Einführung in 'Aktiv gegen Mediensucht'
00:00:01
Tobia Martinez
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, willkommen zu einer neuen Folge von Aktiv gegen Mediensucht, dem Podcast, der wissenschaftliche Erkenntnisse zu digitaler Mediennutzung mit der Lebensrealität von Familien, Fachkräften und Jugendlichen verbindet.
Unterscheidung von Mediennutzungen
00:00:14
Tobia Martinez
In dieser Staffel schauen wir genauer hin.
00:00:17
Tobia Martinez
Wie unterscheidet Forschung intensive, riskante oder pathologische Nutzung?
00:00:21
Tobia Martinez
Und was hilft wirklich in Prävention, Alltag und Selbsthilfe?
Prof. Dr. Ruth Wendts akademischer Hintergrund
00:00:25
Tobia Martinez
Heute spreche ich mit Prof. Dr. Ruth Wendt, geboren Festl, Kommunikationswissenschaftlerin und Expertin für digitale Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen.
00:00:36
Tobia Martinez
Sie hat an der LMU Pädagogik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft studiert, an der Universität Münster promoviert und Station am Deutschen Jugendinstitut sowie am Leibniz-Institut für Wissensmedien durchlaufen.
00:00:48
Tobia Martinez
Ihre Studien reichen von problematischer Computerspielnutzung über Cybermobbing bis zu Social-Media-Kompetenz und elterlicher Begleitung im digitalen Familienalltag.
00:00:58
Tobia Martinez
Ruth, herzlich willkommen!
Wendts frühe Forschung: Gaming und Cybermobbing
00:01:02
Tobia Martinez
Bevor wir auf Studien und Zahlen schauen, erstmal würde ich gerne verstehen, wie du denn persönlich in dieses Feld hineingewachsen bist.
00:01:09
Tobia Martinez
Was hat dich ursprünglich zu Pädagogik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft gezogen?
00:01:15
Tobia Martinez
Wann hast du gemerkt, dass digitale Medien dein zentrales Thema werden?
00:01:20
Ruth Wendt
Ja, das ist eine gute Frage.
00:01:21
Ruth Wendt
Ja, das ist eine gute Frage.
00:01:25
Ruth Wendt
Ich glaube, das war wirklich, mein Studium war sehr stark interessengeleitet, hat auch nicht stark was mit digitalen Medien von Anfang an zu tun gehabt.
00:01:34
Ruth Wendt
Ich hatte damals Kommunikationswissenschaft im Nebenfach.
00:01:37
Ruth Wendt
Auch da haben die digitalen Medien jetzt nicht so eine große Rolle gespielt, aber mich hat das auf jeden Fall stark interessiert, die Kommunikationstheorien.
00:01:44
Ruth Wendt
Und aufgrund dieser Studienkombination bin ich dann,
00:01:48
Ruth Wendt
Und gelandet bei diesem Themenschwerpunkt, das natürlich dann auch gut zusammenpasst, weil ich eben, wie gesagt, die kommunikationswissenschaftliche Perspektive mit einer psychologischen Perspektive, aber auch mit einer pädagogischen Perspektive ergänzen kann.
00:02:02
Ruth Wendt
Und ja, wie es halt manchmal so ist, rutscht man halt in irgendwelche Forschungsprojekte auch rein und eins meiner ersten Forschungsprojekte war eben zur Forschung.
00:02:11
Ruth Wendt
zu Gaming, zu Online-Gaming, aber auch vor allem zu sozialen Effekten oder sozialen Einflussfaktoren auf das
Methoden und öffentliche Engagements in der Medienforschung
00:02:18
Ruth Wendt
Und ja, dann irgendwie sind wir dann weitergekommen und haben ein Forschungsprojekt zu Cybermobbing an Schulen eingeworben.
00:02:24
Ruth Wendt
Und so bin ich dann auch zu meiner Dissertation gekommen.
00:02:27
Ruth Wendt
Also es hat sich dann so rauskristallisiert nach und nach und diesen Schwerpunkt habe ich dann immer weiter verfolgt.
00:02:33
Tobia Martinez
Ich habe auch selber soziale Arbeit studiert und von daher auch ein bisschen so in die Welt der Pädagogik und Psychologie hineingesehen.
00:02:41
Tobia Martinez
Bei dir war es natürlich sehr viel früher als bei mir.
00:02:45
Tobia Martinez
Gab es irgendeinen Moment, irgendeine Vorlesung oder eine Begegnung im Studium oder deiner Promotion, wo du bemerkt hast, so, ja, warte mal, hier entsteht ein ganz neues Feld, eine neue Welt?
00:02:58
Ruth Wendt
Ja, also ich habe, ich sage mal so, im Laufe meiner Karriere habe ich verschiedene Sachen immer wieder aufgegriffen.
00:03:06
Ruth Wendt
Also was zum Beispiel so ein Moment für mich immer ist, war, als ich auf studentische Hilfskraft in einem Projekt gearbeitet habe, da ging es um Scheidungskinder und wie man ja auch den familiellen Zusammenhalt stärken kann und auch die Eltern stärken kann.
00:03:21
Ruth Wendt
Da haben wir auch schon dann wirklich mit Längsschnittdaten gearbeitet und Evaluationsstudien durchgeführt.
00:03:25
Ruth Wendt
Das hat mich irgendwie geprägt methodisch, muss ich sagen.
00:03:28
Ruth Wendt
Also gerade so wirklich auch empirische Daten dann zu erheben, auch Längsschnittdaten, die Relevanz von Längsschnittdaten zu verstehen und auszuwerten.
00:03:37
Ruth Wendt
Das war so ein methodischer Punkt.
00:03:39
Ruth Wendt
Aber dieser Familienfokus, den finde ich schon nach wie vor auch extrem wichtig.
00:03:43
Ruth Wendt
Man versucht den auch jetzt in die Forschung immer wieder mit einfließen zu lassen.
00:03:47
Ruth Wendt
Fragen der Mediensozialisation, der Medienerziehung, welche Rolle Eltern spielen.
00:03:52
Ruth Wendt
Also jetzt nicht nur erzieherisch, sondern vor allem auch als Vorbild, Eltern-Kinder-Interaktionen.
00:03:57
Ruth Wendt
Also das sind immer so die Sachen, die ich aus dem Studium mitgenommen habe, auch wenn sie vielleicht ursprünglich nicht auf digitale Medien ausgerichtet waren, aber die jetzt sozusagen extrem wichtig sind und auch immer noch jetzt zumindest in der Kommunikationswissenschaft gar keine so große Rolle spielen.
00:04:12
Ruth Wendt
Also deswegen glaube ich auch noch da viel Handlungsmöglichkeiten vorhanden sind.
00:04:18
Tobia Martinez
Und du forschst ja nicht nur, sondern bist ja auch häufig als Expertin in Öffentlichkeit, Politik und Praxis auch gefragt.
00:04:25
Tobia Martinez
Jetzt nicht jeder Professor der LMU würde in diese Richtung auch schreiten.
00:04:29
Tobia Martinez
Was motiviert dich persönlich, dich auch immer wieder öffentlich zu zeigen, sei es in Interviews oder so wie hier heute, statt nur wirklich zu forschen?
00:04:39
Ruth Wendt
Es gibt sicher Themen, die sind mehr oder weniger praxisrelevant, sagen wir es mal so, das ist vollkommen klar.
00:04:46
Ruth Wendt
Unser Thema ist natürlich extrem praxisrelevant.
00:04:48
Ruth Wendt
Ich habe selber drei kleine Kinder und da stellen sich oft natürlich Fragen.
00:04:52
Ruth Wendt
Also es geht langsam los mit Medienerziehung, eben genau solche Aspekte.
Herausforderungen der Mediennutzung in Familien
00:04:56
Ruth Wendt
Ab wann bekommt man eventuell ein Smartphone?
00:04:59
Ruth Wendt
Welche Medienangebote darf man selbstständig nutzen?
00:05:02
Ruth Wendt
Wie lange ist die Nutzungszeit?
00:05:04
Ruth Wendt
Und das ist manchmal schon ein bisschen frustrierend, weil gerade so Nutzungszeit ist auch immer so ein schwieriges Thema, was die Eltern wollen natürlich wissen, wie lange soll das Kind am Tag nutzen, was ist gut, was ist schlecht.
00:05:14
Ruth Wendt
Aber da gibt es natürlich gar keine einfache Antwort drauf beispielsweise, weil es kommt halt einfach super stark darauf an, was wird denn genutzt?
00:05:21
Ruth Wendt
Und das macht natürlich einen großen Unterschied, welche Inhalte sozusagen, welche Formen.
00:05:25
Ruth Wendt
Und deswegen, man sieht manchmal, es ist gar nicht so leicht, eben die Forschungserkenntnisse in Praxis zu übertragen,
00:05:31
Ruth Wendt
Aber gerade bei dem Themenfeld, an dem wir arbeiten, ist es natürlich extrem relevant.
00:05:35
Ruth Wendt
Es gibt viele Gruppen, für die das sehr wichtig ist.
00:05:39
Ruth Wendt
Nicht nur die Eltern, auch Lehrkräfte, natürlich auch die Kinder und Jugendlichen selbst.
00:05:43
Ruth Wendt
Gerade wenn man die aktuellen Diskussionen mit Social Media Verboten denkt, das ist natürlich auch etwas, was die Jugendlichen stark beschäftigt.
00:05:49
Ruth Wendt
Deswegen, wir haben, man sieht auch unsere Forschung hat extrem hohe Praxisrelevanz.
00:05:55
Ruth Wendt
Und deswegen ist es wichtig, auch neue Erkenntnisse dann eben auch an die richtigen Player zu machen.
00:05:59
Ruth Wendt
auszuspielen sozusagen.
00:06:01
Ruth Wendt
Da kann man sich sicher auch immer hinterfragen und verbessern.
00:06:04
Ruth Wendt
Wissenschaftskommunikation ist ja ein ganz großer Bereich momentan, auch bei uns natürlich.
00:06:09
Ruth Wendt
Und ja, da muss man natürlich auch ständig an sich arbeiten.
00:06:12
Ruth Wendt
Also als Experte auftreten ist eine Sache, aber wie kann man eben Erkenntnisse auch gut sozusagen in verschiedenen Zielgruppen auch kommunizieren?
00:06:19
Ruth Wendt
Da müssen wir auch selber immer wieder an uns arbeiten.
00:06:24
Tobia Martinez
Spürst du da oft die Spannung zwischen den Studiendaten, die du selber erhebst und bei denen du hilfst, sie zu ergattern und dem, was die Medien oft wollen, Social Media Schlagzeilen, wie du sagst, so und so viele Minuten darf man oder Social Media macht süchtig, Punkt.
00:06:40
Ruth Wendt
Ja, es ist schwierig.
00:06:40
Tobia Martinez
Wie gehst du da mit dieser Spannung um?
00:06:43
Ruth Wendt
Also ich glaube, das ist sehr unbefriedigend auch in der Kommunikation nach außen, weil halt viele Befunde, die wir haben, zeigen halt, dass es halt überhaupt nicht einfach ist, dass alles halt extrem komplex ist, wie immer in den Sozialwissenschaften.
00:06:56
Ruth Wendt
Es spielen halt extrem viele Variablen eine Rolle sozusagen.
00:07:00
Ruth Wendt
Und wenn man jetzt an Medieneffekte denkt, es sind auch so viele Voraussetzungen oder Kontextfaktoren wichtig, familiär zum Beispiel, die
00:07:10
Ruth Wendt
Und dann ist es natürlich ganz schwer zu sagen, irgendwie Smartphones oder Social Media macht süchtig, weil es macht vielleicht süchtig für bestimmte Jugendliche, die in bestimmten Lebensphasen sind, aber für andere, die nicht in den Lebensphasen sind oder höhere Resilienz auch haben.
00:07:25
Ruth Wendt
macht es halt vielleicht nicht süchtig.
00:07:27
Ruth Wendt
Und deswegen ist natürlich auch immer so einheitliche Verbotsdiskussionen sind halt auch schwierig, weil man natürlich anderen auch viel wegnimmt, auch an positiven Effekten.
00:07:35
Ruth Wendt
Und da sieht man natürlich, was will man jetzt in einer einfachen Antwort geben?
00:07:38
Ruth Wendt
Also das ist auch was, was natürlich schwer zu verkaufen ist.
00:07:42
Ruth Wendt
Und auch da muss man an uns arbeiten, dass man halt auch bessere Statements auch setzen kann.
00:07:46
Ruth Wendt
Aber es ist halt häufig nicht so leicht sozusagen oder nicht so einfach zu beantworten, weil es halt an vielen Faktoren hängt.
