wir uns einmal im Jahr mit allen Abteilungsleitenden, wo wir hinwollen, was die Pläne sind, was die Ziele sind, was das Motto ist für das kommende Jahr, wie wir das runterbrechen.
00:11:32
Speaker
Es gibt einen ganz klassischen Strategiekreislauf, wo dann die Ideen der Strategie in die Budgets einfließen und in die Ziele fürs kommende Jahr einfließen.
00:11:41
Speaker
Also es gibt quasi diese Strategiekaskade, die wir
00:11:47
Speaker
Ich glaube, es ist sehr gewissenhaft Leben.
00:11:51
Speaker
Wo macht ihr das?
00:11:52
Speaker
Macht ihr das dann bei euch oder nehmt ihr euch dann eine Zeit dafür und fahrt irgendwo hin?
00:11:57
Speaker
Ja, wir fahren raus.
00:11:58
Speaker
Ich glaube, Off-Seite ist wichtig, woanders zu sein.
00:12:01
Speaker
Wir haben das auch schon hier gemacht, bei uns in Kalf.
00:12:03
Speaker
Wir haben auch genügend Platz, das ist nicht die Frage, aber erfahrungsgemäß ist in jeder Pause, galoppiert jeder kurz an den Schreibtisch und muss nur noch kurz das machen und noch kurz den callen und noch kurz dies, das.
00:12:15
Speaker
Man muss da schon ein bisschen den Kopf frei haben für Strategiearbeit und eben bewusst nicht in das Operative zurückgezogen werden.
00:12:25
Speaker
War das bei euch schon immer so, dass das so ein strukturierter Kreislauf war?
00:12:28
Speaker
Habt ihr damit begonnen?
00:12:29
Speaker
Haben das schon die Eltern gemacht oder schon Großmutter?
00:12:33
Speaker
Wann in der Unternehmensgeschichte ist strukturbasiert?
00:12:36
Speaker
Das ist ja auch immer so ein Wachstumszeitpunkt.
00:12:39
Speaker
Ja, die ist ein bisschen später reingekommen.
00:12:42
Speaker
Strategiearbeit haben wir nicht gehabt.
00:12:45
Speaker
Die mussten wir etablieren oder durften wir etablieren.
00:12:49
Speaker
Mein Vater hat das klassischerweise anders gemacht, die Strategiearbeit.
00:12:53
Speaker
Er hat sich Strategien überlegt und die sehr dezidiert aufgeschrieben und hat dann quasi die einzelnen Leute informiert darüber, was die Strategie ist und was ihr jeweiliger Beitrag dazu ist.
00:13:05
Speaker
Also ein anderer Weg.
00:13:07
Speaker
Ein ehrlicherweise sehr viel schnellerer Weg und ein ehrlicherweise sehr gestreamlineter Weg, wenn man so sagen kann.
00:13:19
Speaker
Ob das nachher zu dem Commitment bei den Leuten führt, weiß ich nicht.
00:13:23
Speaker
Ich glaube, alle mitzunehmen und gemeinsam darüber nachzudenken, hat zumindest einen Vorteil, was das Commitment der Menschen angeht.
00:13:32
Speaker
Das wäre ja das, was du vorhin sprachst.
00:13:34
Speaker
Die Unternehmerstrategie, die eher intuitiv ist und dann kaskadiert auf die Mitarbeitenden.
00:13:45
Speaker
Jetzt stelle ich mir die Umstellung nicht einfach vor, sagen wir es mal so.
00:13:53
Speaker
Da kam das Zögern her.
00:13:55
Speaker
Da war jetzt so ein Zögern drinnen.
00:13:59
Speaker
Wie hast du das erlebt?
00:14:03
Speaker
Das ist ja schon ein drastischer Bruch.
00:14:05
Speaker
Ja, absolut.
00:14:08
Speaker
Es gibt Menschen, die wollen das nicht.
00:14:09
Speaker
Es gibt Menschen, die wollen keine Strategiearbeit mitmachen.
00:14:12
Speaker
Die sehen es als Zeitverschwendung an und haben operative Themen, die sie drücken und um die sie sich kümmern wollen.
00:14:20
Speaker
Und es gibt Menschen, die sagen, endlich hört mich jemand und endlich kann ich meine ganzen Ideen einbringen,

Partizipative Strategieansätze

00:14:25
Speaker
die ich schon so viele Jahre habe.
00:14:28
Speaker
Und irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit wahrscheinlich.
00:14:35
Speaker
Das sind, glaube ich, die zwei Extreme.
00:14:36
Speaker
Es gab natürlich auch Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, weil sie gesagt haben, hey, uns wurde die Strategie immer vorgegeben, was mir als Mitarbeiter die Sicherheit gegeben hat, dass jemand wusste, was er tut.
00:14:47
Speaker
Und wenn mich jetzt jemand fragt, was denn die Strategie sein soll, dann heißt das doch implizit, dass diese Person gar keine Ahnung hat, wie man sowas macht.
00:14:54
Speaker
Und in so einem Unternehmen möchte ich nicht arbeiten.
00:14:56
Speaker
Das heißt, das ist tatsächlich echt ein riesen kultureller Change, irgendwie Strategiearbeit von einer Person auf 20 Köpfe zu verteilen, dafür auch zu werben, welchen Vorteil das hat.
00:15:08
Speaker
Und dass es nichts mit Planlosigkeit zu tun hat, sondern mit der Grundidee, dass man gemeinsam besser ist.
00:15:14
Speaker
Ist das für euch aus dem Problem heraus entstanden, dieser Wechsel?
00:15:18
Speaker
Also wo ihr gesagt habt, okay, so hat es vielleicht unser Vater gemacht, wir können das so nicht fortführen, weil das zu dem und dem Problem führt?
00:15:25
Speaker
Oder ist das sozusagen einfach erwachsen?
00:15:30
Speaker
aus, weiß ich nicht, ein anderer Blick auf... Ich glaube eher aus einem Entlastungsgedanken raus, weil das Problem, wenn du quasi eine Strategie einbriefst, dann bist du immer auch der, der hinterher sein muss, zu sagen, hast du den Meilenstein schon erreicht?
00:15:49
Speaker
Hast du daran gearbeitet?
00:15:51
Speaker
Wo ist da der Zwischenstand und so weiter?
00:15:52
Speaker
Ja.
00:15:53
Speaker
Und du bist quasi immer am Schieben und am Kontrollieren und am Themen wieder einsammeln, wieder zusammenfügen.
00:16:00
Speaker
Und das finde ich persönlich sehr mühsam.
