Transcript
Speaker: Willkommen zu einer neuen Folge von TerraTalks – Wege zur Psychotherapie.
Speaker: Wir sind wieder Nausica und Markus.
Speaker: Heute sprechen wir, provokant gesagt, über ein Zukunftsthema, das jetzt schon voll in der Gegenwart angekommen ist und uns alle ziemlich beschäftigt.
Speaker: Künstliche Intelligenz im psychotherapeutischen Kontext.
Speaker: Wie verändert KI die Ausbildung, die therapeutische Praxis und was bedeutet das für unsere professionelle Haltung und Identität?
Speaker: Ja, also ich finde das ein total spannendes Thema, was schon öfters auch in privaten Diskussionen aufgekommen ist.
Speaker: Vielleicht ist es signifikant für unser Thema, dass unser heutiger Gast kein Psychotherapeut ist, aber wir heißen ihn trotzdem herzlich willkommen, Stefan Kühne.
Speaker: Schön, dass du bei uns bist.
Speaker: Erzähl einmal, wer bist du denn?
Speaker: Ja, vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Ich freue mich sehr, dass ihr das Thema auf die Tagesordnung setzt.
Speaker: Denn wie Markus gesagt hat, das ist ja auch ein Zukunftsthema, aber eben auch ein Gegenwartsthema.
Speaker: Stefan Kühne ist mein Name, eben kein Psychotherapeut, aber ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Thema Online-Kommunikation und Digitalisierung der sozialen Arbeit.
Speaker: Das sind meine Arbeitsschwerpunkte.
Speaker: Das heißt, ich komme aus dem Bereich der Online-Beratung, also alle Beratungsformate über E-Mail, Chat, Video, Messenger, Forum und folgerichtig eben jetzt seit wenigen Jahren das heiße Thema KI, also diese künstliche Kommunikation, die wir uns jetzt da einfangen, untersuche und schaue mir an, was das in den Beziehungen macht, wenn Menschen mit Menschen kommunizieren oder eben Menschen mit Maschinen kommunizieren.
Speaker: Ja, Stefan, dein Buch Künstliche Intelligenz in der Beratung, das hast du gemeinsam mit Emily Engelhardt geschrieben, ist gerade frisch auf dem Markt.
Speaker: Wie du sagtest, KI ist erst seit nicht so langer Zeit eines deiner Hauptthemen.
Speaker: Na gut, ich denke, alles, weswegen wir auch heute darüber sprechen, hat natürlich mit der Veröffentlichung von ChatGPT zu tun.
Speaker: Und ChatGPT wird ja oftmals auch als Synonym für KI verwendet in Diskussionen, in Gesprächen darüber.
Speaker: Das heißt jetzt seit zweieinhalb Jahren, seit es einer breiten Masse von Menschen sehr einfach möglich ist,
Speaker: mit KI, durch KI zu kommunizieren.
Speaker: Jetzt erleben wir also diesen Boom von Programmen, von Anwendungen, ein Hype, also Hype, Heizversprechen und was KI nicht alles kann.
Speaker: Und ich denke, wir aus dem Beratungs- und Therapiebereich tun gut daran, genau hinzuschauen, was KI kann oder was KI eben auch gerade nicht kann.
Speaker: Ja, also du bist ja selbst, wie gesagt, kein Psychotherapeut, arbeitest aber seit über 20 Jahren mit digitalen Beratungsmethoden.
Speaker: Was unterscheidet deine Sichtweise auf psychotherapeutische Prozesse von jener klassisch ausgebildeter PsychotherapeutInnen?
Speaker: Das ist eine gute Frage.
Speaker: Ich denke, zuallererst mal bin ich keiner der 23 anerkannten Richtungen in Österreich verpflichtet.
Speaker: Das heißt, viele Kolleginnen und Freundinnen im Bereich die PsychotherapeutInnen sind.
Speaker: Aber mein Fokus, ich komme aus der Jugendarbeit, habe lange eine Jugendberatungsstelle geleitet, war immer eben die
Speaker: Art von Beziehung und die Methodik in der Beratung.
Speaker: Wie kann es zum Beispiel gelingen, über einen Text in E-Mail oder im Chat oder im Forum, über einen Text in Beratungsbeziehung zu gehen?
Speaker: Und dann war also immer der Fokus darauf, was wirkt wie im Geschriebenen?
Speaker: Ich habe ja vorhin gesagt, künstliche Intelligenz, man verwendet es ja gerne als KI oder AI.
Speaker: Es ist ja schon recht in den Sprachgebrauch übergegangen.
Speaker: Ich habe mal so, wie man es halt macht, wie du es ja schon gesagt hast, JGPT gefragt.
Speaker: Was ist KI?
Speaker: Die Antwort würde ich kurz vorlesen.
Speaker: Künstliche Intelligenz ist gleich Maschine, die in Anführungszeichen klug handeln.
Speaker: Sie imitieren bestimmte Denk- oder Verhaltensweisen des Menschen.
Speaker: Nicht, weil sie sie in Anführungszeichen verstehen, sondern weil sie komplexe Daten verarbeiten und darin Muster erkennen.
Speaker: So viel das Zitat.
Speaker: Das, was wir K.I.
Speaker: nennen oder künstliche Intelligenz, ist ja schon voll in der Alltagssprache etabliert.
Speaker: Aber was ist es eigentlich aus deiner Sicht, Stefan?
Speaker: Ja.
Speaker: Na, ich würde zunächst mal sagen, dass der Begriff leider etabliert ist, weil der Begriff an sich nicht stimmt.
Speaker: Also künstlich Intelligenz, das künstlich kann man sich gut erklären, das ist programmiert, das ist ein Programm, das wächst nicht auf Bäume, das ist eben künstlich, nicht natürlich.
Speaker: Und mit dem Begriff Intelligenz habe ich aber ein Problem.
Speaker: Ja, weil natürlich die Programme, wie es auch gerade schon im Zitat durchklang, nicht wirklich intelligent sind.
Speaker: Das heißt, Intelligenz, wenn man das verwendet als Begriff, ist aus meiner Sicht bereits eine Form der Anthropomorphisierung, also der Vermenschlichung von Technik.
Speaker: Es gibt von Elena Esposito den Vorschlag, das eher künstliche Kommunikation zu nennen.
Speaker: Das finde ich trifft es besser, aber der Begriff wird sich nicht durchsetzen, weil natürlich AI oder KI, das ist irgendwie catchy und das hat sich jetzt durchgesetzt.
Speaker: Aber im Grunde, wenn ich publiziere oder wenn ich auch gemeinsam in dem Blog, den ich mit Frank Engel betreibe,
Speaker: mutige Gedanken zu KI und Beratung, dann müssten wir im Grunde das Intelligenz immer in Anführungszeichen denken und sprechen.
