Zencastr
00:00:00
00:00:01
Speed1x
Format
Share
Embed
Report

Wenn Achtsamkeit zur Leistung wird – warum treibt uns der Wunsch nach Ruhe oft weiter an? Zu Gast: Fritjof Nelting

🎧 Folge 9: Wenn Achtsamkeit zur Leistung wird – warum treibt uns der Wunsch nach Ruhe oft weiter an? Zu Gast: Fritjof Nelting Achtsamkeit ist heutzutage gefühlt überall – doch warum fällt es vielen Menschen trotzdem so schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen? In dieser Folge sprechen Dr. Dennis und Pelle mit Fritjof Nelting darüber, warum viele gut gemeinte Versuche, „achtsam zu sein“, ins Gegenteil kippen können. Was passiert also, wenn Achtsamkeit selbst zur Leistung wird und uns dadurch eher weiter von innerer Ruhe entfernt? Und könnte genau der Moment, in dem wir weniger wollen, der Beginn von echter Veränderung sein? 🔗 Links zur Folge: * Buch “Die Strategie der Absichtslosigkeit” von Fritjof Nelting: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1073260049 💌 Schreib uns deine Gedanken zur Folge und Themenwünsche als Mail an: podcast@gezeitenhaus.de 📲 Folge uns auf Instagram: @gezeitenhaus [https://www.instagram.com/gezeitenhaus/] und Facebook [https://www.facebook.com/GezeitenhausKlinik/] 👉 Abonniere unseren Podcast, um keine Folge zu verpassen!

Transcript

Speaker: In dem Moment, wo etwas geschafft werden muss, wo in der Meditation der blöde Stress abgebaut werden muss, eigentlich genau das Gegenteil passiert.

Speaker: Dann wird diese sogenannte Achtsamkeit dazu benutzt, das, was sie nicht wollen, wegzutreiben.

Speaker: Und die Chinesen sagen, wenn du im Hier und Jetzt bei deinem Herzen bist, bist du achtsam.

Speaker: Und das ist so unkompliziert.

Speaker: Das ist nicht verbunden mit ganz vielen Sachen.

Speaker: Herzlich willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Guten Morgen, guten Mittag und oder guten Abend, ihr Lieben.

Speaker: Wir sind in Folge 9 des Alles nur Psyche Podcasts heute mit Dennis Schmitz und wir haben einen Gast,

Speaker: Und zwar Friedhoff Nelting, der Sohn der Gründer des Gezeitenhauses und mittlerweile, vielleicht sagst du es mit einem Wort, was ist deine Funktion, wie würde man dich nennen?

Speaker: Mittlerweile bin ich Gesellschafter.

Speaker: Ich war lange Geschäftsführer und bin mittlerweile sozusagen vom Im-System-Arbeiten zum Am-System-Arbeiten übergegangen.

Speaker: Gesellschafter des Gezeitenhauses, herzlich willkommen.

Speaker: Herzlich willkommen, lieber Friedhoff.

Speaker: Schön, dass du dir Zeit genommen hast.

Speaker: Anlass war, dass wir auf dich gekommen sind, dass du ein wichtiges, wertvolles Buch geschrieben hast.

Speaker: Und mich würde schon so ein bisschen interessieren, wie vielleicht so der Weg für dich da zu diesem Buch war.

Speaker: Also was war so deine Inspiration, deine Motivation?

Speaker: Und vielleicht kannst du auf dem Weg so ein bisschen auch erzählen, welche Einflüsse da so zum Tragen gekommen sind.

Speaker: Sehr, sehr gerne.

Speaker: Also für uns als Familie, wir haben das erste Gezeitenhaus 2004 eröffnet, damals meine Eltern noch und davor auch schon eine andere Klinik betrieben.

Speaker: Also wir sind irgendwie sehr, sehr lange immer damit beschäftigt gewesen, andere Menschen in Lebenskrisen zu begleiten.

Speaker: Und ich bin

Speaker: Als jemand, der ursprünglich mehr aus dem Betriebswirtschaftlichen kam und später dann auch sehr viel mehr in die Therapie, gerade auch in die TCM, in die Körpertherapie reingegangen ist, habe ich viele Erlebnisse gehabt.

Speaker: Vor allem, und das war der prägende Auslöser für mich, warum ich das Buch Die Strategie der Absichtslosigkeit geschrieben habe, alle Menschen reden von Achtsamkeit.

Speaker: An jeder Ecke ist ein Buddha im Fenster drin und es gibt die achtsame App, es gibt alles irgendwie das achtsame Getränk und alles ist ganzheitlich.

Speaker: Und ich fand das irgendwie schon so abgedroschen und hatte immer so das Erleben, dass ich gesagt habe, Moment, wie ist es eigentlich bei unseren Patienten?

Speaker: Also wenn die Achtsamkeit so gut da draußen wirkt,

Speaker: dann würde das ja bedeuten, dass unsere Patienten das entweder falsch gemacht haben oder das irgendwie nicht geschafft haben.

Speaker: Und was wäre denn der Grund?

Speaker: Und das ist natürlich nicht so gewesen, sondern das ist eher so die Art und Weise, wie Achtsamkeit versucht wird zu erreichen oder wie es genutzt wird.

Speaker: Ich benutze immer das gerne das Wort Verzweckung.

Speaker: Also es ist sowas wie, ob das jetzt eine Meditation ist, ob das eine Runde Yoga oder Laufen oder was auch immer ist.

Speaker: Ich habe irgendwie große Übereinstimmungen immer wieder gesehen, dass die Leute erst definieren, was sie nicht wollen.

Speaker: Und dann wird diese sogenannte Achtsamkeit dazu benutzt, das, was sie nicht wollen, wegzutreiben.

Speaker: Und das ist so schade.

Speaker: Ich habe klinische Psychoneuroimmunologie noch gelernt, habe da einen Master drin gemacht.

Speaker: Und da habe ich ganz viel die Biochemie des Körpers tiefergehender kennengelernt.

Speaker: Und ich habe einfach gemerkt, dass in dem Moment, wo etwas geschafft werden muss, also wo in der Meditation der blöde Stress abgebaut werden muss, eigentlich genau das Gegenteil passiert.

Speaker: Und das natürlich auch bei vielen unserer Patientinnen und Patienten,

Speaker: genau der Werdegang war.

Speaker: Also die sind überhaupt nicht blöd oder ignorant oder so gewesen, sondern die haben ganz, ganz viel versucht.

Speaker: Aber das ist sicherlich in eurem Erleben ja auch oft so gewesen, dass die sogar noch mehr Termine dadurch in ihrem Kalender hatten und eigentlich noch schneller ermüdet sind.

Speaker: Und ob das dann in einen Burnout gegangen ist oder in eine Depression oder in eine Angsterkrankung, was auch immer der individuelle Weg dann war, das fand ich einfach so schade, dass es so ist.

Speaker: Weil Achtsamkeit, wenn man es mal wirklich im

Speaker: ursprünglichen Sinne sieht.

Speaker: Ich sehe das immer so wie das chinesische Zeichen von Achtsamkeit.

Speaker: Das besteht aus zwei Zeichen.

Speaker: Das obere Teil davon ist heute oder hier oder jetzt.

Speaker: Und der untere Teil ist das Herz.

Speaker: Und die Chinesen sagen, wenn du im Hier und Jetzt bei deinem Herzen bist, bist du achtsam.

Speaker: Und es ist so unkompliziert.

Speaker: Es ist nicht verbunden mit ganz vielen Sachen.

Speaker: Und dann kann es was Schönes werden.

Speaker: Und dazu wollte ich schreiben.

Speaker: Fertig, oder?

Speaker: Du hast eigentlich alles gesagt.

Speaker: Einfach sei mit deinem Herz im Hier und Jetzt.

Speaker: Das ist so ein wundervoller Gedanke.

Speaker: Man antwortet im Prinzip schon eigentlich die erste Frage, die du stellen wolltest, oder?

Speaker: Also deine Definition von Achtsamkeit, wenn du das nochmal so auf den Punkt bringen würdest, wäre?

Speaker: Also die Entzweckung.

Speaker: Und zwar nicht, das wird häufig falsch verstanden, im Sinne von, dass irgendwas egal sei oder dass wir keine Richtung brauchen.

Speaker: Aber im Hier und Jetzt...

Speaker: habe ich nichts zu erreichen und kann damit den Moment einfach genießen.

Speaker: Und wenn dann mein Weg da rein nicht mit einem Ich-muss-beginnt, sondern mit einem Ich-möchte-oder-ich-will, weil ich das schön finde und vielleicht sogar, wenn es irgendwann eine Gewohnheit ist, einfach nur mit einem Ich-bin, also einfach nur einer, das gehört zu mir, das ist ein Teil dessen, wie ich leben möchte, dann ist das für mich unglaublich achtsam.

