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S3-14: Vom Profisportler zum erfolgreichen Sportphysiotherapeuten (mit Stefan Holzinger)

Stefan Holzinger ist ehemaliger Leistungssportler und Physiotherapeut. Wir sprechen über seine bisherigen Erfahrungen und Learnings aus beiden Berufen. Stefan erzählt uns wie sich die Erfahrung aus Trainingssteuerung und Reha maßgeblich auf seine Arbeit in der Selbstständigkeit ausgewirkt hat. Stichwort "Kompetenz aus Leidenschaft". Das und noch weitere persönliche Erfolgstipps gibt's in den nächsten, spannenden Minuten zu hören. 👉 Zu den Show-Notes [https://www.appointmed.com/blog/vom-profisportler-zum-erfolgreichen-sportphysiotherapeuten-mit-stefan-holzinger] Links * https://www.thephysio.at/

Transcript

Speaker: Viele Patienten kommen und haben halt Ziele und trainieren dann fünf Tage die Woche.

Speaker: Dann muss man ihnen halt klar machen, Leistungssportler trainieren nur vier Tage die Woche.

Speaker: Warum trainierst du fünf Tage die Woche?

Speaker: Es gibt Sportphysiotherapie und es gibt Physiotherapie im Sport.

Speaker: Das sind zwei unterschiedliche Welten.

Speaker: Ein guter Physiotherapeut hat in einer Sportmannschaft, wenn er dort angestellt ist, eigentlich nichts zu tun.

Speaker: Nur von Leistungssportlern per se kann ich als kleiner Physio kaum leben.

Speaker: Gerade so auf der Fortbildungsebene gibt es viel Blödsinn der Angelegenheit.

Speaker: Man darf nie vergessen, dass auch die Fortbildungsinstitute Geld verdienen wollen.

Speaker: Man sollte bei Fortbildungen sich nicht von irgendwelchen großen Konzepten ableiten lassen, sondern stick to the basics.

Speaker: Sich vielleicht auch ein Ziel finden, wo möchte ich in fünf Jahren als Therapeut stehen.

Speaker: Das Schöne an der Physiotherapie ist ja, dass es wirtschaftlich recht einfach ist.

Speaker: Hallo und willkommen zu Hashtag Praxis, der Podcast für selbstständige Therapeutinnen mit Tipps und Tricks zur erfolgreichen Praxisführung.

Speaker: Als Gast begrüße ich heute Stefan Holzinger, ehemaliger Leistungssportler und Physiotherapeut.

Speaker: Wir sprechen über seine bisherigen Erfahrungen und Learnings aus diesen beiden Berufen.

Speaker: Stefan erzählt uns

Speaker: wie sich die Erfahrung aus Trainingssteuerung und Reha maßgeblich auf seine Arbeit in der Selbstständigkeit ausgewirkt hat.

Speaker: Stichwort Kompetenz aus Leidenschaft.

Speaker: Das und noch weitere persönliche Erfolgstipps gibt es in den nächsten spannenden Minuten.

Speaker: Ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören.

Speaker: Hallo Stefan.

Speaker: Hallo, grüß dich.

Speaker: Ja, danke, dass du heute da bist.

Speaker: Gerne, sehr gerne.

Speaker: Ja, ich würde dich gleich bitten, dich ein bisschen unseren Zuhörerinnen kurz vorzustellen.

Speaker: Also, hallo, ich bin der Stefan Holzinger, bin in Wien mit einer kleinen Praxis, momentan selbstständig, war davor sehr lange im Leistungssport als Physio tätig und davor auch selber Leistungssportler im American Football.

Speaker: Ich habe da auch etwas gewonnen ein bisschen in europäischen Titeln mit den Werner Vikings.

Speaker: Ich wollte mit zwölf Jahren Physiotherapeut werden und habe eigentlich meinen Traum jetzt schon erreicht mit meiner kleinen eigenen Praxis.

Speaker: Wie kommt man eigentlich mit zwölf darauf?

Speaker: Das ist jetzt ganz untypisch, nur muss ich kurz nachfragen.

Speaker: Woher wusstest du denn mit zwölf, dass du Physiotherapeut werden magst?

Speaker: Ich habe eine Trichterbrust.

Speaker: Für alle, die nicht wissen, was das ist, das ist quasi, wenn sich der Brustkorb ein bisschen nach innen wölbt, vorne, das gibt es sowohl nach außen als auch noch, da ist eine Keilbrust und nach innen ist eine Trichterbrust und da bin ich einfach mit zwölf Stunden in die Physiotherapie gegangen und ich muss leider dann sagen, aufgrund von American Football ist man dann halt sehr oft auch in der Physiotherapie weiter und ich habe mir immer gedacht, das ist ein cooler Job und

Speaker: Man ist eigentlich mit Menschen am Arbeiten, man arbeitet im Bereich Sport, hat was mit Medizin zu tun und da habe ich eigentlich mit zwölf schon gewusst, dass man das recht taugt.

