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Atypische Weidemyopathie

Equine Vet News
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220 Plays5 months ago

In dieser Folge besprechen Dr. Anja Gabe und Dr. Victoria Kratzmann die Klinik, Pathophysiologie und toxischen Ursachen der atypischen Weidemyopathie. Im Mittelpunkt stehen drei Studien aus dem Jahr 2o25: Assessment of tree- associated atypical myopathy risk factors in Acerpseudoplatanus(sycamore) seeds and leaves; González-Medina et al (2025) Equine Vet ; Unravelling Faecal Microbiota Variations in Equine Atypical Myopathy: Correlation with Blood Markers and Contribution of Microbiome; Francois et al (2025) Animals und In Vitro Investigation of Equine Gut Microbiota Alterations During Hypoglycin A Exposure¸Francois et al (2025) Animals

Klinische Symptome der Atypischen Weidemyopathie

· Schwäche, Steifheit, Dyspnoe, Myoglobinurie, Festliegen

· Mortalitätsrate bis 75%, in der Regel 72h nach Beginn der Symptome

Betroffen

· Pferde mit 24h Weidegang ohne Zufütterung

· Oft unter 3 Jahre alt und eher dünn

· Vor allen im Herbst

Auslöser

· Toxischer Metabolit des Hypoglycin A von Samen des Berg- oder Eschenahorn

· Inhibierte Acyl-CoA-Dehydrogenasen dadurch Störung der beta-Oxidation

· Betroffen ist der Energiestoffwechsel der Typ I Muskelfasern in Halte- und Atemmuskulatur

Therapie

· symptomatisch

Einflussfaktoren auf die Hypoglycin A Konzentration in Samen des Bergahorns

· Hohe Variabilität der Konzentration der Samen bei einem Baum

· Mechanische Zerkleinerung erhöht die Hypoglycin A Konzentration

o Wärme (>4°C) und Feuchte steigern die Hypoglycin A Konzentration dieser beschädigten Samen

· Geschädigte Samen können Wasser kontaminieren

Sonstiges

· Intestinale Mikroflora ist in der Lage Hypoglycin A abzubauen

· Hypoglycin A Konzentration kann im kontaminiertem Heu über Jahre verbleiben

· Eine Intoxikation von Fohlen über Muttermilch oder transplazentar ist möglich

Quellen: https://pferdepraxishofheim.com/equine-vetnews/folge-5/

Transcript

Einführung in Atypische Myopathie

00:00:04
Speaker
Ich weiß nicht, ob ihr einen derartigen Fall schon erlebt habt, bei dem ein oder mehrere Pferde festliegend auf der Weide gefunden werden.
00:00:11
Speaker
Meist im Herbst, seltener im Frühjahr.
00:00:15
Speaker
In diesen Fällen kann es sich um die atypische Weidemyopathie handeln.
00:00:19
Speaker
Wenn ihr gerne mehr zu dieser Erkrankung hören wollt, dann bleibt dran.
00:00:22
Speaker
Ihr hört Equal Wettus, dem Podcast mit aktuellen Studienerkenntnissen.
00:00:27
Speaker
Genau und für jede Folge wählen wir eine aktuelle Studie aus.
00:00:30
Speaker
Wir sprechen aber immer über die Erkrankung erstmal selbst.
00:00:33
Speaker
Und weil wir natürlich in erster Linie studienbasierte Infos weitergeben wollen an euch, lesen wir nicht nur diese aktuelle Veröffentlichung, sondern mehrere Publikationen.
00:00:42
Speaker
Ja, und wie immer werden es immer ein paar mehr, als man eigentlich denkt.
00:00:45
Speaker
Unser Ziel ist es, euch, StudentInnen, AnfangsassistentInnen, GemischpraktikerInnen und auch natürlich erfahrenen PferdetierärztInnen wissenschaftliche Erkenntnisse kompakt, praxisnah und strukturiert zusammenzufassen.

