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Weiterbildung Säuglings-, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Österreich

TheraTalks – Wege zur Psychotherapie

Transcript

Speaker: Willkommen zu einer neuen Folge von Theratalks, Wege zu Psychotherapie.

Speaker: Wir sind Nausica und Markus.

Speaker: Nachdem wir in der letzten Folge über Forderung, Weiterbildung und den Allgemeinen gesprochen haben, wollen wir heute einen dieser Weiterbildungsfälle etwas näher betrachten.

Speaker: Und zwar eines, das wir, wie wir finden, auch im Blick auf die aktuellen Entwicklungen der psychischen Gesundheit in unserer Gesellschaft besonders relevant ist.

Speaker: Heute geht es um die Säuglings-, Kinder- und Jugendpsychotherapie.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und heute haben wir bei uns zu Gast Frau Dr. Gabriela Papp.

Speaker: Sie ist Lektorin an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und Leiterin des Instituts für Säuglings-, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Speaker: Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie auch Lehranalytikerin und Subvisorin im Fachspezifikum Individualpsychologie.

Speaker: Wir freuen uns sehr, dass Sie heute bei uns sind.

Speaker: Hallo und willkommen, Frau Papp.

Speaker: Hallo.

Speaker: Also zunächst einmal herzlichen Dank für die Einladung.

Speaker: Und tatsächlich bin ich sehr froh darüber, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben, der Säuglings-, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, denn das ist wirklich ein brennendes Thema, gerade heutzutage.

Speaker: Was ich noch hinzufügen wollte zu all dem, was Sie schon zu mir gesagt haben, was ja alles stimmt,

Speaker: ist, dass ich auch die Leitung des Universitätslehrgangs für Kinder- und Jugendliche Psychotherapie überhabe.

Speaker: Und dass ich das übernommen habe 2019 von Professorin Brigitte Sindeler, die, sobald es möglich war, zertifizierte Weiterbildungen in Zeugnitzkinder- und Jugendliche Psychotherapie, die es an der SFU installiert hat,

Speaker: Und das bereits seitdem erfolgreich weiterläuft und hoffentlich noch viele, viele Jahre weiterhin.

Speaker: So sein wir.

Speaker: Frau Papp, wir haben in unserer Recherche im Vorfeld keine aussagekräftigen Zahlen finden können, die belegen, wie viele der, ich glaube es sind circa 12.500 PsychotherapeutInnen, die in Österreich registriert sind, wie viele von diesen Personen diese besagte Weiterbildung gemacht haben und oder entsprechend tätig sind in diesem Feld.

Speaker: Wer arbeitet denn im psychotherapeutischen Alltag tatsächlich mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen?

Speaker: Naja, also zunächst einmal ist diese Zusatzausbildung erst seit 2014 durch eine Richtlinie des Bundesministeriums überhaupt reguliert worden.

Speaker: Das heißt, erst seit 2014 gibt es diese Angebote, wo man diese Weiterbildung absolvieren kann und sich, also beim Ministerium, sich auch eintragen kann in die Liste der zertifizierten Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten.

Speaker: Davor war das nicht so klar geregelt.

Speaker: Also jeder, jeder, die eingetragen waren als fertige Psychotherapeutin, Psychotherapeutinnen, konnte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Speaker: Aber de facto kann ich als Therapeut in der Liste, kann ich auch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten ohne Zertifizierung?

Speaker: Ja, prinzipiell schon.

Speaker: Das ist eine Richtlinie.

Speaker: Das ist ja noch kein Gesetz, sondern eine Richtlinie.

Speaker: Wobei mittlerweile viele Institutionen Wert darauf legen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Wert darauf legen, dass diese Zertifizierung vorhanden ist.

Speaker: Denn die Arbeit mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist eine besondere.

Speaker: Die kann man nicht gleichstellen mit der Arbeit mit Erwachsenen.

Speaker: Vielen Dank und bevor wir vielleicht tiefer noch ins Thema einsteigen, möchten wir Sie vielleicht ein bisschen persönlich kennen, wie Sie dazu gekommen sind und uns interessieren, wie Sie selbst zu dieser Weiterbildung gekommen sind, warum Sie das so machen.

Speaker: Das Interesse für Kinder- und Jugendliche und Psychotherapie fängt vielleicht schon dort an.

Speaker: dass ich mich für die Individualpsychologie entschieden habe als meine Schule, als mein Fachspezifikum.

Speaker: Hier ist ausschlaggebend die Idee, dass Kindheit und Jugend prägend sind für unser Gewordensein.

Speaker: Das heißt, diese erste Zeit ganz bedeutsam ist für die Entwicklung des Charakters.

Speaker: Und hier vieles schiefgehen kann, vieles auch gut gehen kann.

Speaker: Einerseits kann man Glück haben, dass man in der richtigen Familie hineingeboren wird, wo vieles verstanden wird, was ein Kind halt so benötigt.

Speaker: Es kann aber auch schiefgehen, weil man Pech hat und die Eltern nicht so gut verstehen.

Speaker: Und das kann man natürlich korrigieren und die Korrektur kann also sehr bald passieren.

Speaker: Je früher, desto besser, wenn die Probleme auftauchen.

Speaker: Und deswegen die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Speaker: Was würden Sie sagen, welche besonderen Herausforderungen gibt es in der Arbeit mit Säuglingen, Kindern, Jugendlichen?

Speaker: Also ich kann mir auch vorstellen, dass das ein bisschen unterschiedlich ist zwischen Säuglingen, Kindern und Jugendlichen natürlich.

Speaker: Also wenn Sie auch darauf eingehen wollen, auch vor allem im Vergleich zur Arbeit mit Erwachsenen.

Speaker: Also wenn zum Beispiel jetzt jemand unser Podcast zuhört und sich denkt, ah, dieses Thema interessiert mich, ich möchte gerne vielleicht in diese Richtung gehen.

Speaker: Wie kann man das gut so greifbar machen, was da wirklich der Unterschied ist?

Speaker: Also es ist tatsächlich ein großer Unterschied zwischen Arbeit mit Erwachsenen und Arbeit mit Säuglingen, Arbeit mit Kindern und Arbeit mit Jugendlichen.

