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„Ich habe Angst vor Geschenken“ Deep-Talk mit Gästin Beatrice

🎧 Folge 3: „Ich habe Angst vor Geschenken“ Deep-Talk mit Gästin Beatrice Für viele Menschen ist Weihnachten alles andere als entspannt: Erwartungen, alte Wunden und Verpflichtungen machen das Fest zu einer emotionalen Herausforderung. So geht es auch Hörerin Beatrice:  Im “Deep Talk” erzählt sie Dr. Dennis und Pelle, warum Geschenke ihr Angst machen und wie alte Erfahrungen dabei bis heute wirken. Gemeinsam erkunden die Drei, woher diese Emotionen kommen und wie es möglich ist, mehr Abgrenzung und Vertrauen im Umgang mit Geschenken zu entwickeln. 🔗 Links zur Folge: * Website des Gezeiten Haus: www.gezeitenhaus.de [https://www.gezeitenhaus.de/] * Kontakt unseres Beratungsteams: www.gezeitenhaus.de/kontakt [https://www.gezeitenhaus.de/kontakt/] 💌 Du möchtest auch mit einem Thema oder einer Frage in unserem Podcast zu Gast sein? Dann schreib uns eine Mail, du kannst gerne auch anonymisiert dabei sein: podcast@gezeitenhaus.de 📲 Folge uns auf Instagram: @gezeitenhaus [https://www.instagram.com/gezeitenhaus/] und Facebook [https://www.facebook.com/GezeitenhausKlinik/] 👉 Abonniere unseren Podcast, um keine Folge zu verpassen!

Transcript

Speaker: In dem Moment, wo ich beschenkt werde, schalte ich meine eigentlichen Gefühle ab und konzentriere mich darauf, dass ich den Schenker glücklich mache.

Speaker: Dass ich die Erwartungen erfülle, die der andere an mich hat, wenn er mir ein Geschenk überreicht.

Speaker: Ich habe mich berührt gefühlt.

Speaker: Da sind wir beim Geist der Weihnacht.

Speaker: Du hast dich hier gezeigt, was du lange nicht gemacht hast.

Speaker: Auch mit deinem Gefühl jetzt, mit der Trauer.

Speaker: Und dafür bin ich dir persönlich ganz dankbar.

Speaker: Und das ist für mich immer das wertvollste Geschenk.

Speaker: Herzlich Willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.

Speaker: Hallo und herzlich Willkommen zur neuen Folge von unserem Podcast.

Speaker: Ich möchte zuerst natürlich meinen Buddy, den Pelle begrüßen.

Speaker: Hi.

Speaker: Hi.

Speaker: Schön, dich zu sehen und zu hören.

Speaker: Wie geht's dir?

Speaker: Mir geht es gerade ganz gut.

Speaker: Also ich habe viel um die Ohren, wie jeder vermutlich um diese Jahreszeit.

Speaker: Da ich ja auch in so einer Patchwork-Family bin, ist da einfach einiges an Besorgungen zu machen, aber auch einiges, wo man sich immer wieder fragt, warum ist vor Weihnachten, ja?

Speaker: Warum sind da auch noch so viel Schul- und Kita-Veranstaltungen, die noch nicht mal unbedingt mit Weihnachten zu tun haben, sondern Elternsprechtagen?

Speaker: Also es ist unglaublich, was sich da kumuliert am Ende des Jahres.

Speaker: Das müsste man vor, also das dürfte man nicht mit ins nächste Jahr nehmen.

Speaker: Von daher, mir geht es gut, aber es ist gerade viel.

Speaker: Ja, geht mir ähnlich.

Speaker: Also genau das, wenn ich mir meinen Kalender auf dem Telefon aufmache, denke ich, oh Gott, jeden Tag irgendeine Veranstaltung oder jeden zweiten Tag

Speaker: Und da finde ich auch echt wichtig, dass man zwischendurch einfach auch mal den Gang rausnehmen kann und ein bisschen bei sich bleiben kann, weil die Vorweihnachtszeit soll ja eigentlich auch eine besinnliche Zeit sein.

Speaker: Aber ich glaube, wir sind schon direkt beim Thema.

Speaker: Ja, das ist ja auch ein Termin, den wir gerade haben.

Speaker: Auch das gehört natürlich irgendwo reingeschoben, weil wir natürlich, man sieht es ja vielleicht am Titel der Folge, uns auch um das Weihnachtsthema hier drehen wollen.

Speaker: Was heißt nämlich, wie heißt das, die Folge des Themas?

Speaker: Ja, Geschenkneurosen.

Speaker: Geschenkneurosen.

Speaker: Ist dir das bekannt?

Speaker: Ja.

Speaker: selber?

Speaker: Also leitenderweise?

Speaker: Ich kann es mir zusammensetzen.

Speaker: Also ich glaube, es wäre gut, wenn wir natürlich gleich unsere Gäste mal fragen, was sie damit verbindet.

Speaker: Aber die Frage war jetzt erstmal an mich.

Speaker: Ich musste sofort daran denken, dass ich, als ich noch jünger war, häufig Geschenke bekommen habe, die

Speaker: die ich eigentlich gar nicht haben wollte und das dann aber rückgemeldet habe und dann aber trotzdem im nächsten Jahr das nochmal bekommen habe, aber in einer anderen Farbe.

Speaker: Also bei mir waren das tatsächlich Rollkragenpullover.

Speaker: Also ich bin ein Mensch, dem ist sowieso relativ schnell warm.

Speaker: Also ich glaube, ich habe eine ganz gute

Speaker: Ich habe dann ständig Rollkragenpullover über Jahre bekommen.

Speaker: Ich hatte die, als ich später mal meinen Kleiderschrank ausgemistete habe, habe ich dann mal gezählt.

Speaker: Ich glaube, das waren am Ende dann irgendwie neun Rollkragenpullover in allen Farben, die es gibt.

Speaker: Ich hatte keinen einzigen davon an.

Speaker: Wirklich, ich hatte keinen einzigen.

Speaker: Ich habe es mal ausprobiert, ab Hitz gestaucht haben.

Speaker: Also auch Schals und so.

Speaker: Schals ist ja wieder was anderes.

Speaker: Den kann man ja noch erweiten und so.

Speaker: Aber das ist mir das Erste, was mir sofort durch den Kopf gegangen war.

Speaker: Beim Thema Geschenknerhose.

Speaker: Also beim Annehmen von Geschenken.

Speaker: Wie alt warst du da in der Rollkragenzeit?

Speaker: Also in dieses Rollkragen-Gate.

Speaker: Ich würde sagen, 8, 9 bis...

Speaker: 14 so, würde ich mal schätzen.

Speaker: War das schon so, dass du da Druck gefühlt hast, das Geschenk abzulehnen?

Speaker: Oder ist man da noch so im Ego, dass man sagt, ich mag das nicht, so ein Mist.

Speaker: Oder hast du schon gedacht, oh scheiße, ich müsste es ja eigentlich anziehen und...

Speaker: Genau, der Konflikt war schon da.

Speaker: Also eine Nurose ist ja auch häufig etwas, was noch im Unbewussten umgelöst schlummert.

Speaker: Also mir war das schon relativ schnell klar, einfach durch meine Körperreaktion, dass das für mich nichts ist.

Speaker: Und ich habe das auch gesagt, das ist mir zu warm.

Speaker: Also wir können das bitte nicht mehr noch mehr schenken, brauche ich jetzt wirklich nicht.

Speaker: Dann lieber ein schönes Hemd oder irgendwas anderes, aber was vor allem oben jetzt den Hals irgendwie freilässt.

Speaker: Also

Speaker: Und insofern bin ich da schon auch sozusagen ein bisschen in den Konflikt gegangen mit den schenkenden Personen, aber das hatte tatsächlich keine Resonanz.

Speaker: Insofern war es auch sehr frustrierend.

Speaker: Aber ich habe es dann einfach so gelöst, dass ich es dann einfach in den Schrank gelegt habe und es einfach nie angezogen habe.

Speaker: Bis du rausgewachsen warst.

Speaker: Bis ich rausgewachsen war, genau.

Speaker: Das war so ein bisschen meine Erinnerung zum Thema Geschenk.

Speaker: Geschenke oder Neurose.

Speaker: Wie ist es bei dir?

Speaker: Also ich habe auch, glaube ich, Geschenkneurosen, aber ich habe mich damit mit den eigenen Neurosen, also ich habe eher Schwierigkeiten, das Richtige zu finden auch, aber ich habe das nicht an Weihnachten in dem Sinn, das kann ich jetzt nicht sagen, sondern eher, wenn ich ad hoc irgendwo eingeladen bin und nicht weiß, was derjenige braucht, will, kann, möchte, dass ich dann, dass ich

Speaker: dass ich dann denke, das hat irgendwas mit meiner Persönlichkeit zu tun, was ich ihm da überreiche und dass das was über mich aussagt, mehr als über die Sache selbst.

Speaker: Das kenne ich schon.

Speaker: Das Beschenkte, wie du es genannt hast, das kenne ich aber schon und zwar wirklich mein Trauma war, ich wollte einen Kopfhörer haben für meinen damaligen Walkman, da war der Kopfhörer kaputt gegangen, ich war zehn vielleicht, vielleicht war es neun auch.

Speaker: Und das war noch richtig der klassische Sony-Walkman.

