Transcript
Speaker: Ich glaube, jeder von uns hat schon sehr frustrierende Erfahrungen mit dem Thema Mauke oder schöner gesagt Equalpestin, Dermatitis, wir nennen das jetzt öfter EPD oder EPD gemacht.
Speaker: Wir würden gerne heute besprechen, was zu diesem Thema veröffentlicht worden ist und inwiefern diese Studienergebnisse einen Einfluss auf unsere Diagnose und Behandlungsansätze haben.
Speaker: Und wir besprechen Therapieansätze von uns.
Speaker: Wir geben auch Wissen weiter aus der Humanmedizin.
Speaker: Die haben ja öfter Probleme mit zum Beispiel atopischer Dermatitis.
Speaker: Und im zweiten Teil gehen wir genauer auf die neukopsyklastische Vaskulitis ein und auf das chronisch-proliferative Lymphödem der Kaltblüter.
Speaker: Aber wie immer, stellen wir uns einmal kurz vor, ich bin Dr. Anja Garbe, Fach-Tier-Erztein für Pferde und Host dieses Podcasts, in welchem wir euch aktuelle Studienerkenntnisse kompakt und praxisnah vorstellen möchten.
Speaker: Ich bin seit circa zehn Jahren mit einer mobilen Pferdepraxis selbstständig und arbeite aber schon seit fast 26 Jahren in dem Pferdebereich.
Speaker: Zusätzlich erstelle ich seit 20 Jahren Kurzreviews von englisch- und deutschsprachigen Fachartikeln und wähle die auch aus.
Speaker: Das habe ich zunächst für die Pferdeheilkunde gemacht und seit Mai 2026 für die Gesellschaft der Pferdemedizin.
Speaker: Und die, ich mache jetzt etwas Schleichwerbung, die stehen online.
Speaker: Wenn ihr Mitglied seid, könnt ihr die alle einsehen.
Speaker: Heute zugeschaltet ist eine Kollegin aus Rheinland-Pfalz, Dr. Barbara Pfund, auch Fachdienstin für Pferde.
Speaker: Sie ist schon seit 15 Jahren selbstständig mit einer mobilen Pferdepraxis und hat davor, ich glaube, circa zehn Jahre in Pferdekliniken gearbeitet.
Speaker: Hallo Barbara.
Speaker: Ich freue mich, dass du dich zugeschaltet hast und heute mit mir über das große Thema Mauke sprichst.
Speaker: Ja, hallo zurück und ich freue mich auch riesig, heute dabei sein zu dürfen und bin total gespannt, was wir aus diesen ganzen Studienergebnissen im Endeffekt dann für die Praxis mitnehmen können.
Speaker: Mauke ist ja ein inflationärer Begriff.
Speaker: Der wird ja bei jeglichen Hautveränderungen der Fesselbeuge genannt.
Speaker: Das wird ja dann immer gesagt, ja, mein Pferd hat Mauke.
Speaker: Ich glaube, du hast mal nachgeschaut, was bedeutet Mauke eigentlich?
Speaker: Ja, tatsächlich.
Speaker: Also ich finde es immer total spannend, wenn man sich mit so einem Begriff, den man jeden Tag ja irgendwie hört, mal näher auseinandersetzt.
Speaker: Und da bietet sich ja so eine Podcast-Vorbereitung geradezu an.
Speaker: Und habe nachgelesen, dass der Begriff aus dem Niederdeutschen stammt, aus dem 15.
Speaker: Jahrhundert.
Speaker: Und man die genaue Begrifflichkeit nicht kennt oder nicht weiß, wo es herkommt.
Speaker: Aber schon damals wurde eine Entzündung der Gliedmaßen bei Rindern und bei Pferden damit beschrieben.
Speaker: Und im 16.
Speaker: Jahrhundert wurde dann dieser Begriff auch für menschliche Füße benutzt.
Speaker: Also...
Speaker: fies stinkende Käsemauken sollten nicht auf den Tisch gelegt werden.
Speaker: Da gab es bestimmte Redewendungen.
Speaker: Und im Ruhrgebiet sagt man das wohl auch immer noch, nimm deine Käsemauken vom Tisch.
Speaker: Keine Ahnung, ob das stimmt.
Speaker: Aber ja, also insofern kam das wohl da irgendwie zusammen.
Speaker: Beim Pferd beschreibt es eine nicht spezifische Hautentzündung der distalen Gliedmaße.
Speaker: Und die klinische Symptomatik ist ja, wie wir wissen, oft sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Speaker: Und die Pferde werden uns häufig erst nach unterschiedlichsten Therapieversuchen der BesitzerInnen vorgestellt.
Speaker: Ja genau, also ich glaube auch, dass wir das Anfangsstadium, ich sage immer Eion, das ist das Anfangsstadium,
Speaker: Was in der Literatur beschrieben wird, also Ödem, Rötung und Schuppen, das sehen wir meist gar nicht, weil wir bekommen das Vers erst zu Gesicht, wenn die Symptomatik schon viel weiter fortgeschritten ist, vielleicht schon eine Exhulation aufgetreten ist, ob eitrig oder serös und somit Krusten entstanden sind und eventuell das Bild auch schon durch eine sekundäre bakterielle Infektion verkompliziert wurde.
Speaker: Ja, das stimmt.
Speaker: In manchen Fällen ist die Erkrankung wirklich schon weit fortgeschritten.
Speaker: Ich erinnere mich mit Grausen an ein Pferd, wo ich am Kofferraum stehend einfach eine Jodlösung abgeben sollte und zum Glück das Pferd einmal sehen wollte und war dann doch etwas verwundert, dass das eine Kaltblutstute war mit der schönsten, hochgradigen, verokösen, chronisch-proliferativen Form einer EPD, womit Jodlösung wahrscheinlich nicht viel zu retten war.
Speaker: Ja, man wundert sich echt und dann soll das bitte in drei Tagen verschwunden sein mit Jodlösung.
Speaker: Also es ist schon manchmal spannend.
Speaker: Ich suche ja immer wissenschaftliche Studien zu den Themen heraus und muss jetzt sagen, zu Mauke gibt es wirklich wenig Peer-Reviewed-Studien.
Speaker: dann sind bei den Studien oft die Studienpopulationen sehr klein und es handelt sich auch oft nur um Fallberichte.
Speaker: Okay, aber dann starten wir doch einfach mal.
Speaker: Gibt es Daten dazu, welche Pferde von dieser Dermatitis häufiger betroffen sind?
Speaker: Ja, ich bin jetzt sehr dankbar, dass du die Frage stellst und mich nicht gleich fragst, was wissen wir denn zur Pathogenese, weil das ist wirklich etwas komplizierter.
Speaker: Ich gehe jetzt erstmal darauf ein, was wir eigentlich relativ sicher wissen.
Speaker: Na dann schieß mal los.
Speaker: Okay, also wir wissen, in der Regel betrifft es adulte Pferde.
Speaker: Wir wissen, es tritt öfter bilateral auf als unilateral und eher planta beziehungsweise palma.
Speaker: dann ist sicher jedem schon von uns aufgefallen, dass nicht pigmentierte Hintergliedmaßen öfter erkranken und auch, dass bestimmte Rassen größere Probleme haben.
Speaker: Also die Rassen mit vermehrtem Behang erkranken öfter an dieser Problematik.
Speaker: Ja, dem kann ich nur zustimmen.
Speaker: Warum Pferde mit ausgeprägtem Behang prädisponiert sind, das verstehe ich ja.
Speaker: Durch den Behang hält sich länger Feuchtigkeit und Schmutz an der Haut und auch Schuppen und diese sind Nahrung für die Choreoptesmilben.
Speaker: Mit der Therapie wird häufig erst später begonnen, weil die Problematik oft einfach gar nicht erkannt wird durch den Behang.
Speaker: Gibt es eine Theorie, warum vermehrt die Hintergliedmaßen betroffen sind?
Speaker: Ja, die gibt es wirklich.
Speaker: Es existiert die Vermutung, dass die Fesselbeuge am Hinterbein weniger steil gewinkelt ist und dadurch bedingt es eine schlechtere Trocknung und vermehrte Reibung.
Speaker: Und dann wird noch erwähnt, dass im Offenstall wohl eher die Hintergliedmaßen verschmutzen im Vergleich zu den Vordergliedmaßen.
Speaker: Okay, das klingt logisch.
Speaker: Und gibt es auch eine Theorie für das häufige Auftreten bei nicht pigmentierten Gliedmaßen?
Speaker: Ja, die gibt es.
Speaker: Wir merken schon, es gibt immer Theorien.
Speaker: Also die unpägmentierte Haut hat weniger Melanin.
Speaker: Dadurch wird UV-Strahlung weniger durch das Melanin absorbiert.
Speaker: Mehr UV-Strahlung erreicht tiefere epidermale und dermale Hautschichten.
Speaker: Das bedingt dann einen oxidativen Stress und die Bildung von freien Radikalen.
Speaker: Die geschädigten Keratinozyten setzen dann proinflammatorische Zytokine, wie zum Beispiel Interleukin 1, frei.
Speaker: Und zusätzlich werden inflammatorische Mediatoren wie Prostaglandine gebildet.
Speaker: Das Ganze führt dann zu Vasodilatation, Erythem, Schmerz und Ödembildung, was ja eigentlich schon das erste Stadium einer Mauke sein könnte.
Speaker: Jo, das ist ja eine einleuchtende Erklärung für das Auftreten der Dermatitis im Sommer.
Speaker: Aber wir alle wissen ja, die tritt nicht nur im Hochsommer auf, sondern vermehrt auch in den dunkleren Monaten im Winter oder im Herbst.
Speaker: Wird dieser Eindruck durch Studienergebnisse bestätigt?
Speaker: Also wir gehen ja eigentlich schon davon aus, dass Fälle vermehrt in den feuchten Monaten auftreten, also im Herbst oder im Frühjahr.
Speaker: Die Studienergebnisse sind zu dem Thema sehr widersprüchlich und ich habe auch nur zwei Untersuchungen gefunden.
Speaker: Also in einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 wurden sechs Pferde, ja ich weiß, das ist jetzt nicht so viel, über ein Jahr verfolgt.
Speaker: Von denen zeigten vier EPD und zwei nicht.
Speaker: Bei diesen Pferden waren die Läsionen im Herbst am ausgeprägtesten.
Speaker: Jetzt würde man natürlich sagen, okay, Herbst feucht, wäre die Erklärung.
Speaker: Jetzt kommt aber das Aber.
Speaker: In diesem Herbst war es nach Aussage der Autoren nicht besonders feucht.
Speaker: Also gehen die Autoren in diesem Artikel davon aus, dass die Feuchtigkeit nicht die Läsionen verschlechtert hat.
Speaker: In einer anderen Studie wurden auch Pferde über ein Jahr kontrolliert und in dieser begünstigte hohe Luftfeuchtigkeit das Auftreten von EPD.
Speaker: Nicht aber Temperatur oder Niederschlag, diese hatten keinen Einfluss.
Speaker: Ich fand es spannend, dass bei diesen Pferden beschrieben wurde, dass nach Ende des Weidegangs die Lesionen spontan zurückgingen.
Speaker: Für mich ist das dann so, dass also die Jahreszeiten nicht wirklich das Wichtige sind, sondern eher die Umgebungsfaktoren und wir wissen natürlich auch die Hygiene.
Speaker: Bei den Kalbblütern muss man das eher getrennt sehen, da diese häufiger eine Verschlechterung im Winter zeigen.
Speaker: Das ist ja jetzt nicht ganz abwegig, weil in dieser Zeit das Fell dann noch dichter ist und somit auch der Behang.
Speaker: Okay, ich sehe schon, das wird schwierig heute.
Speaker: Wenn ich das jetzt richtig zusammenfasse, spielen Feuchtigkeit und UV-Strahlung schon eine Rolle, die Temperatur hingegen eher nicht.
Speaker: Ich glaube, dass unhygienische Bedingungen und Matsch jetzt gar nicht in Frage gestellt werden als ursächlich für die EPD.
Speaker: Darüber müssen wir jetzt nicht wirklich explizit nochmal reden.
Speaker: Die Feuchtigkeit stört die Hautbarriere, im Matsch sind viele Bakterien und voila, da haben wir die Mauke.
Speaker: Was bei der Haltung aber auch zu beachten ist, Araber entwickeln öfter EPD bei Sand- oder alkalischen Böden.
Speaker: Es wurde eine Untersuchung in Bosnien durchgeführt, im Hinblick auf die Prävalenz von EPD in einer Population von 40 Pferden.
Speaker: Da lag die Prävalenz bei 12,5 Prozent.
Speaker: Ich fand es jetzt ganz spannend, dass vier dieser Tiere, also es waren insgesamt fünf Pferde mit EPD und vier davon waren Araber,
Speaker: Und diese Pferde standen nach Aussagen der Autoren auf trockenen Sägespänen, also gar keine Feuchtigkeit.
Speaker: Und im Hinblick auf diese ganze Ursachenfrage fand ich einen Text von einem Pathologen ganz interessant.
Speaker: Der hat geschrieben, dass die Haut im Bereich der Fesselbeuge sich ja grundsätzlich nicht von der Haut anderer Körperregionen unterscheidet.
Speaker: Aber diese Fesselbeuge ist natürlich kontinuierlich Schmutz, Kotmaterial, anhaltender Feuchtigkeit, UV-Strahlung sowie mechanischen Traumata.
Speaker: Und das fand ich jetzt auch spannend, dass er da Pflanzenstoppeln erwähnt hat.
Speaker: Also dass das vielleicht doch ein Grund sein könnte, warum Pferde auf der Weide eine Mauke entwickeln, obwohl es trocken ist, weil diese Pflanzenstoppeln vielleicht kleine Verletzungen setzen.
Speaker: Oder auch Steine oder das Streifen der anderen Gliedmaße.
Speaker: Also wird diese Haut sehr, sehr schnell geschädigt.
Speaker: Das ist der eine Punkt.
Speaker: Und der andere Punkt ist, wenn die Hautbarriere durch diese Einflüsse geschädigt wird und Bakterien, egal auf Pathogen oder Kommensal, zum subkutanen Gewebe gelangen, dann entsteht eine Entzündungsreaktion.
Speaker: Okay, ich glaube es ist Zeit für die erste Zusammenfassung.
Speaker: Mauke oder auf schlau die Equine Pastern Dermatitis bzw.
Speaker: abgekürzt EPD ist ein unspezifischer Sammelbegriff für Hautreaktionen der distalen Gliedmaße beim Pferd.
Speaker: Häufig betroffen sind unpigmentierte Hintergliedmaßen und Pferde mit starkem Behang.
Speaker: Die Symptome sind sehr unterschiedlich, von Ödem über Rötung, Schuppen- und Krustenbildung und Exudation bis hin zu Hautverdickung und Hautknoten.
Speaker: Die feuchten Monate gelten als Risikofaktor.
Speaker: Jetzt haben wir ja die Umweltfaktoren besprochen, welche eventuell ursächlich sein können.
Speaker: Somit kommen wir jetzt zu den infektiösen Ursachen.
Speaker: Es wird immer wieder im Zusammenhang mit EPD eine Beteiligung von Pilzen, also auf jeden Fall in den Büchern, erwähnt oder immer wieder am Anfang von Artikeln angesprochen.
Speaker: Hierzu ist zu sagen, dass es in der Literatur nur einen einzigen Fallbericht gibt, in dem Mikrosporum bei EPD nachgewiesen wurde.
