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Mauke – Equine Pastern Dermatitis: Pathogenese, Diagnostik und Therapie einschließlich leukozytoklastischer Vaskulitis und chronisch progressivem Lymphödem image

Mauke – Equine Pastern Dermatitis: Pathogenese, Diagnostik und Therapie einschließlich leukozytoklastischer Vaskulitis und chronisch progressivem Lymphödem

S1 E10 · Equine Vet News
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211 Plays17 days ago

In dieser Podcastfolge sprechen Dr. Anja Gabe und Dr. Barbara Pfundt ausführlich über die Equine Pastern Dermatitis (EPD), umgangssprachlich „Mauke“, und deren unterschiedliche klinische Erscheinungsformen und Therapiemöglichkeiten. Diskutiert werden Prädispositionsfaktoren wie unpigmentierte Haut, starker Behang, Haltungsbedingungen, Feuchtigkeit und UV-Strahlung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, welche Rolle Veränderungen des Hautmikrobioms, Chorioptes-Milben und sekundäre Infektionen bei der Pathogenese spielen. Zusätzlich werden diagnostische Verfahren wie Hautgeschabsel, PCR-Untersuchungen, bakteriologische Probenentnahme und Hautbiopsien besprochen.

Thema der Folge sind außerdem unterschiedliche Therapieverfahren einschließlich Optimierung der Haltungsbedingungen, schonende Krustenentfernung, lokale antimikrobielle und entzündungshemmende Therapie sowie Maßnahmen zur Stabilisierung der Hautbarriere.

Anhand aktueller Studien werden die beiden Sonderformen der Equine Pastern Dermatitis – die leukozytoklastische Vaskulitis sowie das chronisch progressive Lymphödem (CPL) des Kaltbluts – ausführlich diskutiert: Crusting pastern dermatitis in a 15-year-old warmblood gelding – McKeever et al. (2025), Journal of the American Veterinary Medical Association (JAVMA); High prevalence of Chorioptes bovis: an important factor in chronic progressive lymphedema in Belgian draft horses – Brys et al. (2025), Veterinary Research Communications; Alleviating lesions of chronic progressive lymphedema in Belgian draft horses by successfully treating Chorioptes bovis infestation with moxidectin 0.5% pour-on– Brys et al. (2023), Veterinary Parasitology ; Pharmacokinetics and preliminary safety of single-dose oral fluralaner at 10 and 25 mg/kg in healthy horses revealed no adverse reactions – Morgan et al. (2025), American Journal of Veterinary Research

Im Rahmen dieser Krankheitskomplexe werden immunsuppressive Behandlungsmöglichkeiten bei vaskulitischen Verlaufsformen sowie aktuelle Therapieansätze des chronisch progressiven Lymphödems einschließlich Kompressionstherapie, manueller Lymphdrainage und antiparasitärer Behandlung gegen Chorioptes-Milben besprochen.

Lösen der Krusten

· Shampoos mit Chlorhexidin 2 % oder Octenidin

· Hydrosorb Gel

· Salben-Wasserverband mit Neuroderm Pflegecreme-Lipo, Neuroderm Pflegecreme ohne Lipo oder CeraVe Feuchtigkeitscreme

Topische Therapie

· antibakteriell: Silber-Sulfadiazin

· pflegend: CeraVe Feuchtigkeitscreme

· pflegend: Dermoscent Essential 6

· entzündungshemmend: Mometasonfuroat

Immunsuppressive Therapiemöglichkeiten bei leukozytoklastischer Vaskulitis

Prednisolon

o 1,5–2,5 mg/kg PO q24h für 7–14 Tage

o anschließend Ausschleichen über 4–6 Wochen auf 0,5–1 mg/kg PO q 48h

Dexamethason

· o 0,02–0,1 mg/kg PO q24h für 7–14 Tage

o anschließend Ausschleichen über 4–6 Wochen auf 0,01–0,02 mg/kg PO q48h

Azathioprin: 

· Initialdosis: o 2–3 mg/kg PO

o später q48h; o langfristig 0,5 mg/kg PO q 24h ausreichend

Pentoxifyllin

· systemisch 8–15 mg/kg oral q12h

Methotrexat

· 0,2 mg/kg s.c. einmal wöchentlich

Milbenbefall

Moxidectin (Cydectin Pour-on): · 1,5 mg/kg Körpergewicht topisch

· 0,5%iges Cydectin Pour-on

· zweimalige Anwendung im Abstand von 7 Tagen

https://equine-vetnews.de/

Quellen unter www.pferdepraxishofheim.com

Fragen und Anmerkungen unter anjagabe@pferdepraxishofheim.com


Transcript

Einführung und Ziele des Podcasts

00:00:04
Speaker
Ich glaube, jeder von uns hat schon sehr frustrierende Erfahrungen mit dem Thema Mauke oder schöner gesagt Equalpestin, Dermatitis, wir nennen das jetzt öfter EPD oder EPD gemacht.
00:00:15
Speaker
Wir würden gerne heute besprechen, was zu diesem Thema veröffentlicht worden ist und inwiefern diese Studienergebnisse einen Einfluss auf unsere Diagnose und Behandlungsansätze haben.
00:00:27
Speaker
Und wir besprechen Therapieansätze von uns.
00:00:31
Speaker
Wir geben auch Wissen weiter aus der Humanmedizin.
00:00:34
Speaker
Die haben ja öfter Probleme mit zum Beispiel atopischer Dermatitis.
00:00:39
Speaker
Und im zweiten Teil gehen wir genauer auf die neukopsyklastische Vaskulitis ein und auf das chronisch-proliferative Lymphödem der Kaltblüter.
00:00:49
Speaker
Aber wie immer, stellen wir uns einmal kurz vor, ich bin Dr. Anja Garbe, Fach-Tier-Erztein für Pferde und Host dieses Podcasts, in welchem wir euch aktuelle Studienerkenntnisse kompakt und praxisnah vorstellen möchten.
00:01:03
Speaker
Ich bin seit circa zehn Jahren mit einer mobilen Pferdepraxis selbstständig und arbeite aber schon seit fast 26 Jahren in dem Pferdebereich.
00:01:12
Speaker
Zusätzlich erstelle ich seit 20 Jahren Kurzreviews von englisch- und deutschsprachigen Fachartikeln und wähle die auch aus.
00:01:20
Speaker
Das habe ich zunächst für die Pferdeheilkunde gemacht und seit Mai 2026 für die Gesellschaft der Pferdemedizin.

Was ist Mauke?

00:01:27
Speaker
Und die, ich mache jetzt etwas Schleichwerbung, die stehen online.
00:01:31
Speaker
Wenn ihr Mitglied seid, könnt ihr die alle einsehen.
00:01:34
Speaker
Heute zugeschaltet ist eine Kollegin aus Rheinland-Pfalz, Dr. Barbara Pfund, auch Fachdienstin für Pferde.
00:01:42
Speaker
Sie ist schon seit 15 Jahren selbstständig mit einer mobilen Pferdepraxis und hat davor, ich glaube, circa zehn Jahre in Pferdekliniken gearbeitet.
00:01:52
Speaker
Hallo Barbara.
00:01:53
Speaker
Ich freue mich, dass du dich zugeschaltet hast und heute mit mir über das große Thema Mauke sprichst.
00:01:58
Speaker
Ja, hallo zurück und ich freue mich auch riesig, heute dabei sein zu dürfen und bin total gespannt, was wir aus diesen ganzen Studienergebnissen im Endeffekt dann für die Praxis mitnehmen können.
00:02:13
Speaker
Mauke ist ja ein inflationärer Begriff.
00:02:16
Speaker
Der wird ja bei jeglichen Hautveränderungen der Fesselbeuge

Erkennung und Stadien der Mauke

00:02:19
Speaker
genannt.
00:02:19
Speaker
Das wird ja dann immer gesagt, ja, mein Pferd hat Mauke.
00:02:22
Speaker
Ich glaube, du hast mal nachgeschaut, was bedeutet Mauke eigentlich?
00:02:26
Speaker
Ja, tatsächlich.
00:02:27
Speaker
Also ich finde es immer total spannend, wenn man sich mit so einem Begriff, den man jeden Tag ja irgendwie hört, mal näher auseinandersetzt.
00:02:33
Speaker
Und da bietet sich ja so eine Podcast-Vorbereitung geradezu an.
00:02:37
Speaker
Und habe nachgelesen, dass der Begriff aus dem Niederdeutschen stammt, aus dem 15.
00:02:41
Speaker
Jahrhundert.
00:02:42
Speaker
Und man die genaue Begrifflichkeit nicht kennt oder nicht weiß, wo es herkommt.
00:02:47
Speaker
Aber schon damals wurde eine Entzündung der Gliedmaßen bei Rindern und bei Pferden damit beschrieben.
00:02:54
Speaker
Und im 16.
00:02:55
Speaker
Jahrhundert wurde dann dieser Begriff auch für menschliche Füße benutzt.
00:03:00
Speaker
Also...
00:03:02
Speaker
fies stinkende Käsemauken sollten nicht auf den Tisch gelegt werden.
00:03:06
Speaker
Da gab es bestimmte Redewendungen.
00:03:10
Speaker
Und im Ruhrgebiet sagt man das wohl auch immer noch, nimm deine Käsemauken vom Tisch.
00:03:13
Speaker
Keine Ahnung, ob das stimmt.
00:03:15
Speaker
Aber ja, also insofern kam das wohl da irgendwie zusammen.
00:03:22
Speaker
Beim Pferd beschreibt es eine nicht spezifische Hautentzündung der distalen Gliedmaße.
00:03:28
Speaker
Und die klinische Symptomatik ist ja, wie wir wissen, oft sehr unterschiedlich ausgeprägt.
00:03:32
Speaker
Und die Pferde werden uns häufig erst nach unterschiedlichsten Therapieversuchen der BesitzerInnen vorgestellt.

Häufig betroffene Pferderassen und Gliedmaßen

00:03:38
Speaker
Ja genau, also ich glaube auch, dass wir das Anfangsstadium, ich sage immer Eion, das ist das Anfangsstadium,
00:03:45
Speaker
Was in der Literatur beschrieben wird, also Ödem, Rötung und Schuppen, das sehen wir meist gar nicht, weil wir bekommen das Vers erst zu Gesicht, wenn die Symptomatik schon viel weiter fortgeschritten ist, vielleicht schon eine Exhulation aufgetreten ist, ob eitrig oder serös und somit Krusten entstanden sind und eventuell das Bild auch schon durch eine sekundäre bakterielle Infektion verkompliziert wurde.
00:04:10
Speaker
Ja, das stimmt.
00:04:11
Speaker
In manchen Fällen ist die Erkrankung wirklich schon weit fortgeschritten.
00:04:15
Speaker
Ich erinnere mich mit Grausen an ein Pferd, wo ich am Kofferraum stehend einfach eine Jodlösung abgeben sollte und zum Glück das Pferd einmal sehen wollte und war dann doch etwas verwundert, dass das eine Kaltblutstute war mit der schönsten, hochgradigen, verokösen, chronisch-proliferativen Form einer EPD, womit Jodlösung wahrscheinlich nicht viel zu retten war.
00:04:38
Speaker
Ja, man wundert sich echt und dann soll das bitte in drei Tagen verschwunden sein mit Jodlösung.
00:04:43
Speaker
Also es ist schon manchmal spannend.
00:04:45
Speaker
Ich suche ja immer wissenschaftliche Studien zu den Themen heraus und muss jetzt sagen, zu Mauke gibt es wirklich wenig Peer-Reviewed-Studien.
00:04:55
Speaker
dann sind bei den Studien oft die Studienpopulationen sehr klein und es handelt sich auch oft nur um Fallberichte.
00:05:05
Speaker
Okay, aber dann starten wir doch einfach mal.
00:05:07
Speaker
Gibt es Daten dazu, welche Pferde von dieser Dermatitis häufiger betroffen sind?

Ursachen und Theorien zur Mauke-Entstehung

00:05:13
Speaker
Ja, ich bin jetzt sehr dankbar, dass du die Frage stellst und mich nicht gleich fragst, was wissen wir denn zur Pathogenese, weil das ist wirklich etwas komplizierter.
00:05:20
Speaker
Ich gehe jetzt erstmal darauf ein, was wir eigentlich relativ sicher wissen.
00:05:25
Speaker
Na dann schieß mal los.
00:05:27
Speaker
Okay, also wir wissen, in der Regel betrifft es adulte Pferde.
00:05:30
Speaker
Wir wissen, es tritt öfter bilateral auf als unilateral und eher planta beziehungsweise palma.
00:05:38
Speaker
dann ist sicher jedem schon von uns aufgefallen, dass nicht pigmentierte Hintergliedmaßen öfter erkranken und auch, dass bestimmte Rassen größere Probleme haben.
00:05:49
Speaker
Also die Rassen mit vermehrtem Behang erkranken öfter an dieser Problematik.
00:05:55
Speaker
Ja, dem kann ich nur zustimmen.
00:05:57
Speaker
Warum Pferde mit ausgeprägtem Behang prädisponiert sind, das verstehe ich ja.
00:06:02
Speaker
Durch den Behang hält sich länger Feuchtigkeit und Schmutz an der Haut und auch Schuppen und diese sind Nahrung für die Choreoptesmilben.
00:06:09
Speaker
Mit der Therapie wird häufig erst später begonnen, weil die Problematik oft einfach gar nicht erkannt wird durch den Behang.
00:06:16
Speaker
Gibt es eine Theorie, warum vermehrt die Hintergliedmaßen betroffen sind?
00:06:20
Speaker
Ja, die gibt es wirklich.
00:06:21
Speaker
Es existiert die Vermutung, dass die Fesselbeuge am Hinterbein weniger steil gewinkelt ist und dadurch bedingt es eine schlechtere Trocknung und vermehrte Reibung.
00:06:33
Speaker
Und dann wird noch erwähnt, dass im Offenstall wohl eher die Hintergliedmaßen verschmutzen im Vergleich zu den Vordergliedmaßen.
00:06:40
Speaker
Okay, das klingt logisch.
00:06:41
Speaker
Und gibt es auch eine Theorie für das häufige Auftreten bei nicht pigmentierten Gliedmaßen?
00:06:46
Speaker
Ja, die gibt es.
00:06:47
Speaker
Wir merken schon, es gibt immer Theorien.
00:06:49
Speaker
Also die unpägmentierte Haut hat weniger Melanin.
00:06:52
Speaker
Dadurch wird UV-Strahlung weniger durch das Melanin absorbiert.
00:06:58
Speaker
Mehr UV-Strahlung erreicht tiefere epidermale und dermale Hautschichten.
00:07:04
Speaker
Das bedingt dann einen oxidativen Stress und die Bildung von freien Radikalen.
00:07:10
Speaker
Die geschädigten Keratinozyten setzen dann proinflammatorische Zytokine, wie zum Beispiel Interleukin 1, frei.
00:07:18
Speaker
Und zusätzlich werden inflammatorische Mediatoren wie Prostaglandine gebildet.
00:07:23
Speaker
Das Ganze führt dann zu Vasodilatation, Erythem, Schmerz und Ödembildung, was ja eigentlich schon das erste Stadium einer Mauke sein könnte.
00:07:33
Speaker
Jo, das ist ja eine einleuchtende Erklärung für das Auftreten der Dermatitis im Sommer.
00:07:39
Speaker
Aber wir alle wissen ja, die tritt nicht nur im Hochsommer auf, sondern vermehrt auch in den dunkleren Monaten im Winter oder im Herbst.
00:07:46
Speaker
Wird dieser Eindruck durch Studienergebnisse bestätigt?
00:07:50
Speaker
Also wir gehen ja eigentlich schon davon aus, dass Fälle vermehrt in den feuchten Monaten auftreten, also im Herbst oder im Frühjahr.
00:07:57
Speaker
Die Studienergebnisse sind zu dem Thema sehr widersprüchlich und ich habe auch nur zwei Untersuchungen gefunden.
00:08:03
Speaker
Also in einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 wurden sechs Pferde, ja ich weiß, das ist jetzt nicht so viel, über ein Jahr verfolgt.
00:08:12
Speaker
Von denen zeigten vier EPD und zwei nicht.
00:08:17
Speaker
Bei diesen Pferden waren die Läsionen im Herbst am ausgeprägtesten.
00:08:22
Speaker
Jetzt würde man natürlich sagen, okay, Herbst feucht, wäre die Erklärung.
00:08:27
Speaker
Jetzt kommt aber das Aber.
00:08:29
Speaker
In diesem Herbst war es nach Aussage der Autoren nicht besonders feucht.
00:08:35
Speaker
Also gehen die Autoren in diesem Artikel davon aus, dass die Feuchtigkeit nicht die Läsionen verschlechtert hat.
00:08:42
Speaker
In einer anderen Studie wurden auch Pferde über ein Jahr kontrolliert und in dieser begünstigte hohe Luftfeuchtigkeit das Auftreten von EPD.
00:08:52
Speaker
Nicht aber Temperatur oder Niederschlag, diese hatten keinen Einfluss.
00:08:57
Speaker
Ich fand es spannend, dass bei diesen Pferden beschrieben wurde, dass nach Ende des Weidegangs die Lesionen spontan zurückgingen.
00:09:06
Speaker
Für mich ist das dann so, dass also die Jahreszeiten nicht wirklich das Wichtige sind, sondern eher die Umgebungsfaktoren und wir wissen natürlich auch die Hygiene.

