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EMDR in der Traumatherapie – wie kann unser Gehirn belastende Erinnerungen verarbeiten? Zu Gast: Dr. Arne Hofmann

🎧 Folge 7: EMDR in der Traumatherapie – wie kann unser Gehirn belastende Erinnerungen verarbeiten? Zu Gast: Dr.  Arne Hofmann Was passiert im Gehirn, wenn wir belastende oder traumatische Erinnerungen erleben – und warum können manche davon jahrelang nachwirken? In dieser Folge spricht Pelle mit Dr. Arne Hofmann, Gründer des EMDR-Instituts Deutschland und Pionier der Traumatherapie im deutschsprachigen Raum, über die Funktionsweise von EMDR, das erstaunliche Selbstheilungssystem unseres Gehirns und wie er die Methode Anfang der 90er-Jahre aus den USA nach Deutschland brachte – zu einer Zeit, in der Trauma hier noch kaum Thema war. 🔗 Links zur Folge: * Therapeut:innen-Liste des EMDRIA-Netzwerks: https://www.emdria.de/therapeuteninnen * Behandlungsschritte einer EMDR-Therapie mit Dr. Arne Hofmann: https://www.youtube.com/watch?v=NKKCOxcVN_Y * EMDR-Therapie im Gezeiten Haus: https://www.gezeitenhaus.de/therapien/emdr-therapie  * EMDR-Forschungsnetzwerk: https://www.gezeitenhaus.de/standorte/psychosomatische-kliniken-wesseling/emdr-forschungsnetzwerk-schloss-eichholz/ 💌 Schreib uns deine Gedanken zur Folge und Themenwünsche als Mail an: podcast@gezeitenhaus.de 📲 Folge uns auf Instagram: @gezeitenhaus [https://www.instagram.com/gezeitenhaus/] und Facebook [https://www.facebook.com/GezeitenhausKlinik/] 👉 Abonniere unseren Podcast, um keine Folge zu verpassen!

Transcript

Speaker: Es ist gut, wenn man auf sein Gespür vertraut und auch weiß, dass die meisten Menschen, auch wenn sie gerade unter Druck sind, ein gutes Selbstheilungssystem haben.

Speaker: Was wir in der Therapie machen, ist nichts anderes als das bisschen Ausgraben und Anschubsen.

Speaker: Aber das System ist da.

Speaker: Menschen haben auch ganz viele Ressourcen, Energien und es gibt Situationen, wo man das nicht sieht, aber es ist trotzdem da.

Speaker: Herzlich willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Herzlich willkommen zum Alles nur Psyche Podcast und zwar mit Folge 7 schon des Podcastes und heute ohne Dr. Dennis, der ist leider erkrankt und deshalb bin ich alleine heute mit dem Gast.

Speaker: Den Gast möchte ich gerne vorstellen.

Speaker: Vielen von Ihnen ist er vielleicht schon bekannt.

Speaker: Und zwar haben wir heute zu Gast Herrn Arne Hofmann.

Speaker: Schön, dass Sie sich bereit erklärt haben, heute hier zu sein.

Speaker: Herr Arne Hofmann ist im Gezeitenhaus, sehr bekannt als leitender Arzt auch hier.

Speaker: Erstmal herzlich willkommen.

Speaker: Schön, dass Sie da sind.

Speaker: Vielen Dank für die Einladung.

Speaker: Schön, dass Sie der gefolgt sind.

Speaker: Herr Hofmann, Sie sind der Gründer des EMDR-Institutes.

Speaker: Das haben Sie, soweit ich weiß, 1992 gegründet.

Speaker: Und wenn die Zuhörer sich jetzt vielleicht in die Folge reingeschaltet haben und immer mal was von EMDR gehört haben, möchte ich tatsächlich trotzdem eine ganz einfache Frage stellen.

Speaker: Und zwar, wenn Menschen mit Menschen,

Speaker: belastenden Erinnerungen geplagt sind.

Speaker: Was ist da mit einer ganz einfachen Erklärung, was ist mit der EMDR-Therapie, was hat es damit auf sich, wie kann die helfen?

Speaker: EMDR-Therapie ist ein völlig neuer Ansatz der Psychotherapie, speziell der Trauma-Psychotherapie, der von Dr. Franzin Shapiro Ende der 80er Jahre entwickelt worden ist und die

Speaker: hat etwas herausgefunden, was vorher nicht bekannt war.

Speaker: Was bekannt war, dass es ein Selbstheilungssystem im Gehirn gibt, dass die Mehrheit der Menschen, die posttraumatische Belastungsstörungen oder eindringliche belastende Erinnerungen haben, dass das sich spontan ergibt und heilt.

Speaker: Selbstheilungssystem und dieses Selbstheilungssystem kann man verstärken.

Speaker: Und das geht über einen Mechanismus, der nicht über Reden und Nachdenken funktioniert, sondern in der Regel über Augenbewegungen und wie wir sagen, bilaterale Stimulation, Tapping, akustisch, aber die Augenbewegungen sind das Wirksamste und das hört sich so furchtbar unlogisch an, dass es am Anfang von kaum jemandem geglaubt wurde.

Speaker: Aber in der Therapie ist hochwirksam.

Speaker: Triggerwarnung.

Speaker: Die Inhalte dieser Folge können dich möglicherweise triggern.

Speaker: Wenn du merkst, dass das Thema dich besonders auffühlt, hast du immer die Möglichkeit, die Folge zu pausieren oder auszuschalten.

Speaker: Das bedeutet, wenn ich es nochmal ganz einfach sagen würde, ich muss gar nicht immer über all das reden, was mir passiert.

Speaker: Nur über das reden, was mir passiert ist.

Speaker: Es gibt auch andere Möglichkeiten, solche Erinnerungen loszuwerden.

Speaker: Absolut.

Speaker: Sie müssen vor allen Dingen nicht über die belastenden Details reden.

Speaker: Das müssen Sie in anderen Verfahren tun.

Speaker: Im EMDR müssen Sie das nicht, sondern Sie beginnen mit einem herausragenden Bild.

Speaker: Das müssen Sie noch nicht mal beschreiben im Detail.

Speaker: Aber so grob sollte die Therapeutin der Therapeuten eine Idee haben, was Sie machen.

Speaker: Dann wird gezielt darauf fokussiert, damit diese Erinnerung aktiviert wird.

Speaker: Und während die Erinnerung aktiviert ist,

Speaker: Dann heißt es, bitte schauen Sie auf meine Hand oder den Lichtpunkt, der sich rechts und links bewegt und folgen Sie der Bewegung mit den Augen.

Speaker: Dann wird ein Mechanismus im Gehirn aktiviert, der den Stress, der in der Erinnerung ist, herunterreguliert und die Neuspeicherung der Erinnerung deutlich verbessert und entlastet.

Speaker: Sie sind der Francine Shapiro, die das entwickelt hat, begegnet live.

Speaker: Ich habe es mal nachgelesen in Palo Alto und waren durchaus skeptisch, als Sie sie kennengelernt haben.

Speaker: Warum, frage ich einmal, oder was war der Weg, bevor Sie die getroffen haben?

Speaker: Warum sind Sie in die Staaten, warum waren Sie zufällig in Palo Alto?

Speaker: Das war nicht zufällig, sondern ich hatte länger auf mein Medizinstudium geratet und wollte wirklich Medizin machen.

Speaker: Und die Verbindung Leib und Seele hat mich immer interessiert.

Speaker: Und ich habe begonnen mit dem, wo man die besten Informationen über den Körper kriegt, in der inneren Medizin.

Speaker: Den vollen Zyklus der Ausbildung habe ich gemacht.

Speaker: Ich war 1991 fertig, dachte, ich habe ein bisschen Geld.

Speaker: Jetzt mache ich das, was ich eigentlich im Studium hätte machen wollen, nämlich ein Auslandsjahr in den USA.

Speaker: Nur für ein Jahr hat es nicht gereicht.

Speaker: Deswegen habe ich den Platz, über den die meisten geschwärmt haben, in Heidelberg damals.