Speaker: Das spricht sich nur so schlecht.
Speaker: Aber im Grunde muss man Intelligenz eben immer in Frage stellen, was KI und im Zitat von Chad Chepitie, Markus, war ja bereits drin das Wort imitieren.
Speaker: Und das ist im Grunde immer das, worauf ich auch hinweise.
Speaker: Es gibt von Alan Turing ein wichtiges Paper aus 1950, in dem man untersucht, können Maschinen denken?
Speaker: Und die erste Zwischenüberschrift in diesem Paper, die lautet The Imitation Game.
Speaker: Und das ist ganz tragfähig für heute, weil die Programme, die wir sehen, die imitieren, die simulieren, das Erstaunliche ist, jetzt seit 2025, das Erstaunliche ist, dass die das ziemlich gut machen.
Speaker: Und immer besser werden.
Speaker: Und immer besser werden.
Speaker: Vor allem sehr schnell immer besser werden.
Speaker: Jetzt bleibt mir hängen, ich habe überlegt, was wäre die Abkürzung eigentlich?
Speaker: Dann wäre es KK oder AK.
Speaker: KK.
Speaker: KK oder AK, wenn es Kommunikation wäre.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Aber wer möchte schon sagen, KK sagen.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Spannend.
Speaker: Danke.
Speaker: Was uns in unserem Podcast ja wichtig ist und auch dir, Stefan, wie wir im Vorfeld auch ein bisschen gesprochen haben, ist so die Haltung, mit der man zur KI steht.
Speaker: Also eine Haltung, die jetzt sich zwischen den Polen alles ablehnen oder kritiklos übernehmen und einfach rennen, die dort sich entspannt bewegt.
Speaker: Also so eine Art gelassene Wachheit, mit der wir beobachten, fragen und gestalten können.
Speaker: Da liegt sowas wie eine entspannte, wissende Haltung.
Speaker: Was ist dir daran wichtig und was ist dafür notwendig, um das zu haben?
Speaker: Ich teile das.
Speaker: Ich denke, dafür braucht es mehr Zugang.
Speaker: Ich kann aber freimütig bekennen, dass ich mich überhaupt gar nicht entspannt fühle bei dem Thema, weil es so ein Riesenthema ist und es so schnell verändert.
Speaker: Das heißt, ich wünsche mir für mich selbst auch einen entspannt im Sinne von distanzierteren Blick zu
Speaker: auf das Feld von eben KI oder KK.
Speaker: Ich mag aber selbst, dass mich die Entwicklungen wahnsinnig stressen, weil im Grunde, das meine ich auch mit Hype, jeden Tag neue Updates kommen, neue Versprechen kommen, was die Programme angeblich können oder nicht können und, und, und.
Speaker: Und man kann sich damit den ganzen Tag beschäftigen und hat am Abend des Tages trotzdem das Gefühl, ich hinke hinterher.
Speaker: Das heißt, für mich ist wichtig,
Speaker: Zum Beispiel, dass ihr das Thema aufgreift in eurem Podcast hier und dass sich die Professionen, Psychotherapie, Beratung, Coaching, wie sie alles sind, dann beschäftigen, weil es eben voll im Alltag angekommen ist.
Speaker: Und zwar nicht nur in unserem Alltag, sondern vor allen Dingen ja auch im Alltag unserer Klientinnen.
Speaker: Mir ist ein Satz von dir hängen geblieben aus einem anderen Podcast, den ich neulich gehört habe, wo du auch dabei warst.
Speaker: Da hast du gesagt, in deinen Lehrgängen, Seminaren, wenn es um KI geht,
Speaker: dann ist eine dir wichtig, Haltung kommt vor Prompten.
Speaker: Das hat mir gut gefallen.
Speaker: Magst du dazu was sagen?
Speaker: Ja, gerne.
Speaker: Das gehört für mich in das Oberthema, dass zum Beispiel KI in Beratung und Therapie, KI ist kein IT-Thema.
Speaker: Das heißt, KI sollte nicht an die IT-Abteilung abgeschoben werden, weil nämlich wir müssen, das meine ich mit Haltung, wir müssen verstehen,
Speaker: was sind diese Programme, wie funktionieren sie und wo kommen sie her?
Speaker: Wer hat den Daumen drauf?
Speaker: Also wer befüllt diese Programme und wer verfolgt welche Zwecke mit diesen Programmen und müssen dann gut überlegen, das ist jetzt ein bisschen die doppelte Aussage, wir müssen zum einen den Mut haben und die Lust haben, die Programme zu probieren.
Speaker: Ja, das ist
Speaker: Was passiert da, wenn ich da mit Anfragen, mit Themen hineingehe?
Speaker: Wir müssen gleichzeitig kritisch und wachsam sein, jetzt gerade mit der autoritären Wende in den USA zum Beispiel, genau schauen, wer verfolgt welche Zwecke mit diesen Programmen auch.
Speaker: Und da muss man kritisch hinschauen.
Speaker: Das heißt, die Haltung kommt vor dem Prompt, bedeutet für mich, wenn ich herausgefunden habe, was KI kann,
Speaker: heißt das noch nicht, dass ich das wollen muss, dass ich den Einsatz wollen muss in Beratung und Therapie.
Speaker: Also ich brauche eine Haltung dazu, ein Verständnis dazu, wollen wir das?
Speaker: Und ich glaube auch, dass zu dieser Haltung auch dazugehört, wie du gesagt hast, dass man auch mal ein bisschen dran ist.
Speaker: Ich finde, man muss sich ein bisschen auskennen, um...
Speaker: dann zu entscheiden, wie gehe ich damit um, will ich das oder will ich das nicht.
Speaker: Also ich bin Coach und Organisationsentwickler und wir arbeiten natürlich auch mit diesen Themen, gerade Unternehmen, die sagen, wir müssen was mit KI machen, das wird dann sofort in der IT-Abteilung abgelegt und die sind dann oftmals erstmal überfordert.
Speaker: Diese entspannte, wissende Haltung, über die wir reden, die Versuche auch als Ausbilder im Coaching-Lehrgang von Trigon zu vermitteln oder auch in meinem Seminar,
Speaker: Da experimentieren wir ein bisschen, das heißt KI-Experimentier-Workshop für Coaches, TrainerInnen und OrganisationsentwicklerInnen.
Speaker: Ich glaube nämlich, dass man sich durchaus ein bisschen auskennen muss mit KI, ein bisschen was ausprobiert haben muss, um diese eigene gelassene Haltung entwickeln zu können.
