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Nicht wie lange wir online sind, sondern wofür wir online sind, mit Mel-David Tersteegen

S1 E6 · Aktiv gegen Mediensucht: Der Podcast
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156 Plays6 months ago

In dieser Folge spricht Mel-David Tersteegen von Condrobs darüber, warum Mediensucht nicht bei der Stundenzahl anfängt, sondern bei der Frage, welche Funktionen Medien im Alltag übernehmen.  Es geht um Kinder und Jugendliche, die Social Media, Gaming oder Streaming zur Stressbewältigung, zur Flucht vor Problemen oder zur Regulierung von Gefühlen nutzen - und um den Punkt, an dem aus Gewohnheit ein riskantes Muster wird. 

Wir diskutieren, weshalb der reine Fokus auf "Bildschirmzeit" in Familien und Schulen oft in die Irre führt, welche qualitativen Warnsignale wirklich zählen und wie Eltern, Lehrkräfte und Fachkräfte einen Raum schaffen können, in dem digitale Medien offen besprochen werden.  Mel-David zeigt, wie ein offener Konsumbegriff, Lebenskompetenzen und eine wertschätzende Haltung gegenüber Jugendlichen helfen, problematischer Nutzung vorzubeugen, bevor sie im klinischen Sinne zur Sucht wird. 

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Transcript

Einführung in den Podcast 'Aktiv gegen Mediensucht'

00:00:03
Speaker
Herzlich willkommen zum Aktiv gegen Mediensucht Podcast, der Podcast über alle Probleme der digitalen Welt, sei es Cybermobbing, Fake News oder Mediensucht.

Vorstellung von Mel David Terstegen und Condrops

00:00:12
Speaker
Unser heutiger Gast ist Mel David Terstegen von Condrops aus München, ein bayerischer Träger mit vielfältigen sozialen Hilfsangeboten in der Prävention und Suchtarbeit, in der Kinder- und Jugendhilfe sowie auch in der Hilfe für Geflüchtete.
00:00:28
Speaker
Mel David, herzlich willkommen beim Podcast.
00:00:31
Speaker
Hi, schön, dass ich hier sein darf.
00:00:34
Speaker
Danke, dass du mit dabei bist heute.

Mel Davids Weg in die Sozialarbeit

00:00:36
Speaker
Für unsere Gäste fangen wir meistens ein bisschen an, einfach ein paar persönliche Fragen zu stellen.
00:00:42
Speaker
Zum Beispiel für dich, du bist ja vom Studio in die Praxis reingekommen.
00:00:47
Speaker
Dein Einstieg in die soziale Arbeit, was hat dich persönlich dazu bewegt, soziale Arbeit vor allem mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit und Jugendbildung zu studieren?
00:00:55
Speaker
Ja.
00:00:56
Speaker
Ja, du bist gut informiert.
00:00:59
Speaker
Da muss ich ganz schön weit zurückgehen.
00:01:01
Speaker
Also ich wusste ziemlich lange in meiner Jugend gar nicht, was ich machen wollte.
00:01:06
Speaker
Und bin dann irgendwann, also ich war auf der Realschule und bin dann auf eine Fachoberschule, also auf eine Voss gegangen und war eigentlich auch noch mal ziemlich planlos.
00:01:13
Speaker
Und wie man das so macht, irgendwie habe ich dann einen Sozialzweig auch gewählt, weil ich wusste vor allem, was ich nicht machen wollte.
00:01:19
Speaker
Und dann über die Praktika, die man da so gemacht hat, bin ich so ein bisschen da reingerutscht.
00:01:24
Speaker
Und vor allem habe ich damals ein Praktikum in der offenen Jugendarbeit gemacht, also im Jugendzentrum, wo ich davor als Jugendlicher als Gast immer war.
00:01:32
Speaker
Und ja, das hat mir damals ja zugesagt und dachte mir, hey, das ist irgendwie ganz cool.
00:01:37
Speaker
Und bin dann über die Anstaltungen vor Ort so ein bisschen ins Gespräch gekommen.
00:01:42
Speaker
Hey, was müsste ich denn machen, um sowas ähnliches vielleicht machen zu können?
00:01:45
Speaker
Und dann meinten die halt, naja, soziale Arbeit zum Beispiel zu studieren.
00:01:48
Speaker
Und dann war für mich so die Reise klar, hey, das ist was, was ich mir vorstellen

Interesse an Medien und Einstieg bei Condrops

00:01:52
Speaker
kann.
00:01:53
Speaker
Letztendlich ist es ja dann doch was ganz anderes nochmal geworden, aber das war so mein Einstieg in soziale Arbeit.
00:02:00
Speaker
Gab es irgendein Schlüsselereignis, das dich so dazu geleitet hat?
00:02:04
Speaker
Ja, so Mediensucht.
00:02:06
Speaker
Das ist was Interessantes.
00:02:10
Speaker
Nee, eigentlich ganz im Gegenteil.
00:02:11
Speaker
Das war immer ganz spannend.
00:02:11
Speaker
Also während meinem Studium, also Medien fand ich immer spannend, Jugendliche, das ganze Thema, was ich jetzt viel hier auch mache, war voll immer meins.
00:02:19
Speaker
Aber ich habe vor allem während meinem Bachelorstudium eigentlich immer gesagt, ich möchte nie mit Sucht zu tun haben, weil in meinem Kopf auch viele Stigmatas da waren und auch viel Unwissen rückblickend.
00:02:29
Speaker
Und wenn man dachte, nee, das sehe ich mich so gar nicht.
00:02:32
Speaker
Hatte aber schon immer eine relativ hohe Aversion und hohes Interesse an Social Media, Gaming etc.
00:02:39
Speaker
Habe mich da auch in meiner Bachelorarbeit, also auch in meinem Masterstudium viel damit beschäftigt.
00:02:43
Speaker
Allerdings mit ein bisschen anderem Fokus, also näher so in die Richtung, dass eigentlich Jugendarbeit in sozialen Medien aktiv sein sollte, unter anderem auch so ein bisschen in eine andere Richtung eigentlich.
00:02:54
Speaker
Und bin dann durch mein, nach meinem Studium, wie das so oft ist, durch Zufall, wir sind umgezogen, ich und meine Partnerin, einen Job suche und dann habe ich die Stellenanzeige bei Condoms gelesen und für mich war der große Aufhänger damals, glaube ich, ich weiß nicht mehr, wie es genau formuliert war, aber etwas in der Art wie bei Voraussetzungen oder wünschenswerten Kompetenzen, die Affinität zu digitalen Medien.
00:03:16
Speaker
Und das ganze Sucht-Thema habe ich damals eher so ein bisschen ausgesprochen.
00:03:19
Speaker
Und dachte mir, zum Erwerbungsgespräch gehe ich auf alle Fälle und schaue mir das mal an und höre mir das an.
00:03:24
Speaker
Und war dann eigentlich ziemlich begeistert und war ziemlich schnell klar, dass das die Stelle ist, die ich gerne ausspielen will.

Attraktivität der Arbeit bei Condrops

00:03:30
Speaker
Ja, und mittlerweile muss ich sagen, ist das Thema, obwohl es ja eigentlich kein schönes Thema ist, primär, finde ich es höchst spannend.
00:03:38
Speaker
Und es ist ein Arbeitsfeld, wo ich mich voll wieder drin finde und entdecke und täglich Neues lerne und mich total wohlfühle.
00:03:47
Speaker
Ich finde es interessant, was du gesagt hast, sogar in deinem Bachelor der sozialen Arbeit, ich habe auch soziale Arbeit im Bachelor gehabt, hattest du immer noch das Stigma im Suchtbereich.
00:03:58
Speaker
Findest du, die Universität oder generell der akademische Bildungszweig macht eine gute Arbeit, in dem Weg das Stigma zu bereinigen?
00:04:08
Speaker
Denn obwohl du als Student hattest das ja trotzdem.
00:04:12
Speaker
Ich glaube schon.
00:04:13
Speaker
Ich habe aber, muss ich schon sagen, vor allem in meinem Studium war das ja viel so, also vor allem im Bachelor, Master hat sich das dann schon stark geändert.
00:04:19
Speaker
Da habe ich auch mit Zucht dann mehr zu tun gehabt.
00:04:21
Speaker
Aber im Bachelor, in meinem Studium, dort wo ich studiert habe, gab es ja auch einen Schwerpunktwahl.
00:04:25
Speaker
Wie du gesagt hast, ich habe halt diesen Jugendschwerpunkt genommen.
00:04:29
Speaker
Und ich habe dann schon versucht, mich in den Wahlmodulen, wo ich die Berührungspunkte gehabt hätte, habe ich sie, weil ich ja kein Interesse auch daran hatte, natürlich nicht gewählt.
00:04:38
Speaker
Und bin dadurch erst relativ spät in Kontakt damit gekommen.
00:04:43
Speaker
Und demnach, also ich glaube sicherlich, dass auch ein Bachelorstudien da schon eine ganz tolle Arbeit geleistet wurde.
00:04:48
Speaker
Aber ich habe sie nicht erlebt.
00:04:51
Speaker
Verstehe, ja.
00:04:53
Speaker
Jetzt, du bist zu Condrops gekommen.
00:04:56
Speaker
Was hat dich an der Organisation denn gereizt, dass du überhaupt geblieben bist?
00:05:00
Speaker
Dass du nicht sofort nach einem Tag wieder so, ciao Leute.
00:05:05
Speaker
Ja, also ich meine, bei Controbs muss man mal aufpassen.
00:05:08
Speaker
Controbs ist ja, wie du gesagt hast, so vielfältig.
00:05:10
Speaker
Also mein Träger ist ja wirklich richtig groß, hat so viele Arbeitsbereiche.
00:05:13
Speaker
Ich kann jetzt nur für meinen kleinen Bereich, über meine Einrichtung sprechen.
00:05:20
Speaker
Also was ich total an meinem Job liebe, ist viel.
00:05:22
Speaker
Also wir arbeiten ja nicht nur zu Medien, das muss man vielleicht noch dazu sagen, sondern wir arbeiten mit einem offenen Konsumbegriff.
00:05:27
Speaker
Das heißt, bei uns geht es eigentlich grundsätzlich um fast alles,
00:05:30
Speaker
was wir Menschen konsumieren, also von klassischen Substanzen, wo man es noch kennt, hin aber auch eben nicht stoffgebundene Sachen, Verhalten, wie eben digitale Medien.
00:05:38
Speaker
Und wir arbeiten, oder ich zum Beispiel auch, arbeiten mit eigentlich allen möglichen Zielgruppen.
00:05:42
Speaker
Also ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen selbst, ich arbeite aber auch mit den Eltern von diesen, arbeite aber grundsätzlich auch mit Erwachsenen, Fachkräften in allen möglichen Bereichen und
00:05:52
Speaker
Das ist total schön, weil das bietet mir in meiner Arbeit oft einen total schönen Synergieeffekt.
00:05:55
Speaker
Also dass ich einerseits weiß, was Jugendliche sagen, genauso auch die Perspektive der Eltern kennen.
00:06:00
Speaker
Was auch auf den Gesprächen total hilfreich ist.
00:06:04
Speaker
Wie sieht denn so ein... Gerne du.
00:06:08
Speaker
Wie sieht denn so ein Alltag aus bei dir in der Arbeit, wenn du nicht gerade im Podcast erscheinst?