Speaker: Und alles, was Verzweckung bedeutet, gehört für mich da einfach rausgeschmissen.

Speaker: Das trifft einen Punkt, den wir ein, zwei Podcaste vorher besprochen haben, wo es darum ging, was sind so die Antreiber oder wie kann ich bei einer Sache bleiben?

Speaker: Und dann haben wir darüber gesprochen, dass wir uns motivieren können, dass wir uns disziplinieren können.

Speaker: Aber wenn die Identifikation fehlt, als wichtigsten Unterbau, wenn ich sage, bin ich das überhaupt, will ich das überhaupt sein?

Speaker: Ist mein Herz da eigentlich gerade dran?

Speaker: Wenn das nicht gegeben ist, dann hilft die beste Motivation nicht lang und die beste Disziplin ermüdet.

Speaker: Und da gebe ich dir völlig recht, muss mich mit einer Sache identifizieren, sonst kann ich es gleich sein lassen.

Speaker: Und ich würde sogar noch weiter gehen, dass wenn ich energieleer im Körper bin, ist die Frage, komme ich eigentlich zu dieser Identifikation ehrlich oder nicht?

Speaker: Da kommt mir immer die Luise Reddemann als Traumaforscherin in den Kopf.

Speaker: Die hat damals, als wir diesen Standort hier vor jetzt zehn Jahren eröffnet haben, bei der Eröffnungsrede, hat sie gesagt, nur wer Kraft hat, kann trauern.

Speaker: Und den finde ich so unglaublich wertvoll und mächtig, diesen Satz.

Speaker: Und ich habe das für mich ein bisschen...

Speaker: sogar übersetzt im Sinne von nicht nur Trauer als solches, sondern auch nur wer Kraft hat, kann verändern oder kann diese Identifikation überhaupt erlangen.

Speaker: Denn wenn es irgendetwas gibt, wovor du dich schützt, weil du da nicht genug Kraft für hast, dann kann das gar nicht Teil deiner Motivation oder deiner Identität werden, sondern dann dreht es sich erstmal darum, dass du genug Kraft brauchst, was ja oft in den Therapien dann hier auch entsprechend stattfindet, damit man sich sowas mal liebevoll anschauen kann.

Speaker: Wie ist das denn, wenn wir bei der Kraft bleiben und bei der Energie?

Speaker: Hast du gesagt, wenn die Energie fehlt, fehlt die denn?

Speaker: Kann man sagen, Energie fehlt oder ist die blockiert?

Speaker: Wie kann ich die auffüllen aus deiner Sicht?

Speaker: Also ich würde sagen, das sind zwei Ebenen.

Speaker: Das ist ein bisschen wie in der chinesischen Medizin, wo man irgendwie sagt,

Speaker: ist es entweder zu viel vom einen oder zu wenig vom anderen.

Speaker: Es gibt immer mehrere Ebenen, die gleichzeitig angetriggert werden.

Speaker: Und ich würde sagen, auf der einen Seite haben wir dadurch, dass unser Körper evolutionär eigentlich nur zwischen gefährlich und nicht gefährlich unterscheidet und wir viel zu häufig in der modernen Welt zu der körperlichen Entscheidung gelangen, es ist gefährlich und damit gehen wir einen ganz anderen Metabolismus über, der tatsächlich deutlich weniger Energie

Speaker: produziert, die aber sehr sehr schnell, also wenn wir wirklich mal vor so einem evolutionären Säbelzanddiger weglaufen müssten, ist das ein super gutes Programm, sensationell, aber für die Thematiken der heutigen Welt häufig nicht mehr geeignet.

Speaker: Und da fehlt tatsächlich Energie und dann

Speaker: nutzen wir sie aber auch die vorhandene Energie oft nicht gut.

Speaker: Also sowohl was das Zuführen der Energie, über wie ernähren wir uns eigentlich, geht, aber auch im Sinne von, wenn beispielsweise mein Immunsystem die ganze Zeit aktiv ist oder wenn ich mir ein Mikrobiom angegessen habe, was die ganze Energie fröhlich wegfrisst, dann

Speaker: dann bin ich auf jeden Fall nicht in der Lage, um langfristig irgendwie Entscheidungen zu treffen.

Speaker: Und das ist so für mich immer, deshalb habe ich mein Buch nicht nur Absichtslosigkeit genannt, sondern Strategie der Absichtslosigkeit.

Speaker: Also am Anfang ist für mich immer schon die Frage, wo möchte ich eigentlich hin?

Speaker: Und genau dieses Verstehen und auch das Würdigen, dass es vorher vielleicht noch nicht ging, aber dieses Ich möchte irgendwann mal woanders hin,

Speaker: Das halte ich für so wertvoll, weil wir dann, glaube ich, in einen ganz anderen Energiemodus in unserem Körper übergehen und es uns viel einfacher fällt, dann auch Disziplin zu haben oder Motivation aufrechtzuerhalten, als wenn wir irgendwie etwas tun sollen, was wir nicht verstehen, vielleicht noch blöd finden und dann einfach viel schneller ermüden.

Speaker: Ich fand das sehr anschaulich, wie du das in deinem Buch ganz am Anfang in den ersten Kapiteln beschrieben hast.

Speaker: Was war früher wirklich der Säbelzahntiger versus was sind denn jetzt eigentlich so die Stressoren der heutigen Welt?

Speaker: Vielleicht könntest du da nochmal ein paar Worte dazu sagen, weil ich fand die Definition eigentlich ganz gut.

Speaker: Und vor allen Dingen, da gab es ja auch eine große Unterscheidung, enden diese Stressoren eigentlich oder enden die nicht?

Speaker: Vielleicht könntest du das nochmal sagen, weil ich glaube, das ist wichtig nochmal vielleicht für die ZuhörerInnen, den Unterschied von, ist der Säbelzahntiger irgendwann weg, dann kann ich wieder in meine Höhle gehen zu meinem Stamm und erstmal weiterleben und mich wieder beruhigen oder ist der Säbelzahntiger eigentlich permanent um uns herum?

Speaker: Ja, ich finde das eine ganz zentrale und relevante Weichenstellung, ganz am Anfang schon, dass man überhaupt guckt, wo laufe ich eigentlich hin.

Speaker: Denn wenn ich mir die evolutionären Stressoren anschaue, also da reden wir über Hunger, Durst, Kälte, Hitze, zu wenig Sauerstoff, aber auch Viren, Bakterien, Pilze und so weiter und so fort oder eben auch den Semmelzahntiger, den man dann noch hat.

Speaker: Im Gegensatz zu den Stressoren heutzutage, ich mache das immer, wenn ich auf der Bühne stehe, dann frage ich gerne mal in die Runde, weil man merkt, die sind so vielfältig und unterschiedlich.

Speaker: Für den einen sind das WhatsApp-Nachrichten, für den nächsten ist das die Komplexität der Welt, für den nächsten ist das zu wenig Zeit und es geht immer weiter.

Speaker: Für den nächsten ist der Ehepartner oder die Eltern, die zu pflegen sind oder der Job, was auch immer.

Speaker: Es geht eine Riesenfülle an Themen.

Speaker: Aber wie du Dennis das gerade schon gesagt hast, die ursprünglichen evolutionären Stressoren, die waren immer zeitlich begrenzt.

Speaker: Wenn sie das nicht waren, dann ist man gestorben.

Speaker: Ganz einfach.

Speaker: Also brutal, aber eben evolutionär einfach.

Speaker: Und in dem Moment, da bemühe ich mich ganz gerne der Biochemie, weil ich finde, sie ist so anschaulich.

Speaker: sage ich, der Körper geht dann in etwas über, das nennt sich Glykolyse.

Speaker: Also er fängt an, wie im ersten Gang im Auto, sehr schnell Energie zu produzieren, damit man auch vor diesem gefährlichen Stressor wegrennen kann oder kämpfen kann.

Speaker: Und ich finde das immer wirklich bildlich spannend,

Speaker: Der Körper macht dann aus so einem Glucosemolekül zwei ATP, also Adenosintrifosphat, so die Währung im Körper, die kann man dann für Bewegung oder fürs Denken oder was auch immer ausgeben quasi.

Speaker: Und das ist toll, dass wir so einen ersten Gang haben, aber wenn wir dann merken, ich habe es geschafft, mich vor dem Säbelzahntiger in Sicherheit zu bringen, dann fängt der Körper an und sagt, okay, jetzt habe ich mehr Zeit, dann nimmt er das...

Speaker: Gleiche Glucosemolekül bringt das aber in die Mitochondrien rein, in unsere Kraftwerke, nimmt sich Sauerstoff mit dazu, Hashtag Atmung ist man schon dabei.

Speaker: Und dann macht er ein bisschen langsamer, aber auch nicht sehr viel langsamer aus dem gleichen Glucosemolekül 36 ATP.