Speaker: Hast du da schon American Football gespielt oder war das davor?

Speaker: Nein, ich habe mit zehn Jahren American Football begonnen, was sehr, sehr früh ist.

Speaker: Die Geschichte war die, ich wollte eigentlich immer Fußball oder irgendeinen Vereinssport machen und meine Eltern haben gesagt, sicher nicht Fußball, da sind so viele Spiele.

Speaker: Das wollen sie sich nicht antun.

Speaker: Und dann habe ich irgendwann mal die Super Bowl gesehen im Fernsehen und habe gesagt, ja, aber das würde ich auch machen.

Speaker: Und meine Mutter hat geschaut, da sind nicht so viele Spiele.

Speaker: Und so bin ich zum Football gekommen.

Speaker: Und ja, so hat sich das dann weiter ergeben.

Speaker: Du hast schon sehr, sehr lange, habe ich in deiner Bio gelesen, auch professionell Football gespielt.

Speaker: Wie lange war das denn insgesamt?

Speaker: Professionell ist vielleicht ein bisschen übertrieben.

Speaker: Also Football kann man nicht wirklich im europäischen Setting professionell spielen, vor allem nicht zu der Zeit, wie ich damals gespielt habe.

Speaker: Es war eher ein Semiprofessionell, sprich vom Arbeitsaufwand wie ein Profi, aber ohne Geld.

Speaker: Das heißt, wir haben trainiert vier bis fünf Mal die Woche, über das ganze Jahr hinweg.

Speaker: Und dann hast du halt deine 14, 15 Spiele in der Saison im Frühjahr.

Speaker: Also jetzt ist gerade wieder die Football-Saison voll am Laufen.

Speaker: Ja, und so ist das dann.

Speaker: Also deine ganze Jugend sozusagen bis hin dann nach der Schulzeit auch, wo es dann darum ging, einfach zu entscheiden, okay, jetzt nach dieser Erfahrung, wie geht es denn tatsächlich auch dann beruflich auch weiter?

Speaker: Oder welche Wege gibt es überhaupt für dich?

Speaker: Tatsächlich habe ich sogar aufgehört mit dem Football spielen, wie ich mit dem Studium fertig geworden bin.

Speaker: Also es war eigentlich genau die komplette Ausbildungszeit, die ich Football gespielt habe.

Speaker: Immer mit einem Abendtraining halt, nach Unterrichtseinheiten etc.

Speaker: Und dann mit Studienabschluss war für mich irgendwie so der Step, okay, jetzt fokussiere ich mich auf Physio, habe dann eben auch damals ein gutes Jobangebot gekriegt aus Salzburg beim Eishockey.

Speaker: und habe dort dann eben auch die Möglichkeit gehabt, als junger Physio sehr früh im Leistungssport auch als Physio zu arbeiten.

Speaker: Und das war eine Chance halt, wo ich dann meine eigene sportliche Karriere eigentlich gesagt habe, die stelle ich jetzt hinten an für das Ganze.

Speaker: Was sind denn so die Learnings, die du eben aus deiner eigenen beruflichen Karriere aus der Praxis sozusagen hin in deine jetzige Arbeit stehst?

Speaker: Was mitnimmst daraus?

Speaker: Gibt es so zwei, drei Beispiele oder Themenbereiche, wo du sagst, ja, das war so prägend für mich, das ist jetzt so mein USP-Titel?

Speaker: Also von meiner eigenen sportlichen Karriere her, was ich, glaube ich, gelernt habe, ist mir Ziele zu setzen und die dann zu verfolgen.

Speaker: Also mit allem, was dann vielleicht für Zwischenfunken kommen oder Steine, die im Weg sind, das Ziel nicht aus den Augen verlassen.

Speaker: Auch wenn es vielleicht einmal kurz weiter weg ausschaut, aber einfach da dran zu bleiben und ehrgeizig zu bleiben.

Speaker: Vielleicht ein gutes Zeitmanagement.

Speaker: Das war natürlich mit Schule, Studium und Sport gleichzeitig ein Riesenthema.

Speaker: Also ich habe während der Ausbildung öfters mir anhören müssen, der Sport muss hinten angestellt werden, das ist ein Vollzeitstudium, was ich halt trotzdem aber irgendwie durchgebracht habe alles.

Speaker: Und in meiner Arbeit im Leistungssport dann, was habe ich da gelernt?

Speaker: dass auch nur mit Wasser gekocht wird, auch im Leistungssport.