Vorstellung der Experten und Historie der Krankheit

00:01:01
Speaker
Wie immer sind alle wichtigen Informationen der Folge einschließlich der Quellen in den Shownotes.
00:01:07
Speaker
Ich bin Dr. Anja Garbe, Fachdehärztin für Pferde, seit 25 Jahren in der Praxis unterwegs.
00:01:13
Speaker
Ich habe auch in einigen Kliniken gearbeitet und ich bin verantwortlich für das Kompendium der Pferdeheilkunde.
00:01:20
Speaker
Und ich freue mich sehr, dass Vicky heute wieder aus dem Norden zugeschaltet ist.
00:01:24
Speaker
Du arbeitest ja auch in der Pferdepraxis, schreibst regelmäßig für die Pferdeheilkunde Kurzreviews und jonglierst aktuell Berufsleben und Familien.
00:01:38
Speaker
Genauso sieht mein Alltag aus.
00:01:40
Speaker
Und jetzt freue ich mich total, dass wir heute diesen Podcast machen, Anja.
00:01:44
Speaker
Und deshalb starten wir und gehen jetzt zurück zum Thema, und zwar der atypischen Weidemyopathie.
00:01:50
Speaker
Und das Spannende an dieser Erkrankung ist ja wirklich, dass daran gezeigt werden kann, wie krass wissenschaftliche Forschung ist.
00:01:57
Speaker
Ja, genau.
00:01:58
Speaker
Also es gibt erste Berichte über diese Erkrankung aus dem Jahr 1939.
00:02:03
Speaker
Ich weiß, Geschichte ist echt manchmal trocken, aber in diesem Fall ist es eigentlich ein Wissenschaftskrimi.
00:02:10
Speaker
Es ist wirklich spannend, wie am Ende geklärt werden konnte, was ursächlich für diese letal verlaufende Erkrankung

Theorien und Ursachen der Atypischen Myopathie

00:02:18
Speaker
ist.
00:02:18
Speaker
Über Jahre, eigentlich ja ehrlich gesagt Jahrzehnte, gab es immer wieder unterschiedliche Hypothesen,
00:02:25
Speaker
Also da wurde diskutiert Selenmangel, Vitamin-E-Mangel, dann Clostridientoxine und schlussendlich gab es auch die Theorie, dass Pflanzentoxine verantwortlich sein können.
00:02:35
Speaker
Am nächsten an die tatsächliche Ursache kam schließlich die Überlegung, dass Mykotoxine eines Pilzes, der Ahornblätter befällt, eine Rolle spielen könnte.
00:02:45
Speaker
Ja.
00:02:46
Speaker
Genau und um jetzt nochmal zu verstehen, warum in welche Richtung geforscht wurde, müssen wir die Erkrankung erst einmal kurz einordnen.
00:02:54
Speaker
Also für euch, es handelt sich hier um eine hochakut verlaufende Muskelerkrankung mit saisonalem Auftreten.
00:03:01
Speaker
Typischerweise sind Pferde auf eher kargen Weiden gehalten und zwar oft 24 Stunden lang.
00:03:07
Speaker
Und somit war halt eine haltungsbedingte Ursache im Fokus von allen Überlegungen.
00:03:12
Speaker
Ja, genau.
00:03:13
Speaker
Oft hatten die erkrankten Pferde kein zusätzliches Kraftfutter oder Heu erhalten.
00:03:18
Speaker
Die Tiere waren meist unter drei Jahre alt und eher dünn.

Symptome und biochemische Grundlagen der Krankheit

00:03:22
Speaker
Betroffen sind die Halte- und die Atemmuskulatur, bei denen es zu einer schweren akuten Myonekrose kommt.
00:03:30
Speaker
Und es ist ja klar, wenn es zu einer deutlichen Myonekrose kommt, dass gleichzeitig auch eine Myoglobinorie auftritt.
00:03:39
Speaker
Etwa 75 Prozent der Pferde versterben.
00:03:43
Speaker
In den Kliniken ist dieser Prozentsatz etwas geringer.
00:03:47
Speaker
Aber auch dort versterben die Tiere in der Regel 72 Stunden nach Beginn der ersten klinischen Symptome.
00:03:55
Speaker
Das ist echt eine krasse Erkrankung.
00:04:01
Speaker
Ein entscheidender Punkt ist hier, dass vor allem die oxidative Muskulatur betroffen ist.
00:04:05
Speaker
Das heißt also die Atem-, die Haltemuskulatur und sogar in manchen Fällen auch der Herzmuskel.
00:04:11
Speaker
Und diese Muskeln bestehen überwiegend aus Typ-1-Muskelfasern.
00:04:14
Speaker
Und deren Energiebereitstellung erfolgt primär über die Beta-Oxidation von Fettsäuren.
00:04:21
Speaker
Ja, und da war schon der erste Gedanke in die Richtung, in der danach alle Forschungen laufen.
00:04:27
Speaker
Und zwar ist für diese Beta-Oxidation
00:04:31
Speaker
Azyko-Adehydrogenasen nötig.
00:04:34
Speaker
Und in den Jahren 2007 bis 2008 konnten Forschende der Universität Utrecht bei Pferden mit einer entsprechenden Rhabdomyolyse ein Defizit dieser Enzyme nachweisen.
00:04:46
Speaker
Und zwar basierend auf charakteristische Veränderungen bestimmter Fettsäuren und Azykarnitinen im Serum oder und im Urin.
00:04:56
Speaker
Musik
00:05:01
Speaker
Okay, also was wir jetzt wissen, ich fasse einmal kurz das zusammen.
00:05:05
Speaker
Wir haben eine saisonal auftretende Myopathie bei meist Pferden, die auf kargen Weiden gehalten werden.
00:05:12
Speaker
Und gleichzeitig haben die ein Defizit von einem bestimmten Enzym.

