Einführung und Vorstellung von Daniel Wolf
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Speaker
Willkommen beim Aktiv gegen Mediensucht Podcast.
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Speaker
In unserer heutigen Folge sprechen wir mit Daniel Wolf über Medienerzählung im Kindesalter, manipulative Algorithmen und noch viel mehr.
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Speaker
Na dann, Daniel, danke, dass du heute hier bist.
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Speaker
Gerne, ich freue mich auch.
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Speaker
Können wir gleich mal ein bisschen anfangen.
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Speaker
Du hast einen ungewöhnlichen Weg in deiner Karriere vom IT-Journalisten und US-Korrespondenten zum Digitaltrainer und jetzt auch Bestsellerautor genommen.
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Speaker
Erzähl uns ein bisschen, was hat diese Transformation ausgelöst und was ist deine Geschichte?
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Speaker
Meine Geschichte ist, früher wollte ich mal Lehrer werden und habe das auch studiert.
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Speaker
Im Studium habe ich dann meine Frau kennengelernt und wir waren dann am Ende des Studiums direkte Konkurrenten.
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Speaker
Damals gab es sehr wenige Stellen für Lehrer in Bayern.
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Speaker
Das war genau umgekehrt wie heute.
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Speaker
Heute hat man viel zu wenige Lehrer damals zu den Stellen.
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Speaker
Und dann bin ich quasi frischer Papa geworden, bin quer ausgestiegen in die Medienbranche.
00:00:58
Speaker
bin dort mitten in die erste Internet-Bubble hineingeraten, wo alles quasi exponentiell nach oben ging und war dann schon nach drei, vier Jahren Korrespondent im Silicon Valley.
00:01:11
Speaker
Eins unserer Kinder ist auch dort geboren und als wir dann wieder zurückkamen, habe ich mir den Traum wahrgemacht und bin dann Lehrkraft
Bildungslücken im digitalen Bereich und Wolfs Selbstständigkeit
00:01:20
Speaker
Und ich war insgesamt in vier verschiedenen Gymnasien in München herum tätig.
00:01:25
Speaker
Und habe aber gemerkt, als jemand, der aus dem Silicon Valley kam, mein Gott, hier gibt es ein paar Themen, über die alle Schüler gerne reden würden, aber niemand finden.
00:01:36
Speaker
Und weil ohnehin, auch gerade mit den Größeren, immer die Thematik sofort wieder quasi in den digitalen Welten geendet ist, egal ob ich das aktiv betrieben habe oder nicht, habe ich mir gedacht, jetzt ist es eigentlich an der Zeit, da fehlt noch was in unserem Bildungsangebot.
00:01:50
Speaker
Die Schulen können über bestimmte digitale Themen nicht mit den Kindern reden, weil es zu schnell geht.
00:01:57
Speaker
Und dann habe ich mir gedacht, ich wage einfach mal den Sprung und mache mich selbstständig und man kann sagen,
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Speaker
Anscheinend habe ich einen Approach gefunden, den viele Schulen gut finden.
00:02:11
Speaker
Weil ich kriege ganz oft das Feedback, Herr Wolf, das hat den Kindern gefallen, den Lehrern.
00:02:20
Speaker
Und das ist beim Thema Smartphones extrem selten, dass man da irgendwie die Balance halten kann.
00:02:27
Speaker
Und auch, sagen wir mal, das Kollegium eines größeren Münchner Gymnasiums zum Beispiel ist durchaus sehr, sehr heterogen.
00:02:33
Speaker
Da gibt es also tausend sehr, sehr starke Meinungen zum Thema.
00:02:37
Speaker
Ich habe überlebt bis hierher und habe dann vor einem Jahr einfach mal alles aufgeschrieben, was ich so erlebt habe.
00:02:44
Speaker
Mich freut sehr, dass viele Menschen sich dafür interessieren, was Kinder erleben, wenn sie alleine mit dem Handy sind.
00:02:51
Speaker
Das ist ja das, was die Eltern nicht wissen und die Kinder sagen, sie sind in der Regel nicht freiwillig.
00:02:57
Speaker
Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben.
00:03:01
Speaker
Jetzt bin ich Autor auch noch geworden.
00:03:04
Speaker
Das ist, wie ich merke, ein Vollzeitjob on top.
00:03:09
Speaker
Das heißt, ich bemühe mich, dass ich dem allen gerecht werde.
00:03:12
Speaker
Aber ich freue mich grundsätzlich, wenn mehr Eltern sich damit beschäftigen, was ihre Kinder so eigentlich die ganze Zeit machen.
Einfluss der Zeit im Silicon Valley auf Wolfs Technologieblick
00:03:19
Speaker
Ich meine, die wenigsten Pädagogen hier in Deutschland oder generell weltweit oder Medienerzieher waren so nah am Mekka der Technologie, wie du es warst, der Delican Valley.
00:03:28
Speaker
Da warst du bestimmt nah an Innovationen.
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Speaker
Ich habe berichtet über die großen Firmen, deren Technologie heute in den Smartphones der Kinder steckt.
00:03:38
Speaker
Und ich muss zugeben, jetzt gerade wäre ich gerne wieder da, weil...
00:03:44
Speaker
Jetzt kommt KI um die Ecke und ich habe den dringenden Verdacht, dass gerade im Silicon Valley auch Weichen gestellt werden, die für uns alle in Zukunft sehr wichtig werden.
00:03:57
Speaker
Ich halte persönlich KI für die oder eine der wichtigsten Erfindungen.
00:04:06
Speaker
Und ich glaube, dass sie von der Dimension her in etwa gleichzusetzen oder sogar größer ist als die Erfindung des Internets.
00:04:14
Speaker
Deshalb denke ich, jetzt geht da drüben wieder richtig der Punk ab, sogar für Silicon Valley Verhältnisse.
00:04:24
Speaker
Es sind sehr, sehr interessante Zeiten.
00:04:26
Speaker
Hat sich dein Blick auf die Technologiebranche verändert, als du noch in deinem Studium warst?
00:04:33
Speaker
Die verändert sich, wenn man Vater wird, ganz einfach.
00:04:36
Speaker
Wenn man plötzlich selbst sieht,
00:04:40
Speaker
Also ich war schon immer ein Computer-Fan, hieß es damals noch.
00:04:45
Speaker
Zwischendurch würde man Nerd sagen.
00:04:49
Speaker
Und ich habe natürlich schon auch gemerkt, wenn jetzt Kinder heute in dieser Welt groß werden, wir haben drei Kinder, die mit ein bisschen Abstand, ein paar Jährchen dazwischen jeweils, und die haben alle drei die ganze Entwicklung schon wieder völlig anders erlebt.
00:05:03
Speaker
Sagen Sie auch selbst.
00:05:04
Speaker
Ein paar Jahre dazwischen heißt schon wieder,
00:05:06
Speaker
Wir sind auf gar keinen Fall auf Facebook, wir sind auf Instagram.
00:05:09
Speaker
Dann heißt es wieder, wir sind auf gar keinen Fall auf Snapchat mehr, wir sind alle auf TikTok.
00:05:13
Speaker
Das ändert sich so schnell bei den Kindern.
00:05:16
Speaker
Und je kommerzieller das Internet wurde, desto mehr es zu verdienen gab, desto höher die Profite wurden.
00:05:27
Speaker
desto weniger hat man darauf geachtet, wie es Kindern geht.
00:05:30
Speaker
Und wenn Kinder sogar dafür sorgen, dass die Umsätze steigen, wenn man ihnen bestimmte Inhalte vorspielt, da gab es eine Grenze, die ist leider überschritten worden.
00:05:39
Speaker
Und jetzt sehe ich viel mehr als junger Mensch, oder viel mehr wie als junger Mensch, um genauer zu sein,
00:05:46
Speaker
dass da sehr, sehr große Schattenseiten entstanden sind, die ich am Anfang nicht sehen wollte und konnte.
00:05:50
Speaker
Also in Silicon Valley geht man ja nicht als kritischer, digital kritischer Mensch.
00:05:54
Speaker
Um da hinzugehen und da zu wohnen, mit Familie, sich ein Leben quasi aufzubauen, da braucht es schon sehr, sehr viel Begeisterung.
00:06:02
Speaker
Und ich teile das immer noch.
00:06:06
Speaker
Ich glaube, digitale Technologie ist nach wie vor eine unglaubliche Sache,
00:06:12
Speaker
Aber wir haben jetzt gerade in Bezug mit Kindern leider doch ein paar Entwicklungen, wo ich mir einfach
Herausforderungen in Schulen durch technologische Veränderungen
00:06:16
Speaker
große Sorgen mache.
00:06:16
Speaker
Und ich erlebe das in meiner Arbeit täglich, dass Kinder, die auch haben und Jugendliche auch haben und sehr, sehr interessiert daran sind, auch weil natürlich auch KI ist so ein Thema.
00:06:28
Speaker
Das wird das Leben der Kinder maßgeblich mit beeinflussen.
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Speaker
Von uns allen natürlich, aber bei den Kindern einfach am meisten.
00:06:36
Speaker
Das heißt, die wollen unbedingt sprechen und finden aber oft,
00:06:41
Speaker
Bei den Eltern nicht so richtig die Ansprechsituation und bei vielen Lehrkräften auch nicht, weil die müssen nach Lehrplan gehen.
00:06:47
Speaker
Und KI ist zu schnell für jeden Lehrplan.
00:06:51
Speaker
Das heißt, da entwickeln sich Dinge, da ist in zwei Wochen schon wieder alles anders.
00:06:55
Speaker
Das kann Schule im klassischen Aufbau nicht leisten, wo ich ein Lehrbuch erstmal machen muss und das muss ich vom Kultusministerium genehmigen lassen.
00:07:04
Speaker
Und bis das soweit ist,
00:07:06
Speaker
sind im Seligewerle schon 28 Lichtjahre weiter.
00:07:10
Speaker
Das geht also nicht so richtig.
00:07:11
Speaker
Und deshalb glaube ich, habe ich auch gemerkt, als ich normaler Lehrer war, die für die Kinder wesentlichen Themen beschäftigt,
00:07:22
Speaker
konnte ich da einfach nicht anbringen.
00:07:23
Speaker
Und dann habe ich mir gedacht, jetzt reicht es.
00:07:28
Speaker
Ich muss das Risiko eingehen, was man ja, wenn man in München drei Kinder hat, als Selbstständiger einen neuen Job sich ausdenkt und gar nicht zuerst am Anfang weiß, ob das funktioniert.
00:07:40
Speaker
dann muss man ja quasi ein bisschen doch, wie soll man sagen, eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen.
00:07:47
Speaker
Und ich kann nur sagen, ich bin Gottfroh, dass ich es gemacht habe.
00:07:50
Speaker
Ich möchte meinen Job nicht mehr missen.