Rolle von Pilzen und Bakterien bei Mauke

00:09:15
Speaker
Bei den Kalbblütern muss man das eher getrennt sehen, da diese häufiger eine Verschlechterung im Winter zeigen.
00:09:23
Speaker
Das ist ja jetzt nicht ganz abwegig, weil in dieser Zeit das Fell dann noch dichter ist und somit auch der Behang.
00:09:29
Speaker
Okay, ich sehe schon, das wird schwierig heute.
00:09:32
Speaker
Wenn ich das jetzt richtig zusammenfasse, spielen Feuchtigkeit und UV-Strahlung schon eine Rolle, die Temperatur hingegen eher nicht.
00:09:41
Speaker
Ich glaube, dass unhygienische Bedingungen und Matsch jetzt gar nicht in Frage gestellt werden als ursächlich für die EPD.
00:09:47
Speaker
Darüber müssen wir jetzt nicht wirklich explizit nochmal reden.
00:09:50
Speaker
Die Feuchtigkeit stört die Hautbarriere, im Matsch sind viele Bakterien und voila, da haben wir die Mauke.
00:09:57
Speaker
Was bei der Haltung aber auch zu beachten ist, Araber entwickeln öfter EPD bei Sand- oder alkalischen Böden.
00:10:04
Speaker
Es wurde eine Untersuchung in Bosnien durchgeführt, im Hinblick auf die Prävalenz von EPD in einer Population von 40 Pferden.
00:10:13
Speaker
Da lag die Prävalenz bei 12,5 Prozent.
00:10:16
Speaker
Ich fand es jetzt ganz spannend, dass vier dieser Tiere, also es waren insgesamt fünf Pferde mit EPD und vier davon waren Araber,
00:10:23
Speaker
Und diese Pferde standen nach Aussagen der Autoren auf trockenen Sägespänen, also gar keine Feuchtigkeit.
00:10:32
Speaker
Und im Hinblick auf diese ganze Ursachenfrage fand ich einen Text von einem Pathologen ganz interessant.
00:10:37
Speaker
Der hat geschrieben, dass die Haut im Bereich der Fesselbeuge sich ja grundsätzlich nicht von der Haut anderer Körperregionen unterscheidet.
00:10:45
Speaker
Aber diese Fesselbeuge ist natürlich kontinuierlich Schmutz, Kotmaterial, anhaltender Feuchtigkeit, UV-Strahlung sowie mechanischen Traumata.
00:10:55
Speaker
Und das fand ich jetzt auch spannend, dass er da Pflanzenstoppeln erwähnt hat.
00:11:00
Speaker
Also dass das vielleicht doch ein Grund sein könnte, warum Pferde auf der Weide eine Mauke entwickeln, obwohl es trocken ist, weil diese Pflanzenstoppeln vielleicht kleine Verletzungen setzen.
00:11:10
Speaker
Oder auch Steine oder das Streifen der anderen Gliedmaße.
00:11:15
Speaker
Also wird diese Haut sehr, sehr schnell geschädigt.
00:11:17
Speaker
Das ist der eine Punkt.
00:11:19
Speaker
Und der andere Punkt ist, wenn die Hautbarriere durch diese Einflüsse geschädigt wird und Bakterien, egal auf Pathogen oder Kommensal, zum subkutanen Gewebe gelangen, dann entsteht eine Entzündungsreaktion.
00:11:33
Speaker
Okay, ich glaube es ist Zeit für die erste Zusammenfassung.
00:11:36
Speaker
Mauke oder auf schlau die Equine Pastern Dermatitis bzw.
00:11:41
Speaker
abgekürzt EPD ist ein unspezifischer Sammelbegriff für Hautreaktionen der distalen Gliedmaße beim Pferd.
00:11:49
Speaker
Häufig betroffen sind unpigmentierte Hintergliedmaßen und Pferde mit starkem Behang.
00:11:55
Speaker
Die Symptome sind sehr unterschiedlich, von Ödem über Rötung, Schuppen- und Krustenbildung und Exudation bis hin zu Hautverdickung und Hautknoten.
00:12:04
Speaker
Die feuchten Monate gelten als Risikofaktor.
00:12:11
Speaker
Jetzt haben wir ja die Umweltfaktoren besprochen, welche eventuell ursächlich sein können.
00:12:16
Speaker
Somit kommen wir jetzt zu den infektiösen Ursachen.
00:12:19
Speaker
Es wird immer wieder im Zusammenhang mit EPD eine Beteiligung von Pilzen, also auf jeden Fall in den Büchern, erwähnt oder immer wieder am Anfang von Artikeln angesprochen.
00:12:30
Speaker
Hierzu ist zu sagen, dass es in der Literatur nur einen einzigen Fallbericht gibt, in dem Mikrosporum bei EPD nachgewiesen wurde.
00:12:37
Speaker
Und auch Dermatophilus kongolensis wird immer wieder genannt.
00:12:40
Speaker
Da ist es ähnlich.
00:12:41
Speaker
In den Büchern wird es immer als Auslöser erwähnt, aber der Nachweis erfolgt extrem selten bei EPD.
00:12:47
Speaker
Also entweder schreiben alle voneinander ab oder es wird wirklich nicht oft nachgewiesen.
00:12:54
Speaker
Entschuldigung, der war gut.
00:12:59
Speaker
Ist ja so, oder?
00:13:00
Speaker
Genau wie der Kryptochidehoden, der tumorös entartet.
00:13:05
Speaker
Weiß ja auch kein Mensch, wie viel es davon wirklich gibt, aber es steht in jedem... Ja, gut.
00:13:10
Speaker
Ja, also mich hat das auch echt erstaunt.
00:13:12
Speaker
Immer wenn du einen Übersichtsartikel liest, wird das alles aufgezählt und dann sind das alles nur Einzelfallberichte.
00:13:18
Speaker
Da war da mal der und mal der und dann wird das gar nicht nachgewiesen.
00:13:22
Speaker
Ja, das stimmt echt, ja.
00:13:24
Speaker
Naja, bevor wir über Bakterien reden, willst du was über Krabbelfiecher erzählen?
00:13:31
Speaker
Ah, du meinst die Milben, ne?
00:13:32
Speaker
Also Choreoptis bobbels, nicht wahr?
00:13:35
Speaker
Yep, genau.
00:13:37
Speaker
Ja, also diese Milben sind ja oberflächlich lebende Räudemilben, das wissen wir ja.
00:13:42
Speaker
Sie ernähren sich von Hautschuppen und verursachen Juckrein, Hyperkeratose und Schuppenbildung, insbesondere an den distalen Gliedmaßen.
00:13:51
Speaker
Und man muss sich jetzt bei dem Namen Choreoptis bovis nicht wundern.
00:13:57
Speaker
Eigentlich ist ja der Nachname bovis und die sind aber nicht sehr wählerisch mit ihrem Wirt.
00:14:02
Speaker
Also die befallen auch andere Tierarten und nicht nur Kühe.
00:14:05
Speaker
Also unsere Pferde werden dann auch befallen.
00:14:06
Speaker
Das ist ein ganz normaler Wirt.
00:14:09
Speaker
Bei Pferden mit Behang wird schon angenommen, dass diese Milben an der Dermatitis beteiligt sind.
00:14:15
Speaker
Allerdings korrelierte das Ausmaß der Infektion nicht mit dem Schweregrad der Läsionen.
00:14:22
Speaker
Und bei Pferden ohne Behang werden sehr, sehr selten Choreoptismilben nachgewiesen.
00:14:27
Speaker
Da gibt es sicher mal einen Einzelfall, aber wirklich selten.
00:14:33
Speaker
Zu den Parasiten, die auch in Diskussion sind, gehören ja auch noch die Nematoden und Habronema.
00:14:39
Speaker
Bezüglich dieser gibt es aber auch wieder nur einen Fallbericht und zwar, Achtung, Streberrissen für Pellodera strongyloides.
00:14:47
Speaker
Kennt jeder den Wurm.
00:14:49
Speaker
Auf jeden Fall.

Diagnoseherausforderungen bei Mauke

00:14:50
Speaker
Kein Problem.
00:14:50
Speaker
Ja.
00:14:52
Speaker
Ja, dann lassen wir jetzt die ganzen Parasiten mal hinter uns und kommen zu den Bakterien.
00:14:56
Speaker
Ob diese primär auslösend sind, ist nicht wirklich bekannt.
00:15:01
Speaker
Und das liegt zum Teil daran, dass in den Studien immer Tupferproben von der äußeren Haut genommen werden und damit die Aussage fraglich ist.
00:15:13
Speaker
Und bei diesen Tupferprobenergebnissen wurde entweder eine Mischflora festgestellt oder Staphylococcus und oder Beta-Streptococcus.
00:15:24
Speaker
Es war schon so, wenn die Veränderungen stärker ausgeprägt waren, umso häufiger wurden Staphylococcus isoliert.
00:15:33
Speaker
Ich fand es ganz spannend, dass erkrankte Pferde in der Fesselbeuge und in der Nüsternschleimhaut häufiger Staphylococcus aureus aufwiesen.
00:15:43
Speaker
Und jeder, der mal in einer Klinik gearbeitet hat und da so eitrige Wunden bei den Pferden öfter gesehen hat, weiß, dass man dann auch die Menschen testet und zwar auf dem Methylin-resistenten Staphylococcus aureus.
00:15:57
Speaker
Daher haben in der Studie auch die Autoren die Nüsternsteinmalt kontrolliert.
00:16:03
Speaker
Aber es wurde kein MRSA festgestellt.
00:16:05
Speaker
Aber diese Stoffelikotten hatten schon zum Teil eine höhere Virulenz.
00:16:12
Speaker
Ja, man hat ja auch in Studien nachgewiesen, dass die Mikrobiota bei Pferden mit EPD eine verminderte bakterielle Diversität aufweisen.
00:16:22
Speaker
Und bei stärker betroffenen Pferden oder bei mit Antibiotika vorbehandelten Tieren war die bakterielle Diversität deutlich verringert.
00:16:31
Speaker
Die Frage ist, inwiefern hat das für uns eine Bedeutung?
00:16:36
Speaker
Ja, ich finde diese Frage mir die spannendsten von diesem Podcast.
00:16:39
Speaker
Also in der Humanmedizin ist nachgewiesen, dass eine verringerte Alphadiversität der Haut wirklich zu einer Schwächung der natürlichen Hautbarriere führt.
00:16:51
Speaker
Dadurch ist die Haut anfälliger für Krankheitserreger, Entzündungen und Reizungen.
00:16:57
Speaker
Die geschädigte Hautbarriere fördert dann auch Entzündungen.
00:17:01
Speaker
Diese Entzündung der Haut verändert den pH-Wert und die Feuchtigkeit der Haut.
00:17:06
Speaker
Und genau dieses Milieu begünstigt dann das Wachstum von Staphylococcus aureus, den wir ja oft nachweisen.
00:17:15
Speaker
Und das wird ja dann eher dafür sprechen, dass unser Staphylococcus aureus sekundär auftritt.
00:17:22
Speaker
Ja, ich finde das schon, genau.
00:17:24
Speaker
Und dann ist dieser Keim auch noch in der Lage, Toxine und Entzündungsmediatoren zu bilden, welche dann wiederum die Hautbarriere zusätzlich schädigen und die Immunreaktion weiter stimulieren.
00:17:36
Speaker
Ja, das ist dann ein Teufelskreis.
00:17:38
Speaker
Erst haben wir mit Antibiotika behandelt, um die Bakterien wegzubomben.
00:17:42
Speaker
Damit haben wir eventuell die Mikroflora verändert und damit dem Staph Aureus Haus und Hof geöffnet und einen guten Nährboden bereitet.
00:17:50
Speaker
Und dieser Rump hält dann wiederum die Entzündung aufrecht.
00:17:54
Speaker
Ja, absolut.
00:17:55
Speaker
Das ist echt ein Gedankenwert.
00:17:57
Speaker
Den nehmen wir auf jeden Fall in der Therapie noch einmal auf.