Speaker: Stefan, beobachtest du auch, dass Omnipräsenz der KI oder besser des Themas künstlicher Intelligenz sowas wie eine Rückbesinnung auf das bewirkt, was das wesentlich Menschliche ist, also als Kontrast eigentlich, was ja an sich begrüßenswert ist, diese Auseinandersetzung?
Speaker: Aus meiner Sicht denke ich, dass wir da hinkommen, aber noch nicht da sind.
Speaker: Das heißt, ich sehe zwei Dinge.
Speaker: Ich sehe natürlich die Omnipräsenz des Themas.
Speaker: Das heißt, es ist voll angekommen in Beratung, in therapeutischen Kontexten.
Speaker: Unter anderem auch deswegen, weil Klientinnen zum Beispiel rückmelden.
Speaker: Ich habe dazu schon JGPT befragt.
Speaker: Also auch durch Klientinnen kommt das Thema in unsere Welt mit hinein.
Speaker: Und das zweite, finde ich, steht dann am Ende eines Diskussionsprozesses, von dem ich den Eindruck habe, dass er bei den Trägern und Ausbildungsinstitutionen gerade beginnt.
Speaker: Nämlich, was du gerade gesagt hast, das sehe ich als große Chance, dass diese KI-Programme, KI-Systeme uns dazu eigentlich fast zwingen, uns damit zu beschäftigen, beschäftigen zu müssen, was die Rolle des Menschen in Beratung und Therapie wirklich ist.
Speaker: Also eben wie du schon auch vorher erwähnt hast, KI wird in allen Bereichen des Lebens ja eingesetzt.
Speaker: Es wird natürlich auch in Beratung und Psychotherapie eingesetzt, wie wir das schon gesagt haben.
Speaker: Was tut sich denn aktuell in der Forschung?
Speaker: Gibt es Studien zur Wirksamkeit, zur therapeutischen Allianz?
Speaker: zur Akzeptanz bei Klientinnen.
Speaker: Es gibt ja auch zum Beispiel die Studie, wie etwa die TerraBot-Studie aus den USA, das verlinken wir dann auch noch, wo klinische relevante Verbesserungen nachgewiesen wurden, wie zum Beispiel bei Depressionen, Angststörungen und Essstörungen.
Speaker: Was kannst du da dazu sagen?
Speaker: Na, sagen wir so, das eine ist, dass es auch ein gutes Zeichen, dass die Forschung in Schwung kommt.
Speaker: Ja, das heißt, wir sehen natürlich eine Zunahme von verschiedensten Studien.
Speaker: Die Therabot-Studie von Dartmouth ist, sagen wir, die eine, die für Aufmerksamkeit gesorgt hat im März.
Speaker: Grundsätzlich würde ich sagen, dass man genau hinschauen muss, was die Studien untersuchen.
Speaker: Wir sehen auch den Hype auf TikTok vor allen Dingen von InfluencerInnen, die
Speaker: mit so knackigen Messages rausgegeben, im Sinne von KI ersetzt Psychotherapie.
Speaker: Das muss man sich dann auch anschauen.
Speaker: Aber auf Studienebene würde ich mal sagen, zu dieser konkreten Studie, das ist in verschiedener Hinsicht gar nicht mal so neu.
Speaker: Ich möchte zwei Dinge benennen als Grundlage dieser genannten Studie.
Speaker: Das eine ist Josef Weizenbaum, sein Programm ELISA aus 1966.
Speaker: Das heißt, wir kennen aus der Forschung, dass Menschen bereit sind, mit einem Chatbot, einem KI-Chatbot, über ihre Probleme zu kommunizieren.
Speaker: Das kennen wir als Elisa-Effekt.
Speaker: Und das Zweite ist, das ist aber bereits 2008 zum Beispiel in der Publikation von Hans Cordy und Stephanie Bauer untersucht worden, dass man manche Prozesse in Beratung, Therapie, Nachsorge, was bei den beiden in der Publikation automatisieren kann und dass es manchmal für eine Wirkung ausreicht, wenn ein
Speaker: ein vorgefertigter Satz rückgemeldet wird an die Klienten und Klientinnen.
Speaker: In dem Beispiel aus 2008 ging es um klinische Nachsorge von Essstörungspatientinnen, die sagen dann einfach durch automatisierte SMS damals noch begleitet wurde im nachklinischen Aufenthalt und auch eine Wirksamkeit nachgewiesen wurde.
Speaker: Das heißt, auf die bezogene Studie von Merz zu sehen, ja, das ist ein KI-Chatbot,
Speaker: der mit relevanten und qualitativ hochwertigen Daten trainiert wurde, unter anderem auch Beratungsprotokolle, die verschriftlich vorlagen.
Speaker: Und dann kann natürlich ein KI-Chatbot bis zu einem gewissen Level gute Antworten geben.
Speaker: Und hier gibt es ja auch ein...
Speaker: ein wissenschaftliches Umfeld, in dem das entwickelt wird.
Speaker: Da gibt es ja Ambitionen für die Therapieforschung, dort tatsächlich weiterzukommen.
Speaker: Also ich denke, das ist eine Frage der Zeit und Zeit ist in KI-Kontexten einfach sehr relativ.
Speaker: Das könnten jetzt fünf Tage sein, sechs Monate oder anderthalb Jahre.
Speaker: Aber natürlich sehen wir im deutschsprachigen Raum ganz bald Angebote von dieser Entwicklung aus dem Bereich Beratung.
Speaker: Therapie wird sich dem anschließen.
Speaker: Wir sehen ja in Deutschland schon
Speaker: Die DIGAS, die digitalen Gesundheitsanwendungen.
Speaker: Das heißt, wir haben schon Erkenntnisse über automatisierte Kommunikationen, auch in therapeutischen Kontexten.
Speaker: Wir werden sehen, dass KI, wenn sie eben verantwortet werden kann, dabei müssen wir auch noch sprechen, im Sinne von Verantwortung und Datenschutz, dass dann KI natürlich auch in diesem digitalen Kommunikationsbereich sich annähern wird.
Speaker: Und zwar nicht von vorne oder hinten, sondern rings um uns herum.
Speaker: Könntest du vielleicht da konkret sein?
Speaker: Kannst du vielleicht KI-Anwendungen oder Programme, die bereits existieren, die angewendet werden, Beispiele geben, also konkrete Beispiele, die jetzt genutzt werden bei PsychotherapeutInnen vor allem und KlientInnen?
Speaker: Das ist ein bisschen schwierig mit dem Nachsatz, weil man immer schauen muss, wie deklarieren sich die Programme und was ist wirklich das Ziel der Programme.
