Transcript
Speaker: In der Tageslinie taucht man ja für 8,5 Stunden schon in einen Schutzraum ein.
Speaker: Und dann hat man natürlich aber auch schon direkt wieder die nächste Schwellensituation, nämlich man fährt wieder zurück in sein häusliches Umfeld und kann dann schon versuchen, ausprobieren, vielleicht Dinge auch mal anders zu machen, anzusprechen.
Speaker: Das ist das Spannungsfeld.
Speaker: Man ist ja wirklich mit in dem gegenwärtigen Erleben und kann Unterstützung bieten.
Speaker: Herzlich Willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.
Speaker: Hallo lieber Pelle.
Speaker: Hi Dennis.
Speaker: Schön, dass du diese Folge wieder dabei bist.
Speaker: Ja, ich freue mich auch.
Speaker: Ich fand es richtig schade, dass ich krankheitsbedingt die letzte Folge nicht mitmachen konnte.
Speaker: Ich habe mir die natürlich auch angehört.
Speaker: Ein ganz spannendes und absolut relevantes Thema im Moment.
Speaker: Wie geht man mit traumatischen Erlebnissen oder auch belastenden Lebensereignissen um?
Speaker: Ja, kann man nicht anders sagen.
Speaker: Jetzt sind ja viele Menschen, haben das vielleicht auch gehört und denken dann so, oh, das war mir gar nicht klar, EMDR-Therapie, jetzt habe ich da eine Idee von.
Speaker: Jetzt sind Menschen aber in ihrem Hamsterrad oder einfach auch ganz nett gesagt, einfach in ihrem Alltag organisiert und in einer Funktion als Mutter, als Arbeitnehmerin.
Speaker: Und für solche Menschen ist so eine Behandlung oft gar nicht vorstellbar.
Speaker: Dass man da mal so drei Monate einfach sich eine
Speaker: EMDR-Sitzung unterzieht oder auch einfach eine Nicht-EMDR-Traumatherapie oder seine Depressionen anzugehen.
Speaker: Und das ja manchmal auch nochmal mit Intervallen, das heißt man kommt nochmal wieder und nochmal wieder und man hat dann so einen Berg an Therapie vor sich stehen und sitzt da im Tal und denkt dann, dann bleibe ich doch lieber hier unten.
Speaker: funktioniert ja irgendwie auch noch alles häufig.
Speaker: Jetzt ist die Frage dann, wenn ich mir jetzt Hilfe hole und dann in so eine Klinik gehe, dann lasse ich ja meine Familie im Stich.
Speaker: Vielleicht Kinder, die noch betreut werden müssen, die zur Schule müssen.
Speaker: Wie kann da eine Tagesklinik vielleicht helfen?
Speaker: Du bist ja Oberarzt in der Tagesklinik.
Speaker: Also wenn ein Klient, da gibt es ja verschiedene Bereiche, wo man darüber sprechen kann.
Speaker: Also wenn ich jetzt zum Beispiel in der Privatpraxis einen Klienten antreffe, der schwer belastet ist und genau sagt, ich kann jetzt aber gerade meine Familie nicht im Stich lassen.
Speaker: Oder es gibt natürlich auch das Thema Alleinerziehende.
Speaker: Das ist ja auch ein großes Versorgungsproblem für die betroffenen Elternteile.
Speaker: Dann finde ich das erstmal total sinnvoll,
Speaker: den Konflikt anzuerkennen und zu sagen, ja, da haben Sie ja auch ein Verpflichtungsgefühl, was ja sehr positiv ist.
Speaker: Und gleichzeitig merken wir, oder würde ich eben mal rückmelden, dass die Symptomatik schon so ausgeprägt ist, dass es im Moment vielleicht ambulant, einmal die Woche 50 Minuten psychotherapeutisch, vielleicht begleitend, alle vier bis sechs Wochen psychiatrischen Kontakt, vielleicht auch noch eine Körpertherapie oder vielleicht auch eine gruppentherapeutische Begleitbehandlung.
Speaker: Das sind so die verschiedenen...
Speaker: ambulanten Settings, die man mittlerweile ja gut etablieren kann.
Speaker: Wenn das nicht mehr ausreicht, dann macht tagesklinisch Sinn, weil man
Speaker: ähnlich wie im Job von 8 bis 17 Uhr in einer Behandlung ist, montags bis freitags, die Abende und die Wochenenden eben auch sozial eingebunden bleibt oder eben auch in der Versorgung weiter mitmachen kann.
Speaker: Ich glaube, das ist erstmal wichtig, dass der Konflikt
Speaker: verstehbar und auch validiert wird und dass man genau dann vielleicht guckt, wäre das nicht eine Alternative zu vollstationär.
Speaker: Letztlich ist das, finde ich, eine sehr gute Lösung, wenn man gewisse Bedürfnisse, die in Konflikt stehen, unter einen Hut bekommen möchte und trotzdem eine sehr intensive Behandlung haben möchte.
Speaker: Also wenn ich jetzt in so eine Behandlung gehe, kann ich dann auch noch meine Kinder morgens zur Schule geben und in die Behandlung gehen und dann wieder nach Hause kommen und sie sind dann da?
Speaker: Oder wie stelle ich mir das vor?
Speaker: Also kann das auch Hand in Hand gehen, dass das Leben außerhalb weiterläuft?
Speaker: Absolut.
Speaker: Also das ist eine Absprachesache.
Speaker: Wenn ich jetzt Erstgespräche für Teilstationen mache, sage ich genau das.
