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SplitterCast 46 - Michael Groenewald vom Kibitz Verlag

S1 E50 · Splittercast
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122 Plays2 years ago

Es ist ein falsches (!) Vorurteil, dass Comics nur was für Kinder sind. Im Fall der Comics, um die es heute geht, stimmt es allerdings: Der Hamburger Kibitz Verlag veröffentlicht seit 2019 mit großem Selbstbewusstsein Comics für Kinder jeden Alters. Verlagsmitgründer Michael Groenewald, ein Urgestein der deutschen Comicszene, liefert uns ein paar Einblicke in die Story hinter Kibitz und in seine Philosophie des Comicmachens. Außerdem dabei: das wahrscheinlich längste Intro der Welt.

Website des Kibitz Verlags: https://www.kibitz-verlag.de/

Unsere aktuelle Crowdfunding-Kampagne: https://www.kickstarter.com/projects/verdammterhandschlag/ein-verdammter-handschlag-damonische-deluxe-edition

Und uns, den Splitter Verlag, findet ihr hier:
https://www.splitter-verlag.de/

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Transcript

Einführung und kommendes Live-Event

00:00:05
Speaker
Hallo und herzlich willkommen zum Splittercast, dem Podcast von und mit dem Splitter Verlag, Bielefelds bestem Comic Verlag. Mein Name ist Max und diesem Podcast spreche ich mit Macherinnen und Machern aus der deutschsprachigen Comic-Szene. Heute mit Michael Grünewald vom Kibitz Verlag. Ich habe wieder einen Verleger bei mir.
00:00:25
Speaker
Jetzt das vierte Mal in Folge. Ich entschuldige mich dafür. Andererseits ist es ein sehr interessantes Gespräch geworden. Der Kiebitz-Verlag ist ein junger Kinderkommik-Verlag aus Hamburg und Michael ist ein Tausend-Sasser des Comics, der Comics-Szene der Deutschsprachigen, wie er euch gleich selber noch erzählen wird.
00:00:44
Speaker
Und deshalb wollte ich dieses Gespräch führen, auch wenn es jetzt schon wieder ein Verleger ist. Ich verspreche aber, dass demnächst auch mal wieder andere Gäste da sein werden. Zum Beispiel als nächstes danach, in der Folge 47, Sara Borini. Die Zeichnerin
00:00:59
Speaker
mit der ich die vierte Live-Folge vom Splittercast aufnehmen werde. Und wenn ihr diese Folge hört, dann habt ihr noch die Gelegenheit mitzumachen, denn die Folge wird erst Ende dieser Woche aufgenommen, am 21. April um 19.30 Uhr bzw. Start 20.30 Uhr im Bunker Ulmenwall in Bielefeld, wie immer. Kreuzstraße 0, Haltestelle ist das Landgericht und ich werde mit Sarah über ihre Arbeit sprechen, über Webcomics, Webtoons oder auch darüber, wieso sie
00:01:29
Speaker
nicht mehr webcomics und webtoons machen will ich bin mir da selber noch nicht so ganz sicher diese live folgen sind ja auch für mich immer ein bisschen überraschend ich freue mich aber wahnsinnig darauf mit sara zu sprechen weil ich finde dass sie eine unfassbar tolle künstlerin ist wahnsinnig lustige zeichnerin autoren zeichnerin wie auch immer ich mag ihre sachen sehr gerne und ich hoffe dass ein paar leute den weg nach bielefeld in den bunker und weil finden werden am am
00:01:56
Speaker
am 21. April. Falls ihr es nicht schafft, fällt ihr die Folge natürlich ein paar Tage später auch hier nachhören können. Trotzdem freue ich mich, wenn ihr dabei seid.

Crowdfunding-Kampagne von Splitter Verlag

00:02:05
Speaker
Wo ich mich auch freuen würde, wenn ihr dabei seid oder wenn ihr zumindest mal einen Blick drauf werft oder es weiter erzählt, ist bei unserem allerersten Verlags-Crowdfunding. Wir haben ein Crowdfunding gestartet bei Kickstarter für die limitierte Vorzugsausgabe von ein verdammter Handschlag von Matze Ross und Jan Binterkies.
00:02:23
Speaker
Warum wir das machen, was die Hintergründe sind und so weiter, könnt ihr in der Projektbeschreibung nachlesen. An dieser Stelle einfach mal ein paar Worte von Matze und Jan selbst dazu, die sie mir geschickt haben. Hi Leute, hier ist Matze Ross, der Autor von Ein verdammter Handschlag und gemeinsam mit dem fantastischen Zeichner Jan Binterkies habe ich diesen Comic gemacht. Unsere kleine Horrorkomödie ist echt was geworden, wie ich finde, und es lohnt sich wirklich, sie sich in der prächtigsten Version reinzuziehen, die man irgendwie nur kriegen kann.
00:02:52
Speaker
Und genau darum haben wir zusammen mit Splitter eine wunderschöne Deluxe Edition für euch gestaltet, die keine Wünsche mehr offen lässt. Wir sind total happy, wenn ihr unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützen würdet und ich danke euch schon mal ganz herzlich dafür. Es lohnt sich auch, versprochen. Euer Matze.
00:03:11
Speaker
Hallo zusammen, mein Name ist Jan Binterkies. Ich bin der Zeichner von Ein verdammter Handschlag. Das ist die Geschichte, die sich Matze Ross zusammen mit mir ausgedacht hat. Er hat's geschrieben. Ich, wie gesagt, zeichne das Ding jetzt schon seit nunmehr sechs Jahren. Es ist meine Comic-Erstveröffentlichung, die beim Splitter Verlag erscheinen wird. Und es geht darum, um Luca Stoffels, der versehentlich seine Seele an den Dämon Fafnir verkauft. Und ihm bleiben nur noch
00:03:39
Speaker
Wenige Stunden Zeit, um irgendwie den Deal loszuwerden, sonst fährt er irgendwie in die Hölle und erleidet dort grausame Höllenqualen oder was auch immer. Er ist dann nicht nur auf der Flucht vor Dämonen, sondern auch Schwarzmagier, Crime Lords und Fetischisten sind ihm dabei auf der Spur.
00:03:57
Speaker
Und das Ganze spielt zudem auch noch im Kölner Karneval. Also es ist eine bunte Mixtur, die Matze sich da ausgedacht hat und die mir wahnsinnige Freude gemacht hat umzusetzen. Also wir haben das Ding zusammen entwickelt. Ja, und nun wird es fertig und wird beim Splitter Verlag erscheinen.
00:04:17
Speaker
Und natürlich wird eine wunderschöne Hardcover-Version in den Comic-Läden eures Vertrauens auf euch warten. Aber diesmal machen wir auch eine Kickstarter-Kampagne. Und bei dieser Kampagne geht es um eine richtig pornoes, geile, überformatige, limitierte, streng limitierte
00:04:43
Speaker
Sonderausgabe, die hat ein anderes Cover, die enthält nochmal einen Kunstdruck, der da mit eingelegt ist. Da gibt es Making-of-Material und noch ein paar Zusatzseiten. Also das ist einfach nochmal eine ganz besondere Version dieses Comics und im Zuge dieser Kampagne
00:05:04
Speaker
können wir dann auch noch weitere Veredelungen freischalten, um das Produkt noch ein bisschen aufzuhübschen. Und ihr werdet in der Lage sein, Originalseiten von mir zu kaufen, wenn ihr euch danach isst, und so weiter, und so weiter. Also, wenn ihr uns gerne direkt finanziell mit dieser Kickstarter-Kampagne unterstützen möchtet, dann freuen wir uns sehr und laden euch herzlich dazu ein, einfach mal auf die Kickstarter-Seite von Einverdammter Handschlag
00:05:33
Speaker
zu schauen.
00:05:35
Speaker
Wir haben da einiges in petto vor euch. Und ja, ich bin schon wahnsinnig gespannt, wie diese Sache laufen wird. Aber ich bin auch zusätzlich total froh, dass diese lange Reise, die ich jetzt gerade mit den ganzen Dämonen und Monstern hinter mich gebracht habe, zu einer Vollendlung kommen wird. Und ja, man hat zunächst schon wahnsinnig stolz darauf, bald irgendwie den fertigen Comic in den Händen zu halten. In welcher Version auch immer. Und ja, das wird ein tolles Ding.
00:06:04
Speaker
Ich hoffe, ihr freut euch da genauso drauf wie wir beide und wir sind sehr gespannt und bis dahin.
00:06:12
Speaker
Und daran anschließend würde ich mich auch persönlich darüber freuen, wenn ihr das Projekt euch mal anschaut. Vielen Dank erst mal an dieser Stelle an alle, die schon mitgemacht haben. Ich bin mir fast sicher, dass einige Hörerinnen und Hörer hier Bäcker sind. Zumindest gehe ich stark davon aus und ich freue mich wahnsinnig, dass wir es nach zwei Tagen schon geschafft haben, das Finanzierungsziel zu erreichen und dass wir jetzt die ersten
00:06:36
Speaker
Stretchgoals auch schon erreicht haben. Es ist noch einiges zu holen. Es sind auch einige Stretchgoals, die ich persönlich sehr geil fände, wenn es klappen würde. Ich persönlich bin in diesem Projekt tatsächlich ziemlich stark involviert, wenn ich das an der Stelle hier mal kurz einbringen darf. Ich bin quasi derjenige im Splitter Verlag, der das Ganze betreut.
00:06:54
Speaker
auch initiiert hat und organisiert inzwischen mit Jan und Matze natürlich die letzten Endes, die den Hauptteil der Arbeit haben. Aber wir machen das zu dritt und es ist ein interessantes Pilotprojekt für den Verlag und eine tolle Gelegenheit für die beiden Künstler.
00:07:09
Speaker
Ja ihr projekt weiter zu promoten zu sehen was da geht und auch noch ein bisschen mehr geld dafür zu kriegen sagen was einfach mal so wie es ist könnt ihr alles ja auch noch mal nachlesen den link findet in den show notes danke an alle die schon teilgenommen haben ich hoffe da finden sich noch ein paar mehr ich hoffe oder ich wünsche mir dass die reichweite dieses podcast vielleicht auch dazu beiträgt noch ein paar leute dazu zu überreden.
00:07:31
Speaker
Wie gesagt, finanziert ist es schon, wenn ihr jetzt daran teilnehmt, ihr kriegt das Buch auf jeden Fall, ihr kauft im Grunde dieses Buch. Es geht nicht mehr darum, wird es passieren, es geht nur noch darum, wie geil wird das Buch und ich hoffe, es wird sehr geil. Ich bin mir sicher, dass es sehr geil wird. Auch wenn ihr selber nicht daran teilnehmen wollt, erzählt es doch vielleicht Freundinnen und Freunden, die daran Interesse haben könnten. Und ja, jetzt wünsche ich euch, nachdem dieses Intro vielleicht das längste ist, was ich bisher hatte, aber es waren auch einfach zwei Themen, die mir am Herzen lagen.
00:07:58
Speaker
Wünsche ich euch mit Folge 46 vom Splittercast mit Michael Grönewald vom Kiebelverlag viel Spaß. Guten Morgen, lieber Michael. Schön,

