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Episode 7: Dag Schaffarcyk, Berliner Schnauze, Musiker, Sportler, Architekt und Bautechnischer Weltverbesserer

Bauwende Deep Dive
Bauwende Deep Dive

122 plays · Aug 10, 2023

In Episode 7 widmen wir uns Dag Schaffarcyk. Ursprünglich war geplant,  nach sieben Episoden zu entscheiden, ob wir mit unserem Podcast  fortfahren oder nicht. Angesichts der positiven Resonanz und unseres  persönlichen Spaßes an diesem Projekt, haben wir uns entschlossen,  weiterzumachen. Wir haben festgestellt, dass die Integration von  spannenden Gästen einen erheblichen Mehrwert für unsere Hörerinnen und  Hörer darstellt. Daher planen wir, zukünftig weniger selbst in den  Vordergrund zu treten und mehr als Moderatoren zu agieren. Da Dags Leben  und Werdegang jedoch außerordentlich faszinierend sind, gibt es in  dieser Episode noch einmal eine eigene Folge nur über ihn, sodass er in  Zukunft nicht mehr so viel von sich preisgeben muss. Ziel des Podcast „Bauwende verstehen“ von Hinrich und Dag ist es, Wissen und Informationen rund um die Bauwende weiterzugeben, kontrovers zu diskutieren, zu inspirieren und Akteure zu vernetzen. Die Bauwirtschaft ist Teil des Problems, sie ist verantwortlich für ca. 40% des CO2 Ausstoßes, 55% des Müllaufkommens sowie den Einsatz von zahlreichen Umweltgiften und einer enormen Flächenversiegelung. Mit unserem Podcast wollen wir daran mitwirken, dass die Bauwirtschaft zu einem Teil der Lösung wird. Die Zukunft gehört der regenerativen Architektur: Kreislauffähigkeit, Wohngesundheit, Ressourcenschonung, Klimaanpassung, Energieautarkie, eine positive CO2 Bilanz, ökonomische Leistbarkeit und der Fokus auf den Bestand sind die Ziele des neuen Bauens. Hinrich ist einer von fünf Geschäftsführern der Grassinger Emrich Architekten GmbH, die sich mitten in der Transformation von der alten Bauwelt in die neue Bauwelt befinden. Er ist „alt und naiv“ sowie bereit, alles zu hinterfragen und neues Wissen aufzusaugen. Dag ist schon immer ein „Bautechnischer Weltverbesserer“, der mit der Spreeplan UG seit vielen Jahren ausschließlich kompromisslos nachhaltige und gesunde Bauvorhaben umsetzt. Im Gespräch miteinander und mit spannenden Gästen wird die Bauwende beleuchtet und einzelne Aspekte in eigenen Episoden vertieft.

Transcript

Speaker: Bauwende verstehen, der Podcast zur Bauwende von Hinrich und Dack.

Speaker: Ja, herzlich willkommen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, zur Episode 7.

Speaker: zu der wir uns etwas Besonderes vorgenommen haben.

Speaker: Hallo DAK, herzlich willkommen.

Speaker: Hallo.

Speaker: Ja genau, also ich sitze jetzt hier in diesen wunderschönen Büroräumlichkeiten von DAK in Berlin und ich muss sagen, alles was er erzählt hat, trifft zu.

Speaker: Es ist tatsächlich so.

Speaker: Nicht nur, dass es wunderschön ist, sondern es ist auch tatsächlich dieses Hammer Raumklima und man spürt das.

Speaker: Also man spürt es richtig.

Speaker: Macht Spaß hier Luft zu holen, zu atmen und es ist auch einfach hammerartig schön gestaltet.

Speaker: Geiles Büro.

Speaker: Und Doug beherbergt mich jetzt hier, weil ich hier auf einer Veranstaltung in Berlin bin und ich darf hier auch benachten.

Speaker: Vielen Dank für deine Gastfreundschaft, Doug.

Speaker: Bitte gerne.

Speaker: Und das Erste, was ich gemacht habe, ist, dass ich in dein Bad gegangen bin und mir die Fugen angeschaut habe.

Speaker: Und was sehe ich da?

Speaker: Silikonfugen.

Speaker: Das fand ich sehr klasse, weil das macht dich auch menschlich.

Speaker: Kannst du auch gleich noch mal was dazu sagen.

Speaker: Aber jetzt mache ich ein kurzes Intro wie immer zum Thema Bitcoin, weil ich kam nämlich in dein Pro rein und jetzt hole ich das beim Haus.

Speaker: Und das erste, was ich sehe, ist ein Prospekt und da steht drauf Nakamoto und dann noch Foresty.

Speaker: Aber ich fand das so klasse Nakamoto, also alle Bitcoine...

Speaker: wissen ja, dass der Schöpfer oder die Schöpfer von Bitcoin, Satoshi Nakamoto sich nannte.

Speaker: Das war das Pseudonym dafür.

Speaker: Das habe ich jetzt mal für ein gutes Zeichen genommen.

Speaker: Also dieses Nakamoto Forestry, vielleicht kannst du dazu zwei Dinge sagen.

Speaker: Was ist das?

Speaker: Wir fangen mit dem ersten Anfang, mit der Silikon-Fu an.

Speaker: Das ist so der Klassiker, wenn man nicht die 48 Stunden am Tag seine Bauleitung macht, dann passieren halt solche Dinge und man hat auch nicht immer wieder die Nerven, das dann noch auszuschneiden.

Speaker: Das zur Silikonfuge.

Speaker: Nakamoto Forestry ist im Grunde nichts anderes als einer der Hersteller, die jetzt immer mehr auf den Markt kommen, die eine alte japanische Technik für das Veredeln, also einfach das Anräuchern von Holz verwenden.

Speaker: Also du nimmst eine Holzverschalung oder nimmst ein Holzbrett und räucherst es an, sodass du so die erste Verkohlungsschicht hast.

Speaker: Und die meisten, die auch schon mal einen Brandschaden hatten, die wissen das.

Speaker: Das ist einer der Gründe, warum Holz auch viel besser den Feuerstand hält als eine Stahlkonstruktion, weil du hast im Brandfall die erste Schicht, die verkohlte, und die hat dann gleich eine schützende Funktion.

Speaker: Wir machen jetzt gerade in einem unserer Holz-Strohm-Modul-Häuser die Außenfassadengestaltung damit.

Speaker: Und da ist dann eben, wie gesagt, das verkohlte Holz und wir hoffen dann,

Speaker: dass das die nächsten Jahrzehnte unbehandelt hält und so bleiben wird.

Speaker: Und wie ist das, wenn man mit einem weißen Pulli dann entlang schaut?

Speaker: Ist der dann schwarz?

Speaker: Ja, das ist die Frage, die immer kommt.

Speaker: Das ist aber eben nicht der Fall, weil das wird meistens nochmal... Also es gibt auch unterschiedliche Formen.

Speaker: Es gibt welche, wo das total verkohlt ist.

Speaker: Da ist es dann tatsächlich so, dass es schwarz oder ja doch schwarz werden kann.

Speaker: Aber du hast dann auch andere Formen, wo das einmal oder zweimal gebürstet ist oder so, da ist dann diese Dreck absondernde Rußschicht weg und dann kommt auch wieder ein bisschen mehr Holzstruktur vor.

Speaker: Also wie gesagt, wir haben das so, dass es eben nicht schwarz wird, weil das will natürlich fast keine Haare.

Speaker: Ja genau, das diesmal zum Thema Bitcoin.

Speaker: Wir werden, wir haben gerade schon darüber gesprochen, eine eigene Folge zum Thema Bitcoin und auch die Systemdiskussion Kommunismus, Kapitalismus haben.

Speaker: Da sind wir gerade dabei die vorzubereiten und auch mit der Frage, welchen Einfluss hat das auf die Bauwende oder inwiefern hilft es oder steht der Bauwende auch im Weg.

Speaker: Dazu fand ich einfach nur einen schönen Fun Fact, ich komme hier rein und sehe Nakamoto.

Speaker: Irgendwie hat das ja anscheinend was damit zu tun.

Speaker: Jetzt zu unserer heutigen Folge.

Speaker: Wir haben uns Folgendes vorgenommen.

Speaker: Wir haben festgestellt,

Speaker: Wir sind ja jetzt bei der Folge Nummer 7 und wir sind gestartet und haben gesagt, wir machen sieben Folgen und dann gucken wir mal, ob wir weitermachen.

Speaker: Und wir haben beschlossen, wir machen weiter.

Speaker: Es ist aber auch klar, dass sich wahrscheinlich wie immer im Leben auch hier so ein bisschen etwas verändern wird.

Speaker: Und heute habe ich mir vorgenommen, ich möchte mal, dass ihr Dax Geschichte kennenlernt, weil das, was ich jetzt bislang schon so gehört habe, aus meiner Sicht eine faszinierende Geschichte ist und auch den Menschen Dax mal kennenzulernen.

Speaker: Du hast die Schlaglichter, die ich gehört habe, ein abenteuerliches Leben.

Speaker: Du bist ja auch ein abenteuerlicher Typ.

Speaker: Durchaus ein streitbarer Mensch in der Art, wie du lebst und handelst.

Speaker: Das hat ja auch einen Hintergrund in deine Historie.

Speaker: Ich habe mir dabei noch einen zweiten Gedanken verfolgt.

Speaker: Wir wollen jetzt mal wirklich so richtig deine Geschichte hören.

Speaker: weil es in Zukunft auch darum gehen wird, dass wir wahrscheinlich mehr in diese Moderatorenrolle kommen werden, weil wir vorhaben, weiterhin Gäste einzuladen, weil wir den Eindruck haben, das ist ein echter Mehrwert für die Zuhörerinnen und für die Zuhörer.

Speaker: Und wir haben...

Speaker: jetzt unsere Geschichten zum großen Teil mal schon erzählt oder unseren Ansatz erzählt.

Speaker: Und jetzt geht es darum, einfach die Bandbreite dessen, was Bauwende sein kann und auch die Akteure darzustellen.

Speaker: Das heißt, wir werden dann so ein bisschen mehr in den Hintergrund treten als Moderatoren.

Speaker: Natürlich bringen wir unsere Meinungen und unsere Themen auch mit ein.

Speaker: Aber ich fand es jetzt wichtig, insbesondere deine Geschichte, DAK, nochmal zu hören.

Speaker: Und ich würde gerne ganz vorne anfangen.

Speaker: Wo kommst du eigentlich her und wer bist du eigentlich?

Speaker: Ganz vorne.

Speaker: Naja, ich bin einer von denen, die von sich immer behaupten, sie sind keine Berliner.

Speaker: Ich bin Spandauer.

Speaker: Ich bin in Spandau geboren.

Speaker: Ich bin in Spandau Kindergarten gegangen, Vorschule, Grundschule, Gymnasium und habe dann sogar die Ausbildung in der Zitadelle in Spandau gemacht.

Speaker: Das ging damals noch.

Speaker: Da haben wir die Tischlerei gemacht.

Speaker: Entschuldige, was ist eine Zitadelle?

Speaker: Zitadelle Spandau ist eines der ältesten, wehrhaftesten Gebäude.

Speaker: Also das ist vielleicht tatsächlich sogar interessant.

Speaker: In der Zitadelle Spandau haben die Nazis ihren Goldschatz versteckt gehabt, im Julius-Turm.

Speaker: Und es gab auch ein Chemiewaffenlabor dort.

Speaker: Und nach Kriegsende haben die Alliierten gesagt, sie sprengen das Ding.

Speaker: Und das ist aber schon wirklich, das ist eine, weiß ich nicht, aus dem 7. oder 8.

Speaker: Jahrhundert, also ich weiß es jetzt nicht genau, eine Festungsanlage.

Speaker: Und dann gab es aber Leute, die gesagt haben, ey, das ist doch wirklich das Kulturdenkmal und so weiter.

Speaker: Und dann gab es eine Auflage von den Alliierten.

Speaker: Sie sprengen das nicht, wenn eine Schulungs- oder Ausbildungsstätte, die dem Wiederaufbau von Deutschland dient, dort etabliert wird.

Speaker: Und dann ist da die Otto-Bartning-Schule, also eine Bauschule, eigentlich eingerichtet worden.

Speaker: Und da sind...

Speaker: Dann Zimmerleute, Maurer, Stahlbetonbauer, Tischler und so weiter ausgebildet worden.

Speaker: Und wie gesagt, ich bin da auch noch als Tischler ausgebildet worden.

Speaker: Der große Vorteil war, du hattest alle, wirklich alle Baufachberufe vor Ort und musstest auch in all diesen Ausbildungsberufen da mindestens ein Praktikum machen.

Speaker: Das heißt also, egal ob du Tischlager geworden bist oder Zimmermann oder Maurer, du hast bei allen Mal reingeschnuppert.

Speaker: Ich habe genauso Elektrik verlegt, wie ich gemauert habe und wie ich mit den Zimmerleuten zusammengearbeitet habe.

Speaker: Ich würde jetzt gerne nochmal ganz kurz ausholen.

Speaker: Sag doch auch nochmal, was für ein Jahrgang bist du und aus dem Elternhaus kommst du da.

Speaker: Du hast ja schon so ein bisschen was erzählt, auch von deinem Oma taucht häufiger.

Speaker: Naja, die Oma ist ganz wichtig.

Speaker: Gesetzesbrecherin, andere.

Speaker: Naja, also Jahrgang 64, also der geburtenreichste Jahrgang in Deutschland, zumindest bisher.

Speaker: Familie ist eigentlich in beiden Strängen sehr stark bauorientiert, also ganz besonders von der, von der, von der, ne, eigentlich in beiden.