00:07:51
Speaker
Und weil mein Lebenslauf so kurios ein bisschen hin und her oszilliert ist, ich glaube, um diesen Job so zu machen, wie ich ihn jetzt machen kann, muss es genau so gelaufen sein.
00:08:03
Speaker
Weil ich konnte dadurch mitbringen,
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Speaker
Die Perspektive der Digitalindustrie, die Perspektive der Lehrkräfte und die Perspektive der Eltern.
00:08:13
Speaker
Und das ist was, was sich selten überschneidet bei Menschen.
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Speaker
Und ich habe das Gefühl, ich war dafür prädestiniert, so ein bisschen ein...
00:08:23
Speaker
für Mitleid zwischen den Welten zu sein.
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Speaker
Zwischen den Kindern, zwischen den Erwachsenen, zwischen den Lehrkräften.
00:08:30
Speaker
Und ja, es hat hervorragend funktioniert und es ist auch so, ich kann als Journalist, ich war 15 Jahre Journalist, ich kann relativ, oder nicht ganz so übel schreiben, offensichtlich viele Leute sagen, wenn sie das Buch in die Hand nehmen, man liest in zwei, drei Tagen Lockerdorf, es macht Spaß zu lesen.
00:08:48
Speaker
Es ist spannend, es ist unterhaltsam und das freut mich ehrlich gesagt, weil so muss es sein.
00:08:53
Speaker
Wir müssen auch schwierige Themen irgendwie so vermitteln, dass man Spaß dabei hat, weil sonst macht es keiner.
00:08:59
Speaker
Das klingt so lustig, weil manche Passagen sind wirklich nicht lustig, aber ich bin auch fest der Meinung, auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, wir lachen sehr viel.
00:09:08
Speaker
Wir haben eigentlich ehrlich gesagt den ganzen Vormittag Spaß.
00:09:10
Speaker
Wir haben so viel Spaß, dass die Lehrkräfte, die dabei sind, oft schon denken, wann hebt er denn endlich den Zeigefinger an?
00:09:15
Speaker
Den hebe ich dann schon, aber erst, wenn ich das Vertrauen der Kinder habe.
00:09:19
Speaker
Und das ist mir wichtiger, dass ich erst mal so quasi ein Safe Space schaffen kann, wo die Kinder sich trauen, überhaupt irgendwas zu sagen.
00:09:28
Speaker
Weil meine allererste Erfahrung ist ja, dass die Welt der Kinder und Jugendlichen relativ hermetisch abgetrennt ist von dem der Erwachsenen, die einfach nichts davon mitkriegen.
00:09:43
Speaker
Viele Erwachsene, so wie ich früher,
00:09:47
Speaker
Ich gebe meinem Kind ein Smartphone und dann macht es da Sachen, die Kinder so machen.
00:09:51
Speaker
Und dann sage ich ihm noch dazu, du mach aber keinen Schmarrn und übrigens, wenn du ein Problem hast, kommst du zu mir.
00:09:57
Speaker
Und die denken dann, wenn die Kinder nicht kommen, dann haben wir kein Problem.
00:10:02
Speaker
Weil hätten sie ein Problem, würden sie ja kommen.
00:10:03
Speaker
Und weil sie nicht gekommen sind, gibt es keine Probleme.
Frühe Nutzung von Smartphones und die Herausforderungen für Kinder
00:10:07
Speaker
Ja, in gewisser Hinsicht logisch, aber auch gnadenlos naiv.
00:10:11
Speaker
Und ich war selbst so.
00:10:13
Speaker
Ich gebe ganz offen zu, bei jedem Elternabend, bei jeder Lehrefortbildung, ich persönlich sage ganz offen, ich war der naivste Vater der Welt.
00:10:22
Speaker
Ich war sogar noch, wenn Sie so wollen, noch schlimmer.
00:10:26
Speaker
Ich hatte nämlich gedacht, ich wüsste was.
00:10:29
Speaker
Als IT-Profi und als Lehrer und mit Staatsexamen und Korrespondenz und ich hatte keine Ahnung.
00:10:40
Speaker
Ich hatte keine Ahnung, wirklich.
00:10:42
Speaker
Und dann bei meiner großen Tochter ging es gerade so gut mit dem Smartphone, beim mittleren Sohn ging es schon so richtig, richtig schief.
00:10:49
Speaker
Und dann hatte ich so ein paar private Erlebnisse auch, wo ich dann gemerkt habe, oh, meinem Sohn geht es gar nicht gut.
00:10:56
Speaker
Und dann habe ich ein bisschen rumgeforscht und gemerkt, der hat Probleme, die haben, wir hatten nicht nur er, die haben ganz viele Schüler und Schülerinnen.
00:11:05
Speaker
Ja, und als ich dann in meinen neuen Job kam, hat sich das nicht nur bewahrheitet, sondern noch ganz drastisch nach unten ausgedehnt.
00:11:12
Speaker
Das ist auch etwas, was ich nicht habe kommen sehen vor acht Jahren, dass ich heute, heute schon bringe ich mehr Zeit in Grundschulen als in Weiterführungsschulen.
00:11:21
Speaker
Weil die Übergabe des Smartphones erfolgt immer früher.
00:11:25
Speaker
Es rutscht immer noch nach unten.
00:11:27
Speaker
Es gab den letzten, also ich würde sagen, so bis grob vor Corona war doch eher so die fünfte Klasse typischerweise das Jahr der Übergabe.
00:11:36
Speaker
Und in Corona ist es weit noch ungeplumpst, weil viele zu Hause waren, war langweilig und das Tablet, die Eltern müssen arbeiten und dann haben viele halt Umstände halber erstmal von schon früher bekommen, damit sie einfach was zu tun haben oder ruhig sind auf Deutsch.
00:11:55
Speaker
Und das hat einen großen Schub nach unten gegeben und der ist nach Corona lustigerweise nicht so richtig wieder zurückgegangen.
00:12:04
Speaker
Also wir haben heute in einer typischen dritten Klasse hier in Bayern.
00:12:11
Speaker
Zum Schuljahresende nach der Kommunion.
00:12:13
Speaker
Da gibt es viele dritte Klassen, die mehr als die Kinder ein Smartphone haben.
00:12:17
Speaker
Und die sind acht oder neun Jahre alt.
00:12:19
Speaker
Und das ist etwas, das gab es vor zehn Jahren noch nicht im Ansatz.
00:12:23
Speaker
Und da entstehen in ganzer Blumenstraße ein neuer Problem, den man bei den Größen gar nicht hatte.
00:12:29
Speaker
Besuch uns doch online.
00:12:30
Speaker
Als größter Selbsthilfeverein für Mediensucht in ganz Deutschland bietet der Aktiv gegen Mediensucht e.V.
00:12:36
Speaker
Selbsthilfegruppen für Betroffene, Angehörige und noch viel mehr.
00:12:43
Speaker
Du beschreibst auch, dass ausnahmslos alle Kinder ohne Smartphone problematische Inhalte sehen.
00:12:48
Speaker
Früher oder später.
00:12:51
Speaker
Sogar Kinder in der dritten Klasse das haben.
00:12:54
Speaker
Wie erklärst du die tiefe Kluft zwischen der Realität und der Wahrnehmung der Eltern?
00:12:59
Speaker
Sogar jemand mit deiner Vita hat diesen Flick gehabt.
00:13:02
Speaker
Ja, ich erkläre es damit, dass wir als Erwachsenengeneration, als Kinder keine Smartphones hatten, dass wir das aus eigener Erfahrung nicht wissen.
00:13:12
Speaker
Und vor allem erkläre ich es damit, dass zunehmend Erwachsene denken, wenn sie eine bestimmte App selbst nutzen, dass sie dann daraus zurückschließen können, was die Kinder in derselben App erleben.
00:13:22
Speaker
Und das ist ein fundamentaler Irrtum.
00:13:24
Speaker
Also wenn ich als Erwachsener WhatsApp nutze, dann habe ich das Gefühl, ich weiß, ich kenne die App.
00:13:31
Speaker
Einen Quatsch kenne ich.
00:13:32
Speaker
Ich weiß gar nichts.
00:13:33
Speaker
Ich weiß nicht, wie Kinder miteinander schreiben, warum sie wollen sie überhaupt nutzen oder wann.
00:13:38
Speaker
Nichts davon weiß ich.
00:13:40
Speaker
Man erkennt das an einem ganz, ganz einfachen Zusammenhang, an einer Tatsache, nämlich gibt es sogar eine Studie, die Kim-Studie, die letzte, die hat beschrieben, dass mehr als die Hälfte, also 54 Prozent genau aller Eltern erlauben ihnen Kinder ein Smartphone ins Bett.
00:13:55
Speaker
Und zwar sind es die 6- bis 13-Jährigen.
00:13:57
Speaker
Das heißt, und wer sich ein bisschen auskennt mit der Materie, der weiß sofort, Moment mal, diese Eltern glauben, dass ihre Kinder ihr Smartphone so verwenden wie sie selbst.
00:14:09
Speaker
Nämlich vielleicht schauen sie noch kurz was am Abend und dann sind sie froh, wenn sie den Wecker haben.
00:14:17
Speaker
Alle Kinder, deren Eltern so gutgläubig sind oder diesen Transferfehler machen, vergessen da was.
00:14:25
Speaker
Sie vergessen einfach, wie sie selber waren als Kinder.
00:14:28
Speaker
Und Kinder wollen Spaß.
00:14:30
Speaker
Sie wollen Spaß und sie hassen Langeweile.
00:14:33
Speaker
Und wenn ich jetzt WhatsApp habe, und ich weiß, dass mehr als die Hälfte der Klasse auch noch online ist, dann zuallererst machen alle Kinder folgendes.
00:14:40
Speaker
Und allein das wissen schon Erwachsene.
00:14:42
Speaker
Es ist jedes Mal ein großes O und A in jedem Eltern.
00:14:45
Speaker
Kinder, die ein Smartphone ins Bett nehmen.
00:14:52
Speaker
Das reicht ja, weil TikTok und YouTube Shorts haben sowieso überall Untertitel.
00:14:58
Speaker
Das Zweite ist die Bildschirmhelligkeit ganz dunkel.
00:15:02
Speaker
Und beides natürlich instinktiv, reine Abwehrmaßnahmen, reine Sicherheitsmaßnahmen, sodass die Eltern, wenn sie zufällig doch reinkommen, dass sie nichts sehen, nichts hören, nichts checken.
00:15:13
Speaker
Und das hätten wir auch gemacht.
00:15:14
Speaker
Das ist das Normalste, weil so sind Kinder.
00:15:17
Speaker
Und dann, wenn die Kinder wissen, dass die Eltern nichts checken, dann geht der Spaß jetzt richtig los.
00:15:23
Speaker
Und jetzt geht was los, was in keiner mir bekannten Studie, Statistik, Untersuchung, Wissenschaftlichen in Zusammenhang wieder auftaucht, nämlich sozusagen das Dunkelfeld.
00:15:34
Speaker
Was jetzt passiert, ist nicht erforscht.