Interview mit Michael Grünewald: Karriere und Verlag

00:08:09
Speaker
dass du da bist. Schön, dass du dir die Zeit nimmst beim Splittercast dabei zu sein. Hast du bisher einen guten Start in den Tag gehabt?
00:08:16
Speaker
Ja, war alles prima. Kinder sind in der Schule, alles soweit gut und ich freue mich, dass ich hier sein kann. Ich freue mich auch, dass du da bist. War etwas spontan, muss ich zugeben, weil ich, da sprechen wir später auch noch drüber, zufällig eins von euren Büchern in die Hand bekommen habe.
00:08:37
Speaker
Denn wir sprechen heute, du mit mir, ich mit dir, über deinen relativ jungen Verlag, den Kiebitz-Verlag. Also nicht nur deinen Verlag, aber du bist da ja auch maßgeblich daran beteiligt. Den Kiebitz-Verlag aus Hamburg, wenn ich mich nicht ganz täusche, oder?
00:08:56
Speaker
Bevor ich jetzt Quatsch erzähle. Seit 2019, also seit etwa vier Jahren, machst du mit einigen Mitstreitern in Kindercomics im Kibitz-Verlag. Du selber bist aber, wie ich auch schon vorher wusste, schon deutlich länger in der Comics-Szene unterwegs. Magst du uns da vielleicht mal so ein paar Stationen skizzieren auf dem Weg dahin, dass du jetzt vor kurzem einen neuen Verlag gegründet hast?
00:09:25
Speaker
Ja, also ich weiß nicht, das ist ein Weg, der wie vermutlich bei den meisten Leuten, die im Comicbereich arbeiten,
00:09:37
Speaker
mit der Leidenschaft als Jugendlicher für Comics angefangen hat. Und ich hab eben früher selbst auch gezeichnet und mit Freunden ein Fan-Scene rausgegeben, in dem wir erstmal unsere eigenen Arbeiten veröffentlicht haben und es dann später immer weiter angewachsen ist. Und wir hatten dann Leute aus ganz Deutschland und später auch aus anderen Ländern, die eben uns Comics geschickt haben und die wir in diesem Heft veröffentlicht haben.
00:10:07
Speaker
Irgendwann war diese Zeit vorbei, die ersten Leute haben nach dem Studium angefangen zu arbeiten, die das Heft mit mir gemacht haben und die Interessen haben sich verlagert und ich bin beim Comic aber hängen geblieben und habe dann so einen Weg gewählt, dass ich viele Praktika gemacht habe bei Comic-Verlagen, dass ich
00:10:29
Speaker
Festivals organisiert habe und im Grunde dann auch mein Germanistikstudium mit einer Arbeit zum Comic abgeschlossen habe und bin dann als erste professionelle Station, nachdem ich vorher schon als freier Mitarbeiter für Carlsson und andere was gemacht habe, bin ich dann bei Dino gelandet.
00:10:48
Speaker
Also im Prinzip das, was heute Panini ist, was so gar nicht meinen persönlichen Geschmack entsprochen hat, aber dort wurde jemand gesucht und ich fand die Chance toll eben bei Dino dann noch in Zeitschriften voluntariat zu machen und danach als Redakteur zu arbeiten, hat viel Spaß gemacht.
00:11:08
Speaker
Und bin dann nach zwei Jahren zu Carlsson gewechselt. Zum Carlsson Verlag und hab dort... Wann war das ungefähr? Das war Anfang der 2000er. Ah ja. Schon 20 Jahre her. Genau, schon 20 Jahre her. Und bin bei Carlsson dann als Comicredakteur oder als ich angefangen hab, haben im Grunde alle Redakteurinnen und Redakteure noch Manga und Comic betreut.
00:11:36
Speaker
und bin dann in diese Umbruchphase im Grunde reingekommen. All das, was oder vieles von dem, was Splitter heute veröffentlicht, hat ja eben auch mit Zuarbeit von Dirk und Delia eben bei Carlsen auch mal stattgefunden. Also die damals, die sogenannte Fantasy-Offensive und Magic Attack, das Magazin. Und das war so meine Zeit, dass ich da
00:12:04
Speaker
reingekommen bin und habe dann aber leider, oder was heißt leider, eigentlich finde ich es gar nicht so, für mich persönlich fand ich es gut, die Phase auch miterlebt, dass eben dieser ganze Bereich der franko-belgischen Alben eben bei Carlsen irgendwann rigoros zusammengestrichen wurde und viele Serien eingestellt wurden und sich das Programm anders ausgerichtet hat und
00:12:32
Speaker
Und das war im Grunde meine Karlsenzeit war so das was.
00:12:38
Speaker
wo man so sagen kann, das war jetzt so das Aufkommen der sogenannten Graphic Novel in Deutschland. Das war für mich toll, weil es die Comics sind, die mich schon immer inhaltlich interessiert haben und ich fand es eben großartig damals Berlin von Jason Lutz machen zu können oder eben erste Bücher mit Reinhard Kleist machen zu können, weil plötzlich die Offenheit da war zu sagen, wir machen eben
00:13:04
Speaker
Bücher, die schwarz-weiß sein können, eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Also es ging auch nicht von heute auf morgen. Da war auch einiges intern an Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber das war so meine Karlsenzeit. Und da bin ich dann eben neun Jahre geblieben als Redakteur und hatte eben das Glück, an Comics zu arbeiten, die mich
00:13:30
Speaker
zum Großteil sehr interessiert haben und wo ich auch die Möglichkeit bekommen habe, dann das zu machen, was ich eigentlich mit am liebsten mache, nämlich mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren zu arbeiten, also mit Reinhard Kleist, Isa Kreitz oder Flix zum Teil und aber auch Leuten wie Uli Oesterle oder Patrick Wirbeleit, mit dem ich heute immer noch viel arbeite. Und nach einer Weile hat mich das aber irgendwie nicht
00:13:59
Speaker
mehr wirklich ausgefüllt, so komplett. Ich hab halt gemerkt, oder mein Gefühl war, dass ich irgendwie nicht ganz da reinpasse und bin dann... 2010 hab ich mich selbstständig gemacht als Comic-Lektor und Redakteur und hab aber im Grunde eben von Anfang an sehr viel für Reprodukt gearbeitet und bin dann auch fest zu Reprodukt gestoßen, hab eben bei Reprodukt
00:14:30
Speaker
das Kinderkommikprogramm mit aufgebaut und auch hier einfach viele deutschsprachige Projekte betreut und eine Zeit lang eben das Programm auch maßgeblich mit bestimmt. Und genau, jetzt kommen wir gleich zu KeyBits, weil irgendwann war es dann so, dass das Barrierprodukt einfach
00:14:57
Speaker
wirtschaftlich ein bisschen schwieriger wurde und ich mich wieder anders aufstellen musste. Und dann habe ich halt, weil Karlsen für das 50-jährige Jubiläum das Jubiläumsprogramm Verstärkung suchte, habe ich dann im Grunde wieder mehr für Karlsen gemacht, erstmal um mein Geld zu verdienen und habe
00:15:18
Speaker
Ja, ich bin dann eben seit 2018 oder so schwanger gegangen mit der Idee eben meinen eigenen Kindercomic Verlag.
00:15:28
Speaker
aus der Taufe zu heben, was für mich in dem Moment realistisch wurde, als mein Kollege Sebastian Oehler dazugestoßen ist, der Vertriebler ist und der eben diese ganze Seite des Business kennt und abwickeln konnte, von der ich im Grunde eben nicht genug Ahnung habe oder hatte bis zu dem Zeitpunkt.
00:15:53
Speaker
um mir das selbst zuzutrauen. Als Sebastian dazu kam, ging es relativ schnell, dass wir halt gesagt haben, okay, jetzt gehen wir das an. Und heute arbeite ich wieder fest, Varie-Produkt, da bin ich heute zurückgestoßen jetzt vor zwei Jahren oder so als Redakteur und mache halt parallel Kibitz.
00:16:15
Speaker
Ach, das ist interessant. Aber ich hätte jetzt gedacht, dass das vielleicht zu viel Konkurrenz ist innerhalb, denn Reprodukt macht ja auch weiterhin viele Kindercomics. Genau. Das funktioniert eben ein Stück weit, denke ich, einfach dadurch, dass für mich und dann auch für Sebastian Klaver, wenn wir unseren eigenen Verlag starten,
00:16:38
Speaker
machen wir eben nur Eigenproduktion. Das heißt, alle Bücher, die für Kiebitz entstehen, sind eben originär für Kiebitz, verkaufen keine Lizenzen. Und das ergibt eben so eine, ja, das ergibt eben die Möglichkeit eines solchen Miteinanders, weil wir eben nicht in Reproduktgewässern fischen. Das hat mich auch nie interessiert, eben im Ausland. Und uns natürlich klar ist, dass es
00:17:07
Speaker
Reproduktautorinnen und Autoren jetzt im Kinderprogramm gibt aus Deutschland, die über Reprodukt veröffentlichen und wo ich auch nicht hingehen würde, um zu versuchen, dass sie Bücher für uns machen in der Regel. Und deshalb funktioniert das ganz gut mit den Parallelen. Ja, das leuchtet ein, das leuchtet ein. Das klassische Lizenzgeschacher fällt dadurch natürlich weg.
00:17:29
Speaker
Genau. Das war eben für Sebastian und mich von Anfang an klar, dass es eigentlich keinen Mehrwert oder keinen Sinn ergibt, jetzt noch einen Verlag zu Gründen der Lizenzen verlegt. Da sind ja einfach schon neben Reprodukt auch langsam so ein paar andere nachgewachsen, die eben
00:17:52
Speaker
Obwohl, als wir angefangen haben, war es gar nicht so viel. Es ist jetzt in den letzten Jahren erst entstanden. Aber es gab eben einfach noch Klett-Kinderbogen zum Beispiel, die angemangt haben, den skandinavischen Raum zu sondieren und da Comics zu lizenzieren. Und ich finde, die Auswahl an Kindercomics, die ich jetzt spannend finde, ist auch gar nicht so riesig international. Und da jetzt hinzulegen und zu sagen, da mengen wir auch noch mit, war eben nicht unser Interesse.
00:18:18
Speaker
Graphic Novel und Eigenproduktion und selbstgemachte Comics, sag ich mal, aus dem deutschsprachigen Raum sind zu deinem Steckenpferd, hast du jetzt gesagt.