Speaker: Ich wollte einen neuen Kopfhörer haben und wollte was richtig Cooles.

Speaker: Und dann hatte ich unter dem Weihnachtsbaum, als ich es auspackte, einen plüschfarbenen, gelben Ohrenwärmer mit eingebautem Kopfhörer, aber nur Mono auf einer Seite.

Speaker: Und ich bin wirklich heulend.

Speaker: Das ist so eine Scheiße.

Speaker: Also tut mir leid an meine Mutter, wenn sie das jetzt hören sollte, dass du da jetzt irgendwie das abkriegst.

Speaker: Aber das ist einfach No-Go gewesen.

Speaker: also so neongelb beinahe und ich irgendwie in einer vorpubertären Phase, wie soll ich denn damit rumlaufen, mit so einem gelben Ohrenwärmer als Kopfhörer.

Speaker: Uncooler ging es gar nicht und das war wirklich, wo ich dachte, boah, es geht gar nicht, das konnte ich nicht annehmen.

Speaker: Ich habe den gehasst und ich habe ihn aber dann immer wieder angezogen und ich dachte, vielleicht liebe ich ihn irgendwann doch.

Speaker: Also ich habe schon gemerkt, dass es ja irgendwie mit Liebe gedacht war und dann habe ich mich immer wieder darüber aufgeregt, immer wieder geopfert,

Speaker: dass ich Mono auf einem Ohr höre und das fand ich ätzend.

Speaker: Also ganz, ganz schlimmes Geschenk.

Speaker: Und gleichzeitig, jetzt habe ich ja auch Kinder, so wie du, merke ich so, dass wenn ich der Schenkende bin, dass das eine ganz schöne, glückselige Komponente auch hat.

Speaker: Aber da können wir vielleicht jetzt unsere Gäste an der Stelle mal reinholen.

Speaker: Also erstmal finde ich es total klasse, dass so früh bei einem neu gestarteten Podcast sich schon jemand bereit erklärt,

Speaker: aus der Hörerschaft zu uns zu kommen.

Speaker: Insofern erstmal vielen, vielen Dank für den Mut.

Speaker: Und dann würde ich einfach mal fragen, wie sollen wir es denn halten mit der Ansprache?

Speaker: Ja, hallo Dennis, hallo Pelle.

Speaker: Ja, wie ihr hört, ich duze euch ja auch schon und da würde ich auch gerne bei bleiben.

Speaker: Das finde ich macht es einfach ein bisschen lockerer und ja, ich bin ein bisschen nervös.

Speaker: Also man spricht ja nicht alle Tage so über seine kleinen Geheimnisse, die man so mit sich trägt und jetzt gerade zur Weihnachtszeit das Thema nochmal aufzumachen.

Speaker: Das fand ich schon sehr spannend, was ihr beide für griffige Beispiele gebracht habt.

Speaker: Ich musste mich schon ein bisschen mit dem Schmunzeln zurückhalten, weil ich erkenne mich da sehr gut drin wieder, wobei ich auch direkt gemerkt habe, dass ihr angefangen habt zu erzählen und ich versuche immer ganz, also mich in die Situation so rein zu versetzen und merke eigentlich schon seit heute Morgen,

Speaker: Ich bin aufgeregt.

Speaker: Ich habe kalte Hände, mein Herz pocht und wir sitzen jetzt hier und fangen an, über das Thema zu sprechen.

Speaker: Und so die inneren Bilder, die ich jetzt so gerade auch habe, ihr erzählt.

Speaker: Und ich werde gleich ein paar Einblicke geben.

Speaker: Das macht mich schon ein bisschen unruhig.

Speaker: Und ich glaube, so eure Anekdoten, nenne ich das mal, die waren so ganz, ganz nett.

Speaker: Und man kann darüber schmunzeln.

Speaker: Ich glaube, so eine Erfahrung macht wahrscheinlich jeder mal als Kind.

Speaker: Ich habe das so innerlich gerade mal so auf die Schnelle mit meinen Erfahrungen irgendwie versucht übereinzukriegen.

Speaker: Ich glaube, bei mir war es doch tatsächlich noch eine Nummer krasser.

Speaker: Also das geht ein bisschen weiter als nur die reine Enttäuschung, sondern ja doch, da steckt doch sehr viel tief.

Speaker: genau, darüber würde ich heute gerne mit euch sprechen, weil ich glaube, das könnte für viele Zuhörer draußen interessant sein, jetzt gerade vor der Weihnachtszeit einmal zu überlegen, oh Gott, was schenke ich denn?

Speaker: Wie kommen meine Geschenke an?

Speaker: Mache ich mir zu jedem jetzt Gedanken und dann aber auch die andere Seite beschenkt zu werden und das ist das Thema, was ich mitbringe.

Speaker: Ich lasse die Katze direkt aus dem Sack.

Speaker: Ich habe Angst vor Geschenken.

Speaker: Danke für deine Offenheit.

Speaker: Was würdest du denn sagen, was ist denn so der, das ist natürlich die Vorweihnachtszeit, was würdest du dir denn so wünschen von dem Gespräch heute?

Speaker: Ich glaube, für mich ist es interessant, es für mich einfach mal so runterzureden und das vielleicht irgendwie ein bisschen aufzuschlüsseln.

Speaker: Und mich würde interessieren auch, Dennis, was du aus Facharzt-Sicht dazu sagst, was da für eigentliche Themen hinterstecken.

Speaker: Ich bin da so ein bisschen in die Reflexion gegangen schon die ganze Zeit, weil mir selber ist es erst klar seit einem Ereignis dieses Jahres, wie tief diese Angst doch vor Geschenken bei mir sitzt.

Speaker: Und ich glaube,

Speaker: Ja, ich bin interessiert daran, wie ihr das so wahrnehmt und ob ihr mir Themen mitgeben könnt, die ich vielleicht zu Hause mal ein bisschen durchdenke oder schon eine erste Übung, dass ich mich einfach in so Situationen, die ja einfach kommen, man wird ja beschenkt.

Speaker: Also selbst wenn man sagt, ich möchte keine Geschenke, ich habe die Erfahrung gemacht, die Leute tun sich ganz schwer damit, das zu verstehen und nichts zu schenken, weil das Gegenüber sich dann wiederum so komisch fühlt.

Speaker: Und ich glaube, es liegt einfach an mir

Speaker: mich da besser aufzustellen.

Speaker: Also was ich ganz wichtig finde, danke erstmal Bea, was ich ganz wichtig finde, du hast ja gerade gesagt, du hast kalte Hände und du hast das Herz klopft und so weiter und der Rahmen hier bei so einem Podcast, der ist ja ein bisschen ungewohnt und anders, das kann natürlich vom Rahmen kommen, das kann aber schon was mit deinem Thema zu tun haben natürlich, diese körperliche Reaktion, die du gerade

Speaker: erzählt hast.

Speaker: Und der Rahmen hier ist ja deshalb besonders, weil wir eigentlich gerade uns zu dritt unterhalten.

Speaker: Eigentlich ein ganz safer Raum.

Speaker: Gleichzeitig in der Zukunft, nicht live, aber in der Zukunft, wir irgendwie gehört werden von viel, viel mehr Leuten als uns dreien.

Speaker: Und deshalb wäre für mich

Speaker: wichtig zu wissen, was brauchst du, um da jetzt so mal ganz frei drüber zu reden, als wären wir nur zu dritt und was sind vielleicht absolute No-Gos, die wir generell nicht fragen sollten, wo du sagst, ey, bitte geht nicht in dieses Thema rein.

Speaker: Mhm.

Speaker: Das ist für mich immer eine schwierige Frage, was brauche ich denn jetzt in vielen Situationen?

Speaker: Also ich habe mir eben einfach überlegt, ihr wart schon so offen und habt so ein bisschen eure Perspektive dargestellt, von euch was erzählt und ich glaube, du Pelle meintest auch irgendwie, oh Gott, sorry Mama, als du das jetzt hörst mit den gelben Kopfhörern, da mache ich mich selber einfach ein bisschen frei und ja, ich glaube,

Speaker: Wenn ich einmal drin bin und erzähle, dann komme ich schon in eine gute Richtung.

Speaker: Und wenn bei mir irgendein Thema aufploppt, wo ich vielleicht jetzt doch merke, oh, das geht mir ein bisschen zu weit, dann würde ich euch vielleicht einfach kurz ein Signal geben.

Speaker: Genau.

Speaker: Triggerwarnung.

Speaker: Die Inhalte dieser Folge können dich möglicherweise triggern.

Speaker: Wenn du merkst, dass das Thema dich besonders auffühlt, hast du immer die Möglichkeit, die Folge zu pausieren oder auszuschalten.

Speaker: Also ich kann mir das ja jetzt noch gar nicht vorstellen, so richtig.

Speaker: Was könnte jetzt so, also ich kann es mir, ich habe vielleicht eine Idee, aber ich kann mir natürlich nicht vorstellen, ohne Beispiel, warum hat man Angst vor Geschenken?

Speaker: Warum hast du Angst vor Geschenken?

Speaker: Wenn du das jemandem im Aufzug erzählen würdest in kürzester Zeit, warum kann man Angst vor Geschenken haben, bevor du ein Beispiel lieferst, was könnte da passieren?

Speaker: Ich versteife.

Speaker: Ich kann nicht ehrlich sein.