Hypoglycin A und seine Rolle in der Myopathie

00:05:16
Speaker
Die entscheidende Frage war dann, woher kommt denn dieses Defizit?
00:05:21
Speaker
Und da konnte die Humanmedizin so ein bisschen helfen, denn dort ist ein erworbenes Defizit dieses Enzyms nach Aufnahme von Ake-Samen beschrieben.
00:05:32
Speaker
Was denn für Ake-Samen?
00:05:33
Speaker
Ja, komisch, die Kennzahlen.
00:05:39
Speaker
Ich kannte sie auch nicht.
00:05:40
Speaker
Das sind halt Samen, die in tropischen oder eine Pflanze, die in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommt, also hier nicht ist.
00:05:47
Speaker
Aber was dort halt rauskam in der Humanmedizin ist, dass diese Samen Hypoglycin A enthalten.
00:05:53
Speaker
Und jetzt nähern wir uns dem Ahorn.
00:05:55
Speaker
Also es war ja schon mal der Ahorn im Gespräch gewesen, aber in Kombination mit dem Pilz.
00:06:00
Speaker
Und jetzt konnten Warberg und Kolleginnen 2012 in den USA nachweisen, dass Hypogluzin A in den Samen des Eschenahorns, welcher auf Weinen mit erkrankten Pferden war, enthalten ist.
00:06:14
Speaker
Und gleichzeitig konnten sie nachweisen, dass der toxische Metabolit von Hypogluzin A, der die Azyl-CoA-Dehydrogenase inhibiert, im Serum und im Urin erkrankter Pferde nachweisbar war.
00:06:32
Speaker
Jetzt wissen wir, okay, es sind die Samen des Ahorns, die diese letale Erkrankung auslöst.
00:06:37
Speaker
Ich finde einfach auch krass, das ist einfach noch gar nicht so lange her, 2012.
00:06:42
Speaker
Okay, also wir haben die erkrankten Pferde.
00:06:45
Speaker
Wir haben den Samen im Eschen-Ahorn mit dem Hypogluzyn A. Dieses Hypogluzyn A inhibiert die Acetylcholenzyme A-Dehydrogenasen.
00:06:55
Speaker
Und jetzt haben wir uns gefragt, wie das auf zellulärer Ebene dann zu einer schweren Myopathie kommen kann.
00:07:00
Speaker
Was passiert eigentlich genau, wenn dieses Enzym fehlt?
00:07:08
Speaker
Ja, also ich habe mir dann nochmal das angeschaut und obwohl Biochemie im Studium wirklich nicht mein Lieblingsfach war, habe ich mir genau diesen Weg nochmal angeguckt.
00:07:18
Speaker
Und zwar ist es so, wenn das Enzym inhibiert wird, können langkettige Fettsäuren nicht mehr aufgespalten werden.
00:07:26
Speaker
Dann können Fettsäuren auch nicht mehr in die Mitochondrien transportiert werden.
00:07:30
Speaker
Und letztendlich funktioniert die Beta-Oxidation der Fettsäure nicht mehr.
00:07:35
Speaker
Histologisch resultiert daraus eine Myopathie mit intrazellulärer Fettansammlung.
00:07:42
Speaker
Okay.
00:07:43
Speaker
Und da, das hatte ich ja schon gesagt, die Typ-1-Muskelfasern in der Halte- und Atemmuskulatur primär ja auf Fettsäuren als Energiequelle angewiesen sind, erklärt das also die ausgeprägte Muskelschwäche, Steifheit, Festliegen, Dyspnoe und schlussendlich dann ja auch den Tod.
00:07:59
Speaker
Ja, genau.
00:08:02
Speaker
Und wenn die Energie nicht durch die Beta-Oxidation gewonnen werden kann, wird die anaerobe Glucolyse verstärkt genutzt.
00:08:09
Speaker
Und das bewirkt eine Laktatazidose.
00:08:13
Speaker
Beim Pferd zeigt sich somit das Bild einer Lipidspeichermyopathie mit Schmera, Rhabdomyolyse und Myoglobinorie.
00:08:21
Speaker
Mhm.
00:08:21
Speaker
Und das ist im Gegensatz zum Menschen.
00:08:23
Speaker
Bei dem gibt es diese Erkrankung ja auch, wenn er diese Samen aufnimmt.
00:08:28
Speaker
Da wird aber eine Hypoglykämie, beim Pferd ist es eine Hyperglykämie beschrieben und neurologische Symptome stehen da im Vordergrund und keine Rhabdomyolyse.
00:08:39
Speaker
Spannend, okay.
00:08:41
Speaker
Denn einhergehend jetzt in der Pferdemedizin mit der Raptomyolyse sind CK-Werte oft sehr hoch.
00:08:49
Speaker
Und aktuelle Forschung besagt nach Dunkel et al., dass eine steigende CK-Aktivität im Krankheitsverlauf signifikant mit der Mortalität ist.