Kindercomics in Deutschland: Bedeutung und Herausforderungen

00:18:30
Speaker
Aber Kiwitz macht ja nun mal ausschließlich Kindercomics. Und du bist ja auch, ich will jetzt nicht sagen der Kindercomic-Mensch in Deutschland, das ist ein bisschen übertrieben, aber du hast ja zum Beispiel auch auf dem Comic-Salon in Erlangen
00:18:46
Speaker
Kinder lieben Comics, also diese Unterfestival, ich weiß nicht genau, wie ich das jetzt bezeichnen würde, diese große Aktion, bitte, kann man schon sagen. Also quasi ein Festival im Festival für Kinder und Kindercomics organisiert. Wieso eigentlich? Also nicht, dass ich, nicht auch Kinder, dass mir nicht einleuchten würde, dass Kindercomics gut und wichtig sind, aber wieso ist das für dich so das Thema?
00:19:15
Speaker
Ich weiß, aber hast du da mal drüber nachgedacht oder ist das so ganz natürlich? Es hat natürlich vielfältige Gründe. Als ich damals Barepodob Kindercomic machen wollte, resultierte das natürlich auch daraus, dass
00:19:32
Speaker
ich selber Kinder bekommen habe. Ich glaube, das ging bei Reprodukt damals oder das glaube ich nicht. Ich weiß, das ging bei Reprodukt Kolleginnen und Kollegen auch so, dass eben der erste Nachwuchs da war und wir gemerkt haben, dass es abseits der Klassiker, die ich super finde, gibt es halt eigentlich gar keine zeitgenössischen Kindercomics. Und das war gepaart damit, dass ich eben jedes Jahr nach Angoulême gefahren bin und ein paar
00:20:00
Speaker
Jahre in Folge eigentlich das Gefühl hatte, okay, die spannendsten, die interessantesten Sachen, die ich gesehen habe, sind eigentlich Comics für Kinder. Aber die macht in Deutschland halt keiner, weil alle Comic-Vorlage sagen, die sind ja noch nicht 40 und sammeln noch nicht. Und wie soll man die erreichen? Das kannte ich auch von Carlsen noch, das Problem, wie kriegt man junge Leserinnen und Leser? Und das hat niemand gemacht. Und bei den Kinderbuch-Vorlagen war Comic vor Grabs Tagebuch.
00:20:31
Speaker
haben sie das Wort mit der Kneifzange nicht eingeführt. Und mich haben halt einfach Sachen begeistert wie Petit Poilou, was in Deutsch eben Kleiner Struppel heißt. Das ist bei Reprodukt, glaube ich. Das ist bei Reprodukt, genau. Das ist halt so ein wortloser Comic für Kinder ab drei. Und ich habe zu Hause halt testen können nach meinen Reisen nach Frankreich, wie gut es funktioniert hat bei meinen Kindern.
00:20:56
Speaker
Eine andere Serie, die da sehr maßgeblich war, ist Ariol, die wir auch bis heute veröffentlichen. Das ist der kleine Esel. Genau, das ist der kleine blaue Esel von Emmanuel Guibert und Marc Boutrevin und das waren halt Entdeckungen, die
00:21:10
Speaker
mich sehr begeistert haben. Und zugleich habe ich in Deutschland eben Zeichnerinnen und Zeichner kennengelernt, die auch Kindercomics machen wollten, aber die nirgendwo ankommen konnten, die nirgendwo veröffentlichen konnten. Und daraus geboren, aus all diesen Faktoren, die ich gerade genannt habe, haben wir dann das Reprodukt gesagt, okay, wir bauen den Verlag ein Stück weit um und wenn es keiner macht,
00:21:32
Speaker
machen wir es eben. Also wir wollen ein Kindercomic Programm machen, das im Grunde das Erwachsenenprogramm spiegelt, also wollen halt individuelle Autorinnencomics für Kinder machen, die den gleichen Qualitätskriterien unterliegen wie auch unser Erwachsenenprogramm und wir starten das jetzt einfach. Und viel aus
00:22:00
Speaker
Der Begeisterung, die ich heute habe für Kindercomic, ist natürlich dann auch aus der Zeit gekommen, als wir gestartet haben und als ich tatsächlich gemerkt habe, wie viel Freude Kinder beim Comic lesen haben. Wie viel Spaß es macht gerade für oder in unserem Fall sind das ja doch häufig Leseranfängerinnen und Leseranfänger. Also ein sehr junges Alter.
00:22:27
Speaker
sechs aufwärts, bis zwölf vielleicht, dass Comics eben in diesem Alter die gleiche Faszination und Freude auslösen, die ich in meiner Kindheit beim Comics lesen im gleichen Alter auch hatte und die irgendwo komplett, weiß ich auch nicht, aus meiner professionellen
00:22:47
Speaker
und sich über Jahrzehnte verschwunden war, weil alle damit beschäftigt waren, zu sagen, Comics sind erwachsen geworden. Das ist eine schöne Beobachtung. Ja, weil alle Verlage haben genau das propagiert und ich auch, und vor allem ist da Freund mit dabei. Aber eben zu merken, okay, das ist halt was, was Kinder begeistert.
00:23:14
Speaker
ist eine Erfahrung, die mich bis heute da durchträgt, weil Kinder halt einfach eine ganz andere Begeisterung haben und mit einem ganz anderen Auge lesen oder ganz andere Dinge wichtig finden als jetzt erwachsene Leserinnen und Leser. Und das finde ich spannend. Das ist halt, glaube ich, das, was mir dabei so viel Spaß macht, dass ich einfach eine ganz neue Welt für mich auch entdeckt habe, die ich spannend finde und lustig und
00:23:41
Speaker
Das ist nicht so, dass wir Kindercomic gestartet hätten und dann ist es durch die Decke gegangen. Ganz im Gegenteil, wir mussten im Buchhandel, im Grunde wie bei Graphic Novel auch, wieder ganz von vorne anfangen. Ja, das sind Comics, die sind für Kinder und sie müssen dies und das damit machen.
00:24:00
Speaker
Diese Festivals wie in Erlangen beispielsweise sind dann eben aus einer Frustration heraus auch entstanden, dass man für Kindercomic eben überhaupt keine Öffentlichkeit so kriegt. Und ich hab am Anfang Erlangen einfach gesagt, gib mir den Raum, ich möchte
00:24:14
Speaker
was für Kinder machen. Und dann hieß es von Erlangen, oh ja, wir können was für Kinder machen. Wie wäre es mit, weiß ich auch nicht, wir stellen originale 100 Jahre Kindercomments aus, wo ich es meinte, nee, das ist nicht das, was ich will. Ich will ein Angebot machen für und mit Kindern, wo Geschichten gelesen werden, wo
00:24:37
Speaker
Mitmachaktivitäten da sind, wo Ausstellungen dabei sind, die aber eben nicht zum Angucken sind, sondern immer zum selber Mitmachen, also irgendein Erlebnis schaffen für Kinder. Und das war eben einfach eine fantastische Erfahrung, dass Erlangen da, oder eigentlich schon beim ersten Vorschluss, wo ich einfach nur den Raum gekriegt habe,
00:24:59
Speaker
supportive waren, wo halt Katja Rausch vom Kulturamt sich sehr reingehängt hat und um das zu unterstützen und daraus erwachsen ist dann halt irgendwie die Einsicht, dass das im Grunde halt bei so einem Festival in Erlangen die Kinder abseits vom Familiensonntag halt
00:25:21
Speaker
außen vor sind. Also auch der Salon ist erwachsen ausgerichtet. Ja, auf jeden Fall. Und diese Frage endlich zu beantworten, mir macht einfach extrem Spaß, auch diese Aktionen in Erlangen umgeben zu seinen vier Tage von, ja, einfach hordenweise Kinder, die Spaß an Comic haben, das zu erleben, dass sie halt einfach
00:25:46
Speaker
sich wegschmeißen vor Lachen oder dass sie spannend, wenn es spannend wird, da sitzen und zuhören. Das ist halt einfach eine viel direktere Erfahrung, die man da machen kann in der Rezeption dessen, was man macht, als im Grunde das bei Erwachsenen vielleicht möglich ist. Also dieser Spaß ist es, der mir
00:26:09
Speaker
Freude bereitet und wo ich dann auch denke, gut, beim letzten Salon in Erlangen, ich habe nichts gesehen. Ich war vier Tage nur in diesem Kinderzentrum. Irgendwie auch doof, dass man gar nichts mehr mitkriegt. Aber noch finde ich diese Erfahrung eben einfach beglückend. Wenn es dich tröstet, ich habe beim letzten Salon auch nichts mitbekommen, weil ich die ganze Zeit bei unserem Stand war. Ich glaube, das gehört dazu, wenn man
00:26:37
Speaker
Ja, ja, das gehört dazu. Wenn man da arbeitet. Nee, nee, das gehört dazu, hat schon immer dazu gehört. Aber es ist dann so, dass ich denke, okay, ich war eigentlich, außer um Nachrichten zu überbringen, kein einziges Mal beim Reprodukt stand und hab geguckt, wie unsere Neuheiten angenommen werden zum Beispiel. Ja, also das dieser ganze Bereich des anderen professionellen Lebens, was ich ja auch hab, war da außen vor. Aber es war auch gut so.
00:27:06
Speaker
Ja, du hast gerade das Stichwort Leseanfänger kurz fallen gelassen. Das ist Kindercomics sowie Kinderbücher auch. Das ist ein relativ breites Spektrum. Da geht man ja einen relativ kleinen Schritten, was das Alter angeht, tatsächlich auch immer voran. Das korrigiere mich, wenn es nicht stimmt, aber ich habe manchmal gerade so in den literarischeren Zirkeln auch was so
00:27:34
Speaker
ja für tonistischere Rezensent innen und so weiter angeht, ein bisschen manchmal so das Gefühl, dass es immer noch die Wahrnehmung gibt, dass Comics und Kindercomics so eine Art Sprungbrett sind, im besten Fall, um mal ein richtiges Buch in die Hand zu lesen.
00:27:51
Speaker
Also jetzt ja auch glaube ich was, was zum Beispiel über Gregs Tagebücher immer gesagt wird, ja dann lesen dann haben sie erst mal das Gefühl, dann haben sie ein ganzes Buch gelesen und aus diesem Erfolgsgefühl heraus nehmen sie dann vielleicht mal einen echten Roman, irgendwie ein wirkliches Buch in die Hand und lesen das auch mal. Was sagst du dazu? Mal provokant gefragt.
00:28:19
Speaker
Ja, ist natürlich nicht die Intention, aus der heraus ich Kindercomic mache, ist aber was, wenn ich ganz ehrlich bin, wo ich gerade sehr pragmatisch sage, diese grundsätzliche
00:28:41
Speaker
Nein, also wenn jetzt irgendwie gesagt wird, das ist gut, weil mein Kind dann vielleicht danach auch richtige Bücher liest, das würde ich jetzt so nicht uneingeschränkt stehen lassen wollen. Dafür mache ich keine Bücher, ich habe keinen pädagogischen Auftrag. Aber auf der anderen Seite ist es halt ein Wandel, den ich spüre, der
00:29:10
Speaker
denn ich sehr positiv sehe. Also der Comic kommt halt an. Der Comic kommt an im Kinder- und Jugendliteraturbetrieb, sage ich mal. Und das finde ich gut. Also ich glaube, wir haben jetzt schon. Na oder anders gesagt, ich. Ich. Ich erfahre halt einfach viel Unterstützung bei den Kinder Comics durch
00:29:39
Speaker
Kolleginnen und Kollegen, die sich eben damit beschäftigen, Kinder zum Lesen zu bringen. Und die Leute, mit denen ich arbeite, da gibt es auch gar keinen Dünkel, dass die sagen, naja Gott, das nehmen wir jetzt mal hin, den Comic, weil die Kinder sonst überhaupt nichts mehr lesen würden, sondern das ist ganz im Gegenteil so, dass sie, dass das, glaube ich, einfach die Möglichkeiten des Erzählens für Kinder durch Comic mittlerweile
00:30:08
Speaker
