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Von Gamer zu Helfer: Ronald Stolz mit dem Weg aus der Gaming-Sucht

S1 E1 · Aktiv gegen Mediensucht: Der Podcast
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60 Plays1 year ago

Ronald war jahrelang gaming-süchtig - heute hilft er anderen, davon loszukommen. In dieser Episode spricht er offen über seine Sucht, den schweren Weg zurück ins echte Leben und warum Selbsthilfe der Game-Changer sein kann. Eine Geschichte von Absturz, Neustart und dem Finden eines neuen Lebensinhalts.

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Transcript

Einführung und persönliche Reise von Ronald Stolz

00:00:00
Speaker
Willkommen beim Lock dich aus Podcast.
00:00:03
Speaker
Unser heutiger Gast ist Ronald Stolz, der Vorstandsvorsitzende des Aktiv gegen Mediensucht e.V.
00:00:10
Speaker
Unsere heutigen Themen sind seine persönliche Reise mit der Mediensucht, die Mission und die Aktivitäten des Aktiv gegen Mediensucht e.V.
00:00:17
Speaker
und was die Rolle der Selbsthilfe bei der Mediensucht für Betroffene und Angehörige ist.
00:00:26
Speaker
Jetzt sofort aber.
00:00:27
Speaker
Wenn, dann echt.
00:00:28
Speaker
Alles klar.
00:00:30
Speaker
Schön, dass du heute mit uns dabei bist, Ronald.
00:00:35
Speaker
Du hast eine persönliche Reise hinter dir mit der Mediensucht selber, bevor du Vorstandsvorsitzender des Vereins warst.
00:00:42
Speaker
Möchtest du uns ein bisschen erzählen, wie hat es angefangen?
00:00:45
Speaker
Wie bist du in diese Welt reingestiegen?
00:00:47
Speaker
Also da ich natürlich schon ein bisschen älter war, ist der Einschwiegen später passiert.
00:00:52
Speaker
Ich weiß nicht, wenn wir in der jetzigen Zeit wären, wie es jetzt gewesen wäre, wenn ich Kind gewesen wäre.
00:00:57
Speaker
Aber bei mir fing es eher so beim Arbeitsleben an.
00:00:59
Speaker
Ich war früher im Vertrieb tätig und ja, wie es Vertrieb halt ist, wir waren Vertriebsleiter oder ich war damals auch einer und wir waren in Deutschland weit verstreut.
00:01:11
Speaker
Und naja, wir haben uns alle gut verstanden und wollten eine Basis finden, das können wir auch so tun außerhalb, ohne jetzt jeder 500-600 Kilometer immer fahren zu müssen.
00:01:21
Speaker
Und dann kam halt einer von den Leuten, mit denen ich zu tun hatte, an und sagte, ich habe da ein Spiel, was wir spielen, du ladst hier runter, das kostet ein paar Euro und da treffen wir uns.
00:01:34
Speaker
Also haben wir uns alle
00:01:36
Speaker
Word of Warcraft runtergeladen und naja, damals gab es noch kein Discord, dann hieß das Ganze noch Teamspeak oder Skype.
00:01:46
Speaker
Ja und der Einstieg war natürlich erstmal ein bisschen labern, ein bisschen quatschen.
00:01:52
Speaker
Ja und nebenbei haben wir dann angefangen rumzutrallern, zu spielen und so sag ich mal war der Einstieg eigentlich.
00:02:00
Speaker
was auch ganz cool und was chillig war und du konntest mit anderen reden, die du kanntest und warst noch irgendwie beschäftigt und es macht ganz hauer Spaß.
00:02:10
Speaker
Und ja, so hat sich das ein bisschen entwickelt, dass jeder so dann irgendwann seinen Charakter hatte.
00:02:16
Speaker
Und ja, so haben wir dann wirklich über lange Zeit zusammengespielt.
00:02:21
Speaker
Natürlich weitaus auch über die Zeit, aber es war nicht schlimm.
00:02:26
Speaker
Weil wir waren ja alle Vertriebsleiter gleichzeitig online.
00:02:30
Speaker
Das heißt, wenn wir halt so lange gemacht haben, waren wir am nächsten Tag alle im Arsch.
00:02:33
Speaker
Das heißt, es gab viel Rücksicht aufeinander.
00:02:37
Speaker
Und ja, so ist es ein bisschen gestartet.
00:02:41
Speaker
Aber wie man als Mensch ist, möchte man sich gerne weiterentwickeln.
00:02:45
Speaker
Und irgendwie ist ja auch Online-Gaming, also je nachdem, welchen Setup man zusammen spielt, ja irgendwo auch ein Controlling-Mittel.
00:02:52
Speaker
Und, naja, man hat ja Online-Zeiten gesehen, man sah ja, man hat das letzte Mal eingeloggt.
00:03:00
Speaker
Ähnlich wie wir das bei WhatsApp nachrichten können.
00:03:01
Speaker
Man war der letzte Online, hat er schon gelesen, gibt es ja zwei blaue Häkchen.
00:03:04
Speaker
Ähnlicher Mechanismus war es bei Word of Warcraft.
00:03:08
Speaker
Und ja, dann haben wir angefangen, den nächsten Account zu erstellen, wo wir selber spielen.

Doppelleben in Online-Spielen: Beruf und Freizeit

00:03:16
Speaker
Mit neuen Leuten, die wir vielleicht noch nicht kennen.
00:03:20
Speaker
Und ja, das eine hat man beibehalten, was schon zeitintensiv war, plus das Neue, was man selbstständig tun wollte.
00:03:29
Speaker
Ja, und so fing das dann wirklich so Stück für Stück an.
00:03:31
Speaker
Und ja, irgendwann war so ein bisschen dieses Spiel auch, es hat so zum Leben dazugehört.
00:03:38
Speaker
Man hat gearbeitet, kam nach Hause, man hat sich eingeloggt, mit den anderen weitergequatscht.
00:03:42
Speaker
Dann hat man sich irgendwann ein bisschen abgeschottet und gesagt, ich habe heute keinen Bock mehr.
00:03:46
Speaker
Man hat umgeloggt und man war dann für die anderen nicht mehr sichtbar.
00:03:50
Speaker
Und man hat auf den anderen Account mit anderen Menschen weitergespielt.
00:03:54
Speaker
War das so eine Schamsache, dass du nicht wolltest, dass sie sehen, wie viel du eigentlich spielst zu deinen Arbeitskollegen?
00:03:59
Speaker
Ja schon, weil im Vertrieb hat es ja, war schon immer so, hat ja viel mit Druck zu tun und mit ständig, jeden Tag Analysen.
00:04:05
Speaker
Warum war heute der Tag nicht so gut?
00:04:07
Speaker
Warum waren keine Verträge abgeschlossen?
00:04:09
Speaker
Und natürlich lag es sehr, sehr nah, wenn du wenig schlägst und auf Deutsch gesagt im Arsch bist.
00:04:16
Speaker
Ja, dass es darauf zurückzuführen ist.
00:04:18
Speaker
Also hat man sich selber davor geschützt.
00:04:23
Speaker
Gleichzeitig hat es sich aber, wenn man ehrlich ist, das muss ich heute sein danach, auch als Controllingmittel herauskristallisiert.
00:04:31
Speaker
Also was haben wir gemacht?
00:04:32
Speaker
Beim Vertrieb ist es ja wichtig, mit den Mitarbeitern sehr nah dran zu sein.
00:04:36
Speaker
Hat ja auch viele psychische Sachen.
00:04:38
Speaker
Wie geht es einem?
00:04:39
Speaker
Hat jemand Probleme zu Hause, dann musst du mit ihm reden, sonst ist natürlich draußen der Vertragsabschluss ein bisschen auch gefährdet.
00:04:47
Speaker
Also hat man die Mitarbeiter auch so ein bisschen in den Bann reingezogen.
00:04:52
Speaker
Und gleichzeitig war es natürlich für uns als Vertriebsleiter auch ein schönes Controlling-Mittel.
00:04:57
Speaker
Zu sehen, zur Analyse, okay, der zockt ziemlich intensiv, das ist natürlich rückschließend auf das.
00:05:05
Speaker
Auch wenn die anderen Mitarbeiter sicherlich dasselbe Mittel genutzt haben, wie ich es damals.
00:05:08
Speaker
Das heißt, sie haben sich ebenfalls seinen zweiten Akkord angeschafft.
00:05:12
Speaker
Aber man war ja ein bisschen klüger und man kannte sich dann aus.
00:05:16
Speaker
Und man konnte das immer relativ schnell herausfinden.
00:05:20
Speaker
Ja, so hat sich das Ganze wirklich Stück für Stück aufgebaut.
00:05:23
Speaker
Und natürlich war es immer ein Hobby.
00:05:27
Speaker
Und Medien sucht gab es ja nicht.
00:05:29
Speaker
Es gab Leute, die haben... Also vom Kontext, vom Spielen her, war es ja eher so, es gab die, die sich viel Zeit genommen haben.
00:05:40
Speaker
Es gab die Arbeitslosen und es gab natürlich die Menschen, die ungeheult haben, dass es im Spiel nicht weit kam, weil sie ein normales Leben haben.
00:05:48
Speaker
Und überall wollte es irgendwie so mit dabei sein.
00:05:51
Speaker
Und ja, überall habe ich es halt immer natürlich als Hobby erklärt.
00:05:56
Speaker
Und so hat sich das Leben halt weiter verfolgt.
00:05:58
Speaker
Klar, das Hobby war nur noch online sein.
00:06:01
Speaker
Arbeiten war natürlich für mich schon immer ein Fokus, weil man muss das Ganze finanzieren.
00:06:06
Speaker
Aber es gab natürlich auch mal so Downphasen, zum Beispiel ein neues Add-on kam raus, also eine Spielerweiterung.
00:06:13
Speaker
in der man sich dann schon explizit Urlaub genommen hat, war das nicht möglich, war man explizit krank.
00:06:21
Speaker
Weil natürlich war das Ziel auch immer gut zu sein.
00:06:24
Speaker
Man kam aus dem Vertrieb, also es ging immer um Leistung und so war es dann am Spiel auch.
00:06:28
Speaker
Das heißt, bei dem Spiel Upgrade, das heißt bei der Erweiterung, war natürlich das allererste Ziel, der Erste auf diesem Server zu sein, der irgendetwas schafft.
00:06:39
Speaker
Und man hat Betas getestet, bevor die Version rauskam.
00:06:43
Speaker
Also man hat mit diesem Spiel ständig zu tun gehabt.
00:06:46
Speaker
Und es hat einem auch alles erfüllt.
00:06:48
Speaker
Man hat ja menschliche Kontakte gehabt.
00:06:52
Speaker
Klar, man hat Social Media genutzt, schon damals exzessiv, einfach um seine Erfolge zu teilen.
00:06:58
Speaker
Weil in gute Gruppen, die auch bossige Gruppen,
00:07:03
Speaker
Gefeindet haben, sage ich mal, Raids, Gilden nannte sich das, Regionen, gibt es viele Begriffe dafür.
00:07:10
Speaker
Gute kam man ja noch nicht so rein.
00:07:13
Speaker
Es gab damals noch nicht so ein E-Sport, aber es gab schon private Fünderra und sowas.
00:07:16
Speaker
Das war natürlich immer der Traum.
00:07:21
Speaker
da Gas zu geben, da hinzukommen.
00:07:23
Speaker
Und das geht nur mit Bewerbungen, mit einem guten Lebenslauf.
00:07:27
Speaker
Und ein Lebenslauf hat auch einen Charakter.
00:07:30
Speaker
Wie viel hast du gerissen im Spiel, wie viel Zeit verbringst du, was hast du für Erfolge.
00:07:33
Speaker
Das war maßgeblich schon so.
00:07:36
Speaker
Und man hat viele Möglichkeiten gehabt, an diesem Spiel teilzunehmen.
00:07:41
Speaker
Einmal natürlich mit viel Zeit, um sich Sachen im Spiel zu erarbeiten.
00:07:46
Speaker
Dann gab es so die genannten Kina Farmer, gab es damals noch dieses Geschäftsmodell, das heißt
00:07:52
Speaker
Wenn du offline bist, hast du einfach jemand anders bezahlt, der deinen Charakter weiterspielt.
00:07:56
Speaker
In dieser Zeit, wo du mal kurz schläfst vielleicht.
00:07:59
Speaker
Das hast du gemacht?
00:08:00
Speaker
Ja, habe ich natürlich auch gemacht.
00:08:02
Speaker
Und natürlich brauchtest du die In-Game-Währung.
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Speaker
Auch die gab es damals noch nicht integriert in World of Warcraft, aber es gab ja diese...
00:08:10
Speaker
Mit dem Kinderfarmer, wo ich jetzt nicht drauf hingehen möchte, dass das natürlich auch Kinder waren, die dies nach der Schule erspielen mussten, damit es andere Firmen wiederum über Ebay oder über andere Kanäle verkauften.
00:08:22
Speaker
Und so hast du dein reales Geld in die Spielewerbung umgewandelt.
00:08:28
Speaker
Ja, all das war immer nötig.
00:08:30
Speaker
Und dann gab es immer noch diese besonderen Spiele, auf die man so ein bisschen drauf geschaut hat.
00:08:37
Speaker
Die kamen online, die waren gut drauf, die konnten das.
00:08:41
Speaker
Die haben den Boss gelegt, sind offline gegangen und haben ihr Leben gelebt.
00:08:46
Speaker
Und irgendwie war immer das Ziel, auch genau da hinzukommen.
00:08:50
Speaker
Und wie dachte ich das?
00:08:51
Speaker
Naja, besser zu spielen, mehr Leistung, mehr zu üben.
00:08:55
Speaker
Also habe ich noch mehr Zeit investiert, um den Traum zu verfolgen, irgendwann so ein Mensch zu sein, der halt kurz online kommt, das Ding macht und offline geht.
00:09:08
Speaker
Gefühlstechnisch hat das funktioniert.
00:09:09
Speaker
Nach zehn Jahren, wo ich aufgewacht bin, habe ich gemerkt, okay, war nicht so.