Speaker: Und auch Dermatophilus kongolensis wird immer wieder genannt.
Speaker: Da ist es ähnlich.
Speaker: In den Büchern wird es immer als Auslöser erwähnt, aber der Nachweis erfolgt extrem selten bei EPD.
Speaker: Also entweder schreiben alle voneinander ab oder es wird wirklich nicht oft nachgewiesen.
Speaker: Entschuldigung, der war gut.
Speaker: Ist ja so, oder?
Speaker: Genau wie der Kryptochidehoden, der tumorös entartet.
Speaker: Weiß ja auch kein Mensch, wie viel es davon wirklich gibt, aber es steht in jedem... Ja, gut.
Speaker: Ja, also mich hat das auch echt erstaunt.
Speaker: Immer wenn du einen Übersichtsartikel liest, wird das alles aufgezählt und dann sind das alles nur Einzelfallberichte.
Speaker: Da war da mal der und mal der und dann wird das gar nicht nachgewiesen.
Speaker: Ja, das stimmt echt, ja.
Speaker: Naja, bevor wir über Bakterien reden, willst du was über Krabbelfiecher erzählen?
Speaker: Ah, du meinst die Milben, ne?
Speaker: Also Choreoptis bobbels, nicht wahr?
Speaker: Yep, genau.
Speaker: Ja, also diese Milben sind ja oberflächlich lebende Räudemilben, das wissen wir ja.
Speaker: Sie ernähren sich von Hautschuppen und verursachen Juckrein, Hyperkeratose und Schuppenbildung, insbesondere an den distalen Gliedmaßen.
Speaker: Und man muss sich jetzt bei dem Namen Choreoptis bovis nicht wundern.
Speaker: Eigentlich ist ja der Nachname bovis und die sind aber nicht sehr wählerisch mit ihrem Wirt.
Speaker: Also die befallen auch andere Tierarten und nicht nur Kühe.
Speaker: Also unsere Pferde werden dann auch befallen.
Speaker: Das ist ein ganz normaler Wirt.
Speaker: Bei Pferden mit Behang wird schon angenommen, dass diese Milben an der Dermatitis beteiligt sind.
Speaker: Allerdings korrelierte das Ausmaß der Infektion nicht mit dem Schweregrad der Läsionen.
Speaker: Und bei Pferden ohne Behang werden sehr, sehr selten Choreoptismilben nachgewiesen.
Speaker: Da gibt es sicher mal einen Einzelfall, aber wirklich selten.
Speaker: Zu den Parasiten, die auch in Diskussion sind, gehören ja auch noch die Nematoden und Habronema.
Speaker: Bezüglich dieser gibt es aber auch wieder nur einen Fallbericht und zwar, Achtung, Streberrissen für Pellodera strongyloides.
Speaker: Kennt jeder den Wurm.
Speaker: Auf jeden Fall.
Speaker: Kein Problem.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, dann lassen wir jetzt die ganzen Parasiten mal hinter uns und kommen zu den Bakterien.
Speaker: Ob diese primär auslösend sind, ist nicht wirklich bekannt.
Speaker: Und das liegt zum Teil daran, dass in den Studien immer Tupferproben von der äußeren Haut genommen werden und damit die Aussage fraglich ist.
Speaker: Und bei diesen Tupferprobenergebnissen wurde entweder eine Mischflora festgestellt oder Staphylococcus und oder Beta-Streptococcus.
Speaker: Es war schon so, wenn die Veränderungen stärker ausgeprägt waren, umso häufiger wurden Staphylococcus isoliert.
Speaker: Ich fand es ganz spannend, dass erkrankte Pferde in der Fesselbeuge und in der Nüsternschleimhaut häufiger Staphylococcus aureus aufwiesen.
Speaker: Und jeder, der mal in einer Klinik gearbeitet hat und da so eitrige Wunden bei den Pferden öfter gesehen hat, weiß, dass man dann auch die Menschen testet und zwar auf dem Methylin-resistenten Staphylococcus aureus.
Speaker: Daher haben in der Studie auch die Autoren die Nüsternsteinmalt kontrolliert.
Speaker: Aber es wurde kein MRSA festgestellt.
Speaker: Aber diese Stoffelikotten hatten schon zum Teil eine höhere Virulenz.
Speaker: Ja, man hat ja auch in Studien nachgewiesen, dass die Mikrobiota bei Pferden mit EPD eine verminderte bakterielle Diversität aufweisen.
Speaker: Und bei stärker betroffenen Pferden oder bei mit Antibiotika vorbehandelten Tieren war die bakterielle Diversität deutlich verringert.
Speaker: Die Frage ist, inwiefern hat das für uns eine Bedeutung?
Speaker: Ja, ich finde diese Frage mir die spannendsten von diesem Podcast.
Speaker: Also in der Humanmedizin ist nachgewiesen, dass eine verringerte Alphadiversität der Haut wirklich zu einer Schwächung der natürlichen Hautbarriere führt.
Speaker: Dadurch ist die Haut anfälliger für Krankheitserreger, Entzündungen und Reizungen.
Speaker: Die geschädigte Hautbarriere fördert dann auch Entzündungen.
Speaker: Diese Entzündung der Haut verändert den pH-Wert und die Feuchtigkeit der Haut.
Speaker: Und genau dieses Milieu begünstigt dann das Wachstum von Staphylococcus aureus, den wir ja oft nachweisen.
Speaker: Und das wird ja dann eher dafür sprechen, dass unser Staphylococcus aureus sekundär auftritt.
Speaker: Ja, ich finde das schon, genau.
Speaker: Und dann ist dieser Keim auch noch in der Lage, Toxine und Entzündungsmediatoren zu bilden, welche dann wiederum die Hautbarriere zusätzlich schädigen und die Immunreaktion weiter stimulieren.
Speaker: Ja, das ist dann ein Teufelskreis.
Speaker: Erst haben wir mit Antibiotika behandelt, um die Bakterien wegzubomben.
Speaker: Damit haben wir eventuell die Mikroflora verändert und damit dem Staph Aureus Haus und Hof geöffnet und einen guten Nährboden bereitet.
Speaker: Und dieser Rump hält dann wiederum die Entzündung aufrecht.
Speaker: Ja, absolut.
Speaker: Das ist echt ein Gedankenwert.
Speaker: Den nehmen wir auf jeden Fall in der Therapie noch einmal auf.
Speaker: Also ich fasse das jetzt einfach noch einmal zusammen.
Speaker: Pilze und Dermatophilus congulensis spielen bei EPD vermutlich nur eine sehr geringe Rolle.
Speaker: Das sind so die Ausnahmen.
Speaker: Choreoptismilben sind vor allem bei Pferden mit Behang von Bedeutung.
Speaker: Bei Tupferproben der erkrankten Haut werden meist Mischflora, Staphylococcus oder Beta-Streptococcus nachgewiesen.
Speaker: Ob die primär oder sekundär auftreten, ist nicht wirklich klar.
Speaker: Und zwei neuere Studien haben jetzt nachweisen können, dass Pferde mit EPD eine verminderte bakterielle Diversität aufweisen.
Speaker: Wenn wir uns der Diagnostik der EPD widmen, dann ist uns klar, dass wir in den meisten Fällen ja schon ewig lang therapierte Pferde vorgestellt bekommen.
Speaker: Und das macht es besonders anspruchsvoll.
Speaker: Und da die Therapie auf der Ursache beruht, müssen wir jetzt ein bisschen genauer hinschauen.
Speaker: Ja, das hast du schön ausgedrückt.
Speaker: Ich erinnere mich so ein bisschen an das Asthma.
Speaker: Da müssen wir auch so ein bisschen nachfragen.
Speaker: Also geht es los mit der Detektivarbeit.
Speaker: Seit wann bestehen die Veränderungen?
Speaker: Sind sie schon mal aufgetreten?
Speaker: Ich finde, das wird ganz oft verneint und man muss dann echt mehrmals nachfragen und dann irgendwann kommen raus, ja, das hat er eigentlich jedes Jahr.
Speaker: Dann ist natürlich die Frage immer zur gleichen Jahreszeit, um vorauszufinden, welche Ursache könnte denn dahinter stecken?
Speaker: Ist es die UV-Strahlung?
Speaker: Ist es der Matsch?
Speaker: Oder sind es die Pflanzenstoppeln?
Speaker: Und dann die große Frage, was haben sie denn alles schon drauf geschmiert?
Speaker: Richtig.
Speaker: Ich könnte noch ergänzen, wo steht denn das Pferd?
Speaker: Und auch immer gut, können Sie mir das bitte einmal zeigen?
Speaker: Denn da gibt es ja schon unterschiedliche Definitionen von sauberem Stall und sauberem Stall.
Speaker: Oh ja.
Speaker: Sind die Paddocks immer trocken und sauber oder steht das Pferd vielleicht immer 24 Stunden auf der Wiese?
Speaker: Und wie sieht die Wiese aus?
Speaker: Ja, absolut.
Speaker: Ich finde es ja eigentlich...
Speaker: einfacher, wenn die Pferde, das hört sich jetzt verrückt an, aber im Matsch stehen oder tief im Mist, dann weiß man wenigstens, okay, das kann absolut ursächlich für eine derartige Dermatitis sein und kann den Besitzern auch sagen, okay, so geht es nicht.
Speaker: Und wenn die Besitzerinnen eine gute Compliance haben, ist die Therapie, finde ich, in den Fällen dann auch nicht ganz so kompliziert.
Speaker: Ja, das stimmt.
Speaker: Da hat man es ein bisschen leichter.
Speaker: Aber eigentlich häufiger haben wir ja fast die Fälle, wo die Pferde nicht eindeutig derart schlecht stehen.
Speaker: Und da herauszubekommen, was ursächlich ist, kann extrem herausfordernd sein.
Speaker: Ja.
Speaker: Wenn wir jetzt den Vorbericht aufgenommen haben, uns die Unterbringung des Pferdes angeschaut haben und die Ausprägung der klinischen Symptomatik beurteilt haben, dann wäre es jetzt ja Zeit für diagnostische Verfahren.
Speaker: Ja, absolut.
Speaker: Also man fängt ja schon mit einem Hautgeschapsel an.
Speaker: Man kann auch die Zellen untersuchen von diesem Hautgeschapsel.
Speaker: Wenn man den Verdacht auf Dermatophilus Congolensis hat, könnte man auch diese Krusten untersuchen.
Speaker: Aber da kommt Barbara nachher nochmal zu.
Speaker: Aber man sucht natürlich Milben.
Speaker: Das kann man mit einem Skalpell machen, aber auch mit einer festen Zahnbürste.
Speaker: Und dann bürstet man die Haare in eine Petrischale.
Speaker: Jetzt ist das so, falls ihr jetzt mit eurer Petrischale in eure Praxis fahrt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Milben nicht mehr in der Petrischale sind, sondern in eurem Auto.
Speaker: Diese Milben sind unfassbar schnell.
Speaker: Wenn ihr die nicht sofort untersuchen könnt unter dem Mikroskop, wird empfohlen, da ein Insektizid reinzugeben und
Speaker: Barbara und ich haben da jetzt ein bisschen diskutiert.
Speaker: Wir geben es ganz ehrlich zu.
Speaker: Wir sind da zu keinem Schluss gekommen, ob man da einfach jetzt ein bisschen Öl reintut, damit die Milben nicht weglaufen können.
Speaker: Oder wirklich Sebazil, aber das Zeug stinkt ja wie Hulle.
Speaker: Ja, und falls ihr sichergehen wollt, dass wirklich kein Pilz beteiligt ist oder ein Dermatophilus Congolensis, dann könntet ihr für beides eine PCR im Labor anfordern.
Speaker: Bei den Pilzen müssen natürlich Haarbälge mit dabei sein und bei Dermatophilus die Krusten.
Speaker: So, jetzt hast du ja schon erwähnt, dass eine Tupferprobe einfach so von der Fesselbeuge nicht die allerbeste Aussagekraft hat.
Speaker: Was machst denn du?
Speaker: Wie machst du denn das?
Speaker: Ja, also ich bin ja ganz ehrlich, wenn ich zu einer derartigen Dermatitis komme, die schon, wie bei uns allen festgestellt, sehr lange besteht, vorbehandelt ist, versuche ich wirklich sehr schnell eine Hautbiopsie zu nehmen.
Speaker: Und dann besteht die Möglichkeit, wenn ihr die Hautbiopsie entnommen habt, direkt von der Unterhaut eine Tupferprobe zu nehmen und auch eine Probe von der Unterseite der Biopsie.
Speaker: In der Literatur steht, wir sollen ein Stück der Biopsie verwenden und die soll dann angezüchtet werden.
Speaker: Aus der soll was angezüchtet werden.
Speaker: In dem Fall müsst ihr die Region der Probennahme anwenden,
Speaker: Chirurgisch vorbereiten.
Speaker: Also sie muss absolut sauber sein.
Speaker: Und es besteht dann immer noch das Risiko, dass Keime, die eigentlich keine Rolle spielen, überwachsen.
Speaker: Vor allem, wenn die Probe nicht sehr schnell angesetzt wird.
Speaker: Und wie immer, ich telefoniere ja gerne rum vor der Aufnahme eines Podcasts und da habe ich wieder mit einem Labor gesprochen, mit einem Biologen und der fand die erste Version, also Tupferproben direkt von der Unterhaut und von der Rückseite der Probe schon am sinnvollsten, weil er meint, dass wir die Haut einfach nicht so gut sauber kriegen, um ein reelles Ergebnis zu bekommen.
Speaker: Okay, was man vielleicht noch erwähnen sollte für die histopathologische Untersuchung, wäre es ratsam, mehrere Proben zu nehmen und auch welche, wo die Krusten oben noch dran sind.
Speaker: Wir fassen viel zusammen heute, ne?
Speaker: Das ist richtig.
Speaker: Ein kurzes Zusammenfass.
Speaker: Es ist halt so ein großes Thema.
Speaker: Also die Ursachensuche bei der EPD ist wichtig, sich die Umgebung anzugucken, einen genauen Vorbericht zu erheben.
Speaker: Aber das ist ja eigentlich bei vielen chronischen Erkrankungen wichtig.
Speaker: Das machen wir ja schon.
Speaker: Für mich persönlich ist die Entnahme der Hautbiopsie bei den chronischen Fällen von großer Bedeutung.
Speaker: Und dann finde ich es sehr vorteilhaft, dort dann auch eine relativ gute Probe für die bakteriologische Untersuchung zu entnehmen.
Speaker: So, jetzt widmen wir uns der Therapie.
Speaker: Wenn wir den Verdacht haben, dass die Haltungsbedingungen eine große Rolle spielen, also mangelnde Hygiene und sehr hohe Feuchtigkeit, dann müssen die BesitzerInnen das entweder ändern oder die Pferde unter Verband stellen.
Speaker: Aber Achtung, Verband auf der Weide, wenn alles nass ist, das wissen wir alle, ergibt keine trockene Haut, sondern neue Probleme, nämlich wieder nasse Haut und ist nicht förderlich.
Speaker: Allerdings hätte der Verband natürlich den Vorteil, dass wir einen UV-Schutz haben, was der Haut ja auch gut tut.
Speaker: Ja, und egal, also wenn wir jetzt noch eine topische Therapie einsetzen möchten und egal welche, zuerst müssen diese Krusten verschwinden.