Speaker: Das geht auf drei, vier Generationen zurück, das sind tatsächlich fast alles Bauhandwerker und dann hat

Speaker: Wie gesagt, nach Aussage dieser Großmutter, mein Vater leider gar nicht vernünftig mehr lernt, er ist nur Architekt geworden.

Speaker: Und das hat sie meinem Bruder und mir so lange erzählt, bis der Bruder Zimmermann geworden ist, ich bin Tischler geworden, wir sind erst dann Architekten geworden.

Speaker: Großmutter war zufrieden und wir haben es nie bereut eigentlich.

Speaker: Und die Menschwerdung bei mir ist davon geprägt, dass ich wirklich eigentlich den größten Teil meines Lebens auf Baustellen verbracht habe.

Speaker: Also Alter von 0 bis 6.

Speaker: hat die Familie das Elternhaus gebaut, aber wirklich gebaut.

Speaker: Also die Pläne hat natürlich mein Vater gemacht, aber gebaut hat die ganze Familie.

Speaker: Und selbst wenn ich nur irgendwie im Sand gebuddelt habe oder so, wurde ich hinterher dann, wenn ich genug gebuddelt habe, angewiesen, in der Tuppe dann die ersten Mörtelsachen zusammen zu mischen.

Speaker: Und meine Mutter und meine Großmutter haben wirklich massiv da richtig mitgebaut.

Speaker: Und von daher...

Speaker: Es ist also immer so, dass die konzeptionelle und planerische Seite mein ganzes Leben lang genauso betrachtet worden ist oder genauso wichtig war wie die handwerkliche.

Speaker: Das ist nie so richtig voneinander getrennt, was ich für sehr wichtig halte, weil das ist halt eben auch die große Schwierigkeit zwischen Architekten und Handwerken.

Speaker: Jetzt habe ich mal eine Frage zu deinem Vater.

Speaker: Ich habe in Erinnerung, weil ich bin ja heute Morgen hier joggen gegangen und bin auf diesem Berg vor dem Teufelsberg.

Speaker: Eigentlich ist das ganze Ding der Teufelsberg, das ist der Trümmerberg und die höchste Erhebung, da hatten die Amis halt ihre Abhörstationen drauf und dann gibt es eine Nebenerhebung, das ist der Drachenberg, weil da alle Leute die Drachen steigen lassen, irgendwie so einfach.

Speaker: Und das fand ich in mehrerlei Hinsicht richtig spannend.

Speaker: Zum einen die Vorstellung, wenn man da hochläuft, also ich bin an so einen Trail hochgelaufen, anscheinend gibt es auch so Mountainbikes, dann sieht man, das ist ein Ziegelberg, oder?

Speaker: Na klar, das sind die, aber sicher, die Berliner wissen es eigentlich alle.

Speaker: Ich weiß nicht, inwieweit das ansonsten bekannt ist.

Speaker: Teufelsberg ist der höchste Berg in Berlin.

Speaker: stolze 450 Meter hoch oder irgendwie sowas in der Richtung.

Speaker: Und das ist nichts anderes als die aufgeschütteten Trümmer, die nicht zur Wiederverwendung gekommen sind nach dem Zweiten Weltkrieg.

Speaker: Völlig irre Vorstellung.

Speaker: Und jetzt ist es so, und dann ist da so viel Geschichte drin.

Speaker: Jedenfalls war ich dann auf diesem Drachenberg und da hat man einen super Blick.

Speaker: Und ich bilde mir ein, ich habe da, wie heißt das, das ICC gesehen?

Speaker: Ja, natürlich, das ICC.

Speaker: Und da war dein Vater irgendwie auch involviert, oder?

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Also mein Vater ist halt so ein klassischer Wirtschafts-

Speaker: Wunderarchitekt.

Speaker: Der hat in den 60er Jahren ganz viel mitgemacht.

Speaker: Der hat Philips Hochhaus, Urania, eine Opernviertel mitgebaut, mitkonzipiert.

Speaker: Der hatte Zeiten, da hat er eine ganze Abteilung von 40 reinen Entwurfsarchitekten unter sich gehabt und hat dann nachher auch große Projektsteuerungen gemacht.

Speaker: Unter anderem tatsächlich das ICC in Berlin.

Speaker: Und ja, das sind genau die Sachen, die ich jetzt hier auch vor der Nase sehe.

Speaker: Wo ich ganz klar auch sage und auch ihm sage, ja Papa, schade, ist halt eben alles Mist, was du da gemacht hast.

Speaker: Aber das ist auch interessant.

Speaker: Also man muss dieser Generation wirklich noch zugutehalten.

Speaker: Und das ist bei ihm zum Beispiel auch so, wenn der das sieht, was wir jetzt machen.

Speaker: Also wir meinen jetzt die Spreeplan, sagt er, das ist viel besser als das, was wir gemacht haben.

Speaker: Da fühlt man sich total wohl drin.

Speaker: Aber wir haben es ja nicht besser gewusst.

Speaker: Und ich erinnere mich, wie ich gemeinsam mit meinem Vater beim Bau dieses Hauses, der hat da mit der Flex gestanden und Asbestplatten zersägt.

Speaker: Und wir hatten den weißen Staub im Gesicht.

Speaker: Wenn du daran denkst, also wenn du nur daran denkst, heute wird der schon ganz anders.

Speaker: Und ganz klar, die wussten es nicht anders.

Speaker: Und deswegen muss ich ganz klar sagen, ist eigentlich die allerschlimmste Generation, die man sich vorstellen kann,

Speaker: Das ist unsere, weil wir wissen es.

Speaker: Wir wissen es und machen genauso weiter.

Speaker: Und das ist die eigentliche Katastrophe.

Speaker: Du kannst natürlich sagen, Torheit schützt vor Strafe nicht und kannst dann auch die Generation unserer Eltern irgendwie vor Gericht stellen, wenn du möchtest.

Speaker: Aber Tatsache ist natürlich, dass denen teilweise wirklich das Wissen und die Kompetenz gefehlt hat.

Speaker: Die fehlt uns nicht.

Speaker: Wir wissen, was mit Asbest los ist.

Speaker: Wir wissen, was mit Styropor los ist.

Speaker: Wir wissen, was wir mit dem Klima machen und machen genau so weiter.

Speaker: Das finde ich also viel verwerflicher, ganz klar.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Okay, aber bleiben wir mal.

Speaker: Dein Vater lebt noch?

Speaker: Ja, ja, der ist jetzt 89.

Speaker: 89.

Speaker: Ja.

Speaker: Wow, Respekt.

Speaker: Gut, aber fangen wir mal vor.

Speaker: Jetzt haben wir ein bisschen Ausflug über deinen Vater gehört, deine Mutter.

Speaker: Meine Mutter ist immer, also Mutter und Großmutter waren immer zusammen.

Speaker: Wir waren immer zu fünft, obwohl es nur zwei Kinder waren.

Speaker: Also die Großmutter von meiner Mutter, die war immer überall dabei.

Speaker: Egal ob es jetzt beim Bauen war, ob beim Wohnen.

Speaker: Wir haben alle zusammen gelebt und

Speaker: Und bei der Mutter hatte gemeinsam mit meiner Großmutter so einen typischen deutschen Tante-Emma-Laden und hat sich eigentlich irgendwie, ja, die beiden Frauen haben die Familie zusammengehalten, ganz klar.

Speaker: Der Alter hat, das ist so richtig wertkonservativ, der Alter hat die Kohle rangeholt und die Frauen haben sich um die Familie gekümmert.

Speaker: Und alle Jungs, die Jungen und den Alten erzogen.

Speaker: Hat nicht geklappt, oder?

Speaker: Hat nicht geklappt.

Speaker: Meine Frau versucht es heute immer noch.

Speaker: Irgendwie, es gibt so bestimmte Sachen, da klappt es.

Speaker: Und dann hast du noch einen Bruder?

Speaker: Ja, Bruder.

Speaker: Der Bruder ist mittlerweile in China und macht fast dasselbe, was ich hier mache.

Speaker: Und der ist, habe ich das richtig in Erinnerung, ist das ein Zwillingsbruder?

Speaker: Nein, nein, der ist drei Jahre jünger.

Speaker: Wir haben immer sehr ähnlich alles gemacht, aber doch immer unterschiedlich.

Speaker: Also eher Zimmermann, ich Tüschler.

Speaker: Und auch wenn wir andere Sachen gemacht haben, wir haben oft die gleichen oder ähnlichen Interessen gehabt, aber dann immer so einen Unterschied, dass nicht so ein krankhafter Konkurrenzkampf entstanden ist.

Speaker: So war eigentlich ganz gut.

Speaker: Okay, also das war jetzt nochmal so dein familiären Hintergrund.

Speaker: Aber jetzt nochmal so, wie waren die denn drauf so als Menschen?

Speaker: Also was waren das für Menschen?

Speaker: Die Eltern, meinst du jetzt?

Speaker: Also von meinem Vater habe ich tatsächlich am meisten erst mitgekriegt, als ich selber Kinder hatte.

Speaker: Ich war vollkommen fasziniert, wie kinderfreundlich der ist und ich war vollkommen fasziniert, wie sehr er sich wirklich ernsthaft um dann seine Enkel gekümmert hat.

Speaker: Das war bei uns, also bei meinem Bruder und mir tatsächlich fast nie der Fall, weil der war echt immer arbeitend.

Speaker: Er hat einfach unheimlich viel gemacht.

Speaker: Er war ein ausgesprochener Leistungssportler.

Speaker: Also jede freie Minute, die er hatte, hat er dann ins Rudern gesteckt.

Speaker: Und da ist die Familie dann teilweise mitgekommen zu Regatten oder so.

Speaker: Aber tatsächlich ist mein Vater in meiner Erwachsenwerdung einfach eine Mischung aus Sportler und arbeitendem Architekten und wenig Anwesenheit zu Hause.

Speaker: Die Anwesenheiten sind immer geprägt von sportlichen Ereignissen oder wenn wir zusammen in Urlaub und besonders dann eben auch Wintersport gefahren sind.

Speaker: Und die Frauen, die haben sich um alles gekümmert.

Speaker: Die haben sich darum gekümmert, dass es mit dem Haus läuft, dass es mit dem Laden läuft.

Speaker: Die haben dafür gesorgt, dass die Gören irgendwie einigermaßen in diese Gesellschaft integriert werden, was ihnen, wie gesagt, auch nur teilweise gelungen ist, weil sie es aber, besonders die Großmutter, auch nur teilweise wollten, weil die Großmutter immer ganz klar gesehen hat und gesagt hat, was für Schwierigkeiten die Integration in gesellschaftliche Systeme mit sich bringt.

Speaker: Und

Speaker: Deswegen immer dafür gesorgt, dass eine gute Eigenständigkeit sich entwickelt.

Speaker: Also immer gesagt, du kannst machen, was du willst.

Speaker: Das ist vollkommen egal.

Speaker: Du musst nur immer dafür gerade stehen können.

Speaker: Und das ist so ein Grundsatz.

Speaker: Und wenn du den nicht nur gesagt, sondern auch vorgelebt bekommst,

Speaker: dann ist das schon eine wesentliche Komponente in dem, was du tust.

Speaker: Und das ist letzten Endes auch eines der Gründe, warum ich zum Beispiel meine ganze berufliche Karriere so aufgebaut habe, wie ich sie aufbaue.

Speaker: Dann machen wir doch da mal weiter.

Speaker: Also du warst stehen geblieben, also nach der Schule bist du in diese Zitadelle gegangen.

Speaker: Ja.

Speaker: Wie alt warst du dann, als es losging?

Speaker: Naja, ich war seinerzeit tatsächlich der jüngste Abiturient in Berlin.

Speaker: Ich habe mit 17 Abi gemacht und habe dann direkt die Lehre angeschlossen.

Speaker: Ich war nur mit 21 fertig.

Speaker: Ich habe dann in den... Ich habe nochmal nachgefragt.

Speaker: Also du warst der jüngste Abiturient.

Speaker: Wie kam es dazu?

Speaker: Weil du einfach Schule gut konntest?

Speaker: Nein, das kann man eigentlich gar nicht sagen.

Speaker: Es war wirklich auch wieder so eine Entscheidung.

Speaker: Also ich habe es hingekriegt, sagen wir mal so.

Speaker: Und es war auch ganz interessant, weil ich war von diesen damals gegen das Notto, konntest dann Schnellläufer machen.

Speaker: Und ich war von den Schnellläufern, die ja eigentlich alles erstrebsame Menschen waren, weil ich der, der mit Abstand das schlechteste Abitur hatte.

Speaker: Weil ich habe mich einmal entschieden, ich will das Ding so schnell wie möglich fertig werden.

Speaker: Und als klar war, dass ich genug Punkte hatte, habe ich dann nur noch das gemacht, was ich unbedingt machen musste.

Speaker: Und bei der Abitursverleihung, das waren alle Leute mit 1,0, 1,2 oder so.

Speaker: Und dann kam, da wurde ich dann auf die Bühne gerufen, 3, 3, 0.

Speaker: Und alle haben gedacht, das kann doch nicht sein.

Speaker: Irgendwie so, ja, das ist ja so.

Speaker: Aber das war, also ich habe halt solche Sachen gebracht, ich habe dann zum Beispiel meine Leistungsklausel, nachdem klar war, dass ich alles bestanden habe, habe ich Datum draufgeschrieben, Name draufgeschrieben, das Ding abgegeben.

Speaker: Das war's.

Speaker: Und dann meinte der Bioliker, sag mal, du kannst es doch.

Speaker: Ich sage, natürlich kann ich das.

Speaker: Aber

Speaker: Wenn Sie wissen, dass ich es kann und ich weiß, dass ich es kann, warum wollen wir uns gegenseitig die Zeit stehlen?