00:07:54
Tobia Martinez
Ja, wenn wir schon mal über die Lebensrealitäten sprechen, können wir gleich rein überleiten zu den Themen.
Mediennutzung bei 10- bis 14-Jährigen
00:08:00
Tobia Martinez
Fast alle Jugendlichen, wie wir alle wissen, sind täglich online und beim Spielen oder Chatten, wo auch immer.
00:08:06
Tobia Martinez
Genau das zeigt ja auch deine Forschung.
00:08:08
Tobia Martinez
Wenn wir mal deren Alltag anschauen, in denen
00:08:11
Tobia Martinez
In einer deiner Arbeiten zu problematischer Computerspielnutzung vor allem, zeigst du mit Kolleginnen, dass Gaming ja längst komplett normal ist, wie viele von uns jetzt sowieso wissen.
00:08:23
Tobia Martinez
Wie sieht der typische Medienalltag eines 10- bis 14-Jährigen aus?
00:08:27
Tobia Martinez
Geräte, Apps, Zeiten, so verglichen mit deinen Studien, dass wir erstmal so eine Baseline gesetzt haben.
00:08:33
Ruth Wendt
Ja, ich meine, in Deutschland haben wir den Luxus, dass wir die KIM- und KIM-Studien haben, die uns das ja recht gut erheben, weil wir haben jetzt nicht ständig Repräsentativdaten, aber unsere Daten decken sich auch natürlich häufig mit dem Befunden.
00:08:47
Ruth Wendt
Und natürlich, also es gibt immer Kinder oder Jugendliche, die noch keinen Zugang und kein eigenes Smartphone haben.
00:08:53
Ruth Wendt
Ich glaube, das muss man schon auch immer wieder sagen.
00:08:55
Ruth Wendt
Also das sehen wir auch an den Zahlen,
00:08:58
Ruth Wendt
Viele haben ein eigenes Smartphone ab einem bestimmten Alter, aber nicht alle.
00:09:02
Ruth Wendt
Das merken wir immer auch wieder in Studien, wenn wir Jugendliche zu Sachen fragen, wo es dann heißt, aber ich habe überhaupt kein Smartphone und keinen Social Media Zugang, dann denken wir uns, okay, die Person können wir jetzt ja zu Inhalten gar nicht fragen.
00:09:14
Ruth Wendt
Aber klar, ein Großteil der Jugendlichen oder Kinder in dem Alter,
00:09:19
Ruth Wendt
nähern sich Medien an, haben dann Erfahrungen mit dem ersten Smartphone oder Smartwatches.
00:09:24
Ruth Wendt
Das ist was, was ich jetzt von meinem Sohn gelernt habe, dass das selbst in der zweiten Klasse schon eine Relevanz hat und auch immer mehr Kinder damit auch zur Schule kommen, was natürlich auch Neid erzeugt bei den Kindern, die es nicht haben, sagen wir es mal so.
00:09:41
Ruth Wendt
Von den Inhalten, glaube ich, muss man auch stark nochmal unterscheiden, einfach zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen.
00:09:46
Ruth Wendt
Natürlich gibt es Sachen, die von allen gleich intensiv genutzt werden, beispielsweise WhatsApp, was das sicher auch eine der ersten Plattformen ist, auf die viele dann Zugriff haben, die viele auch im familiären oder Freundeskontext nutzen.
00:09:58
Ruth Wendt
Aber ich sage jetzt mal, wir wissen einfach schon sehr stark, dass die Nutzung bestimmter sozialen Medien sich stark unterscheidet zwischen weiblich-männlichen Jugendlichen.
00:10:06
Ruth Wendt
Bei den weiblichen sind es natürlich eher die klassischen sozialen Medien wie Instagram-
00:10:10
Ruth Wendt
Während bei den männlichen, jugendlichen Twitch-Discord natürlich eine große Rolle spielen.
00:10:15
Ruth Wendt
Das heißt, da ist halt einfach, das Gaming nimmt einen wichtigen Bestandteil im Alltag ein.
00:10:20
Ruth Wendt
Nicht nur das Selberspielen, sondern was vielleicht für Eltern immer irgendwie so nicht nachvollziehbar ist, aber das Anschauen von anderen Personen, die spielen Let's-Play-Videos, spielen da eine große Rolle.
00:10:31
Ruth Wendt
Und natürlich, das darf man auch vielleicht nicht vergessen, in dem Alter nimmt auch der Einsatz von digitalen Medien auch im schulischen Kontext zu.
00:10:39
Ruth Wendt
Nicht unbedingt immer in der Schule, aber sagen wir mal so im Bereich Hausaufgaben natürlich, also Recherche.
00:10:47
Ruth Wendt
Was wir auch wissen, 14 ist vielleicht noch ein Tick jung, wobei das da auch natürlich beginnt, ist der Einsatz von KI gerade am Nachmittag.
00:10:54
Ruth Wendt
Nicht innerhalb der Schule, teils, teils, aber vor allem außerhalb der Schule, der immer eine wichtigere Rolle jetzt auch für Kinder in diesem Altersbereich schon spielt.
00:11:03
Tobia Martinez
Du sagst das ja schon, eigentlich läuft alles über ein Gerät.
00:11:07
Tobia Martinez
Die Schule, die Freunde, Entspannung, vor allem auch Belohnung.
00:11:12
Tobia Martinez
Was verändert das für Kinder, dass die ganze Lebensrealität an einem Gerät hängt?
00:11:19
Ruth Wendt
Ja, also natürlich ist dann sowas wie Smartphone-Verbot halt ein extrem starker Eingriff, weil halt eben so viele Aspekte auch dran hängen.
00:11:29
Ruth Wendt
Kann man natürlich jetzt gerade im Schulkontext kritisch darüber diskutieren.
00:11:34
Ruth Wendt
Natürlich kann man sagen, dass sie im Unterricht direkt haben natürlich Smartphones, wenn sie nicht Teil des Unterrichts sind, nichts zu suchen.
00:11:40
Ruth Wendt
Auch am Pausenhof ist es sicher so, dass halt viele Konflikte auch entstehen können, wenn das Smartphone genutzt werden kann.
00:11:46
Ruth Wendt
Das ist ja momentan einfach auch
00:11:49
Ruth Wendt
Ländersache oder auch Schulsache sozusagen wieder entschieden wird.
00:11:53
Ruth Wendt
Aber diese ganzen Verbote greifen halt dann sehr stark in das Leben und den Alltag von den Jugendlichen ein.
00:11:58
Ruth Wendt
Das ist, glaube ich, so eine Konsequenz daraus.
00:12:01
Ruth Wendt
Das heißt natürlich, die Eltern haben da auch ein mächtiges Tool an der Hand, um Sanktionen zu verteilen, weil
00:12:06
Ruth Wendt
das Smartphone wegzunehmen, ist sozusagen wichtig.
00:12:10
Ruth Wendt
Was wir immer feststellen, gerade ältere Jugendliche sind aber sehr reflektiert.
00:12:15
Ruth Wendt
Also muss man sagen, wir haben natürlich häufig Jugendliche,
00:12:19
Ruth Wendt
die selektiv eher an Studien teilnehmen wollen, die vielleicht jetzt nicht alle Bildungsschichten abdecken immer, also in unseren Studien natürlich auch.
00:12:27
Ruth Wendt
Aber wir haben sehr reflektierte Jugendliche, die uns häufig berichten, dass sie selber ihre eigene Smartphone-Nutzung sehr kritisch auch reflektieren, dass sie selber auch mal eben Smartphone bewusst beiseite legen, dass sie sich Regeln auferlegen, wenn sie sich treffen in der Freundesgruppe, dass die Smartphones beispielsweise weggelegt werden, bewusst oder eingesammelt werden.
00:12:46
Ruth Wendt
Und dass ja auch so Detox oder
00:12:49
Ruth Wendt
Joy of Missing Out, solche Konstrukte einfach eine Rolle spielen sozusagen, dass man eben bewusst das auch macht.
00:12:55
Ruth Wendt
Und auch wenn man das nicht macht, reflektieren Jugendliche schon, wir haben das am Beispiel von einem Algorithmusprojekt gesehen, dass die Jugendlichen durchaus reflektieren, dass Algorithmen beispielsweise hilfreich sind, dass ihnen ihre interessante Inhalte angezeigt werden, Sachen, die sie interessieren, aber dass natürlich auch dadurch die Problematik entsteht, dass sie länger eigentlich dabei bleiben, als sie eigentlich gerne möchten.
00:13:19
Ruth Wendt
Und das wird aber schon
Psychologie und Medienkonsum
00:13:21
Ruth Wendt
Also ich meine, natürlich kann man dann sagen, sie wissen dann vielleicht nicht, wie sie da rauskommen, aber zumindest das Bewusstsein ist bei vielen schon da.
00:13:28
Ruth Wendt
Also ich glaube, das ist so, das liegt jetzt natürlich, also Sie haben ja gefragt, was das Smartphone sozusagen, wenn alles über ein Gerät läuft, bedeutet.
00:13:35
Ruth Wendt
Aber das sind lauter Sachen, die damit zusammenhängen.
00:13:38
Ruth Wendt
Es ist einfach extrem wichtig, aber ich glaube, das ist auch für jeden Erwachsenen so.
00:13:41
Ruth Wendt
Jeder kennt wahrscheinlich diese Situation, man geht aus dem Haus raus und greift erstmal in die Tasche, ob das Handy dabei ist.
00:13:46
Ruth Wendt
Oder kann auf einmal beim Wecker nicht mehr zahlen, was mir selber oft so geht, wenn ich mein Handy nicht dabei habe und hat da so Sachen.
00:13:52
Ruth Wendt
Also ich meine, die Relevanz, ich glaube, man muss da auch manchmal als Erwachsener, es ist häufig so, ah, die Jugendlichen, die Jugendlichen, wie machen die das?
00:13:58
Ruth Wendt
Aber wenn man eben diese Vorbildfunktion, die man auch selber hat, reflektiert und ich glaube, das kann man schon gut selber verstehen, wie wichtig das Smartphone für einen persönlich auch ist und was alles dranhängt.
00:14:08
Ruth Wendt
Und so ist das für die Jugendlichen natürlich genauso.
00:14:12
Tobia Martinez
Sehr interessanter Punkt bezüglich des Niveaus der Reflexion, das eigentlich da existiert bei den älteren Jugendlichen, aber auch sogar bei jüngeren Jugendlichen.
00:14:23
Tobia Martinez
Unsere letzte Folge im Podcast war mit einem Sozialarbeiter aus München, Mel David Testegen, der auch sehr darauf gepocht hat, wie die Jugendlichen eigentlich sehr wohl wissen, was sie da tun.
00:14:34
Tobia Martinez
Auch wenn sie in einer Endlosschleife manchmal gefangen sind.
00:14:39
Tobia Martinez
Jetzt, wenn die Jugendlichen sich selber oft in eine Art Schleife begeben, ist möglicherweise eine sehr eindeutige Frage, aber wieso begeben sie sich?
00:14:54
Tobia Martinez
Was für präliminäre Zustände müssen existieren, damit sie sich in diese Schleife begeben und nicht mehr herauskommen?
00:15:00
Tobia Martinez
Wenn sie es ja so wohl wissen, dass ja eigentlich würde ich gerne auf das X klicken, aber ich kann nicht.
00:15:08
Ruth Wendt
Ja, also ich meine, das sind so zwei Fragen.
00:15:11
Ruth Wendt
Also ich glaube schon, ein wichtiger Punkt, muss man schon sehen, ist natürlich, sind die algorithmisierten Umgebungen, in denen sie sich bewegen.
00:15:18
Ruth Wendt
Also auch das kennt man ja als Erwachsener, wenn man anfängt, was anzuschauen, dann wird einem der nächste Artikel vorgeschlagen, dann der nächste, dann der nächste.
00:15:25
Ruth Wendt
kann ja auch jetzt positiv betrachtet dazu führen, dass ich auf einmal mich in ein Nachrichtenthema, was ja immer sozial sehr erwünscht ist, ganz stark einlese und verschiedene Perspektiven mir angeschaut habe.
00:15:34
Ruth Wendt
Also ist ja auch nicht immer nur schlecht, aber durch diese algorithmisierten Umgebungen ist es natürlich schon so, dass alles wird auf meine Interessen zugeschnitten.
00:15:44
Ruth Wendt
Es gibt ja auch wenig, also Medienangebote unterscheiden sich, sind ja komplett auf mich zugeschnitten inzwischen.
00:15:50
Ruth Wendt
Das hat auch Vorteile, ist auch schön, aber es erhöht die Gefahr, dass man einfach die Zeit so ein bisschen aus den Augen verliert und einfach auch von Thema zu Thema springt.