00:16:05
Speaker
Ich finde es schöner, wenn Menschen proaktiv sagen, hey, mein Beitrag zu Strategie ist Baustein X.
00:16:11
Speaker
Das ist mein Zwischenstand und darüber würde ich gerne einmal informieren.
00:16:16
Speaker
Ich brauche übrigens hier Hilfe oder Budget oder weiß ich nicht was.
00:16:19
Speaker
Oder weniger Budget oder weniger Hilfe, geht auch mal in die andere Richtung.
00:16:24
Speaker
Und daraus ist es so ein Stück weit erst entstanden.
00:16:27
Speaker
Ja, aber natürlich auch mit der Situation, dass mein Vater rausging aus der operativen Geschäftsführung und aber noch irgendwie involviert sein wollte.
00:16:36
Speaker
Wie geht es denn weiter?
00:16:37
Speaker
Das heißt, wir haben klassisch einen Lenkungsausschuss aufgesetzt, wo wir große strategische Themen auch quasi regelmäßig im Reporting haben oder im Check-up haben, im gegenseitigen Check-up.
00:16:51
Speaker
Und ich glaube, daraus ist es auch ein Stück weit entstanden.
00:16:55
Speaker
Wie ist es ihm denn gegangen?
00:16:56
Speaker
Also das ist ja schon auch so, als Eltern, du hast ein paar Kinder, ich habe vier Kinder auch so, also man sieht ja dann auch manche Dinge schon anders, wenn man selbst Eltern ist, als aus der Kinderperspektive.
00:17:09
Speaker
Wie ist es ihm damit gegangen, dass er da den Laden durchaus umdreht?
00:17:13
Speaker
Kulturveränderung ist ja schon massiver eigentlich, auch im Sinne des Zutrauens oder des Zutraens.
00:17:20
Speaker
Also mein Vater war und ist sehr supportive.
00:17:24
Speaker
Also er hat uns da sehr, sehr viel zugetraut.
00:17:26
Speaker
Manchmal frage ich mich auch, wie er dieses Zutrauen zu uns haben konnte.
00:17:30
Speaker
Es ist ja immer gut gegangen, glücklicherweise.
00:17:36
Speaker
Und mein Vater war da sehr, sehr, sehr unterstützend unterwegs.
00:17:40
Speaker
klar, natürlich gibt es Kulturänderungsmomente, die überhaupt nicht gut zusammenpassen, wo wir auch echt aneinander geraten sind.
00:17:47
Speaker
Weiß nicht, Themen wie Dudes Kultur zum Beispiel.
00:17:51
Speaker
Also nichts lag ihm ferner oder lag ihm damals ferner.
00:17:53
Speaker
Ähm,
00:17:56
Speaker
Es gibt schon Punkte, da man natürlich so aneinanderrasselt, aber per se war mein Vater sehr großzügig in der Abgabe auch der Verantwortung zu sagen, hey, wenn ihr verantwortlich seid, seid ihr verantwortlich.
00:18:07
Speaker
Und klar, es gibt dann auch Zeiten, da sagt er schmunzelnd, als du deinen Kindern erst bringst, denen das Sprechen bei und danach korrigieren sie dich.
00:18:17
Speaker
Oh, I know.
00:18:19
Speaker
Ja, ich auch.
00:18:23
Speaker
Damals wusste ich nicht, was er meinte.
00:18:24
Speaker
Heute weiß ich es.
00:18:29
Speaker
Wenn man bloß wüsste, was man macht, wenn man Kinder erzieht.
00:18:31
Speaker
Absolut.
00:18:34
Speaker
Vielleicht noch zu einem Punkt zum Inhalt oder der Form der Strategie.
00:18:39
Speaker
Einerseits habe ich verstanden, ihr habt sehr klassische Strategieplanungsrede, also so wie man das auch aus anderen Unternehmen kennt.
00:18:46
Speaker
Was ist denn in eurer Form sozusagen in der Strategiearbeit besonders, würdest du sagen?
00:18:51
Speaker
Woran orientiert ihr euch?
00:18:53
Speaker
Was sind so die wichtigen Eckpfeiler der Strategieentwicklung, die für euch relevant sind?
00:19:01
Speaker
Ja, es ist natürlich, wenn du ein Traditionsunternehmen bist, hast du viele Dinge, die du aufrecht erhältst und die da sind, weil sie gut sind.
00:19:11
Speaker
Dann musst du natürlich immer die identifizieren, die da sind und nicht mehr gut sind.
00:19:15
Speaker
Also was lässt du bewusst zurück?
00:19:17
Speaker
Und dann ist der Kosmetikmarkt ein unheimlich dynamischer, also ein schnelllebiger Markt, nicht so wie die Fashion, nicht so in dem Ausmaß crazy, aber nah dran.
00:19:27
Speaker
Das heißt, du musst natürlich schnell auch auf Trends reagieren können und die in der Strategiearbeit berücksichtigen.
00:19:33
Speaker
Das heißt, du hast dieses ewige Dilemma zwischen, wie konkret musst du ein Ziel formulieren und wie offen musst du es halten.
00:19:41
Speaker
Das ist vielleicht eine Spezialität, die wir nochmal haben.
00:19:43
Speaker
Wahrscheinlich geht es anderen auch so, nur wenn man selber drin sitzt, denkt man sich, das ist nur bei uns kompliziert.
00:19:47
Speaker
Wahrscheinlich ist das bei allen die Herausforderung.
00:19:49
Speaker
Wie konkret willst du sein mit, ich weiß nicht, Umsatzzahlen für das Jahr 2033?
00:19:53
Speaker
Wie konkret müssen die sein?
00:19:55
Speaker
Wie konkret müssen die auch verschiedenen Vertriebskanälen, Produktkategorien und so weiter sein versus wie viel Freiraum lässt man sich dort?
00:20:05
Speaker
Hast du da, vielleicht wenn ich da mal einhake, weil ich glaube, dass das tatsächlich auch spannend ist für Zuhörerinnen und Zuhörer, so Entscheidungsformate, wo ihr sagt, also gerade diese Entscheidung zwischen, nehmen wir das mit, also lassen wir uns jetzt auf diesen Trend ein oder nicht, oder tauschen wir das aus gegen etwas, was vielleicht nicht mehr mitgezogen werden soll aus der Vergangenheit.
00:20:30
Speaker
Wie kommt ihr da zu Entscheidungen?
00:20:32
Speaker
Ist das was Demokratisches?
00:20:33
Speaker
Ist das eine
00:20:34
Speaker
Ist das Konsent?
00:20:35
Speaker
Wie kann man sich das vielleicht vorstellen?