Speaker: Und wie dürfen sie sich deklarieren?
Speaker: Richtig.
Speaker: Das heißt, ich würde dieses Pferd von der anderen Seite her aufzäumen.
Speaker: Es gibt den Robot aus den USA zum Beispiel.
Speaker: Es gibt Programme, die schon länger auch beforscht sind, die eben in beraterischen, therapeutischen Kontexten Einsatz finden.
Speaker: Von der anderen Seite meine ich, wir müssen mit den Klientinnen sprechen.
Speaker: Wir müssen die Klientinnen-Realität wahrnehmen, dass die Klientinnen KI-Programme nutzen, gestern, heute, morgen, vor der Therapiesitzung, nach der Therapiesitzung, vielleicht manchmal in der Therapiesitzung, gemeinsam mit den TherapeutInnen, die Fälle gibt es auch schon, und müssen dahin schauen.
Speaker: Denn, was meine ich damit?
Speaker: Wir haben das in einem Paper vor zwei Jahren mal gesagt, wenn die
Speaker: Ratsuchende diese Kommunikation als Beratung oder Therapie wahrnehmen, dann ist das für die Ratsuchenden Beratung und Therapie.
Speaker: Ungeachtet wissen, was wir als Fachpersonen dazu sagen.
Speaker: Das heißt, ich finde, wir müssen im ersten Schritt schauen, was passiert bereits aus Klientinnen-Seite.
Speaker: Was nutzen die?
Speaker: Und müssen dann schauen, gibt es für unsere Zwecke datensichere Programme, die im Einsatz sind?
Speaker: Ich kann es sagen, für den Fall der Beratung.
Speaker: Es gibt in Deutschland gerade in diesem Jahr Entwicklungsprogramme, die versuchen jetzt für den Bereich der Beratung, als Beispiel Sucht-GPT von Delphi,
Speaker: Die versuchen, einen KI-basierten Chatbot zu allen Suchtthemen zu entwickeln.
Speaker: Der datensicher, der ist GVO-konform.
Speaker: Und da wird spannend sein, wenn er entwickelt ist und im Einsatz ist, ob man das zum Beispiel Beratung nennen kann.
Speaker: Oder ob das nicht nur in Anführungszeichen gute Informationsweitergabe ist.
Speaker: Aber nochmal, wenn die Ratsuchenden das als Beratung wahrnehmen, dann wird es für die Ratsuchenden Beratung sein.
Speaker: Und diesen Gedanken kann man fortsetzen,
Speaker: auf therapeutische Prozesse.
Speaker: Sprich, wenn jetzt aktuell, es gibt eine Studie aus den USA, auch vom März, wo jemand untersucht hat, so User Cases sich angeschaut hat, was sind die meisten User Cases, wie nutzen weltweit Menschen KI?
Speaker: Und da war auf Nummer 1 Companionship und Therapy.
Speaker: Wirklich?
Speaker: Das heißt ja überhaupt gar nicht, dass es das wirklich ist, also dass es wirklich Companionship ist oder dass es wirklich Therapy ist.
Speaker: Aber Fakt ist, die Ratsuchenden nutzen das als solches und verstehen es auch als solches.
Speaker: Ich kann mir vorstellen, dass im Hintergrund schon ziemlich intensiv an Beratungs- oder therapeutischen Apps und Programmen gearbeitet wird, und zwar in der kommerziellen Nutzung.
Speaker: Ich glaube, da ist sehr viel Geld drin, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Nummer eins ist in der Nutzung.
Speaker: Ich glaube, da wird sehr intensiv schon getan und gemacht.
Speaker: Du hast auch erwähnt, die medizinischen oder die krankenkassenorientierten Anwendungen,
Speaker: Da gibt es ja im Grunde einen ziemlichen Unterschied, vielleicht nicht in der Nutzung, aber vielleicht in der Haltung von den kommerziellen und den krankengassengestützten Anwendungen.
Speaker: Ja, also ganz klar, das ist das alte Thema, das wir leider kennen aus der digitalen sozialen Arbeit.
Speaker: Als Beispiel, wenn ich 100 Prozent Datenschutz einhalten möchte oder muss, ist die Schwelle zur Nutzung des Programms automatisch ziemlich hoch.
Speaker: Das heißt, die genannten Programme, die DIGAS, die digitalen Gesundheitsanwendungen, sind erforscht.
Speaker: Die Schwelle ist sehr hoch, bis man das wird.
Speaker: Ich glaube, es gibt im Augenblick knapp 50 in Deutschland.
Speaker: Und der Hintergrund ist ja, die werden dann vom Hausarzt,
Speaker: an die Patientinnen verschrieben, bei psychischen Störungen zum Beispiel, und die Krankenkasse zahlt das.
Speaker: Die Akzeptanz ist noch nicht so richtig hoch, dass also Patientinnen das dann auch nutzen als App auf dem Smartphone zum Beispiel.
Speaker: Das ist der wissenschaftlich gesicherte Bereich, der eben manchmal auch eine Schwelle hat, weil er einfach Datenschutz einhalten muss, aber wenn ich dann sozusagen in den App-Stores, wie sie alle heißen, eine Recherche mache nach
Speaker: Gesundheits-Apps, nach Mental-Health-Apps, Unterstützung bei Depressionen, bei Schlafstörungen, bei Essstörung und, und, und finde ich ja hunderte Programme, die nicht wissenschaftlich fundiert sind, begleitet sind, die eben aber hier einen Marketingaspekt haben und sagen, lade mich runter, ich bin hip, ich bin cool, nur
Speaker: Also ich bin grundsätzlich immer optimistisch auch mit Anwendung von KI, aber da bin ich schon sehr skeptisch und vorsichtig.
Speaker: Ich denke da immer nur an diesen Vergleich mit, die Tabakindustrie hat ewig erzählt, es ist natürlich nicht süchtig machend, hat aber ganz bewusst süchtig machende Substanzen eingesetzt, damit mehr gekauft wird.
Speaker: Wenn man sich anschaut, die Entwicklung der letzten 20 Jahre von Social Media,
Speaker: Mit dem Smartphone natürlich umso mehr.
Speaker: Da wird sehr viel Augenmerk gelegt auf, wie schaffe ich es denn, User möglichst lang dabei zu halten, mit egal was.
Speaker: Und kommerzielle Nutzungen, die du gerade erwähnt hast, die haben natürlich auch diesen Aspekt.
Speaker: Also das muss man schon sehr kritisch sehen.
Speaker: Und dann auf euer Thema herbezogen, Psychotherapie und Ausbildung in Psychotherapie.
Speaker: Ich glaube, dass wir nicht die Debatte führen müssen im Sinne von ersetzt uns das.