Diagnose und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten

00:08:58
Speaker
Bei Verdacht können ja Veränderungen im Acetylcarnitin-Profil im Serum oder im Urin bestimmt werden, sowie das Hypogluzin A und dessen toxische Metaboliten auch im Serum und Urin bestimmt werden können.
00:09:10
Speaker
Gibt es denn da ein kommerzielles Labor, Anja, was das anbietet?
00:09:14
Speaker
Ja, ich habe ein ganz nettes Gespräch mit einem jungen Mann, ich weiß gar nicht, ob das so jung ist, vom Screen Labor Hannover getätigt.
00:09:22
Speaker
Ich sehe jetzt auch gerade nicht die Fragestellung.
00:09:27
Speaker
Dieses Labor macht eine vollständige Analyse und den Untersuchungsantrag findet ihr in den Shownotes.
00:09:34
Speaker
Ihr könnt Serum einschicken, zwei Milliliter reichen und wenn ihr Urin einsenden wollt, mindestens vier bis fünf Milliliter und der muss gefroren gesendet werden.
00:09:46
Speaker
Der Kostenpunkt von einer Untersuchung ist 166 Euro pro Probe.
00:09:55
Speaker
Jetzt haben wir viel über die Diagnose gesprochen.
00:09:56
Speaker
Wie sieht es denn jetzt aus mit der Therapie, Anja?
00:09:59
Speaker
Was machen wir?
00:10:00
Speaker
Ach ja, da hole ich Tiefluft.
00:10:02
Speaker
Also...
00:10:04
Speaker
Ich weiß gar nicht, ich fange mit dem Negativen an.
00:10:06
Speaker
Also nach Dunkel et al.
00:10:07
Speaker
und Fabius et al.
00:10:08
Speaker
gibt es keine gesicherte Wirksamkeit einer der Therapieansätze.
00:10:12
Speaker
Das heißt, wir therapieren symptomatisch.
00:10:15
Speaker
Mit sedativer Infusionen, nicht schön an Antiflogistika, Vitamin E und B-Gabe.
00:10:21
Speaker
Man kann versuchen, Aktivkohle oder Paraffinöl zu verwenden, um die Absorption von Hypoglycin A zu verringern.
00:10:29
Speaker
Mhm.
00:10:30
Speaker
Und was ich wirklich empfehlen kann, es gibt ein sehr ausführliches Review von Fabius und Westermann im Equal Veterinary Education 2018.
00:10:40
Speaker
Da werden alle Therapieansätze mit Dosierungen und Überlegungen genau beschrieben.
00:10:46
Speaker
Also zum Beispiel könnten wir Glucose infundieren, weil wir ja wissen, wir haben ein Energieproblem.
00:10:52
Speaker
Aber wir haben eine Hyperglykämie, das heißt es muss Glucose mit Insulin infundiert werden.
00:10:57
Speaker
Und das wird da alles sehr genau beschrieben.
00:11:00
Speaker
Aber leider so wirklich wirksam.
00:11:04
Speaker
Es gibt keine Therapie, wo man sagt, ja, das ist es.
00:11:07
Speaker
Gesicherte Wirksamkeit.
00:11:09
Speaker
Nee, wir behandeln die Pferde einfach symptomatisch und hoffen, dass sie es schaffen.