00:20:40
Speaker
Erstmal ist es faktenbasiert, was, glaube ich, per se kein Fehler ist.
00:20:44
Speaker
Und dann kommt aber auch sehr häufig die Intuition mit rein.
00:20:49
Speaker
Und die Intuition der Menschen, die schon lange mit dabei sind, die zählt einfach auch.
00:20:55
Speaker
Und ob das jetzt ein Geschäftsführer ist oder ein Abteilungsleiter oder weiß ich nicht wer, das, ja...
00:21:02
Speaker
Am Ende zählt eine Intuition, die man entwickelt für den Geschäftsbereich und für die Branche, in der man ist.
00:21:12
Speaker
Weil wenn es nur Zahlen, Daten, Fakten getrieben wäre, dann könnten sie alle anderen auch.
00:21:19
Speaker
Dann bräuchte es uns nicht mehr.
00:21:21
Speaker
Vielleicht auch so eine Frage.
00:21:23
Speaker
Vorhin hast du schon gesagt, man muss nicht wissen, wohin, sondern auch, wie macht man es?
00:21:27
Speaker
Wenn man es in ein Spannungsfeld bringen würde,
00:21:31
Speaker
Ist für dich Strategie mehr die Logik des Handelns oder der Plan des Handelns?
00:21:38
Speaker
Das ist eine gute Frage.
00:21:41
Speaker
Ist es die Logik des Handelns oder der Plan des Handelns?
00:21:46
Speaker
Idealerweise ist es ja beides.
00:21:48
Speaker
Idealerweise gibt es ja die Strategie, so ein paar Eckpfeiler, die Entscheidungen, die unten drunter sind, einem logischen Gerüst zu ordnen.
00:21:58
Speaker
Das wäre ja der idealen Zustand.
00:22:00
Speaker
Ja, ja.
00:22:05
Speaker
Es gibt Kulturen, da ist der Plan sehr viel wichtiger.
00:22:10
Speaker
Vor allem der Plan wichtig und es gibt Kulturen, da ist die Logik sozusagen, der Grundgedanke, die Ausrichtung, Positionierung wichtiger.
00:22:17
Speaker
Deswegen war ich so, das ist... Ja, also ich kann es pauschal nicht beantworten.
00:22:21
Speaker
Es kommt, also idealerweise hast du eine so gute Strategie, dass die Logiken, die dahinter sind, klar sind, den Leuten klar sind, die da mit dran arbeiten und dann diese Logiken auch auf andere Themen übertragen können.
00:22:32
Speaker
Und dann...
00:22:33
Speaker
ist der Plan natürlich, ich sag mal, die harten Zahlen und Fakten, die musst du ja eh anpassen.
00:22:37
Speaker
Ich meine, wir legen in der Welt gerade, keine Ahnung, das ist der 13. des Monats und ich kann den Umsatz des Monats noch nicht sagen.
00:22:44
Speaker
Also, it's the wild world, also wie fest willst du an oder musst du an Planzahlen, die ein oder drei oder fünf Jahre vorausliegen, wie sehr kannst du dich da festhalten?
00:22:55
Speaker
Idealerweise passt das Ergebnis am Ende des Tages und dann bist du...
00:23:01
Speaker
Ist ein bisschen frei in der Gestaltung, wie man da hinkommt.
00:23:07
Speaker
Wie würdest du eure, du hattest es da ein bisschen beschrieben, es geht schon darum, gemeinsam zu einer Strategie zu kommen, mit der möglichst viele Leute mitgehen können.
00:23:21
Speaker
Wenn du dich so umschaust in deiner Umgebung, andere Familienunternehmen, vielleicht aber auch andere
00:23:29
Speaker
Naturkosmetikhersteller, seid ihr da so ein bisschen die bunten Vögel?
00:23:34
Speaker
Oder gibt es diese Bewegung schon, dass man mehr auf Partizipation setzt statt auf... Ich glaube, ehrlicherweise, das können die nur die Mitarbeitenden von den Unternehmen beantworten.
00:23:48
Speaker
Wenn ich die Familienunternehmer dahinter kenne oder die CEOs dahinter kenne, sprechen natürlich alle von Partizipation, weil es einfach irgendwie schick ist.
00:23:56
Speaker
Und irgendwie man das Gefühl hat, dass man damit irgendwie, weiß ich nicht, andere Talente anzieht oder keine Ahnung.
00:24:06
Speaker
Ich kann es nicht beantworten.
00:24:07
Speaker
Ich glaube, alle würden es gerne machen.
00:24:09
Speaker
Es hängt nachher.
00:24:12
Speaker
Es scheitert manchmal an der Realität, habe ich den Eindruck von dem, was man von Mitarbeitenden hört, die von anderen Unternehmen zu uns kommen.
00:24:19
Speaker
Hast du den Eindruck, ihr seid damit...
00:24:22
Speaker
Wirksam, also eine Frage, die in den Folgen ja immer wieder aufkommt, ist, okay, Strategie formulieren, das kriegen wir irgendwie alle hin, egal ob jetzt partizipativ oder man gibt halt was vor, aber das Geld wird sozusagen in der Umsetzung verdient.
00:24:39
Speaker
Hast du das Gefühl, es gelingt euch, dass die Dinge, die ihr da einmal im Jahr zusammen entscheidet, dann auch bei den Mitarbeitenden angenommen werden und ankommen?
00:24:50
Speaker
Ja, weil eben die Strategie operationalisiert wird und da fängt ja der Spaß an.
00:24:59
Speaker
Also wir haben ja alle kein Erkenntnisproblem, wir haben ja alle ein Umsetzungsproblem.
00:25:02
Speaker
Richtig.
00:25:04
Speaker
Und am Ende, wenn du die Strategie runterbrichst auf Abteilungsziele und dann auf Teamziele und dann auf individuelle Ziele, nur dann kommt es ja ins Fliegen.
00:25:16
Speaker
Und das ist, glaube ich, der mühsamste Punkt und der entscheidendste Punkt.
00:25:20
Speaker
Und wenn der fehlt, dann spart man sich am besten die ganze Strategiearbeit vorne dran.
00:25:24
Speaker
Weil dann ist es einfach die Zeit nicht wert.
00:25:27
Speaker
Genau, das wäre dann die Anschlussfrage, ob ihr euch dann auch die Zeit nehmt, die Umsetzungsqualität, sage ich jetzt mal, zu reflektieren und zu sagen, okay, das hat uns jetzt im letzten Jahr, das hatten wir vor, jetzt nicht nur im Sinne von hat geklappt oder nicht geklappt, sondern im Sinne von, das haben wir tatsächlich auch
00:25:45
Speaker
an die Kolleginnen und Kollegen erfolgreich weiterleiten kann.