Speaker: Da habe ich viel gelernt.

Speaker: Das kann sein von, es bringt dir alles Geld der Welt nichts, wenn du nicht weißt, wie du es richtig benutzt, bis hin zu dem Stellenwert von Ausbildungen, dass man da nicht jeden Blödsinn gleich aufspringt, sondern wirklich auf Qualität achtet.

Speaker: Was meintest du damit, dass im Sportphysiobereich

Speaker: auch nur mit Wasser gekocht wird.

Speaker: Kannst du das ein bisschen näher definieren, gerade für Leute, die liebäugeln, sich dort professionell umzuschauen?

Speaker: Im Endeffekt, wenn ich jetzt vielleicht auf meine Arbeit mit Patienten runterbreche, viele Patienten kommen und haben halt Ziele und trainieren dann fünf Tage die Woche.

Speaker: Und dann muss man ihnen halt klar machen, Leistungssportler trainieren nur vier Tage die Woche.

Speaker: Warum trainierst du fünf Tage die Woche?

Speaker: Besser wäre ich nicht während dem Training, sondern besser wäre ich in der Regeneration.

Speaker: Ich setze nur die Reize, die quasi dann eine Adaption anregen im Körper während dem Training.

Speaker: Aber die Regeneration ist einfach ein Riesenthema.

Speaker: Das ist auch ein Riesenarbeitsbereich für die Physios im Leistungssport.

Speaker: Das hört sich so an, als ob du dann schon auch sehr viel Aufklärungsarbeit auch machst, neben dem therapeutischen Arbeiten mit Patientinnen.

Speaker: Ja, man muss, also das ist vielleicht auch ein großes...

Speaker: vor allem für viele junge Therapeuten, die in den Leistungssport gehen wollen.

Speaker: Es gibt Sportphysiotherapie und es gibt Physiotherapie im Sport.

Speaker: Das sind sehr unterschiedliche Welten.

Speaker: Also bei dem einen benutze ich Sport als Therapieform, habe vielleicht eher was mit Sportlern zu tun, aber das kommt halt daraus.

Speaker: Und die Physiotherapie im Sport ist halt ganz was anderes.

Speaker: Also da geht es auch um Datenanalyse, da geht es darum, Excel-Tabellen auszufüllen,

Speaker: welche Trainingsbelastungen da sind.

Speaker: Da geht es darum, zu schauen, dass sich deine Mannschaft eine Salbe einschmiert, weil gerade irgendein Virus herumgeht, eine Hauterkrankung.

Speaker: Also da bist du 24 Stunden bei dieser Sportmannschaft und machst ganz fremde Sachen der Physiotherapie auch noch.

Speaker: Ist es dann über die Heilung darüber hinaus auch wiederum dieses Ziel der Performancesteigerung oder Performancehaltung der Athletinnen und Athleten, oder?

Speaker: Ja, ein guter Physiotherapeut hat in einer Sportmannschaft, wenn er dort angestellt ist, eigentlich nichts zu tun.

Speaker: Also eigentlich schaut es immer so aus, als würde er sich hinten anlehnen, weil einfach präventiv alles vermieden wurde, dass irgendwelche Verletzungen da sind.

Speaker: Was natürlich auch in einer Mannschaft immer wieder zu Konflikten führen kann, weil dann immer wieder heißt, wieso machst du nichts, weil man halt die Arbeit am Computer sehr viel macht und das heißt, der Physio muss ja mit Leuten arbeiten.

Speaker: Aber ich bekomme durch Datenanalyse so viele Informationen, gerade mit neuen GPS-Systemen, mit Force-Velocity-Profiling im Krafttraining, Sprungtestungen, einfache Lactatmessungen.

Speaker: Da bekomme ich so viele Informationen, die ich dann auch verarbeiten muss.

Speaker: Und kann vielleicht frühzeitig einem Athleten sagen, weißt du was, heute gehst du nur einmal trainieren.

Speaker: Also bei mir war es halt das Eisfeld im Eishockey, wo ich gearbeitet habe.

Speaker: Wo ich sagen kann, heute gehst du nur eine Session aufs Eis und dann spreche ich mit dem Trainer ab, welche gescheiter ist.

Speaker: Also da ist dann dieses Arbeiten im Team mit dem Trainer wieder, was sehr viel ist, was man als kleiner Physio sonst auch weniger hat.

Speaker: Auch auf der anderen Seite das Sport, Physiotherapeut, wo du einfach, ich sage jetzt mal, Privatpersonen behandelst.

Speaker: Da ist ja auch eben die Zielsetzung eben anders und nicht rein auf Performance und Leistungssteigerung hier fokussiert.