Speaker: Also wir haben tatsächlich 18 Mal mehr Energie, die verstoffwechselt wird, als wenn wir im ersten Gang fahren.

Speaker: Also im Auto wieder vierte oder fünfte Gang, da brauche ich weniger Energie und bin trotzdem viel schneller unterwegs.

Speaker: Da passt es immer so schlecht, wenn man sagt, schalt mal einen Gang runter.

Speaker: Genau, eigentlich müsste man in dem Sinne sagen, schalt mal einen Gang hoch.

Speaker: Im Sinne von, dann wirst du effizienter in der Energienutzung.

Speaker: Aber da kommt uns dann in der Regel unsere doch sehr stark verkopfte Welt in den Weg, die

Speaker: immer wieder vielleicht versucht zu erklären, dass da gerade keine Gefahr ist.

Speaker: Aber je emotionaler wir werden, dahinter, dann kommt so aus der Amygdala, kommt immer irgendwie bei allem, wo wir gesagt haben, nein, das ist schon okay, das wird gehen.

Speaker: Und dann kommt ein, und was, wenn nicht?

Speaker: Und dann versucht man sich das wieder schön zu reden und dann kommt wieder ein, und was, wenn nicht?

Speaker: Und so komme ich dann in Gedankenkreisel rein und befeuere ständig diese Stressachse und anstatt runterzukommen, fahre ich immer weiter hoch.

Speaker: Und wenn ich dann

Speaker: meditiere oder wenn ich dann Yoga mache oder wenn ich dann Qigong mache, dann erreiche ich eigentlich das Gegenteil.

Speaker: Und das habt ihr sicherlich auch schon oft erlebt, dass Menschen dann kommen, die sagen, ach dieser Quatsch, das ist nichts für mich, habe ich versucht, ich komme da überhaupt nicht zur Ruhe, ganz im Gegenteil, ich werde da total kirre.

Speaker: Und sagen, ja klar, wenn man den ganzen Körper voller Energie pumpt, um irgendwie ganz schnell wegzukommen, dann kann ich natürlich nicht einfach still sitzen und das vielleicht auch noch genießen.

Speaker: In der Stressbearbeitung ist das auch der dritte Punkt erst.

Speaker: Das wäre das regenerative Coping, dass man versucht über Qigong, Schlaf usw.

Speaker: den schon eingedrungenen Stress wieder irgendwie zu reduzieren.

Speaker: Dafür muss ich aber erst finden, was ist mein Hahn, der mein vollgelaufenes Fass wieder leerer macht.

Speaker: Das muss ich erst mal finden.

Speaker: Dann probiere ich ganz viel aus und merke, das macht es nur voller,

Speaker: Und es gibt eben Möglichkeiten, den Stress gar nicht erst so eindringen zu lassen und gar nicht erst so stark entstehen zu lassen.

Speaker: Das ist ja sicherlich der Weg, den du da auch mit einschlägst.

Speaker: Ich habe mich mit dem Wort, anderes Thema, Absicht ein bisschen nochmal beschäftigt und das noch ein bisschen nachgelesen und das Wort Absicht kommt im Deutschen aus der Donnerbüchse.

Speaker: aus dem Gewehr.

Speaker: Die Absicht kommt von Absehen, dass ich ein Ziel schon absehen kann und zwar den Ausgang des Zieles, aber die Absicht oder das Absehen war, Kimme und Korn, war tatsächlich, um Ziel zu nehmen und den Ausgang dann am Ende natürlich entscheiden zu können.

Speaker: Das waren wir noch überhaupt nicht bewusst.

Speaker: Ja, ich habe mal etymologisch geguckt und da fand ich doch auch spannend, wie viel Ziele und Zielrichtung und Absicht brauchen wir, wenn wir uns als

Speaker: politische Wesen sehen, die einem im Prinzip mit der Geburt auf die Welt kommen und eine Rolle spielen.

Speaker: Also du kommst ja auf die Welt und wie gesagt nach Hannah Arendt ist man automatisch politisch, man ist automatisch Teil dieser Welt und kann sich der auch nicht entziehen.

Speaker: Ich kann nicht sagen, ich habe keine Absichten in dieser Welt.

Speaker: könnte ja sonst auch sein, dass man sagt, man wäre verantwortungslos.

Speaker: Ich habe mit der Sache nichts zu tun, ich wollte ja gar nichts.

Speaker: Wie stehst du dazu mit diesem Nicht-Wollen?

Speaker: Also ich muss ja was wollen.

Speaker: Mein Herz, du hast ja vom Herz gesprochen.

Speaker: Ich bin mit meinem Titel sehr, sehr zufrieden, weil er eben so schön ein Dilemma aufzeigt.

Speaker: Also Strategie und Absichtslosigkeit.

Speaker: Also im Sinne von, das passt ja gar nicht.

Speaker: Und ich finde es toll, wenn Menschen darüber reden, im Sinne von, das passt doch gar nicht.

Speaker: Oder du kannst doch nicht nichts wollen.

Speaker: Oder...

Speaker: Es gibt doch immer irgendwie eine Intention.

Speaker: Das heißt, mein erstes Ziel habe ich schon erreicht, dass überhaupt darüber gesprochen wird.

Speaker: Das ist das eine.

Speaker: Und das zweite, und da geht das jetzt sozusagen meine Antwort hin, ist der wichtige Unterschied zwischen der immanenten Gegenwart im Hier und Jetzt,

Speaker: und dem definieren, warum ich überhaupt in diese Gegenwart gehe, wohin ich damit gehen möchte.

Speaker: Und das sind für mich zwei wirklich unterschiedliche Dinge.

Speaker: Das eine ist, ich sage immer gerne, ein Flugzeug fliegt mit Sog und nicht mit Druck.

Speaker: Dieses Bild finde ich unheimlich schön.

Speaker: Wenn ich mich immer nur weiter pushe in eine Richtung, weil ich das muss oder weil es gesellschaftlich konform ist oder weil andere Menschen das wollen oder ich glaube, andere Menschen wollen das.

Speaker: dann erzeuge ich eben immer mehr Druck und dann kann Achtsamkeit so nicht funktionieren.

Speaker: Für mich Absichtslosigkeit bedeutet tatsächlich nur, in diesem Moment zu verstehen, dass es keinen Sinn ergibt, dieses direkte Handeln in diesem Moment an einen Effekt zu koppeln.

Speaker: Das ist das sozusagen eigentlich.

Speaker: Und man würde auch sagen, jetzt bin ich mal vielleicht nicht bei der Donnerbüchse, sondern beim Bogenschießen, was so ähnlich ist, wo ich ja auch Ziel nehme.

Speaker: Aber wenn ich zum Beispiel Sendbogenschießen mache, dann heißt es auch in dem Moment, wo ich drin bin,

Speaker: verliert alles andere an Wichtigkeit.

Speaker: Es ist sozusagen nur ich und dieser Moment.

Speaker: Und das Ziel, dass ich der beste Schütze sein möchte oder dass ich mein Ziel treffen möchte, das gilt dann eben nicht mehr in diesem einen Moment.

Speaker: Und trotzdem ist es eingebettet in das größere Ziel.

Speaker: Natürlich, ich nehme die Donnerbüchse, ich nehme den Pfeil und Bogen oder ich nehme mein...

Speaker: Werkzeug für die alltägliche Arbeit in die Hand, um etwas zu erreichen.

Speaker: Aber da sehe ich genau den großen Unterschied bzw.

Speaker: ich würde es als das große Missverständnis unserer Zeit, so erlebe ich das erleben.

Speaker: Denn was wir machen, das ist, ich benutze da immer so ein bisschen Schachtelsatz, aber ich kann ihn nicht viel anders formulieren.

Speaker: Ich sage,

Speaker: Wir versuchen uns von etwas zu überzeugen, was ohnehin stimmt, denn dass keine Gefahr vorliegt.

Speaker: Also der Körper muss uns glauben, dass wir keine immanente Gefahr sozusagen um uns herum haben.

Speaker: Und wenn mein Konto in drei Monaten leer sein könnte oder wenn ich nicht weiß, ob mein Chef mich am Ende des Jahres noch möchte oder nicht oder was auch immer meine Stressoren irgendwie sind,

Speaker: dann arbeite ich kontraproduktiv, wenn ich die ganze Zeit mein evolutionäres Stresssystem anschmeiße.

Speaker: Und das ist vor allem, wenn ich da mal einen Gedanken noch weitergehen darf, das hat für mich vor allem mit der Frage, wie kann ich eigentlich kreativ sein?

Speaker: Hängt das ganz nah zusammen.

Speaker: Also wie kann ich überhaupt Pläne machen und Entscheidungen treffen, die in die Zukunft gehen?

Speaker: Und um grundsätzlich dazu in der Lage zu sein, da brauchen wir, wir brauchen Dopamin davor.