00:15:37
Speaker
Weder von der Länge her, noch von den Inhalten her.
00:15:42
Speaker
Und da kann ich nur sagen, wenn ich mit den Kindern offen rede und ich etabliere das immer so, dass ich erstmal sage, hey, hört mal zu, ich bin als Digitaltrainer kein Lehrer.
00:15:52
Speaker
Ich bin auch nicht ein Polizist oder sowas und ich bin auch garantiert nicht euer Papa.
00:15:56
Speaker
Und deshalb können wir heute, ich kenne von niemand von euch den Namen,
00:16:02
Speaker
Und deshalb können wir heute über alles reden, über alles, was auch Eltern nicht wissen.
00:16:09
Speaker
Dann schauen sich ein paar Kinder so um, um die Ecke, da sitzen noch drei Lehrer.
00:16:14
Speaker
Dann sage ich, stimmt, da sind ja die Lehrer noch.
00:16:16
Speaker
Also machen wir folgendes.
00:16:18
Speaker
Die müssen immer dabei sein, aus aufsichtsrechtlichen Gründen, völlig in Ordnung.
00:16:21
Speaker
Und dann sage ich den Lehrkräften, liebe Lehrkräfte, wir brauchen jetzt hier so ein bisschen so ein Safe Space.
00:16:26
Speaker
Deshalb würde ich Sie bitten, dass Sie nachher, wenn Sie nach diesem Workshop durch diese Tür da gehen, dass Sie bitte vielleicht liebenswürdigerweise alles vergessen, wer hier was sagt und wer sich wann meldet.
00:16:40
Speaker
Und wenn ihr uns den Gefallen tut, könnt ihr mal ganz deutlich nicken.
00:16:45
Speaker
Und dann lachen die Lehrkräfte, weil sie noch nicht wissen, was kommt, ehrlich gesagt.
00:16:49
Speaker
Und die Kinder schauen ganz genau hin und sagen, sie haben nicht genügend genickt.
00:16:54
Speaker
Und wenn die Kinder dann sicher sind, dann frage ich zuallererst mal, so, wie schaut es aus?
00:17:00
Speaker
Wer von euch kennt die PIN-Nummer vom Smartphone seiner Eltern?
Technische Versiertheit von Kindern und elterliche Unkenntnis
00:17:10
Speaker
Nächste Frage, wer kennt die PIN-Nummer von beiden Eltern, der darf jetzt die zweite Hand auch noch hochnehmen.
00:17:15
Speaker
Gehen 60 Prozent nochmal hoch.
00:17:17
Speaker
Und sofort wissen die Kinder, aha, der fragt uns Fragen.
00:17:22
Speaker
Die Faktor ist normalerweise Erwachsene vielleicht nicht so und außerdem weiß der anscheinend so ein paar Sachen.
00:17:27
Speaker
Das ist ja spannend.
00:17:29
Speaker
Wer weiß die PIN-Nummer vom Smartphone seiner Eltern, ohne dass die Eltern es wissen?
00:17:36
Speaker
Und dann melden sich so 40 Prozent und dann sage ich immer, aha, wisst ihr was?
00:17:40
Speaker
Heute Abend beim Elternabend werden 40 Prozent, also garantiert kommen wieder Eltern zu mir.
00:17:45
Speaker
Die sagen dann, Herr Wolf, ich verstehe es auch nicht.
00:17:49
Speaker
Ich habe meinem Sohn Apple Bildschirmzeit oder meiner Tochter Google Family League eingerichtet, aber das geht irgendwie nicht.
00:17:56
Speaker
Ich stelle dem eine Stunde ein und die ist immer vier Stunden dran.
00:18:01
Speaker
Die Kinder lachen sich kaputt.
00:18:03
Speaker
Oder die lachen die ganze Zeit.
00:18:04
Speaker
Dann sage ich, naja gut, und bei 40 Prozent von euch habe ich jetzt da so eine Idee, warum das so sein könnte.
00:18:11
Speaker
So, und dann haben wir schon mal etabliert.
00:18:15
Speaker
Die wissen dann, ich weiß, dass sozusagen die meisten da eben Bescheid wissen, dass viele Kinder es wissen, was die Eltern nicht wissen.
00:18:24
Speaker
Scheinbar harmlos.
00:18:27
Speaker
wir machen jetzt aus Spaß so quasi einen kleinen Ausschnitt aus einem Workshop, wäre dann, wer von euch hat Eltern, die ein Smartphone als Säcker benutzen? 90%.
00:18:43
Speaker
Bei wem sind es beide Eltern?
00:18:45
Speaker
Der darf die zweite antauern und auch reden.
00:18:46
Speaker
Dann gehen nochmal 50 Prozent hoch, ganz grob.
00:18:50
Speaker
Und alle haben Spaß.
00:18:51
Speaker
Es ist auch viel Bewegung.
00:18:52
Speaker
Zu diesem Zeitpunkt haben sich einige schon sieben, acht Mal gemeldet.
00:18:56
Speaker
Und nächste Frage.
00:18:57
Speaker
Wer von euch hat in der letzten Woche nur nochmal sicher zu gehen, seine Eltern mit Smartphone ins Schlafzimmer gehen?
00:19:05
Speaker
Zu ihnen am Abend oder mit dem Früh mit Smartphone aus dem Schlafzimmer kommen?
00:19:08
Speaker
Melden sich immer ungefähr die Hälfte nochmal.
00:19:10
Speaker
So, dann sage ich, wisst ihr was, hätten meine Eltern mir das erlaubt, ich hätte folgendes gemacht, nicht ihr, ich.
00:19:22
Speaker
Ich hätte zuallererst die Lautstärke ganz auf null gedreht und dann kommt das, mach ich auch mal jeden Tag, das ist dann halt, du, du, du,
00:19:39
Speaker
die Bildschirmhelligkeit ganz dunkel gemacht.
00:19:42
Speaker
Ja, der Lukas auch.
00:19:44
Speaker
So, und dann haben wir etabliert, aha, alle Kinder machen das.
00:19:49
Speaker
Alle Kinder wollen es, weil ich kann Spaß haben nachts.
00:19:54
Speaker
Alle Kinder wollen Spaß haben.
00:19:56
Speaker
Und den Eltern muss ich dann erzählen, hört mal zu, als ihr jung wart, ihr wollt, erinnert euch bitte.
00:20:01
Speaker
Ihr wolltet vor allem eine Sache in eurem Leben.
00:20:04
Speaker
Spaß und den habt ihr euch geholt mit allem was ihr konntet.
00:20:06
Speaker
Aber sowas wie ein Smartphone hattet ihr nicht in der Nähe.
00:20:09
Speaker
Deshalb sagen wir es mal andersrum.
00:20:13
Speaker
Wenn ihr ein Smartphone gehabt hättet, hättet ihr nichts anders gemacht für die Kinder heute.
00:20:17
Speaker
Ich wäre absolut, ich wäre der Kandidat gewesen.
00:20:20
Speaker
Weil jetzt frage ich weiter.
00:20:22
Speaker
So, dann sage ich, wisst ihr was?
00:20:27
Speaker
Wenn ich als Kind Wochen, Monate oder Jahre sehen würde, wie meine Eltern mit Smartphone ins Bett gehen, da hätte ich irgendwann wahrscheinlich die Idee, das will ich auf.
00:20:40
Speaker
Und die Kinder der Welt kommen typischerweise auf zwei hervorragende Methoden, um ihre Eltern zu überzeugen.
00:20:46
Speaker
Und dann spiele ich es, dann suche ich mir irgendein Kind aus und sage, Mama...
00:20:51
Speaker
Darf ich heute Abend bitte das Smartphone mit ins Bett nehmen?
00:20:55
Speaker
Weil ich möchte nur fünf Minuten Musik hören.
00:21:00
Speaker
Bitte, bitte, darf ich bitte, bitte?
00:21:02
Speaker
Wenn ich das so sage, alle Kinder lachen sich schlapp und das eine Mädchen weiß nicht so richtig, was soll ich jetzt sagen?
00:21:09
Speaker
Dann sagt sie entweder ja oder nein, ist auch ganz egal.
00:21:11
Speaker
Und dann sage ich, wenn sie nein sagt, sage ich, du bist gemein, alle in der Schule dürfen es, nur ich nicht.
00:21:18
Speaker
Oder ich sage dann, ich hasse dich, irgendwas, wo die Kinder sofort kennen.
00:21:23
Speaker
Ah, die Methode kennen wir auch.
00:21:25
Speaker
Und dann sage ich, zum Glück habe ich noch einen zweiten Pfeil in Küche.
00:21:29
Speaker
Ich gehe zu meinem Vater.
00:21:32
Speaker
Papa, mein Wecker ist kaputt.
00:21:38
Speaker
Du willst doch nicht, dass ich morgens zu spät in die Schule komme, oder?
00:21:43
Speaker
Weil irgendwann schimpfen mich die Lehrer und auch dich schimpfen sie dann.
00:21:46
Speaker
Und deshalb bitte, bitte.
00:21:47
Speaker
Ich will nur was machen, was du seit zehn Jahren machst.
00:21:49
Speaker
Ich nehme es mal für mit.
00:21:50
Speaker
Okay, okay, okay, okay.
00:21:51
Speaker
Darf ich, darf ich?
00:21:56
Speaker
Sobald ich das Ja bekomme, spielt dir die Kinder vor, schaut her, es war gar nicht so schwer, hat drei Minuten gedauert.
00:22:03
Speaker
Und deshalb frage ich an euch, wer hat es geschafft, seine Eltern zu überreden?
00:22:07
Speaker
So und dann melden sich und das ist der Hammer, es melden sich tatsächlich an Schulen, wo wir neu sind und noch nie waren, in der Regel erst die Hälfte der Kinder, in manchen Schulen sogar bis 90 Prozent hoch, von denen die eins haben.
00:22:21
Speaker
An anderen schon, wo wir schon länger sind, eher weniger, weil da hat es sich dann doch schon so langsam ein bisschen rumgesprochen.
00:22:26
Speaker
Ich halte das für einen kleinen Teil Erfolg unserer Arbeit.
00:22:30
Speaker
So, als nächstes frage ich dann, aha, aber wer von euch hat schon mal trotzdem sein Smartphone oder Tablet mitgenommen, obwohl er es nicht da ist?
00:22:40
Speaker
Dann melden sich garantiert nochmal zu viele.
00:22:43
Speaker
Und dann kommen wir immer auf am Schluss 80, 90 Prozent.
00:22:47
Speaker
Die, die es nicht dürfen, zusammen sind immer groß in mir.
00:22:51
Speaker
Und dann sage ich so, und wisst ihr was?
00:22:55
Speaker
Ich kenne euren Namen nicht.
00:22:56
Speaker
Ihr dürft alles sagen.
00:22:58
Speaker
Jetzt wird es spannend.