Speaker: Richtig, und da gibt es ja auch 200 verschiedene Versionen, die uns ja dann auch von Pferdebesitzern immer sehr ausführlich erzählt werden.
Speaker: Also jedenfalls geht es mir so.
Speaker: Ich habe eine ganz tolle.
Speaker: Ich habe Sauerkraut.
Speaker: Oh.
Speaker: Der hat Sauerkraut da draufgepackt.
Speaker: Das kenne ich nicht.
Speaker: Die Haut sah aus.
Speaker: Schön.
Speaker: Eine super Idee.
Speaker: Ja, wir können mit antibakteriellen Shampoos arbeiten und das, was wir am häufigsten verwenden, ist tatsächlich ein Shampoo, was zweiprozentiges Chlorhexidin enthält.
Speaker: Es besteht auch die Möglichkeit, dass man eine Kombination aus zweiprozentigem Chlorhexidin und Benzoilperoxid oder alleinig Benzoilperoxid zu verwenden kann.
Speaker: Das letztere wirkt schön keratolytisch, aber leider auch stark entfettend.
Speaker: Das kann dann zur Austrocknung führen und die Hautbarriere stören.
Speaker: Das ist also nicht das sanfteste Mittel.
Speaker: Man trägt es auf, schäumt es schön ein und dann lässt man es 10 Minuten drauf.
Speaker: Der beste Trick für die Krusten ist tatsächlich das Shampoo aufzutragen und dann die Verbandswatte oder das saubere Handtuch in ganz heißes Wasser einzutauchen.
Speaker: So heißt, dass man es gerade eben noch anfassen kann, die Watte.
Speaker: Und dann legt ihr das um die Fesselbeuge und belasst sie dort zehn Minuten.
Speaker: Anschließend kann man die Haut vorsichtig abspülen und trocken tupfen.
Speaker: Wichtig ist nicht rubbeln, um die Haut nicht noch mehr zu schädigen.
Speaker: Und viele der noch so hartnäckigen Krusten lassen sich so super entfernen.
Speaker: Manchmal kann man das auch zwei, dreimal hintereinander machen oder an aufeinanderfolgenden Tagen.
Speaker: Ja, damit habe ich auch gute Erfahrungen.
Speaker: Aber manchmal ist das Pferd ja so unfassbar schmerzhaft, dass du das gar nicht einmassieren kannst.
Speaker: Und ein Kommentar dazu von Dr. Nottenfeld, den wir ja glaube ich alle kennen, ist, dass für ihn das ein Zeichen einer aktiven bakteriellen Infektion ist.
Speaker: Also er hat wortwörtlich in einer Fortbildung gemeint, wenn das Pferd euch beim Säubern tulten möchte, ist es wahrscheinlich eine aktive bakterielle Unterhautentzündung.
Speaker: Und in diesen Fällen, wenn ich da also kaum drankomme,
Speaker: verwende ich Hydrosorb.
Speaker: Das ist ein Gel aus Wasser und Elektrolyten.
Speaker: Das kann man einfach eigentlich aufspritzen.
Speaker: Da muss man die Haut schon kaum berühren.
Speaker: Das wird schon dick aufgetragen.
Speaker: Dann kommt da ein Verband drum, entweder ein Hufverband, wenn es wirklich nur die Fesselbeuge ist, weil ich finde das manchmal sinniger als einen tiefen Röhrbeinverband, der dann doch wieder hochrutscht.
Speaker: Und der Verband bleibt dann über eine Nacht drauf und die Krusten quellen dann sehr schön auf und lassen sich sehr leicht abspülen.
Speaker: Das kann man auch wieder zweimal wiederholen, bis man eben diese Krusten los ist.
Speaker: Und das reizt weniger als das Chloexidin-Shampoo, weil das wirklich ja nur aus Wasser und Elektrolyten besteht.
Speaker: Die Haut beruhigt sich da auch ein bisschen.
Speaker: Das ist so meine Wunderwaffe gegen Krusten.
Speaker: Hast du noch eine andere?
Speaker: Nee, eine richtige Wunderwaffe nicht.
Speaker: Ich habe mir das mit dem Hydrosorb von dir abgeschaut.
Speaker: Das klappt wirklich super.
Speaker: Ansonsten finde ich diese warmen Verbände auch einfach und sehr praktikabel.
Speaker: Wenn man so ganz restriktive Besitzer hat, habe ich schon ausprobiert, dass man entweder Schmierseife, so ein bisschen festere Schmierseife oder Honig auf diese Krusten drauf schmiert und die Pferde über Nacht auf eine feuchte Wiese stellt.
Speaker: Das klappt tatsächlich auch.
Speaker: Du brauchst keinen Verband, das ist ja spannend.
Speaker: Ja, also das könnte auch klappen.
Speaker: Aber die Wiese muss feucht sein, also es kann nicht tun sein.
Speaker: Richtig, nee genau, so ein etwas frische, jetzt so Mai, Juni, schöne, feuchte, frische Wiese und da über Nacht rausgejagt, dann kommen die morgens zurück wie so ein Babypopo.
Speaker: Das sieht super aus.
Speaker: Die Leute haben damit keinen Stress und rubbeln auch nicht selber dran rum, das klappt ganz gut.
Speaker: Aber du hattest doch auch noch eine neue Idee.
Speaker: Ja, ich habe eine ganz tolle Spinning-Nachbarin und die ist Pharmazeutin.
Speaker: Ja, praktisch.
Speaker: Man sich beim Spinning über Sachen unterhält.
Speaker: Und der habe ich jetzt von dem Podcast erzählt.
Speaker: Und dann sind wir ins Gespräch gekommen und die hat ganz viel Kontakt zu Dermatologen.
Speaker: Und ihr hört heute ein paar Tipps von der aus der Humanmedizin.
Speaker: Und zwar wird in der Humanmedizin bei Kindern mit Neurodermitis zur sanften Krustenentfernung ein sogenannter Salbenwasserverband verwendet.
Speaker: Und dann tragt ihr zuerst eine Fettsalbe auf.
Speaker: Also zum Beispiel Neuroderm Pflegecreme Lipo oder Neuroderm Pflegecreme ohne Lipo oder CeraVe Feuchtigkeitscreme.
Speaker: Das sind alles Cremes, die in der atopischen Dermatitis-Therapie verwendet werden oder eben bei Neurodermitis.
Speaker: Dann kommt da ein Verband drum.
Speaker: Den gießt ihr an mit warmem Wasser und dann kommt nochmal ein Verband drum.
Speaker: Dieser Verband muss vier bis sechs Stunden mindestens draufbleiben.
Speaker: Gerne auch über Nacht.
Speaker: Und das war für mich jetzt auch vollkommen neu und ich habe das ausprobiert bei dem Sauerkrautpferd, weil das war so entzündet und das ist mega.
Speaker: Die Haut hat sich unfassbar schnell beruhigt und die Krusten sind weg.
Speaker: Der kriegt natürlich auch noch andere Therapie, aber
Speaker: Das ist ein extrem sanftes Verfahren, um diese Krusten zu behandeln.
Speaker: Und es ärgert die Hautbarriere nicht.
Speaker: Okay, das ist ja echt ein super Tipp.
Speaker: Also das probiere ich aus beim Nächsten, der da Probleme hat in die Richtung.
Speaker: Naja, jetzt haben wir die Krusten weg oder zumindest fast weg.
Speaker: Und wenn wir davon ausgehen, dass Bakterien ein Problem sind, besteht die Möglichkeit, das war abgesehen von den Shampoos, das Ganze topisch therapieren.
Speaker: Was verwendest du da, Anja?
Speaker: Ja, da muss man erst mal sagen, es gibt ja keine reine antibiotikahaltige Salbe, welche für das Pferd oder das Tier zugelassen ist, also auch nicht für Hund oder Katze.
Speaker: Und für die Haut soll Silbersulfadiazin sinnvoll sein, weil es zum einen wirksam ist gegen Staphylococcus und Streptococcus und zum anderen gut in die Haut vordringt.
Speaker: Da wäre jetzt das erhältliche Produkt Flamazine, also das müssen wir umwidmen aus der Humanmedizin.
Speaker: Wenn man so ein bisschen durchliest durch diese Malkoproblematik, auch im Hinblick von Bakterien, kommt manchmal Mupirozin als Empfehlung, vor allem bei Staffelkocken.
Speaker: Jetzt muss man aber dazu sagen, jeder Humanmediziner sagt, um Gottes Willen nicht auf die Fessel beuge,
Speaker: Das ist ein Reserveantibiotikum für die Behandlung von MRSA, für die Träger, für die Nase.
Speaker: Also jetzt wäre das wirklich nicht so gut.
Speaker: Vor allem nicht im Hinblick auf unsere Resistenzentwicklung.
Speaker: Ich habe heute aber Portsstörung.
Speaker: Und apropos Resistenz, also meine Pharmazeutin, wie gesagt, es war ein langer Gesprächsabend, den wir da geführt haben.
Speaker: Die hat dazu geraten, eher Octenidin als Chlorexidin zu verwenden, da Octenidin bislang praktisch keine klinisch relevante Resistenzentwicklung aufweist.
Speaker: Das ist ja eine super Eigenschaft.
Speaker: Und was für Produkte sind da für uns verfügbar?
Speaker: Also auch wieder nicht Tiermedizin, sondern Humanmedizin.
Speaker: Man kann da Octenisept oder Octenisan in der Apotheke einfach kriegen.
Speaker: Octenisan könnt ihr auch ganz normal bei WDT bestellen.
Speaker: Und das ist, glaube ich, auch etwas milder als Chloroxidin.
Speaker: Jetzt haben wir ja tropisch behandelt gegen die Bakterien.
Speaker: In welchen Fällen setzt du denn jetzt systemisch Antibiotika ein?
Speaker: Also tatsächlich recht selten.
Speaker: Eigentlich nur bei Patienten, die sehr schmerzhaft sind oder wenn das schon so ein bisschen Richtung Fleckmone geht, dass sie fiebern oder das Bein richtig dick wird.
Speaker: Und wenn, dann setze ich meistens Trimsulf ein.
Speaker: Ja, ich auch.
Speaker: Also ich gucke wirklich nach der Schmerzhaftigkeit, versuche es aber auch erstmal lokal.
Speaker: Ja, wir hatten ja schon erwähnt, dass sich bei Fällen von EPD die Hautflora verändert, besonders nach der topischen Anwendung von Antibiotika und bei ausgeprägten Veränderungen.
Speaker: Jetzt ist natürlich die Frage, können wir in irgendeiner Weise die Hautflora positiv beeinflussen?
Speaker: Hast du dazu irgendwas gefunden?
Speaker: Ja, eine Studie beim Pferd.
Speaker: Verrückt, ne?
Speaker: Aber 2025, also diese Mikroflora scheint Thema zu werden.
Speaker: Da ist eine Studie veröffentlicht worden und zwar wurde da der Einfluss von Vycella-Zibaria-Biozenol, das war jetzt gut, ne?
Speaker: Stabilisiert in Alginat-Untersuchung.
Speaker: Und zwar bei sechs gesunden Pferden und bei zwölf Pferden mit EPD.
Speaker: Und es wurde zuvor erstmal eine RNA-Sequenzierung durchgeführt.
Speaker: Und da wurde schon festgestellt, dass ein signifikanter Unterschied der Bakterienpopulation zwischen gesunden und erkrankten Pferden vorlag und auch zwischen den Krankheitsformen.
Speaker: Das heißt, bei der exudativen Krankheitsform war eine andere Mikroflora als bei der proliferativen.
Speaker: In dieser Studie wurde festgestellt, dass bei der exudativen Form vermehrt Streptokokken sowie Corinibacterium
Speaker: überwogen und bei der proliferativen Form die Staffelikorpen.
Speaker: Dann wurde ja im nächsten Schritt bei den gesunden und den erkrankten Pferden dieser Stamm stabilisiert auf einem Alginaträgermaterial auf der distalen Gliedmaße über 14 Tage aufgetragen.
Speaker: Zusätzlich, muss man schon sagen, wurde der Bereich auch unter Verband gesetzt.
Speaker: Und hat sich die Mikroflora durch die Behandlung verändert?
Speaker: Ja, eigentlich ganz positiv.
Speaker: Also es war eine signifikante Verringerung von Staphylococcus und Clostridium erzielt worden und auch eine Verringerung von Streptococcus.
Speaker: Und nach dieser zweiwöchigen Behandlung konnten keine Läsionen bei der exotativen Form mehr festgestellt werden.
Speaker: Und es trat auch kein Rezidiv in den nächsten sechs Monaten auf.
Speaker: Also das war nicht ganz unspannend, die Ergebnisse da.
Speaker: Ja, klingt danach.
Speaker: Und gibt es denn das Produkt zu kaufen?
Speaker: Ich habe das noch nie gehört.
Speaker: Nee, natürlich nicht.
Speaker: Das ist kein Experimentell.
Speaker: Nein, wir kommen da nicht dran.
Speaker: Es wird, glaube ich, auch in der Humanmedizin unterschiedliche Stämme da so irgendwie postuliert, dass die ganz toll wären.
Speaker: Aber...
Speaker: Global galaktisch wird in der Humanmedizin der Einsatz von Probiotika, also jetzt gerade bei atopischer Dermatitis, auch schon noch diskutiert, ob das wirklich sinnvoll ist.
Speaker: Also da werden jetzt neue Ergebnisse kommen, das wird weitergehen, aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Speaker: Naja, aber was wir ja auf jeden Fall mitnehmen sollten, ist, dass bei Therapieempfehlungen darauf zu achten ist, die Mikroflora nicht zu sehr zu schädigen.
Speaker: Also das heißt, so wie immer, nicht zu viel Antibiotika einzusetzen und auch nicht zu viel desinfizierende Shampoos.
Speaker: Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Haut zu unterstützen?
Speaker: Die Frage kommt ja ständig und ehe die Leute irgendwas dann machen, füttern, schmieren, sprühen, hast du da was gefunden, was man tun kann?
Speaker: Ja, also wie gesagt, ein langes Gespräch mit der Pharmazeutin und deren Empfehlung ist, zur Unterstützung der Hautbarriere CeraVe zu nennen.
Speaker: Das ist ja jetzt nochmal ein konkreter Produktname.
Speaker: Und ich muss jetzt echt nochmal deutlich sagen, also wir bekommen hier echt kein Geld dafür, wenn wir Produktnamen nennen.
Speaker: Wir sind werbefrei heute.
Speaker: Diese Feuchtigkeitscreme enthält verschiedene barriere-stabilisierende Inhaltsstoffe, ist echt vergleichsweise günstig und wird auch in der Humanmedizin bei atopischer Dermatitis eingesetzt.
Speaker: Und das könnte man wirklich pflegerisch ergänzend verwenden, also so immer abwechselnd verwenden.
Speaker: Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass möglichst wenig Konservierungsstoffe oder andere potenziell irritierende Zusätze in den verwendeten Cremes oder Salben enthalten sind.
Speaker: Ich finde, wir machen das in der Praxis ja schon relativ kontrolliert.
Speaker: Aber viele Besitzerinnen greifen ja zu den unterschiedlichsten frei erhältlichen Produkten aus den verschiedensten Quellen, mit den verschiedensten Inhaltsstoffen.
Speaker: Ich weiß nicht, welche Öle da alle drauf kommen.
Speaker: Und das ist auf dieser empfindlichen Haut, glaube ich, wirklich zu vermeiden.