Speaker: Also ich muss es aufschreiben, Sie müssen es korrigieren.

Speaker: Wir wissen, ich kann es.

Speaker: Lassen wir es einfach so.

Speaker: Hat er mir eine 6 gegeben?

Speaker: Wusste er ja.

Speaker: Ich habe mir gar keine andere Lösung gelassen.

Speaker: Aber es war immer noch genug.

Speaker: Also ich habe mein Abitur dann mit 3 gemacht und war fertig.

Speaker: Also da fing es schon an.

Speaker: Dann versuch doch mal, dich selbst zu charakterisieren.

Speaker: Wie warst du da drauf?

Speaker: Du warst 17.

Speaker: Ich war 17.

Speaker: Wie warst du mit 17 drauf?

Speaker: Ach naja, das war genau die Zeit, wo ich so ein typischer Berliner Punk irgendwie, nicht?

Speaker: Also wir haben dann, ich habe auch dann Musik gemacht, ich habe so die ersten Konzerte gemeinsam mit den Ärzten gemacht, da gab es die Berliner FU-Rocknacht und so weiter.

Speaker: Moment, da muss ich jetzt nochmal nachfragen.

Speaker: Ich weiß ja, dass du eine Musikerkarriere hinter dir hast.

Speaker: Hol da mal noch ein bisschen aus.

Speaker: Wann hast du Musik entdeckt?

Speaker: Woher kam das?

Speaker: Gab es das auch in der Familie?

Speaker: Na ja, sicher.

Speaker: Die haben alle irgendwie ein bisschen rumgetingelt.

Speaker: Und ich habe halt eben einfach das dann ein bisschen weitergemacht.

Speaker: Ich bin so ein Mensch, ich funktioniere ganz schlecht in der Masse.

Speaker: Meine Großmutter hat das ja früher erkannt.

Speaker: Die hat auch gesagt, die musste mal in Vertretung zu einer

Speaker: meiner Mutter.

Speaker: Und dann haben, wie das so üblich ist, die Lehrer auf sie eingeredet und gesagt, ja dieser Junge, der kann sich nicht integrieren und so.

Speaker: Und meine Großmutter hat sich alles angehört und kam nachher nach Hause und sagte, du dach, das ist völlig klar, das schaffst du nicht, das geht nicht.

Speaker: Du stehst entweder daneben oder du führst an.

Speaker: Und das musste situativ entscheiden, wie es dann irgendwie funktioniert.

Speaker: Ich habe es damals als

Speaker: kleiner Junge in der Grundschule noch nicht so richtig begriffen.

Speaker: Später habe ich es dann begriffen.

Speaker: Ich habe dann einfach aufgehört zu versuchen, mich zu integrieren und habe das dann so gemacht, wie ich es für richtig gehalten habe.

Speaker: Und da war es dann auch der Hauptgrund, Musik zu machen, war eigentlich der, weil ich keinen Bock hatte, mit den anderen ein Publikum zu stehen.

Speaker: Ich wollte halt eben oben stehen.

Speaker: Und dann habe ich das gemacht und es war eine Zeit in den Nachrichten.

Speaker: Würdest du sagen, dass du in der Rampfsau bist?

Speaker: Nicht zwingend, in manchen Bereichen sicherlich schon, aber es geht mir meist, also ich meine klar, ich habe ein ziemliches Ego, aber es geht mir gar nicht unbedingt so sehr darum, mich in den Mittelpunkt zu spielen, sondern einfach auch zu erleben, wie andere darauf reagieren.

Speaker: Also das macht einfach Spaß.

Speaker: Und was für ein Instrument hast du denn gelernt?

Speaker: Wie alt warst du?

Speaker: Ich glaube, du hast Gitarre gespielt.

Speaker: Gitarre, Querflöte und Klavier, wobei die Gitarre das eigentliche Hauptinstrument war.

Speaker: Das ist richtig.

Speaker: Ja, das war die Zeit in Berlin.

Speaker: Wir hatten in den 80ern, wir hatten unseren Übungsraum im Hansa-Studio.

Speaker: Und da sind alle, die nachher irgendwie oder auch damals schon die Größen waren, egal ob es David Bowie war, Iggy Pop, Susie and the Banshees und so weiter, sind da ein- und ausgegangen.

Speaker: Und wir haben mit denen zusammen gespielt und Sessions gemacht und so weiter.

Speaker: Und unser Bassist, der war damals noch jünger als ich,

Speaker: ist Moses Schneider gewesen.

Speaker: Moses Schneider ist einer der Produzenten in Deutschland im Augenblick.

Speaker: Er hat Beatstakes gemacht und all so ein Zeugs irgendwie.

Speaker: Und er ist einer der wenigen Produzenten, die so viel im Hintergrund haben, die internationale Kapazität sind.

Speaker: Aber die meisten von uns, die haben damals dann Musik weitergemacht.

Speaker: Wenn du sagst von uns, also wie hieß eure Band?

Speaker: Das Wichtigste, was für uns das Wichtigste war, war eigentlich Gibbon.

Speaker: Gibbon bestand aus vier Leuten.

Speaker: Es waren wirklich drei Schüler aus Berlin-Spandau und ein Sänger, der... Ja, ich bin ja so ein alter weißer Mann, ich darf das jetzt nicht mehr sagen, was ich früher gerne gesagt habe.

Speaker: Also der war... Heute muss ich mal versuchen, korrekt zu sagen.

Speaker: Er war ein POC aus Amerika und er war Mitglied der LGBTQ-Gemeinschaft.

Speaker: Wir haben das früher anders genannt, wenn ich das jetzt sage, gucken wir ja alle ganz böse.

Speaker: Und daraus resultierend waren wir eben auch in dieser Zeit ganz viel in dieser ganzen homosexuellen Szene unterwegs.

Speaker: Wir haben einen der ersten großen Christopher Street Days gespielt in Berlin, zwar im Architekturgebäude, da habe ich mich entschieden, dann Architektur zu studieren und auch tatsächlich.

Speaker: Und wir waren relativ viel in London und haben mit Leuten wie Frankie Goes to Hollywood, Boy George und so weiter zusammen Übungsräume gehabt.

Speaker: Übungsräume.

Speaker: Wir haben nicht mit denen zusammen gespielt, aber wir kannten uns irgendwie.

Speaker: Und es war eine wunderschöne Zeit.

Speaker: Ja, das klingt ja so völlig abgefahren.

Speaker: Ich kann es mir gar nicht so richtig vorstellen.

Speaker: Ich kenne die Leute vom Plattencover und von Partys, David Bowie und so weiter.

Speaker: Also es taucht da nochmal ein bisschen ein.

Speaker: Also du warst Punk.

Speaker: Ja, würde ich... Ja, ja, doch würde ich... Wie sagst du denn auch, dass du Erokäsens bist?

Speaker: Ich hatte einen sehr bunten Erokäsens.

Speaker: Also die Seiten waren wegrasiert, die waren ein bisschen rausgewachsen und sind dann...

Speaker: rot gefärbt worden und der Iroquese war sehr hoch, der war unten dunkelblau, violett, lila, rot, orange, gelb, weiß.

Speaker: Wenn du mich von der Seite gesehen hast, hatte ich einen Regenbogen auf dem Kopf.

Speaker: Warst du ein LGBT?

Speaker: Nein, ich war es nicht.

Speaker: Rick hat mich immer, der war immer sehr böse.

Speaker: Der hat immer gesagt, du machst alle aus dieser, damals war unsere Terminologie eine andere, also ich sage es jetzt einfach, du machst alle schwuchteln heiß und stehst nur auf Weiber.

Speaker: Und das war

Speaker: Ja, das war, damals war das eigentlich, man muss das nicht unbedingt benennen immer und man muss nicht mal sagen, ja, ich bin tolerant, es war einfach, wir haben gemacht, wozu wir Lust hatten und der eine hat das gemacht, der andere hat das gemacht.

Speaker: Es war nicht Thema, also zumindest nicht in unseren Kreisen und ich wäre niemals auf die Idee gekommen, jetzt zu überlegen, den mag ich nicht, weil er eine Tunte ist oder sonst irgendwie, war das halt eben einfach so fertig.

Speaker: Und ja, dann haben wir das.

Speaker: Aber bei mir taucht jetzt so auf,

Speaker: Drogen, Sex, Drugs und Rock'n'Roll.

Speaker: Also das ist ja ein häufiger Irrtum.

Speaker: Das ist so eine Image-Nummer, die ganz viel immer gefahren wird und geritten wird.

Speaker: Aber wenn du dir zum Beispiel mal Leute anguckst, die in dem Bereich auch wirklich...

Speaker: wirklich irgendwie was längerfristig auf die Beine gestellt haben, dann sind es oft so richtige Spießer.

Speaker: Die, die so richtig die Exzesse betreiben, die sind meistens relativ schnell tot.

Speaker: Egal ob du 20.

Speaker: Genau das.

Speaker: Was auch Dufte ist, weil die sind natürlich extrem kreativ.

Speaker: Und Freddie Mercury hat irgendwann mal gesagt, was ich in meinen 47 Jahren erlebt habe, dafür brauchen andere mindestens 150.

Speaker: Und dann ist es auch okay, wenn die Jungs sterben.

Speaker: Also wir gehörten zum Großteil in unserer Kombo zu diesen absoluten Clean Cuts.

Speaker: Wir haben also beispielsweise Rick, die anderen haben sich vor dem Auftritt die Birne weggeballert mit Koks und der hat Kamelentee mit Honig und Zitrone getrunken.

Speaker: Und das ist ja häufig so, ja, also der ACDC-Gitarrist ist nach meinem Kenntnisstand, ich weiß nicht, ob er wirklich so korrekt ist, weil den kenne ich natürlich nicht, aber nach meinem Kenntnisstand ist der Zeit seines Lebens Vegetarier und trinkt keinen Alkohol.

Speaker: Und wenn du da anguckst, was der da auf der Bühne macht und wie seine Fanschar sich gebärdet, dann ist das was völlig anderes.

Speaker: Also muss man immer sehr vorsichtig sein, da ist viel auch mit Image dabei.

Speaker: Okay, also bei dir war das auch nicht.

Speaker: Ich bin so ein total sauberer.

Speaker: Ich habe genau dreimal in meinem Leben gekifft.

Speaker: Von diesen drei Malen bin ich zweimal eingeschlafen.

Speaker: Danach fand ich es so bescheuert, weil ich wollte einen netten Abend haben und bin eingeschlafen.

Speaker: Wie bekloppt.

Speaker: Und dann habe ich das Zeug nie wieder angefasst.

Speaker: Okay, wir werden, denke ich, noch unbedingt ein paar Songs dann einspielen in den Podcast von dir und das auch verlinken, weil das muss man ja einfach hören.

Speaker: Finde ich so geil.

Speaker: Und jetzt erzähl doch mal die Miene-Hagen-Geschichte, die finde ich einfach so grandiosk.

Speaker: Na, wie ich sie kennengelernt habe, meinst du?

Speaker: Naja, das war halt eben, ja, ich war ganz jung und wollte nun endlich eine richtig gute Stromgitarre haben, so eine Rickenbacker.

Speaker: Die fand ich total super.

Speaker: Aber ich konnte sie mir natürlich nie leisten.

Speaker: Und bin dann in der Martin-Luther-Straße in einem Musikgeschäft gewesen.

Speaker: Und da kam da so eine Frau rein.

Speaker: Und ich meine, wer Nina Hagen kennt, weiß das.

Speaker: Die kommt irgendwo rein und füllt den Raum aus.

Speaker: Und das war auch damals schon so.

Speaker: Aber was mich am meisten fasziniert hat, war ihr Ohrring.

Speaker: Also die hatte einen Ohrring, der war...

Speaker: Also früher waren die Dosen, da hat man, wenn man eine Cola-Dose aufgemacht hatte, konnte man die Dinger so abziehen.

Speaker: Heute bleibt das ja alles dran.

Speaker: Da konnte man komplett abziehen und die hatte aus diesen Dingern Ohrringe gemacht, wo ich dachte, wie geil ist das denn, ey?

Speaker: Die steckt sich Müll ins Ohr.

Speaker: Und wir haben dann da zusammen in diesem Musikladen und sie sagte, die Gitarre, die sieht aber toll aus.

Speaker: Und ich sagte, ja, sieht toll aus.

Speaker: Und du standst dann mit deinem Irokesen?

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Und sie meinte, naja, willst du dir kaufen?

Speaker: Ich sage, du, ich kann mir vielleicht die Saiten kaufen, aber nicht die Gitarre, das geht gar nicht.

Speaker: Und wir haben uns dann, also Ende der Geschichte war dann, wir haben dann gemeinsam diese Gitarre gekauft.

Speaker: Ich habe sie dann genommen.

Speaker: Also du hast die Saiten gekauft?

Speaker: Ich muss dir ehrlich sagen, das weiß ich nicht mehr genau.

Speaker: Ja.

Speaker: Also wir haben sie dann jedenfalls gekauft und ich habe sie genommen zum Spielen und sie hat sie genommen, um sich damit fotografieren zu lassen.

Speaker: Es gibt ein ganz beobachten Foto von Jim Racketa auf diesem ersten Cover der Platte, die sie in Berlin gemacht hat.

Speaker: Da steht sie vor einer Eiche.

Speaker: in den Spandauer Rieselfeldern mit dieser Gitarre in der Hand und hält diese.

Speaker: Und das ist genau diese Rickenbacker.

Speaker: Das ist eine geile Geschichte.

Speaker: Ich habe mal gehört, ich kenne die Serie ehrlich gesagt gar nicht.