breiter wahrgenommen werden von Menschen, die eben in der Literaturpädagogik arbeiten, die in der Medienpädagogik arbeiten, teils an Schulen arbeiten, die halt ja im Grunde in den Bereichen arbeiten, wo es darum geht, dass man Kinder ans Lesen heranführt und kommt, sind in meiner Wahrnehmung
00:30:32
Speaker
jetzt werden auch da nicht behandelt als Einstiegsdroge sozusagen, sondern das, was ich gut finde, sie werden halt mehr ein Teil dessen, des Angebots für Kinder, was unterstützt wird und wo auf die Vorzüge hingewiesen wird. Und das ist eine Entwicklung, die ich
00:30:56
Speaker
sehr, sehr toll finde, weil es im Grunde genau mein Bestreben auch ist, dass Kindercomic eben ein ganz normaler Bestandteil des literarischen Angebots für Kinder wird. Und diese reine Ausrichtung, okay, Hauptsache sie lesen und dann lesen sie vielleicht danach auch Bücher, finde ich doof. Und ich glaube, das ist zumindest, wenn ich mit Menschen
00:31:24
Speaker
Spreche, die irgendwie in der Didaktik oder in der Pädagogik da zuständig sind, ist das auch gar nicht so gegeben. Also es gibt Kinder, die lesen halt bis zum 12. Jahrhundert comics und danach gar nichts mehr. Und es ist auch nicht gegeben, dass jedes Kind, das Comics liest, anfängt dann auch Romane zu lesen. Und mich zum Beispiel. Ja, mein Sohn hat mich schockiert. Der hat
00:31:51
Speaker
mit Comics lesen gelernt und die Sachen verschlungen, hauptsächlich Klassiker und war seit Zwölfer... Ach, da ist komplett ein Treffen verloren, ja. Ich habe komplett ein Bücher verloren. Das ist schlimm. Krass. Ja. Genau. Ja, gut. Also eine halbwegs pragmatische, aber pragmatische Ansatz.
00:32:15
Speaker
Ja klar, also ich finde es super, dass Comic ankommt, dass so langsam eben ja, dass die Vorurteile, die es immer noch gibt, mit denen wir immer noch zu kämpfen haben im Buchhandel vor allem mittlerweile eben nicht mehr nicht mehr bei den Leseinstitutionen. Das ist ja alles
00:32:39
Speaker
noch präsent und Teil unserer täglichen Arbeit zu sagen, wagt euch da mal ran und Unterstützung zu kriegen von einfach von zum Beispiel
00:32:55
Speaker
Jetzt in Leipzig werden die Lesekompasse vergeben und so ein Lesekompass von der Stiftung Lesen ist halt was, die haben mittlerweile eine eigene Kategorie für Comic eingerichtet. Diesen Jahr zum ersten Mal, was ich toll finde, auch vorher hatten sie schon immer wieder Comic dabei.
00:33:10
Speaker
Solche Siegel sind es halt, die uns dann wiederum auch im Buchhandel weiterhelfen. Oder, ich weiß nicht, Kiebelz hat jetzt eben zwei Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis, wo ich gespannt bin, wie das eben sich auswirken wird einfach in der
00:33:28
Speaker
in der Außenwahrnehmung und ob wir damit halt weitere Menschen dazu bringen können, weitere Erwachsene dazu bringen können, sich mit Comic, mit Kindercomics einfach mal ernsthaft zu beschäftigen und reinzulesen, statt es sofort abzutun. Und von daher bin ich tatsächlich relativ pragmatisch dankbar für die Aufmerksamkeit, die eben auch aus der Richtung der Leseförderung gerade kommt für uns.
00:33:57
Speaker
Ja, ja, verstehe. Aber das ist doch eine versöhnliche und schöne Antwort. Also was ich dazu, also es ist, ich habe keine pädagogische Agenda und wir schneiden unsere Comics eben auch nicht auf diesen Markt zu. Also im Grunde, als wir angefangen haben, Kindercomics zu machen, haben alle gesagt, ihr müsst
00:34:23
Speaker
die standardisierte Erstleseschrift nehmen, sonst können Kinder das nicht lesen. Und wir merken, dass wir manchmal nicht in Schulbibliotheken und sonst wo hinkommen, weil wir diese Schriften nicht benutzen. Aber diese Zugeständnisse möchte ich halt nicht machen, weil ich das Gefühl habe, ich will Comics machen, wie ich sie machen möchte. Und dazu gehört eben auch, dass das Lettering sich einpasst und nicht normiert wird irgendwie. Und meine Erfahrung ist, dass es auch gut funktioniert. Aber das ist so was,
00:34:51
Speaker
was ich sagen wollte, dass wir eben unsere Comics jetzt auf Kinder zuschneiden, aber nicht auf die Maßgaben, die halt einfach für Erstlesebücher gelten, was jetzt Schriftsatz usw. anbelangt.
00:35:12
Speaker
In letzter Zeit sind ja auch doch recht viele Kindercomics wieder auf den Markt gekommen. Also ihr macht jetzt Kindercomics, Reprodukt macht weiter Kindercomics, wir machen Kindercomics, Bastai hat eine Kinder-Jugend-Comic-Schiene, Löwe hat eine Kinder-Jugend-Comic-Schiene. Wird das langsam ein bisschen viel vielleicht?
00:35:35
Speaker
Ich frage einfach noch mal provokant. Es lässt sich beobachten, dass Kindercomics auch gut verkäuflich sind. Also der Markt funktioniert ja ganz gut, was das angeht. Aber wird es langsam vielleicht ein bisschen voll? Oder glaubst du, generell kann es gar nicht zu viele Comics in dem Genre, in dem Sujet geben? Ja, das bleibt ein Stück weit abzuwarten. Also ich hab ...
00:36:04
Speaker
Ich habe jetzt in den letzten zwei Jahren auch mit Staunen auf die Entwicklung geguckt. Das weiß ich nicht, Egmont, Cross Cult. Cross Cult auch, natürlich. Es passiert eben sehr viel und alle hüpfen da drauf. Ich denke, dass nicht alle im gleichen Alterssegment spielen, aber es ist eben
00:36:32
Speaker
offensichtlich dieser Gedanke da, dass es einen Markt dafür geben kann. Und ich bin dem Ganzen gegenüber eigentlich immer noch recht positiv gestimmt, weil ich das Gefühl habe, dass
00:36:50
Speaker
Der Kinderkommik halt im Handel immer noch in so einer Phase ist, wo er immer noch in so einer steinigen Etablierungsphase, wo ich es eigentlich gut finde, wenn dann vielleicht auch einfach Verlage wie Löwe beispielsweise mit ihrer Vertriebspower rausgehen und ja,
00:37:11
Speaker
Also deren Bücher kann der Handel halt weniger leicht ignorieren als unsere zum Beispiel und da Türen öffnen. Das finde ich grundsätzlich gut und habe auch das Gefühl, da kommt bei mir dann eher so dieses
00:37:29
Speaker
dieses Gefühl auf, okay, lass mal gucken, wie man da Kräfte bündeln kann und was wir gemeinsam tun können für dieses Segment. Das mit dem Abwarten ist halt so eine Sache. Es erinnert mich eben so ein Stück auch an an das, was damals mit diesem Label Graphic Novel passiert ist, dass plötzlich alle angefangen haben, Graphic Novel Programme rauszustellen und halt
00:37:58
Speaker
auf alles dieses Label draufgepappt wurde und ich eben diese Erfahrung gemacht habe, dass ja im Grunde dieser Begriff so ein bisschen verwaschen wurde und ich aber auch die Erfahrung gemacht habe, es gibt halt mit der Zunahme des Angebots steigt halt auch die Zunahme der Bücher, die veröffentlicht werden.
00:38:26
Speaker
die ich persönlich jetzt nicht so toll finde oder die vielleicht, wo ich dann eben das Gefühl habe, okay, das kommen schlechte Bücher raus und irgendwelche Buchhandlungen beschließen, okay, wir probieren es mal aus und kriegen die dann und sagen, aha, okay, das ist jetzt also der viel berühmte Kinderkommik, ist ja irgendwie doof. Diese Erfahrung macht mir schon, oder diese Erfahrung, die es damals bei Graphic Novel gegeben hat,
00:38:50
Speaker
macht mir jetzt auch bei Kindercomic so ein bisschen Gedanken. Dass ich das Gefühl habe, es kommen dann auch vielleicht viele Bücher, die ich jetzt
00:39:04
Speaker
nicht so toll finden. Aber auf der anderen Seite ja, so ist es. Und ich glaube, dass eben einfach sich jetzt zeigen wird, ob sich das für die Verlage rentiert. Es sind ja doch einige Verlage dabei, die sehr stark wirtschaftlich drauf gucken. Und dann muss man halt einfach abwarten, ob sich diese Segmente halt bei diesen Verlagen festigen können und etablieren können oder ob die Experimente dann halt irgendwann wieder eingestellt werden.
00:39:33
Speaker
Im Grunde ist es aber so, dass ich da relativ stark bei uns bleibe und denke, ja, wir haben halt einfach einen Weg, den wir gehen wollen und was die anderen um uns herum machen, müssen wir abwarten. Aber ich glaube, wir werden auch noch Kindercomics machen, wenn andere Verlage keine Lust mehr drauf haben.
00:39:56
Speaker
Sehr interessante Antwort. Ja, doch, das leuchtet aber ein. Interessanter auch wieder diese Parallelführung. Ich finde das spannend, dass man das, dass man da so parallel ziehen kann zwischen dem Graphic Novel Boom, dem Kindercomic Boom und das ist so eine zweite, also eine neue Welle von irgendeinem, von quasi eine neue Trendwelle ist. Ja, das ist lustig. Also ich meine, hätte ich jetzt, wie gesagt, als wir mit Kiebel angefangen haben, so
00:40:23
Speaker
so nicht erwartet, dass das passiert, dass plötzlich alle aus ihren Löchern kommen. Es liegt eben im Moment seltsamerweise in der Luft. Ich war gerade in Bologna auf der Kinder- und Jugendbuchmesse und ich habe eben das Gefühl, oder das merken wir bei Kibitz auch, wenn wir mit ausländischen Verlagen zu tun haben,
00:40:45
Speaker
geht im Grunde so ein bisschen weltweit, dass das Verlage anfangen, jetzt Kindercomic-Programme zu starten. Also meine Arbeitshypothese dazu ist, dass es noch ein Nacheffekt von Corona ist oder von den pandemischen Lockdowns, weil Kindercomics in der Zeit, also zumindest bei uns, kann ich es halt sagen.
00:41:10
Speaker
überdurchschnittlich gut gelaufen sind, weil das halt so noch eine der Sachen waren, die Kids waren zu Hause, mussten beschäftigt werden, weißt du wahrscheinlich selbst. Und das hat bei uns zumindest so einen kleinen, also was heißt, einen kleinen, deutlichen Schub verursacht, durch den wir ja auch nochmal verstärkt auf das, in die Schiene eingestiegen sind. Vielleicht hängt es noch damit zusammen, wie sich das entwickelt.
00:41:32
Speaker
Keine Ahnung, weil das weiß wahrscheinlich niemand wirklich. Nee, das weiß. Also klar, wir haben ja unseren Verlag mit den ersten Büchern 2020 pünktlich zum ersten Lockdown rausgemacht, was alle unsere Pläne zerschlagen hatten. Aber klar, wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass es erstaunlicherweise trotz all der Aktivitäten, die wir eigentlich zur Einführung geplant hatten,
00:41:59
Speaker
dass es doch irgendwie gut funktioniert hat. Und das wird deshalb sicherlich was an deiner Arbeitshypothese dran ist. Ich glaube aber auf der anderen Seite, das ist halt meine Überzeugung auch für die ganze Arbeit am Kindercomic, dass eigentlich das Potenzial dieser Markt der 6- bis 12-Jährigen, sag ich mal, viel, viel größer ist als der Markt, den viele andere Comics eben haben können.

