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Was ist eigentlich Psychosomatik?

🎧 Folge 1: Was ist eigentlich Psychosomatik? In der ersten Folge tauchen wir direkt in die Frage ein: "Was ist  eigentlich Psychosomatik?“ und sprechen darüber, wie eng Körper und  Psyche zusammenwirken. Wir geben euch dabei interessante Einblicke aus  unserer Arbeit in der psychosomatischen Medizin und mit Menschen, die in der Krise stecken. 🔗 Links zur Folge: * Website des Gezeiten Haus: www.gezeitenhaus.de [https://www.gezeitenhaus.de/] * Kontakt des Beratungsteams: www.gezeitenhaus.de/kontakt [https://www.gezeitenhaus.de/kontakt/] 💌 Schreib uns deine Gedanken zur Folge und Themenwünsche als Mail an: podcast@gezeitenhaus.de 📲 Oder folge uns auf Instagram [https://www.instagram.com/gezeitenhaus/] und Facebook [https://www.facebook.com/GezeitenhausKlinik/] 👉 Abonniere unseren Podcast, um keine Folge zu verpassen!

Transcript

Speaker: Psychosomatik, wann mir das früher begegnet ist, bevor ich da selber drin gearbeitet habe, dann war das ja häufig so etwas, wenn man nichts findet, also eingebildet.

Speaker: Und damit irgendwie auch einen entwertenden Charakter bekommen hat.

Speaker: Entwertend, genau, weil es ja nicht wirklich real ist.

Speaker: Herzlich willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Hallo und herzlich willkommen zur ersten Folge unseres brandneuen Podcasts Alles nur Psyche, dem Podcast für Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Ja, zum Einstieg möchten wir uns euch erstmal näher vorstellen, wer sind wir eigentlich, warum starten wir diesen Podcast und was können die Hörerinnen und Hörer erwarten und was wünschen wir uns auch selbst davon.

Speaker: Pelle, möchtest du dich vielleicht erstmal vorstellen?

Speaker: Ja, vielen lieben Dank.

Speaker: Also mein Name ist per Olaf Wassen, kurz Pelle genannt.

Speaker: Und ich habe 1999 meinen Krankenpflegeexamen gemacht, bin Gesundheits- und Krankenpfleger und habe dann eine Weile in der Mentorentätigkeit gearbeitet.

Speaker: bin dann aber erst tatsächlich 2014 zur Psychosomatik gestoßen in der Tagesklinik im Oktober, am 1.

Speaker: Oktober 2014, Tagesklinik des Gezeitenhauses, noch am Bonner Bogen, am schönen Rhein gelegen.

Speaker: Und da bin ich dann tatsächlich auch auf dich getroffen und du hast, glaube ich, sechs, sieben Tage später angefangen.

Speaker: Ich war schon ein paar Tage da und dann habe ich dich kennengelernt als neuen Oberarzt der Gezeitenhaus Tagesklinik.

Speaker: Und so sind wir uns das erste Mal begegnet.

Speaker: Ich bin außerdem, habe ich Ausbildung im Bereich Ernährung.

Speaker: Sport und Fitness und Stress und Mentalcoaching absolviert.

Speaker: Das fließt in meiner Arbeit automatisch mit ein, die ich im Nachtdienst der Traumaklinik mache.

Speaker: Ich bin bis 2018 in der Tagesklinik gewesen, hatte dann einen vier Jahre Break von der Pflege nach 25 Jahren und habe dann, oder 20 Jahre waren es, und habe jetzt dann eben

Speaker: seit 2022 im Nachtdienst der Traumaklinik angefangen, in einer 75-Prozent-Stelle zu arbeiten.

Speaker: Das ist eine Station, wo es insbesondere um Traumapatienten und EMDR-Therapie geht, aber auch andere Verfahren werden da angewendet.

Speaker: Genau, vielleicht das erstmal zu mir.

Speaker: Ich würde gleich gerne noch erzählen, wie das Ankommen in der Psychosomatik 2014 war, aber möchte dir natürlich erstmal die weitere Vorstellung deiner Person ermöglichen und leg los.

Speaker: Ja, mein Name ist Dr. Dennis Schmitz.

Speaker: Im Podcast, du wirst Pelle genannt, ich werde Dr. Dennis dann genannt.

Speaker: Ich habe in, vielleicht etwas zu meinem Werdegang, ich habe in Köln Medizin studiert, Humanmedizin und habe das Studium damals

Speaker: begonnen noch mit der großen Idee Kinderarzt zu werden tatsächlich.

Speaker: Ich habe dann auch einige Formulaturen im Laufe des Studiums gemacht und habe da gemerkt, dass mir das sehr viel Spaß macht, auch so mit kleineren Patienten zu arbeiten.

Speaker: Mein zweites Fach war eigentlich auch immer die Psychiatrie gewesen, wo ich dann bis dato aber noch wenig Erfahrung hatte und habe dann angefangen.

Speaker: Das erste Praktikum war an der Uniklinik in Köln in der Psychiatrie.

Speaker: Und habe dann im PJ über einen eher glücklichen Umstand Psychiatrie als Wahlfach gewählt und da gemerkt, dass ich ganz viel Spaß, Neugierde an den Geschichten, den Entwicklungen von Psychiatrie.

Speaker: psychisch kranken Menschen in mir gespürt habe und bin dann tatsächlich in die Assistenzarztzeit gegangen, in einigen Kliniken in Nordrhein-Westfalen, dann Psychiatrie und Psychotherapie gemacht, tiefenpsychologisch fundiert.

Speaker: Und in der Zeit der Psychiatrie habe ich schon gemerkt, dass ich gerne auch mit Gruppen arbeite.

Speaker: Ich habe damals in der Psychiatrie, was da noch gar nicht so en vogue war, mit Gruppentherapien gestartet, wo ich Patienten von Akutstationen mit Psychotherapie-Patienten von Psychotherapie-Stationen kombiniert habe.

Speaker: was damals erst mal so ein bisschen belächelt wurde und dann aber ein Selbstläufer wurde und sehr viel Anerkennung fand.

Speaker: Ich habe dann eine Gruppenanalytische Ausbildung berufsbegleitend gemacht und bin dann nach Abschluss der Psychiatrie-Facharztzeit das erste Mal auch in das Fachgebiet Psychosomatik dann gewechselt.

Speaker: Ich habe da viel erst mal mit Schmerzpatienten gearbeitet und

Speaker: war dann auch an einer Uniklinik gewesen, wo das ganze Spektrum der allgemeinen Psychosomatik behandelt wurde, was mich auch sehr weitergebracht hatte.