Speaker: Ich muss die unbedingt mal anhören.

Speaker: Für mich ist das ein Synonym.

Speaker: Du bist so ein bisschen wie Mr. Goodman.

Speaker: Das muss so eine Serie sein.

Speaker: Mr. Goodman erlebt einfach alles.

Speaker: Ja.

Speaker: Du hast irgendwie auch alles verlegt.

Speaker: Eine Menge, sagen wir mal so.

Speaker: Also war schon immer ganz lustig.

Speaker: Wie ging das weiter?

Speaker: Also eingestiegen bist du in die Szene, warst du 17.

Speaker: Parallel dazu hast du aber diese Handwerkerausbildung.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: In meiner Handwerkerausbildung habe ich viele Sachen parallel gemacht.

Speaker: Ich habe Musik gemacht, habe die erste Platte aufgenommen, habe die Skilehrerausbildung gemacht und habe irgendwie noch die Tischlerlehre zu Ende gekriegt.

Speaker: Das ist der Gutmann.

Speaker: Ja, das war auch wieder meine Großmutter.

Speaker: Meine Großmutter hat immer gesagt, du lebst nur einmal, aber wenn du es richtig machst, dann reicht es.

Speaker: Okay.

Speaker: Ja.

Speaker: Okay, also du hast, genau, das war so ein Thema, aber du musst mir die Chronologie vorgeben.

Speaker: Ich kenne jetzt vor allem, also du hast, Skifahren war bei dir offenbar auch ein Riesenthema, oder?

Speaker: Skifahren war schon ein Riesenthema, aber es sind natürlich, also als Berliner ist es illusorisch, da wirklich irgendwie was zu reißen.

Speaker: Da hättest du weggemusst aus Berlin und das wollte ich nicht, weil damals war die Musik halt eben noch so wichtig.

Speaker: Dann ging das mit dem Schneebettfahren los.

Speaker: Also da waren so die allerersten Schneebettfahrer.

Speaker: die man mal so im Fernsehen, nicht im Fernsehen, bei einem James Bond Film gesehen hat.

Speaker: Das ist gut, finde ich toll, gefällt mir.

Speaker: Und dann haben wir, mein Bruder und ich, wir haben dann die ersten Schneebretter zusammengebaut.

Speaker: Wir haben am Dachstein die erste Ausbildung für Schneebrettlehrer gemacht.

Speaker: Damals war noch Jake Burton dabei.

Speaker: Und die alten... Wenn du Schneebrett fährst, dann weißt du, wer das ist.

Speaker: Das ist eigentlich derjenige, der das Ding wesentlich mit vorangetrieben hat.

Speaker: Also es war Tom Sims und Jake Burton.

Speaker: Und Burton ist nach wie vor immer noch der allergrößte Hersteller von Schneebrettern.

Speaker: Die einzige Firma, die das ausschließlich macht.

Speaker: Also ich meine, klar, die haben natürlich viele Nebenprodukte, aber die machen Schneebretter, Ende.

Speaker: Und nicht irgendwie Ski und Schneebretter oder sonst irgendwie was.

Speaker: Und diese Leute, die sind alle, weiß ich nicht, die sind fünf, sechs Jahre älter, die sind alle tot mittlerweile.

Speaker: Also Tom Simms ist tot, Jake Burton ist tot und mir geht es noch ganz gut.

Speaker: Wie war das?

Speaker: Eigentlich startet man tot und mir ist auch schon ganz schlecht.

Speaker: Okay.

Speaker: Ja, und dann da.

Speaker: Aber wie kam es überhaupt dazu, dass du in den Bergen so unterwegs warst?

Speaker: Also ich meine, ich habe gehört, wir hatten ja...

Speaker: Als er mit dem Peter Kneidinger gesprochen hat und er erzählt hat, dass er aus Bad Karstein kommt, da habe ich gecheckt, okay, du warst oft mit deiner Oma oder ihr wart mit der Familie oft in Bad Karstein.

Speaker: Ja, aber Bad Karstein war halt wirklich nur die Oma eigentlich und es war nur Sommer.

Speaker: Und wie kam das?

Speaker: Meine Großmutter hat aufgrund der Tatsache, dass sie im KZ war und sie war im KZ, weil sie Juden versteckt hat.

Speaker: Eine ganz unpolitische Frau, die hat sich einfach nur darüber aufgeregt.

Speaker: dass die Nazis so sind, wie sie sind und hat eben ihr Ding weitergemacht und in einem solchen Regime ging das halt eben nicht.

Speaker: Und dann haben sie die da eingeknastet.

Speaker: Das will ich jetzt schon mal genauer hören.

Speaker: Deine Oma hat Juden versteckt.

Speaker: Naja, das war einfach so, sie hatte einen Laden und die Nazis kamen nachher rein und sagten, die Juden dürfen hier jetzt nicht mehr kaufen.

Speaker: Meine Oma in ihrer Art eben völlig unpolitisch, aber vollkommen skrupellos und immer ganz geradlinig.

Speaker: Also ich war ja nicht dabei, ich hab's ja auch noch erzählt bekommen.

Speaker: Die hat dann gesagt,

Speaker: Das sind nette Leute, das sind anständige Leute, die kaufen schon immer hier, die kaufen weiter hier.

Speaker: Und ihr geht jetzt erstmal raus und tretet euch die Schuhe ab, weil ihr wisst gar nicht, wie man sich benimmt.

Speaker: Naja, und dann kam natürlich noch hinzu, ihr Bruder, der war politisch aktiv, der war für die Kommunisten aktiv, hat Flugblecker gemacht und so.

Speaker: Und den haben sie irgendwann hochgenommen.

Speaker: Naja, und dann Sippenhaft und so weiter.

Speaker: Das ging dann relativ schnell.

Speaker: Hat er das überlebt?

Speaker: Er hat es überlebt, ja.

Speaker: Und deine Oma war im KZ?

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Und in welchem KZ war die?

Speaker: Ja, die war in Buchenwald.

Speaker: Und hat es überlebt?

Speaker: Ja, klar.

Speaker: Also das war ja eine Deutsche.

Speaker: Die war wirklich urdeutsch, blond, hochgewachsen, eine wunderschöne Frau und die haben sich halt eben so ein bisschen gequert.

Speaker: Also das wollte ich eigentlich nur erzählen, weil die hat halt was mit ihrem Knie weggekriegt.

Speaker: Die hat irgendwie was aufs Knie gekriegt und hatte dann eine schwere Gelenkarthrose.

Speaker: Und dann bat Gastein.

Speaker: gibt es so einen Heilstollen, den gibt es immer noch und der ist auch unter Medizinern sehr umstritten, weil das geht da um Radonstrahlung, wenn du da einfährst.

Speaker: Und in der Zeit sind die halt eben alle davon ausgegangen, dass das sehr hilfreich ist, gerade eben auch bei Gelenkgeschichten und so weiter.

Speaker: Und meine Großmutter, das war der einzige Urlaub, den sie sich gegönnt hat, ist irgendwie vier Wochen nach Bad Gasteien und dann hat er ihre Stollenkur gemacht und hat dann...

Speaker: hat dann nach ihrer Aussage große Vorteile daraus gezogen für ihr Knie und konnte dann eben bis an ihr Lebensende zwar humpelnd, aber laufen.

Speaker: Und deswegen sind wir als Kinder dann immer mitgefahren und wir waren dann da, während sie im Stollen war und haben uns die Berge angeguckt.

Speaker: Aber das hat mit dem Wintersport tatsächlich nichts zu tun.

Speaker: Das war wirklich nur Sommer.

Speaker: Wintersport war... Noch mal Thema Radon.

Speaker: Das finde ich ja schon auch irgendwie spannend.

Speaker: Ich bin ja durch dich erst überhaupt sensibilisiert worden für Radon.

Speaker: Und dass Radon eigentlich ein Problem ist, oder?

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Aber das ist wie mit so vielen Dingen.

Speaker: Das ist oft nur eine Frage der Dosierung, ob es ganz gefährlich ist oder in der richtigen Dosierung vielleicht sogar hilfreich ist.

Speaker: Und ich bin

Speaker: medizinisch kompetent um das zu sagen oder zu beurteilen ich kann ganz klar sagen dass es diesen heilstollen gibt ich kann ganz klar sagen dass er in den mediziner kreisen umstritten ist es gibt leute die schwören darauf aber das ist eigentlich auch egal weil viele leute nehmen placebos zu sich und fühlen sich dann besser

Speaker: Dann sage ich mir doch eigentlich wurscht, wenn sie sich besser fühlen, sollen sie sich besser fühlen.

Speaker: Das ist doch wunderbar.

Speaker: Ich kann da wenig zu sagen.

Speaker: Eines kann ich dazu sagen und das ist ganz klar, beim Bauen ist es meistens so, wenn du da mit Radon zu tun hast, was du viel im süddeutschen Bereich hast, ist es eine, ich weiß es jetzt gar nicht genau, entweder die häufigste oder die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Speaker: Das wissen die meisten überhaupt nicht.

Speaker: Aber das ist in ganz vielen Bereichen so, wenn du dich mit Bauen und Wohngesundheit oder überhaupt damit beschäftigst, dann hast du ganz viele Sachen, die vollkommen falsch beurteilt werden.

Speaker: Aber jetzt kommen wir mal wieder zu dir.

Speaker: Okay, also dann Bad Kastein waren die Berge, aber nicht das Skifahren.

Speaker: Wie bist du dann zu diesem Stehbrettfahren gekommen?

Speaker: Naja, ich bin einfach als Berliner relativ viel und gerne Ski gefahren und das auch auf einem vielen Berliner relativ hohen Niveau.

Speaker: Das hat natürlich überhaupt nichts zu tun mit irgendwie internationalem Niveau.

Speaker: Und dann kam das mit dem Schneebrettfahren und da gab es wenige, die da was gemacht haben, weil wir waren so wirklich total am Anfang.

Speaker: Da war es dann relativ einfach, innerhalb kürzester Zeit ohne großes Training in die Weltspitze zu kommen.

Speaker: Und das haben wir dann mein Bruder und ich auch eine Weile gemacht.

Speaker: Wir sind da Weltcup mitgefahren und so, obwohl das eigentlich war eher Fete damals.

Speaker: Also das war nicht so, wie es jetzt ist, wo die da wirklich Sprünge machen, wo du sagst, ey, das ist...

Speaker: doch sehr halsbrecherisch oder so.

Speaker: Das war halt eben, wir haben einfach Großväte gehabt, haben dann ein paar fette Jahre abgefeiert und fertig.

Speaker: Das hat riesen Spaß gemacht.

Speaker: Aber in dem Augenblick, wo es dann wirklich ernsthaft wurde und wo wir dann auch hätten richtig trainieren müssen, waren wir zum Glück schon zu alt.

Speaker: Also ich bin gar nicht in die Versuchung gekommen.

Speaker: Könnte das ein Muster sein.

Speaker: Ja, ja, wahrscheinlich.

Speaker: Es war auch total interessant.

Speaker: Es war total interessant, weil als das so losgegangen ist,

Speaker: Es gab ja keine Strukturen wie im Skiverband oder so.

Speaker: Das heißt, wenn du Wettkämpfe machen wolltest, wenn du trainieren wolltest, dann musstest du irgendwoher Sponsoren kriegen.

Speaker: Und die meisten, die aus den Bergen kamen, die es gewöhnt waren oder die Parallelen hatten vom Skifahren, die sind dann zu Skiherstellern gegangen oder Bekleidungsherstellern und so weiter und haben sich da sponsoren lassen.

Speaker: Und bekanntermaßen haben Skihersteller nie so richtig viel verdient oder so.

Speaker: Das kam bei uns als Berliner gar nicht in Frage, weil wir hatten hier niemanden und keiner kannte uns.

Speaker: Und wir hatten dann daraus resultierend immer die abgefahrensten Sponsoren.

Speaker: Wir waren zum Beispiel die einzigen, die da im Weltcup mitgefahren sind, die als Hauptsponsor Pan Am hatten.

Speaker: Und das nur deswegen, weil Pan Am, das war eine Fluglinie, also sie haben offensichtlich die Falschen gesponsert, weil es war eine der größten amerikanischen Fluglinien, die dann auch kurz danach pleite gegangen ist.

Speaker: Aber die saßen bei uns in Berlin mit ihrer Europa-Niederlassung im Europas-Hemder.

Speaker: Und ich natürlich irgendwie kackfrech dahin gesagt, ey, wisst ihr was?

Speaker: Ihr wollt euer Image aufbügeln, wir sind jung, wir sind toll, wir sind bunt.

Speaker: Da hattest du ja noch die Rökesen.

Speaker: Nee, nee, nee.

Speaker: Da hatte ich dann mittlerweile wieder lange Haare.

Speaker: Die ganzen Surffritzen und so weiter, die waren eher auf langhaarig.

Speaker: Wir waren von der Klamotte her extrem bunt, aber nicht mehr in den Haaren.

Speaker: Da waren die Haare.

Speaker: Da warst du ein Hippie.

Speaker: Ja, naja, das war, nee, eigentlich, also die Hippies waren ja noch vor der Punkzeit.

Speaker: Ja, sowas in der Richtung.

Speaker: Ja, und ich bin da, ich habe gedacht, was soll's, mehr als Nein sagen kann er ja nicht.

Speaker: Und wenn er Nein sagt, habe ich das gleiche Ergebnis, wie wenn ich nicht hingehe.

Speaker: Also gehe ich hin und habe zumindest eine Chance, dass er ja, der Typ, das war total faszinierend.

Speaker: Also für den waren wir eigentlich die Rettung, weil der war so ein PR-Manager und der hatte echt die Aufgabe, der musste irgendwie dieses Image von oder wollte dieses Image von Pan Am aufbügeln.