Kibitz Verlag: Gründung und kreative Prozesse

00:42:28
Speaker
Ich glaube einfach,
00:42:31
Speaker
Man muss ihn einfach weiter beackern und gucken, dass die Kinder halt an diese Bücher rankommen, weil genau dieses Festival in Erlangen heißt eben nicht umsonst. Kinder lieben Comics. Das ist eben meine Erfahrung einfach. Und ich glaube, dass da ein großes Potenzial einfach da ist, das vermutlich auch andere Verlage halt langsam realisieren. Mal sehen.
00:42:56
Speaker
Wir setzen da, Stichpunkt 2020 Pandemie, setzen wir mal kurz an. Wie war denn die Verlagsgründung so? Also du bist ja in der Branche ein wirklich alter Hase, wenn ich das so sagen darf.
00:43:10
Speaker
Das klang jetzt bisher alles relativ entspannt. Irgendwie so, wenn man mal gedacht, wir machen mal einen Verlag und dann hatte ich hier noch den Sebastian als Vertriebler an der Hand und Presse macht ja sowieso Philipp für alle und dann machen wir mal so ein paar Bücher und den die Autoren kannte ich eh schon alle persönlich. War das so oder gab es dann doch noch irgendwie so ein paar Überraschungen auf dem Weg dahin, euer erstes Programm in den Handel zu bringen?
00:43:44
Speaker
Nein, also natürlich ist es nicht so leicht gewesen, wie das jetzt so klingt, obwohl ich das Gefühl habe, in der Rückschau fand ich es tatsächlich eher eine sehr beglückende Erfahrung. Die Sache für Sebastian und mich war ja einfach
00:44:14
Speaker
Von vornherein klar, wir gründen halt einen Verlag, der im Grunde neben unseren Jobs und neben unseren Familien existieren muss. Wir sind nicht hingegangen und haben gesagt, wir gründen jetzt den Verlag, um binnen kürzester Zeit halt davon zu leben. Wir haben uns halt einfach für, glaube ich,
00:44:44
Speaker
bewusst für einen langsamen Start entschieden, obwohl der Output gar nicht so langsam ist. Aber das war von vornherein so die Maßgabe. Und dann war es natürlich die klare Sache, Geld organisieren, schauen, wie stellen wir uns auf. Die ganzen Punkte, die im Grunde
00:45:09
Speaker
alle, die in Verlaggründen für sich entscheiden müssen und für sich klären müssen. Und natürlich auch all die Hürden, die es dabei zu nehmen gilt und auch die Unsicherheit, ob man da jetzt einen kompletten Schwachsinn startet, sich sowas auch noch reinzubinden.
00:45:36
Speaker
Das war in dieser Anfangsphase natürlich da und ist zum Teil heute auch immer noch da. Aber im Grunde ist es so, dass ich wusste, dass es klappen kann, weil die Projekte, die wir bei Kiebelzeit zu Anfang verlegt haben, kamen tatsächlich zu einem
00:46:03
Speaker
nicht unerheblichen Teilen, die kamen nicht aus dem Nichts, sondern es ist tatsächlich so, wie du sagst, dass ich halt einfach gewisse Autoren und Autoren schon länger kannte oder in dieser Phase auch kennengelernt habe und wir sehr viel über Projekte gesprochen haben, die man verwirklichen müsste und ich auch mit vielen Leuten gesprochen habe.
00:46:25
Speaker
über die Möglichkeit, das bei einem der existierenden Verlage unterzubringen, sodass einfach Konzepte und Ideen waren vorhanden. Sie haben eben keine verlegerische Heimat gefunden. Und aus diesem Pool von Dingen wusste ich auch, dass ich schöpfen kann und sozusagen ein Startprogramm hinlegen kann und auch auf
00:46:52
Speaker
anderthalb Jahre weiß, welche Projekte ich dann danach schieben kann. Das war schon eben mein Teil der Vorbereitungsarbeit, während sich Sebastian um Auslieferungen und vertriebliche Dinge gekümmert hat, vorbereitet hat, habe ich halt irgendwie inhaltlich das vorbereitet. Und als wir dann gesagt haben, okay, jetzt geht's los, jetzt starten wir, waren wir eben relativ gesettelt schon in dem, was wir in den nächsten anderthalb zwei Jahren vorhaben.
00:47:22
Speaker
Ja, und wie ist das inzwischen? Schöpft ihr immer noch komplett aus diesem Startpool oder ich denke mal, ich gehe mal davon aus, dass ihr inzwischen ja auch neue Projekte seitdem reinbekommene habt, in Anführungszeichen. Wie funktioniert das bei euch, wenn ihr nur Eigenproduktionen macht, kriegt ihr
00:47:42
Speaker
quasi Manuskripte und sagt dann Ja oder Nein? Oder geht ihr auf Künstlerinnen, Autorinnen zu und sagt, hättest du nicht mal Lust, einen Kindercomic zu machen, den wir veröffentlichen? Wie ist da so das Prozedere?
00:47:57
Speaker
Na ja, zum einen ist es schon so, dass wir uns eben als Autorinnenverlag verstehen. Das heißt, die Menschen, mit denen wir Bücher machen, da haben wir in der Regel halt einfach den Wunsch, mit diesen Menschen auch weiter Bücher zu machen. Also das heißt, dass wir eine Reihe von Autorinnen und Autoren
00:48:24
Speaker
haben im Grunde vom Start weg, die eben für uns weiterarbeiten und die weiter Geschichten schreiben und die regelmäßig veröffentlichen. Und es sind aber natürlich auch neue Leute dazugekommen. Das ist tatsächlich für mich, das war einer der größten
00:48:50
Speaker
der größten Probleme an dieser Corona-Zeit, dass eben im Grunde die Momente, wo sich die Branche trifft, sei es die Comic-Branche oder sei es die Illustrations-Branche, dass die alle weggefallen sind. Und im Grunde, dass aus meiner Warte viele Projekte einfach
00:49:09
Speaker
entstehen. Sehr viele Kontakte entstehen dadurch, dass man die Menschen persönlich kennenlernt. Und wenn dann nicht im ersten Moment ein Projekt rausspringt, kennt man sich aber und bleibt in Kontakt. Und irgendwann kommt dann halt der Moment, wo beide denken, okay, jetzt machen wir mal. Und es war für mich verkiebelt schon immer das Ziel zu sagen, wir vermengen im Grunde
00:49:38
Speaker
Ja, die Comic-Szene mit der Kinderbuch-Szene, in der eben auch sehr viele Comic-affine Leute unterwegs sind, die aber noch keinen Anlass hatten, sich wirklich hinzusetzen und einen Comic zu zeichnen oder zu schreiben.
00:49:54
Speaker
Das finde ich halt spannend, diese Welten aufzubrechen und eben aus dieser Kinderbuchszene zum Beispiel ganz neue Ästhetiken reinzukriegen oder ganz neue Schreibweisen und in der Regel ist es so, dass wir, wenn es jetzt ums Programm geht, eben schauen, was machen unsere Leute und wir haben eben auch mit Patrick Wirbeleit oder
00:50:22
Speaker
Martin Balzscher hat Leute dabei, die halt wirklich nur Autoren sind, nur Comic-Autoren und auch immer wieder so ein Sprungbrett sind für neue Zeichnerinnen und Zeichner, die wir reinnehmen, um zu sagen, okay, hier liegen neue Geschichten vor. Jetzt könnte man halt einfach mal Menschen fragen oder wir fragen halt einfach Leute, ob sie sich vorstellen können, einen Comic für uns zu machen. Manchmal sind es Leute, die eben schon sehr
00:50:51
Speaker
professionell unterwegs sind, aber eben in anderen Bereichen. Manchmal sind es Leute, die ganz am Anfang stehen, deren Arbeiten wir toll finden, die wir eben, keine Ahnung, auf verschiedensten Wegen kennengelernt haben, über Instagram bis, ja, bis Ausstellungen, bis Bücher, die wir von ihnen kennen. Also da gucken wir sehr
00:51:16
Speaker
breit gefächert. Und die Leute sprechen wir dann zum Teil eben tatsächlich auch gezielt an, ob sie sich das vorstellen können, im Comic Steinbruch zu arbeiten. Und manchmal treten halt auch Leute auf uns zu, das wird jetzt mehr. Also es gibt jetzt mehr Leute, die einfach ankommen und
00:51:39
Speaker
Sachen einreichen. Und das Niveau ist auch erfreulich hoch, was da kommt. Und so jemand wie zum Beispiel Josefine Maag kannte ich vorher gar nicht, weil sie eben auch noch gar kein Buch veröffentlicht hat. Die andere ist ja parallel erschienen.
00:51:55
Speaker
Und das sind dann halt in dem Fall so Sachen gewesen, dass klar wir eben vernetzt sind und zum Beispiel in ihrem Fall halt einfach Josefines Agentin kannten, die uns drauf gebracht hat und die mir die Sachen geschickt hat. Und das sind eben unterschiedlichste Wege. Und wir müssen eben immer gucken, wie wir die Balance hinkriegen, denn wir planen natürlich immer,
00:52:21
Speaker
weil wir nur Eigenproduktion machen im Grunde zwei Jahre im Voraus, können eben auch nur oder wir haben eben einfach finanziell nur die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl von Projekten anzustoßen, einfach weil wir nicht unendlich Vorschüsse zahlen können. Also es ist eben so ein Gepussel, was zum Teil eben sehr langfristig läuft und wo wir jetzt schon in Kontakt sind mit Leuten, die halt
00:52:49
Speaker
ein Buch vor uns machen wollen, wo aber klar ist, okay, das wird frühestens 2025 was, bis das da ist. Ja, ja, ja. Arbeitet ihr eng mit den Leuten zusammen im Sinne von redaktionelles Hin und Her oder ist das mehr so, macht mal und wir schauen am Ende nochmal drüber oder eine intensive Konzeptionsphase und dann wird erstmal komplett ausgearbeitet? Wie läuft das bei euch normalerweise? Normalerweise ist es schon so, dass wir die Projekte
00:53:17
Speaker
begleiten von der ersten Idee über das erste Manuskript, dann über das Storyboard bis hin zum fertigen Buch. Das ist schon so was, was eigentlich unser Anspruch ist, das zu tun. Das kann halt, das kommt aber auch immer so ein Stück weit auf
00:53:43
Speaker
die Bedürfnisse derjenigen an, mit denen wir zusammenarbeiten. Also nicht jede Autorin, nicht jeder Autor hat eben Lust, in der frühesten Phase irgendwie schon alles Mögliche zu besprechen, sondern will erst mal machen. Und das hat dann wiederum was mit Vertrauen in die Künstlerinnen und Künstler zu tun, weil wenn wir ein Buch einkaufen und einen Vorschuss zahlen, dann
00:54:10
Speaker
muss das Buch im Grunde auch fertig werden. Aber eigentlich ist der Schritt schon so, dass wir sagen, spätestens wenn das Manuskript fertig ist, gucken wir gemeinsam drüber. Dann gucken wir auf jeden Fall nochmal drüber. Wenn das Storyboard steht, das gleiche mit den Reihenzeichnungen. Und im Grunde bin ich auch eigentlich Ansprechpartner zwischendurch, wenn
00:54:37
Speaker
Irgendwo was hakt, wenn irgendwas diskutiert werden muss, wenn es vielleicht auch einfach nur darum geht. Ja, man trifft sich mit den Autorinnen und Autoren auf dem Kaffee und gibt halt Support. Ich glaube, das gehört alles dazu. Anspruch und Wirklichkeit liegen dann zum Teil auch irgendwo ein Stück weit auseinander. Also gerade ist eine Phase, wo
00:55:06
Speaker
wo Barret-Produkt irre viel zu tun ist und dann merke ich, die Zeit fehlt mir halt für Kibitz und es gibt dann wiederum Autorinnen und Autoren, die viel zu lange schon darauf warten, dass ich mich einbringe und das ist so der größte, meine größte Seelenpein, die ich habe. Ja, verstehe.
00:55:24
Speaker
Naja, gut, man muss halt irgendwo, irgendwo ist zusammen puzzeln, hast du vorhin gesagt, ne? Ja, das gehört, glaube ich, zur Verlagsarbeit generell irgendwie dazu. Wobei mir aber wichtig ist, das auch nochmal zu sagen, weil ich auch das Gefühl habe, es gibt darüber so, ja, im Grunde so Fehleinschätzungen merke ich auch immer wieder, wenn es darum geht mit
00:55:48
Speaker
kreativen zu arbeiten. Also es ist eben nicht der Kibitz Anspruch, in dieser Phase Bücher zu glätten oder irgendwo zu streamlinen und mit Augen des Marktes drauf zu gucken, sondern die Bücher, die wir bei Kibitz machen, sind ja gerade Bücher. Und ich glaube, das ist was, was für Autorinnen und Autoren auch attraktiv ist, wo sie sich im Grunde ausleben können.
00:56:15
Speaker
Am Ende muss ein gutes Buch rauskommen, aber wir haben keine Scheren im Kopf, die sagen, das muss hinterher die und die Zielgruppe genau bedienen und das und das geht nicht, sondern im Grunde geht bei uns erst mal alles. Und wenn uns die Idee gefällt, dann ist es so, dass ich die Menschen begleite auf ihrem Weg, das Buch zu machen und auch viel Feedback gebe, ob das Buch so funktioniert. Aber es ist nicht so, dass ich da
00:56:44
Speaker
maßgeblichen Einfluss nehme auf das, was die Menschen erzählen wollen. Ja, verstehe. Ja. Ja, das ist wahrscheinlich tatsächlich eine Fehleinschätzung, die oft an Verlage herangetragen wird, aber ist bei uns ähnlich. Eine Schere im Kopf hat hier sowieso niemand. Ist eh ein hässlicher, also ein passendes, aber ein sehr hässliches Bild. Aber ...
00:57:10
Speaker
Ja, nee, schön. Danke für die Antwort. Ähm, vielleicht eine etwas fiese Frage, musst du auch nicht immer darauf antworten, aber gibt es ein Lieblingsbuch, das ihr bisher gemacht habt? Für dich persönlich? Irgendeins? Weiß ich nicht. Jetzt nicht unbedingt eins, was du besonders gut findest oder besser als die anderen, sagen wir's mal so, aber eins, wo du, weiß ich nicht, besonders involviert warst oder was dir besonders wichtig war, irgendwas, was du hervorheben würdest, könntest, wolltest?
00:57:39
Speaker
Ja, das ist tatsächlich eine fiese Frage. Wie gesagt, du musst auch nicht darauf antworten. Du kannst es auch zurückstellen. Nein, ich kann versuchen, da so ein bisschen, keine Ahnung, um den heißen Brei herumzulavieren. Nein, im Grunde ist es natürlich so, dass bislang die Kiebelbücher alle so, ja, eigene Verlachtsbabys sind, die ich betreut habe und die mir gleichermaßen Spaß machen. Also es ist
00:58:09
Speaker
Natürlich kann man halt vielleicht Sachen rausheben. Für mich ist zum Beispiel Tanja Esch sehr, sehr wichtig. Die hat bei uns Rolf und das Rätsel um die neue gemachten Detektivcomic.
00:58:25
Speaker
jetzt gerade Boris Babette und Laura Skelette, was eben auf den Jugendliteraturpreis nominiert ist. Und die ist mir deshalb so ans Herz gewachsen, weil ich Tanja so lange kenne und im Grunde ihre ganze Karriere begleitet habe. Und zufälligerweise war Tanja unsere Babysitterin früher, obwohl wir nicht wussten, dass sie zeichnet. Das wussten wir zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr. Ach was? Naja, es ist sehr lustig, was sie übernimmt.
00:58:53
Speaker
über die Kita unseres Sohnes zu uns gekommen ist, wo sie mal gejobbt hat und ich irgendwann gemerkt habe, was machst du da eigentlich oder warum liest du eigentlich so gerne meine Comics? Und dann kam erst heraus, dass sie hier in Hamburg an der HAW studiert und Comics zeichnen will. Und da habe ich das ist dann so ein Weg von jemandem, der
00:59:17
Speaker
den man irgendwie kennenlernt, während sie studiert und dann so begleitet und halt die nächsten Schritte aus nächster Nähe mitgucken kann, wie halt einfach so eine Karriere Fahrt aufnimmt oder wie sowas funktioniert, wie sich eine Zeichnerin halt mit jedem Buch weiterentwickelt und toller wird und. Und
00:59:45
Speaker
Das ist schon für mich eben so eine besondere Autorin, die ja auch einfach dem Verlag sehr verbunden ist und die für uns auch Grafik gemacht zwischendurch und mit der ich mich viel austausche. Das ist dann eher so, dass es gar nicht darum geht, wie ist die Qualität ihrer Arbeit zu werden wie über anderen. Aber es ist eben so dieser spannende Weg, jemanden eben von der Pike auf begleitet zu haben.
01:00:13
Speaker
Und dann gibt es eben so Überraschungen wie Josefine Maag, die aus dem Nichts kommt und eben zum Beispiel gar keine Zeichnerin ist, die jetzt in irgendeiner Weise betreut werden muss. Und es kommt alles aus ihr heraus und die mich zum Beispiel umgehauen hat, weil ich irgendwie das gar nicht möglich gehalten hätte, dass plötzlich jemand, die noch nie vorher ein Buch gemacht hat, aus dem Nichts kommt.
01:00:36
Speaker
ja, so eine erzählerische Qualität einfach mitbringt. Das sind so Sachen, die da rausstechen. Aber es sind eben auch einfach glückende Erfahrungen, wie ich darf mit Sascha Wüstefeld arbeiten oder ich
01:01:01
Speaker
Oder Patrick Wirbelleit überrascht mich mit irgendeiner neuen Idee, wie das unsichtbare Raumschiff, okay, ein Comic ohne Bilder, können wir das machen? Ist aber ganz lustig. Machen wir ja. Und das sind so die Momente, wo ich froh bin, einen eigenen Verlag zu haben und zu sagen, so, ja, machen wir jetzt. Und okay, der Titel auf dem Buchcover soll auch unsichtbar sein. Ist wahrscheinlich irgendwie der markttechnisch nicht
01:01:26
Speaker
angeratenste Weg, aber weil wir es können, machen wir es halt, weil es lustig ist. Sehr diplomatische Antwort. Zumindest das. Auch eine sehr schöne Antwort. Ganz sehr nachvollziehbar.
01:01:45
Speaker
Ja. Ja, würde ich sagen. Aber Zahlen lügen ja nun doch nicht. Gibt es denn irgendein Lieblingsbuch eurer LeserInnen sozusagen? Hat sich bisher schon ein Bestseller rauskristallisiert? Das fragt man ja ganz gerne so an dieser Stelle. Ja, unser Bestseller ist natürlich Kisten. Das ist
01:02:05
Speaker
Die Serie von Patrick Wirbel hat Uwe Heidschötter, die ich schon mit den beiden aus der Taufe gehoben habe für Reprodukt ursprünglich.