Speaker: Viele kommen ja auch mit einer Erschöpfungssymptomatik im Hintergrund zu gucken, dass das nicht dann wieder nur...
Speaker: bei dem Patienten alleine landet, sondern dass man vielleicht auch schaut, gibt es da schon auch alternative Unterstützung.
Speaker: Also kann auch der Mann mal ein bisschen später zur Arbeit oder die Frau dann, wenn es da irgendwie auch im Nachmittagsbereich eine Erweiterung von Betreuung gibt, dass man vielleicht auch mit den Schulen nochmal spricht, das kann man auch unterstützen.
Speaker: Es waren ja schon Menschen in der Klinik und die hören uns ja vielleicht auch zu.
Speaker: Und da habe ich auch so ein kleines auf die Schulter klopfen nochmal für die Menschen, die sich so einer Therapie schon unterzogen, hört sich irgendwie so krass an, in der Therapie teilgenommen haben.
Speaker: Die haben tatsächlich auch für andere schon erste Schritte gemacht.
Speaker: Also das muss man auch einfach mal anerkennen, die da waren, die schon mal so eine Therapie gemacht haben, die sind
Speaker: Die haben das nicht nur für sich getan, sondern auch dadurch das Thema vorangebracht.
Speaker: Stimmt das so?
Speaker: Ich glaube, der Aspekt dahinter, den ich total wichtig finde, ist der, dass die meisten Klienten das sehr schambesetzt weiterhin erleben.
Speaker: Ich habe da ein Defizit, ich bin schwach, also eben auch nochmal im
Speaker: Kontrast zu dieser Leistungsgesellschaft.
Speaker: Wir müssen immer noch mehr machen und das ist alles so kapitalistisch ausgelegt und wir müssen noch produktiver, effizienter, was auch immer werden, dass da irgendwo natürliche Grenzen eigentlich permanent auch überschritten werden.
Speaker: Andersherum, die Person, die ohnehin vielleicht schon im Rahmen der Symptomatik Selbstzweifel, Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle und dergleichen hat, neigt natürlich dazu, das nochmal mehr als Versagen zu erleben.
Speaker: Wenn man aus Scham heraus sich dann schon auch noch mal mehr nicht traut, das anzusprechen,
Speaker: führt es ja noch belastender für einen.
Speaker: Es gibt einen schönen Spruch von einer sehr bekannten Traumatherapeutin, die viel mit komplex traumatisierten Patientinnen und Patienten gearbeitet hat.
Speaker: Die sagt, dass Scham wie ein 300 Kilogramm schwerer Betonblock auf der Brust wiegt.
Speaker: Ich glaube, viele, die Scham haben, werden das sofort wiederfinden in sich und sagen, ja genau, so fühlt sich das an.
Speaker: Und die haben aber auch noch nicht die Erfahrung gemacht und deswegen...
Speaker: versuche ich da auch einen neuen Erfahrungsraum aufzumachen.
Speaker: Wenn man über Dinge...
Speaker: dann offener oder in Anführungsstrichen unverschämter spricht, kann das auch ganz andere Wege und Erfahrungen aufmachen.
Speaker: Also dass man auf einmal denkt, okay, plötzlich erzählt der andere, dem man das sagt, ja, kenne ich auch.
Speaker: Also ich habe ganz viele Lehrer, LehrerInnen, wenn die dann sich trauen, der Schulleitung mal zu sagen, also ich kann nicht mehr, ich bin ein Burnout, dass dann auch Schulleitungen zum Teil sagen, ja, ich kann das total gut nachvollziehen, habe ich auch schon gehabt.
Speaker: Und ich würde dich da jederzeit unterstützen, dass du dir die Zeit nimmst, die du brauchst.
Speaker: Und vielleicht eben auch mal in eine Klinik zu gehen oder ambulant sowieso.
Speaker: Das muss nicht immer so sein.
Speaker: Aber häufig ist, wenn man sich schämt, dass gar keine Option in den Gedanken, dass so eine Reaktion kommen könnte.
Speaker: Dann denkt man so, da werde ich bestimmt für verurteilt.
Speaker: Aber das ist nicht immer so.
Speaker: Kann auch mal sein.
Speaker: Okay, dann weiß man auch, mit wem man es da zu tun hat.
Speaker: Mit wem man es zu tun hat, ne.
Speaker: Das ist eine ganz, ganz spannende Dimension, die du da aufgemacht hast mit der Scham.
Speaker: Schamgefühl ist ja etwas, was kleine Kinder noch gar nicht so besitzen, ein- bis zweijährige.
Speaker: Das entsteht später, diese Entwicklung von Scham und die gehört ja zu unserer Entwicklung dazu.
Speaker: Und dass Kinder sich anfangen mit fünf, drei, vier, fünf plötzlich für irgendetwas zu schämen und vielleicht in der Pubertät nochmal ganz besonders dieses Schamsteig.
Speaker: Ich würde jetzt sagen, je mehr ich mich von meinen Bindungspersonen löse und in die Selbstständigkeit gehe, umso häufiger kann es zu Schamgefühlen kommen.
Speaker: Wenn wir das positiv sehen würden, ist Scham immer Schutz.
Speaker: Also es schützt mich davor, dass ich mich, wenn ich mich schamhaft verhalte, dann ziehe ich mich nach innen zurück, mache mich klein und will mich irgendwie schützen.