Speaker: Ja, also zunächst einmal hat man in der Psychotherapie nicht nur das Kind oder das Räugling oder Jugendliche, sondern man hat

Speaker: ja, den Bezugsrahmen dazu, also die Eltern, Mutter, Vater, manchmal Institutionen, Schule, Kindergarten.

Speaker: Also da hat man ein breites Spektrum, das man halt abdecken muss, weil das Kind eingebettet ist in dieses Umfeld und sehr abhängig von dem Umfeld ist.

Speaker: Und die Kommunikation findet natürlich auch ganz anders statt als mit Erwachsenen.

Speaker: Also ich kann mir unmöglich vorstellen, mit einem Vierjährigen zum Beispiel 50 Minuten lang zu reden.

Speaker: Also da braucht es eine andere Sprache, da braucht es Spiele, da braucht es Geschichten.

Speaker: Also mit Jugendlichen genauso, da gibt es eine Jugendsprache, da gibt es Social Media, da gibt es Geräte, die mitgenommen werden.

Speaker: Da muss man überall einen Zugang finden, das verstehen.

Speaker: Und wenn man nicht versteht, dann muss man Fragen stellen und ernst nehmen und bereit sein, da einzutauchen.

Speaker: Und gleichzeitig natürlich die Ebene mit den Bezugspersonen auch bedienen und die nicht nur die Bezugspersonen per se, sondern auch die Beziehung zwischen den Bezugspersonen, dem Kind und den Jugendlichen auch noch im Blick behalten.

Speaker: Also das sind viele, viele Ebenen.

Speaker: Viele, viele Herausforderungen, die hier Kinder und Jugendlichen Psychotherapeutinnen bedienen müssen, kennen müssen.

Speaker: Und deswegen ist es notwendig, eine zusätzliche Ausbildung, zusätzliche Bildung in dieser Sprache durchzuackern.

Speaker: Ohne dem ist vielleicht zu herausfordernd, um in diesem Bereich zu arbeiten.

Speaker: Wie Sie sagen, Kommunikation und Beziehungsarbeit mit wenig Sprache,

Speaker: Spiele, Bilder, vielleicht auch Humor, Kreativität, Improvisation ist vermutlich, denke ich, schon einerseits bei Erwachsenen.

Speaker: Wenn man es jetzt noch verschärft betrachtet, das heißt ja auch Säuglingspsychotherapie, da ist ja Kommunikation und Beziehungsarbeit, da geht ja über Sprache sehr wenig.

Speaker: Wie muss man sich das vorstellen?

Speaker: Also mich hat das irritiert, dass ich zum ersten Mal gelesen habe, Säuglingspsychotherapie.

Speaker: Ich glaube, das irritiert so manchen.

Speaker: Wie muss man sich das vorstellen mit Säuglingen?

Speaker: Also da reden wir von Kindern, die noch gar nicht reden, oder?

Speaker: Ja, das stimmt.

Speaker: Also da ist ja nicht so, dass der Säugling alleine in die Psychotherapie kommt.

Speaker: Das muss man hoffentlich.

Speaker: Säugling wird gebracht von Mutter, Vater, von Eltern, von Bezugspersonen, wer auch immer für diesen Säugling zuständig ist.

Speaker: Und da geht es um Therapie in dieser Konstellation, dieser Zweierkonstellation.

Speaker: Da wird nicht auf den Säugling sozusagen eingeredet,

Speaker: sondern da geht es um Einwirken auf die Beziehung zwischen Bezugsperson und Säugling.

Speaker: Also das passiert in der Säuglingspsychotherapie, dass Eltern über ihre eigenen Vorstellungen nachdenken.

Speaker: Was habe ich mir vorgestellt, was werde ich für ein Kind haben und was habe ich tatsächlich für ein Kind?

Speaker: Beziehungsweise dann auch die Sprache des Kindes zu verstehen, was?

Speaker: Kinder weinen in unterschiedlicher Art und Weise zum Beispiel, also Säuglinge nicht, also wenn es Hunger heißt, wenn es Kälte oder Bauchweh, irgendwann einmal verstehen die Eltern besser, das zu differenzieren.

Speaker: Und auf diese Beziehung, auf diese Kommunikation wirkt die Säuglingspsychotherapie ein.

Speaker: Könnte man sagen, es ist psychotherapeutische Arbeit für den Säugling, aber an der Bezugsperson, an den Eltern?

Speaker: Also nicht an den Eltern, sondern es ist mit dem Säugling schon auch.

Speaker: Also Säuglinge ist schon mit dabei, weil eben Säuglinge antworten, Säuglinge senden Signale.

Speaker: Falls es Interessierte gibt, so kann ich hier ganz tolle Literatur empfehlen von Daniel Stern, beziehungsweise auch Martin Dornes, die das beschrieben haben.

Speaker: Gerade diese Anfangszeit, wie wichtig die ist.

Speaker: Und wie wichtig das ist, das zu verstehen, dass Säuglinge mit einem kommunizieren und dass man diese Sprache versuchen soll zu verstehen.

Speaker: Auch Phonagy, also in der Mentalisierungstheorie, also dieses Spiegeln, dieses Beantworten dieser ersten Äußerungen des Babys.

Speaker: wie wichtig das ist, dass es in einer Form passiert, wo sich das Baby erkennt und gleichzeitig auch erkennt, dass es ein Gegenüber gibt, das anders ist als das Weigling selbst.

Speaker: Wir werden dann alles verlinken, auch noch die Literatur, die Sie jetzt teilen.

Speaker: Kinder und Jugendliche kommen ja nicht oder eher selten aus eigener Initiative zur Psychotherapie.

Speaker: Welche Rolle spielt die Familie bzw.

Speaker: das Umfeld in der therapeutischen Arbeit und wie verändert sich die Arbeit, wenn die Eltern sehr stark involviert sind oder sich eben auch eher raus- oder zurücknehmen?

Speaker: Naja, mittlerweile ist schon zu beobachten, dass es eine Veränderung gibt.