Beliebte Werke und zukünftige Veröffentlichungen von Kibitz

01:02:12
Speaker
Und da ist es einfach, die hat ab einem gewissen Zeitpunkt einfach sehr, sehr gut funktioniert. Und unser Bestseller ist sicherlich einfach das fünfte Kistebuch, was jetzt bei Kiebitz erschienen ist. Und ja, da braucht man nicht zu drüber zu diskutieren, dass das einfach
01:02:36
Speaker
weiß nicht, aus deutscher Feder, der Kindercomic schlechthin ist, der halt einfach wirklich eine breite Leserinnenschaft hat und den viele, viele Menschen kennen. Und das ist eben super. Und wir werden jetzt zum Herbst auch die ersten vier Kiste Bücher bei Kiebitz übernehmen. Ah, jetzt? Ja, ja, genau. Das hat sich eben... Ich hab mich schon gefragt, wann das passieren würde. Ja, okay. Ja, jetzt.
01:03:07
Speaker
dann ist das alles unter einem Dach. Und der andere Bestseller, den wir haben, der eben für uns überraschend war, ist das schon erwähnte Trip mit Trop von Josephine Mark, was eben spätestens seit, ja, ich weiß gar nicht, ob es so viel damit zu tun hat mit dem Max- und Moritz-Preis. Ja, ich glaube, es hat halt einfach
01:03:31
Speaker
eingeschlagen und eine Aufmerksamkeit erzeugt, die exorbitant war, einfach durch die Qualität des Buches, glaube ich, und eben auch eine Aufmerksamkeit erfahren durch so viele verschiedene Ecken. Das ist halt das, was
01:03:52
Speaker
wo man halt wirklich sagen kann, das ist neben Kiste eben unser Bestseller. Ehrlich auch noch mal drauf zu sprechen kommen gleich. Ja, aber es ist eben so, das weiß ich nicht, das ist, ich hab das Gefühl, das läuft eben grundsätzlich gut und, also auch besagte Tanja Esch zum Beispiel, haben wir mehrfach nachgedruckt und es läuft und das ist
01:04:17
Speaker
Das sind halt alles Zahlen, wo ich denke, wenn ich sie im Comic-Vergleich anschaue, können wir damit eben zufrieden sein. Das ist alles okay. Aber ich glaube, Trip mit Tropf und Kiste sind eben die Bücher, die am meisten rausstechen.
01:04:33
Speaker
Gibt es irgendwelche... Ich glaube, ihr habt eure Herbstvorschau noch nicht veröffentlicht. Noch nicht, nee. Gibt es trotzdem irgendwas, was du schon verraten darfst? Verraten kannst irgendwie ein, zwei Titel, die unsere Hörerinnen und Hörer auf dem Schirm haben sollten oder sich mal anschauen sollten? Oder ist das jetzt noch ein bisschen früh? Ich weiß nicht, Vince.
01:04:58
Speaker
Ich sag mal, was mich sehr freut im Herbst ist eben die Fortsetzung von Herr Elefant und Frau Grau. Das ist eine Reihe, wo der erste Band im vergangenen Jahr, 2021 glaube ich, erschienen ist von Martin Balschert und Max Fiedler, ein großartiger Zeichner über einen
01:05:21
Speaker
Pärchen von Tieren, ein Elefant und eine Garzelle, die über verwickelte Umstände halt den Schluss fassen, sie möchten in der Welt der Menschen leben und deshalb aufbrechen aus Afrika eben in die große Stadt. Und die haben wir jetzt in Band 1 kennengelernt und Band 2 folgt ihnen jetzt halt auf ihrem Weg
01:05:46
Speaker
in irgendeiner Form in die Stadt zu kommen. Sie wollen gerne nach Hamburg und es sind jetzt einfach die neuen Erlebnisse, die sie haben, um sich irgendwie ein Flugzeug zu schmuggeln, um dorthin zu kommen. Das ist unglaublich lustig und ich kann es allen Leuten wärmstens ans Herz legen, die lebendige, großartige Zeichnungen mögen, weil Max einfach einer der
01:06:10
Speaker
Ich finde, eines der größten deutschen Zeichentalente ist, die wir haben. Und ich bin sehr froh, dass er jetzt die Zeit findet, gerade den zweiten Band zu machen. Das wird auf jeden Fall im Herbst neben den Kistebüchern kommen. Und dann deute ich schon mal an, dass auch die Freunde von Josefine Mark sich freuen können. Also auch Josefine hat ein neues Buch in der Mache, das diesmal allerdings für ein bisschen jüngere Leserinnen und Leser ist. Es ist sozusagen
01:06:40
Speaker
ein Zwischenstep, bis sie sich dann eben ihrem nächsten Buch widmet in ihrem Plan, halt alle Genres durchzugehen. Ich verstehe. Nach Western und Roadmovie hat sie eben schon Kleine für das nächste große Buch. Und das ist jetzt ein kleineres Buch, was nicht minder toll wird. Und ich glaube, da kann man sich schon drauf freuen einfach, weil sie so eine fantastische Erzählerin ist.
01:07:09
Speaker
Ich freue mich jetzt auf jeden Fall schon mal drauf. Das ist doch schon mal was. Cool. Ja, danke für den Einblick. Bevor ich es ganz vergesse, warum eigentlich Kibitz Verlag? Wie kommt ihr auf den Namen? Ja, Kibitz steht für uns eben, es kommt natürlich einfach vom Kibitzen, also vom Neugierigsein. Und daher, ja,
01:07:39
Speaker
Das war unsere Grundidee, dass die Bücher, die wir versuchen zu machen oder die wir machen, dass die schon so ein Stück weit die Gemeinsamkeit haben, dass das Abenteuer, was im Buch erzählt wird, eigentlich immer im Alltag den
01:08:00
Speaker
den Ursprung hat. Also bei Herr Engelmann und Frau Grau ist es jetzt nicht so, weil er startet halt in der Savanne und es sind Tiere, aber in der Regel sind es halt Durchher, die durchaus fantastisch oder abenteuerlich werden können. Ob die vielleicht aber auch einfach Alltagsgeschichten sind, aber der Ursprung ist halt immer
01:08:24
Speaker
Wir holen Kinder in ihrem Alltag ab und dann kibitzen wir mal, was passiert und welches Abenteuer da kommen kann. Wir mochten halt irgendwie den Namen und den Klang und haben dann aber auch nach
01:08:48
Speaker
Und dann kommt ja auch irgendwie noch so ein Stück weit dazu, dass wir eben das Gefühl hatten, man kann daraus eine schöne, weiß ich nicht, wie nennt man das, Textbildmarke machen, also man kann ein schönes Logo machen, was Martin Balscheid gestaltet hat, der ja auch Zeichner ist, und wo wir das Gefühl hatten, okay, das passt so, das geht so zusammen. Das ist auch wichtig, darf man nicht unterschätzen. So was, ein Wiedererkennungswert ist nicht zu unterschätzen.
01:09:17
Speaker
Ja, also, keine Ahnung, das weiß ich auch nicht. Die Entscheidungsphase bei Splitter wirst du wahrscheinlich nicht so miterlebt haben. Das war deutlich von meiner Zeit. Das war eben auch eine von den gar nicht zu unterschätzenden Hürden der Verlagsgründung. Es hat nicht mehr graue Haare.
01:09:40
Speaker
mir mehr graue Haare eingebracht als manch anderer Aspekt. Interessant. Interessant. Mir persönlich gefällt es und ich glaube auch, dass ich da nicht alleine bin. Insofern fand ich es aber auch interessant, das mal zu erfahren. Ein großes Dankeschön nochmal an Martin Balczak.
01:10:04
Speaker
viel ausprobiert und Martin hat alles nicht gefallen und dann hat er gesagt, ey, mach das doch so und hat uns dieses Logo geschickt. Das war, glaube ich, einfach nur sein Frust daraus, dass wir so viele krepelige, in seinen Augen krepelige Vorschläge machen. Naja, egal.
01:10:22
Speaker
Sehr cool. Ja, schön. Wir biegen so langsam auf die Zielgerade ein und haben noch ein paar Schlussfragen, die ich dir stellen werde. Vorher hast du aber, wenn du möchtest, wie alle meine Gäste, noch die Gelegenheit zu einer Gegenfrage. Wenn du möchtest. Wenn nicht, dann gehen wir einfach direkt weiter. Ja, die Gegenfrage wäre, das hast du gerade eben auch schon so angedeutet, dass
01:10:48
Speaker
dass ihr ja auch Kindercomics macht bei Splitter. Ich bin einfach interessiert dran, wie eure Erfahrungen damit sind.
01:11:04
Speaker
bei Reproduk, als wir angefangen haben, Kindercomments zu machen, ja, der klare Wunsch gewesen, wir setzen oder wir möchten Dinge machen, die eben nicht die Klassiker sind. Und das hat gar nichts damit zu tun, dass wir die Klassiker nicht mögen, sondern das hatte was damit zu tun, dass wir gesagt haben, ja gut, die gibt's und wir machen, versuchen jetzt, andere Sachen zu machen. Ihr wiederum habt eben eine ganze Reihe von Klassikern im Programm oder erlegt vielleicht auch bei Thunfisch
01:11:33
Speaker
aus meiner Warte eben dann viele Brücher, viele schöne Brücher, die eben dann doch eher nochmal stärker als unsere, dem frankobelgischen Comic-Stil eben so
01:11:50
Speaker
nahestehen und ich finde es einfach interessant mal zu hören, welche Erfahrungen ihr mit Kindercomic macht, auch weil es eben eine ganz andere oder eine andere Art von Comic ist als die, die wir machen.
01:12:04
Speaker
Also unsere Erfahrungen sind definitiv auch gut, was jetzt die wirtschaftliche Seite mal angeht. Aber schön ist halt auch, dass Kindercomics oft diejenigen sind, wo man auch am meisten Feedback für kriegt. Klingt jetzt so, als hätte ich es mir ausgedacht, aber es stimmt tatsächlich. Gestern kam ein Brief von einem neunjährigen Leser.
01:12:26
Speaker
rein, der uns auf eine sehr höfliche und freundliche Art und Weise auf einen Rechtschreibfehler in Band 2 unserer Comic-Serie Frank sehr gerne, Marc, hingewiesen hat. Also wirklich ausgesprochen höflich und sehr nett. Und er schrieb, er endete auch damit, dass er sich hofft, dass er hofft, dass es noch einen sechsten Band geben wird. Dann war eine wirklich, also
01:12:52
Speaker
ungelogen sehr schöne Zeichnung von Protagonisten der Serie noch unten drunter. Sehr talentiert der Junge auf jeden Fall. Und solche Momente passieren halt primär mit Kindercomics. Mit Erwachsenencomics kriegt man natürlich auch massenhaft Korrekturen reingeschickt immer. Das heißt, massenhaft. So wahnsinnig viele Fehler machen wir zum Glück nicht. Aber wenn es mal ist, dann wird man auch gerne darauf hingewiesen.
01:13:19
Speaker
Oder an anderen Sachen wird Kritik geübt, mit Erwachsenen ist der Umgang nicht so nett. Sagen wir es mal so. Was so den Ansatz angeht, wir verstehen uns ja auch als franko-belgischer Verlag. Was den Titelausstoß angeht in Deutschland, ist inzwischen der franko-belgische Verlag.
01:13:41
Speaker
noch nicht der größte, aber wir machen halt die meisten. Und deshalb wollten wir das auch in den Kinderkomics weiterführen. Also von diesen ganz klassischen Sachen, die du wahrscheinlich meinst, Schlümpfe, Benni Bernstark, Jonas Valentin, bis jetzt zu den Kinderkomics sowie die magische Spieluhr und eben Frank, was ein sehr klassischer franko-belgischer Stil ist. Oder auch die Comicreihe von Alessandro Babucci, die drei Schwestern.
01:14:11
Speaker
Das ist uns, also wir sind da auch, wir gehen da tatsächlich relativ visuell dran. Also die Geschichten müssen natürlich auch irgendwie was taugen oder zumindest interessant sein, wobei ich glaube, dass wir uns da auch etwas konventionellere Sachen mit reinnehmen als ihr das jetzt tut.
01:14:28
Speaker
Das stört uns in Anführungszeichen auch nicht. Wir gehen da stark darüber rein, welche Zeichenstile uns zusagen, was wir finden, was anspruchsvoll ist, aber auch ansprechend. Und das ist so unsere Ernährung dran.
01:14:47
Speaker
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die Sachen aus dem Stand zu großen Verkäufen führen, jetzt von Enola Holmes mal abgesehen, was aber halt durch den Netflix-Film, schätze ich mal, bedingt ist vor allem. Aber mittelfristig, langfristig druckt man dann doch das meiste irgendwann nach, weil es halt eine treue Leserschaft findet.
01:15:09
Speaker
Und habt ihr denn da auch oder ist es dann so, dass eure Kindercomics jetzt in erster Linie
01:15:21
Speaker
Ich denke ja einfach mal, dass das Gros eurer Alpen dann vielleicht doch noch im Fachhandel läuft. Relativ. Ist relativ, ja. Sehr gut. Aber die Erfahrung, also macht ihr dann im Buchhandel auch
01:15:39
Speaker
Gute Erfahrungen mit den Thunfisch-Sachen, dass ihr da irgendwo reinkommt, wo ihr normalerweise nicht reinkommt oder dass da eine Offenheit im Handel ist. Es ist eben die Erfahrung, es ist noch ein Weg zu gehen.
01:15:56
Speaker
Also die Kindercomics öffnen für uns keine Türen. Für uns öffnen die Erwachsenen Titel. Primär so Sachen wie die Mythen der Antike, die halt eine wahnsinnig breite Leserschaft finden. Auch bei Kindern tatsächlich. Was ich nicht empfehlen würde an dieser Stelle, weil das definitiv keine Titel für Zwölfjährige sind. Aber müssen die Eltern halt wissen, was sie ihren Kids so zu lesen geben.
01:16:27
Speaker
Das öffnet für uns keine Türen, aber es ist rutscht dann ganz gerne nach. Also wir bieten die Sachen ja auch parallel an. Thunfisch ist ja wirklich kein, also wir haben ja keine echte Thunfisch-Vorschau. Das läuft ja alles übers Spiel mit. Und der Erfolg, sage ich mal, bestimmter Titel recht fertig dann oder sie
01:16:48
Speaker
Ja, macht dann Interesse an mir. Das mit dem Fachhandel habe ich jetzt gerade schon relativiert. Das ist bei uns sehr, sehr, sehr abhängig von der Serie. Also so bestimmte Sachen, vor allem die uralt Serien Storm, Torgal und so ganz spezifische Science-Fiction-Themen, die laufen natürlich prima über den Fachhandel.
01:17:12
Speaker
Die neueren Sachen gerade und auch das Thunfisch-Programm, die laufen schon primär über die Großhändler dann in den allgemeinen Buchhandel rein. Na ja, cool.
