Transcript
Speaker: Pflege ist mehr als ein Job.
Speaker: Es ist wirklich eine Haltung.
Speaker: Es bedeutet Beziehungsarbeit, in Resonanz gehen.
Speaker: Und das ist für mich ein ganz großer Unterschied in der psychosomatischen Pflege zur somatischen Pflege, dass ich immer beteiligt bin, aber eher beratend und eher mutmachend und hoffnummachend.
Speaker: Herzlich Willkommen zum Podcast Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle, der Podcast zu Psychosomatik und Psychotherapie.
Speaker: Herzlich willkommen zur zweiten Folge des Podcastes Alles nur Psyche mit Dr. Dennis und Pelle.
Speaker: Schön, dich zu sehen, lieber Dennis, in unserer zweiten Folge des Podcastes.
Speaker: Wir möchten über die Pflege heute sprechen, da sie auch einen Kern der medizinischen Behandlung in Krankenhäusern, aber auch in der Psychosomatik stellt.
Speaker: Und das ist vielleicht vielen Menschen da draußen nicht klar, dass es auch Pflegekräfte in einer psychosomatischen Klinik gibt.
Speaker: Lieber Dennis, du hast ja selber als Psychiater angefangen,
Speaker: Und zwar wo mit dem medizinischen Bereich im Zivildienst?
Speaker: Wie so viele andere auch hast du mit dem Zivildienst gestartet und da hast du auch Einblick in die Pflege bekommen, auch wenn du später in den medizinischen Bereich übergegangen bist.
Speaker: Wie war das denn für dich in der Pflege?
Speaker: Genau, also ich habe im Zivildienst eine Hilfspflegeausbildung gemacht und da war ich auf verschiedene Stationen, vor allem auf einer urologischen Station eingesetzt.
Speaker: Und habe da wirklich ganz intensive Einblicke bekommen, sowohl in die pflegerische Arbeit an sich, aber auch in der Zusammenarbeit mit dem Ärzteteam, was sich damals auf dieser Station da befunden hat.
Speaker: Und habe da wirklich für mein Leben sehr viel gelernt.
Speaker: Was hast du denn da gelernt für dein Leben?
Speaker: Also eine Szene, die ich glaube ich auch nicht mehr vergessen werde in meinem Leben war, nach ein paar Monaten waren wir dann eben auf dieser Hilfspfleger-Weiterbildung und der damalige Ausbilder meinte, wer könnte denn mal zeigen, wie man ein Krankenhausbett bezieht.
Speaker: Und ich habe gesagt, ja, kann ich machen.
Speaker: Das war damals ein katholisches Krankenhaus, ich hatte eine Oberschwester, die mich da angeleitet hatte.
Speaker: die ich sehr geschätzt habe, Schwester Elisabeth.
Speaker: Und die hat mir das, es war wirklich harter Drill.
Speaker: Also ich glaube, so ein großer Unterschied zur Bundeswehr war es am Ende dann doch nicht.
Speaker: Auch wenn ich da als Pazifist sozusagen angeleitet wurde.
Speaker: Und habe dann innerhalb von, ich weiß gar nicht, anderthalb Minuten war das Bett, also ein Krankenhausbett komplett bezogen.
Speaker: mit einer Falte der Decke, wo man dann sozusagen wie eine Art Eingriff diesen Faltenzipfel nehmen kann, um das Bett dann aufzuschlagen.
Speaker: Und alle waren total irritiert, guckten mich völlig entsetzt.
Speaker: Alle meinten so, okay.
Speaker: wo bist du denn gerade im Zivi?
Speaker: Oder habe ich das so ein bisschen erzählt?
Speaker: Also meinte dieser Weiterbilder, ich habe noch nie gesehen, dass jemand so schnell ein Bett beziehen kann.
Speaker: Ja, es war eine harte Schule, wenn das nicht richtig bezogen war.
Speaker: Wurde das nochmal alles abgezogen, musste wieder von vorne anfangen, bis es sozusagen perfekt war.
Speaker: Also das war so eine Szene, die mir auch jetzt heute noch durch den Kopf geht, wenn ich zu Hause entweder...
Speaker: unsere Betten beziehe oder die von den Kindern beziehe, dann geht das immer ratzfatz.
Speaker: Das ist vielleicht eine lustige Begebenheit aus dieser... Interessant, weil ich muss da gerade an eine Geschichte denken, wo das auch so ein bisschen zu passt, weil du hast ja gerade gesagt, das war so fast schon ein bisschen militärisch und es gibt so eine, ich weiß nicht, ob du die kennst, eine Abschlussrede eines Navy Seals Officers in den USA, der bei seiner Abschlussrede erzählt, warum du morgens dein Bett richtig machen solltest.
Speaker: Und dann beschreibt er das sehr, sehr lange und sagt halt, wenn du morgens dein Bett richtig machst, wenn du das lernst, als allererstes dein Bett morgens schon richtig zu beziehen und wieder ordentlich zu machen.
Speaker: Und dann beschreibt er das, wie ein Navy Seals Alltag aussieht, wie die halt durch die Hölle gehen im Prinzip.
Speaker: Und er sagt halt, wenn du dann abends nach Hause gehst in dein Bett, in deine Kaserne oder sowas, und musst dann noch dein Bett beziehen, dann verfluchst du dich selbst.
Speaker: Aber wenn du dann sagst, okay, wenigstens mein Bett ist schon gemacht und du gehst da rein und tauchst da rein,
Speaker: um so zu erklären, wie wichtig es ist, Strukturen irgendwie reinzubringen.
Speaker: Es ist ein sehr rührender Beitrag von ihm.
Speaker: Es ist jetzt gar nicht militant gewesen, sondern ein ganz rührender Beitrag zur Selbstfürsorge und Selbstpflege, weil du weißt nicht, was am Tag noch kommt oft.
Speaker: Und deshalb mach doch dein Bett wenigstens morgens schon ordentlich, weil dann hast du, zumindest weißt du dann, wie der Tag endet in deinem Bett und zwar nicht mit noch einer Aufgabe.
Speaker: Absolut.
Speaker: Und ich glaube, da steckt ja auch das Element Disziplin, was ja vielleicht im Moment in der Welt vielleicht etwas negativ beäugt ist, aber ich finde das gar nicht so negativ, weil das natürlich auch mit Routinen verbunden ist und auch Pflege, Selbstfürsorge.
Speaker: Das sind ja auch Dinge, wo man Disziplin als Grundtugend auch für haben sollte, weil sonst funktionieren ja manche Sachen gar nicht.
Speaker: Oder wenn man sich eine gute Daily Routine anschließt,
Speaker: dann braucht man auch ein bisschen Disziplin, das wiederum gibt einem Struktur und Halt im Alltag.