Speaker: Also Psychotherapie ist nicht mehr so ein Tabuthema, wie das früher war.

Speaker: Also das ist auch mit der neuen Elterngeneration ein Glück, dass es so ist.

Speaker: Oft wird es aber so gehandhabt, dass Kinder auffällig werden in dem Verhalten, entweder im Kindergarten oder in der Schule.

Speaker: Oft passiert dort, dass, ich weiß nicht, Kinder sich entweder zum Beispiel aggressiv verhalten,

Speaker: Oder sich sehr zurückhalten, nicht Teil der Gemeinschaft sind und dergleichen.

Speaker: Und dann kommen die Pädagoginnen auf die Eltern zu und empfehlen Psychotherapie.

Speaker: Und natürlich ist es nicht einfach für Eltern, sich das einzugestehen, dass irgendetwas nicht gut läuft.

Speaker: Jeder, der bereit ist,

Speaker: Als Elternteil zu sagen, okay, hier brauche ich Hilfe, hier brauche ich Unterstützung, es ernst zu nehmen, egal worum es geht, egal ob es von einer dritten Person empfohlen wird oder Selbstinitiative annehmen.

Speaker: Da ist wirklich wichtig, dass die Eltern ernst genommen werden und dass die Kinder und Jugendlichen in Therapie genommen werden.

Speaker: Also mittlerweile ist es aber auch so, dass Kinder selbst das Hören von anderen in der Schule, also wirklich Volksschulkinder auch, also ich weiß nicht, die Maria ist in Therapie, ich will auch sowas machen.

Speaker: Also da ist mittlerweile bei den Jugendlichen sowieso, dass die halt schon selbst Ideen haben, was sie brauchen könnten.

Speaker: Aber das sind natürlich noch die Sonderfälle.

Speaker: Also in der Regel ganz oft passiert es, dass eben die Schule oder Kindergärten halt zuweisen, aber auch, dass Eltern selbst kommen und sagen, ich merke, da stimmt etwas nicht.

Speaker: Ich merke Angst, ich merke Aggression, ich merke Albträume, ich merke, was weiß ich, das Kind näscht ein oder sowas.

Speaker: Und dann kommen sie und suchen Hilfe.

Speaker: Die Weiterbildung selber, Frau Paps,

Speaker: der Sigmund Freud Uni.

Speaker: Würden Sie grob mal skizzieren, wie ist die Weiterbildung strukturiert bei Ihnen und eventuell was wissen Sie auch über andere Anbieter?

Speaker: Ist es dort ähnlich oder sind Sie besonders?

Speaker: Ja, also die Weiterbildung bei uns wird angeboten schulenübergreifend, was mittlerweile clusterübergreifend heißt.

Speaker: Das heißt, es wird nicht unbedingt schulenspezifisch, also nicht fachspezifisch ausgebildet, sondern wir versuchen aus allen Bereichen, aus allen Clustern auf Kinder und Jugendlichen und der Psychotherapie mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen zu blicken.

Speaker: Das heißt, wir haben Module, theoretische Module, die von den verschiedenen Vertretern der verschiedenen Clustern angeboten werden, weil jede Schule, also jedes Cluster hat etwas anzubieten.

Speaker: Also das Wichtigste, was in einer Psychotherapie wirkt, der wichtigste Wirkfaktor ist die Beziehung.

Speaker: Ganz wichtig ist aber zu wissen, welche Art von Beziehung in dieser spezifischen Situation für dieses spezifische Kind oder Jugendlichen notwendig ist.

Speaker: Da braucht man theoretische Hintergründe.

Speaker: Jede Schule hat einen anderen Blick darauf und jede Schule kann etwas dazu beitragen, um genau das gut zu verstehen, was braucht es denn gerade hier, gerade jetzt.

Speaker: Also die Weiterbildung ist so aufgestellt, dass es eben fünf Bereiche gibt, in denen wir hier Seminare anbieten.

Speaker: Also es gibt ganz viel natürlich zu Entwicklungstheorien.

Speaker: Da sind auch Psychologinnen mit eingebunden und natürlich Vertreterinnen der verschiedenen Clustern, die die spezifischen Entwicklungstheorien der eigenen Schulen hier vorbringen.

Speaker: Darüber hinaus gibt es so Beziehungsgestaltung hier wiederum aus den verschiedenen Schulen.

Speaker: Es gibt ganz viel aus angrenzenden Gebieten, die wichtig sind, die ich schon betont habe vorhin, also das Umfeld.

Speaker: Also rechtliche Rahmenbedingungen zum Beispiel werden von Juristinnen angeboten.

Speaker: Es gibt dann zum Schulwesen Seminare.

Speaker: Es gibt so zwei Blöcke, die sich mit Psychiatrie beschäftigen, also Psychopharmakologie und Psychiatrie.

Speaker: Es gibt auch aus der Medizin, also Pädiatrie zum Beispiel, auch jemanden, der hier einen Blog anbietet zu psychosozialen Interventionsformen, die halt angeboten werden rund um Kinder und Jugendlichen.

Speaker: Also Arbeit mit Institutionen ist hier ein großes Thema zum Beispiel.

Speaker: Natürlich auch Migration ist ein großes Thema.

Speaker: Das ist ja ein Thema, das unsere Gesellschaft ja ganz stark beschäftigt.

Speaker: Ja, diese Kinder, die halt aus Familien kommen, die einen Migrationshintergrund haben, vor allem so Erstemigrierte, haben ganz eine andere Stellung in der Familie als jemand, der halt hier geboren wurde zum Beispiel.

Speaker: Die Kinder sind die Ersten, die die Sprache lernen.

Speaker: Die Kinder haben da ganz viele Aufgaben zu erfüllen.

Speaker: Und noch dazu, sie sind auch die Ersten, die wahrscheinlich die Integration besser schaffen und zwischen den Kulturen aufziehen.

Speaker: Also das ist ein großes Thema, das man verstehen muss als Psychotherapeut, Psychotherapeutin.

Speaker: Und hier dementsprechend halt das Kind dort abholen muss, wo sie ist.