00:16:00
Ruth Wendt
Wie gesagt, aber nicht so eindeutig, dass ich nur noch oberflächlich alles tangiere, notwendigerweise, aber ich verliere mich halt so ein bisschen in dem Ganzen.
00:16:07
Ruth Wendt
Und da wieder rauszukommen, ist halt nicht so leicht, weil es ist ja auch häufig den Interessen geleitet, trifft mein Unterhaltungsbedürfnis und so weiter und so fort.
00:16:17
Ruth Wendt
Das ist ein Punkt.
00:16:17
Ruth Wendt
Und das andere, was Sie ja gefragt haben, ist so ein bisschen die Kriterien für diejenigen, die sich da eher, die da reingelangen und vielleicht auch nicht mehr rauskommen.
00:16:25
Ruth Wendt
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, würde ich sagen, weil wir schauen uns ja häufig Medieneffekte an und sagen, Medien wirken so und so und machen das und das.
00:16:33
Ruth Wendt
Aber es ist halt immer wichtig auch zu schauen, Selektionseffekte, wer wendet sich denn wie in welchen Medien zu?
00:16:39
Ruth Wendt
Und da gibt es natürlich ganz verschiedene Kriterien.
00:16:41
Ruth Wendt
Das können persönlichkeitsbezogene Kriterien sein.
00:16:44
Ruth Wendt
Und bei Jugendlichen ist das natürlich sowas wie Entwicklungsstatus auch.
00:16:47
Ruth Wendt
Also ich habe ja viele Unsicherheiten in meiner Identitätsentwicklung und ich finde halt zum Beispiel sehr viele Informationen, die relevant sind, sehr viele Rollen, Vorbilder online in verschiedenen Bereichen.
00:17:00
Ruth Wendt
Und das ist zum Beispiel was, was ja ein großer Vorteil vom Smartphone, sozialen
Identitätsfindung und Risiken in sozialen Medien
00:17:05
Ruth Wendt
ist, wenn man jetzt mal an Jugendliche denkt, die eben nicht komplett aussehen,
00:17:11
Ruth Wendt
sagen wir mal, die andere sexuelle Orientierungen haben oder diverse Jugendlichen, die einfach in ihrem Alltag, in ihrer Umgebung überhaupt keine
00:17:19
Ruth Wendt
keinen Anklang, keine Informationen, keine sozialen Beziehungen finden sozusagen und online auf einmal die Möglichkeit haben, außerhalb ihrer geografischen Grenzen Informationen zu bekommen, Anerkennung, Gleichgesinnte zu finden, auch Beziehungen zu finden oder Freundschaften.
00:17:35
Ruth Wendt
Das sind ja zum Beispiel so Aspekte, dass die Mediennutzung von Jugendlichen, die beispielsweise jetzt diversen Jugendlichen oder Jugendlichen
00:17:45
Ruth Wendt
Jugendliche mit anderer sexueller Orientierung häufig intensiver aus sozialen Medien nutzen, aus den genannten Gründen.
00:17:50
Ruth Wendt
Also das ist zum Beispiel so eine Möglichkeit.
00:17:53
Ruth Wendt
Dann sind Jugendliche natürlich, wie gesagt, generell oft verunsichert, suchen nach Orientierung, nach Rollenvorbildern oder auch nach Gleichgesinnten,
00:18:01
Ruth Wendt
Es besteht die Möglichkeit natürlich, dass ich Kontakte aufnehme, die ich sonst nicht aufnehmen kann.
00:18:08
Ruth Wendt
Ich kann ständig mit meinen Freunden rumlungern, mit denen spielen gemeinsam lauter solche Aspekte.
00:18:12
Ruth Wendt
Also entwicklungsbezogen, soziale Gründe, persönlichkeitsbezogene Gründe.
00:18:17
Ruth Wendt
Und dann muss man aber natürlich auch, und darauf zielt Ihre Frage wahrscheinlich auch ein Stück weit ab, man muss auch sehen, es gibt bestimmte Risikofaktoren mit Sicherheit.
00:18:25
Ruth Wendt
Und wir haben gerade ein ganz großes Forschungsprojekt, wo wir uns anschauen, wie die Darstellung von psychischen Erkrankungen in sozialen Medien, welche Auswirkungen die auf Jugendliche haben oder wie die auch wahrgenommen werden.
00:18:37
Ruth Wendt
Und da ist schon eine Vermutung natürlich, wenn es mir, also auch wieder positiv-negativ muss man auch sagen, weil wenn es mir zum Beispiel psychisch extrem schlecht geht,
00:18:45
Ruth Wendt
Dann kann ich mir einerseits Informationen suchen und auch Hilfe suchen.
00:18:50
Ruth Wendt
Andererseits ist es natürlich so, dass ich, wenn ich dann einmal Inhalte konsumiere in die Richtung, der Algorithmus mir immer mehr Inhalte anzeigt und dann komme ich vielleicht auch gedanklich da nicht mehr raus, wie so eine Spirale, die Sie auch beschreiben.
00:19:03
Ruth Wendt
Oder ich überschätze mein eigenes Krankheitsbild, das ist ja auch so ein bisschen die Diskussion aktuell, ob sozusagen eine Überschätzung auch stattfindet.
00:19:10
Ruth Wendt
Also Sie kennen die Videos, drei Symptome und du hast Depressionen.
00:19:15
Ruth Wendt
Genau, abhängig natürlich auch von wem solche Videos kommen.
00:19:18
Ruth Wendt
Aber diesen Kreislauf, den gibt es natürlich auch.
00:19:20
Ruth Wendt
Also so mir geht es schlecht, ich konsumiere Inhalte, nach denen mir es eventuell noch schlechter geht und dann geht es mir auch noch schlechter und das ist natürlich auch ein Kreislauf.
00:19:28
Ruth Wendt
Also auch die Voraussetzungen, zum Beispiel eben psychische Gesundheit, ist relevant.
00:19:35
Ruth Wendt
Bei der ganzen Suchtforschung
00:19:38
Ruth Wendt
es ist, also haben wir auch schon besprochen, es gibt sicher Persönlichkeitseigenschaften, die dafür auch prädestinieren, dass ich halt stärker mich verliere in bestimmten Spielen.
00:19:47
Ruth Wendt
Es gibt Medienangebote, in denen ich mich stärker verliere.
00:19:51
Ruth Wendt
Aber, und das ist mir, glaube ich, immer wichtig, es gibt sicher auch Lebensphasen, in denen ich mich stärker verliere.
00:19:57
Ruth Wendt
Das ist, glaube ich, ein Punkt, der bisher in der Forschung noch immer nicht so ganz stark irgendwie untersucht wird.
00:20:02
Ruth Wendt
Aber, dass ich jetzt, wenn ich jetzt Schüler bin und ab 13 Uhr erstmal frei habe,
00:20:08
Ruth Wendt
und vielleicht auch keine elterliche Regulation habe, dass ich dann vielleicht daheim erst mal fünf Stunden spiele, ist natürlich für jemanden, der in der Ausbildung ist und um 17 Uhr heimkommt, ist das gar nicht möglich unbedingt.
00:20:19
Ruth Wendt
Also ich glaube, man muss schon auch immer sehen, in welcher Lebensphase befindet man sich.
00:20:22
Ruth Wendt
Das macht es vielleicht jetzt nicht unbedingt besser, aber das macht auf jeden Fall einen Unterschied.
00:20:26
Ruth Wendt
Oder habe ich eine Freundin, mit der ich Zeit verbringe als männlicher Jugendlicher, dann spiele ich eventuell schlagartig weniger,
00:20:33
Ruth Wendt
trenne ich mich, spiele ich am nächsten Tag den ganzen Tag durch.
00:20:36
Ruth Wendt
Also man muss schon ein bisschen auch diese ganzen situativen Aspekte berücksichtigen.
00:20:40
Ruth Wendt
Und in der Forschung ist man da jetzt inzwischen auch dazu gekommen, dass man viel stärker noch den Fokus auf situative Mediennutzung legt.
00:20:48
Ruth Wendt
Also auch so die Frage, wann nutze ich Medien?
00:20:50
Ruth Wendt
Und ich muss mir, also ich muss gerade ein Paper reviewen, dass sich das genau genau anschaut.
00:20:55
Ruth Wendt
In welchen Situationen spiele ich denn sozusagen an Jugendlichen?
00:20:59
Ruth Wendt
Und die erheben das auch über den Tag verteilt, also sozusagen Fragen dreimal am Tag.
00:21:03
Ruth Wendt
Hast du jetzt gespielt in der letzten Stunde?
00:21:05
Ruth Wendt
Wie war das für dich?
00:21:06
Ruth Wendt
Warum hast du gespielt?
00:21:07
Ruth Wendt
Solche Aspekte.
00:21:08
Ruth Wendt
Und das ist natürlich dann interessanter, als immer retrospektiv zu fragen, ob man süchtig ist sozusagen.
Forschungsschwierigkeiten und soziale Vergleiche
00:21:14
Ruth Wendt
Also solche, da gibt es, glaube ich, schon noch einige Forschungslücken, selbst in einem stark erforschten Feld, wie jetzt Computerspielsucht zum Beispiel.
00:21:23
Tobia Martinez
Gab es irgendwelche Erkenntnisse aus diesem Paper, das du gerade reviewst?
00:21:26
Ruth Wendt
Ich bin noch nicht durch, aber ich würde jetzt mal stark behaupten, natürlich ist es so, das ist das, was ich gerade meinte, also was ich jetzt skizziert habe, sind eher so größere Situationen wie Trennung.
00:21:38
Ruth Wendt
Das ist natürlich nicht tagesformabhängig.
00:21:40
Ruth Wendt
Aber dasselbe kann natürlich auch nochmal von der Woche beeinflusst sein.
00:21:44
Ruth Wendt
Also ich denke jetzt an meine eigenen Kinder, die würden auch am liebsten zwei Stunden Fernsehen schauen, wenn sie von der Schule heimkommen.
00:21:49
Ruth Wendt
Aber wenn halt irgendeine Sportaktivität geplant ist, was wir auch ab und zu haben, dann ist das halt nicht so.
00:21:54
Ruth Wendt
Und wenn sie halt daheim sitzen und ihnen langweilig ist, dann wollen, also man sieht ja auch, was ist das Alternativprogramm natürlich auch ein Stück weit, das man hat.
00:22:01
Ruth Wendt
Deswegen ist es, glaube ich, situativ schon wichtig auch zu sehen.
00:22:04
Ruth Wendt
Und dann kann man auch besser untersuchen, ob in der Spielsituation, ob es zum Beispiel dann negative Gefühle gibt, negative Emotionen oder positive Emotionen,
00:22:13
Ruth Wendt
Man kann das natürlich viel besser nochmal sich anschauen, wenn man direkt fragt und nicht im Nachhinein, wenn du spielst, hast du dich schlecht gefühlt, weil das ist ja alles, liegt ja weit zurück sozusagen.
00:22:21
Ruth Wendt
Und ich glaube, das ist auch nochmal ein ganz wichtiger Punkt, wenn es um Emotionen geht, die ja generell noch weniger stark erforscht in vielen Bereichen sind, dass man das Situative halt viel besser auch nutzen kann, um zu schauen, was passiert denn jetzt gerade.
00:22:34
Ruth Wendt
Und das gilt für verschiedene Forschungsbereiche, aber sicher auch für Sucht.
00:22:39
Tobia Martinez
Du hast ja schon angesprochen, ein bisschen so dieser mentale Zusammenhang zwischen depressiven Tendenzen und Mediennutzung, der fast schon natürlich da existiert.
00:22:48
Tobia Martinez
Du hast eben auch von Menschen gesprochen mit anderer, also sexueller Orientierung und da kommt natürlich sofort der Gedanke in den Kopf, ja, ist das möglicherweise so eine Huhn-Ei-Geschichte?
00:23:07
Tobia Martinez
Was kommt zuerst?
00:23:08
Tobia Martinez
Die soziale Entfremdung, die einen in diese Internetwelten lockt?
00:23:13
Tobia Martinez
Oder die Internetwelten, die dann diese soziale Entfremdung oder depressiven Tendenzen kreiert?
00:23:18
Tobia Martinez
Vermutlich eine wechselseitige Beziehung.
00:23:21
Tobia Martinez
Aber gibt es da Forschungen, die einen höheren Wert der einen Richtung angeben als der anderen?
00:23:27
Tobia Martinez
Oder wie existiert das in Beziehung zueinander?
00:23:29
Ruth Wendt
Ja, es gibt in vielen Bereichen halt noch nicht so super viele Längschnittstudien.
00:23:34
Ruth Wendt
Für Cybermobbing weiß ich, gibt es das zum Teil.