Flexibilität im Arbeitsalltag von Mel David

00:06:16
Speaker
Das ist auch so eine ganz spannende und schwierige Frage, wenn wir mal wieder Stellen ausgeschrieben haben und neue potenzielle MitarbeiterInnen kommen, weil es ich echt schwer sagen kann.
00:06:26
Speaker
Also wir sind sehr flexibel in unseren Arbeitstagen, weil wir eben auch so flexibel mit verschiedenen Zielgruppen arbeiten.
00:06:33
Speaker
Also es gibt Tage, da komme ich ins Büro und fange klassisch um 8 Uhr an und kann um 16 Uhr gehen.
00:06:39
Speaker
Es gibt aber Tage, da habe ich vielleicht einen Elternabend, der erst um 19 Uhr anfängt.
00:06:43
Speaker
Da komme ich natürlich demnach später.
00:06:45
Speaker
Von dem her agieren wir sehr stark im Kontakt mit unseren Kundinnen oder Klientinnen, wie auch immer.
00:06:52
Speaker
Jeder Tag ist ein bisschen anders, aber grundsätzlich könnte man sagen, ich habe Gleitzeit so ein bisschen, könnte man sich das vorstellen und ich habe da auch den Raum, mir das flexibel ein bisschen einzuteilen, um eben flexibel gegenüber verschiedenen Klientinnen zu sein, wann Angebote stattfinden.
00:07:08
Speaker
Und demnach ist es immer ein bisschen unterschiedlich und jeder Tag sieht ein bisschen anders aus, was sich aber total angenehm empfindet.
00:07:16
Speaker
Jetzt, wenn wir spezifisch über Kinder und Jugendliche sprechen, was für Angebote gibt es denn da so?
00:07:25
Speaker
Genauso wie es schwerfällt, in ein paar wenige Sätze zu sagen, wann ich arbeite oder in welchen Strukturen,
00:07:32
Speaker
sind die Angebote enorm vielfältig.
00:07:34
Speaker
Es beginnt ja erstmal damit, vielleicht füge ich das noch zum Folgen hinzu, es ist nicht so bei uns klassisch, dass, sage ich mal, eine Schule bei mir anruft oder bei uns im Büro und sagt, wir wollen einen Workshop und dann sagen wir, okay, passt.
00:07:48
Speaker
das und das machen wir, sondern wir führen eigentlich mit jedem, der bei uns anruft oder jeder Person oder Institution eigene, ich sag mal, Krisegespräche, um nämlich immer zu schauen, was ist euer Bedarf, was wollt ihr, was für Ressourcen habt ihr selber als Schule.
00:08:02
Speaker
Das sind teilweise leider finanzielle Mittel, aber auch personelle, das wollen wir eher in die Richtung Fortbildung, was machen, machen wir selber Workshops.
00:08:09
Speaker
Du siehst schon, da wird es schon vielfältig und dann je nachdem welches Thema ist es auch nochmal unterschiedlich.
00:08:16
Speaker
Und je nachdem, was eine Schule will, braucht, geben kann, kann ich eigentlich oder versuchen wir individuelle Angebote zu schaffen, weil was ich wirklich vor allem in der Arbeit mit Schulen gelernt habe, ist, also jede Schule ist einfach ein bisschen anders und nicht jedes Programm passt auf jede Schule gleich.
00:08:34
Speaker
Und demnach sind unsere Angebote auch total breit von, ich gehe in die fünfte Klasse und mache vielleicht eher was zu digitalen Medien, wogegen ich vielleicht in der zehnten Klasse, aber nicht pauschal immer so, es gibt auch immer andere Sachen, vielleicht eher was in Richtung Substanzen mache.
00:08:50
Speaker
Also auch sehr zielgruppenspezifisch.
00:08:54
Speaker
Wir machen darüber hinaus, aber auch wenn man sich so mit Suchtprävention nämlich auseinandersetzt, das geht jetzt schon ein bisschen tiefer, dann geht es da nicht immer zwingend nur, sag ich mal, um Kompetenzen, was den Konsum angeht, sondern auch so, hat man vielleicht schon mal gehört, zu Lebenskompetenzen.
00:09:07
Speaker
Also in dem Bereich sind wir auch tätig.
00:09:09
Speaker
Also generell, wie kann eine Schule zum Beispiel, wenn wir es an der Schule machen, ein Ort sein, wo ich mich wohlfühle und wo es mir gut geht, weil das einfach auch ein super präventiver Schutzfaktor ist.

Werden Lebenskompetenzen in Schulen unterschätzt?

00:09:20
Speaker
Glaubst du, viele Schulen unterbewerten diesen Aspekt der Lebenskompetenz?
00:09:28
Speaker
Ja und nein.
00:09:29
Speaker
Also auch hier erlebe ich total unterschiedliche Wahrnehmungen, Perspektiven.
00:09:36
Speaker
Ich erlebe ja auch Schulen mit unfassbar unterschiedlichen Ressourcen und oft ist es leider Gottes, was man schon sagen muss, eine Ressourcenfrage.
00:09:45
Speaker
weil es ja auch irgendwo realistisch bleiben muss, damit es eine Schule dort umgesetzt bekommt.
00:09:51
Speaker
Also ich kann mir ganz viele tolle Gedanken machen, auch wie Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen das Projekt noch umsetzen und das noch, aber vielleicht gerade die Schule in diesem Stadtteil mit Lehrermangel und Lehrkräftemangel so stark zu kämpfen hat, dass dieser Ansatz gar nicht funktioniert.
00:10:07
Speaker
Aber tendenziell würde ich vielleicht schon ein bisschen deine Frage bejahen.
00:10:10
Speaker
Also ich erlebe schon noch hin und wieder, aber nicht immer, dass, wenn die Leute Suchtprävention hören, noch immer viel dieses Bild von, ich sage jetzt mal ganz stereotypisch, wir Kinder Bahnhof, Zoo.
00:10:23
Speaker
Da kommt jemand und erzählt den Kindern, wenn ihr dies und dies tut, dann wird es ganz schlecht für euch.
00:10:29
Speaker
Und das muss man klipp und klar sagen, stimmt ja Tenden per se einfach.
00:10:33
Speaker
Jetzt nicht nur in eine Richtung.
00:10:34
Speaker
Es gibt den Hin, nur schwarz oder weiß.
00:10:37
Speaker
Ich glaube für viele Außenstehende in dem Bereich ist es eben wie die Kinder von Bahnhof Zoo, wir wissen nicht wirklich, was da wirklich abgeht.
00:10:45
Speaker
Als du angefangen hast bei ConRobs, deine erste Woche, dein erster Monat, vielleicht sogar dein erstes Jahr, gibt es etwas, das dich überrascht hat?
00:10:53
Speaker
Etwas, das ganz andere Problematiken, die sich bewiesen haben, andere Personen, die da erschienen sind?
00:11:02
Speaker
Also was ich schon noch bis heute weiß, das war glaube ich sogar mein erster Arbeitstag, wo eine ganz tolle Kollegin von mir, die den Job schon sehr, sehr lange macht, gleich was sehr Methodisches gemacht hat.
00:11:15
Speaker
Wir arbeiten sehr methodisch, sehr viel über Interaktiv, Austausch, Selbstreflexion.
00:11:20
Speaker
Die hat mit mir was auch gemacht, um das selbst zu erleben, was wir mit allen möglichen Zielgruppen machen.
00:11:26
Speaker
Und das ist ein Modell, was eine sehr, sage ich mal, systemische Perspektive auf das Thema Sucht gibt.
00:11:31
Speaker
Dass es eben viel um Bedürfnisse geht, aber auch um Ressourcen.
00:11:34
Speaker
Und dass da vielleicht mehr dahinter steckt bei Abhängigkeit oder Sucht, wenn wir es so nennen wollen, als nur, sage ich mal, die Droge oder in unserem Fall heute hier vielleicht eher das Medium, also das Videospiel.
00:11:47
Speaker
Und dass das darüber sich aber ganz oft zeigt.
00:11:49
Speaker
Und ich weiß noch, wir haben das durchgemacht und das war dann so gegen Ende, was dir dann so aufzeigt, hm,
00:11:54
Speaker
Vielleicht gibt es da ein bisschen mehr als nur das eine.
00:11:57
Speaker
Das war so, ach krass.
00:11:59
Speaker
Habe ich so nie drüber nachgedacht.
00:12:02
Speaker
Das war für mich ein sehr, sehr einprigsamer Moment.
00:12:09
Speaker
Wenn wir uns das Ganze mal ein bisschen entwicklungspsychologisch ansehen und die Stichpunkt frühe Medienexpositionen.
00:12:18
Speaker
Ab welchem Alter beobachtest du denn heutzutage beginnt die regelmäßige Mediennutzung