Speaker: Und das bringt mich aber auf der anderen Seite zu der Gemeinsamkeit.

Speaker: Würdest du dann aber sagen, wenn wir jetzt zurück zur Heilung und Reha kommen, dass das dann schon eher ähnlicher ist, wo sich eben beide Felder doch angleichen würden mehr?

Speaker: Naja, da muss man ein bisschen unterscheiden.

Speaker: Also im Feld der Trainingswissenschaften ist es sehr ähnlich.

Speaker: Also ich kann dieselben Methoden im Leistungssport benutzen, so wie auch in der einzelnen Reha.

Speaker: Also ich kann eine Krafttestung mit einem Dynamometer mit einem Kreuzbandpatienten machen.

Speaker: Ich kann eine Sprungtestung mit...

Speaker: Kraftmessplatten machen, ich kann genauso gut ein Force-Velocity-Profiling mit meinen Patienten wie mit meinen Athleten machen.

Speaker: Also die Methoden per se vom Training kann ich super übernehmen.

Speaker: Und da geht es ja auch, das ist ja auch nur so ein kleiner Aspekt in dem ganzen Setting, in der Therapie quasi, welche Reize setze ich in dem Ganzen.

Speaker: Das kann man super übernehmen natürlich.

Speaker: Und jetzt zurück zum Interview.

Speaker: Zu wie viel Prozent behandelst du denn Personen aus dem Leistungssport hingegen zu Personen, die aus privaten Gründen jetzt bei dir sind?

Speaker: Bei mir akut momentan würde ich sagen, es ist immer die Frage, wo man den Leistungssport abgrenzt, aber sicher 80% sind nicht Leistungssportler, weil nur von Leistungssportlern per se kann ich als kleiner Physio kaum leben.

Speaker: Dafür braucht man ein großes Netzwerk mit vielen Vereinen, das heißt man muss auch wieder sehr viel interagieren mit dem Verein.

Speaker: Und dafür dann einfach als kleiner Einzelfysio die zeitlichen Ressourcen, muss man ehrlich sagen.

Speaker: Was sind auf der anderen Seite die Vorteile dafür?

Speaker: Sprechen wir hier von mehr Flexibilität oder von freierer Arbeits- und Zeiteinteilung jetzt in diesem Setting, dass du jetzt sagst, du bist jetzt nicht abhängig darüber, wie die Trainingspläne oder wie die Vereinsziele sind?

Speaker: Ich kann die definitiv besser planen mit meinen Patienten, wenn sie nicht im Leistungssport sind.

Speaker: Also der Druck von Leistungssportlern ist natürlich immer groß.

Speaker: Er muss so schnell wie möglich wieder da, dann hat er den Trainer im Hintergrund, der ihm Druck macht.

Speaker: Es muss mehr oder weniger alles schnell gehen.

Speaker: Und das ist natürlich bei einem Hobbysportler deutlich reduzierter.

Speaker: Also wenn ich jetzt jemand habe, der sagt, er möchte wieder nächstes Jahr einen Marathon laufen, dann habe ich ja ja Zeit.

Speaker: Und wenn ich sage, es geht sich in der Zeit nicht aus, dann sagt er halt, ah, schade, hätte ich gern.

Speaker: Na, dann suche ich mal was anderes dabei.

Speaker: Beim Leistungssportler geht es darum, okay, ich habe nächstes Jahr einen Vertragsabschluss.

Speaker: Bei mir geht es jetzt darum, kann ich meine Familie ernähren oder nicht.

Speaker: weil die haben halt auch sehr viel davor meistens geopfert.

Speaker: Also ich kann vom Eishockey reden, die haben jetzt schulisch das Minimum oft gemacht.

Speaker: Das ist dann schon ein großer Einschnitt, ob der einen Vertrag kriegt oder nicht.

Speaker: Bleiben wir doch kurz bei der Ausbildung und kommen zurück zu deinem Werdegang.

Speaker: Hast du denn nach der Ausbildung zum Physio, auch wie du diesen Schritt gemacht hast und deinen ersten Kunden im Eishockey betreut dann hast, war für dich zu der Zeit relativ schnell klar, dass du auch selbstständig arbeiten möchtest?

Speaker: Oder war vielleicht auch die Option, hier in einer Praxis als Angestellter Physio erste Erfahrungen zu sammeln?

Speaker: Oder wie hat sich das einfach für dich damals ergeben und warum?

Speaker: Also ich war prinzipiell, bin ich ja nach dem Studium, also ich habe vor meiner Abschlussprüfung, zwei Wochen vor meiner Abschlussprüfung war das, habe ich damals ein inoffizielles Angebot gekriegt von Red Bull, das ich bei ihnen anfangen kann.

Speaker: Oder als sie Interesse hätten, sagen wir so.