Alltag und finanzielle Auswirkungen der Spielsucht

00:09:15
Speaker
Und natürlich ist es nach wie vor, wie seit über zwei Jahrzehnten, bei Word of Warcraft auch so, es gibt immer einen Server-Reset und der findet immer Mittwoch statt, Mittwochnacht.
00:09:29
Speaker
Wenn die Server runtergefahren sind,
00:09:33
Speaker
Pax berichtigt und so weiter.
00:09:36
Speaker
Und in diesem Zeitraum, und damals war das ja nicht so schnell, wie es heute war, Server Starts, das heißt, es hat ja immer mindestens acht oder zehn oder 15 Stunden gedauert.
00:09:48
Speaker
Und man war ja in der Game Liga und natürlich hat man genau in diesem Zeitraum dann Platz gehabt für andere Spiele auszuprobieren.
00:09:55
Speaker
Also hat man diesen Mittwoch immer genutzt, um neue Games zu machen.
00:10:00
Speaker
Und auch bei Virtua Warcraft war es so, natürlich warst du irgendwann auch mal ein bisschen durch mit diesem Spiel und hast keinen Bock mehr gehabt.
00:10:06
Speaker
Also hast du ein anderes Spiel gespielt.
00:10:09
Speaker
Wieder mal phasenweise.
00:10:11
Speaker
Es gab dann Arion, es gab Rift, es gibt Star Wars und Republic.
00:10:17
Speaker
Es gab LOL, also League of Legends, es gab Call of Duty, also COD.
00:10:21
Speaker
Es gab ganz viele Richtungen der Online-Spiele, die gewachsen sind.
00:10:27
Speaker
Und so war mein Einstieg in mein Online-Leben.
00:10:34
Speaker
So muss man es ausdrücken, weil es war wirklich ein Online-Leben.
00:10:38
Speaker
Es hat dazugehört.
00:10:39
Speaker
Ging es dann überhaupt noch um die Liebe des Spiels?
00:10:42
Speaker
So wie du sagst, okay, zack, am Mittwoch einfach was Neues machen, irgendein neues Spiel.
00:10:48
Speaker
Ich kann mich schwer reinfühlen.
00:10:49
Speaker
Ich kann mich jetzt reflektiert reinfühlen und sagen, es war...
00:10:54
Speaker
Es war so eine Art Community.
00:10:55
Speaker
Es hat so viel erfüllt im Leben, was du im Leben nicht gehabt hast.
00:11:00
Speaker
Natürlich war es ein Druck, ja, aber der war gut, weil es mit deiner Thematik zu tun hatte.
00:11:06
Speaker
Natürlich war der Druck auch schön, um besser zu werden.
00:11:09
Speaker
Aber gleichzeitig, ja, es ist...
00:11:13
Speaker
Ich weiß gar nicht, wie ich das so richtig ausdrücken kann.
00:11:16
Speaker
Also es hat Elemente erfüllt, dieses zum Beispiel mit anderen zu spielen, also gebraucht zu werden, jemand zu sein.
00:11:24
Speaker
Du hast natürlich Spielkategorien gehabt.
00:11:26
Speaker
Du hast einmal die Noobs gehabt, die es nicht so drauf hatten, wo du dann oft empfohlen hast, Alt-F4 zu drücken.
00:11:35
Speaker
Ähm...
00:11:36
Speaker
Dann gab es die Mitläufer, also eigentlich in vier Kategorien.
00:11:42
Speaker
Und dann gab es die, die auf dem Weg sind, dahin gut zu werden und sich viel angeeignet haben.
00:11:47
Speaker
Und es kamen die Pro-Spieler, die das einfach drin liegen.
00:11:51
Speaker
Es ging ja nicht nur um Spielen, sondern
00:11:53
Speaker
Wenn du einen Raid gemacht hast, also einen Boss gelegt hast, dann hast du die Möglichkeit zwischen 5, 10 und 25 und sogar 40 Leuten gehabt.
00:12:01
Speaker
Dann gab es einen Raid-Leiter.
00:12:02
Speaker
Und der Raid-Leiter hat eine größere Aufgabe gehabt, als nur das Spiel zu spielen.
00:12:08
Speaker
Er musste das richtige Setup, die richtigen Leute, die richtige Spielweise, die Boss-Fights, die Boss-Taktiken...
00:12:15
Speaker
und so weiter alles managen.
00:12:17
Speaker
Jeder Spieler hatte seine explizite Aufgabe und wenn die nicht in der hundertsten Sekunde richtig gesetzt war, haben halt alle gelost.
00:12:26
Speaker
Und dann kannst du dir vorstellen, heute haben wir ein Wort dafür, das nennt sich Cybermapping.
00:12:32
Speaker
Aber früher, ja, da warst du einfach weg vom Fenster, da hat man dich getisst auf Deutsch gesagt, weil du einfach, ja, du warst daran schuld, dass 39 andere Leute
00:12:40
Speaker
es nicht geschafft haben.
00:12:41
Speaker
Und dann wurdest du auch schnell ausgetauscht.
00:12:43
Speaker
Das heißt, du hattest immer einen extremen Druck, wer da mitspielen wollte in dieser Liga.
00:12:47
Speaker
Hattest du Angst davor?
00:12:48
Speaker
Ja, selbst jeden Tag.
00:12:51
Speaker
Natürlich, es war immer ein Beweis.
00:12:53
Speaker
Und du hast natürlich, was heißt gelernt, aber nach Prioritäten zu setzen.
00:12:57
Speaker
Du hast ja
00:12:59
Speaker
bestimmte Fähigkeiten hat ein Spieler gehabt.
00:13:01
Speaker
Ein Spieler stand ganz vorne am Boss, der musste am meisten aushalten können.
00:13:06
Speaker
Das war also die erste Priorität im Spiel, diesen Spieler auszustatten.
00:13:10
Speaker
Weil der muss diesen Boss tanken, hat man das genannt, also ganz, ganz nah dran stehen und den Zaum halten.
00:13:17
Speaker
Es gab die zweite Kategorie, das waren die Heiler, das heißt die Menschen, die den Schaden in diesem Spiel abbekommen haben, mussten geheilt werden.
00:13:26
Speaker
Das war die zweite Kategorie, die ausgestattet wurde.
00:13:29
Speaker
Und dann gab es DDS, also die Damage Dealer auf deutsch gesagt.
00:13:33
Speaker
Also die den Schaden verursacht haben, damit der Boss irgendein Umfeld.
00:13:37
Speaker
Und dann gab es Fern- und Nahspieler.
00:13:40
Speaker
Und auch da wurde jede kategorisiert.
00:13:42
Speaker
Das heißt, mit einer bestimmten Klasse, je nachdem, kam auch deine Ausstattung der Spielfigur ganz nach hinten.
00:13:49
Speaker
Heißt, du hast manchmal ein halbes Jahr mitgespielt und hast nichts gekriegt.
00:13:53
Speaker
du einfach der Letzte in der Reihe warst.
00:13:58
Speaker
Aber ja, so war das einfach.
00:13:59
Speaker
Man hat das einfach akzeptiert und irgendwann war man so mittendrin.
00:14:02
Speaker
Das heißt, wenn man in dieser Liga mitspielen wollte, dann heißt es halt auch extrem Stress.
00:14:07
Speaker
Dann heißt es auch, gedisst zu werden und dann heißt es, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
00:14:12
Speaker
Und es war ein bisschen mehr, als es heute ist.
00:14:14
Speaker
Man war ja nicht nur
00:14:16
Speaker
der Gamer, sondern auch das technische Setup musste passen.
00:14:19
Speaker
Also du musstest dich damit befassen, was hast du für einen Bildschirm, hast du eine mechanische Tastatur gehabt, was hast du für die Grafik hatte, was hast du für einen RAM-Speicher, schafft die Grafik das?
00:14:28
Speaker
Das war damals einfach noch Themen.
00:14:31
Speaker
Du musstest mit deiner Spielfigur auch deinen perfektesten Schadensoutput berechnen können, weil dein
00:14:39
Speaker
weil deine Spielfigur ja verschiedene Attribute hatte, wie Beweglichkeit, Intelligenz, Willenskraft.
00:14:46
Speaker
Ja, das hat einfach so ein bisschen dazugehört.
00:14:48
Speaker
Und ja, da hat mich das gehalten.
00:14:51
Speaker
Ist das, was du gemeint hast mit dem finanziellen Aspekt des Ganzen?
00:14:55
Speaker
Inwiefern?
00:14:56
Speaker
Du hast vorhin erwähnt, das geht auch ins Finanzielle hinein.
00:14:59
Speaker
Ist das immer den neuen Computer zu haben oder ist das eher von diesem Farming gewesen?
00:15:05
Speaker
Mit all dem hat es zu tun, mit all dem.
00:15:07
Speaker
Ja, ich gehöre auch zu der Kategorie.
00:15:09
Speaker
Wahrscheinlich würden jetzt Call of Duty-Spieler noch ein bisschen extremer sagen, aber auch ja, bei mir flog die Tastatur in Maus gegen die Wand.
00:15:18
Speaker
Und ja, das hat auch Kosten verursacht.
00:15:23
Speaker
Aber man ist damals noch einen anderen Weg gegangen.
00:15:27
Speaker
Man hat ja bestimmte...
00:15:30
Speaker
Instanzen oder Raids drauf gehabt.
00:15:34
Speaker
Also hat man seine Spielfähigkeit auch im Internet verkauft.
00:15:38
Speaker
Und das heißt, es gab ja Spiele, die wegen ihrer
00:15:43
Speaker
wegen ihres Spielhandlings, wir drücken das nett aus, nicht so weit kamen.
00:15:48
Speaker
Und die konnten sich dann einkaufen.
00:15:50
Speaker
Und wenn dann zehn bereit waren mitzuspielen, dann konnte sich der eine von den zehn halt dranhängen, indem er sich eingekauft hat und hat vielleicht einen Loot oder nur den Erfolgstitel bekommen,
00:16:03
Speaker
indem man ihn mitgeschleift hat.
00:16:04
Speaker
Naja, und so hat man halt Geld verdient, damit man sich bestimmte Sachen einfach auch leisten konnte.
00:16:08
Speaker
Konntest du so Geld verdienen?
00:16:09
Speaker
Ja, ein bisschen.
00:16:10
Speaker
Nicht schlecht.
00:16:12
Speaker
Es gehörte mit dazu, ja.
00:16:15
Speaker
Man hat halt natürlich die Spiele ausgenutzt, die entweder Geld hatten oder die einfach...
00:16:19
Speaker
Und ich das Know-how hatte dazu.
00:16:21
Speaker
Wenn Sachen rumgeschmissen werden, wie geht dein Umfeld damit um?
00:16:26
Speaker
Hattest du ein Umfeld, das das bemerkt hat?
00:16:28
Speaker
Auf einmal spielst du die ganze Zeit dieses Spiel, es fliegen Sachen, du gibst Geld aus?
00:16:35
Speaker
Nö, gar nicht.
00:16:36
Speaker
Das war ja auch für alle noch kein Thema.
00:16:38
Speaker
Natürlich hat man zu viel Zeit verbracht davor, natürlich war einem das bewusst.
00:16:44
Speaker
Auf der anderen Seite hat man von vornherein gleich auch gelogen.
00:16:51
Speaker
Man wusste nicht, dass es ein Problem ist, aber man hat ja...
00:16:56
Speaker
Ich drücke es mal so aus, man hat ja, es ist wie als ob du zwei beste Freunde hast und jedem willst du gleichzeitig gerecht werden.
00:17:02
Speaker
Und dem anderen auch nicht so weh zu tun, weil du die kennst, lügst du vielleicht den anderen einfach an, weil du gern mit dem anderen jetzt was machen würdest in diesem Setup und dem anderen lügst du vielleicht an, weil du gern was mit dem anderen in diesem Setup machen würdest.
00:17:13
Speaker
Kennst du eigentlich schon Lock dich aus?
00:17:15
Speaker
Lock dich aus ist nämlich ein Filmwettbewerb für Schüler und Schülerinnen der siebten und achten Klassen in Bayern.
00:17:21
Speaker
Ziel dieses Filmwettbewerbs ist es, einen zweiminütigen Kurzfilm zu erstellen über irgendein Thema der digitalen Welt, sei es Mediensucht, Cybermobbing oder Fake News.
00:17:31
Speaker
Es gibt tolle Preise zu gewinnen und du kannst auch alle anderen Videos anschauen.
00:17:39
Speaker
Hast du dann jemals Versuche vorgenommen, dich einzuschränken in irgendeiner Weise?
00:17:44
Speaker
Hast du bemerkt, dass es nicht mehr so dieses Controlling-Mittel, das es mal war?
00:17:49
Speaker
Vielleicht ist es nicht mehr so dieses Soziale, sondern es ist jetzt was anderes?
00:17:53
Speaker
Das klingt jetzt so ein bisschen perfide, aber ja, natürlich habe ich Versuche genommen mit einem anderen Spiel.
00:17:59
Speaker
Ja, das würde man im heutigen Setup sagen, sehr blöd.
00:18:04
Speaker
Nein, aber es war so.
00:18:04
Speaker
Du wolltest von diesem Spiel wegkommen und hast ein anderes Spiel gespielt.
00:18:10
Speaker
Aber deswegen kann ich mich heute auch so reflektieren, weil ich das halt auch nie so richtig geschafft habe, weil dieser Kontext der anderen Spieler wichtig war, dieses Gebrauchtwerden und so weiter.
00:18:17
Speaker
Das hast du halt in dem Einstieg des anderen nicht.
00:18:20
Speaker
Du hast zwar mal was anderes gespielt, aber es war halt nicht das, das...
00:18:25
Speaker
Wetter Hocker war schon das Nonplusultra mit all dem, was es auch geboten hat, weil es hat halt alles geboten.
00:18:31
Speaker
Du konntest gegen den PC spielen, du konntest alleine spielen, du konntest mit anderen zusammenspielen, du konntest gegen andere zusammenspielen.
00:18:40
Speaker
Also du konntest Challenge-Systeme machen, du konntest aber auch nur leveln, das heißt nur Aufgaben erfüllen.
00:18:46
Speaker
Du konntest auch nur...
00:18:49
Speaker
Ja, diese Rüstung, wo ich gesagt habe, wo ich Geld ausgegeben habe, erfarmen, also sich aneignen, um die dort im Auktionshaus zu verkaufen, einfach nur um Geld zu machen, also in Game-Werbung zu machen.
00:19:01
Speaker
Also es gab einfach so viele Möglichkeiten.
00:19:04
Speaker
Würdest du sagen, ohne die soziale Komponente wäre WoW nie was gewesen für dich?
00:19:10
Speaker
Ich denke ja.
00:19:12
Speaker
Ich weiß es ja.
00:19:12
Speaker
Also ohne diese soziale Kompetenz.
00:19:14
Speaker
Das war ja das, was es erfüllt hat, wo ich vorhin schon drauf kam, wo ich gesagt habe, ja, dieses Gebrauchtwerden, das Kommunizieren miteinander.
00:19:22
Speaker
Du hast natürlich sehr, sehr schnell Freundschaften geknüpft.
00:19:25
Speaker
Und ich sage bewusst Freundschaften, die im Online-Thema sind.
00:19:30
Speaker
Ja, ich vergleiche das gern mit einem Verein.
00:19:32
Speaker
Das heißt, wenn du heute in unsere Realität in einem Verein gehst, dann ist da alles schön.
00:19:36
Speaker
Ihr habt dieselbe Thematik.
00:19:39
Speaker
Also man spielt ein Spiel gemeinsam zusammen und wenn du aber sagst, pass auf, ich habe keinen Bock mehr auf diesen Verein, die anderen bleiben in diesem Verein, dann bist du einfach von heute auf morgen raus.
00:19:51
Speaker
Die Leute gehen trotzdem ja zum Verein, die haben deswegen für dich jetzt nicht mehr Zeit, nur weil du raus bist.
00:19:55
Speaker
Das heißt, du bist außen vor.
00:19:56
Speaker
Und genauso war es auch in dieser Ingame-Welt.
00:19:59
Speaker
Also von daher war es grundlegend schon wichtig, diese sozialen Einheiten, auch diese Bindung.
00:20:06
Speaker
Ich muss noch dazu sagen, diese Freundschaften, wo ich gerade hinaus wollte, ist es ja auch so, wenn du mit jemandem 10, 15 Stunden zusammen zockst, dann lernst du jemanden und Menschen ganz intensiv kennen.
00:20:17
Speaker
Also alle Arten, Gesichtsmimiken, Gestiken, wann macht das Fenster auf, wann klopft es an der Tür, wann bestellt er sich eine Pizza, wann raucht der eine, also wirklich diese ganzen kleinen Details, die du noch nicht mal am Anfang einer menschlichen Beziehung, wenn du vielleicht eine Freundin oder einen Freund findest, mitkriegst, weil du dich vielleicht nur zum Kaffee verabredest, um jemanden kennenzulernen, sondern du bist von 0 auf 100 in einem anderen Leben Teil dahin.
00:20:39
Speaker
Und deswegen verbindet das auch so arg.
00:20:41
Speaker
An sich ist es ja nicht schlecht, so diese soziale Bindung und eine Community zu haben.
00:20:45
Speaker
Wo fing dann das Problem an?
00:20:48
Speaker
Ja, man braucht ja Geld zum Leben.
00:20:50
Speaker
Da waren auch so bestimmte Aufgaben erledigen, wie Arbeiten gehen zum Beispiel.
00:20:56
Speaker
Es gab auch so nette Unternehmen, die dann einen erinnert haben mit sehr vielen Mahnungen, dass du vielleicht mal deine Miete zahlen solltest oder vielleicht deine Telefonrechnung.
00:21:06
Speaker
Vielleicht auch den Strom wäre ganz wichtig.
00:21:08
Speaker
Also ich glaube, diese Rechnungen haben einen gar nicht so...
00:21:12
Speaker
Das war gar nicht so schlimm, weil das ja eigentlich scheißegal war.
00:21:15
Speaker
Aber du wusstest, du brauchst die Wohnung, du brauchst Strom, du brauchst den Internetanschluss.