Speaker: Ich glaube, das ist ein bisschen eine falsche Debatte.
Speaker: Wir müssen aber sehr genau hinschauen, können wir den potenziellen Klientinnen und Ratsuchenden noch erklären, was der Mehrwert unserer Arbeit ist.
Speaker: Also wenn die das eben als Beratung der Therapie verstehen, dann sehen die vielleicht nicht mehr die Notwendigkeit, sich jemanden zu suchen oder auf die Suche zu gehen, im Sinne von Psychotherapie, wo mache ich das denn, bei wem mache ich das, zahlt das die Kassel oder nicht, weil vielleicht fühlen die sich schon durch KI angesprochen oder aufgehoben, was ja im Idealfall nicht nur schlecht sein muss, aber natürlich wissen wir, dass dann die Beziehungsaufbahn Psychotherapie nochmal was anderes ist, wie ein Ping-Pong-Schreiben mit einer KI.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Also auch lernen wir als PsychotherapeutInnen, lernen mit dem zu arbeiten.
Speaker: Das finde ich eine wichtige Voraussetzung.
Speaker: Ich finde ja, das war bei den sogenannten digitalen Medien schon so, eben auch mit Beginn der 2000er Jahre.
Speaker: Ich finde, alle Fachpersonen im Bereich Psychotherapie, soziale Arbeit, Beratung und Coaching müssen sich mit digitalen Lebenswelten befassen.
Speaker: Einfach aus dem Grund, weil das Themen sind, die KlientInnen mitbringen.
Speaker: Vielleicht noch etwas Interessantes für die ZuhörerInnen.
Speaker: Hast du Beispiele für kommerzielle, nicht kommerzielle Anwendungen, die du vorher angesprochen hast?
Speaker: Die würde ich hier nicht nennen wollen, weil es auch immer nur eine Momentaufnahme sein kann.
Speaker: Also die Angebote entwickeln sich fortlaufend weiter.
Speaker: Ich vertraue darauf, Markus, da bin ich bei dir grundsätzlich optimistisch in dem Versuch meiner Haltung dazu, dass eben die Forschung an Fahrt aufnimmt.
Speaker: Und letztlich werden wir sehen, in wenigen Jahren mit Rückblick auf die jetzigen Jahre,
Speaker: wo es Entwicklungen gibt im Bereich der KI, wo Wirksamkeit nachgewiesen werden kann und Wirksamkeit unter Umständen in Prozessen, wo kein Mensch in der Kommunikation mehr beteiligt war.
Speaker: Die Fälle wird es geben.
Speaker: Und wenn die gut untersucht sind und wirksam sind, dann werden wir lernen müssen, das anzunehmen, dass hier eine andere Kommunikation auch wirksam sein kann, was überhaupt nicht heißt, dass unsere menschliche Kommunikation schlecht wäre.
Speaker: Was würdest du sagen, kann KI noch nicht, was Menschen als Therapeutinnen leisten können?
Speaker: Oder umgekehrt, wo könnte KI sogar überlegen sein?
Speaker: Das ist die heiße Frage derzeit.
Speaker: Ich finde, man muss wahrnehmen, dass KI, es bleibt dabei, KI simuliert, KI imitiert.
Speaker: Und in Studien, die man sieht, auch aus den letzten Jahren, aus den letzten beiden Jahren, sieht man zum Beispiel, dass Gesundheits-KI-Programme
Speaker: Empathie sehr gut simulieren können.
Speaker: Also das wäre ein Punkt, den wir originär uns Menschen zuschreiben.
Speaker: Empathisch sein lernt man auch und diese ganzen Geschichten.
Speaker: Aber wir sehen auch, offensichtlich ist das ein Aspekt, der gut simuliert werden kann.
Speaker: Das heißt, ich würde immer die Grenze machen zwischen dem, was kann KI und würde in meinem Kopf mitdenken, was kann KI
Speaker: simulieren.
Speaker: Was kann KI imitieren?
Speaker: Oder eben, was kann KI jetzt noch nicht simulieren oder jetzt noch nicht imitieren?
Speaker: Denn es bleibt dabei, die KI versteht ja inhaltlich nicht, was sie tut.
Speaker: Und dabei wird es auch meiner Ansicht nach bleiben.
Speaker: Das heißt, Begriffe wie Empathie, Intuition, das wäre ein Aspekt, den finde ich spannend.
Speaker: Ja, Intuition.
Speaker: Kann man Intuition simulieren?
Speaker: Habe ich ein großes Fragezeichen.
Speaker: Erfahrungswissen.
Speaker: Euer Erfahrungswissen durch Ausbildung, durch psychotherapeutische Praxis, die ihr habt, mit jedem Gespräch, das ihr führt, dieses Erfahrungswissen, großes Fragezeichen.
Speaker: Ich denke nicht, dass KI das simulieren kann.
Speaker: Es sei denn, euer therapeutisches Handeln wäre digital aufgenommen, verschriftet und ihr würdet es einspeisen.
Speaker: Aber letztlich sind das so Dinge, an denen ich mich orientiere.
Speaker: Empathie kann ein Stück weit simuliert werden, aber Intuition, Erfahrungswissen, Kontext.
Speaker: durch Fragen, konfrontativ sein in der Beratung, dass wir ein Stück weit programmieren können, aber
Speaker: Je länger ihr in der Praxis seid, umso mehr Gefühl habt ihr ja als Intuition, was braucht es jetzt in der Beratung, in der Therapie.
Speaker: Und das ist etwas, das man, glaube ich, nicht gut simulieren wird können.
Speaker: Mir fallen schon ein paar Sachen ein.
Speaker: Was KI leisten kann, ist recht banal.
Speaker: Es ist einen sehr niederschwelligen Zugang.
Speaker: Wenn man bedenkt, wie lange muss man warten auf einen Therapieplatz?
Speaker: Wie wenig sind Kassen finanziert?
Speaker: Für wen ist es verfügbar?
Speaker: Es gibt Sprachbarrieren, darf man alles nicht unterschätzen.
Speaker: Und dann fällt mir noch ein, was KI kann, ist unerschöpfliche Verfügbarkeit und unermüdlich.
Speaker: Es gibt hier immer so eine Studie, wo Empathie, das Empathievermögen getestet wurde.
Speaker: Ich glaube, die hast du auch angesprochen gerade.
Speaker: Da schneidet die KI sehr, sehr gut ab und teilweise besser als Therapeutinnen.
Speaker: was auch immer das jetzt genau getestet haben.
Speaker: Aber ein Argument dafür war, dass ein Therapeut, eine Therapeutin im Verlauf einer Stunde eines Gesprächs nicht immer hundertprozentig auf dem Stand ist, was die KI leisten kann.