00:23:00
Speaker
Wer war denn schon mal, obwohl er am nächsten Tag Schule ist, abends um 10 noch im Internet?
00:23:09
Speaker
Also ab der fünften Klasse ist die Reaktion, hä, gestern?
00:23:15
Speaker
Was sind das für eine Frage?
00:23:16
Speaker
Jeden Abend, natürlich, gestern.
00:23:19
Speaker
In den Grundschulen aber melden sich auch nochmal vielleicht so die Hälfte von denen, die eins haben.
00:23:24
Speaker
Nächste Frage, wer von euch war denn schon mal länger im Internet zum Beispiel um Mitternacht?
00:23:31
Speaker
Und in der siebten, achten Klasse löst es genauso Gelächter aus, wie Lukas jede Nacht natürlich, ja klar.
00:23:36
Speaker
Aber sonst, 5, 6 ist da so ein bisschen, ja, aber da gibt es auch schon so Richtung Hälfte, bei den kleineren weniger.
00:23:45
Speaker
So, nächste Frage, wer hat schon mal Folgendes erlebt?
00:23:48
Speaker
Ihr seid im Bett, ihr schaut irgendwas, ihr zockt irgendwas, ihr schreibt ein bisschen und ihr schlaft ein.
00:23:56
Speaker
Ihr dreht euch weg, ihr dreht euch zurück, aber da leuchtet euer Handy immer noch ein.
00:24:01
Speaker
Wer hat es schon mal nochmal in die Hand genommen, obwohl ihr eigentlich schon geschlafen habt?
00:24:12
Speaker
Inzwischen haben die Kinder die Lehre total vergessen.
00:24:16
Speaker
Die sitzen zwar hinten drin, aber jetzt wird spannend.
00:24:19
Speaker
Darüber haben sie noch nie gesprochen.
00:24:23
Speaker
Bitte meldet euch nicht, weil es lustig ist oder cool.
00:24:26
Speaker
Meldet euch nur, wenn es wahr ist.
00:24:28
Speaker
Seid bitte so ehrlich.
00:24:31
Speaker
Wir waren um drei Uhr morgens mal noch immer im Internet, obwohl Schule war.
00:24:37
Speaker
Und dann passiert was, wo die meisten Lehrer hinten halb vom Stuhl fallen und auch nachher zu mir kommen und sagen,
00:24:44
Speaker
Herr Wolf, ich habe mir schon sowas gedacht, aber das ist so wahnsinnig krass.
00:24:50
Speaker
Hätte ich nie gedacht.
00:24:53
Speaker
Und dann in manchen siebten Klassen melden sich immer noch die Hälfte.
00:24:57
Speaker
Jetzt haben wir drei Uhr morgens.
00:24:59
Speaker
Sogar in den Grundschulen melden sich einige Kinder um drei Uhr morgens.
00:25:03
Speaker
Je nachdem, wo ich bin.
00:25:04
Speaker
Und ganz krass, ehrlich gesagt, in den Förderzentren.
00:25:08
Speaker
Da melden sich drei Uhr morgens.
00:25:13
Speaker
Und jetzt frage ich die folgende Frage.
00:25:15
Speaker
Ich höre mal zu in so einer Sumpfnacht.
00:25:17
Speaker
Welche App habt ihr wahrscheinlich am meisten benutzt?
00:25:22
Speaker
Und es sind immer die gleichen.
00:25:25
Speaker
Es ist ganz leicht.
00:25:26
Speaker
Number one, YouTube.
00:25:30
Speaker
Number two, WhatsApp bei den größeren Weltklassenchat.
00:25:33
Speaker
Nummer drei und vier sind Instagram, Snapchat.
00:25:36
Speaker
TikTok natürlich dabei.
00:25:38
Speaker
TikTok ist sehr unterschiedlich inzwischen, je nach Schule.
00:25:41
Speaker
Manche sehr viel, manchmal sehr wenig.
00:25:43
Speaker
Und natürlich die vier, fünf aktuellsten Spiele, die zurzeit sind.
00:25:47
Speaker
Bei den kleinen Brawl Stars, bei den großen Fortnite.
00:25:50
Speaker
Dazu Minecraft, dann Roblox immer noch, auch noch sehr stark und Subway Surfers.
00:25:56
Speaker
Würde ich jetzt mal sagen, sind zurzeit die fünf beliebtesten Mobile Games.
00:26:01
Speaker
Wobei Fortnite natürlich in der Regel auch und vor allem auf dem großen Bildschirm gespielt wird.
00:26:07
Speaker
Aber man kann es eben auch zur Not, wenn nichts anderes hergeht, unter der Decke.
00:26:13
Speaker
Entweder im Smartphone ein bisschen zocken oder zumindest zuschauen oder man kann seinen Nintendo Switch auch mit ins Pitch.
00:26:19
Speaker
Das geht ja auch noch.
00:26:22
Speaker
Und diese 10 Apps, die ich jetzt so genannt habe, also quasi ein bisschen Social Media, YouTube, WhatsApp plus
00:26:29
Speaker
Die Games machen meiner Erfahrung nach 95 bis 99 Prozent der Zeit aus, die die Kinder im Bett verbringen.
00:26:36
Speaker
Und jetzt passieren Dinge, die die Eltern nicht wissen.
00:26:43
Speaker
Ich versuche das immer so ein bisschen überzuleiten, weil die nächste Frage ist gleich die krasseste dann, die ich dann frage.
00:26:49
Speaker
So, okay, und passt mal auf, bitte ganz ehrlich.
00:26:53
Speaker
Wer von euch hat Folgendes erlebt?
00:26:54
Speaker
Ihr seid nachts im Smartphone, im Bett.
00:26:57
Speaker
Ihr zockt ein bisschen YouTube, ihr schaut ein bisschen, äh, ihr schaut ein bisschen YouTube, ihr zockt ein bisschen euer Lieblingsspiel, ihr schreibt ein bisschen auf WhatsApp, ihr schaut ein paar Reels.
00:27:08
Speaker
Ihr schlaft vielleicht mal ein, aber ihr wacht wieder auf und jetzt passt gut auf.
00:27:12
Speaker
In dem Moment, wo ihr immer noch oder schon wieder dran seid, klingelt der Wecker,
00:27:20
Speaker
Oder bei Eltern rufen euch zum Frühstück und ihr merkt, oh Gott, ich habe die ganze Nacht nicht richtig geschlafen.
00:27:28
Speaker
Und sogar in den Grundschulen melden sich einige Schüler, einige wenige.
00:27:34
Speaker
In den fünften Klassen sind es aber schon mehr als eine Handfolge.
00:27:38
Speaker
In den sechsten noch mehr und in den achten, da habe ich fast die Hälfte der Schüler.
00:27:43
Speaker
Ich sage es jetzt nochmal und das ist etwas, was es in der Wissenschaft nicht gibt.
00:27:47
Speaker
Es gibt darüber keine Erkenntnisse, es gibt auch keine Untersuchungen, die mir bekannt sind, zumindest in Deutschland.
00:27:54
Speaker
Das ist alles Dunkelfeld, was nachts im Bett passiert.
00:27:58
Speaker
Die Eltern kriegen nichts mit.
00:28:00
Speaker
Ich frage da noch immer, wer von euch hat zu Hause Amazon Prime oder Netflix?
00:28:05
Speaker
Wer hat schon mal seine Eltern einschlafen sehen vor Netflix oder Amazon Prime?
00:28:09
Speaker
Das schafft immer so ein bisschen Gemeinsamkeit.
00:28:11
Speaker
Auch wenn die Eltern vom Fernseher einschlafen, kann ich am Handy schon mal die Welt entdecken.
00:28:16
Speaker
Ja, und das ist das Setting.
00:28:18
Speaker
Das heißt, ganz ehrlich, und das Irre ist auch Profis, ich sage es nochmal, Profis, Medienpädagogen, erfahrene Profis,
00:28:29
Speaker
ja Medienerzieher auch, scheinen das nicht so in der Breite mitzukriegen.
00:28:35
Speaker
Die Kinder geben es ungern zu, natürlich, weil das ist eigentlich was sehr Privates irgendwie.
00:28:41
Speaker
Gleichzeitig merken die Kinder, wenn die anderen sich auch alle melden, teilweise wissen sie es natürlich, weil sie im Klassenchat zusammenstecken.
00:28:48
Speaker
Aber wenn ich dann zum Beispiel frage, so richtig hardcore, wer hat schon mal morgens um sechs oder so richtig, richtig die Nacht durchgemacht, ist in der Schule, dass das auch noch andere auch noch gewesen sind, nicht nur sie alleine, ist für die Kinder auch untereinander eine große Erfahrung, eine große Entdeckung.
00:29:04
Speaker
Das heißt, die sind jetzt nach, jetzt haben wir ungefähr 20 Minuten erst vorbei und jetzt sind die schon voll Feuer und Schlag.
00:29:10
Speaker
Weil es geht zum ersten Mal um ein Thema, über das sie in der Regel noch nie mit überhaupt jemand gesprochen haben, außer vielleicht mit ihrer besten Freundin und erst recht noch nie mit irgendeinem Erwachsenen.
00:29:22
Speaker
Und plötzlich geht der Korkum aus der Flasche.
00:29:25
Speaker
Und dann sag ich, hör mal zu, reden wir mal kurz über die häufigst genutzte App der Welt.
00:29:35
Speaker
Klasse ist das nicht mehr euer Lieblingsspiel, sondern es wird mehr und mehr WhatsApp.
00:29:40
Speaker
Wegen dem Klassencheck, wissen die natürlich alle.
00:29:42
Speaker
Ich sage nicht die längsten genutzte App, aber die häufigsten genutzte.
00:29:46
Speaker
So, dann rede ich ein bisschen über WhatsApp und frage zum Beispiel die Kinder, was auch die Eltern immer total umhaut.
00:29:52
Speaker
Und auch die Lehrer.
00:29:53
Speaker
Wer von euch kennt Folgendes?
00:29:54
Speaker
Ihr steht morgens auf, ihr schaltet auf den WhatsApp, da gibt es so eine kleine Notifikation, so einen Zähler und da steht 999+.
00:30:05
Speaker
Ich kenne keinen einzigen Erwachsenen, der das schon mal gesehen hat.
00:30:09
Speaker
Und dann frage ich, wie viel habt ihr denn schon mal gehabt in der Tratschnacht vor dem Herrn auf WhatsApp?
00:30:18
Speaker
In eurer krassesten Nacht?
00:30:19
Speaker
Wie viele WhatsApp-Nachrichten hattet ihr im Klassenchat?
00:30:24
Speaker
Und da kommt in der dritten, vierten Klassen 20, 50, 100 mal ab der fünften geht es aber sofort nach oben.
00:30:32
Speaker
500, 800, 1200 und ab den sechsten
00:30:38
Speaker
sagt kaum noch jemand eine Zahl unter 1000.