Speaker: Und die Familie mit dazu, die das auch verstehen muss, was für eine Rolle dieses Kind ist und was im Kind manchmal das zu viel wird.

Speaker: Beobachten Sie oft dieses Phänomen, das Sie gerade geschildert haben, dass die Kinder von Erstimmigrierten die sind, die sich auskennen, die die Sprache können und die entweder automatisch oder von den Eltern Aufgaben übernehmen für die gesamte Familie, was in der kindlichen Entwicklung teilweise auch sehr überfordernd sein kann.

Speaker: Beobachten Sie sowas oft?

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Ich meine, diese Eltern, die machen es ja nicht, weil sie bösartig sind, sondern diese Eltern machen es, weil sie halt es nicht besser wissen und nicht besser können.

Speaker: Es gibt ja mittlerweile ja viele Institutionen, die sich diesem Personenkreis halt gewidmet haben und Hilfestellungen hier anbieten.

Speaker: Und natürlich ist das für die kindliche Entwicklung ja eine zusätzliche Belastung.

Speaker: Manche schaffen es ganz gut, manche halt weniger gut.

Speaker: Also je früher diese Belastung anfängt, desto schwieriger ist das für das Kind, desto mehr Anbelastung braucht es.

Speaker: Es gibt, also jetzt fällt man Hemmerjad zum Beispiel an, wo ja ganze Familien zum Beispiel in Psychotherapie genommen werden, weil ja alle belastet sind, also

Speaker: kommen ja nicht aus Spaß hierher, sondern wir kennen ja die Kriegssituationen, Folter und dergleichen.

Speaker: Das sind schwer belastete Familien und da versucht man das abzufangen, was halt möglich ist, um dem Kind die Möglichkeit zu bieten, die Entwicklung zu bewerkstelligen, die es eigentlich in der Kindheit und Jugend bewerkstelligen soll.

Speaker: Aber natürlich, es ist eine spezielle Situation.

Speaker: Gibt es auch hier ähnlich wie in der klassischen Psychotherapieausbildung Praxisnahe Anteile, wie zum Beispiel Praktika oder Supervisionen im Fokus auf Säuglinge, Kinder und Jugendliche?

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Also zu diesem seminaristischen Teil gehört natürlich die praktische Ausbildung.

Speaker: Also bei uns an der SFU sollte man 200 Stunden mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Speaker: Dazu begleitend sind 50 Einheiten Supervision.

Speaker: die wiederum so gestaltet ist, dass man sich aussuchen kann, ob man in der eigenen Schule bleibt oder schulenübergreifend in Supervision geht.

Speaker: Die Gruppen sind Kleingruppen von mindestens drei Teilnehmern und die praktische Arbeit kann auch bei uns in der Kinder- und Jugendpsychotherapieambulanz absolviert werden, aber sie kann auch selbstverständlich auch in der eigenen Praxis oder andere Institutionen auch absolviert werden.

Speaker: Der praktische Teil ist sehr, sehr wichtig.

Speaker: Wir haben das Thema vorhin schon gestreift.

Speaker: Die Arbeit mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist sehr speziell.

Speaker: Man hat ganz direkt gefragt, wie sehen Sie die Passung der unterschiedlichen Fachrichtungen zu der Arbeit mit dieser ganz besonderen Zielgruppe?

Speaker: Also gibt es gewisse psychotherapeutische Fachrichtungen, die besser passen oder sich eventuell leichter tun oder die bevorzugt in dieser Ausbildung sind?

Speaker: Da bin ich bei dem, was ich schon vorhin gesagt habe.

Speaker: Der wichtigste Wirkfaktor ist die Beziehung.

Speaker: Jeder Psychotherapeut, jede Psychotherapeutin kann Beziehung anbieten.

Speaker: Wichtig ist, dass man es versteht, was für eine Art Beziehung braucht dieses Kind, dieser Jugendliche, dieser Jugendliche hier in dem Moment.

Speaker: Und nicht nur die Hauptperson sozusagen, sondern auch das Umfeld.

Speaker: Weil eigentlich geht es ja im Endeffekt darum, dass jede Schule bewirkt etwas.

Speaker: Jede Schule kann etwas dazu beitragen, eben aus unterschiedlichen Perspektiven.

Speaker: Aber prinzipiell glaube ich nicht, dass eine bestimmte Schule sich besser eignet.

Speaker: Wichtig ist, dass man Entwicklung versteht.

Speaker: Wichtig ist, dass man Entwicklungstheorien kennt.

Speaker: Wichtig ist, dass man über sich selbst Bescheid weiß, das heißt Selbstreflexion in der eigenen Ausbildung betrieben hat und dementsprechend hier das anbietet, was das Kind benötigt.

Speaker: Sehen Sie gewisse Vorerfahrungen, die relevant sind oder eine gewisse Anzahl an Jahren, die man schon arbeitet als Therapeut, Therapeutin, um diese Weiterbildung sinnvoll machen zu können?

Speaker: Jetzt gibt es zwei unterschiedliche Bezeichnungen.

Speaker: In Ausbildung und der Supervision ist das eine alte Bezeichnung.

Speaker: Jetzt heißt es ein bisschen anders.

Speaker: Also in Ausbildung und der Supervision, diesen Ausbildungsschritt muss man schon absolviert haben.

Speaker: Plus 100 Stunden, also die praktische Arbeit, 100 Stunden mit Erwachsenen schon hinter sich haben.

Speaker: Also das sind die formellen Voraussetzungen, um überhaupt diese Weiterbildung machen zu können.

Speaker: Vor-Erfahrungen, natürlich Erfahrung ist immer gut, aber man muss das nicht auf die Spitze treiben.

Speaker: Ich glaube, es ist wichtig, dass man mit Kindern und Jugendlichen wirklich so auseinandersetzt, dass man diese Weiterbildung macht, dass man diese theoretischen Grundlagen macht.

Speaker: und natürlich auch die praktische Grundlage, also unter Supervision sich aneignet, um es richtig zu machen.

Speaker: Denn wie gesagt, es ist wirklich herausfordernd.