Speaker: Und ich würde jedem Besitzer und jeder Besitzerin, die jetzt hier zuhört, wirklich, wirklich empfehlen, hochwertige Produkte aus der Apotheke zu holen oder sich an den Tierarzt zu wenden.
Speaker: Und nicht da wild irgendwas, was der Nachbar sagt, funktioniert ganz toll, auf diese empfindliche Haut drauf schmieren.
Speaker: Ja, das ist sicher richtig.
Speaker: In einer Studie aus 2022 wurde der topische Einsatz von essentiellen Fettsäuren untersucht.
Speaker: Die waren zwar nicht in der Lage, das Auftreten der Erkrankung zu verhindern, aber sie hatten tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Schweregrad der Läsionen.
Speaker: Was war das für ein Produkt und wie oft haben die das aufgetragen?
Speaker: Das haben die einmal die Woche aufgetragen und zwar 0,6 Milliliter von so einem Spot-on mit einer Mischung aus essentiellen Fettsäuren und ätherischen Ölen.
Speaker: Und in der Studie wurde zusätzlich kontrolliert, ob ein zugesetzter Antimikrobieller-Komplex eine zusätzliche Verbesserung erzielen konnte.
Speaker: War aber leider nicht so.
Speaker: Ja, also falls es jemanden interessiert, es handelt sich um das Dermoscent Essential Nummer 6.
Speaker: Kriegt mein Hund ab und an und der riecht dann wie eine Blume.
Speaker: Ja, und ihr merkt schon, wir haben wirklich auch gesucht nach Produkten, die nachgewiesener Weise irgendwie positiv sich auf die EPD auswirken.
Speaker: Das ist aber wirklich schwierig.
Speaker: Und eine ältere Untersuchung aus dem Jahr 2009 hat die Wirksamkeit einer Formulierung mit 20% Kunzeaöl auf die EPD-Veränderung beurteilt.
Speaker: Und da wurde eine Heilung bei sieben von elf Tieren veröffentlicht.
Speaker: Und das im Gegensatz zur Placebo-Gruppe.
Speaker: Also die hatten eine Placebo-Gruppe.
Speaker: Die Salbe ist natürlich nicht kommerziell erhältlich.
Speaker: Die müssten wir herstellen lassen.
Speaker: Das Öl ist in Deutschland erhältlich.
Speaker: Die Zusammensetzung der Salbe setze ich euch wie alle Medikamentennamen und Dosierungen, die wir hier nennen, in die Shownotes.
Speaker: Für das Zusammenmischen müsstet ihr euch an euren Apotheker wenden.
Speaker: So, Barbara, eine kleine Zusammenfassung bitte.
Speaker: Ja, selbstverständlich gerne.
Speaker: Also die Therapie wie immer beginnt mit der Optimierung der Haltungsbedingungen.
Speaker: Man kann es ja fast nicht mehr hören.
Speaker: Hashtag Asthma, aber auch hier wichtig.
Speaker: Vor jeder topischen Therapie müssen zuerst die Krusten entfernt werden.
Speaker: Bewährt hat sich eine Kombination aus Shampoo und einem heißen Umschlag das ganze 10 Minuten einwirken lassen.
Speaker: Und bei sehr schmerzhaften Pferden, ehe man sein Leben gefährdet, ist ein Verband mit Hydrosorb oder ein Salbenwasserverband eine feine Sache.
Speaker: Zur topischen Antibakteriellentherapie steht uns Flamazine zur Verfügung.
Speaker: Der Wirkstoff ist Silbersulfadiazin und das ist wirksam gegen Staphylokokken und gegen Streptokokken.
Speaker: Wir haben gelesen, dass das Hautmikrobiom bei der EPD verändert ist.
Speaker: Ein probiotisches Produkt ist aber leider bisher nicht kommerziell erhältlich.
Speaker: Grundsätzlich sollten wir uns zurückhalten mit dem Einsatz von Antibiotika und nicht zu sehr desinfizierende Shampoos einsetzen, um die Mikroflora zu schützen.
Speaker: Und die Hautbarriere lässt sich unterstützen mit einer barriere-stabilisierenden Feuchtigkeitscreme.
Speaker: Ich glaube, dass manchen der KollegInnen schon aufgefallen ist, dass bis jetzt noch überhaupt nicht über Entzündungshemmung gesprochen wurde und dass wir bisher auch die leukozytoklastische Vaskulitis als besondere Unterform der EPD ausgeklammert haben.
Speaker: Ja, und das ist so, weil wir euch diese entzündungshemmende Therapie mit Glucocorticoiden und anderen Wirkstoffen anhand eines Fallberichts etwas näher bringen wollen.
Speaker: Und aber vorab, es ist ja klar, wenn ihr eine ausgeprägte Schwellung vorfindet, dass dann systemisch nichtsteroidale Antiflogistika eingesetzt werden, ist für uns alle, die im Pferdebereich arbeiten, ja absolut nachvollziehbar.
Speaker: Ja, das ist richtig.
Speaker: Und damit steigen wir direkt in die Veröffentlichung eines Fallberichts ein.
Speaker: Dieser ist ein gutes Beispiel dafür, dass zunächst die üblichen therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden, sich die Veränderungen aber trotzdem nicht bessern.
Speaker: Das haben wir vermutlich alle ja schon mal erlebt.
Speaker: Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man merkt, irgendwas stimmt hier nicht.
Speaker: Und genau in solchen Fällen beginnt man, weiterführende Proben zu entnehmen und gezielter zu diagnostizieren.
Speaker: Ja genau, und so ein Fall war das.
Speaker: Also es wurde in einer Klinik ein 15-jähriger Warmblutfaller mit seit über einem Jahr bilateral bestehenden Krusten, Rötung und Alopexie an den Hintergliedmaßen vorgestellt.
Speaker: Der war natürlich vorbehandelt, meist antibiotisch.
Speaker: Allerdings nur mit einer wirklich minimalen klinischen Verbesserung.
Speaker: Also ein typischer Fall von einer chronischen, therapieresistenten EPD.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Und, das haben wir ja schon gelernt, was machen wir bei derartigen Fällen?
Speaker: Wir führen eine Biopsie durch.
Speaker: Und ich mache dann schon eine mittlere Palmarnervenanästhesie.
Speaker: Muss aber auch sagen, manchmal funktioniert das nicht.
Speaker: Wenn die Haut so entzündet ist, könnt ihr euch ein bisschen darauf vorbereiten, dass manchmal die Pferde trotzdem wehrhaft sind.
Speaker: Und
Speaker: Bei dieser Anästhesie hatte Barbara mir ja einen Megatrick gesagt, wie die Pferde den Einstich nicht merken.
Speaker: Erinnerst du dich noch?
Speaker: Ja, du meinst das mit dem Lidokain geht, oder?
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Ja, das kann man bei Pferden ganz prima auf der Haut verwenden.
Speaker: Ist ja eigentlich für die Schleimhaut bei Menschen gedacht.
Speaker: Wir kennen es vom Zahnarzt.
Speaker: Funktioniert aber beim Pferd auf der normalen Haut ganz super.
Speaker: Und ich glaube, du hattest ja auch eine Erklärung, warum wir keine Anästhesie spüren auf unseren Fingern.
Speaker: Das Pferd auf dem Fell hingegen aber schon.
Speaker: Meine Pharmazeutin, und da ist sie wieder, die hat mich da echt ein bisschen erleuchtet.
Speaker: Und das liegt wahrscheinlich daran, dass Lidocain gut über die Haarfollikel aufgenommen wird.
Speaker: Und bekannterweise, müssen wir ja zugeben, sind die Pferde schon ein bisschen stärker behaart als wir.
Speaker: Und deshalb scheint das bei denen gut zu funktionieren und bei uns ja eigentlich nicht, weil wenn wir das mit den Fingern auftragen, also ich habe jetzt dann keine Desensibilisierung an den Fingern,
Speaker: Und deshalb scheint die Anwendung auf der Haut von Pferden echt gut zu funktionieren.
Speaker: Und ich trage das Nidokain-Gel auf, massiere das ein und warte eigentlich gerne mal fünf bis sieben Minuten, bis die Wirkung dann wirklich einsetzt.
Speaker: Und das funktioniert hervorragend.
Speaker: Und auch bei nicht kooperativen Pferden hat sich das bei mir bei intravenöser Injektion als ausgesprochen hilfreich erwiesen.
Speaker: Also die zucken kaum noch.
Speaker: Und ich muss mich echt tausendmal bedanken, Barbara, für diesen super Tipp.
Speaker: Ja, total gern geschehen.
Speaker: Für die Biopsie nutze ich eine 8mm Stanze und versuche mehrere Bioptate zu nehmen und dann, wie du ja vorher schon beschrieben hast, parallel eine Tupferprobe aus der Unterhaut und von der Unterseite des Bioptats für die bakteriologische Untersuchung.
Speaker: Ja und wo schicken wir das Ganze denn dann hin?
Speaker: Ich sage jetzt nochmal, wir kriegen hier kein Geld für, das ist keine Werbung.
Speaker: Also ich muss es echt sagen, wir nennen diesmal echt viele Namen.
Speaker: Also ich persönlich schicke das zu Vetscope.
Speaker: Das ist ein Pathologielabor in der Schweiz, hat aber, das ist total praktisch, ein Postfach in Deutschland, weil sonst muss das über den Zoll gehen.
Speaker: Das war am Anfang so, das war echt kompliziert.
Speaker: Und ich bin auf dieses Labor gekommen, weil ich mich einmal etwas länger mit einer Kleintierärztin über ein Hautproblem unterhalten habe.
Speaker: Und ich habe einfach sehr gute Erfahrungen mit dem Labor gemacht.
Speaker: Wo schickst du hin?
Speaker: Ja, ich schicke tatsächlich auch zu Vetscope, weil das einfach super klappt und die eben nicht nur den Bericht schicken, sondern auch danach erreichbar sind und man mit denen diskutieren kann, was jetzt zu tun ist.
Speaker: Das finde ich super.
Speaker: Und früher habe ich es auch sehr gern zu Professor Überscher geschickt, bevor der in Rente ging.
Speaker: Ja, was kam denn jetzt raus bei der histopathologischen Untersuchung der Probe von dem Wallach da?
Speaker: Ja, wir sind bei der Sonderform angekommen.
Speaker: Also histologisch zeigte sich eine ausgeprägte leukozytoklastische Vaskulitis und ohne jegliche Anzeichen von Bakterien.
Speaker: Bei dieser Erkrankung zeigen sich meist erst zirkuläre, gut abgrenzbare Veränderungen.
Speaker: Diese sind schmerzhaft stark gerötet und im weiteren Verlauf entwickelt sich dann eine Exodation mit nachfolgend sehr fest anhaftenden Krusten und zum Teil sind die Pferde richtiggehend lahm.
Speaker: Ja, und in diesem Fall war das jetzt auch nicht pigmentierte Haut.
Speaker: Und interessant ist, dass diese Vaskulitis aber auch in manchen Fällen auf pigmentierte Haut auftreten kann.
Speaker: Und dann sind die Symptome anders.
Speaker: Da treten mehr Schuppen auf und eine Alopexie und nicht dieses klassisch runde.
Speaker: Es sind natürlich viel weniger Fälle.
Speaker: Es sind immer häufiger die Hintergliedmaßen betroffen und bezüglich der Rassen ist beschrieben, dass es häufiger Warmblüter, Araber, Vollblüter und Quarter Horses betrifft.
Speaker: Beim Pferd ist es eine immunvermittelte bzw.
Speaker: Immunkomplexerkrankung und da ist die UV-Strahlung ein Trigger, genauso wie es Staphylokokken oder Pseudomonaden oder zum Beispiel auch Pollen oder eine sekundäre Bakteriele Dysbiöse sein können.
Speaker: Auch Medikamente stehen im Verdacht, eine Triggerwirkung zu haben, wie zum Beispiel NSAIDs oder Antiparasitika oder einige topische Substanzen.
Speaker: Also wenn wir jetzt ehrlich sind, wir kennen den Auslöser eigentlich nicht wirklich.
Speaker: Was es jetzt triggert?
Speaker: Und es existiert eine Veröffentlichung bezüglich sieben Ausbrüchen in Kalifornien.
Speaker: Die sind aufgetreten in den Jahren 2004 bis 2014.
Speaker: Und da entwickelten die Pferde eine primäre Photosensibilisierung mit Vaskulitis der Haut.
Speaker: Und diese Tiere wurden überwiegend mit Luzernheu gefüttert.
Speaker: Okay, und wurde das Heu genau untersucht?
Speaker: Ja, die haben echt geguckt.
Speaker: Also...
Speaker: Das Heu wurde sorgfältig auf fotosensibilisierende Pflanzen geprüft sowie auf Pestizidrückstände untersucht.
Speaker: Es konnte aber überhaupt nichts derartiges nachgewiesen werden.
Speaker: Und dann ist ein Fütterungsversuch mit diesem Luzerne-Heu noch durchgeführt worden.
Speaker: Und alle Pferde, die dieses Heu erhalten hatten, entwickelten eine chronisch ulcerative, nikotisierende Dermatitis mit oberflächlicher Vaskulitis der unpigmentierten Haut.
Speaker: Das ist ja grauselig, aber weiterhin konnte man nicht klären, warum bei den Pferden eine primäre Fotosensibilisierung ausgelöst worden war?
Speaker: Nee, die konnten es überhaupt nicht klären.
Speaker: Also die haben dann nochmal spezielle Chlorophylle kontrolliert und auch diese Werte lagen im Normbereich, also im Vergleich mit dem Wiesenheu ähnlich.
Speaker: Also sie konnten nicht erklären, warum die Pferde auf das Luzerneheu so reagiert haben.
Speaker: Das ist ja verrückt.
Speaker: Aber das ist die einzige veröffentlichte Studie zu dem Thema oder gibt es da noch mehr?
Speaker: Also ich habe nochmal rumgesucht, ich habe nichts gefunden.
Speaker: Also es war wirklich nur in Kalifornien in diesen zehn Jahren mit den sieben Ausbrüchen und danach wurde das nicht nochmal beschrieben.
Speaker: Okay, aber jetzt weiter zur Vaskulitis.
Speaker: Wir fangen an mit der Therapie.
Speaker: Jawohl.
Speaker: Und für jede topische Therapie müssen die Krusten weg, haben wir ja schon darüber gesprochen.
Speaker: Ja genau und dankenswerterweise wissen wir ja jetzt über die Biopsie und die bakterielle Kortovierung der Prüferprobe, dass Bakterien in der Tiefe keine Rolle spielen, sondern eine Immunkrankheit vorliegt.
Speaker: Und damit ist uns ja jetzt allen klar, Glykokortikoide stehen erstmal im Mittelpunkt.
Speaker: Welches Glykokortikoid verwendest du denn topisch?
Speaker: Also wenn man jetzt wirklich kleine Stellen hat, die verändert sind, dann könnte man ganz gut mit so einer Dexa-Augensalbe arbeiten.
Speaker: Andere Variante ist Beta-Galen-Lotion.
Speaker: Die enthält Beta-Methason.
Speaker: Das ist ein Tipp von Frau Dr. Gabe, nutze ich gerne.
Speaker: Und aus der Kleintiermedizin gibt es Kombiprodukte, die enthalten neben dem Cortison aber eben noch andere Inhaltsstoffe.