Speaker: Und bin dann 2014 nach Bronnenske-Zeitenhaus zu meiner ersten Oberarztstelle gegangen und bin jetzt seit circa elf Jahren

Speaker: Mittlerweile auch leitender Oberarzt für die Tagesklinik im Gezeitenhausschloss Eichholz in Wessling, wo wir tagesklinische Patienten mittlerweile aber auch einen bundesweit bekannten EMDR-Trauma-Schwerpunkt haben in der

Speaker: In der Klinik arbeitest du ja auch und auch eine ausgezeichnete Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilung haben.

Speaker: Und da bin ich für ein Team von ca.

Speaker: 14 Leuten hauptverantwortlich und habe sehr viel Spaß an diesem Beruf.

Speaker: Als ich 2014 angefangen hatte am Bonner Bogen, in dieser einzeln stehenden Tagesklinik, da war das für mich tatsächlich erstmal ein Schock, will ich nicht sagen, aber es war eine Überraschung, denn ich war es gewohnt, in der Somatik zu arbeiten.

Speaker: Wer jetzt nichts mit dem Begriff anfangen kann, so bezeichnet man die normale körperliche, sage ich mal eher, körperliche Pflege, Chirurgie, innere Neurologie, all diese Abteilungen, da habe ich lange gearbeitet.

Speaker: Und da war es ja für mich normal, wenn Patienten irgendwelche Wehwehchen, Beschwerden, Schmerzen hatten, hat man das relativ schnell weggemacht.

Speaker: Man hatte ein Wägelchen dabei bei der Morgen- oder bei der Nachtrunde, man hat Tabletten und Tropfen immer alles schon mitgehabt.

Speaker: Und wenn jemand sagt, ich habe Schmerzen, damit man nicht alles auf Abrufen macht, hatte man alles dabei, hat man einfach gesagt, dann gibt es jetzt hier ein Schmerzmittel.

Speaker: Dann saß ich dann da am Bonner Bogen und es waren so zehn Patienten da insgesamt und ich saß in so einem Bürostuhl.

Speaker: Und dann auf einmal kam jemand rein und sagte, kann ich mich kurz setzen?

Speaker: Und ich sagte, ja, klar, setzte sich hin und fing an zu weinen.

Speaker: Und dann habe ich gedacht, okay, kann ja mal so sein.

Speaker: Und auf einmal hörte diejenige nicht auf und sie weinte weiter und weiter, so still in sich rein.

Speaker: Und ich habe dann nur gefragt, kann ich irgendwas für sie tun?

Speaker: Und sie sagte so, nein.

Speaker: Dann habe ich gedacht, okay, dann geht sie jetzt wieder.

Speaker: Aber sie blieb sitzen und da...

Speaker: Da fiel mir auf, okay, mir wurde unwohl, ich habe mich nutzlos gefühlt, ich habe Decken angeboten, ob sie sich aufs Sofa setzen möchte und so.

Speaker: Und dann habe ich gedacht, okay, lass mal los.

Speaker: Vielleicht ist das irgendwie jetzt die neue Aufgabe.

Speaker: Und zwar die Dinge nicht einfach nur die Symptome einfach wegzumachen, sondern sie erst mal entstehen zu lassen, sie erblühen zu lassen und demjenigen Raum zu geben, diese Gefühle bewusst wahrzunehmen und auszuleben, weil da häufig vielleicht im Privaten keine Zeit ist.

Speaker: Und da habe ich gemerkt, okay, damit muss ich mich beschäftigen, da bin ich an der richtigen Adresse hier dafür.

Speaker: Und habe natürlich auch erst mal ganz viel selber in mir hochkommen sehen und war da in einer guten Lehre bei dir, lieber Dennis, dass ich diese ganze erste Zeit ganz viel Reflexion von außen durch dich bekommen habe, wie denn die Arbeit, also was das in einem auslöst an Übertragung und Gegenübertragung.

Speaker: Da kommen wir sicherlich in den nächsten Folgen auf diese Wörter Übertragung, Gegenübertragung sehr häufig immer wieder mal.

Speaker: Ja, das war so mein Einstieg in der Psychosomatik.

Speaker: hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.

Speaker: Ja, und du hast ja intuitiv dann doch etwas richtig gemacht, nämlich ihr Raum gegeben für die Gefühle, was natürlich genau konträr häufig zu den somatischen Fächern ist, wo man eben diese Zeit gar nicht hat.

Speaker: Die bildet sich auch meistens in den Dienstplänen gar nicht oder in den Tagesplänen gar nicht ab.

Speaker: Ein Beispiel, was mir da gerade in den Sinn kommt.

Speaker: Ich habe mal an der Uniklinik in Bonn gearbeitet und eine Kollegin wurde von einem Unfallchirurgen zu einem Konsil gerufen.

Speaker: Und Anlass des Konsils war, Patientin weint, Punkt.

Speaker: Das war der Anlass.

Speaker: Wir haben natürlich da in der Psychosomatik...

Speaker: wo wir dann schon ein bisschen erfahrener waren, erstmal ein bisschen auch drüber geschmunzelt.

Speaker: Und tatsächlich war das eine hochbelastete Patientin, die kurz vorher eine doch schwerwiegende Diagnose mitgeteilt bekommen hatte.

Speaker: Und offensichtlich der chirurgische Kollege, der in dieser Zeit vielleicht auch noch nicht so vertraut mit Gesprächsführung, psychosomatischer Gesprächsführung etc., damit einfach überfordert war.

Speaker: Und ich glaube, das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt,

Speaker: Punkt.

Speaker: Wir haben ja auch nicht ohne Grund jetzt einen Podcast gestartet und wir haben ja beide uns zusammengetan mit einer Mission, nämlich, also erstmal ist ein Podcast ja eine wunderbare Möglichkeit, um viele Menschen auch zu erreichen und auch gerade Themen vielleicht mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, die oft schwer greifbar sind.

Speaker: Psychosomatik und Psychotherapie sind ja auch Bereiche, in denen viele noch Fragen haben oder unsicher sind.

Speaker: Ich kenne auch ganz viele Menschen im Privaten, wenn ich denen sage, ich bin in einer Psychosomatik, dass die dann eigentlich immer fragen, okay, was ist denn das eigentlich genau für ein Fach, kenne ich gar nicht.

Speaker: Und wir möchten mit diesem Podcast, und das ist eben wirklich unser Herzenswunsch, mit spannenden Einblicken, Beispielen und aber auch

Speaker: Interviewpartnerinnen, die wir dann in der nächsten Episode immer mal wieder auch einladen werden, Neugier wecken und auch über das Fachgebiet informieren.