Speaker: Da wurde damals noch die Nachwuchsakademie gebaut.

Speaker: Also das war für ein halbes Jahr im Voraus mehr oder weniger.

Speaker: Das heißt, ich habe ein halbes Jahr eh noch überbrücken müssen.

Speaker: Und da habe ich mir gedacht, ich schaue mir alles an.

Speaker: Habe da noch angestellt gearbeitet, zwei Monate in der Therme Wien.

Speaker: Da habe ich dann für mich klipp und klar beschlossen, nein, das ist kein Arbeiten, wie ich es machen will.

Speaker: Also das sind Patienten am Fließband und nach fünf Patienten verliert man die Lust.

Speaker: Also da hat man einfach keine Energieressourcen mehr, da geht es einfach nicht mehr.

Speaker: Der Kopf ist eine Nulllinie.

Speaker: Bin dann dort eigentlich nach meiner Probezeit gleich weg und bin dann zum Glück schnell untergekommen in der Wiener Privatklinik.

Speaker: Ich habe dort das klinische Setting auch noch einmal gesehen.

Speaker: Es war überraschend lustig für mich dort in der Zeit und interessant, dass man doch auch in diesem Setting sehr viel rausholen kann.

Speaker: Dass man sich da einfach nicht unterkriegen darf von bisher bestehenden Abläufen, die einfach so eingeschleift sind.

Speaker: Wir waren da ein sehr junges Team, haben unheimlich viel Spaß gehabt.

Speaker: Und wir haben doch den Patienten dort auch ein bisschen mehr als nur Gangmobilisation mitgeben können.

Speaker: Und von dort bin ich dann eben zu Leistungssport gegangen, habe aber auch schon während meiner Wiener Privatklinikzeit selbstständig ein bisschen was gemacht.

Speaker: Also Step by Step auch hier im Hintergrund sehr viel daran gearbeitet, dass du dann unabhängig und selbstständig arbeiten kannst.

Speaker: Genau, also das war eigentlich immer das Endziel.

Speaker: Also das Endziel war immer in einer kleinen Praxis sein.

Speaker: Ich habe mich auch nie in einer großen Praxisgemeinschaft jetzt per se gesehen, weil ich das eben mit zwölf Jahren anders vorgestellt habe und andere Ziele gesetzt habe.

Speaker: Ich bin auch jetzt sicher nicht so der große Physio-Teamplayer.

Speaker: Jeder, der mit mir gearbeitet hat, weiß das.

Speaker: Ich bin eher ein Lonely Wolf, was das angeht.

Speaker: Ich mache gerne meine Patienten und die will ich machen und ich mag es nicht, wenn dann zu viele Sachen da rein spielen in das Ganze.

Speaker: Du arbeitest aber neben deiner eigenen Praxis, habe ich gesehen, auch noch in einer Ordination.

Speaker: Kannst du da ein paar Worte sagen, wieso das derzeit gut für dich passt?

Speaker: Also die Ordination ist zehn Minuten zu Fuß weg von mir daheim und meine andere Praxis ist bei mir daheim im Haus.

Speaker: Also das hat sich einfach so entwickelt.

Speaker: Also ich bin damals von Salzburg weggegangen, weil ich einfach ein Grundstück in Wien habe, was halt cool ist.

Speaker: Die Chance darf man nicht verpassen und habe ein Haus gebaut und habe da meine Praxis reingemacht.

Speaker: Und habe halt, bis das Haus gestanden ist, einfach auch in eine Praxis gehen müssen.

Speaker: Und dort bin ich geblieben, komme dort gut mit den Ärzten, die dort arbeiten, aus.

Speaker: Das ist natürlich auch ein nettes Miteinander, wenn einem die vielleicht sagen, hey, ich habe da einen Patienten, der wird sich bei dir melden, der ist ganz spannend, da passt man ein bisschen auf, da war die Schraube hat nicht so gut gehalten oder die Naht ist nicht so fest.

Speaker: Da kann man schon viel im Vorfeld auch wieder vermeiden, was dann vielleicht später passiert.

Speaker: Ist es etwas, das dir manchmal trotz deines selbstständigen Daseins und Arbeitens als Lonely Wolf sozusagen in einer eigenen Praxis, geht dir das manchmal ab, so dieser Austausch vielleicht auch mit anderen Physiokolleginnen oder gibt es irgendwelche Wege oder Events, irgendwelchen Austausch, den du dafür auch aktiv betreibst?

Speaker: Also prinzipiell, man geht ja eher auf Kongresse.

Speaker: Also man geht auf Kongresse oder ruft vielleicht mal einen alten Arbeitskollegen an.

Speaker: Ach, so machst du das auch schon noch öfters.