Speaker: Das war ja damals ganz viel.

Speaker: Das war bei Audi genau das Gleiche.

Speaker: Audi hatte auch dieses Klorollen-Image auf der Hutablage.

Speaker: Die haben es nachher mit einem Skiverband gemacht und mit der Sprungschanze.

Speaker: Aber es war so eine Zeit, wo alteingesessene Firmen ihr Image umkrempeln wollten.

Speaker: Audi hat es geschafft.

Speaker: Pan Am hat es nicht geschafft.

Speaker: Und dann meinte er ja, aber dann machen wir auch mal irgendwie so ein Titelfoto von euch auf dem Clipper Magazin und so weiter.

Speaker: Ich so, ja klar, machst du ein Foto, wunderbar.

Speaker: Für uns konnte gar nichts besser.

Speaker: Das gibt es, das Foto.

Speaker: Ja, das gibt es, na klar.

Speaker: Kann man das alles mal verlinken?

Speaker: Also muss ich mal sehen, ob ich da noch ein Belegexemplar habe.

Speaker: Die müsste ich eigentlich noch haben.

Speaker: Ja, ich glaube schon.

Speaker: Also wir brauchen den Song und wir brauchen dieses Foto.

Speaker: Also den Song, den Song, den findet auch jeder selber, weil den hat mein Sohn irgendwann mal hochgeladen.

Speaker: Der ist auf YouTube und die Band heißt Gibbon, wie die Affen, Gibbon.

Speaker: Und der Haupttitel heißt Pussy Divine.

Speaker: Also das übersetze ich jetzt nicht, aber das kriegt dann jeder, glaube ich.

Speaker: Das Lustige war ja, da gibt es auch noch tatsächlich eine Story dazu.

Speaker: In diesem ganzen Song geht es nur um Pussy und Tiddies und so weiter und so weiter.

Speaker: Und wir sind vom AFN damals ziemlich viel gespielt worden.

Speaker: Und ich habe gedacht, es ist ja erstaunlich, dass die uns spielen bei so einem Text.

Speaker: Und die haben dann in so einem Monatsrhythmus immer so einen Rat gehabt, die die Zensur dann prüfen und so weiter.

Speaker: Und nachdem wir eine Weile gelaufen sind, kamen wir mit einmal auf die schwarze Liste.

Speaker: Und ich dachte, was ist denn jetzt los irgendwie?

Speaker: Und dann wurde mir gesagt, warum?

Speaker: Und das ist total interessant wieder in dieser Zeit.

Speaker: Hat sich niemand daran gestört, dass ein schwarzer Amerikaner, der auch noch homosexuell ist, singt, I want your titties, I want your pussy und so weiter.

Speaker: Aber es gab in diesem Stück einen einzigen Satz, der da lautete, I want to give him all of my stuff.

Speaker: Gesungen von einem Mann.

Speaker: Und das war der Grund, warum wir auf die schwarze Liste gekommen sind.

Speaker: du was heißt es war super es war für uns das allerbeste wenn du beim afm schwarz gelistet wird weil du homosexuelle textzeilen hast besser ging es gar nicht wir sind durch die decke ja ja ja klar sicher also damals das war das war richtig gut ich ich

Speaker: Ich möchte jetzt nicht unbedingt zahlen, denn ich kann nur sagen, dass ich mit 17 so viel Geld verdient habe, wie ich hinterher nie wieder verdient habe und mit 19 war es weg.

Speaker: Und das war so für mich der Punkt, wo ich das erste Mal so wirklich festgestellt habe, also Geld ist nicht das, was dich interessiert.

Speaker: unglücklich mit oder ohne geld und da war ich dann lieber wieder bei meiner großmutter die da sagte irgendwie geld ist nicht wert der wert des geldes definiert sich aus dem was du damit machst und da war mir dann klar um geld geht es nicht also zumindest für mich nicht mich sonst andere dinge und ich habe dann eigentlich tatsächlich habe ich dann da also ich hatte mich auch damals nicht darauf fokussiert ist einfach passiert irgendwie

Speaker: Im Augenblick ist es ganz klar so, ich hätte gerne mehr Geld zur Verfügung, ganz klar, ganz klar, sehr viel mehr Geld, um die Projekte, die wir machen könnten oder wollten, zu realisieren.

Speaker: Ich selber, für mich, brauche kein Geld, ist nicht erforderlich.

Speaker: Aber ich habe tolle Leute, die miteinander arbeiten, Projekte entwickeln und so weiter, aber immer nicht auf die...

Speaker: Auf die Erde kriegen, weil immer irgendwelche aus dieser alten Welt die Sachen dann zerkloppen.

Speaker: Da kommen wir später auch mal.

Speaker: Okay, also wir waren ja stehen geblieben, du bei Schneebrettfahren.

Speaker: Und du bist dann doch aber auch Trainer geworden.

Speaker: Ja, das war dann tatsächlich eine ganz lustige Zeit.

Speaker: war Bundesausbilder.

Speaker: Es gab beim Deutschen Skiverband, gibt es so eine Riege von denen, die immer die höchsten sind eigentlich.

Speaker: Also der Bundesausbilder Ski, das sind die, wenn die im Stubar irgendwie unterwegs waren, das waren immer die Götter des Skifahrens, weil die konnten alles, die konnten alle Techniken, die konnten alle ausbilden, die Übungsleiter, Grundstufe, Oberstufe, die Skilehrer, die Landesausbilder und so weiter.

Speaker: Und dann haben die irgendwann mal für die Schneebreitfahrer auch so ein Bundeslehrteam etabliert und

Speaker: In diesem ersten Bundeslehrteam vom DSV, da war ich mit drin.

Speaker: Und ich war natürlich, und das war ganz lustig, ich war natürlich der Einzige, der nördlich des Weißwurst-Äquators beheimatet war.

Speaker: Und wenn wir irgendwelche Ausbildungen oder Fortbildungen gemacht haben und die anderen hatten einfach keinen Bock auf mich und haben gesagt, ich verstehe dich nicht.

Speaker: Also es ist teilweise so, wenn ich dann richtig Berlinert habe, dann habe ich denen das sogar abgenommen.

Speaker: Ich habe denen das geglaubt.

Speaker: Andersrum hat es nie funktioniert, weil ich diese Bergdialekte halt eben ziemlich gut verstehe.

Speaker: Aber ja, da gab es so bayerisch zum Beispiel.

Speaker: Ja, zum Beispiel.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Das sind die Bergvölker halt eben.

Speaker: Und das habe ich eine ganze Weile gemacht, aber auch da war es dann schon wieder so, ich war eigentlich, ich war immer interessiert an allen möglichen anderen Sachen, die sich noch so entwickeln.

Speaker: Und ich habe dann genau das Gleiche gemacht für den Alpenverein, für die Naturfreunde, für den Sportsverband, für die Schweizer und, und, und.

Speaker: Und da diese Vereine, die sind ja genauso protektoristisch wie, wie,

Speaker: Alles, was in solchen Strukturen funktioniert, ist unglaublich.

Speaker: Wie ein Dienbaum-Ausschuss.

Speaker: Ja, zum Beispiel.

Speaker: Und ich habe dann in der Schweiz für einen deutschen Verband Sports nur mal eine kurze Fortbildung gemacht.

Speaker: Das war Skilehrerausbildung, kurze Fortbildung gemacht als Einführung ins Schneebreitfahren.

Speaker: Als ich wieder nach Hause gekommen bin, hatte ich ganz offiziell vom DSV und beschreiben schon im Briefkasten, in dem drin stand, dass ich doch bitte dafür Verständnis haben soll, dass ich als einer der obersten Repräsentanten

Speaker: im Klammern Bundesausbilder für den Deutschen Skiverband nicht mehr tragbar bin, wenn ich für konkurrierende Verbände tätig bin.

Speaker: Das war meine Abrufung.

Speaker: Super.

Speaker: Also es wäre gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass mich das nicht getroffen hat.

Speaker: Ich war damals jung und es ist natürlich Ende 20, Mitte Ende 20 und im Dreh.

Speaker: Aber wie das so oft ist im Leben, du denkst, du kriegst irgendwie voll einen auf die Schnauze, weil für mich war das wirklich, ich habe das irre gerne gemacht.

Speaker: Ich habe irre gerne Leute ausgebildet und auch irgendwie versucht, in Dinge zu bringen, wo sie selber mehr merken, als ich ihnen sage.

Speaker: Also es hat mir immer schon viel Spaß gemacht.

Speaker: Und ich habe gedacht, um Gottes Willen, das ist ja grauenvoll, jetzt kannst du das alles nicht mehr machen.

Speaker: Genau das Gegenteil war der Fall.

Speaker: Ich habe danach dann ungefähr fünfmal so viel gemacht, weil dann kamen erst mal alle wirklich an.

Speaker: Egal, ob es die Naturfreunde war, ob es der Alpenverein war oder was auch immer.

Speaker: Ich habe gesagt, kannst du für unsere Ausbildung machen?

Speaker: Ich sage, natürlich kann ich für euch Ausbildung machen.

Speaker: Warum denn nicht?

Speaker: Naja, bisher warst du ja immer DSV, da haben wir dich nie gefragt.

Speaker: Was für ein Schwachsinn.

Speaker: Mich hättet ihr immer fragen können, wenn ihr es nicht gemacht habt, okay.

Speaker: Aber da waren ganz viele Vereine, Verbände, Institutionen und so weiter dabei, die dann uns, also wir waren ja nachher auch eine Truppe, ich war ja nicht alleine, ich habe ja immer noch irgendwie die Sportakademie gehabt und so.

Speaker: die uns dann nachgefragt haben und wir haben dann ganz viele solcher Sachen gemacht.

Speaker: Und wen habt ihr ausgewählt?

Speaker: Wir haben in allererster Linie Schneebrettlehrer ausgebildet, Übungsleiter, Grundstufe, Oberstufe und dann nachher auch in anderen sportlichen Bereichen, also Gesundheitssport nachher viel gemacht.

Speaker: Und ich habe da eine Erinnerung, du hättest auch mal irgendeinen Olympiakader?

Speaker: Ja, da waren mehrere Sachen.

Speaker: Auf der einen Seite gab es die Fragestellung, soll das Schneebrettfahren mal olympisch werden?

Speaker: Und da waren dann mehrere Repräsentanten aus den jeweiligen Ländern geladen vom Olympischen Komitee als Berater.

Speaker: Als Berater, damit das Olympische Komitee seine Entscheidung finden kann, ob es olympisch werden soll.

Speaker: Und da war ich mit dabei.

Speaker: Das war total interessant für mich, weil ich habe schon...

Speaker: Mit darauf hingewirkt, dass es olympisch wird, weil das finde ich grundsätzlich gut, wenn sich Leute irgendwie mal im internationalen Vergleich messen.

Speaker: Aber ich habe gelernt, was das Olympische Komitee ist.

Speaker: Was dagegen ist denn?

Speaker: Die noch ein Schuss?

Speaker: Du, das ist für mich die größte... Also damals war es mit dem Fußball noch nicht so extrem.

Speaker: Jetzt würde ich das wahrscheinlich anders bewerten.

Speaker: Damals war es für mich die größte international anerkannte kriminelle Vereinigung.

Speaker: Ganz eindeutig.

Speaker: Ich stehe vollkommen zu dem, was ich hier sage.

Speaker: Es ist ein Haufen Krimineller und es hat sich nicht geändert.

Speaker: Damals war es noch ganz extrem.

Speaker: Da war Samaransch noch der Präsident.

Speaker: Samaransch sagte was.

Speaker: Er ist ein ehemaliger Franco-Faschist gewesen, der in einem wesentlichen Teil dafür verantwortlich war, dass die Judenverfolgung in Spanien so funktioniert hat, wie sich Hitler das vorgestellt hat oder hätte.

Speaker: Und so ein Typ ist dann Präsident des Olympischen Komitees.

Speaker: Und zwar über Jahre.

Speaker: Und wenn du dann auch miterlebt hast und mittlerweile wissen es ja alle Leute, wie die Entscheidungsprozesse funktionieren, wie das alles korrumpiert wird und was auch immer, da kannst du ganz klar sagen, die sitzen nicht aus Spaß in der Schweiz, weil sie da relativ international Immunität genießen und das, was die machen, ist kriminell in fast allen Bereichen.

Speaker: Heimatländer, von denen, die da mitarbeiten, ist das, was sie dort tun, kriminell.

Speaker: Ganz eindeutig.

Speaker: Und es wird, ja, ich meine, guck dir doch an, beim Fußball kriegst du es doch jetzt auch wieder, aber das ist genau dasselbe.

Speaker: Du weißt es im Grunde.

Speaker: Du weißt es ganz genau.

Speaker: Und jetzt mal nur, damit ich das verstehe.

Speaker: Du warst einer dieser Berater und vor euch saßt, da gab es ja noch keine Videokonferenz, oder?

Speaker: Also ihr saßt dann,

Speaker: An einem Tisch?

Speaker: Natürlich, klar.

Speaker: Mit diesem Komitee?

Speaker: Ja, ja, sicher.

Speaker: Logisch.

Speaker: Und wie hast du das dann mitbekommen, dass die so kriminell waren?

Speaker: Du hast ja dauernd, du hast ja dauernd, also wir haben das, das ging über fast einen Monat, wo wir dann da waren, da gab es dann immer so Konferenzen und Abstimmungsgeschichten und so weiter und hin und her und du hast ja dauernd mitgekriegt.

Speaker: wie die letztlich korrumpiert worden sind, um dann Stimmen für die jeweiligen olympischen Austragungsorte zu kriegen und was da alles gelaufen ist.