Speaker: Also wenn ich mir jetzt so, wenn ich mir so vorstelle, Psychosomatik, wann mir das früher begegnet ist, bevor ich da selber drin gearbeitet habe, dann war das ja häufig so etwas, was so eine, wenn man nichts findet oder wenn man

Speaker: dann zum Arzt gegangen ist und der hat dann gesagt, sei psychosomatisch.

Speaker: Oder man hat es fast schon so ein bisschen abfällig benutzt für Menschen, die man so vielleicht als Hypochonder oder irgendwie sowas bezeichnet hat, wo man gesagt hat, das ist doch bei dir alles psychosomatisch.

Speaker: Also eingebildet.

Speaker: Und damit irgendwie auch einen entwertenden Charakter bekommen hat.

Speaker: Entwertend, genau, weil es ja nicht wirklich real ist und derjenige sich vielleicht sogar so ein bisschen Aufmerksamkeit damit verschafft oder so.

Speaker: So war das für mich früher auch, dass ich gedacht habe, Psychosomatik, das ist eher so eingebildete Erkrankungen, die tatsächlich spürbar sind, aber eher so ein bisschen, ich sage mal, ein bisschen hysterisch gesehen werden könnten.

Speaker: Auch laienhaft benutzt jetzt der Begriff.

Speaker: Und da möchten wir natürlich so darüber aufklären, dass Psychosomatik,

Speaker: ein ganz spannendes Feld ist und vielleicht kannst du es mal so ein bisschen fachlich beschreiben, was denn Psychosomatik eigentlich ist, also womit beschäftigt sich die Psychosomatik?

Speaker: Genau, psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der Wortlau sagt das schon, dass es Hand in Hand geht, beschäftigt sich genau mit dieser Wechselwirkung zwischen psychischen, sozialen und auch körperlichen Faktoren bei der Entstehung und eben auch bei der Behandlung von Krankheiten.

Speaker: Und was mich damals so fasziniert hat, ist eben auch dieser ganzheitliche Ansatz, der eben sowohl psychische als auch körperliche Symptome berücksichtigt.

Speaker: Das ist eigentlich so die Definition.

Speaker: Viele psychosomatische Erkrankungen, wenn ich die jetzt gleich mal erzähle, und das kannst du ja vielleicht auch nochmal sagen, wie oft du das auch in der Somatik wahrscheinlich erlebt hast, sind dann doch eher bekannt, auch als, aber vielleicht nochmal wichtig zu sagen, dass es auch psychosomatische Erkrankungen,

Speaker: Wirkfaktoren bei diesen Erkrankungen gibt.

Speaker: Was zum Beispiel im Moment sehr verbreitet ist, ist das sogenannte Reizdarmsyndrom, wo Bauchbeschwerden mit Völlegefühl, Blähungen, aber auch Durchfallneigung und dergleichen auftritt, aber eine rein körperliche Ursache nicht gefunden werden kann und trotzdem der Patient genau solche körperlichen Symptome aufweist.

Speaker: Ein anderes Beispiel sind chronische Schmerzen, also Rückenschmerzen.

Speaker: Das ist ja wirklich in der gesamten Bevölkerung ein weit verbreitetes Phänomen.

Speaker: vielleicht da eine kleine Geschichte aus einer somatischen Klinik, wo ich in der Neurologie gearbeitet habe und eng mit Radiologen auch zusammengearbeitet habe zur Bildgebungsdiagnostik.

Speaker: Und ein sehr guter radiologischer Opararzt sagte zu mir irgendwann, wir haben immer eine Flut von MRT, also Magnetresonanz, Tomografie, Anforderungen für Rückenschmerzen.

Speaker: Und wenn

Speaker: Wenn wir alle Menschen in Deutschland einmal durchs MRT für den Rücken schicken würden, hätten 30 Prozent einen Bandscheibenvorfall, aber gar keine Symptome.

Speaker: Also es geht eben auch andersrum, dass man vielleicht Läsionen hat, die sich gar nicht symptomatisch ausdrücken und wiederum anders.

Speaker: Es gibt Rückenschmerzen, da macht man eine Bildgebung.

Speaker: Da sieht man dann dem Befund, also nicht entsprechend sozusagen eine starke Schmerzqualität, aber die durch die körperliche Schmerzqualität

Speaker: organische Bildgebung gar nicht so ausreichend erklärbar ist.

Speaker: Ja, finde ich spannend, dass du das sagst.

Speaker: Ich habe tatsächlich die Zahl 85 Prozent aller Wandscheibenvorfälle sind symptomlos im Kopf aus meiner Sportausbildung.

Speaker: Ich weiß aber nicht, ob das noch stimmt.

Speaker: Und dass es in westlichen Ländern insbesondere so ist, dass die Rückenschmerzen so präsent sind.

Speaker: An Platz zwei waren sie mal, neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc.,

Speaker: Und in Afrika waren sie ganz lange kaum vertreten.

Speaker: Rückenschmerzen waren da kaum bekannt.

Speaker: Das hat aber wohl jetzt auch ein Dreher gekriegt, dass auch in den afrikanischen Ländern plötzlich Rückenschmerzen auftreten.

Speaker: Spannende Entwicklung, weil es da auch Entwicklungsschübe gibt in Afrika und Rückenschmerzen plötzlich entstehen.

Speaker: Also finde ich ein ganz spannendes Phänomen.

Speaker: Absolut, ja, absolut.

Speaker: Andere Erkrankungen, die auch sehr psychosomatisch auslenkbar sind, sind viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Speaker: Bluthochdruck kann ich auch ein bisschen berichten, so aus Erfahrung.

Speaker: Ich habe ein Jahr in der Hausarztpraxis für den Psychosomatikfacharzt Allgemeinmedizin gemacht.

Speaker: Und das war ein sehr, sag ich mal, psychosomatisch offenes Team gewesen, sodass wir Patienten mit erhöhtem Blutdruck

Speaker: nicht direkt medikamentös behandelt haben, sondern die angeleitet haben, ein bisschen mehr Sport zu machen, Entspannungstechniken zu lernen, wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training.

Speaker: Das, was gerade vielleicht so für den Klienten zugänglich war.

Speaker: Und die Blutdruckwerte konnten dann auch ohne Medikamente relativ gut gesenkt werden.

Speaker: Mehr Bewegung, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und dergleichen.

Speaker: Was einfach auch ein sehr schönes Beispiel nochmal auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Speaker: Ansonsten vielleicht der Vollständigkeit halber Neurodermitis, Suryasis, also sehr häufig auftretende Hauterkrankungen.