Speaker: Ja, aber eher aus dem sozialen Kontext meistens, selten wirklich das Fachliche.

Speaker: Man spricht natürlich dann über das Fachliche.

Speaker: Also mein Leben ist wirklich Physiotherapie, meine Frau ist Physiotherapeut.

Speaker: Ich habe die Praxis bei mir, großer Freundeskreis sind viel Physios davon.

Speaker: Natürlich dadurch auch, dass von meiner Frau dann wieder viele dazukommen.

Speaker: Bei mir ist dieses Arbeit zu Privatleben sehr verschwommen, sagen wir so.

Speaker: Gibt es jetzt im Nachgang rückblickend irgendwas aus dieser ganzen Entwicklung bei dir beruflich gesehen bis hin in die Selbstständigkeit, was du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

Speaker: Den einen oder anderen Kurs hätte ich mir das Geld vielleicht sparen können.

Speaker: Also es gibt gerade so auf der Fortbildungsebene gibt es viel Blödsinn der Angelegenheit.

Speaker: Also man darf nie vergessen, dass auch die Fortbildungsinstitute Geld verdienen wollen.

Speaker: Und man sollte bei Fortbildungen sich nicht von irgendwelchen großen Konzepten ableiten lassen, sondern stick to the basics.

Speaker: Also wirklich zuerst mal die Physiologie gut verstehen, die Trainingslehre gut verstehen, die Neuroanatomie, Anatomie.

Speaker: Bis heute reicht es, wenn ich mich da reinarbeite und wirklich da die Sachen gut vernetze.

Speaker: Und es gab einfach Kurse, wo ich mir nach dem dritten Kurs gedacht habe, oh mein Gott, wo bin ich da, wie kriege ich mein Geld zurück.

Speaker: Da schaue ich jetzt auch viel genauer noch hin, wer gibt den Kurs und vor allem auch viel mehr international schauen.

Speaker: Also rein geschichtlich hat sich ja einfach auch die Physiotherapie im deutschsprachigen Raum ganz anders entwickelt als in der

Speaker: angloamerikanischen Raum.

Speaker: Dort ist das Physiostudium sechs Jahre, bei uns sind es drei Jahre.

Speaker: Also da kann man schon auch ein bisschen mal über die Grenzen drüber schauen.

Speaker: Das war auch eine tolle Erfahrung, die ich in meinem Job im Leistungssport als Physiodeidaktor machen konnte, dass ich gutes Budget hatte für Fortbildungen und schnell über die Chance des Internets quasi

Speaker: weit gegriffen habe und mir halt gleich rausgesucht hat, wer ist international die Nummer 1 Fachperson zu einem gewissen Thema.

Speaker: Und das mache ich bis heute so.

Speaker: Also ich suche mir raus, wer ist diese eine Person, von der alle reden bei einem Thema.

Speaker: Da gibt es immer irgendwelche Korrifäen und dass man versucht, direkt das Wissen von den Leuten rauszusaugen.

Speaker: Was war für dich persönlich bisher so die Top-Fortbildung,

Speaker: weil du jetzt dieses Beispiel hergenommen hast, die dir wirklich viel gebracht hat und wo du auch über Österreich hinausgehend dich fortgebildet hast.

Speaker: Also das war wahrscheinlich, muss ich sagen, der IOC-Sportphysio, den ich damals gemacht habe.

Speaker: Das ist einfach das Sportphysioprogramm vom Internationalen Olympischen Komitee,

Speaker: Schweine teuer, habe ich zum Glück nicht selber zahlen müssen, aber da hat man eben diese Koryphäen, die einem dann die Fortbildungen geben.

Speaker: Am Anfang denkt man sich, hui, das ist ein bisschen wirr, weil du natürlich, wenn du viele Leute mit viel Wissen hast, auch hin und wieder ein bisschen gegenläufige Meinungen hörst, aber langfristig gesehen nimmt man da einfach von diesen Leuten die Denkweise auch mit.

Speaker: Und das hat mir sehr viel geholfen.

Speaker: Es war einfach dieses Stick to the Basics.

Speaker: Ich muss jetzt nicht beginnen, irgendwelche Faszien zu ziehen, sondern muss ich einfach mal rausfinden, was ist denn überhaupt das Problem und das dann wirklich behandeln nach physiologischen Grundgesetzen, sagen wir so.

Speaker: Wie lange bist du denn jetzt eigentlich selbstständig?

Speaker: Hast du da mal wieder nachgerechnet in Vorbereitung oder nachgezählt, weil die Zeit vergeht ja wahnsinnig schnell jetzt auch?

Speaker: Also komplett selbstständig bin ich jetzt seit Sommer letzten Jahres.