Speaker: Und ich glaube, das ist ein ganz wesentliches Element.
Speaker: Also das habe ich da wirklich gelernt und auch schätzen gelernt.
Speaker: Und ich glaube, das ist natürlich auch eine ganz wichtige Funktion auch von Pflegenden.
Speaker: Die geben natürlich auch so einen Halt.
Speaker: Wie hast du das denn erlebt?
Speaker: Wie waren denn so deine Anfänge eigentlich in der Pflege?
Speaker: Ein bisschen anders.
Speaker: Ich wollte noch sagen, dass es aber auch zeigt, also ich gehe da gleich drauf ein, aber es auch zeigt, wo die Pflege herkommt und zwar wo sie sich organisiert hat.
Speaker: Und das hat natürlich schon Wurzeln in der Antike, können wir vielleicht gleich noch drauf eingehen, aber wurde zuletzt tatsächlich, bevor es professionalisiert wurde, in Ordensgemeinschaften oder weitestgehend in Ordensgemeinschaften häufig religiös geprägt, im westlichen zumindest,
Speaker: Es gab also in dem Fall in einem Orden auch eine ganz klare Hierarchie und was viele nicht wissen, glaube ich, ist, dass Pflegende, bevor es weltlich professionalisiert wurde, ähnlich wie Ordensschwestern unter die Haube kamen.
Speaker: Das heißt, unter die Haube kommen ist ein Begriff, der bedeutet, dass wenn man früher geheiratet hat, bekam man eine Kopfbedeckung, die symbolisiert hat, wie das auch noch in anderen Kulturen ja auch der Fall ist, die symbolisiert hat, man ist jetzt vergeben als Frau.
Speaker: Pflegende war weitestgehend Frauenverbehalten.
Speaker: Man ist vergeben und verheiratet und damit unantastbar, nicht mehr verfügbar.
Speaker: Und die Krankenschwestern bekamen ebenfalls eine Haube auf,
Speaker: weil sie eine Verlobung mit Gott eingegangen sind und dann auch unter der Haube waren und nicht mehr verfügbar waren, denn meistens waren sie dann doch unverheiratet etc.
Speaker: Und dann gab es eben eine Hierarchie und ein durchaus, kann man vielleicht sagen, sehr klar gegliedertes, an Militär erinnerndes Gehabe, was ich durchaus noch kennengelernt habe in meiner Anfangszeit.
Speaker: Um deine Frage zu beantworten, es gab
Speaker: tatsächlich früher immer noch den Stationsdrachen.
Speaker: So wurde der genannt.
Speaker: Und das war meist eine Stationsschwester, die die 60 überschritten hatte und tatsächlich eher als, man hat es immer Stationsöse genannt, wo letztendlich alle Fäden immer durchzulaufen hatten, also die alles wissen sollte, wissen musste und sehr klar delegiert hat und so.
Speaker: Und das war schon... Also um ganz ehrlich zu sein, hat mir die Pflege auch im Zivildienst, auch wenn ich da nicht so eine harte Stationsschwester hatte, sondern einen ziemlich gechillten Stationspfleger, der oder als Leitung, der aber sofort mir Struktur gegeben hat.
Speaker: Der ganze Job hat mir sofort eine klare Aufgabe, klare Zeitziele gegeben.
Speaker: Das habe ich ähnlich erlebt wie du.
Speaker: Die Betten müssen gemacht sein bis dann und dann.
Speaker: Dann müssen alle Temperaturen gemessen sein bis dann und dann.
Speaker: Dann muss Folgendes erledigt sein.
Speaker: Es hatte alles mehr so ein Akkord-Arbeitsgefühl, als dass man jetzt ganz großartig auf Menschen eingegangen wäre.
Speaker: Das hat eher so in den kleinen Zwischentüren stattgefunden.
Speaker: Aber dass die Patienten Blutdruck gemessen bekamen, das diente meiner Aufgabenerfüllung und nicht dem Patienten unbedingt.
Speaker: Es musste halt gemacht werden.
Speaker: Jeder bekam den Blutdruck einmal morgens gemessen und so.
Speaker: Und das war schon so etwas, wo ich dir zustimmen muss.
Speaker: Es hatte so etwas Militantes, so ein bisschen, damals im Zivildienst.
Speaker: Vielleicht aus einem guter Zeitpunkt, gerade mal zu gucken, seit wann kennen wir denn eigentlich so ein bisschen diese moderne Krankenpflege?
Speaker: Du hast ja gerade gesagt,
Speaker: Es gab schon in der Antike Pflegende, aber so richtig professionalisiert wurde es ja dann doch deutlich später erst.
Speaker: Genau, also da besprichst du jetzt wahrscheinlich Florence Nightingale an.
Speaker: Das ist eine Krankenschwester aus Großbritannien gewesen, die Ende des 19.
Speaker: Jahrhunderts die Krankenpflege professionalisiert hat.
Speaker: Also Florianus Nightingale hatte während des Krimkrieges gemerkt, dass viele Soldaten eben nicht an ihren Verletzungen, sondern an Infektionskrankheiten starben und hat dann eben Hygiene und Sauberkeit als Tugend mit in die Pflege gebracht, dass man da mehr darauf achten müsste, Belüftung und Hygiene in den Lazaretten gefordert.
Speaker: Dadurch ist die Sterblichkeitsrate sehr nach unten gegangen und das war
Speaker: war während 1853 bis 1856 während des Krimkrieges und damit hat sie das Verständnis für Pflege komplett verändert und
Speaker: eben auch professionalisiert.
Speaker: Und 1860 wurde dann die erste School of Nursing gegründet am St.
Speaker: Thomas Hospital in London.
Speaker: Es war die erste formelle Schule für Krankenpflege und damit hat sie dann den Grundstein gelegt für eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung in der Pflege.
Speaker: Und das zu einem Berufsbild gemacht.
Speaker: Denn vorher, wie ich schon sagte, in der Antike und so, hat es auch schon immer Pflege gegeben.
Speaker: Aber früher war das immer auch etwas Ähnliches.
Speaker: zum Beispiel Ehrenamtliches oder Ordensschwestern vorbehalten oder in der Familie den Frauen betragen, sich um Angehörige zu kümmern.
Speaker: Und es war eher auch ein nicht so angesehener Beruf.
Speaker: Also das, was total nötig ist, ist ja häufig nicht unbedingt mit einer guten Reputation versehen.
Speaker: Ob das jetzt die Müller-Pur- oder die Krankenschwestern sind, aber es ist etwas, wo man jetzt nicht unbedingt sagt, will ich auch machen.