Speaker: Man wird nicht abgelenkt, man wird nicht müde.
Speaker: Kann man diskutieren.
Speaker: Ich glaube, dass die dauernde Verfügbarkeit auch eine große Gefahr ist.
Speaker: Es hat sich natürlich etabliert über die Jahrzehnte, Jahrhunderte fast, dass Therapie-Sessions,
Speaker: eine Taktung haben, einen Rhythmus, da gehe ich dann hin, da habe ich einen Weg dahin oder ich treffe mich online.
Speaker: Aber das ist immer diese eine besondere Stunde, da habe ich einen anderen Fokus drauf.
Speaker: Eine dauernde Verfügbarkeit, die kann auch was anderes bewirken.
Speaker: Aber das ist zum Beispiel etwas, wo ich denke, okay, das kann die KI, je nachdem wie man es programmiert, auf jeden Fall leisten, allein schon technisch bedingt.
Speaker: Also willkommen im Kapitalismus, würde ich sagen.
Speaker: Das ist ja dann als Produkt, jetzt sofort und gleich mit dem Telefon.
Speaker: Und wie ist das auch eine Logik, die auch Geldgebende stellen, auch Krankenkassen ja auch sich anschauen?
Speaker: Kann man durch KI ständig Verfügbarkeit, 24-7 und einer KI wäre es ja theoretisch egal, ob sie mit einem Klienten schreibt oder mit fünf Klientinnen oder mit 100.
Speaker: KI-Beratungen sind ja, wir haben auch im Vorfeld darüber gesprochen, sind ja meistens textbasiert.
Speaker: Die ganzen KI-Modelle sind textbasiert.
Speaker: Das heißt, zurzeit erlebe ich mein Gegenüber als KI im Beratungskontext, therapeutischen Kontext vielleicht, am Bildschirm oder zum Hören aus dem Computer raus.
Speaker: Das ist ja eigentlich recht flach.
Speaker: Darum, was könnte da noch kommen?
Speaker: Also ich rede von sinnlichen Erfahrungen wie Riechen, Tasten.
Speaker: Der technische Aufwand wird dann schon sehr, sehr viel höher und die Menschen sind sehr gewohnt, auf dem Bildschirm zu schauen und akustisch inzwischen auch neu, dass man es hört.
Speaker: Aber ich finde es ja immer noch recht eindimensional oder zweidimensional.
Speaker: Da würde ich ja sagen, dass das grundsätzlich nichts Schlechtes sein muss.
Speaker: Das heißt, wir kennen ja aus der Forschung zur Online-Beratung, die eben zu 80 Prozent schriftbasiert stattfindet, den Hinweis, dass Kanalreduktion der Kommunikationskanäle gar nichts Schlechtes sein muss, weil es mir eine Problemfokussierung erlaubt und auch mich gleichzeitig distanzieren lässt zum Text.
Speaker: Das und was kommen wird, das sind wir, glaube ich, gerade an einem technischen Übergang, ist natürlich das
Speaker: In der Multimodalität der Programme, sprich Programme wie ChatGPT können ja sprechen, also Sprachausgabe machen.
Speaker: Das heißt, die Akustik geht bereits.
Speaker: Der nächste Schritt wird sein, dass die Optik hinzukommt im Sinne von Avataren.
Speaker: Ich bin immer noch am Screen natürlich, aber im Grunde, dass eben dann, sagen ich mir unter Umständen, das wäre jetzt schon ein Blick in die mystische Glaskugel der Zukunft der KI, ich unter Umständen mir meine Therapeutin, meinen Therapeuten so basteln kann, wie ich das gerne hätte.
Speaker: Ja, Jung, Alt, Mann, Frau, divers.
Speaker: deutschsprachig oder im österreichischen oder zu Hause.
Speaker: Das sind alles Dinge, die technisch gesehen ja möglich sind schon, die aber halt eine große, große Rechenkapazität brauchen.
Speaker: Und deswegen sind die in der Fläche nicht angekommen.
Speaker: Aber grundsätzlich glaube ich, dass wir die avatarbasierte Beratung sehen werden.
Speaker: Da würde ich gerne eine rechtliche Frage anschließen.
Speaker: Und zwar Psychotherapie ist ja ein reglementierter Beruf.
Speaker: Darf ein Chatbot überhaupt therapieren?
Speaker: Also auch mit Avatar und so weiter.
Speaker: Also was ist da die rechtliche Lage aktuell?
Speaker: Na, er darf es natürlich nicht.
Speaker: Darf es natürlich nicht.
Speaker: Und wir haben ja in Österreich die Besonderheit, soweit ich informiert bin, dass ja die Internetrichtlinie für Psychotherapeutinnen immer noch gilt oder gerade in Änderung ist, die 2005 erlassen wurde.
Speaker: Das heißt, die sehr stark einschränkt, was Psychotherapeutinnen überhaupt online und digital tun dürfen.
Speaker: Da gibt es ja ganz...
Speaker: eine ganz starke Behäbigkeit, die digitalen Medien zu verweigern, aus rechtlicher Sicht.
Speaker: Und auf der anderen Seite reden wir ja über einen globalen Markt, der eben sich nicht an österreichische, reglementierte, berufsrechtliche Voraussetzungen hält.
Speaker: Und dann ist die Frage, wo habe ich denn die Jurisdiktion dazu, wenn der Anbieter
Speaker: keine Ahnung, irgendwo sitzt.
Speaker: Oder was mache ich denn, wenn Therabot, die angesprochene Studie, da ist das Wort Therapie mit im Namen, was dazu führt, dass Leute das natürlich damit in Verbindung bringen.
Speaker: Ist ja bewusst, ist ja gewollt, ist ja Marketing.
Speaker: Aber das meine ich halt.
Speaker: Werden wir noch ausreichend gut erklären können, was Psychotherapie ist, wenn der Begriff im Marketing weltweit gekapert wird, auch aus Ländern, wo es eben nicht so reglementiert ist, wo aber Klienten Zugriff drauf haben werden?
Speaker: Wir reden desto mehr, denke ich, dass am Anfang gesagt ist, total richtig.
Speaker: Also man muss einfach, man muss sie auskennen, man muss daran bleiben, sonst passiert es, dass man sich zurückzieht oder weiß ich nicht.
Speaker: Die Geschwindigkeit, Wahnsinn, das geht so schnell alles.
Speaker: Und auch da, ich empfehle nochmal das Paper von Alan Turing aus 1950, weil der auch ein paar Einwände beschreibt gegen diese Entwicklung.