Speaker: Ich habe für meine davor, habe ich noch bei Leistungssport Austria gearbeitet und habe ein bisschen eine Lehrtätigkeit noch auf der FH Campus Wing gemacht.

Speaker: Die Anstellungen habe ich davor gebraucht für meinen Hauskredit und bin dann auch gerne dort gewesen, weil es natürlich schönes Arbeiten auch war.

Speaker: Und habe mich dann eigentlich letzten Sommer dazu entschieden, wirklich mehr daheim zu machen.

Speaker: sowohl wirtschaftlich vernünftiger als auch, ich bin Papa geworden vor einem Jahr, vier Monate, da war das natürlich dann auch ein zusätzlicher Boost, dass ich sage, lieber ein bisschen mehr daheim, als nur irgendwo unterwegs zu sein.

Speaker: Wenn du einen Erfolgstipp hättest für neue selbstständige Therapeutinnen, für einen guten Kickstart, was wäre das denn?

Speaker: Einfach mal versuchen,

Speaker: seine wirtschaftlichen Themen zusammenzukriegen.

Speaker: Und das Schöne an der Physiotherapie ist ja, dass es wirtschaftlich recht einfach ist.

Speaker: Das einmal versuchen zuerst gut zu verstehen, damit man das quasi zur Seite legen kann.

Speaker: Also verstehen, dass man Umsatzsteuer befreit ist, verstehen, wie man seine Steuern macht, wie viel Geld einem wirklich dann bleibt, was man sich zur Seite legen muss.

Speaker: Das ist einmal ganz wichtig.

Speaker: Die ganze organisatorische Struktur mal schnell auf die Reihe kriegt.

Speaker: wie organisiere ich meine Termine mit meinen Patienten, dass man da einfach schnell schauen kann, dass man den Kopf für seine Patienten frei hat und sich nicht mit irgendwelchen anderen Dingen, weil der Erfolg kommt von ganz allein.

Speaker: Wenn man Zeit hat, sich über Patienten Gedanken zu machen und welche Therapieform ich mache, dann wird man gut in dem, weil dann hat man auch Spaß in dem Ganzen und alles, was man gerne macht, da ist man gut drin.

Speaker: Jetzt abschließend, was tust du denn für deine eigenen Batterien, dass die regelmäßig wieder aufgeladen werden?

Speaker: Was machst du für deine Selbstfürsorge?

Speaker: Schlafen.

Speaker: Schlafen, essen.

Speaker: Nein, also ich trainiere natürlich selber, versuche mal den Kopf ein bisschen im Wald spazieren gehen, mal ein bisschen was anderes denken, sich irgendwelche unsinnigen Hobbys suchen.

Speaker: Ich liebe Knoten machen, solche Sachen.

Speaker: Vielleicht auch mal irgendwas anderes machen, den Kopf wegkriegen.

Speaker: Aber im Endeffekt schlafen, essen und einmal den Kopf wegkriegen.

Speaker: So würde ich es zusammenfassen.

Speaker: Wenn man viel gibt und viel mit Menschen beschäftigt,

Speaker: zu tun hat.

Speaker: Gerade im Therapieberuf ist es ja auch wichtig, dass man da selber auch noch den Pause-Button drückt zwischendurch mal und den eigenen Cup wieder füllt, bevor man wieder verfügbar ist für die anderen.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Man darf halt nicht vergessen, Physiotherapie ist mehr als nur die Sachen, die ich jemandem als Hausübung gebe.

Speaker: Oder die Sachen, die ich mit jemandem mache.

Speaker: Sondern da geht es ganz viel um das Persönliche, die Person kennen.

Speaker: Eben um die richtigen Sachen für diese Person zu finden.

Speaker: Es bringt nichts, wenn ich da jemanden habe, der...

Speaker: im Turnunterricht immer gehänselt wurde, weil er eben keinen Liegestütz geschafft hat und ich gehe her und sage, so, du machst jetzt einen Liegestütz.

Speaker: Also das wäre absurd.

Speaker: Da verliere ich sämtliche Compliance.

Speaker: Das heißt, ich muss die Person kennen, ich muss viel mit ihr reden, auch viele Scherze machen, quasi mal diese erste Scheu, diese erste Hülle brechen, um ein bisschen die Person kennenzulernen.

Speaker: Das ist auch ein wesentlicher Soft-Skill.

Speaker: Vor allem auch, dir bleibt ja dann in der Selbstständigkeit auch Zeit, um dieses Vertrauen auch aufzubauen mit den Patientinnen, weil du eben gesagt hast, dass du dir nicht so durchgetaktet die Termine ausmachst, sondern dir wirklich ausreichend Zeit nimmst für eine Patientin, für einen Patienten.