Erkenntnis und Übergang: Vom Spiel zur Realität

00:21:21
Speaker
Mindestens so.
00:21:22
Speaker
Das setzt alles voraus.
00:21:25
Speaker
Ja, und man hat auch gelernt, in dieser Welt, in jedem Lebenssetup damit zu leben.
00:21:32
Speaker
Also egal, ob ich arbeitslos war, egal, ob ich in der Arbeit war, egal, ob ich, Bürgergeld heißt es jetzt, aber Hartz-IV-Empfänger war,
00:21:41
Speaker
Klar musstest du dein Setup einstellen, das Setup blieb aber grundsätzlich gleich.
00:21:45
Speaker
Das Einzige, was ich geändert habe, war das Essen.
00:21:49
Speaker
Wo du gesagt hast, wenn es dir gut geht, dann bestellst du halt jedes Mal.
00:21:51
Speaker
Und wenn es nicht so gut geht, dann sind es halt die Fraffi-Oli-Dosen, die dich beim PC ernähren.
00:21:57
Speaker
Und ja.
00:21:59
Speaker
Also alles hat existiert, um das Spiel zu unterstützen?
00:22:01
Speaker
Ja, natürlich, klar.
00:22:04
Speaker
Was war der erste Tag, wo du gesagt hast, okay, das ist vielleicht nicht mehr so für mich?
00:22:11
Speaker
Ach, das Ding gab es gar nicht so richtig.
00:22:15
Speaker
Also wo ich das erste Mal gemerkt habe, die Problematik, nach vielen, vielen Jahren war eigentlich, wo ich verheiratet war, weil ich meinte mir auch etwas beweisen müssen, beweisen zu müssen im Leben, deswegen habe ich geheiratet.
00:22:30
Speaker
Ich kann das aber gar nicht mehr so richtig erklären.
00:22:32
Speaker
Nein, es war schon okay, es war schon auch die passende Frau.
00:22:36
Speaker
Aber diese Frau hatte zwei Kinder, also nicht meine eigenen, sondern ich hatte Stiefkinder.
00:22:41
Speaker
Und ich müsste jetzt lügen, ich war damals zwölf und vier, so in dem Dreh und mein Gut mit dem kleinen Sohn so und so, aber mit dem Zwölfjährigen, so als junger Papa, Anfang 20, naja, was machst du, das ist keine Art Papa zu sein, aber Gaming verbindet schon.
00:22:58
Speaker
Und ja, dann habe ich ihm die Welt von Wird of Warcraft gezeigt.
00:23:03
Speaker
Und er hat das noch viel schneller begriffen, dass dies im Weltall war, als ich tat und wurde daraufhin, also einfach in der Kürzenfassung, am Ende zum Schulverweigerer.
00:23:17
Speaker
Und auch wenn ich in dieser Welt auch ebenfalls gefangen war, was ich natürlich auch nicht eingesehen hatte, habe ich bei ihm aber natürlich das größere Problem gesehen, weil er ist nicht zur Schule gegangen.
00:23:26
Speaker
Ich habe immer noch das Lebenssetup so hingehalten, arbeiten zu gehen, ein bisschen Geld zu verdienen.
00:23:32
Speaker
Das war für mich schon grundlegend, aber er ist halt nicht zur Schule gegangen.
00:23:35
Speaker
Das wäre sein Lebensinhalt gewesen oder seine Lebensaufgabe zumindest.
00:23:39
Speaker
Und ja, was machst du da?
00:23:41
Speaker
Spielsüchtig kam dann schon mal in Gedanken, aber das Wort hatte man einfach nicht, weil man es damals nicht verbunden hatte.
00:23:46
Speaker
Aber ich bin damals im Jugendamt und wollte mir helfen lassen.
00:23:49
Speaker
Also nicht mehr, sondern für den Filsk Stiefsohn.
00:23:53
Speaker
Und dann saß ich da vor dieser Beraterin im Jugendamt und ich sagte, Herr Stolz, was wollen Sie denn jetzt eigentlich hier?
00:23:59
Speaker
Der nimmt keine Drogen, trinkt keinen Alkohol, der schlägt sich nicht.
00:24:04
Speaker
Der zockt halt, machen Kinder halt so.
00:24:08
Speaker
Ja, und das war es.
00:24:11
Speaker
Und ja, dann gab es, trotzdem haben wir es dann durchgekriegt, so ein Treuer, ich weiß nicht, das Wort, wie das jetzt heißt, also der, der nach Hause kommt und sich mit dem Kind etwas mal beschäftigt.
00:24:22
Speaker
War auch ganz cool, zwei Stunden die Woche.
00:24:24
Speaker
Das war da, wo er draußen war in der Luft.
00:24:26
Speaker
Das waren auch die einzigsten zwei Stunden in der Woche.
00:24:29
Speaker
Also er kam dann wieder und hat sich wieder vom PC gesetzt.
00:24:33
Speaker
Ja, und dann haben wir ihn dann doch durch viele...
00:24:38
Speaker
Gewalt klingt jetzt doof, das wäre der falsche Weg, sondern mit viel Überreden und Geschreie und Familieninterne Situationen, drücken wir es so aus, in eine Klinik gebracht, wo er natürlich dann auf Depressionen behandelt wurde, weil es gab ja keine Mädchen.
00:24:55
Speaker
Aber ich habe dann auch nicht mehr so viel mitgekriegt, weil meine Frau hat sich dann auch für einen anderen Menschen entschieden, diesen Weg mit ihm gemeinsam zu gehen.
00:25:05
Speaker
Das heißt, meine Scheidung stand dann sehr schnell im Raum.
00:25:08
Speaker
Und natürlich habe ich kein Problem gehabt, sondern die Frau hat natürlich das Problem gehabt.
00:25:13
Speaker
Für mich war es einfach nur ein Hobby und ich habe es einfach so erklärt für mich.
00:25:18
Speaker
Diese Ausreden höre ich leider heute auch immer noch.
00:25:22
Speaker
Nehmen wir jetzt jemanden, der sehr, sehr fußballbegeistert ist.
00:25:26
Speaker
Ja, der schaut den ganzen Tag Fußball.
00:25:28
Speaker
Der geht dreimal die Woche ins Training.
00:25:31
Speaker
Am Wochenende haben sie Spiele und danach saufen sie sich die rüber zu.
00:25:35
Speaker
Das ist das Setup eines Fußballspiels.
00:25:37
Speaker
Nicht jeden, die falsch verstehen, aber das war für mich in meinem Kopf.
00:25:43
Speaker
Ich war doch zu Hause.
00:25:44
Speaker
Keine Kneipe, ich war nicht besoffen.
00:25:46
Speaker
Ich bin ja da.
00:25:46
Speaker
Ich saß am Tisch und habe gezockt.
00:25:48
Speaker
Ich bin ja da.
00:25:50
Speaker
Auch wenn man vielleicht doch psychisch nicht da ist.
00:25:53
Speaker
So habe ich es mal erklärt und natürlich haben die anderen Probleme gehabt.
00:25:56
Speaker
Aber irgendwann kam es dann halt so weit, dass ich...
00:26:00
Speaker
Ja, dass die Scheidung dann irgendwann im Raum statt, beziehungsweise die Trennung.
00:26:04
Speaker
Und ja...
00:26:08
Speaker
Dadurch auch mein Auszug.
00:26:10
Speaker
Ich habe bei meiner Ex-Frau damals alles zurückgelassen, bin nur wirklich nur mit zwei Taschen ausgezogen, weil ich das Kind-Setup nie dafür verantwortlich machen wollte, was Erwachsene verbocken.
00:26:22
Speaker
Und naja, erstmal sucht man sich natürlich eine Wohnung mit der größten Priorität, welche Internetseitungen in dieser Wohnung.
00:26:30
Speaker
Ja.
00:26:32
Speaker
Ja, logisch, das ist das Setup, da gibt Strom.
00:26:35
Speaker
Und gut, was kostet jetzt das Ganze mit der Wohnung?
00:26:39
Speaker
Glücklicherweise bin ich aber an einer
00:26:42
Speaker
Familie, also ich wohnte an einem kleinen Ort, aber trotzdem hatte ich den gedanklichen Gang, was kannst du dir jetzt leisten, eigentlich nichts.
00:26:51
Speaker
Okay, was kannst du tun?
00:26:53
Speaker
WG wäre doch ganz cool.
00:26:54
Speaker
Also suchte ich in einem kleinen Ort mit vielleicht 6-7.000 Einwohnern eine WG, was schon ein bisschen komisch war, dachte ich mir.
00:27:02
Speaker
Aber ich habe eine Anzeige gefunden, die schon 7, 8 Jahre alt war.
00:27:05
Speaker
Aber da dachte ich mir, Mensch, wer früher vermietet hat, vielleicht vermietet er auch jetzt.
00:27:10
Speaker
Also nahm ich das Telefon und rief da an.
00:27:13
Speaker
Und er sagte, ja klar, kommt vorbei.
00:27:15
Speaker
Und dann hat er mir erklärt, wo ich da war.
00:27:17
Speaker
Es passt gerade, sie sind eine Großfamilie, also eine Familie mit zwei Erwachsenen, vier Kindern, ein Pflegekind und ein Hund, so wie man sich das so in einem Bilderbuch vorstellt.
00:27:27
Speaker
Und eine ist gerade ausgezogen zum Studieren und da war ein Zimmerfrag.
00:27:32
Speaker
Und ja, genau dieses Zimmer habe ich dann genutzt.
00:27:37
Speaker
Und bin dann quasi eingezogen und hab dann aber eigentlich erstmal nochmal sehr intensiv gezogen, weil ich jetzt sehr viel Ruhe und Zeit hatte.
00:27:46
Speaker
Aber ich hab dann, ich sage durch diese Familie, wo ich da war, die haben mich trotzdem immer rausgeholt.
00:27:52
Speaker
Jetzt komm mal was essen, jetzt komm mal mit dahin, komm mal mit.
00:27:55
Speaker
Und irgendwie hatte man, weil man die Menschen so eine Möglichkeit gegeben hatte, so eine Art Respekt entwickelt.
00:28:03
Speaker
Und klar, mit diesem ganzen außerhalb des PCs verbringe, drücke ich mal jetzt so ganz so aus, habe ich da natürlich so ein bisschen drüber gesprochen.
00:28:15
Speaker
Klar, ich spiele gerne, mache das und ich habe Geldschulden und beruflich nicht so toll.
00:28:20
Speaker
Und war dann auch mein Konto überzogen, war im Dispo.
00:28:23
Speaker
Und wer das einmal mit Dispo kennt, der kommt dann nicht mehr so eben raus, wenn du jeden Monat 10, 15 Prozent Zinsen zahlen musst.
00:28:31
Speaker
Und diese Menschen sagten mir, er bewahr Ronald.
00:28:36
Speaker
Ihr hast 5.000 Euro, die mir auf den Tisch gelegt wurden.
00:28:40
Speaker
Damit deckst du dein Konto.
00:28:41
Speaker
Das waren meine Schulden damals.
00:28:43
Speaker
Und damit du zumindest den Dispo nicht mehr zu einem musst.
00:28:47
Speaker
Und zahlst uns das zurück.
00:28:50
Speaker
Und ich saß dann da und er wüsste jetzt nicht irgendwas Schriftliches, muss mir was unterschreiben, Vertrag, weißt ja, wie du bei der Bank gehst, hast wieder Ruhe.
00:28:57
Speaker
Sondern, nö, nutzt es.
00:28:59
Speaker
Okay.
00:29:02
Speaker
Und das war so der Knackpunkt für mich, wo ich gemerkt habe, okay, das ist so eine Chance, die du mal eben so für nichts, ohne dass du was getan hast, kriegst.
00:29:14
Speaker
Und da war der erste Weg eben wieder aus dem Respekt her,
00:29:19
Speaker
Okay, ich brauche jetzt irgendwie einen Job, einen Nebenjob und du musstest zurückzahlen.
00:29:25
Speaker
Nur war ich damals Verkäufer, Vertrieb und nichts, wo ich mich hätte jetzt langfristig vorstellen können, finanziell gut auf die Beine zu kommen in dieser Branche.
00:29:35
Speaker
Und damals war es halt einfach so als Verkäuferjob in Gastronomie, ich meine, es war wie Friseur und Blumenladen die schlecht bezahltesten Berufe, die es überhaupt gab.
00:29:46
Speaker