00:23:37
Ruth Wendt
Also so diese Frage, diejenigen mit internalisierenden Problemen zum Beispiel, werden eher Opfer von Cybermobbing und dann sind sie Opfer von Cybermobbing und dann werden die Probleme verstärkt.
00:23:46
Ruth Wendt
Also sowas findet man schon, dass es wirklich diese wechselseitigen Effekte gibt, diese Spiralen.
00:23:52
Ruth Wendt
Sagen wir es mal so, bei Depressionen, also ich habe gerade wieder eine aktuelle Studie gesehen, die wirklich sehr, sehr, sehr viele Schülerinnen in Österreich auch befragt und dann sich so ganz grob auch anschaut, wie inwiefern Smartphone-Nutzung und soziale Mediennutzung mit Depressionen zusammenhängt.
00:24:10
Ruth Wendt
Und wie auch andere Studien, findet man schon immer so einen leichten Zusammenhang zwischen Depressionen,
00:24:15
Ruth Wendt
Sagen wir mal Smartphone-Nutzung, wobei da natürlich sich die Frage stellt, was macht man auf dem Smartphone?
00:24:20
Ruth Wendt
Also sagen wir mal vielleicht lieber soziale Mediennutzung und depressiven Symptomen bei Jugendlichen.
00:24:26
Ruth Wendt
Aber was da auch sich zeigt, ist, dass man sich schon immer die Gruppen genauer anschauen muss, weil beispielsweise in dem Fall haben die gezeigt, dass das für Mädchen viel stärker ist als für Jungs.
00:24:36
Ruth Wendt
und auch für die diversen Jugendlichen viel stärker ist als für alle anderen Jugendlichen.
00:24:41
Ruth Wendt
Also ich glaube, das ist wichtig und da sind wir ja an dem Punkt.
00:24:43
Ruth Wendt
Also es kommt schon immer darauf an.
00:24:45
Ruth Wendt
Jetzt die Frage, wahrscheinlich ist es immer so eine wechselseitige Richtung.
00:24:50
Ruth Wendt
Also was wir auf jeden Fall wissen aus der Forschung ist, dass gerade diverse Jugendliche oder Jugendliche mit anderer sexueller Orientierung, die
00:24:59
Ruth Wendt
die profitieren einerseits von den sozialen Medien aus den genannten Gründen, aber die haben auch ein super hohes Viktimisierungsrisiko, also auch sexuelle Viktimisierung, Cybermobbing und auch häufig auch negativere Auswirkungen.
00:25:13
Ruth Wendt
Also man sieht, es gibt Gruppen,
00:25:15
Ruth Wendt
die sind da extrem belastet, auch online, obwohl sie auch davon profitieren, die vielleicht dann aber auch stärkerer Intervention, Prävention bedürfen sozusagen.
00:25:22
Ruth Wendt
Bei den Mädchen muss man vielleicht dann auch da, das haben die nicht untersucht, also das ist jetzt auch natürlich so ein bisschen Spekulation, aber da muss man natürlich auch nach den Ursachen so ein bisschen schauen und dann könnte man jetzt zum Beispiel ja soziale Vergleichsprozesse anführen, weil natürlich die sozialen Medien die Mädchen nutzen,
00:25:39
Ruth Wendt
stärker auf visuelle Aspekte aussehen, wie jetzt die Jungs, die auch andere soziale Medien nutzen, aber halt vielleicht stärker dann doch Twitch und Discord und Gaming-bezogene Plattformen.
00:25:50
Ruth Wendt
Wobei auch bei sozialen Vergleichsprozessen ist es so, dass die Forschung da auch sehr differenziert argumentiert, wo wir wieder beim Punkt des Anfangs sind, weil es gibt ja verschiedene soziale Vergleiche.
00:26:01
Ruth Wendt
Es gibt ja auch immer aufwärts- und abwärtsvergleiche.
00:26:04
Ruth Wendt
nähere ich mich der Person an oder entfremde ich mich von der Person?
00:26:09
Ruth Wendt
Das sind lauter wichtige Punkte.
00:26:10
Ruth Wendt
Und es gibt auch momentan Studien, die eben zeigen, dass vor allem neuere Studien
00:26:16
Ruth Wendt
sagen, dass es in sozialen Medien eben nicht nur so schlechten, missgünstigendem Neid gibt, aus sozialen Vergleichen resultieren, sondern eben auch viel Inspiration.
Demografische Einflüsse auf Medienwirkungen
00:26:26
Ruth Wendt
Ich will so sein wie die Person, das motiviert mich, das treibt mich an, dass es eben nicht immer nur diese negative Seite gibt, auch bei sozialen Vergleichen.
00:26:35
Ruth Wendt
Also auch da sieht man mal wieder, es ist halt sehr stark davon abhängig,
00:26:38
Ruth Wendt
mit wem vergleiche ich mich, in welchem Kontext, auch mit Persönlichkeitseigenschaften, mit Sicherheit und dann kann es auch positiv sein, aber kann halt, wie gesagt, natürlich für bestimmte Gruppen vielleicht auch eher negativ sein, wenn man sich die im Großen und Ganzen in so einer ganz breiten Analyse anschaut.
00:26:56
Ruth Wendt
Darum ist es halt natürlich auch wichtig, dann immer noch auf unteren Gruppen Analysen durchzuführen, weil man sieht, dass es dort einfach noch viele Unterschiede gibt.
00:27:05
Tobia Martinez
Sind die relevantesten Gruppierungen nur das Geschlecht und die sexuelle Orientierung oder haben wir auch verschiedene sozioökonomische Milieus, die da einen großen Unterschied machen?
00:27:15
Tobia Martinez
Du hast ja schon vorhin ein bisschen über die Relevanz von Bildungsschichten gesprochen am Anfang unseres Interviews.
00:27:21
Ruth Wendt
Ja, also ich meine, wir würden gerne mehr dazu sagen.
00:27:23
Tobia Martinez
Kannst du was dazu sagen?
00:27:27
Ruth Wendt
Wir haben einfach das extrem große Problem, dass wenn wir Studien durchführen auf Basis von Freiwilligkeit, dann haben wir fast nur Gymnasiasten, die zu uns kommen.
00:27:36
Ruth Wendt
Also wenn ich jetzt an so Fokusgruppen denke und wir laden ein, dann
00:27:41
Ruth Wendt
Also vielleicht liegt es auch an uns.
00:27:42
Ruth Wendt
Ich sage das auch so generell.
00:27:43
Ruth Wendt
Also es liegt mit Sicherheit an uns, sagen wir es mal so.
00:27:46
Ruth Wendt
Man muss natürlich sich hinterfragen, wo man und wie man rekrutiert, welche Kontakte man selber hat.
00:27:51
Ruth Wendt
Aber wir merken einfach, dass es halt extrem schwierig ist, dass wir Jugendliche erreichen, die beispielsweise jetzt in Mittelschulen sind in Bayern, so zum Beispiel.
00:28:01
Ruth Wendt
Also das ist einfach extrem schwierig aus verschiedensten Gründen.
00:28:04
Ruth Wendt
Ein Stück weit liegt das an uns.
00:28:07
Ruth Wendt
Was wir auch in der ganzen Marktforschung, aus der ganzen Marktforschung wissen, ist, dass selbst wenn der Anspruch auf Repräsentativität besteht,
00:28:15
Ruth Wendt
dann bezieht sich diese Repräsentativität häufig auf Alter, Geschlecht und vielleicht sowas wie Region in Deutschland.
00:28:22
Ruth Wendt
Was viele nicht abdecken, ist eben Migrationsanteil und Bildung.
00:28:26
Ruth Wendt
Und wir arbeiten momentan immer mit einem Marktforschungsinstitut zusammen, die rekrutieren uns die Mittelschüler offline, weil sie in ihrem Online-Panel keine drin haben.
00:28:36
Ruth Wendt
Und mit viel Geld und offline rekrutieren wir Mittelschüler, damit wir eben untersuchen können, welchen Einfluss hat denn jetzt die
00:28:44
Ruth Wendt
Das Bildungslevel sozusagen auf bestimmte Aspekte.
00:28:47
Ruth Wendt
Also das heißt, das ist das erste Problem.
00:28:48
Ruth Wendt
Wir haben einfach häufig gar nicht den Vergleich, den wir gern hätten, um diese Fragen überhaupt stellen zu können.
00:28:54
Ruth Wendt
Wir versuchen das jetzt eben immer über diesen Weg.
00:28:57
Ruth Wendt
Aber das ist mir nur wichtig, dass man das auch bei Repräsentativumfragen bedenkt.
00:29:01
Ruth Wendt
Also für welche Aspekte sind sie denn repräsentativ?
00:29:03
Ruth Wendt
Und die genannten sind es halt häufig nicht.
00:29:06
Ruth Wendt
Das ist auch wichtig.
00:29:07
Ruth Wendt
Und ich glaube, es ist sicher...
00:29:10
Ruth Wendt
je nach Forschungsthema relevant, auch sich das Bildungslevel anzuschauen.
00:29:14
Ruth Wendt
Wobei, was wir in unserer Algorithmenstudie, und da hatten wir eben die Mittelschüler mit drin, was wir da gesehen haben, ist, dass das nicht immer in die erwartbare Richtung geht.
00:29:14
Tobia Martinez
Vielen Dank.
00:29:23
Ruth Wendt
Also es gibt schon so Befunde, wie dass Gymnasiasten sich kritischer mit Algorithmen auseinandersetzen, differenziertere Einstellungen haben.
00:29:31
Ruth Wendt
Während zum Beispiel die Mittelschüler insgesamt eher positivere Einstellungen hatten.
00:29:35
Ruth Wendt
Aber wir haben zum Beispiel auch gesehen, dass sich beim Wissen, wir haben eine Wissensskala erhoben, kann man auch darüber streiten natürlich, aber dass wir da gar keine Unterschiede gefunden haben.
00:29:44
Ruth Wendt
Also ich glaube, es ist nicht immer in diese komplett erwartete Richtung.
00:29:48
Ruth Wendt
Häufig ist dann eher so, dass sowas wie Bewusstsein und kritische Reflexion in den höheren Bildungsschichten ein bisschen stärker ausgeprägt ist.
00:29:55
Ruth Wendt
Aber das war jetzt so ein Befund, den wir haben.
00:29:57
Ruth Wendt
Wir versuchen das weiterhin, wenn wir das Geld haben, dass wir eben auch so rekrutieren, damit wir auch ein bisschen mehr Aussagen treffen können.
00:30:04
Ruth Wendt
Aber wir haben nicht immer das Geld.
00:30:06
Ruth Wendt
Und in Fokusgruppen haben wir häufig das Problem, dass wir da die Gymnasiasten haben.
00:30:11
Ruth Wendt
Aber selbst an Schulstudien muss man vielleicht auch dazu sagen, das machen wir auch viel.
00:30:15
Ruth Wendt
Weil natürlich hat die Schule das Potenzial oder Schulstudien, dass man eben genau diese Diversität in verschiedenen Richtungen erreichen kann.
00:30:22
Ruth Wendt
Aber entweder werden wir vom Kultusministerium abgelehnt aus verschiedenen Gründen oder auch da ist es so, wenn wir rekrutieren, dass uns die Mittelschulen auch
00:30:30
Ruth Wendt
häufiger absagen, weil sie eben sagen, sie haben so viele andere Probleme, Fronten, an denen sie kämpfen, sie können nicht noch zusätzlich das durchführen.
00:30:37
Ruth Wendt
Oder wir haben so wenig Schüler, die überhaupt gut Deutsch sprechen.
00:30:40
Ruth Wendt
Das kommt natürlich auch häufig vor, dass wir das hören.
00:30:43
Ruth Wendt
Und da müssen wir uns auch hinterfragen, weil natürlich sind die Fragebögen auch häufig jetzt auch nicht immer von allen so leicht zu beantworten.
00:30:49
Ruth Wendt
Wir arbeiten daran, versuchen das zu berücksichtigen, aber das ist natürlich eine große Hürde, so einen, weiß ich nicht, 20-Minuten-Fragebogen dann auch zu beantworten sozusagen, ja.
00:30:49
Tobia Martinez
Du sagst, dass die Ebene des kritischen Bewusstseins höher bei Gymnasiasten ist.
00:31:06
Tobia Martinez
Macht das auch einen Unterschied im Alltag der Jugendlichen oder ist das einfach ein abstraktes Level von, ja, mir ist das bewusst, aber am Ende des Tages ist es einfach eine leere Zahl?
00:31:18
Ruth Wendt
Ja, das ist noch so ein bisschen schwierig, weil wir das noch nicht so viel erforscht haben.