Speaker: Genau.

Speaker: Also ich rechne definitiv pro Patient eine Viertelstunde Buffer plus rein.

Speaker: Und es gibt nichts Schlechteres.

Speaker: Also ich lasse auch meine Patienten zum Beispiel nicht direkt bei mir bezahlen.

Speaker: Ein komisches Gefühl, wenn ich mit meinen Patienten da versuche, irgendwie langfristig was zu erarbeiten und dann sage ich einem, wenn ihr so, bitte einmal 110 Euro, danke und wir sehen uns in einer Woche wieder, Geld nicht vergessen.

Speaker: sondern ich sammle mir da lieber ein paar Einheiten zusammen, stelle dann eine Rechnung, schicke die per E-Mail.

Speaker: Das geht dank guter Dokumentationssoftware natürlich sehr gut.

Speaker: Und dann wird das einfach überwiesen.

Speaker: Und dann ist das Geld vielleicht in die ersten Einheiten Thema.

Speaker: Dann weiß jeder, was kommt.

Speaker: Aber es ist nicht so ein Ding, was den Leuten im Hinterkopf mitschwirrt, bei jeder Einheit, boah, schon wieder so viel Geld zahlen.

Speaker: Weil günstig sind Physiotherapeuten nicht, das muss man auch sagen.

Speaker: Das ist ja eben auch für manche ein wichtiges Thema, aber muss man ja dann nicht in jeder Einheit thematisieren, sondern die Grenze ist abgesteckt, die Erwartungen sind abgesteckt und du hast dein Admin auf die fünfte Einheit dann verlegt und musst das nicht jedes Mal auch administrieren.

Speaker: Ganz genau.

Speaker: Im Nachhinein.

Speaker: Also das macht schon viel aus.

Speaker: Ich habe letzte Woche mit einem Kollegen, der sich jetzt selbstständig macht, darüber geredet, der auch gesagt hat, er wird das jetzt auch probieren und

Speaker: Weil davor ist ihm das immer ungut vorgekommen, eben dieses Therapie eigentlich fast abbrechen und Kasse auf.

Speaker: Ist ja auch manchmal zeitaufwendig.

Speaker: Also alle paar Minuten, da spricht man lieber über das Wesentliche, über die Therapie selber, als über den ganzen Bezahlvorgang und erklärt das nochmal am Ende.

Speaker: Absolut, absolut, absolut.

Speaker: Und dann gibt es kein Wechselgeld oder sonst irgendwas?

Speaker: Schrecklich.

Speaker: Aber Stefan, gibt es abschließend noch etwas, was du unseren Hörerinnen zum Thema eigene Praxisführung oder Erfolg in der Selbstständigkeit als Therapeut noch da lassen möchtest oder mitgeben magst?

Speaker: Spaß an der Arbeit haben, also schauen, dass der nicht verloren geht.

Speaker: Sich vielleicht auch ein Ziel finden, wo möchte ich in fünf Jahren als Therapeut stehen,

Speaker: was für eine Art von Therapeut bin ich.

Speaker: Bin ich jemand, der in einer großen Gruppenpraxis bin?

Speaker: Bin ich jemand, der alleine da in seiner Praxis das Ding macht?

Speaker: Bin ich vielleicht jemand, der auch in einer Klinik arbeiten will?

Speaker: Also das gibt es ja auch.

Speaker: Und einfach mal sagen, hey, vielleicht brauche ich noch ein paar Jahre länger, dass ich selbstständiger Physiotherapeut bin.

Speaker: Dass man sich da nicht zu sehr stresst, weil das ist das Schöne am Physioperuf, man findet immer was.

Speaker: Und wenn man nicht happy ist in seiner Situation, muss man die ändern.

Speaker: Das ist eigentlich das Grundelement und das Schöne an unserem Beruf, dass wir die Möglichkeit haben, dass das so ist.

Speaker: Ich danke dir auf jeden Fall für deine Perspektive und auch für dein Beispiel, wie das bei dir läuft und wie es dich erfolgreich gemacht hat und zufrieden gemacht hat auf jeden Fall und du Spaß bei der Sache hast.

Speaker: Und sagst du uns doch kurz, wo man mehr über dich und deine Arbeit finden kann?

Speaker: Einfach auf meiner Homepage, denke ich.

Speaker: Also www.de-physio.at

Speaker: Wir werden das auf jeden Fall gerne verlinken, damit du auch gut zu finden bist und freuen uns über Feedback zu dieser Folge.

Speaker: Beziehungsweise ich bedanke mich ganz herzlich nochmal für deine Tipps und fürs Dasein heute.

Speaker: Stefan, Dankeschön.

Speaker: Ich danke dir.

Speaker: Super.

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