00:25:51
Speaker
Ich glaube, nach einem Jahr ist es zu spät.
00:25:53
Speaker
Das sollte man tatsächlich regelmäßiger machen.
00:25:55
Speaker
Weil es ein bisschen traurig ist, wenn man nach einem Jahr drauf schaut und sagt so, oh, schade.
00:25:59
Speaker
Das haben wir ganz vergessen in der Schublade.
00:26:00
Speaker
Hör mal, Mensch, wir hatten doch davor, Marktführer zu werden, so ein Käse.
00:26:05
Speaker
Also, wir machen das so in drei bis vier monatlichen Abständen.
00:26:10
Speaker
Natürlich mit dem kleineren Kreis, mit Vertrieb und Marketing.
00:26:15
Speaker
Controlling und so ein paar Abteilungsleitenden, da schon regelmäßig drauf zu schauen.
00:26:20
Speaker
Und auch noch anzupassen?
00:26:21
Speaker
Also habt ihr dann auch die Chance, da noch ein bisschen zu tweaken?
00:26:25
Speaker
Ja, klar.
00:26:27
Speaker
Reality hits hard.
00:26:33
Speaker
Und ändert sich der Charakter der Strategie bei euch häufig?
00:26:40
Speaker
Ich könnte mir jetzt vorstellen, in der Naturkosmetik geht es viel um Positionierung, aber es kann ja auch um andere Sachen gehen.
00:26:47
Speaker
Wir wollen unsere Kernkompetenzen stärken, ausbauen, ein paar Dinge vielleicht sozusagen loslassen.
00:26:56
Speaker
Es geht um Kostenoptimierung, wie auch immer.
00:26:59
Speaker
Gibt es da so ein Thema, was euch immer begleitet in dieser Strategie?
00:27:03
Speaker
Arbeit?
00:27:06
Speaker
Ja, also ich meine, der Schwerpunkt bleibt schon der gleiche.
00:27:11
Speaker
So ganz reaktiv und sprunghaft kann man es nicht anpassen.
00:27:14
Speaker
Ich würde das gerne machen, ich sage es ganz ehrlich.
00:27:15
Speaker
Ich bin Team, oh, ich habe eine neue Idee, wie wäre es mit der?
00:27:21
Speaker
Glücklicherweise ist mein Bruder da anders gestrickt und da ein verlässlicherer Typ oder jemand, der dann unter die Unterlagen rauswischelt und sagt, aber wir haben uns doch darauf geeinigt, aus denen und denen Gründe.
00:27:30
Speaker
Das waren doch die
00:27:31
Speaker
Die dahinterliegenden Argumente und daran hat sich jetzt grundlegend nichts geändert.
00:27:35
Speaker
Wenn sich grundlegend was geändert hat, müssen wir es überprüfen, ja.
00:27:38
Speaker
Aber wenn sich grundlegende Annahme nicht geändert hat, brauchen wir es ja nicht überprüfen.
00:27:41
Speaker
Lange Rede, kurzer Sinn.
00:27:42
Speaker
Es ist hilfreich, wenn man jemanden hat, der, ich sag mal, eher der verlässlichere Typ ist oder der konstantere Typ ist in der Strategiearbeit.
00:27:51
Speaker
Aber natürlich kommt immer irgendwelche unvorhergesehene Dinge dazu und ein bisschen Flexibilität.
00:27:57
Speaker
Es geht ja immer wieder darum, unterschiedliche Perspektiven reinzubringen.
00:28:02
Speaker
In der Strategiearbeit, was man in eine Ecke kippt, dann wird es gefährlich, wenn alle auf das Gleiche schauen.
00:28:09
Speaker
Das zählt auf Spannen, mehr Dimensionen zu vernetzen und auch in den Widerspruch zu bringen.
00:28:15
Speaker
Das ist, glaube ich, schon ein wichtiger Punkt.
00:28:18
Speaker
Ich habe eine Frage, vielleicht erschließen Sie mich.
00:28:22
Speaker
Ist der Hut...
00:28:25
Speaker
Strategisch?
00:28:29
Speaker
Wir sprechen mit all dieser Linie.
00:28:30
Speaker
Oh, ich habe mal einen Hut.
00:28:34
Speaker
Ich liebe Hüte, aber das ist ja mal ein Hut.
00:28:37
Speaker
Ist der Hut strategisch?
00:28:39
Speaker
Oder ist man einfach als Schwarzwälder so?
00:28:43
Speaker
Bei allen, die das Bild nicht kennen, ich trage sehr häufig einen Schwarzwälder-Bollenhut.
00:28:47
Speaker
Das ist ein Spruchhut mit roten Wollpompons drauf.
00:28:50
Speaker
Sehr schick.
00:28:55
Speaker
Ist ja strategisch, keine Ahnung, vielleicht mittlerweile, ich kann es nicht genau, also grundsätzlich, ich habe ihn einfach geschenkt bekommen von meiner Belegschaft, als ich in die USA gegangen bin.
00:29:02
Speaker
Ich war da fünf Monate und habe den Markt aufgebaut und das war quasi der Hut als Symbol für den Schwarzwald, damit ich meine Belegschaft zu Hause nicht vergesse.
00:29:13
Speaker
Deswegen hatte ich diesen Hut in den USA dabei und dann hatte ich einen Presse-Dinner mit amerikanischen Journalisten und da dachte ich mir, jetzt habe ich den Hut über den ganzen Ozean transportiert, das kann ich ja auch aufsetzen.
00:29:23
Speaker
Und habe ihn aufgesetzt und ihr kennt die Amerikaner, die waren natürlich totally amazed von diesem fantastischen, fabelhaften Hut.
00:29:29
Speaker
Und dann dachte ich, ach, wenn die Amerikaner sich so freuen, vielleicht freut sich zu Hause auch jemand, wenn ich den Hut aufhabe.
00:29:34
Speaker
Und so war es dann.
00:29:34
Speaker
Und ja, die Leute freuen sich, wenn ich den Hut trage.
00:29:37
Speaker
Ich komme in super nette Gespräche, unterhalte mich grundsätzlich sehr gern.
00:29:41
Speaker
Und dann unterhalte ich mich noch mit mehr Menschen, die mich ansprechen und Fragen haben zu dem Hut und ganz viele sagen, oh, ich komme auch aus dem Schwarzwald oder ich war mal im Schwarzwald oder...