Speaker: Man kennt das normal mit Motivation in Verbindung, aber das ist auch das Hormon, was uns in die Lage versetzt, abstrakt zu denken, Pläne zu machen, in die Zukunft zu denken.

Speaker: Also das ist sozusagen das, was uns von einem Hund oder einer Katze erstmal unterscheidet in dem Moment.

Speaker: Und unter Stressreaktionen

Speaker: kriegt unsere Leber die ganze Zeit das Signal, ich brauche Zucker, ich muss jetzt den ersten Gang sozusagen befeuern und in dem Moment, die Leber ist nicht sonderlich multitaskingfähig, wird das Tyrosin, da wird Dopamin draus gemacht, einfach weniger hergestellt.

Speaker: Und das ist das, was man dann erlebt.

Speaker: Ich bin weniger motiviert und ich kann auch nicht mehr so gut wirklich frei und kreativ denken, Pläne schmieden, dass man

Speaker: mache ich nicht, wenn ich in einer maximalen Anstrengungsphase drin bin, sondern da kann sich jeder ja auch zu Hause mal hinterfragen, wann sind die letzten guten Ideen gekommen.

Speaker: Da wird oft gesagt, unter der Dusche, beim Spazierengehen, wenn ich mal in die Ferne blicken kann.

Speaker: Und das hat tatsächlich biochemische Äquivalente im Körper auch, also beispielsweise in den Augen.

Speaker: Da habe ich Dopaminrezeptoren, wenn ich das staunende Kind, wenn ich mal wieder Augen aufmache, kommt mehr Licht auf die Augen und dann gibt es ein Gegensignal an die Leber, wo gesagt wird, hallo, das würde der jetzt nicht machen, wenn das so gefährlich wäre.

Speaker: Es ist offensichtlich wieder Planungsmodus.

Speaker: Und so kann ich mich dann aus so einer Stressreaktion dann auch mal rausholen.

Speaker: Aber ich brauche dafür immer wieder zurück diese Entkopplung in dem Moment.

Speaker: Also wenn ich immer nur in die Verzweckung reingehe, dann verbohre ich mich sozusagen immer wieder.

Speaker: Und ich weiß nicht, das würde mich auch interessieren, wie ihr das im Moment tatsächlich erlebt, bei vielen unserer Patientinnen und Patienten ist das ja so ein Erleben, wenn man ankommt.

Speaker: Man hat keine Perspektive, man kann nicht gut weit schauen.

Speaker: Ich hatte ja gefragt, ob es nicht ein Widerspruch ist, so ein bisschen, dass man eine Absicht eigentlich braucht oder ein Ziel braucht.

Speaker: Und du hast es ja ganz gut mit dem Bogenschießen, das haben wir uns nämlich auch nochmal angeguckt, das Kyoto, das japanische Bogenschießen, du hast es eigentlich ganz gut beschrieben, dass es ein generelles Bestreben geben darf, diese Zielscheibe zu treffen, dass ich da hingehe und zu sagen, ich schieße Bogen und es kann durchaus...

Speaker: auch mal Ziel sein, eben auf eine Siedlscheibe zu schießen, aber in dem Moment, wo ich es tue, mache ich mich möglichst frei davon, zu überlegen, was ist, wenn ich nicht treffe.

Speaker: Diese Erwartungshaltung, diese Absichtslosigkeit, die im Moment stattfindet und die angekoppelt ist an alles andere, was in meinem Hirn gerade sich meldet, dass ich mich davon frei mache und die Dinge doch in dem Moment, wo ich sie tue, mit Liebe und Herz mache.

Speaker: Das habe ich so gerade rausgehört, als Erklärung eine Frage.

Speaker: Dennis.

Speaker: Ich habe gerade ganz viele Impulse.

Speaker: Ich würde vielleicht gerade einfach mal so ein paar Bilder oder Erinnerungen, die gerade in mir aufkommen, mal so teilen.

Speaker: Und zwar einmal zu dieser gestressten Gesellschaftsform, in der wir definitiv ja unterwegs sind.

Speaker: Wir nennen das ja Leistungs- und Erschöpfungsgesellschaft.

Speaker: Ich finde, das trifft es auch ziemlich gut.

Speaker: Ich hatte gerade so das Bild von

Speaker: Ich mache ja auch Kampfkunst schon lange, aber auch Yoga, dass viele Leute wirklich super gestresst dann dahin kommen und dass er so, boah, jetzt muss ich eine Stunde lang entspannen.

Speaker: Da fällt mir auch so John Kabat-Zinn ein, der ja bei den Anleitungen, das kennst du auch noch gut, gesagt hat, es gibt nichts zu tun, noch nicht mal zu entspannen.

Speaker: Weil das ja schon die nächste Absicht wäre, wenn ich jetzt mit Achtsamkeit verbinde, okay, ich muss jetzt entspannen, ich muss jetzt dies machen.

Speaker: Das ist ja eigentlich genau das, was du gerade gesagt hast, diese Absichtslosigkeit.

Speaker: Und dann mal schauen in diesem Raum, der erstmal noch gar nicht so definiert ist.

Speaker: Und ohne Bewertungen statt, das ist ja auch eine Bewertung, habe ich jetzt entspannt, habe ich nicht...

Speaker: Und er geht so diesem Gedanken der Leistung entgegen.

Speaker: Für mich ist es Leistungs-, Erschöpfungs- und Optimierungsgesellschaft.

Speaker: Man versucht es immer noch weiter zu optimieren und da erlebt man das häufig als

Speaker: nicht sinnhaft genutzte Zeit, weil man in zu kurzen Abständen denkt.

Speaker: Also man denkt, es ist so ein bisschen wie ein Unternehmen, das Quartalsdenken.

Speaker: Und man guckt gar nicht, wenn ich jetzt noch ein bisschen mehr Gewinn raushole, was bedeutet das eigentlich für das Unternehmen in zehn Jahren?

Speaker: Und bei unserem Körper und unserem Geist ist es für mich genau das Gleiche, dass wenn wir weg vom Optimieren kommen, beziehungsweise

Speaker: Man kann es ja gerne auch optimieren nennen oder ich bin auch gar kein Leistungsfeind, das finde ich auch ganz wichtig mit zu definieren, sondern wenn man den Bogen lang spannt und sagt, wir laufen hier eigentlich, eigentlich mag ich das Bild des Marathons jetzt vielleicht nicht so per se, aber wenn man mal sagt, 42 Arbeitsjahre, 42 Kilometer, das kommt ja schon ungefähr hin und dann fangen die Leute mit einem 100-Meter-Sprint am Anfang an und werden noch bejubelt als High-Performer und

Speaker: Alle sagen, Mensch, ist der toll.

Speaker: Und wir sagen, ja, aber wir wissen doch, dass der höchstwahrscheinlich hinten nicht oder in einem sehr, sehr schlechten Zustand ankommt und dann für seine eigenen Kinder oder fürs Umfeld wieder eine Belastung wird.

Speaker: Und dass ich eher sage, diese Leistungsoptimierung, wenn ich sie machen möchte, lass uns das doch mal auf einen langen Zeitraum sehen.

Speaker: Und dafür brauche ich diese echte Pause.

Speaker: Dafür brauche ich dieses Entkoppeln davon,

Speaker: Weil ich wirklich sagen würde, die Energie, die wir zur Verfügung haben, die ist um ein wirklich Vielfaches erhöht.

Speaker: Und ich glaube, wir treffen auch tatsächlich klügere und langfristigere und nachhaltige Entscheidungen, wenn wir das so rum angehen.

Speaker: Ja, es kommt einfach immer darauf an, will ich eine Hundehütte bauen, ein Haus oder eine Stadt?

Speaker: Also das ist halt ein Unterschied.

Speaker: Das eine kann ich schnell leisten, das andere braucht schon ein bisschen mehr den langen Atem und eine Stadt braucht natürlich noch viel.

Speaker: viel mehr langen Atem, damit es gut wird.

Speaker: Ja, das ist für mich so ein bisschen meine eigene Mama als Mitgründerin.

Speaker: Die hat früher immer das, überhaupt macht sie bis heute, dieses Sprichwort geprägt aus dem Chinesischen.

Speaker: Wenn ein Mensch in der Familie Qigong macht, dann ist es für die ganze Familie wirksam.

Speaker: Und wenn die ganze Familie Qigong macht, dann ist das für das ganze Dorf wirksam.

Speaker: Und wenn das ganze Dorf Qigong macht, dann ist das für das ganze Land wirksam.

Speaker: Und ob das jetzt Qigong ist oder Yoga oder Lebenspflege, was auch immer das für den Einzelnen bedeutet,

Speaker: wenn ich

Speaker: das für mich einfach mache.

Speaker: Also meine Mutter hat auch nie versucht, uns davon zu überzeugen als Kinder.