Speaker: Was auch noch ein großer Verdienst von ihr war, und das glaube ich kennt jeder Pflegende, sie war die erste Person, die Statistiken und auch so grafische Darstellungen nutzte, um Missstände im Gesundheitswesen sichtbar zu machen.
Speaker: Das war sozusagen die erste systematische Auswertung von sogenannten Gesundheitsdaten.
Speaker: Und vor allen Dingen ist sie dann auch an politische Entscheidungsträger herangetreten,
Speaker: um dafür auch finanzielle Unterstützung einzufordern.
Speaker: Man kann wirklich sagen, sie ist eigentlich die große Reformerin in diesem Bereich und war dann in ihrer Zeit da auch wirklich als Vordenkerin doch einfach auch voraus.
Speaker: Und doch wird dieser Kampf immer weiter geführt, ist wenig Geld für Gesundheit da.
Speaker: Es sei denn, sie ist bedroht, wie wir es in der Corona-Pandemie erlebt haben.
Speaker: Dann wird auf einmal der Schrei nach
Speaker: Applaus, laut.
Speaker: Klatschen für die Pflege, das war ein weltweites Phänomen.
Speaker: Ich glaube 20 Uhr war so eine veranschlagte Zeit, die vereinbart war, dass man dann auf Balkone tritt und als Anerkennungsgeste für die Pflegenden in den Krankenhäusern, in den Praxen, wie auch immer, auf den Intensivstationen vor allen Dingen Beifall spendet, um sich bei denen zu bedanken.
Speaker: Was ja auch an sich ein löbliches Vorhaben war und auch einfach gezeigt hat, dass die Rücken jetzt mal kurz in das Rampenlicht, weil sie halt einfach notwendig waren und man wollte das halt honorieren.
Speaker: Es hat leider nicht so viel Effekt gehabt auf die, sag ich mal, die Wertschätzung der
Speaker: finanzieller Art.
Speaker: Also es ist jetzt nicht wirklich zu einem besser bezahlten Beruf deshalb geworden.
Speaker: Und leider sind in der Corona-Pandemie auch, ist der Fachkräftemangel noch mal deutlich gestiegen.
Speaker: Die Hinwendung hin zu Zeitarbeitsfirmen, die letztendlich das ganze Gesundheitssystem noch mal mehr kostet, indem man ständig outgesourcete Pflegekräfte mit in die Betriebe holt, die letztendlich die Qualität beeinflussen.
Speaker: Nicht, weil sie schlecht ausgebildet sind, ganz und gar nicht.
Speaker: Es ist super, dass es das gibt.
Speaker: Aber man muss natürlich immer wieder anlernen.
Speaker: Man hat natürlich keine Möglichkeiten, da eine Struktur aufzubauen, wo jeder Handgriff sitzt.
Speaker: Also wir haben Pflegenotstand.
Speaker: Und das ist eigentlich schade drum, weil es einfach ein ganz toller Beruf ist.
Speaker: Für mich ist es eine Berufung auch, auch nach mittlerweile 26 Jahren Examen, immer noch in der Pflege zu arbeiten, weil da so viel Potenzial ist, so viel drinsteckt,
Speaker: Man kann so viele verschiedene Dinge sehen.
Speaker: Die mittlere Verweildauer auf einer Station ist leider bei Pflegenden eher so sieben Jahre, weil dann häufig irgendwann gesagt wird, jetzt muss ich mich nochmal verändern.
Speaker: Aber das ist etwas, was man in der Pflege immer machen kann.
Speaker: Man kann immer sagen,
Speaker: Ich muss jetzt mal was anderes sehen, ich gehe mal in ein anderes Berufsfeld, was mich ja auch in die Psychosomatik gebracht hat.
Speaker: Vielleicht können wir ja mal, bevor wir in die Psychosomatik gehen, was ja unser Hauptthema im Podcast ist, einmal ganz kurz schauen, was denn sozusagen die Aufgaben der Pflege in der Somatik sind und dann vielleicht in der Abgrenzung dazu dann mal schauen, wie das so im psychosomatischen Arbeiten aussieht.
Speaker: Ich glaube, viele Menschen wissen das vielleicht gar nicht, deswegen ein kleiner Informationseinschub an dieser Stelle.
Speaker: Es gibt eigentlich fünf Aufgabengebiete, die die Pflege umfassen, nämlich einmal die Grundpflege.
Speaker: Damit meinen wir die Unterstützung bei der Körperpflege, beim An- und Auskleiden, bei der Nahrungsaufnahme.
Speaker: Dann die Behandlungspflege, da geht es um Verbandswechsel, Verabreichung von Medikamenten oder auch von Injektionen.
Speaker: Dann den großen Bereich der pflegerischen Beratung, wo es viel um Aufklärung von Patienten geht, wo die beraten werden, wo aber auch die Angehörigen mit einbezogen werden.
Speaker: Und dann als vierte große Sorge natürlich die Dokumentation, also eine sorgfältige Dokumentation der Pflegeleistungen, aber auch vor allen Dingen des Gesundheitszustandes des Patienten.
Speaker: Das regelt vor allen Dingen die Zusammenarbeit mit Ärzten, Therapeuten und auch anderen Patienten.
Speaker: Gesundheitsberufen wie zum Beispiel Sozialarbeitern, um eben auch eine ganzheitliche Behandlung zu gewährleisten.
Speaker: Das vielleicht mal so als kurzer Abriss, dass man mal so ein bisschen weiß, oh, das ist ja doch eine ganze Menge, was ein Pflegender da so zu leisten hat.
Speaker: Wie war denn für dich denn der Wechsel dann von der somatischen Pflege?
Speaker: Da hast du ja sehr, sehr viel Erfahrung gehabt in die psychosomatische Pflege.
Speaker: Vielleicht erst mal so als, was war so die erste Erinnerung da an der Stelle bei dir, Pelle?
Speaker: Ja, ich hatte das ja im letzten Podcast schon einmal gesagt, als die erste Patientin plötzlich einfach nur weinend in meinem Zimmer saß, dann hat mich das erstmal überfordert in meinem Gefühl einer...
Speaker: vorherigen subjektiven Unterforderungen, was mache ich hier eigentlich, sitze hier nur rum, bekam ich plötzlich sofort ein Gefühl von, oh, das überfordert mich jetzt emotional.
Speaker: Also ich hatte den Unterschied zwischen emotionaler, dass ich emotional bereit sein muss für Gefühle aller Arten und nicht nur ein aufgeregter Angehöriger, der sich wundert, warum seine Partnerin noch nicht aus dem OP ist oder sowas wie das in der Somatik war, da musste man mit sehr viel Ärger umgehen,
Speaker: musste ich plötzlich mit Trauer oder mit Resignation oder mit anderen Gefühlen, die ich noch gar nicht so kannte oder mir Gedanken darum gemacht habe, musste ich plötzlich umgehen lernen.