Umweltfaktoren und ihre Auswirkungen

00:11:14
Speaker
Bevor wir auf die aktuellen Veröffentlichungen jetzt eingehen, fasse ich noch einmal zusammen, was wir gerade besprochen haben.
00:11:20
Speaker
Wir sprechen heute über die atypische Weidemyportie.
00:11:23
Speaker
Sie tritt fast ausschließlich im Herbst auf, selten auch mal im Frühjahr.
00:11:28
Speaker
Bei dünnen, jungen Pferden, die auf der Weide gehalten werden, oftmals ohne, dass sie zugefüttert werden.
00:11:35
Speaker
Der Auslöser ist der toxische Metabolit von Hypogluzin A. Das ist ein Toxin, das in den Ahornsamen enthalten ist.
00:11:42
Speaker
Die Symptome sind oft Schwäche, festlegen Dyspnoe, Myoglobinorie und dann schlussendlich leider der Tod.
00:11:50
Speaker
Und die Therapie ist bisher nicht validiert, also symptomatisch.
00:11:54
Speaker
Die Prognose kann man ein bisschen am CK-Wert sich angucken.
00:11:58
Speaker
Nachweislich ist die Prognose schlechter, wenn der CK-Wert im Krankheitsverlauf steigt.
00:12:04
Speaker
Ein diagnostisches Labor gibt es.
00:12:06
Speaker
Das war das Screening-Labor in Hannover.
00:12:08
Speaker
Das kann Metaboliten und das Acetyl-Karnitin-Profil analysieren.
00:12:16
Speaker
Und was hast du für Veröffentlichungen jetzt rausgesucht, Anja?
00:12:20
Speaker
Ich habe mehrere Veröffentlichungen aus dem Jahr 2025 herausgesucht.
00:12:24
Speaker
Und zwar eine zur Beurteilung der baumassoziierten Risikofaktoren für die atypische Weidemyopathie von Gonzalez Medina et al.
00:12:33
Speaker
veröffentlicht im Equal Veterinary Journal.
00:12:36
Speaker
Und zwei Studien wurden veröffentlicht in Animals, beide von der Gruppe um Francois.
00:12:43
Speaker
Und da war Thema der Einfluss der Darmmikrobiota auf die Erkrankung.
00:12:48
Speaker
Und wo fangen wir jetzt an?
00:12:51
Speaker
Ich dachte bei der Studie von Consales Medina zur Bewertung der baumassoziierten Risikofaktoren in Samen und Blättern von Bergahorn im Hinblick auf die atypische Myopathie.
00:13:01
Speaker
Okay, und was war da der Grundgedanke der Studie?
00:13:05
Speaker
Aus vorherigen Studien ist bekannt, dass atypische Weidemyopathie oft alle zwei Jahre vermehrt auftritt.
00:13:13
Speaker
Die Samenproduktion des Bergahorns variiert von Jahr zu Jahr.
00:13:17
Speaker
Auch wissen wir, dass bestimmte Wetterbedingungen die Samenausbreitung begünstigen.
00:13:23
Speaker
Jetzt steht natürlich die Frage, welche Faktoren den Hypoglycin A-Gehalt in den Samen beeinflussen und inwiefern die Samenproduktion und die Variabilität der Konzentration des Toxins sich auf die Meldungen der Fälle auswirkt.
00:13:40
Speaker
Und wie war die Studie da aufgebaut?
00:13:43
Speaker
Das war eine echt große Untersuchung.
00:13:45
Speaker
Also zuerst wurden die Vorkommensdaten vom Baumbestand von Bergahorn und Rotbuche über die Webseite des National Biodiversity Network erhoben.
00:13:56
Speaker
Zusätzlich wurden die Samenansatzdaten aus dem Jahr 2011 bis 2015 ausgewertet und die Anzahl der Myopathiefälle pro Jahr.