Speaker: Ihr müsst es jetzt machen.

Speaker: Sie hat es einfach nur gemacht.

Speaker: Und irgendwann hat mein Vater es einfach nur gemacht.

Speaker: Und mittlerweile machen wir es auch.

Speaker: Aber weil wir irgendwann gesagt haben, das ist so für mich der eigentliche Samen des Städtebaus sozusagen, dieses größeren Zusammenhangs, dass wir auf die Frage gekommen sind, warum sind die eigentlich so fit?

Speaker: Warum sind die eigentlich auch in Krisen gelassen?

Speaker: Oder warum können die das überstehen?

Speaker: Und dann fängt man an, sich auf eine eigene Suche zu machen.

Speaker: und merkt, oh, da ist ja irgendwie viel Gutes dabei.

Speaker: Und dann kann man das irgendwie ins eigene Leben bringen.

Speaker: Und ich merke das ja jetzt, weil ich meine, ich habe zwei Töchter, und da merke ich das total.

Speaker: Wenn ich morgens für mich zum Beispiel meine Übungen mache, dann würde ich am liebsten meine Kinder aus dem Bett holen und sagen, ach, mach direkt mit, das ist total gut.

Speaker: Aber es wäre eben genau kontraindiziert, es wäre am Gras ziehen.

Speaker: Damit es schneller wächst, das ist einfach nicht die Zeit.

Speaker: Und dafür brauche ich innere Ruhe, damit ich das auch aushalten kann.

Speaker: Du hattest ja gerade so nach klinischen Erfahrungen gefragt und ich finde, das passt gerade super, wenn ich das gerne erzählen, kannst du bestimmt bestätigen.

Speaker: Gerade so am Anfang von Behandlungen bei uns war das ja ganz häufig so ein Punkt, wie soll ich denn jetzt ein Hore Shigun machen?

Speaker: wenn ich so total rappelig und unter Strom bin.

Speaker: Also das sind ja genau diese Stresshormone, die da den ganzen Körper so überfluten, wo eben ein Zur-Ruhe-Kommen zwischendurch gar nicht mehr so möglich war.

Speaker: Man ist nur von einer To-Do zur nächsten To-Do-Liste gehüpft.

Speaker: Das braucht auch Zeit.

Speaker: Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt.

Speaker: Ich glaube, wenn wir jetzt heute vielleicht so missionarisch vielleicht sagen, das wäre eine wichtige Aufklärungsarbeit, die wir vielleicht heute so machen, dann heißt das nicht, dass das sofort klappen muss, sondern das braucht Zeit.

Speaker: Das ist ein großer Gewohnheitsbruch.

Speaker: Aber im Hinterkopf wäre natürlich wichtig zu verstehen, und so machen wir das ja auch mit unseren Patienten, kommen Sie erst mal an, das muss am Anfang noch gar nicht das sein,

Speaker: ergeben, was wir uns vielleicht vorstellen.

Speaker: Und vielleicht ergibt es das auch gar nicht, was wir uns da vorstellen, aber sie werden in diesem Raum etwas entdecken, vielleicht entdecken, das wäre schön, wo sie wirklich zu sich selber finden, wo sie zur Ruhe kommen können und

Speaker: Ganz viele, gerade die, die sehr skeptisch am Anfang waren, haben das nachher auch in der Gruppe, du hast ja auch das soziale Eingebundensein versus der Hochindividualisierung, das ist ja auch ein Aspekt unserer Gesellschaft.

Speaker: Wir sind alle nur noch, ich muss alleine, ich muss mich optimieren, ich muss effizienter werden.

Speaker: Und das hat aber auch was in dem Sinne gegen das soziale Aktive gelegt.

Speaker: Und das finde ich, erlebe ich schon wirklich sehr auch als Erfahrung, dass es dann auch wirklich in der Gruppe dann nochmal ganz irgendwann, wenn das Herz vielleicht auch erstmal ein bisschen sich öffnen kann.

Speaker: Ich sage den Leuten manchmal, wenn sie sagen, da fliegt mir die Schetteldecke weg, wenn ich da hin sitze, dann sage ich immer, ja, es darf am Anfang noch ein bisschen wehtun, weil sie kommen im Prinzip mit einer klaffenden Wunde hierhin.

Speaker: Und dass die Wundbehandlung am Anfang erstmal noch ein bisschen wehtut, wie so ein Desinfektionsspray.

Speaker: Und dann, also auch eine Maßnahme, die sie da ergreifen.

Speaker: Und dass man auch sagen kann, ich kann das gerade noch nicht, ist in Ordnung.

Speaker: Aber die Ruhe kommt rein und dann kommt plötzlich so etwas wie...

Speaker: Heilung und dann erst.

Speaker: Da kommt mir der erste Satz auf unserer allerersten Homepage vor 20 Jahren in den Kopf.

Speaker: Da hatten wir immer draufstehen, den weiß ich bis heute noch, die Würdigung der bisherigen Lebensleistung ist die Grundlage für Veränderung.

Speaker: Dieses Wort Würdigung finde ich so zentral dabei, dass man eben sagt, vielleicht nicht im Sinne von

Speaker: du warst nicht gut genug, deshalb hast du eine Wunde, sondern vielleicht eher umgedreht im Sinne von, guck mal an, dass du das trotz Wunde bis hierhin geschafft hast.

Speaker: Also, dass man das irgendwie mal macht und dann dadurch überhaupt erst einmal diesen, man darf mal durchatmen.

Speaker: Das ist ja auch der Punkt, wo viele Menschen, wenn sie das irgendwie mal merken, dass sie mal nicht als Idiot dargestellt werden oder als jemand, der etwas nicht geschafft hat, sondern dass sie mal gewürdigt werden für das, was sie geleistet haben unter vielleicht schwierigsten Bedingungen, dass das oft ja auch der Moment ist, wo man dann

Speaker: vielleicht mal wirklich anfängt zu weinen oder wo man merkt, man darf endlich mal das, was man die ganze Zeit versucht hat, krampfhaft aufrechtzuhalten, mal loslassen, diese Maske, die da noch irgendwie drin ist und man darf mal selbst sein und das kann sein, dass man verletzt ist, es kann sein, dass man irgendwie viel erlebt hat und gleichzeitig sind das oft gigantische Leistungen, die dahinter sehen.

Speaker: Und deshalb die hochindividualisierte Welt, wenn ich dann nur den Nächsten sehe, der neben mir auf dem Ferrari abzischt und ich habe einen dicken Rucksack und laufe zu Fuß auf Schotter, dann bleibt aber trotzdem die Frage, wer hat denn die größere Leistung eigentlich gebracht?

Speaker: Und das finde ich sowohl für Therapie und Behandlung total wertvoll, aber gleichzeitig gilt es für jeden Menschen, der irgendwie in seinem Leben irgendeine Form von Veränderung anstreben will, für jeden Menschen, der gerade eine Familie gründen will oder so,

Speaker: ist das ganz genauso relevant, dass man sagt, das ist so sensationell, was wir auf die Beine bekommen haben bisher und lass uns da doch was draus machen.

Speaker: Lass uns gucken, wo es hingeht.

Speaker: Und das bedeutet dann irgendwann vielleicht, wir verabschieden uns von einer oder anderen alten Gewohnheit, die vielleicht nicht so gesund ist oder die uns Energie raubt oder was auch immer.

Speaker: Wenn ich deine Augen gerade leuchten sehe, dann habe ich eine ganz einfache Frage an dich.

Speaker: Du liebst Menschen, oder?

Speaker: Oh ja.

Speaker: Ich finde das fantastisch.

Speaker: Ich liebe das Leben.

Speaker: Aber ich finde das toll anzuschauen, wozu wir in der Lage sind, auch unter schwierigsten Bedingungen.

Speaker: Also auch das, was dann immer als Krankheit oder Krankhaft, das sind ja alles Lösungsversuche.

Speaker: Und ich finde, das sind teilweise brillante Lösungsversuche.

Speaker: Sie sind vielleicht nicht immer hilfreich langfristig oder sie...

Speaker: sind irgendwann für Gesellschaftsentwicklung oder individuelle Entwicklung oder Familienentwicklung vielleicht nicht die beste Option.

Speaker: Aber bis hierhin hatte man nichts anderes.

Speaker: Und ich finde es faszinierend zu sehen, was für Strategien Menschen entwickeln.

Speaker: Und das finde ich, das gehört applaudiert und nicht irgendwie noch belegt mit irgendeinem Stigma.

Speaker: Ja, ich liebe Menschen.

Speaker: Schön.

Speaker: Und das ist ja auch eine Einstellung, die

Speaker: sag ich mal, Dennis, zu sagen, also wir sitzen ja hier und arbeiten.