Speaker: Und dann fängst du natürlich, also ich jedenfalls, fange dann an, mich so ein bisschen mit dem auseinanderzusetzen, was die so gemacht haben, was sie so machen und was in den Heimatländern so los ist.

Speaker: Wie gesagt, Samaransch, also kann ich jedem nur empfehlen.

Speaker: Der war irre lange Präsident des Olympischen Komitees und jeden, den es interessiert, muss sich einfach nur mal angucken, was dieser Mann gemacht hat, wofür der verantwortlich war.

Speaker: Und wenn man sich dann überlegt,

Speaker: dass der, nachdem er dies alles getan hat, nicht irgendwie in den Knast wandert, sondern Präsident des Olympischen Komitees wird, dann weiß man irgendwie, wie das funktioniert hat.

Speaker: Krasse Nummer.

Speaker: Und okay, also das heißt, dann wurde es eine olympische Disziplin und warst du dann da auch in der Ausbildung involviert?

Speaker: Ich war dann, ich war teilweise Trainer von, also ich war sogar auch dann einer der ersten Schneebrett-Trainer in Deutschland, die offiziell diese Lizenzen hatten und

Speaker: Hab das dann mitgemacht.

Speaker: Es hat auch Spaß gemacht irgendwie, aber es ist für mich, weil dieser Olympische Zirkus war dann nie mein Thema.

Speaker: Das war einfach nicht meins.

Speaker: Ja, und ich hab das dann noch lange gemacht.

Speaker: Ich mach's ja heute noch teilweise.

Speaker: Also Schneebrett nicht mehr.

Speaker: Dafür bin ich echt zu alt.

Speaker: Ich will nicht mehr knien und sitzen auf der Piste, sondern lieber stehen.

Speaker: Aber ich hab viele Übungsleiter ausgebildet, hab Kinder- und Jugendsport gemacht, weil ich selber mit den Leuten, die ich ausgebildet habe,

Speaker: so eine Sportakademie gegründet und da waren alle möglichen Sportarten drin.

Speaker: Ich finde ja auch, dass diese ganze Form des Sports bei uns nicht so wirklich sinnvoll organisiert ist.

Speaker: Du hast immer Sportvereine, die bestimmte Disziplinen machen.

Speaker: Und wenn dein Kind zum Beispiel irgendwie, was weiß ich, reiten, schwimmen, laufen soll, musst du in drei Vereine gehen.

Speaker: Und das haben wir versucht immer zu durchbrechen.

Speaker: Wir waren ein Verein, der hatte mehr Übungsleiter als Mitglieder.

Speaker: Und die kamen aus den unterschiedlichsten Disziplinen.

Speaker: Und wenn wir dann so Veranstaltungen gemacht haben, da haben die dann genauso Bogenschießen, Baseball, Inlineskaten, Judo, Aerobobik gemacht, wo sie einfach eine relativ breite, solide Grundlage kriegen.

Speaker: Weil das halte ich für sehr wichtig und für sehr erforderlich auch für die Entwicklung, also auch für die mentale Entwicklung.

Speaker: Und wenn dann irgendjemand da war und gesagt hat, das ist jetzt meine Sportart, dann kannst du sagen, okay, du gehst in irgendeinen Verein und dann musst du, was weiß ich, machst du Kanuleistungstraining oder sonst irgendwas.

Speaker: Aber du hast eine koordinative, eine motorische und eine konditionelle Grundlage, die erstens eine wichtige Grundlage für dein ganzes Leben ist.

Speaker: Und du hast eben auch eine relativ hohe Bankbreite, das alles mal angeguckt zu haben.

Speaker: Und das habe ich... Da haben meine Söhne drunter gelitten, die Fußball gehasst haben.

Speaker: Wenn du auf dem Land groß wirst, dann sind die Alternativen echt dran.

Speaker: Und ich habe es tatsächlich gemacht, eigentlich auch wieder, wie das so oft ist bei mir, aus einem Egoismus.

Speaker: Ich habe gedacht, ich möchte das für meine Kinder haben, habe lange und viel gesucht, ob es irgendwie sowas gibt.

Speaker: Ich habe gesehen, es gab nichts, was ich mir so vorstelle.

Speaker: Und dann haben meine Frau und ich, die ja auch diese ganzen Ausbildungen hat und in dem Bereich auch bis heute tätig ist, mittlerweile macht sie ganz viel Präventionssport und so weiter.

Speaker: Wir haben das Ding dann einfach selber aufgezogen und sind dann immer mit 20, manchmal 40 oder 60 Leuten losgefahren und haben entweder hier in Landessportschulen oder so Sportcamps gemacht oder wir sind in die Berge gefahren und haben Wintersport gemacht.

Speaker: Und wir hatten natürlich noch den Riesenvorteil, dass dadurch, dass ich so ein paar Sponsorverträge mir noch rüber gerettet habe, haben dann die Familien die Möglichkeit gehabt, also bei so einer Woche, die wir in den Bergen waren, die haben Langlauf gemacht, Skifahren, Telemark, Schneebrett und Touren, weil wir das Material hatten.

Speaker: Wir haben immer das Material von den Firmen gekriegt.

Speaker: Und allein wenn du weißt, was es kostet, für diese fünf Disziplinen so ein Zeug zu leihen oder so, das ist ein Schweinegeld.

Speaker: Und so haben wir halt eben die Möglichkeit gehabt, den Kindern und natürlich auch den Erwachsenen ein breites Spektrum anzubieten.

Speaker: Wir hatten gute Ausbilder und Lehrer dafür.

Speaker: Und wir haben danach der Fahrt oder nach der Saison das Material wieder zurückgegeben.

Speaker: Und alle waren glücklich und zufrieden.

Speaker: Und weil wir ein Verein waren, ein gemeinnütziger Verein,

Speaker: mussten wir dann auch an die Firmen da nichts bezahlen.

Speaker: Im Gegenteil, die haben sich gefreut, weil es war für die eigentlich nur Marketingaktie.

Speaker: Und ja, das mache ich im ganz kleinen Rahmen, also mit Gruppen von 10 bis 15 Leuten immer noch, aber damals war es richtig heftig.

Speaker: Okay, also jetzt haben wir deine Musikerkarriere, deine Sportlerkarriere.

Speaker: Jetzt würde mich noch mal interessieren,

Speaker: Also du hast ja auch noch diesen Hof und dein Planungsbüro.

Speaker: Das lief dann alles parallel, oder?

Speaker: Nein, natürlich.

Speaker: Und du hast ja in einer der ersten Folgen auch erzählt, dass du ja dann Architektur auch studiert hast und in der ganzen Welt unterwegs warst.

Speaker: Ich habe an der TU angefangen, Architektur zu studieren.

Speaker: Ich habe sehr schnell gemerkt, das ist irgendwie nicht das, was ich mir vorstelle.

Speaker: Also das ist nicht das.

Speaker: Damals schon habe ich mal... Was hast du dir denn vorgestellt?

Speaker: Also es ist ganz einfach eigentlich.

Speaker: Ich bin heute auch immer noch, wenn ich Vorträge hatte, bin ich so ein bisschen provokant, wenn ich immer sage, Leute, wisst ihr was, wir fangen alle an hier mit artgerechter Haltung und all so einem Zeug, es gibt riesige Tierschutzvereine und so weiter.

Speaker: Wo bitte ist denn der Verein für die artgerechte Haltung von Menschen?

Speaker: Du lachst, ich meine es völlig ernst.

Speaker: Also ich meine es völlig ernst, wenn du dir überlegst, in welchen Umfeldern wir leben, arbeiten und unsere Zeit verbringen, dann ist das alles andere als artgerecht.

Speaker: Es ist menschenfeindlich und ungesund irgendwie.

Speaker: In den allermeisten Fällen, also vor allen Dingen in den urbanen Umfeldern.

Speaker: Und das ist eigentlich auch das, wohin dich die Architektur bringt.

Speaker: Mit Verlaub, das sind auch die meisten der Bilder, die ich bei euch im Büro sehe.

Speaker: Wenn ich da die Pläne an der Wand sehe, da will ich doch nicht arbeiten in solchen Dingern.

Speaker: Also ich nicht.

Speaker: Das kann jeder für sich entscheiden.

Speaker: Und das ist das, was wir eben auch an der Uni dann gelehrt bekommen haben.

Speaker: Ich dachte, nee, also das willst du nicht.

Speaker: Und dann wusste ich aber auch nicht, wie man es macht.

Speaker: Das Schöne war, damals war es ja noch anders als heute.

Speaker: Heute ist es ja total verschult.

Speaker: Damals konntest du noch ziemlich viel selber organisieren.

Speaker: Ich habe dann in Rom studiert, in London, in Ottawa, in New York, Santiago de Chile, Buenos Aires und habe das immer so gemischt mit dem Versuch, irgendwie wirklich praktisch was zu machen und aber eben auch an der Uni zu sein.

Speaker: Also du warst ja praktisch.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Also ich bin zum Beispiel Ottawa war so ein Austauschprogramm, da war ich an der Uni, hab mir die Uni verdient, indem ich Schneebrett gefahren bin und Blockhäuser gebaut habe und hab dann ein Entwurfsseminar gemacht, ist mir dann hier anerkannt worden.

Speaker: In Rom habe ich Architektur, Archäologie gemacht, die Villa Hadriana ausgegraben mit und kartiert.

Speaker: War für mich ein total interessantes Erlebnis, weil die

Speaker: Da habe ich das erste Mal gesehen, dass zum Beispiel unterschiedliche Kulturen auch ganz unterschiedlich mit, wie sage ich es jetzt, dass es nicht wieder total bescheuert klingt.

Speaker: mit dem Gang zur Toilette arbeiten.

Speaker: Also in der Villa Adriana hattest du einen Raum, wo der Adrian saß und die ganzen Senatoren drumherum.

Speaker: Da haben die dann irgendwie ihre politischen Sachen gemacht und du hast genau den gleichen Raum, wo die gemeinsam, ich sag's jetzt einfach, zusammengekackt haben.

Speaker: Es gab doch immer diese super Bücher für Kids.

Speaker: Da kann ich mich super dran erinnern.

Speaker: Das fand ich schon damals sehr fasziniert.

Speaker: Das muss man sich mal vorstellen.

Speaker: Also wenn du das heute gesellschaftlich überträgst, da haben dann die Hauptentscheider des Römischen Reiches

Speaker: Erst zusammen gegessen und dann zusammen geschissen.

Speaker: Das heißt also, der Vorgang war ein ganz anderer als bei uns heute.

Speaker: Entsprechend ist natürlich auch der Vorgang mit allem, was mit Sanitär und Sanitärobjekten zu tun hat, immer unheimlich kritisch, wenn wir mit unserem Öko-Ansatz sagen, Toiletten, so wie wir sie verwenden, ist ein Hammer, weil aus einem Wertstoff, deiner Kacke,

Speaker: machst du einen Schadstoff, in dem du Wasser dazu tust.

Speaker: Und das machst du nur, um das Zeug zu transportieren.

Speaker: Und dann brauchst du wieder Energie, um das Wasser wieder rauszuholen.

Speaker: Das kannst du auch kürzer haben.

Speaker: Jetzt muss ich einen kurzen Exkurs machen.

Speaker: Ich war ja auf der Biennale in Venedig und ich war echt total angetan, auch diesmal vom Deutschen Pavillon, den ich das letzte Mal davor nicht gut fand.

Speaker: Und diesmal fand ich ihn richtig gut.

Speaker: weil das Thema Reuse da war.

Speaker: Und die hatten, also ich komme, ich stelle das gleich nochmal genauer, aber was die hatten, das Thema Toilette spielte auf dieser Biennale eine Riesenrolle.

Speaker: Der finnische Pavillon hat sich ausschließlich mit Komposttoilten beschäftigt.

Speaker: Wunderbar.

Speaker: Ist das nicht genial?

Speaker: Und dann siehst du diese Dimension, dann schreiben die eben auch, warum machen sie das?

Speaker: Also zum einen, weil sie

Speaker: weil jeder Finne kennt das von seiner Blockhütte, dieses, was es da gibt.

Speaker: Und es funktioniert also anscheinend seit Jahrzehnten, dass das eine und das andere ist, anscheinend 30% des Trinkwassers werden in Städten für das Herunterspülen von Kacke verwendet.

Speaker: Und wir haben Wasserprobleme.

Speaker: Und gleichzeitig ist es genau, wie du sagst, Rohstoff und dann wird ja auch noch Urin getrennt.

Speaker: Und dann hast du im deutschen Pavillon haben die eben auch

Speaker: von einer Firma, die nennt sich Rohrpost, also das verlinken wir auch mal, hat mich total getriggert.

Speaker: Eine Firma, die Rohrpost hat, die so ein System, also ich habe es dann nicht ausprobiert, weil man sich dann doch so ein bisschen... Der Punkt ist der, das muss man auch ganz klar sagen, also es ist alles nicht neu, auch in der neueren Vergangenheit ist es nicht neu.

Speaker: Also wir haben in den 80ern die ersten Komposttoiletten im Frauenhaus in Kreuzberg in Berlin gebaut.

Speaker: Die Schwierigkeit ist der gesellschaftliche Umgang damit.

Speaker: Und es gibt ein Öko-Buch, also vom Öko-Buch-Verlag, wie gesagt aus den 80ern, da hat eine Frau damals schon eine Doktorarbeit darüber geschrieben.

Speaker: Das ist total interessant, wenn du dir einfach mal die gesellschaftlichen Vorgänge anschaust.