Behandlungsmethoden für Mauke

00:18:04
Speaker
Also ich fasse das jetzt einfach noch einmal zusammen.
00:18:08
Speaker
Pilze und Dermatophilus congulensis spielen bei EPD vermutlich nur eine sehr geringe Rolle.
00:18:15
Speaker
Das sind so die Ausnahmen.
00:18:17
Speaker
Choreoptismilben sind vor allem bei Pferden mit Behang von Bedeutung.
00:18:22
Speaker
Bei Tupferproben der erkrankten Haut werden meist Mischflora, Staphylococcus oder Beta-Streptococcus nachgewiesen.
00:18:31
Speaker
Ob die primär oder sekundär auftreten, ist nicht wirklich klar.
00:18:37
Speaker
Und zwei neuere Studien haben jetzt nachweisen können, dass Pferde mit EPD eine verminderte bakterielle Diversität aufweisen.
00:18:50
Speaker
Wenn wir uns der Diagnostik der EPD widmen, dann ist uns klar, dass wir in den meisten Fällen ja schon ewig lang therapierte Pferde vorgestellt bekommen.
00:18:58
Speaker
Und das macht es besonders anspruchsvoll.
00:19:01
Speaker
Und da die Therapie auf der Ursache beruht, müssen wir jetzt ein bisschen genauer hinschauen.
00:19:07
Speaker
Ja, das hast du schön ausgedrückt.
00:19:08
Speaker
Ich erinnere mich so ein bisschen an das Asthma.
00:19:10
Speaker
Da müssen wir auch so ein bisschen nachfragen.
00:19:12
Speaker
Also geht es los mit der Detektivarbeit.
00:19:15
Speaker
Seit wann bestehen die Veränderungen?
00:19:18
Speaker
Sind sie schon mal aufgetreten?
00:19:19
Speaker
Ich finde, das wird ganz oft verneint und man muss dann echt mehrmals nachfragen und dann irgendwann kommen raus, ja, das hat er eigentlich jedes Jahr.
00:19:28
Speaker
Dann ist natürlich die Frage immer zur gleichen Jahreszeit, um vorauszufinden, welche Ursache könnte denn dahinter stecken?
00:19:34
Speaker
Ist es die UV-Strahlung?
00:19:36
Speaker
Ist es der Matsch?
00:19:37
Speaker
Oder sind es die Pflanzenstoppeln?
00:19:39
Speaker
Und dann die große Frage, was haben sie denn alles schon drauf geschmiert?
00:19:43
Speaker
Richtig.
00:19:45
Speaker
Ich könnte noch ergänzen, wo steht denn das Pferd?
00:19:47
Speaker
Und auch immer gut, können Sie mir das bitte einmal zeigen?
00:19:50
Speaker
Denn da gibt es ja schon unterschiedliche Definitionen von sauberem Stall und sauberem Stall.
00:19:55
Speaker
Oh ja.
00:19:56
Speaker
Sind die Paddocks immer trocken und sauber oder steht das Pferd vielleicht immer 24 Stunden auf der Wiese?
00:20:02
Speaker
Und wie sieht die Wiese aus?
00:20:04
Speaker
Ja, absolut.
00:20:06
Speaker
Ich finde es ja eigentlich...
00:20:09
Speaker
einfacher, wenn die Pferde, das hört sich jetzt verrückt an, aber im Matsch stehen oder tief im Mist, dann weiß man wenigstens, okay, das kann absolut ursächlich für eine derartige Dermatitis sein und kann den Besitzern auch sagen, okay, so geht es nicht.
00:20:23
Speaker
Und wenn die Besitzerinnen eine gute Compliance haben, ist die Therapie, finde ich, in den Fällen dann auch nicht ganz so kompliziert.
00:20:34
Speaker
Ja, das stimmt.
00:20:34
Speaker
Da hat man es ein bisschen leichter.
00:20:36
Speaker
Aber eigentlich häufiger haben wir ja fast die Fälle, wo die Pferde nicht eindeutig derart schlecht stehen.
00:20:42
Speaker
Und da herauszubekommen, was ursächlich ist, kann extrem herausfordernd sein.
00:20:46
Speaker
Ja.
00:20:48
Speaker
Wenn wir jetzt den Vorbericht aufgenommen haben, uns die Unterbringung des Pferdes angeschaut haben und die Ausprägung der klinischen Symptomatik beurteilt haben, dann wäre es jetzt ja Zeit für diagnostische Verfahren.
00:21:00
Speaker
Ja, absolut.
00:21:01
Speaker
Also man fängt ja schon mit einem Hautgeschapsel an.
00:21:04
Speaker
Man kann auch die Zellen untersuchen von diesem Hautgeschapsel.
00:21:09
Speaker
Wenn man den Verdacht auf Dermatophilus Congolensis hat, könnte man auch diese Krusten untersuchen.
00:21:14
Speaker
Aber da kommt Barbara nachher nochmal zu.
00:21:17
Speaker
Aber man sucht natürlich Milben.
00:21:19
Speaker
Das kann man mit einem Skalpell machen, aber auch mit einer festen Zahnbürste.
00:21:23
Speaker
Und dann bürstet man die Haare in eine Petrischale.
00:21:27
Speaker
Jetzt ist das so, falls ihr jetzt mit eurer Petrischale in eure Praxis fahrt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Milben nicht mehr in der Petrischale sind, sondern in eurem Auto.
00:21:39
Speaker
Diese Milben sind unfassbar schnell.
00:21:42
Speaker
Wenn ihr die nicht sofort untersuchen könnt unter dem Mikroskop, wird empfohlen, da ein Insektizid reinzugeben und
00:21:49
Speaker
Barbara und ich haben da jetzt ein bisschen diskutiert.
00:21:51
Speaker
Wir geben es ganz ehrlich zu.
00:21:52
Speaker
Wir sind da zu keinem Schluss gekommen, ob man da einfach jetzt ein bisschen Öl reintut, damit die Milben nicht weglaufen können.
00:21:58
Speaker
Oder wirklich Sebazil, aber das Zeug stinkt ja wie Hulle.
00:22:02
Speaker
Ja, und falls ihr sichergehen wollt, dass wirklich kein Pilz beteiligt ist oder ein Dermatophilus Congolensis, dann könntet ihr für beides eine PCR im Labor anfordern.
00:22:12
Speaker
Bei den Pilzen müssen natürlich Haarbälge mit dabei sein und bei Dermatophilus die Krusten.
00:22:19
Speaker
So, jetzt hast du ja schon erwähnt, dass eine Tupferprobe einfach so von der Fesselbeuge nicht die allerbeste Aussagekraft hat.
00:22:26
Speaker
Was machst denn du?
00:22:27
Speaker
Wie machst du denn das?
00:22:29
Speaker
Ja, also ich bin ja ganz ehrlich, wenn ich zu einer derartigen Dermatitis komme, die schon, wie bei uns allen festgestellt, sehr lange besteht, vorbehandelt ist, versuche ich wirklich sehr schnell eine Hautbiopsie zu nehmen.
00:22:43
Speaker
Und dann besteht die Möglichkeit, wenn ihr die Hautbiopsie entnommen habt, direkt von der Unterhaut eine Tupferprobe zu nehmen und auch eine Probe von der Unterseite der Biopsie.
00:22:56
Speaker
In der Literatur steht, wir sollen ein Stück der Biopsie verwenden und die soll dann angezüchtet werden.
00:23:03
Speaker
Aus der soll was angezüchtet werden.
00:23:06
Speaker
In dem Fall müsst ihr die Region der Probennahme anwenden,
00:23:10
Speaker
Chirurgisch vorbereiten.
00:23:11
Speaker
Also sie muss absolut sauber sein.
00:23:13
Speaker
Und es besteht dann immer noch das Risiko, dass Keime, die eigentlich keine Rolle spielen, überwachsen.
00:23:19
Speaker
Vor allem, wenn die Probe nicht sehr schnell angesetzt wird.
00:23:23
Speaker
Und wie immer, ich telefoniere ja gerne rum vor der Aufnahme eines Podcasts und da habe ich wieder mit einem Labor gesprochen, mit einem Biologen und der fand die erste Version, also Tupferproben direkt von der Unterhaut und von der Rückseite der Probe schon am sinnvollsten, weil er meint, dass wir die Haut einfach nicht so gut sauber kriegen, um ein reelles Ergebnis zu bekommen.
00:23:46
Speaker
Okay, was man vielleicht noch erwähnen sollte für die histopathologische Untersuchung, wäre es ratsam, mehrere Proben zu nehmen und auch welche, wo die Krusten oben noch dran sind.
00:23:56
Speaker
Wir fassen viel zusammen heute, ne?
00:23:58
Speaker
Das ist richtig.
00:23:59
Speaker
Ein kurzes Zusammenfass.
00:24:00
Speaker
Es ist halt so ein großes Thema.
00:24:01
Speaker
Also die Ursachensuche bei der EPD ist wichtig, sich die Umgebung anzugucken, einen genauen Vorbericht zu erheben.
00:24:09
Speaker
Aber das ist ja eigentlich bei vielen chronischen Erkrankungen wichtig.
00:24:13
Speaker
Das machen wir ja schon.
00:24:16
Speaker
Für mich persönlich ist die Entnahme der Hautbiopsie bei den chronischen Fällen von großer Bedeutung.
00:24:23
Speaker
Und dann finde ich es sehr vorteilhaft, dort dann auch eine relativ gute Probe für die bakteriologische Untersuchung zu entnehmen.
00:24:34
Speaker
So, jetzt widmen wir uns der Therapie.
00:24:37
Speaker
Wenn wir den Verdacht haben, dass die Haltungsbedingungen eine große Rolle spielen, also mangelnde Hygiene und sehr hohe Feuchtigkeit, dann müssen die BesitzerInnen das entweder ändern oder die Pferde unter Verband stellen.
00:24:49
Speaker
Aber Achtung, Verband auf der Weide, wenn alles nass ist, das wissen wir alle, ergibt keine trockene Haut, sondern neue Probleme, nämlich wieder nasse Haut und ist nicht förderlich.
00:24:59
Speaker
Allerdings hätte der Verband natürlich den Vorteil, dass wir einen UV-Schutz haben, was der Haut ja auch gut tut.
00:25:04
Speaker
Ja, und egal, also wenn wir jetzt noch eine topische Therapie einsetzen möchten und egal welche, zuerst müssen diese Krusten verschwinden.
00:25:15
Speaker
Richtig, und da gibt es ja auch 200 verschiedene Versionen, die uns ja dann auch von Pferdebesitzern immer sehr ausführlich erzählt werden.
00:25:23
Speaker
Also jedenfalls geht es mir so.
00:25:25
Speaker
Ich habe eine ganz tolle.
00:25:26
Speaker
Ich habe Sauerkraut.
00:25:27
Speaker
Oh.
00:25:28
Speaker
Der hat Sauerkraut da draufgepackt.
00:25:30
Speaker
Das kenne ich nicht.
00:25:31
Speaker
Die Haut sah aus.
00:25:33
Speaker
Schön.
00:25:33
Speaker
Eine super Idee.
00:25:36
Speaker
Ja, wir können mit antibakteriellen Shampoos arbeiten und das, was wir am häufigsten verwenden, ist tatsächlich ein Shampoo, was zweiprozentiges Chlorhexidin enthält.
00:25:47
Speaker
Es besteht auch die Möglichkeit, dass man eine Kombination aus zweiprozentigem Chlorhexidin und Benzoilperoxid oder alleinig Benzoilperoxid zu verwenden kann.
00:25:58
Speaker
Das letztere wirkt schön keratolytisch, aber leider auch stark entfettend.
00:26:02
Speaker
Das kann dann zur Austrocknung führen und die Hautbarriere stören.
00:26:05
Speaker
Das ist also nicht das sanfteste Mittel.
00:26:08
Speaker
Man trägt es auf, schäumt es schön ein und dann lässt man es 10 Minuten drauf.
00:26:14
Speaker
Der beste Trick für die Krusten ist tatsächlich das Shampoo aufzutragen und dann die Verbandswatte oder das saubere Handtuch in ganz heißes Wasser einzutauchen.
00:26:23
Speaker
So heißt, dass man es gerade eben noch anfassen kann, die Watte.
00:26:27
Speaker
Und dann legt ihr das um die Fesselbeuge und belasst sie dort zehn Minuten.
00:26:31
Speaker
Anschließend kann man die Haut vorsichtig abspülen und trocken tupfen.
00:26:35
Speaker
Wichtig ist nicht rubbeln, um die Haut nicht noch mehr zu schädigen.
00:26:38
Speaker
Und viele der noch so hartnäckigen Krusten lassen sich so super entfernen.
00:26:43
Speaker
Manchmal kann man das auch zwei, dreimal hintereinander machen oder an aufeinanderfolgenden Tagen.
00:26:48
Speaker
Ja, damit habe ich auch gute Erfahrungen.
00:26:51
Speaker
Aber manchmal ist das Pferd ja so unfassbar schmerzhaft, dass du das gar nicht einmassieren kannst.
00:26:57
Speaker
Und ein Kommentar dazu von Dr. Nottenfeld, den wir ja glaube ich alle kennen, ist, dass für ihn das ein Zeichen einer aktiven bakteriellen Infektion ist.
00:27:07
Speaker
Also er hat wortwörtlich in einer Fortbildung gemeint, wenn das Pferd euch beim Säubern tulten möchte, ist es wahrscheinlich eine aktive bakterielle Unterhautentzündung.
00:27:17
Speaker
Und in diesen Fällen, wenn ich da also kaum drankomme,
00:27:22
Speaker
verwende ich Hydrosorb.
00:27:23
Speaker
Das ist ein Gel aus Wasser und Elektrolyten.
00:27:26
Speaker
Das kann man einfach eigentlich aufspritzen.
00:27:29
Speaker
Da muss man die Haut schon kaum berühren.
00:27:31
Speaker
Das wird schon dick aufgetragen.
00:27:33
Speaker
Dann kommt da ein Verband drum, entweder ein Hufverband, wenn es wirklich nur die Fesselbeuge ist, weil ich finde das manchmal sinniger als einen tiefen Röhrbeinverband, der dann doch wieder hochrutscht.
00:27:44
Speaker
Und der Verband bleibt dann über eine Nacht drauf und die Krusten quellen dann sehr schön auf und lassen sich sehr leicht abspülen.
00:27:54
Speaker
Das kann man auch wieder zweimal wiederholen, bis man eben diese Krusten los ist.
00:27:58
Speaker
Und das reizt weniger als das Chloexidin-Shampoo, weil das wirklich ja nur aus Wasser und Elektrolyten besteht.
00:28:05
Speaker
Die Haut beruhigt sich da auch ein bisschen.
00:28:08
Speaker
Das ist so meine Wunderwaffe gegen Krusten.
00:28:10
Speaker
Hast du noch eine andere?
00:28:13
Speaker
Nee, eine richtige Wunderwaffe nicht.
00:28:14
Speaker
Ich habe mir das mit dem Hydrosorb von dir abgeschaut.
00:28:17
Speaker
Das klappt wirklich super.
00:28:19
Speaker
Ansonsten finde ich diese warmen Verbände auch einfach und sehr praktikabel.
00:28:25
Speaker
Wenn man so ganz restriktive Besitzer hat, habe ich schon ausprobiert, dass man entweder Schmierseife, so ein bisschen festere Schmierseife oder Honig auf diese Krusten drauf schmiert und die Pferde über Nacht auf eine feuchte Wiese stellt.
00:28:39
Speaker
Das klappt tatsächlich auch.
00:28:41
Speaker
Du brauchst keinen Verband, das ist ja spannend.
00:28:43
Speaker
Ja, also das könnte auch klappen.
00:28:46
Speaker
Aber die Wiese muss feucht sein, also es kann nicht tun sein.
00:28:49
Speaker
Richtig, nee genau, so ein etwas frische, jetzt so Mai, Juni, schöne, feuchte, frische Wiese und da über Nacht rausgejagt, dann kommen die morgens zurück wie so ein Babypopo.
00:28:59
Speaker
Das sieht super aus.
00:29:00
Speaker
Die Leute haben damit keinen Stress und rubbeln auch nicht selber dran rum, das klappt ganz gut.
00:29:04
Speaker
Aber du hattest doch auch noch eine neue Idee.
00:29:08
Speaker
Ja, ich habe eine ganz tolle Spinning-Nachbarin und die ist Pharmazeutin.
00:29:15
Speaker
Ja, praktisch.
00:29:16
Speaker
Man sich beim Spinning über Sachen unterhält.
00:29:19
Speaker
Und der habe ich jetzt von dem Podcast erzählt.
00:29:22
Speaker
Und dann sind wir ins Gespräch gekommen und die hat ganz viel Kontakt zu Dermatologen.
00:29:26
Speaker
Und ihr hört heute ein paar Tipps von der aus der Humanmedizin.
00:29:31
Speaker
Und zwar wird in der Humanmedizin bei Kindern mit Neurodermitis zur sanften Krustenentfernung ein sogenannter Salbenwasserverband verwendet.
00:29:41
Speaker
Und dann tragt ihr zuerst eine Fettsalbe auf.
00:29:43
Speaker
Also zum Beispiel Neuroderm Pflegecreme Lipo oder Neuroderm Pflegecreme ohne Lipo oder CeraVe Feuchtigkeitscreme.
00:29:53
Speaker
Das sind alles Cremes, die in der atopischen Dermatitis-Therapie verwendet werden oder eben bei Neurodermitis.
00:30:00
Speaker
Dann kommt da ein Verband drum.
00:30:03
Speaker
Den gießt ihr an mit warmem Wasser und dann kommt nochmal ein Verband drum.
00:30:08
Speaker
Dieser Verband muss vier bis sechs Stunden mindestens draufbleiben.
00:30:12
Speaker
Gerne auch über Nacht.
00:30:14
Speaker
Und das war für mich jetzt auch vollkommen neu und ich habe das ausprobiert bei dem Sauerkrautpferd, weil das war so entzündet und das ist mega.
00:30:23
Speaker
Die Haut hat sich unfassbar schnell beruhigt und die Krusten sind weg.
00:30:26
Speaker
Der kriegt natürlich auch noch andere Therapie, aber
00:30:30
Speaker
Das ist ein extrem sanftes Verfahren, um diese Krusten zu behandeln.
00:30:34
Speaker
Und es ärgert die Hautbarriere nicht.
00:30:37
Speaker
Okay, das ist ja echt ein super Tipp.
00:30:38
Speaker
Also das probiere ich aus beim Nächsten, der da Probleme hat in die Richtung.
00:30:43
Speaker
Naja, jetzt haben wir die Krusten weg oder zumindest fast weg.
00:30:46
Speaker
Und wenn wir davon ausgehen, dass Bakterien ein Problem sind, besteht die Möglichkeit, das war abgesehen von den Shampoos, das Ganze topisch therapieren.
00:30:55
Speaker
Was verwendest du da, Anja?
00:30:57
Speaker
Ja, da muss man erst mal sagen, es gibt ja keine reine antibiotikahaltige Salbe, welche für das Pferd oder das Tier zugelassen ist, also auch nicht für Hund oder Katze.
00:31:08
Speaker
Und für die Haut soll Silbersulfadiazin sinnvoll sein, weil es zum einen wirksam ist gegen Staphylococcus und Streptococcus und zum anderen gut in die Haut vordringt.
00:31:20
Speaker
Da wäre jetzt das erhältliche Produkt Flamazine, also das müssen wir umwidmen aus der Humanmedizin.
00:31:27
Speaker
Wenn man so ein bisschen durchliest durch diese Malkoproblematik, auch im Hinblick von Bakterien, kommt manchmal Mupirozin als Empfehlung, vor allem bei Staffelkocken.
00:31:39
Speaker
Jetzt muss man aber dazu sagen, jeder Humanmediziner sagt, um Gottes Willen nicht auf die Fessel beuge,
00:31:44
Speaker
Das ist ein Reserveantibiotikum für die Behandlung von MRSA, für die Träger, für die Nase.
00:31:51
Speaker
Also jetzt wäre das wirklich nicht so gut.
00:31:55
Speaker
Vor allem nicht im Hinblick auf unsere Resistenzentwicklung.
00:31:59
Speaker
Ich habe heute aber Portsstörung.
00:32:01
Speaker
Und apropos Resistenz, also meine Pharmazeutin, wie gesagt, es war ein langer Gesprächsabend, den wir da geführt haben.
00:32:10
Speaker
Die hat dazu geraten, eher Octenidin als Chlorexidin zu verwenden, da Octenidin bislang praktisch keine klinisch relevante Resistenzentwicklung aufweist.
00:32:22
Speaker
Das ist ja eine super Eigenschaft.
00:32:25
Speaker
Und was für Produkte sind da für uns verfügbar?
00:32:28
Speaker
Also auch wieder nicht Tiermedizin, sondern Humanmedizin.
00:32:30
Speaker
Man kann da Octenisept oder Octenisan in der Apotheke einfach kriegen.
00:32:35
Speaker
Octenisan könnt ihr auch ganz normal bei WDT bestellen.
00:32:39
Speaker
Und das ist, glaube ich, auch etwas milder als Chloroxidin.
00:32:42
Speaker
Jetzt haben wir ja tropisch behandelt gegen die Bakterien.
00:32:44
Speaker
In welchen Fällen setzt du denn jetzt systemisch Antibiotika ein?
00:32:49
Speaker
Also tatsächlich recht selten.
00:32:51
Speaker
Eigentlich nur bei Patienten, die sehr schmerzhaft sind oder wenn das schon so ein bisschen Richtung Fleckmone geht, dass sie fiebern oder das Bein richtig dick wird.
00:33:01
Speaker
Und wenn, dann setze ich meistens Trimsulf ein.
00:33:05
Speaker
Ja, ich auch.
00:33:06
Speaker
Also ich gucke wirklich nach der Schmerzhaftigkeit, versuche es aber auch erstmal lokal.
00:33:14
Speaker
Ja, wir hatten ja schon erwähnt, dass sich bei Fällen von EPD die Hautflora verändert, besonders nach der topischen Anwendung von Antibiotika und bei ausgeprägten Veränderungen.
00:33:25
Speaker
Jetzt ist natürlich die Frage, können wir in irgendeiner Weise die Hautflora positiv beeinflussen?
00:33:30
Speaker
Hast du dazu irgendwas gefunden?
00:33:33
Speaker
Ja, eine Studie beim Pferd.
00:33:35
Speaker
Verrückt, ne?
00:33:37
Speaker
Aber 2025, also diese Mikroflora scheint Thema zu werden.