Speaker: Also ich bin irgendwie in dem Moment, wo ich beschenkt werde, schalte ich meine eigentlichen Gefühle ab und konzentriere mich darauf, dass ich den Schenker glücklich mache, dass ich die Erwartungen erfülle, die der andere an mich hat, wenn er mir ein Geschenk überreicht.

Speaker: Das bezieht sich jetzt nicht nur auf Weihnachten, sondern auch auf Geburtstage und alle möglichen Geschenksituationen.

Speaker: Vielleicht ein Beispiel von meinem Geburtstag, wenn ich denn dann mal meinen Geburtstag feiere, weil da bin ich glaube ich auch schon lange in einem Muster drin, dass ich das eigentlich eher vermeide, weil mich das unglaublich stresst und zwar nicht erst in der Situation, sondern schon tatsächlich Tage vorher.

Speaker: Also ich fange an mir Gedanken zu machen, okay, wen lade ich ein?

Speaker: Bei wem ist die Chance groß, dass ich mich super unwohl fühle, dass ich

Speaker: heimlich berührt bin, meinen schenken, bei wem kann ich das ganz gut, wo weiß ich im Bekannten- und Freundeskreis, ja, der macht das locker, der erwartet da jetzt gar nicht so eine große Rückmeldung und ich merke, ich kriege kalte Füße, also am Tag des Geburtstages, wenn ich mich dann, wie gesagt, mal überwunden habe, komm, ich lade mal ein paar Leute ein, ich habe kalte Füße, auch jetzt Dennis gerade

Speaker: maximal angespannt.

Speaker: Ich kann mich auch auf den Tag selber eigentlich nicht wirklich freuen.

Speaker: Ich mache mir Gedanken darüber, okay, wer kommt, wie sieht das aus?

Speaker: Die Tür klingelt, die Leute, ich begrüße die.

Speaker: Der Blick fällt natürlich direkt auf die Hände oder die Körbe, wo Geschenke drin sind und ich merke eine pure Ablehnung.

Speaker: Am liebsten würde ich diese Geschenke einfach direkt ausblenden und möchte gar nicht beschenkt werden, weil ich diese Situation der Geschenkübergabe auch

Speaker: Also damit fängt es eigentlich schon an.

Speaker: Es ist immer so eine peinliche Berührtheit des Schenkenden mir gegenüber.

Speaker: So, ja, guck mal, wir haben ja hier auch was mitgebracht und möchtest du das denn mal aufmachen?

Speaker: Und ich merke genau in dem Moment,

Speaker: Diese krasse Erwartungshaltung eigentlich des Gegenübers und dass ich diese Erwartungen jetzt erfüllen muss, egal was in diesem Päckchen drin ist.

Speaker: Und mir ist es auch völlig egal, was da drin ist.

Speaker: Also ich kann, das spielt für mich gar keine Rolle, selbst wenn ich das jetzt aufmache und da ist was richtig Geiles drin, ne?

Speaker: selbst dann könnte ich mich nicht locker machen und mich richtig aufrichtig freuen, weil ich ganz genau am Scannen bin, wie guckt der andere, wie ist der Blick und was erwartet der, wie muss ich den anderen denn jetzt glücklich machen und gucke ich richtig, gebe ich mich richtig, also es ist eine enttäuschende Situation für mich selber auch, weil ich mich, obwohl es meine Familie ist, obwohl es meine Freunde sind, in dem Moment,

Speaker: Das ist natürlich was, was mich auch im Nachgang echt extrem belastet.

Speaker: Also es ist oft vorgekommen, dass ich nach dem Geburtstag echt richtig im Arsch war mit Krankheitssymptomen.

Speaker: Einfach in dem Moment fällt der ganze Stress vor mir ab, dass ich diese Situation endlich abgehakt habe und eigentlich der ganze Geburtstag darüber überschattet wurde, dass ich mich total verkrampft habe wegen diesen Geschenken.

Speaker: Wow, Dennis, krass, oder?

Speaker: Das, was du beschreibst, was ich ja gerade schon benannt, das Gefühl Angst, das ist ja das, was du körperlich auch erlebst.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Du zentralisierst, das heißt, dein Sympathikotonus, der ist extrem hoch, angstbedingt, die Amygdala und so Kirschkern große,

Speaker: Parik angelegte Strukturen, so im Mittelhirnbereich, die feuern ordentlich, die sagen, da kommt eine Situation auf mich Tage vorher, hast du gesagt und auch die Reaktion danach, das ist ja dann wirklich ein großes Zeitfenster rund um solche Aktionen, solche Treffen.

Speaker: Ja.

Speaker: Dein Körper wird dann überschwemmt von diesen Neurotransmittern, Adrenalin, Neuadrenalin, dein Cortisolhaushalt wird sicherlich ordentlich hochgefahren.

Speaker: Du bist super gestresst und das ist das, was du ja jetzt bei dem Thema oder beim Ansprechen hier auch schon erlebst.

Speaker: Kalte Füße, kalte Hände.

Speaker: Anspannung, ich fühle mich total starr, ich habe daran heute Morgen gedacht, dass ich darüber spreche und verkrampfe innerlich, also das wie so eine Art Freezing, also so ein inneres Erstarrtsein oder am besten eigentlich vielleicht einfach weglaufen vor solchen Veranstaltungen.

Speaker: Ja, der Instinkt ist da, gab es auch in der Vergangenheit.

Speaker: Ich versuche mich immer zu überwinden und irgendwie die Situation schon auch kommen zu lassen, weil ich möchte mir auch gerne mal beschenkt werden, dass ich mich freue.

Speaker: Und irgendwie geht es nicht.

Speaker: Und ich versuche mich der Situation zu stellen, aber es gab auch schon Geburtstage, meine Geburtstage, die ich abgesagt habe.

Speaker: weil ich morgens schon völlig fertig weint mit meinem Mann darüber gesprochen habe, ich kriege das nicht hin.

Speaker: So, das überfordert mich einfach.

Speaker: Vielleicht darf ich dazu fragen, ich habe so rausgehört, peinliche Berührtheit eben, das ist bei mir so hängen geblieben, das peinliche Berührtheit kommt und dann hatte ich den Eindruck, dass es hier um Kontakt geht.

Speaker: Das ist eine Kontaktaufnahme von den anderen Personen und den Kontakt, den willst du gar nicht, über diese Art von Geschenk.

Speaker: Du sagst ja, es berührt mich, aber peinlich, also es ist ein Schamgefühl, da hinterbei Peinlichkeit und irgendwie ist das ja eine Kontaktaufnahme, die du nicht willst und ich kenne das überhaupt nicht in dem Maße, wie du es beschreibst, ich kenne es aber auf einer anderen Ebene, zum Beispiel, ich mag nicht tanzen, das ist mir auch unheimlich peinlich.

Speaker: Und ich habe dann Situationen gemieden, wo ich manchmal dachte, es wäre leichter, auf eine Hochzeit welchen Gips hätte, dahin zu gehen, damit ich das gar nicht erst machen müsste.

Speaker: Und dann habe ich aber irgendwann den Moment gehabt, da habe ich gedacht...

Speaker: Moment, das Krasse daran, erwachsen zu werden, ist ja, dass ich gar nicht mehr mit dieser kindlichen Angst, ich muss tanzen, dahin gehen muss, sondern ich kann das bis zum Ende durchziehen und sagen, ich tanze nicht.

Speaker: Und wenn dann jemand sagt, dann ist das so.

Speaker: Aber für mich war das so befreiend zu verstehen, Moment, ich muss ja gar nicht mehr, weil ich bin ja nicht mehr klein.

Speaker: So.

Speaker: Da kannte ich zumindest das Gefühl dieser peinlichen Berührtheit, dieses, boah, ich will das nicht, weil ich mache da alles falsch und ich habe da kein Know-how und keine Grenzen.

Speaker: Und da habe ich dann einfach gedacht, nee, Moment, ich muss das ja gar nicht mehr machen.

Speaker: Ist das bei dir ähnlich, dass du das Gefühl hast, wenn du sagen, wenn du allen klar machen würdest, ich will nie mehr beschenkt werden, damit ich mein Leben in Ruhe weiterleben kann.

Speaker: Wenn ich diese Entscheidung treffen würde, wäre die so stark, dass die andere verletzt?

Speaker: Vielleicht ein bisschen aus.

Speaker: Ich bin nicht gut da drin, meine Gefühle durchzusetzen anderen gegenüber.

Speaker: Also ich habe in der Vergangenheit schon versucht, also es fängt ja eigentlich schon viel früher an.

Speaker: Es geht ja Wochen vorher schon vor solchen Ereignissen los, dass die Leute fragen, was wünschst du dir, was hättest du gerne?

Speaker: Womit kann ich dir eine Freude machen?

Speaker: Ja, also da fängt es bei mir ja schon an, dass ich ja innerlich mir gar nichts ausdenken will, weil ich nicht beschenkt werden möchte.

Speaker: Das heißt, da an dem Punkt bin ich schon maximal genervt, wenn diese Rückfragen kommen.

Speaker: So, und dann bin ich irgendwann mal so leicht, habe ich mal den Gehversuch gemacht und gesagt, hör mal du, ich wünsche mir gar nichts.

Speaker: So, ich freue mich einfach, wenn ihr kommt und ich möchte nicht beschenkt werden.