Alter und Medienkonsum: Gebrauch vs. Sucht

00:12:23
Speaker
bei Kindern?
00:12:24
Speaker
Das wird ja immer früher, oder nicht?
00:12:27
Speaker
Da müssen wir wahrscheinlich unterscheiden zwischen was ich subjektiv erlebe und was wir, sage ich mal, so ein bisschen wissen aus Studien.
00:12:32
Speaker
Das ist ja, sage ich mal, schon ein Unterschied.
00:12:34
Speaker
Und ich glaube, was hier auch nochmal wichtig ist, wirklich gleich vorneweg zu unterscheiden.
00:12:38
Speaker
Das ist, glaube ich, auch in unserer Gesellschaft ganz, ganz wichtig, weil ich erlebe, dass es oft...
00:12:43
Speaker
miteinander fast verwechselt wird oder gleich genommen wird.
00:12:47
Speaker
Mediennutzung heißt nicht, dass ich süchtig bin.
00:12:49
Speaker
Also ich finde, da müssen wir echt aufpassen, weil dieser Begriff Sucht, oder wir sprechen ja lieber vielleicht von Abhängigkeit oder im klinischen Kontext spricht man ja oft von Störung, viel zu inflationär benutzt wird.
00:13:00
Speaker
Also man sagt ganz schnell, ja, mein Kind ist doch süchtig und es nutzt es vielleicht vielmehr.
00:13:06
Speaker
auch Probleme, aber es ist noch nicht, sag ich mal, diese Dimension, dieses Begriffs, der eigentlich dahinter steht, das vielleicht vorangestellt.
00:13:14
Speaker
Um zu deiner eigentlichen Frage zu kommen, ist es schon, also subjektiv, stark unterschiedlich, sag ich mal, das beginnt schon damit, bis in vielleicht in der Schulform, ich mich bewege und durchaus merkt man hier vielleicht auch einen Sozialisationsaspekt, also in welchen Regionen, Stadtteilen bewege ich mich.
00:13:36
Speaker
Und dann geht es aber teilweise total auseinander.
00:13:38
Speaker
Es gibt Grundschulen, wo ich erlebt habe, wo es schon voll das Thema war.
00:13:42
Speaker
Dann habe ich aber auch Grundschulen erlebt, wo es gar kein Thema war.
00:13:45
Speaker
Wo man, glaube ich, aber schon so über einen Finger scheren kann, ist spätestens ab den weiterführenden Schulen wird es ziemlich schnell so, dass flächendeckend alle ein eigenes Smartphone haben.
00:13:57
Speaker
Andererseits erlebe ich, wie wahrscheinlich du auch in der Öffentlichkeit, dass teilweise schon Babys oder Kleinkinder in Kinderwägen Smartphones oder Tablets in der Hand haben.
00:14:06
Speaker
Wenn man sich studientechnisch anschaut, dann muss man natürlich auch mal schauen, welche, wie, wo, was.
00:14:12
Speaker
Aber eigentlich...
00:14:13
Speaker
flächendeckend eher in den weiterführenden Schulen, sage ich mal, aber in den Grundschulen gibt es immer schon auch welche, die es nutzen.
00:14:19
Speaker
Und dann ist natürlich auch die Frage, Medien ist ein riesiges Thema, geht es jetzt um eigene Smartphones oder geht es auch schon um YouTube Kids oder das Videoformat, da ist natürlich große Palette.
00:14:31
Speaker
Wenn jetzt jemand zuschaut, der vielleicht selber ein Kind hat oder Elternteil ist, wo kann ich denn die Differenz setzen, wie du sagst, zwischen Sucht und einfach, ja, viel Medienkonsum?
00:14:43
Speaker
Das ist jetzt so schnell, vor allem ohne, sage ich mal, visuelle Materialien, die ich jetzt hier habe, schwer zu einfach zu sagen.
00:14:53
Speaker
Aber woran man sich schon mal, finde ich, grob orientieren kann und das vorne weggegriffen, das Zeit hier nicht das entscheidende Kriterium ist.
00:15:01
Speaker
Also nicht ab, sage ich mal, pauschal ab fünf Stunden hat mein Kind ein Problem.
00:15:05
Speaker
Also diese Antwort gibt es leider nicht.
00:15:06
Speaker
Die wäre schön, wenn es die gäbe, weil die könnte man messen.
00:15:11
Speaker
Es sind eher andere Faktoren, die da eine Rolle spielen.
00:15:15
Speaker
Wenn man sich das klinisch anschauen würde, stecken auch so ein bisschen die Kriterien darin, das ist sowas wie vielleicht zum Beispiel Kontrollverlust.
00:15:21
Speaker
Also ich sehe, dass jemand gegenüber gar nicht mehr steuern kann, wie viel er dieses Medium oder diese Funktion nutzt, dass die Person nicht mehr steuern kann, vielleicht aufzuhören, obwohl sie es sich vorgenommen hat.
00:15:32
Speaker
Aber auch sowas wie Interessensverlust.
00:15:34
Speaker
Ich mache eigentlich nichts anderes mehr.
00:15:36
Speaker
Früher bin ich gern zum Fußball gegangen, das mache ich gar nicht mehr.
00:15:39
Speaker
Oder ich vernachlässige meine Freunde etc.
00:15:42
Speaker
Und ich habe irgendwie Nachteile davon oder auch irgendwie negative Momente erledigt dadurch, Erfahrungen, dass es mir eigentlich nicht gut tut und das durchaus auch wahrnehmen, ist aber trotzdem weitermache.
00:15:55
Speaker
Und das spielt so ein bisschen mit einher.
00:15:58
Speaker
Obwohl man auch gleichzeitig sagen muss, ich würde auch grundsätzlich stark davon aufpassen und finde es auch schwierig.
00:16:05
Speaker
Aber das sind andere noch Personen, die da mehr drin sind in der Forschung als ich.
00:16:11
Speaker
Die streiten auch darum, ob es sinnvoll ist, dass man bei Kindern schon von Sucht generell spricht.
00:16:17
Speaker
Also gerade wenn wir sowas thematisieren wie Kontrolle, Impulskontrolle entwickelt sich ja erst.
00:16:21
Speaker
Und wenn ich das nie gelernt habe, wie kann ich dann die Kontrolle behalten?
00:16:24
Speaker
Also da muss man auch ein bisschen aufpassen, dass man sagt, ein Achtjähriger hat hier eine Suchterkrankung und braucht, sag ich mal, eine Anführungsstrich-Therapie.
00:16:33
Speaker
Was nicht heißt, dass es das nicht gibt.
00:16:37
Speaker
Kann denn früher Medienkonsum die kognitive und soziale Entwicklung insofern beeinträchtigen, dass es später dann zu erhöhtem Kontrollverlust kommt?

Früher Medienkonsum und Entwicklung

00:16:47
Speaker
Da gäbe es wahrscheinlich andere Personen, die könnten hier da ganz tolle, ganz genaue entsprechende Studien dazu nennen.
00:16:54
Speaker
Ich weiß, was ich weiß, dass grundsätzlich erstmal sagen muss, dass die Forschungslage hier sehr in viele verschiedene, unterschiedliche Richtungen geht.
00:17:02
Speaker
Das meines Wissens aber ist es schon, dass man weiß, dass hier sich gewisse Lernerfahrungen auf alle Fälle entstehen und das ist natürlich, wenn ich auch Sozialisation, wenn ich seit acht Jahren gelernt habe, zum Beispiel, ich kann nur einschlafen mit einem Tablet, das im Hintergrund läuft oder so, dann wird es schwierig, wenn jemand kommt, wenn ich 14 Minuten sage, jetzt ist zu viel, jetzt nehme ich es dir weg.
00:17:24
Speaker
Also hier sind definitiv sicherlich, oder weiß man schon, dass es hier Tendenzen gibt.
00:17:29
Speaker
Ich passe aber bei sowas immer auf, zu konkret zu sagen, so und so ist es, weil da gibt es einfach andere Personen, die können es auf einem anderen Niveau näher besser bewerten.
00:17:38
Speaker
Da wieder eher tief, sage ich mal, sind wir ja schnell auch in so einer neueren Psychologie, Entwicklungspsychologie drin.
00:17:46
Speaker
Und da würde ich eher sagen, da bin ich als Sozialarbeiter, da kenne ich mich schon ein bisschen aus, aber da lasse ich anderen Menschen den Vortritt.
00:17:54
Speaker
Ich finde es toll, wie man sofort sieht, aus deiner sozialarbeiterischen Perspektive, wie der Einzelfall immer das Wichtige ist, dass man keine abstrakten Generalisierungen nehmen kann.
00:18:05
Speaker
Wenn wir versuchen, ein bisschen in die abstraktere Ebene zu gehen, du sagst ja schon, wenn man 14 ist, ist es ein bisschen anders, als wenn man ein Baby ist.

Medienprobleme bei verschiedenen Altersgruppen

00:18:14
Speaker
Wo liegen denn die Unterschiede zwischen
00:18:17
Speaker
sei es Grundschulkindern und Jugendlichen bei der problematischen Mediennutzung?
00:18:21
Speaker
Also wo beginnt denn Mediennutzung problematisch zu sein?
00:18:27
Speaker
Das wahrscheinlich, Entschuldigung, die erste Frage, wen fragst du?
00:18:31
Speaker
Sorry, ganz kurz.
00:18:35
Speaker
So, jetzt besser.
00:18:36
Speaker
Wen fragst du?
00:18:37
Speaker
Das Kind, den Jugendlichen oder den Elternteil?
00:18:40
Speaker
Also ich glaube, und wir müssen auch hier unterscheiden, Mediennutzung kann durchaus auch, glaube ich, problematisch sein, wenn Sucht keine Rolle spielt.
00:18:48
Speaker
Also Medien, ein riesiges Thema, also wenn es darum geht, Geld auszugeben, Datenschutz, Sexting, Cyber-Grooming.
00:18:55
Speaker
Es gibt so viele Bereiche, Identitätsbildung, die da problematisch sein können.
00:19:03
Speaker
Also da ist die erste Unterscheidung.
00:19:04
Speaker
Ich glaube, problematisch wird es vor allem auch immer dann sein,
00:19:08
Speaker
Und das ist schwer jetzt zu sagen, wann das genau ist, aber wenn von negativen Aspekten das Ganze sehr stark überwiegen.
00:19:14
Speaker
Also wenn ich vielleicht zwar noch Spaß habe, aber die Schule leidet, ich kann mich nicht mehr richtig konzentrieren, weil ich nur noch daran denke, ich habe ein total verzerrtes Realitätsbild, ich bin abgelenkt und erlebe eigentlich ganz wenig Positives davon und streite nur noch, dann wird es, glaube ich, generell problematisch oder dann geht es in eine problematische Richtung, je nach Ausmaß.
00:19:36
Speaker
Da muss aber Sucht noch gar kein Thema sein.
00:19:38
Speaker
Also wie gesagt, das kann ja viel andere Bereich sein.
00:19:39
Speaker
Beispielsweise ich, vielleicht ein bisschen ältere Jugendliche, ich schicke von mir vielleicht ein Nacktbild rum, was nicht untypisch ist, was nicht gleichzeitig heißt, dass es gut ist und das landet irgendwo im Internet rumgeschickt.
00:19:52
Speaker
Dann sind wir wahrscheinlich deftig bei einem problematischen Medienverhalten, wo hier entsteht was Problematisches, aber die Person, die es rumschickt, hat vielleicht nicht ein Suchtthema.
00:20:01
Speaker
Aber ich glaube, wenn du es so ein bisschen bildlich vorstellst, du hast eine Waage und auf der roten Seite, so eine rote Seite, und da liegt viel, viel mehr Gewicht als auf dem, was es mir eigentlich noch gutes bringt, auf der grünen Seite, dann entsteht der FD, also es ist keine digitale Balance mehr da.
00:20:18
Speaker
Das ist, glaube ich, so in der Mediennutzung selbst so ein bisschen vielleicht ein Bild, was dabei helfen könnte.
00:20:25
Speaker
Denkst du, der öffentliche Diskurs über dieses Thema fokussiert sich viel zu viel auf die Dauer, die Zeit und nicht auf die Dinge, die du erwähnst?
00:20:35
Speaker
habe ich schon manchmal das Gefühl, also das kam ja vorhin schon fast so ein bisschen, aber klassisch auf Elternabend ist die erste Frage oder eine der bremsten Fragen, die Eltern immer dabei haben, ist, wie viel ist zu viel oder wie viele Stunden soll jetzt?
00:20:51
Speaker
Und die Frage ist wichtig und berechtigt und es braucht schon einen Rahmen, was Zeit angeht.
00:20:55
Speaker
Das ist schon wichtig, also gut.
00:20:57
Speaker
Also liebe Zuhörerinnen, nicht das Vernachlässigen.
00:21:00
Speaker
Aber gleichzeitig finde ich es immer total wichtig, naja, was passiert denn in dieser Zeit?
00:21:04
Speaker
Also was ist der Inhalt?
00:21:05
Speaker
Weil der, finde ich, ist fast viel entscheidender, weil es für mich ein großer Unterschied ist auch, wir haben gerade auch Medienzeit, könnte man sagen.
00:21:13
Speaker
Ist aber wahrscheinlich was anderes, wenn wir jetzt hier eineinhalb Stunden Podcast oder so aufnehmen, als würden wir eineinhalb Stunden, sag ich mal, FIFA zocken.
00:21:20
Speaker
hat eine andere Qualität.
00:21:21
Speaker
Was nicht auch heißt, dass es mal okay ist, eineinhalb Stunden FIFA zu zocken.
00:21:24
Speaker
Aber der Inhalt und vor allem auch, wie geht es mir damit?
00:21:27
Speaker
Das braucht es, glaube ich, ganz wichtig, dass es ganz wichtig ist zu thematisieren.
00:21:32
Speaker
Und das ist auch, was mir manchmal Kinder und Jugendliche rückmelden, wenn ich ins Gespräch bin oder nachfrage.
00:21:38
Speaker
Nicht alle, aber manchmal.
00:21:40
Speaker
Das ist mir immer ein Thema schön, dass ich sowas auch höre.
00:21:43
Speaker
Wenn ich frage, hey, wie ist das so bei euch zu Hause mit euren Eltern?
00:21:46
Speaker
Wie läuft das?
00:21:48
Speaker
Dann streite ich auch auf dem Thema.
00:21:49
Speaker
Aber dass viele sagen, naja, meine Eltern interessiert es oft nur, wie viel ich es mache.
00:21:53
Speaker
Was ich mache, ist ihnen eigentlich voll oft egal.
00:21:56
Speaker
Wie kann man diese Kluft überbrücken?
00:22:00
Speaker
Ich würde sagen, das erste ist vielleicht mal, also auch altersentsprechend, sind wir bei einem ganz unterschiedlichen Level.
00:22:05
Speaker
Bei kleineren beginnt es schon mal damit, dass ich der Meinung bin, dass sie Begleitung brauchen.
00:22:08
Speaker
Das heißt, dabei sein.
00:22:10
Speaker
Aber bei älteren auch mal nachzufragen.
00:22:13
Speaker
Also habe ich, also neugierig zu sein, Interesse zu zeigen.
00:22:18
Speaker
Das klingt so banal, aber das passiert, glaube ich, gar nicht so häufig von dem, was ich erlebe und
00:22:25
Speaker
Ich erlebe es nämlich immer im Gegenteil, wenn ich gerade Kinder und Jugendliche zu dem Thema frage, die brennen oft darauf, mir nicht zu erzählen, was da bei ihnen passiert und was sie da erleben.