Speaker: Und wenn ich jetzt höre, dass Menschen, die unter Depressionen leiden, unter traumatischen Erinnerungen leiden,
Speaker: und die beschämt sind, dann ist das der letzte Schutz, den sie haben und vermuten vermutlich auch keinen Schutz, wenn sie diesen aufgeben.
Speaker: Und da kann man natürlich empowern, dass man sagt, sie sind nicht mehr ungeschützt.
Speaker: Sie können diese Form von Schutz jetzt mal, wenn man die versucht, ein bisschen mal zu öffnen, dass man vielleicht viel mehr Schutz erlebt, als man dachte.
Speaker: Wie du es gerade gesagt hast, Schutz vom Arbeitgeber, Schutz von Menschen, die schon vorangegangen sind, Schutz von Menschen, die sagen,
Speaker: Ey, nimm dir alle Zeit, die du brauchst, weil man muss es ja gar nicht, man redet ja gar nicht immer darüber, man kriegt dann plötzlich vielleicht den Schutz, den man nicht erwartet hat, wie du gesagt hast und dafür ist es eben gut, wenn Menschen in Bewegung kommen und selber über ihr Leid reden oder ihr Leid verarbeiten und da dann zu spüren, wenn ich mein Schamgefühl ablege, dann bekomme ich vielleicht Schutz, wo ich ihn gar nicht erwartet habe.
Speaker: Würdest du sagen, die Tagesklinik kann so eine Art Brücke sein in eine intensivere Therapie?
Speaker: Also ist die Tagesklinik vielleicht genau für diesen Spagat gedacht?
Speaker: Intensive Therapie und trotzdem noch im eigenen Leben bleiben?
Speaker: Ja, definitiv.
Speaker: Das ist eigentlich genau das Spannungsfeld.
Speaker: Da würde man vielleicht so antworten, für wen ist das denn geeignet?
Speaker: Also wenn die Alltagsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist,
Speaker: Und man dennoch sozusagen Stunden oder mehrere Stunden am Tag vielleicht dann doch auch noch, also jetzt nicht arbeitsfähig zu sein, aber trotzdem noch zu Hause teilnehmen kann und ein Stück weit auch die Tagesstruktur auch halten kann, auch am Wochenende.
Speaker: Das ist so ein bisschen der tagesstrukturierende Teil oder die Alltagsfähigkeit als einen Aspekt.
Speaker: Dann finde ich Tagesklinik sehr indiziert.
Speaker: Und, und das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Punkt, wenn ein stärkendes soziales Umfeld auch vorhanden ist oder viele, die sich ja zurückgezogen haben, das ist ja ein häufiges Symptom bei verschiedenen Erkrankungen, vor allem bei Depressionen, aber eben auch schambedingt häufig auch bei Trauma-Folgestörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen,
Speaker: dann eben in so einem Setting soziale Kontakte auch wieder aufzubauen.
Speaker: Das kann man vollstationär, so leidlich, das kann man vielleicht digital machen oder per Nachrichten.
Speaker: Aber häufig ist es ja auch wirklich in der Tagesdienung eine super Sache zu sagen, okay, passen Sie mal auf, Wochenende steht an.
Speaker: Welche Freunde haben Sie denn krankheitsbedingt schon ganz lange nicht mehr gesehen?
Speaker: Ja, ich schäme mich so, ich habe mich da gar nicht mehr gemeldet, was soll ich denn jetzt machen?
Speaker: Ja, vielleicht könnten wir das ja mal in einem Rollenspiel üben.
Speaker: und das ist eine wichtige Person für Sie, ja, was würden Sie denn sagen?
Speaker: Und ich kann Ihnen dann ja mal rückmelden, wie ich das empfinden würde, als eine Möglichkeit.
Speaker: Und dann kommt ja ganz häufig, ja, ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, ich habe mich so schlecht gefühlt und dann habe ich irgendwann den Zug verpasst und so weiter.
Speaker: Und das kann man dann ja auch wieder fördern.
Speaker: Also ich würde sagen,
Speaker: Alltagsfähigkeit ist das eine und das soziale Eingebundensein, da geht es auch um Familie, soziale Kontakte, Bordanbindungen, das ist ja auch häufig etwas, was dann alles wegfallen würde, wenn man vollstationär ginge und das müsste man dann genau mit den Klienten oder Interessenten eruieren, wenn das wegfallen würde, wäre das eher
Speaker: sinnvoll gerade.
Speaker: Es kann ja auch sein, dass da Reize dabei sind, die gerade eben genau die Überforderung ausmachen.
Speaker: Oder wenn man sagt, eigentlich sind das die Dinge, die sie zu wenig in letzter Zeit auch gemacht haben zur eigenen Stärkung, dann kann man das eben auch da wieder einüben.
Speaker: In dem Spannungsfeld bewegt man sich und was ja auch ein wichtiger Aspekt ist, man kann die Sachen, die man dann tagsüber erarbeitet, auch direkt im Transfer üben und Rückmeldung mitbringen.
Speaker: Also ich habe, wie du das gerade sagst, ich versuche das mal so ein bisschen für mich verständlicher auszudrücken nochmal, für mich persönlich, weil der Transfer dann in den Alltag ist mir jetzt ein bisschen zu abstrakt, ich stelle mir einfach vor, ich
Speaker: müsste in eine Klinik gehen, in eine Traumaklinik zum Beispiel wie bei uns und wäre stationär weg und dann wäre ich drei Monate aus meinen Bezügen raus, vielleicht am Wochenende darf ich mal nach Hause.
Speaker: Aber es dreht sich doch da relativ viel, meines Erachtens, um die Aufarbeitung vergangener Events.