Ja, und ich hatte aber dann schon den Nebenjob in der Kneipe und habe da Menschen kennengelernt, einen Firmenchef kennengelernt, der im Technikbereich arbeitete.
00:29:57
Speaker
Also die Jägermeister haben mich verbunden, drück mich mal so, ohne jetzt Werbung zu machen, aber ja.
00:30:02
Speaker
Und die Menschen habe ich dann über einen gewissen Zeitraum, wo ich den Nebenjob hatte, kennengelernt.
00:30:09
Speaker
Und...
00:30:11
Speaker
Ja, dann kamen wir immer mehr ins Gespräch und das hat mich einfach interessiert und dann bin ich halt immer eben reingeschnuppert in diese Branche und mit Technik und alles, was du damit getrunken hast, ein bisschen basteln, ist ja man ja Mann, Sammler, Techniker, so sind wir Männer ja ein bisschen.
00:30:30
Speaker
Und so habe ich dann reingeschnuppert und mir hat das gefallen.
00:30:36
Speaker
Da habe ich mich gesehen drin.
00:30:38
Speaker
Und dann stand für mich relativ schnell die Frage im Kopf, bei mir läuft es eh nicht so richtig gut, vielleicht eine Ausbildung machen.
00:30:48
Speaker
Aber es wäre finanziell nicht so richtig machbar gewesen.
00:30:52
Speaker
Mein Chef konnte ja auch nicht ausbilden.
00:30:55
Speaker
Was gibt es für Möglichkeiten?
00:30:58
Speaker
Die einzige Möglichkeit, die mir in Gedanken war, oder durch andere im Gaming-Bereich wieder, weil du solche privaten Sachen auch gesprochen hast, stand die Umschulung im Raum.
00:31:08
Speaker
Also habe ich mich wirklich darauf vorbereitet, bin damals zum Arbeitsamt, weil ich auch arbeitslos war, und gesagt habe, ich will eine Umschulung machen.
00:31:16
Speaker
Und warum es auch wieder da so funktionierte, war das eine Sache von ein paar Stunden.
00:31:23
Speaker
Ich bin also rein, ich sage, ich will das machen und das mache ich, weil ich will das erreichen und das mache ich, weil das und das passiert ist und das und das ist meine Ausbildung und das und das will ich erreichen.
00:31:33
Speaker
Also ich habe keine Frage offengelassen.
00:31:36
Speaker
Damit konnte meine Beraterin...
00:31:38
Speaker
Ich war, glaube ich, so mit überfordert, dass sie sagte, ja, okay.
00:31:42
Speaker
Es gab in diesem Hauptarbeitsamt damals zufällig genau noch am selben Nachmittag ein, also quasi, du kannst da hingehen und die Berufe angucken, Umschulungen, wie das Ganze so funktioniert.
00:31:55
Speaker
Und es hat zufällig auch diese Arbeitsagenturleiter geleitet.
00:31:58
Speaker
Genau noch an diesem selben Tag bin ich dahin.
00:32:01
Speaker
Es waren glaube ich fünf, sechs Leute eingeladen.
00:32:03
Speaker
Und genau an diesem Tag kam keiner von diesen Leuten.
00:32:08
Speaker
Dann sagte dieser Arbeitsagenturchef, ja okay, dann gehen wir mal in mein Büro.
00:32:12
Speaker
Dann habe ich ihm dasselbe nochmal erklärt wie der Beraterin, warum, wieso, weshalb ich das Ganze so machen möchte.
00:32:18
Speaker
Und dann sagt er, ja gut, dann fahren wir jetzt zur Schule.
00:32:23
Speaker
So, und dann bin ich zu dieser Schule gefahren, habe da so einen Test gekriegt, habe eine Stunde so einen Test geschrieben, also ob man geeignet ist, ob man technisch verständlich ist, technisches Verständnis hat, räumliches Denken, ein paar Matheaufgaben, ein paar logische Sachen, okay.
00:32:36
Speaker
Also ob ich bestanden habe, wusste ich nicht.
00:32:40
Speaker
Es hat für das Ergebnis gereicht, drücken wir es so aus.
00:32:44
Speaker
Ja, und zwei Wochen später saß ich in der Umschulung.
00:32:49
Speaker
Und damit war aber natürlich ein Druck gesetzt in mich.
00:32:54
Speaker
Ich hatte einerseits meine Spielerkarriere und andererseits eine Chance.
00:33:01
Speaker
Und wie mache ich das jetzt?
00:33:02
Speaker
Und relativ schnell habe ich gemerkt, nachdem ich diese Umschulung angefangen habe, dass das mit meinem Setup nicht mehr funktioniert, des Gamings.
00:33:13
Speaker
Das heißt, da wo ich nach Hause kam, noch was gegessen habe oder wie auch immer, ist alles schon gestartet, was ich immer mitgemacht habe.
00:33:22
Speaker
Das heißt, ich wurde dann zum Zuschauer, so wie man das kannte, auf YouTube, auf Twitch, aber auch live im Game und habe dann einfach zugeschaut und war darauf angewiesen wiederum, dass andere das, wo ich mitgespielt habe, streamen.
00:33:37
Speaker
Da war natürlich Twitch die perfekte Plattform damals.
00:33:41
Speaker
Ja, und so habe ich dann meine Abende verbracht.
00:33:42
Speaker
Ich habe dann einfach zugeschaut.
00:33:43
Speaker
Und nachdem die fertig waren, bin ich dann auch wieder dazu und habe gequatscht und noch ein bisschen gespielt.
00:33:48
Speaker
Aber das war es halt nicht mehr.
00:33:50
Speaker
Das war nicht das, was ich war, wie ich gespielt habe.
00:33:55
Speaker
Und dieses Setup, quasi Schule, neue Beruf, Chance.
00:34:02
Speaker
Ja.
00:34:04
Speaker
hat mich eigentlich so von dem Spiel weggetrieben.
00:34:06
Speaker
Aber trotzdem hat es mich jeden Tag getriggert.
00:34:08
Speaker
Trotzdem jeden Tag im WhatsApp und in anderen Plattformen geschrieben, man kommt zu live, wie können wir das machen.
00:34:15
Speaker
Es gab ja auch Menschen mit meinem Problem online.
00:34:19
Speaker
Deswegen gab es den Nachtrate-Gilben.
00:34:23
Speaker
Genau dasselbe für Schichtarbeiter.
00:34:25
Speaker
Es gab ja alle Modelle in diesem Spiel.
00:34:27
Speaker
Aber das habe ich probiert, aber auch
00:34:31
Speaker
Mental gar nicht durchgehalten.
00:34:34
Speaker
Also ich habe das schon so ein paar Wochen, Monate so durchgehalten, mit zwei Stunden Schlaf.
00:34:39
Speaker
Das geht schon irgendwie.
00:34:43
Speaker
Aber die Schule war mir halt schon wichtig, weil es ständig Tests gab, Arbeiten gab.
00:34:49
Speaker
Und habe mich dann mehr fokussiert, meinen Nebenjob und meine Schulden, wie gesagt, auch wiederum hatte, durch meinen Vermieter, abzubezahlen.
00:34:57
Speaker
Und ja, so ist der Weg so ein bisschen in die Richtung gelaufen.
00:35:02
Speaker
Was hat dich dann motiviert in den Verein zu kommen?
00:35:04
Speaker
Wie bist du da in Kontakt gekommen?
00:35:06
Speaker
Verein war ein ganz, ganz weiter Weg, da ist noch sehr, sehr, sehr viel passiert.
00:35:12
Speaker
Ich habe ja meine vier, fünf Jahre gebraucht, um rauszukommen.
00:35:16
Speaker
Ich hatte vielleicht das noch als interessanter Punkt.
00:35:20
Speaker
Medien-Sucht gab es nicht und auch in meinem Kopf gab es das Wort nicht.
00:35:23
Speaker
Ich wusste nur, ich habe ein Problem, was zeitlich nicht passt.
00:35:27
Speaker
Und habe natürlich gemerkt, dass dieses Spiel mich auch außerhalb begleitet, der Wohnung.
00:35:32
Speaker
Und da war auch ein Wort wie Abstinenz nicht im Kopf.
00:35:36
Speaker
Aber da dachte ich, was habe ich im Spiel motiviert und habe mich angefangen, damals zu analysieren.
00:35:43
Speaker
Nicht vom Spielverhalten, sondern von den Mechaniken.
00:35:46
Speaker
Das heißt, mich motiviert eine coole Aufgabe.
00:35:49
Speaker
Eine coole Aufgabe kann auch morgens aufstehen sein.
00:35:51
Speaker
Und wenn du gut aufstehst, dann gibt es als Belohnung den Kaffee.
00:35:56
Speaker
So, und wenn du deinen Kaffee schnell genug trinkst, dann schaffst du auch deinen Zug.
00:35:59
Speaker
Und wenn der Zug pünktlich kommt, das kann man jetzt mal in Frage stellen, schaffst du es wirklich zur Schule?
00:36:04
Speaker
Aber da zählt ja auch nicht, kommt der Zug pünktlich, sondern wenn du weißt, dass er unpünktlich kommt, dann fahr einen Zug früher.
00:36:09
Speaker
Was ich auch tat.
00:36:11
Speaker
Und ja, damit kam man mehr in die reale Welt.
00:36:14
Speaker
Das heißt, du hast mehr mit Menschen zu tun gehabt, die dann auch eher da waren.
00:36:18
Speaker
Dann hat man mehr kommuniziert, mehr einfach mit Menschen unternommen.
00:36:22
Speaker
Und das hat mir meine entwickelten sozialen Ängste wieder ein bisschen auch genommen.
00:36:27
Speaker
Und also die Priorität hat immer mehr angenommen der Realität.
00:36:32
Speaker
Und da ich eh bloß noch online dieser Zuschauer war,
00:36:36
Speaker
und mir diese Mechaniken, diese Challengesysteme mit in die reale Welt genommen hat, hat mich so einigermaßen erfüllt.
00:36:43
Speaker
Und natürlich, Nebenjob, Blussschule, Gaming hat nicht funktioniert, aber es war meine Priorität.
00:36:48
Speaker
Und natürlich, muss ich heute sagen, war es eine Subverlagerung sicherlich.
00:36:52
Speaker
Aber eine Verlagerung, die mich persönlich, menschlich weitergebracht hat.
00:36:56
Speaker
Meinst du, wegen deinen sozialen Bedürfnissen, die sonst schon so gedeckt waren, dass einfach, wow, muss ich nicht machen?
00:37:03
Speaker
Ja, aber es hat nicht mehr reingepasst, es war einfach nicht nötig.
00:37:07
Speaker
Es hat mich traurig gemacht, weil du ja dadurch plötzlich von heute auf morgen alle Freunde verloren hast.
00:37:12
Speaker
Alle.
00:37:13
Speaker
Und dann war ich alleine.
00:37:15
Speaker
Und damit hatte ich schon wieder arg zu kämpfen, aber wenn das das Mittel war, dann war es so und habe das akzeptiert.
00:37:22
Speaker
Wie ist dann deine Genesungsreise fortgeführt?
00:37:27
Speaker
Ja, immer wieder natürlich mit Rückschlägen, also am Wochenende, Ferien, ja.
00:37:32
Speaker
Aber die Priorität war wirklich, ich habe es als Chance gesehen und meine Schulden abzuzahlen und das hat mich einfach in diese Welt gebracht.
00:37:40
Speaker
Und wie gesagt, ich habe bestimmt, man kann es nicht mehr nachvollziehen, weil man das Ganze so ein bisschen miterlebt hat, aber...
00:37:46
Speaker
Ich habe meine gute fünf Jahre gebraucht, um gut rauszukommen, um reflektiert rauszukommen.
00:37:54
Speaker
Und dann hat es auch nur ein, zwei Jahre danach so ein bisschen gedauert.
00:37:57
Speaker
Klar, man hat eine Frau kennengelernt und das.
00:38:01
Speaker
Und ich wollte aber irgendwas zurückgeben.
00:38:05
Speaker
Irgendwie habe ich das Gefühl gehabt.
00:38:06
Speaker
Ich kann das nicht richtig beschreiben.
00:38:07
Speaker
Ich wollte irgendwas tun, was Gutes ist.