00:14:08
Speaker
Die Samenansatzdaten können jahresabhängige Schwankungen der Samenproduktion erfassen.
00:14:14
Speaker
Deshalb wurden die mit ausgewertet.
00:14:16
Speaker
Okay, das ist ja schon mal einiges an Daten.
00:14:19
Speaker
Und welche Einflussfaktoren auf den Hypogazin A-Gehalt im Pflanzenmaterial wurde dann untersucht?
00:14:25
Speaker
Es wurden mehrere Faktoren parallel betrachtet.
00:14:27
Speaker
Also zum einen die Samenmasse und der Reifegrad der Samen.
00:14:31
Speaker
Also man wollte wissen, ob unreife, teilreife oder vollständig ausgereifte Samen unterschiedliche Hypoglyzin-A-Konzentrationen aufweisen.
00:14:41
Speaker
Das finde ich total spannend, weil ich mich das auch einfach gefragt habe jetzt in der Recherche mit dem Thema, als wir uns damit befasst haben.
00:14:48
Speaker
Also wurde denn dann auch berücksichtigt, wo jetzt zum Beispiel ein Samen am Baum hängt?
00:14:52
Speaker
Ja.
00:14:52
Speaker
Ja, also es gibt ja Studien, das ist irre.
00:14:54
Speaker
Also es wurde die Ausrichtung der Samen innerhalb der Baumkrone getrennt analysiert, also nach Nord, Süd, West, um mögliche Einflüsse von Sonneneinstrahlung oder Mikroklima mit abzubilden.
00:15:09
Speaker
Und wurde dann der Baum auch selbst nochmal angeguckt, also das Alter des Baumes und der Standort?
00:15:14
Speaker
Ja, das wurde auch erfasst.
00:15:15
Speaker
Das ist Alter sowieso.
00:15:17
Speaker
Und dann beim Standorttyp wurde unterschieden, ob der Baum eher in einem urbanen oder ländlichen Umfeld stand.
00:15:25
Speaker
Und gab es dann auch noch zeitliche Aspekte in der Untersuchung?
00:15:30
Speaker
Also jährliche oder jahreszeitliche?
00:15:30
Speaker
Ja, jahreszeitliche.
00:15:31
Speaker
Und auch die jährliche Variabilität dieser Toxinkonzentration wurden analysiert.
00:15:38
Speaker
Und bei einzelnen Bäumen erfolgte über drei Jahre eine Beprobung,
00:15:44
Speaker
Das ist wirklich eine große Studie.
00:15:45
Speaker
Und wurde dann wahrscheinlich auch geschaut, was passiert, wenn man den Samen jetzt länger liegen lässt.
00:15:51
Speaker
Ja, die Samen wurden unter definierten Bedingungen gelagert.
00:15:55
Speaker
Also einmal bei Temperatur von minus 20 bis plus 20.
00:15:58
Speaker
Es wurde der Einfluss von Feuchtigkeit untersucht.
00:16:02
Speaker
Und dann verglich man ganze Samen mit homogenisiertem Samenmaterial, um eben zu prüfen, was macht mechanische Zerkleinerung mit dem Hypoglycin-A-Gehalt.
00:16:13
Speaker
Und dann wurde ja sich auch noch das Wasser angeguckt.
00:16:17
Speaker
Also ob und in welchem Ausmaß Hypoglycin A aus dem Samen in Wasser übergehen kann oder nicht.
00:16:24
Speaker
Richtig?
00:16:25
Speaker
Ja genau, das ist ja wichtig für die Tränken.
00:16:27
Speaker
Und es wurde halt geschaut, ob Hypoglycin A im Wasser nachzuweisen ist, nachdem über 48 Stunden Samen in diesem Wasser lagen.
00:16:44
Speaker
Also auf jeden Fall eine ziemlich umfangreiche Untersuchung.