Speaker: Also das erlebe ich auch so.
Speaker: Ich habe ja in beiden Abteilungen gearbeitet, sowohl bei dir in der Tagesklinik, damals in der Pflege, als jetzt auch im Nachtdienst der Traumaklinik.
Speaker: Und da erlebe ich sehr viel.
Speaker: Die Leute gehen intensiv in der stationären Behandlung, in der vollstationären Behandlung an ihre vergangenen Traumaerinnerungen und Erlebnisse ran.
Speaker: Und ich habe es schon in der Tageslinik, insbesondere bei Visiten mit dir und so, so erlebt, dass man so ein bisschen mehr fast schon Teil hat.
Speaker: an den Beziehungen der Klienten, die sie im Außen führen und dass man irgendwann die Namen kennt, das ist der Johnny, das ist so und so.
Speaker: Man dankbarerweise, muss ich wirklich sagen, so einen Einblick bekommt in das Leben anderer, der auch wirklich sehr schützenswert ist, an dieser Stelle auch gesagt, da will ich jetzt gar nicht drüber reden, aber dass man einfach so ein Mitgehen, so ein bisschen Shadowing, so ein bisschen wie so ein kleiner Schatten im Hintergrund dabei ist, wie die Leute
Speaker: ihre Aufgaben angehen, auch im privaten Umfeld und dann daran wachsen und man tatsächlich manchmal mitfiebert und sagt, boah, endlich, die hat es geschafft und so.
Speaker: Und man ist ja wirklich mit in dem gegenwärtigen Erleben so ein bisschen mehr mit drin und kann Unterstützung bieten.
Speaker: Das habe ich viel stärker in der Tagesklinik erlebt.
Speaker: Würdest du mir da zustimmen?
Speaker: Ja genau, weil die natürlich zwischen diesen beiden Welten wandeln.
Speaker: Also wenn du bis um halb acht, Beispiel, du hast irgendwie zwei Kinder, die sind...
Speaker: schulfähigen Alter, dann machst du die morgens fertig.
Speaker: Mit allem Stress, der dazu kommt.
Speaker: Jeder, der Kinder hat, selbst wenn man gut strukturiert ist, kommen manchmal Sachen dazwischen, die sind nicht planbar, ist man gestresst.
Speaker: Ist so.
Speaker: Dann fährt man mit dem Auto oder mit der Bahn in eine Tageslinik und dann taucht man ja für acht Stunden, achteinhalb Stunden schon in einen Schutzraum ein.
Speaker: Der ist ja sehr ähnlich, fast identisch wie bei vollstationär.
Speaker: nur eben auf diese 8,5 Stunden und nicht auf 24 Stunden erweitert.
Speaker: Und dann hat man natürlich aber auch schon direkt wieder die nächste Schwellensituation, nämlich man fährt wieder mit dem Auto, mit der Bahn, Fahrrad wieder zurück in sein häusliches Umfeld, was manchmal auch noch gar nicht so richtig verstoffwechseln kann.
Speaker: Was machen denn Mama und Papa da gerade in der Klinik?
Speaker: Das heißt, die verändern sich ja tagsüber auch schon beginnend innerlich.
Speaker: Das System draußen ist erstmal so, wie es ist.
Speaker: Und dann muss man aber auch wieder in andere Rollen schlüpfen.
Speaker: Und vielleicht merkt man aber, jetzt habe ich das aber heute eigentlich ganz gut verstanden in der Gruppe oder im Einzel, dass ich mir eigentlich immer zu viel Verantwortung anziehe und eigentlich die anderen mal ein bisschen mehr auch machen könnten, dass ich die da begleiten kann.
Speaker: Und zack ist man dann am Abend, wo das System aber eigentlich ähnlich geblieben ist,
Speaker: schon in dem Spannungsfeld drin und kann dann schon versuchen, ausprobieren, vielleicht Dinge auch mal anders zu machen, anzusprechen oder zu sagen, mir ist folgendes aufgefallen und ich würde gerne mal hier und da Sachen jetzt auch mal ein bisschen verändern.
Speaker: Ich glaube, das ist das Spannungsfeld und da begleiten wir und ich finde das wirklich eine sehr fruchtbare, aber auch nicht so ganz unanstrengende Zeit.
Speaker: Ja, das ist, glaube ich, so der Punkt.
Speaker: Man darf das, glaube ich, auch nicht unterschätzen.
Speaker: Also Alltag ist Teil der Therapie.
Speaker: Absolut.
Speaker: Absolut.
Speaker: Jetzt gehört ja zum Alltag dazu, dass wir verschiedenen Stressoren begegnen.
Speaker: Das sind soziale Stressoren, das sind persönliche Stressverstärker, die wir in uns haben, die die Situationen bewerten, die wir erleben.
Speaker: Also jeder hat ja so seine eigenen Gedankenkonstrukte, die den Alltag verstärken.
Speaker: Es gibt aber auch Stressoren, die nicht so einfach auszuschalten sind und die auch nicht individuell sind.
Speaker: Das ist Lärm, Licht und
Speaker: Lautstärke, Zeit, Verspätungen, Krach und bauliche, infrastrukturelle Stressoren, dass ich mitten in der Innenstadt wohne.
Speaker: Und jetzt möchte ich in eine Tagesklinik gehen.
Speaker: Und jetzt mal ganz konkret, wie weit kann man jemandem das zumuten, jeden Tag in eine Tagesklinik zu fahren, wenn...