Speaker: Das war mit Helm Stierlin, systemische Therapie, Familientherapie.

Speaker: Die haben alle von Palo Alto geschwärmt.

Speaker: wo die Einwegscheibe erfunden worden ist und wo Paul Watzlawick war und Virginia Satya war und ganz berühmte Pioniere der systemischen Therapie.

Speaker: Das war mein Schwerpunkt, deswegen kam ich hin.

Speaker: Ich wusste nicht, dass Frau Shapiro dort ist.

Speaker: So, und dann bin ich in dieses Haus gekommen, was eine Großgruppenpraxis ist sozusagen, wo ein Teil der Leute in Stanford unterrichtet.

Speaker: Das ist also direkt die Straße runter, da haben sie die große Universität.

Speaker: Und wir hatten das Recht als Residents, dass wir dort jede Woche jeden der Dozenten treffen konnten, wenn wir das wollten.

Speaker: Und dann haben wir eine Reihe dieser Dozenten getroffen.

Speaker: Sehr spannende Leute, eben auch Paul Watzlawick, John Weekland, Dick Fisch und eben auch Franzin Shapiro.

Speaker: Und Franzin Shapiro konnte man gar nicht kriegen, weil die dauernd weg war.

Speaker: Die hatte gerade EMDR entwickelt und reiste überall rum und machte kleine Seminare und hielt Vorträge und alles und man kriegte sie nicht.

Speaker: Und wir waren zwei Residents und waren hoch skeptisch.

Speaker: Es hieß, das ist was ähnliches wie der REM-Schlafmechanismus, wo die Augen sich ja auch bewegen und Erinnerung verarbeitet wird.

Speaker: Und dann haben wir uns die Daten des Schlaflabors von Stanford geholt und versucht, sie zu widerlegen.

Speaker: Und diese Frau war sowas von belesen.

Speaker: Und die hat uns flach an die Wand geredet.

Speaker: Wir hatten auf gut Deutsch keine Ahnung.

Speaker: Und dann war ich einfach fasziniert, habe gedacht, gut, also viel schief gehen kann nicht.

Speaker: Und dann bin ich in das Seminar von ihr gegangen.

Speaker: Und dort habe ich mit einer Erinnerung gearbeitet,

Speaker: mit der ich in der Selbsterfahrung gearbeitet habe und wo es sich ein bisschen wurstelte und man dachte, es ändert sich nichts.

Speaker: Dann habe ich eine Sitzung gemacht im Seminar in der Proberunde und dann war die Erinnerung aufgelöst.

Speaker: Habe ich gedacht, ist nicht wahr.

Speaker: Dann bin ich eingestiegen sozusagen dort, habe gesagt, das ist etwas völlig Neues, das kann gar nicht sein.

Speaker: Wenn ich kurz fragen darf, das heißt, ist das für Sie wichtig gewesen, dass Sie erst diese Probe aufs Exempel gemacht haben mit sich selbst, dass Sie da sofort gemerkt haben, okay, da ist irgendwas passiert, das kannte ich noch gar nicht.

Speaker: Und war das notwendig?

Speaker: Wären Sie sonst skeptisch geblieben?

Speaker: Ja.

Speaker: Ja, ich bin skeptischer Wissenschaftler, sage ich mal.

Speaker: Ich glaube erst mal nicht, ich gucke mir die Daten an.

Speaker: Und beispielsweise, ich habe dort auch einen jungen Ethik-Professor kennengelernt, den Tom Nagy, und der kam aus Chicago.

Speaker: Und dann erzählte der mir, ja, ich habe eine Patientin gehabt, von der wollte er erzählen, eine Polizistin, und die hat mir eine Abschiedskarte geschickt, ne?

Speaker: Und diese Abschiedskarte hat er mir rübergegeben und ich habe die geöffnet und dann heißt es mit vielen lieben Grüßen von uns allen, eine Patientin.

Speaker: Und dann sechs Unterschriften in verschiedenen Filzstiftfarben.

Speaker: Ich habe gedacht, was ist denn das für eine Patientin?

Speaker: Ja, sagt er, das wollte ich Ihnen erklären, das ist die dissoziative Identitätsstörung, die sogenannte multiple Persönlichkeit hieß sie damals.

Speaker: Ich habe solche Patienten in Chicago behandelt, habe ich gesagt, ist nicht wahr.

Speaker: Und dann habe ich gedacht, gut, das sind die Kalifornien, die sind alle ein bisschen neben der Spur und sowas gibt es in Europa sicher nicht.

Speaker: Und ein Dreivierteljahr, nachdem ich in Deutschland angekommen war, habe ich eine 19-Jährige gekriegt, Diagnose Schizophrenie aus einer Universitätsklinik und wir haben eine Woche Kontakt mit der gehabt und dann zeigt sich, wuff, es ist genau das.

Speaker: Und die habe ich dann behandelt und ich habe 30 Jahre Skatanäse, die ist wunderbar geworden.

Speaker: Wunderbar.

Speaker: Das heißt, Sie sind zurückgekommen nach Deutschland.

Speaker: In welchem Jahr war das?

Speaker: 91.

Speaker: Und hatten Zweifel, ob das in Deutschland genauso funktionieren könnte wie in Kalifornien und haben ja dann selber das EMDR-Institut gegründet, 92.

Speaker: Wie haben Sie denn die Versorgungslandschaft in Deutschland erlebt, wenn es um Traumatherapie ging?

Speaker: Wie viele Jahre unterwegs, würde ich mal sagen?

Speaker: Also ich kann mir vorstellen zumindest, dass in den Staaten der Vietnamkrieg, der hat, glaube ich, einiges gemacht.

Speaker: Könnte ich mir vorstellen, dass der PTBS wirklich in den...

Speaker: Vordergrund gerückt hat da, weil das kennt man ja auch aus amerikanischen Filmen einfach, wie oft das Thema da schon behandelt wurde, wie die Soldaten aus Vietnam zurückgekommen sind.

Speaker: Aber man hat ja nun auch in Deutschland die Nachkriegszeit gehabt und es gab ja auch hier einen Krieg und trotzdem ging man damit anders.

Speaker: Definitiv.

Speaker: Und es gab keine Wahrnehmung von sexuellem Missbrauch.

Speaker: Also in der Öffentlichkeit waren das ein paar hysterische Frauen, die dann gesagt haben, B, B, B. Und dann gab es einen Haufen Anwälte, gut, auch dann noch was, die gesagt haben, die Frau Schwindel lügt, wie auch immer.

Speaker: Ganz wenige Fälle sind durchgekommen und das war ein exotisches Randphänomen.

Speaker: In Amerika war das flächendeckend.

Speaker: Und gerade der Tom Nagy wäre einer der Ethiker, der sich mit Übergriffen in der Therapie befasst hat.

Speaker: Und da sind die Sachen ja zum ganzen Teil auch belegbar, ne?

Speaker: Und also, weil es eben nicht häufig eine Patientin, sondern eine Reihe von Patienten ist.

Speaker: Und also, ich habe gemerkt, in dem Fall, im Fall der Traumatherapie, waren das zehn Jahre Abstand.

Speaker: Wow.

Speaker: Und Deutschland hatte noch mal mehr Abstand als andere, weil wir sind nicht die Schnellsten bei Innovationen.

Speaker: Das ist leider so.

Speaker: Und als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich gesagt, wow, wir haben eine Therapie gegen posttraumatische Belastungsstörung.

Speaker: Was?

Speaker: Gegen was?

Speaker: wir haben kein Trauma in Deutschland.

Speaker: Die Antwort habe ich von jemand Erfahrenen gekriegt, wir haben kein Trauma in Deutschland, das ist was Amerikanisches.

Speaker: Und damals hat man nicht über die posttraumatische Belastungsstörung geredet, die gab es nicht.

Speaker: Und schon gar nicht dissoziative Störungen.

Speaker: Und bei den Frauen, die berichteten über Übergriffe, hohes Misstrauen.

Speaker: Das war die Routine, das war die Regel, das war in der Psychiatrie, das war überall so.