Speaker: ich habe alles, was ich brauche und ich müsste mir jetzt auch wirklich irgendwie was aus den Rippen ziehen, damit ihr mir ein Geschenk gebt.

Speaker: Also ich habe versucht in der Vergangenheit, das ein bisschen zu unterbinden, aber meine Erfahrung war leider, es gibt viele Leute, die interessiert das überhaupt nicht.

Speaker: Die sind in ihrem kulturellen Ding so drin, die möchten schenken und sie möchten sich auch beim Schenken gut fühlen.

Speaker: Und das ist vielleicht auch so ein Punkt, ich bin...

Speaker: diesem altruistischen Gedanken beim Schenken sehr skeptisch gegenüber.

Speaker: Ich weiß, man schenkt oder meine Vorstellung ist, niemand schenkt einfach selbstlos.

Speaker: Die Leute erwarten etwas.

Speaker: Und das ist die Erfahrung, die ich in meiner Kindheit halt leider sehr, sehr oft gemacht habe, dass ich zum einen nicht gelernt habe, meine Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken, ohne

Speaker: ein schlechtes Gewissen zu haben, wie fühlt sich jetzt der andere.

Speaker: Also das per se fällt mir schon mal sehr, sehr schwer.

Speaker: Ich nehme mich lieber zurück mit meinen Gefühlen und lasse es dann halt eben passieren.

Speaker: Und ja, es gab tatsächlich einen

Speaker: ein Ereignis, was mir zu dem Thema mit der Angst immer wieder in den Kopf kommt bei dem Thema.

Speaker: Vielleicht zum Hintergrund, ich bin sehr kühl aufgewachsen, bei uns im Haushalt war wenig Liebe.

Speaker: Meine Eltern waren auch noch sehr jung, muss ich vielleicht dazu auch sagen.

Speaker: Die wussten es nicht so richtig, wie es geht.

Speaker: Und ich lief so nebenbei, sagen wir mal so.

Speaker: Und meine Mutter war sehr an meinem Vater orientiert, beziehungsweise an meinem Stiefvater.

Speaker: Und ich war eher so Beiwerk.

Speaker: Ich war das nervende kleine Kind, was nervt, was viel alleine bleiben sollte, sich selbst regulieren sollte.

Speaker: Und

Speaker: Also meine eigene Meinung hat auch gar nicht gezielt.

Speaker: Im Gegenteil, ich habe sehr früh gemerkt, dass ich meine Meinung und das, was ich jetzt will, sei es Hunger, sei es auf Toilette gehen, dass das, was meine Eltern fühlen, immer vorgeht und ich dafür da bin, meine Eltern glücklich zu machen.

Speaker: Meine Kindheit war ein großer Spießgruppenlauf und deswegen war eigentlich mein Geburtstag oder Feiertage wie Weihnachten, da habe ich ultra drauf hingefiebert, weil ich wusste,

Speaker: An den Tagen, da kann ich ganz, ganz sicher sein, dass das schöne Tage werden, weil da gibt es keinen Streit, da sind meine Eltern auf einmal total nett und es lag immer viel Hoffnung in diesen Tagen, dass ich einfach mal einen schönen Tag ohne Streit, ohne Anschuldigung, ohne physischen und psychischen Missbrauch erleben konnte.

Speaker: Und bis zum neunten Lebensjahr waren diese Tage eigentlich immer so ein kleiner Anker für mich im Jahr.

Speaker: Das Highlight sozusagen des Jahres.

Speaker: Ja, genau so.

Speaker: Ich wusste, da sind meine Eltern gut, die kümmern sich um mich.

Speaker: Also all das, was ich eigentlich so im Alltag nicht erlebe, sondern eher so das ausgegrenzte Einzelkind, was ich selbst beschäftigen muss.

Speaker: Die Mutter hat Kopfschmerzen, will in Ruhe gelassen haben, der Vater kommt von einem anstrengenden Kind.

Speaker: Tag nach Hause und kann mit mir nicht umgehen, weil er Kleinkinder eigentlich gar nicht ertragen kann mit ihrer Quirligkeit, das musste alles unterbunden werden.

Speaker: Ich würde mal gerade den Dennis fragen, also ich merke bei mir, füllen sich gerade meine unteren Augen, die werden so ein bisschen die drücken.

Speaker: Entschuldigung.

Speaker: Nimm doch die Bär meinen Arm, so kann ich jetzt gerade nicht.

Speaker: Ich sitze am anderen Ende der Welt.

Speaker: Ich weiß nicht, wie geht es dir denn?

Speaker: Das ist irgendwie tiefer, als man dachte, dass man bei dem Thema denkt.

Speaker: Genau, geht mir ähnlich.

Speaker: Ich habe auch ein Mitgefühl, ich finde es sehr traurig, was du da gerade erzählst.

Speaker: Und bin da auch wirklich...

Speaker: auch empört, dass du so wenig Liebe, Wohlwollen und Rahmen bekommen hast, was aber ein Kind natürlich braucht, um gut zu gedeihen.

Speaker: Also es sind ja sogar die basalen Bedürfnisse, Essen, auch Toilette gehen, sind sogar frustriert worden.

Speaker: Also das ist ja...

Speaker: Das ist ja wirklich eine massive Störung von außen durch dein Umfeld, für das du erstmal gar nichts kannst.

Speaker: Ich fand es gerade interessant, dass du dich entschuldigt hast sofort für das Gefühl, was du bei uns auslöst.

Speaker: Und das würde ich gerne einfach auch aufgreifen.

Speaker: Das ist wirklich...

Speaker: Mitgefühl und Anteilnahme und nicht eine Emotion jetzt bei mir oder was Pelle auch hat gesagt, weil ich gut mitgehen kann, dass wir dir jetzt gerade sagen, sorry, du bist schon wieder zu viel, im Gegenteil, sondern eher, ich finde das, glaube ich, total wichtig, dass du es ansprechen kannst, dass du dem mal Luft machen kannst und dass du hier wahrscheinlich so einen Vertrauensrahmen erstmal so spürst, sonst wärst du ja wahrscheinlich nicht hier hingekommen.

Speaker: das mal auszusprechen.

Speaker: Und dann vielleicht ja auch eine Rückmeldung zu bekommen, die auch mal anders ist.

Speaker: Nicht, weil wir uns das jetzt einfach nur so wünschen, dass du jetzt eine andere Rückmeldung bekommst, sondern weil ich das wirklich so erlebe.

Speaker: Ich bin wirklich empört und es tut mir total leid, dass du das erfahren musstest.

Speaker: Und ich verstehe jetzt gerade sofort eigentlich besser, und das ist ja fast ein bisschen paradox, das Highlight deines Jahres war Weihnachten,

Speaker: wo du Geschenke bekommst.

Speaker: Und die Eltern, aber eigentlich geht es ja darum, dass die Eltern dann mal dir den Raum geben konnten und mal ein bisschen wärmer vielleicht waren.

Speaker: Ja.

Speaker: Habe ich das richtig verstanden?

Speaker: Ja, ja, genau.

Speaker: Also es ging mir weniger darum, wow, geil, jetzt gibt es Geschenke, sondern es war wirklich eher dieses, okay, die Atmosphäre ist entspannt und

Speaker: mich in der Familie, ich kann mich mal normal wie ein Kind fühlen, das eine Mutter und einen Vater hat, die sich normal mit mir beschäftigen an diesem Tag.

Speaker: Ja, und das finde ich extrem traurig.

Speaker: Das sollte ja im besten Fall

Speaker: Immer wieder oder das ganze Leben eigentlich sein, dass man so einen guten Support bekommt.

Speaker: Du bist wahrscheinlich ein ganz normales lebendiges Kind gewesen.

Speaker: Und selbst das wurde ja, Kamera zumindest so rüber, wurde ja fast schon sanktioniert.

Speaker: Mach das selber mit dir aus, du nervst.

Speaker: Das ist zu viel oder ich habe Kopfschmerzen.

Speaker: Das ist eine massive Bindungsschädigung, die du da erfahren hast, würde ich jetzt mal so einstufen.

Speaker: Was ist das für eine verlässliche Beziehung, wenn man nur einmal im Jahr sich als Kind so zeigen kann, wie man vielleicht ist?

Speaker: Boah krass, jetzt wo du das so sagst.

Speaker: Also ich würde sagen, dass das ja wirklich kein warmes, wohlwollendes Umfeld war, wo ein Kind auch mal so sein kann, wie es ist.

Speaker: Jeder bringt so sein eigenes Temperament mit, dass man sagen kann, ja die ist lebendig und die ist aber auch gut so.

Speaker: Du bist immer weggeschickt, vorher reguliert das selber, du bist zu viel oder du nervst oder Kinder grundsätzlich nerven.

Speaker: Und ich glaube, das Problem dabei ist, dass man gerade, wenn man klein ist, nicht andere Vergleiche hat.

Speaker: Deswegen sagen wir ja auch primäre Bezugsperson, das ist die erste Erfahrung, die wir machen als Mensch, wo es auch hängen bleibt, wie wir uns selber als Mensch erleben und fühlen.