Speaker: Also interessant war für mich, die hat zum Beispiel in ihrer Doktorarbeit geschrieben, dass alles, was wir am Körper haben, ist so lange für uns in Ordnung, wie wir es am Körper haben.

Speaker: In dem Augenblick, wo es abgegeben wird, finden sie es total eklig.

Speaker: Haare, Fingernägel, Blut, Sperma, Spucke und so weiter.

Speaker: Solange wir es bei uns haben, ist es okay.

Speaker: Wenn es abgegeben wird, finden wir es eklig.

Speaker: Also nehmen wir mal so ein ganz einfaches Beispiel.

Speaker: Also wenn du jetzt hier mir gegenüber sitzt, du guckst mich gerade an und ich sehe, du bist unrasiert, du hast deine Bartstoppe da.

Speaker: Ist ja nicht eklig, ist für mich völlig in Ordnung.

Speaker: Wenn du in die Sauna gehst und du fängst an, in der Sauna dich zu rasieren, rennen die Leute raus, weil sie es total eklig finden, weil deine Haare mit einmal ab sind.

Speaker: Und ähnlich ist es mit dem Umgang von Ausscheidungen im weitesten Sinne.

Speaker: Und solange das gesellschaftlich so ist, ist es unheimlich schwierig.

Speaker: Also ich merke es ja auch bei den Bauherren.

Speaker: Da gibt es mittlerweile von denen, die zu uns kommen.

Speaker: Es gibt ganz viele, die das unheimlich interessant finden oder so, aber irgendwie dann, naja, ist ja doch ein bisschen eklig.

Speaker: Also ich meine, ich gebe auch ganz offen zu, ich tue mir jetzt auch schwer, mir vorzustellen, wie ich jetzt so eine, also ich kann mir das in der finnischen Blockhütte vorstellen, aber ich tue mir ein bisschen schwer, mir vorzustellen, wie das in so einem

Speaker: Pass mal auf, das würde jetzt zu weit führen, das alles zu erklären.

Speaker: Aber ich mache es mal ganz einfach.

Speaker: Der Ege vor Fäkalien, der ist anerzogen.

Speaker: Den gibt es nicht.

Speaker: Du hast bestimmt schon gehört von Kleinkindern, dass die alle eine anale Phase haben.

Speaker: Und die schmieren auch mit Kacke durch die Gegend oder so.

Speaker: dass die Eltern oder wer auch immer sagt, i, bach und eklig, das ist eine Konditionierung.

Speaker: Die gibt es in der Form eigentlich gar nicht.

Speaker: Und ich will jetzt auch nicht einsteigen in die ganze Fragestellung der Hygiene und dessen, was da an Schadstoffen ist.

Speaker: Das ist wirklich eine große Diskussion.

Speaker: Aber tatsächlich ist es etwas ganz anderes.

Speaker: Und ich bringe es mal wieder runter zum Bauen.

Speaker: Wenn du fünfmal aufs Klo gehst,

Speaker: brauchst du nur einmal das 100er Rohr.

Speaker: Und trotzdem haben wir überall die Toiletten, wo du das 100er Rohr dran hast.

Speaker: Wenn du das zum Beispiel reduzieren würdest auf eine Toilette, zum Beispiel im Einfamilienhaushalt, eine Toilette und den ganzen Rest machst du über wasserlose Unisex-Urinale.

Speaker: Was sie übrigens im Deutschen Pavillon auch hatten.

Speaker: Naja, siehste.

Speaker: Aber wie gesagt, im Grunde wissen wir das alles, das ist auch schon uralt.

Speaker: Und jetzt fängst du halt immer wieder an, weil wir jetzt an...

Speaker: Also wir kommen ja nicht nur an Grenzen, sondern wir haben halt eben immer mehr Leute, die sich auch tatsächlich mal ernsthaft darüber Gedanken machen und nicht immer von diesem Mehrverdienen und Kapitalismus getrieben.

Speaker: Weil ich meine natürlich ein 100er Rohr eingebaut und ein Pott, das kostet auch fünfmal so viel wie ein wasserloses Unisex-Original.

Speaker: Also nicht nur in der Anschaffung.

Speaker: Abgesehen davon, dass wir uns das eigentlich überhaupt nicht erlauben können.

Speaker: Genau, genau.

Speaker: Ja, spannende Themen.

Speaker: Jetzt spannen wir so langsam den Bogen zur Jetzt-Zeit.

Speaker: Also du bist international in Rom, da war man bestiegen geblieben.

Speaker: Da war dann ganz unterschiedlich mit dem Thema.

Speaker: Ich habe dann fast zehn Jahre lang studiert, weil ich hatte ja auch keine Eile.

Speaker: Ich habe immer noch getüschelt und das Geld, was ich brauchte, habe ich irgendwie verdient.

Speaker: Und es gibt ja keinen Grund, das irgendwie schneller fertig zu machen.

Speaker: Also für mich nicht.

Speaker: Ja, und dann habe ich in einer...

Speaker: Das war das einzige längere Intervall, wo ich angestellt war, als Projektentwickler bei der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg.

Speaker: Und ich wollte aber immer andere Sachen machen.

Speaker: Ich hatte nur einen Vertrag für 20 Stunden und darüber haben wir schon mehrfach gesprochen.

Speaker: Und da habe ich halt eben dann für mich einfach gemerkt, es geht nicht.

Speaker: Also du kannst nicht so ein bisschen, du bist auch nicht ein bisschen schwanger.

Speaker: Also wenn du nur so ein bisschen und 20 Stunden ist ja wirklich gar nichts eigentlich, ja.

Speaker: in den konventionellen Systemen arbeitest.

Speaker: Du hast den Kopf nicht frei und du hast nicht die Energie, wirklich noch was anderes zu machen.

Speaker: Und das ist also eben auch, das ist das, was ich heute in dieser ganzen Nachhaltigkeitsdiskussion erlebe, die alle irgendwie so ein bisschen, das wird nichts.

Speaker: Das wird nichts, weil dir geht zu viel von einer Kapazität und Energie in den etablierten Systemen verloren.

Speaker: Du musst

Speaker: Nach meiner Überzeugung, wenn sich wirklich was ändern will, dann musst du voll den Sprung ins kalte Wasser wagen.

Speaker: Und ansonsten ändert sich nichts.

Speaker: Ja, spannende Diskussion.

Speaker: Aber ich bringe das noch kurz zu Ende.

Speaker: Also da habe ich dann so ein paar Jahre gearbeitet, hatte tolle Projekte.

Speaker: Der Osten sollte sich entwickeln.

Speaker: Das war das Olympische Dorf, was ein Projekt war von mir.

Speaker: Die Pionierrepublik am Werbelinsee, das Kreiskulturhaus Rathenow, dann steht der bauliche Wettbewerbe in Potsdam und so weiter.

Speaker: War alles schön.

Speaker: Und als es dann so richtig losgehen sollte, wurde klar, dass die ganzen wichtigen Entscheider in der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg, die eine 100% dicke Tochter ist,

Speaker: des Landes war einfach nur Fördermittelbetrug in großem Stil stattgefunden hat und das ganze Ding liquidiert worden.

Speaker: Ich habe noch eine wunderschöne Abfindung bekommen und habe dann gesagt, okay, jetzt nimmst du die Kohle und machst dein eigenes Ding.

Speaker: Also so ein Mist machst du nicht wieder mit.

Speaker: War froh, dass ich so viel gelernt hatte in Bezug auf Fördermittelbetrug.

Speaker: Ja, du lachst.

Speaker: Das passiert ganz oft, dass Leute in sowas reinschlittern, ohne es zu wissen.

Speaker: Bei denen nicht.

Speaker: Bei denen würde ich sagen, das ist ganz klar.

Speaker: Aber ich habe es auch jetzt in meiner Tätigkeit, das ist ganz häufig, dass Leute mit Fördermitteln arbeiten und dann so Dinge machen, wo ich sage, ey, bist du wahnsinnig, darfst du nicht irgendwie.

Speaker: Also das ist schon ernst gemeint.

Speaker: Da habe ich echt in dem Bereich viel gelernt.

Speaker: Das ist auch dann einer der Gründe, warum ganz viele unserer Projekte mit Fördermitteln unterlegt sind, weil wir natürlich auch von diesen ganzen Ökospinnereien im konventionellen Markt keine Investitionen finden.

Speaker: Und seit der Zeit mache ich halt eben vollkommen zielgerichtet das, was ich finde.

Speaker: Ich habe sie nicht gegründet.

Speaker: Ich habe die Firma von meinem Vater übernommen.

Speaker: Die ist dann in die Insolvenz gegangen, weil es eine steuerliche Gesetzgebung gab in Deutschland.

Speaker: Es geht damit um Subunternehmersteuern und so weiter, die dann drei oder vier Jahre später vom Europäischen Gerichtshof gekippt worden ist.

Speaker: Nur dann nützte es mir nichts mehr, weil die Spreeplan, diese GmbH, die ich von meinem Vater hatte, schon insolvent war.

Speaker: Also die Spreeplan ist ursprünglich mal von meinem Vater gegründet worden als Spreeplan Architekten und Ingenieur GmbH.

Speaker: Die ist dann insolvent gegangen, aber ich hatte alles vorbereitet.

Speaker: Und hab dann natürlich den Namen gehabt und auch weiterverwendet.

Speaker: Und daraus habe ich dann die Spreeplan Projekt UG gemacht, die dann in direkter Folge das weitergemacht hat.

Speaker: Und die ist jetzt, ich weiß nicht genau, 10, 15 Jahre alt oder sowas in der Richtung.

Speaker: Und das war's.

Speaker: Und damit machen wir tatsächlich alles.

Speaker: Also das ist nicht nur die Architektur, sondern wir haben auch ganz viel Fördermittelberatung, rechtliche Geschichten, Projektentwicklung und so weiter.

Speaker: Weil wenn du ernsthaft

Speaker: so bauen möchtest, wie ich es für richtig halte, also ich sage bewusst jetzt nicht nachhaltig, dann hast du ein Riesenthema mit Verträgen, mit Versicherungen und so weiter, weil du halt immer außerhalb bist dessen, was... Das ist ja eigentlich die Erkenntnis, die jedes Mal aufpockt, dass es an dem reinen Planungs-Know-how eigentlich nicht liegt.

Speaker: Nö, nö.

Speaker: Jetzt nochmal zu diesem Projekt, was ihr da habt, diesen Hof.

Speaker: Erzähl nochmal, was ist das?

Speaker: Naja, wir haben, das ist jetzt tatsächlich fast ziemlich genau 30 Jahre her,

Speaker: einen ehemaligen Vierseiter in Sachsen-Anhalt gekauft.

Speaker: Der ist wir.

Speaker: Also das war tatsächlich damals noch alleine von mir initiiert.

Speaker: Ich habe den gekauft und dann habe ich ihn aber immer mit meiner Frau und also mit der Familie zusammen und dann mit unterschiedlichsten Leuten, die da immer involviert waren.

Speaker: Manche schon ewig, manche nur temporär und so weiter.

Speaker: Wir haben das dann konzipiert.

Speaker: Also von den vier Seiten war die vierte Seite weg, die dritte war eine Ruine, die Scheune war nicht nutzbar und das Haupthaus sowieso nicht.

Speaker: Trinkwasser gab es aus dem Brunnen, Abwasser gab es in der Grube und Strom gab es zu der Zeit dreimal die Woche.

Speaker: Also das war und ist eine Region, da will keiner tot über den Zaun hängen.

Speaker: Aber es ist traumhaft, das ist ein Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet, eine Grundstücksgrenze ist der Elbdeich und es ist 100 Kilometer weg von Berlin, also nordwestlich.

Speaker: Da haben wir im Grunde wirklich alles, was wir dann nachher dann auch mehrfach und modifiziert dann umgesetzt oder auch den Bauherren empfohlen haben, haben wir da ausprobiert.

Speaker: Naturbaustoffe.

Speaker: Was heißt den Bauherren empfohlen?

Speaker: Du hast es doch gekauft.

Speaker: Ja, nee, ich meine den Bauherren, die dann mit uns arbeiten wollten.

Speaker: Das ist eigentlich so.

Speaker: Meine Frau sagt immer, das ist dein ökologisches Musterhaus.

Speaker: Das finde ich immer ein bisschen blöd, den Aussage, aber im Grunde hat sie recht.

Speaker: Also da sind alle möglichen Naturbaustoffe.

Speaker: Das Ding ist fast energieautark.

Speaker: Da ist eine Solarthermie drauf.

Speaker: Da ist eine...

Speaker: Photovoltaik drauf, da ist eine Pflanzenkläranlage, ein Zentralstaubsauger, eine Streuobstwiese.

Speaker: Habt ihr trockenteil?

Speaker: Nein, haben wir nicht.

Speaker: Haben wir nicht.

Speaker: Das kann ich dir auch genau begründen.

Speaker: Warum nicht?

Speaker: Wir haben, um dieses Projekt loszutreten, eine fast 50-prozentige EU-Förderung bekommen für ein Pilotprojekt.

Speaker: Auflage allerdings war, dass sie einer gastronomischen oder nicht gastronomischen, pardon, touristischen Nutzung zugeführt werden kann.

Speaker: Also so eine Art auch eben Seminar und Showroom.

Speaker: In dem Augenblick, wo es der touristischen Nutzung zugeführt wird,

Speaker: Wer kann, musst du dich an die Vorgaben halten für touristische Gebäude.

Speaker: Die verbieten dir eine Trunkentoilette.

Speaker: Da waren sie wieder die Förderung.

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Und das ist dann wieder so ein Ding, wo dann auch ich dann irgendwann mal in die Knie gehe.

Speaker: Ich sage so, also du könntest jetzt das ganze Ding platzen lassen, was eben für mich vollkommen außer Frage stand.