Speaker: haben eine deutliche stressassoziierte Verschlechterungskomponente, sodass es immer sehr sinnvoll ist, auch auf die Stresskomponente einzugehen.

Speaker: Essstörungen sind eigentlich auch ein gutes Beispiel, wenn man anfängt, zum Beispiel im Rahmen einer Anorexie, also restriktiven Essverhalten mit Gewichtsminderung, können natürlich auch körperliche Schäden entstehen, Bulimie, zum Beispiel eine

Speaker: Esbrechsucht führen auch zu deutlichen körperlichen Symptomen, das vielleicht so als Beispiel der häufigsten psychosomatischen Erkrankungen.

Speaker: Pelle, da du ja auch in der Somatik wirklich lange gearbeitet hast, hast du irgendeine Idee eigentlich, warum auch psychosomatische Patienten trotzdem oft in der somatischen Medizin landen?

Speaker: Ja, also zum einen, weil es, wie wir ja schon gesagt haben, nicht so ganz angesehen ist, sich das alles nur einzubilden.

Speaker: Und natürlich möchte ich natürlich auch selber als Betroffener das klar haben, ob das nicht doch was Körperliches ist.

Speaker: Und es ist einfach in Deutschland ein großes Problem.

Speaker: Thema, dass erstmal alle körperlichen Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, bevor wir überhaupt an die Psyche denken dürfen.

Speaker: Und ich bin tatsächlich auch noch da hängen geblieben, eben an dem Begriff der ganzheitlichen Behandlung, die du genannt hast und wollte da noch was zu sagen, da Ganzheitlichkeit ein bisschen inflationär benutzt wird, auf Social Media und so weiter, gibt es sehr viele selbsternannte ganzheitliche Coaches und so weiter,

Speaker: Und dieser Begriff der Ganzheitlichkeit, der zieht sich natürlich auch durch unsere Behandlung im Gezeitenhaus, wo wir multimodale Therapie machen, also wo wir viele Aspekte des Lebens betrachten.

Speaker: Auch für dich da draußen, der du jetzt zuhörst, es ist natürlich so, dass es bei Kindern sehr häufig akzeptierter ist, dass sie psychosomatisch reagieren, weil eigentlich klar ist, dass wenn ich zum Beispiel, wenn mein Umfeld gewaltvoll ist, meine Eltern oder Scheidungen oder irgendwie sowas,

Speaker: dass das zu körperlichen Reaktionen bei Kindern führt, die ja psychosomatisch sind, die als Symptomträger letztendlich sofort klar werden.

Speaker: Und ich frage mich dann immer, warum sollte das plötzlich mit 18 aufhören?

Speaker: Wenn ich mich in Umfeldern bewege, die mich krank machen, das als Erklärung, warum es Sinn macht, ganzheitlich zu arbeiten, also zu schauen, wo wirkt denn dieser Mensch und wo wirken Einflüsse auf ihn und wo

Speaker: kann man da, an welchen Stellschrauben kann ich da drehen?

Speaker: Da ist halt eine Kopfschmerztablette nicht ausreichend, wenn ich weiß, der Kopfschmerz kommt eigentlich davon, dass sein Chef ihn an den gewaltvollen Vater erinnert.

Speaker: Also mal als Beispiel, da muss man halt dann andere Wege gehen.

Speaker: Und ja, man landet halt erstmal im Krankenhaus, wie du gesagt hast, in der Somatik, weil man diese Themen nicht beleuchtet, sondern erstmal die körperlichen Ursachen alle ausschließen muss, also Ausschlussverfahren machen muss.

Speaker: Sehe ich genauso.

Speaker: Ich würde vielleicht noch ergänzen, dass natürlich die körperlichen Symptome auch häufig erstmal im Vordergrund tatsächlich stehen und psychische Ursachen vielleicht auch von therapeutischer Seite oder auch von dem Klienten selber erstmal noch gar nicht so eingeschätzt erkannt werden oder vielleicht sogar auch verdrängt werden.

Speaker: Dann hast du ja auch gesagt, dass es immer noch eine deutliche Trennung zwischen somatischer und psychischer Medizin in vielen Gesundheitssystemen gibt.

Speaker: Und natürlich auch eine Angst davor besteht, in der Bevölkerung als psychisch krank stigmatisiert zu werden.

Speaker: Dazu kommt...

Speaker: dass viele Ärztinnen auch in der psychosomatischen Grundversorgung noch nicht ausgebildet sind und das vielleicht auch noch gar nicht so schnell einschätzen können oder über mehrere Kontakte dann vielleicht doch erstmal noch gar nicht an eine psychische Bedingtheit oder soziale Bedingtheit der Situation des Klienten denken.

Speaker: Vielleicht an der Stelle, an Beispielen lernt man ja eigentlich am besten, würde ich vielleicht mein eindrucksvollstes psychosomatisches Behandlungsbeispiel mal zur Verfügung stellen.

Speaker: Als ich in die Psychosomatik gewechselt bin, das hatte ich eben ja schon mal erwähnt, war ich auf einer Station für Schmerzstörungen,

Speaker: Was mir damals noch gar nicht so klar war, gibt es unter vielen Schmerzpatienten eine sehr hohe Traumatisierungsrate.

Speaker: Und mir ist dann als mein zweiter Patient auf dieser Station ein älterer Mann.

Speaker: Ich anonymisiere das jetzt so, dass man tatsächlich keine Rückschlüsse auf die betreffende Person ziehen kann.

Speaker: Also da bin ich Unverständnis.

Speaker: Diese Person war tatsächlich sechs bis sieben Jahre im Vorfeld somatisch durch alle Abteilungen gelaufen.

Speaker: Es gab eine zunehmende Schiefstellung des Körpers zur linken Körperseite hin.

Speaker: Am Anfang, was ja auch wichtig und richtig ist, hatte man zuerst an eine neurologische Erkrankung wie einen Schlaganfall gedacht oder eine Hirnblutung, hatte das dann wirklich komplett alles von Bildgebung, Hirnwasseruntersuchung, Nervenleitgeschwindigkeiten etc.

Speaker: abgeklärt und konnte da keine auffälligen Befunde finden.

Speaker: Dann wurden andere, also wirklich auch die anderen körperlichen Ursachen, die sowas haben kann, muskuläre Erkrankungen und dergleichen.

Speaker: Alles wurde ausgeschlossen.

Speaker: Man hatte dann versucht, über Physiotherapie zu

Speaker: manuelle Therapie, Kraniosakraltherapie, bis hin sogar zu, wie ich finde, doch relativ invasiven Behandlungsmethoden wie Botox in die verbogene Körperhälfte hineinzuspritzen, um da die Muskulatur zu lähmen, anbehandelt und es hat alles nichts gebracht.