Speaker: Und das war für mich schon was ganz Neues.
Speaker: Also das war ein direktes Umschlagen und dieses Beiwohnen von Visiten zum Beispiel in der Psychosomatik,
Speaker: wo man zwar eine Rolle spielt, aber dennoch häufig auch einfach nur da ist für Patienten.
Speaker: Das war für mich was völlig Neues.
Speaker: Also dieses Subversive, Subtile in der Psychosomatik war völlig neu, wo alles andere vorher immer sehr handfest war und vor allen Dingen auch sehr auf Leistung.
Speaker: So wie viel hast du geschafft?
Speaker: Wie viel hast du gewaschen?
Speaker: Da können wir ja gleich nochmal drüber reden, über dieses Thema in der Somatik.
Speaker: Aber das ist ja auch ein bisschen traumatisierend für uns beide.
Speaker: wie viele Menschen hat man versorgt und das dann auch möglichst schnell noch dokumentieren, um die Beweispflicht eben erfüllt zu haben, dass man viel getan hat, ist es plötzlich in der Psychosomatik viel mehr die Qualität meiner Arbeit entscheidend gewesen und nicht mehr die Quantität.
Speaker: Und das wird auch gewürdigt in der psychosomatischen Klinik.
Speaker: Also da ist es dann nicht so, aber hätte sie nicht mehr machen können, sondern nee, es ist klar, dass es um anderes geht, um leisere Töne.
Speaker: Das ist auf jeden Fall ein Unterschied.
Speaker: Man könnte quasi sagen, dass in der somatischen Pflege, die ja doch eher körperlich orientiert ist, dass jetzt einfach so seelische und soziale Aspekte von diesen Menschen, die in belastenden Lebenssituationen dann in so ein Setting kommen, dass das eigentlich so ein bisschen noch mehr der Mittelpunkt der Behandlung und auch der Betreuung dann ist.
Speaker: Genau.
Speaker: Also es ist ja so, dass man, du hast es gerade eben gesagt, die Grundpflege ist eine von fünf Aufgaben.
Speaker: Sie ist aber dennoch in der Somatik mit die größte oder bleibt sie und wird dann häufig delegiert an Praktikanten etc.
Speaker: Und sie wird eingeteilt nach zwölf Aktivitäten des täglichen Lebens.
Speaker: Du hast schon ein paar davon genannt.
Speaker: Das hat vor allem Liliane Juchli übernommen von Nancy Roper, einer Krankenschwester aus dem 20.
Speaker: Jahrhundert.
Speaker: Und die hat das Leben eingeteilt in zwölf Aktivitäten, und zwar Ruhen und Schlafen, sich bewegen, sich waschen und kleiden, essen und trinken, Ausscheidung.
Speaker: Die Regulierung der Körpertemperatur, Atmen, für Sicherheit sorgen, sich beschäftigen, kommunizieren, Sinn finden und sich als Mann oder Frau fühlen.
Speaker: So war das damals noch.
Speaker: Heute würde man einfach sagen, seine Sexualität erleben können.
Speaker: Beziehungsweise seine Identität leben können.
Speaker: Ja, nee, das wäre eher im Sinn finden, die Identität.
Speaker: Aber die Sexualität spielt da schon auch eine Rolle.
Speaker: Weniger Gender, sondern Sexualität.
Speaker: Und diese zwölf Aktivitäten, die sind natürlich im Krankenhaus ganz schnell gestört.
Speaker: Natürlich ist Ruhe und Schlaf, also in der Somatik, schnell gestört und bewegen.
Speaker: Man wird schnell bettlägerig, sich waschen und kleiden wird schwierig, sich selber ernähren wird schwierig, wenn man den Arm gebrochen hat.
Speaker: dann wird auch die Ausscheidung natürlich sofort einträchtigt, Regulierung der Körpertemperatur, ich schwitze im Bett und keiner kriegt es mit und so.
Speaker: Das sind so Sachen, die sind relativ klar und die ganze Pflege wird daraufhin geplant, wo ist das Problem, in welchem ATL, wo ist das Ziel, positiv formuliert und was sind die Maßnahmen, die ich ergreifen muss.
Speaker: Und mit diesem Wissen kam ich in die Psychosomatik und habe dann gesagt, ich darf die Leute ja noch nicht mal anfassen in der Traumaklinik, wie soll ich denen jetzt helfen,
Speaker: bei der Bewältigung dieser Probleme.
Speaker: Wenn wir davon ausgehen, dass jemand, der in der Psychosomatik behandelt wird, Schwierigkeiten hat, eben aufgrund einer Depression, aufgrund von Panik, aufgrund von einer emotionalen Instabilität, sich selber adäquat zu waschen, sich selber zu ernähren, dann spielt das natürlich eine Rolle.
Speaker: Ich muss nur ganz anders damit umgehen.
Speaker: Ich kann das nicht einfach übernehmen.
Speaker: Und letztendlich ist das ein Kernspruch in der Pflege, ist immer so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich Hilfe, um tatsächlich eine erlernte Hilflosigkeit zu vermeiden.
Speaker: Und das funktioniert, finde ich, in der Psychosomatik ganz wunderbar.
Speaker: Also Ressourcenarbeit, wenn bestimmte Dinge nicht mehr gelingen, was ist denn das Kleinstmögliche, was gelingen könnte und da wieder anzusetzen.
Speaker: Und das ist für mich ein ganz großer Unterschied hier.
Speaker: in der psychosomatischen Pflege zur somatischen Pflege.
Speaker: Dass ich an diesen ATLs, an diesen Aktivitäten des täglichen Lebens immer beteiligt bin, aber eher beratend und eher mutmachend und Hoffnung machend, als dass ich sie übernehme für den Patienten.
Speaker: Also da ich ja auch länger in der somatischen Pflege gearbeitet habe, auch im Studium oder während des Studiums, um Geld zu verdienen fürs Studium, fand ich dann nochmal wichtig, als ich dann wirklich auch nochmal in den therapeutischen Bereich beobachte,
Speaker: gegangen bin, dass vor allen Dingen auch so die Beziehungsarbeit natürlich sehr im Vordergrund steht und stand.
Speaker: Nämlich, dass man da wirklich eine vertrauensvolle Beziehung zum Patienten aufbaut, die dann wiederum die Grundlage ist, um auch therapeutisch zu arbeiten.
Speaker: Du hast es ja gerade schon gesagt.