Speaker: Ja genau, da kommen wir jetzt an das Problem der Tiermedizin, dass diese topischen Präparate alle nicht nur Glucorticoide enthalten, sondern auch zusätzlich Antibiotika.
Speaker: Und das hatten wir jetzt gelernt, das ist vielleicht nicht so ganz sinnvoll, das so lange anzuwenden.
Speaker: Und dankenswerterweise wissen wir ja, wir haben ja gar keinen bakteriellen Erreger, der unser Hauptproblem ist.
Speaker: Und somit brauchen wir keine langfristige topische Antibiotikatherapie.
Speaker: Somit landen wir, wie beim Beta-Galen schon gesagt, sehr schnell beim Präparat aus der Humanmedizin, das ausschließlich ein Glucocorticoid enthält.
Speaker: So in den Übersichtsartikeln werden da unterschiedliche Wirkstoffe genannt und besonders stark anti-entzündlich wirken Beta-Methason, das ist das genannte Beta-Galen,
Speaker: Und Momethason.
Speaker: Und gerade Momethason wird jetzt in der Dermatologie sehr häufig eingesetzt, beispielsweise bei der atopischen Dermatitis, da es eine hohe anti-entzündliche Wirkung mit vergleichsweise geringer, systemischer und lokaler Nebenwirkungsrate verbindet.
Speaker: Also das Risiko für Hautatrophie, verzögerte Wundheilung oder Sekundärinfektion war im Vergleich zu manchen anderen topischen Glucocorticoiden geringer.
Speaker: Ja und vielleicht noch ein kleiner Punkt zur topischen Behandlung der Haut im Allgemeinen.
Speaker: Bei entzündlichen Hautveränderungen ist ein höherer Wassergehalt der verwendeten Formulierung häufig sinnvoll.
Speaker: Den höchsten Wasseranteil besitzen Lotionen, danach folgen Cremes und dann kommen die Salben mit dem geringsten Wasser und dem höchsten Fettanteil.
Speaker: Das bewirkt, dass Lotionen und Cremes eher kühlend und weniger okklusiv wirken, während Salben die Haut stärker abdichten und die Feuchtigkeit in der Haut drin halten.
Speaker: Eine Creme ist deshalb insbesondere bei akuten bis subakuten entzündlichen Hautveränderungen, die mit Wärme, Exodation und entsprechender Reizung einhergehen, häufig sinnvoller als die klassische Salbe.
Speaker: Salben kann man eher bei der trockenen, chronischen, hyperkeratotischen Maukeform oder rissiger Haut einsetzen, da dadurch auch die Krusten aufgeweicht werden.
Speaker: Ich finde, man merkt jetzt, dass wir echt differenzieren müssen.
Speaker: Du hast ja jetzt gerade die Zink-Lebertransalbe erwähnt.
Speaker: Also die wäre ja dann eher sinnig, wenn du keine starken Rötungen hast, sondern diese trockenen Veränderungen.
Speaker: Vielleicht jetzt greifen wir schon vor bei den Kaltblütern, wenn die die Hyperkeratose am Kapus haben.
Speaker: Aber wenn du so eine hochakute Fesselbeuge hast, hochakut entzündet, wäre wahrscheinlich so eine Zink-Lebertransalbe jetzt gar nicht so sinnig.
Speaker: Also wir müssen, glaube ich, wirklich ein bisschen variabler werden mit unserer topischen Therapie, je nach klinischem Bild.
Speaker: Das fand ich jetzt
Speaker: Ganz prägnant hier.
Speaker: So, abgesehen von den pflegerischen Maßnahmen ist explizit empfohlen, bei einer Vaskulitis die UV-Strahlenexposition zu verhindern.
Speaker: Und da wird das immer besser.
Speaker: Da existieren schon spezielle Gamaschen, die diese Pferde dann immer tragen bei UV-Strahlungsexpositionen.
Speaker: Jetzt haben wahrscheinlich viele ZuhörerInnen schon den Eindruck gewonnen, dass eine alleinige topische Therapie mit Glucocorticoiden bei einer Vaskulitis des Pferdes häufig nicht ausreichend ist.
Speaker: Und deshalb würden wir in vielen Fällen zusätzlich auch systemisch behandeln.
Speaker: Ja, und da fällt auf, wenn man die Empfehlungen der Glucocorticoide zur Behandlung einer Vaskulitis nachliest, dass da eine sehr hohe Anfangsdosis empfohlen wird.
Speaker: Und jetzt ist es ja so, wir gehen davon aus, dass die Vaskulitis auf Immunkomplexen beruht.
Speaker: Und somit brauchen wir eine Immunsuppression.
Speaker: Und Glucocorticoide haben einmal eine entzündungshemmende Dosis und eine immunsupprimierende Dosis, welche logischerweise deutlich höher ist als die rein entzündungshemmende Dosis.
Speaker: Ja genau, das kann man wunderbar in dem Hautbuch von Herrn Nottenbelt nachlesen.
Speaker: Die dort angegebene Dosis für eine entzündungshemmende Aktivität von Pretnisolon liegt initial bei 0,8 bis 2,2 Milligramm pro Kilo mit einer nachfolgenden Erhaltungsdosis von 0,4 bis 1 Milligramm pro Kilo.
Speaker: Und die immunsuppressive Wirkung wird nach diesem Buch bei 5 bis 7 Milligramm pro Kilo erreicht.
Speaker: Und das ist ja schon ziemlich bombastisch.
Speaker: Ja, ist echt hoch.
Speaker: In einem Übersichtsartikel zu der Equine-Pastendermetitis werden genau die Therapiemöglichkeiten für diese Vaskulitis aufgeführt.
Speaker: Und da wird eine Prednisolondosierung beginnend mit 1,5 bis 2,5 Milligramm pro Kilogramm alle 24 Stunden über 7 bis 14 Tage empfohlen.
Speaker: Danach über mehrere Wochen wird auf eine Dosis eingestellt.
Speaker: von 0,5 bis 1 Milligramm a 48 Stunden reduziert.
Speaker: Und ihr hört schon, das ist eine lange Cortison-Therapie, die da notwendig ist.
Speaker: Und die sagen auch, man bleibt auf dieser Dosis, bis die Symptome verschwunden sind.
Speaker: Bei Dexamethason ist das ein ähnliches Prinzip.
Speaker: Also man beginnt erst 7 bis 14 Tage relativ hoch, 0,02 bis 0,1 Milligramm pro Kilogramm alle 24 Stunden und geht dann zurück.
Speaker: runter auf vier bis sechs Wochen, auf diese 0,01 bis 0,02 Milligramm pro Kilogramm.
Speaker: Ich habe das jetzt bei einer Vaskulitis, die echt behandlungsresistent war, durchgeführt und diese hohe Dexadosis hat mir schon Nebenwirkungen beschert.
Speaker: Also das Fell wurde schlecht, die hat schlechter gefressen.
Speaker: Wir haben dann relativ schnell reduziert.
Speaker: Jetzt muss man sagen,
Speaker: Wir haben die nachfolgende Therapie, die jetzt kommt, auch angewendet.
Speaker: Diese Vaskulitis ist bis jetzt verschwunden unter UV-Gamaschen.
Speaker: Also das war ein Erfolg, aber wir sind echt hoch in eine Dexadosis eingestiegen.
Speaker: Okay.
Speaker: Bei Nottenbelt wird nicht explizit eine spezifische Vaskulitis-Therapie beschrieben, sondern vielmehr eine anti-immunsuppressive Behandlung.
Speaker: Als Beispiel wird Dexamethasone in der Dosierung von 0,1 bis 0,2 Milligramm pro Kilo genannt.
Speaker: Und diese Dosis wird über zehn Tage verabreicht.
Speaker: Innerhalb dieses Zeitraums sollte aber eine klinische Besserung eintreten.
Speaker: Wenn keine Besserung eintritt, muss man die Therapie überdenken bzw.
Speaker: die Diagnose nochmals kritisch überprüfen.
Speaker: Anschließend wird empfohlen, die Dosis alle zwei Wochen um etwa 20% zu reduzieren, bis die niedrigste Dosis erreicht ist, welche zur Kontrolle der Erkrankung erforderlich ist.
Speaker: Und ein vergleichbares Protokoll wird für das Pretnisolon beschrieben.
Speaker: In manchen Fällen ist die Gabe von Glucocorticoiden zur Kontrolle der Erkrankung nicht ausreichend oder wir möchten aus anderen Gründen die Dosis reduzieren.
Speaker: In diesen Fällen könnte man andere Immunsuppressiva zusätzlich verabreichen.
Speaker: Ja genau und es ist ganz spannend, bei den Pferden wird da als erstes Azathioprin genannt, das ist ein Immunsuppressivum.
Speaker: Allerdings ist die orale Bioverfügbarkeit am Pferd echt nicht gut.
Speaker: Und es existiert auch nur ein Fallbericht zu der Therapie.
Speaker: Da hat es funktioniert.
Speaker: Also das war ein boleuses Pemphigus.
Speaker: Und da hatte Azathioprin einen steroidsparenden Effekt.
Speaker: Also es wurde zunächst eine Kombination von Dexamethason und Azathioprin eingesetzt über 14 Wochen.
Speaker: Daraufhin wurde das Dexa langsam ausgeschlichen und im Ende blieb das Pferd dann unter einer reinen Azathioprin-Behandlung.
Speaker: Das erzielt über 63 Wochen ein gutes Ergebnis, aber dann verschlechterte sich das schon.
Speaker: Aber ich meine, ein bolöses Pempfigus ist einfach auch eine hochgradige Erkrankung.
Speaker: Bei der langfristigen Gabe von Azathioprin wurden bisher keine Nebenwirkungen beschrieben, doch egal bei welcher immunsuppressiven Therapie, wenn die so langfristig durchgeführt wird, wird empfohlen, regelmäßig Blutproben zu entnehmen und Blutchemie und Differentialblut zu erstellen.
Speaker: Und beim Asatioprin ist noch zu beachten, der Wirkungseintritt braucht drei bis sechs Wochen.
Speaker: Also das ist auf keinen Fall sinnvoll, das statt einem Cortison in einem hochakuten Vaskulitis-Schub alleinig zu verwenden.
Speaker: Das funktioniert nicht.
Speaker: In den neueren Übersichtsartikeln wird nicht Azathioprin erwähnt, sondern Pentoxyphilin.
Speaker: Und beim Hund gilt es ja mittlerweile als Goldstandard in der Vaskulitis-Therapie, da es bestimmte Interleukine und TNF-Alpha inhibiert.
Speaker: Und insofern könnte es einen kortisonsparenden Effekt haben.
Speaker: Die Autoren des Übersichtsartikels
Speaker: hatte mit einer Kombination aus Pentoxyphelin und Momethason einen guten Erfolg bei einer Vaskulitis.
Speaker: Das Pentoxyphelin hat sie systemisch alle zwölf Stunden oral verabreicht.
Speaker: Und auch hier ist ein verzögerter Wirkungseintritt von vier bis sechs Wochen beschrieben.
Speaker: Bezüglich der Kosten, die ja vielleicht interessant sind, also die liegen bei der Pentoxyphelin-Therapie bei 120 bis 130 Euro pro Monat, je nach der Dosis bei einem 500 Kilo schweren Pferd.
Speaker: Ja, also Pentoxifelin wird, wenn man sich mit Kleintierärzten unterhält, über Vaskulitis wirklich auch sofort genannt.
Speaker: Also die sagen, das sollte man.
Speaker: Und hat auch keine Nebenwirkungen, kann man ewig nehmen.
Speaker: Kostet halt nur was.
Speaker: Es geht noch weiter.
Speaker: Also wenn man in so einer Vaskulitis-Therapie steckt, ist man oft sehr frustriert, weil die Pferde nicht besser werden.
Speaker: Und man greift dann wirklich etwas verzweifelt in die Trickkiste mit humanen oder Kleintiermedikamenten.
Speaker: Und bei den Kleintieren wird in manchen Fällen als steroidsparendes Immunsuppressivo Methotrexat verwendet.
Speaker: Also in der Humanmedizin ist es absolut etabliert bei verschiedenen Formen von Vaskulitis.
Speaker: Da wird immer Folsäure substituiert.
Speaker: Also wie gesagt, aber in der Humanmedizin.
Speaker: Es existiert eine Studie zu der Methotrexat-Behandlung eines Esels mit der Kutanenform des Lupus Erythomatosus.
Speaker: Der wurde dann zunächst mit Prednisolon behandelt, assoziiert mit einer subkutanen einmalwöchigen Gabe von 25 mg Methotrexat.
Speaker: Und diese Therapie erzielte eine deutliche Verbesserung der Läsionen innerhalb von drei Monaten.
Speaker: Es konnte die Prednisolon-Therapie beendet werden und das Methotrexat wurde daraufhin einmal die Woche in einer Dosierung von 0,2 Milligramm pro Kilogramm über elf Monate verabreicht.
Speaker: Und in diesem Zeitraum zeigte der Esel keine Nebenwirkungen und die Erkrankung wurde wirklich erfolgreich kontrolliert.
Speaker: Okay, es ist ein Esel, muss man immer dazu sagen, ein Esel.
Speaker: Ja, trotzdem ist ja super, dass man so eine Erkrankung da in den Griff kriegt.
Speaker: Das ist ja klasse.
Speaker: Aus 2020 gibt es eine pharmakokinetische Studie mit einer niedrig dosierten Gabe von Methotrexat.
Speaker: Und entsprechend dieser Studie liegt die subkutane Bioverfügbarkeit bei 73%.
Speaker: Und die empfohlene potenziell sichere Dosis liegt bei einmal wöchentlich 0,2 Milligramm pro Kilo Subcutan.
Speaker: Kannst du was zu den Kosten sagen und wie wir an dieses Medikament rankommen, wenn wir uns dafür entscheiden sollten?
Speaker: Ja, kann ich, weil ich habe nämlich mit diesem Medikament ein Pferd mit Sarkoidose behandelt.
Speaker: Da haben wir echt ein bisschen rumprobiert.
Speaker: Also ein 500 Kilogramm Pferd bräuchte 100 Milligramm einmal wöchentlich.
Speaker: Es existieren Formulierungen mit zwei Milliliter und da sind 50 Milligramm drin.
Speaker: Da kostet eine Flasche 24 Euro.
Speaker: Das wäre dann 190 Euro pro Monat.
Speaker: Und diese Sarkoidose wird ja durchgehend therapiert.
Speaker: Also das wurde dann echt teuer.
Speaker: Und wir sind dann umgestiegen auf eine Infusionslösung mit 500 Milligramm in 20 Milliliter.
Speaker: Und die haben wir verdünnt.
Speaker: Und dann einmal die Woche subkutan verabreicht.
Speaker: Das hat gut funktioniert.
Speaker: Die hat keine Nebenwirkungen gezeigt.
Speaker: An der Injektionsstelle...
Speaker: entwickelte sich da eine kahle Stelle, also eine Alopexie.
Speaker: Warum auch immer.
Speaker: Aber das war das Einzige, was bei der Studie auftrat und das war über ein Jahr, die wir die so therapiert haben.
Speaker: Okay, das ist ja auch eine super Therapiemöglichkeit.
Speaker: Falls ihr vermehrt in der Kleintiermedizin unterwegs seid oder nochmal nach einer anderen immunsuppressiven Therapie recherchiert, dann werdet ihr bestimmt auf Mycophenolat-Mofetil oder kurz MMF stoßen.