Speaker: Das sieht ja jetzt aus wie ein lockerer, lustiger Austausch, aber es ist Arbeit.

Speaker: Und das einfach immer wieder auch sich selber so zu gestalten, dass dabei ein Genuss und eine Freude entstehen kann, bei dem der diese Arbeit ausübt.

Speaker: Das ist schon auch irgendwie das, was wir so leben.

Speaker: Ich habe trotzdem mich eigentlich so ein bisschen darauf vorbereitet natürlich,

Speaker: darauf vorbereitet zu fragen, gilt diese Strategie der Absichtslosigkeit vor allen Dingen erstmal fürs Individuum, weil in Gesellschaften, wenn alle absichtslos sind, wir haben es ja jetzt im Prinzip schon erklärt, es geht ja auch schon darum, dass man sich allgemein große Ziele oder Richtungen, wo man hin möchte, die sind völlig in Ordnung, aber ist das an sich, dein Buch richtet sich das an ein Individuum,

Speaker: Ja und nein.

Speaker: Also in erster Linie dreht sich es schon darum, dass wir sagen, gerade in dieser hoch individualisierten Welt die Menschen überhaupt erstmal abzuholen.

Speaker: Also überhaupt erstmal ansprechen zu können, dass sie Lust haben, sich damit zu beschäftigen.

Speaker: Das ist natürlich schon wichtig.

Speaker: Aber gleichzeitig glaube ich, dass sowas auch in einem größeren Kontext stattfinden kann.

Speaker: Da kann man sich jetzt trefflich darüber diskutieren, wie groß kann der Kontext sein oder nicht.

Speaker: Aber ich würde mal sagen, so als Beispiel alleine, wenn wir drei uns zum Beispiel treffen und sagen, es muss nichts sprechen.

Speaker: spezifisches erreicht werden beispielsweise.

Speaker: Also es gibt einen Rahmen, wir wollen jetzt zum Beispiel einen Podcast machen und das ist schön, aber man kann einfach auch sein und wir müssen jetzt sozusagen nicht irgendwie eine feste Agenda verfolgen.

Speaker: Dann habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass dadurch ganz andere Räume auch wieder eröffnet werden.

Speaker: Ich mache das beispielsweise bei allen Terminen

Speaker: die so Ersttermine sind bei mir.

Speaker: Also wenn irgendjemand aus den Netzwerkkreisen oder so kommt und man lernt sich irgendwie kennen, dann lasse ich alle Agendas komplett raus und sage, lass uns einfach mal, und dann benutze ich das Wort gerne, rumspinnen.

Speaker: Also nicht im lächerlichen Sinne, sondern im Sinne von, lass uns einfach mal gucken, wo uns das hintreibt.

Speaker: Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es ja später auch Ziele braucht.

Speaker: Es dreht sich nicht darum, sich von der Welle treiben zu lassen, aber dass man überhaupt einmal erst sieht, was sind denn eigentlich die Potenziale, die wir haben.

Speaker: Unter Stress rufen wir die gar nicht ab, wenn wir schon was erreichen müssen.

Speaker: Entweder ist der eine dann Bittsteller und der andere irgendwie Geber.

Speaker: Oder wenn man sich einfach als zwei, drei, vier, fünf Menschen mal trifft,

Speaker: dann kann sowas wie ein Flow für mich entstehen und auf einmal merkt man so, hoppla, wir reden gerade über ein ganz anderes Thema, finden das aber total spannend und das wird unser Ausgangspunkt und von dem können wir weitergehen.

Speaker: Also da habe ich immer wieder echt tolle Erfahrungen gemacht und kann dazu nur einladen, das auch immer mal wieder zu machen, neben allen Notwendigkeiten, die mir absolut bewusst sind, das zumindest mit einzubauen.

Speaker: So gesehen richtet sich das auf jeden Fall auch an die nächstgrößere Einheit über dem Individuum, ja.

Speaker: Da hätte ich eine Frage, vielleicht wirklich so ein bisschen als Idee für einen Transfer in den Alltag.

Speaker: Wenn jetzt zum Beispiel jemand merkt, dass er total getrieben ist, das ist in deinem Buch ja super beschrieben, also kann ich wirklich nur empfehlen, als Aufklärung Cortisol-Stressachse.

Speaker: Mich fiel eben noch FOMO ein, also Fear of Missing Out.

Speaker: Okay, habe ich jetzt irgendeine Nachricht verpasst oder nicht?

Speaker: Das sind ja alles, das ist der Säbelzahntiger, den wir, glaube ich, in Form von Smartphones zum Beispiel an der Hosentasche permanent haben.

Speaker: Was würdest du denn jemandem sagen, was wäre denn dein erster sinnvoller Schritt, dass der jetzt nicht mehr der Haltung, oh Gott, jetzt gibt es auch noch ein Buch, jetzt muss ich auch noch irgendwie eine Strategie der Absichtslosigkeit auch noch in meinen Alltag vermitteln,

Speaker: Implementieren, boah, das stresst mich total.

Speaker: Muss ich auf Ernährung achten, muss ich auf Bewegung achten, auf Schlaf.

Speaker: Wie würdest du mit dieser Frage oder mit dem Ausdruck der Überforderung, wenn jemand sagt, ja, nette Idee, aber wie soll ich das denn jetzt auch noch machen, wie würdest du darauf antworten?

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Ich muss ein bisschen ausholen, weil ich muss gerade an meine allererste Zeit zurückdenken, als ich selbst bei uns angefangen habe zu arbeiten.

Speaker: Da habe ich ganz oft am Empfang ausgeholfen und saß da und habe sozusagen immer die Anfragen aufgenommen.

Speaker: Da wurde dann immer gesagt, vor einem Jahr war noch alles in Ordnung und auf einmal richtet sich die ganze Welt gegen mich.

Speaker: Also der Körper will nicht mehr, die Beziehung klappt nicht mehr, der Job funktioniert nicht mehr.

Speaker: Und auf einmal bricht alles um mich herum zusammen und da musste ich gerade dran denken.

Speaker: Und wenn du dann sagst, jetzt brauchst du noch ein Buch und...

Speaker: setzt das oben drauf, dann kriegst du ja erstmal Ablehnung.

Speaker: Das heißt, für mich ist so, der allererste Impuls ist immer Neugier.

Speaker: Und ich habe auch in Krisen Ressourcen dafür.

Speaker: Das ist ja oft auch ein Dilemma, dass man das sich gar nicht so zugesteht.

Speaker: Aber ich würde nie jemandem sagen, du musst das jetzt machen.

Speaker: Sondern wenn man Lust bekommt und sagt, ach guck mal, das könnte was mit meinem Leben zu tun haben.

Speaker: Und selbst wenn ich jetzt fünf Jahre lang

Speaker: für irgendwas brauche, dann ist das okay, dann kann man sich auch das Buch holen oder es gibt auch andere schöne Möglichkeiten.

Speaker: Aber ich habe einen, mein eigener, ich mag das Wort Lifehack eigentlich nicht so gerne, aber ich bin immer viel banaler.

Speaker: Ich sage, geh mal raus und halte das Kinn unten und guck dann mal nach oben.

Speaker: Ganz plump und versuch mal Dinge zu fixieren.

Speaker: Also wir merken, wenn ich das mache, wenn ich nach oben gucke, dass ich das gar nicht mehr so gut kann, Dinge zu fixieren.

Speaker: Und damit lösen wir uns so ein bisschen aus diesem Evolutionär gucken wir immer, kann jeder mal überprüfen, maximal auf Horizont und darunter.

Speaker: Da muss man sich nur mal, ich meine noch nicht mal die Handyleute, die gucken auch alle nach unten, aber selbst wenn die kein Handy dabei haben, alle gucken immer nach unten, weil da ist die Schlange, da ist der Tiger, da kommen die Angriffe sozusagen, da kommt evolutionär die Gefahr her.

Speaker: Und wenn ich mich daraus mal löse und sage, ich gebe mir einfach mal zwei Minuten und selbst wenn ich nicht spazieren gehe und das einfach nur in dem Raum mache, in dem ich gerade sitze, nur mal zu beobachten, was passiert dann.

Speaker: Das ist total spannend, so als allererstes kleines Intro in so eine Welt,

Speaker: Was wäre wenn?

Speaker: Und dann kann man das auch wieder liegen lassen erstmal.

Speaker: Denn ich glaube grundsätzlich, Leidensdruck kann oder auch Wut kann mal ein Beginn von etwas sein, aber es trägt es nicht.

Speaker: Es kann mal sein, manchmal muss man sich aus einer Kruste befreien und mal mit den Ellenbogen ausfahren, damit man aus irgendwas kurz rauskommt.

Speaker: Aber wenn dann nicht sowas wie Neugier kommt,

Speaker: Vielleicht ist es schon fast too much, aber ich sage mittlerweile fast schon, dann lass es sein.