Speaker: Man arbeitet nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit den Eltern und diese Elternarbeit ist eine besondere Herausforderung.

Speaker: bei denen viele große Fragen haben, die mit dieser Art von Arbeit anfangen.

Speaker: Und das soll unbedingt unter Supervision stattfinden, um das richtig zu bewerkstelligen.

Speaker: Habe ich es richtig verstanden?

Speaker: Das heißt, ich kann die Ausbildung auch machen, wenn ich noch gar nicht in der Therapeutinnenliste eingetragen bin, aber ich habe schon die Mindestanzahl, okay, mhm.

Speaker: Die Eintragung als zertifizierte Therapeutin, Therapeut für Säuglinge an Kindern und Jugendlichen kann aber erst dann erfolgen nach der Eintragung als Psychotherapeutin, ein Jahr nach dieser Eintragung.

Speaker: Wie lange dauert die Ausbildung typischerweise?

Speaker: Also das ist... Ja, das ist... Also Mindestdauer sind vier Semester.

Speaker: Zwei Semester sind dieser Theorieausbildung gewidmet und zwei sind dann der praktischen Ausbildung gewidmet.

Speaker: Wobei das natürlich ganz unterschiedlich ist.

Speaker: Also das ist die Mindestdauer.

Speaker: Länger kann es schon dauern, kürzer aber nicht.

Speaker: Und was würden Sie sagen, welche Kosten kommen auf die Ausbildungskandidatinnen zu?

Speaker: Also bei uns an der SFU für Externe kostet es um die 4.000 Euro.

Speaker: Also die gesamte Ausbildung einschließlich der Supervision.

Speaker: Alumni zahlen ein bisschen weniger und in Ausbildung unter Supervision befindliche noch einmal ein bisschen weniger.

Speaker: Doch einmal ein bisschen weniger, wenn man bereit ist, die praktische Arbeit, also den praktischen Teil der Ausbildung an der Ambulanz für Säugen der Jugendlichen Psychotherapie zu absolvieren.

Speaker: Ist es sehr unterschiedlich von Universität zu den Clustern, zu den verschiedenen Anbietern oder ist es ziemlich gleich überall?

Speaker: Naja, das ist schon sehr unterschiedlich, weil man hier über den Tellerrand schaut.

Speaker: Also das ist überhaupt spezifisch für die SFU, dass wir versuchen hier immer wieder diesen Blick über den Tellerrand zu bieten, dass man Einblicke bekommt, also auch wenn man sich bereits für eine Schule entschieden hat, was ja auch ganz wichtig ist, dass man irgendwo einen festen Stand hat, dass man blickt, wie machen es die anderen, was gibt es bei den anderen, was bereichernd wäre, was ich mir für mich selbst auch vorstellen kann.

Speaker: In der praktischen Arbeit, also das ist schon ganz besonders auch gerade da in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, dass man halt nicht unbedingt nur aus der eigenen Schule arbeitet, sondern eben aus den verschiedenen Schulen sich da Interventionstechniken zum Beispiel aneignen kann oder Theorien aneignen kann.

Speaker: Deswegen ist es auf jeden Fall anders als woanders.

Speaker: Also wenn man Weiterbildungen in Säuglingskinder- und Jugendlichenpsychotherapie bei den verschiedenen Vereinen, die sich jetzt in Gefährle-Fachrichtung zuständig sind, dann lernt man halt das nur aus dieser Perspektive kennen.

Speaker: Und bei uns ist es wirklich breit gefächert.

Speaker: Wir machen auch so etwas wie Methodenwerkstatt, heißt das bei uns, wo gerade das passiert, dass bestimmte Fälle hier vorgebracht werden in so einem Wochenendseminar,

Speaker: wo dann die verschiedenen Perspektiven der verschiedenen Schulen von den Supervisorinnen des Lehrgangs, aber auch von Psychiater, von rechtlicher Seite, von Psychologen diskutiert werden.

Speaker: Und da entsteht wirklich ganz viel Stoff, das bereichernd ist in der Arbeit dann mit den Kindern und mit den Jugendlichen.

Speaker: Und wissen Sie, gibt es da Förderungen oder Unterstützungsmöglichkeiten?

Speaker: Also es gibt an der SFU, jetzt weiß ich gar nicht, ob für die Weiterbildung, es gibt schon so etwas wie eine Möglichkeit, dass man Stipendium bekommt.

Speaker: Und sonst gibt es die üblichen, jetzt fällt man nur Waff ein oder sowas, die hier in der Richtung halt in Frage gehen.

Speaker: Mal angenommen, ich entscheide mich für diese Weiterbildung.

Speaker: Sei es, weil ich merke, dass ich in der Arbeit, also als Therapeut, in meinem Fall in der Arbeit mit Jugendlichen an Grenzen stoße und hier weiterkommen will.

Speaker: Sei es, weil ich es einfach gesellschaftlich relevant finde oder weil ich überhaupt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten will, es aber bisher noch nicht gemacht habe.

Speaker: Was sagt Ihre Erfahrung als Ausbilderin?

Speaker: Was macht die Weiterbildung mit den Therapeutinnen?

Speaker: Wie wirkt sich das auf die spätere Haltung, auf die Berufsausübung, auf den Berufsalltag aus?

Speaker: Ich glaube, das eröffnet wirklich weite Felder in der Richtung.

Speaker: Also nicht jede Schule ergibt der Kindheit beziehungsweise dieses Gewordensein so eine große Bedeutung.

Speaker: Viele arbeiten im Hier und Jetzt, was mit den Kindern ja ganz, ganz wichtig ist.

Speaker: Also mit dem Kind werden sie sicherlich nicht über Vergangenes sprechen.

Speaker: Das Kind steigt dort ein, wo es gerade ist und mit dem ist man konfrontiert und mit dem muss man arbeiten.

Speaker: Aber es ist ganz wichtig, dass man selbst versteht, und das ist das, was in der Weiterbildung halt passiert, wie prägend diese Zeit ist, wie prägend das ist, was dieses Kind in dieser Zeit erlebt, wie er es für sich selbst verarbeitet.