00:29:49
Speaker
Ich hatte mal eine Großtante im Schwarzwald und jeder hat irgendwie eine schöne Geschichte zum Schwarzwald, die ich gerne höre.
00:29:55
Speaker
Und viele verbinden es natürlich mittlerweile auch mit Anne-Marie Börlind und mit mir als Person.
00:30:04
Speaker
Ich habe mir gedacht, wenn ich Marketing-Stratege, ich glaube, es gibt viele Markenstrategen, die gerne die Idee des Hutes gehabt hätten, weil er ist ötonisch, er ist ein Differenzierungsmerkmal, den kann jetzt niemand mehr in der Branche aufsetzen.
00:30:16
Speaker
Also da ist schon was gelungen.
00:30:21
Speaker
Ich war mir wirklich nicht sicher, sozusagen.
00:30:24
Speaker
Jetzt ist es eine sehr charmante und charlante Geschichte des Geschehens, der Entwicklung, aber er hätte auch von einem brillanten Strategen sein können.
00:30:33
Speaker
Das will ich an der Stelle jetzt mal unterstellen, dass es eigentlich strategisch war.
00:30:38
Speaker
Nicht, dass man die Hutträgerin als brillante Strategin bezeichnen könnte.
00:30:42
Speaker
Das wollte ich ja jetzt unterstellen gerade.
00:30:45
Speaker
Ich glaube, es passiert nicht.
00:30:47
Speaker
Ich glaube, es ist strategisch...
00:30:49
Speaker
Ja, also ich meine, du musst es schon wollen.
00:30:52
Speaker
Das macht ja auch kein anderer, kein angestellter CEO.
00:30:56
Speaker
Er setzt einen schwarzweilen Hut auf und galoppiert damit durch die Lande.
00:30:58
Speaker
Das macht er nicht.
00:30:59
Speaker
Das macht er, wenn du dein eigenes Unternehmen hast und ein paar Marketingmillionen kompensieren musst, die die anderen halt mal so als Marketingbudget raushauen.
00:31:06
Speaker
Das musst du ja halt was anderes einfallen lassen, wie du das machst als Familienunternehmer.
00:31:10
Speaker
Und das finde ich wirklich gelungen.
00:31:13
Speaker
Wir hatten das Paper, das wir vorhin besprochen hatten, und da geht es schon um Position, ganz wesentlich um Differenzierung.
00:31:20
Speaker
Und da ist dir ja wirklich was gelungen, was man nicht kopieren kann.
00:31:26
Speaker
Also das ist jetzt dermaßen gekeunt und das ist ja, wonach alle suchen.
00:31:30
Speaker
Also ich beobachte ja auch bei meinen Kunden viele, es ist so eine Suche danach nach Differenzierungsmerkmalen, aber ich kenne niemanden, dem das so brillant gelungen ist und auch etwas, wo niemand anderer hingreifen kann.
00:31:43
Speaker
Das ist ja das Charmante da.
00:31:45
Speaker
Das ist so, wer soll sich jetzt noch hinstellen?
00:31:47
Speaker
Vielleicht ein Steirer mit einem Steirer-Hotard, das wird nie das Gleiche sein.
00:31:51
Speaker
Und dann auch nochmal in dieser Verbindung der Idee der Naturkosmetik mit dem Material des Huts.
00:31:56
Speaker
Also ich finde es schon, also insofern, ich glaube nicht, dass es passiert ist.
00:32:03
Speaker
In dem Sinne zeigt man für Österreich Hut ab für die Brillanz dieser Strategie im Marketing.
00:32:07
Speaker
Danke.
00:32:10
Speaker
Es ist eine Mischung aus passiert und behalten.
00:32:12
Speaker
Einigen waren es da auch.
00:32:15
Speaker
Es funktioniert.
00:32:17
Speaker
Ich hatte jetzt so Bilder gesehen von dir, wie du mit einer Delegation in Indien warst.
00:32:25
Speaker
Da gibt es ein Gruppenfoto und alles andere tritt so ein bisschen in den Hintergrund.
00:32:31
Speaker
Der Poliskanzler hat seine Körpergröße, die muss ich kompensieren mit dem Hut.
00:32:36
Speaker
Mit 1,65 muss dir was anderes einfallen.
00:32:40
Speaker
Ich sehe was anderes.
00:32:41
Speaker
Gerade wenn man in vielen Räumen ist, wo sehr viele Männer sind, was selbst in der Kosmetikbranche auf CEO-Level sehr üblich ist, hilft es, wenn man keinen schwarzen Anzug trägt, sondern einen roten Bollenhut auf dem Kopf hat.
00:32:55
Speaker
Das ist schon definitiv in einer visuellen Welt.
00:32:58
Speaker
Das ist kein Fehler, ja.
00:32:59
Speaker
Diese Entscheidung, in die USA zu gehen, hat das lange gebraucht,

Expansion in die USA

00:33:04
Speaker
da hinzukommen?
00:33:04
Speaker
Oder ist das, oder erste Frage, ist das auch in einem dieser strukturierten Treffen entstanden oder war das eher was...
00:33:15
Speaker
Das ist eine Bayerassitzung entstanden, kam die Idee, man war ein Bayerassmitglied, weil wir den Markt eben selbst aufbauen und da eben keinen Distributor haben, sondern selber mit einer eigenen Mannschaft vor Ort sind.
00:33:31
Speaker
Irgendwann hat sich so das Gefühl eingeschlichen, dass ich alle Infos immer so aus dritter Hand hatte und das ist irgendwie unglücklich, wenn du relativ viel Geld in den Markt investierst und irgendwie die Händler nicht richtig kennst und eigentlich nicht weißt, wie sehen eigentlich die Kunden aus, die bei dem Händler A und B einkaufen.
00:33:44
Speaker
Lohnt es sich wirklich so viel Geld dafür auszugeben?
00:33:47
Speaker
Ist es richtig, so viel Potenzial darauf zu setzen oder so viel Hoffnung auf diesen anderen Retailer zu setzen, wie auch immer?
00:33:52
Speaker
Die Wartung vor Ort.
00:33:55
Speaker
Ja, ein bisschen zur Frage, haben die Kunden überhaupt Bock auf Kosmetik aus Deutschland, auf Naturkosmetik aus Deutschland?