Speaker: Also es ist natürlich ein bisschen nicht im Sinne von ist egal oder auch nicht im Sinne von so, aber ich glaube, dass die Effizienz, die wir machen, eher sogar in der Kategorie noch ein Termin, der jetzt oben drauf kommt.

Speaker: Und was ich finde, so ein klassisches Beispiel, wenn ich mich wieder abends geärgert habe, dass ich mir irgendwas Fettiges zu essen bestellt habe, obwohl ich das nicht wollte und mich dann über mich selbst ärgere, dann sage ich irgendwie, geh lieber glücklich Fastfood essen als mit Angst in den Bioladen.

Speaker: Weil ich glaube, die Angst ist das eigentlich Führende und das eigentlich Schlimme darin.

Speaker: Und natürlich ist Fastfood nicht gut, aber...

Speaker: Guck erstmal, dass du aus der Angst rauskommst.

Speaker: Und ich glaube, dass das über Neugier tatsächlich am besten klappt.

Speaker: Und allerletzten Satz, und über Bindung.

Speaker: Das ist, glaube ich, nochmal wirklich, was du eben schon gesagt hast, Dennis.

Speaker: Ganz, ganz zentral, wenn wir in der Lage sind, Netzwerke zu haben.

Speaker: Es müssen jetzt keine Riesennetzwerke sein.

Speaker: Du musst auch nicht socialisend sein, sondern den einen guten Freund, den ich noch irgendwie habe.

Speaker: Das ist, glaube ich, unglaublich wertvoll.

Speaker: Geh an dieser Stelle einmal an einen Ort, wo du dich bequem hinsetzen kannst, wo du vielleicht liegst, aber besser noch sitzt und geh mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Atem.

Speaker: Stell dir vor, du sitzt am Meer.

Speaker: die Wellen rauschen und dann beginnst du zu atmen, gemeinsam im Rhythmus 5 Sekunden einatmen, 5 Sekunden ausatmen.

Speaker: Und bei jedem Einatmen stellst du dir vor, dass die Brandung auf dich zukommt und dich mit allem auffüllt, was du brauchst.

Speaker: Und bei jedem Ausatmen verlässt alles dein Körper, was dich belastet, ein.

Speaker: aus 2 3 4 5 1 2 3 4 5 aus 2 3 4 5 1 2 3 4 5 aus 2

Speaker: 3, 4, 5, aus, 2, 3, 4, 5, 1, 2, 3, 4, 5, aus, 2, 3, 4, 5.

Speaker: Aus, zwei, drei, vier, fünf und alles Gute rein.

Speaker: Zwei, drei, vier, fünf und alles Schlechtes raus.

Speaker: Zwei, drei, vier, fünf und ein, zwei, drei, vier, fünf.

Speaker: Aus, zwei, drei, vier, fünf.

Speaker: 1 2 3 4 5 aus 2 3 4 5 und 1 2 3 4 5 und aus 2 3 4 5 und 1 2 3

Speaker: Das war jetzt eine halbe Herz-Kohärenz-Übung von 15 Atemzügen statt 30, die man dann in 5 Minuten einnimmt.

Speaker: Und es kann helfen, den Puls zu senken von 70 auf 60 oder von 80 auf 70.

Speaker: Und es kann dir helfen,

Speaker: das zu finden, was im Herzen übrig bleibt.

Speaker: Vielleicht ist da was aufgepoppt.

Speaker: Vielleicht hast du einen Gedanken gesehen, ein Bild, ein Geräusch, ein Geruch, etwas gehört.

Speaker: Nimm dir gerne einen Notizblock und schreib das Erste auf, was dir gerade einfällt.

Speaker: Es kann ein Gefühl sein, eine Erinnerung.

Speaker: Und dann überleg dir morgen nochmal, wenn du die Übung wiederholst, ob das von Bedeutung ist.

Speaker: Lieber Friedhoff, meine Frau, ich habe die gefragt, was könnte ich den Friedhoff noch fragen, was ich noch nicht gefragt habe.

Speaker: Sie hat gesagt, warum ist der immer so fröhlich?

Speaker: Lass dich so stehen.

Speaker: Der ist immer fröhlich, sagte sie.

Speaker: Was ist das Geheimnis?

Speaker: Danke für die Frage.

Speaker: Es gibt natürlich Momente, in denen ich angespannt bin.

Speaker: Es gibt Emotionen wie jeder andere Mensch, bin traurig, fühle mich ungut.

Speaker: Aber ich habe es für mich innerlich, glaube ich, ganz gut implementieren können, dass ich, wenn etwas passiert, was

Speaker: vordergründig nicht schön ist, dann stelle ich mir zwei Fragen, die direkt kommen.

Speaker: Das ist bei mir fast so mantraartig mittlerweile.

Speaker: Das eine ist eine Frage, das andere ist eine Feststellung.

Speaker: Die Frage ist, was werde ich daraus wohl lernen können?

Speaker: Also wenn irgendwas passiert, was für mich nicht gut ist, dann denke ich, oh, das ist irgendwie spannend.

Speaker: Das ist mein mittlerweile verstorbener langjähriger Coach, der nannte das immer Lernmonumente.

Speaker: Und dann freue ich mich darüber.

Speaker: Dann finde ich das schön, dass ich diese Gelegenheit habe, was zu lernen.

Speaker: Und das zweite ist, ich mache gerade eine Ausbildung zum zertifizierten Geschichtenerzähler.

Speaker: Ich wusste selbst gar nicht, dass es das gibt, fand das aber total spannend und habe damit angefangen und denke mir jetzt immer, gerade die Dinge, die außerhalb der Norm passieren, also dem, was sozusagen nicht nur morgens aufgestanden, gearbeitet, abends ins Bett gegangen irgendwie stattfindet.

Speaker: Ich sage mir immer, das wird eine coole Geschichte geben.

Speaker: Ich glaube, dass ich, indem ich das für mich irgendwie ganz gut geschafft habe zu etablieren, sind diese heftigen Reaktionen sozusagen, wo ich mich irgendwie sehr aufregen muss oder wo ich sehr traurig werde oder so, die spielen damit nicht mehr so eine große Rolle, weil der Sog packt mich sehr schnell wieder, dass ich wieder Lust habe und sage, ach cool, dann wird das jetzt irgendwie einen Wert haben, den ich wieder nutzen kann.

Speaker: dadurch, dass ich auch selbst Menschen begleite und ich mich immer freue, wenn ich dann so eine Geschichte anbringen kann, die für einen anderen Menschen einen Nutzen hat.

Speaker: Also ich kann das ganz konkret immer wieder auch einsetzen sozusagen.

Speaker: Aber das kann ich ja auch, wenn ein Freund oder eine Freundin mich um Hilfe bittet oder wenn ich

Speaker: in irgendeinem Gespräch, in irgendeinem Kontext bin, das funktioniert ja eigentlich immer, dass ich sage, ich werde da ziemlich reichhaltig beschenkt.

Speaker: Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich sozusagen keine Freude mehr an meinem Lächeln habe, relativ gering.

Speaker: Und ich glaube, das ist meine Antwort auf die Frage, warum ich meistens fröhlich bin und mich freue, Menschen zu sehen.

Speaker: Ich glaube, das ist das, was du in dem Buch auch als positive Resilienz beschrieben hast.

Speaker: dass man eben auch aus Fehlern lernen kann.

Speaker: Also das ist auch nochmal eine Umbewertung, glaube ich, von Fehlern.

Speaker: Weil wir haben ja fast gar keine Fehlertoleranz.

Speaker: Also ich würde jetzt gerade mal sagen, in unserem Land besonders.

Speaker: Also wir sind ja wirklich, glaube ich, ich glaube, das gibt sogar wissenschaftliche Studien zu, dass Deutschland, glaube ich, wenn man das als Kultur fassen möchte, so fehlerfeindlich wie, glaube ich, kaum ein anderes Land.

Speaker: Schlusslicht.

Speaker: Ja, also genau.

Speaker: Das Schlusslicht auf der Welt ist, wie die mit Fehlern umgehen.

Speaker: Und das ist ja eigentlich, ich finde, diesen Aspekt würde ich gerne nochmal ganz kurz hervorheben, dass man aus Fehlern das lernen kann.

Speaker: Oder Dalai Lama sagt ja auch, in der Niederlage verliere nie die Lektion.

Speaker: Also ich kann es alles nutzen und ich hatte letztens jemanden, mit dem ich gesprochen habe und der hatte sehr, sehr viel Angst, ob der eigenen Lebenssituation und

Speaker: da war so ein Reframing quasi, dass man das einfach mal woanders betrachtet, also aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und sagt, was möchtest du denn deinem Kind mal später weitergeben?

Speaker: Und glaubst du, dass das für dein Kind wertvoll sein kann, das, was du gerade jetzt hier, wo du gerade durchgehen musst, was für dich anstrengend ist?