Einfluss menschlicher Medizin auf Mauke-Therapien

00:33:40
Speaker
Da ist eine Studie veröffentlicht worden und zwar wurde da der Einfluss von Vycella-Zibaria-Biozenol, das war jetzt gut, ne?
00:33:50
Speaker
Stabilisiert in Alginat-Untersuchung.
00:33:52
Speaker
Und zwar bei sechs gesunden Pferden und bei zwölf Pferden mit EPD.
00:33:55
Speaker
Und es wurde zuvor erstmal eine RNA-Sequenzierung durchgeführt.
00:34:01
Speaker
Und da wurde schon festgestellt, dass ein signifikanter Unterschied der Bakterienpopulation zwischen gesunden und erkrankten Pferden vorlag und auch zwischen den Krankheitsformen.
00:34:12
Speaker
Das heißt, bei der exudativen Krankheitsform war eine andere Mikroflora als bei der proliferativen.
00:34:20
Speaker
In dieser Studie wurde festgestellt, dass bei der exudativen Form vermehrt Streptokokken sowie Corinibacterium
00:34:28
Speaker
überwogen und bei der proliferativen Form die Staffelikorpen.
00:34:34
Speaker
Dann wurde ja im nächsten Schritt bei den gesunden und den erkrankten Pferden dieser Stamm stabilisiert auf einem Alginaträgermaterial auf der distalen Gliedmaße über 14 Tage aufgetragen.
00:34:47
Speaker
Zusätzlich, muss man schon sagen, wurde der Bereich auch unter Verband gesetzt.
00:34:52
Speaker
Und hat sich die Mikroflora durch die Behandlung verändert?
00:34:56
Speaker
Ja, eigentlich ganz positiv.
00:34:57
Speaker
Also es war eine signifikante Verringerung von Staphylococcus und Clostridium erzielt worden und auch eine Verringerung von Streptococcus.
00:35:06
Speaker
Und nach dieser zweiwöchigen Behandlung konnten keine Läsionen bei der exotativen Form mehr festgestellt werden.
00:35:13
Speaker
Und es trat auch kein Rezidiv in den nächsten sechs Monaten auf.
00:35:18
Speaker
Also das war nicht ganz unspannend, die Ergebnisse da.
00:35:21
Speaker
Ja, klingt danach.
00:35:22
Speaker
Und gibt es denn das Produkt zu kaufen?
00:35:24
Speaker
Ich habe das noch nie gehört.
00:35:26
Speaker
Nee, natürlich nicht.
00:35:27
Speaker
Das ist kein Experimentell.
00:35:28
Speaker
Nein, wir kommen da nicht dran.
00:35:30
Speaker
Es wird, glaube ich, auch in der Humanmedizin unterschiedliche Stämme da so irgendwie postuliert, dass die ganz toll wären.
00:35:37
Speaker
Aber...
00:35:38
Speaker
Global galaktisch wird in der Humanmedizin der Einsatz von Probiotika, also jetzt gerade bei atopischer Dermatitis, auch schon noch diskutiert, ob das wirklich sinnvoll ist.
00:35:47
Speaker
Also da werden jetzt neue Ergebnisse kommen, das wird weitergehen, aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
00:35:55
Speaker
Naja, aber was wir ja auf jeden Fall mitnehmen sollten, ist, dass bei Therapieempfehlungen darauf zu achten ist, die Mikroflora nicht zu sehr zu schädigen.
00:36:02
Speaker
Also das heißt, so wie immer, nicht zu viel Antibiotika einzusetzen und auch nicht zu viel desinfizierende Shampoos.
00:36:08
Speaker
Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Haut zu unterstützen?
00:36:11
Speaker
Die Frage kommt ja ständig und ehe die Leute irgendwas dann machen, füttern, schmieren, sprühen, hast du da was gefunden, was man tun kann?
00:36:18
Speaker
Ja, also wie gesagt, ein langes Gespräch mit der Pharmazeutin und deren Empfehlung ist, zur Unterstützung der Hautbarriere CeraVe zu nennen.
00:36:28
Speaker
Das ist ja jetzt nochmal ein konkreter Produktname.
00:36:32
Speaker
Und ich muss jetzt echt nochmal deutlich sagen, also wir bekommen hier echt kein Geld dafür, wenn wir Produktnamen nennen.
00:36:37
Speaker
Wir sind werbefrei heute.
00:36:44
Speaker
Diese Feuchtigkeitscreme enthält verschiedene barriere-stabilisierende Inhaltsstoffe, ist echt vergleichsweise günstig und wird auch in der Humanmedizin bei atopischer Dermatitis eingesetzt.
00:36:56
Speaker
Und das könnte man wirklich pflegerisch ergänzend verwenden, also so immer abwechselnd verwenden.
00:37:04
Speaker
Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass möglichst wenig Konservierungsstoffe oder andere potenziell irritierende Zusätze in den verwendeten Cremes oder Salben enthalten sind.
00:37:16
Speaker
Ich finde, wir machen das in der Praxis ja schon relativ kontrolliert.
00:37:20
Speaker
Aber viele Besitzerinnen greifen ja zu den unterschiedlichsten frei erhältlichen Produkten aus den verschiedensten Quellen, mit den verschiedensten Inhaltsstoffen.
00:37:30
Speaker
Ich weiß nicht, welche Öle da alle drauf kommen.
00:37:34
Speaker
Und das ist auf dieser empfindlichen Haut, glaube ich, wirklich zu vermeiden.
00:37:40
Speaker
Und ich würde jedem Besitzer und jeder Besitzerin, die jetzt hier zuhört, wirklich, wirklich empfehlen, hochwertige Produkte aus der Apotheke zu holen oder sich an den Tierarzt zu wenden.
00:37:50
Speaker
Und nicht da wild irgendwas, was der Nachbar sagt, funktioniert ganz toll, auf diese empfindliche Haut drauf schmieren.
00:37:58
Speaker
Ja, das ist sicher richtig.
00:38:01
Speaker
In einer Studie aus 2022 wurde der topische Einsatz von essentiellen Fettsäuren untersucht.
00:38:08
Speaker
Die waren zwar nicht in der Lage, das Auftreten der Erkrankung zu verhindern, aber sie hatten tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Schweregrad der Läsionen.

Genetische Faktoren und Choreoptes-Milben bei Mauke

00:38:17
Speaker
Was war das für ein Produkt und wie oft haben die das aufgetragen?
00:38:20
Speaker
Das haben die einmal die Woche aufgetragen und zwar 0,6 Milliliter von so einem Spot-on mit einer Mischung aus essentiellen Fettsäuren und ätherischen Ölen.
00:38:30
Speaker
Und in der Studie wurde zusätzlich kontrolliert, ob ein zugesetzter Antimikrobieller-Komplex eine zusätzliche Verbesserung erzielen konnte.
00:38:38
Speaker
War aber leider nicht so.
00:38:41
Speaker
Ja, also falls es jemanden interessiert, es handelt sich um das Dermoscent Essential Nummer 6.
00:38:46
Speaker
Kriegt mein Hund ab und an und der riecht dann wie eine Blume.
00:38:53
Speaker
Ja, und ihr merkt schon, wir haben wirklich auch gesucht nach Produkten, die nachgewiesener Weise irgendwie positiv sich auf die EPD auswirken.
00:39:01
Speaker
Das ist aber wirklich schwierig.
00:39:04
Speaker
Und eine ältere Untersuchung aus dem Jahr 2009 hat die Wirksamkeit einer Formulierung mit 20% Kunzeaöl auf die EPD-Veränderung beurteilt.
00:39:18
Speaker
Und da wurde eine Heilung bei sieben von elf Tieren veröffentlicht.
00:39:22
Speaker
Und das im Gegensatz zur Placebo-Gruppe.
00:39:24
Speaker
Also die hatten eine Placebo-Gruppe.
00:39:27
Speaker
Die Salbe ist natürlich nicht kommerziell erhältlich.
00:39:30
Speaker
Die müssten wir herstellen lassen.
00:39:32
Speaker
Das Öl ist in Deutschland erhältlich.
00:39:36
Speaker
Die Zusammensetzung der Salbe setze ich euch wie alle Medikamentennamen und Dosierungen, die wir hier nennen, in die Shownotes.
00:39:42
Speaker
Für das Zusammenmischen müsstet ihr euch an euren Apotheker wenden.
00:39:46
Speaker
So, Barbara, eine kleine Zusammenfassung bitte.
00:39:49
Speaker
Ja, selbstverständlich gerne.
00:39:52
Speaker
Also die Therapie wie immer beginnt mit der Optimierung der Haltungsbedingungen.
00:39:56
Speaker
Man kann es ja fast nicht mehr hören.
00:39:58
Speaker
Hashtag Asthma, aber auch hier wichtig.
00:40:01
Speaker
Vor jeder topischen Therapie müssen zuerst die Krusten entfernt werden.
00:40:06
Speaker
Bewährt hat sich eine Kombination aus Shampoo und einem heißen Umschlag das ganze 10 Minuten einwirken lassen.
00:40:11
Speaker
Und bei sehr schmerzhaften Pferden, ehe man sein Leben gefährdet, ist ein Verband mit Hydrosorb oder ein Salbenwasserverband eine feine Sache.
00:40:19
Speaker
Zur topischen Antibakteriellentherapie steht uns Flamazine zur Verfügung.
00:40:25
Speaker
Der Wirkstoff ist Silbersulfadiazin und das ist wirksam gegen Staphylokokken und gegen Streptokokken.
00:40:33
Speaker
Wir haben gelesen, dass das Hautmikrobiom bei der EPD verändert ist.
00:40:38
Speaker
Ein probiotisches Produkt ist aber leider bisher nicht kommerziell erhältlich.
00:40:42
Speaker
Grundsätzlich sollten wir uns zurückhalten mit dem Einsatz von Antibiotika und nicht zu sehr desinfizierende Shampoos einsetzen, um die Mikroflora zu schützen.
00:40:52
Speaker
Und die Hautbarriere lässt sich unterstützen mit einer barriere-stabilisierenden Feuchtigkeitscreme.
00:41:05
Speaker
Ich glaube, dass manchen der KollegInnen schon aufgefallen ist, dass bis jetzt noch überhaupt nicht über Entzündungshemmung gesprochen wurde und dass wir bisher auch die leukozytoklastische Vaskulitis als besondere Unterform der EPD ausgeklammert haben.
00:41:20
Speaker
Ja, und das ist so, weil wir euch diese entzündungshemmende Therapie mit Glucocorticoiden und anderen Wirkstoffen anhand eines Fallberichts etwas näher bringen wollen.
00:41:31
Speaker
Und aber vorab, es ist ja klar, wenn ihr eine ausgeprägte Schwellung vorfindet, dass dann systemisch nichtsteroidale Antiflogistika eingesetzt werden, ist für uns alle, die im Pferdebereich arbeiten, ja absolut nachvollziehbar.
00:41:45
Speaker
Ja, das ist richtig.
00:41:46
Speaker
Und damit steigen wir direkt in die Veröffentlichung eines Fallberichts ein.
00:41:50
Speaker
Dieser ist ein gutes Beispiel dafür, dass zunächst die üblichen therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden, sich die Veränderungen aber trotzdem nicht bessern.
00:41:58
Speaker
Das haben wir vermutlich alle ja schon mal erlebt.
00:42:01
Speaker
Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man merkt, irgendwas stimmt hier nicht.
00:42:05
Speaker
Und genau in solchen Fällen beginnt man, weiterführende Proben zu entnehmen und gezielter zu diagnostizieren.
00:42:12
Speaker
Ja genau, und so ein Fall war das.
00:42:13
Speaker
Also es wurde in einer Klinik ein 15-jähriger Warmblutfaller mit seit über einem Jahr bilateral bestehenden Krusten, Rötung und Alopexie an den Hintergliedmaßen vorgestellt.
00:42:26
Speaker
Der war natürlich vorbehandelt, meist antibiotisch.
00:42:30
Speaker
Allerdings nur mit einer wirklich minimalen klinischen Verbesserung.
00:42:34
Speaker
Also ein typischer Fall von einer chronischen, therapieresistenten EPD.
00:42:39
Speaker
Ja, genau.
00:42:40
Speaker
Und, das haben wir ja schon gelernt, was machen wir bei derartigen Fällen?
00:42:44
Speaker
Wir führen eine Biopsie durch.
00:42:47
Speaker
Und ich mache dann schon eine mittlere Palmarnervenanästhesie.
00:42:52
Speaker
Muss aber auch sagen, manchmal funktioniert das nicht.
00:42:55
Speaker
Wenn die Haut so entzündet ist, könnt ihr euch ein bisschen darauf vorbereiten, dass manchmal die Pferde trotzdem wehrhaft sind.
00:43:03
Speaker
Und
00:43:04
Speaker
Bei dieser Anästhesie hatte Barbara mir ja einen Megatrick gesagt, wie die Pferde den Einstich nicht merken.
00:43:13
Speaker
Erinnerst du dich noch?
00:43:14
Speaker
Ja, du meinst das mit dem Lidokain geht, oder?
00:43:16
Speaker
Ja, genau.
00:43:18
Speaker
Ja, das kann man bei Pferden ganz prima auf der Haut verwenden.
00:43:21
Speaker
Ist ja eigentlich für die Schleimhaut bei Menschen gedacht.
00:43:23
Speaker
Wir kennen es vom Zahnarzt.
00:43:25
Speaker
Funktioniert aber beim Pferd auf der normalen Haut ganz super.
00:43:28
Speaker
Und ich glaube, du hattest ja auch eine Erklärung, warum wir keine Anästhesie spüren auf unseren Fingern.
00:43:34
Speaker
Das Pferd auf dem Fell hingegen aber schon.
00:43:37
Speaker
Meine Pharmazeutin, und da ist sie wieder, die hat mich da echt ein bisschen erleuchtet.
00:43:42
Speaker
Und das liegt wahrscheinlich daran, dass Lidocain gut über die Haarfollikel aufgenommen wird.
00:43:48
Speaker
Und bekannterweise, müssen wir ja zugeben, sind die Pferde schon ein bisschen stärker behaart als wir.
00:43:56
Speaker
Und deshalb scheint das bei denen gut zu funktionieren und bei uns ja eigentlich nicht, weil wenn wir das mit den Fingern auftragen, also ich habe jetzt dann keine Desensibilisierung an den Fingern,
00:44:06
Speaker
Und deshalb scheint die Anwendung auf der Haut von Pferden echt gut zu funktionieren.
00:44:11
Speaker
Und ich trage das Nidokain-Gel auf, massiere das ein und warte eigentlich gerne mal fünf bis sieben Minuten, bis die Wirkung dann wirklich einsetzt.
00:44:19
Speaker
Und das funktioniert hervorragend.
00:44:23
Speaker
Und auch bei nicht kooperativen Pferden hat sich das bei mir bei intravenöser Injektion als ausgesprochen hilfreich erwiesen.
00:44:30
Speaker
Also die zucken kaum noch.
00:44:32
Speaker
Und ich muss mich echt tausendmal bedanken, Barbara, für diesen super Tipp.
00:44:36
Speaker
Ja, total gern geschehen.
00:44:38
Speaker
Für die Biopsie nutze ich eine 8mm Stanze und versuche mehrere Bioptate zu nehmen und dann, wie du ja vorher schon beschrieben hast, parallel eine Tupferprobe aus der Unterhaut und von der Unterseite des Bioptats für die bakteriologische Untersuchung.
00:44:55
Speaker
Ja und wo schicken wir das Ganze denn dann hin?
00:44:58
Speaker
Ich sage jetzt nochmal, wir kriegen hier kein Geld für, das ist keine Werbung.
00:45:00
Speaker
Also ich muss es echt sagen, wir nennen diesmal echt viele Namen.
00:45:04
Speaker
Also ich persönlich schicke das zu Vetscope.
00:45:06
Speaker
Das ist ein Pathologielabor in der Schweiz, hat aber, das ist total praktisch, ein Postfach in Deutschland, weil sonst muss das über den Zoll gehen.
00:45:15
Speaker
Das war am Anfang so, das war echt kompliziert.
00:45:18
Speaker
Und ich bin auf dieses Labor gekommen, weil ich mich einmal etwas länger mit einer Kleintierärztin über ein Hautproblem unterhalten habe.
00:45:26
Speaker
Und ich habe einfach sehr gute Erfahrungen mit dem Labor gemacht.
00:45:28
Speaker
Wo schickst du hin?
00:45:29
Speaker
Ja, ich schicke tatsächlich auch zu Vetscope, weil das einfach super klappt und die eben nicht nur den Bericht schicken, sondern auch danach erreichbar sind und man mit denen diskutieren kann, was jetzt zu tun ist.
00:45:38
Speaker
Das finde ich super.
00:45:40
Speaker
Und früher habe ich es auch sehr gern zu Professor Überscher geschickt, bevor der in Rente ging.
00:45:45
Speaker
Ja, was kam denn jetzt raus bei der histopathologischen Untersuchung der Probe von dem Wallach da?
00:45:51
Speaker
Ja, wir sind bei der Sonderform angekommen.
00:45:53
Speaker
Also histologisch zeigte sich eine ausgeprägte leukozytoklastische Vaskulitis und ohne jegliche Anzeichen von Bakterien.
00:46:01
Speaker
Bei dieser Erkrankung zeigen sich meist erst zirkuläre, gut abgrenzbare Veränderungen.
00:46:06
Speaker
Diese sind schmerzhaft stark gerötet und im weiteren Verlauf entwickelt sich dann eine Exodation mit nachfolgend sehr fest anhaftenden Krusten und zum Teil sind die Pferde richtiggehend lahm.
00:46:17
Speaker
Ja, und in diesem Fall war das jetzt auch nicht pigmentierte Haut.
00:46:21
Speaker
Und interessant ist, dass diese Vaskulitis aber auch in manchen Fällen auf pigmentierte Haut auftreten kann.
00:46:28
Speaker
Und dann sind die Symptome anders.
00:46:31
Speaker
Da treten mehr Schuppen auf und eine Alopexie und nicht dieses klassisch runde.
00:46:38
Speaker
Es sind natürlich viel weniger Fälle.
00:46:40
Speaker
Es sind immer häufiger die Hintergliedmaßen betroffen und bezüglich der Rassen ist beschrieben, dass es häufiger Warmblüter, Araber, Vollblüter und Quarter Horses betrifft.
00:46:54
Speaker
Beim Pferd ist es eine immunvermittelte bzw.
00:46:58
Speaker
Immunkomplexerkrankung und da ist die UV-Strahlung ein Trigger, genauso wie es Staphylokokken oder Pseudomonaden oder zum Beispiel auch Pollen oder eine sekundäre Bakteriele Dysbiöse sein können.
00:47:13
Speaker
Auch Medikamente stehen im Verdacht, eine Triggerwirkung zu haben, wie zum Beispiel NSAIDs oder Antiparasitika oder einige topische Substanzen.
00:47:23
Speaker
Also wenn wir jetzt ehrlich sind, wir kennen den Auslöser eigentlich nicht wirklich.
00:47:27
Speaker
Was es jetzt triggert?
00:47:30
Speaker
Und es existiert eine Veröffentlichung bezüglich sieben Ausbrüchen in Kalifornien.
00:47:36
Speaker
Die sind aufgetreten in den Jahren 2004 bis 2014.
00:47:40
Speaker
Und da entwickelten die Pferde eine primäre Photosensibilisierung mit Vaskulitis der Haut.
00:47:47
Speaker
Und diese Tiere wurden überwiegend mit Luzernheu gefüttert.
00:47:51
Speaker
Okay, und wurde das Heu genau untersucht?
00:47:55
Speaker
Ja, die haben echt geguckt.
00:47:56
Speaker
Also...
00:47:58
Speaker
Das Heu wurde sorgfältig auf fotosensibilisierende Pflanzen geprüft sowie auf Pestizidrückstände untersucht.
00:48:05
Speaker
Es konnte aber überhaupt nichts derartiges nachgewiesen werden.
00:48:09
Speaker
Und dann ist ein Fütterungsversuch mit diesem Luzerne-Heu noch durchgeführt worden.
00:48:13
Speaker
Und alle Pferde, die dieses Heu erhalten hatten, entwickelten eine chronisch ulcerative, nikotisierende Dermatitis mit oberflächlicher Vaskulitis der unpigmentierten Haut.
00:48:24
Speaker
Das ist ja grauselig, aber weiterhin konnte man nicht klären, warum bei den Pferden eine primäre Fotosensibilisierung ausgelöst worden war?
00:48:31
Speaker
Nee, die konnten es überhaupt nicht klären.
00:48:33
Speaker
Also die haben dann nochmal spezielle Chlorophylle kontrolliert und auch diese Werte lagen im Normbereich, also im Vergleich mit dem Wiesenheu ähnlich.
00:48:42
Speaker
Also sie konnten nicht erklären, warum die Pferde auf das Luzerneheu so reagiert haben.
00:48:46
Speaker
Das ist ja verrückt.
00:48:48
Speaker
Aber das ist die einzige veröffentlichte Studie zu dem Thema oder gibt es da noch mehr?
00:48:53
Speaker
Also ich habe nochmal rumgesucht, ich habe nichts gefunden.
00:48:55
Speaker
Also es war wirklich nur in Kalifornien in diesen zehn Jahren mit den sieben Ausbrüchen und danach wurde das nicht nochmal beschrieben.
00:49:04
Speaker
Okay, aber jetzt weiter zur Vaskulitis.
00:49:06
Speaker
Wir fangen an mit der Therapie.
00:49:08
Speaker
Jawohl.
00:49:08
Speaker
Und für jede topische Therapie müssen die Krusten weg, haben wir ja schon darüber gesprochen.
00:49:15
Speaker
Ja genau und dankenswerterweise wissen wir ja jetzt über die Biopsie und die bakterielle Kortovierung der Prüferprobe, dass Bakterien in der Tiefe keine Rolle spielen, sondern eine Immunkrankheit vorliegt.
00:49:29
Speaker
Und damit ist uns ja jetzt allen klar, Glykokortikoide stehen erstmal im Mittelpunkt.
00:49:34
Speaker
Welches Glykokortikoid verwendest du denn topisch?
00:49:38
Speaker
Also wenn man jetzt wirklich kleine Stellen hat, die verändert sind, dann könnte man ganz gut mit so einer Dexa-Augensalbe arbeiten.
00:49:46
Speaker
Andere Variante ist Beta-Galen-Lotion.
00:49:50
Speaker
Die enthält Beta-Methason.
00:49:52
Speaker
Das ist ein Tipp von Frau Dr. Gabe, nutze ich gerne.
00:49:56
Speaker
Und aus der Kleintiermedizin gibt es Kombiprodukte, die enthalten neben dem Cortison aber eben noch andere Inhaltsstoffe.
00:50:04
Speaker
Ja genau, da kommen wir jetzt an das Problem der Tiermedizin, dass diese topischen Präparate alle nicht nur Glucorticoide enthalten, sondern auch zusätzlich Antibiotika.
00:50:15
Speaker
Und das hatten wir jetzt gelernt, das ist vielleicht nicht so ganz sinnvoll, das so lange anzuwenden.
00:50:21
Speaker
Und dankenswerterweise wissen wir ja, wir haben ja gar keinen bakteriellen Erreger, der unser Hauptproblem ist.
00:50:27
Speaker
Und somit brauchen wir keine langfristige topische Antibiotikatherapie.
00:50:33
Speaker
Somit landen wir, wie beim Beta-Galen schon gesagt, sehr schnell beim Präparat aus der Humanmedizin, das ausschließlich ein Glucocorticoid enthält.
00:50:44
Speaker
So in den Übersichtsartikeln werden da unterschiedliche Wirkstoffe genannt und besonders stark anti-entzündlich wirken Beta-Methason, das ist das genannte Beta-Galen,
00:50:55
Speaker
Und Momethason.
00:50:56
Speaker
Und gerade Momethason wird jetzt in der Dermatologie sehr häufig eingesetzt, beispielsweise bei der atopischen Dermatitis, da es eine hohe anti-entzündliche Wirkung mit vergleichsweise geringer, systemischer und lokaler Nebenwirkungsrate verbindet.
00:51:14
Speaker
Also das Risiko für Hautatrophie, verzögerte Wundheilung oder Sekundärinfektion war im Vergleich zu manchen anderen topischen Glucocorticoiden geringer.
00:51:26
Speaker
Ja und vielleicht noch ein kleiner Punkt zur topischen Behandlung der Haut im Allgemeinen.
00:51:31
Speaker
Bei entzündlichen Hautveränderungen ist ein höherer Wassergehalt der verwendeten Formulierung häufig sinnvoll.
00:51:38
Speaker
Den höchsten Wasseranteil besitzen Lotionen, danach folgen Cremes und dann kommen die Salben mit dem geringsten Wasser und dem höchsten Fettanteil.
00:51:47
Speaker
Das bewirkt, dass Lotionen und Cremes eher kühlend und weniger okklusiv wirken, während Salben die Haut stärker abdichten und die Feuchtigkeit in der Haut drin halten.
00:51:57
Speaker
Eine Creme ist deshalb insbesondere bei akuten bis subakuten entzündlichen Hautveränderungen, die mit Wärme, Exodation und entsprechender Reizung einhergehen, häufig sinnvoller als die klassische Salbe.