00:34:02
Speaker
So, find die den Duft überhaupt gut, den Textur gut und klar kannst mit 100 Leuten reden, die dir alle sagen, so, nee, nee, alle finden es amazing, aber am Ende musst du halt selber am Regal stehen und den Leuten die Produkte verkaufen und nur dann wirst du, nachdem du das 10, 15, 20 Mal gemacht hast, kommt immer wiederkehrendes Feedback und dann hast du irgendwann geblickt, warum die Leute kaufen und warum sie nicht kaufen und das erlebst du halt nur, wenn du die Zeit hast und dort vor Ort bist, mit einem kurzen
00:34:26
Speaker
ein CEO-Visit vor Ort, wirst du es halt nicht hinkriegen, weil da sind halt alle immer gebrieft und alle wissen immer, was sie sagen sollen und was sie auf gar keinen Fall sagen sollen.
00:34:35
Speaker
Und wenn man hundertmal sagt, brieft bitte niemanden, ich möchte die ungefilterte Wahrheit haben, kommst du irgendwann fort, ein paar Mal, bis du verstanden hast, okay, das funktioniert so nicht.
00:34:44
Speaker
Lange Rede, kurzer Sinn, dann war das vielleicht so, ich denke mal so ein Jahr Vorbereitung, das tatsächlich auch zu machen.
00:34:50
Speaker
Ich habe mit meinem Mann gesprochen und gesagt, du kannst dir vorstellen, dass wir...
00:34:53
Speaker
In die USA gehen für eine Zeit und sag dann, ja, was denkst du denn, wie lange?
00:34:57
Speaker
Sag ich, ja, so fünf Monate müssten schon sein.
00:35:00
Speaker
Ach so, ich dachte, wir sprechen jetzt von fünf Jahren.
00:35:01
Speaker
Na klar, überhaupt kein Problem.
00:35:03
Speaker
Komm, wir gucken in den Kalender, weil es am besten passt.
00:35:06
Speaker
Und genau, sind wir alle zusammen nach L.A.
00:35:09
Speaker
Meine Kinder waren dann, unsere Kinder waren noch nicht in der Schule.
00:35:12
Speaker
Deswegen ging das ein bisschen einfacher zu machen.
00:35:15
Speaker
Aber natürlich habe ich wie so vieles brutal unterschätzt, was das bedeutet.
00:35:21
Speaker
Und manchmal ist es auch gut, man weiß es alles immer gar nicht vorher, was darauf hinzukommt.
00:35:24
Speaker
Das gilt für Unternehmertum, das gilt für die Liebe, das gilt für Auslandsreisen oder Auslandsaufenthalte in den USA mit Sicherheit auch.
00:35:33
Speaker
Was war das, was dich so komplett überrascht hat?
00:35:38
Speaker
Wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, klingt es very obvious.
00:35:42
Speaker
Ich wusste es nur vorher nicht, wie brutal diese Zeitverschiebung tatsächlich ist für neun Stunden.
00:35:46
Speaker
Das ist so übel, weil ich halt in Deutschland habe ich nicht normal weiter gearbeitet.
00:35:51
Speaker
Ich habe schon einige Themen meinem Bruder übergeben und unserem dritten Geschäftsführer übergeben.
00:35:55
Speaker
Die haben mich schon echt entlastet.
00:35:56
Speaker
Aber es gibt natürlich trotzdem Termine.
00:35:58
Speaker
Die müssen halt zu dritt stattfinden oder musst du halt trotzdem dabei sein.
00:36:01
Speaker
Das heißt, ich habe halt morgens um fünf angefangen zu arbeiten.
00:36:03
Speaker
Das heißt, du stehst halt jeden Morgen um halb fünf auf oder stehst um vier Uhr auf.
00:36:08
Speaker
Alle schlafen noch, es ist dunkel und es ist kalt und du bist todmüde, weil du natürlich trotzdem erst um elf ins Bett gegangen bist.
00:36:17
Speaker
Das ist einfach brutal anstrengend.
00:36:19
Speaker
Das kriegst du eine Woche gut hin, das kriegst du zwei Wochen, das kriegst du auch zwei Monate, drei Monate auch gut hin.
00:36:25
Speaker
Aber dann irgendwann geht es echt an die Substanz.
00:36:27
Speaker
Und dann bist du quasi das erste Mal draußen bei Sonnenlicht um 11 Uhr morgens.
00:36:31
Speaker
Und dann hast du einen Blick auf das Meer und die Sonne scheint und es sind Palmen.
00:36:34
Speaker
Das ist superschön.
00:36:36
Speaker
Das siehst du dann genau eine halbe Stunde.
00:36:38
Speaker
Und dann gehen die Kurs mit den amerikanischen Kollegen durch.
00:36:42
Speaker
Und ja, du lebst einfach zwischen den Welten und das ist ultraanstrengend.
00:36:49
Speaker
Du hattest am 1.
00:36:50
Speaker
April, hattest du dann gepostet, Überraschung, wir bleiben für immer.
00:36:53
Speaker
Erinnere ich mich noch, gab es so einen Gedanken, so von wegen, wir könnten noch ein bisschen länger bleiben?
00:37:01
Speaker
Nein, gab es nicht, keine Sekunde.
00:37:03
Speaker
Ich gehöre in den Fahrzeuge, ich gehöre hier, hier ist mein Zuhause, hier ist meine Heimat und die kann man für eine Zeit lang, kann ich die tauschen und ich bin super gerne auch unterwegs und die USA waren toll und Los Angeles ist fantastisch und
00:37:18
Speaker
Ich habe lange genug in New York gelebt und auch in Wien gelebt und in Hamburg und in Berlin und weiß der Geier, München, Bodensee, weiß ich nicht wo, überall.
00:37:26
Speaker
Superschön für meine Zeit, aber ich gehöre da einfach nicht hin.
00:37:28
Speaker
Ich gehöre einfach genau hier nach Kalf und ich merke es in der Sekunde, wo ich dann im Ortsschild vorbeifahre, weiß ich, ich bin zu Hause, ich gehöre nicht hin.
00:37:38
Speaker
Es ist ja schön, nicht, dass man das braucht, dass man das auf diese Art und Weise sozusagen nochmal so deutlich gezeigt bekommt, aber ich finde es auch eine ganz schöne Bestätigung, wenn man das auf die Art und Weise merkt.
00:37:50
Speaker
Absolut, wo man hingehört, ja.
00:37:53
Speaker
Das ist mein Sohn, wo ich hingehöre.
00:37:55
Speaker
Karl.
00:37:56
Speaker
Ja, bitte.
00:37:57
Speaker
Eine Frage.
00:37:58
Speaker
Ein Fazit zu unserem Gespräch an dieser Stelle.
00:38:01
Speaker
Ein Fazit zu unserem Gespräch.
00:38:02
Speaker
Jetzt zurück, bitte, die letzte halbe Stunde.
00:38:05
Speaker
Ich meine, die ganze Reise
00:38:07
Speaker
Also was mich jetzt, was mich tatsächlich gefreut, klingt komisch.