Selbsthilfe und Engagement gegen Mediensucht

00:38:12
Speaker
Und ja, irgendwas sollte es mit Gaming zu tun haben, war mein erster Gedanke.
00:38:18
Speaker
Und dann dachte ich, wie sieht so ein Setup eines Süchtigen aus?
00:38:22
Speaker
Ich dachte so, typischer Hartz-IVer, wird doch Vorkaufsspieler und ich habe meinen Weg und den kann ich vielleicht zeigen.
00:38:28
Speaker
Aber natürlich habe ich dann schnell gemerkt, dass es gar nicht so viele Wege gibt.
00:38:31
Speaker
So ein einzigster Weg, der mir dann offenbart wurde durch Beratungen, Einrichtungen, die ich aufgesucht hatte.
00:38:38
Speaker
Also grundsätzlich habe ich mal gemerkt, dass ich überhaupt keiner damit auskannte, egal an welcher Beratungsstelle ich war.
00:38:44
Speaker
Aber mir gesagt wurde, okay, wenn dann in Richtung Selbsthilfe.
00:38:49
Speaker
Ja, das habe ich dann auch ganz geschwind gemacht und habe dann Räumlichkeiten gesucht und es hat alles von heute auf morgen gestanden.
00:38:58
Speaker
Eine Krankenkasse hat mich dabei unterstützt und also Räumlichkeiten, die ich nicht zahlen musste.
00:39:03
Speaker
Und wenn ich doch meinen Betrag zahlen musste, gibt es ja Selbsthilfeförderung.
00:39:06
Speaker
Das ging dann los.
00:39:08
Speaker
Und dachte mir, ja, so ein Bedarf muss dann auch schon regelmäßig sein.
00:39:11
Speaker
Und dann hatte ich, glaube ich, damals den Donnerstag genommen.
00:39:13
Speaker
Und man muss aber sagen, in dem kleinen Ort, wo ich war.
00:39:18
Speaker
Und habe ein bisschen Werbung gemacht in der Zeitung.
00:39:21
Speaker
Die Selbsthilfekontaktstelle hat mich damals unterstützt.
00:39:25
Speaker
Ja, und dann saß ich da, das erste Jahr, jeden Donnerstag allein.
00:39:30
Speaker
Ja, und irgendwann habe ich mein Laptop mitgenommen und habe dann noch ein bisschen gearbeitet, das kommt ja eh keiner.
00:39:36
Speaker
Aber irgendwie hat es mir auch nicht gereicht.
00:39:38
Speaker
Also war mir bewusst, ich muss wieder in diese Medienwelt zurück, aber nicht einfach, um zu spielen, sondern einfach bekannt zu machen, das, was ich tue.
00:39:46
Speaker
Und irgendwie kam ich dann auf den Verein, den Fachverband für Medienabhängigkeit, den es in Deutschland schon gab.
00:39:54
Speaker
Und habe dann ganz nett einen Arzt und Klinikleiter kennengelernt.
00:40:00
Speaker
Ich muss jetzt lügen, irgendwo in Köln die Ecke.
00:40:03
Speaker
Und die hatten dann irgendwie so ein Fachsymposium und haben mich eingeladen.
00:40:08
Speaker
Okay.
00:40:09
Speaker
komm ich halt mal vorbei.
00:40:12
Speaker
Und hab das dann tatsächlich gemacht und bin da hingefahren.
00:40:16
Speaker
Und er hat mich gefragt, ob ich da so einen Vortrag machen würde, also so wie es jetzt hier in diesem Setup tun, dass ich meine Geschichte erzähle.
00:40:25
Speaker
Und ja, da saß ich dann plötzlich davor, ich weiß es nicht mehr, 20, 30 Doktoren, Ärzten, Korofenen, die aber zu tun hatten, Sucht und so weiter.
00:40:34
Speaker
Ich habe dann so meine Geschichte erzählt, habe dann, glaube ich, die Hälfte der Zeit rumgeheult, dass das Ganze nicht funktioniert, was ich tue.
00:40:41
Speaker
Und danach, und ich weiß es bis heute nicht,
00:40:46
Speaker
habe ich kein Feedback gekriegt.
00:40:47
Speaker
Jeder, den ich angeguckt hatte, hatte keine Mimik, Gestik, gar nichts.
00:40:52
Speaker
Sie haben einfach akzeptiert, dass ich das so erzählt hatte, ohne eine Reflexion zu geben.
00:40:57
Speaker
Und dann muss ich sagen, war das jetzt alles scheiße, war ich jetzt langweilig, war das jetzt zu emotional, habe ich jetzt so viel geredet, dass überhaupt keiner mehr Fragen hat.
00:41:05
Speaker
Da stand ich da nun.
00:41:08
Speaker
Und ja, ich habe das so akzeptiert und irgendwie fand es aber so im Nachhinein den einen oder anderen, den ich geredet habe, dann doch schon gut und auch emotional.
00:41:18
Speaker
Und für die war das sicherlich ja auch normal irgendwo, die haben ja damit zu tun gehabt.
00:41:24
Speaker
Ja, und so fing es dann eigentlich an, dass ich dann an Zeitungen geschrieben habe.
00:41:30
Speaker
Mir war dann ein Thema ganz bewusst und ich wollte nicht anders sein, sondern ich wollte dieses Thema thematisieren mit meinen Möglichkeiten, eingeschränkten Möglichkeiten, die ich hatte.
00:41:41
Speaker
Ich wusste, es wird schon leicht thematisiert, aber immer nur, wenn mal die Gamescom ist in Deutschland.
00:41:47
Speaker
Also das war das Hauptthema in Deutschland, wenn es um Gaming ging.
00:41:51
Speaker
Und so habe ich dann angefangen, meine Geschichte im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung zu erzählen.
00:41:58
Speaker
Und dadurch...
00:42:00
Speaker
wurde es ein bisschen offener.
00:42:01
Speaker
Es kam bei der ein oder andere Mensch zur Selbsthilfe, war trotzdem noch immer sehr schwierig, weil wenn da mal einer kommt, dann kann sich jeder vorstellen, wenn du mal ein Jahr auf jemanden wartest und da kommt einer.
00:42:14
Speaker
Love bombing.
00:42:15
Speaker
Und hat eh schon Angst und das Thema ist eh schon kritisch.
00:42:19
Speaker
Und dann hast du so einen vollen Fokus auf richtig.
00:42:21
Speaker
Der da so überladen wird von... Also es hat auch nicht so richtig geklappt.
00:42:27
Speaker
Und ja, also habe ich das Thema online wieder aufgegriffen, wieder aufgegriffen und habe dann die erste Online-Selbsthilfegruppe erschaffen.
00:42:39
Speaker
Und durch dieses Online und durch dieses Werbung und durch Facebook und Instagram und alles, was es so gab, wo ich das immer wieder jeden Tag dasselbe gepostet habe, kamen dann so die ersten Menschen.
00:42:50
Speaker
Und so ist quasi diese Selbsthilfe entstanden.
00:42:54
Speaker
Und kurioserweise muss ich noch dazu sagen, wo ich mich mit der Selbsthilfe beschäftigt habe, habe ich gegoogelt.
00:42:59
Speaker
Und es gab, ich misse jetzt die Lüge für die Namen, den Christoph Hürtel.
00:43:03
Speaker
Da gab es aktiv gegen Mediensucht.
00:43:04
Speaker
Mhm.
00:43:06
Speaker
Aber ich wusste, der Verein lag brah, weil der Herr vom Vorstand leider verstorben war.
00:43:11
Speaker
Es gab, glaube ich, ein bisschen lügenden Namen, aber es gab, glaube ich, die Gabriele Frauke hieß sie.
00:43:17
Speaker
Sie hat auch ein Buch dazu geschrieben.
00:43:20
Speaker
Ist leider verstorben.
00:43:23
Speaker
Ich habe mich damit beschäftigt und plötzlich alles, was ich darüber gefunden habe, waren tote Menschen.
00:43:27
Speaker
Blödes Obklang.
00:43:29
Speaker
Und dann habe ich so ein bisschen mitgekriegt, der Verein wurde reaktiviert.
00:43:35
Speaker
Aktiv gegen Mediensucht e.V.
00:43:37
Speaker
München.
00:43:39
Speaker
Und dann wollte ich Mitglied werden, wurde dann auch Mitglied, aber ich habe gemerkt, da passiert gar nicht so viel.
00:43:47
Speaker
Also nicht so, wie ich mir das vorgestellt hätte oder gehofft hätte.
00:43:52
Speaker
und ja, und habe mich dann als Vorstand angeboten.
00:43:56
Speaker
Und es gab einfach auch niemand groß, der so viel Intention hatte, diesen Verein so weit vorbekommen zu bringen.
00:44:02
Speaker
Also wäre die logische Schlussfolgerung gewesen, den Verein aufzulösen.
00:44:09
Speaker
Man muss immer sagen, der Verein ist aktiv gegen Mediensucht durch eine Elterninitiative in München entstanden.
00:44:14
Speaker
die ihren Sohn, ähnlich wie es bei mir war, im Studienalter an die Medien verloren haben und keinen Zugang mehr zu ihnen hatten.
00:44:20
Speaker
Daraus ist die Familie Hirte, hat diese Elterninitiative gegründet.
00:44:27
Speaker
Und aktiv gegen Mediensucht hat sich damals geäußert durch Rollenspielsucht.de, da gab es die Adresse auch, durch ein Forum, in dem andere Menschen schreien, schreiben konnten, ihre Probleme.
00:44:39
Speaker
Der Christoph Vierte war eher so der Aktive außerhalb und seine Frau war, die dann kommentiert hat, so drauf eingegangen ist, auf andere Eltern oder Betroffene, was ich jetzt so im Nachhinein so mitgekriegt habe.
00:44:52
Speaker
Und
00:44:54
Speaker
Und ja, das war damals der Verein.
00:44:55
Speaker
Und dann habe ich den Verein vor ca.
00:44:59
Speaker
jetzt dreieinhalb Jahren übernommen.
00:45:03
Speaker
Und das hat so gepasst.
00:45:04
Speaker
Ich hatte einen guten Kooperationspartner, das war die Caritas Augsburg mit den Nies Bruinen, den Jürgen Hanschuh, er ist Geschäftsführer beim Landshuter Netzwerk.
00:45:13
Speaker
Und dann hat er uns, das Landshuter Netzwerk, uns in die Förderung mit aufgenommen, weil wir brauchten eine neue Webseite.
00:45:20
Speaker
die aber schon mal gefördert wurde, der bayerischen Regierung.
00:45:23
Speaker
Und es ist leider so, dass Projekte, die bereits gefördert wurden, meistens kein zweites Mal gefördert werden.
00:45:29
Speaker
Und durch das Landwirternetzwerk konnten wir dann diese Webseite mit der Rentenversicherung Süd erneuern.
00:45:36
Speaker
Ja, und das war so die Basis.
00:45:39
Speaker
Meine Selbsthilfe plus die Vereinswebseite, die wir geschaffen haben, wo ein paar Antworten mit draufstehen, für Leute, die Hilfe suchen, das war so, wie es gestartet ist.
00:45:49
Speaker
Und ich glaube, in den letzten drei Jahren seitdem hat sich viel getan.
00:45:53
Speaker
Also ein rasantes Wachstum.
00:45:57
Speaker
Ja, ja.
00:45:59
Speaker
Ich habe schon, ja, wir sind ja jetzt in einem Setup, wo ich den Verein dreieinhalb Jahre mache, das heißt schon seit über sieben Jahren Selbsthilfe.
00:46:07
Speaker
Und ich habe gemerkt,
00:46:09
Speaker
dass schon alles gefruchtet hat, was ich getan habe.
00:46:12
Speaker
Nur manches eben drei Jahre gebraucht hat, anzulaufen.
00:46:17
Speaker
Und es kam dann plötzlich so ein Schwung und plötzlich stand alles.
00:46:24
Speaker
Und nicht nur die Webseite, nicht nur die Infos,
00:46:29
Speaker
Klar, ich habe dann Selbsthilfegruppen hier in München online in Neu-Ulm aktiviert gehabt.
00:46:35
Speaker
Das heißt, ich leite auch fünf Selbsthilfegruppen.
00:46:39
Speaker
Dann war mir bewusst die Elterenthematik, weil ich ja selber, wie schon gesagt, verheiratet war.
00:46:43
Speaker