Eltern und Mediennutzung der Kinder

00:22:35
Speaker
Und ich den Eindruck habe, oder dass teilweise auch um mir erzählt wird, dass eben Erwachsene gar nicht so viel danach fragen.
00:22:42
Speaker
Weil es vielleicht auch ganz weit weg ist von ihrer Lebenswelt oder sich denken, in der Zeit kann ich selber vielleicht mal um mich und mich kümmern, was ja auch absolut verständlich ist.
00:22:51
Speaker
Aber dass hier oft gar nicht so ein Diskurs stattfindet.
00:22:53
Speaker
Also nachzufragen, ins Gespräch zu gehen, was machst du da, was erlebst du da, wie geht es dir da, ist immer nur alles toll.
00:23:00
Speaker
Das können so ganz banale, in Anführungsstrichen banale, Fragen sein, um da überhaupt mal reinzukommen.
00:23:05
Speaker
Weil ich finde, dass das ganz wichtig ist, dass da eine Begleitung stattfindet.
00:23:11
Speaker
in unterschiedlichen Formen.
00:23:13
Speaker
Wie reagieren da die Eltern, wenn du mit ihnen diese Gespräche führst?
00:23:17
Speaker
Wenn sie da kommen mit, okay, ich habe schon meine Meinung gebildet, die Zeit ist zu viel und dann sagst du ihnen diese Dinge?
00:23:25
Speaker
Ganz unterschiedlich.
00:23:27
Speaker
Also das Schöne ist ja, dass ich mit Eltern ähnlich arbeite, wie ich mit Jugendlichen arbeite.
00:23:31
Speaker
Also auch hier, wenn ich die Möglichkeit habe, stelle ich mich nicht vor und inhalt einen Vortrag, sondern ist es eher ein moderierter Erfahrungsaustausch.
00:23:39
Speaker
Das sage ich jetzt mal.
00:23:43
Speaker
Das bedeutet, ich arbeite in der Regel ganz viel erstmal auch auf Grund oder auf Basis der Mediennutzung der Eltern.
00:23:50
Speaker
Was zweierlei Möglichkeiten mir bietet.
00:23:53
Speaker
Das eine ist natürlich, da können sie gut drüber reden und darüber kriege ich so ein bisschen ins Boot.
00:24:01
Speaker
Nämlich auch so mit der Botschaft, wie hättet ihr jetzt reagiert, wenn ich euch nur erzählt hätte, dass das alles blöd ist, was ihr macht?
00:24:08
Speaker
Nämlich meistens nicht so gut, weil es eben schon gute Gründe dahinter geht und darüber in Austausch kommen und das dann übertrage auf ihre Kinder, aber auch damit das Thema Vorbildfunktion aufgreife.
00:24:20
Speaker
Aber das ist wahrscheinlich eh nochmal ein Extrapunkt.
00:24:24
Speaker
Und dann reagieren die Masse der Eltern durchaus sehr gut, wenn sie das Gefühl haben, das finde ich bei Eltern genauso wichtig, oder Fachkräften, oder eigentlich allen Menschen, wie bei Jugendlichen, dass ich mich jetzt nicht erstmal hinstelle und sage, das ist alles blöd,

Individuelle Medienkonsumgrenzen für Kinder

00:24:36
Speaker
was ihr macht.
00:24:36
Speaker
Und das hat alles keinen Grund, weil so kommt in der Regel nur Widerstand auf und es findet kein Gespräch statt und die Leute öffnen sich mir auch nicht.
00:24:46
Speaker
Es gibt aber durchaus auch Eltern, die sind mit den Antworten unzufrieden, was ich auch verstehe.
00:24:51
Speaker
Weil ich als Elternteil hätte auch lieber jemanden, der mir sagt, so und so ist es und dann passt es.
00:24:56
Speaker
Aber die Antwort gibt es halt leider ganz schwer oder nahezu nicht.
00:25:02
Speaker
Die Antworten sind nie leicht auf große Probleme.
00:25:05
Speaker
Ja, und man muss auch klipp und klar sagen, jedes Kind ist anders.
00:25:08
Speaker
Es gibt ein Kind, dem tut vielleicht eine Stunde am Tag,
00:25:12
Speaker
Das Kind ist das okay.
00:25:13
Speaker
Ein anderes Kind ist vielleicht vom Entwicklungsstand ganz woanders und denen wäre eine Stunde nicht gut.
00:25:20
Speaker
Also hier auch das eigene Kind zu sehen, das finde ich ganz, ganz wichtig.
00:25:25
Speaker
Ich finde deine Perspektive sehr interessant bezüglich generell, dass Zeit nicht das größte Problem ist, sondern andere Probleme.
00:25:32
Speaker
Und du hast andere genannt, wie zum Beispiel, dass man Geld ausgibt, sei es Mikrotransaktionen bei Videospielen oder sei es Sexting, Grooming, all die Themen.
00:25:43
Speaker
Aber du hast auch Identitätsbildung erwähnt.
00:25:46
Speaker
Und das ist etwas, das du schon jetzt mehrmals ein bisschen erwähnt hast und ich nicht oft irgendwo anders gehört habe.

Medieneinfluss auf Identitätsbildung

00:25:54
Speaker
Ist das so ein kleines, geheimnis Problem, das du entdeckst hast?
00:25:58
Speaker
Also ich muss vielleicht noch ergänzen dazu, nicht jede Identitätsbildung ist schlecht.
00:26:03
Speaker
Also dass Medien mit Identitätsbilden ist gar nicht mehr vermeidbar.
00:26:08
Speaker
Sei es über Videospiele, sei es über Social Media und Co.
00:26:13
Speaker
Aber was, und das ist auch eine Frage der Bewertung, wer bewertet das, aber was ich mir schon manchmal oder was ich merke,
00:26:20
Speaker
Also gerade zum Thema Körperideale.
00:26:22
Speaker
Wenn ich erlebe, dass ich vielleicht schon in der fünften oder sechsten Klasse nicht immer habe, aber teilweise auch den Eindruck manchmal habe, da geht es schon los, dass fünf- und sechstklässlerinnen sagen, ich muss täglich ins Fitnessstudio, weil ich brauche ein Sixpack oder ich brauche die und die Bodymaße.
00:26:36
Speaker
Und da schon in so einem Denken drin sind, dass quasi generell, wenn eine Identität in die Richtung entsteht, es gibt nur ein richtig oder falsch, sage ich mal, dann finde ich das schwierig.
00:26:48
Speaker
Und hier spielen natürlich soziale Medien stark mit rein.
00:26:51
Speaker
Also nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, es ist bei uns Erwachsenen, würde ich ja sagen, genauso.
00:26:54
Speaker
Und wir können vielleicht halt noch ein bisschen besser mit umgehen.
00:26:57
Speaker
Auch nicht alle, würde ich sagen.
00:26:59
Speaker
Oder es sind halt, haben, sage ich mal, zumindest die Pubertät zumindest schon abgeschlossen.
00:27:04
Speaker
Weswegen ist diese Altersgruppe denn so vulnerable in dieser Hinsicht?
00:27:09
Speaker
Naja, ich meine Pubertät, Identitätsentwicklung hier findet alles statt und die Ablösung des Elternhauses, hier ist total viel Unsicherheit da, ich weiß nicht, wo ich hin will.
00:27:20
Speaker
Vielleicht, Körper verändert sich, da passiert ja so viel.
00:27:24
Speaker
Und dann ist natürlich vielleicht jemand, der mir sagt, so und so ist es.
00:27:27
Speaker
Oder eine digitale Welt, der mir auch sagt, das hier ist das Idealbild.
00:27:32
Speaker
Und ich sehe vielleicht auch nur dieses Idealbild, weil hier haben wir ja auch Algorithmen, die irgendwie mitsteuern.
00:27:37
Speaker
Und gar nicht sehe, dass es vielleicht auch anders sein kann.
00:27:40
Speaker
Ja, natürlich passiert das.
00:27:41
Speaker
Modelllernen passiert ja auch über soziale Medien.
00:27:46
Speaker
In deiner Erfahrung mit solchen Fällen, wie begegnest du diesen Leuten?
00:27:51
Speaker
Ich glaube, ähnlich wie ich es immer mache.
00:27:54
Speaker
Ich frage erst mal nach, warum dieses Ideal für sie toll ist und warum sie sich dem ausgesucht haben und gehen Gespräche letztendlich.
00:28:02
Speaker
Und das ist auch schwer.
00:28:05
Speaker
Ja, vielleicht ist es auch schwer pauschal zu sagen, so und so gehe ich um, weil es ganz unterschiedliche Themen sind und unterschiedliche Fragen dann gibt, die mich interessieren oder Aspekte.
00:28:15
Speaker
Und der Vorteil ja auch ganz oft ist, an meiner Arbeit zumindest, dass ich ja mit Gruppen arbeite.
00:28:20
Speaker
Das heißt, dass wirklich alle einer Meinung sind, ist ja zum Glück eh sein.
00:28:23
Speaker
Also da passiert ja dann auch viel über eine Gruppe.
00:28:27
Speaker
Wie du schon sagst, ich meine, das ist ja eine Welt des permanenten Vergleichs, in der diese Leute sich befinden.
00:28:35
Speaker
Er endet nicht nur, wenn die Schulglocke läutet um 13 Uhr, sondern du kommst nach Hause und der Vergleich geht stetig weiter.