Speaker: Es geht viel um eine Hilfestellung bei einer Bewältigung auch so von Krisen, vielleicht auch zu fördern, dass die Menschen erstmal auch in Akzeptanz kommen, dass eine Erkrankung überhaupt vorliegt und daraus trotzdem auch eine Resilienz auf Dauer zukunftsorientiert zu entwickeln, dass sie, auch wenn sie erkrankt sind, aber wieder Zugang zu ihren Ressourcen bekommen und auch weiter ein gutes Leben führen können.
Speaker: Das, was du ja gerade gesagt hast, finde ich auch extrem wichtig.
Speaker: Also gerade, ich arbeite ja auch in der Tagesklinik, geht es ja nochmal im besonderen Maß auch um die Förderung der Selbstständigkeit.
Speaker: Das, was du ja gerade meintest, dass man die Leute aktiv unterstützt bei der Alltagsbewältigung, aber auch darauf achtet, dass sie nicht abhängig werden oder sich zu sehr daran orientieren, was jetzt jemand anderes vorgibt, sondern dass man selber eine Lösung in sich findet und
Speaker: die dann auch passend zu einem ist.
Speaker: Das finde ich, glaube ich, einen extrem wichtigen Punkt.
Speaker: Den wollte ich gerade nochmal an der Stelle etwas betonen.
Speaker: Der ja auch letztendlich sich durch so eine komplette psychosomatische Behandlung zieht.
Speaker: Wenn wir jetzt mal sowohl in der Tagesklinik, in der du arbeitest, als auch bei mir in der Traumaklinik von so der Verweildauer reden, dann würde man sagen,
Speaker: Es sind drei Monate Aufenthalt durchaus und nicht irgendwie vier Tage wie bei einer OP in der Somatik.
Speaker: Also man ist drei Monate, sag ich mal, in Betreuung da in der Psychosomatik und letztendlich geht man in eine Beziehung rein mit dem Patienten und auch wieder raus.
Speaker: Und natürlich braucht der Patient Unterstützung zu Beginn der Behandlung besonders viel.
Speaker: In der Mitte braucht er vielleicht auch besonders viel Stütze, wenn Ruhe.
Speaker: Emotionalität und Öffnung für Themen da ist, aber am Ende muss man auch wieder abnabeln und das gilt in der Pflege ganz genauso wie in der Therapie, dass alles, was ich geleistet habe, muss ich auch wieder entziehen, also ein bisschen und demjenigen sagen, okay, wie eine Krücke, das sagt man nicht mehr, wie eine Gehhilfe, aber vielleicht ist Krücke in dem Fall vielleicht verständlicher auch im Volksmund,
Speaker: Die hilft mir natürlich, wenn ich mein Bein gebrochen habe oder das Bein in Gips ist, um ein bisschen laufen zu können, aber die kann natürlich nicht dranbleiben und die muss ich auch wieder entfernen und muss langsam wieder selber auftreten lernen und das ist einfach eine Sache, die wir in der Pflege eigentlich erleben.
Speaker: immer in diesen drei Monaten machen, dass wir Unterstützung bieten, Ansprechpartner sind, Beziehungsarbeit machen.
Speaker: Das heißt, wir sind so ein zuhörendes Ohr.
Speaker: Wenn vielleicht andere keine Zeit haben oder wenn ein Therapeut nicht verfügbar ist oder kein Termin stattfindet oder Termine ausfallen, dann sind wir natürlich sehr schnell die ersten Ansprechpartner und bekommen vielleicht sogar auch mal den Ärger ein bisschen ab.
Speaker: Und das ist schon eine Arbeit, die sich deutlich unterscheidet von der in der Somatik und die auch viel mit einer Macht in der Pflege, auch eigene Themen anrührt.
Speaker: Das sehe ich genauso wie du und das schätze ich auch wirklich sehr an den Pflegenden auch auf der ganzen Welt, aber jetzt natürlich im Besonderen auch da, wo wir arbeiten.
Speaker: Ihr seid immer die ersten Ansprechpartner, ob es jetzt morgens ist, in der Nacht, wo ja die anderen Therapeuten erstmal regulär so zu Hause sind, man hat irgendwie einen Vordergrunddienst.
Speaker: Nach Gruppentherapien, nach Einzelsitzungen, wo die Therapeuten dann ja auch wieder feste andere Pläne haben und Termine haben, dann ist die Pflege wirklich immer der erste Ansprechpartner.
Speaker: Und ich glaube, was ich ganz wichtig finde, und das war auch nochmal, fand ich, einen riesen Unterschied zur somatischen Pflege, obwohl es da sicherlich auch Bedarf gibt, dass das auch persönlich mit dem Pflegenden etwas machen kann.
Speaker: Also, dass eigene Reaktionen und Gefühle auch auslöst.
Speaker: Und da möchte ich wirklich gerne nochmal so Richtung Thema Selbsterfahrung langsam so steuern.
Speaker: Ich glaube, dass durch Selbsterfahrung, vielleicht kennen viele den Begriff so nicht, ist ein wichtiger Bestandteil letztlich der psychosomatischen Pflege, der hilft, eigene Reaktionen und Gefühle im Umgang mit dem Patienten, mit dem er doch eine sehr enge Bindung hat, die besser zu verstehen.
Speaker: Und daraus abgeleitet auch professionell gestalten zu können.
Speaker: Also das bedeutet, dass man selber für sich ein tieferes Verständnis für eigene Muster oder auch Übertragungsphänomene entwickelt, was dann wiederum natürlich auch die Beziehungsgestaltung mit dem Patienten verbessert.
Speaker: Also um das mal, wenn ich das mal so für Menschen, die vielleicht jetzt keine therapeutische Sprachvorerfahrung haben, wenn mich ein Patient an meine Mutter erinnert, dann macht das was mit mir.
Speaker: Das ruft eine Reaktion in mir hervor, wo ich denke, und die ist leider nicht bewusst.
Speaker: Ich begegne ja Frau Müller, sage ich jetzt mal, das erste Mal und denke ja nicht direkt an meine Mutter, sondern...
Speaker: Es sind vielleicht Gesten, Handlungen oder Worte, die mich vielleicht sogar verletzen und ich mich dann fragen muss, wieso verletzt mich das so?
Speaker: Und da sollte ich natürlich, es muss nicht immer die Mutter sein, es kann natürlich auch sein.
Speaker: Das kann natürlich auch ein Lehrer gewesen sein oder so.
Speaker: Die Mutter kriegt schon ganz schön viel ab.
Speaker: Dass man da irgendwo Selbsterfahrung macht, um diese Themen auch ein bisschen aufzuräumen.
Speaker: Man muss ja nicht die Selbsterfahrung eines Psychotherapeuten machen.