00:30:39
Speaker
Und dann merkt man schon, dann frage ich als nächstes gleich, wer von euch weiß, was ein Autoklicker ist.
00:30:47
Speaker
Und wenn es mehrere Kinder wissen, was ein Autoklicker ist, dann ist auch klar, wo diese ganz großen Zahlen herkommen, weil per Autoklicker kann man ja die ganze Nacht alle 30 Sekunden ein neues Bild einfach posten, automatisch, auch wenn man gar nicht wach ist.
00:31:01
Speaker
Und manche machen das.
00:31:02
Speaker
Die stellen das einfach ein, eine große Bildergalerie, und ich kann die ganze Nacht
00:31:07
Speaker
Schmutzeln, Lachen, Smileys hin und her schicken, Daumen hoch, Herzchen, Zwinker, Smileys und so weiter.
00:31:13
Speaker
Und wir hätten das auch gemacht.
00:31:16
Speaker
Das ist mir so wichtig, dass wenn ich auch den Eltern mal darlege, die das in der Regel nie gehört haben, dass es so etwas überhaupt gibt,
00:31:24
Speaker
dann kann ich nur sagen, ja, wir hätten es auch gemacht.
00:31:29
Speaker
Und mir ist immer ganz wichtig, die Kinder, die sind natürlich nicht schuld an ihrer Seite.
00:31:34
Speaker
Die Kinder sind sowieso eigentlich nie an irgendwas schuld.
00:31:37
Speaker
Rein rechtlich, es sind Kinder.
00:31:38
Speaker
Bis sie 14 sind, sind sie nicht strafmündig.
00:31:42
Speaker
Und ich möchte immer eigentlich den Eltern vor allem beibringen, dass es hier nicht um Schuld geht, sondern um ein, hoffe ich zumindest, ein Zusammenwachsen.
Kinder und ihre Nutzung von WhatsApp und YouTube
00:31:54
Speaker
Und wenn dann geklärt ist, aha, mehrere tausend WhatsApp-Nachrichten, dann frage ich immer gerne auch mal, stell dir mal Folgendes vor.
00:32:02
Speaker
Warum ist folgender Satz wahr?
00:32:05
Speaker
Wer WhatsApp hat, hat auch YouTube.
00:32:08
Speaker
wissen sofort immer einige.
00:32:09
Speaker
Ja klar, weil bei WhatsApp kann ich mir einen YouTube-Link schicken und der geht dann in einem Vorschaufenster auf.
00:32:14
Speaker
Egal, ob meine Eltern mir YouTube erlauben oder nicht.
00:32:17
Speaker
Egal, ob er mir YouTube.com gesperrt ist oder nicht.
00:32:21
Speaker
Und dann sage ich ja, aber wie viele Jahre ist denn eigentlich WhatsApp?
00:32:28
Speaker
beziehungsweise es herrscht Halb- und Dunkelwissen.
00:32:31
Speaker
Die einen sagen ab 0, die anderen sagen ab 18, alles dazwischen.
00:32:34
Speaker
Und das ist auch ganz normal, Erwachsene wissen es auch nicht.
00:32:38
Speaker
Manche haben schon mal gehört, bis vor ein paar Jahren war es ab 16, letztes Jahr wurde es geändert.
00:32:42
Speaker
Es steht zwar sehr, sehr kompliziert in den Nutzungsbedingungen, kein Mensch kann es verstehen.
00:32:48
Speaker
Es ist irgendwie ab 13 oder gegebenenfalls ab einem älteren Alter, das vielleicht in deinem Land gilt,
00:32:55
Speaker
Kein Mensch kann es verstehen.
00:32:57
Speaker
Das heißt, das muss man sich aber auch mal wirklich als Erwachsener geben.
00:33:01
Speaker
Die häufigst genutzte App in unserem Land hat eine Nutzungsbedingung, die keiner versteht.
00:33:09
Speaker
Man muss Datenschutz mehr oder weniger studiert haben, um zu verstehen, dass natürlich Deutschlands eins der Länder ist, wo ein höheres Alter ist und zwar 16.
00:33:17
Speaker
Wie überhaupt die gesamte EU.
00:33:20
Speaker
Aber da steht drin 13.
00:33:22
Speaker
Ja, und dann frage ich, aber ab wie viel Jahr ist denn YouTube?
00:33:27
Speaker
Genau dieselben Antworten.
00:33:28
Speaker
Ab 12, ab 0, ab 3, ab 18, ab 20, ab 15.
00:33:31
Speaker
Keiner hat eine Ahnung.
00:33:33
Speaker
Und dann sage ich, hm, wer von euch kennt folgende Situation?
00:33:37
Speaker
Ihr kommt in ein Restaurant, da ist eine große Familie mit einem sehr kleinen Kind, zwei Jahre.
00:33:43
Speaker
Das kleine Kind kriegt, damit es ruhig ist, ein Tablet und auf dem Tablet läuft YouTube.
00:33:52
Speaker
Manchmal sagt auch einer, mein kleiner Bruder kriegt auch im Alt.
00:33:57
Speaker
Und dann sage ich, aha, also nicht YouTube Kids, sondern YouTube.
00:34:03
Speaker
Kennen Sie Cocomelon?
00:34:04
Speaker
Natürlich Cocomelon.
00:34:06
Speaker
Okay, dann sage ich noch, je nachdem, wie bekannt es ist, dann sage ich noch, wer von euch kennt das meistgeklickte Video der Welt?
00:34:14
Speaker
Und wie sind die Kinder?
00:34:15
Speaker
Baby Shark, Baby Shark.
00:34:17
Speaker
Dann fangen alle an.
00:34:18
Speaker
Baby Shark, da, da, da, da.
00:34:22
Speaker
Und dann sage ich, wisst ihr was?
00:34:23
Speaker
Als ich es letztes Mal geschaut habe, hatte Baby Shark knapp 16 Milliarden Aufrufe.
00:34:31
Speaker
Dann sage ich, ja, das ist wirklich viel, weil wir haben nur 8 Milliarden Menschen.
00:34:35
Speaker
Das heißt, es muss hunderte Millionen Menschen geben.
00:34:39
Speaker
Die schauen dieses YouTube-Video und wenn es fertig ist,
00:34:44
Speaker
Wenn es dann fertig ist, nochmal.
00:34:47
Speaker
Und wenn es dann fertig ist, nochmal, nochmal, nochmal.
00:34:49
Speaker
Wie alt sind diese Kinder?
00:34:51
Speaker
Und die schätzen natürlich alle dann völlig zu Recht auf zwei oder drei Jahre.
00:34:56
Speaker
Das heißt, die Menschheit der Welt, beziehungsweise die Eltern der Welt, geben ihren Kindern YouTube im Kleinkindalter.
00:35:07
Speaker
Und jetzt beweise ich, dass YouTube ab 16 sein muss.
00:35:14
Speaker
Ja, ich würde es euch jetzt erklären.
00:35:16
Speaker
Ihr könnt es nämlich sehen, jedes Jahr im Oktober.
00:35:20
Speaker
Ja, Ende Oktober ist ein Fest.
00:35:22
Speaker
Ein amerikanisches Fest.
00:35:29
Speaker
Und zu Halloween kommen neue Filme ins Kino, stimmt's?
00:35:36
Speaker
Horrorfilme, Gruselfilme.
00:35:40
Speaker
Ab wie viel Jahre sind denn die meisten Horror-
00:35:44
Speaker
Wissen die gibt es natürlich.
00:35:45
Speaker
Sogar die ganz kleinen.
00:35:48
Speaker
Dann sage ich so, jetzt passt mal auf.
00:35:51
Speaker
Wen ihr ins Kino gehen wollt und ihr wollt euch so einen Film anschauen.
00:35:54
Speaker
Ich bin der Türsteher.
00:35:56
Speaker
Was würde ich euch sagen?
00:36:00
Speaker
Sie würden mich nicht reinlassen, weil ich bin nicht alt genug.
00:36:03
Speaker
Sag ich ganz genau.
00:36:05
Speaker
Gibt es bei YouTube einen Türsteher?
00:36:10
Speaker
Und jetzt haltet euch fest, darf YouTube euch Sachen ab 16 oder 18 zeigen?
00:36:16
Speaker
Allgemeine Verwirrung.
00:36:18
Speaker
Dürfen sie oder dürfen sie nicht?
00:36:19
Speaker
Ja, eigentlich nicht.
00:36:20
Speaker
Dann sage ich, ja doch, eigentlich, sie dürfen es schon.
00:36:23
Speaker
Wenn diese Plattform ab 16 oder ab 18 wäre, dann dürfen die das.
00:36:28
Speaker
Und jetzt haltet euch fest.
00:36:30
Speaker
Wer von euch hat schon mal eine Werbung?
00:36:35
Speaker
Die könnt ihr euch ja nicht aussuchen.
00:36:36
Speaker
Die wird euch aber auch vorgespielt.
00:36:38
Speaker
Ihr habt es euch nicht ausgesucht.
00:36:40
Speaker
Die Werbung für einen Horrorfilm ab 16 oder ab 18 gesehen.
00:36:49
Speaker
Und dann merken die Lehrkräfte an dieser Stelle, Moment mal, was?
00:36:57
Speaker
Da stimmt was nicht.
00:37:00
Speaker
Manchmal frage ich die Lehrkräfte auch an der Stelle, hört mal zu, ich habe mal eine Frage an die Lehrkräfte, wenn ihr auf YouTube geht, wie viele Werbungen seht ihr, bevor das YouTube-Video losgeht?
00:37:10
Speaker
Sagen die immer eins oder zwei.
00:37:12
Speaker
Und während die das sagen, nach der Reihe regen sich die Kinder schon auf.
00:37:17
Speaker
Ich kriege fünf, ich kriege vier, ich kriege sechs.
00:37:21
Speaker
Dann sage ich, aha, ein oder zwei, Dankeschön.
00:37:24
Speaker
So, wie viel kriegt ihr denn so?
00:37:26
Speaker
Wer hat schon mal mehr als zwei gesehen, also drei oder mehr?
00:37:29
Speaker
Wer hat schon mal vier?
00:37:31
Speaker
Und dann merken die Kinder, Moment mal, wir, wir sehen auf YouTube was ganz anders wie unsere Eltern.
00:37:37
Speaker
Und die Lehrer wissen, die Kinder sehen Horrorvideos.
00:37:45
Speaker
So ist das Setting.
00:37:47
Speaker
Wir haben eine weltweit bekannte App.
00:37:50
Speaker
Ich will gar nicht nur auf YouTube einhauen, das ist ja bei den anderen Apps auch so, aber da ist es besonders exemplarisch, weil die Spreizung zwischen quasi Nutzungsbedingungen und tatsächlicher Nutzung ist bei YouTube so hoch wie bei kaum einer anderen App.
00:38:03
Speaker
Also das zweieinige Nutzen, obwohl sie ab 16 ist.
00:38:06
Speaker
Und zwar 100 Millionenfach.