Speaker: So, und dann hatte ich einen sehr freundlichen Chef einer christlichen Klinik, der gesagt hat, also der Hofmann ist kein Schwindler, sondern wir geben dem mal einen Raum.

Speaker: Dann hat man uns eine kleine Spezialstation in der Psychiatrie.

Speaker: Das war eine gewisse Abstufung.

Speaker: Die Psychotherapie war das Edle, die Analyse.

Speaker: Und wir waren in der Psychiatrie.

Speaker: Und dann haben wir die Patienten genommen, die gekommen waren.

Speaker: Und siehe da, wir hatten posttraumatische Belastungsstörungen.

Speaker: Siehe da, nach einem Dreivierteljahr sagte ich, die erste schwere dissoziative Störung.

Speaker: Und man konnte natürlich nur begrenzt was machen.

Speaker: Es waren keine Leute, die ausgebildet waren.

Speaker: Es war kein Team, das ausgebildet war.

Speaker: Dann habe ich angefangen, das Team auszubilden.

Speaker: Und dann habe ich, ich bin ja nicht nur einmal nach USA gefahren, sondern die nächsten sechs Jahre jedes Jahr zweimal.

Speaker: Einfach auch, um meine eigene Traumausbildung zu machen und Supervision für meine Patienten zu kriegen.

Speaker: Es gab ja niemanden in Deutschland.

Speaker: Und in der Zeit gab es etwa zehn Leute in Deutschland, die wussten, was eine posttraumatische Belastungsstörung ist, die sich für Missbrauchspatienten eingesetzt haben und eine, die auch für schwer dissoziative Patienten sich eingesetzt hat.

Speaker: Aber es waren Exoten, ne?

Speaker: Das klingt ja auch wie so ein Massengastlightning, als wäre das ganze Land gegastlightet worden, dass man sagt, das gibt es einfach nicht.

Speaker: Und Menschen im Prinzip da in das Hysterionische, das sind ein paar Leute, die da selber irgendwie Schwierigkeiten, die das schon mitbringen.

Speaker: Denen ist das gar nicht passiert.

Speaker: Ja, und

Speaker: Ich würde da mal ein bisschen netter rangehen, weil es handelt sich, glaube ich, um einen Schutzmechanismus.

Speaker: Ich glaube, die Scheußlichkeiten des Zweiten Weltkriegs waren noch zu nah.

Speaker: Und da war eine ganze Generation von Großeltern und auch Eltern, die dieses Verstummen der Kriegsveteranen, also die Tausende, die zurückkamen aus der Gefangenschaft, die haben nicht geredet, ne?

Speaker: Die haben geprügelt.

Speaker: Und die Mütter haben versucht zu vermitteln, haben versucht, das zu machen.

Speaker: Dann waren Millionen von Männern tot.

Speaker: Also eine völlige Gesellschaft im Ungleichgewicht, also voller Trauma eigentlich.

Speaker: Die traumatisierten Frauen, die die Kinder hatten und die die ganze Aufbauarbeit leisten mussten.

Speaker: Also da war viel, was nicht stimmte.

Speaker: Und wenn da jetzt...

Speaker: plötzlich Erinnerungen zu schnell hochkommen.

Speaker: Das ist im Fall von Patienten genauso.

Speaker: Wenn der Alltag völlig wuselig ist und man kämpfen muss, beruflich über Wasser zu bleiben, ein Kind zu versorgen, dann ist nicht mehr so viel Zeit, dass viele, die Symptome gehen häufig zurück, wenn es im Alltag erforderlich ist, es wird nach hinten gedrängt.

Speaker: Und das ist auf nationaler Ebene ein bisschen auch so.

Speaker: Aber ich bin zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen, denn es war so der Moment, wo die

Speaker: die erste Offenheit kam, diese zehn Leute, die wir haben zusammen, drei Fachgesellschaften gegründet.

Speaker: Also erst mal die deutschsprachige Fachgesellschaft für Psychotraumatologie.

Speaker: Ich war Mitglied in der amerikanischen, die die internationale hieß, wie so häufig.

Speaker: Und die hatten aber kaum Kontakte zu deutschsprachigen.

Speaker: Die hatten dann, was weiß ich, acht deutschsprachige Mitglieder.

Speaker: Und dann haben wir den Zweig in den deutschsprachigen Raum gegründet.

Speaker: Dann habe ich die Fachgesellschaft für EMDR gegründet, die es in Amerika schon gab.

Speaker: damit wir einfach auch Qualitätsstandards haben.

Speaker: Und die gibt es heute noch und die hat die beste Therapeutenliste.

Speaker: Da wollen wir auch nachher noch kommen, wo kann man sich hinwenden.

Speaker: Und dann haben wir die europäische Fachgesellschaft gegründet, denn das sollte ja nicht bloß deutschsprachig sein, sondern die europäische Fachgesellschaft hat heute 40 Länder, die Mitglieder sind und 40.000 Therapeuten europaweit.

Speaker: Also da ist viel daraus gewachsen und das musste alles neu aufgezogen werden.

Speaker: Und das waren in Deutschland sozusagen diese zehn Leute, so etwa, plus minus, und die, die irgendwo angefangen haben aus irgendeinem Grund, warum sie gerade da sind.

Speaker: Und dann kam eben, 92 habe ich dann gesagt, Frau Shapiro, Sie müssen uns helfen.

Speaker: Wir haben Leute, die keine Ahnung haben.

Speaker: Sie müssen es einleiten und machen Sie ein Seminar hier.

Speaker: Und dann habe ich gesagt, sie hat gesagt, ja, ich komme, ich biete ein Seminar an.

Speaker: Und dann habe ich gesagt, Leute, hier gibt es was ganz Tolles, ein Seminar.

Speaker: Kaum Leute.

Speaker: Drei, vier Leute.

Speaker: Und dann habe ich gesagt, tut mir furchtbar leid.

Speaker: Das war sozusagen, das definiere ich als das Gründungsdatum, weil dann waren wir bereit, Ausbildungen zu machen.

Speaker: Aber es war noch nicht so weit.

Speaker: Und dann haben wir auf unserer Station immer mehr Patienten diagnostiziert, die genau das Problem hatten mit Trauma.

Speaker: Und dann haben wir gesagt, gut, wo gehen Sie hin, wenn Sie jetzt aus der Klinik weggehen?

Speaker: Und da gab es niemanden noch.

Speaker: Wir haben die ganzen Ausbildungsinstitute angerufen und gesagt, haben Sie niemanden, der ein bisschen Ahnung hat?

Speaker: Ja, machen wir eher nicht.

Speaker: Und für Analysen ist es ja zum Beispiel gar nicht geeignet.

Speaker: Die Verhaltenstherapeuten waren noch nicht so weit.

Speaker: Die verlängerte Exposition gab es noch nicht.

Speaker: Und also Prolonged Exposure.

Speaker: Und das war alles extrem mühsam.

Speaker: Und dann haben wir gesagt, gut, jetzt müssen wir selber ausbilden.

Speaker: Und dann haben wir es geschafft, 1995 unser erstes Seminar zu machen.

Speaker: Und das war rappelvoll.

Speaker: Ja.

Speaker: Und dann hat es gebrummt und es hat heute nicht aufgehört zu brummeln.

Speaker: Wir haben über 10.000 Therapeutinnen und Therapeuten ausgebildet derzeit.

Speaker: Ich würde gerne einen kleinen Schritt nochmal zurückgehen, von der Ausbildung nochmal zurück zu dem Nachkriegsthema von eben.

Speaker: Und zwar kann es natürlich sein, liebe ZuhörerInnen, dass da schon in dem Moment, was bei Ihnen passiert,

Speaker: aufgepoppt ist, weil es hören uns ja auch Menschen zu, die vielleicht auch diese Zeit erlebt haben oder auch das Wort sexueller Missbrauch ist gefallen und wenn sie bei sich gemerkt haben beim Zuhören, wenn du bei dir gemerkt hast beim Zuhören, ich bin ab da schon raus gewesen, konnte nicht mehr richtig folgen dem Gespräch, dann drück gerne jetzt auch mal kurz auf Pause.