Speaker: Und der hat so einen Kopf in den Sand Einwand beschrieben in seinem Paper, ja.
Speaker: Im Sinne von, ich überspitze jetzt bewusst, man könnte auch sagen, was Psychotherapeutinnen können, können Psychotherapeutinnen.
Speaker: Kopf in den Sand und geht schon.
Speaker: Das wird nicht tragfähig sein.
Speaker: Aber das hört man schon so.
Speaker: Das ist nicht ganz fremd.
Speaker: Also auf jeden Fall weiterhin damit befassen und schauen, wie wir uns gut erklären können, unseren Beruf.
Speaker: Was würdest du sagen, sind so dringende ethische Fragen, die beim Einsatz von KI in Beratung und Psychotherapie beachtet werden müssen?
Speaker: Also wie zum Beispiel Schweigepflicht, Datenschutz, wie du schon gesagt hast, emotionale Beziehung oder Pseudo-Beziehungen und so weiter.
Speaker: Was sind so Sachen, die wir uns jetzt mitnehmen können?
Speaker: Ja, also das ist auch eine spannende Frage, die de facto vermutlich nochmal einen zweiten Podcast füllen könnte auch.
Speaker: Das heißt, wir müssen natürlich schauen, dass die ganzen Fragen relativ ungeklärt sind.
Speaker: Das beginnt mit den rechtlichen Fragen im Sinne von Copyright, Verantwortung, Haftung.
Speaker: Wo wandeln die Daten eigentlich hin?
Speaker: Dann sind wir schon bei der ethischen Frage, Anschluss daran.
Speaker: Im Sinne von Bias, Verzerrungen.
Speaker: Wer gibt uns denn Auskunft über die Trainingsdaten, die diesen KI-Programmen zugrunde liegen?
Speaker: Niemand.
Speaker: Und es sind so große Datenmengen, dass wir es auch gar nicht überblicken können.
Speaker: Das heißt, natürlich hoffen wir darauf, dass ein KI-System eine gute Antwort gibt.
Speaker: Aber woher wissen wir das eigentlich?
Speaker: Und wie kommt die Antwort zustande?
Speaker: Diese technologischen Entwicklungen, was bedeuten die denn für die Psychotherapieausbildung?
Speaker: Das ist ja immer noch das Thema unseres Podcasts, auch wenn wir jetzt sehr allgemein reden, was notwendig ist, denke ich.
Speaker: Braucht es künftig Ausbildungsmodule zur KI-Kompetenz, wir haben es eh schon ein bisschen angedeutet, in der psychotherapeutischen Lehre?
Speaker: Also aus meiner Sicht ja.
Speaker: Es gibt ja einzelne Träger und Ausbildungsinstitute, die das bereits anbieten, auch als Seminare.
Speaker: Und ich würde eigentlich sagen, das ist parallel zu der Entwicklung der Digitalisierung der gesamten Lebenswelt.
Speaker: Zum Beispiel da Klientinnen das bereits nutzen.
Speaker: Allein deswegen schon muss ich wissen, was es ist.
Speaker: Die Themen kommen in Beratung und Therapie, weil Leute das nutzen und dort zum Beispiel sie unglücklich in ihren Avatar verliebt sind oder glücklich, dann sollte ich wissen, was ein Avatar ist, was passiert auf dieser Beziehungsebene.
Speaker: Das eine.
Speaker: Und das zweite ist, das ist ein bisschen schon der Bogen zum Beginn unseres Gesprächs ja auch, ich finde, dass uns die KI-Entwicklung ermöglicht und beauftragt, für uns neu herauszufinden, was wir können als Menschen in Beratung und Therapie.
Speaker: Eben nicht als Konkurrenz im Sinne von ersetzt uns das oder nicht.
Speaker: Ich glaube, das beschärft nochmal, was unser Können, was das Können für Psychotherapeutinnen ist, von Beraterinnen und Coaches ist.
Speaker: Das ist, glaube ich, die große Chance, die wir haben.
Speaker: Aber anerkennen müssen wir, dass KI eben manche Dinge kann, die wir auch können.
Speaker: Also sprich, zusammengefasst, ich finde, es braucht diese Ausbildungseinheiten aus den genannten Gründen.
Speaker: Ja, also man könnte zum Beispiel auch einfach simulieren, Rollenspiele mit digitalen Avatar simulieren in einem Seminar oder Simulationsgeschütze, Supervision zum Beispiel anwenden.
Speaker: Aber wo könnte dann auch die KI in der Ausbildung konkret noch unterstützen?
Speaker: Die KI kann unterstützen immer dann, wo das Digitale an sich auch schon unterstützt hat.
Speaker: Also im Sinne von Learning Body, trainieren bei allen Themen, die Mustererkennung voraussetzen, also in Diagnostik auch mal zu testen damit.
Speaker: Also gar nicht sagen, ICD-10.
Speaker: Kann ich da, also wie ist das, wenn ich Symptome beschreibe, kann eine KI, ist das hilfreich, unterstützend?
Speaker: Auch da gibt es ja erste Versuche dazu, das zu tun.
Speaker: Also immer zu gucken, wo kann es mir große Datenmengen und große Themen unterstützend aufbereiten, zum Beispiel.
Speaker: Auf der anderen Seite, das machen ja Kollegen, Kolleginnen schon, die in der Ausbildung tätig sind und die digital affin sind, die machen bereits Rollenspiele mit der
Speaker: Voice-Funktionen von ChatGPT, die sogar bis zu einem gewissen Anteil wienerisch simulieren kann.
Speaker: In meinen deutschen Ohren ein bisschen so klingt wie wienerisch, ist es natürlich nicht.
Speaker: Aber im Grunde kann ich ja durch diesen Tools bereits Rollenspiele machen.
Speaker: Und ich könnte dann auch überlegen, jetzt mit dem Fokus auch auf Online-Prozesse, also Online-Beratung, kann mich KI supervisorisch unterstützen?
Speaker: Da gibt es das erste Beispiel, wo ich den Fall beschreibe, natürlich immer ohne personenbezogene Daten, logisch, Datenschutz, wo man einen Fall beschreiben kann und dann mir einfach mal das Feedback abhole, wie sieht eine KI diesen Fall und welche Hinweise gibt mir die KI vielleicht noch.
Speaker: Natürlich niemals eins zu eins übernehmen, logisch, immer kritisch draufschauen, aber es hat im Grunde, und das wäre für mich so ein bisschen eine Summe eigentlich dessen, überall da, wo kommunikative Prozesse
Speaker: in therapeutischen Prozessen drin sind, kann eine KI natürlich eine Rolle spielen.