01:17:27
Speaker
Im Prinzip wundert es mich jetzt ja auch gar nicht, weil ich das Gefühl habe, dass das Programm über die Jahre ja doch einfach deutlich breiter geworden ist. Ja, so ist das.
01:17:43
Speaker
So ist das. Ja, vielen Dank. Ja, nicht dafür. Es war jetzt relativ einfach zu beantworten. Da habe ich schon größere Kopfnüsse hier gekriegt. Michael, wir gehen mal auf die Schlussfragen ein, die ich auch dir mitgebracht habe, die auch du mir beantworten darfst.
01:18:03
Speaker
Fangen wir einfach mal an mit deinen Top 3 Comics, Manga, Graphic Novels oder Comicreihen, was auch immer, die du auf die sprichwörtliche einsame Insel mitnehmen würdest. Das ist schwierig. Ja, das sagen alle, ich weiß. Ich habe noch nicht alle Folgen durchgehört, deshalb weiß ich gar nicht, dass andere darauf reagieren.
01:18:30
Speaker
Also ich glaube, ich würde auf jeden Fall eine Wahl wäre ein Spirualbum aus der klassischen Phase von Andre Franquin zum einen, weil ich ihn erzählerisch wie zeichnerisch eben unerreicht finde bis heute. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass Spirou oder das Franquin neben vielleicht Jacques Taddy die einzigen
01:18:57
Speaker
Zeichner sind, die von Beginn meiner Comic-Leidenschaft bis heute ungebrochen da sind. Ich bin ein alter Mann, ich sortiere gerade viel aus, wo ich das Gefühl habe, ich habe Jahrzehnte nicht mehr reingeguckt. Das Büro von Francais ist eine Konstante, die da ist und die ich heute genauso gut finde noch wie damals.
01:19:23
Speaker
Zweiter Titel wäre, glaube ich, Ariol, den ich schon erwähnt habe, gerade dieser Reihe um den kleinen blauen Esel von Emmanuel Guibert und Marc Butavon. Kindercomic, aber eben darüber hinaus für mich auch
01:19:40
Speaker
Ja, ein ganz klarer Lieblingscomic, da eben Emanuel Gibert die Fähigkeit hat, ganz klassisch auf zehn Seiten Themen abzuhandeln, die von lustig bis schrecklich bis melancholisch gehen und Inhalte zu vermitteln über
01:20:03
Speaker
unseren Alltag und über unser Zusammenleben, für die manche Graphic Novel 220 Seiten benötigt. Also es ist, finde ich, ganz große Erzählkunst und ganz große Zeichenkunst auch, die man auf den ersten Blick vielleicht, die einen nicht so anspringt, aber ich finde Marc Boudreau ist halt einer der massiertesten und tollsten Zeichner überhaupt. Diese Reihe würde ich mitnehmen und dann
01:20:36
Speaker
Ich glaube, Robert Crum's Skizzenbuch 1966. Um nochmal mit was ganz allgemein Bekanntes abzuschließen. Was ganz allgemein Bekanntes? Robert Crum's Skizzenbuch. Ja, also ich kann es dir nur, auch das wieder aus der
01:21:00
Speaker
Erfahrung heraus, welche Bücher habe ich eigentlich in den letzten 30 Jahren immer wieder zur Hand genommen. Eine wunderschöne, ich glaube, die ist nicht mehr lieferbar. Ja, das meine ich, wird allgemein bekannt. Ja, such nach der 2001 Ausgabe von Robert Crump's Skizzenbücher. Die sind alle toll, aber nehmt das allererste, wo
01:21:23
Speaker
wo Crump noch völlig anarchisch war. Er konnte schon großartig zeichnen, aber es ist anarchie pur. Und es ist einfach fantastisch, sich anzugucken, welche Sachen er zeichnet, wo du vorher denkst, das kann man nicht zeichnen, aber er kann es. Und es ist so was, was nun ist Robert Crump eben durchaus
01:21:47
Speaker
durchaus eine kontroverse Gestalt in dem Adeptiles, was er damals veröffentlicht hat, macht einem heute Bauchschmerzen. Aber ich finde, das bringt eben was. Für mich bringen gerade diese Skizzen durchaus was Anarchisches in mein Leben wieder, was dem Comic irgendwie so ein Stück weit verloren gegangen ist. Ja, also einfach
01:22:13
Speaker
Ich mache, weil ich es kann und ich fange hier an, Geschichte zu skizzieren. Und dann ist der Weg das Ziel und es funktioniert völlig wild. Und dieses Wilde ist was, was mir eben, was mir eben so ein bisschen abgeht in Comics heutzutage. Ich meine jetzt gar nicht unbedingt, dass sie inhaltlich Grenzen übertreten müssen oder sonst was, sondern dass sie halt einfach sagen, hier ist
01:22:43
Speaker
Anarchie angesagt und das ist, ich mache, weil ich es kann und ich denke darüber nicht wochenlang nach. Genau. Und das ist dieses Buch toll. Ich lebe, wenn du bei deinen steinalten Kollegen irgendwann mal zu Hause bist und steht irgendwo rum. Ich weiß, wen ich gleich mal fragen werde. Danke für den Tipp. Wahrscheinlich muss ich danach einen Exkurs anhören, aber
01:23:10
Speaker
Nicht schön, da muss ich mal nachschauen, da wäre ich nie drauf gekommen. Meine Lieblingsfrage, die ist allerdings auch nicht ganz einfach. Ein Comic, den es noch nicht gibt, den es aber unbedingt geben sollte, egal wie du diese Frage interpretieren möchtest, was wäre das für ein Comic?
01:23:28
Speaker
Ja, oh Gott. Ja, ich hab gesagt, guck dir die Schlussfragen vorher an, die sind nicht ohne. Ja, die hab ich überlesen. Ich glaube, die hab ich halt einfach... Alles gut, nein. Hast du spontane Idee? Irgendein Comic, den es eigentlich geben sollte, wo du dich fragst, warum gibt es das noch nicht?
01:24:00
Speaker
Ja, natürlich. Also es gibt, glaube ich, es gibt, glaube ich, halt einfach gerade im Bereich. Also ich habe das Gefühl, gerade im Bereich des Kinderkomik gibt es gibt es viele Dinge, die mich inhaltlich interessieren, wo ich das Gefühl habe, dazu könnte es Comics geben. Ja, also ich glaube, es sind eben einfach viele Themen noch nicht
01:24:25
Speaker
ausgelotet. Das ist das, was ich mit Kibitzen meine, ist ja auch ein Stück weit, dass mein primärer Anspruch ist, zu unterhalten. Aber ein Stück weit wäre es schön, wenn Kinder halt auch irgendwie Denkanstösse oder irgendwas mitnehmen aus den Büdern, die sie lesen. Und da gibt es halt einfach gesellschaftliche oder vielleicht auch, hat zum Teil auch
01:24:57
Speaker
wissenschaftlich aufregende Dinge, die ich so im Kindercomic noch nicht gesehen habe. Oder die es vielleicht im Kindercomic Formen gibt, aber eben langweiliger. Also die Prädikte der Misse ist ja einfach, dass immer an erster Linie, an erster Front steht die Geschichte und die muss mitziehen. Und ich finde es dann gut, eben
01:25:19
Speaker
Sachen einzustreuen, die du als Subtext rauslesen kannst. Und da gibt es, glaube ich, eben viele Themen, die es als Bücher gibt, wo dann ganz groß vorne drauf steht, Identität oder wo ganz vorne groß drauf steht. Dieser oder jener gesellschaftliche, politische Aspekt und dieses ganz vorne ganz groß draufschreiben, ist nicht mein Ding, das interessiert mich. Sondern mich interessiert eine gute Geschichte, die solche Sachen eben
01:25:49
Speaker
anders transportiert und die halt ein Interesse weckt an Themen, die halt die Protagonistinnen oder Protagonisten des Buches vielleicht auch nur am Rande interessieren, aber halt irgendwie ein eindringlicher Aspekt sein können. Und da, da gibt's, glaube ich, einfach viele Themen. Und das ist so was, was ich auch spannend finde, da als Verleger zu gucken, inwieweit kann man noch mehr im Gespräch mit Autoren und Autoren da
01:26:18
Speaker
Umsetzen. Relativ allgemein gehaltene Antwort, aber ich lasse das mal durchgehen.
01:26:25
Speaker
Was ist denn dein Comic, den es unbedingt gibt? Nee, nee, nee. Da antworte ich nicht. Du meinst, ich muss mir jetzt alle Splittercasts angucken, anhören, um gute Antworten zu haben? Nein. Ach, Quatsch. Aber wer war das denn? Uwe Lochmann zum Beispiel, einer von den Sammlereckeleuten, hatte damals geantwortet, er will einen Comic übers Gleitschirm fliegen, weil das sein Hobby ist und es gibt da noch keinen Comic. Ah ja, okay.
01:26:51
Speaker
Also sowas, oder zuletzt Claudio von der Edition Moderne hatte auch eine unspezifische Antwort.
01:27:01
Speaker
die aber irgendwie trotzdem so philosophisch schön war. Also ich verstehe, ich verstehe, was du meinst. Ich bin wirklich vollkommen einverstanden damit. Ich glaube tatsächlich, dass es für die meisten Themen irgendwelche Comics schon gibt und für alles ein Beispiel. Deshalb wüsste ich jetzt spontan auch nicht, was ich darauf antworte. Aber zum Glück stelle ich ja auch hier die Fragen. Sehr gut. Ich sehe gerade mehr. Okay. Die Gegenfrage habe ich schon verpulfert. Verdammt.
01:27:27
Speaker
Ja, genau. Dann kannst du aber, wenn du möchtest, vielleicht mal Kubler spielen und dir ein Wunsch-Kreativ-Team zusammenstellen. Also eine Autorin plus Zeichnerin und wenn du möchtest, auch noch Koloristin dazu packen. Unabhängig davon, wie realistisch das wäre, dass diese beiden Personen zusammenarbeiten.
01:27:51
Speaker
Also, du kannst auch Tote wiedererwecken oder Sprachbarrieren sind vollkommen egal. Einfach, wen du zusammen gerne mal an ein Comicprojekt setzen würdest. Ja, ich bin da wahrscheinlich so langweilig, weil ich in meinem eigenen... Weil ich keine Lust hab, da vom Kindercomic wegzugehen. Das macht doch gar nichts. Also, ich würde mir zum Beispiel...
01:28:17
Speaker
wünschen mal, dass den Autor Andreas Steinhöfel, dessen Kinderbücher ich sehr schätze und der halt hier bei meinen Kindern eben für viel Lesevergnügen gesorgt hat und für mich dann beim Vorlesen oder hinterher gemeinsam lesen eben auch, weil er einfach so ein großartiger Erzähler und ein großartiger
01:28:48
Speaker
Mensch ist, um Figuren glaubwürdig zu kreieren und dann eben auch durch eine Geschichte zu ziehen. Und diesen Zeichner mal zusammenzuführen mit Uwe Heidschötter, dem Zeichner, der Kiste gezeichnet hat für ein modernes Großstadtabenteuer, sagen wir es mal so, das
01:29:08
Speaker
Das wäre halt so was, wenn ich die Möglichkeit und das Geld hätte und sagen könnte, du hast es erst, mach mal und Uwe, lass mal das Trick filmen, was dir viel Geld einbringt und mach ein dickes Buch. Dann würde ich diese Chance mit großer Freude ergreifen.
01:29:23
Speaker
Ja, verstehe. Aber das ist doch ein schöner Wunsch. Und noch nicht mal komplett unrealistisch. Es ist nicht so, dass du irgendjemanden von den Toten zurückholen müsstest dafür. Nein, nein, nein. Es ist so, dass du jetzt diese Antwort rausschneiden kannst und dann beide schicken kannst, um zu sagen, guck mal, wie rührend der Kiebelzverleger von euch spricht.
01:29:47
Speaker
Vielleicht treffe ich den Herrn Streidenhöferle auch auf der Leipziger Buchmesse demnächst. Dann spiele ich ihm das einfach mal vor. Mal gucken. Ja, fände ich mal. Dann machen wir einen kleinen Werbeblock gegenseitig. Empfiehlt uns doch mal etwas aus dem Splitter-Programm oder aus dem Tunfisch-Programm, wie auch immer, egal wann das jetzt erschienen ist. Ja, das ist eine gemeine Frage auch, aber ich glaube, ich würde einfach und das
01:30:21
Speaker
Okay, also ich weiß schon, es ist wieder so eine langweilige Antwort, aber ich würde allen
01:30:29
Speaker
Menschen empfehlen, die es noch nicht kennen, die Bücher von Peyot zu lesen. Also die Strümpfe und Benny Bernstark, weil ich ja tatsächlich von den klassischen Geschichten bis heute begeistert sind. Und das sind übrigens die Comics, mit denen mein Sohn lesen gelernt hat. Ich finde halt, dass
01:30:55
Speaker
dass hier eine Meisterschaft in der Erzählung steckt und auch eine Meisterschaft darin, was ich gerade meinte, nämlich durchaus relevante Themen in eine unterhaltsame Geschichte zu packen, die ich ähnlich wie Francais bis heute unerreicht finde und wo ich allen Menschen mit Kindern, aber auch allen alten Sammlern, die
01:31:22
Speaker
Die kauft nicht. Die zehnte Fantasy-Serie kauft Benny Bernstark und die Schlümpfe. Und von den neueren Büchern, die er macht, ist es für mich, ist mein Favorit ganz klar, gerade unter den Kieseln der Strand von Pascal Rabatet. Ach was. Ja, einfach weil ich
01:31:53
Speaker
Pascal Rabatet ist vielleicht so jemand, so ein bisschen ähnlich zu Marc Butavon, also jemand, der eben Zeichnungen macht, die einen nicht sofort anspringen und sagen, guck mal, wie unglaublich geil ich bin, sondern der halt, ja, der halt einfach eine meisterhafte Art darin hat, Situationen zu zeichnen und in Bildern zu erzählen, der halt einfach
01:32:19
Speaker
wenn du willst, auch ökonomisch daran geht. Aber durch seine Zeichnung finde ich einfach so viel Stimmung, so viel Gefühl, so viel Leben aufs Papier bringt, dass ich das sehr bewundernswert finde. Allein das Cover zu Unter den Kieseln der Strand würde, es gibt nicht viele Comic Sachen, die ich mir aufhängen würde, aber das ist so ein Cover, was ich mir auch in die Wohnung hängen würde, weil ich es so schön finde.
01:32:49
Speaker
Ja, ich weiß, was du meinst. Das ist einer von diesen Stilen, die so unfassbar unbeschwert wirken, aber trotzdem so perfekt sind irgendwie. Da passt alles und da sind keine Fehler drin und trotzdem sieht es so aus, als hätte er das mal eben so aufs Papier gebracht.
01:33:06
Speaker
Das ist sehr beeindruckend. Ja, finde ich auch.