Speaker: Und dieser Patient, und da hatte ich damals von Psychosomatik noch relativ wenig Ahnung, wurde mir dann in der Einzeltherapie zugeteilt.

Speaker: Als er das so geschildert hatte, war ich natürlich erst mal so, wie soll ich denen denn jetzt helfen können?

Speaker: Bin dann aber, wie ich dann auch ausgebildet war, nochmal sehr in die Entstehungsgeschichte oder beziehungsweise die Lebensumstände reingegangen, die davor ihn heimgesucht hatten.

Speaker: Und wir konnten da herausfinden, er war Linkshänder.

Speaker: Und seine linke Körperseite war eben der Ausdruck auch seiner Kreativität.

Speaker: Er hat in einem kreativen Bereich gearbeitet, so viel vielleicht erst mal dazu, und wurde da durch einen Führungswechsel im Unternehmen, in dem er gearbeitet hat und angestellt war, sehr, sehr massiv gekränkt, ausgebremst, ausgegrenzt und so auf das Abstellgleis gestellt, was ihn massiv gekränkt hatte.

Speaker: Und das war ihm aber gar nicht so bewusst,

Speaker: Und wir konnten das durch wirklich sehr intensive, auch zunehmend dann emotionalere Gespräche, als ich mir rückgemeint habe, boah, das muss doch ganz schlimm für sie gewesen sein, traurig, kränken, Sachen, die er innerlich so in sich noch gar nicht entdecken konnte, konnte er dann entdecken.

Speaker: Und er richtete sich tatsächlich nach und nach über zwölf Wochen immer weiter auf und meinte, ja, irgendwie kommt da so eine Entspannung in diese doch sehr verkürzte, verkrampfte Körperhälfte hin.

Speaker: Wir hatten dann am Ende, weil er auch eine gewisse Sportart gemacht hatte, die mir auch sehr nahe lag, aber haben wir dann gesagt, wenn wir das hier schaffen sollten, dass sie sich komplett aufrichten in der Zeit hier, dann laufen sie eine Kampfsport, Kampfkunstform auf dem Flur vor dem Stationszimmer und ich mache das und dann werden sie in die Freiheit entlassen.

Speaker: Und er entwickelte nach und nach durch diese körperliche Besserung auch wieder Lust daran, fing dann auch an wieder mit kleineren Einheiten im Patientengarten

Speaker: sich dann doch wieder etwas in die Mobilität zu bringen.

Speaker: Aber eben vor allem durch diese doch sehr emotionale Aufarbeitung dieser schwerwiegenden, wirklich schwerwiegenden Kränkung, die aber noch nicht in Worte zu fassen war, konnte er diese körperliche Einschränkung, gerade auf seiner kreativen Seite, wo er gekränkt war, nach und nach wieder loslassen.

Speaker: Und das war so beeindruckend.

Speaker: Es war ein sehr groß gewachsener Kerl, der dann nachher neben mir stand.

Speaker: Ich dachte, boah,

Speaker: Der ist nur einen halben Kopf größer als ich.

Speaker: Ich bin 1,90, also auch nicht so ganz klein.

Speaker: Und das war wirklich sehr beeindruckend.

Speaker: Das war so das Bäm-Ereignis sozusagen, was mich so auch nochmal davon überzeugt hat, diesen Weg weiterzugehen in der psychosomatischen Ausbildung.

Speaker: Dass da so viel möglich ist, dass es so viele Bereiche gibt, die wir auch medizinisch vielleicht noch gar nicht so verstanden haben, die eben mit Gefühlen, mit Kränkungen zu tun haben, die sich aber eben auch

Speaker: im Körper ausdrücken und symbolisieren.

Speaker: Und wenn man die wieder entschlüsseln kann, dann können auch körperliche Symptome sich wieder deutlich bessern.

Speaker: Ich habe jetzt gerade einen Kurs gegeben auf der schönen Insel Juist.

Speaker: Und da hatte eine weitere Anleiterin, die macht dort Tai Chi Chuan, im Eröffnungswort, das fand ich ganz schön, hat sie gesagt, ich möchte ein afrikanisches Sprichwort gerne hier mitgeben.

Speaker: Und das heißt, der Mensch ist für den Mensch die beste Medizin.

Speaker: Und das hat mich total bewegt, total berührt, weil ich diese Erfahrung auch gemacht hatte, schon in der Somatik, wo ich Patienten mit dem Bett zum OP gefahren hatte.

Speaker: Sie hatten schon Dormicom, so eine Prämedikation, so eine Vortablette bekommen, zur Beruhigung, waren aber immer noch aufgeregt und die lagen im Bett, schauten nach oben, waren ausgeliefert im Prinzip den Prozess und ich war die Begleitung.

Speaker: Und dann gab es immer den Moment, dann habe ich den einfach, wenn wir an der Schleuse gewartet haben, den

Speaker: die Hand auf die Schulter gelegt, ganz nebenbei.

Speaker: Und es gab immer diese... Ich habe immer gespürt, wie die ruhig wurden.

Speaker: Und ganz, ganz, ganz basale Dinge, ganz einfache Dinge, Körperberührung.

Speaker: Und da war dann die Entspannung da.

Speaker: Und ich musste gerade daran denken, bei deinem Beispiel des gebogenen Mannes, dass du ja letztendlich da so ihm zugesprochen hast, validiert hast, was du gefühlt hast.

Speaker: Wie wäre es mir ergangen, wenn ich in dieser Situation wäre,

Speaker: dass du letztendlich über Spiegelneuronen vielleicht ähnliche Gefühle empfunden hast und ihm das ausgeliehen hast.

Speaker: So könnte es ihnen eigentlich gehen, wenn sie denn Zugang dazu hätten gerade.

Speaker: Vielleicht war der verbaut.

Speaker: Und da frage ich mich, und das frage ich dich jetzt als Fachmann,

Speaker: braucht es für einen behandelnden Arzt der Psychosomatik oder auch vielleicht Pflegeperson, braucht es selber Schmerzen und negative Erfahrungen in der Vergangenheit, um Empathie in einem gewissen Maß entwickeln zu können, um Menschen zu helfen?

Speaker: Weil sonst würde ich ja eigentlich sagen, ein gesunder Mensch könnte einen kranken Menschen helfen,

Speaker: Vielleicht besser helfen, weil er mit Gesundheit vorangeht, aber vielleicht ist es in der Psychosomatik nochmal ein bisschen komplizierter, dass ich also, wie im Buddhismus gesagt, ich muss eigentlich durchs Leid erstmal gehen, um überhaupt das Leid der anderen verstehen zu können oder nachvollziehen zu können.