Speaker: Das ist beim Pferd im Moment nicht geeignet, da es in der Studie bei allen Pferden der Studie innerhalb von sieben Tagen zu starken Nebenwirkungen kamen.
Speaker: Wir werden ja immer wieder gefragt, können wir was ergänzend füttern?
Speaker: Also natürlich muss das Pferd zur Hautregeneration adäquat gefüttert werden.
Speaker: Also eine ausreichende Eiweißaufnahme, das haben wir schon mal erwähnt.
Speaker: Die Eiweißaufnahme ist, wenn Pferde nur Heu bekommen, begrenzt, weil das Heu weniger Eiweiß enthält, als früher.
Speaker: Ein vitaminisiertes Mineralfutter sollte zur Verfügung stehen oder in ausreichender Menge ein vitaminisiertes, mit Mineral zugesetztes Müsli oder Pellet.
Speaker: Dann ist die Zinkaufnahme nicht unwichtig.
Speaker: Zur Regeneration, das heilt nicht, aber die Regeneration kann verbessert werden.
Speaker: Die sollte etwas höher liegen als der Haltungsbedarf, aber bitte auch keine Unmassen von Zink füttern lassen.
Speaker: Das veränderte in einer Untersuchung nämlich die Mikroflora des Darms.
Speaker: Also zu viel ist da jetzt auch nicht gut.
Speaker: Und auf die Zinkquelle sollte geachtet werden.
Speaker: Es ist gezeigt worden, dass Zinksulfat oder Zinksulfat-Gelat besser aufgenommen wird im Vergleich zu Zinkoxid.
Speaker: Auf jeden Fall wird auch empfohlen zusätzlich Omega-3-Fettsäuren.
Speaker: zu verabreichen.
Speaker: Da streiten sich so ein bisschen die Geister.
Speaker: Es gibt ja einmal das Leinöl, das enthält Alpha-Linolensäure.
Speaker: Und dann gibt es Produkte basierend auf Fisch- oder Algenöl.
Speaker: Und die Diskussion beruht darauf, dass es nur eine Untersuchung gibt zur Entzündungshemmung.
Speaker: von den beiden wichtigen Fettsäuren.
Speaker: Das ist die Docasahexaensäure und die Alcasopentaensäure.
Speaker: Und diese beiden Säuren sollen entzündungshemmend wirken.
Speaker: Das haben wir in dem Asthma-Podcast schon erzählt.
Speaker: Da ist auch die Dosis drin.
Speaker: Und die werden aber nicht aus diesem Alpha-Linolen gebildet im Körper.
Speaker: Das bedeutet, eigentlich müssen wir deshalb Fisch oder Algenöl zufüttern.
Speaker: Aber dann steht halt die Frage, wie
Speaker: Was macht eigentlich ein Pferd so mit Fisch und Algenöl?
Speaker: Das ist ja nicht die normale Futtergrundlage.
Speaker: Also da ist so ein bisschen Diskussion.
Speaker: So, das war jetzt viel, ne?
Speaker: Okay, ich versuche eine Zusammenfassung.
Speaker: Also die leukozytoklastische Vaskulitis gilt als Immunkomplexerkrankung.
Speaker: Sie betrifft oft die Hintergliedmaße und oft nicht pigmentierte Haut.
Speaker: Klinisch sind es schmerzhaft stark gerötete Läsionen, die beginnen oft rund und gut abgegrenzt, mit Exudation und sehr fest anheftenden Krusten.
Speaker: Eigentlich
Speaker: Oft medial oder lateral an der Fesselbeuge oder sie zieht medial und lateral hoch.
Speaker: Man sieht wirklich, dass sie dem Gefäßlauf entlangläuft.
Speaker: Es existieren verschiedene Trigger, aber es ist nicht wirklich klar, was hauptverantwortlich ist.
Speaker: Wichtig ist der Schutz gegen UV-Strahlung.
Speaker: Wir haben das noch nicht explizit erwähnt.
Speaker: Die Prognose ist vorsichtig.
Speaker: Es ist eine frustrierende Behandlung und es treten oft Rezidive auf.
Speaker: Im Rahmen der Therapie müssen erstmal die Krusten entfernt werden.
Speaker: Topisch eingesetzte Gluke-Kortikoide, da ist Mometason-Vorrat,
Speaker: Wichtig, gerne im Wechsel mit einer pflegerischen Hautcreme.
Speaker: Die systemische Therapie in der Regel mit Glucocorticoiden und eventuell noch zusätzlich, wenn ihr sehr lange Glucocorticoide verwenden müsst, um einen steroidsparenden Effekt zu erzielen, gesonderte Immunsuppressiva.
Speaker: Und wenn die BesitzerInnen noch etwas Tolles dazu tun wollen, eine zusätzliche Omega-3-Fettsäuren ist sinnvoll, bevorzugt Fisch oder Algenöl.
Speaker: Neben der Vaskulitis gibt es ja auch noch eine andere Form dieser Equal-Pest und Dermatitis und zwar das chronisch progressive Lymphödem.
Speaker: Das tritt ja eigentlich fast nur, nee, das tritt nur bei Pferden mit starkem Behang und natürlich ausgeprägt bei Kaltblütern auf.
Speaker: Zu annähernd 65 Prozent der deutschen Kaltblüter und bei belgischen Kaltbluthengsten lag die Prävalenz bei 82 Prozent.
Speaker: Ja, wir hatten ja zu Beginn schon erwähnt, dass Pferde mit starkem Behang schneller eine Dermatitis der Fesselbeuge entwickeln.
Speaker: Und es ist ja auch logisch, durch den Behang hält sich länger Feuchtigkeit und Schmutz an der Haut und auch Schuppen, die die Nahrung der Choreoptesmilben darstellen.
Speaker: Die Therapie wird später begonnen, weil die Problematik für die BesitzerInnen gar nicht offensichtlich ist, weil es nicht erkannt werden kann durch die Haare.
Speaker: Und neben den klassischen Schuppen und Krusten entwickeln sich dicke Hautfalten, Knoten, Fibrosen und so veroköse Veränderungen sowie eine progressive Umfangsvermehrung der distalen Gliedmaße.
Speaker: Ja, ja, und die verokösen Veränderungen behandeln wir mit Jodlösung.
Speaker: Richtig, klappt super.
Speaker: Jetzt sofort wieder weg.
Speaker: Ich habe mir jetzt echt die Frage gestellt, ich finde das ganz spannend, warum?
Speaker: Also warum entstehen bei diesen Pferden die fibrotischen Veränderungen und nicht jetzt zum Beispiel beim Warmblut oder beim Araber, wenn die so eine klassische EPD aufweisen?
Speaker: Und dann liest man ja nach.
Speaker: Und das könnte daran liegen, da gibt es natürlich jetzt unterschiedliche Theorien, dass bei den betroffenen Pferden pathologische Veränderungen des Lymphsystems festgestellt worden sind.
Speaker: Und zwar war die lymphatische Clearance verzögert.
Speaker: Und dann wurden andere Schlüsselkomponenten genannt, also zum Beispiel progressive Fibrose des Gewebes und eine Störung der Elastinmatrix.
Speaker: Ja, und diese Komponenten beeinflussen sich dann gegenseitig, sodass ein Teufelskreis entsteht.
Speaker: Welcher Faktor am Anfang steht, das wird derzeit noch diskutiert.
Speaker: Eine genetische Prädisposition scheint zu bestehen.
Speaker: Allerdings konnten bis jetzt keine spezifisch assoziierten Gene identifiziert werden.
Speaker: Sag mal, was ist denn diese Störung der elastischen Matrix?
Speaker: Das klingt ja irgendwie schräg.
Speaker: Ja, also die haben festgestellt, dass sowohl quantitativ als auch qualitativ dermale und perilymphatische Elastinanomalien bei diesen betroffenen Kaltblütern auftreten.
Speaker: Und es wurden auch Anti-Elastin-Antikörper bei den erkrankten Pferden festgestellt.
Speaker: Das deutet auf einen pathologischen Abbau der elastischen Fasern hin und auf Gewebeschäden.
Speaker: Und das resultiert in einem Versagen des elastischen Hautnetzwerks.
Speaker: Und das wiederum führt zu einer unzureichenden lymphatischen elastischen Unterstützung und somit zu einer reduzierten lymphatischen Drainage.
Speaker: Okay, und das Endformlied ist dann, dass die Lymphgefäße nicht mehr richtig funktionieren und das lang anhaltende Ödem führt zu einer Fibrose und im weiteren Verlauf entstehen dann die fibrösen Knoten und die verdeckten Hautfalten.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Ja, und dann geht es noch weiter.
Speaker: Die beeinträchtigte Zirkulation der Lymphflüssigkeit und
Speaker: Der lymphatischen Drainage führt dann wiederum zu einem häufigen Auftreten von sekundären Infektionen.
Speaker: Und das ist dann wieder ein Punkt, der diesen ganzen Krankheitskomplex aufrechterhält.
Speaker: Ja, und wie immer, wenn wir nicht ganz genau wissen, wie so eine Erkrankung entsteht, gibt es natürlich eine zweite Hypothese.
Speaker: Und zwar, dass eine chronische Entzündung der primäre Mechanismus ist und darauf die pathologischen Veränderungen beruhen.
Speaker: Und so entstehen dann Gewebsödeme und Läsionen, die fortschreiten bis zu einer hyperplastischen Fibrose.
Speaker: Es ist wohl so, dass bakterielle Infektionen oder Milben oder auch Novaskulitis diese Entzündung auslösen können.
Speaker: Und die veränderte funktionale Bildung von Lymphgefäßen resultiert im Endeffekt aus der chronischen Entzündung heraus.
Speaker: Also wissen wir nicht, wie so oft, was war das Ei und was war das Huhn.
Speaker: Ja, haben echt viele Theorien bei dieser Folge.
Speaker: Im Gegensatz zu der klassischen EPD, die ja eher bei adulten Pferden vorkommt, entwickeln die Kalbblüter schon in einem Alter von zwei Jahren die ersten Läsionen.
Speaker: Das beginnt mit einem Ödem, charakteristischerweise in der Fessel- und Kronregion.
Speaker: Das bleibt aber meist unbemerkt aufgrund des starken Behangs der Pferde.
Speaker: Und die Erkrankung schreitet im Alter immer weiter vor.
Speaker: Es ist entreten, immer mehr Hautfalten auf.
Speaker: Und das ist einfach diese dermale Verdickung, die diese Pferde entwickeln.
Speaker: Und da ist ja logisch, dass in diesen dicken, aneinanderliegenden Hautfalten eine Reibung entsteht.
Speaker: Und da hat man dann Wärme, Feuchtigkeit und Debris und somit den perfekten Nährboden für eine Entzündung und natürlich auch für die Vermehrung von Bakterien.
Speaker: Wir schauen ja bei diesen Pferden,
Speaker: Relativ schnell in diese Fesselbeugenregion.
Speaker: Jetzt ist aber auch noch charakteristisch, dass die Tiere eine Hyperkeratose der Haut, also massive Keratinansammlungen mit trockener, schuppiger und mechanisch vulnerablen Haut entwickeln und zwar Palma im Bereich des Kapus.
Speaker: Dorsal im Bereich des Tarsus.
Speaker: Das sind Stellen, die während der Bewegung hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind.
Speaker: Dadurch ist natürlich das Risiko, dass da Ulzera entstehen, sehr groß.
Speaker: Die sind wiederum anfällig für sekundäre Infektionen.
Speaker: Das wiederum kann zu einer Zellulitis oder Lymphangitis führen.
Speaker: Und dann kommt wieder unser Lieblingsbakterium, der Staphylococcus aureusum, macht eine wunderschöne sekundäre Infektion.
Speaker: Ja, super.
Speaker: Wir haben ja schon erwähnt, dass bei diesem Krankheitskomplex Milben eine Rolle spielen.
Speaker: Die fühlen sich unter dem Behang natürlich total wohl, weil die Milben durch den Behang sehr viele Hautschüppchen als Nahrungsquelle haben.
Speaker: und Schutz vor extremen Temperaturen genießen.
Speaker: Diese Milben verschlechtern aber leider den Krankheitszustand, da sie einen Juckreiz auslösen und dadurch bedingen sie eventuell Verletzungen durch das Kratzen der Pferde und es folgen dann Krusten und Alopezi.
Speaker: Pathophysiologisch wird vermutet, dass die chronische Milbeninfektion eine persistierende Entzündungsreaktion an den distalen Gliedmaßen auslöst und diese chronische Entzündung könnte dann langfristig die proliferativen Hautveränderungen und die Fibrose fördern, die ja typisch für die CPL sind.
Speaker: Es ist nur immer wieder spannend, dass die Ausprägung des Milbenbefalls, also wie viele Milben festgestellt worden sind, nicht in Korrelation zu der Ausprägung der Läsionen steht.
Speaker: Also ist immer noch die Frage, haben die Milben eine Bedeutung?
Speaker: Und in einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2025 war die Prävalenz von diesem Choreoptes bovis Milben bei belgischen Kaltblutpferden und dem möglichen Zusammenhang mit dem chronisch-progressiven Lymphödem das Thema.
Speaker: Ja, dabei wurden insgesamt 156 belgische Kaltblüter und zusätzlich 142 Warmblüter als Kontrollgruppe untersucht.
Speaker: Und bei den Kaltblütern wurden bei über 92% Choreoptismilben nachgewiesen, bei den Warmblütern keiner.
Speaker: Das ist irre, ne?
Speaker: Ja.
Speaker: Das ist echt irre.
Speaker: Und wir suchen die ja schon auch bei den Warmblütern.
Speaker: Ja, gleichzeitig hatten dann 81 Prozent der Kalbblüter klinische Veränderungen entsprechend eines chronisch-progressiven Lymphedems.
Speaker: Das Auftreten von CPL korrelierte signifikant mit dem Nachweis der Milben.
Speaker: Die Wahrscheinlichkeit, Läsionen entsprechend von CPL zu entwickeln, war doppelt so hoch, wenn Milben nachgewiesen worden waren.
Speaker: Es ist aber trotzdem noch, es bleibt die große Frage, sind Milben die Ursache von CPL oder ist es doch nur ein Begleitproblem, was die Entzündung weiter triggert?
Speaker: Die Frage nach Henne und Ei begleitet uns also weiter, aber die Studie kann das tatsächlich nicht endgültig beweisen, weil es sich um eine Querschnittsstudie handelt.
Speaker: Statistisch war der Zusammenhang aber sehr stark.
Speaker: Pferde mit Milben hatten etwa doppelt so häufig CPL als milbenfreie Pferde.
Speaker: Wir besprechen nachher noch eine zweite Studie, deren Ergebnisse auch darauf hindeuten, dass Milben wohl auch ursächlich sein können.
Speaker: Was ich spannend fand bei diesen Ergebnissen, dass bereits Fohlen betroffen waren, nicht wahr?
Speaker: Ja, das ist völlig verrückt.
Speaker: Bei Fohlen unter einem Jahr wurden bereits bei etwa 86 Prozent Milben gefunden, teilweise im Alter von nur sechs Tagen.
Speaker: Das finde ich schon irre und das spricht ja stark dafür, dass die Übertragung direkt von der Mutterstute auf das Fohlen erfolgt.
Speaker: oder eben unmittelbar nach der Geburt durch die Umgebung.