00:38:07
Speaker
Das ist was, das sehe ich in der Spreizung wirklich sehr, sehr selten.
00:38:12
Speaker
Und YouTube hat ja auch Inhalte ab 18.
00:38:16
Speaker
Auch das ist den meisten Erwachsenen überhaupt nicht bekannt.
00:38:19
Speaker
Weil als sie klein waren, hatten sie kein YouTube.
00:38:22
Speaker
Als sie groß waren, interessieren sie sich nicht mehr für diese schlimmen Sachen.
00:38:26
Speaker
Kinder sind aber neugierig.
00:38:27
Speaker
Und dann sage ich, okay, jetzt stellt euch mal Folgendes vor.
00:38:30
Speaker
Wahre Geschichte, wahre Geschichte.
00:38:32
Speaker
Ein Drehklässler kommt zu mir.
00:38:34
Speaker
Wissen Sie, Herr Wolf, mir hat neulich auf WhatsApp einer eine Mutprobe geschickt.
00:38:42
Speaker
Er war also nachts im Bett, unter der Bettdecke und kriegt von seinem Freund eine Mutprobe und einen YouTube-Link.
00:38:46
Speaker
Und dann hat er da drauf geschaut.
00:38:49
Speaker
Und dann ist eine Szene, die ich auch im Buch schreibe, dass ich dann sage, so, und dann hat er einen Filmausschnitt gesehen.
00:38:57
Speaker
Und bevor ich den weiter erzähle, bitte, ich möchte nicht, dass irgendjemand Angst bekommt.
00:39:02
Speaker
Aber ihr werdet gleich sehen, dass viele es kennen.
00:39:04
Speaker
Und deshalb, ich möchte darüber reden, was viele von euch schon gesehen haben.
00:39:08
Speaker
Und deshalb bitte, bitte, ganz, ganz wichtig, wenn es euch jetzt gleich unheimlich wird oder ihr denkt, das wollt ihr nicht hören, hebt sofort die Hand, ich höre es sofort auf.
00:39:16
Speaker
Alles, was jetzt kommt, ist nicht echt.
00:39:18
Speaker
Das gibt es nur in einem Film.
00:39:20
Speaker
Und jetzt schauen wir einfach mal.
00:39:21
Speaker
Ihr könnt jederzeit die Hand heben, weil ich will ja nicht, dass ihr mehr Angst habt, sondern weniger.
00:39:26
Speaker
Deshalb bin ich hier.
00:39:28
Speaker
Und er sieht also auf seinem Smartphone mitten in der Nacht einen Filmausschnitt.
00:39:32
Speaker
Und da ist ein Junge zu sehen, der heißt, neun Jahre ungefähr, der heißt Georgie.
00:39:40
Speaker
Sobald ich den Namen Georgie ausspreche, sind die ersten Kinder da.
00:39:47
Speaker
Georgie, Pennywise Ace!
00:39:51
Speaker
Ich brauche nur den jungen Namen Georgi aussprechen.
00:39:57
Speaker
In dritten Klasse ist die Reaktion einiger, manchmal sogar der Mehrheit der Kinder nach dem Namen Georgi schon da.
00:40:06
Speaker
Und dann merken auch die Lehrkräfte, was ist denn jetzt schon wieder?
00:40:11
Speaker
Georgi hat ein Papierschiff.
00:40:13
Speaker
Dann fangen einige an, bei Papierschiff sich zu erinnern.
00:40:18
Speaker
Und ich weiß schon, an der Stelle,
00:40:22
Speaker
Ich merke, manche von euch wissen anscheinend, um was es geht.
00:40:25
Speaker
Wer weiß jetzt schon, wovon ich rede?
00:40:27
Speaker
Obwohl ich nur einen Satz gesagt habe.
00:40:29
Speaker
Georgie hat ein Papierschiff.
00:40:31
Speaker
Die hilft für die Kinder, meldet sich.
00:40:34
Speaker
So, nächste Frage.
00:40:36
Speaker
Und jetzt passt auf, falls ihr es nicht kennt,
00:40:40
Speaker
Ihr habt nämlich euer Leben lang besser geschlafen wie die anderen.
00:40:45
Speaker
Und wenn ihr es kennt, bitte ganz ruhig bleiben.
00:40:50
Speaker
Georgi lässt sein Papier quasi, oder es fällt ihm runter, glaube ich, oder er lässt es schwimmen auf so einer Pfütze und weil es so viel regnet, wird das Papierschiff weggespült.
00:41:03
Speaker
Meldet sich die halbe Klasse.
00:41:07
Speaker
In einen Gulli, ein großer amerikanischer Gulli, da passt eine ganze Person rein.
00:41:12
Speaker
Und tatsächlich, da sitzt einer drin.
00:41:14
Speaker
Ja, ja, der Clown, der Clown, der Clown.
00:41:17
Speaker
Die Kinder können gar nicht an sich halten.
00:41:21
Speaker
Da sage ich, frage erst mal, wie heißt denn der Clown?
00:41:25
Speaker
Wissen wieder alle Pennywise.
00:41:27
Speaker
Und ist Pennywise am Anfang böse oder lieb?
00:41:31
Speaker
Also nicht alle natürlich, aber die, die ein Smartphone haben.
00:41:34
Speaker
Das ist wirklich lustig.
00:41:35
Speaker
Die wissen es tendenziell sehr, sehr genau.
00:41:40
Speaker
Und Jody redet also mit ihm.
00:41:45
Speaker
Und der ist eigentlich ganz nett.
00:41:46
Speaker
Und dann sagt Georgie zuerst, naja, ich soll nicht mit Fremden reden.
00:41:50
Speaker
Dann sagt Pennywise, aber weißt du was, das haben wir gleich.
00:41:55
Speaker
Ich bin Pennywise, du bist Georgie, jetzt kennen wir uns, sonst sind keine Fremden mehr.
00:41:59
Speaker
Das ist sowas, wo Erwachsene schon so ein bisschen sehr nervös würden, aber die Kinder, okay, logische Begründung.
00:42:04
Speaker
Dann rede der mit ihm.
00:42:06
Speaker
Und irgendwann ist er fertig und will wieder weg.
00:42:08
Speaker
Und dann sagt Pennywise, so, Georgie, hier ist noch dein Papierschiff.
00:42:13
Speaker
Magst du es nicht mitnehmen?
00:42:15
Speaker
Und Georgie überlegt ein bisschen, weil er musste seinen Arm da rein strecken.
00:42:19
Speaker
Aber der scheint das nicht zu sein.
00:42:20
Speaker
Und er streckt seinen Arm da rein.
00:42:22
Speaker
Und jetzt passt auf.
00:42:25
Speaker
An der Stelle sind manche schon so.
00:42:28
Speaker
Und für mich ein Drahtseilakt.
00:42:30
Speaker
Weil ich möchte niemanden traumatisieren.
00:42:32
Speaker
Nur von dem, was wir sagen.
00:42:34
Speaker
Also ist meine nächste Aufgabe besonders schwer.
00:42:39
Speaker
Wer kann mir jetzt erzählen, was jetzt passiert, aber so, dass alle hier im Raum heute Nacht noch gut schlafen können, inklusive der Lehrkräfte?
00:42:50
Speaker
Das kann man nicht.
00:42:53
Speaker
Zwei heben die Hand.
00:42:54
Speaker
Dann sage ich, okay, ganz, ganz vorsichtig, was passiert?
00:42:59
Speaker
Also der Clown, der hat plötzlich Hunger.
00:43:06
Speaker
Und dann ist der Arm von Geordi weg.
00:43:13
Speaker
Ich lasse es dann dabei.
00:43:15
Speaker
Weil natürlich soll nicht jeder das im Detail dann so wissen.
00:43:18
Speaker
Das ist schon so schlimm genug.
00:43:20
Speaker
Und was passiert dann?
00:43:21
Speaker
Dann kommt ein Arm aus dem Gulli und zieht den Schreibernjungen hinunter.
00:43:27
Speaker
Der Regen spült alles Blut weg.
00:43:30
Speaker
Ende der Geschichte.
00:43:33
Speaker
Wenn Lehrkräfte diese Szene sehen,
00:43:37
Speaker
also Grundschullehrkräfte speziell, sind nicht dafür geschaffen, sowas zu sehen.
00:43:40
Speaker
Also und kennen es auch überhaupt nicht mal am Ansatz.
00:43:42
Speaker
Ich glaube, Grundschullehrer sind von allen Berufsgruppen die, die am wenigsten diese Szene tragen.
00:43:50
Speaker
Weil sie einfach mit sowas nichts am Hut haben.
00:43:52
Speaker
Und wenn wir dann, manchmal habe ich eine Lehrerfortbildung am Nachmittag und sage, dann wollen Sie mal wissen, was Ihre Kinder heute Morgen beschrieben haben.
00:43:58
Speaker
Was mehr als die Hälfte Ihre Kinder schon gesehen hat.
00:44:01
Speaker
Ich zeige es Ihnen mal.
00:44:03
Speaker
Oh, hören Sie auf, das kann ich mir nicht anschauen.
00:44:04
Speaker
Auf gar keinen Fall.
00:44:05
Speaker
Und das ist sehr interessant.
00:44:09
Speaker
Die Lehrkräfte können sich in der Regel nicht anschauen, was die Kinder hundert- und tausendfach gesehen haben.
00:44:15
Speaker
So groß ist hier der Unterschied der gemachten Erfahrungen.
00:44:20
Speaker
Jetzt als nächstes sage ich dann, okay, hört mal zu.
00:44:29
Speaker
Einige von euch haben das vielleicht schon mal gesehen.
00:44:32
Speaker
Wer von euch hat denn auch schon mal, wer kennt diese Szene, das haben wir bis dahin etabliert, wer von euch hat schon mal was anderes gesehen, was so grausam, schlimm, brutal, eklig war, dass er das nicht mehr vergessen konnte?
00:44:46
Speaker
Da melden sich, ich meine, so schlimm es ist, nahezu alle Kinder, die ein Smartphone haben.
00:44:54
Speaker
Und inzwischen denke ich mir, das ist auch logisch, weil Kinder sind neugierig.
00:44:59
Speaker
Kinder sind neugierig.
00:44:59
Speaker
Und sie haben ja WhatsApp sofort.
00:45:02
Speaker
Die Kinder kriegen alle sofort WhatsApp.
00:45:03
Speaker
Das ist die erste App, die installiert wird.
00:45:04
Speaker
Und sobald ein Kind es sieht, das sehen sie alle auch, das ist völlig logisch.
00:45:09
Speaker
Und genau das Gleiche mit dem Thema, mit den nackigen
Auswirkungen von gewalttätigen Medien auf Kinder
00:45:14
Speaker
Sobald einer es findet, haben es alle.
00:45:17
Speaker
Irgendwie krass, neugierig, huch, ich gucke halt mal hin.
00:45:21
Speaker
Und ich versuche das den Eltern so zu erklären.