Vergleich zwischen CPL und Mauke

00:52:08
Speaker
Salben kann man eher bei der trockenen, chronischen, hyperkeratotischen Maukeform oder rissiger Haut einsetzen, da dadurch auch die Krusten aufgeweicht werden.
00:52:18
Speaker
Ich finde, man merkt jetzt, dass wir echt differenzieren müssen.
00:52:21
Speaker
Du hast ja jetzt gerade die Zink-Lebertransalbe erwähnt.
00:52:25
Speaker
Also die wäre ja dann eher sinnig, wenn du keine starken Rötungen hast, sondern diese trockenen Veränderungen.
00:52:33
Speaker
Vielleicht jetzt greifen wir schon vor bei den Kaltblütern, wenn die die Hyperkeratose am Kapus haben.
00:52:39
Speaker
Aber wenn du so eine hochakute Fesselbeuge hast, hochakut entzündet, wäre wahrscheinlich so eine Zink-Lebertransalbe jetzt gar nicht so sinnig.
00:52:46
Speaker
Also wir müssen, glaube ich, wirklich ein bisschen variabler werden mit unserer topischen Therapie, je nach klinischem Bild.
00:52:54
Speaker
Das fand ich jetzt
00:52:55
Speaker
Ganz prägnant hier.
00:52:58
Speaker
So, abgesehen von den pflegerischen Maßnahmen ist explizit empfohlen, bei einer Vaskulitis die UV-Strahlenexposition zu verhindern.
00:53:06
Speaker
Und da wird das immer besser.
00:53:08
Speaker
Da existieren schon spezielle Gamaschen, die diese Pferde dann immer tragen bei UV-Strahlungsexpositionen.
00:53:19
Speaker
Jetzt haben wahrscheinlich viele ZuhörerInnen schon den Eindruck gewonnen, dass eine alleinige topische Therapie mit Glucocorticoiden bei einer Vaskulitis des Pferdes häufig nicht ausreichend ist.
00:53:29
Speaker
Und deshalb würden wir in vielen Fällen zusätzlich auch systemisch behandeln.
00:53:33
Speaker
Ja, und da fällt auf, wenn man die Empfehlungen der Glucocorticoide zur Behandlung einer Vaskulitis nachliest, dass da eine sehr hohe Anfangsdosis empfohlen wird.
00:53:44
Speaker
Und jetzt ist es ja so, wir gehen davon aus, dass die Vaskulitis auf Immunkomplexen beruht.
00:53:49
Speaker
Und somit brauchen wir eine Immunsuppression.
00:53:53
Speaker
Und Glucocorticoide haben einmal eine entzündungshemmende Dosis und eine immunsupprimierende Dosis, welche logischerweise deutlich höher ist als die rein entzündungshemmende Dosis.
00:54:07
Speaker
Ja genau, das kann man wunderbar in dem Hautbuch von Herrn Nottenbelt nachlesen.
00:54:12
Speaker
Die dort angegebene Dosis für eine entzündungshemmende Aktivität von Pretnisolon liegt initial bei 0,8 bis 2,2 Milligramm pro Kilo mit einer nachfolgenden Erhaltungsdosis von 0,4 bis 1 Milligramm pro Kilo.
00:54:27
Speaker
Und die immunsuppressive Wirkung wird nach diesem Buch bei 5 bis 7 Milligramm pro Kilo erreicht.
00:54:32
Speaker
Und das ist ja schon ziemlich bombastisch.
00:54:35
Speaker
Ja, ist echt hoch.
00:54:37
Speaker
In einem Übersichtsartikel zu der Equine-Pastendermetitis werden genau die Therapiemöglichkeiten für diese Vaskulitis aufgeführt.
00:54:46
Speaker
Und da wird eine Prednisolondosierung beginnend mit 1,5 bis 2,5 Milligramm pro Kilogramm alle 24 Stunden über 7 bis 14 Tage empfohlen.
00:54:58
Speaker
Danach über mehrere Wochen wird auf eine Dosis eingestellt.
00:55:02
Speaker
von 0,5 bis 1 Milligramm a 48 Stunden reduziert.
00:55:08
Speaker
Und ihr hört schon, das ist eine lange Cortison-Therapie, die da notwendig ist.
00:55:12
Speaker
Und die sagen auch, man bleibt auf dieser Dosis, bis die Symptome verschwunden sind.
00:55:17
Speaker
Bei Dexamethason ist das ein ähnliches Prinzip.
00:55:20
Speaker
Also man beginnt erst 7 bis 14 Tage relativ hoch, 0,02 bis 0,1 Milligramm pro Kilogramm alle 24 Stunden und geht dann zurück.
00:55:31
Speaker
runter auf vier bis sechs Wochen, auf diese 0,01 bis 0,02 Milligramm pro Kilogramm.
00:55:39
Speaker
Ich habe das jetzt bei einer Vaskulitis, die echt behandlungsresistent war, durchgeführt und diese hohe Dexadosis hat mir schon Nebenwirkungen beschert.
00:55:48
Speaker
Also das Fell wurde schlecht, die hat schlechter gefressen.
00:55:51
Speaker
Wir haben dann relativ schnell reduziert.
00:55:54
Speaker
Jetzt muss man sagen,
00:55:56
Speaker
Wir haben die nachfolgende Therapie, die jetzt kommt, auch angewendet.
00:55:59
Speaker
Diese Vaskulitis ist bis jetzt verschwunden unter UV-Gamaschen.
00:56:03
Speaker
Also das war ein Erfolg, aber wir sind echt hoch in eine Dexadosis eingestiegen.
00:56:09
Speaker
Okay.
00:56:10
Speaker
Bei Nottenbelt wird nicht explizit eine spezifische Vaskulitis-Therapie beschrieben, sondern vielmehr eine anti-immunsuppressive Behandlung.
00:56:19
Speaker
Als Beispiel wird Dexamethasone in der Dosierung von 0,1 bis 0,2 Milligramm pro Kilo genannt.
00:56:25
Speaker
Und diese Dosis wird über zehn Tage verabreicht.
00:56:28
Speaker
Innerhalb dieses Zeitraums sollte aber eine klinische Besserung eintreten.
00:56:32
Speaker
Wenn keine Besserung eintritt, muss man die Therapie überdenken bzw.
00:56:36
Speaker
die Diagnose nochmals kritisch überprüfen.
00:56:39
Speaker
Anschließend wird empfohlen, die Dosis alle zwei Wochen um etwa 20% zu reduzieren, bis die niedrigste Dosis erreicht ist, welche zur Kontrolle der Erkrankung erforderlich ist.
00:56:49
Speaker
Und ein vergleichbares Protokoll wird für das Pretnisolon beschrieben.
00:56:53
Speaker
In manchen Fällen ist die Gabe von Glucocorticoiden zur Kontrolle der Erkrankung nicht ausreichend oder wir möchten aus anderen Gründen die Dosis reduzieren.
00:57:01
Speaker
In diesen Fällen könnte man andere Immunsuppressiva zusätzlich verabreichen.
00:57:07
Speaker
Ja genau und es ist ganz spannend, bei den Pferden wird da als erstes Azathioprin genannt, das ist ein Immunsuppressivum.
00:57:15
Speaker
Allerdings ist die orale Bioverfügbarkeit am Pferd echt nicht gut.
00:57:21
Speaker
Und es existiert auch nur ein Fallbericht zu der Therapie.
00:57:24
Speaker
Da hat es funktioniert.
00:57:25
Speaker
Also das war ein boleuses Pemphigus.
00:57:29
Speaker
Und da hatte Azathioprin einen steroidsparenden Effekt.
00:57:33
Speaker
Also es wurde zunächst eine Kombination von Dexamethason und Azathioprin eingesetzt über 14 Wochen.
00:57:41
Speaker
Daraufhin wurde das Dexa langsam ausgeschlichen und im Ende blieb das Pferd dann unter einer reinen Azathioprin-Behandlung.
00:57:49
Speaker
Das erzielt über 63 Wochen ein gutes Ergebnis, aber dann verschlechterte sich das schon.
00:57:55
Speaker
Aber ich meine, ein bolöses Pempfigus ist einfach auch eine hochgradige Erkrankung.
00:58:00
Speaker
Bei der langfristigen Gabe von Azathioprin wurden bisher keine Nebenwirkungen beschrieben, doch egal bei welcher immunsuppressiven Therapie, wenn die so langfristig durchgeführt wird, wird empfohlen, regelmäßig Blutproben zu entnehmen und Blutchemie und Differentialblut zu erstellen.
00:58:17
Speaker
Und beim Asatioprin ist noch zu beachten, der Wirkungseintritt braucht drei bis sechs Wochen.
00:58:23
Speaker
Also das ist auf keinen Fall sinnvoll, das statt einem Cortison in einem hochakuten Vaskulitis-Schub alleinig zu verwenden.
00:58:31
Speaker
Das funktioniert nicht.
00:58:33
Speaker
In den neueren Übersichtsartikeln wird nicht Azathioprin erwähnt, sondern Pentoxyphilin.
00:58:40
Speaker
Und beim Hund gilt es ja mittlerweile als Goldstandard in der Vaskulitis-Therapie, da es bestimmte Interleukine und TNF-Alpha inhibiert.
00:58:49
Speaker
Und insofern könnte es einen kortisonsparenden Effekt haben.
00:58:54
Speaker
Die Autoren des Übersichtsartikels
00:58:57
Speaker
hatte mit einer Kombination aus Pentoxyphelin und Momethason einen guten Erfolg bei einer Vaskulitis.
00:59:04
Speaker
Das Pentoxyphelin hat sie systemisch alle zwölf Stunden oral verabreicht.
00:59:09
Speaker
Und auch hier ist ein verzögerter Wirkungseintritt von vier bis sechs Wochen beschrieben.
00:59:14
Speaker
Bezüglich der Kosten, die ja vielleicht interessant sind, also die liegen bei der Pentoxyphelin-Therapie bei 120 bis 130 Euro pro Monat, je nach der Dosis bei einem 500 Kilo schweren Pferd.
00:59:27
Speaker
Ja, also Pentoxifelin wird, wenn man sich mit Kleintierärzten unterhält, über Vaskulitis wirklich auch sofort genannt.
00:59:33
Speaker
Also die sagen, das sollte man.
00:59:35
Speaker
Und hat auch keine Nebenwirkungen, kann man ewig nehmen.
00:59:37
Speaker
Kostet halt nur was.
00:59:39
Speaker
Es geht noch weiter.
00:59:40
Speaker
Also wenn man in so einer Vaskulitis-Therapie steckt, ist man oft sehr frustriert, weil die Pferde nicht besser werden.
00:59:48
Speaker
Und man greift dann wirklich etwas verzweifelt in die Trickkiste mit humanen oder Kleintiermedikamenten.
00:59:55
Speaker
Und bei den Kleintieren wird in manchen Fällen als steroidsparendes Immunsuppressivo Methotrexat verwendet.
01:00:01
Speaker
Also in der Humanmedizin ist es absolut etabliert bei verschiedenen Formen von Vaskulitis.
01:00:07
Speaker
Da wird immer Folsäure substituiert.
01:00:09
Speaker
Also wie gesagt, aber in der Humanmedizin.
01:00:12
Speaker
Es existiert eine Studie zu der Methotrexat-Behandlung eines Esels mit der Kutanenform des Lupus Erythomatosus.
01:00:20
Speaker
Der wurde dann zunächst mit Prednisolon behandelt, assoziiert mit einer subkutanen einmalwöchigen Gabe von 25 mg Methotrexat.
01:00:29
Speaker
Und diese Therapie erzielte eine deutliche Verbesserung der Läsionen innerhalb von drei Monaten.
01:00:35
Speaker
Es konnte die Prednisolon-Therapie beendet werden und das Methotrexat wurde daraufhin einmal die Woche in einer Dosierung von 0,2 Milligramm pro Kilogramm über elf Monate verabreicht.
01:00:46
Speaker
Und in diesem Zeitraum zeigte der Esel keine Nebenwirkungen und die Erkrankung wurde wirklich erfolgreich kontrolliert.
01:00:54
Speaker
Okay, es ist ein Esel, muss man immer dazu sagen, ein Esel.
01:00:57
Speaker
Ja, trotzdem ist ja super, dass man so eine Erkrankung da in den Griff kriegt.
01:01:00
Speaker
Das ist ja klasse.
01:01:02
Speaker
Aus 2020 gibt es eine pharmakokinetische Studie mit einer niedrig dosierten Gabe von Methotrexat.
01:01:09
Speaker
Und entsprechend dieser Studie liegt die subkutane Bioverfügbarkeit bei 73%.
01:01:15
Speaker
Und die empfohlene potenziell sichere Dosis liegt bei einmal wöchentlich 0,2 Milligramm pro Kilo Subcutan.
01:01:23
Speaker
Kannst du was zu den Kosten sagen und wie wir an dieses Medikament rankommen, wenn wir uns dafür entscheiden sollten?
01:01:29
Speaker
Ja, kann ich, weil ich habe nämlich mit diesem Medikament ein Pferd mit Sarkoidose behandelt.
01:01:34
Speaker
Da haben wir echt ein bisschen rumprobiert.
01:01:35
Speaker
Also ein 500 Kilogramm Pferd bräuchte 100 Milligramm einmal wöchentlich.
01:01:40
Speaker
Es existieren Formulierungen mit zwei Milliliter und da sind 50 Milligramm drin.
01:01:45
Speaker
Da kostet eine Flasche 24 Euro.
01:01:48
Speaker
Das wäre dann 190 Euro pro Monat.
01:01:51
Speaker
Und diese Sarkoidose wird ja durchgehend therapiert.
01:01:53
Speaker
Also das wurde dann echt teuer.
01:01:55
Speaker
Und wir sind dann umgestiegen auf eine Infusionslösung mit 500 Milligramm in 20 Milliliter.
01:02:05
Speaker
Und die haben wir verdünnt.
01:02:06
Speaker
Und dann einmal die Woche subkutan verabreicht.
01:02:09
Speaker
Das hat gut funktioniert.
01:02:11
Speaker
Die hat keine Nebenwirkungen gezeigt.
01:02:13
Speaker
An der Injektionsstelle...
01:02:16
Speaker
entwickelte sich da eine kahle Stelle, also eine Alopexie.
01:02:21
Speaker
Warum auch immer.
01:02:22
Speaker
Aber das war das Einzige, was bei der Studie auftrat und das war über ein Jahr, die wir die so therapiert haben.
01:02:28
Speaker
Okay, das ist ja auch eine super Therapiemöglichkeit.
01:02:31
Speaker
Falls ihr vermehrt in der Kleintiermedizin unterwegs seid oder nochmal nach einer anderen immunsuppressiven Therapie recherchiert, dann werdet ihr bestimmt auf Mycophenolat-Mofetil oder kurz MMF stoßen.
01:02:43
Speaker
Das ist beim Pferd im Moment nicht geeignet, da es in der Studie bei allen Pferden der Studie innerhalb von sieben Tagen zu starken Nebenwirkungen kamen.
01:02:55
Speaker
Wir werden ja immer wieder gefragt, können wir was ergänzend füttern?
01:03:00
Speaker
Also natürlich muss das Pferd zur Hautregeneration adäquat gefüttert werden.
01:03:04
Speaker
Also eine ausreichende Eiweißaufnahme, das haben wir schon mal erwähnt.
01:03:07
Speaker
Die Eiweißaufnahme ist, wenn Pferde nur Heu bekommen, begrenzt, weil das Heu weniger Eiweiß enthält, als früher.
01:03:13
Speaker
Ein vitaminisiertes Mineralfutter sollte zur Verfügung stehen oder in ausreichender Menge ein vitaminisiertes, mit Mineral zugesetztes Müsli oder Pellet.
01:03:23
Speaker
Dann ist die Zinkaufnahme nicht unwichtig.
01:03:26
Speaker
Zur Regeneration, das heilt nicht, aber die Regeneration kann verbessert werden.
01:03:31
Speaker
Die sollte etwas höher liegen als der Haltungsbedarf, aber bitte auch keine Unmassen von Zink füttern lassen.
01:03:37
Speaker
Das veränderte in einer Untersuchung nämlich die Mikroflora des Darms.
01:03:41
Speaker
Also zu viel ist da jetzt auch nicht gut.
01:03:44
Speaker
Und auf die Zinkquelle sollte geachtet werden.
01:03:46
Speaker
Es ist gezeigt worden, dass Zinksulfat oder Zinksulfat-Gelat besser aufgenommen wird im Vergleich zu Zinkoxid.
01:03:54
Speaker
Auf jeden Fall wird auch empfohlen zusätzlich Omega-3-Fettsäuren.
01:03:59
Speaker
zu verabreichen.
01:04:00
Speaker
Da streiten sich so ein bisschen die Geister.
01:04:02
Speaker
Es gibt ja einmal das Leinöl, das enthält Alpha-Linolensäure.
01:04:07
Speaker
Und dann gibt es Produkte basierend auf Fisch- oder Algenöl.
01:04:10
Speaker
Und die Diskussion beruht darauf, dass es nur eine Untersuchung gibt zur Entzündungshemmung.
01:04:15
Speaker
von den beiden wichtigen Fettsäuren.
01:04:18
Speaker
Das ist die Docasahexaensäure und die Alcasopentaensäure.
01:04:23
Speaker
Und diese beiden Säuren sollen entzündungshemmend wirken.
01:04:26
Speaker
Das haben wir in dem Asthma-Podcast schon erzählt.
01:04:29
Speaker
Da ist auch die Dosis drin.
01:04:31
Speaker
Und die werden aber nicht aus diesem Alpha-Linolen gebildet im Körper.
01:04:36
Speaker
Das bedeutet, eigentlich müssen wir deshalb Fisch oder Algenöl zufüttern.
01:04:39
Speaker
Aber dann steht halt die Frage, wie
01:04:42
Speaker
Was macht eigentlich ein Pferd so mit Fisch und Algenöl?
01:04:44
Speaker
Das ist ja nicht die normale Futtergrundlage.
01:04:45
Speaker
Also da ist so ein bisschen Diskussion.
01:04:47
Speaker
So, das war jetzt viel, ne?