Speaker: und lass mal sacken oder schau in den Shownotes nach, weil auch da bieten wir direkt Adressen an, wo man sich hinwenden kann, um direkt gerade einen Cut zu machen, wenn man merkt, da passiert was.

Speaker: Wir schlagen gleich noch die Kurve, wo man sich hinwenden kann, nur an dieser Stelle gerne kurz innehalten und mal tief Luft holen, ans Fenster gehen, frische Luft tanken und dann gerne weiterhören.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Danke, wichtiger Hinweis.

Speaker: Sie haben jetzt gerade gesagt, Sie haben dann 1995 den Laden rappelvoll gehabt.

Speaker: Hat das auch in Deutschland nochmal was mit den Einsätzen der Bundeswehr zu tun gehabt?

Speaker: Die im Kosovo und in Jugoslawien war ja plötzlich neu für Deutschland wieder an Kriegsgeschehen und sowas beteiligt zu sein.

Speaker: Oder war das unabhängig davon?

Speaker: Das war ein Stück unabhängig davon, weil es gab Leute, die sich bewusst waren, dass es diese Störung gab.

Speaker: Und die waren ein Stück aufgeschmissen mit dem Patienten.

Speaker: Und die Berichte der Patienten und vor allen Dingen der Kolleginnen und Kollegen, die wir hatten, das lief wie eine Buschtrommel.

Speaker: Nach dem Motto, das klappt und das funktioniert.

Speaker: Das ist eben nicht nur eine Theorie, wie man es machen müsste,

Speaker: Sondern das war ein System, mit denen konnten sie einen Patienten, der reinkommt, diagnostizieren und mit dem arbeiten.

Speaker: Und das ist einfach sehr praktisch.

Speaker: Und die meisten Kolleginnen und Kollegen sind nicht so sehr nach Schule orientiert, sondern die wollen Praxis haben.

Speaker: Und genau das hat eine Marktlücke getroffen.

Speaker: Und dort war auch ein Professor aus Köln, der hat mich dann 1997 eingeladen, dass ich seine Traumaambulanz leite.

Speaker: Das war die erste in Deutschland.

Speaker: Die haben vorher 400 Polizisten ausgebildet als Opferhelfer und Berater und die haben dann nachher die Gewaltopfer geschickt.

Speaker: Und wir haben die praktisch in den ersten zwei Monaten beraten danach und auch behandelt zum Teil, zum Teil weitergeschickt.

Speaker: Also da ist dann auch Struktur gewachsen.

Speaker: Und diese Ambulanz, das ist wissenschaftlich belegt gewesen, hat nicht nur vielen Leuten geholfen, sondern wahnsinnig Geld gespart.

Speaker: Und daraufhin gab es bald eine Flächendeckung in Nordrhein-Westfalen, weil Geld sparen wollten alle mit Recht.

Speaker: Und gleichzeitig haben sie durch Hilfe geben Geld gespart.

Speaker: Und das finde ich eine sehr gute Strategie.

Speaker: Und das habe ich dann drei Jahre gemacht, bis es, ja, ich sage es mal offen, bis ich aus der Uni rausgemobbt wurde.

Speaker: Da gab es eine Intrige.

Speaker: Und dann habe ich gesagt, gut, jetzt mache ich mal ein Start-up.

Speaker: Und das war die Gründung, wo ich formal das Institut nochmal extra gegründet habe.

Speaker: Und ab dann haben wir primär Leute ausgebildet und Forschung gemacht und unabhängig von Universitäten, jedenfalls Deutschland, ne?

Speaker: Ich habe gehört, dass das Institut das einzige in Deutschland ist, welches anerkannt ist von Francine Shapiro in den USA.

Speaker: Das würde bedeuten, es gibt auch noch andere.

Speaker: Oh ja, das ist glücklicherweise immer so.

Speaker: Wir wollen nicht, dass diese Ausbildung monopolisiert wird.

Speaker: Natürlich war alles am Anfang Shapiro.

Speaker: Keine Frage.

Speaker: Aber allein in meinem Institut sind es drei Kolleginnen, die bei mir Ausbilder waren, weggegangen, haben eigene Ausbildungen angeboten.

Speaker: Das ist gewünscht im Sinne von, wir wollen auch eine Vielfalt haben und ein bisschen Wettbewerb schadet nicht und andere kommen auch auf andere tolle Ideen.

Speaker: Das heißt jetzt als Betroffene, als Betroffener, wenn ich jetzt schon spüre, vielleicht sogar beim Hören dieses Podcasts, das ist was für mich, da ist für mich ein Weg, der sich da gerade aufzeigt, welchen Weg kann ich einschlagen, welche Voraussetzungen muss ein Therapeut mit sich bringen, ein Arzt mit sich bringen, wenn es jetzt nicht unbedingt ein ausgebildeter Arzt des EMDR-Institutes sein muss und gehe ich erstmal, wahrscheinlich niederschwellig, gehe ich erstmal zum Hausarzt vermutlich,

Speaker: um zu sagen, ich habe da was gehört, ich brauche eine Überweisung oder wie macht man das?

Speaker: Also das eine ist, Sie können durch zum Hausarzt gehen, aber nicht alle Hausärzte haben viel Erfahrung und es gibt so eine Grenze zwischen der posttraumatischen Belastungsstörung und der Anpassungsstörung.

Speaker: Das eine geht spontan weg, wenn es sehr früh ist und das andere ist eben was, was bleibt.

Speaker: Aber die meisten wissen über posttraumatische Belastungsstörungen Bescheid.

Speaker: Und es gibt eine Zertifizierung der deutschsprachigen Fachgesellschaft für Psychotraumatologie.

Speaker: Da kann EMDR ein Teil sein.

Speaker: Da gibt es aber auch Prolonged Exposure und andere Dinge, die man machen kann, die eben wissenschaftlich belegt sind.

Speaker: Bei der Fachgesellschaft EMDR gibt es die ausführlichste Therapeutenliste.

Speaker: Die gibt es im Internet unter www.emdria.de.

Speaker: Findet ihr auch in den Show Notes, genau.

Speaker: Und dann kann man gucken, in welchem Ort man ist und welche zertifizierten Leute da sind.

Speaker: Denn das rate ich dringend.

Speaker: Gehen Sie nicht zu Leuten, die keine Approbation haben und keine Lizenz zur Psychotherapie.

Speaker: Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die probieren sich in dem Bereich.

Speaker: Und die machen dann zehn Sitzungen und dann, wenn das nicht klappt, ja, ich kann ihnen nicht weiterhelfen.

Speaker: Das ist eine nicht so einfache Störung.

Speaker: Da sollte man eher wirklich mit Ärzten und Psychologen arbeiten oder eben Leuten, Kinder-Jugend-Bereich, die die entsprechende Approbation haben.

Speaker: Also Qualifikation spielt schon eine Rolle.

Speaker: Und die europäische und deutsche Fachgesellschaft, die zertifizieren eben Leute, genau wie die deutschsprachige Fachgesellschaft Psychotraumatologie einen gewissen Qualitätsstandard einzieht, einfach damit die Leute wissen, was sie da kriegen.

Speaker: Jetzt arbeite ich ja im Nachtdienst hier und erlebe natürlich Menschen, die EMDR-Therapie erfahren, die darauf vorbereitet werden, die viel Zeit haben, drei Monate häufig mit so einem Aufenthalt hier verbringen und dann findet oft erstmal eine Stabilisierung, da der Alltag muss auch erstmal, sage ich mal, ein bisschen stabilisiert werden.

Speaker: Irgendwann fängt man mit der EMDR-Therapie an und

Speaker: und ich sehe den Leuten oder spüre den Leuten schon an, dass es sie ganz schön, dass es ganz schön Arbeit ist, dass es sie ganz schön mitnimmt und dass das Energielevel geht runter.

Speaker: Häufig kommen sogar Infekte und was weiß ich was dann dazu, weil man eben vielleicht

Speaker: Offen ist vielleicht, ich weiß es nicht genau.

Speaker: Würden Sie sagen, darauf muss man sich vorbereiten, dass das schon auch ein anstrengender Ritt ist?