Speaker: Und ich finde, das passt super zu dem, wenn du sagst, heute, du bist jetzt erwachsen, du bist selbstständig, du hast eine Beziehung, du hast aber trotzdem immer noch dieses innere Armageddon,

Speaker: mit dieses Gefühl, dieses unangenehme Peinlichsein, zu viel Aufmerksamkeit, wie ist sie überhaupt gemeint, wie soll ich darauf reagieren, also dieses wirklich so klassisch unsicheres Bindungsverhalten, das ploppt dann genau, das kristallisiert sich meiner Meinung nach in diesem Schenken auch als Erwachsene, ne.

Speaker: Der Gedanke auch, dass du wusstest, wann es kommt, aber du wusstest ja relativ genau, wann es wieder geht.

Speaker: Du konntest auch machen, du wusstest, aber es hat ein Ende.

Speaker: Also da ist ja jedes Geschenk, wird ja zur Gefahr.

Speaker: Ich öffne mich und ich weiß, es hört wieder auf, die Zuwendung.

Speaker: Und das ist ja was Besonderes.

Speaker: Das ist ja nicht nur eine Unsicherheit.

Speaker: sondern ein ziemlich sicherer Entzug gewesen wäre.

Speaker: Du wusstest, nach Weihnachten ist das auch wieder vorbei.

Speaker: Ja, ich kann mich auch daran erinnern, dass ich nach Weihnachten so eine richtige Trauerphase hatte.

Speaker: Oder auch meinen Geburtstag.

Speaker: Also gut, dass das Thema für mich doch so eine Belastung ist und da viele Unterthemen hinterstecken, das weiß ich.

Speaker: Eigentlich ist mir das erst so richtig klar geworden seit diesem Jahr.

Speaker: Aber ich weiß auch, als ich in der Pubertät war oder im jungen Erwachsenenalter, dass ich lange Zeit auch noch mal Freude hatte, meinen Geburtstag und mich auch richtig zu feiern und auch

Speaker: Teil auch beschenkt zu werden, also es war nicht immer so massiv, wie das heutzutage ist, aber dass immer gegen Abend an meinem Geburtstag, wenn die Leute weggegangen sind oder am nächsten Tag ich richtig traurig war, dass der Tag vorbei ist, so tief, mit so einer tiefen Melancholie und ach je Gott, jetzt musst du wieder ein Jahr warten, was ja völlig merkwürdig ist, also es gibt ja, ich erlebe ja jetzt auch schöne andere Tage und bin ja abgekoppelt von diesem Familienthema früher, aber

Speaker: Ja, also, ja, ich habe auch danach irgendwie getrauert.

Speaker: Für die ZuhörerInnen da draußen, die Frage ist jetzt, wie kann man das jetzt nutzen, diese Folge?

Speaker: Ich habe jetzt gerade so die Idee, dass man erstmal einfach weiß, dass nicht nur, weil es einem selber vielleicht Freude macht, beschenkt zu werden oder auch Geschenke zu machen, heißt es, dass das dem anderen genauso geht.

Speaker: Also das wird ja hier gerade ziemlich deutlich, dass in jedem Menschen wahrscheinlich eine ganz, ganz lange Geschichte ist,

Speaker: von Geschenken und Geschenktwerden ist.

Speaker: Und dass das schon ein sensibles Feld ist, in dem wir uns da bewegen, was man oft gar nicht so wahrnimmt.

Speaker: Bea, du hattest eben mir angedeutet, dass es vielleicht so ein wirklich prägendes oder das prägendste Ereignis vielleicht gab, was es nochmal so ein bisschen zementiert hat,

Speaker: Wäre das okay für dich, wenn du die Situation mal erzählst, aber auch ein bisschen darauf achtest natürlich, dass es für dich so einen guten, gut regulierbaren Rahmen irgendwie ist?

Speaker: Das kann ich gerne tun.

Speaker: Also, wie gesagt, ich konnte mich eigentlich immer relativ lange Zeit darauf verlassen, dass die Geburtstage und die Feiertage eigentlich so meine Highlights sind.

Speaker: Und an meinem neunten Geburtstag

Speaker: konnte ich mich eben nicht mehr darauf verlassen.

Speaker: Da merkte ich schon morgens irgendwie die Stimmung zu Hause, die ist nicht so, wie ich mir das eigentlich erwartet habe.

Speaker: Meine Mutter war total genervt, mein Vater hat irgendwie rumgeschrien, ich habe irgendeinen, naja, angeblichen Mist gebaut und das passte irgendwie so überhaupt nicht zu diesem Geburtstagsfeeling.

Speaker: Und ich merkte morgens schon irgendwie, war irgendwie...

Speaker: weiß ich nicht, also habe ich mir jetzt irgendwie alles anders vorgestellt.

Speaker: Mein Vater ist dann arbeiten gegangen und normalerweise war es immer so, dass meine Mutter mir dann einen schönen Geschenketisch gemacht hat und ich morgens halt schön zusammen gefrühstückt und es gab so die ersten schönen Geschenke und das war an diesem Tag nicht so.

Speaker: Und ich habe mich jetzt auch nicht getraut zu fragen, hey Mama, wie sieht es denn aus?

Speaker: Man kriegt denn meine Geschenke?

Speaker: Und

Speaker: Ich guckte immer mit einem halben Auge auf die Uhr um 12 Uhr ein, wo nichts passierte.

Speaker: Die Stimmung war schlecht wie irgendwie, gefühlt jeden Tag.

Speaker: Irgendwann sagte meine Mutter von sich aus, ja, wir warten heute mal, bis der Papa von der Arbeit zurück ist.

Speaker: Und okay, dachte ich mir, dann machen wir das so, der wird dann mit den Geschenken kommen.

Speaker: Und ich hatte im April Geburtstag und es war Schnee, es lag Schnee draußen.

Speaker: Und bei mir war es generell so, ich bin sehr viel nach draußen geschickt worden und sollte dann halt draußen irgendwie mich beschäftigen und alleine spielen.

Speaker: Und

Speaker: Mein Vater kam nach der Arbeit und meine Mutter sagte schon, ja, kannst du ja mal nach unten gehen, wenn Papa kommt.

Speaker: Ich, ganz freudiger Erwartung, sollte eh draußen spielen.

Speaker: Mein Vater stieg aus und gab mir ein Basketball.

Speaker: Er gab mir Basketball.

Speaker: Ich habe mich weder für Basketball interessiert, noch hatten wir im Basketball Platz.

Speaker: Ich hatte auch keine Freunde, die sich jetzt für Basketball interessiert hatten.

Speaker: Und er war noch nicht mal eingepackt.

Speaker: Das war eigentlich auch noch so.

Speaker: Ich dachte, okay, das ist jetzt mein Geschenk im Basketball.

Speaker: Und ich habe so seinen Blick gespürt, dass er sich total gefreut hat, mit diesem Ball da jetzt zu überreichen.

Speaker: Und ich merkte aber auch direkt,

Speaker: so ein Automatismus in mir, okay, ich kann jetzt nicht meine Enttäuschung zeigen, weil dann enttäusche ich ihn und ich weiß, was passiert, wenn ich ihn enttäusche.

Speaker: Und dann sagte er aber noch was zu mir und meinte, ja, jetzt stell dich mal hier hin, mach mal deine Hände auf.

Speaker: Also ich sollte meine Hände so falten halt, als wenn ich was empfange und ja, ich sollte meine Augen zumachen und

Speaker: Es passierte nichts, ich hatte meine Augen zu.

Speaker: Und dann sagte er, ja, und jetzt mach die Augen auf.

Speaker: Und ich sah, wie er seine Hände über meinen Händen hatte und so imaginär was in meine Hände legt.

Speaker: Und da war aber nichts drin.

Speaker: Und ich dachte mir, okay, was soll das jetzt bedeuten?

Speaker: Und er sagte, ja, Beatrice, das sind deine Klarinettenunterrichtsstunden.

Speaker: Du darfst jetzt zum Klarinettenunterricht gehen, weil das hatte ich dir wahrscheinlich Tage vorher mal so erzählt.

Speaker: Erst war ich enttäuscht, es lag nichts in den Händen.

Speaker: Und es war einfach sowas wie, ich wusste irgendwie, das wird nie zutreffen.

Speaker: der hat kein Geschenk für mich.

Speaker: Die haben entweder meinen Geburtstag vergessen oder hatten keine Ideen oder es war einfach pure Enttäuschung und ich musste mich in dem Moment

Speaker: war tief enttäuscht, hätte eigentlich gerne direkt losgeheult und musste das unterbinden.

Speaker: Und ich glaube, das war für mich ein ganz prägender Moment, der bis heute einfach noch anhält, diese Blicke, dieser All Eyes on Me, wie reagiert das Kind, freut es sich, es muss sich freuen, dieser innere Druck des Gegenübers, diese Erwartung an mich und in dem Moment,

Speaker: Ich kann mich weder freuen noch bin ich sauer über schlechte Geschenke, sondern es ist einfach

Speaker: Schauspielerei in dem Moment.

Speaker: Es ärgert mich in dem Moment auch, wo ich das jetzt so sage, weil eigentlich finde ich es peinlich, zugeben zu müssen, dass ich Schauspielere, weil Ehrlichkeit ist eigentlich ein großer Grundwert von mir.

Speaker: Aber es fällt mir wirklich in den meisten Fällen ganz, ganz schwer ehrlich zu sein.

Speaker: Das funktioniert bei einer kleinen Handvoll von engen Leuten bei mir.