Speaker: Und dann sagte er, boah, wahnsinnig wertvoll eigentlich, das ist doch irgendwie, damit habe ich was weiterzugeben.

Speaker: Und damit kann man irgendwie einen Shift machen dahin und damit wird es irgendwie was Schönes, ja.

Speaker: Bei mir ist noch aufgepoppt, als Impuls, gerade als du das gesagt hast, aber auch als du das gerade gesagt hast, Dennis, von Don Miguel Ruiz, ein Schriftsteller, ein teutekischer Meister irgendwie.

Speaker: Du sollst deinen Gedanken nicht Glauben schenken, dass sie dir Wahrheit sagen, aber, das ist ganz wichtig, du solltest ihnen gut zuhören, weil sie erzählen dir auch Geschichten.

Speaker: Und der Unterschied zwischen Wahrheit, diesem Wunsch immer nach Wahrheit oder einer guten Geschichte,

Speaker: Den finde ich so wichtig.

Speaker: Eine Geschichte muss nicht die Wahrheit erzählen, sie muss eine gute Geschichte sein.

Speaker: Ein Märchen erzählt keine Wahrheit, sondern eine Geschichte, die etwas in mir bewegen kann und unsere Gedanken...

Speaker: Die erzählen uns manchmal auch Geschichten, die haben mit der Wahrheit nicht viel zu tun, aber es sind Geschichten.

Speaker: Man hat das so oft so, dass man hört, glaub deinen Gedanken nicht.

Speaker: Ja, nee, glaub dir nicht, aber hör trotzdem zu, was die sagen, weil die sagen sehr viel über dich aus.

Speaker: Die erzählen eine Geschichte, wie deine Gedanken gerade gefärbt sind.

Speaker: So, wie geht es mir eigentlich gerade?

Speaker: Wieso male ich alles schwarz?

Speaker: Und wenn ich das einfach nur wegtue, dann...

Speaker: komme ich nicht tiefer.

Speaker: Ja und ich glaube einfach, Geschichten sind ein wunderbares Medium.

Speaker: Sie erzeugen Neugier, sie erzeugen vielleicht auch Sehnsucht, sie erzeugen den Wunsch nach irgendetwas, wenn ich reingehe und das ist was anderes als

Speaker: Konsumieren von Netflix.

Speaker: Ja, das kann man mal machen, aber es ist Konsum.

Speaker: Für mich ist es Konsum.

Speaker: Das geht so weit, ich habe mal mit einem Produzenten geredet, da gibt es den Begriff nicht Second Screen fähig.

Speaker: Also viele Serien insbesondere werden so produziert, dass die Aufmerksamkeit oder andersrum

Speaker: die Bewertung der Serie trotz gleichzeitigem Handy-Guckens, also Second Screen, noch groß genug ist.

Speaker: Sprich, es wird immer weiter runtergeschraubt, sodass die Leute immer noch sagen, ah, coole Serie, weil man davon ausgeht, die Leute haben das Handy gleichzeitig an.

Speaker: Und das ist für mich keine Geschichte in dem Sinne.

Speaker: Also ich bin ein großer Fantasy-Fan und wenn ich mir Herr der Ringe als Film angucke, finde ich fantastisch.

Speaker: Ja, konsumiere ich auf der einen Seite auch, aber danach fange ich auch an, Figuren zu bemalen und denke mir, was würde ich denn in der Welt noch alles machen irgendwie.

Speaker: Und ich glaube einfach, dass das eben, wie du das gerade so schön gesagt hast, das dreht sich dabei nicht so sehr um Wahrheit, sondern um Bindung an etwas.

Speaker: Und vielleicht Menschen, denen ich gerne zuhöre, wenn sie eine Geschichte erzählen.

Speaker: Weil wie sollen wir denn heutzutage überhaupt noch, woran sollen wir uns orientieren?

Speaker: Ich glaube, die Kategorien sind irgendwie gar nicht mehr wahr oder falsch.

Speaker: Es ist so unglaublich viel, sondern für mich ist die Frage, wem entscheide ich mich zu vertrauen?

Speaker: Das ist für mich das viel größere Thema.

Speaker: Und wenn zum Beispiel jemand sich entscheidet, sich mir anzuvertrauen oder dem Gezeitenhaus sich anzuvertrauen, dann dreht sich das nicht.

Speaker: nicht so sehr darum, dass ich sage, ich habe einen Allmachtsanspruch und alles, was ich mache, ist immer richtig.

Speaker: Aber ich bin davon überzeugt, dass das, was ich mache, einer gewissen Stringenz folgt und einer gewissen Ehrlichkeit folgt und einer gewissen Moral, die vielleicht für die Menschen irgendwie passt, auch folgt.

Speaker: Und damit folgt man diesen Geschichten dann, glaube ich, gerne.

Speaker: Und wenn ich immer...

Speaker: Ich kann für jede Studie eine Gegenstudie aufmachen heutzutage.

Speaker: Also ich kann kaum in absoluten Termen irgendwie sprechen.

Speaker: Und deshalb ist für mich der Verb der Geschichte einfach ungebrochen.

Speaker: Ich höre da gerade wiederholt Bindung und Verbindung, die wir an dieser Stelle gut an dich übergeben, denn es glaube ich langsam auflösen müssen, diese Verbindung, die jetzt hier gerade entstanden ist, die mir sehr gefallen hat.

Speaker: Ich weiß nicht, wie es dir geht.

Speaker: Genau so.

Speaker: Du hast ja eben auch gesagt, dass auch Dankbarkeit für dich, also in einem Nebengespräch, was wir jetzt nicht aufgezeichnet haben, aber da bin ich auch ein großer Freund von.

Speaker: Das mache ich auch tatsächlich meinen Kindern immer weniger, also entweder...

Speaker: beim Abendessen oder beim zu Bett gehen, für was sind wir dankbar, was waren positive Situationen des Tages, dass man auch nochmal so da auch an der Cortisolachse selber immer wieder ein bisschen auch drehen kann und vielleicht auch gerade in diesen schwierigen Zeiten, das haben wir jetzt heute fast gar nicht Bezug drauf genommen, aber ich glaube, wir sind in den

Speaker: Ja, schwierigsten Zeiten, die man sich so vorstellen kann.

Speaker: Ich glaube, dann ist dieser Weg oder dieses Verständnis, dass man sich zwischenzeitlich mal in einen Raum, so wie du das in der Innenschau häufig auch machst, ziehen Sie sich mal in einen Raum zurück, schilmen Sie sich mal ein bisschen ab und nehmen Sie sich mal Zeit für sich selber und gehen Sie dann wieder in Verbindung mit den Menschen.

Speaker: Dann ist man weniger gestresst.

Speaker: Das kenne ich auch.

Speaker: Wenn ich morgens früher aufstehe, meditiere, bin ich weniger gestresst, wenn mal Sachen beim Fertigmachen für die Schule oder so nicht so gut funktionieren.

Speaker: Und dann sind alle entspannter.

Speaker: Also ich glaube, das ist ja auch der soziale oder der Bindungsaspekt, den du ja eben auch von, wir sind eine kleine Gruppe, dann sind wir vielleicht irgendwann ein Dorf oder eine Stadt, den wir vielleicht auch nochmal an der Stelle beobachten.

Speaker: hervorheben wollen.

Speaker: Ich bedanke mich wirklich sehr für deine Zeit, dass du gekommen bist, für den maximal authentischen Ausdruck von dem, auch von persönlichen Dingen, inneren Werten.

Speaker: Ich erlebe es so, dass ich, ich habe das Buch ja auch schon gelesen und ich bin auch schon, glaube ich, ein bisschen auf dem Weg, aber dass ich trotzdem diese Neugierde

Speaker: auch gerne nochmal weiter verbreiten möchte.

Speaker: Ohne, dass es Druck macht.

Speaker: Sondern eher so explorieren, so ein bisschen Entdeckergeist.

Speaker: Und auch gerade so dieses, wenn man mal ein bisschen in die Langweile kommt, kommen auch wieder neue Ideen.

Speaker: Ich glaube, das ist das, was wir vielleicht auch unseren Kindern am meisten mitgeben dürfen an der Stelle.

Speaker: Ich ärgere meine Kinder immer, weil ich gratuliere ihnen immer, wenn sie sagen, mir ist langweilig.

Speaker: Und dann tu immer mit deinem Blöden.

Speaker: Ich finde das fantastisch.

Speaker: Das ist das Beste, was dir passieren kann.

Speaker: Vielen, vielen Dank für deine Zeit.

Speaker: Und dann hören wir uns in der nächsten Podcast-Folge wieder.

Speaker: Alles Gute an euch da draußen.

Speaker: Danke, dass ich hier sein durfte.

Speaker: Das war super.

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Recommended