Speaker: Die meisten Patienten ahnen das.

Speaker: Das ist, sie machen ein altes Päckchen auf, was sozusagen ihr Leben vergiftet.

Speaker: Und ich würde das nicht machen in der Zeit, wo ich gerade umziehe oder wo ich plane zu heiraten oder wo ein Kind kommt.

Speaker: Also das muss ein bisschen Luft sein.

Speaker: wo man sich mit Energie nach innen wenden kann.

Speaker: Ich habe sehr selten Infekte gesehen.

Speaker: Was ich gesehen habe, ist Nachverarbeitung, dass die Erinnerung, mit der man gearbeitet hat, auch ein Stück nachprozessiert, wie wir sagen.

Speaker: Das gehört zu den Risiken und Nebenwirkungen.

Speaker: Aber ich glaube, das ist bekannt, wenn man dieses Päckchen aufmacht, dann wissen die Patienten, was da kommt.

Speaker: Man kann das mittlerweile in sehr schöne Portionen

Speaker: Das ist genau diese Behandlungstechnik, die wir haben, dass man das Ende der Stunde eben gut abschließt und das wieder ein Stück zurückschiebt aus dem Alltagsbewusstsein.

Speaker: Und das lernen die Patienten.

Speaker: Das ist diese Vorbereitungsphase, von der Sie gesprochen haben.

Speaker: Einige lernen das sehr, sehr schnell.

Speaker: Ich habe manche Leute gehabt, eine Sitzung, Vorbereitung und dann haben wir begonnen.

Speaker: Aber es gibt Menschen, die ihr Leben lang schon mit dem Thema zu tun haben und immer wieder dieses und jenes Problem gehabt haben.

Speaker: Das sind nicht Sachen, wo man das mit einer Sitzung machen kann.

Speaker: Die Leute sind einfach unterschiedlich an der Stelle.

Speaker: Und genau da Massarbeit zu machen, sauber zu diagnostizieren und dann zu sagen, okay, den Pfad oder den Pfad, das kann man in einer guten traumatherapeutischen Praxis, Ambulanz.

Speaker: Mittlerweile gibt es, glaube ich, etwas weniger als zehn spezialisierte EMDR-Kliniken und Zeit hinaus ist eine davon, wo Leute gezielt EMDR-Programme bekommen.

Speaker: Und die Leute, die das machen, sind auch zertifiziert, haben einen gewissen Qualitätsstandard und die achten da alle drauf.

Speaker: Sie haben jetzt am Anfang irgendwann mal gesagt, es ist sowieso ein natürlicher Prozess, dass sich Traumata auflösen.

Speaker: Ich kann es mit der EMDR-Therapie beschleunigen, diesen Prozess.

Speaker: Ich glaube, ich habe irgendwo gelesen, 40% schneller als viele andere Traumaverfahren.

Speaker: Also da ist ja dann auch schon ein Verfahren wirksam.

Speaker: Wenn man sagt, es ist eh natürlich, ist vielleicht auch die Hemmung geringer,

Speaker: das zu machen, weil man weiß, es wird etwas beschleunigt, was sowieso passiert.

Speaker: Und doch habe ich das Gefühl, es gibt Nebenwirkungen, haben Sie gesagt.

Speaker: Was wäre denn unerwünscht oder was könnte passieren, was nicht so erwünschenswert wäre?

Speaker: Sagen wir mal so.

Speaker: Ich will mal andersrum anfangen.

Speaker: Wie viel Prozent der Leute chronifizieren überhaupt?

Speaker: Chronifizieren heißt, die haben das und behalten das.

Speaker: Und da gibt es eine schöne Studie, die sagt, Verkehrsunfallpatienten nur 15 Prozent dieser Menschen chronifizieren.

Speaker: Verkehrsunfälle sind sehr häufig.

Speaker: Es gibt Leute, die eine schwere posttraumatische Belastungsstörung kriegen.

Speaker: Aber die Mehrheit chronifiziert nicht.

Speaker: Also die können Sie nach zehn Jahren fragen.

Speaker: Die meisten haben das nicht.

Speaker: Auch Naturkatastrophen, glaube ich, sind nicht ganz so... Naturkatastrophen ist genau das Gleiche.

Speaker: Also wir haben Leute nach der Tsunami 2004 betreut.

Speaker: Da kam ja eine große Zahl von Leuten zurück aus Südostasien, traumatisiert, Familienangehörige verloren und so weiter.

Speaker: Da haben wir mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz zusammengearbeitet.

Speaker: Genau.

Speaker: Wir haben unsere Leute sozusagen gesagt, hier nehmt die vorrangig auf, die müssen zuerst mal, wie auch immer.

Speaker: Dann, wenn sie zwischenmenschliche Gewalt haben, da haben sie ein Drittel der Menschen, die chronifizieren, ne?

Speaker: Und wenn sie sexuelle Übergriffe haben, besonders in der Kindheit, haben sie 40 Prozent, die chronifizieren.

Speaker: Das heißt, in der therapeutischen Praxis ist die Mehrzahl der Menschen, die kommen, nicht die Verkehrsunfälle, sondern die Missbrauchspatienten und die Gewalt in der Kindheit erlebt haben und gelegentlich zwischenmenschliche Gewalt auf der Straße, Verbrechen und so weiter, was wir in der Traumaambulanz gesehen haben.

Speaker: Und wenn das nach ein paar Jahren nicht weggeht, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich von alleine auflöst, immer geringer mit der Zeit.

Speaker: Und diese Leute, ich habe das vorhin so eher allgemein gesagt, es löst sich nicht immer auf.

Speaker: Und gerade diese Leute, von denen wir ahnen, und da gibt es Kriterien, das kann man früher schon wahrscheinlich rausfinden, das wird jemand sein, der chronifiziert, das wird jemand sein, der erholt sich spontan.

Speaker: Und dann guckt man, dass die Leute gar nicht erst chronifizieren.

Speaker: alle Praxen von chronifizierten Leuten.

Speaker: Und da sollte man jetzt nicht mehr zuwarten, Selbstheilungssystem.

Speaker: Da kommt es zu Stabilisierungen, aber wenn Sie 30 Jahre danach noch hoffen auf eine Selbstheilung, ist das unwahrscheinlich.

Speaker: Sondern da braucht es den Schubs.

Speaker: Oder eben jemand baut sich total ein neues Leben auf, verdrängt das so fantastisch, dass er es nie wieder erinnert.

Speaker: Diese Fälle, glaube ich, gibt es.

Speaker: Aber wenn das immer wieder anpocht und nach oben kommt und Erinnerungsflashbacks und in bestimmten Situationen tauchen störende Erinnerungen auf, dann geht das nicht von alleine weg.

Speaker: Sie haben ja gesagt, Sie sind auch Internist.

Speaker: Ich stelle mir das gerade leihenhaft so ein bisschen vor oder vielleicht nicht leihenhaft, sondern medizinisch so ein bisschen vor wie eine Entzündung im Körper, die vielleicht bei einer Chronifizierung eher abgekapselt irgendwann ist, sich stört, aber sie ist auch teilweise so ein bisschen entfernt vom Gesamtorganismus, wie Sie es gerade gesagt haben.

Speaker: Sehr gute Metapher.

Speaker: Man könnte es eröffnen.

Speaker: Es prägt Risiken mit sich.

Speaker: Sie haben es ja schon gesagt, streut dann vielleicht sogar ein bisschen manchmal.

Speaker: taucht auf oder kommt an die Oberfläche.

Speaker: Aber es ist eben in Betreuung dann auch gut zu handeln.

Speaker: Und man würde ja eben so ein abgekapseltes Abszess würde man ja auch eher entfernen, als dass man ihn lässt.

Speaker: Wobei das dann chirurgisch wäre.

Speaker: Ja, also Abszess ist vielleicht ein bisschen ein starkes Bild, weil sowas hier mit Lutvergiftung haben wir nicht.

Speaker: Und sobald Sie beginnen mit EMDR, wird die Erinnerung entlastet.