Speaker: derjenige schon maximal gestresst ist.
Speaker: Und ich habe jetzt mal eben so den Begriff, bevor wir auf die Frage eingehen, Alltagsfähigkeit gehört.
Speaker: Du bist nicht mehr alltagsfähig, meines Erachtens.
Speaker: Das gilt jetzt an alle, die zuhören, wenn du dich morgens so fühlst, wie du dich abends fühlen solltest.
Speaker: Und zwar erschöpft und müde und so weiter.
Speaker: Wenn du schon so jeden Morgen aufwachst, jeden Morgen, dass du eigentlich denkst, der Tag ist schon... Eigentlich fühle ich mich schon so, als hätte ich den ganzen Tag schon erlebt.
Speaker: Dann ist die Alltagsfähigkeit nicht mehr gegeben, meines Erachtens.
Speaker: Und wie soll ich dann durch so eine, sag ich mal, wenn ich dann das Gefühl habe, ich muss jetzt 60 Kilometer zum Beispiel in eine Tagesklinik fahren nach Oberhausen oder nach Wesseling oder sonst wohin.
Speaker: Das gilt natürlich auch für alle aus allen anderen Bereichen des Landes.
Speaker: Wie kann ich das dann schaffen?
Speaker: Wie weit sollte der Radius sein?
Speaker: Also es gibt von, wenn ich nicht in der Viertelstunde da bin, schaffe ich das nicht, bis hin zu Leuten, die aus der Koblenzer Gegend oder aus Aachen kommen, wo ich dann auch wirklich im Erstgespräch sage, am Telefon oder im persönlichen Gespräch und ich dann Google Maps rausholen und sage, okay, wo wohnen Sie, das ist die Klinik.
Speaker: Das sind eine Stunde 15 pro Strecke.
Speaker: Also das müssen Sie sich wirklich gut überlegen.
Speaker: Ich finde es eigentlich zu lang.
Speaker: Wie wäre das denn für Sie, wenn Sie sich vorstellen, Sie müssten jetzt jeden Tag zwei Stunden Auto fahren, um in diese Klinik zu kommen?
Speaker: Und das ist total spannend, was es da für unterschiedliche Anforderungen gibt.
Speaker: Manche sagen, mein Auto ist für mich so ein Safe Space und ich fahre so gerne Auto und ich höre dann gerne noch einen Podcast und ich kann mich dann genau, also ich brauche eigentlich nach so einer intensiven Behandlung auch mal noch eine Stunde für mich.
Speaker: Ich muss jetzt nicht nach einer Viertelstunde zu Hause reinpurzeln und dann kommen alle mit ihren anderen Bedürfnissen auf mich zugestürmt.
Speaker: Und das würde ich tatsächlich immer genauso offenlegen.
Speaker: Ich würde sagen, ich sehe das kritisch, aber wie wäre das denn für Sie?
Speaker: Fühlen Sie sich da mal rein, Sie fahren jetzt eine Stunde.
Speaker: Das ist manchmal ganz erstaunlich und da muss man, glaube ich, auch seine eigene persönliche Meinung dazu.
Speaker: Ich würde jetzt nicht eineinhalb Stunden pro Strecke irgendwo hinfahren, es sei denn, das ist noch das andere Thema,
Speaker: dass das Setting genau das wäre, was ich aber trotzdem gerade brauche und ich treffe eine innerliche Entscheidung und ich kann dann mit der Fahrtstrecke gut zurechtkommen.
Speaker: Aber ich würde so grundsätzlich da erstmal alles offen lassen und aber auch schauen, wie erschöpft ist jemand, wie erschöpft.
Speaker: eingeschränkt ist die Konzentrationsfähigkeit.
Speaker: Wir haben auch viele Patienten, wo immer mehr natürlich auch ADHS ein Thema ist oder Konzentrationsaufmerksamkeitsstörungen aufgrund von vielen anderen Erkrankungen, wo man dann auch gucken muss, okay, schaffen Sie nach 8,5 Stunden hochintensiver Behandlung noch so eine Fahrt?
Speaker: Also das machen wir auch sehr häufig mittlerweile, dass wir das auf Probe machen.
Speaker: Dass wir sagen, okay, passen Sie auf, kommen Sie bitte einmal zum Erstgespräch hin, dann können Sie ja schon mal genau gucken, wie ist das gerade?
Speaker: mit der Hinfahrt und der Rückfahrt.
Speaker: Dann geben Sie nachher nochmal eine Rückmeldung, wenn Sie in den nächsten Tagen Zeit haben, schreiben Sie nochmal ein Mail, wie war das.
Speaker: Oder wir machen es eben auch auf Probe sowieso, dass wir gucken, okay, wie intensiv ist das, wie ausgeprägt ist die Alltagseinschränkung und sonst kann man auch nochmal das Tätigen wechseln.
Speaker: Aber ich glaube, da würde ich mittlerweile, da habe ich da die Erfahrung gemacht, dass Fragen sowieso immer hilft, aber an der Stelle auch besonders.
Speaker: Also da würdest du auch sagen, es gibt bestimmte Grundpfeiler, die dürfen nicht angegriffen werden, aber ihr seid ansonsten in der Tagesklinik relativ flexibel, zum Beispiel auch mit den Tagen.
Speaker: Wenn jetzt jemand von sehr weit herkommt, anderthalb Stunden fährt, der aber sagt, mittwochs ist ein Termin, da sehe ich meine Tochter, die ich zum Beispiel nur alle zwei Wochen sehen kann oder irgendwie sowas, können wir dann so machen, dass ich Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag in die Tagesklinik komme, Mittwoch frei habe.