Positive und negative Medieneinflüsse auf die Jugend

00:28:43
Speaker
Das wurde natürlich immer durchgekaut, die Szenenbilder der Likes und alles, aber trotzdem, trotz des ganzen Kauens, glaube ich, gesellschaftlich ist das nicht verdaut worden.
00:28:56
Speaker
Wie wirkt sich denn dieser permanente Vergleich auf die Psyche aus?
00:29:00
Speaker
Es ist ja sehr viel weitreichender, glaube ich, als nur, oh, ich muss dünner werden, sondern wirklich im Kern geschieht da etwas.
00:29:07
Speaker
Merkst du da was?
00:29:09
Speaker
Ja, spannende Frage.
00:29:11
Speaker
Ich wünsche dich hätte eine konkrete Antwort.
00:29:16
Speaker
Das ist, wie du gesagt hast, irgendwas macht.
00:29:18
Speaker
Ich glaube, das ist bei uns allen so.
00:29:21
Speaker
Hier ist, glaube ich, auch wieder wichtig, das einzelne Individuum zu sehen, die Person.
00:29:25
Speaker
Ich glaube, es gibt Menschen, die können gut damit umgehen und die betrifft es relativ wenig.
00:29:30
Speaker
Und es gibt andere Menschen, vor allem vielleicht in gewissen Lebenslagen, die sind besonders empfänglich für solche Ideale oder Ideale.
00:29:37
Speaker
was auch immer es sein mag.
00:29:40
Speaker
Also auch der Zeitpunkt, wann ich vielleicht so etwas sehe, spielt eine Rolle.
00:29:44
Speaker
Was es genau macht, es hat ja auch viele positive Faktoren, das darf man ja auch nicht vergessen.
00:29:48
Speaker
Es bietet mir vielleicht auch die Möglichkeit, wenn ich in einer Minderheit lebe oder irgendwie Struggle habe, irgendwie auch irgendwo Zugehörigkeit zu finden im Internet.
00:29:56
Speaker
Also das finde ich auch immer wichtig.
00:29:58
Speaker
Es hat ja nicht nur negative Aspekte.
00:30:01
Speaker
Ich glaube auch hier wieder ist die Frage, wie gehe ich damit um und was passiert in meinem Leben auch drumherum?
00:30:06
Speaker
Aber so eine konkrete Antwort, was macht das mit uns, kann ich dir in dem Sinne schwer beantworten.
00:30:13
Speaker
Ich bin ja auch von der Generation, vermutlich wie du, die mit dem Internet groß geworden sind.
00:30:19
Speaker
Ich kann mich erinnern, mit drei Jahren war ich schon auf dem PC in Chatrooms.
00:30:24
Speaker
Bevor ich überhaupt schreiben konnte, habe ich meinem Bruder gesagt, ja, schreib das und das.
00:30:28
Speaker
Lies zurück.
00:30:28
Speaker
Was ist da los?
00:30:30
Speaker
Alles.
00:30:31
Speaker
Und verschiedene soziale Spiele.
00:30:32
Speaker
Von daher, klar, es gibt sehr viele große...
00:30:37
Speaker
Tolle, tolle Eigenschaften davon.
00:30:40
Speaker
Oft ist ja auch sehr bemerkenswert, wie bewusst sich die Nutzer der negativen Folgen sind, der positiven und negativen.
00:30:50
Speaker
Jetzt, wenn ich mich in so einer Lage befinde von, ja, ich habe Freunde, ich habe Zugehörigkeit, ich habe eine tolle Zeit im Internet, aber trotzdem merke ich,
00:31:02
Speaker
dass all diese negativen Folgen auch entstehen.
00:31:04
Speaker
Nicht nur das Positive, sondern auch das Negative.
00:31:06
Speaker
Aber ich kann einfach nicht loslassen.
00:31:08
Speaker
Ich weiß einfach nicht, wie ich mich davor schützen kann.

Strategien zur Ausbalancierung des Medienkonsums

00:31:11
Speaker
Was macht man denn da?
00:31:12
Speaker
Ich glaube, das ist ja so der Kern.
00:31:15
Speaker
Ich meine, da setzt ja letztendlich genau unter anderem meine, unsere Arbeit an.
00:31:19
Speaker
Wenn ich genau ins Gespräch gehe, zum Beispiel mit einer Schulklasse, sag ich, hey, was ist das Tolle für euch?
00:31:24
Speaker
Warum macht ihr das?
00:31:24
Speaker
Okay, okay, dann sammeln wir das.
00:31:27
Speaker
Und dann, wie du schon gesagt hast, also meistens, das ist ganz spannend, muss ich gar nicht nach einem Negativen fragen, sondern es kommt irgendwann automatisch, weil dann irgendwie jemand sitzt und sagt, hey, halt, stopp, das ist nicht nur toll, weil das ist das, das und das.
00:31:39
Speaker
Und dann genauso die, sag ich mal, die rote Seite, wenn wir dieser Wahrgedenken sammeln.
00:31:44
Speaker
Und dann irgendwann kommen wir zum Punkt, wenn wir viel darüber gesprochen haben, wo ich mal frage, okay, wenn wir wie dieser Waage denken, was macht ihr denn, damit sich ein Gleichgewicht entstehen kann?
00:31:52
Speaker
Oder im Idealfall natürlich gar kein Gegengewicht mehr auf der roten Seite ist.
00:31:56
Speaker
Und dann gehe ich letztendlich ins Arbeiten.
00:31:58
Speaker
Also dann überlegen wir uns, das könnte man fachlich natürlich sagen, hier überlegen wir, was für Kompetenzen habt ihr, braucht ihr, könnt ihr die ausprobieren?
00:32:06
Speaker
Und die Antworten sind hier wirklich immer komplett unterschiedlich.
00:32:09
Speaker
Das beginnt mit so Dingen wie zum Beispiel,
00:32:12
Speaker
Ist ja ein Thema heutzutage, was viele kennen mit Bildschirmnutzungszeiten, dass ich mir die einstelle.
00:32:16
Speaker
Das beginnt mit so Dingen wie, okay, ich weiß, ich tue mir total schwer zu lernen immer oder rechtzeitig danach noch zu lernen, dann muss ich wohl zuerst lernen.
00:32:26
Speaker
Also ich stelle mir sozusagen Prioritäten ein.
00:32:31
Speaker
Ich habe vielleicht feste Orte, wo ich das Handy auch mal hinlege, also noch bewusst freie Zeiten.
00:32:37
Speaker
Und hier kommt wirklich, also ich weiß noch, ich hatte mal einen Jugendlichen, der hat mir erzählt, bei dem war es YouTube, was er sehr exzessiv genutzt hat und der war aber technisch recht affin.
00:32:48
Speaker
Der hat, aber fragt mich bitte nicht genau wie, da bin ich dann auch mit meiner Medienkompetenz am Ende.
00:32:53
Speaker
Der hat sich letztendlich die YouTube-Seite auch so umgeändert und so umgebaut, dass nichts mehr da war außer das Suchfeld und er aktiv Videos selber suchen musste.
00:33:03
Speaker
Also es gab auch keine Vorschläge mehr etc.
00:33:06
Speaker
Und das war, glaube ich, schon bevor es diesen Modus überhaupt gab.
00:33:09
Speaker
Also was hier für Kompetenzen gefunden werden, ist ganz unterschiedlich.
00:33:13
Speaker
Und ich glaube, genau da beginnt zum Beispiel meine Arbeit als Fachkraft, aber vielleicht auch die Arbeit von erwachsenen Personen, die Kinder und Jugendlichen begleiten, zu überlegen, okay, wie kriegst du das hin mit unserer Unterstützung, damit es für dich schon noch irgendwie positiv bleibt und nicht die ganze Zeit in diese andere Seite rüberrutscht.
00:33:32
Speaker
Und manche Kinder oder Jugendliche brauchen hier auch mehr Support von außen als andere.
00:33:37
Speaker
Aber es braucht definitiv einen.
00:33:38
Speaker
Es braucht jemand, vielleicht jetzt nicht in so einer fachlichen Art und Weise, wie ich das mache, aber der schon einfach mit Menschen in Kontakt bleibt und im Gespräch bleibt.
00:33:47
Speaker
Weil mich alleine zu Hause hinzusetzen und mir, sage ich mal, diese Gedanken zu machen, ist halt, es gibt vielleicht auch welche, die es machen, aber ist deutlich hoher Schwelliger.
00:33:59
Speaker
Ich finde das bemerkenswert, auch dieses Beispiel, das du genannt hast mit dem YouTube.
00:34:03
Speaker
Ich glaube, es wird wirklich unterschätzt, wie sehr sich die junge Generation der negativen Folgen bewusst ist.
00:34:09
Speaker
Vielleicht sogar mehr als die ältere Generation.
00:34:12
Speaker
Und trotzdem sitzen sie in diesem Käfig da, in dem sie sich selbst eingeschlossen haben und den Schlüssel weggeworfen haben.
00:34:22
Speaker
Glaubst du, es gibt, wie du sagst, es ist schwierig, sich hinzuhocken, im Zimmer alleine und hier einen Plan auszuhäkeln?
00:34:30
Speaker
Es gibt Wege alleine, selbstständig, sich dabei zu helfen?
00:34:36
Speaker
Oder muss ich da zu einer Stelle wie bei euch gehen?
00:34:43
Speaker
Also es gibt wahrscheinlich keine richtige Antwort in beide Richtungen.
00:34:48
Speaker
Sicherlich welche, die werden auch ohne, sag ich mal, präventive Workshops durch ihre Schulzeit kommen und werden das alleine hinkriegen.
00:34:55
Speaker
Ist aber natürlich deutlich schwieriger und schwerer.
00:34:58
Speaker
Ich glaube, man muss hier auch nochmal unterscheiden.
00:35:00
Speaker
Ich habe es vorhin nochmal gesagt, aber ich finde es schon wichtig zwischen dem Thema, sag ich mal, Suchtprävention und generell einfach hier Förderung, nenne ich es mal auf einer anderen Ebene, oder Kompetenzvermittlung.
00:35:10
Speaker
Das beinhaltet ja im Bereich der Medien so unfassbar viel, was ja auch wir nicht mehr ansatzweise abdecken können.
00:35:16
Speaker
Ich glaube aber grundsätzlich schon, und auch hier aber nochmal Alter, müssen wir auch unterscheiden, dass es wichtig ist, dass hier junge Menschen Begleitung erfahren und nicht alleine diesem Prozess ausgesetzt werden.
00:35:27
Speaker
Und du hast auch gesagt, dass nämlich ein anderer Aspekt, den ich schon, finde ich, auch mit hier reinnehmen will, ist, dass du gesagt hast, die haben sich selber in den Käfig gesperrt.