Milbenbekämpfung bei CPL

01:04:51
Speaker
Okay, ich versuche eine Zusammenfassung.
01:04:53
Speaker
Also die leukozytoklastische Vaskulitis gilt als Immunkomplexerkrankung.
01:04:58
Speaker
Sie betrifft oft die Hintergliedmaße und oft nicht pigmentierte Haut.
01:05:03
Speaker
Klinisch sind es schmerzhaft stark gerötete Läsionen, die beginnen oft rund und gut abgegrenzt, mit Exudation und sehr fest anheftenden Krusten.
01:05:13
Speaker
Eigentlich
01:05:15
Speaker
Oft medial oder lateral an der Fesselbeuge oder sie zieht medial und lateral hoch.
01:05:20
Speaker
Man sieht wirklich, dass sie dem Gefäßlauf entlangläuft.
01:05:23
Speaker
Es existieren verschiedene Trigger, aber es ist nicht wirklich klar, was hauptverantwortlich ist.
01:05:29
Speaker
Wichtig ist der Schutz gegen UV-Strahlung.
01:05:32
Speaker
Wir haben das noch nicht explizit erwähnt.
01:05:34
Speaker
Die Prognose ist vorsichtig.
01:05:36
Speaker
Es ist eine frustrierende Behandlung und es treten oft Rezidive auf.
01:05:40
Speaker
Im Rahmen der Therapie müssen erstmal die Krusten entfernt werden.
01:05:44
Speaker
Topisch eingesetzte Gluke-Kortikoide, da ist Mometason-Vorrat,
01:05:51
Speaker
Wichtig, gerne im Wechsel mit einer pflegerischen Hautcreme.
01:05:55
Speaker
Die systemische Therapie in der Regel mit Glucocorticoiden und eventuell noch zusätzlich, wenn ihr sehr lange Glucocorticoide verwenden müsst, um einen steroidsparenden Effekt zu erzielen, gesonderte Immunsuppressiva.
01:06:10
Speaker
Und wenn die BesitzerInnen noch etwas Tolles dazu tun wollen, eine zusätzliche Omega-3-Fettsäuren ist sinnvoll, bevorzugt Fisch oder Algenöl.
01:06:24
Speaker
Neben der Vaskulitis gibt es ja auch noch eine andere Form dieser Equal-Pest und Dermatitis und zwar das chronisch progressive Lymphödem.
01:06:33
Speaker
Das tritt ja eigentlich fast nur, nee, das tritt nur bei Pferden mit starkem Behang und natürlich ausgeprägt bei Kaltblütern auf.
01:06:42
Speaker
Zu annähernd 65 Prozent der deutschen Kaltblüter und bei belgischen Kaltbluthengsten lag die Prävalenz bei 82 Prozent.
01:06:53
Speaker
Ja, wir hatten ja zu Beginn schon erwähnt, dass Pferde mit starkem Behang schneller eine Dermatitis der Fesselbeuge entwickeln.
01:07:00
Speaker
Und es ist ja auch logisch, durch den Behang hält sich länger Feuchtigkeit und Schmutz an der Haut und auch Schuppen, die die Nahrung der Choreoptesmilben darstellen.
01:07:08
Speaker
Die Therapie wird später begonnen, weil die Problematik für die BesitzerInnen gar nicht offensichtlich ist, weil es nicht erkannt werden kann durch die Haare.
01:07:17
Speaker
Und neben den klassischen Schuppen und Krusten entwickeln sich dicke Hautfalten, Knoten, Fibrosen und so veroköse Veränderungen sowie eine progressive Umfangsvermehrung der distalen Gliedmaße.
01:07:31
Speaker
Ja, ja, und die verokösen Veränderungen behandeln wir mit Jodlösung.
01:07:35
Speaker
Richtig, klappt super.
01:07:37
Speaker
Jetzt sofort wieder weg.
01:07:39
Speaker
Ich habe mir jetzt echt die Frage gestellt, ich finde das ganz spannend, warum?
01:07:43
Speaker
Also warum entstehen bei diesen Pferden die fibrotischen Veränderungen und nicht jetzt zum Beispiel beim Warmblut oder beim Araber, wenn die so eine klassische EPD aufweisen?
01:07:57
Speaker
Und dann liest man ja nach.
01:07:59
Speaker
Und das könnte daran liegen, da gibt es natürlich jetzt unterschiedliche Theorien, dass bei den betroffenen Pferden pathologische Veränderungen des Lymphsystems festgestellt worden sind.
01:08:09
Speaker
Und zwar war die lymphatische Clearance verzögert.
01:08:13
Speaker
Und dann wurden andere Schlüsselkomponenten genannt, also zum Beispiel progressive Fibrose des Gewebes und eine Störung der Elastinmatrix.
01:08:23
Speaker
Ja, und diese Komponenten beeinflussen sich dann gegenseitig, sodass ein Teufelskreis entsteht.
01:08:29
Speaker
Welcher Faktor am Anfang steht, das wird derzeit noch diskutiert.
01:08:33
Speaker
Eine genetische Prädisposition scheint zu bestehen.
01:08:37
Speaker
Allerdings konnten bis jetzt keine spezifisch assoziierten Gene identifiziert werden.
01:08:42
Speaker
Sag mal, was ist denn diese Störung der elastischen Matrix?
01:08:44
Speaker
Das klingt ja irgendwie schräg.
01:08:48
Speaker
Ja, also die haben festgestellt, dass sowohl quantitativ als auch qualitativ dermale und perilymphatische Elastinanomalien bei diesen betroffenen Kaltblütern auftreten.
01:09:01
Speaker
Und es wurden auch Anti-Elastin-Antikörper bei den erkrankten Pferden festgestellt.
01:09:07
Speaker
Das deutet auf einen pathologischen Abbau der elastischen Fasern hin und auf Gewebeschäden.
01:09:13
Speaker
Und das resultiert in einem Versagen des elastischen Hautnetzwerks.
01:09:18
Speaker
Und das wiederum führt zu einer unzureichenden lymphatischen elastischen Unterstützung und somit zu einer reduzierten lymphatischen Drainage.
01:09:30
Speaker
Okay, und das Endformlied ist dann, dass die Lymphgefäße nicht mehr richtig funktionieren und das lang anhaltende Ödem führt zu einer Fibrose und im weiteren Verlauf entstehen dann die fibrösen Knoten und die verdeckten Hautfalten.
01:09:42
Speaker
Ja, genau.
01:09:44
Speaker
Ja, und dann geht es noch weiter.
01:09:47
Speaker
Die beeinträchtigte Zirkulation der Lymphflüssigkeit und
01:09:52
Speaker
Der lymphatischen Drainage führt dann wiederum zu einem häufigen Auftreten von sekundären Infektionen.
01:10:00
Speaker
Und das ist dann wieder ein Punkt, der diesen ganzen Krankheitskomplex aufrechterhält.
01:10:04
Speaker
Ja, und wie immer, wenn wir nicht ganz genau wissen, wie so eine Erkrankung entsteht, gibt es natürlich eine zweite Hypothese.
01:10:11
Speaker
Und zwar, dass eine chronische Entzündung der primäre Mechanismus ist und darauf die pathologischen Veränderungen beruhen.
01:10:19
Speaker
Und so entstehen dann Gewebsödeme und Läsionen, die fortschreiten bis zu einer hyperplastischen Fibrose.
01:10:27
Speaker
Es ist wohl so, dass bakterielle Infektionen oder Milben oder auch Novaskulitis diese Entzündung auslösen können.
01:10:34
Speaker
Und die veränderte funktionale Bildung von Lymphgefäßen resultiert im Endeffekt aus der chronischen Entzündung heraus.
01:10:40
Speaker
Also wissen wir nicht, wie so oft, was war das Ei und was war das Huhn.
01:10:45
Speaker
Ja, haben echt viele Theorien bei dieser Folge.
01:10:50
Speaker
Im Gegensatz zu der klassischen EPD, die ja eher bei adulten Pferden vorkommt, entwickeln die Kalbblüter schon in einem Alter von zwei Jahren die ersten Läsionen.
01:11:01
Speaker
Das beginnt mit einem Ödem, charakteristischerweise in der Fessel- und Kronregion.
01:11:07
Speaker
Das bleibt aber meist unbemerkt aufgrund des starken Behangs der Pferde.
01:11:12
Speaker
Und die Erkrankung schreitet im Alter immer weiter vor.
01:11:15
Speaker
Es ist entreten, immer mehr Hautfalten auf.
01:11:18
Speaker
Und das ist einfach diese dermale Verdickung, die diese Pferde entwickeln.
01:11:24
Speaker
Und da ist ja logisch, dass in diesen dicken, aneinanderliegenden Hautfalten eine Reibung entsteht.
01:11:30
Speaker
Und da hat man dann Wärme, Feuchtigkeit und Debris und somit den perfekten Nährboden für eine Entzündung und natürlich auch für die Vermehrung von Bakterien.
01:11:39
Speaker
Wir schauen ja bei diesen Pferden,
01:11:42
Speaker
Relativ schnell in diese Fesselbeugenregion.
01:11:45
Speaker
Jetzt ist aber auch noch charakteristisch, dass die Tiere eine Hyperkeratose der Haut, also massive Keratinansammlungen mit trockener, schuppiger und mechanisch vulnerablen Haut entwickeln und zwar Palma im Bereich des Kapus.
01:12:01
Speaker
Dorsal im Bereich des Tarsus.
01:12:03
Speaker
Das sind Stellen, die während der Bewegung hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind.
01:12:10
Speaker
Dadurch ist natürlich das Risiko, dass da Ulzera entstehen, sehr groß.
01:12:14
Speaker
Die sind wiederum anfällig für sekundäre Infektionen.
01:12:17
Speaker
Das wiederum kann zu einer Zellulitis oder Lymphangitis führen.
01:12:21
Speaker
Und dann kommt wieder unser Lieblingsbakterium, der Staphylococcus aureusum, macht eine wunderschöne sekundäre Infektion.
01:12:28
Speaker
Ja, super.
01:12:28
Speaker
Wir haben ja schon erwähnt, dass bei diesem Krankheitskomplex Milben eine Rolle spielen.
01:12:33
Speaker
Die fühlen sich unter dem Behang natürlich total wohl, weil die Milben durch den Behang sehr viele Hautschüppchen als Nahrungsquelle haben.
01:12:40
Speaker
und Schutz vor extremen Temperaturen genießen.
01:12:43
Speaker
Diese Milben verschlechtern aber leider den Krankheitszustand, da sie einen Juckreiz auslösen und dadurch bedingen sie eventuell Verletzungen durch das Kratzen der Pferde und es folgen dann Krusten und Alopezi.
01:12:56
Speaker
Pathophysiologisch wird vermutet, dass die chronische Milbeninfektion eine persistierende Entzündungsreaktion an den distalen Gliedmaßen auslöst und diese chronische Entzündung könnte dann langfristig die proliferativen Hautveränderungen und die Fibrose fördern, die ja typisch für die CPL sind.
01:13:15
Speaker
Es ist nur immer wieder spannend, dass die Ausprägung des Milbenbefalls, also wie viele Milben festgestellt worden sind, nicht in Korrelation zu der Ausprägung der Läsionen steht.
01:13:25
Speaker
Also ist immer noch die Frage, haben die Milben eine Bedeutung?
01:13:28
Speaker
Und in einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2025 war die Prävalenz von diesem Choreoptes bovis Milben bei belgischen Kaltblutpferden und dem möglichen Zusammenhang mit dem chronisch-progressiven Lymphödem das Thema.
01:13:44
Speaker
Ja, dabei wurden insgesamt 156 belgische Kaltblüter und zusätzlich 142 Warmblüter als Kontrollgruppe untersucht.
01:13:53
Speaker
Und bei den Kaltblütern wurden bei über 92% Choreoptismilben nachgewiesen, bei den Warmblütern keiner.
01:14:00
Speaker
Das ist irre, ne?
01:14:02
Speaker
Ja.
01:14:04
Speaker
Das ist echt irre.
01:14:05
Speaker
Und wir suchen die ja schon auch bei den Warmblütern.
01:14:08
Speaker
Ja, gleichzeitig hatten dann 81 Prozent der Kalbblüter klinische Veränderungen entsprechend eines chronisch-progressiven Lymphedems.
01:14:17
Speaker
Das Auftreten von CPL korrelierte signifikant mit dem Nachweis der Milben.
01:14:22
Speaker
Die Wahrscheinlichkeit, Läsionen entsprechend von CPL zu entwickeln, war doppelt so hoch, wenn Milben nachgewiesen worden waren.
01:14:30
Speaker
Es ist aber trotzdem noch, es bleibt die große Frage, sind Milben die Ursache von CPL oder ist es doch nur ein Begleitproblem, was die Entzündung weiter triggert?
01:14:41
Speaker
Die Frage nach Henne und Ei begleitet uns also weiter, aber die Studie kann das tatsächlich nicht endgültig beweisen, weil es sich um eine Querschnittsstudie handelt.
01:14:51
Speaker
Statistisch war der Zusammenhang aber sehr stark.
01:14:53
Speaker
Pferde mit Milben hatten etwa doppelt so häufig CPL als milbenfreie Pferde.
01:14:59
Speaker
Wir besprechen nachher noch eine zweite Studie, deren Ergebnisse auch darauf hindeuten, dass Milben wohl auch ursächlich sein können.
01:15:05
Speaker
Was ich spannend fand bei diesen Ergebnissen, dass bereits Fohlen betroffen waren, nicht wahr?
01:15:11
Speaker
Ja, das ist völlig verrückt.
01:15:12
Speaker
Bei Fohlen unter einem Jahr wurden bereits bei etwa 86 Prozent Milben gefunden, teilweise im Alter von nur sechs Tagen.
01:15:20
Speaker
Das finde ich schon irre und das spricht ja stark dafür, dass die Übertragung direkt von der Mutterstute auf das Fohlen erfolgt.
01:15:26
Speaker
oder eben unmittelbar nach der Geburt durch die Umgebung.
01:15:30
Speaker
Trotz des hohen Milbenbefalls hatten die meisten jungen Pferden interessanterweise aber noch keine ausgeprägten CPL-Läsionen.
01:15:38
Speaker
Das würde ja jetzt dagegen sprechen, dass die Milben so ganz ursächlich für die Symptome sind.
01:15:42
Speaker
Oder die Erkrankung braucht halt einfach sehr lange, um sich so zu entwickeln, dass wir die feststellen.
01:15:48
Speaker
Ich fand auch interessant, dass die Autoren betonen, dass der Behang nicht alleinig für die Prävalenz des Milbenbefalls bei dieser Rasse verantwortlich sein soll.
01:15:59
Speaker
Denn der Gedanke ist natürlich, ja klar, eigentlich müsste das sofort kommen.
01:16:04
Speaker
Diese Choreoptismilben betreffen ja auch Rinder ohne starken Behang deutlich.
01:16:09
Speaker
Genau, und deshalb vermuten die Autoren zusätzlich rassespezifische Unterschiede der Hautphysiologie.
01:16:16
Speaker
Bereits ältere Arbeiten zeigten wohl, dass bestimmte Choreoptispopulationen speziell an Kaltblutpferde angepasst sein könnten.
01:16:22
Speaker
Mhm.
01:16:24
Speaker
So, jetzt einmal eine kurze Zusammenfassung.
01:16:26
Speaker
Also das chronisch-progressive Lymphedem betrifft Pferde mit starkem Behang, insbesondere Kalbblüter.
01:16:33
Speaker
Es entwickeln sich Hautfalten, knotige Veränderungen, die oft mit Ulcera und dann sekundären bakteriellen Infektionen einhergehen.
01:16:41
Speaker
Im Gegensatz zur klassischen EPD bestehen pathologische Veränderungen des Lymphsystems.
01:16:47
Speaker
Choreoptesmilben spielen vermutlich eine wichtige Rolle,
01:16:51
Speaker
Jetzt nochmal, die Stärke des Milbenbefalls korreliert aber nicht mit der Schwere der Läsionen.
01:16:56
Speaker
Das CPL ist progressiv und derzeit unheilbar und im nächsten Abschnitt gehen wir auf die Therapie ein.
01:17:07
Speaker
Wir haben ja jetzt schon erwähnt, dass CPL progressiv und derzeit unheilbar ist.
01:17:11
Speaker
Also damit zielt die Therapie eigentlich darauf ab, die Progression zu verlangsamen, die Lebensqualität der Pferde zu verbessern.
01:17:19
Speaker
Man muss deutlich sagen, das bedeutet eine lebenslange, intensive Pflege dieser Pferde.