Ökologische Einflüsse und Forschungsergebnisse

00:16:47
Speaker
Und was ergab sich jetzt bei der Beurteilung zur Verbreitung von Bergarhorn?
00:16:52
Speaker
Also die Ergebnisse waren alle extrem spannend.
00:16:54
Speaker
Also zwischen 1700 und 1900 waren die Nachweise von Bergarhorn und Rotbuche selten.
00:17:01
Speaker
Ab dem Jahr 1950 wurde ein Anstieg für Bergarhorn nachgewiesen.
00:17:08
Speaker
Wenn sich der Bergahorn ab den 50ern erst in den UK befand, könnte das ja auch eine Rolle gespielt haben, oder?
00:17:15
Speaker
Ja, genau.
00:17:15
Speaker
Und da muss man wissen, dass das Alter, in dem ein Baum mit der Samenproduktion beginnt, beim Bergahorn bei 25 Jahren liegt,
00:17:25
Speaker
Und eine deutlich höhere Samenproduktion erst mit ungefähr 30 Jahren beginnt.
00:17:31
Speaker
Dann ist es also durchaus plausibel, dass die zunehmende Anzahl älterer Samenreicherbäume und deren höhere Reife in den vergangenen Jahrzehnten zumindest teilweise zu der scheinbar steigenden Inzidenz der atypischen Weidemyopathie, insbesondere in England, geführt haben.
00:17:48
Speaker
Gab es denn eine Korrelation zwischen der Samenproduktion und den Fallzahlen der atypischen Weidemyopathie?
00:17:54
Speaker
Ja, absolut.
00:17:56
Speaker
In den Regionen mit hoher Samenproduktion traten auch signifikant mehr Fälle mit atypischer Weidemyopathie auf.
00:18:04
Speaker
Doch interessant war, dass Bäume innerhalb oder in der Nähe von den betroffenen Betrieben keine höheren Hypoglyzinkonzentrationen aufwiesen als andere Bäume.
00:18:16
Speaker
Das war zuvor anders beschrieben worden.
00:18:19
Speaker
Allerdings erfolgte in dieser Studie die Probennahme retrospektiv.
00:18:26
Speaker
Und die hier über mehrere Jahre durchgeführte Nachbeprobung zeigte, dass Bäume eine hohe jährliche Variabilität der Hypogluzin-A-Konzentration in ihren Samen aufweisen.
00:18:38
Speaker
Okay, dann hat also eine einmalige Untersuchung der Samen keine gute Aussagekraft.
00:18:44
Speaker
Weder für die Diagnose noch für die Abwägung des Risikos.
00:18:48
Speaker
Und was ergaben die Untersuchungen jetzt zu den Einflussfraktoren für die Konzentration von dem Hypoglycin A in den Samen?
00:18:55
Speaker
In den Samenflügeln konnte gar kein Hypoglycin A nachgewiesen werden.
00:18:59
Speaker
Flache, leichte Samen hatten signifikant geringere Konzentration im Vergleich zu jungen oder reifen Samen.
00:19:08
Speaker
Die Konzentration variierte dagegen nicht in Abhängigkeit von der Masse oder der Position des Samenbüschels am Baum.
00:19:16
Speaker
Es zeigte sich aber eine Variation der Konzentration zwischen den einzelnen Samen eines Samenbüschels von 63%.
00:19:27
Speaker
Dagegen war diese Variation zwischen ganzen Samenbüscheln nur 5,5 Prozent.
00:19:34
Speaker
Also das verstehe ich jetzt richtig, dass die Untersuchung einzelner Samen nicht repräsentativ ist, aber die eines gesamten Samenbüschels.
00:19:43
Speaker
Ja, also ich sehe das auch so und die Autoren interpretieren in dieser Studie die Ergebnisse auch in die Richtung.
00:19:51
Speaker
Es wurde weiterhin festgestellt, dass tendenziell Blätter im Herbst geringere Konzentrationen von Hypogluzin aufwiesen und in den Samen kein großer Unterschied der Konzentration über das Jahr festzustellen war.
00:20:05
Speaker
Okay.
00:20:07
Speaker
Und folglich stellen also Welkeblätter im Herbst eine relativ geringe Hypogluzin-A-Quelle auf den beiden dar, ne?
00:20:15
Speaker
Genau, es sind die Samen.
00:20:17
Speaker