Speaker: wie es von den anderen verstanden wird, also von den Bezugspersonen verstanden wird und wie diese Haltung der Bezugspersonen prägend ist.

Speaker: Und das ist die beste Prophylaxe für emotionale und psychische Stabilität.

Speaker: Im Erwachsenenalter.

Speaker: Und ich glaube, das ist das, was so wirklich Augen öffnet für werdende Säuglingskinder und Jugendliche Psychotherapeutinnen, wie wichtig diese Phase ist, diese Entwicklungsphase ist, wenn die Kinder und Jugendlichen gut genug, das muss nicht perfekt sein, aber gut genug abgeholt werden vom Umfeld, um diese Phase zu erfolgen.

Speaker: in ihrem Sinne, mit ihren Talenten, ihren Möglichkeiten, ihren Wünschen, ihren Vorstellungen bewerkstelligen können.

Speaker: Schön, dass Sie nicht perfekt sagen.

Speaker: Das wird, glaube ich, den Druck auf Eltern doch sehr, sehr maximieren.

Speaker: Also das ist ganz wichtig, das muss immer nur gut genug sein.

Speaker: Also das ist Winnicott, der das geprägt hat.

Speaker: Good enough mother, aber ich würde sagen, good enough parents, also auch Väter ganz, ganz wichtig und mittlerweile auch die Großeltern, ganz wichtig in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Speaker: Das ist schön, das zu hören, gerade jetzt für mich.

Speaker: Aber es ist für alle auch vielleicht interessant zu wissen... Warum gerade jetzt für dich, Nazika?

Speaker: Möchtest du darüber reden?

Speaker: Ja, also gerne, weil ich schwanger bin und ich mich sehr freue und eigentlich das Thema mich auch sehr, sehr interessiert gerade und sehr bereichend ist, genau.

Speaker: Vielleicht, was noch interessant wäre, ist für alle Zuhörerinnen, wie sieht denn konkret, also nicht der Alltag, aber diese 50 Minuten mit Kindern und Jugendlichen in der Psychotherapie aus?

Speaker: Ja, das ist ganz anders als bei den Erwachsenen.

Speaker: Also von den Säuglingen habe ich schon ein bisschen gesprochen.

Speaker: Genau.

Speaker: Und Mama, Papa, wie auch immer mit dem Kind.

Speaker: Und da geht es um versuchen zu verstehen, wie die Kommunikation zwischen den beiden da ist.

Speaker: Aber diese Kommunikation geht ja weiter auch in der Kindheit.

Speaker: Also wenn ein Kind kommt, es gibt Spiele.

Speaker: Ja.

Speaker: Manchmal ist es gar nicht so einfach für ein Kind einzusteigen.

Speaker: Es gibt ja die Schüchternen, aber es gibt ja auch die, die hineinkommen und den Raum für sich sofort beanspruchen.

Speaker: Die Schüchternen kommen dann mit Mutter, Vater, die dann eine Zeit lang mit dabei sind.

Speaker: Irgendwann einmal gehen dann die Eltern auch raus und dann bleibt man alleine mit dem Kind.

Speaker: Und dann gibt es Angebote, die dieses Kind halt hier in diesem Raum entdecken kann.

Speaker: Das können

Speaker: Alle möglichen Arten von Spiel sein.

Speaker: Also ich habe eine ganz große Vorliebe für den Sandkasten zum Beispiel.

Speaker: Da können Kinder ganz viel gestalten, ganz viel darstellen, was sie beschäftigt.

Speaker: Und das ist jetzt der Vorurteil, vielleicht der von außen kommt.

Speaker: Man spielt ja eh nur mit dem Kind, das sagen manche Eltern auch.

Speaker: Aber das ist die Sprache des Kindes.

Speaker: Das Kind spricht in Metaphern, die wir verstehen müssen und die wir übersetzen müssen und die wir eben einbinden müssen und korrigieren müssen, damit dieses Kind versteht, was passiert, wie sich das auf das Kind auswirkt und was passieren müsste, damit das besser ist.

Speaker: Also zum Beispiel ganz konkret ein Kind.

Speaker: Also jetzt habe ich einen Buben vor mir, der in einer Trennungssituation der Eltern lebt, Rosenkrieg.

Speaker: Neben dem Sandkasten, hier habe ich dann verschiedene Figuren, die hier benutzt werden können.

Speaker: Und das Kind sucht sich irgendwelche Figuren aus, gestaltet den Sand einmal so, dass es zwei Teile gibt, einen größeren und einen kleineren Bereich.

Speaker: Dazwischen gibt es so eine Art Mauer aus Sand.

Speaker: Auf der einen Seite kommen ganz viele Kühe und Elefanten aus.

Speaker: und Katzen und Hunde.

Speaker: Und auf der anderen Seite entsteht ein Teich oder ein See oder ein Meer.

Speaker: Ich weiß das noch nicht.

Speaker: Also er schüttet da ganz viel Wasser hinein und dann kommen Krokodile hinein.

Speaker: Ich glaube, es waren noch Haie drinnen.

Speaker: Es war eine Seerube drinnen und es waren auch noch ein paar Gänse drinnen.

Speaker: Das Kind redet kein Wort, es tut nur einfach.

Speaker: Meine Aufgabe ist, das in Worte zu fassen, was ich hier sehe.

Speaker: Also ich sehe, du machst hier eine Wand, du tust hier auf der einen Seite so viele Kühe und ich weiß nicht was.

Speaker: Und das Kind nickt oder das Kind sagt Nein, je nachdem, ob ich das richtig verstanden habe oder nicht.

Speaker: Und eigentlich mit diesem Bild zeigt er mir genau die Situation, in der er sich befindet.

Speaker: Da ist eine Wand.

Speaker: zwischen der Mutterwelt und zwischen dem Vater.

Speaker: Er befindet sich auf beiden Seiten.

Speaker: Da sind diese Gänse, die waren auch beidseitig hingestellt.

Speaker: Alles fokussiert auf dieser Wand.

Speaker: Also alle diese Tiere schauen Richtung Wand.