Speaker: Jetzt bist du es gerade im Podcast für 200, 300 Hörer.

Speaker: Also wie gesagt, es gab noch ein anderes großes Ereignis dieses Jahr.

Speaker: Also das war einfach der absolute Super-GAU an Unannehmlichkeiten, der mir das auch nochmal ganz klar gezeigt hat.

Speaker: Und danach habe ich angefangen, mal ganz langsam mit ganz engen Freunden, wo ich wusste, die haben auch ganz merkwürdige Dinge am Laufen, die nicht jeder nachvollziehen kann und habe mich da mal so ein bisschen gelöst.

Speaker: Und da haben mir doch ganz viele gesagt, so ja doch,

Speaker: Meine Halbschwester sagte sogar, ja, Bär, das kenne ich, mir ist das auch total unangenehm.

Speaker: Ich mag das eigentlich nicht.

Speaker: Am liebsten, sagte sie, würde sie die Geschenke bei sich lassen und erst ganz heimlich in Ruhe aufmachen, wenn keiner guckt.

Speaker: Das würde sie sich eigentlich immer wünschen, aber das ist natürlich auch, ja, wie kommt das an?

Speaker: Das geht einfach nicht.

Speaker: Die Leute möchten das ja auch sehen, wie man es aufmacht und so.

Speaker: Ja, also ich glaube, so alleine, wie ich da immer irgendwie denke, mit alleine zu sein, bin ich wahrscheinlich gar nicht.

Speaker: Genau.

Speaker: Ich würde gerne zwei Aspekte ergänzen, wenn du erlaubst.

Speaker: Einmal hast du gesagt, dann ärgere ich mich darüber, wenn ich dann so bin.

Speaker: Da würde ich vielleicht gerne mal so...

Speaker: ein bisschen einladen, mal zu gucken, wo der Ärger wirklich hingehört.

Speaker: Also als Kind ist man per se ja erstmal abhängig.

Speaker: Du hast beschrieben, das ganze Jahr über hast du gar keine Zuwendung, gar keine Liebe so erfahren.

Speaker: Also bist du wirklich emotional irgendwo ja wirklich vernachlässigt groß geworden.

Speaker: Also sogar noch mit Frustration der ganz basalen Grundbedürfnisse, wie ich eben schon mal gesagt hatte.

Speaker: Aber was macht dann ein Kind?

Speaker: Und ich glaube, das darfst du dir vielleicht jetzt

Speaker: nicht vorwerfen.

Speaker: Man geht natürlich an eine gewisse Überanpassung.

Speaker: Du hast ja gesagt, dann muss ich ja trotzdem so tun oder schauspielern, dass ich mich irgendwie dann noch freue, um nicht noch mehr Liebesentzug zu riskieren.

Speaker: Also wenn du dann noch mal sagst, boah, jetzt bin ich aber richtig sauer, da hattest du vorher wahrscheinlich sowieso keine

Speaker: Ermutigung und Validierung, dass diese Gefühle überhaupt sein dürfen, also dass du auch mal mit konträren Gefühlen aufwarten darfst.

Speaker: Das ist ja auch schon aberzogen worden, aber in dem Augenblick ja noch weniger, weil das ja dein Highlight war und als dann so eine noch eine deutliche Enttäuschung im neunten Lebensjahr, wie du es geschrieben hast, gekommen ist.

Speaker: Also ich kann es erstmal total nachvollziehen, dass du da nicht explodiert bist, sondern weil du ja wahrscheinlich auch wusstest, okay, wenn ich das jetzt auch noch mache, dann kriege ich ja vielleicht noch weniger von dem sowieso schon viel zu wenigen.

Speaker: Und, aber das finde ich das Spannende, das wäre so der zweite Aspekt, du machst es heute innerlich immer noch so.

Speaker: Ich mache es genauso.

Speaker: Das ist genauso wie die innere Neunjährige, die dann anspringt, wenn du ein Geschenk bekommst.

Speaker: Ja.

Speaker: Und ich glaube, das würdest du auch so sehen.

Speaker: Und ich glaube, das ist erstmal wichtig zu verstehen, dass diese kindliche Verletzung noch gar nicht so richtig aufgearbeitet ist und deswegen auch immer noch so wirkt.

Speaker: Du bist ja eine sehr reflektierte, wirkst auch selbstbewusst, wenn du hier so sitzt und du bist mutig, du erzählst das hier.

Speaker: Also das finde ich total super.

Speaker: Und ich glaube, innerlich fühlst du dich dann trotzdem wie die Neunjährige, auch heute, wenn jemand am Geschenk kommt.

Speaker: Was mache ich da?

Speaker: Soll ich mich da verbiegen?

Speaker: Soll ich dann Danke sagen?

Speaker: Soll ich nicht Danke sagen?

Speaker: Mir ist das peinlich.

Speaker: Und eigentlich peinlich oder die Personen, die sich eigentlich schämen sollte, sind die Personen, die dieses Gefühl gegeben haben als Kind.

Speaker: Also ich finde der Ärger oder die, da sollten sich andere Leute für schämen anstatt du.

Speaker: Ich weiß nicht, ob das mal so ein Perspektivwechsel wäre für dich.

Speaker: Wo gehört was hin?

Speaker: Ja, ich glaube, ich habe die Situation, die Gefühle in dieser Schenk-Situation immer irgendwie komplett bei mir gesehen.

Speaker: Also auch das Gefühl, was das Gegenüber dann bekommt, dafür bin ich abhängig.

Speaker: Und ich weiß ja kognitiv, dem ist ja nicht so.

Speaker: Auch wenn das Gegenüber jetzt enttäuscht ist, weil ich mich eben nicht freue oder nicht das so zeigen kann, ist es ja eigentlich sein Gefühl.

Speaker: Und kognitiv weiß ich das, aber es springt so automatisch an.

Speaker: Ja.

Speaker: Genau, und das kann ich vielleicht auch noch mal kurz ergänzen, dass du es vielleicht einmal gehört hast, und das wissen wir eben auch aus der Bildungsforschung, dass wenn Kinder nicht in dem, wie sie sind, differenziert, wohlwollend, unterstützend groß werden und dann eben auch trotzdem natürlich auch fürsorgliche Grenzen bekommen, das ist ja nochmal was anderes als das, was du da bekommen hast,

Speaker: neigen Kinder dazu, die Schuld immer bei sich zu suchen.

Speaker: Ich habe jetzt noch einen Keimesatz gehört, dass irgendjemand mal zu dir gekommen ist.

Speaker: Irgendwann habe ich noch mal drüber nachgedacht.

Speaker: Ich glaube, wir haben echt ein bisschen Mist gemacht in unserer Kindheit.

Speaker: Und wir haben uns dir gegenüber eigentlich als Eltern nicht so gut verhalten, beziehungsweise wir haben da eigentlich sogar streckweise so versagt.

Speaker: Das tut mir total leid.

Speaker: Nee, das war nicht der Fall.

Speaker: Deswegen, du suchst die Schuld und die Verantwortung liegt die ganze Zeit bei dir.

Speaker: Und das ist aber auch leider eine typisch kindliche Reaktion, weil du ja erstmal abhängig bist und in der Phase der Abhängigkeit die Beziehung im Rahmen dieser Möglichkeiten noch zu schützen versuchst.

Speaker: Und dann die Schuld sozusagen erstmal bei dir suchst, weil du abhängig bist.

Speaker: Du kannst nicht sagen mit neun, alles klar, das Weihnachtsfest oder dieser Geburtstag, der ist so beschissen, das war es jetzt.

Speaker: Ich ziehe aus.

Speaker: Suchen wir jetzt andere Eltern.

Speaker: Das ist gerade was du sagst.

Speaker: Wer ist sichtlich berührend.

Speaker: Ja, das stimmt.

Speaker: Das ist was in der Ausnahme.

Speaker: wenn du das sagst, ich höre das und denke mir, ja, du hast recht mit dieser Perspektive und ich glaube, da ist viel einfach noch nicht wirklich bearbeitet.

Speaker: Und was ich ganz toll finde, wenn das Gespräch, was wir jetzt hier zu dritt führen, dazu führt, dass du da ein Bewusstsein für bekommst und vielleicht schon mal so eine Idee hast, oh, ein Perspektivwechsel würde mir eigentlich

Speaker: helfen, da in Zukunft irgendwann mal mit anders umzugehen, dann ist das, finde ich, schon sehr viel gewonnen.

Speaker: Und da berührt mich deine emotionale Reaktion, weil du dich jetzt gerade auch mit Traurigkeit hier zeigen kannst.

Speaker: Und ich finde, die ist absolut berechtigt.

Speaker: Das ist wirklich, ich könnte alles verstehen.

Speaker: Enttäuschung, Wut, Trauer, wahrscheinlich Gefühle, die eben früher auch nicht so erwünscht waren.

Speaker: Aber das finde ich total wichtig und finde das sehr authentisch,

Speaker: Neben der Berechtigung der Gefühle, die Dennis gerade benannt hat, wo ja drinsteht, du hast das Recht dazu, du hast aber auch das vor allem mitgeteilt, uns, und da steckt das Wort teilen drin.

Speaker: Und ich finde es ganz wichtig, dass man sich auch, um mal jetzt vielleicht den Bogen zu Weihnachten zu schlagen, für alle da draußen, dass es, soweit ich weiß, beim Schenken immer auch ums Teilen geht.