Speaker: Also kann man sowas schon pauschal sagen, dass man
Speaker: dass man Menschen immer die Hand reicht?
Speaker: Oder ist das auch wieder individuell von der Persönlichkeitsstruktur des Klienten abhängig?
Speaker: Ja, da gibt es doch eine andere Ebene.
Speaker: Die hast du jetzt noch nicht erwähnt.
Speaker: Natürlich auch die Behandlung wird ja von der Krankenkasse bezahlt.
Speaker: Und da kann man leider ganze Tage nicht so komplett rausnehmen.
Speaker: Also das ist eher ein strukturelles Thema.
Speaker: Würde ich mir, glaube ich, auch etwas flexibler wünschen.
Speaker: Aber ich würde sagen, wenn jetzt zum Beispiel jemand mittwochs, nachmittags feststellt,
Speaker: wenn man einen ganz wichtigen Termin hat, eben seine Tochter sehen kann, die er sonst nicht sieht, dann ist das natürlich eine wichtige Notwendigkeit, die auch unterstützt wird.
Speaker: Ja, im Rahmen einer Ressource, die man nicht abschneidet, sondern fördert.
Speaker: Genau, oder es gibt auch Leute, die haben, weiß ich nicht, Familientherapien, die sind dann vielleicht auch nochmal am ursprünglichen Heimatort und da müssen die hinfahren.
Speaker: Und das ist dann auch wirklich eine, wir nennen das ja gerne Belastungserprobung,
Speaker: Dass Sie wirklich sagen, okay, Sie fahren da hin, was kann Sie da erwarten, was sind so Fantasien, die da aufkommen, die kann man ja im Vorfeld auch schon gut vorbereiten und bearbeiten, was wäre Ihnen da wichtig mitzuteilen, wie können Sie auch, wenn es schwierig läuft,
Speaker: aber auch gut wieder den Rest des Tages verbringen.
Speaker: Also da sind wir genau in dem, was du eben ja gut gesagt hast, in diesem, ich nenne das gerne Spannungsfeld zwischen Klinikswelt und der Welt da draußen drin und in der Bearbeitung von diesen Dingen.
Speaker: Ja.
Speaker: Ich lade dich nun ein, eine kurze Ressourcenübung mit mir zu machen.
Speaker: Gerade wenn wir uns jetzt in diesem Spannungsfeld auch thematisch gerade zwischen der Welt draußen und einer tagesklinischen Welt bewegt haben, ist es ganz gut, gerade in diesen Schwellensituationen noch mal Ressourcen zu aktivieren.
Speaker: Ich lade dich ein, mit mir erstmal ein bisschen Box zu breathen.
Speaker: Das heißt, wir atmen vier Sekunden ein, halten den Atem für vier Sekunden, atmen vier Sekunden aus, halten den Atem für vier Sekunden.
Speaker: Los geht's.
Speaker: Einatmen, zwei, drei, vier, halten, zwei, drei, vier, ausatmen, zwei, drei, vier, einatmen, zwei, drei, vier, halten, zwei, drei, vier.
Speaker: Ausatmen.
Speaker: Zwei, drei, vier.
Speaker: Und dann gehen wir in einen normalen Atemrhythmus wieder über.
Speaker: Und ich lade dich jetzt ein, dir eine Situation, eine Begebenheit, eine Erinnerung aus den letzten Tagen oder Wochen gedanklich vorzustellen, wo du dich ganz wohlig gefühlt hast.
Speaker: Oder eine Situation mit jemand anders oder mit dir alleine, wo du dich richtig gut gefühlt hast.
Speaker: Und wenn dieses innere Bild, diese Erinnerung in dir auftaucht, würde ich dich mal einladen zu gucken, wo du das gerade in deinem Körper spürst.
Speaker: Vielleicht merkst du eine Weite in der Brust oder ein Wärmegefühl in der Brust, in der Herzgegend oder sogar ein freudiges Kribbeln in den Händen oder im Bauchbereich.
Speaker: Und nimm dir einen Augenblick Zeit, das für dich wahrzunehmen und auch zu genießen.
Speaker: Und wenn du magst, kannst du das sogar noch ein bisschen körperlich verstärken und verankern, indem du jetzt dich selber umarmst und damit vielleicht mit beiden Händen auf die Oberarme gelangst.
Speaker: und dann langsam in einem Rhythmus so 1, 2, also im Wechsel links und rechts sozusagen dir selber mehr oder weniger auf die Oberarme oder symbolisch gesprochen auf die Schultern klopft, dass du diese Situation erlebt hast und nimm einfach mal wahr, was auf der körperlichen Ebene da passiert.
Speaker: Das kannst du auch zu Hause selber in Eigenregie immer mal wieder machen.
Speaker: So 10 bis 15 mal langsam tappen, so nennen wir das.
Speaker: Und vielleicht merkst du auch, wenn du das regelmäßig machst, was ich dir empfehlen würde,
Speaker: Dass du gerade in diesen Zwischensituationen, in diesen Schwellensituationen, wenn du sagst, okay, ich tauche gleich nochmal ein, dass du dir erstmal nochmal einen guten Körperstate selber hervorrufen kannst und dann in die nächste Situation übergehst.
Speaker: Was würdest du jemandem sagen, Dennis, der jetzt gerade denkt, ich halte das noch aus, ich ziehe das alleine durch im Leben so.
Speaker: Was würdest du dem sagen?