00:31:22
Ruth Wendt
Also ich denke immer an KI zum Beispiel und gerade bei KIs ist es so, dass viele Jugendliche das stark nutzen, wobei das sieht man schon auch, dass Jugendliche von Gymnasien sozusagen häufig da, also oder das vielleicht früher genutzt haben oder auch mehr nutzen so zum Teil sozusagen.
00:31:40
Ruth Wendt
Wobei das gleicht sich ja dann oft auch schnell an, weil wenn sowas wie JET-GBT auf dem Markt ist und einfach einfach verfügbar ist und jetzt zum Beispiel nicht das Elternhaus irgendwie eine Rolle spielt, ob man Zugang hat, zum Beispiel finanziell, dann gleicht sich das auch häufig bei den Jugendlichen an und wir sehen zum Beispiel Nutzung für Schulaufgaben, da ist JET-GBT ganz oben bei den Jugendlichen inzwischen, das wissen die Lehrkräfte wahrscheinlich auch, aber das ist nicht so geplant, würde ich jetzt mal denken und da sehen wir dann die Bildungsunterschiede nicht unbedingt.
00:32:10
Ruth Wendt
Und ob die jetzt kritischer damit umgehen, das müssten wir dann eher beobachten, im Nutzungsalltag uns anschauen, also die Nutzungsdaten differenziert analysieren.
00:32:19
Ruth Wendt
Und das haben wir jetzt zum Beispiel in dem Fall nicht gemacht bisher.
00:32:24
Tobia Martinez
Jetzt, wenn wir überlegen, an was Jugendliche überhaupt können, tun können oder können müssen.
00:32:30
Tobia Martinez
Ja, der Begriff Medienkompetenz ist ja fast schon ein Buzzword mittlerweile.
00:32:34
Tobia Martinez
Und du arbeitest ja auch sehr konkret an Social Media Literacy und eben sozialer Medienkompetenz.
00:32:40
Tobia Martinez
Erstmal, was ist überhaupt Social Media Literacy im Allgemeinen und wie können wir das definieren?
00:32:46
Ruth Wendt
Ja, also was du ja gerade schon gesagt hast, ich glaube, das ist das, was uns natürlich auch immer umtreibt.
00:32:51
Ruth Wendt
Medienkompetenz wird inzwischen von jedem einfach benutzt als Allheilmittel.
00:32:56
Ruth Wendt
Also das ist ja wirklich so, wenn die Medienkompetenz gefördert wird, dann sind die Probleme alle weg.
00:33:00
Ruth Wendt
Und woran wir forschen, ist genau eben die Frage, was heißt denn mit digitalen Medienkompetenz sein?
00:33:08
Ruth Wendt
Welche Dimensionen sind relevant?
00:33:09
Ruth Wendt
Wie können wir die messen?
00:33:12
Ruth Wendt
und sinnvoll messen sozusagen, da haben wir die große Diskussion, zum Beispiel Wissensfragen, kann man die sinnvoll konzeptualisieren, sind die nicht ganz schnell überholt, wenn du jetzt an KI oder an Algorithmen denkst, lauter solche Fragen stellen wir uns und
00:33:28
Ruth Wendt
Wichtig, also es ist auf jeden Fall wichtig, es ist so ein, wie sagt man, Umbrella-Begriff sozusagen über alles Medienkompetenz.
00:33:35
Ruth Wendt
Es ist halt einfach ein Konstrukt, das verschiedene Teilbereiche umfasst.
00:33:39
Ruth Wendt
Beispielsweise Algorithmen Literacy, so ein Schlagwort, also Algorithmenkompetenz, was jetzt ganz stark erforscht wird.
00:33:46
Ruth Wendt
Also so wie sozusagen, wie bewusst ist mir, dass Algorithmen eine große Rolle spielen in sozialen Medien?
00:33:52
Ruth Wendt
Was weiß ich über die Algorithmen?
00:33:54
Ruth Wendt
Wie kritisch stehe ich denen gegenüber und wie gehe ich damit um?
00:33:56
Ruth Wendt
Das sind so klassischerweise so Komponenten von Literacy.
00:34:00
Ruth Wendt
Und Social Media Literacy ist, glaube ich, ein Punkt, der mir auch ganz wichtig ist.
00:34:04
Ruth Wendt
Also da gibt es schon ein bisschen Forschung dazu, aber immer noch nicht so viel.
00:34:08
Ruth Wendt
Aber eben in diesen ganzen Blumenstrauß an Kompetenzen, die man haben muss, sind eben soziale Aspekte, spielen eine wichtige Rolle.
00:34:15
Ruth Wendt
Wir haben es ja gerade schon angesprochen, so Online-Hate, Cybermobbing, solche Geschichten.
00:34:19
Ruth Wendt
Und das wissen wir einfach auch,
00:34:22
Ruth Wendt
dass digitale Medien dazu beitragen können, dass es Enttämmungen gibt in verschiedenen Arten und Weisen, also aufgrund von Anonymität, aber nicht nur.
00:34:30
Ruth Wendt
Es gibt da auch so soziale Identitätsprozesse, die da eine Rolle spielen.
00:34:34
Ruth Wendt
Und deswegen ist es halt schon relevant zu wissen, sowas wie soziale Medienkompetenz zu
00:34:39
Ruth Wendt
Wobei das bei uns, wir haben das sehr breit, also für uns, wir verstehen es sehr breit, einerseits sowas wie partizipativ moralisches Verhalten, also wie gehe ich mit anderen online um, an welchen moralischen Normen und Werte orientiere ich mein Online-Verhalten, allerdings aber auch sowas wie kommunikative Kompetenzen und da sind wir an dem Punkt, da versuchen wir gerade immer Anträge einzureichen und zu kriegen, weil da gibt es fast noch gar nichts, also die Frage ist,
00:35:05
Ruth Wendt
wenn ich mit anderen online schreibe, telefoniere, online kommuniziere, brauche ich da auch bestimmte Kompetenzen wie Empathie oder wie schauen die denn online aus?
00:35:14
Ruth Wendt
Unterscheiden die sich von Offline-Kompetenzen?
00:35:17
Ruth Wendt
Da gibt es ja nicht bislang gar nichts.
00:35:18
Ruth Wendt
Und wie qualitativ hochwertig ist das denn, wenn ich mit meinen Eltern zum Beispiel schreibe oder telefoniere oder sowas?
00:35:24
Ruth Wendt
Also so kleine Fragen im Prinzip, aber nachdem unser Kommunikationsverhalten inzwischen so stark
00:35:31
Ruth Wendt
über den Alltag mit digitalen Medien geprägt ist.
00:35:33
Ruth Wendt
Also aber nicht nur, weil wir schreiben ja, dann reden wir kurz, dann telefonieren wir kurz, dann schreiben wir wieder.
Entwicklung von Medienkompetenzen
00:35:38
Ruth Wendt
Und das sind so Sachen, die uns interessieren.
00:35:40
Ruth Wendt
Also welche Kompetenzen braucht es da?
00:35:42
Ruth Wendt
Wie ist die Kommunikationsqualität?
00:35:44
Ruth Wendt
Was hat das für Auswirkungen auf die Beziehungsqualität zum Beispiel?
00:35:47
Ruth Wendt
Solche Aspekte gehören auch zu sozialer Medienkompetenz.
00:35:50
Ruth Wendt
Das heißt, sehr vielschichtig.
00:35:52
Ruth Wendt
Und was wir da beispielsweise gesehen haben, ist, dass die, die zum Beispiel eine höhere Motivation haben, sich partizipativ moralisch zu verhalten, auch eher diejenigen sind, die dann Vorfälle zu Online-Hass melden.
00:36:07
Ruth Wendt
Da schaut man sich natürlich so an, werden zu Vorfälle gemeldet oder steht man sogar für das Opfer ein und spricht gegen die Täter.
00:36:13
Ruth Wendt
Und das haben wir uns mal angeschaut, wie das mit diesem Social Media Literacy zusammenhängt.
00:36:17
Ruth Wendt
Und da haben wir schon durchaus Befunde gefunden, dass diejenigen mit einer höheren Kompetenz in dem Fall auch dann eher in Richtung proaktiv für das Opfer handeln, sozusagen, wenn sie Hass online beobachten.
00:36:30
Tobia Martinez
Jetzt, wenn wir von dieser Kompetenz sprechen, ist das eine gottgegebene Eigenschaft, mit der man geboren ist?
00:36:36
Tobia Martinez
Oder wie baut man diese auf?
00:36:38
Tobia Martinez
Ist das ausschließlich etwas, das man im Elternhause vermittelt kriegen kann?
00:36:42
Tobia Martinez
Oder etwas, wie sieht das aus?
00:36:46
Ruth Wendt
Ja, jetzt weiß ich nicht, die Psychologen würden jetzt vielleicht gleich aufstehen.
00:36:49
Ruth Wendt
Also ich meine, das ist ja immer so die Diskussion, was ist jetzt so Trade und State sozusagen?
00:36:54
Ruth Wendt
Also Trade, was ist von Geburt angegeben?
00:36:56
Ruth Wendt
Also ich glaube, wenn man in diesen Sozialbereich schaut, dann gibt es sicher Sachen, die angeboren sind und die aber erlernt werden.
00:37:03
Ruth Wendt
Da kenne ich mich jetzt auch nicht ganz im Detail aus, aber es ist in unserem Verständnis sicher, was erlernt werden kann.
00:37:10
Ruth Wendt
Und da spielen alle, also haben alle einen Einfluss,
00:37:13
Ruth Wendt
Die Eltern sowieso, ich meine, die Eltern sind einfach die Personen, die die erste Mediennutzung irgendwie leiten, die erziehen und die da einfach auch eine große Vorbildfunktion auch haben, die aber natürlich auch so irgendwie die Medien ermöglichen durch finanzielle Aspekte.
00:37:29
Ruth Wendt
Also Eltern spielen eine große Rolle, ab einem gewissen Alter spielen Peers eine extrem wichtige Rolle, also Normen, Sanktionen in den Freundschaftskreisen, was passiert, wenn man sich so verhält, kann ja auch eine große Rolle spielen.
00:37:40
Ruth Wendt
aber auch Beobachtungslernen, sowas machen meine Freunde, was mache ich?
00:37:44
Ruth Wendt
Klassenkameraden, Stück weit mit Sicherheit auch.
00:37:48
Ruth Wendt
Genau, Lehrkräfte haben immer den Eindruck für die Jugendlichen, die geben immer an, die spielen eine untergeordnete Rolle, wenn es um Medienerziehung geht.
00:37:55
Ruth Wendt
Die Lehrkräfte selber sehen ihre Rolle, schätzen die immer ein bisschen höher ein.
00:37:59
Ruth Wendt
Vielleicht liegt die Wahrheit dazwischen.
00:38:01
Ruth Wendt
Ich glaube, das ist einfach nach wie vor sehr stark von der Schule und von der Lehrkraft abhängig, inwiefern digitale Medien in der Schule zum Beispiel eine Rolle spielen.
00:38:09
Ruth Wendt
Also das heißt,
00:38:10
Ruth Wendt
Es ist sicher möglich, da ganz viel zu machen.
00:38:12
Ruth Wendt
Medienkompetenz, das sind viele Kompetenzsätze sozusagen, die erlernt werden können.
00:38:19
Ruth Wendt
Und das ist genau der Punkt.
00:38:22
Ruth Wendt
Es gibt aber eben ganz viele verschiedene Kompetenzen, die notwendig sind.
00:38:25
Ruth Wendt
Oder die Wissenschaft macht es der Praxis nicht leichter, indem man immer wieder neue Begriffe erfindet oder macht, wie eben Nachrichtenkompetenz, Algorithmenkompetenz, soziale Medienkompetenz.
00:38:36
Ruth Wendt
Aber der Punkt ist, es ist halt so vielschichtig, dass all diese Aspekte halt eine Relevanz spielen sozusagen.
00:38:42
Ruth Wendt
Aber ich glaube schon, dass immer wieder Basiskompetenzen notwendig sind für alle Aspekte.
00:38:48
Ruth Wendt
Zum Beispiel sowas wie Bewusstsein.
00:38:50
Ruth Wendt
Das ist einfach ein Punkt.
00:38:51
Ruth Wendt
Ich bin mir bewusst, in welchen medialen Umgebungen ich mich bewege, wer sozusagen da vielleicht auch Inhalte reinstellt.
00:38:58
Ruth Wendt
Da kommen wir schon in den Bereich Wissen.
00:39:00
Ruth Wendt
Dann sowas wie kritische Bewertung.
00:39:02
Ruth Wendt
Also nicht alles ist gut und schlecht, aber einfach diesen Blick zu haben.