Speaker: Und das heißt, eigentlich ist diese Trennung das absolute Mittelpunkt dieser Familie.

Speaker: Nach und nach versuche ich dann da einzuwirken, wie geht denn das, dass man sich auch mit etwas anderes beschäftigen kann, außer mit dieser Wand.

Speaker: Kann in dieser Wand eine Tür vielleicht eingebracht werden und so weiter und so fort.

Speaker: Also das ist zum Beispiel mit einem Kind.

Speaker: Ein Jugendlicher kann mir zum Beispiel von irgendeiner Lieblingsserie erzählen.

Speaker: Und da geht es um Identifikation mit irgendeinem Charakter.

Speaker: Und das ist ganz, ganz wichtig.

Speaker: Also zum Beispiel hatte ich einen Jungen, jetzt rede ich dauernd von Jungs, vielleicht rede ich mal auch von einem Mädchen.

Speaker: Also hatte ich ein Mädchen, das sich ganz stark, also ganz viel erzählt von Game of Thrones.

Speaker: Und da ist auch ganz wichtig, mit wem man sich identifiziert.

Speaker: Und da muss man sich selbst herausnehmen.

Speaker: und erzählen lassen, worum geht es denn bei der Jugendlichen.

Speaker: Und die war ganz stark identifiziert mit der Aria.

Speaker: Ich wollte es gerade sagen, Aria.

Speaker: Und dann, sie erzählt mir eigentlich von sich selbst, indem wir über die Aria sprechen.

Speaker: die sich durchkämpfen muss, alleine ist, alleine bleibt, die Kleine ist, die kein Mädchen sein will und so weiter und so fort.

Speaker: Ganz, ganz viele Themenbereiche da drinnen, die sich die Kinder, die Jugendlichen für sich selbst gar nicht so genau verstehen, aber irgendwie fühlen sie, dass sie über sich sprechen können, auf diese Art und Weise.

Speaker: Und dann gibt es auch die Elterngespräche, die man führen muss.

Speaker: Je jünger das Kind, desto öfters Elterngespräche.

Speaker: Je älter das Kind, desto seltener wahrscheinlich, weil da geht es auch um die Ablösung von den Eltern.

Speaker: Und diese Elterngespräche geht es nicht darum, dass man die Eltern, was weiß ich, zurechtweist oder schimpft oder wie auch immer, sondern die Eltern dort abholen, wo sie sind und die Eltern in ihrer Elternkompetenz versucht zu

Speaker: irgendwie da abzuholen, wo sie sind und das versuchen zu verbessern.

Speaker: Wie können sie ihre Kinder besser verstehen?

Speaker: Die Rubrik Psychotherapie in Zeitgeister und Popkultur.

Speaker: Frau Papp, wir haben im Vorfeld ein bisschen darüber gesprochen.

Speaker: Haben Sie ein Phänomen mitgebracht, eine Beobachtung, die Sie einbringen möchten vielleicht?

Speaker: Ein zeitgeistiges Phänomen, ein Buch, Film, Serie?

Speaker: Also wenn irgendwas Zeitgeistiges ist, dann ist es die Jugend, hoffe ich ja immer grundsätzlich.

Speaker: An was hätten Sie gedacht?

Speaker: Haben Sie was mitgebracht?

Speaker: Ja, tatsächlich.

Speaker: Die Miniserie Adolescence fand ich wirklich großartig.

Speaker: Nicht nur ich, ich glaube viele.

Speaker: Das ist eine sehr erfolgreiche Serie.

Speaker: Und ich glaube, das erzählt ganz, ganz eindringlich davon, wie schwierig es ist, ein 13-Jähriger zu sein.

Speaker: In dieses In-between-Series.

Speaker: Zwischen noch nicht mehr Kind, aber noch nicht Erwachsener, noch nicht auch wirklich Jugendliche.

Speaker: Also mit 13 hat man gerade so die Pubertät irgendwie überstanden, wo es um körperliche Veränderungen geht, die immer früher einsetzen bei Burschen und bei Mädchen, die noch überhaupt nicht passen mit der psychischen Entwicklung, mit der emotionalen Entwicklung.

Speaker: Und wie schwierig das ist, genau dieses Zusammenbringen von körperlicher, psychischer, emotionaler Entwicklung und zusätzlich noch dazu, dass sie anders auch wahrgenommen werden vom Umfeld, also in der Schule, in der Familie.

Speaker: Und wie wichtig das ist, dass die Kinder in dieser Phase altersentsprechend begleitet werden.

Speaker: Die Serie ist ja in Großbritannien vor allem hoch und runter diskutiert worden, in Talkshows, es ging ein bisschen die Politik hinein.

Speaker: Es werden dort auch so Themen, kommen Themen vor wie die Incel-Jungs, das wird gestreift, also der Charakter ist 13 Jahre alt und ordnet sich, glaube ich, dieser Bewegung zu oder es wird zumindest besprochen, dann die Rolle des Vaters, der Eltern, wie sie damit umgehen, auch mit den eigenen Dynamiken, mit den eigenen Ängsten.

Speaker: Es ist

Speaker: Ich finde es toll, dass Sie das aufbringen.

Speaker: Das ist eine sehr, sehr eindrücklich gefilmte Serie.

Speaker: Sie hat vier Teile, glaube ich, und jede Folge ist ein One-Shot.

Speaker: Also es ist durchgehend gefilmt.

Speaker: Und der dritte Teil ist, glaube ich, wo der Protagonist der 13-jährige Bub mit einer Psychologin in einem Raum ist.

Speaker: Und das ist nur dieses Gespräch, diese ganze Folge, gell?

Speaker: Ja, also das ist eine wirklich wunderbare Folge, die ich jedem empfehlen möchte, sich das anzuschauen.

Speaker: Also so arbeiten wir nicht, das ist sehr konfrontativ, da geht es ja auch um Forensik dort, da geht es darum, um einzuschätzen.

Speaker: inwiefern dieser Bursche auch wirklich verstanden hat, was er tut.

Speaker: Aber ja, das ist sehr gut gemacht, unglaublich, also was das für eine Leistung von diesem jungen Schauspieler, aber auch von der Schauspielerin, die die Psychologin darstellt, war.