Speaker: Ergänzend fällt mir ein, was ich bei meiner Arbeit auch teilweise einsetze, wenn man so Trainingsmodule hat, so Führungskräftetraining zum Beispiel, dass man den Firmen so selbst ziemlich einfach selbstprogrammierte Chatbots anbieten kann für zwischendurch.
Speaker: Also wenn dann in den Peergroups noch weitergearbeitet wird,
Speaker: Das ist relativ simpel einrichtbar, gibt es schon länger.
Speaker: Das ist eine der einfachen Anwendungen, wie auch sehr niederschwellig selber herzustellen ist.
Speaker: Ja, und im Grunde wäre jetzt der Zeitpunkt, wo man dann eben eine KI mit einladen müsste in den Podcast.
Speaker: Da müsste man sagen, hallo KI, was sagst du uns denn eigentlich, also jetzt du in Anführungszeichen, was sagst du uns denn eigentlich, wo dein Platz sein wird in der Psychotherapieausbildung oder in psychotherapeutischen Prozessen?
Speaker: Stefan, das machen wir.
Speaker: Das machen wir irgendwann in einem halben Jahr oder wann.
Speaker: Und dann machen wir es so, dass wir gar nicht wissen, ob du es wirklich bist oder dein Avatar.
Speaker: Ja, und für die Hörerinnen und Hörer des Podcasts jetzt, woher wissen die eigentlich, dass wir gerade keine Avatare sind und dass wir miteinander von Mensch zu Mensch sprechen?
Speaker: Woran erkenne ich das denn?
Speaker: Durch meine grammatikalischen Fehler.
Speaker: Die kann man simulieren, aber die sind schwer zu simulieren, Nausica, das stimmt.
Speaker: Wow.
Speaker: Psychotherapie in Zeitgeister und Popkultur.
Speaker: Ich habe heute einen O-Ton mitgebracht.
Speaker: Und zwar aus einem 60 Jahre alten Film, den würde ich jetzt mal kurz einspielen.
Speaker: Ich glaube, dass Sie das nicht tun können.
Speaker: Was ist das Problem?
Speaker: Ich glaube, Sie wissen, was das Problem ist, so gut wie ich.
Speaker: Dieser wunderbare Dialog ist aus dem Film 2001, A Space Odyssey, von Stanley Kubrick und tatsächlich knapp 60 Jahre alt, kaum zu glauben.
Speaker: Wir haben gehört, die eine Stimme war Hel 9000, das ist das frühe KI-Wesen,
Speaker: Stefan, was sagt die Inszenierung, die wir da gehört haben und der ganze Film, wie da KI angewendet wird, über unsere Ängste und Hoffnungen im Umgang mit KI aus?
Speaker: Das ist ja sehr zeitgeistig, finde ich.
Speaker: Ich finde, das ist sehr zeitgeistig, zumal wer den Film gesehen hat oder auf YouTube gibt es auch Ausstatt davon zu sehen und dieses rote Auge auch nochmal eine Erinnerung hat, das der den Computer repräsentiert.
Speaker: Und das ist eben vor 60 Jahren eine spannende Inszenierung, genau mit Utopie und Dystopie.
Speaker: Was wäre denn, wenn ein Computer, in dem Fall ist es so, eine Art von Bewusstsein hat oder vorgibt, eins zu haben?
Speaker: und dann eigenmächtige Entscheidungen trifft, wie zum Beispiel die Luke nicht zu öffnen, weil er, in Anführungszeichen, der Computer die Befürchtung hat, dass der Mensch ihn dann abschalten wird und der Computer das Eigeninteresse hat, zu überleben und entsprechend Maßnahmen setzt.
Speaker: Es wäre so eine Urfurcht der Technikentwicklung, dass die Technik sich eines Tages gegen uns richtet.
Speaker: Das ist eine tiefsitzende, auch irgendwie nachvollziehbare Angst, aber ich bin
Speaker: Ich nehme es recht oft wahr, wenn man über KI-Leute diskutieren hört, dass das immer mitschwingt.
Speaker: Man versteht es nicht, man ist so, was könnte noch alles kommen, dieses recht dystopische, was ist denn heute anders als damals, 60 Jahre?
Speaker: Was heute anders ist, damals der Film und der Film, wie ihn Leute gesehen haben, war allen klar, das spielt in einer fernen Zukunft.
Speaker: Willkommen in der fernen Zukunft.
Speaker: Da bin ich eben heute nicht mehr so sicher, ob wir verstehen, in welcher Art von digitaler Welt wir gerade leben, mit diesen ganzen KI-Geschichten um uns herum.
Speaker: Ja, wahrscheinlich verstehen wir es nicht.
Speaker: Also ich habe das Gefühl, das ist nicht greifbar.
Speaker: Es ist da, aber nicht greifbar.
Speaker: Was würdest du sagen oder was wünschst du dir von zukünftigen TherapeutInnen im Umgang mit der KI, die schon da ist?
Speaker: Markus, du hast es vorhin angedeutet, eine Form von entspanntem Interesse, aber nicht missverstanden als wir legen uns zurück Entspannung auf dem Sofa und schauen, was passiert, sondern einfach kritisch hinschauen, selbst probieren, was passiert dort, welche Art von Kommunikation passieren dort, welche Art von Beziehungen entstehen dort und das gerne auch im Eigenversuch.
Speaker: Stefan, vielen, vielen Dank für deine Einblicke aus der Nicht-Therapeuten-Brille.
Speaker: Sehr wertvoll.
Speaker: Danke auch für deine Zeit und auch für dein Angebot in einem halben und einem Jahr, das mit neuer Perspektive zu wiederholen oder ergänzen.
Speaker: Ja, vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Ich finde es toll, dass ihr das Thema auf die Tagesordnung setzt.
Speaker: Ihr wisst, das muss uns beschäftigen und wird auch nicht mehr weggehen.
Speaker: Und vielleicht in einem halben Jahr
Speaker: schicken wir dann drei unsere Avatare, die machen sich im Vorfeld einen Termin aus und nehmen den Podcast auf und wir machen dann nur hinterher die Freigabe und sagen, ja, kann man es auch rausschicken.
Speaker: Ja, ich finde es auch sehr schön, dass wir eben dieses Thema ansprechen zu früh, also weil das Thema ist ja Psychotherapie in der Ausbildung, also die, die interessiert sind an der Ausbildung und dass man das jetzt schon anspricht, also wirklich so von Anfang an.
Speaker: Beschäftigt euch damit.
Speaker: Danke dir.
Speaker: Danke sehr.
Speaker: Nausica, auf bald.
Speaker: Ja, Markus, auf bald und bleib wie immer neugierig.