00:39:05
Ruth Wendt
Es gibt immer Intentionen von bestimmten Anbietern, die halt vielleicht eben schlecht sind.
00:39:10
Ruth Wendt
Das ist ein wichtiger Punkt.
00:39:11
Ruth Wendt
Dann eben Coping-Strategien oder Coping kann man es gar nicht nennen, aber so Umgangsstrategien.
00:39:15
Ruth Wendt
Wenn ich Inhalte sehe, wie ich handle ich dann?
00:39:19
Ruth Wendt
Genau, und was ist, ich meine, natürlich auch so ein bisschen normativ erwünscht, also was wollen wir, wie man handelt, genau, aber solche Aspekte sind relevant.
00:39:27
Ruth Wendt
Das wird so ein bisschen hinterfragt, finde ich, im Bereich Algorithmen, weil das sehen wir auch, dass dieser Aspekt, wie gehe ich mit bestimmten Sachen um, ist bei Algorithmen auf einmal ein ganz anderer, weil uns die Jugendlichen beispielsweise jetzt auf einmal oft berichten,
00:39:40
Ruth Wendt
Wenn sie da raus wollen, dann scrollen sie passiv drüber.
00:39:43
Ruth Wendt
Und eigentlich dieses Passive würden wir jetzt ja nicht pauschal als kompetent irgendwie definieren, aber das hilft in der Situation.
00:39:48
Ruth Wendt
Also muss man auch da eher schauen, welche Strategien helfen im Umgang.
00:39:52
Ruth Wendt
Und dann natürlich aber auch so was, was ganz klassisch Medienkompetenz ist, ist so kreativ.
00:39:57
Ruth Wendt
Also so was wie ich kann damit umgehen.
00:40:00
Ruth Wendt
Ich kann auch bestimmt den Algorithmen vielleicht vielleicht beeinflussen oder Codes generieren oder eben einfach auch ja also
00:40:09
Ruth Wendt
in verschiedene Richtungen denken.
00:40:11
Ruth Wendt
Medieninhalte generieren, die anderen weiterhelfen zum Beispiel.
00:40:14
Ruth Wendt
Ich bin der Experte, ich helfe anderen weiter.
00:40:16
Ruth Wendt
Das sind auch Sachen, die zur Medienkompetenz dazugehören.
00:40:19
Ruth Wendt
Und ich glaube, wenn man das so hört, dann sieht man, dass man das sehr viel beeinflussen kann und dass die verschiedenen Sozialisationskontexte da alle eigentlich in der Pflicht sind, inklusive der Plattformen natürlich, die man auch nicht vergessen darf.
00:40:31
Ruth Wendt
Aber genau, es gibt hier viele Zugriffsmöglichkeiten.
00:40:36
Ruth Wendt
Unser Tenor ist natürlich immer, dass man früh damit anfängt, weil das Thema auszublenden macht absolut keinen Sinn.
00:40:40
Ruth Wendt
Wir sehen das selbst bei den Grundschulen.
00:40:42
Ruth Wendt
Ich habe es ja vorher schon kurz angedeutet.
00:40:44
Ruth Wendt
Viele nutzen Medien einfach schon.
00:40:46
Ruth Wendt
Viele kriegen zumindest mit, was ein Handy ist.
00:40:49
Ruth Wendt
Viele haben ältere Geschwister.
00:40:50
Ruth Wendt
Das ist eh was, was in der Forschung bisher komplett vernachlässigt wurde, was ich in meinen eigenen Kindern sehe.
00:40:55
Ruth Wendt
Je älter die Geschwister, desto problematischer wird es natürlich, ein Kind überhaupt von Medien fernzuhalten, weil das, wie will man es machen, in einem Raum zum Beispiel.
00:41:03
Ruth Wendt
Also lauter solche Aspekte, die eine Rolle spielen.
00:41:06
Ruth Wendt
Genau, und deswegen gibt es da viele Möglichkeiten, an Medienkompetenz zu arbeiten.
00:41:10
Ruth Wendt
Und jetzt ist natürlich die Diskussion, ist das sinnvoller als Verbote?
00:41:14
Ruth Wendt
Das ist natürlich was, was momentan im Raum steht.
00:41:17
Tobia Martinez
Denkst du denn, dass wir viel zu normativ agieren und einfach möglicherweise ja ein Paradigmenwechsel hier auftritt, den die älteren Generationen in der Akademie oder in den Medien, was weiß ich, nicht sehen wollen?
00:41:35
Ruth Wendt
Ja, so normativ manche Sachen sind mit Sicherheit nach wie vor sinnvoll.
00:41:40
Ruth Wendt
Also ich glaube, bei so Sozialverhalten...
00:41:42
Ruth Wendt
Da gibt es einfach soziale Normen, die sind allgemeingültig in unserer Gesellschaft, damit das Zusammenleben funktioniert und die gelten auch online und an denen muss man ja nicht notwendigerweise rütteln sozusagen.
00:41:53
Ruth Wendt
Vielleicht, wenn man dieses Normativ ganz breit sieht, dann gibt es vielleicht schon Normen, die vielleicht, oder was heißt Normen, das ist schwierig, aber zum Beispiel eine klassische Frage von Eltern ist ja, wieso brauchen die einen Zugang zu TikTok, Instagram und WhatsApp?
00:42:09
Ruth Wendt
Das reicht doch, wenn ich eins habe und so und dann noch irgendwie Discord oder so.
00:42:12
Ruth Wendt
Und ich glaube, da muss man halt, also Norbert, das ist vielleicht falsch, aber da müssen die ältere Generation vielleicht verstehen, dass verschiedene soziale Medien unterschiedliche Schwerpunkte haben und die Jugendlichen nutzen die ja ganz bewusst für unterschiedliche Sachen.
00:42:25
Ruth Wendt
Also es gibt soziale Netzwerke, mit denen halte ich Kontakt zu Freunden.
00:42:28
Ruth Wendt
Bei anderen informiere ich mich, bei anderen suche ich irgendwelche Lebensweisheiten.
00:42:33
Ruth Wendt
Also das ist ja ganz unterschiedlich.
00:42:34
Ruth Wendt
Bei dem anderen suche ich nach Unterhaltung.
00:42:36
Ruth Wendt
Und das ist, glaube ich, auch, also normativ weiß ich nicht, aber das müssen Eltern natürlich verstehen, dass das Nutzungsverhalten oder die Welt, die mediale Welt, in der die Jugendlichen aufwachsen, ja eine ganz andere ist, als die, in der man selber aufgewachsen ist.
00:42:48
Ruth Wendt
Und ich meine, das sind so Kleinigkeiten wie...
00:42:51
Ruth Wendt
Wenn ich an meine Jugend eher denke, dann hat man ja mal warten müssen, bis irgendeine neue Folge von irgendwas rauskommt.
00:42:58
Ruth Wendt
Und hat er dann einfach nächsten Samstag weiterschauen können.
00:43:00
Ruth Wendt
Jetzt ist klar, ich meine durch Streaming-Angebote, sei es jetzt Spotify, eben für Musik, aber auch für Fernsehen oder Serien.
00:43:09
Ruth Wendt
Die Kinder, die wissen sehr schnell, dass sie jederzeit alles konsumieren können.
Herausforderungen der Medienregulierung für Eltern
00:43:13
Ruth Wendt
Das heißt, ich würde auch schon behaupten, dass es für die Eltern...
00:43:16
Ruth Wendt
viel schwieriger geworden ist, Medienerziehung zu betreiben.
00:43:19
Ruth Wendt
Weil wenn ich natürlich weiß, ich kann jederzeit meine Lieblingsserie anschauen, dann ist es natürlich viel mehr Gespräche und Konflikte notwendig, zu sagen, das geht jetzt aber nicht und du musst die Zeiten einhalten.
00:43:32
Ruth Wendt
Das sind aber einfach auch Veränderungen, die dann so eine Auswirkung eben haben auf verschiedene Sachen und da kann man nicht einfach sagen, es ist besser oder schlechter, sondern es ist so, wie es ist und man muss damit umgehen.
00:43:42
Ruth Wendt
Ich glaube, dass die Eltern halt extrem stark verunsichert sind und
00:43:46
Ruth Wendt
häufig keine Orientierung haben und dass deswegen so was wie Nutzungszeiten halt leicht ist, weil wenn ich halt sage, halbe Stunde, dann ist vorbei, das ist natürlich auch am leichtesten umsetzbar.
00:43:54
Ruth Wendt
Das ist ja auch überhaupt nicht schlecht oder gut.
00:43:57
Ruth Wendt
Man muss halt nur immer dahinter verstehen, dass jetzt eine halbe Stunde im Gegensatz zu einer Dreiviertelstunde weder nachweislich schlechter noch besser ist, sondern es ist natürlich auch stark die Frage, was mache ich damit, in welchem Alter vielleicht auch sozusagen.
00:44:12
Tobia Martinez
Gibt es da Nachweislichkeit über die Effektivität von irgendeiner Zahl oder ist einfach alles?
00:44:17
Ruth Wendt
Also ich würde jetzt sagen, nein, nicht so wirklich.
00:44:21
Ruth Wendt
Also ich meine, natürlich kommen die Zahlen nicht aus dem Nichts.
00:44:23
Ruth Wendt
Also es wird ja schon irgendwie versucht, evidenzbasiert, aber häufig kommen die natürlich auch von Psychologen oder Psychiatern sogar, die dann eher immer so, glaube ich, schon stark an ihren Erfahrungen auch knüpfen,
00:44:35
Ruth Wendt
Und natürlich aber auch an sowas wie Aufmerksamkeit, kognitive Verarbeitung.
00:44:39
Ruth Wendt
Aber auch da ist ja auch die starke Frage, was mache ich denn?
00:44:42
Ruth Wendt
Ich muss immer nur das Corona-Beispiel nennen.
00:44:44
Ruth Wendt
Also ich meine, unser Sohn hat stundenlang mit der Oma telefoniert über FaceTime damals.
00:44:49
Ruth Wendt
Aber ich meine, das muss man ja auch hinterfragen.
00:44:52
Ruth Wendt
Ist das dann schlecht oder war das nicht total gut, den sozialen Kontakt zu halten und ein Buch vorgelesen zu bekommen?
00:44:58
Ruth Wendt
Das ist vielleicht ein Extrembeispiel, sagen wir es mal so.
00:45:00
Ruth Wendt
Aber man sieht einfach, wie groß der Unterschied natürlich ist, was man inhaltlich auch nutzt, wie reguliert das vielleicht auch ist.
00:45:07
Ruth Wendt
Und dann spielen Zeiten mit Sicherheit eine Rolle und wir handhaben das genauso.
00:45:12
Ruth Wendt
Also unsere Kinder kriegen genauso Zeiten vorgesetzt.
00:45:14
Ruth Wendt
Einfach schon allein, weil sonst verstehen sie es ja nicht.
00:45:16
Ruth Wendt
Ich kann ja nicht sagen, ja, mach einfach mal und irgendwann, wenn du fertig bist, kommst
Cybermobbing: Einzigartige Herausforderungen
00:45:21
Ruth Wendt
Das verstehen Kinder natürlich häufig nicht.
00:45:23
Ruth Wendt
Wobei, was ich schon sagen muss, und das kann ich auch nachvollziehen, und das müssten vielleicht Eltern dann auch stärker berücksichtigen, je nachdem, was die Kinder machen.
00:45:30
Ruth Wendt
Aber wenn die gerade was anschauen und es dauert noch drei Minuten und ich mache dann einfach aus, das ist natürlich, ist doch klar, dass das Konflikte erzeugt sozusagen.
00:45:37
Ruth Wendt
Oder die spielen gerade was und ich mache das aus, wo sie mittendrin sind.
00:45:41
Ruth Wendt
Das muss man daher vielleicht auch berücksichtigen, dass man es nicht immer so hart an der Zeit festmachen kann, je nachdem, welche Medien genutzt werden, sondern halt auch stärker an den Inhalten.
00:45:49
Ruth Wendt
So, wenn du das eine Spiel fertig hast, dann ist es vorbei sozusagen.
00:45:54
Tobia Martinez
Jetzt, was ich sehr interessant finde, was du erwähnst, ist, dass viele Leute nicht verstehen, dass die Online-Welt in vieler Weise grundsätzlich anders ist als die reale.
00:46:05
Tobia Martinez
Nichtsdestotrotz, viel, was du sagst, ist ja, soziale Medienkompetenz ist in großer Weise einfach nur soziale Kompetenz, dass man fast schon das Wort Medien rausstreichen kann.
00:46:14
Tobia Martinez
Jetzt, ich glaube, für viele Menschen ist das auch ähnlich mit Cybermobbing.