Speaker: Und nicht darum, dass ich etwas kaufe, um es dann zu schenken, sondern eigentlich, Sankt Martin zum Beispiel, ist ja gerade erst her, teilt jemand seinen Mantel mit dem armen Bettler.

Speaker: Also er macht aus etwas, was schon da ist, mehr, indem er es...

Speaker: Und das hast du ja mit uns gemacht.

Speaker: Du hast uns belastet in deinem Sinne, dass du uns vielleicht Last auf die Schultern gelegt hast.

Speaker: Ich habe mich aber dadurch beschenkt gefühlt.

Speaker: Ich habe das Gefühl gehabt, die teilt gerade etwas mit mir, was für sie eine Last ist, aber für mich hat sich das gar nicht so schwer angefühlt, aber ich habe mich berührt gefühlt und ich finde, da sind wir beim Geist der Weihnacht, dass wir...

Speaker: du hast dich hier gezeigt, was du lange nicht gemacht hast, auch mit deinem Gefühl jetzt, mit der Trauer, die jetzt vielleicht nachkommt.

Speaker: Und dafür bin ich dir persönlich ganz dankbar und das ist für mich immer das wertvollste Geschenk.

Speaker: Danke und danke für dein Feedback.

Speaker: Das berührt mich jetzt auch schon wieder, dass meine Geschichte jemanden berührt.

Speaker: Ich muss auch sagen, ich merke gerade, der Kloß löst sich irgendwie so ein bisschen.

Speaker: Das können die Hörerinnen jetzt gerade nicht sehen, aber wo zeigst du gerade hin?

Speaker: Ja, irgendwie, meine Hände liegen so ein bisschen auf meinem Bauch.

Speaker: Ich neige sonst immer dazu, mich komplett zu verschließen, aber ich merke gerade, mein Bauch wird irgendwie ein bisschen leichter.

Speaker: Du hättest ja gerade mit beiden Händen, also am Unterbauch?

Speaker: Ja, genau, am Unterbauch.

Speaker: Ich weiß nicht, ich kam jetzt gerade so automatisch.

Speaker: Entspannter.

Speaker: Ich kann mir vorstellen, dass wir jetzt ganz viele Menschen da draußen, die uns zuhören, dass die

Speaker: sich auch am Sessel festkrallen oder sonst irgendwie eigene Themen hochkommen.

Speaker: Also wenn du da draußen jetzt gerade irgendwas hast, wo du merkst, oh Gott, das kenne ich oder oh, das hatte ich gar nicht auf dem Schirm.

Speaker: Das kann sein, dass das bei dir auch was auslöst.

Speaker: Und Dennis, hast du vielleicht eine Übung parat, die unsere Zuhörer und Zuhörerinnen und Bea mitmachen können.

Speaker: Innenschau, dein Zwischenstopp bei dir selbst.

Speaker: Das Gewahrsein, das Bewusstwerden von dem, was wir gerade heute jetzt hier in dem Gespräch gemacht haben, ist der erste Schritt.

Speaker: Weil eine Neurose ist ja häufig, das hatte ich ja am Anfang so ein bisschen erwähnt, ist ja häufig sowas Unbewusstes, Ungelöstes.

Speaker: Und wir sind, glaube ich, schon heute einfach durch den Austausch darüber ein bisschen mehr in ein Bewusstsein gekommen.

Speaker: Auch das kann schon ein bisschen die Haltung vielleicht auch schon ändern.

Speaker: Und ich glaube trotzdem sind natürlich viele Verletzungen, die noch aufzuarbeiten sind.

Speaker: Jetzt nur ganz konkret, wenn man, darf ich dich fragen, Bia, wie belastend wäre denn jetzt so die Situation in Heiligabend für dich?

Speaker: Da kommt jemand mit einem Geschenk.

Speaker: Auf einer Skala von 0 bis 10.

Speaker: 0 ist so gar keine Belastung, 10 ist so maximal.

Speaker: Je nach eigener Tagesform.

Speaker: Das kann auch locker eine 10 sein.

Speaker: Wirst du bereit, eine kleine Übung mitzumachen?

Speaker: Ja, ich bin gespannt.

Speaker: Wenn du dir zwei Fähigkeiten aussuchen dürftest, um damit mit dieser schwierigen Situation, die haben wir jetzt verstanden, da sind ganz viele Beziehungsschädigungen im Hintergrund, ursächlich für diese Neurose, wie du das nennst.

Speaker: Welche beiden Fähigkeiten bräuchtest du, um damit anders umzugehen in Zukunft?

Speaker: Oder jetzt bei diesem Weihnachtsfest?

Speaker: Also der erste Gedanke ist irgendwie so eine Fähigkeit, wie sich unsichtbar machen.

Speaker: Wobei das wahrscheinlich jetzt nicht genau das ist, was hinter der Frage steckt.

Speaker: Was wäre das?

Speaker: Was wäre der Kern dann vom Unsichtbarsein?

Speaker: Dass ich nicht bewertet werde.

Speaker: Dass ich bei dem Geschenke auspacken nicht bewertet werde.

Speaker: Also, ja.

Speaker: Vielleicht einmal so.

Speaker: Ja, aber, nee, eigentlich Vertrauen in den Schenker.

Speaker: Dass der Schenker mich nicht beurteilt.

Speaker: Okay.

Speaker: Und sicher werden wäre so ein bisschen das, was du ja schon häufig sowieso, glaube ich, gemacht hast.

Speaker: Verdrängung eigentlich eher.

Speaker: Am besten die Situation vermeiden, wenn gar nicht da, dann passiert das auch nicht.

Speaker: Aber wenn du sagst, okay, ich bin jetzt in der Situation, ich vertraue in was?

Speaker: Also das ist die andere Person, grundsätzlich eigentlich gut mit dir meint oder?

Speaker: Ja, dass derjenige nichts erwartet.

Speaker: Mehr kommt gerade nicht.

Speaker: Wie ist es mit Gelassenheit?

Speaker: Also dass wir ein bisschen gelassen da in die Situation sind?

Speaker: Oder ist das so?

Speaker: Eher eine gewisse neutrale Haltung, dem gegenüber ein bisschen mehr Abstand zu diesem Geschenk und demjenigen, der jetzt am Tisch sitzt mit mir.

Speaker: Abstand.

Speaker: Dass du es nicht so persönlich da nimmst?

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Welche von diesen beiden Fähigkeiten macht das noch mehr emotionale Resonanz gerade?

Speaker: Wenn wir nämlich mit der anfangen.

Speaker: Abstand.

Speaker: Abstand, also die Fähigkeit zu differenzieren, das ist ein Geschenk und grundsätzlich ist das vielleicht, weiß ich aber, wie der Mensch zu mir steht, egal wie ich darauf reagiere, sowas in dem Sinne?

Speaker: Ja, die Vorstellung ist eigentlich, ja, die ist gut.

Speaker: Also du dich besser so abgrenzen kannst dann auch von den Erwartungshaltungen.

Speaker: Ja genau, weniger Erwartungshaltung, zu spüren körperlich halt auch.

Speaker: Also es wäre die Fähigkeit, dass du dich da besser von abgrenzen könntest, ne?

Speaker: Ja, eigentlich ist es das.

Speaker: Dann fangen wir damit an.

Speaker: Und das andere wäre, hattest du gesagt, das Vertrauen in die Intention des anderen oder das Vertrauen in dich selber, dass du eigentlich gut bei dir bleiben kannst, egal was kommt.

Speaker: Ja, ich würde schon gerne eigentlich auch dem Schenker vertrauen, dass er es auch wirklich als Schenkung meint.

Speaker: Finde ich bei der Vorgeschichte, die du hast, finde ich das super, ehrlich gesagt.

Speaker: Also es zeigt auch, dass es offensichtlich solche Beziehungen gibt.

Speaker: Dann fangen wir mit dem Thema Abgrenzen an.

Speaker: In den letzten Wochen, Monaten, Jahren, gab es da mal eine Situation, wo du schon mal etwas von dieser Fähigkeit, sich gut abzugrenzen hattest?

Speaker: Ja, ich weiß jetzt nicht, ob es vielleicht so ein gutes Beispiel ist an der Wurstheke vom Rewe.

Speaker: Also klassische Situation vordrängeln, wo ich gesagt habe, nee, das lasse ich jetzt nicht über mich ergehen, sondern ich positioniere mich jetzt auch mal und sage auch mal, Entschuldigung, ich stand hier vor Ihnen, das haben Sie auch klar gesehen.

Speaker: Bist für dein Recht eingestanden, ne?

Speaker: Ja, ja doch.

Speaker: Kannst du das vielleicht noch mal kurz innerlich in dir hervorrufen, das Bild, wo du das so gemacht hast, wo du so mutig warst, dich da abzugrenzen?

Speaker: Es trauen sich auch viele Menschen vielleicht eher nicht und sagen, ich mach jetzt mal besser hier keinen Fass auf, aber das hast du ja sehr gut für dich eingestanden.

Speaker: Ja, ich war auch stolz danach.

Speaker: Okay, wo spürst du das gerade in deinem Körper?

Speaker: Also ich habe gerade so gemerkt, dass ich mich auf dem Stuhl ein bisschen gerade rücke.

Speaker: Okay, du bist aufrichtiger von der Körperhaltung?