Reflexionen zur partizipativen Strategieentwicklung

00:38:15
Speaker
Ich fand es schön, jetzt von dir nochmal zu hören, was wir ja sozusagen in der theoretischen Abhandlung mit Rudi Wimmer auch schon einmal hatten, dieses Spannungsfeld zwischen
00:38:30
Speaker
Man hat als Familienunternehmerin natürlich eine Intuition.
00:38:36
Speaker
Man hat eine Intuition und man möchte eigentlich, dass dieser Intuition möglichst schnell und von möglichst vielen gefolgt wird.
00:38:45
Speaker
Und auf der anderen Seite steht aber, du hast es, der Entlastungsgedanke, so hast du es genannt, auf der anderen Seite steht das Problem, dass man dem dann halt auch nachhalten muss.
00:38:56
Speaker
Und zwar nicht, dieses Nachhalten lässt sich dann sehr schwer delegieren, weil man halt eine Intuition hat.
00:39:04
Speaker
Und das ist was anderes, als wenn man sozusagen mit einer größeren
00:39:10
Speaker
Gruppe gemeinsam zu Entscheidungen kommt und dieses Nachhalten auf mehrere Schultern verteilen kann.
00:39:16
Speaker
Also das nochmal aus deinem Mund, aus der praktischen Erfahrung zu hören, fand ich
00:39:24
Speaker
Fand ich schön.
00:39:25
Speaker
Wir kommen oft in so eine Situation, wo wir sozusagen sagen möchten, partizipative Strategieentwicklung ist der Weg, ist das einzig Richtige.
00:39:34
Speaker
Du hast irgendwie nochmal gesagt, dass viele möchten sich auch damit schmücken aus deinem Umfeld.
00:39:40
Speaker
Und ganz so einfach ist es natürlich auch nicht.
00:39:43
Speaker
Also dieses Richtig und Falsch passiert einem ja, also dieses Moralisieren von Strategieentwicklungstypen passiert einem ja auch häufig.
00:39:51
Speaker
Und auch da sagen wir ja,
00:39:53
Speaker
Also es ist kein klares Ja und Nein, sondern man muss irgendwie sich schon für einen Weg entscheiden und die Kosten dafür aber so ein bisschen auch mittragen und in Kauf nehmen.
00:40:04
Speaker
Fand ich, kam irgendwie ganz gut rüber.
00:40:09
Speaker
Ich hatte sich so verstanden, dass dieses zu Entscheidungen kommen tatsächlich...
00:40:15
Speaker
beinahe wie in einem hierarchiefreien Raum stattfindet.
00:40:17
Speaker
Also das ist dann egal, dass du Geschäftsführerin bist und dein Bruder Geschäftsführer ist.
00:40:23
Speaker
Wenn da jemand ist, der in diesem Feld, wo diese Entscheidung getroffen werden muss, einfach schon lange unterwegs ist, dann vertraut man dieser Intuition dieser Person und trifft dann da eine gemeinsame Entscheidung.
00:40:35
Speaker
Ich kann mir vorstellen, dass das manchmal nicht so einfach ist, gerade wenn man eigentlich gerne vielleicht was anderes macht,
00:40:41
Speaker
machen möchte und vielleicht ist es aber auch eine Entlastung, dass jemand einem das abnimmt, diese Intuition.
00:40:47
Speaker
Das ist auch super spannend.
00:40:52
Speaker
auch mal zu gucken, ob es was wird.
00:40:56
Speaker
Ja, voll.
00:40:57
Speaker
Sorry, ich wollte nicht deine Zusammenfassung.
00:40:59
Speaker
Es ist ja auch nochmal ein schöner Spiegel, ob das, was ich höre, da überhaupt gesagt wurde.
00:41:07
Speaker
Ich hätte ja widersprochen, wenn es anders wäre.
00:41:12
Speaker
Das andere, was ich auch ganz schön zur Sprache gekommen ist, finde ich, dieses Spannungsfeld zwischen Aufrechterhalten, also gerade im traditionsreichen
00:41:22
Speaker
Man kommt bei euch auf die Webseite und das Erste, was man sieht, ist deine Oma.
00:41:27
Speaker
Und da geht es um Aufrechterhalten und Weiterführen und manche Dinge aber auch loslassen.
00:41:34
Speaker
Das stelle ich mir wahnsinnig schwer vor.
00:41:35
Speaker
Ich finde, das kam irgendwie auch nochmal ganz schön rüber.
00:41:41
Speaker
Ja, das sind so die Dinge, die ich mir einmal notiert und die mir aber auch im Kopf so hängen geblieben sind.
00:41:50
Speaker
Die USA-Geschichte ist natürlich auf jeden Fall mal spannend davon, so ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.
00:42:00
Speaker
Die würde ich auch noch gerne highlighten.
00:42:02
Speaker
Für mich dieses aus dem Markt heraus Strategie machen, aus der Kenntnis, dieses wirklich zuhören, wo der Kunde ist.
00:42:08
Speaker
Also nicht den gefilterten Bericht.
00:42:11
Speaker
Und manchmal haben wir es in der Strategieklausur.
00:42:13
Speaker
Wir haben ein Modell einer Realität, das aus Berichten besteht.
00:42:18
Speaker
Aber dieser Eindruck, den mitzubringen, das habe ich da auch ein Stück mitgenommen.
00:42:23
Speaker
Hat sich das verändert, das Verhältnis jetzt zu den Kollegen in den USA seit deinem Besuch oder seit eurem Besuch als Familie?
00:42:31
Speaker
Klar, du kennst die Kollegen.
00:42:33
Speaker
Die sind aber nicht über Teams und nicht über ein Mal im Jahr treffen.
00:42:38
Speaker
Das ist natürlich was anderes, wenn man eine Zeit lang zusammengearbeitet hat und engeren Austausch hatte natürlich.
00:42:46
Speaker
Wie viel sind es dir da?
00:42:48
Speaker
Fünf.
00:42:50
Speaker
Kommen die auch nach Kalf zur Weihnachtsfeier?
00:42:53
Speaker
Nein, da schwätzt es noch Schwäbisch.
00:42:54
Speaker
Da schwätzt es noch so viel Englisch.
00:42:56
Speaker
Das kriegen wir.
00:42:56
Speaker
Wir haben ein Sommerfest und da gucken wir mal, dass wir ein paar zusammen holen.
00:43:09
Speaker
Genau, das Verhältnis, das ist auf jeden Fall enger geworden.