Speaker: Die Erinnerung selbst wird nicht mehr mehr.

Speaker: Aber sie kommt mehr an die Oberfläche.

Speaker: Weil wenn Sie die in der Therapie ins Bewusstsein holen, ist die einfach bewusstseinsnäher.

Speaker: Vorher ist sie schön wegdissoziiert, wie wir sagen.

Speaker: Das können Sie sehr gut abpassen in der Therapie.

Speaker: Dann beginnt man natürlich nicht mit der Traumatherapie, kurz bevor der Therapeut in Ferien geht und so weiter, sondern man sagt, gut, jetzt haben wir mal eine Reihe von Sitzungen hintereinander, wo wir das machen können.

Speaker: Und das Gleiche macht man in der Klinik auch.

Speaker: Dass man das abpasst und dass man das auflöst.

Speaker: Denn

Speaker: Zum Beispiel Menschen, die eine Traumastörung haben.

Speaker: Und das heißt ja auch sehr schön Stress- und Traumafolgestörungen.

Speaker: Ich glaube, die Metapher, die am besten passt, sind Stressbatterien.

Speaker: Das heißt, da ist irgendwo im Bewusstsein sind Stressbatterien vergraben und in dem Moment, wo man in die Nähe kommt, dann zuckt es.

Speaker: Man weiß, da ist Energie drauf, man spürt das, irgendwas stimmt nicht und die ziehen auch Energie aus dem normalen Alltag ab.

Speaker: Die Leute haben weniger Lebensenergie, die Leute haben weniger Selbstbewusstsein häufig, die haben weniger Ressourcen, wie wir sagen.

Speaker: Das kostet was, dass diese Batterien da lagern.

Speaker: Mir fehlt auch einfach an Konzentration auf andere Dinge, weil sich so viel darauf konzentriert, kann ich mir vorstellen.

Speaker: Das muss nicht bewusst sein, aber die spüren, da ist was, was wie es oder Last hängt.

Speaker: In all den Jahren, und ich spüre ja, sie brennen immer noch für das Thema, was hat sie in all den Jahren am meisten berührt?

Speaker: Welcher Fall, welches Ereignis, vielleicht das Treffen mit Frau Shapiro auch selbst, aber...

Speaker: Ja, die hat gebrannt, das muss man sagen.

Speaker: Und zwar, ich denke auch durch das Gleiche, wie viele EMDR-Therapeuten wirklich auch emotional mit dieser Therapie verbunden sind, weil sie haben Erfolg bei Leuten, die chronisch drin hängen.

Speaker: Und das ist

Speaker: Ja, die Psychologen sagen ein Verstärker.

Speaker: Das ist wie wenn Sie als Internist oder als Chirurg bestimmte OPs machen, die klappen.

Speaker: Dann sagen Sie, wow, ich mache eine tolle Arbeit.

Speaker: Und man ist da auf der richtigen Schiene.

Speaker: Es ist nicht so, dass es stagniert.

Speaker: Lange, das gibt es, aber selten.

Speaker: Meistens, wenn Sie das gut planen, Behandlungsplanung machen,

Speaker: Und ein Fall, der mich bewegt hat, ist diese 19-Jährige, die praktisch 92 gekommen ist, völlig chaotisch, ganz liebes Mädchen sozusagen.

Speaker: Die war natürlich emotional viel jünger, aber hatte viele innere Anteile, das wusste sie und hat das in der Psychiatrie erzählt, wurde als Schizophrenie eingestuft.

Speaker: Wir haben erst mal die Medikamente abgesetzt und dann habe ich mit ihr gezielt unter Supervision, Stichwort zweimal im Jahr nach USA,

Speaker: Therapie gemacht und ich hatte sie insgesamt fünf Jahre.

Speaker: Danach hat eine Kollegin sie noch drei Jahre behandelt, insgesamt acht Jahre.

Speaker: Mittlerweile ist sie die Leiterin einer kleinen sozialen Einrichtung geworden und hat mir nach 30 Jahren nochmal ein Kärtchen geschrieben.

Speaker: Also sowas ist da denke ich, wow.

Speaker: haben Sie deutlich, wahrscheinlich mehr zurückgekriegt sogar.

Speaker: Es macht Spaß, das zu machen.

Speaker: Als Therapeut kann ich mich da nicht beschweren.

Speaker: Und dann Leute auszubilden, die das selber auch machen, also das zu vervielfältigen, die Versorgung zu verbessern.

Speaker: Die Versorgung ist ja bis heute nicht richtig gut, ne?

Speaker: Und wir sind ja auch Pioniere in bestimmten Bereichen.

Speaker: Wir haben in Deutschland ein System entwickelt, wie sie chronische wiederkehrende Depressionen systematisch behandeln können.

Speaker: Und ein ganzer Teil der Leute aus meiner persönlichen Erfahrung verliert die Depression und kriegt sie nicht mehr.

Speaker: Während in der psychiatrischen Statistik so und so viel Prozent kriegen sie wieder, kriegen sie wieder, kriegen sie wieder.

Speaker: Wir haben einen Fallseher gemacht von zehn Patienten, die alle wiederkehrende Depressionen hatten.

Speaker: Und die alle eine komplette EMDR-Therapie hatten.

Speaker: Und dann haben wir sie drei bis vier Jahre danach befragt.

Speaker: Und normalerweise hätte mindestens die Hälfte, also die Rückfallrate von Leuten, die wiederholte Depressionen, rezidivierende Rückfall der Depressionen haben, ist etwa, ich sag mal so, 30 Prozent im Jahr.

Speaker: Ein paar 20, 30 Prozent.

Speaker: Und wenn Sie nach drei, vier Jahren fragen, müssten ein paar Leute Rückfälle gehabt haben.

Speaker: Eine einzige hatte Rückfälle von den zehn.

Speaker: Kann ich den Umkehrschluss dann auch machen, auch vielleicht für die ZuhörerInnen da draußen, dass so rezidivierende Depressionen auch ein Anzeichen sein können dafür, dass sie einspringen für etwas, was vielleicht im Hintergrund ist, was gar nicht bekannt ist?

Speaker: Also wie viele Menschen wissen vielleicht gar nichts davon, dass sie traumatisiert sind?

Speaker: Sagen wir mal so, der Hintergrund von Depressionen sind nicht...

Speaker: Traumata im engeren Sinne mit Stichwort Lebensgefahr, sondern der Hintergrund von Depressionen ist ganz häufig Trennungen, Verluste, Beschämungen, Erniedrigungen, was wir im Volksbund Bindungstraumata, Beziehungstraumata nennen.

Speaker: Das würde der erfahrene psychiatrische Kollege und wir auch nicht als Trauma bezeichnen.

Speaker: Es macht aber den gleichen Typ von krankmachenden Erinnerungen.

Speaker: Es macht auch Stressbatterien, ne?

Speaker: Und in der Regel ist sogar die Erfahrung, dass zwei bis drei Monate vor Beginn der Depression ein solches Ereignis ist.

Speaker: Und wenn das der Fall ist, und das ist ja vielleicht auch ein Appell an Patienten, und sie kommen nicht aus der Depression raus, auch nicht durch Medikamente, dann lohnt es sich zu gucken, ob dieses Ereignis, diese Trennung, dieser Verlust immer noch mit Stress besetzt ist.

Speaker: Da gibt es einen einfachen Test dafür.

Speaker: wenn Sie die Erinnerung anschauen, ob Sie eine Belastung im Körper fühlen.

Speaker: Und das kann man messen.

Speaker: Und dann fragt man, wie groß ist die subjektive Belastung?

Speaker: Und wenn diese Erinnerung überhaupt nicht mehr belastend ist, dann muss man nicht damit arbeiten.

Speaker: Aber wenn die einen hohen Belastungsgrad, ich sage mal, acht von zehn Stresspunkten hat,

Speaker: dann lohnt es sich, mit der Traumatherapeutisch zu arbeiten, obwohl es kein klassisches Trauma ist.

Speaker: Und genau das machen wir.

Speaker: Wir haben neun kontrollierte Studien dazu angestoßen.