Speaker: Kann man das so sagen?

Speaker: Ohne jetzt was Konkretes natürlich von dir zu wissen, von deinen Leiden.

Speaker: Nein, nein, nein.

Speaker: Also ich denke, irgendeine Form von Schmerzen kennt ja erstmal jeder.

Speaker: Jeder ist schon mal umgeknickt oder als Kind hat man sich schon mal geschnitten oder eine Brennnessel angefasst.

Speaker: Das sind ja auch Schmerzen.

Speaker: Insofern kann man, glaube ich, die Qualität, dass es einen einschränkt, nervt, verhindern.

Speaker: von anderen Gedanken sozusagen ablenkt, glaube ich, ganz gut verstehen.

Speaker: Das, was, glaube ich, in diesem Beispiel mit drin steckt, ist ja eine wichtige Komponente der Ausbildung.

Speaker: Dass man seine eigenen Baustellen, eigenen Verletzbarkeiten, Verletzungen,

Speaker: im Rahmen dieser Weiterbildung so gut versteht, dass man für unbewusste Projekt, also Projektionen, sprich Übertragungen von alten Beziehungserfahrungen, die der Klient sozusagen in sich trägt und nicht bewusst auf den Therapeuten, der ihm ja helfen möchte,

Speaker: überträgt, dass der das auf jeden Fall schon mal gut auseinander halten kann.

Speaker: Ist das jetzt meins oder ist das jetzt doch eher von dem Patienten?

Speaker: Weil dann kann man ihm das auch wieder anbieten in der inneren Differenzierung als Therapeut selbst.

Speaker: Und es hat natürlich auch was damit zu tun, als Beispiel vom gebogenen Mann, waren Gefühle in der Übertragung komplett abgespalten.

Speaker: Die konnte dieser Klient erstmal so nicht mehr wahrnehmen, weil die für ihn nicht vermutlich so schmerzhaft und nicht aushaltbar gewesen sind, dass er sie eben körperlich ausfühlt.

Speaker: den Körper sozusagen verschieben, verdrängen musste.

Speaker: Um das jetzt genau zu bezeichnen, ich habe ihm das natürlich angeboten.

Speaker: Bei mir wäre, würde das das und das auslösen, ob er das mit einer gewissen Ruhe oder Gelassenheit, wenn er sich da jetzt mal so reinfühlen würde, ob das für ihn so stimmig ist.

Speaker: Also man würde dem Klienten da jetzt nichts überstülpen, aber zumindest ihm das anbieten.

Speaker: Dass da Gefühle, die offensichtlich von ihm selber gar nicht thematisiert werden und auch noch gar nicht bewusst sind, dass die in dem Therapeuten als Gegenüber entstehen und darüber durch die Spiegelung dessen, was im Inneren passiert, ihm das zur Verfügung zu stellen,

Speaker: kann er dann in eine andere Betrachtung vielleicht auch der Symptome kommen und die, wie gesagt, symbolisieren.

Speaker: Wofür könnte das denn dann stehen, wenn Ihre linke kreative Seite eigentlich gar nicht mehr handlungsfähig ist im Alltag?

Speaker: Insofern, also ich glaube, Schmerzen kennt jeder, also als Beispiel sozusagen.

Speaker: Aber das erfordert schon, finde ich, eine sehr gute Selbsterfahrung auch in diesem Bereich, die

Speaker: Was die psychosomatische Grundversorgung angeht, muss jetzt nicht jeder sich komplett selbst analysiert haben, aber von erfahrenen Kollegen vielleicht Hinweise aufnehmen und verstehen, die dafür sprechen, dass es vielleicht auch eine psychosomatische Erkrankung ist.

Speaker: Da würde ich wirklich sehr gerne Werbung für machen, auch für die anderen KollegInnen, die draußen auch ärztlich oder therapeutisch arbeiten, sich damit auch weitergehend zu beschäftigen.

Speaker: Das ist ja jetzt in anderen Kulturen nicht unbedingt so aufgespalten.

Speaker: Da haben wir das Ayurveda, was so in den indischen Subkontinenten entstanden ist.

Speaker: Oder die traditionelle chinesische Medizin, die die Lebenspflege betreibt, wo immer klar ist, dass Körper, Geist und Seele oder emotionale Seite zusammenspielen.

Speaker: Jetzt ist das in Deutschland anders und jetzt hast du ja nicht aufgrund deiner TCM-Erfahrung gesagt, ich erfinde jetzt was ganz Neues, sondern das hat ja irgendwie, gibt es ja eine Geschichte der Psychosomatik auch.

Speaker: Also in Deutschland oder in Österreich, Schweiz, wo auch immer, im deutschsprachigen Raum, westlichen Welt, wie hat das angefangen, dass man nicht mehr nur einfach körperlich behandelt hat?

Speaker: Gute Frage.

Speaker: Wenn man da so ein bisschen in die Geschichtsbücher schauen möchte, entwickelte sich so die ersten Ansätze der psychosomatischen Medizin so im 19. und 20.

Speaker: Jahrhundert, vor allen Dingen tatsächlich in Deutschland, Österreich und auch der Schweiz.

Speaker: Wichtige Pioniere waren unter anderem Sigmund Freud,

Speaker: aber auch Georg Krodeck und Viktor von Weizsäcker, die nämlich sich mit einer Sache im Besonderen beschäftigt haben, nämlich mit der Grundidee, dass der Körper und die Seele sich gegenseitig beeinflussen und eben nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können.

Speaker: Um jetzt mal vielleicht Freude herauszugreifen, der hat ja dann doch sehr den psychodynamischen Zugang geprägt und vor allen Dingen damit ja den Grundstein gelegt, ganzheitlich auf eine Krankheit zu schauen, nämlich auch als Ausdruck von unbewussten seelischen Konflikten.

Speaker: Das ist ja so das, was er so mit am meisten in die Psychotherapie weltweit gebracht hat, die Unterscheidung zwischen Über-Ich, Ich und Es, also unbewussten Anteilen.

Speaker: Und 1967 ist dann die psychosomatische Medizin offiziell mittlerweile dann anerkannt worden, damals aber eher als Zusatzbezeichnung.

Speaker: Und 1992, also jetzt mal weltgeschichtlich gesehen, ist das noch gar nicht so lange her, wir haben heute 2025, wurde also die psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Deutschland dann als eigenständiges Facharztgebiet etabliert.