Speaker: Trotz des hohen Milbenbefalls hatten die meisten jungen Pferden interessanterweise aber noch keine ausgeprägten CPL-Läsionen.
Speaker: Das würde ja jetzt dagegen sprechen, dass die Milben so ganz ursächlich für die Symptome sind.
Speaker: Oder die Erkrankung braucht halt einfach sehr lange, um sich so zu entwickeln, dass wir die feststellen.
Speaker: Ich fand auch interessant, dass die Autoren betonen, dass der Behang nicht alleinig für die Prävalenz des Milbenbefalls bei dieser Rasse verantwortlich sein soll.
Speaker: Denn der Gedanke ist natürlich, ja klar, eigentlich müsste das sofort kommen.
Speaker: Diese Choreoptismilben betreffen ja auch Rinder ohne starken Behang deutlich.
Speaker: Genau, und deshalb vermuten die Autoren zusätzlich rassespezifische Unterschiede der Hautphysiologie.
Speaker: Bereits ältere Arbeiten zeigten wohl, dass bestimmte Choreoptispopulationen speziell an Kaltblutpferde angepasst sein könnten.
Speaker: Mhm.
Speaker: So, jetzt einmal eine kurze Zusammenfassung.
Speaker: Also das chronisch-progressive Lymphedem betrifft Pferde mit starkem Behang, insbesondere Kalbblüter.
Speaker: Es entwickeln sich Hautfalten, knotige Veränderungen, die oft mit Ulcera und dann sekundären bakteriellen Infektionen einhergehen.
Speaker: Im Gegensatz zur klassischen EPD bestehen pathologische Veränderungen des Lymphsystems.
Speaker: Choreoptesmilben spielen vermutlich eine wichtige Rolle,
Speaker: Jetzt nochmal, die Stärke des Milbenbefalls korreliert aber nicht mit der Schwere der Läsionen.
Speaker: Das CPL ist progressiv und derzeit unheilbar und im nächsten Abschnitt gehen wir auf die Therapie ein.
Speaker: Wir haben ja jetzt schon erwähnt, dass CPL progressiv und derzeit unheilbar ist.
Speaker: Also damit zielt die Therapie eigentlich darauf ab, die Progression zu verlangsamen, die Lebensqualität der Pferde zu verbessern.
Speaker: Man muss deutlich sagen, das bedeutet eine lebenslange, intensive Pflege dieser Pferde.
Speaker: Ja, wir sind jetzt ja schon öfter auf die Bedeutung des Behangs bei diesem Krankheitskomplex eingegangen und somit ist eigentlich klar, dass das regelmäßige Scheren dieses Behangs von besäußerer Bedeutung ist, denn dadurch kann die Haut besser kontrolliert werden, es ist weniger Feuchtigkeit und Debris vorhanden und die Therapie wird natürlich erleichtert sowie die Belastung von Milben und Mikroorganismen verringert.
Speaker: Ja, und um sekundäre Infektionen so gering wie möglich zu halten, ist ein regelmäßiges Waschen wichtig und zwar mit milden antiseptischen Shampoos.
Speaker: In Fällen mit extremen Krusten oder Schuppen kann ein keratolytisches Shampoo sinnvoll sein, also zum Beispiel mit Benzoölperoxid.
Speaker: Aber Achtung, es ist nicht so freundlich zur Hautbarriere und trocknet auch eher aus.
Speaker: Der nächste Schritt ist dann das Eincremen.
Speaker: Zum einen mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme zur Verbesserung der Hautelastizität und der Hautbarriere.
Speaker: Die haben wir ja schon bei der EPD erwähnt.
Speaker: Zum anderen kann man eventuell keratolithische Cremes einsetzen mit Harnstoff oder Salicylsäure.
Speaker: Und besonders im palmaren Bereich des Karpus oder am dorsalen Bereich des Tarsus ist es wichtig, die Hautelastizität zu erhalten, weil da ja sehr viel hyperkeratotische Krusten vorliegen.
Speaker: Ja, und wenn ihr den Verdacht habt, dass eine aktive sekundäre bakterielle Infektion überhand nimmt, können natürlich lokal Antibiotika eingesetzt werden, wie bei EPD.
Speaker: Also landen wir wieder, weil es auch Staphylococcus sind, die dort vermehrt vorkommen, bei dem Silbasulfadiazin, da dieses Jahr ganz gut gegen Staphylococcus hilft und gut in die Epidermis penetriert.
Speaker: Wir können natürlich auch einmal eine Honigsalbe empfehlen, die ja auch bei bakteriellen Infektionen effektiv sein soll.
Speaker: Da wäre aber wichtig, das sollte dann schon der medizinische Manuka-Honig sein.
Speaker: Wir gehen gleich sehr ausführlich auf die Bekämpfung der Milbeninfektionen ein.
Speaker: Hier ist nur im Vorfeld schon zu erwähnen, dass die Milben sehr lange in der Umgebung der Tiere überleben können.
Speaker: Das heißt, regelmäßiges Misten und Säubern des Stalls ist von essentieller Bedeutung.
Speaker: Eine weitere Ansteckungsquelle, die man vielleicht gerne vergisst, sind auch Kontaktpferde.
Speaker: Ja, wir enden ja mit den Milben.
Speaker: Wir machen jetzt noch davor einen anderen Bereich und zwar haben wir ja ein Problem mit der Lymphdrainage und die unterstützen wir auf jeden Fall mit regelmäßiger Bewegung, da Muskelaktivität die Lymphdrainage unterstützt.
Speaker: Dann ist zu sagen, dass schon eine reine Weide- oder Paddockhaltung günstiger ist als eine Stallhaltung.
Speaker: Richtig.
Speaker: Und was noch eine Verbesserung erzielen kann im Hinblick auf das Lymphödem ist die manuelle Lymphdrainage, wie du ja auch schon gesagt hast.
Speaker: In einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 wurde zunächst eine manuelle Lymphdrainage durchgeführt und anschließend wurden die Gliedmaßen einmandagiert.
Speaker: Haben die die Beine dann erst geschoren?
Speaker: Also wie kann ich mir das jetzt das Vorgehen genau vorstellen?
Speaker: Wie haben die das gemacht?
Speaker: Die haben die Gliedmaßen geschoren und dann haben sie den Umfang gemessen.
Speaker: Und vor Beginn dieser Pilotstudie sind die bakteriellen Infektionen die Vorlagen behandelt worden.
Speaker: Zunächst wurde die manuelle Lymphdrainage durchgeführt und danach wurden die Gliedmaßen eingecremt, Verbandswatte angelegt und die Kompressionsbandagen in mehreren Schichten von Distal nach Proximal gewickelt.
Speaker: Und das waren jetzt aber besondere Bandagen.
Speaker: Also das waren jetzt nicht die, die wir normal im Auto haben.
Speaker: Wo kriegen wir die jetzt her und wie viel kosten die?
Speaker: Genau, also das sind sogenannte Kurzzugbinden und die erzeugen bei entspannter Muskulatur einen niedrigen Arbeitsdruck und während der Bewegung einen höheren Arbeitsdruck.
Speaker: Das wollen wir ja.
Speaker: Und dadurch wird ein unterstützender Druck auf die Lymphgefäße ausgeübt und eine erneute Ansammlung von Lymphflüssigkeit wird verhindert.
Speaker: Nach dem Anlegen der Bandagen wurden die Pferde 20 bis 30 Minuten Schritt geführt, um den Lymphfluss zusätzlich zu steigern.
Speaker: Und diese Kurzzugbinden sind Kompressionsbandagen, die kann man bestellen.
Speaker: Die sind natürlich leider nicht ganz günstig, da wir ja auch riesen Füße haben oder Gliedmaßen haben, kommt da schon so ein bisschen was zusammen.
Speaker: Also so zwischen 30 bis 100 Euro bei Erstanschaffung muss man rechnen.
Speaker: Aber diese Binden kann man waschen und angeblich bis zu 50 Mal wiederverwenden.
Speaker: Okay, und wie lange wurde das Verfahren jetzt eingesetzt und war es erfolgreich?
Speaker: Ja, die haben das Verfahren 14 Tage lang täglich durchgeführt und haben damit eine Volumenreduktion um 11 Prozent erzielt.
Speaker: Zum Teil sogar doppelt so viel bis zu 22 Prozent.
Speaker: Und zusätzlich verbesserte sich die Qualität der Bewegung.
Speaker: Man muss aber dazu sagen, es war eine Pilotstudie mit gerade mal fünf Pferden.
Speaker: Okay, bevor wir jetzt zu den letzten aktuellen Studien kommen, fasse ich einmal kurz zusammen.
Speaker: Die therapeutischen Maßnahmen dieser Erkrankung dienen nicht der Heilung, sondern der Verlangsamung der Progression.
Speaker: Und es ist eine lebenslange intensive Pflege erforderlich.
Speaker: Das muss man den BesitzerInnen wirklich deutlich sagen.
Speaker: Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist das regelmäßige Scheren des Behangs und einmal die Progression zu verfolgen und wirklich an die Läsionen ranzukommen.
Speaker: Dann gefolgt von regelmäßigem Waschen und Trocknen, also gerade zwischen den Falten.
Speaker: Manche Leute verwenden da auch einen Föhn.
Speaker: In Abhängigkeit vom Krankheitsbild wird gewaschen mit milden antiseptischen Shampoos oder bei starker Schuppenbildung und Krustenbildung eventuell mit keralytischen Shampoos.
Speaker: Feuchtigkeitscreme wird eingesetzt zur Verbesserung der Hautelastizität und der Hautbarriere.
Speaker: Da auch wieder eventuell keralytische Cremes mit Harnstoff oder Salicylsäure.
Speaker: Eventuell müsst ihr regelmäßig bakterielle Infektionen behandeln.
Speaker: Und die Unterstützung der Lymphdrainage beruht zum einen auf regelmäßiger Bewegung manueller Lymphdrainage.
Speaker: Und dann kann man auch mal versuchen, die Kompression mit diesem speziellen Kompressionsverband über 14 Tage durchzuführen.
Speaker: Das erzielte schon bei fünf Pferden jetzt eine Volumenreduktion.
Speaker: Jetzt haben wir schon sehr viel über die Rolle der Milben gesprochen und wollen die natürlich auch bekämpfen.
Speaker: Und genau zu diesem Thema gibt es eine sehr spannende neue Studie.
Speaker: Worum ging es denn da?
Speaker: Ja, da hat die Arbeitsgruppe der Universität Gent untersucht, ob eine topische Behandlung mit Moxidektin-Pur-On die Choreoptis-Bobbis-Infektion bei belgischen Kaltblütern eliminieren kann und welchen Einfluss das dann auf die klinischen Veränderungen des chronisch-progressiven Lymphedems hat.
Speaker: Wie war die Studie aufgebaut?
Speaker: Insgesamt waren es 19 belgische Kalbblüter.
Speaker: Die hatten zum einen klinische Anzeichen von CPL, also dem chronisch-progressiven Lymphedem, und einen positiven Milbennachweis im Hautgibschabsel.
Speaker: Die Pferde wurden randomisiert, entweder mit Moxidektin oder einem Placebo behandelt.
Speaker: Vor Therapiebeginn wurde der komplette Behang der distalen Gliedmaße geschoren.
Speaker: Anschließend erfolgte zweimal im Abstand von sieben Tagen die lokale Behandlung mit Moxidektin direkt auf die distalen Gliedmaßen.
Speaker: In regelmäßigen Abständen wurden die Pferde in Hinblick auf Juckreiz, Milben-assoziierte Hautläsionen und Veränderungen entsprechend von CPL beurteilt und die Milben gezählt.
Speaker: Alles klar, viel Spaß.
Speaker: Wie war die Dosierung von Moxidektin und was genau für ein Produkt wurde verwendet?
Speaker: Also die Dosierung liegt bei 1,5 Milligramm pro Kilogramm Pferd.
Speaker: Und verwendet wurde ein 0,5-prozentiges Zydektin-Pur-On.
Speaker: Das wurde mit der Spritze direkt auf die geschorene Haut aufgetragen und manuell verteilt.
Speaker: Und lass mich raten, das gibt es zur Abwechslung mal in Deutschland käuflich erhältlich.
Speaker: Ja, das können wir kriegen.
Speaker: Der kostet 1 Liter ca.
Speaker: 93 Euro im Einkauf.
Speaker: Ja, es ist eine deutlich höhere Dosierung, als man sie normalerweise oral beim Pferd kennt, die wir da nutzen.
Speaker: Ja, genau, das diskutieren die Autoren auch.
Speaker: Der Hintergrund ist, dass pur unverwendete makrozyklische Laktone beim Pferd nur eine begrenzte systemische Bioverfügbarkeit besitzen.
Speaker: Und gleichzeitig kommt ja noch dazu,
Speaker: dass die CPL-Pferde massive Hyperkeratosen, Krustenbildungen und diese dicke Haut haben, die dann auch die Penetration verschweren können.
Speaker: Und deshalb wurde bewusst hochdosiert und direkt an den Prädilektionsstellen appliziert.
Speaker: Und wie wirksam war die Behandlung?
Speaker: Ja, das war mega.
Speaker: Also erstaunlich effektiv.
Speaker: Eine Woche nach Beginn der Behandlung, also an Tag 14, konnten bei keinem Pferd der Moxidektin-Gruppe mehr lebende Milben nachgewiesen werden.
Speaker: Bis 20 Wochen nach Behandlung blieb dieser Milbennachweis negativ.
Speaker: Erst an Tag 168 wurden bei drei Pferden erneut lebende Milben gefunden.
Speaker: Das entspricht einer Wirksamkeit von 100 Prozent an Tag 14 und an Tag 56.
Speaker: Und das, obwohl mehrere Pferde dieser Gruppe direkten Kontakt zu befallenen Tieren hatten und keine Umgebungsbehandlung durchgeführt wurde.
Speaker: Und in der Placebo-Gruppe wurden bei allen Pferden mit Ausnahme von einem weiterhin Milben festgestellt.
Speaker: Okay, das ist ja super.
Speaker: Aber gab es auch klinische Verbesserungen?
Speaker: Ja, und zwar deutlich.
Speaker: Bereits nach sieben Tagen kam es zu einer signifikanten Reduktion des Pruritus.
Speaker: Dieser Juckreiz verschwand dann vollständig bis Tag 14 und blieb auch aus bis zum Studienende.
Speaker: Und im Vergleich zur Placebogruppe waren die Veränderungen durch Milben, also Hautschuppen, Krusten und fokale Bereiche mit Alopexie ab dem Tag 56 signifikant besser in der Behandlungsgruppe.
Speaker: Allerdings hat man erst eine Verschlechterung beobachtet, oder?
Speaker: Ja, das muss man wirklich sagen.
Speaker: Also wenn man das einsetzt, muss man das wissen und die Besitzerinnen vorwarnen.
Speaker: Am Tag 14, also nach der zweiten Behandlung, kam es bei den behandelten Pferden zu einer ausgeprägten Schuppenbildung.
Speaker: Das heißt, klinisch sah es zuerst schlechter aus, obwohl die Therapie wirkt.
Speaker: Das klingt ja fast hermöopathisch.
Speaker: Ja, nix Homöopathie.
Speaker: Nein, es ist wichtig zu wissen, dass sich nicht der Zustand verschlechterte, die Milben waren ja danach weg, sondern dass erst mal eine Schuppenbildung auftritt und die Autoren interpretieren diese starke Schuppenbildung aber auch.