00:46:18
Tobia Martinez
Vielleicht sind sie nicht in einer Zeit aufgewachsen, wo das so prävalent war.
00:46:22
Tobia Martinez
Und von daher, ja, Cybermobbing ist einfach nur, ja, wir hatten ja schon Mobbing im Klassenzimmer.
00:46:28
Tobia Martinez
Das war ja schon, so traurig es ist, leider passiert es, aber es gab es ja schon immer.
00:46:33
Tobia Martinez
Und jetzt, okay, jetzt passiert es nicht im Klassenzimmer, sondern in einem Chatroom.
00:46:37
Tobia Martinez
Jetzt ist es einfach nur Cyber dazugefügt.
00:46:40
Tobia Martinez
Ist es grundsätzlich etwas anderes?
00:46:42
Tobia Martinez
Kann man das so verstehen?
00:46:44
Tobia Martinez
Oder zeigen deine Studien, dass es ja eine ganz andere Dimension angenommen hat?
00:46:51
Ruth Wendt
Also am Mobbing kann man das immer ganz gut erklären, weil natürlich, was du sagst, vieles deckt sich ja in der Online- und Offline-Welt für Jugendliche.
00:46:58
Ruth Wendt
Die kommunizieren häufig mit denselben Partnern, reden über dieselben Themen.
00:47:02
Ruth Wendt
Das ist ja nicht komplett unterschiedlich.
00:47:04
Ruth Wendt
Und beim Mobbing sieht man das auch.
00:47:06
Ruth Wendt
Also unsere eigenen Studien und auch andere Studien zeigen halt,
00:47:09
Ruth Wendt
zeigen ganz stark, dass sich Schulmobbing und Cybermobbing stark überschneiden.
00:47:14
Ruth Wendt
Also das muss man schon sagen.
00:47:15
Ruth Wendt
Das heißt, es ist sicher nicht was komplett Neues.
00:47:17
Ruth Wendt
Es ist eher so, dass diejenigen, die schon Opfer in der Schule sind, auch online gemobbt werden.
00:47:21
Ruth Wendt
Diejenigen, die Täter in der Schule sind, auch online mobben.
00:47:25
Ruth Wendt
Aber es gibt trotzdem, glaube ich, relevante Unterschiede und das ist das, was man halt immer auch sehen muss.
00:47:30
Ruth Wendt
Das wird natürlich auch häufig diskutiert, aber beispielsweise die Erreichbarkeit ist natürlich eine andere.
00:47:36
Ruth Wendt
Also klar, früher war die Schule aus, du gehst heim, hast kurz deine Ruhe, zumindest kurzzeitig.
00:47:41
Ruth Wendt
Das ist nicht mehr gegeben.
00:47:42
Ruth Wendt
Die einzige Möglichkeit ist ja dann eben, soziale Medien zu verlassen, was ja für viele keine Option ist.
00:47:48
Ruth Wendt
Oder die Anonymität kann eine Rolle spielen.
00:47:51
Ruth Wendt
Was wir selber gesehen haben, ist, dass beim Cybermobbing im Gegensatz zum traditionellen Mobbing Täter viel häufiger auch Opfer werden und Opfer wieder zu Tätern werden.
00:48:00
Ruth Wendt
Also diese Täter-Opfer-Rolle von Personen, die sowohl austeilen als auch einstecken, die ist viel prävalenter als beim traditionellen Mobbing.
00:48:08
Ruth Wendt
Beim traditionellen Mobbing hat man viel mehr die klassischen Täter, die physisch, sozial oder sonstiges überlegen sind, Status überlegen,
00:48:15
Ruth Wendt
und die Opfer, die eben unterlegen sind.
00:48:17
Ruth Wendt
Und das löst sich so ein bisschen online auf, weil sowohl derjenige, der gemobbt wird, hat natürlich irgendwie die Möglichkeit, vielleicht auch irgendwie zurückzuschlagen, kann man jetzt mal offen lassen.
00:48:27
Ruth Wendt
Und derjenige, der Täter ist, wird dann eben vielleicht auch eher angegriffen.
00:48:32
Ruth Wendt
Und das sehen wir, da gibt es einen Unterschied.
00:48:33
Ruth Wendt
Und das kann man eben schon durch so Besonderheiten von Online-Kommunikation oder von sozialen Medien erklären,
00:48:40
Ruth Wendt
Beispielsweise eben, dass man theoretisch anonym handeln kann.
00:48:40
Tobia Martinez
Vielen Dank.
00:48:42
Ruth Wendt
Man kann irgendwelche KI-basierten Bilder erstellen, Videos.
00:48:46
Ruth Wendt
Es gibt viel mehr Möglichkeiten.
00:48:47
Ruth Wendt
Es gibt die Gruppenchats, wo auch ganz leicht Sachen weiterverbreitet werden können, was ja früher viel schwieriger war.
00:48:52
Ruth Wendt
Jetzt irgendwelche Bilder, wenn ich die mal rumgezeigt habe, dann ist natürlich das Publikum viel kleiner, wie es jetzt theoretisch möglich wäre.
00:49:00
Ruth Wendt
Genau, und Manipulationsmöglichkeiten über KI-Tools, Deepfakes und Ähnliches.
00:49:05
Ruth Wendt
Also da gibt es halt viel mehr Potenzial sozusagen.
00:49:08
Ruth Wendt
Es gibt Studien, die zeigen, dass es deswegen schwerwiegender ist, wobei man natürlich sagen muss, es kann auch deswegen schwerwiegender sein, weil es sich verwobt mit dem traditionellen Mobbing und weil man gar nicht mehr rauskommt.
00:49:18
Ruth Wendt
Also das ist natürlich schwer zu sagen, traditionelles Mobbing war nicht so schlimm wie Cybermobbing, weil es ist halt einfach so stark miteinander verbunden, dass man es gar nicht mehr so gut trennen kann, in vielen Fällen zumindest.
00:49:30
Ruth Wendt
Das ist, glaube ich, so ein ganz wichtiger Unterschied.
00:49:32
Tobia Martinez
Ich finde es sehr interessant, wie du sagst, dass Opfer auch häufiger zu Täter werden und vice versa.
00:49:41
Tobia Martinez
Was ich da sehr interessant finde, ist es möglicherweise auch, existiert diese Opfer-Täter, diese Reversal, ebenfalls bei dem eigentlichen Opfer und des Täters eine soziale Verbindung oder passiert es mit neuen Verbindungen?
00:49:55
Tobia Martinez
Also es ist einfacher für das Opfer in eine neue Identität zu schlüpfen, weil alles eh anonym ist.
00:50:01
Tobia Martinez
Und ich kann einfacher in neue soziale Kreise selber ein Täter werden, wo ich ja traditionell
00:50:09
Tobia Martinez
Im Klassenzimmer, ich bin in einem sozialen Kreis, die Hierarchie hat sich schon gebildet, ich kann schwer jetzt in neue soziale Kreise eintauchen.
00:50:16
Ruth Wendt
Ja, also das ist so ein Wunderpunkt in unseren Studien.
00:50:20
Ruth Wendt
Das konnten wir tatsächlich damals immer nicht fragen, weil das natürlich auch so etwas mit Datenschutz und so ein bisschen zu tun hat innerhalb von der Schulklasse.
00:50:27
Ruth Wendt
Es gibt schon Studien, die zeigen das.
00:50:28
Ruth Wendt
Und ich glaube, es kann schon in beide Richtungen gehen, wie du skizziert hast.
00:50:31
Ruth Wendt
Also es gibt Studien, die zeigen dieses Rache-Verhalten.
00:50:34
Ruth Wendt
Also die haben eben danach fragen können, wem er angegriffen hat.
00:50:38
Ruth Wendt
Und da zeigt man schon, dass das auch Rache einfach stark ist.
00:50:40
Ruth Wendt
Also Rache, glaube ich, schon ein wichtiges Thema ist.
00:50:43
Ruth Wendt
Gerade wenn man das ganze Thema Sexting und denkt eben, was ja häufig ist, wenn dann Trennungen kommen sozusagen zwischen Jugendlichen, dann werden irgendwelche Bilder dann weitergegeben, weiterverbreitet, ohne Zustimmung der anderen Person, eben auch als Rache.
00:50:57
Ruth Wendt
Also wenn man diesen großen Begriff Rache nimmt, dann hat man eben diese Zusammenhänge zwischen Opfertäter beim Cybermobbing, aber eben auch zwischen ich kenne die Person, Beziehungen und dann räche ich mich.
00:51:09
Ruth Wendt
Es ist natürlich schon auch denkbar, dass das eben auch in andere Richtungen geht und da sind wir natürlich so bei diesem Punkt, wie auch das Kommunikationsverhalten sich online verändern kann, wie schnell es zu Konflikten kommt.
00:51:20
Ruth Wendt
Da gibt es ja diese Enthemmungsthese, dass sozusagen oder Verantwortungsdiffusion natürlich auch was dann zusammenspielt.
00:51:26
Ruth Wendt
Also ich fühle mich auch nicht mehr verantwortlich, wenn jemand angegriffen hat, ich greife nicht mehr ein.
00:51:33
Ruth Wendt
kann es dann so eben passieren, dass Leute fertig gemacht werden.
00:51:38
Ruth Wendt
Ich glaube, was ganz interessant ist, auch die Forschung ein bisschen in diese Richtung, also die Forschung zu Online-Hass auch in die Richtung geht, in welchen Kreisen bewege ich mich?
00:51:46
Ruth Wendt
Bewege ich mich in Kreisen, wo ich glaube, viele stimmen mir zu, dann agiere ich vielleicht anders und greife Personen an.
00:51:52
Ruth Wendt
Oder bewege ich mich in Kreisen, wo ich weiß, viele, die hier sind, würden jetzt eher mir widersprechen.
00:51:58
Ruth Wendt
Also auch so dieses Strategische, was man vielleicht noch mehr da bedenken muss.
00:52:01
Ruth Wendt
Und wer sind zum Beispiel auch die Täter von Online-Hass?
00:52:05
Ruth Wendt
Das ist ja auch total interessant.
00:52:06
Ruth Wendt
Also jetzt weg von Cybermobbing betrifft ja dann auch häufig eher Erwachsene.
00:52:10
Ruth Wendt
Aber auch da die Frage, wer sind denn die Täter?
00:52:12
Ruth Wendt
Und das ist ja auch sehr interessant.
00:52:13
Ruth Wendt
Kommen wir zu der Frage, die du gestellt hast, sind das Leute, die selber irgendwas erlebt haben und Rache ausüben, gefühlt oder in echt, das ist natürlich die Frage, weil viele fühlen sich natürlich auch angegriffen aus verschiedenen Gründen, aber das führt jetzt vielleicht zu weit und auch vom Thema weg, aber das sind auch so interessante Punkte, die da eine Rolle spielen.
00:52:32
Tobia Martinez
Und ist es denn prädiktiv, dass wenn ich im echten Leben gemobbt werde, im Klassenzimmer, ist die Chance höher, dass ich in der Online-Welt gemobbt werde?
00:52:42
Tobia Martinez
Und ist das nur in den bestehenden sozialen Kreisen prädiktiv?
00:52:45
Tobia Martinez
Ja, okay, der Johannes da drüben, der wird im Klassenzimmer gemobbt.
00:52:49
Ruth Wendt
Ja, das ist eigentlich genau dasselbe, auch mit der Rache nur andersrum gedacht.
00:52:49
Tobia Martinez
Im Gruppenchat wird er halt auch gemobbt.
00:52:51
Tobia Martinez
Oder ist es halt auch prädiktiv, er hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch in neuen sozialen Kreisen gemobbt zu werden?
00:52:58
Tobia Martinez
Gibt es diesbezüglich Daten?
00:53:04
Ruth Wendt
Also was wir wissen ist, dass diejenigen, die in der Klasse gemobbt werden, auch online eher gemobbt
Einfluss von sozialen Normen auf antisoziale Verhaltensweisen
00:53:09
Ruth Wendt
Und das hat meiner Meinung nach, auch wenn wir das so nie genau untersuchen konnten, schon damit zu tun, dass das die gleichen sozialen Kreise sind.
00:53:16
Ruth Wendt
Weil das muss man natürlich auch sehen,
00:53:18
Ruth Wendt
Wir sagen immer, theoretisch gibt es ein unbegrenztes Publikum online und das Mobbing kann überall verbreitet werden.
00:53:24
Ruth Wendt
Das sind Fälle, die sind dokumentiert, die kennen wir, wo es passiert ist, also wo dann ja auch teilweise mit Suizid dann ja auch gehandelt wurde, wo ja auch medial berichtet wurde.