Speaker: Und seitdem können dann Ärztinnen und Ärzte auch die volle Facharztweiterbildung in diesem Bereich absolvieren.

Speaker: Und eben auch mit der klaren Abgrenzung zur rein somatischen Medizin.

Speaker: Es gibt viele übersteigende Anteile, aber auch Anteile, die es in anderen Facharztausbildungen so nicht gibt.

Speaker: Und seitdem ist die psychosomatische Medizin auch ein wirklich fester Bestandteil der medizinischen Versorgung.

Speaker: In Österreich ist

Speaker: gab es seit 2014 auch die Möglichkeit, eine psychosomatische Grundausbildung zu absolvieren.

Speaker: Ein eigenständiger Facharzt existiert aber dort erstmal so nicht.

Speaker: Psychosomatik findet sich da eher in den Fächern Psychiatrie, Neurologie und Innere Medizin integriert wieder.

Speaker: Und in der Schweiz ist es ähnlich.

Speaker: Da gibt es die Zusatzbezeichnung psychosomatische und psychosoziale Medizin.

Speaker: Ist aber kein eigenständiger Facharzt und ist dort vor allen Dingen in der Allgemeinmedizin und auch in der Psychiatrie mit eingebunden.

Speaker: Vielen lieben Dank für diese Geschichtsstunde der Psychosomatik.

Speaker: Jetzt habe ich eine Frage an dich, die kommt so ein bisschen aus dem Off.

Speaker: Also die haben wir noch nicht besprochen, aber die möchte ich dir gerne stellen.

Speaker: Und zwar...

Speaker: Wo sind denn eigentlich für dich die Grenzen der Psychosomatik?

Speaker: Insbesondere im Hinblick darauf, ich habe jetzt mal so ein Beispiel, was ich so aus dem vielleicht eher esoterischen Bereich schon mal höre, es bricht sich jemand ein Bein, weil er angefahren wird und dann wird dann gesagt, ja, das hast du angezogen, das ist irgendwie, was will dir das sagen, warum brichst du dir das Bein oder so.

Speaker: Hört da nicht irgendwo die Psychosomal... Also geht das nicht zu weit?

Speaker: Das ist eine gute und nicht so einfach zu beantwortende Frage.

Speaker: Also was da ja ein bisschen drin steckt, also manchmal ist ein Unfall auch einfach ein Unfall.

Speaker: Ein doch sehr erfahrener Psychiatrie-Chefarzt hat mir mal gesagt, naja, wenn Sie in Deutschland aus dem Fenster gucken, ist es eher wahrscheinlich, dass eine Amsel vorbeifliegt anstatt ein Kolibri.

Speaker: Also häufig ist es häufig und selten ist es selten.

Speaker: Ich sage mal so, wir möchten die Menschen in der Psychosomatik natürlich ein bisschen da abholen, wo sie sind.

Speaker: Und wenn das ein Erklärungsansatz für einen Menschen wäre, der dann sagt, oh, das ist aber jetzt tatsächlich sehr symbolträchtig, dass das ausgerechnet jetzt passiert ist und ich muss jetzt mal in meinem Leben was verändern durch diesen Anlass, dann würde ich das total mitgehen.

Speaker: Dann würde ich jetzt auch nicht sagen, ah, das ist aber eine Überinterpretation.

Speaker: Vielleicht ist durch die Immobilität kommen dann noch andere Sachen in Gang.

Speaker: Ich kann mich nicht mehr ausreichend entstressen und ich merke gerade, wie wichtig mir das eigentlich ist oder ich merke aber auch gerade, wie viele Sachen liegen geblieben sind.

Speaker: Da würde ich mich doch sehr auf den Klienten einschwingen und da nicht eben irgendetwas überstülpen.

Speaker: Ich glaube, diese Gefahr gibt es ja vielleicht in den Psychofächern.

Speaker: Das ist vielleicht auch etwas, wo manchmal die Leute auch Angst haben, zu Psychiatern, psychosomatischen Fachärzten zu gehen, weil man dann irgendwie abgestempelt wird.

Speaker: Und da kann ich für mich, aber auch für Kolleginnen, mit denen ich zusammenarbeite, nur sprechen.

Speaker: Also man kann das ruhig kritisch beleuchten.

Speaker: Also man soll jetzt auch nicht alles nur...

Speaker: blauäugig hinnehmen, aber die Grundhaltung von vielen Therapeuten ist eine ganz andere, nämlich dass wir die Menschen da abholen, wo sie sind.

Speaker: Und wenn das ein Erklärungsansatz ist oder eine Krise sozusagen dafür genutzt werden kann, Sachen, die vielleicht vorher auch schon länger im Argen lagen, zu verändern, zu verbessern, um dadurch wieder gesünder zu werden, dann würde ich sagen, sind wir dabei.

Speaker: Also spannend, das geht ja dann tatsächlich auch um die Zeiten.

Speaker: Also was ist präsent, was ist vergangen und was bringt das für die Zukunft?

Speaker: Also gar nicht nur immer gucken, wieso ist das passiert, sondern es ist jetzt so, welche Chancen bietet das?

Speaker: Also wenn jemand sich jetzt 17 Mal das Bein bricht, dann glaube ich, wissen wir alle, dass man da mal hingucken muss, wieso passiert das immer wieder.

Speaker: Genau.

Speaker: eher da zu schauen, welche Chancen bietet das.

Speaker: Also auch das ist ein Spektrum der psychosomatischen Behandlung.

Speaker: Das finde ich spannend und gut erklärt.

Speaker: Vielleicht mit Hinblick auf die in Kürze folgenden Folgen.

Speaker: Wir haben Gäste geplant aus dem Bereich der TCM-Therapie, also der traditionell chinesischen Medizin, welche wir speziell im Gezeitenhaus implementiert wissen.

Speaker: Da bin ich ganz gespannt drauf.

Speaker: Ich glaube, das wird eines der ersten Ergebnisse,

Speaker: Interviews sein, die wir in der nächsten Zeit machen werden mit einem der CCM-Therapeuten.

Speaker: Da freue ich mich ganz besonders drauf.

Speaker: Wie geht es dir damit?

Speaker: Ich freue mich da auch sehr drauf und würde vielleicht gerne auch nochmal sagen, was wollen wir eigentlich erreichen mit diesem Podcast?

Speaker: Also ein besonderes Ziel für uns wird es sein, eben auch anhand konkreter Beispiele aus psychosomatischen Behandlungen, diese Fachdisziplin nochmal verständlicher zu machen, auch zu zeigen, wie man da arbeiten kann.