Speaker: ausdrücklich als Teil der erfolgreichen Milben-Elimination.
Speaker: Histologisch oder mikroskopisch bestanden diese Schuppen überwiegend aus verhornten Keratinozyten.
Speaker: Warum, war unklar, aber es war auch nur am 14.
Speaker: Tag und dann verschwand das ja auch wieder.
Speaker: Die Schuppen verschwanden ja dann.
Speaker: Okay, okay.
Speaker: Und haben sich denn die CPL-assoziierten Veränderungen, also Schwellungen, Ulzera, dicke Hautfalten und Hautknoten verbessert?
Speaker: Der Hautfaltenscore blieb gleich, aber Ulzerer, kleine Wunden, Hyperkeratose und die Qualität des Fells besserten sich ab dem Tag 7 signifikant im Vergleich zur Placebogruppe.
Speaker: Also verbesserten sich die entzündlichen Hautveränderungen deutlich, aber die chronisch-fibrotischen Veränderungen blieben bestehen.
Speaker: Das spricht dann ja dafür, dass zumindest ein Teil der klinischen Veränderungen sekundär durch den Milbenbefall verstärkt wird.
Speaker: Ja genau, das diskutieren die Autoren auch.
Speaker: Also dass Choreoptes möglicherweise einen chronischen Antigenstimulus liefert.
Speaker: Histologisch wurde eine chronische T-Zell-dominierte Entzündung bei den Pferden mit CPL festgestellt.
Speaker: Und dann ist die Hypothese, dass die dauerhafte Immunstimulation durch Milben zu einer chronischen Entzündung, Fibrose und dann letztendlich zu den CPL-Läsionen beiträgt.
Speaker: Also die gehen jetzt nicht so weit, dass sie sagen, die Milben lösen es aus, sie tragen bei.
Speaker: Okay, und gab es Nebenwirkungen durch die Behandlung?
Speaker: Ja, so außer dieser Schuppenbildung gab es keine klinischen Nebenwirkungen.
Speaker: Die Autoren weisen aber darauf hin, dass Sicherheitsdaten insbesondere für Fohlen, laktierende Stuten oder charaktische Pferde fehlen.
Speaker: Moxidektin hat eine hohe Lipophilie und das könnte bei Pferden mit geringer Fettmasse oder bei Fohlen theoretisch problematisch werden.
Speaker: Okay, also bezüglich der Fohlen könnten wir ja auf Ivermectin zurückgreifen.
Speaker: Im Jahr 2024 gibt es einen Fallbericht, der eine erfolgreiche Behandlung der Choreoptesmilbe bei zwei Fohlen mit einem Ivermectin-Pur-On beschreibt.
Speaker: Die Dosis lag bei 1 mg pro Kilo und das Pur-On hat eine Konzentration von 5 mg pro Milliliter.
Speaker: Und somit wurden bei einem geschätzten Körpergewicht von 300 Kilo 60 Milliliter Ivermectin auf allen vier Gliedmaßen verteilt und möglichst direkt auf die Haut zwischen die Haare appliziert.
Speaker: Bei den Pferden durfte der Behandlung übrigens nicht entfernt werden und dennoch war die Behandlung sehr erfolgreich.
Speaker: Aber noch einmal zurück zu der anderen Studie.
Speaker: Was ist dein praktisches Fazit aus dieser Moxilectin-Po-On-Untersuchung?
Speaker: Also erstmal, dass ich es ausprobieren werde, scheint ja schon langfristig eine hilfreiche Therapie zu sein und dass die Milben definitiv eine Rolle spielen, bei den Pferden mit Behang, dass man das überlegen muss.
Speaker: Und man hätte dann halt sehr lange Ruhe, ne?
Speaker: Ja, das wäre super.
Speaker: Im Hinblick auf die Bekämpfung der Milben existieren unterschiedliche Wirkstoffe und es wurden dazu auch schon Studien durchgeführt.
Speaker: In einer Untersuchung wurde die subkutane Verabreichung von Doramectin in einer Dosierung von 3 mg pro Kilo zweimal im Abstand von 14 Tagen verglichen mit der topisch auf die Gliedmaße bis zum Knie bzw.
Speaker: Ellbogengelenk aufgesprühte 0,25%ige Fipronilösung.
Speaker: also entsprechend Frontline-Spray, verglichen.
Speaker: Also beide Verfahren erzielten schon eine Reduktion, eine signifikante Reduktion der Milbenanzahl und eine deutliche Verbesserung der Verhaltensweisen aufgrund des Milbenbefalls.
Speaker: Veränderungen, also im Sinne von einer Verbesserung der Hautlösion, konnte diese Untersuchung jetzt nicht feststellen.
Speaker: Nee, ist richtig.
Speaker: Die Untersuchung endet am 28.
Speaker: Tag.
Speaker: Das heißt, aus dieser geht nicht hervor, wie oft danach behandelt werden muss.
Speaker: Und in der anderen Untersuchung wurde einprozentiges Fepronil verwendet, um den Zeckenbefall zu reduzieren.
Speaker: Und da erzielte der Wirkstoff eine fast hundertprozentige Reduzierung der Zecken bis zu 29 Tage nach dem Auftragen.
Speaker: Also da müssten die Medikamente auf jeden Fall häufiger eingesetzt werden als das Moxidectin Pur-On.
Speaker: Da wurde ja ein Erfolg bis zu 168 Tage erzielt.
Speaker: Jetzt müssen wir bei diesen ganzen Medikamenten schon eines noch erwähnen.
Speaker: Die makrozyklischen Laktone wirken auch gegen Endoparasiten.
Speaker: Und da müssen wir schon auch einmal an die Resistenzentwicklung gegenüber Strongoliden denken.
Speaker: Und auch daran, dass diese Laktone negative Auswirkungen auf die Dungfunger haben.
Speaker: Das ist richtig.
Speaker: Und diesen Gedankengang, der wird auch in einer anderen Untersuchung aus dem Jahr 2025 aufgegriffen.
Speaker: Da wurde ein anderer Wirkstoff untersucht und zwar einmal eine Monotherapie mit einer Pyritroid-Mischung im Vergleich zu einer Kombinationstherapie mit Benzoylperoxid und dieser Pyritroid-Lösung.
Speaker: bei welcher zuerst ein 5%iges Waschgel aufgetragen worden ist mit Benzylperoxid.
Speaker: Und das wurde 15 Minuten belassen und dann abgewaschen und daraufhin die Pyretroid-Lösung aufgetragen.
Speaker: Und es gab auch eine Kontrollgruppe, bei der nur Wasser eingesetzt wurde.
Speaker: Das Ganze wurde an Tag 1, Tag 21 und Tag 35 durchgeführt, entsprechend des biologischen Zyklus der Milben, welcher ungefähr zwei bis drei Wochen lang ist.
Speaker: Und was kam raus?
Speaker: Was haben die erzielt?
Speaker: Ja, die Tiere wurden in regelmäßigen Abständen bis zu Tag 70 kontrolliert und die Monotherapie erzielte erst ab Tag 70 eine allerdings nur 56-prozentige Reduzierung der Milben im Gegensatz zum Kombinationspräparat, welches schon an Tag 37 eine 85-prozentige Reduzierung erzielte.
Speaker: Also nicht so schlecht.
Speaker: Allerdings gab es keine klinische signifikante Verbesserung der Läsionen bei diesen Tieren.
Speaker: Es ist jetzt echt spannend.
Speaker: Also wir haben jetzt wirklich mehrere Studien, wo die Milbenzahl reduziert werden kann und zwei, wo sich die Läsionen überhaupt nicht ändern.
Speaker: Und nur beim Oxidektin ändern sich die Läsionen.
Speaker: Das ist jetzt die Frage, ob das am Aufbau der Studie liegt oder ob der an der subjektiven Beurteilung der Läsionen.
Speaker: Das ist richtig.
Speaker: Das ist echt interessant, ja.
Speaker: Und wir sind immer noch bei den Milben und im Jahr 2025, also ihr merkt schon, da ist viel zu Milben veröffentlicht worden.
Speaker: Und zwar wurde da ein anderer Wirkstoff kontrolliert und zwar die orale Gabel von Fluoralana.
Speaker: Es ist ein Ektoparasitizid, ein langwirksamer Wirkstoff zur Bekämpfung gegen Flöhe und Zecken bei Hund und Katze und wird auch eingesetzt gegen die rote Vögelmilbe beim Haushuhn.
Speaker: Wie war das Studiendesign aufgebaut in der Veröffentlichung?
Speaker: Das war eine pharmakokinetische Studie, das geht jetzt schnell.
Speaker: Also insgesamt wurden zwölf klinisch gesunde Pferde eingeschlossen, sechs Warmblüter bzw.
Speaker: Vollblüter pro Dosierungsgruppe.
Speaker: Die Pferde erhielten entweder 10 oder 25 Milligramm pro Kilogramm Floralana oral als Einmalgabe.
Speaker: Davor wurden Hundetabletten verwendet.
Speaker: Und anschließend erfolgte ein Monitoring über 84 Tagen mit regelmäßigen klinischen und neurologischen Untersuchungen sowie Blutuntersuchungen und Hautbiopsien.
Speaker: Alles klar, klare Ansage.
Speaker: Und was kam pharmakokinetisch dabei heraus?
Speaker: Also Fluralana war nach oralergabe bei allen Pferden nachweisbar.
Speaker: Die Plasmakonzentration, also die maximale, wurde relativ schnell erreicht, ungefähr nach 10 bis 15 Stunden.
Speaker: Interessant war, dass beim Pferd eine relativ kurze Halbwertszeit vorlag.
Speaker: Die betrug sechs Tage bei 10 Milligramm und bei 25 Gramm nur noch drei Tage.
Speaker: Und damit ist die Eliminationshalbwertszeit deutlich kürzer als beim Hund zum Beispiel.
Speaker: Und irgendwelche Nebenwirkungen für die Pferde?
Speaker: Nein, in dieser Studie wurden jetzt keine relevanten Nebenwirkungen festgestellt, war aber natürlich jetzt nur eine einmalige Gabe.
Speaker: Vielleicht ist das Medikament bei therapieresistenten Fällen von Choreoptisbefall interessant.
Speaker: Aber es fehlen natürlich kontrollierte klinische Wirksamkeitsstudien.
Speaker: Im Moment zeigt diese Arbeit, der Wirkstoff wird oral aufgenommen.
Speaker: Er erreicht die Haut, das haben die auch festgestellt, und scheint in diesen Dosierungen sicher zu sein.
Speaker: Okay, also ich fasse jetzt nochmal zusammen die letzte Zusammenfassung für diesen Podcast.
Speaker: 0,5%iges Moxidektin-Pur-On wirkt sehr gut und langfristig bei Milbenbefall.
Speaker: Das reduziert den Juckreiz, die Milben-assizuierten und entzündlichen Veränderungen von CPL.
Speaker: Nach der zweiten Behandlung tritt zunächst eine ausgeprägte Schuppenbildung auf.
Speaker: Fipronyl und Doramectin reduzieren die Milbenanzahl signifikant, jedoch ohne Verbesserung der Hautläsion, allerdings nur bis Tag 29 nach Therapiebeginn.
Speaker: Die Kombination von Benzoilperoxid und Pyrotroid erzielt eine 85%ige Milbenreduktion bis Tag 30, allerdings ohne signifikante klinische Verbesserung der Hautläsion.
Speaker: Oral verabreichte Floralana wird reserviert und löst keine relevanten Nebenwirkungen aus.
Speaker: So, jetzt sind wir am Ende angekommen und ich freue mich schon die ganze Zeit, was es heute für eine Geschichte von dir gibt aus der Reihe Es läuft nicht immer ganz rund in der Praxis.
Speaker: Ich bin diesmal nicht ganz so schuld wie sonst.
Speaker: Ich war bei einem Kunden, der hat alles.
Speaker: Der hat Esel, Hühner, so dass man sich mal vorstellt, wie dieser Kunde ist.
Speaker: Also Hunde, der hat Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Esel, Pferde und ich habe gefühlt, es ist alles auf einem Hof.
Speaker: Und ich war da, habe die Pferde untersucht und hatte nicht alle Medikamente mit und habe ihm gesagt, gar kein Problem, sie können sich das morgen in der Praxis abholen.
Speaker: Und da ich keine TFH habe, habe ich einen Schrank mit so einem Nummernschloss und da können die Kunden Medikamente abholen.
Speaker: Und da stehen dann so Tüten drin mit den Namen drauf und die holen das ab.
Speaker: Alles klar, da standen auch mehrere Tüten.
Speaker: Auf jeden Fall fahren wir Praxis und dann kriege ich plötzlich ein Foto, wo ein Bild von Praskent ist.
Speaker: Frau Doktor,
Speaker: Soll ich die Tabletten auflösen und auf die Fährte sprühen für die Milben?
Speaker: Also er hat dann alles mitgenommen, alle Tüten, unter anderem halt auch Praskent und wollte dann die Milben mit Praskent behandeln.
Speaker: Dann habe ich ihn angerufen und gesagt, nein, sie hat nur eine Tüte, sie müssen jetzt alle Tüten wieder zurückbringen, weil die anderen Kunden wollen die abholen.
Speaker: Das fand er jetzt nicht so lustig, weil er musste dann aus Mainz wieder zurückbringen.
Speaker: Aber diese Vorstellung, dass er eine Praskent-Tablette zerteilt, auflöst in Wasser und dann auf die Pferde sprüht, damit die Milben weggehen, ist eine zauberhafte Vorstellung.
Speaker: Aber wer weiß, vielleicht wirkt das total toll und da gibt es dann bald... Das ist die teuerste Milbenbehandlung ever....gabe et al.
Speaker: Wer weiß, was kommt.
Speaker: Ja, müssen wir da mal Böhringer melden.
Speaker: Also es geht auch gegen das Praskent.
Speaker: Sehr gut.
Speaker: Ja, Barbara, das war's.
Speaker: War lang.
Speaker: Ja, war lang, hat aber Spaß gemacht und vielen Dank, dass ich mitmachen durfte.
Speaker: Und ich ziehe meinen Hut vor der Arbeit, die in so einem Podcast steckt.
Speaker: Ich habe ja sowas noch nie mitgemacht und war doch überrascht, was du da alles an Zeit und Nerven und Herzblut reinsteckst.
Speaker: Das ist schon beeindruckend.
Speaker: Hier ist mein neues Hobby.
Speaker: Macht dabei wirklich Spaß.
Speaker: Wir haben sehr viele Theorien gehabt, sehr viele Fallberichte, das hat man auch so gemerkt.
Speaker: Aber ich fand es auch super und habe viel gelernt.
Speaker: Ich lerne immer sehr viel.
Speaker: Das war die zehnte Folge des Podcasts Equal Vet News und wir hoffen, dass es euch gefallen hat und ihr das nächste Mal wieder mit dabei seid.
Speaker: Kommentare oder Anregungen für Themen könnt ihr mir gerne unter der E-Mail-Adresse anja-gabe-at-pferdepraxishofheim.com zusenden.
Speaker: Wir haben jetzt auch eine Webseite, da könnt ihr euch das Podcast-Team anschauen.
Speaker: Das sind die ganzen Fotos von uns.
Speaker: Barbara fehlt noch, die muss noch rein.
Speaker: Und wir wünschen euch wie immer kooperative Patienten und ruhige Dienste.
Speaker: Bis bald.