Gesellschaftliche Verantwortung bei Medienproblemen

00:35:35
Speaker
Man könnte es auch provokant ein bisschen umdrehen und sagen, dass sie eigentlich wie als Gesamtgesellschaft sie da reingesteckt haben.
00:35:40
Speaker
Also natürlich fordern sie es irgendwann ein, aber warum?
00:35:43
Speaker
Naja, weil sie es ja auch von uns Erwachsenen sehen, wir vorleben und dementsprechend ja auch nicht, sage ich mal, ja, also Maßnahmen dagegen untergreifen.
00:35:54
Speaker
Manche schon, aber jetzt nicht pauschal.
00:35:58
Speaker
Und da tut sich zwar gerade auch viel, aber genau.
00:36:01
Speaker
Wie sehen denn so die frühen Warnsignale aus, wenn ich ein Elternteil bin und merke, okay, ja, meine Medien...
00:36:09
Speaker
Nutzung ist selber vielleicht nicht problematisch.
00:36:13
Speaker
Und unsere Kinder sind in gewisser Weise ja oft Klone von uns selber.
00:36:18
Speaker
Kopieren, wie wir einfach damit umgehen.
00:36:22
Speaker
Aber ich bin selber im Schlamassel, dass ich das nicht wirklich von heute auf morgen lösen kann.
00:36:28
Speaker
Was sind die Warnsignale, dass ich merke, okay, mein Kind geht da ein bisschen so in meine Richtung ran?
00:36:34
Speaker
Also im Prinzip geht es ein bisschen...
00:36:38
Speaker
könnte man sagen, wenn ich mit dem, was ich schon so ein bisschen versucht habe zu erklären, aber so, wenn ich mitkriege, hey, irgendwie mein Kind verändert sich.
00:36:45
Speaker
Das, was ihm früher Spaß gemacht hat, will es gar nicht mehr in Anspruch nehmen.
00:36:49
Speaker
Es versucht nur noch eigentlich, also es geht nur noch die ganze Zeit um die Medien auch nur noch.
00:36:54
Speaker
Früher hat es Spaß beim Fußball gehabt, auch wie ein Fußballbeispiel oder ein anderer Sport oder beim Basteln.
00:36:59
Speaker
Aber auch das, da ist es nicht mehr bei der Sache, wenn es überhaupt noch macht oder fragt gleich, können wir aufhören, ich will gerne wieder zocken oder so.
00:37:06
Speaker
Wenn ich da merke, dass eine Wesensveränderung stattfindet, wenn ich merke, mein Kind, die Zeit reicht ihm auf alle Fälle nicht mehr.
00:37:13
Speaker
Es braucht immer mehr, es braucht immer mehr, es kann nicht mehr aufhören.
00:37:18
Speaker
Also das, finde ich, können so Anzeigen sein.
00:37:21
Speaker
Wenn vielleicht auch mein Kind die ganze Zeit erwische, wie es heimlich irgendwie trotzdem noch Dinge macht.
00:37:26
Speaker
Aber wichtig, du siehst schon sowas gerade so wie verheimlichend.
00:37:28
Speaker
Da sind Kinder auch manchmal von der Tür und so.
00:37:30
Speaker
Das heißt nicht, dass es immer direkt dem Kind ein Problem hat.
00:37:34
Speaker
Aber das finde ich, können so Indikatoren sein.
00:37:35
Speaker
Grundsätzlich, und das würde ich ganz vielen Eltern unterstellen, haben die für sowas ein gutes Bauchgefühl.
00:37:42
Speaker
Also wenn ich als Elternteil anfange, mir wirklich Sorgen zu machen, und jetzt nicht per se, weil ich die ganze Entwicklung schlimm finde, sondern wirklich bei meinem Kind konkret, dann sind das auf alle Fälle, sage ich mal, Alarmzeichen, die ich immer zumindest ernst nehmen würde, dahingehend, dass ich sie nicht ignorieren würde in so einem Workshop.
00:37:59
Speaker
Also wenn ich eine Mutter habe, die wirklich sagt, hey, ich mache mir eine krasse Sorgen, mein Sohn,
00:38:03
Speaker
dann würde ich immer vor der Woche nicht sagen, da müssen sie sich nicht.
00:38:07
Speaker
Weil ich schon der Meinung bin, so äterliche Intuition spielt da stark mit rein.
00:38:13
Speaker
Ich merke, du sprichst sehr viel über generell Medienbildung, auch als Gemeinschaftsaufgabe der ganzen Gesellschaft.

Ressourcen für Lehrer in der Medienbildung

00:38:21
Speaker
Jetzt, wenn Lehrkräfte und Fachkräfte generell Schlüsselpersonen in diesem Bereich sind, dann was brauchen denn Lehrerinnen und Lehrer, um die Medienbildung effektiv zu vermitteln?
00:38:35
Speaker
Ja, gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da sprichst du vieles an, da will ich vielleicht schon noch vorneweg stellen, dass ich der Meinung bin, dass es auch nicht nur Aufgaben von Personen ist.
00:38:42
Speaker
Also wir sprechen immer viel über Verhaltensprävention.
00:38:45
Speaker
Es braucht schon auch hier Verhältnisprävention, also eben Regulierungen.
00:38:49
Speaker
Da tut sich ja auch viel gerade im öffentlichen Diskurs.
00:38:53
Speaker
Was auch immer da kommen wird, bleibt noch abzuwarten.
00:38:55
Speaker
Ich glaube schon, dass irgendwas kommen wird.
00:38:58
Speaker
Dass irgendeine Regulierung, Gesetz, wie auch immer.
00:39:00
Speaker
Weil ich finde, das ist schon auch was, was man sehen muss.
00:39:03
Speaker
Also irgendwo braucht es schon auch auf dieser anderen Ebene was, um zu deiner eigentlichen Frage aber zurückzukommen.
00:39:10
Speaker
Die erste Frage, die man natürlich schon auch stellen kann, müssen es unbedingt Lehrer sein oder können es auch externe Fachkräfte sein?
00:39:17
Speaker
Grundsätzlich braucht es aber, und das ist vielleicht ein unbeliebtes Thema, aber es braucht Ressourcen.
00:39:22
Speaker
Und vor allem, muss man fairerweise sagen, oft auch finanzielle Ressourcen und zeitliche Ressourcen.
00:39:30
Speaker
Ich bin viel im Bildungssektor ja mit Schulen im Austausch und ich finde den Ansatz, über Lehrkräfte viel zu machen, super sinnvoll und schön und wichtig.
00:39:37
Speaker
Gleichzeitig denke ich mir aber auch, es gibt Schulen und Kunden,
00:39:41
Speaker
wo ich mir denke, wenn die jetzt noch hören, dass die jetzt noch zusätzlich aus Eigeninitiative hier noch dieses neue Schulfach anbieten sollen, aber sie niemand darauf vorbereitet und sagt, mach das mal oben drauf, dann wird das auch nicht funktionieren.
00:39:54
Speaker
Also ich glaube, es muss hier auch wieder ein Gesetz geben, das vorschreibt, das und jenes irgendwie.
00:40:00
Speaker
Dafür habt ihr Zeit und die Zeit müsst ihr auch nehmen.
00:40:03
Speaker
Also ich glaube, man muss hier sich nicht nur Gedanken machen, dies und jenes sollen sie inhaltlich machen, sondern wie gibt es Möglichkeiten, das überhaupt zu gestalten.
00:40:11
Speaker
Weil da lebe ich, wenn das nicht auch mit gedacht wird, dann wird es auch irgendwie halbschahig und nicht gut umgesetzt.
00:40:19
Speaker
Und letztendlich braucht es hier vor allem auch finanzielle Mütter.
00:40:22
Speaker
Das muss man auch klar so sagen.
00:40:24
Speaker
Zum Beispiel gerade wie bei uns, wenn wir in eine Schule kommen, je nachdem vom Projekt zu Projekt unterschiedlich, gibt es nicht unbedingt eine Vollfinanzierung.
00:40:31
Speaker
Das ist für manche Schulen einfach schwierig bis nicht möglich.
00:40:35
Speaker
Das ist eigentlich katastrophal.
00:40:38
Speaker
Und hier hat aber gerade die Ebene der Prävention auch manchmal einen schwierigen Stand.
00:40:44
Speaker
Gibt es denn Lösungsansätze oder Ideen für Lösungsansätze, falls es mehr Ressourcen gäbe?
00:40:49
Speaker
Denn ich stimme dir zu, natürlich die Lehrkräfte, die müssen immer, immer mehr auf ihren Teller legen.
00:40:55
Speaker
Irgendwann, der Punkt ist jetzt schon da, dass es nicht mehr klappt.
00:41:00
Speaker
Sagen wir, es gibt diese Ressourcen auf einmal, nach denen du fragst, was würde man machen können mit denen?
00:41:07
Speaker
Ich glaube, dass hier so viele Ideen und Kreativität schon da ist, dass es ganz viele verschiedene Modelle und Möglichkeiten gibt, wie wir es ja auch gemacht haben, dass externe Fachkräfte kommen, wie wir Workshops machen, dass wir ein Kollegium fortbilden, damit die so eine Art Medienpräventionsteam bilden, um dann zum Beispiel in der ganzen entsprechenden Jahrestufe dieses Thema anzubieten.
00:41:27
Speaker
Dass wir mit Peer-Projekten arbeiten, was wir zum Beispiel auch machen, wo wir ältere Jugendliche ausbilden, die dann in jüngere Altersstufen gehen.
00:41:35
Speaker
Dass wir bei der Konzeptbegleitung Schulen begleiten, um individuelle Lösungen zu finden, dass wir ergänzt zu diesem Ganzen auch Elternarbeit machen, dass von Grund zu weiterführenden Schulen das nochmal unterschiedlich ist.
00:41:46
Speaker
Also du siehst schon, die Möglichkeiten sind hier riesig.
00:41:52
Speaker
Und von mir aus darf sich auch jemand Gedanken machen und sagen, genau so und so soll es für alle Schulen stattfinden.
00:41:59
Speaker
Dann werde ich da auch erstmal mitgehen.
00:42:03
Speaker
Genau, es gäbe, glaube ich, ganz viele tolle Ideen, wenn wirklich diese Ressourcen da wären.