Pflege und Behandlung von EPD und CPL

01:17:26
Speaker
Ja, wir sind jetzt ja schon öfter auf die Bedeutung des Behangs bei diesem Krankheitskomplex eingegangen und somit ist eigentlich klar, dass das regelmäßige Scheren dieses Behangs von besäußerer Bedeutung ist, denn dadurch kann die Haut besser kontrolliert werden, es ist weniger Feuchtigkeit und Debris vorhanden und die Therapie wird natürlich erleichtert sowie die Belastung von Milben und Mikroorganismen verringert.
01:17:49
Speaker
Ja, und um sekundäre Infektionen so gering wie möglich zu halten, ist ein regelmäßiges Waschen wichtig und zwar mit milden antiseptischen Shampoos.
01:17:57
Speaker
In Fällen mit extremen Krusten oder Schuppen kann ein keratolytisches Shampoo sinnvoll sein, also zum Beispiel mit Benzoölperoxid.
01:18:06
Speaker
Aber Achtung, es ist nicht so freundlich zur Hautbarriere und trocknet auch eher aus.
01:18:12
Speaker
Der nächste Schritt ist dann das Eincremen.
01:18:14
Speaker
Zum einen mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme zur Verbesserung der Hautelastizität und der Hautbarriere.
01:18:21
Speaker
Die haben wir ja schon bei der EPD erwähnt.
01:18:23
Speaker
Zum anderen kann man eventuell keratolithische Cremes einsetzen mit Harnstoff oder Salicylsäure.
01:18:29
Speaker
Und besonders im palmaren Bereich des Karpus oder am dorsalen Bereich des Tarsus ist es wichtig, die Hautelastizität zu erhalten, weil da ja sehr viel hyperkeratotische Krusten vorliegen.
01:18:41
Speaker
Ja, und wenn ihr den Verdacht habt, dass eine aktive sekundäre bakterielle Infektion überhand nimmt, können natürlich lokal Antibiotika eingesetzt werden, wie bei EPD.
01:18:51
Speaker
Also landen wir wieder, weil es auch Staphylococcus sind, die dort vermehrt vorkommen, bei dem Silbasulfadiazin, da dieses Jahr ganz gut gegen Staphylococcus hilft und gut in die Epidermis penetriert.
01:19:06
Speaker
Wir können natürlich auch einmal eine Honigsalbe empfehlen, die ja auch bei bakteriellen Infektionen effektiv sein soll.
01:19:14
Speaker
Da wäre aber wichtig, das sollte dann schon der medizinische Manuka-Honig sein.
01:19:18
Speaker
Wir gehen gleich sehr ausführlich auf die Bekämpfung der Milbeninfektionen ein.
01:19:23
Speaker
Hier ist nur im Vorfeld schon zu erwähnen, dass die Milben sehr lange in der Umgebung der Tiere überleben können.
01:19:28
Speaker
Das heißt, regelmäßiges Misten und Säubern des Stalls ist von essentieller Bedeutung.
01:19:33
Speaker
Eine weitere Ansteckungsquelle, die man vielleicht gerne vergisst, sind auch Kontaktpferde.
01:19:38
Speaker
Ja, wir enden ja mit den Milben.
01:19:39
Speaker
Wir machen jetzt noch davor einen anderen Bereich und zwar haben wir ja ein Problem mit der Lymphdrainage und die unterstützen wir auf jeden Fall mit regelmäßiger Bewegung, da Muskelaktivität die Lymphdrainage unterstützt.
01:19:53
Speaker
Dann ist zu sagen, dass schon eine reine Weide- oder Paddockhaltung günstiger ist als eine Stallhaltung.
01:20:00
Speaker
Richtig.
01:20:01
Speaker
Und was noch eine Verbesserung erzielen kann im Hinblick auf das Lymphödem ist die manuelle Lymphdrainage, wie du ja auch schon gesagt hast.
01:20:07
Speaker
In einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 wurde zunächst eine manuelle Lymphdrainage durchgeführt und anschließend wurden die Gliedmaßen einmandagiert.
01:20:17
Speaker
Haben die die Beine dann erst geschoren?
01:20:19
Speaker
Also wie kann ich mir das jetzt das Vorgehen genau vorstellen?
01:20:22
Speaker
Wie haben die das gemacht?
01:20:22
Speaker
Die haben die Gliedmaßen geschoren und dann haben sie den Umfang gemessen.
01:20:26
Speaker
Und vor Beginn dieser Pilotstudie sind die bakteriellen Infektionen die Vorlagen behandelt worden.
01:20:33
Speaker
Zunächst wurde die manuelle Lymphdrainage durchgeführt und danach wurden die Gliedmaßen eingecremt, Verbandswatte angelegt und die Kompressionsbandagen in mehreren Schichten von Distal nach Proximal gewickelt.
01:20:46
Speaker
Und das waren jetzt aber besondere Bandagen.
01:20:47
Speaker
Also das waren jetzt nicht die, die wir normal im Auto haben.
01:20:51
Speaker
Wo kriegen wir die jetzt her und wie viel kosten die?
01:20:54
Speaker
Genau, also das sind sogenannte Kurzzugbinden und die erzeugen bei entspannter Muskulatur einen niedrigen Arbeitsdruck und während der Bewegung einen höheren Arbeitsdruck.
01:21:04
Speaker
Das wollen wir ja.
01:21:06
Speaker
Und dadurch wird ein unterstützender Druck auf die Lymphgefäße ausgeübt und eine erneute Ansammlung von Lymphflüssigkeit wird verhindert.
01:21:15
Speaker
Nach dem Anlegen der Bandagen wurden die Pferde 20 bis 30 Minuten Schritt geführt, um den Lymphfluss zusätzlich zu steigern.
01:21:22
Speaker
Und diese Kurzzugbinden sind Kompressionsbandagen, die kann man bestellen.
01:21:27
Speaker
Die sind natürlich leider nicht ganz günstig, da wir ja auch riesen Füße haben oder Gliedmaßen haben, kommt da schon so ein bisschen was zusammen.
01:21:35
Speaker
Also so zwischen 30 bis 100 Euro bei Erstanschaffung muss man rechnen.
01:21:40
Speaker
Aber diese Binden kann man waschen und angeblich bis zu 50 Mal wiederverwenden.
01:21:45
Speaker
Okay, und wie lange wurde das Verfahren jetzt eingesetzt und war es erfolgreich?
01:21:49
Speaker
Ja, die haben das Verfahren 14 Tage lang täglich durchgeführt und haben damit eine Volumenreduktion um 11 Prozent erzielt.
01:21:57
Speaker
Zum Teil sogar doppelt so viel bis zu 22 Prozent.
01:22:01
Speaker
Und zusätzlich verbesserte sich die Qualität der Bewegung.
01:22:04
Speaker
Man muss aber dazu sagen, es war eine Pilotstudie mit gerade mal fünf Pferden.
01:22:09
Speaker
Okay, bevor wir jetzt zu den letzten aktuellen Studien kommen, fasse ich einmal kurz zusammen.
01:22:14
Speaker
Die therapeutischen Maßnahmen dieser Erkrankung dienen nicht der Heilung, sondern der Verlangsamung der Progression.
01:22:21
Speaker
Und es ist eine lebenslange intensive Pflege erforderlich.
01:22:23
Speaker
Das muss man den BesitzerInnen wirklich deutlich sagen.
01:22:27
Speaker
Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist das regelmäßige Scheren des Behangs und einmal die Progression zu verfolgen und wirklich an die Läsionen ranzukommen.
01:22:38
Speaker
Dann gefolgt von regelmäßigem Waschen und Trocknen, also gerade zwischen den Falten.
01:22:42
Speaker
Manche Leute verwenden da auch einen Föhn.
01:22:45
Speaker
In Abhängigkeit vom Krankheitsbild wird gewaschen mit milden antiseptischen Shampoos oder bei starker Schuppenbildung und Krustenbildung eventuell mit keralytischen Shampoos.
01:22:55
Speaker
Feuchtigkeitscreme wird eingesetzt zur Verbesserung der Hautelastizität und der Hautbarriere.
01:23:01
Speaker
Da auch wieder eventuell keralytische Cremes mit Harnstoff oder Salicylsäure.
01:23:07
Speaker
Eventuell müsst ihr regelmäßig bakterielle Infektionen behandeln.
01:23:12
Speaker
Und die Unterstützung der Lymphdrainage beruht zum einen auf regelmäßiger Bewegung manueller Lymphdrainage.
01:23:20
Speaker
Und dann kann man auch mal versuchen, die Kompression mit diesem speziellen Kompressionsverband über 14 Tage durchzuführen.