Speaker: Wir möchten natürlich über psychosomatische Krankheitsbilder von verschiedenen Perspektiven informieren, gerne auch schulmedizinisch, aber eben auch aus psychodynamischer, traditionell chinesischer Sichtweise.

Speaker: Vielleicht auch dazu einladen und helfen, komplexe Zusammenhänge auch einfacher zu erklären und verschiedene Perspektiven da auch so zu beleuchten.

Speaker: möchten gerne natürlich auch Betroffene und Angehörige diesen Podcast ansprechen und aber auch Fachpersonal in somatischen Kliniken inspirieren, vielleicht sich auch da nochmal weiterbilden zu lassen.

Speaker: Was können die HörerInnen konkret erwarten?

Speaker: Wir planen also monatliche Episoden mit einer Länge von 30 bis 45 Minuten und die Inhalte

Speaker: Wir werden eben allgemeine Themen abdecken, aber auch bis hin zu spezialisierten Vertiefungen.

Speaker: Und wie du schon gesagt hast, wir werden sehr spannende Ärztinnen, Therapeutinnen, Pflegende, aber auch Experten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie,

Speaker: Und eben vor allem auch von der traditionellen chinesischen Medizin zu Wort kommen lassen und hoffen dann, dass wir dadurch auch Gesundheitstipps und Präventionsempfehlungen geben können.

Speaker: Es wird sicherlich auch mal praktische Ratschläge geben, wie kann man besser mit Stress umgehen, wie kann man sich besser selbstfürsorglich bewegen.

Speaker: Und dadurch geben wir auch Einblicke hinter die Kulissen vom Krankenhausalltag, das eben im besonderen Maße aus den Gezeitenhäusern, weil wir da arbeiten und da wirklich sehr hinter dem Ansatz stehen, das aber eben auch als Beispiel sehen.

Speaker: Es geht natürlich auch um dich, der du da gerade zuhörst oder die du da gerade zuhörst.

Speaker: Vielleicht hast du jetzt ein kleines bisschen mehr über die Psychosomatik erfahren.

Speaker: Hast vielleicht selber eine Geschichte gehört, die dir hochgekommen ist aus deinem eigenen Leben oder konntest das gut nachempfinden, was Dennis über den gebogenen Mann erzählt.

Speaker: erzählt hat, aber vielleicht auch einfach über die Gefühle, die vielleicht schon mal hochkommen und dass man die sein lassen darf.

Speaker: Und wir möchten dich auch einladen, mal nach innen zu gehen, nach innen zu schauen.

Speaker: Wenn du jetzt gerade Auto fährst oder irgendwo unterwegs bist, drückst du auf Pause und machst das nicht direkt mit, weil es vielleicht ganz gut ist dabei, die Augen zu schließen und das solltest du im Auto nicht tun.

Speaker: Dann machst du an der Stelle Pause und hörst dir das später nochmal an.

Speaker: Ansonsten würde ich empfehlen, dass du mal deine Augen schließt und mit all dem Gehörten und Gesagten mal kurz in Resonanz gehst.

Speaker: Das heißt schauen, wo hat sich das denn bei dir bewegt?

Speaker: Welche Gedanken sind vorhanden?

Speaker: Vielleicht ein Kerngedanke.

Speaker: Vielleicht aber auch ganz viele einzelne schnelle Gedanken.

Speaker: Und bei diesen Gedanken, welche Gefühle kommen auf?

Speaker: Gefühle wie

Speaker: Unwohlsein, angeregt sein, genervt, gelangweilt.

Speaker: Und wie fühlt sich dein Körper jetzt an, hast du, wenn du einmal

Speaker: durch deinen Körper mit der Aufmerksamkeit wanderst, ein Bereich, der sich unwohl anfühlt, vielleicht sogar schmerzhaft, vielleicht im unteren Rücken, Knie, Nacken, Kopf.

Speaker: Ohne etwas verändern zu müssen,

Speaker: Richte deine Aufmerksamkeit nun einmal auf deine Atmung.

Speaker: Wie atmest du?

Speaker: Eher flach oder tief?

Speaker: Vielleicht bist du jetzt erst überhaupt darauf gekommen, dass du atmest.

Speaker: öffne langsam deine Augen wieder vielleicht magst du dir sogar wenn da was hochgekommen ist oder was offenbar geworden ist einen Stift nehmen und ein bisschen Papier und dir ein Stichwort aufschreiben

Speaker: Und wenn du magst, kannst du die Möglichkeit, direkt im Podcast zu kommentieren nutzen.

Speaker: Wenn das für dich irgendeine Bedeutung hat, das kann man auf Spotify machen, in der Folge.

Speaker: Man kann natürlich auch Kontakt direkt zum Gezeitenhaus aufnehmen.

Speaker: Man kann auch auf Instagram auf unserer Gezeitenhaus-Seite sich mal kundig machen.

Speaker: Und ansonsten, wenn du

Speaker: irgendwelche Themen hochgekommen sind, wo kann man sich melden?

Speaker: Lieber Dennis, danke fürs Mitmachen übrigens.

Speaker: Ja, ich danke dir auch für die Anleitung.

Speaker: Das war ein schöner Moment der Stille.

Speaker: Genau, wo kann man sich hinwenden?

Speaker: Gerne die erste Anlaufstelle in Deutschland sind immer noch die Hausärzte.

Speaker: Da wirklich gerne ein offenes Gespräch suchen, vielleicht bei der Terminierung sagen, dass es ein bisschen Zeit mehr braucht als eine Notfallsprichtunde.

Speaker: Vielleicht eine Viertelstunde, 20 Minuten, dass man ein bisschen mal darüber spricht, was einen beschäftigt, dass dann der allgemeinmedizinische Kollege das schon ein bisschen mit einschätzen kann, ob gerade vielleicht eine psychotherapeutische, psychiatrische oder psychosomatische Behandlung ist.

Speaker: ambulant oder teilstationär oder vollstationär auch Sinn machen würde, vielleicht auch eine Reha-Maßnahme vielleicht da Sinn machen würde.

Speaker: Und ansonsten, wie gesagt, gerne auch Kontakte und das Beratungsteam von unserer Klinik zum Beispiel kontaktieren, da habe ich sehr gerne mitzuein.

Speaker: Das war unser Einstieg in den Podcast Alles nur Psyche mit Pelle und mir, Dr. Dennis.

Speaker: Wir hoffen sehr, dass ihr neugierig geworden seid und begleitet uns gerne auf unserer Reise durch die Welt der Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Ich bedanke mich fürs Zuhören.

Speaker: Ich danke dir, Pelle, für den regen Austausch und sage mal bis ganz bald zur nächsten Folge.

Speaker: Auf Wiederhören.

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