Speaker: Und wie viele Stunden sind es?
Speaker: 1000?
Speaker: Ich weiß es nicht genau.
Speaker: Selbsterfahrung.
Speaker: Aber dass man sich diese Themen anschaut, wenn man in diesem Bereich arbeitet, ist doch sehr empfehlenswert.
Speaker: Und mache ich auch selbst.
Speaker: Absolut.
Speaker: Und ich finde, du hast gerade etwas Wichtiges gesagt, was natürlich häufig passiert, wenn man sehr eng sozusagen am Klienten arbeitet, ist, dass es emotionale Reaktionen einem vielleicht auslöst, die einem noch nicht so bewusst sind oder vielleicht auch belastete oder vielleicht aber auch positive Beziehungserfahrungen sozusagen wieder reaktualisiert.
Speaker: Und wichtig ist in dem Zusammenhang Selbsterfahrung oder ist ja auch eine Therapie letztlich, dass man ein Bewusstsein dafür bekommt, für die eigenen Emotionen, für die eigenen Reaktionen, innere Erfahrungen im Kontakt mit dem Patienten, dass man auch unterscheiden lernt.
Speaker: Ah, okay, da gibt es zwar, wie jetzt an deinem Beispiel, Erinnerungen vielleicht an meine Mutter.
Speaker: Aber diese Person ist nicht meine Mutter, könnte aber potenziell irgendwelche emotionalen Reaktionen auslösen.
Speaker: Das habe ich aber bewusst auf dem Schirm und weiß das dann anders zu regulieren, um nicht, ein anderes Wort, in eine Gegenübertragung zu kommen, die dann nicht mehr professionell ist.
Speaker: Also das erfordert sozusagen auch eine innere Arbeit, erstmal ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dann das zu regulieren und dann vielleicht trotz
Speaker: dem man das erlebt, professionell wieder im Kontakt bleiben zu können und zu sagen, naja, vielleicht gerade gibt es hier was Manipulatives oder da machen Sie jetzt vielleicht gerade ein Spaltungsgebiet auf zwischen Pflege und Ärzten.
Speaker: Das würde ich Ihnen gerne mal rückmelden an der Stelle.
Speaker: Das ist aber wichtig, dass wir hier wirklich auch alle mit im Boot sind, dass es jetzt hier eben nicht zu einer Spaltung kommt, dass man aber eben selber die emotionale Reaktion, die das vielleicht
Speaker: früher in einem selber hervorgerufen hat, dass man die wirklich gut steuern und regulieren kann und trotzdem sich dann empathisch dieser Person, die in einer Notlage zu einem kommt, zuwenden zu können.
Speaker: Und dann kommt man ja auch in ein Gebiet rein und das finde ich extrem wichtig, dass man so eine professionelle Distanz herstellen kann.
Speaker: Also dass man eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz zu den Patienten finden kann, dass man sich jetzt nicht zu sehr verwickeln lässt, aber auch jetzt nicht zu weit emotional weg ist.
Speaker: Also dass man wirklich eine gute, gesunde Balance da findet.
Speaker: Wie gesagt, auch immer wieder überprüft, ist es gerade ein eigenes Muster, ist es vielleicht eine Übertragung, die da stattfindet.
Speaker: um dann auch die Interaktion mit dem Patienten einfach gut steuern zu können.
Speaker: Sowohl wie bei Therapeuten, aber eben auch bei Pflegenden.
Speaker: Wofür ist das eigentlich sinnvoll?
Speaker: Es geht natürlich darum, dass man Stress anzieht,
Speaker: reduziert und auf Dauer.
Speaker: Wir sind ja alle schon auch mit Helfer-Syndrom in diesen Job gekommen.
Speaker: Also uns tut das gut, anderen Menschen zu helfen, vielleicht darüber auch eine Dankbarkeit und Anerkennung zu generieren.
Speaker: Das haben ja andere Jobs dann auch, aber in dem Fall ist es ja nochmal ein zwischenmenschliches Dankbarsein, was man erlebt.
Speaker: Aber wichtig ist trotzdem, dass man nicht zu sehr gestresst wird von Übertragungsphänomenen und dergleichen und selber auch nicht krank wird in diesem Beruf.
Speaker: Und wenn man das auf diesen Ebenen, die ich eben schon so ein bisschen skizziert habe,
Speaker: gut auf dem Schirm hat, dann ist das sehr gut, dann ist das ein toller Beruf, den man auch über viele, viele Jahre gut machen kann und wo man wirklich einen tollen, tollen Beitrag auch zur Verbesserung von psychischen Leiden von anderen Menschen auch machen kann.
Speaker: Um es nochmal vielleicht leichter zu erklären, wenn man sich in so einem Job bewegt, in der Psychosomatik, dann warten so Verführungen an jeder Ecke.
Speaker: Das heißt, wir hatten es gerade so mit Übertragungen oder mit so eigenen Themen beschrieben.
Speaker: Wenn mir jemand sagt, ich bin froh, dass Sie heute in der Nacht sind.
Speaker: weil bei ihnen fühle ich mich irgendwie viel sicherer und so weiter, dann kann das gefährlich sein, weil mich das lockt, weil ich sage, oh, das tut mir aber irgendwie gut, wenn jemand das sagt, aber gleichzeitig macht es ja auch irgendwie, bei jemand anderem fühle ich mich nicht sicher und dann fange ich mich an, im Team zu vergleichen oder dass ich halt mein Thema, ich möchte gern mehr Lob haben, irgendwie so ein bisschen durch Patienten bedienen lasse oder dass die kommen und sich über einen Mitarbeiter beschweren, aber nicht zu dem Mitarbeiter selber hingehen
Speaker: Und man sich dann im Helfer-Syndrom, wie du es genannt hast, bereit erklärt, da irgendwie ein offenes Ohr zu haben.
Speaker: Und man lässt sich dann ganz schnell einwickeln in solche Geschichten.
Speaker: Ich versuche einfach ein paar Beispiele zu bringen.
Speaker: Der Patient macht das ja nicht extra, sondern der macht das, weil er das so gelernt hat, weil er vielleicht...
Speaker: nicht an der richtigen Adresse, sein Ärger loswerden kann, dann macht er das ein anderer.
Speaker: Aber wenn ich nicht gelernt habe, dass ich nicht in diesem Beruf bin, um mich zu versorgen, dann gibt es Spaltung im Team.
Speaker: Du hast diesen Begriff Spaltung eben genannt, dass ich plötzlich sage, die mag mich ja sowieso lieber oder so und fühle mich dann sogar gut damit und dann gehe ich ja diesem Gefühl nach.
Speaker: Und das muss man halt tatsächlich bearbeiten.