Speaker: Oder du baust dann halt eben die Toiletten so ein, wie sie sind und schiebst dann das Wasser, was du dafür brauchst.

Speaker: Also du nimmst das Wasser, was du brauchst aus dem vorher geplanten Grauwasser- und Regenwasserkreislauf.

Speaker: Also du nimmst kein Trinkwasser dafür und das Wasser, was du dann dafür gebraucht hast, schiebst du durch die Pflanzenkläranlage und führst es dann im Kreislauf wieder zu.

Speaker: Da ist das Einzige, was tatsächlich völlig überflüssig ist, die Energie, die du für die Pumpen brauchst.

Speaker: Ansonsten kann ich mit so einem System noch ganz gut leben.

Speaker: Aber wie gesagt, immer raus mit solchen Fragen stellt sie, allesamt, nicht nur du, weil entweder kann ich drauf antworten, so wie jetzt, oder ich kann es nicht und dann muss ich mir überlegen, warum nicht.

Speaker: Und entweder finde ich es dann raus oder eben nicht und dann findest du es vielleicht raus.

Speaker: Das ist halt der permanente Kampf.

Speaker: Ja, und deswegen haben wir, wie gesagt, das haben wir jetzt seit rund 30 Jahren, wir haben internationale Schulungs- und Arbeitscamps da, wir haben die Naturbauschule da, mit der wir jetzt gerade arbeiten,

Speaker: diesen Preis von der UNESCO und vom Bundesministerium bekommen haben als Bildungsinstitut für nachhaltige Entwicklung.

Speaker: Und wir haben nochmal einen zweiten Hof jetzt auch im Dorf, der hat 30.000 Quadratmeter und ein Grundstück vor der Kirche, das hat 2.500 Quadratmeter dazu bekommen und wir versuchen jetzt gerade da eine Dorfentwicklung zu machen.

Speaker: Und wenn wir die Genehmigungen haben,

Speaker: für die Sachen, die wir da konzipiert haben, das ist Leben, Arbeiten, Ateliers, eine kleine Infrastruktur und so weiter.

Speaker: Dann gucke ich, ob es noch mehr Freaks gibt, so wie uns, die sich an so einer Sache beteiligen wollen.

Speaker: Und dann fange ich an, mehr über Realisierung und Finanzierung und so weiter.

Speaker: Dann muss ich dich unbedingt vernetzen mit Frederik Fischer.

Speaker: Ich weiß nicht, ob du den kennst.

Speaker: Neulandier.

Speaker: Ich werde euch mal miteinander bekannt machen.

Speaker: Ja, also ich würde sagen, jetzt haben wir mal so einen Schnelldurchlauf natürlich gemacht.

Speaker: Da sind wahrscheinlich unendlich viele Details und Erinnerungen und so weiter drin.

Speaker: Aber ich finde, das ist echt eine Geschichte, die absolut hörenswert ist.

Speaker: Also zumindest geht mir das so, auch um dich ein bisschen zu verstehen, warum du so bist, wie du bist.

Speaker: Und sicherlich auch ab und zu eine Zumutung für viele.

Speaker: Ganz häufig, ganz häufig.

Speaker: Ja, man muss sich dann sowas anhören wie Projekte, die bei uns ernannt hängen.

Speaker: Das ist einfach so.

Speaker: Ich lerne langsam, mich dem auch zu stellen und ich lerne auch dann selber, das zu hinterfragen und auch dann Qualitäten zu sehen, die du vielleicht auch anders bewertest, als ich das tue oder als wir das tun.

Speaker: Und natürlich haben wir auch unsere Haltungen und Meinungen.

Speaker: Aber es ist und bleibt ein spannender Weg.

Speaker: Und diese Frage würde ich gerne mal in, weiß ich auch nicht, wie man das diskutiert.

Speaker: Also gibt es nur die Möglichkeit, ins kalte Wasser zu springen?

Speaker: Also gibt es nur die Möglichkeit, die krasse Vollbremsung und Umwendung zu machen?

Speaker: Oder kann es auch ein transformativer Prozess sein,

Speaker: Da bin ich mir immer noch nicht sicher.

Speaker: Das wird dir niemand beantworten können, weil jeder, den du fragst, wird immer aus seiner persönlichen Historie und Erfahrung beantworten.

Speaker: Man kann es nur selber leben.

Speaker: Ich glaube, das Entscheidende ist, man muss sich auf den Weg machen.

Speaker: Wenn du mich fragst, ist die Antwort klar.

Speaker: Das ist völlig eindeutig.

Speaker: Wenn ich auch gefragt würde nach den Klimaklebern, würde ich gesagt, die behindern aber einen Rettungswagen und die behindern auch einen Handwerker, der nicht zu seiner Arbeit kommt.

Speaker: Da kann ich nur sagen, klar behindern sie die.

Speaker: Logisch, müssen sie ja auch, weil das sind genau die Fahrzeuge, die mit Verbrennern irgendwie durch die Gegend fahren.

Speaker: Und wenn ihr nicht begriffen habt, dass man das ganz schnell ändern müsst, dann macht ihr eben so weiter und entschuldigt es damit, dass es die Rettungswagen sind und dass es die Handwerker sind, die ihr Leben damit finanzieren müssen.

Speaker: Sicher, logisch.

Speaker: so zu tun, als wäre das irgendwie das ganz Falsche, was sie da machen.

Speaker: Das kann man natürlich machen, aber es ist immer aus der Argumentation des Bestandssystems.

Speaker: Und wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man dieses Bestandssystem, was halt eben im Wesentlichen davon lebt, mit Verbrennermotoren durch die Gegend zu fahren, zu ändern, dann kann man nicht sagen, wir machen mal 2030 oder 2050 oder irgendwann.

Speaker: Nein, man muss es jetzt machen.

Speaker: Und mit aller Konsequenz

Speaker: weil wir sind schon längst über die Zeit.

Speaker: Ja, im Grunde bin ich bei dir.

Speaker: Ich habe da jetzt auch keine Antwort parat.

Speaker: Also ich bin einerseits bei dir und andererseits auch nicht, weil es meinem eigenen Erleben sozusagen widerspricht.

Speaker: Also man kann diese Haltung haben, sie ändert mir auch nichts.

Speaker: Das muss man ehrlicherweise sagen.

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Und deswegen frage ich mich, welche Hebel gibt es denn, die vielleicht größer sind?

Speaker: Und ich würde auch davor warnen, aus meiner Perspektive den Wandel, der stattfindet, kleinzuregen.

Speaker: Also das ist so ein bisschen so, das sind aus meiner Perspektive sind das auch, wie sagt man, logarithmische oder Kurven.

Speaker: Ja, also exponentielle Kurven.

Speaker: Also das, was meine ich damit?

Speaker: Also Veränderung ist eigentlich erst mal Jahre, Jahrzehnte lang nicht sichtbar.

Speaker: Und dann kommt der disruptive Wahrnehmung.

Speaker: Und ich bin schon der Meinung, oder es ist zumindest meine Hoffnung, ich glaube, wir unterschätzen die Zeit, die wir gerade haben.

Speaker: Und ich glaube, wir neigen, weil wir eben immer nur diesen kleinen Ausschnitt wahrnehmen.

Speaker: Das ist so wie dieser berühmte Frosch, der im heißen Wasser sitzt.

Speaker: Das ist ja immer das Beispiel für den Klimawandel.

Speaker: Man kriegt den Klimawandel nicht mit, weil man halt langsam erhitzt wird.

Speaker: Ja, und das Gleiche gilt aber auch für positiven Wandel.

Speaker: Den kriegen wir nicht mit.

Speaker: Und ich habe das Gefühl, dass da gewaltige Disruptionen im Gange sind, die wir völlig unterschätzen.

Speaker: Also ich kann dir nicht sagen, ob es reichen wird.

Speaker: Das weiß ich nicht.

Speaker: Ja.

Speaker: Da lege ich mir sozusagen eine andere Haltung zurecht.

Speaker: Also da ist meine Haltung, ich lebe jetzt, ich lebe immer jetzt und ich stehe jeden Morgen neu auf und versuche mein Bestes und ich scheitere wahrscheinlich jeden Tag aufs Neue, weil ich mit dem Auto fahre, weil ich einen Snickers gegessen habe, weil ich nicht joggen gegangen bin, weil ich gesoffen habe, weil ich wieder das Klimathema nicht gelöst habe, weil ich irgendwo Beton dann doch verbaut habe und so weiter.

Speaker: Ja, ich scheitere jeden Tag, aber ich stehe jeden Tag wieder auf und versuche es besser zu machen.

Speaker: Weil es kann ja nicht die Alternative sein zu sagen, ich schaffe es nicht, also lass es.

Speaker: Und ich glaube an die Kraft der Ausdauer.

Speaker: Das ist so ein bisschen das.

Speaker: Also das schon.

Speaker: Also nicht nachlassen.

Speaker: Sich jeden Tag auch wieder immer neu in Frage zu stellen.

Speaker: Das finde ich schon wichtig.

Speaker: Ja, also was ich tatsächlich denke...

Speaker: was der größte Hebel wäre, wäre Bildung.

Speaker: Und die fehlt eben in einem ganz großen Teil, weil sie überdigitalisiert wird, also sie wird mit Unterhaltung überdigitalisiert.

Speaker: Wir haben ja, also ich habe die Erfahrung, es gibt ja ganz viele junge Menschen, die zum Beispiel auch zu uns ins Büro kommen und sagen, ey, sag uns, wie es geht und so.

Speaker: Und die wissen aber alle,

Speaker: Wenn Sie die entsprechende Grundhaltung haben und das sind mittlerweile, da gebe ich Dir völlig recht, sind ganz viele, Sie wissen alle ganz genau so nicht weiter.

Speaker: Sie wissen, was Sie nicht wollen.

Speaker: Sie wollen genau das nicht.

Speaker: Aber Sie haben zu wenig Erfahrung und Sie haben vor allen Dingen zu wenig Ausbildung, wie es denn gehen könnte oder wo die Optionen sind.

Speaker: Und das ist letztlich eines der allergrößten Versäumnisse meiner Auffassung nach, die wir zu verantworten haben.

Speaker: dass wir nicht in der Lage waren, bei der nachkommenden Generation solche altenden, ich nenne es jetzt mal ganz banal, so handwerkliche Tugenden oder sowas zu vermitteln, wo man sich wirklich schon ziemlich genau darüber Gedanken macht, wofür man verantwortlich ist, wenn man dies oder jenes tut.

Speaker: Und das wird zu sehr über diese permanente Digitalisierung, also die Zeit, die man im Leben zur Verfügung hat, wird zu sehr damit vermittelt,

Speaker: besetzt, als dass ich mir damit Gedanken habe, wie könnte ich denn einen Weg finden, der mich von dem aktuellen Weg bringt.

Speaker: Und da ist die große Schwierigkeit.

Speaker: Also ich glaube, jetzt haben wir eine Stunde und 15 Minuten.

Speaker: Ich finde, das ist ein super Thema, weil da gehen mir ganz viele Gedanken dazu durch den Kopf.

Speaker: Also als

Speaker: habe ich gemerkt, ich habe ja auch die persönliche Challenge.

Speaker: Ich frage mich, wie will ich arbeiten?

Speaker: Also mit wie will ich arbeiten meine ich auch, wie viel Zeit will ich vor dem Rechner sitzen?

Speaker: Mein Handy zeigt mir jetzt diese Statistiken an, wie viel Zeit ich wofür bringe.

Speaker: Also ich muss zu meiner Rechtfertigung sagen, ich höre sehr viel Podcast.

Speaker: Das finde ich jetzt mal nicht so schlimm, aber scheiße.

Speaker: zwischen drei und vier stunden am tag mit dieses fucking handy na klar und dann das ist ja die zeit noch nicht dabei die ich vor dem rechner sitze und da schränke ich ja meine erlebniswelt so was von ein und und dann ist es auch so ich bin hochgejoggt und ich hatte so viele gedanken

Speaker: Die kriege ich vom Rechner nicht.

Speaker: Nee, natürlich.

Speaker: Vom Rechner penne ich ein.

Speaker: Genau.

Speaker: Aber das machen wir das nächste Mal.

Speaker: Wir müssen über so viel nachdenken.

Speaker: Wir müssen über Arbeitsweisen und Arbeitsarten nachdenken.

Speaker: Aber ich bin dann trotzdem optimistisch und da komme ich wieder zu den Bitcoinern, weil diese Bitcoiner sind Handwerker.

Speaker: Proof of Work.

Speaker: Dann fassen wir es an.

Speaker: Dann kommen wir das nächste Mal dazu.

Speaker: Herzlichen Dank.

Speaker: Hat mir echt Spaß gemacht und ich hoffe, euch da draußen auch.

Speaker: Und jetzt in Zukunft sind wir Moderatoren.

Speaker: Dann nimmst du mal, du alter Egomane, nimmst mal deine Ego-Show ein bisschen zurück.

Speaker: Du kannst mich ja disziplinieren.

Speaker: Und wir hören jetzt mal auch dann den Gästen zu und auch den jungen Gästen.

Speaker: Und da sind es so

Speaker: tolle Leute.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Und da gibt es so viel Hoffnung.

Speaker: Und das müssen wir auch lernen, wir als die alten Säcke, die vielleicht auch viel falsch gemacht haben, dass wir nicht glauben, wir hätten die Wahrheit mit Löffeln gefressen.

Speaker: Nö, die gibt es gar nicht.

Speaker: Und mal zu gucken, was da entsteht.

Speaker: Das ist so spannend.

Speaker: Also in diesem Sinne, ciao, ciao.

Speaker

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