Also mir waren beide Seiten bewusst, einmal Angehörigen, einmal Betroffenen Seite.
00:46:48
Speaker
Die wollte ich auch beide abdecken.
00:46:50
Speaker
Und deswegen hatte ich insgesamt oder heute noch fünf Selbsthilfegruppen, die ich leite.
00:46:56
Speaker
Plus den Verein, weil der Verein ist für mich so ein bisschen diese Eintrittskarte, die man hat.
00:47:02
Speaker
Eben weil sie mehr ist als Ronald Stolz, weil sie mit der Rentenversicherung zu tun hat, weil sie mit der Caritas zusammenarbeitet, weil ich nicht unbedingt im Vordergrund stehen muss, sondern für mich, so stand ich am Anfang, ja der Ronald, der die Hosen runterlässt, steht im Vordergrund.
00:47:20
Speaker
Aber es war nicht meine Intention, mich da jetzt bekannt zu machen, sondern zu helfen, die Thematik nach vorne zu bringen.
00:47:26
Speaker
Und das konnte ich natürlich mit aktiv gegen Mediensucht.
00:47:29
Speaker
Und dass ich natürlich auch ein bisschen mehr gehört wurde als Ronald Stolz, weil es kommt plötzlich ein Verein, der da gefördert wird, mit dem zusammenarbeitet, die Partner am Start hat, die sich ebenfalls natürlich auch mit einbringen.
00:47:43
Speaker
Und ja, plötzlich waren wir halt jemanden.
00:47:45
Speaker
Anfangs hattest du Schwierigkeiten, auch nur eine Person zu finden für die Selbsthilfegruppen.
00:47:49
Speaker
Und jetzt gibt es so viele.
00:47:52
Speaker
Was kriegen die Leute dadurch für sich selber?
00:47:54
Speaker
Was können sie in der Selbsthilfe finden, wenn sie selber betroffen sind?
00:47:57
Speaker
Ich glaube, die Frage kann ich nicht beantworten.
00:48:00
Speaker
Weil sie kriegen so viel.
00:48:01
Speaker
Man muss immer die Grundbasis sehen, warum kommt jemand zur Selbsthilfe?
00:48:04
Speaker
Das ist sehr, sehr stark unterschiedlich.
00:48:05
Speaker
Es gab...
00:48:06
Speaker
Leute, weil wir wissen, dass seit dem 1.1.2022 durch die WHO, durch den ICD mit aufgenommen wurde, die Problematik, also die Gaming Disorder, das heißt, das war eine offizielle Krankheit.
00:48:21
Speaker
Das war so der erste Schwung, der sagt, so und so die Zeit, bin ich da jetzt schon süchtig?
00:48:27
Speaker
Das war so der erste Schwung.
00:48:29
Speaker
Der zweite,
00:48:31
Speaker
Man war dann schon irgendwo in Beratung und man kam zur Nachbehandlung.
00:48:35
Speaker
Der Dritte hat sich einfach von Medien überfordert gefühlt.
00:48:39
Speaker
Der Vierte hat plötzlich gemerkt und der Vierte ist so die Hauptkategorie mittlerweile, ist das Studentenleben.
00:48:48
Speaker
Wo man gemerkt hat, okay, da war das Wort Prokrastination im Vordergrund, die einfach ihr Studium nicht mehr auf die Reihe gekriegt haben, weil die Medien einfach im Vordergrund standen.
00:48:56
Speaker
Und Medien meine ich nicht so mittlerweile, wie es bei mir früher war, Gaming, sondern Medien ist heute alles, was einen digitalen Bildschirm hat, auch vom Inhalt her.
00:49:06
Speaker
Und ich einfach gemerkt habe, das eine waren es mal die Sachen, die ich aufgezählt habe.
00:49:10
Speaker
Plus, dass jeder, also wirklich jeder mit dem ich zu tun habe in der Selbsthilfe jetzt in den ganzen sieben Jahren immer eine Komorbidität hat.
00:49:19
Speaker
Ich kann das deswegen so fachlich ausdrücken, weil ich sie in den Tag benutze, aber heißt eine Begleiterkrankung hat.
00:49:24
Speaker
Und auch die ist mega riesen groß.
00:49:27
Speaker
Also es können Depressionen, es können Borderline, ADS, ADS, Angststörungen, Phobien,
00:49:33
Speaker
Autismus und so weiter sind irgendwie immer Begleiter bei dieser Problematik.
00:49:41
Speaker
Und auch die Nutzung, das kann Social Media, Gaming, Serien, Nachrichten, Recherchen, aber auch banale Sachen wie Online-Schachspielen, das müssen gar nicht die Online-Rollenspiele sein.
00:49:56
Speaker
Und durch diese riesengroße, vielschichtige Thematik kann ich deswegen auch die Frage gar nicht so richtig beantworten, weil die Gründe alle unterschiedlich sind.
00:50:04
Speaker
Das heißt, auch unsere Aufgabe in der Selbsthilfe oder meine ist sehr, sehr oft, erstmal die Grundbasis zu schaffen, aufzuklären.
00:50:12
Speaker
Viele sind nicht so wie ich der Technikfreak gewesen, sondern die Leute heute sind Anwender.
00:50:18
Speaker
Die kennen die Technik nicht im PC oder im Handy oder im Smartphone überhaupt nicht, sondern sind wirklich reine Anwender.
00:50:26
Speaker
Und ja, da müssen wir aufklären.
00:50:27
Speaker
Wenn ich sage, du, als ersten Schritt ist die Selbsthilfe schön, dass du da bist.
00:50:32
Speaker
Selbsthilfe ist ergänzend zu allem, zu allem, was du tust, aber nicht dein Haupthilfsmittel.
00:50:38
Speaker
Und sollte es nicht sein.
00:50:39
Speaker
Geh doch bitte zu einer Beratungsstelle.
00:50:42
Speaker
Und leider kamen alle Menschen immer wieder zurück und sagen, ich finde keine, ich kenne sich gar nicht aus.
00:50:47
Speaker
Wow.
00:50:49
Speaker
Und dann war meine nächste Aufgabe, Leute zu ermutigen, geht bitte trotzdem hin.
00:50:53
Speaker
Ich weiß, sie kennen sich vielleicht nicht aus.
00:50:55
Speaker
Und sie weiß, sie kennen sich vielleicht nur theoretisch aus, aber ich weiß nicht, ob es so ist.
00:51:00
Speaker
Aber ich sage mir, eine Beratungsstelle ist ähnlich wie ein Unternehmen.
00:51:03
Speaker
Wenn ein Unternehmen an einem Produkt keinen Bedarf hat und es nicht nachgefragt wird, dann investiere ich da kein Geld.
00:51:10
Speaker
So denke ich mir.
00:51:12
Speaker
ist es auch eine Beratungsstelle, wenn ich den Bedarf habe, also nicht habe und es stehen nicht 50 Mediensichtige vor der Tür, dann brauche ich auch keine Einstände der Mediensucht gemacht.
00:51:20
Speaker
Und deswegen sage ich ja, ich bitte raus zu ihmeln, damit Bedarf erweckt wird, damit klar wird für die Geschäftsstellenleiter oder wie sie das auch immer beschimpfen mag, zu sagen, okay, da müssen wir unsere Mitarbeiter schulen.
00:51:34
Speaker
Oder manche hatten auch den gedanklichen Gang,
00:51:39
Speaker
Ich gehe doch da nicht hin in eine Suchtberatungsstelle, das ist ja alles ASB, Caritas, Diagonien, die es alle heißen, irgendwas mit Kirche, ich will ja nicht christlich werden.
00:51:49
Speaker
Ist tatsächlich so.
00:51:52
Speaker
Das hat ich so und so noch nie gedacht, aber der kam dann auch mit.
00:51:57
Speaker
Das heißt, es ist sehr, sehr viel Aufklärungsarbeit.
00:52:00
Speaker
Trotzdem erstmal, überhaupt, damit man irgendwo eine Basis findet.
00:52:04
Speaker
Und dann geht es oftmals bei uns ja auch in der Selbsthilfe oft gar nicht nur um die Mediensucht, sondern klar, es geht um Rückfallmechaniken, es geht um Achtsamkeit, es geht, wie ich mit meiner Familie damit umgebe, wie gehe ich meine Arbeitsstelle damit um.
00:52:17
Speaker
Also tausende, es sind verschiedene Situationen, deswegen gibt es manchmal auch keine richtige Richtung,
00:52:23
Speaker
Was aber die Selbsthilfe dadurch sehr schwierig macht, psychische Krankheiten, keine Richtung zu haben, es als Hauptnutzungsmittel zu nehmen, weil es noch wenig Hilfe gibt in der Außenwelt.
00:52:32
Speaker
Und jeder will das Bestmögliche auch aus so einer Gruppe mitnehmen.
00:52:37
Speaker
Und auch die Thematiken wie Achtsamkeit, eine Konstellation, diese Thematiken, Dankbarkeit spielen eine riesige Rolle, Sachen wieder wahrzunehmen, mich als Person wahrzunehmen.
00:52:48
Speaker
Trotz dieser psychischen Krankheiten, die doch mit dem Bilde stehen.
00:52:52
Speaker
Und trotz aufzupassen, dass jeder unterschiedliche Nutzungsarten hat und sich gegenseitig dauerhaft triggert.
00:52:58
Speaker
Also es sind so viele Thematiken, wo ich plötzlich dastand, die wir irgendwie managen mussten.
00:53:05
Speaker
Und trotz allem, dass es so vielschichtig und riesig ist, muss ich sagen, heben wir uns immer noch von anderen Selbsthilfegruppen ab.
00:53:11
Speaker
Wir haben keine, also wir haben noch, ich muss ehrlich sagen, wirklich noch nie Streit in der Selbsthilfe.
00:53:16
Speaker
Also da ist keiner, der dem anderen aufzwängt, du musst das Medikament nehmen, du musst in die Beratungsstelle gehen, du musst in die Klinik gehen, du musst das machen, sondern gar nicht.
00:53:24
Speaker
Also überhaupt nicht.
00:53:25
Speaker
Und das ist, warum auch immer, vielleicht liegt es an dieser Art Menschen, die diese Problematik haben, aber das haben wir einfach nicht.
00:53:32
Speaker
Aber was wir haben, was ein Negativfaktor ist, ist ein großes Schamgefühl.
00:53:38
Speaker
Und das ist das, warum natürlich auch Menschen aus der Selbsthilfe wegbleiben, wenn sie Punkte, Aufgaben, die sie sich selbst gegeben haben, nicht schaffen, diesen Scham zu überwinden und trotzdem zu sagen, ich bin trotzdem hier, obwohl ich das, was ich mir jetzt vorgenommen habe, nicht geschafft habe.
00:53:54
Speaker
Und da ist so, warum es so viel Schwankung auch noch in der Selbsthilfe gibt, warum viele Menschen ständig kommen, wegbrechen und so weiter, weil es ein extremes Schamgefühl ist.
00:54:06
Speaker
Und weil wir leider sagen müssen, auch heute noch, ist es natürlich gehört zu Verhaltenssüchten.
00:54:10
Speaker
Das heißt, wir haben viele kranke Menschen in unserer Selbsthilfe.
00:54:14
Speaker
Aber Medien werden halt in jedem Beruf gebraucht.
00:54:17
Speaker
Und das heißt, egal, leider, wie süchtig oder wie krank, also wenn ich krank meine, die psychischen Belastungen sind, haben wir es mit sehr vielen jungen Menschen zu tun, lassen sich keine Diagnosen geben aus Angst, dass es irgendwo registriert wird, dass es ihren beruflichen Werdegang im Weg steht.
00:54:34
Speaker
und wollen es immer mit sich selbst ausmachen.
00:54:36
Speaker
Und selbst die, die es geschafft haben, sich helfen zu lassen, professionell, ringen immer nach dem Thema, ich will in meine Nutzung zurückkommen, die ich vorher hatte, aber kontrolliert.
00:54:49
Speaker
Also, sicherlich muss man immer Fall zu Fall sehen, aber das ist so das Gröbste.
00:54:54
Speaker
Ist das Ziel der Selbsthilfegruppe, dich zur Abstinenz zu bringen?
00:54:59
Speaker
Das war mein erster Gedanke, aber wir können uns davon verabschieden, dass es einfach nicht möglich ist.