Speaker: Eine sehr wichtige Beschreibung, die du da gerade geliefert hast, Pelle.
Speaker: Und nochmal vielleicht für die Leute, die Selbsterfahrung noch nicht so gehört haben.
Speaker: Also es geht um die Reflexion der eigenen Biografie, dass man nochmal schaut, okay, wie ist man in seiner eigenen Lebensgeschichte in Mustern geprägt und erkennt die dann auch selber, dass die auch die Arbeit mit beeinflussen können.
Speaker: So wie du gesagt hast, wenn man dann besonders anfällig für Lob ist, geht man vielleicht dann übermäßig dann auch in so eine Beziehung rein.
Speaker: Es geht um die eigene Auseinandersetzung mit Emotionen und Reaktionen und eben das Erkennen und Reflektieren von Übertragungen, also unbewussten, im häufigsten Maß unbewussten Übertragungen von alten Beziehungserfahrungen, um dann über das Erkennen und Reflektieren von Übertragungen gegen Übertragungsphänomenen dann auch dementsprechende Handlungsstrategien für die Behandlung der Patienten zu entwickeln.
Speaker: Und das kann man entweder in Einzelform machen, dass man mit einem erfahrenen Therapeuten oder Supervisor spricht oder auch
Speaker: eine Gruppenselbsterfahrung machen oder auch eine körperorientierte Selbsterfahrung, wo also Übungen, die das Körpergefühl und die Körperwahrnehmung nochmal im besonderen Maße schulen, eingeht.
Speaker: Also ich finde das wirklich einen sehr, sehr zentralen Bestandteil auch der Ausbildung, auch der weiteren Begleitung von Pflegenden und spreche mich da wirklich sehr für aus.
Speaker: Was kann also der Kern der Arbeit, was kann ich reingeben in die Pflege, in der Psychosomatik, wenn ich mir im Prinzip so viel von mir selber rausnehmen muss und vorsichtig sein muss, dass ich nicht zu viel Übertragungen mit reinbringe.
Speaker: Ich kann schauen, dass ich selber so ein bisschen Lebenspflege im Alltag betreibe und ich kann schauen oder die Pflege schaut,
Speaker: dass eine Atmosphäre im Krankenhaus, in der Klinik herrscht, in der Menschen wieder gedeihen können, wenn wir bei der Pflege sind.
Speaker: Also in der Pflege kann man ja sagen, auch von Pflanzen, das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.
Speaker: Also ist jeder für die Entfaltung selber zuständig.
Speaker: Und wir in der Pflege sind im Prinzip, wenn wir diese Metapher benutzen,
Speaker: sind diejenigen, die die Pflanze gießen.
Speaker: Und das kann man nicht machen, indem man noch mehr Dünger drauf macht und noch mehr Wasser reingießt.
Speaker: Das weiß jeder, der einen Garten hat, das wird alles eingehen.
Speaker: Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus Sonne, Wasser und Umgebungsbedingungen.
Speaker: Und da macht tatsächlich der Ton die Musik.
Speaker: Und da hast du tatsächlich auch nochmal recherchiert, Dennis,
Speaker: dass Pflanzen tatsächlich reagieren auf Musik und obwohl sie gar nicht hören können.
Speaker: Genau, das war in den letzten Jahren ein Spezialinteresse offensichtlich von irgendwelchen Wissenschaftlern gewesen, mal zu schauen, wie melodische Klänge, wie zum Beispiel klassische Musik oder Jazz, sich auf das Zellwachstum von Pflanzen auswirken können.
Speaker: Und man hat festgestellt,
Speaker: dass tatsächlich diese Schallwellen von der Musik die Zellaktivität anregen können, die Nährstoffaufnahme verbessern können und auch das Immunsystem der Pflanzen stärken.
Speaker: Was natürlich eine sehr schöne Stallvorlage auf psychosomatische Pflege ist.
Speaker: Also wenn man einen guten Ton anschlägt, wenn man gute Vibrations im Sinne von Schallwellen auf der Beziehungsebene mit Patienten herstellen kann, glaube ich, ist diese Analogie wirklich nicht so weit hergeholt.
Speaker: Man hat dann festgestellt bei diesen Pflanzen, um das noch kurz zu Ende zu führen,
Speaker: das zu laute oder auch aggressive Musik wie zum Beispiel Heavy Metal auch bei Pflanzen Stress verursachen kann und das Wachstum hemmt.
Speaker: Während klassische Musik insbesondere so von Seiteninstrumenten, wie gesagt, das Pflanzenwachstum fördern kann und vor allen Dingen die Zellwände stimuliert, also dicker zu werden, die Nährstoffaufnahme zu verbessern und dadurch auch die Photosynthese anzuregen.
Speaker: Also es passiert auf jeden Fall auf einer Ebene etwas, die nicht sichtbar ist für uns.
Speaker: Und das ist natürlich genau das, was in der Psychosomatik passiert.
Speaker: Vieles davon ist nicht direkt sicht- und greifbar, sondern eine Grundatmosphäre, die natürlich nicht nur von der Pflege getragen wird, sondern auch von den Therapeuten, den Ärzten und allen anderen Mitbehandlern, Körpertherapeuten.
Speaker: Ich möchte jetzt keinen ausschließen, deshalb höre ich aber trotzdem einfach gerade auf, alle aufzuzählen.
Speaker: Und die Atmosphäre, die trägt das Haus.
Speaker: Und tatsächlich ist es etwas, was Patienten häufig am Ende berichten, wenn sie gehen, dass sie sagten, ich bin hier gewachsen.
Speaker: Und das ist etwas, was Anja Schmidt, eine Freundin von mir, in einem meiner anderen Podcasts letztens gesagt hatte.
Speaker: Warum sagen wir beim Menschen immer,
Speaker: der ist älter geworden und bei Pflanzen sagen wir, der Baum ist gewachsen.
Speaker: Das ist eine, finde ich, eine schöne Idee, dass man als Mensch doch eigentlich ständig wächst.
Speaker: Vielleicht nicht mehr immer so nach außen, aber nach innen wächst immer sehr viel und man wächst an Erfahrungen und an bewältigten Krisen.
Speaker: Und wir sind in der Psychosomatik, sag ich mal, privilegiert und dankbar dafür, dass Menschen mit ihren Krisen zu uns kommen,
Speaker: das mit uns teilen in ihrer schwächsten, in ihrer labilsten Phase.
Speaker: Und wenn wir es schaffen, dass die durch unsere Vibes, wie du es genannt hast, letztendlich an sich zu wachsen und mit ein bisschen mehr Hoffnung und Kraft aus so einer Krise rauszukommen, dann ist das wirklich das größte Geschenk, was man haben kann, was auch eine Berufung in diesem Job ist.