Erfolgreiche Medienbildungsstrategien in Schulen

00:42:10
Speaker
Gibt es eine spezifische Schule, die du nennen kannst oder Erfahrung hast und denkst, ja, die macht das besonders, weil sie es ein bisschen anders macht?
00:42:20
Speaker
Also natürlich jetzt eine spezifische Schule zu benennen vor Monorücksprache, sag ich mal, ist schwierig.
00:42:26
Speaker
Aber ich erlebe hier ganz viele unterschiedliche Schulen, die ganz tolle Arbeit leisten, die super motiviert sind, manche mehr umsetzen als andere.
00:42:34
Speaker
Aber hier erlebe ich auch total viele Best-Practice-Beispiele, die das echt im Rahmen ihrer Aufgabe super machen.
00:42:42
Speaker
die sich wirklich mit uns begleiten durften und wirklich Konzepte, die von der, ich nehme mir als Beispiel in der weiterführenden Schule von der 5. bis zur 10.
00:42:52
Speaker
Klasse überlegt haben, was machen wir an Prävention, was für Regeln haben wir, hey, und wie helfen wir Kindern und Jugendlichen, also wie intervenieren wir, wenn das alles nicht reicht.
00:43:04
Speaker
Aber dahin zu kommen, ist Arbeit.
00:43:07
Speaker
Und das ist auch immer, was ich Schulen sage, wenn sie bei uns anrufen.
00:43:10
Speaker
Nehmen wir wieder Schulen als Beispiel.
00:43:12
Speaker
Wir können viel machen bei euch, aber was euch klar sein muss, von der Größe des Projekts unterschiedlich, das wird gewisse Ressourcen fressen.
00:43:20
Speaker
Sei es, es fällt Unterricht aus, sei es, ihr müsst Lehrkräfte stellen oder es kostet vielleicht auch Geld.
00:43:29
Speaker
Wenn man es zumindest ernst nimmt, sage ich mal.
00:43:34
Speaker
Alles klar, ich bin jetzt ein Jugendlicher, der merkt, okay, ja, ich habe vielleicht nicht so dieses Zeitproblem, aber ich habe Probleme in der problematischen Mediennutzung.
00:43:47
Speaker
Ich bin in diesem Käfig.
00:43:49
Speaker
ob die Gesellschaft mich da reingesetzt hat oder ich mich selber, aber ich fühle mich, als wäre ich Teil davon in diesem Käfig.
00:43:55
Speaker
Ich brauche die Hilfe.
00:43:56
Speaker
Ich brauche die Hilfe von Kondrops.
00:43:58
Speaker
Wie sieht das aus?
00:44:00
Speaker
Schicke ich eine E-Mail?
00:44:01
Speaker
Muss ich mein Leben erzählen?
00:44:03
Speaker
Und mir wird jetzt sofort einfach gesagt, wie ich zu leben habe?
00:44:07
Speaker
Oder wie sieht es denn praktisch aus?
00:44:09
Speaker
Nee, also du, du, es ist ganz niedrigschwellig.
00:44:12
Speaker
Also wenn du auch noch, sage ich mal, das ist ja die Traumvorstellung für mich oder für meine Arbeit, wenn du auch noch aktiv auf mich zukommst, also dass nicht mehr ich dich anspreche und wirklich auch sagst, hey, heute nach dem Workshop, ich bin mir da echt unsicher, ich glaube, ich habe da echt ein Problem, mir geht es nicht gut.
00:44:28
Speaker
Gibt es da irgendwen, der mit mir sprechen kann?
00:44:31
Speaker
Dann würde ich sagen, ja, gibt es und das ist cool, dass du dich bei mir meldest und das ist stark, weil das ist mutig und das braucht viel Mut.
00:44:37
Speaker
Und ein Beispiel, wir wären jetzt auch in München, dann würde ich, hier gibt es ganz tolle Kolleginnen von Easy Contact heißen, die machen ganz niedrigschwellige Beratungen.
00:44:46
Speaker
Da kann man auch erstmal nur anrufen, kann man sogar erstmal nur hinschreiben.
00:44:50
Speaker
Das kann bei dem Büro sein, man kann sich irgendwo in der Stadt mit
00:44:53
Speaker
den treffen und einfach mal nur reden.
00:44:55
Speaker
Komplett unter Schweigepflicht, komplett anonym geht das alles.
00:44:58
Speaker
Da erfahren auch die Eltern erstmal nichts.
00:45:01
Speaker
Und das wäre der Weg, den ich gehen würde.
00:45:03
Speaker
Also da muss ich auch sagen, endet meine Arbeit.
00:45:06
Speaker
Meine Arbeit endet spätestens, dass wenn ich
00:45:09
Speaker
Personen sehe, die vielleicht Probleme haben könnten, weitervermitteln.
00:45:13
Speaker
Also ich mache sozusagen eine Frühintervention.
00:45:15
Speaker
Das ist ja ganz oft so, dass ich ein Workshop habe und mir vielleicht denkt, hm, weiß nicht, dass ich dann weitervermittele.
00:45:21
Speaker
Aber die konkrete Beratung und das, was dann alles kommt, da gliedert sich die Suchthilfe ja auch auf und das Präventionen in einem ganz kleinen Bereich.
00:45:29
Speaker
Einer von vier großen Säulen.

Stigmatisierung bei Medienproblemen und Unterstützung

00:45:33
Speaker
Kommen die meisten Leute zu dir oder musst du zu ihnen hingehen und sagen, hey, ich glaube, da ist vielleicht mehr dahinter?
00:45:39
Speaker
Das ist ganz unterschiedlich.
00:45:42
Speaker
Also ich würde sagen, die wenigsten oder weniger kommen direkt danach so zu mir und sagen das so wie du.
00:45:49
Speaker
Jetzt gerade ein Beispiel, die kommen dann schon nochmal hin und fragen nochmal nach oder fragen dem Workshop nach.
00:45:56
Speaker
Deswegen finde ich es immer ganz wichtig, wenn wir zu so Themen arbeiten, ich sammle dann auch mit der Gruppe, weil dann ist es, sage ich mal, auch nicht so entblößend, so, hey, mal angenommen, ihr hättet irgendwann ein Problem hypothetisch oder da wird irgendwas, dann sammle ich mit denen Anlaufstellen und informiere sie auch darüber.
00:46:10
Speaker
Das heißt, ich erfahre vielleicht auch gar nicht, wenn sich jemand Hilfe holt oder Unterstützung holt, weil ich im Idealfall denen es schon gesagt habe und sie müssen es mir gar nicht erst sagen, sondern können da ganz natürlich selber anrufen, hingehen, schreiben etc.
00:46:25
Speaker
Viele Jugendliche sind sich bewusst der negativen Folgen, wie wir schon gesagt haben, und sagen das auch ihren Freunden.
00:46:31
Speaker
Die Freunde wissen es auch.
00:46:32
Speaker
Sie machen vielleicht Posts sogar, Social Media Kills, sowas auf sozialen Medien selber posten.
00:46:39
Speaker
Und trotzdem ist es so eine Hürde, sich Hilfe zu suchen, auch wenn sie sogar so niedrigschwellig ist.
00:46:47
Speaker
Wieso besteht diese Hürde und wie können wir sie ein bisschen kleiner machen?
00:46:53
Speaker
Da könnten wir jetzt, glaube ich, wahrscheinlich allein schon den ganzen Podcast füllen.
00:46:57
Speaker
Ich glaube, das beginnt ja damit, also jetzt auch nochmal ganz unterschiedlich, über welche Suchtabkrankungen wir sprechen.
00:47:03
Speaker
Da haben wir auch bei den unterschiedlichen Substanzen ganz große Unterschiede.
00:47:06
Speaker
Aber wir sind hier auf einer super Entwicklung, glaube ich, grundsätzlich in unserer Gesellschaft.
00:47:11
Speaker
Das muss ich auch sagen.
00:47:12
Speaker
Aber es ist schon noch immer so,
00:47:15
Speaker
Oder habe ich oft das Gefühl, dieses Thema, ich habe ein Problem, mir geht es nicht gut, ich bin anscheinend zu schwach, ich habe einen Fehler.
00:47:22
Speaker
Also, dass es noch immer gleichzeitig so ein bisschen mit, ich sage mal, Charakterschwäche gleichgesetzt wird, weil es einfach, wie
00:47:29
Speaker
Stigmatas und Stereotype und einfach Unwissen bei diesem Thema, bei Sucht herrscht, auch so noch immer so, ja, hä, dir geht's nicht gut, dann hör doch auf, oder dann hat er ja noch nicht genug gelitten, oder du hast es selber nicht im Griff.
00:47:43
Speaker
Also hier spielt Scham auch unglaublich stark mit rein.
00:47:48
Speaker
Da gibt es, glaube ich, ganz viele Facetten, die da mit rein spielen.
00:47:52
Speaker
Also generell dieses Thema, ich hole mir Hilfe oder ich suche Unterstützung, fällt ja bei vielen Bereichen, vielen Menschen ein.
00:47:58
Speaker
heutzutage leider noch immer nicht leicht.
00:48:04
Speaker
Ganz im Gegenteil.
00:48:05
Speaker
Wenn ich dreckig bin, kann ich in die Dusche gehen und mich selber abwaschen.
00:48:08
Speaker
Aber wenn ich mit Scham bedreckt bin, dann kann oft nur jemand anderes helfen, mir das wegzunehmen.
00:48:14
Speaker
Wenn mir jeder sagt, das ist deine Schuld, das ist dein Fehlverhalten, ist es schwer, sich selber des Schams zu bereinigen.