Ziele der Selbsthilfegruppen und gesellschaftliche Initiativen

00:55:04
Speaker
Das Ziel ist es, den kontrollierten Zugang zu erreichen.
00:55:08
Speaker
Beziehungsweise natürlich schon, wir können schon in Abstinenz gehen.
00:55:12
Speaker
Auf jeden Fall.
00:55:13
Speaker
Das heißt,
00:55:15
Speaker
Es kommt auf die Thematik an.
00:55:16
Speaker
Bei dem Gamer das Spiel sein zu lassen, ist die eine Sache.
00:55:21
Speaker
Aber bei einem Allgemeinen, der gerne Nachrichten liest, der da ganzes Breit aufgestellt nutzt, vom Serien-Junkies, der die Serien guckt, das, in Dali-Absinenz zu erreichen, können wir nicht.
00:55:30
Speaker
Da können wir in den kontrollierten Umgang gehen, sicherlich.
00:55:33
Speaker
Aber da rede ich jetzt von meiner Einstellung, nicht von der, die eine Beratungsstelle oder ein Arzt sagt, sondern das ist unser Ziel in der Selbsthilfe, Menschen in diese Richtung zu motivieren, zu unterstützen, das Selbstvertrauen zu geben.
00:55:47
Speaker
Also wichtig ist dabei, das Setup in der Realität zu schaffen, weil die Medien...
00:55:56
Speaker
Ja, wir können die Medien angehen.
00:55:58
Speaker
Das ist mal Punkt 1.
00:55:59
Speaker
Wir müssen aber damit rechnen, sobald wir die Medien angehen, weil wir von dem psychischen Kontext ausgehen, die Medien sind so der Deckel für viele auf dem Kopf.
00:56:07
Speaker
Das heißt, wenn wir die klauen, kommt alles das, was unten drunter ist, erstmal raus.
00:56:11
Speaker
Das kann sehr wehtun und das kann sehr, sehr viele Rückschritte bedeuten.
00:56:17
Speaker
Und auf der anderen Seite hilft es aber auch.
00:56:21
Speaker
Man muss wirklich bereit sein, man muss sich darauf einlassen, egal in welchem Kontext das ist.
00:56:26
Speaker
Und das Schöne ist natürlich, dass wir ein junges Kontext, einen jungen Kontext haben.
00:56:30
Speaker
Wir haben natürlich auch Menschen, die sind 70 und medienrichtig.
00:56:33
Speaker
Aber das ist so in die Richtung gestaltet.
00:56:37
Speaker
Meinst du, das ist eine gemeinsame Eigenschaft, weil Junge einfach mehr Kontakt mit der Sache haben?
00:56:42
Speaker
Oder gibt es dann auch was anderes?
00:56:44
Speaker
Vielleicht hat das mit Lebensroutine zu tun?
00:56:47
Speaker
Ich denke, es kommt ganz viel darauf an, wie alt jemand ist.
00:56:52
Speaker
Also wenn wir jetzt Michi da als Beispiel nehmen, ich bin ein alter Sack, bin 43 und hatte Medien den ersten Kontakt.
00:57:00
Speaker
Also den allerersten Kontakt so mit 12, 14, das war noch das Sega-Marcel-System, da gab es noch Game-Over-Spiele.
00:57:09
Speaker
Und dann so den Hauptkontakt der offenen Welt, so ab 18, wo er ein Handy gab, die ersten Chatrooms gab und so weiter.
00:57:15
Speaker
Heute haben wir eine Thematik, wo wir Kinder am Null haben, die mit Medien konfrontiert sind.
00:57:22
Speaker
Wo vielleicht Eltern vielleicht reflektiert das schon ein bisschen benutzen.
00:57:25
Speaker
Also nehmen wir gerade ein Handy und wir haben oft den Kontext, wo ich sage, wie geht ihr denn mit kleinen Kindern um?
00:57:31
Speaker
Und die sagen, ja, mein Handy, wenn ich jetzt im Homeoffice zum Beispiel bin, mag ich das aktuelle Thema nehmen, dann mache ich es ja leise.
00:57:37
Speaker
Das klingelt nicht.
00:57:39
Speaker
Aber so weit zu denken, dass es egal, ob es klingelt, leuchtet und vibriert und eine Aktion stattfindet und daraufhin eine Reaktion stattfindet.
00:57:50
Speaker
Und zudem, dass ich vielleicht noch die Smartwatch im selben Kontext habe, dann lernt ein Kind ab Null schon mit Medien quasi, wie wichtig die sind und an welchen Stellenwert die bei einem Menschen sind.
00:58:02
Speaker
Und deswegen geht das Ganze heute noch viel, viel schneller und intensiver.
00:58:07
Speaker
Meinst du, diese Thematiken sind es auch die, die den Verein gerade jetzt ein bisschen Aufschwung bringen?
00:58:13
Speaker
Das kann ich manchmal gar nicht so sagen mit dem Verein im Kontext, weil es einfach so breit gestrickt ist.
00:58:19
Speaker
Natürlich ist es, weil es immer aktueller wird, sind wir natürlich immer gefragt.
00:58:23
Speaker
Und natürlich sind wir auch bei den einzigen Vereinen, die es in Deutschland sind, gefragt.
00:58:27
Speaker
Und weil wir die meisten Selbsthilfegruppen haben, haben wir mitgefragt.
00:58:31
Speaker
Da spielen ganz viele Situationen eine Rolle.
00:58:34
Speaker
Aber ja, natürlich umso aktiver, umso das Thema wird.
00:58:39
Speaker
Und wir werden natürlich auch gefragt in dem Verein dadurch,
00:58:43
Speaker
weil wir auch Vorträge halten, wenn es im ehrenamtlichen Setup es zulässt, weil wir nicht vom Fachlichen her sprechen, sondern aus der Realität sprechen, eigen betroffen waren, selber gefühlt haben, selber es erlebt haben und deswegen sind wir natürlich sehr, sehr gefragt, weil wir einfach
00:59:01
Speaker
nicht den fachlichen Kontext haben, aber den realistischen Kontext haben, wie es tatsächlich ist.
00:59:09
Speaker
Und Prävention ist wichtig und Prävention ist gut und es ist schön, dass es gemacht wird.
00:59:14
Speaker
Aber die Leute kommen genau aus diesen Gründen zu uns und sagen, wir haben jetzt gehört, was alles Schlimmes ist und gibt.
00:59:21
Speaker
Aber was mache ich denn jetzt, wenn es so weit ist?
00:59:24
Speaker
Wo kann ich mich hinwenden?
00:59:25
Speaker
Wer hilft mir denn jetzt?
00:59:26
Speaker
Weil diese Fragen meistens bleiben unbeantwortet und das ist das natürlich, wo sich Menschen an uns wenden.
00:59:32
Speaker
Dadurch habt ihr auch nicht nur Selbsthilfegruppen, die ihr anbietet, sondern auch noch ein weiteres Projekt, die Bayerischen Fachabende.
00:59:39
Speaker
Kannst du ein bisschen mehr dazu erzählen?
00:59:41
Speaker
Was ist das denn für wen?
00:59:42
Speaker
Ich wollte natürlich, also natürlich machen Menschen schon etwas.
00:59:47
Speaker
Und es gibt Unternehmen, die Vorträge anbieten, digitale Elternabende, es wird sehr viel gemacht.
00:59:51
Speaker
Aber ich wollte einen breiten Kontext anbieten und habe die bayerischen Fachabende erschaffen.
00:59:56
Speaker
Auch wenn das Fachabende hat eher damit was zu tun, nicht dass es für Fachmenschen ist, sondern durch Fachmenschen gehalten wird, diese Fachabende, also durch fachliche Referenten.
01:00:06
Speaker
Und ich wollte eigentlich einen Zugang dazu schaffen, dass Menschen,
01:00:11
Speaker
egal wo, auch wenn es jetzt bayerische Fachamte heißt, aber Deutschland weiter zu bewegen, in meinem Kontext mit sehr vielen Referenten, zu unterschiedlichsten Thematiken, unterschiedlichsten Herangehensweisen und Fachrichtungen Menschen eine Richtung zu geben.
01:00:29
Speaker
Ich musste bei den ersten Bayerischen Fachabenden sehr, sehr schnell feststellen, um ganz ehrlich zu sein, war mein Anliegen Eltern, Betroffene, Interessierte und ganz zuletzt die Fachkräfte, wenn sie sich interessieren dafür.
01:00:45
Speaker
Wie lief das?
01:00:47
Speaker
Im ehrlichen Kontext sind wir, die Fachkräfte kamen zuerst, Mensch, so günstig kann ich mit so vielen Referenten keine Schulung kriegen, für das, was wir verlangt haben und auch weiterhin verlangen werden.
01:00:57
Speaker
Das sind 35 Euro, 35 Euro, ich weiß es nicht, den Dreh, für sechs bis acht Referenten.
01:01:05
Speaker
An Abenden im Online-Format, sodass auch jeder eine Möglichkeit hat, daran teilzunehmen, auch im Eltern-Setup.
01:01:12
Speaker
Deswegen auch dieses Online-Format.
01:01:13
Speaker
Es war eigentlich gar nicht auf die Fachkräfte abgestimmt, dass sie schön nach Feierabend noch was machen können, wenn er Lust hat zu arbeiten, sondern wirklich eher auf dem Familienkontext.
01:01:21
Speaker
Nach dem Arbeit, nach dem vielleicht die Kinder im Bett sind oder sich Partner absprechen können, so was daran teilnehmen können.
01:01:28
Speaker
Wie gesagt, der erste Fachabend hat sich leider so kristallisiert, dass wir weit über 90 Prozent Fachkräfte waren.
01:01:37
Speaker
Was aber wieder gespiegelt hat, wie sehr der Bedarf in Einrichtungen da ist.
01:01:41
Speaker
Und aber auch nur 10% von Betroffenen und Eltern da waren.
01:01:49
Speaker
Was auch zeigt wiederum, wie schambehaftet es ist, wie ernst es noch genommen wird aktuell.
01:01:55
Speaker
Weil viele sagen, man könnte es noch zu klein, das betrifft mich jetzt noch nicht.
01:01:58
Speaker
Also sehr viele Ausreden in die Richtung haben.
01:02:01
Speaker
Und das zeigt es einfach nur,
01:02:04
Speaker
wie viel Nachholbedarf wir noch brauchen.
01:02:07
Speaker
Und wir in so einem kleinen Setup, ein kleiner Verein, trotzdem so eine Reichweite erzielen können, soll auch andere ermutigen.
01:02:15
Speaker
Also wir müssen uns nicht dadurch brüsten, dass wir es anbieten, sondern wir wollen auch ein bisschen der Vorreiter sein, zu sagen, guck mal, das ist auch nötig.
01:02:21
Speaker
Das brauchen wir.
01:02:22
Speaker
Macht das in die Richtung.
01:02:25
Speaker
Und backt bitte nicht alle eure Brötchen alleine.
01:02:27
Speaker
Nur weil ihr dort wohnt, dürfen auch nur die, die dort kommen, kommen.
01:02:30
Speaker
Sondern macht es für alle offen.
01:02:32
Speaker
Für alle ist die Sigmatik wichtig.
01:02:34
Speaker