Speaker: Denn also die Intensität, die emotionale Intensität, die da dargestellt wird, das ist wirklich hervorragend und erinnert schon ein bisschen an die Psychotherapie, also die wirklich dann im Raum, im psychotherapeutischen Raum halt auch spürbar ist oft,

Speaker: Wenn es um heftige Themen geht, wo man sehr viel spürt, teilweise, was die Jugendlichen gar nicht so in Worte fassen können, gar nicht selbst fassen können.

Speaker: Und das ist unsere Aufgabe, das in Worte zu fassen, das auszudrücken und eben genau diese Fragen zu stellen, die auch diese Psychologin jetzt dort sehr konfrontativ gestellt hat.

Speaker: in Worte fassen, was in einem so vor sich geht.

Speaker: Also der Junge hat absolute Angst davor, dass er, ich glaube, diese Inselgeschichte ist, dass 80 Prozent der Männer nichts taugen für die Frauen und 20 Prozent haben eine Chance, dass er sich zu denen zählt, die keine Chance haben.

Speaker: Also das ist ein Junge, der ganz viel Angst hat, nicht weiß, was muss ich für ein Mann werden,

Speaker: Und hier kommen die Väter dran.

Speaker: Ganz, ganz wichtig.

Speaker: Die Rolle der Väter.

Speaker: Das ist noch meines Erachtens viel zu wenig beachtet.

Speaker: Also inzwischen gibt es ja ganz andere Väterrollen, die wir in früheren Zeiten halt so gekannt haben.

Speaker: Es ist ganz, ganz wichtig, dass man sich da als Vater präsent zeigt.

Speaker: Also nicht nur für Buben, auch für Mädchen ist das ganz, ganz wichtig.

Speaker: Denn hier wird ein Männerbild transportiert.

Speaker: Und wenn der Vater absent ist, dann holen sich die Jugendlichen die Männerbilder, Väterbilder aus dem Internet und manchmal landen sie einfach beim absolut Falschen.

Speaker: Ja, deswegen ist es wichtig, auch jetzt bei den Jugendlichen immer Interesse zu zeigen, immer dran zu bleiben.

Speaker: Also ich glaube, die Eltern sagen irgendwann einmal, der war so ruhig, der war so brav in seinem Zimmer.

Speaker: Klopfen und anschauen und sich erzählen lassen.

Speaker: Was schaust du da?

Speaker: Was ist denn das?

Speaker: Erzähl mir mal.

Speaker: Das ist ganz wichtig, dass man dranbleibt, aber den Pubertierenden und den Jugendlichen natürlich auch ausreichend Raum lässt für die Individualität.

Speaker: Aber dranbleiben, sich anhören, sich anschauen.

Speaker: Und wie gesagt, neue Väter braucht die Generation.

Speaker: Das müssen sich viele jetzt noch anhören.

Speaker: Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben.

Speaker: Danke für die Rubrik.

Speaker: Frau Babb, was war für Sie persönlich die größte Bereicherung in dieser Weiterbildung?

Speaker: Also Theorie war schon wichtig, aber ganz, ganz wichtig war, glaube ich, für mich die Supervision.

Speaker: Das habe ich ganz lange weitergeführt, also über die Ausbildung und die Weiterbildung weit hinaus.

Speaker: Supervision, Intervision, diese Auseinandersetzung mit anderen aus dem Fach, aber nicht nur aus dem eigenen Fach, sondern auch, also viele jugendliche Kinder kommen ja auch aus Institutionen zum Beispiel, also die brauchen ja ganz viel.

Speaker: Die Arbeit ist ganz, ganz fordernd und da ist ganz wichtig, dass man in kollegialem Kontakt bleibt und sich austauscht, vor allem dann, wenn man halt in der privaten Praxis arbeitet, nicht ganz alleine bleibt, sondern wirklich im Austausch bleibt und hier sich etwas holt, um besser und leichter arbeiten zu können.

Speaker: Und jetzt ganz zum Abschluss, welchen Tipp würden Sie den Ausbildungskandidatinnen geben, die überlegen, diese Spezialisierung zu machen?

Speaker: Unbedingt machen.

Speaker: Sehr schön.

Speaker: Ja, also ich glaube, es ist allgemein bekannt, dass es einen Mangel an Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten gibt.

Speaker: Das ist ganz wichtig, dass noch mehr nachrücken, denn es ist, wie gesagt, eine ganz, ganz wichtige Arbeit.

Speaker: Da fängt man sehr früh etwas ab, was schieflaufen kann.

Speaker: Und je früher man dran ist, desto besser für die Betroffenen, desto leichter auch für die Weiterentwicklung.

Speaker: Und eigentlich ist das ein Gesellschaftsthema.

Speaker: Gesellschaft soll daran interessiert sein, hier ganz früh abzufangen, ganz früh zu fördern, damit erwachsene Menschen sich leicht tun in ihrem Leben.

Speaker: Wunderbar.

Speaker: Sehr schön.

Speaker: Danke für diesen schönen Abschluss und für die Bereicherung von uns allen.

Speaker: Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit auch und für diesen lebendigen Einblick in die Säuglings-Kinder- und Jugendtherapie.

Speaker: Ich bedanke mich auch.

Speaker: Wirklich toll, wie gut Sie gefragt haben.

Speaker: Es wurde sehr viel von dem abgedeckt, was Säuglingskinder und Jugendliche Psychotherapie betrifft.

Speaker: Das war die neunte Folge von Paradox.

Speaker: Lasst uns gerne eine Bewertung da.

Speaker: Schreibt uns.

Speaker: Wir freuen uns immer über einen regen Austausch mit euch.

Speaker: Ja, und in den nächsten Folgen werden wir eine neue Reihe starten.

Speaker: TerraTalks Spezial oder Deep Dive, die Fachrichtungen.

Speaker: Bist du noch einmal überlegen, wie wir es nennen?

Speaker: Lasst euch überraschen.

Speaker: Auf bald.

Speaker: Und bleibt wie immer neugierig.

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