Studie zur Behandlung von Milbenbefall mit Moxidektin-Pur-On

01:23:29
Speaker
Das erzielte schon bei fünf Pferden jetzt eine Volumenreduktion.
01:23:37
Speaker
Jetzt haben wir schon sehr viel über die Rolle der Milben gesprochen und wollen die natürlich auch bekämpfen.
01:23:42
Speaker
Und genau zu diesem Thema gibt es eine sehr spannende neue Studie.
01:23:45
Speaker
Worum ging es denn da?
01:23:46
Speaker
Ja, da hat die Arbeitsgruppe der Universität Gent untersucht, ob eine topische Behandlung mit Moxidektin-Pur-On die Choreoptis-Bobbis-Infektion bei belgischen Kaltblütern eliminieren kann und welchen Einfluss das dann auf die klinischen Veränderungen des chronisch-progressiven Lymphedems hat.
01:24:04
Speaker
Wie war die Studie aufgebaut?
01:24:06
Speaker
Insgesamt waren es 19 belgische Kalbblüter.
01:24:09
Speaker
Die hatten zum einen klinische Anzeichen von CPL, also dem chronisch-progressiven Lymphedem, und einen positiven Milbennachweis im Hautgibschabsel.
01:24:18
Speaker
Die Pferde wurden randomisiert, entweder mit Moxidektin oder einem Placebo behandelt.
01:24:23
Speaker
Vor Therapiebeginn wurde der komplette Behang der distalen Gliedmaße geschoren.
01:24:28
Speaker
Anschließend erfolgte zweimal im Abstand von sieben Tagen die lokale Behandlung mit Moxidektin direkt auf die distalen Gliedmaßen.
01:24:37
Speaker
In regelmäßigen Abständen wurden die Pferde in Hinblick auf Juckreiz, Milben-assoziierte Hautläsionen und Veränderungen entsprechend von CPL beurteilt und die Milben gezählt.
01:24:50
Speaker
Alles klar, viel Spaß.
01:24:52
Speaker
Wie war die Dosierung von Moxidektin und was genau für ein Produkt wurde verwendet?
01:24:57
Speaker
Also die Dosierung liegt bei 1,5 Milligramm pro Kilogramm Pferd.
01:25:02
Speaker
Und verwendet wurde ein 0,5-prozentiges Zydektin-Pur-On.
01:25:06
Speaker
Das wurde mit der Spritze direkt auf die geschorene Haut aufgetragen und manuell verteilt.
01:25:13
Speaker
Und lass mich raten, das gibt es zur Abwechslung mal in Deutschland käuflich erhältlich.
01:25:18
Speaker
Ja, das können wir kriegen.
01:25:19
Speaker
Der kostet 1 Liter ca.
01:25:20
Speaker
93 Euro im Einkauf.
01:25:22
Speaker
Ja, es ist eine deutlich höhere Dosierung, als man sie normalerweise oral beim Pferd kennt, die wir da nutzen.
01:25:28
Speaker
Ja, genau, das diskutieren die Autoren auch.
01:25:31
Speaker
Der Hintergrund ist, dass pur unverwendete makrozyklische Laktone beim Pferd nur eine begrenzte systemische Bioverfügbarkeit besitzen.
01:25:41
Speaker
Und gleichzeitig kommt ja noch dazu,
01:25:44
Speaker
dass die CPL-Pferde massive Hyperkeratosen, Krustenbildungen und diese dicke Haut haben, die dann auch die Penetration verschweren können.
01:25:53
Speaker
Und deshalb wurde bewusst hochdosiert und direkt an den Prädilektionsstellen appliziert.
01:26:00
Speaker
Und wie wirksam war die Behandlung?
01:26:03
Speaker
Ja, das war mega.
01:26:04
Speaker
Also erstaunlich effektiv.
01:26:06
Speaker
Eine Woche nach Beginn der Behandlung, also an Tag 14, konnten bei keinem Pferd der Moxidektin-Gruppe mehr lebende Milben nachgewiesen werden.
01:26:14
Speaker
Bis 20 Wochen nach Behandlung blieb dieser Milbennachweis negativ.
01:26:19
Speaker
Erst an Tag 168 wurden bei drei Pferden erneut lebende Milben gefunden.
01:26:25
Speaker
Das entspricht einer Wirksamkeit von 100 Prozent an Tag 14 und an Tag 56.
01:26:29
Speaker
Und das, obwohl mehrere Pferde dieser Gruppe direkten Kontakt zu befallenen Tieren hatten und keine Umgebungsbehandlung durchgeführt wurde.
01:26:39
Speaker
Und in der Placebo-Gruppe wurden bei allen Pferden mit Ausnahme von einem weiterhin Milben festgestellt.
01:26:44
Speaker
Okay, das ist ja super.
01:26:45
Speaker
Aber gab es auch klinische Verbesserungen?
01:26:47
Speaker
Ja, und zwar deutlich.
01:26:49
Speaker
Bereits nach sieben Tagen kam es zu einer signifikanten Reduktion des Pruritus.
01:26:54
Speaker
Dieser Juckreiz verschwand dann vollständig bis Tag 14 und blieb auch aus bis zum Studienende.
01:27:03
Speaker
Und im Vergleich zur Placebogruppe waren die Veränderungen durch Milben, also Hautschuppen, Krusten und fokale Bereiche mit Alopexie ab dem Tag 56 signifikant besser in der Behandlungsgruppe.
01:27:16
Speaker
Allerdings hat man erst eine Verschlechterung beobachtet, oder?
01:27:20
Speaker
Ja, das muss man wirklich sagen.
01:27:21
Speaker
Also wenn man das einsetzt, muss man das wissen und die Besitzerinnen vorwarnen.
01:27:25
Speaker
Am Tag 14, also nach der zweiten Behandlung, kam es bei den behandelten Pferden zu einer ausgeprägten Schuppenbildung.
01:27:33
Speaker
Das heißt, klinisch sah es zuerst schlechter aus, obwohl die Therapie wirkt.
01:27:37
Speaker
Das klingt ja fast hermöopathisch.
01:27:41
Speaker
Ja, nix Homöopathie.
01:27:44
Speaker
Nein, es ist wichtig zu wissen, dass sich nicht der Zustand verschlechterte, die Milben waren ja danach weg, sondern dass erst mal eine Schuppenbildung auftritt und die Autoren interpretieren diese starke Schuppenbildung aber auch.
01:28:00
Speaker
ausdrücklich als Teil der erfolgreichen Milben-Elimination.
01:28:03
Speaker
Histologisch oder mikroskopisch bestanden diese Schuppen überwiegend aus verhornten Keratinozyten.
01:28:10
Speaker
Warum, war unklar, aber es war auch nur am 14.
01:28:14
Speaker
Tag und dann verschwand das ja auch wieder.
01:28:15
Speaker
Die Schuppen verschwanden ja dann.
01:28:17
Speaker
Okay, okay.
01:28:18
Speaker
Und haben sich denn die CPL-assoziierten Veränderungen, also Schwellungen, Ulzera, dicke Hautfalten und Hautknoten verbessert?
01:28:26
Speaker
Der Hautfaltenscore blieb gleich, aber Ulzerer, kleine Wunden, Hyperkeratose und die Qualität des Fells besserten sich ab dem Tag 7 signifikant im Vergleich zur Placebogruppe.
01:28:40
Speaker
Also verbesserten sich die entzündlichen Hautveränderungen deutlich, aber die chronisch-fibrotischen Veränderungen blieben bestehen.
01:28:45
Speaker
Das spricht dann ja dafür, dass zumindest ein Teil der klinischen Veränderungen sekundär durch den Milbenbefall verstärkt wird.
01:28:52
Speaker
Ja genau, das diskutieren die Autoren auch.
01:28:54
Speaker
Also dass Choreoptes möglicherweise einen chronischen Antigenstimulus liefert.
01:28:58
Speaker
Histologisch wurde eine chronische T-Zell-dominierte Entzündung bei den Pferden mit CPL festgestellt.
01:29:07
Speaker
Und dann ist die Hypothese, dass die dauerhafte Immunstimulation durch Milben zu einer chronischen Entzündung, Fibrose und dann letztendlich zu den CPL-Läsionen beiträgt.
01:29:18
Speaker
Also die gehen jetzt nicht so weit, dass sie sagen, die Milben lösen es aus, sie tragen bei.
01:29:23
Speaker
Okay, und gab es Nebenwirkungen durch die Behandlung?
01:29:27
Speaker
Ja, so außer dieser Schuppenbildung gab es keine klinischen Nebenwirkungen.
01:29:32
Speaker
Die Autoren weisen aber darauf hin, dass Sicherheitsdaten insbesondere für Fohlen, laktierende Stuten oder charaktische Pferde fehlen.
01:29:40
Speaker
Moxidektin hat eine hohe Lipophilie und das könnte bei Pferden mit geringer Fettmasse oder bei Fohlen theoretisch problematisch werden.
01:29:49
Speaker
Okay, also bezüglich der Fohlen könnten wir ja auf Ivermectin zurückgreifen.
01:29:54
Speaker
Im Jahr 2024 gibt es einen Fallbericht, der eine erfolgreiche Behandlung der Choreoptesmilbe bei zwei Fohlen mit einem Ivermectin-Pur-On beschreibt.
01:30:04
Speaker
Die Dosis lag bei 1 mg pro Kilo und das Pur-On hat eine Konzentration von 5 mg pro Milliliter.
01:30:10
Speaker
Und somit wurden bei einem geschätzten Körpergewicht von 300 Kilo 60 Milliliter Ivermectin auf allen vier Gliedmaßen verteilt und möglichst direkt auf die Haut zwischen die Haare appliziert.
01:30:21
Speaker
Bei den Pferden durfte der Behandlung übrigens nicht entfernt werden und dennoch war die Behandlung sehr erfolgreich.
01:30:27
Speaker
Aber noch einmal zurück zu der anderen Studie.
01:30:29
Speaker
Was ist dein praktisches Fazit aus dieser Moxilectin-Po-On-Untersuchung?
01:30:33
Speaker
Also erstmal, dass ich es ausprobieren werde, scheint ja schon langfristig eine hilfreiche Therapie zu sein und dass die Milben definitiv eine Rolle spielen, bei den Pferden mit Behang, dass man das überlegen muss.
01:30:44
Speaker
Und man hätte dann halt sehr lange Ruhe, ne?
01:30:46
Speaker
Ja, das wäre super.
01:30:49
Speaker
Im Hinblick auf die Bekämpfung der Milben existieren unterschiedliche Wirkstoffe und es wurden dazu auch schon Studien durchgeführt.
01:30:56
Speaker
In einer Untersuchung wurde die subkutane Verabreichung von Doramectin in einer Dosierung von 3 mg pro Kilo zweimal im Abstand von 14 Tagen verglichen mit der topisch auf die Gliedmaße bis zum Knie bzw.
01:31:11
Speaker
Ellbogengelenk aufgesprühte 0,25%ige Fipronilösung.
01:31:16
Speaker
also entsprechend Frontline-Spray, verglichen.
01:31:20
Speaker
Also beide Verfahren erzielten schon eine Reduktion, eine signifikante Reduktion der Milbenanzahl und eine deutliche Verbesserung der Verhaltensweisen aufgrund des Milbenbefalls.
01:31:31
Speaker
Veränderungen, also im Sinne von einer Verbesserung der Hautlösion, konnte diese Untersuchung jetzt nicht feststellen.
01:31:39
Speaker
Nee, ist richtig.
01:31:39
Speaker
Die Untersuchung endet am 28.
01:31:40
Speaker
Tag.
01:31:42
Speaker
Das heißt, aus dieser geht nicht hervor, wie oft danach behandelt werden muss.
01:31:46
Speaker
Und in der anderen Untersuchung wurde einprozentiges Fepronil verwendet, um den Zeckenbefall zu reduzieren.
01:31:52
Speaker
Und da erzielte der Wirkstoff eine fast hundertprozentige Reduzierung der Zecken bis zu 29 Tage nach dem Auftragen.
01:32:00
Speaker
Also da müssten die Medikamente auf jeden Fall häufiger eingesetzt werden als das Moxidectin Pur-On.
01:32:07
Speaker
Da wurde ja ein Erfolg bis zu 168 Tage erzielt.
01:32:12
Speaker
Jetzt müssen wir bei diesen ganzen Medikamenten schon eines noch erwähnen.
01:32:15
Speaker
Die makrozyklischen Laktone wirken auch gegen Endoparasiten.
01:32:21
Speaker
Und da müssen wir schon auch einmal an die Resistenzentwicklung gegenüber Strongoliden denken.
01:32:28
Speaker
Und auch daran, dass diese Laktone negative Auswirkungen auf die Dungfunger haben.
01:32:35
Speaker
Das ist richtig.
01:32:35
Speaker
Und diesen Gedankengang, der wird auch in einer anderen Untersuchung aus dem Jahr 2025 aufgegriffen.
01:32:42
Speaker
Da wurde ein anderer Wirkstoff untersucht und zwar einmal eine Monotherapie mit einer Pyritroid-Mischung im Vergleich zu einer Kombinationstherapie mit Benzoylperoxid und dieser Pyritroid-Lösung.
01:32:56
Speaker
bei welcher zuerst ein 5%iges Waschgel aufgetragen worden ist mit Benzylperoxid.
01:33:02
Speaker
Und das wurde 15 Minuten belassen und dann abgewaschen und daraufhin die Pyretroid-Lösung aufgetragen.
01:33:09
Speaker
Und es gab auch eine Kontrollgruppe, bei der nur Wasser eingesetzt wurde.
01:33:13
Speaker
Das Ganze wurde an Tag 1, Tag 21 und Tag 35 durchgeführt, entsprechend des biologischen Zyklus der Milben, welcher ungefähr zwei bis drei Wochen lang ist.
01:33:24
Speaker
Und was kam raus?
01:33:25
Speaker
Was haben die erzielt?
01:33:25
Speaker
Ja, die Tiere wurden in regelmäßigen Abständen bis zu Tag 70 kontrolliert und die Monotherapie erzielte erst ab Tag 70 eine allerdings nur 56-prozentige Reduzierung der Milben im Gegensatz zum Kombinationspräparat, welches schon an Tag 37 eine 85-prozentige Reduzierung erzielte.
01:33:44
Speaker
Also nicht so schlecht.
01:33:46
Speaker
Allerdings gab es keine klinische signifikante Verbesserung der Läsionen bei diesen Tieren.
01:33:52
Speaker
Es ist jetzt echt spannend.
01:33:53
Speaker
Also wir haben jetzt wirklich mehrere Studien, wo die Milbenzahl reduziert werden kann und zwei, wo sich die Läsionen überhaupt nicht ändern.
01:34:01
Speaker
Und nur beim Oxidektin ändern sich die Läsionen.
01:34:04
Speaker
Das ist jetzt die Frage, ob das am Aufbau der Studie liegt oder ob der an der subjektiven Beurteilung der Läsionen.
01:34:11
Speaker
Das ist richtig.
01:34:12
Speaker
Das ist echt interessant, ja.
01:34:15
Speaker
Und wir sind immer noch bei den Milben und im Jahr 2025, also ihr merkt schon, da ist viel zu Milben veröffentlicht worden.
01:34:22
Speaker
Und zwar wurde da ein anderer Wirkstoff kontrolliert und zwar die orale Gabel von Fluoralana.
01:34:31
Speaker
Es ist ein Ektoparasitizid, ein langwirksamer Wirkstoff zur Bekämpfung gegen Flöhe und Zecken bei Hund und Katze und wird auch eingesetzt gegen die rote Vögelmilbe beim Haushuhn.
01:34:44
Speaker
Wie war das Studiendesign aufgebaut in der Veröffentlichung?
01:34:49
Speaker
Das war eine pharmakokinetische Studie, das geht jetzt schnell.
01:34:52
Speaker
Also insgesamt wurden zwölf klinisch gesunde Pferde eingeschlossen, sechs Warmblüter bzw.
01:34:57
Speaker
Vollblüter pro Dosierungsgruppe.
01:35:00
Speaker
Die Pferde erhielten entweder 10 oder 25 Milligramm pro Kilogramm Floralana oral als Einmalgabe.
01:35:07
Speaker
Davor wurden Hundetabletten verwendet.
01:35:10
Speaker
Und anschließend erfolgte ein Monitoring über 84 Tagen mit regelmäßigen klinischen und neurologischen Untersuchungen sowie Blutuntersuchungen und Hautbiopsien.
01:35:20
Speaker
Alles klar, klare Ansage.
01:35:22
Speaker
Und was kam pharmakokinetisch dabei heraus?
01:35:26
Speaker
Also Fluralana war nach oralergabe bei allen Pferden nachweisbar.
01:35:33
Speaker
Die Plasmakonzentration, also die maximale, wurde relativ schnell erreicht, ungefähr nach 10 bis 15 Stunden.
01:35:40
Speaker
Interessant war, dass beim Pferd eine relativ kurze Halbwertszeit vorlag.
01:35:47
Speaker
Die betrug sechs Tage bei 10 Milligramm und bei 25 Gramm nur noch drei Tage.
01:35:55
Speaker
Und damit ist die Eliminationshalbwertszeit deutlich kürzer als beim Hund zum Beispiel.
01:36:01
Speaker
Und irgendwelche Nebenwirkungen für die Pferde?
01:36:04
Speaker
Nein, in dieser Studie wurden jetzt keine relevanten Nebenwirkungen festgestellt, war aber natürlich jetzt nur eine einmalige Gabe.
01:36:12
Speaker
Vielleicht ist das Medikament bei therapieresistenten Fällen von Choreoptisbefall interessant.
01:36:19
Speaker
Aber es fehlen natürlich kontrollierte klinische Wirksamkeitsstudien.
01:36:23
Speaker
Im Moment zeigt diese Arbeit, der Wirkstoff wird oral aufgenommen.
01:36:27
Speaker
Er erreicht die Haut, das haben die auch festgestellt, und scheint in diesen Dosierungen sicher zu sein.
01:36:34
Speaker
Okay, also ich fasse jetzt nochmal zusammen die letzte Zusammenfassung für diesen Podcast.

Zusammenfassung und Feedback-Aufruf

01:36:41
Speaker
0,5%iges Moxidektin-Pur-On wirkt sehr gut und langfristig bei Milbenbefall.
01:36:45
Speaker
Das reduziert den Juckreiz, die Milben-assizuierten und entzündlichen Veränderungen von CPL.
01:36:51
Speaker
Nach der zweiten Behandlung tritt zunächst eine ausgeprägte Schuppenbildung auf.
01:36:56
Speaker
Fipronyl und Doramectin reduzieren die Milbenanzahl signifikant, jedoch ohne Verbesserung der Hautläsion, allerdings nur bis Tag 29 nach Therapiebeginn.
01:37:05
Speaker
Die Kombination von Benzoilperoxid und Pyrotroid erzielt eine 85%ige Milbenreduktion bis Tag 30, allerdings ohne signifikante klinische Verbesserung der Hautläsion.
01:37:17
Speaker
Oral verabreichte Floralana wird reserviert und löst keine relevanten Nebenwirkungen aus.
01:37:27
Speaker
So, jetzt sind wir am Ende angekommen und ich freue mich schon die ganze Zeit, was es heute für eine Geschichte von dir gibt aus der Reihe Es läuft nicht immer ganz rund in der Praxis.
01:37:38
Speaker
Ich bin diesmal nicht ganz so schuld wie sonst.
01:37:41
Speaker
Ich war bei einem Kunden, der hat alles.
01:37:46
Speaker
Der hat Esel, Hühner, so dass man sich mal vorstellt, wie dieser Kunde ist.
01:37:49
Speaker
Also Hunde, der hat Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Esel, Pferde und ich habe gefühlt, es ist alles auf einem Hof.
01:37:58
Speaker
Und ich war da, habe die Pferde untersucht und hatte nicht alle Medikamente mit und habe ihm gesagt, gar kein Problem, sie können sich das morgen in der Praxis abholen.
01:38:05
Speaker
Und da ich keine TFH habe, habe ich einen Schrank mit so einem Nummernschloss und da können die Kunden Medikamente abholen.
01:38:13
Speaker
Und da stehen dann so Tüten drin mit den Namen drauf und die holen das ab.
01:38:17
Speaker
Alles klar, da standen auch mehrere Tüten.
01:38:20
Speaker
Auf jeden Fall fahren wir Praxis und dann kriege ich plötzlich ein Foto, wo ein Bild von Praskent ist.
01:38:29
Speaker
Frau Doktor,
01:38:31
Speaker
Soll ich die Tabletten auflösen und auf die Fährte sprühen für die Milben?
01:38:35
Speaker
Also er hat dann alles mitgenommen, alle Tüten, unter anderem halt auch Praskent und wollte dann die Milben mit Praskent behandeln.
01:38:42
Speaker
Dann habe ich ihn angerufen und gesagt, nein, sie hat nur eine Tüte, sie müssen jetzt alle Tüten wieder zurückbringen, weil die anderen Kunden wollen die abholen.
01:38:51
Speaker
Das fand er jetzt nicht so lustig, weil er musste dann aus Mainz wieder zurückbringen.
01:38:56
Speaker
Aber diese Vorstellung, dass er eine Praskent-Tablette zerteilt, auflöst in Wasser und dann auf die Pferde sprüht, damit die Milben weggehen, ist eine zauberhafte Vorstellung.
01:39:05
Speaker
Aber wer weiß, vielleicht wirkt das total toll und da gibt es dann bald... Das ist die teuerste Milbenbehandlung ever....gabe et al.
01:39:13
Speaker
Wer weiß, was kommt.
01:39:15
Speaker
Ja, müssen wir da mal Böhringer melden.
01:39:17
Speaker
Also es geht auch gegen das Praskent.
01:39:18
Speaker
Sehr gut.
01:39:22
Speaker
Ja, Barbara, das war's.
01:39:24
Speaker
War lang.
01:39:25
Speaker
Ja, war lang, hat aber Spaß gemacht und vielen Dank, dass ich mitmachen durfte.
01:39:29
Speaker
Und ich ziehe meinen Hut vor der Arbeit, die in so einem Podcast steckt.
01:39:35
Speaker
Ich habe ja sowas noch nie mitgemacht und war doch überrascht, was du da alles an Zeit und Nerven und Herzblut reinsteckst.
01:39:43
Speaker
Das ist schon beeindruckend.
01:39:46
Speaker
Hier ist mein neues Hobby.
01:39:47
Speaker
Macht dabei wirklich Spaß.
01:39:49
Speaker
Wir haben sehr viele Theorien gehabt, sehr viele Fallberichte, das hat man auch so gemerkt.
01:39:52
Speaker
Aber ich fand es auch super und habe viel gelernt.
01:39:54
Speaker
Ich lerne immer sehr viel.
01:39:59
Speaker
Das war die zehnte Folge des Podcasts Equal Vet News und wir hoffen, dass es euch gefallen hat und ihr das nächste Mal wieder mit dabei seid.
01:40:08
Speaker
Kommentare oder Anregungen für Themen könnt ihr mir gerne unter der E-Mail-Adresse anja-gabe-at-pferdepraxishofheim.com zusenden.
01:40:16
Speaker
Wir haben jetzt auch eine Webseite, da könnt ihr euch das Podcast-Team anschauen.
01:40:22
Speaker
Das sind die ganzen Fotos von uns.
01:40:24
Speaker
Barbara fehlt noch, die muss noch rein.
01:40:26
Speaker
Und wir wünschen euch wie immer kooperative Patienten und ruhige Dienste.
01:40:31
Speaker
Bis bald.