Speaker: Wir haben zwei weitere Studien, leider nicht in Deutschland.

Speaker: Eine in England, das ist eine sehr große Studie, und eine in Italien, die läuft noch.

Speaker: Und wir prüfen das, ob das die Rückfälle verringert.

Speaker: Das ist also, weil wenn wir Einzelfälle haben, sind das Einzelfälle.

Speaker: Aber wenn Sie eine große Gruppe haben, wo Sie eine richtige Zufallszuteilung und eine richtig kontrollierte Studie machen, dann sehen Sie, ob das auch den statistischen Teststand hält.

Speaker: Und genau das machen wir gerade, denn wir sehen einfach, dass es erfolgreich bei ganz vielen Patienten ist und würden das natürlich gerne in das System der Krankenversorgung einbringen.

Speaker: Das heißt, EMDR-Therapie breitet sich auch über die klassischen PTBS, Traumafolgestörungen, hinaus aus.

Speaker: Das heißt, es wird nicht nur noch dafür angewendet, sondern Sie forschen auch dazu, was macht das bei Depressionen, was macht das bei Bindungstraumata.

Speaker: Richtig, wobei das Wort...

Speaker: ist kein Fachwort, sondern es sind zwischenmenschliche, stressige Beziehungen.

Speaker: Da gibt es kein richtiges Wort.

Speaker: Es ist aber kein klassisches Trauma.

Speaker: Der Begriff Trauma sollte nicht über PTSD hinaus ausgedehnt werden, finde ich.

Speaker: Und da kommen ja auch immer die Zeitungen, die sagen, ist jetzt alles Trauma, ist nicht.

Speaker: Krankmachende Erinnerungen sind es.

Speaker: Und damit kann man arbeiten.

Speaker: Und da forschen internationale Forschungsgruppen und wir eben auch mit Schwerpunkt Depression.

Speaker: Da werden wir wahrscheinlich in fünf Jahren mehr wissen.

Speaker: Aber das ist ein dickes Brett und das haben wir für die posttraumatische Belastungsstörung gebohrt.

Speaker: Jetzt brauchen wir es für die Depression.

Speaker: Und die Gezeitenhausklinik ist eines der Forschungszentren.

Speaker: Eine Nachbegleitungsstudie, Katamnesestudie, zwölf Monate gemacht, nachdem depressive Patienten hier im Haus behandelt worden sind.

Speaker: Und die Zahl der Menschen, die ihre Depression verloren haben und keinen Rückfall dabei gehabt haben, ist deutlich besser, als es in der Routine ist.

Speaker: Also wir sehen das schon bei den Zahlen jetzt ohne kontrollierte Studie, die wir hier haben und das ist veröffentlicht worden.

Speaker: Aber das ist eine von vielen Praktikastudien, die man halt hat und wichtig sind diese kontrollierten Studien, denn damit kann man die Zulassungsbehörden überzeugen.

Speaker: Das heißt, Sie arbeiten ja da ganz wissenschaftlich, analytisch und dadurch lernen Sie natürlich automatisch von jedem Patienten.

Speaker: Aber gibt es etwas, was Sie persönlich von einem Patienten, wo Sie sagen, das habe ich von mehreren traumatisierten Patienten, habe ich persönlich was für mich gelernt.

Speaker: Gibt es da was?

Speaker: Wo Sie sagen, durch die Arbeit mit Traumatisierten habe ich für mich gemerkt… Ich sage mal so, man lernt immer von Patienten, weil viele Patienten an manchen Stellen lebenskluger sind als man selber.

Speaker: Man ist als Therapeut ja auch ein Mensch in Entwicklung.

Speaker: Und das darf man nicht völlig zur Seite tun.

Speaker: Ich bin jetzt 72, aber als ich angefangen habe, war ich ein bisschen unter 40.

Speaker: Und viele Patienten haben auch Erfahrungen und Einsichten und so weiter.

Speaker: Und das hilft auch im Dialog zu sein, auf Augenhöhe zu sein.

Speaker: Das sind nicht so andere Menschen wie wir.

Speaker: Wir haben halt eine Ausbildung, wir sehen bestimmte Sachen, wir haben bestimmte Möglichkeiten zu helfen, aber wir sind nicht die Superhelfer, die alles wissen und der Patient ist der Ahnungslose, der sich ausliefern muss.

Speaker: Das ist ein Modell aus der Kaiserzeit und ehrlich gesagt ist das ein bisschen her.

Speaker: Und insofern, ich schätze das auf Augenhöhe.

Speaker: Die Patienten wissen in der Regel viel besser, wo man anfängt, wenn man sagt, soll man da anfangen oder da anfangen, soll man es jetzt machen oder nicht machen.

Speaker: Die haben ein sehr gutes Gespür dafür, wenn sie eine Messie kennen.

Speaker: Und da habe ich an ganz vielen Stellen auch dazugelernt und meine Fehler gemacht, muss ich sagen.

Speaker: Und mit 70 guckt man natürlich nochmal anders drauf.

Speaker: Aber das sind Lernprozesse auf Gegenseitigkeit.

Speaker: Also gerade diese Widerstandskraft, die viele Patienten mit leidvollen Erinnerungen und leidvollen Folgeerfahrungen haben, dass die auch immer wieder Lebensfreude haben und Dinge tun, die ihnen Spaß machen und gerne in den Wald gehen und Tiere haben und einfach auch eine Verbindung mit dem Leben haben.

Speaker: Das finde ich schon, ja, da habe ich viel von gelernt, muss ich sagen.

Speaker: Schön, das berührt mich.

Speaker: Jetzt ist es so, wir beide reden jetzt gerade miteinander und trotzdem wird es jemand auf der Autofahrt hören.

Speaker: Es wird jemand hören, wenn er gerade durch den Wald schockt, diesen Podcast.

Speaker: Und vielleicht einen Satz von Ihnen an diesenjenigen, der gerade durch den Wald läuft, der das gerade im Auto hört.

Speaker: Einen Satz, der vielleicht Mut macht oder Interesse weckt, den Sie geben könnten?

Speaker: Ich denke, es ist gut, wenn man auf sein Gespür vertraut und auch weiß, dass die meisten Menschen, auch wenn sie gerade unter Druck sind, ein gutes Selbstheilungssystem haben.

Speaker: Was wir in der Therapie machen, ist nichts anderes als das bisschen Ausgraben und Anschubsen.

Speaker: Aber das System ist da.

Speaker: Menschen haben auch ganz viele Ressourcen, Energien.

Speaker: Es gibt Situationen, wo man das nicht sieht, aber es ist trotzdem da.

Speaker: Sehr schön.

Speaker: Und vielleicht, nee, nicht vielleicht, sondern Einsatz für Angehörige.

Speaker: Es gibt Dinge, die man mittragen kann und wo man wirklich helfen kann.

Speaker: Aber es gibt Punkte, wo diese Menschen selbst entscheiden müssen, wenn sie erwachsen sind.

Speaker: Bei Kindern ist es nochmal eine ganz andere Baustelle.

Speaker: Also da ist wichtig, dass die Eltern Verantwortung übernehmen.

Speaker: Wenn es weitere Familienangehörige, Partner, sowas ist, das ist kein einfacher Weg.

Speaker: Aber es ist wichtig, man kann sich auch als Angehöriger Unterstützung, Hilfe holen, Beratungsgespräche bei Therapeuten, Beratungsstellen, die Erfahrung damit haben, dass man sich ein bisschen unterstützen lässt in seiner Unterstützung.

Speaker: Das ist nicht trivial, weil manchmal müssen Betroffene sich selbst eben

Speaker: entscheiden und durchwühlen und dann ist das nicht ganz einfach für jemanden, der direkt daneben steht und nicht für den anderen entscheiden kann.

Speaker: Aber sich dann Hilfe zu holen, Unterstützung zu holen, das weiß man gerade, ich sage mal, von Trauernden.

Speaker: Also von verwaiste Eltern zum Beispiel, nenne ich jetzt mal hier Menschen, die ein Kind verloren haben.

Speaker: Menschen, die die Angehörige mit anderen Erkrankungen haben.