Speaker: Der sagt, ja, klingt alles spannend, aber ich halte das aus.
Speaker: Ich würde es erstmal respektieren.
Speaker: Allerdings ist meine Erfahrung auch, und da sind wir ja, finde ich, schon in Deutschland auch ein bisschen hinterwäldlerisch unterwegs, würde ich sagen, naja, präventiv.
Speaker: Es gibt schon eine deutliche Belastung.
Speaker: Und Sie haben jetzt aber beschrieben, wir sind ja die nächsten Monate.
Speaker: Und das sind so viele Items, die ich jetzt schon als sehr stressig mit Ihnen zusammen einstufen würde.
Speaker: Dann wäre vielleicht präventiv sogar ganz gut, nicht jetzt noch mehr in eine Symptomatik potenziell zu rutschen, sondern vielleicht wirklich auch früher schon sich Hilfe zu holen.
Speaker: Das finde ich, glaube ich, wichtig.
Speaker: Wir machen ja sowieso Verlaufskontrollen.
Speaker: Also in der Praxis würde ich dann natürlich sagen, okay, dann sehen wir uns in vier Wochen nochmal und schauen mal, wie es bis dahin ist.
Speaker: Das haben wir in der Klinik ja jetzt regelhaft so nicht, wenn wir ein Erstgespräch haben.
Speaker: Aber da würde ich dann eben schon auch die Klienten einladen, wenn die draußen schon ambulante Betreuer haben.
Speaker: das mit denen dort dann im Blick zu behalten.
Speaker: Ja, ist doch gut beantwortet.
Speaker: Das heißt, du lässt es bei demjenigen.
Speaker: Das ist erstmal gut zu wertschätzen, dass derjenige sagt, ich halte das noch aus.
Speaker: Und dann kann man ins Gespräch gehen und dann, wenn man sich das dann erläutern lässt, macht es entweder Sinn oder
Speaker: Oder weniger Sinn.
Speaker: Ja, spannendes Thema.
Speaker: Kannst du mir vielleicht mal noch so sagen, aus deiner eigenen Erfahrung, du bist jetzt seit zwölf Jahren in der Tagesklinik und hast du eine eigene Idee oder schon Analysen durchgeführt, welche Diagnose, welche Erkrankung...
Speaker: Welche Beeinträchtigung hat den größten Erfolg bisher für dich in einem tagesklinischen Setting?
Speaker: Sind es Depressionen, Erschöpfungssyndrome, Burnout, traumatische Erlebnisse?
Speaker: Wo würdest du sagen, das ist unglaublich gut in der Tagesklinik zu behandeln?
Speaker: Gibt es da etwas?
Speaker: Das kann ja auch vielleicht andere Tageskliniken betreffen und sowas wie Essstörungen oder Ähnliches sein.
Speaker: Das muss ja nicht immer das sein, was wir behandeln.
Speaker: Ich tue mich mit einer pauschalen Aussage schwer.
Speaker: Eigentlich sind es mehrere Störungsbilder, genau die, die du schon genannt hast.
Speaker: Also Depressionen, somatoforme Störungen, also die wirklich rein körperlich auch häufig sind.
Speaker: Sich nur darstellen, erstmal haben wir wirklich sehr gute Behandlungserfolge.
Speaker: Trauma-Folgestörung, PTBS, abhängig davon, ob eine Abstinenz oder eine Distanz zu potenziellen Täterkontakten draußen auch gewährleistet ist, kann man auch eine sehr gute Traumabehandlung teilstationär machen.
Speaker: eben auch, wenn ein ansonsten stärkendes soziales Umfeld da ist, finde ich das extrem wichtig.
Speaker: Und natürlich grundsätzlich bei Angsterkrankungen finde ich das schon ein sehr wichtiges Setting, vielleicht eben auch nicht immer direkt teilstationär, aber vielleicht auch in der Folge nach einer vollstationären Behandlung dann in die Tageslinik zu wechseln, um
Speaker: Mögliches Vermeidungsverhalten, was bei Angsterkrankungen ja ein Riesenthema ist.
Speaker: Wenn ich mich einem Reiz nicht aussetze, geht es mir subjektiv kurzfristig besser.
Speaker: Auf Dauer habe ich aber natürlich dann auch eine negative Lernerfahrung.
Speaker: Wenn ich vermeide, stelle ich mich natürlich dem eigentlichen Problem an.
Speaker: Ein defensives Stress-Coping.
Speaker: Genau.
Speaker: Und das ist natürlich in der Tagesklinik ganz häufig gar nicht möglich und eben auch nicht erwünscht.
Speaker: Und dadurch ist man sehr viel mehr nochmal in der Alltagserprobung, Alltagsexposition, hat aber eben auch fünf Tage in der Woche die Möglichkeit, darüber zu sprechen, was einen da gerade umtreibt, beschäftigt, was schwierig gelaufen ist und kann eigentlich super zeitnah dann auch auf solche Situationen reagieren.
Speaker: Ja, super, vielen lieben Dank.
Speaker: Hast du das Gefühl, wir haben einen kurzen Eindruck vermitteln können, was die tagesklinische Behandlung ist?
Speaker: Oder ist dir etwas in Aspekten übrig geblieben, der dir gar nicht erwähnt ist oder wo du sagst, das wollte ich unbedingt noch teilen, hatte ich mich darauf vorbereitet?
Speaker: Ein Aspekt, den ich sehr wichtig finde, der auch mit der aktuellen Versorgungslandschaft in Deutschland zu tun hat.