Persönliche Verantwortung vs. externe Einflüsse

00:48:26
Speaker
Was würdest du jemandem sagen, der das vielleicht hier anschaut, nur Leute im Umfeld hat, der sagt, ja, sei halt nicht so faul, geh halt weg vom PC, geh halt weg vom Handy.
00:48:36
Speaker
Der vielleicht selber weiß, eigentlich, ich glaube nicht, dass es mein Fehler ist, aber wenn mir das jeder sagt, vielleicht ist es so.
00:48:46
Speaker
Was kann man der Person sagen?
00:48:48
Speaker
Also auch wenn es abgedroschen ist und...
00:48:51
Speaker
irgendwie vielleicht auch nicht ganz glaubwürdig so oft ist, weil wir es vielleicht auch schon gehört haben, aber ich sage schon immer, dass wenn es euch oder es kann auch sein, dass ich mich so etwas mal treffen wird oder bereits getroffen habe, dass es ein Thema ist, wofür man sich nicht schämen muss.
00:49:08
Speaker
Und ich abde hier manchmal schon gerne mit dem Beispiel, man muss ein bisschen für mich aufpassen, weil ich will es damit auch nicht relativieren, aber
00:49:19
Speaker
was entsteht und wenn ich keine Ahnung hinfalle und mir in den Arm breche, dann schäme ich mich ja auch nicht zum Arzt zu gehen und mir Hilfe zu holen, weil es mir schlecht geht.
00:49:27
Speaker
Und ich finde, hier bräuchten wir, aber das haben wir generell bei psychischen Erkrankungen, ein ähnliches Verständnis.
00:49:33
Speaker
Natürlich entscheide ich mich mal irgendwie dazu, diese Sachen zu nutzen.
00:49:36
Speaker
Das ist bei Substanzen ja ganz ähnlich.
00:49:39
Speaker
Und irgendwo habe ich natürlich Verantwortung für mein Verhalten, aber gerade so Aspekte, die mir vielleicht auch irgendwo auf meiner Personenebene mitgegeben werden, in was für eine Familie ich aufwachse, in was für einem sozialen Umfeld, was für Krisen ich vielleicht in meinem Leben erlebt habe, auf die habe ich oft gar keinen Einfluss.
00:49:54
Speaker
Und die spielen aber bei Suchtentwicklung ganz stark mit rein.
00:50:00
Speaker
Und für die trage ich definitiv keine Schuld.
00:50:03
Speaker
Mhm.
00:50:03
Speaker
Mhm.
00:50:05
Speaker
Ich glaube, in dieser Hinsicht bewegt sich auch gesellschaftlich viel die Anerkenntnis dieses Fakts.
00:50:11
Speaker
Aber auch in anderen Aspekten, hast du gesagt, bewegt sich momentan sehr viel.
00:50:15
Speaker
Ja, trotz aller Herausforderungen, die es gerade gibt.
00:50:18
Speaker
Was macht dir Hoffnung?
00:50:19
Speaker
Was stimmt dich optimistisch?
00:50:24
Speaker
Also was mich immer wieder optimistisch stimmt, vor allem in Bezug zu Kindern und Jugendlichen, ist, dass wenn man das ernst nimmt und sie ernst nimmt und wirklich ins Gespräch geht,
00:50:34
Speaker
dass sie sich einfach immer wieder öffnen und dass es eigentlich selten bis fast nie passiert, dass ich wirklich jemand vor mir sitzen habe und der drei Stunden sagt, ich rede nicht mit dir.
00:50:44
Speaker
Also habe ich generell nicht.
00:50:46
Speaker
Gott sei Dank.
00:50:47
Speaker
Also dass es vielleicht ein, zwei Themen gibt, wo jemand sagt, nee, da möchte ich gerade nicht, aber dass eigentlich, wenn ich wirklich einem Menschen, die über Wertschätzung da in Kontakt gehe, dass da eigentlich immer Gesprächsbereitschaft besteht.
00:50:59
Speaker
Das ist so das eine, was mir grundsätzlich, was ich einfach schön finde und was ich schon gut finde in einem gewissen Rahmen, was das heutige Thema auch nochmal konkret angeht,

Veränderung der Wahrnehmung von Mediensucht

00:51:09
Speaker
dass hier, was diese verhältnispräventive Ebene angeht, dass hier zumindest mal gerade wirklich gesellschaftlicher, starker, teilweise auch ein bisschen, finde ich, zu überhitzter Diskurs stattfindet.
00:51:19
Speaker
Aber ich glaube, der Diskurs, dass der überhaupt mal da ist, und das ist auch, also auch da steht mein Arbeitgeber, weiß ich auch hinter mir, begrüßt das total, dass hier mal überhaupt erst, dass dieses Thema überhaupt mal hochkommt und dass das Thema mehr Aufmerksamkeit kriegt, weil das braucht es unbedingt.
00:51:36
Speaker
In welche Richtung würdest du am besten den Diskurs lenken?
00:51:41
Speaker
Also was ich mir auf einmal wünschen würde, aber ich glaube, das wünsche ich mir in vielen Bereichen, ist, dass er nicht, sage ich mal, mit Polemik geführt wird oder nämlich in zwei Extremen, sondern wie es ja so oft ist, dass wahrscheinlich die Wahrheit irgendwo ermittelt.
00:51:53
Speaker
Also es geht nicht darum, jetzt per se den Kindern und Jungen, sage ich, alles wegzunehmen und irgendwie, dass es nur schlimm ist.
00:52:00
Speaker
Es ist aber auch nicht so, dass es total unbedenklich ist und dass es hier irgendwie keine Regulation braucht, weil ja dann, sage ich mal, nur Ausgrenzung stattführen würde.
00:52:08
Speaker
Also
00:52:11
Speaker
Ich mag deswegen das Wort Regulation auch viel lieber als Verbote.
00:52:14
Speaker
Also ich finde, dass es, und ich glaube, dass sich heutzutage auch zum Glück dann doch fast alle einig, wenn man wirklich ein bisschen schafft, die Emotionen rauszunehmen, dass es irgendeine Form der Regulation braucht.
00:52:26
Speaker
Wie die aussehen wird und was überhaupt, sage ich mal, auch von der politischen Ebene oben dann kommen wird, ist unterschiedlich oder wissen wir ja auch noch gar nicht.
00:52:35
Speaker
Aber dass überhaupt mal darüber gesprochen wird hier in der Richtung, finde ich total gut und wichtig.
00:52:40
Speaker
Vor allem, wenn man in der politischen Ebene schaut, sei es auch die Tagesschau oder alle anderen Programme.
00:52:46
Speaker
Sobald über das Thema gesprochen wird, sind es Szenen mit dunklen Räumen und großer Bildschirm beleuchtet und überall liegen die Energydrinks auf dem Boden.
00:52:58
Speaker
Wie würdest du, wenn du das ein bisschen ändern könntest, die Haltung gegenüber Betroffenen als Gesellschaft einnehmen?
00:53:09
Speaker
Ich muss davor noch was einschieben, weil mit diesem Bild, was du gerade gezeichnet hast, das ist so treffend und ich arbeite mit diesem Bild, also gerne ist ja immer ein bisschen schwierig in diesem Kontext, aber eigentlich schon echt gerne, weil wenn ich auch in einer Fachkräfteschuhe sitze oder egal wo, dann zeige ich ganz oft dich.
00:53:24
Speaker
Stellen Sie sich mal eine Person vor, die so richtig, sag ich mal, plakativ medien- und internetsüchtig ist.
00:53:29
Speaker
Und ganz oft denken wir in der Gesellschaft an dieses Bild, meistens den männlichen, jugendlichen, jungen Erwachsenen, der in seinem dunklen Zimmer sitzt, irgendwie nur Fertigpizza isst, Energy Grings trinkt, nicht mehr rausgeht, nicht mehr duscht.
00:53:41
Speaker
Dieses stereotype Bild hat ja vielleicht auch irgendwo seinen Ursprung, der ja nicht falsch ist.
00:53:44
Speaker
Aber gleichzeitig, was dann vielleicht mit der Kehrseite, mit jetzt stereotypisch, aufpassen,

Stereotype bei Mediensucht abbauen

00:53:49
Speaker
Stereotype sind immer schwierig, aber gegensätzlich gedacht,
00:53:53
Speaker
Das Mädchen, das die ganze Zeit draußen steht, die junge Frau, Selfies postet, die ganze Zeit live auf Social Media ist und da die ganze Zeit aktiv ist.
00:54:00
Speaker
Also wir denken hier auch immer sehr, also es gibt nämlich im Bereich von, sage ich mal, Mediensucht, den Begriff gibt es ja in dem Sinne eigentlich nicht, aber wir nutzen mal hierfür, ganz viele Bereiche, die eine Rolle spielen können.
00:54:13
Speaker
Und ich glaube, da das, was du sagst, geht es schon los, Stück für Stück zu versuchen, diese Stereotype aufzubrechen.
00:54:18
Speaker
Das haben wir jetzt
00:54:20
Speaker
um das Thema mal zu weiten.
00:54:22
Speaker
Es ist ja auch nicht jeder, nicht jeder ist alkoholabhängig, der, sag ich mal, obdachlos ist, auf der Straße sitzt und eine Flasche Doppelkorne am Tag trinkt.
00:54:29
Speaker
Harte Stereotyp, aber das haben vielleicht wir Menschen auch manchmal im Kopf, weil Stereotype natürlich normal sind und ja auch irgendwo grundsätzlich wichtig sind für Menschen, damit unsere Welt irgendwie eingeordnet werden kann.
00:54:40
Speaker
Aber wenn wir diese Stereotype als wahr annehmen, wird es ja ganz schwierig.
00:54:44
Speaker
Und ich glaube, wie wir hier schon sind, allein solche kleinen Podcasts, Aufklärung, Information, ist super wichtig.
00:54:52
Speaker
Wie es ja generell bei psychischen Erkrankungen, bei allen möglichen wichtig ist.
00:55:00
Speaker
Ja, wow.
00:55:01
Speaker
Ich glaube, wir haben sehr viele wichtige Themen angesprochen.
00:55:06
Speaker
Neue Perspektiven.
00:55:07
Speaker
Ich glaube auch, viele Leute, die auch schon andere Podcasts anschauen oder generell in der Thematik unterwegs sind, denken oft nicht an so vielleicht in Retrospektiv
00:55:19
Speaker
eindeutige Dinge, aber sie müssen ja auch mal ausgesprochen werden.
00:55:25
Speaker
Für dich persönlich, wenn du noch eine Sache den Zuhörerinnen und Zuhörern des Podcasts sagen könntest, und das sind selber Kinder und Jugendliche, das sind Leute, die überhaupt keine Probleme haben und einfach nur vielleicht sogar Fachkräfte oder Lehrkräfte sind, Eltern von Betroffenen, jedem.
00:55:43
Speaker
Was könntest du dieser diversen Gruppe an Menschen so sagen?
00:55:47
Speaker
Deine letzten Worte.
00:55:49
Speaker
Uh, meine letzten Worte, die muss ich weise wählen.
00:55:52
Speaker
Es gäbe so viel, was spannend ist und was ich sagen könnte.
00:55:56
Speaker
Ich glaube, was aber schon nochmal wichtig ist und das ist mir auch meiner Arbeit wichtig.
00:56:01
Speaker
Medien an sich spielen damit rein, dass vielleicht das in eine negative Richtung geht, aber wir vergessen wirklich ganz oft, glaube ich, das Leben.
00:56:09
Speaker
Also, dass es eben nicht nur das Videospiel ist, das mich da im Wine zieht, sondern es ist ganz
00:56:18
Speaker
Bedürfnisse und Gefühle geht, um Ressourcen, um ein bisschen mehr als nur, sage ich mal, das Medium selbst.
00:56:26
Speaker
Und dass es das aber ganz oft hat, das Symptom von ganz vielen im Hintergrund ist.
00:56:32
Speaker
So in etwa würde ich es versuchen in der Kürze zu sagen.
00:56:35
Speaker
Aber es ist schwierig, weil man kann so viel dazu erzählen.
00:56:38
Speaker
Man könnte wahrscheinlich in der Woche einen Podcast machen und wir wären auch immer nicht am Ende.
00:56:42
Speaker
Übrigens auch einer der Themen, warum ich die Arbeit so spannend finde und so liebe, weil sie nie auserzählt ist.
00:56:49
Speaker
Total.
00:56:50
Speaker
Und hey, ich glaube, das sind trotzdem sehr gute letzte Worte gewesen.
00:56:53
Speaker
Auch wenn es sehr viele gute letzte Worte geben kann.
00:56:56
Speaker
Mel David, vielen, vielen lieben Dank für deine tollen und einzigartigen Perspektiven.
00:57:00
Speaker
Und ja, wir freuen uns alle, vielleicht in der Zukunft noch mehr von dir zu hören.
00:57:04
Speaker
Vielen lieben Dank.
00:57:10
Speaker
Vielen Dank dir.
00:57:11
Speaker
Alles klar.