Speaker: Da hilft es, Anschluss zu haben und selbst die eigene Batterie, die positive Batterie aufzuladen und sich Beratung zu holen.

Speaker: An dieser Stelle eine kleine Innenschau zu dem Thema.

Speaker: Bleib doch nochmal bei dir, geh nochmal zu dir zurück und schau, wie es dir gerade geht und nicht so sehr auf andere schauen, sondern ganz bei dir sein.

Speaker: Innenschau, dein Zwischenstopp bei dir selbst.

Speaker: Wenn du möchtest, nimm dir jetzt einen kurzen Moment Zeit und komm ein wenig bei dir selbst an.

Speaker: Setz dich bequem hin.

Speaker: Spüre, wie deine Füße den Boden berühren.

Speaker: Nimm vielleicht einen etwas tieferen Atemzug und lass ihn langsam wieder gehen.

Speaker: Richte deine Aufmerksamkeit nun sanft auf deinen Körper, beginnend bei deinen Füßen.

Speaker: Spüre den Kontakt zum Boden.

Speaker: Vielleicht nimmst du dort Wärme wahr, Druck oder einfach ein Gefühl von Stabilität.

Speaker: Lass deine Aufmerksamkeit langsam weiter nach oben wandern, zu deinen Waden, deinen Knien, deinen Oberschenkel.

Speaker: Ohne etwas zu verändern, einfach nur wahrnehmen.

Speaker: Spüre, wie du von der Sitzfläche getragen wirst.

Speaker: Wandere weiter zum Bauchraum.

Speaker: Vielleicht kannst du dort mit deinem Atem ein wenig Weite wahrnehmen.

Speaker: Und wander weiter zum Brustraum.

Speaker: Vielleicht gibt es auch dort einen Ort, wo sich etwas Ruhe, Wärme und Sicherheit zeigen darf.

Speaker: Lass deine Schultern, Nacken und Kopf weich werden.

Speaker: Nun stell dir einen Ort vor, an dem es sicher ist.

Speaker: Vielleicht ein ruhiger See, vielleicht ein Platz in der Natur oder ein Ort, den nur du kennst.

Speaker: Stell dir vor, wie du dort bist.

Speaker: Vielleicht hörst du leise Geräusche, Wasser, Wind oder einfach Stille.

Speaker: Spüre den Boden unter deinen Füßen, die Luft auf deiner Haut.

Speaker: Nimm wahr, wie dein Körper auf diesen Ort reagiert.

Speaker: Vielleicht mit etwas Ruhe, vielleicht mit etwas mehr Wärme.

Speaker: Lass dieses Gefühl für einen Moment in dir wirken.

Speaker: Und wenn du wieder so weit bist, dann nimm den Raum um dich herum langsam wieder mehr wahr.

Speaker: Beweg deine Hände, deine Füße und dann komm ganz langsam wieder zurück in diesem Moment.

Speaker: Herr Hoffmann, ich habe viel gelernt heute von Ihnen.

Speaker: Ich habe gemerkt, es ist, wenn man einmal die richtige Sache ergriffen hat für sich, die richtige Sache gefunden hat, dann sein Ding gefunden hat, dann brennt da so ein Feuer, das lässt Sie leuchten und das geht auch über mich über.

Speaker: Und ich habe gerade ganz großes Interesse bekommen an der EMDR-Therapie.

Speaker: Da ich natürlich immer die Folgen der Patienten sehe, aber ich erfahre nicht viel darüber.

Speaker: Ich bin nachts vor allen Dingen nicht dabei, also auch nicht im täglichen Prozess, sondern erlebe eher, wie es den abends geht.

Speaker: Aber ich habe einfach viel von ihnen gelernt.

Speaker: Es ist wichtig, skeptisch zu sein.

Speaker: Es ist aber auch wichtig, sich überzeugen zu lassen und Feuer zu fangen und das dann gemeinsam weiterzuführen mit vielen Kollegen.

Speaker: Gibt es etwas, wo Sie sich darauf vorbereitet haben für den Podcast, wo Sie das Gefühl haben, das haben Sie hier noch nicht gesagt?

Speaker: Oder ist noch was offen geblieben, wo Sie sagen, bevor wir nämlich zum Ende kommen, das möchte ich gern noch sagen?

Speaker: Ja, vielleicht eine Dimension.

Speaker: Als ich nach Deutschland zurückkam, 1991, gab es kein Trauma.

Speaker: Heute wissen wir, dass Trauma sich zum Teil über die Generationen weiter überliefert.

Speaker: Das heißt, unsere, ihre Generation, ein bisschen verschiedene, aber wir kriegen auch noch ein bisschen ab von den

Speaker: Kriegskindern und auch von der Täterseite.

Speaker: Es gibt ja einen Grund, warum wir heute eine friedliche Republik haben und kein aggressives Imperium mehr sind.

Speaker: In Europa hat jede Nation irgendwann ein Imperium gehabt, von Dänemark, Luxemburg nicht, aber sonst fast jeder, Spanien, Portugal, alle Italien.

Speaker: Und wir haben gelernt, das bringt es nicht.

Speaker: Und das haben wir Deutsche auch ganz gut verinnerlicht.

Speaker: Und da haben wir auch eine transgenerationelle negative Strömung unterbrochen, wo es heute was Positives gibt.

Speaker: Wir lernen immer noch dazu und aber das ist was, da komme ich jetzt auf die nationale Ebene zurück.

Speaker: Wir kommen in den Normalbereich, wo Demokratien sind und wir sehen, dass gerade welche aus dem Normalbereich ein bisschen rausrutschen, aber da ist was sehr Gesundes gewachsen.

Speaker: durch hilfreiche Amerikaner, sag ich mal.

Speaker: Und die sind nicht alle weg.

Speaker: Aber dass wir da wissen, es gibt einen Teil der transgenerationellen Geschichten, die wirklich Stresspäckchen sind, also Täterfamilien, die Hälfte meiner Familie, Großeltern-mäßig ist Täter.

Speaker: dicke Nazis und die andere Hälfte waren in der Kirche und sind verfolgt worden zum Teil.

Speaker: Also das ist so typisch deutsche Realität und ich denke, das wird heute viel bewusster wahrgenommen und das ist gut so, denn viele Völker haben ihre Vergangenheit nicht so weit reflektiert und das kommt wieder immer auf sie zurück.

Speaker: Dass Korea und Japan immer noch Schwierigkeiten haben, hängt damit zusammen, dass die eben das nicht tun.

Speaker: Dass Japan bestimmte Sachen eben weitermacht und nicht reflektiert.

Speaker: Ich denke, manches, was in Russland läuft, hängt auch damit zusammen, dass die bestimmte Sachen des Stalinismus nicht verarbeitet haben.

Speaker: Und dieses sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen setzt Kräfte für die Zukunft frei.

Speaker: Und da haben wir auch was, muss man sagen.

Speaker: Ich bin guter Dinge, auch auf einer größeren Ebene.

Speaker: Da sind ja viele pessimistisch, bin ich nicht.

Speaker: Ich denke, die Welt ist chaotischer geworden, aber Europa hat eine gute Chance.

Speaker: Und da bin ich eigentlich positiv.

Speaker: Herzlichen Dank, Herr Hofmann, für dieses tolle Gespräch.

Speaker: Liebe Zuhörerinnen da draußen, wenn da noch Fragen aufkommen, bitte gerne auf Spotify in den Kommentarsektionen fragen oder an podcast.gezeitenhaus.de.

Speaker: Da können wir die Fragen, können wir da gut drauf eingehen.

Speaker: Alles, was hochgekommen sein sollte, kann da reinpassen.

Speaker: Aber auch gerne Feedback zur heutigen Folge und

Speaker: Wir freuen uns, wenn Sie das nächste Mal wieder mit dabei sind, wenn du das nächste Mal wieder mit dabei bist.

Speaker: Und ganz herzlichen Dank nochmal, Herr Hofmann.

Speaker: Alles Gute Ihnen und einen guten Start in Ihren Tag.

Speaker: Dankeschön.

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