Speaker: Es gibt im Moment eigentlich, finde ich, zu wenig therapeutische Anlaufstellen für das Ausmaß der betroffenen Menschen.
Speaker: Also ich habe ganz viele Klienten oder auch Patienten, die mittlerweile auch ohne Vorbehandler in die Tagesdienung kommen, weil die tatsächlich keine Therapeuten finden.
Speaker: Die haben 50 Leute, 70 Leute angeschrieben, die kriegen überall ein Nein.
Speaker: Dann haben sie vielleicht eine Kasse, die dann aber mit Kostenerstattung das nicht mitmacht.
Speaker: Also Kostenerstattung heißt, je nach Kasse und Vorgabe, sie haben zehn Therapeuten, die einen Kassensitz haben, angeschrieben, die haben aber abgelehnt.
Speaker: Dann kann man auch sich an eine Privatpraxis wenden und über das Kostenerstattungsverfahren die Psychotherapiekosten von der Kasse erstattet bekommen.
Speaker: Das machen aber ganz viele gar nicht mit, weil auch die Kassen zum Teil sich da sehr unterschiedlich kompliziert zu verhalten.
Speaker: Insofern finde ich, ist Tagesklinik für Leute, die wirklich lange gewartet haben, das greift vielleicht deine Frage von vorher nochmal auf,
Speaker: Ab wann würde man das empfehlen?
Speaker: Aber es gibt eben auch Leute, die lange gewartet haben und dann wirklich so akut erkrankt sind, dass sie, also selbst wenn die jetzt einen ambulanten Therapeuten hätten, das eigentlich gerade nicht mehr ausreichend wäre.
Speaker: Und dann ist Teilstationär, vielleicht sogar auch als Akuteinweisung, wirklich eine sehr sinnvolle und jetzt mal aus Kassensicht auch im Vergleich zu vollstationär,
Speaker: sogar eine kostengünstigere Variante.
Speaker: Aber darum geht es mir jetzt nicht, dass man jetzt irgendwie nur Kosten spart, im Gegenteil.
Speaker: Aber wenn es dann passend ist für das Spannungsfeld oder für das soziale Umfeld, dass man da noch drin bleibt, dann ist Teilstation ja eben auch für akute Situationen, gerade bei der Versorgungslandschaft im Moment eine sehr, sehr gute Erstbehandlungsmöglichkeit.
Speaker: Damit hast du, glaube ich, den Bogen rund gemacht.
Speaker: Es gibt noch eine Sache, die mir wichtig wäre zu sagen.
Speaker: Und zwar, ich habe ja in der Tagesklinik gearbeitet, auch mit dem Herrn Dr. Dennis hier als Oberarzt schon.
Speaker: Und es gibt eine Sache, die verliert man immer wieder, wenn man in Depressionen rutscht, in Erschöpfungssyndrome, wenn man traumatisiert ist.
Speaker: Und zwar, das ist Humor.
Speaker: Und ich weiß einfach, dass in der Tagesklinik, das ist jetzt keine Klaunerie da, aber dass du einen guten Zugang zum Humor hast und Dinge mit Humor wieder zu sehen, heißt sie in einem anderen Licht zu sehen.
Speaker: Und in der Tagesklinik gelingt das gut.
Speaker: Warum ich das mit dem Humor erwähne, es ist einfach eine Sache, die die meisten Menschen eben verloren haben oder verloren zu haben glauben und
Speaker: Das ist eine Möglichkeit auch in der Tagessin, wieder mit Humor und damit meine ich nicht Zynismus oder Sarkasmus zu sehen, sondern einfach wieder zu lachen mit anderen Menschen und das erlebe ich immer wieder.
Speaker: Da entstehen Freundschaften, da entstehen Gruppen, die auch darüber hinaus nach der Behandlung vielleicht irgendwo noch Kontakt haben.
Speaker: Und ja, von daher, wenn das ein Hindernis ist, dass man sagt, ich habe eh den Humor verloren, aber der kommt dann da auch wieder.
Speaker: Also ich habe das auch deshalb nochmal erwähnt, vielleicht das noch als Ergänzung, dass die Sorge sein kann, wenn ich jetzt das Leid der anderen da auch noch mittrage, was ich da höre.
Speaker: dann wird es noch schwerer, aber das ist eben nicht so.
Speaker: Es wird leichter.
Speaker: Selbst wenn wir das Leid der anderen hören, wird unser eigenes Leid leichter, wenn wir es teilen und das der anderen da auch und man kann dem ganzen Humor voll begegnen.
Speaker: Vielen lieben Dank, Dennis, dass du dich hier so der Tageskliniken, der Struktur, dass du dich da so Rede und Antwort gestellt hast und ihr Lieben da draußen, bleibt gesund und munter, ob all der Dinge, die
Speaker: auf euch zukommen und die ihr in Medien hört und so weiter.
Speaker: Das Leben hat viele Aspekte, auch viele, viele gute.
Speaker: Vielleicht ist es an dieser Stelle auch ganz gut, die Medien danach mal kurz zu pausieren, mal vor die Tür zu gehen, mal an den See zu gehen, an den Baum zu gehen, in der Natur zu gehen, den Frühling zu genießen.
Speaker: Und wie Peter Lustig immer bei Löwenzahn gesagt hat, so jetzt abschalten, nicht zu lange werden sie gucken.
Speaker: Habt's gut.
Speaker: Alles Gute, ihr Lieben da draußen.
Speaker: Bis ganz bald.