Und gebt allen die Chance, daran teilzunehmen.
01:02:36
Speaker
Und egal, ob das eigentlich jemand Fachliches ist, Privates ist oder nur jemand Interessiertes ist.
01:02:41
Speaker
Und wenn es die Oma ist, die sich damit beschäftigt, weil sie ihren Enkel vielleicht helfen möchte, allen die Möglichkeit zu geben.
01:02:48
Speaker
Was ist das Feedback, das ihr da erhalten habt?
01:02:50
Speaker
Es ist sehr unterschiedlich.
01:02:52
Speaker
Also natürlich muss man sagen, fachlich von dem Referenten ist es top.
01:02:56
Speaker
Es ist manchmal die Organisation für uns etwas schwierig.
01:02:59
Speaker
Wir machen das Ganze ehrenamtlich mal eben nach Feierabend.
01:03:01
Speaker
Rechnung schreiben, Teilnahmebestätigung, kontrollieren, Bankauszüge, Setup.
01:03:07
Speaker
Wo findet das Ganze statt?
01:03:08
Speaker
Referenten, Verträge.
01:03:10
Speaker
Das ist sehr, sehr, sehr viel Arbeit im Hintergrund, auch wenn es am Ende mal so ein Stundenvortrag ist.
01:03:14
Speaker
Aber
01:03:15
Speaker
Es ist sehr, sehr viel Arbeit für uns als Ehrenamtliche im realen Set, da was runterzukriegen.
01:03:21
Speaker
Aber das Feedback ist durchweg positiv.
01:03:24
Speaker
Also wirklich durchweg und jeder ist auch bereit, das weiter zu empfehlen und weiter zu unterstützen.
01:03:30
Speaker
Und wir hatten dieses Jahr die zweiten bayerischen Fachabende und wir hatten das schöne Wort Wiederholungstäter, nehme ich dazu, oft auch dabei, die das mittlerweile auch dazugehört und
01:03:42
Speaker
es sehr gut finden und unterstützen, dass wir das auch anbieten und tun und werde schon möglichst alles tun, egal wie viel Arbeit wir noch haben werden, aber das weiter zu betreiben, dieses Projekt.
01:03:55
Speaker
Und trotz dieser großen Arbeitslast ist das nicht das einzige Projekt, sondern es gibt auch noch Lock dich aus und diesen Podcast, den wir gerade sehen.
01:04:03
Speaker
Wie kam die Idee von Lock dich aus?
01:04:05
Speaker
Von einem Filmwettbewerb für Schüler und Schülerinnen?
01:04:08
Speaker
Da mir bewusst war, als eigener Betroffener, dass die Thematik sehr, sehr früh anfängt heutzutage und wir natürlich ein bisschen Medienkompetenz schon haben, aber ich wollte dieses Thema an die Schulen mitbringen, weil es da wichtig ist, weil wir einfach einen breiten Kontext haben, weil wir heute alles online machen.
01:04:27
Speaker
Da können wir, egal was wir nehmen, egal ob es...
01:04:29
Speaker
die Online-Pornografie, die Fake News haben, das Cybermobbing haben, das Gaming, das Social Media, von Reddit bis YouTube, die Streaming-Plattform, das Handy-Gaming, Lootboxen.
01:04:46
Speaker
alles sich aufs Online bezieht und alles auch unsere Kinder trifft, wollte ich, dass diese Thematik nun mehr an die Schulen kommt, aber auch gleichzeitig, dass die Kinder das auch ernst nehmen,
01:05:01
Speaker
die Problematik erstmal sehen, die Problematik wahrnehmen und dadurch durch einen Film auch widerspiegeln.
01:05:07
Speaker
Von Kind zu Kind.
01:05:08
Speaker
So wie es auch Schüler-Scouts gibt, wo halt Jungs und Mädels in großen Klassen kleine Klassen ausbilden zur Medienkompetenz, soll es das auch dazu zeigen, guck mal, einen Film zu drehen, der aus der Realität kommt, der das Thema widerspiegelt, der gleichzeitig immer wieder präventiv auch für andere Kinder wirken kann.
01:05:26
Speaker
Sieht die Zukunft der Prävention für dich eher so selbsthilfebezogen aus?
01:05:32
Speaker
Ich bin der Meinung persönlich, wir müssen Selbsthilfe schon neu erfüllen.
01:05:35
Speaker
In welche Richtung das geht, weiß ich nicht.
01:05:38
Speaker
Für viele, wenn wir über Selbsthilfe nachdenken, haben die Erwachsenen vielleicht den Film Fight Club in Gedanken.
01:05:46
Speaker
Und für die andere Generation ist es der Stuhlkreis, wo wir uns umarmen, ein Küsschen geben und uns nächste Woche wieder treffen.
01:05:53
Speaker
Das haben wir halt einfach nicht mehr.
01:05:54
Speaker
Wir haben andere Kontexte, wir haben Online-Formate, wir haben Gesprächskreise.
01:06:01
Speaker
Aber Selbsthilfe kann halt alles sein.
01:06:03
Speaker
Und Selbsthilfe ist für mich auch ein Einzelkontext.
01:06:07
Speaker
Weil wir haben ja auch Menschen, die nicht vor einer Gruppe sprechen können, die sich nicht getrauen zu kommen.
01:06:14
Speaker
Aber das macht unsere Arbeit sehr, sehr groß, weil wir auch Einzelkontakte dadurch haben.
01:06:18
Speaker
Und da geht es jetzt nicht zu sagen, ich rufe jemanden an, jetzt erzähl mir mal und ich mache eine Beratung, sondern gar nicht.
01:06:23
Speaker
Das ist so ein bisschen wie aus dem Vertrieb zuhören und zum Sprechen bringen, diesen Kontext.
01:06:30
Speaker
Das heißt, von daher kann es für mich vor allen Dingen auch Selbsthilfe im Einzelformat geben.
01:06:36
Speaker
Aber alles, was ich im Online tue, muss ich immer sagen, ist für mich, soll der erste Einstieg sein.
01:06:42
Speaker
Es soll Menschen motivieren, auch gern was vor Ort zu tun.
01:06:46
Speaker
Vielleicht soll das Ziel auch sein, eine Präsenz, auch eine Gruppe vor Ort zu gründen, wenn ich den Mut und die Kraft dazu habe, das zu tun.
01:06:53
Speaker
Und alle Online-Formate, die wir hier auch anbieten, soll der Einstieg für die Realität auch wiederum sein.
01:07:00
Speaker
Also es soll jetzt nicht alles ablösen mit dem Online und was es alles gibt, sondern es soll einfach nur
01:07:06
Speaker
der erste Weg, das ist wie in der Single-Bürse.
01:07:09
Speaker
Wenn du erstmal natürlich ein bisschen schreibst, mit einer Frau oder einem Mann, ein bisschen Quatsch, wo kommst du her, wie alt bist und so weiter.
01:07:16
Speaker
Aber was haben wir da auch als Ziel?
01:07:18
Speaker
Komm, jetzt lass uns doch mal so einen Kaffee treffen, jetzt schreiben wir schon zwei, drei Monate, jetzt lass uns mal sehen, jetzt will ich mal echt sein.
01:07:24
Speaker
Und genau ist es so im Online-Format, in der Selbsthilfe.
01:07:28
Speaker
Das soll das Ziel sein.
01:07:29
Speaker
Das ist schön, im Online-Format, wir haben uns was erarbeitet, wir sind auf einem gewissen Stand, aber jetzt, komm, jetzt die Realität.
01:07:36
Speaker
Jetzt in dieser Kamera, da steckt jemand, der selber vielleicht von sich selber denkt, vielleicht habe ich ein bisschen eine Medienproblematik.
01:07:43
Speaker
Mir wurde es schon gesagt von anderen, aber ich weiß nicht, ich verbringe schon viel Zeit und andere Sachen werden da schon geopfert.
01:07:50
Speaker
Vielleicht wäre die Selbsthilfe was.
01:07:52
Speaker
Was würdest du dieser Person raten?
01:07:55
Speaker
Er sollte sich auf alle Fälle mal bei uns melden und vielleicht auch an der Selbsthilfe dann teilnehmen.
01:08:00
Speaker
Natürlich ist es immer schwierig, wenn jemand einfach mal so zum Gucken kommt.
01:08:03
Speaker
Nicht schwierig deshalb wegen der Selbsthilfe, sondern schwierig wegen der anderen Menschen, die dann teilnehmen.
01:08:09
Speaker
Man sollte sich aber versuchen, darauf einzulassen, weil wir haben ja schließlich eine Thematik, die wir immer haben werden.
01:08:18
Speaker
Die werden wir als Betroffene, wie ich es jetzt bin, haben.
01:08:21
Speaker
Die werden wir vielleicht als Partner haben, also eine Partnerschaft.
01:08:25
Speaker
Die werden wir haben, weil wir unsere Kinder begleiten müssen.
01:08:29
Speaker
Die werden wir haben, wenn wir Großeltern werden und Enkel haben, werden diese Medienproblematik immer haben.
01:08:35
Speaker
Und natürlich werden wir auch darauf angewiesen sein, wie sich das Ganze politisch weiterentwickelt.
01:08:41
Speaker
Aber im Hilfeformat wird die Selbsthilfe in diesem Kontext ein ganz ausschlaggebender Punkt sein, dass man sich, ich will es auch manchmal gar nicht Selbsthilfe nennen, sondern es geht einfach darum, Menschen zu verbinden, die nicht nur Problematiken haben, aber vielleicht auch Meinungen haben.
01:08:57
Speaker
Deswegen auch der Verein.
01:08:59
Speaker
Du musst in diesem Verein sein, nicht nur weil du eine Problematik hast, sondern weil du vielleicht die Intention hast, etwas zu ändern, Menschen etwas mitzuteilen, mitzugeben, vielleicht zu sagen, Mensch, jetzt guckt vielleicht mehr Fokus auf so eine Sache zu legen.
01:09:11
Speaker
Und habt keine Angst davor, es gehört dazu.
01:09:15
Speaker
Da muss man sich nicht mehr verstecken.
01:09:18
Speaker
Nicht alles ist gleich eine Mediensucht.
01:09:20
Speaker
Ich will auch gar nicht immer von Sucht sprechen, auch wenn unser Verein so heißt.
01:09:24
Speaker
Aber ich möchte manchmal auch eher von der Medienproblematik sprechen, wo man sagt,
01:09:30
Speaker
Du kannst auch eine Medienproblematik haben und trotzdem dein Leben perfekt hinkriegen.
01:09:33
Speaker
Aber deswegen kannst du ja trotzdem auf deine digitale Balance, deswegen gibt es auch das Wort digitales Leichtgewicht, digital Balance, vielleicht auch im Urlaub oder beim Einkaufen auf Medien zu verzichten, mal die Realität wahrzunehmen.
01:09:46
Speaker
Deswegen haben wir Kontexte mit Achtsamkeit, Dankbarkeit und so weiter.
01:09:51
Speaker
Donald, es hat super Spaß gemacht.
01:09:53
Speaker
Vielen Dank, dass du heute da warst.
01:09:54
Speaker
Gerne, Dankeschön.