Speaker: Es ist am Ende doch der Wunsch, natürlich nach Verbindung und Gutes zu tun und das professionalisiert,
Speaker: Das möchte ich schon ganz klar sagen.
Speaker: Passend zur Analogie der Photosynthese bei Pflanzen, die offensichtlich besser wachsen, wenn sie angenehme Rhythmen, Klänge um sich herum haben,
Speaker: möchte ich euch nun zur Rubrik Innenschau einladen mit einer Art verwandten Imaginationsübung, bei der es auch um Licht und um einen stärkenden Effekt im Körper geht und zwar der sogenannten Lichtstrahlmethode.
Speaker: Dafür bitte ich euch eine angenehme Sitzposition einzunehmen, vielleicht kurz die Füße am Boden wahrnehmen, wie der Boden euch trägt.
Speaker: mal wahrzunehmen, wo der Körper Kontakt zum Stuhl hat oder zur Couch, im Gesäßbereich, im Beinbereich, im Rückenbereich, auch hier mit der Vorstellung, dass ihr gestützt und getragen werdet und auch etwas von eurem Körpergewicht abgeben könnt.
Speaker: Die Schultern könnt ihr ganz entspannt nach hinten unten fallen lassen.
Speaker: Der Kiefer ist locker.
Speaker: Wenn ihr die Augen geschlossen haben möchtet, könntet ihr das machen.
Speaker: Wenn euch das aus irgendwelchen Gründen, auf die wir jetzt nicht näher eingehen wollen, unangenehm ist, könnt ihr die Augen auch vielleicht halb geschlossen lassen und auf einem Punkt vor euch einen Meter auf dem Boden oder an einem Gegenstand zur Ruhe kommen lassen.
Speaker: Ich würde euch nun bitten, dass ihr euch ab jetzt auf eure Körperempfindungen konzentriert.
Speaker: Es gibt hier kein richtig oder falsch, sondern nur das, was ihr wahrnehmt, ist dann das, was ihr im Moment wichtig erachten solltet.
Speaker: Konzentriert euch nun auf die Empfindungen in eurem Körper.
Speaker: Wenn dieses Gefühl eine Form hätte, wie sähe diese Form dann aus?
Speaker: Welche Farbe könnte diese Form haben?
Speaker: Gibt es vielleicht eine Temperatur, die ihr wahrnehmen könnt?
Speaker: Vielleicht hat diese Empfindung auch einen Klang.
Speaker: Und dann könnt ihr schauen, wie die Tonhöhe von diesem Klang dieser Körperempfindung in euch ist.
Speaker: Wenn ihr euch gerade da gut reingefühlt habt, würde ich euch jetzt nun fragen wollen, welche Farbe für euch in besonderem Maße mit dem Thema Entstressung verbunden ist.
Speaker: Wählt euch nun eine Farbe aus und stellt euch nun vor, dass ein Licht in dieser von euch gewählten Farbe durch eure Schädeldecke in euch hineinströmt
Speaker: Und stellt euch bitte auch dabei vor, dass die Quelle des Lichts der Kosmos ist.
Speaker: Und dieses energiereiche Licht fließt nun auf diese Form deiner Körperempfindung, die du eben ausgewählt hast, zu.
Speaker: Durchdringt sie, erfüllt sie, geht mit ihr auch in Resonanz.
Speaker: Pulsiert sogar in ihr oder um sie herum.
Speaker: Und dann lade ich jetzt euch ein, wahrzunehmen, was währenddessen mit der Form oder der Größe oder der Farbe dieser Körperempfindung passiert.
Speaker: Wenn ihr merkt, dass die Qualität dieser Empfindung sich verändert,
Speaker: wenn es vielleicht auch ein unangenehmes Gefühl war, ein Stressgefühl, dann lass das energiereiche Licht weiter in diese Empfindung, in diese Form eindringen und diesen symbolisierten Gegenstand auflösen.
Speaker: Und während das Licht dann auch so weiter in diesen Bereich in dir hineinströmt, füllt es aber auch sanft den ganzen Körper.
Speaker: Und füllt diesen aus, ganz leicht und sanft.
Speaker: Vielleicht merkst du dadurch auch eine zunehmende Entspannung deines ganzen Körper-Nerven-Systems.
Speaker: Zum Ende dieser Imaginationsübung würde ich dich noch einladen, eine positive Suggestion zu verankern, indem du dir vielleicht einen Begriff suchst, der gerade zu diesem Körperzustand passt.
Speaker: Zum Beispiel Ruhe oder Frieden, Entspannung, Entstressung.
Speaker: Für heute würde ich dich dann einladen, diese Innenschau jetzt zu beenden, indem du wieder mit der Aufmerksamkeit zurück in den Raum kommst, vielleicht dich einmal rickst, streckst, gehänzt und aber noch einen Moment in dieser Sitzposition verweilst und dir einfach deine Umwelt anschaust.
Speaker: Ich hoffe, durch die Folge, die ihr jetzt heute mit uns teilen konntet, das wäre vielleicht unsere Message zum Ende, klar geworden ist, Pflege ist mehr als ein Job.
Speaker: Es ist wirklich eine Haltung.
Speaker: Es bedeutet Beziehungsarbeit, in Resonanz gehen.
Speaker: Und uns war heute wichtig, darüber in diesem Maße auch zu sprechen, weil darüber zu sprechen heißt, auch Anerkennung zu schaffen und auch andere zu ermutigen, diesen Weg zu gehen.
Speaker: Und wir hoffen auch in Zukunft, dass natürlich alles, was damit auch verbunden ist, Bezahlung, Unterstützung, auch was Selbsterfahrung und dergleichen angeht,
Speaker: dass das ernster genommen wird und weiter begleitet wird, so wie das auch in unserer Klinik schon ein großes Element ist für Erschaffung einer guten Work-Life-Balance.
Speaker: Und ich möchte ein großes Dankeschön ausdrücken, dass die Pflegenden so einen tollen Job machen und ich weiß das wirklich absolut sehr zu schätzen.
Speaker: Da möchte ich mich mal stellvertretend für alle Pflegenden, die vielleicht auch zuhören, bei dir bedanken für die Wertschätzung und die Anerkennung.
Speaker: Ich hoffe, euch hat die zweite Folge gut gefallen.
Speaker: Folgt uns bitte weiter.
Speaker: Gebt uns gerne auch Anregungen zu Themen, die euch wichtig sind, die wir gerne mal für euch hier diskutieren und beleuchten sollen.
Speaker: Und danken euch erstmal für euer Zuhörer.
Speaker: Und bis zur nächsten Folge.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Tschüss.