00:45:25
Speaker
Stellen Sie sich mal vor, die Hälfte unserer Kinder würden wir jede Nacht in einer VHS-Vidiothek einsperren.
00:45:31
Speaker
Inklusive aller Videos, die es gibt.
00:45:33
Speaker
Und die mit den ganz wenigen Klamotten und dem vielen Blut.
00:45:37
Speaker
Die sind da alle drin.
00:45:39
Speaker
Jetzt raten Sie mal, wie lange es dauert, bis Ihr Kind mal nach links und rechts schaut.
00:45:42
Speaker
Wenn es sich sicher ist, dass Sie nicht zuschauen.
00:45:48
Speaker
Wenn die Kinder das anschauen, ist es niemals ein schlechter Charakter.
00:45:51
Speaker
Und ich muss Ihnen leider mitteilen, Ihr Kind ist auch neugierig.
00:45:56
Speaker
Besonders, weil die meisten ersten Kontakte zu wirklichen Ab-18-Inhalten sind nicht freiwillig, sondern die kommen entweder im Klassenchat oder, und die Meldung habe ich sehr, sehr oft,
00:46:08
Speaker
in Kurzvideodiensten.
00:46:09
Speaker
Also sprich TikTok slash YouTube Shorts slash Instagram Reels slash Snapchat Spotlights.
00:46:16
Speaker
Da geht es so schnell, bevor die Kinder nämlich entscheiden können, ob sie es sehen wollen oder nicht.
00:46:21
Speaker
Haben sie schon gesehen.
00:46:23
Speaker
Und dann können sie es nicht mehr vergessen.
00:46:24
Speaker
Und natürlich, wenn da abgesorgt wird, sensibler Inhalt.
00:46:28
Speaker
Was machen alle Kinder?
00:46:29
Speaker
Das ist also lächerlich.
00:46:30
Speaker
Dann gucken sie erst recht an.
00:46:33
Speaker
Und dann spiele ich den Kindern vor, wisst ihr was, dann frage ich noch ab, je nachdem wie groß die Gruppe ist, wer schon was gesehen hat,
00:46:41
Speaker
Und es kommt immer das Gleiche.
00:46:43
Speaker
Das kann ich inzwischen sagen.
00:46:44
Speaker
Ich habe fast 2000 Workshops gemacht mit den Schülern.
00:46:47
Speaker
Es kommt fast immer das Gleiche.
00:46:49
Speaker
Bei den Kleinen ist es immer.
00:46:52
Speaker
Also so gruselige Gestalten, das nennen die.
00:46:55
Speaker
Dann kommt Pennywise, dann kommt Chucky, die Mörderpuppe, dann kommt Siren Head, das ist so ein Sirenenkopfmonster, so 15 Meter hoch.
00:47:04
Speaker
Dann gibt es Granny, ein Horrorspiel, was besonders jung ist.
00:47:10
Speaker
Ein ganz mieses Spiel eigentlich.
00:47:11
Speaker
Aber die Oma ist natürlich so eine Zombie-Oma, die einen gleich umbringt, wenn sie einen findet.
00:47:18
Speaker
Alles, was wir total eigentlich, es ist einfach schlecht gemacht, es ist einfach schlecht, es ist nicht mal gruselig, aber Kinder finden die Sachen am gruseligsten, die eigentlich positiv konnotiert sind.
00:47:29
Speaker
Deshalb der Clown.
00:47:30
Speaker
Clown war bis zu diesem Film was Positives.
00:47:34
Speaker
Es gibt einen Horrorfilm, der heißt die Nonne.
00:47:36
Speaker
Es gibt einen Horrorfilm, der heißt die Mutter.
00:47:38
Speaker
Alles Dinge, die Kinder normalerweise als positiv darstellen.
00:47:42
Speaker
Oder auch Chucky, eine Puppe, ist plötzlich böse und bringt Menschen um.
00:47:48
Speaker
Das finden die am schlimmsten.
00:47:50
Speaker
Und dann sage ich immer, und nachdem etabliert, ich weiß ja schon, was die Kinder sagen werden, weil es gibt da kaum Überraschungen.
00:47:56
Speaker
Außer es gibt mal wieder einen neuen Horrorfilm.
00:47:58
Speaker
Leider, jedes Jahr im Oktober lerne ich wieder was dazu.
00:48:03
Speaker
Und das ganz Schlimme ist, dass einige Kinder dann sagen,
00:48:10
Speaker
Der Wolf Pennywise ist doch ab 16.
00:48:14
Speaker
Kennen Sie den Terrifier?
00:48:17
Speaker
Der Terrifier ist ein neuer Horrorfilm.
00:48:19
Speaker
Der ist auch ein Clown, aber der ist ab 18.
00:48:24
Speaker
Und auch da gibt es eine völlig verzerrte Wahrnehmung.
00:48:28
Speaker
Weil unsere jetzige Elterngeneration kennt,
00:48:35
Speaker
Also das, womit die Eltern aufgewachsen sind, das, was da als ab 18 war in deren Jugend, ist heute ab 16.
00:48:42
Speaker
Das, was früher ab 16 war, ist heute ab 12.
00:48:45
Speaker
Das ist einfach alles eine Stunde nach unten gerutscht.
00:48:46
Speaker
Aber was heute ab 18 ist, ist so pervers brutal, dass die Eltern sie nie gesehen haben.
00:48:52
Speaker
Der Kräft ja auch nicht.
00:48:53
Speaker
Also nur zwei von 100 Eltern hat mal so einen modernen Horrorfilm ab 18 gesehen.
00:49:00
Speaker
Deshalb haben Eltern keine Vorstellung.
00:49:02
Speaker
Sie wissen es nicht.
00:49:04
Speaker
Und dann stelle ich vor, dann erzähle ich den Kindern jetzt passt mal gut auf, ich spiele euch mal was vor.
00:49:11
Speaker
Ich habe mit diesem Jungen, der mir das erzählt hat, von Penny Weiss ganz lange gesprochen, was so wahr ist.
00:49:16
Speaker
Und wir haben, weil er hatte auch ein bisschen geweint, ehrlich gesagt, weil er hat sich daran erinnert und er fand es so schlimm, dass wir uns ganz lange zusammengesetzt haben.
00:49:24
Speaker
Und dann habe ich mit ihm einfach mal nachvollzogen, wie fühlt man sich denn da?
00:49:30
Speaker
Und zwar Sekunde für Sekunde.
00:49:32
Speaker
Und ich spiele euch das mal vor.
00:49:35
Speaker
Ich kann jetzt schon sagen, ich habe diesen Workshop mit über 100.000 Kindern gemacht.
00:49:38
Speaker
Noch nie war ein Kind bei mir, das gesagt hat, das läuft anders.
00:49:47
Speaker
Ich bin jetzt noch zehn Jahre.
00:49:49
Speaker
Ich habe noch nie in meinem Leben was Schlimmes gesehen.
00:49:53
Speaker
Darf ich mal kurz das haben?
00:49:56
Speaker
Zum Schauspielerischen.
00:49:59
Speaker
Ich bin jetzt unter der Bettdecke und ich habe bis jetzt Biene Meier gesehen.
00:50:02
Speaker
Und plötzlich sehe ich.
00:50:04
Speaker
Ich halte es höher.
00:50:06
Speaker
Ich halte es höher.
00:50:07
Speaker
Reaktion Nummer eins.
00:50:11
Speaker
Ich sehe etwas, was mich eventuell sogar traumatisiert, was aber ganz sicher dafür sorgt, dass ich das in meinem Leben nicht vergesse.
00:50:21
Speaker
Ganz viele sagen mit 15, sie wissen immer noch, was die erste schlimme Szene war.
00:50:27
Speaker
Zweitens, er kann vielleicht Wochen nicht mehr schlafen ohne Licht oder auch gar nicht mehr.
00:50:32
Speaker
Drittens, oder sagen wir so, nächste Reaktion ist, erst mal schließen, weg, Handy weg, Handy nach unten, YouTube schließen, TikTok schließen, je nachdem, wo ich sie sind, Instagram Reels schließen.
00:50:44
Speaker
Dritte Reaktion sofort danach, schlechtes Gewissen.
00:50:46
Speaker
Oh nein, was habe ich da gesehen?
00:50:48
Speaker
Oh Gott, das hätte ich nie anschauen dürfen.
00:50:52
Speaker
Können meine Eltern das rausfinden?
00:50:53
Speaker
Können die irgendwie sehen in den, was weiß ich, Nutzungsbedingungen oder in den Vorschlägen oder in den Suchbegriffen, was ich da gesehen habe?
00:51:00
Speaker
Hoffentlich nicht, hoffentlich nicht.
00:51:02
Speaker
Viertens, ganz Junge denken dann, naja, aber ich hätte ja auch, ich würde gern zu meinen Eltern gehen, weil mein ganzes Leben lang, wenn ich Angst hatte, bin ich zu meinen Eltern, die haben mir geholfen, die haben mich getröstet, alles wieder gut.
00:51:16
Speaker
Fünftens, sie überlegen natürlich, was könnte da passieren, wenn sie mit den Eltern gehen, Mama, ich habe was Schlimmes erlebt.
00:51:24
Speaker
Die Eltern können nämlich sagen, ehrlich, was hast du denn erlebt?
00:51:30
Speaker
Und jetzt stellen sich die Kinder vor, wie sie selbst ihr Smartphone hergeben und ihre eigenen Eltern sehen auf ihrem eigenen Smartphone irgendwas unglaublich brutales, ekelhaftes, grausames, blutiges oder nackiges.
00:51:48
Speaker
Wovor haben die Kinder jetzt am meisten Angst?
00:51:52
Speaker
Welche Konsequenz könnte das haben?
00:51:56
Speaker
Und das ist ganz interessant.
00:51:57
Speaker
Das ist dann bei den Kindern und bei den Eltern und sogar bei den Lehrern überall die gleiche Antwort.
00:52:03
Speaker
Natürlich Handy weg.
00:52:09
Speaker
Also es gibt vielleicht zwei von 100 Workshops, wo einer sagt Hausarrest.
00:52:14
Speaker
Dann sage ich ja mit oder ohne Smartphone.
00:52:19
Speaker
Handy weg ist die größte Sorge, die alle Kinder haben.
00:52:24
Speaker
So ein mächtiges Gerät, so ein tolles Gerät, so ein Gerät mit so viel Spaß, so viel Unterhaltung, so viel Selbstdarstellung.
00:52:30
Speaker
Unterhaltung ohne Ende.
00:52:33
Speaker
Das ist die schlimmste Strafe.
00:52:35
Speaker
Und deshalb sage ich den Eltern, denen spiele ich das auch vor.
00:52:38
Speaker
Und dann sage ich so, hört mal zu, liebe Eltern.
00:52:42
Speaker
Wenn ihr mir glaubt, dass das eine schlechte Idee ist, merkt ihr ja selber gerade, stimmt's?