00:43:13
Speaker
Würdest du sagen, dass sich die Entwicklung im amerikanischen Markt auch irgendwie verändert hat, dadurch, dass du vor Ort warst?
00:43:20
Speaker
Ja.
00:43:20
Speaker
Ich denke schon, ja.
00:43:21
Speaker
Wäre wahrscheinlich komisch.
00:43:23
Speaker
Nö, aber war eine gute Zeit.
00:43:27
Speaker
Bist du früh aufgestanden, in Deutschland die Kollegen im Stich gelassen haben.
00:43:33
Speaker
Nee, und na klar, sprichst du mit dem Team dann anders, wenn du die Kunden kennst.
00:43:37
Speaker
Und zwar die Retailer kennst und die Dynamik im Markt kennst und die anderen den Wettbewerb kennst und so weiter.
00:43:44
Speaker
Natürlich macht das einen Unterschied.
00:43:45
Speaker
Ja, ja.
00:43:49
Speaker
sind wir schon fast am Ende unseres Gesprächs angelangt.
00:43:52
Speaker
Es gibt eine Frage, die wir neuerdings allen unseren Gästen stellen.
00:43:56
Speaker
Wir waren vorhin dabei, Strategiearbeit und viel mit unterschiedlichen Perspektiven zu bringen.

Empfehlungen und persönliche Einblicke

00:44:02
Speaker
Frage auch an dich, ein Buch, ein Podcast, den du empfehlen möchtest als Anregung, den wir da mitnehmen dürfen, nach vorne hin.
00:44:14
Speaker
Ich mag grundsätzlich den Podcast von Hotel Matze, mag ich super gern.
00:44:19
Speaker
Besonders die Folge von Ferdinand von Schirach gefällt mir gut.
00:44:23
Speaker
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger und Bestseller-Autor, allerdings auch Kinderbuch-Autor.
00:44:29
Speaker
Und da war er bei Matze Hilscher zu Besuch und hat ein bisschen drüber gesprochen.
00:44:34
Speaker
Einfach ein ganz interessanter Mensch, dem man gerne zuhört.
00:44:37
Speaker
der auch dann auch so ein bisschen abschweift gedanklich, aber man kann total schön mitgehen und man geht so gedanklich spazieren und spricht über die Würde, also er spricht über die Würde des Menschen und über ganz viele Themen, über die man sich den Alltag über zu wenig Gedanken macht oder ich zu viel.
00:44:51
Speaker
Und das war ganz, da kribbelt es im Kopf.
00:44:57
Speaker
Stimmt, die sind aber recht lang.
00:44:59
Speaker
Das stimmt, ja.
00:44:59
Speaker
Aber es macht auch Sinn, weil die einfach auch echt in die Tiefe gehen.
00:45:03
Speaker
Wo nimmst du dir die Zeit, so lange Podcasts zu hören?
00:45:08
Speaker
Mit drei Kids?
00:45:09
Speaker
Ah ja, okay.
00:45:13
Speaker
Einmal so Rückfahrt vom Flughafen oder Rückfahrt vom Flughafen, wenn dann, keine Ahnung, um 21 Uhr abends wirklich keiner mehr Bock und Zeit hat zu telefonieren.
00:45:26
Speaker
Inklusive mir, wenn ich einfach meine Worte alle aufgebraucht habe.
00:45:33
Speaker
Sehr schön.
00:45:35
Speaker
Das geben wir gerne rein.
00:45:38
Speaker
Wir werden in den Shownotes auf jeden Fall natürlich zu eurer Firma verlinken.
00:45:46
Speaker
Gibt es noch irgendwas anderes, was du gerne noch loswerden möchtest?
00:45:51
Speaker
Irgendwas, was die Hörerinnen und Hörer noch erfahren sollten?
00:45:54
Speaker
Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach meinen Buchempfehlungen gefragt werde, weil ich einfach keine Zeit habe zum Lesen.
00:46:01
Speaker
Dann fällt mir immer wieder ein, warum nicht.
00:46:02
Speaker
Aber da war ja was.
00:46:07
Speaker
Man hat trotzdem ein schlechtes Gewissen und denkt sich, muss man...
00:46:10
Speaker
Muss man nicht irgendwie so fancy-schmancy-Strategie-Bücher und so zusammen.
00:46:14
Speaker
Um Gottes Willen.
00:46:16
Speaker
Um Gottes Willen.
00:46:18
Speaker
Und dann habe ich mich gefragt, was das letzte Buch war, was ich gelesen habe.
00:46:22
Speaker
Und das ist tatsächlich das Ninehorn.
00:46:24
Speaker
Ich weiß nicht, wer von euch das Ninehorn kennt.
00:46:26
Speaker
Meine absoluten Lieblingskinderbücher.
00:46:28
Speaker
Ein wunderbar lustig geschriebenes Buch, was dafür sorgt, dass die Eltern nicht in Sekunde eins einschlafen beim Vorlesen, wenn sie um 20 Uhr nach zwei, drei, fünf des Tages noch Bücher vorlesen.
00:46:39
Speaker
Und irgendwie hat das Neinhorn auch was mit Strategiearbeit oder mit Führungsarbeit zu tun.
00:46:43
Speaker
Definitiv.
00:46:45
Speaker
Der unbeliebteste Teil der Führungsarbeit ist das Nein sagen.
00:46:48
Speaker
Stimmt, absolut.
00:46:49
Speaker
Was aber super wichtig ist, dass man ans Ziel kommt, weil man verzettelt sich einfach super, super leicht.
00:46:55
Speaker
Und das Einhorn sagt einfach super gerne Nein und ist trotzdem ein freundliches Einhorn.
00:47:02
Speaker
Werden wir gleich besorgen.
00:47:04
Speaker
Kann man das auch in der Erziehung verwenden?
00:47:06
Speaker
Also wir werden das, glaube ich, mitnehmen nach Hause.
00:47:09
Speaker
Kommt drauf an, wie alt die Kinder sind.
00:47:11
Speaker
Aber bei 5,6 und 7,7 haben wir einen Kaps noch.
00:47:13
Speaker
Sehr gut.
00:47:18
Speaker
Alisa, vielen, vielen Dank für deine Zeit.
00:47:23
Speaker
Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen für alles, was jetzt auch an strategischen Herausforderungen so vor euch liegt.
00:47:30
Speaker
Danke, dass du mit uns gesprochen hast.
00:47:33
Speaker
Herzlichen Dank für die Einladung.
00:47:35
Speaker
Danke dir.
00:47:36
Speaker
Alles Gute.
00:47:38
Speaker
Bis dann.
00:47:39
Speaker
Ciao, Jürgen.