Speaker: Ja.

Speaker: Die Haltung, super.

Speaker: Okay, passt ja auch super.

Speaker: Dann würde ich dich bitten, mal mit dieser Szene, oder so mutig war es, und mit diesem Körpergefühl, Aufrichtigkeit, immer so beides übereinander zu legen, innerlich in dir.

Speaker: Und dann vielleicht, ich zeig dir das mal ganz kurz, die beiden Hände überkreuzt sozusagen auf beide Schulterblätter zu legen und nur mal in der Situation zu bleiben und mal in diesem Tempo 1, 2, 3, 4, 5, so 15 bis 20 Mal das nochmal so ein bisschen zu stimulieren und körperlich zu verankern.

Speaker: Und einfach mal wahrnehmen, was passiert.

Speaker: Und einmal kurz ausblenden, genau, tief ein- und ausatmen, machst du sehr gut.

Speaker: Wie ist das denn jetzt von dem Körpergefühl?

Speaker: Hat sich das nochmal ein bisschen verstärkt?

Speaker: Oder ist das so geblieben?

Speaker: Ist was anderes aufgetaucht?

Speaker: Es hatte was Beruhigendes.

Speaker: Es ist ruhiger geworden in dir.

Speaker: Ja, dieses Tippeln hat mich irgendwie ein bisschen lockerer gemacht.

Speaker: Mhm.

Speaker: und habe so getippt und bin so tippend irgendwie weitergegangen und dachte mir, es war so ein kurzer Impuls, ja lass den doch da stehen.

Speaker: Du bist ja auch noch da.

Speaker: Dann würde ich dich bitten, das nochmal zu machen.

Speaker: Also aufgrund der Zeit, die sich hier so begrenzt ist, kann man das natürlich dann auch nochmal weiterführen.

Speaker: Aber vielleicht machst du es noch einmal, gehst nochmal in diese Szene rein, in nochmal das Körpergefühl wahren, du bist aufrichtiger und stimulierst das nochmal.

Speaker: So im Tempo 1, 2, 3, 4, 5.

Speaker: So bis 15, 20 Mal.

Speaker: Okay.

Speaker: Wie ist es jetzt?

Speaker: Ich weiß nicht, ich muss irgendwie lachen.

Speaker: Die Hörer hören es auch, aber wir sehen es auch.

Speaker: Es ist so eine gewisse Art von Humor.

Speaker: Es ist so eine kleine Situation irgendwie nur mit dieser Theke, aber

Speaker: ein bisschen glücklich oder Freude?

Speaker: Ja.

Speaker: Super.

Speaker: Dann mach mal kurz innerlich davon ein inneres Foto sozusagen von diesem Zustand, den du jetzt gerade hast.

Speaker: Den brauchen wir gleich nochmal.

Speaker: Dann würde ich jetzt mal zu der zweiten Fähigkeit wechseln.

Speaker: Vertrauen in andere Menschen, dass die das auch gut mit dir meinen.

Speaker: Gab es da so in den letzten Wochen oder Monaten Situationen, wo du sagen würdest, das erinnert mich eigentlich, also

Speaker: Da habe ich eigentlich schon bei allem Scheiß, den ich erlebt habe zu Hause, habe ich eigentlich doch noch Vertrauen auch in andere Menschen, dass die es gut mit mir meinen.

Speaker: Gibt es da irgendeine Beziehungserfahrung, irgendeine Situation, wo wir sagen, wo es ja.

Speaker: Ja, es war eine Streitsituation zwischen zwei sehr guten Freundinnen.

Speaker: Und wie sind das, wir haben das alles durchgesprochen, diese

Speaker: genauso zu uns gefunden wie vorher.

Speaker: Das war eine gute Erfahrung, auf diese Freundschaft zu vertrauen, dass auch nach dem Streit, der echt unangenehm war, für alle Beteiligten, man trotzdem die Freundschaft weitermachen kann.

Speaker: Super, perfekt.

Speaker: Sehr gut.

Speaker: Dass das auch aushält, meine Beziehung.

Speaker: Vielleicht kannst du da auch mal so ein Bild gerade suchen, was das so am besten repräsentiert.

Speaker: Und mal schauen, was das auf der körperlichen Ebene gerade für eine Resonanz macht.

Speaker: Was für ein Körpergefühl hast du denn gerade?

Speaker: Ja, ich kann es jetzt im Körper nicht so gut orten, aber mit mir kommt direkt irgendwie so ein Leichtigkeitsgedanke, sage ich jetzt mal.

Speaker: Also ein Leichtigkeitsgedanke, okay.

Speaker: Dann würde ich dich auch bitten, das vielleicht nochmal so zu stimulieren.

Speaker: Also...

Speaker: Wir nennen das Butterfly Hugs und verkreuzt die Daumen übereinander und macht dann sozusagen auf beiden Schulterblättern oder an dem Brustbereich, was einem angenehmer ist.

Speaker: Geht mal nochmal in das Bild rein und in das Gefühl, Leichtigkeitsgedanke hast du gesagt und dann würde ich dich da auch bitten, das nochmal so bilateral zu stimulieren.

Speaker: Und nochmal ausblenden, nochmal tief in den Bauch ein- und ausatmen.

Speaker: Wie ist es jetzt?

Speaker: Gut, ich muss schon bleiben.

Speaker: Also da scheinen irgendwie Glückshormone, Serotonin, Topamin, was soll aber ausgestüttet zu werden?

Speaker: Wenn du jetzt mal diese beiden, mach davon auch nochmal ein inneres Bild kurz.

Speaker: Beziehung ist verlässlich gewesen, wir können weitermachen und dieses Leichtigkeitsgefühl.

Speaker: Ich habe da vorne nochmal ein Foto.

Speaker: Jetzt würde ich dich bitten, beide Fähigkeiten, also die, die wir da vorgesprochen haben, und diese mal übereinander zu legen.

Speaker: Wie fühlt sich das jetzt gerade an, wenn du das mal so zusammenlegst, übereinanderlegst in dir?

Speaker: Irgendwie umgewohnt, neu, also

Speaker: Und wenn du jetzt von dieser Art, das ist sozusagen das vorläufige Ende von so einer Übung, wenn du jetzt mal von dieser Position, der du jetzt gerade bist, von den Bildern her, von dem Körpergefühl her, nochmal auf diese Situation Weihnachten, Geschenke draufschaust, wie belastend fühlt sich das denn jetzt für dich an?

Speaker: Auf einer Skala von 0 bis 10.

Speaker: Ich würde mal vorsichtig auf ein 7 runtergehen.

Speaker: Okay, also ein bisschen weniger geworden.

Speaker: Ich bin auch ein bisschen skeptisch.

Speaker: Genau, ein bisschen skeptisch.

Speaker: Aber die Belastung, wenn man vielleicht nochmal Fähigkeiten, die auch in anderen Bereichen aufgetaucht sind, nochmal aktivieren würde, wäre vielleicht hilfreich, das jetzt auch in der nächsten Zeit immer mal wieder zu machen.

Speaker: Auch wenn der Gedanke kommt, Weihnachten steht vor der Tür, Geschenke stehen vor der Tür.

Speaker: Und dann natürlich, das hast du aber eigentlich ja auch schon angefangen,

Speaker: in eine offene Kommunikation mit deinen lieben Menschen zu gehen.

Speaker: Dass das für dich ein wichtiges Thema ist.

Speaker: Du hast nochmal verstanden, was da vielleicht auch, du musst nicht ins Detail gehen, aber was da so hinter steht, aber dass du das gerne respektiert hättest, dass du dann vielleicht gerade kein Geschenk oder wenn wie ein Geschenk haben möchtest, also dass du dir da vielleicht auch nochmal so Gedanken zu machst.

Speaker: Okay.

Speaker: Dass du mitgestaltest, ne?

Speaker: Lieber Dennis, vielen Dank für diese wunderbare Übung.

Speaker: Und bei mir kam gerade noch in Gedanken deine Superkraft, die du gerne hättest.

Speaker: Da habe ich so daraus gehört, vielleicht ist es auch einfach, generell wünschst du dir Sicherheit in dir selbst.

Speaker: Also dieser Mix aus Neutralität, Gelassenheit, Abstand, Distanz, da habe ich einfach gehört, da fehlt ja Sicherheit in dem Moment.

Speaker: Und ich habe das Gefühl, Dennis hat dir gerade eine wunderbare Möglichkeit gegeben, deine Sicherheit ein bisschen zu erhöhen, die du in Situationen hast, wo du plötzlich einfrierst und dich unsicher fühlst.

Speaker: Und das gilt natürlich auch für alle ZuhörerInnen da draußen.

Speaker: Das ist eine wunderbare Möglichkeit, Sicherheit wiederherzustellen, die uns ja häufig verloren geht.

Speaker: Und mit diesem Gefühl von Sicherheit und Wohlwollen und auch Teilen möchten wir euch

Speaker: tatsächlich für dieses Jahr in die Feiertage entlassen, liebe Zuhörerinnen da draußen.

Speaker: Es war mir ein Fest, euch beiden zuzuschauen, Dennis und Bea.

Speaker: Und euch beiden einen schönen Tag noch und euch da draußen auch einen schönen Tag.

Speaker: Macht es gut, bis ganz bald.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Auf Wiedersehen.

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

Speaker

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