00:52:48
Speaker
Dann habe ich eine große Bitte an euch in der Situation.
00:52:51
Speaker
Bitte, bitte, bitte nehmt euren Kindern jetzt das Smartphone nicht weg.
00:52:57
Speaker
Weil wenn ihr das tut, lernen eure Kinder was, was sie nicht lernen sollen.
00:53:01
Speaker
Nämlich, sie können euch niemals vertrauen.
00:53:05
Speaker
Und wenn ihr das macht, eure Kinder kommen nie wieder zu euch.
00:53:13
Speaker
Deshalb glaube ich sogar, dass Eltern präventiv diesen Satz ihren Kindern sagen sollten.
00:53:18
Speaker
Nämlich, hey, hör zu, du bekommst ein Smartphone oder du hast eins bekommen.
00:53:22
Speaker
Und ich wollte schon immer oder schon gleich sagen, du kannst immer mit allem zu mir kommen.
00:53:28
Speaker
Ich werde dir wegen Inhalten im Internet das Smartphone nie wegnehmen.
00:53:35
Speaker
Nur dann entscheiden sich die Kinder unter Umständen zu den Eltern zu gehen.
00:53:40
Speaker
Sonst die allermeisten niemals.
00:53:44
Speaker
Und allein dieser Spruch, den sage ich nämlich in der Früh den Kindern, dass ich den den Eltern sage.
00:53:50
Speaker
Und viele Kinder wollen unbedingt, dass es jemand den Eltern sagt.
00:53:53
Speaker
Und deshalb gehen manche nach Hause und sagen, Papa, das musst du dir anschauen.
00:53:57
Speaker
Und deshalb, ich frage auch am Abend dann immer wieder, wer von euch ist nur hier, weil eure Kinder euch das Tablet vor die Nase gehalten haben.
00:54:05
Speaker
Und nicht, weil ihr die schriftliche Einladung von der Schule gesehen habt.
00:54:10
Speaker
Und da schreiben immer einige, ja, ich habe nur bei meiner Tochter mir gesagt, ich soll das anschauen.
00:54:14
Speaker
Und diese Eltern brauchen wir.
00:54:16
Speaker
Wir brauchen die Eltern, die am besten keine Ahnung davon haben, um was es überhaupt geht in dem Elternabend.
00:54:21
Speaker
Die lernen in der Regel am meisten.
00:54:22
Speaker
Weil die, die immer auf solche Medienerziehungselternabend kommen, um sich ihr Lob abzuholen, wie gut sie alles machen, das ist schön, wenn die da sind.
00:54:30
Speaker
Aber wir brauchen ja die, die denken, da gibt es kein Problem.
00:54:33
Speaker
Wir brauchen die, die ihrem Kind in der ersten Klasse ein Smartphone geben oder in der dritten und ihre Kinder weder vorbereiten noch begleiten.
00:54:40
Speaker
Und in der Regel, die, die da sind, verstehen das dann auch ganz gut, weil sie selbst auch noch nie durch die Perspektive der Kinder sich dem Thema genähert haben.
00:54:50
Speaker
Sie haben immer nur gedacht, praktisch und passt und Wecker haben wir eh nicht und hurra, das reicht.
00:54:56
Speaker
So quasi, wir kümmern uns drum, wenn was Schlimmes passiert.
00:55:00
Speaker
Das geht aber schief und kommt zu spät und bleibt zu 90% unentdeckt.
00:55:05
Speaker
Das heißt, wenn wir einmal die Decke so ein bisschen hochheben,
00:55:10
Speaker
Die Kinder sind unbedingt dafür, dass ihre Eltern das erfahren von jemand Dritten.
00:55:16
Speaker
Da müssen sie es selber nicht sagen.
00:55:18
Speaker
Und wenn ich dann sage, hört mal zu, liebe Eltern, jedes Kind sieht früher oder später Pornos.
00:55:23
Speaker
Und zwar nicht mit Absicht am Anfang.
00:55:27
Speaker
Auf Instagram kriegt man plötzlich mal Werbung von irgendwelchen Werbenetzwerken rein oder irgendwelche komischen Profile eingespült mit Gerechtsteilen.
00:55:37
Speaker
Auf TikTok sehe ich Yoga-Hosen, die mehr zeigen, als sie verbergen.
00:55:42
Speaker
Und so weiter und so fort.
00:55:43
Speaker
Sex ist genau wie Gewalt.
00:55:47
Speaker
Und da gibt es eine Sache, die kann ich nicht beweisen.
00:55:51
Speaker
Da gibt es auch keine Untersuchungen darüber, aber ich glaube, dass die Empfehlungsalgorithmen nachts härteren Content liefern.
Einfluss von Algorithmen auf den Schlaf und das Wohlbefinden von Kindern
00:56:00
Speaker
Und wenn ich die 10.
00:56:01
Speaker
Klassen frage, glaubt ihr das auch, weil die sind lang genug dann eigentlich dabei, die wissen typischerweise ungefähr, dann werden sich 80% sagen, ja, nachts ist schon ein bisschen krasser.
00:56:13
Speaker
Und ich glaube, meine Theorie, ohne dass ich es jemals beweisen werde, können, ist folgende.
00:56:20
Speaker
Tagsüber ist die Konkurrenz der einzelnen Apps, sind die anderen Apps.
00:56:25
Speaker
Das heißt, TikTok will, dass man auf TikTok bleibt und nicht auf YouTube geht und so weiter.
00:56:29
Speaker
Und Snapchat will, dass man nicht auf Winster wechselt.
00:56:32
Speaker
Aber nachts ist der Gegner der Schlaf.
00:56:35
Speaker
Und wenn wir uns mal selber überlegen, ich glaube, dass das gar nicht mit böser Absicht passiert, ehrlich gesagt.
00:56:39
Speaker
Ich glaube, dass die einfach ihre Algorithmen laufen lassen und dann sagen, halte die Kinder wach.
00:56:45
Speaker
Je länger sie wach bleiben, desto mehr Geld verdienen wir.
00:56:48
Speaker
Das ist die Aufgabe, die die Algorithmen gestellt bekommen.
00:56:54
Speaker
Und das machen sie sehr effizient.
00:56:56
Speaker
Und was muss ich jetzt einem Kind ab und zu mal zeigen?
00:56:59
Speaker
Vielleicht alle dreiviertel Stunden mal.
00:57:01
Speaker
Das sagt mir die Statistik.
00:57:02
Speaker
Die wissen ja sehr genau, wer wann ausschaltet, wer wann einschläft, wer wann wieder aufwacht, wer was guckt, wer überhaupt noch aktiv irgendwie was regelt oder nicht.
00:57:10
Speaker
Die Algorithmen lösen das von selber.
00:57:12
Speaker
Und sie sind bis jetzt nur ausschließlich auf ein Ziel programmiert.
00:57:17
Speaker
maximaler Profit ist gleich maximale Nutzungsdauer, ist gleich maximaler Werbeertrag.
00:57:21
Speaker
Und solange das so ist, sehen Kinder teilweise unglaublich krasse Sachen.
00:57:26
Speaker
Nachts kommen AI-generierte Horrorszenen, AI-generierte, also von Monstern, die es gar nicht gibt.
00:57:34
Speaker
Nachts kommen gerne mittelalterliche Foltermethoden mal zwischen rein, so mit so kleinen Animationen.
00:57:39
Speaker
Nachts kommen die allerkrassesten Sachen, die sich Erwachsene gar nicht vorstellen können.
00:57:47
Speaker
Ja, und die Kinder haben ein Problem, weil wenn sie davon was sehen und ein paar Kinder, also ich glaube, ich kann inzwischen mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit von 90% plus schon beim Reinkommen nach den ersten drei Sätzen sagen, wer von den Kindern ein Smartphone im Bett hat.
00:58:03
Speaker
Man sieht es an den Augen, schwarze Augen.
00:58:08
Speaker
Und eine völlige Regungslosigkeit, Apathie fast schon bei Themen, wo man normalerweise die Augen aufreißt.
00:58:19
Speaker
Alles schon gesehen.
00:58:22
Speaker
Und diese Kinder machen mir Sorge, weil ich glaube, erstens können die in der Schule gar nie was lernen.
00:58:27
Speaker
Das geht nicht, die müssen schlafen.
00:58:30
Speaker
Viele Lehrkräfte sagen, die Kinder können nicht mehr die Augen offen halten.
00:58:35
Speaker
Es ist kein Wunder.
00:58:38
Speaker
Social Media ist inzwischen so aufregend für Kinder, die können nicht mehr schlafen.
00:58:42
Speaker
Das geht gar nicht.
00:58:43
Speaker
Und weglegen können sie es auch nicht.
00:58:46
Speaker
Weil wir schocken es ja selber nicht.
00:58:48
Speaker
Und das heißt, diese Kinder haben massiven Schlafmangel.
00:58:54
Speaker
Daraus resultierend Apathie am nächsten Tag.
00:58:58
Speaker
Manche sind aggressiv, weil sie einfach zu wenig geschlafen haben.
00:59:01
Speaker
Vor allem aber ist ja nicht nur die Länge das Problem, sondern die Inhalte.
00:59:09
Speaker
Und wenn ich mir vorstelle, was manche Kinder mir erzählen, was sie schon alles gesehen haben, dann mache ich mir Sorgen, dass diese Kinder, also ich, da gibt es, wie gesagt, kaum Untersuchungen darüber, quasi Einfluss von extremen Gewaltdarstellungen auf Achtjährige.
00:59:25
Speaker
Weil alle Eltern würden sofort sagen, mein Kind, was spinnen Sie, da forschen Sie nicht mit meinem Kind.
00:59:30
Speaker
Oder mit Pornografie auf Zehnjährige, das gibt es genauso.
00:59:33
Speaker
Da gibt es einfach Beharrungskräfte und die Eltern glauben, das kennt mein Kind gar nicht und soll es auch nie kennen.
00:59:37
Speaker
Und wehe, sie forschen dazu, da müsste es ja Kind, da müssten ja Forscher dabei sein, wie Kinder sowas rezipieren.
00:59:49
Speaker
Und das untersuchen.
00:59:50
Speaker
Und das darf nicht sein.
00:59:51
Speaker
Da würde man sofort sagen, das muss verhindert werden.
00:59:53
Speaker
Das ist ja so wie, ich forsche mit Kindern und Schnaps oder Kokain.
00:59:58
Speaker
Da wird jeder sagen, nein, mein Kind nicht.
01:00:01
Speaker
Also wird es dort auch keine Forschung geben, auch in Zukunft nicht.
01:00:03
Speaker
Das heißt, die einzige Chance, wie wir überhaupt irgendwas rausfinden über das alles, ist, wenn wir mit den Kindern reden.
01:00:08
Speaker
Weil nur die Kinder wissen, was sie gesehen haben.
01:00:11
Speaker
Und die Plattformen, ob wir diese haben.