00:53:34
Ruth Wendt
Aber das sind halt eher die Einzelfälle, sagen wir mal, die tragischen Fälle.
00:53:38
Ruth Wendt
Im Alltag vieler Jugendlicher ist ja eher so, dass das Mobbing, also dass das eher in einem kleineren sozialen Nahbereich stattfindet, was aber überhaupt nicht besser macht.
00:53:46
Ruth Wendt
Das macht es ja nicht besser sozusagen, dass meine relevante Öffentlichkeit, zum Beispiel meine Klasse, das online mitkriegt.
00:53:51
Ruth Wendt
Ist ja nicht weniger, ist ja genauso schlimm, wie ob es jetzt eine größere anonyme Öffentlichkeit wäre.
00:53:57
Ruth Wendt
Beziehungsweise gibt es da noch nicht so viele Studien, was wirklich diese Öffentlichkeit, ob die einen Unterschied macht sozusagen.
00:54:04
Tobia Martinez
Um ein bisschen das Cybermobbing-Thema abzuschließen, was ist etwas, was du in deiner Forschung an sehr Interessantes oder Wunderliches entdeckt hast, was vielleicht viele Leute, die heute zuhören, nicht wissen oder wissen sollten?
00:54:16
Ruth Wendt
Also ich finde die Täter-Opfer-Rolle, das ist interessant, dass die so stark ausgeprägt ist, dass es häufig hin und her geht.
00:54:24
Ruth Wendt
Was wir auch noch so ein bisschen gesehen haben, ist, dass die Täter, also dass zum Beispiel so soziale Einflüsse relevanter sind, dass ich dann...
00:54:32
Ruth Wendt
eher öffentliches Mobbing, Cybermobbing betreibe, also sozusagen wie aus Gruppen ausschließen oder öffentlich beleidigen und dass eher so individuelle Faktoren relevanter sind, wenn ich das nicht öffentlich mache.
00:54:42
Ruth Wendt
Also es gibt so unterschiedliche Formen, wie ich jemanden mobbe und das hängt stark von meiner Motivation irgendwie ab.
00:54:48
Ruth Wendt
Und natürlich in dem Fall auch wieder so ein Peer-Einfluss, der da eine große Rolle spielt.
00:54:52
Ruth Wendt
Also die Peer-Normen, ich beobachte, was meine Peers machen und so verhalte ich mich.
00:54:56
Ruth Wendt
Das ist bei antisozialem Verhalten extrem, also jetzt nicht nur Mobbing, sondern generell antisoziales Verhalten online, ist es einfach super relevant, was meine Freunde machen, wie die sich verhalten, ob die das gut oder schlecht finden.
00:55:07
Tobia Martinez
Vielen Dank.
00:55:08
Ruth Wendt
Jetzt sind wir wieder bei dem Punkt, ganz klassische soziale Einflüsse, die es auch außerhalb der digitalen Medien gibt, die aber in den digitalen Medien dann noch verstärkt werden können und eine große Rolle spielen und dann auch schwer unterbrochen werden können.
00:55:21
Ruth Wendt
Ich glaube, das ist auch wichtig.
00:55:22
Ruth Wendt
Also da muss man sozusagen, wenn man jetzt an Intervention denkt, wie kriegt man den Täter da auch wieder raus, dass er das nicht mehr macht?
00:55:29
Ruth Wendt
Und wenn natürlich da die Freunde auch so agieren oder der Status da gefährdet ist, dann ist das halt viel schwieriger erstmal.
00:55:36
Ruth Wendt
Da muss man ganz anderen Punkten ansetzen, wie wenn ich jetzt einfach der Einzelgänger bin, der einfach irgendwie so online irgendwie aggressiv unterwegs ist.
00:55:43
Ruth Wendt
Also auch das sieht man da ganz interessant sozusagen, welche Rolle auch soziale Einflüsse spielen.
00:55:49
Tobia Martinez
Jetzt mal angenommen, morgen ruft dich der Prinz Markus Söder ganz persönlich an und verspricht dir ein unlimitiertes Budget für jegliche Forschung, die du gerne machen wollen würdest.
00:55:59
Tobia Martinez
In welchem Bereich, denkst du, ist da am meisten notwendig und was würde dich da interessieren, spezifisch nachzuforschen?
00:56:07
Ruth Wendt
Ja, also auf jeden Fall Längsschnittdaten.
00:56:09
Ruth Wendt
Wir bräuchten halt Längsschnittdaten von eben auch bildungsbenachteiligten Jugendlichen.
00:56:13
Ruth Wendt
Das ist, glaube ich, extrem relevant.
00:56:15
Ruth Wendt
Es gibt manche Studien, die machen das.
00:56:20
Ruth Wendt
Was wir auf jeden Fall brauchen, ist, dass wir die Methoden ein bisschen vielfältiger gestalten, weil ich habe es vorher schon angedeutet, wir müssen stärker wissen, was situativ passiert.
00:56:28
Ruth Wendt
Das heißt, wir dürfen die Leute nicht nur mehr befragen, was hast du in den letzten drei Monaten gemacht, sondern müssen sie begleiten in ihrer Mediennutzung.
00:56:35
Ruth Wendt
Sei es jetzt über irgendwelche Tagebücher, sei es durch Beobachtungen und tatsächlich ist deswegen so notwendig, irgendwie so große Datenbefragungsstudien zu kombinieren mit so kleinteiligeren ethnografischen Elementen.
00:56:50
Ruth Wendt
um das eben rauszukriegen, was eine große Rolle in der Kommunikationswissenschaft spielt, sind Datenspenden, natürlich so ethisch ein bisschen bedenklich mit Jugendlichen und Kindern, aber das ist eine Rolle und thematisch würde ich, was ich jetzt super spannend finde, ist so die Alltagskommunikation in Familien, in Freundeskreisen mit romantischen Partnern, wie die sich verändert durch digitale Medien und welche Auswirkungen das auf die Beziehungsqualität und das Wohlbefinden hat von Jugendlichen, das wäre was, was ich
00:57:19
Ruth Wendt
gerne untersuchen würde inhaltlich.
Zukunft der Medienforschung und elterliche Ratschläge
00:57:22
Tobia Martinez
Unser Podcast wird auch von vielen jungen Erwachsenen gehört, die auch selber in der Akademie sind oder beziehungsweise hinein wachsen möchten.
00:57:32
Tobia Martinez
Wenn jetzt jemand unseren Podcast angehört hat und gesagt hat, ja, das ist interessant, die Professor Ruth Wendt, das tut mir sehr an, was würdest du diesen jungen Erwachsenen raten?
00:57:44
Tobia Martinez
So, ja, das interessiert mich, diese Thematik.
00:57:46
Tobia Martinez
Wie kann ich da einsteigen?
00:57:47
Tobia Martinez
Was ist ein Pfad in diese Richtung?
00:57:50
Ruth Wendt
Ja, ich muss natürlich sagen, dass alle in die Wissenschaft kommen müssen, damit wir guten wissenschaftlichen Nachwuchs haben.
00:57:57
Ruth Wendt
Nein, ich glaube, es gibt halt ganz verschiedene Wege.
00:58:00
Ruth Wendt
Klar, die Wissenschaft ist wichtig, ist ein Weg, um da eben dazu beizutragen, eben Erkenntnisse zu gewinnen, die ganzen Fragestellungen, die wir diskutiert haben, weiter voranzutreiben.
00:58:10
Ruth Wendt
Aber natürlich braucht man gerade bei den Jugendlichen die Praxis und nach wie vor, ich komme immer wieder zu dem Schluss, die Schulen sind einfach so zentral wichtig, weil die Schulen einfach den Zugriff auf alle Schüler haben und das eben nicht nur eine Stunde, sondern ja mit Ganztag und so weiter ja viele Stunden.
00:58:28
Ruth Wendt
Und natürlich dann auch stark kompensieren können, was Eltern vielleicht manchmal nicht in der Lage sind zu tun.
00:58:33
Ruth Wendt
Das muss man auch dazu sagen.
00:58:35
Ruth Wendt
Ohne jetzt zu sagen, alles ist Aufgabe der Schule.
00:58:37
Ruth Wendt
Um das geht es gar nicht.
00:58:38
Ruth Wendt
Aber ich glaube, man kann viel auffangen.
00:58:41
Ruth Wendt
Und auch eben problematische Erfahrungen in und mit digitalen Medien können auch in der Schule aufgefangen werden.
00:58:48
Ruth Wendt
Wenn es eben gerade für die Jugendlichen, die daheim keine Unterstützung haben.
00:58:51
Ruth Wendt
Und das ist, glaube ich, extrem wichtig.
00:58:53
Ruth Wendt
Deswegen könnte man auch raten, Lehrer zu werden.
00:58:58
Tobia Martinez
Und ja dann, über Eltern haben wir nicht so viel gesprochen heute.
00:59:01
Tobia Martinez
Gibt es ein paar Tipps möglicherweise, die du Eltern geben kannst, die bemerken, ja, es gibt möglicherweise problematisches Mediennutzungsverhalten zu Hause.
00:59:11
Tobia Martinez
Noch nicht so stark, dass jetzt die Alarmglocken ringen müssen, aber es geht in die Richtung.
00:59:17
Ruth Wendt
Also die ganze Forschung zeigt, das Allerwichtigste ist eine aktive Medienerziehung, das heißt, das offene Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen, weil sobald man sozusagen nur noch streitet, Konflikte hat und nur noch Regeln setzt, ohne auch zu verstehen, was relevant für die Jugendlichen an digitalen Medien ist, dann hat man die Jugendlichen häufig verloren, weil dann natürlich sich eine Mauer aufbaut.
00:59:37
Ruth Wendt
Und dann wird man auch nicht mehr informiert, wenn schlimme Sachen passieren.
00:59:40
Ruth Wendt
Also das ist klar, das ist leicht gesagt.
00:59:42
Ruth Wendt
Das ist schwieriger im Alltag natürlich.
00:59:44
Ruth Wendt
Aber aktive Medienerziehung ganz wichtig.
00:59:46
Ruth Wendt
Ich muss mich schon mal auch dafür interessieren, möglicherweise mal mitspielen, warum hängt mein Kind den ganzen Tag vor diesem Spiel?
00:59:53
Ruth Wendt
Ist das wirklich so blöd oder macht es doch Spaß?
00:59:55
Ruth Wendt
Das sind so Sachen, die man den Eltern sicher sagen kann.
00:59:58
Ruth Wendt
Aber bei Anzeichen, die dann irgendwie alarmierender sind, kann ja auch ein Abfall in der Schule sein, soziale Probleme entstehen.
01:00:06
Ruth Wendt
dann macht es mit Sicherheit Sinn, dass man sich auch professionelle Hilfe sucht, weil natürlich, wir haben ja darüber gesprochen, es trifft nicht alle, aber es trifft natürlich Jugendliche, die extreme Probleme auch bekommen können mit digitalen Medien oder in digitalen Medien.
01:00:19
Ruth Wendt
Also das ist, glaube ich, nochmal wichtig.
01:00:21
Ruth Wendt
Und ich glaube, Eltern von jüngeren Kindern wie mir selber
01:00:25
Ruth Wendt
Man hat die Konflikte ständig und die werden immer mehr.
01:00:28
Ruth Wendt
Und einerseits, glaube ich, sind klare Regeln wichtig, aber auch eben da aktive Medienerziehung und aber vor allem auch Gelassenheit, weil viele Eltern machen sich permanent Vorwürfe, dass das Kind zu viel schaut, dass das Kind irgendwie nicht genug draußen ist.
01:00:42
Ruth Wendt
Und das stimmt, man kann daran arbeiten, aber dieses permanent sich ein schlechtes Gewissen machen, das ist auch nicht gut für den Erziehungsalltag, sondern da auch klare Regeln setzen, sich dran halten und dann aber auch wirklich dran halten und nicht dem Kind dann sagen, jetzt hast du schon
Abschluss und Danksagung
01:00:55
Ruth Wendt
so viel und so.
01:00:55
Ruth Wendt
Das ist, glaube ich, auch nochmal ganz relevant.
01:00:58
Ruth Wendt
Wäre so ein privater Tipp, den ich mir auch oft denke, sozusagen.
01:01:04
Tobia Martinez
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, vielen lieben Dank fürs Zuhören.
01:01:08
Tobia Martinez
Teilt die Folge, abonniert den Aktiv gegen Mediensucht Podcast.
01:01:12
Tobia Martinez
Und liebe Frau Professorin, vielen, vielen lieben Dank für die Zeit, für die unglaublich tollen Einblicke in die Welt der Akademie.
01:01:15
Ruth Wendt
Ja, danke schön.
01:01:20
Tobia Martinez
Und ja, vielen Dank fürs Dasein.