Buchempfehlungen und Nerd-Wünsche

01:33:09
Speaker
Dann empfehle ich jetzt was aus dem Keybit-Programm. Ich bin gespannt. Ich bin gespannt. Ja, es ist jetzt keine, also ich finde ehrlich, Kiste muss ich zugeben, habe ich noch nicht gelesen.
01:33:23
Speaker
Ich habe jetzt auch tatsächlich leider keine kinder in meinem umfeld den ich noch nicht die noch alt genug wäre die schon alt genug wären dafür aber ich merke mir das schon mal vor was ich aber gelesen habe durch zufällig gesagt ist gorm grimm. Ja das ist sehr lustig. Einfach.
01:33:44
Speaker
Ich weiß nicht, ich habe mich allein bei dem Untertitel von Band 2 weggeworfen. Das war es, Lesen, Schreiben, Hämmern. Genau. Und dann dieses Cover, wo er mit seinem riesigen Hammer in die Schulbank quasi rein ritzt, in Anführungszeichen. Klasse. Das ist einfach so eine Art von Humor.
01:34:04
Speaker
Es ist natürlich eine fantastische Geschichte, aber das, was du vorhin auch meintest, die spielt einfach in einem Alltag und sie fühlt sich so natürlich an irgendwie. Es ist so eine unbeschwerte Art des Erzählens, finde ich, die trotzdem lustig ist und einen mitnimmt, aber die sich nicht so affektiert anfühlt, wie viele Fantasy-Science-Fiction-Comics das ehrlich gesagt tun. Und es ist irgendwie auch so eine
01:34:30
Speaker
irgendwie fast konventionell klingende Story, ein Neandert, ne, ist kein Neandert ein Steinzeitmensch. Wikinger. Ach, Entschuldigung, ja klar, natürlich ein Wikinger, der in unsere Welt geschleudert wird durch eine Zeitreise, Zauber und hier dann, naja, Abenteuer erlebt in Anführungszeichen und halt viel Chaos stiftet, dadurch, dass er in unserer Welt so
01:34:55
Speaker
nicht gut zurechtkommens, nicht erklimatisiert ist. Aber ich finde es trotzdem sehr, sehr unterhaltsam. Ja, also klar, das ist natürlich so eine klassische
01:35:06
Speaker
klassische Catweasel-Geschichte, obwohl das kennst du wahrscheinlich gar nicht mehr. Nee, ehrlich gesagt nicht. Tut mir leid. Ich kann die Serie, wo halt ein Zauber aus dem Mittelalter in unserer Welt landet. Das ist natürlich irgendwie, das ist nicht das Rad der Ideen neu erfunden, aber es ist halt einfach, freut mich, dass du das so sagst, weil ich sehe es genauso, dass es halt einfach ein
01:35:31
Speaker
extrem schön erzählter, lustiger Comic, in dem sich, finde ich, auch so schön die Rollen umdrehen, dass halt einfach der Junge, der diesen Wittgenheit an der Backe hat, plötzlich eigentlich die Vaterrolle hat und diesen Typen ständig bändigen muss, der fünf Köpfe größer ist als er und alles kaputt machen will. Genau. Das ist halt auch, finde ich, oder könnte ich mir vorstellen, ohne dass ich es jetzt aus erster Hand natürlich nachvollziehen kann, immer eine schöne Sache, wenn Kinder sich so in so einer ernsten
01:36:01
Speaker
Ich sag mal Erwachsenenrolle, du hast gerade das Wort Vater, den Kindern sich da dann wiederfinden, dass sie halt ernst genommen werden, dass sie halt auch Erwachsenen Dinge tun oder zumindest der Protagonist dieser Story halt Erwachsenen Dinge so ein bisschen tut und diese Verantwortung trägt und damit umgeht mit allem, was dazugehört.
01:36:20
Speaker
Ich glaube, das ist irgendwie ein wichtiges Story-Versatzstück, wenn man so möchte. Tja, wobei Julius, also der kindliche Protagonist, natürlich genauso ein Hirbel ist wie Gordon Ramsay, aber er versucht es zu regeln. Genau, darum geht es. Es geht ums Versuchen.
01:36:39
Speaker
Was ich aber eigentlich empfehlen wollte, das ist ja auch der Comic, den ich gelesen hatte, über den ich darauf gekommen bin, dass ich mit dir darüber sprechen möchte, ist auch Trip mit Tropf. Ich will da jetzt auch gar nicht so groß ins Detail gehen, worum es da geht. Also, es ist ein Roadmovie, ein Trip mit Tropf, mit einem Kaninchen und einem Wolf. Aber ich will gar nicht spoilern, ich sag nur, wie ich darauf gekommen bin.
01:37:05
Speaker
Und wir sind dann bei Strips and Stories rein und ich erinnerte mich nämlich, also erst mal ganz toller Name, Strips and Stories in St. Pauli, wahnsinnig schöner Comic-Laden, kann ich nur empfehlen, wenn ihr mal da seid. Ich auch. Da denke ich mir. Und ich erinnerte mich dann nämlich an das Medienecho zu Trip mit Topf, dass das irgendwie so gut angekommen war und guckte dann da rein und dachte, ach, das ist aber ein sehr gefälliger und gekonter Zeichenstil, das nehmen wir mal mit. Und dann haben wir es auf der Bahnfahrt zurück,
01:37:34
Speaker
hier nach Bielefeld gelesen, gleichzeitig. Also wir haben zusammen gelesen im ICE sitzend, wir haben uns weggeworfen vor Lachen und wir haben an mehreren Stellen dieses klassische Oh nein, oh, das arme Kaninchen und die
01:37:51
Speaker
wie berührend einige Szenen dann auch wieder sind. Und dann gibt es wieder so wahnsinnig lustige Referenzen auf irgendwelche Filme. Und es ist einfach so kunstvoll gemacht und so vielseitig auch, dass man auf diese emotionale Reise mitkommt. Und das hat sich mir wirklich eingeprägt. Dieses Lieseerlebnis hatte ich wirklich lange nicht mehr. Dass ein Comic oder ein Buch das alles in mir ausgelöst hat und das in einem Zeitraum von
01:38:22
Speaker
halbe Stunde, dreiviertel Stunde. Wirklich toll. Also wirklich, wirklich große Kunst kann ich wirklich jedem nur empfehlen und jeder. Ja toll, vielen Dank. Ja, vielen Dank euch. Also ich weiß, es ist
01:38:38
Speaker
Umso beeindruckender, dass es ein Debütcomic ist. Ja, das auch auf jeden Fall. Aber ich freue mich wirklich sehr darauf, was dann als nächstes von Josefine Marx kommen wird. So, und dann eine letzte Empfehlung noch. Irgendetwas, was kein Comic ist, was dich in letzter Zeit begeistert hat. Hm.
01:39:09
Speaker
Ich habe immer das Gefühl, dass meine Lektüre so ein paar Jahre zurückhinkt. Das macht ja nix. Ich habe gerade fertig gelesen und habe mich sehr beeindruckt.
01:39:25
Speaker
Das Buch Outlaw Ocean, ich weiß nicht, ob du davon schon mal gesagt hast. Nee, ehrlich gesagt nicht. Das ist ein Buch, das muss ich gerade mal selber gucken.
01:39:37
Speaker
Der Autor heißt Ian Orbina und ist Reporter der New York Times damals gewesen und hat auch einen Pulitzerpreis gekriegt und der hat halt per Zufall auf das Buch gestoßen und fand es aber dann extrem
01:39:57
Speaker
spannend und ja, einfach auch, keine Ahnung, bewusstseinserweiternd, weil ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht habe. Der hat eben, ich glaube, 15 Reportagen gemacht über, naja, im Grunde den gesetzlosen Raum
01:40:17
Speaker
See, ja, also im Grunde halt internationale Gewässer. Und das geht eben von, na klar, das geht im Prinzip von Piraten in Somalia, wo man dann vielleicht sofort denkt über illegalen Walfang, über illegale Fischerei. Es sind eben sehr, sehr spannende, sehr
01:40:41
Speaker
ja, tiefgehende Reportagen fand ich, die er da gemacht hat, immer vor Ort. Und ich glaube, das ist jetzt so eins von den Büchern, die ich gelesen habe, wo ich danach gemerkt habe, okay, das ist
01:40:54
Speaker
wird dazu führen, dass ich mein eigenes Leben ändere, weil diese Reportagen darüber, unter welchen Bedingungen halt im Prinzip der Thunfisch gefischt wird, der in unseren Supermarktregalen steht, da denkt man dann oder denke ich halt immer, okay, Beifangen, alles nicht gut, blöd für die Natur, aber dann auch zu hören, dass halt, keine Ahnung, dann in asiatischen Räumen hier mit
01:41:21
Speaker
modernen Sklaven gearbeitet wird, die Monate auf See sind und unter welchen Bedingungen diese Menschen arbeiten müssen. Das ist, fand ich, sehr aufrüttelnd dieses Buch. Und das, warum ich es aber auch empfehle, ist, dass ich eben das Gefühl habe, der Mann versteht sein Handwerk und es ist halt einfach auch
01:41:43
Speaker
Spannend zu lesen. Er hat eben auch eine Art, diese Fakten, die er recherchiert oder wiedergibt, in Texte zu fassen, die mich zumindest mitgerissen haben durch dieses relativ dicke Buch. Kann ich empfehlen. The Outlaw Ocean von Ayn Urbina. Genau. Spannend. Da habe ich noch nie von gehört, aber das klingt gut. Solche Reportage,
01:42:09
Speaker
Solche reportageartigen journalistischen Bücher mag ich eigentlich auch ganz gerne, auch wenn ich davon viel zu wenig lese. Ja, mache ich auch. Das ist immer eher so ein Zufall, dass ich an Dinge gerate. Aber dann merke ich halt, okay, eigentlich lebe ich auch in meiner Geschichtenwelt und müsste halt diesen solchen Büchern einfach auch mehr Aufmerksamkeit schenken, weil es halt einfach
01:42:41
Speaker
Umso schöner, dass du es jetzt empfohlen hast. Danke schön. Und die allerletzte Frage, und dann kannst du deinen Vormittag endlich weiterbegehen. Wenn du einen nerdigen Wunsch frei hättest, Michael, was würdest du dir wünschen? Ganz egal wie groß, wie klein, wie realistisch, wie unrealistisch. Ob nur was für dich persönlich oder für die ganze Welt. Irgendeinen Wunsch, den du hättest. Oh Gott, jetzt geht das wieder. Was ist denn nerdig?
01:43:11
Speaker
Also ich hatte schon den Wunsch hier an der Stelle, dass einfach Comics sich in Deutschland besser verkaufen sollen. Ich hatte auch schon den Wunsch, dass der nächste Comic des Künstlers, mit dem ich da gesprochen hatte, sich gut verkaufen soll. Ich hatte auch schon den Wunsch, dieses Beispiel bringe ich immer wieder, ihr müsst euch das jetzt nochmal anhören, als der allererste Folge, als Sandra einen Anbau für ihr Haus gewünscht hat, in den sie Flipper reinstellen kann.
01:43:36
Speaker
Also alles, alles, alles, was du möchtest. Weltfrieden fände ich jetzt ein bisschen uninspiriert, ehrlich gesagt, auch wenn es natürlich ein Wunsch ist, der den wahrscheinlich hoffentlich hier alle unterschreiben würden.
01:43:49
Speaker
Aber das meine ich halt mit nerdisch. Es darf schon ein bisschen was thematischeres sein. Es muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn du nicht sagst sofort Frieden auf der Welt und niemand muss mehr Hunger leiden.

Herausforderungen der Comic-Künstler in Deutschland

01:44:01
Speaker
Okay, also pass auf. Mein nerdiger Wunsch ist, ich bin kein Mensch, der irgendwie Comic-Originale
01:44:13
Speaker
hat oder sammelt oder es wichtig findet. Aber eine schöne Tank Girl Seite von Jamie Hewlett würde ich mir wünschen. Das wäre jetzt so, das würde ich unter nerdig verstehen. Das ist halt so.
01:44:31
Speaker
Ja, das würde mir gefallen. Das wäre ein persönliches Besitztum, wo ich viel Freude dran hätte. Aber der globalere Wunsch ist dann ist halt der, dass ich mir sehr, sehr, sehr, sehr wünschen würde und auch hoffe, dass dieser Wunsch nicht
01:44:53
Speaker
nicht unrealistisch bleibt, ist halt einfach ein Finanzierungsmodell für deutsche Comics. Ich arbeite viele mit Zeichnerinnen und Zeichnern an Projekten, das wirst du von eurer Arbeit auch kennen, die halt Jahre an Zeit beanspruchen und wo, aber
01:45:16
Speaker
wenig Geld bei rumkommt und wo dann zu der eigentlichen Arbeit am Comic im Prinzip auch ständig die Arbeit da ist, sich auf die wenigen wenigen Fördermöglichkeiten zu bewerben, die aber auch meines Erachtens immer noch so ausgerichtet sind, dass
01:45:38
Speaker
dass nicht jeder, also dass ihr das Gefühl habt, thematisch kann nicht jeder Comic irgendwie auf so eine Unterstützung hoffen. Ich glaube, das Gefühl ist korrekt. Also es gibt da halt einfach gewisse Dinge, die halt bei den Fördertöpfen triggern. Und davon unabhängig habe ich eben das Gefühl, es ist was, was mich in meiner täglichen Arbeit begleitet und was mich
01:46:02
Speaker
Bei all dem Glück und bei all der Freude, jetzt seit Jahrzehnten meinen Lebensunterhalt mit Comics irgendwie zu bestreiten, ist es eine der Aufgaben, die mich nach wie vor, oder eine der Sachen, die mich nach wie vor frustriert, dass, ja, dass selbst Menschen, wo du denkst, ey, das muss doch möglich sein, halt so hart am Existenzminimum arbeiten oder so viel,
01:46:30
Speaker
frustrierende Energie reinstecken können oder müssen in die Finanzierung dieser eigenen Arbeit. Ich hab da auch keine Lösungsmodelle und bin auch eigentlich gar nicht so interessiert daran zu sagen, wir brauchen eine Comic-Förderung in Deutschland, die mit der Filmförderung vergleichbar ist oder so, aber irgendeine Art von
01:46:53
Speaker
Und sei es halt irgendwie nur ein Stipendium oder ein Zeichenbar für, wie auch immer, eine Möglichkeit zeichnen und zeichnen, die konzentrierte Arbeit an einem Buch zu ermöglichen, ohne dass sie ständig finanzielle Nöte haben, wenn sie schon Comic machen. Das ist ja das. Es ist ja toll, wenn Leute beschließen, wir machen einen Comic, die wenigsten tun's.
01:47:23
Speaker
Genau, das wäre jetzt so ein nerdiger heile Weltwunsch zu sagen, man muss da halt irgendwie Abhilfe schaffen und die Produktion eines Comics in Deutschland halt so realistisch oder attraktiv machen, dass Leute da auch bei der Stange bleiben und nicht nur die Menschen, die
01:47:44
Speaker
so doof sind, dass sie sich völlig dem Comic verschreiben halt. Ja, ich weiß, ich weiß genau, was du meinst. Und es stimmt halt auch. Man kann es auch nicht oft genug sagen, in Anführungszeichen. Insofern finde ich das einen sehr treffenden nerdigen Wunsch. Okay. Auch wenn ich dir dann Tank Girl Original auch gönnen würde. Auf jeden Fall. Ja, ich, es wird, glaube ich, ein unerfüllter Wunsch bleiben. Irgendwann kam ja
01:48:11
Speaker
Neulich mal habe ich dann sogar mal auf ein Aktionshaus geguckt, als ich gemerkt habe, Herr Tempel war es, glaube ich, der seine Tempel Seiten verkauft hat. Aber das war er dann doch.
01:48:25
Speaker
Preise für Menschen, die im Comic-Bereich arbeiten, nicht zu stemmen sind. Eigentlich ironisch, aber so ist das in der Kunst halt. Michael, vielen lieben Dank für diese ganzen Einsichten, für die schönen Tipps und für deine Zeit auch vor allem. Ich freue mich, dass du da warst. Ich freue mich, dass Josephine Marx einen Comic macht. Sehr gerne. Ich freue mich auch so.
01:48:51
Speaker
Und ja, wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, euch das Kibitz-Programm und die Kibitz-Bücher und alles drumherum anschauen wollt, die Links findet ihr selbstverständlich in den Show Notes. Das Herbstprogramm wird sicherlich auch dann demnächst mal veröffentlicht werden. Behaupte ich jetzt einfach mal. Anfang Mai. Anfang Mai, so. Da seid ihr wahrscheinlich früher dran als wir, immerhin.
01:49:15
Speaker
Und ansonsten, wie immer, Fragen, Kritik, Kommentare, Anregungen einfach an die info at splitter-verlag.de schicken oder auf den sozialen Medien. Und damit entlasse ich euch und dich, Michael, noch in den Rest des Tages. Schön, dass du da warst. Vielen Dank und macht's gut miteinander. Ja, genau. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Und vielen Dank an all die Menschen, die es bis zu diesem Punkt hier durchgehört haben.
01:49:43
Speaker
Sehr schön. Ciao. Ciao.