Ja, und spannend ist, dass im Jahr 2017 die Hypogluzin-A-Konzentration in diesen Samen am höchsten war.
00:20:24
Speaker
Und da stellt sich natürlich die Frage, warum in diesem Jahr?
00:20:28
Speaker
Und es besteht die Vermutung, dass...
00:20:31
Speaker
das an dem Wetter lag.
00:20:32
Speaker
Und zwar im Jahr 2017 war Frühsommer und Herbst allgemein wärmer und feuchter als 2016.
00:20:39
Speaker
Das sind günstigere Bedingungen für Samenproduktion und Viabilität beim Bergahorn.
00:20:47
Speaker
Und das könnte somit die höhere Hypoglycin-A-Konzentration der Bergahorn-Samen im Jahr 2017 erklären.
00:20:54
Speaker
Musik
00:21:01
Speaker
Und wurde die Konzentration in den Samen denn jetzt noch durch andere Faktoren beeinflusst?
00:21:06
Speaker
Nicht so wirklich.
00:21:06
Speaker
Also nicht durch Standorten, nicht durch Bodentyp, das Alter des Baums und auch nicht durch den Pilzbefall.
00:21:12
Speaker
Interessant war, dass die Variation der Konzentration bei Bäumen im Abstand von 10 Meter zueinander niedriger war.
00:21:21
Speaker
Im Vergleich zu solchen, die einen Kilometer voneinander entfernt standen.
00:21:26
Speaker
Also da scheint dann doch der Standort oder in irgendeiner Weise das Klima eine Bedeutung zu haben.
00:21:31
Speaker
Auf jeden Fall, okay.
00:21:33
Speaker
Und was ergab sich jetzt in den Lagerungsversuchen von den Samen?
00:21:37
Speaker
Was kam daraus?
00:21:38
Speaker
Wenn der ganze Samen gelagert wurde, hatten die unterschiedlichen Bedingungen wie Feuchte oder Wasser oder Wärme keinen Einfluss auf den Gehalt.
00:21:47
Speaker
Erhöhte Hypogluzin-Konzentrationen zeigten sich hingegen in dem homogenisierten Samenmaterial bei Wärme und Feuchtigkeit.
00:21:56
Speaker
Bei über 4 Grad Celsius stieg die Konzentration kontinuierlich an bis bei plus 20 Grad Celsius.
00:22:05
Speaker
Die maximalen Konzentrationen wurden gemessen,
00:22:08
Speaker
bei 20 Grad Celsius plus Feuchtigkeit.
00:22:11
Speaker
Niedrige Temperaturen unter dem Nullpunkt hatten keinen Einfluss auf die Konzentration von Hypoglycin A in dem homogenisierten Samen.
00:22:24
Speaker
Okay, und die Autoren vermuteten, dass es möglich ist, dass die Hypogluzin A-Produktion in den Berghorn-Samen bei zerdrückten bzw.
00:22:33
Speaker
realistischer zertretenen Samen ausgelöst wird, die dann auf dem Boden liegen, dass dann sozusagen eine erhöhte Konzentration da ist.
00:22:44
Speaker
Ja, die vermuten, dass das ein Fraßschutz ist und die deshalb dann, also der zertretene Samen, die Produktion erhöht vom Hypogluzin A.
00:22:54
Speaker
Interessant war das Ergebnis des Wasserversuchs auch in dieser Hinsicht.
00:22:59
Speaker
Und zwar zeigt es sich, dass schon eine Hypogluzin-A-Kontamination von Wasser möglich ist.
00:23:06
Speaker
Und zwar, wenn die Wasserquelle Samen enthält, die zuvor gefroren waren und wieder aufgetaut worden sind.
00:23:13
Speaker
Nicht aber bei frischen Samen, sondern nur bei diesen zuvor gefrorenen und wieder aufgetauten Samen.
00:23:20
Speaker
Also ist es so denkbar, dass dieser Gefrier aufgetaut?
00:23:24
Speaker
Tauprozess Risse in der Samenschale erzeugt, die das Austreten von dem Hypogluzin A halt ermöglichen.
00:23:31
Speaker
Ja, genau.
00:23:33
Speaker
Jetzt geht es natürlich darum, wann kann eine Samenkontamination im Wasser zu einer Toxizität führen?
00:23:40
Speaker
Und das hängt natürlich von der Menge und Dauer der Samenkontamination einer Wasserquelle ab und auch von der aufgenommenen Menge von Wasser.
00:23:49
Speaker
Und wenn wir jetzt mal gucken, wir haben unser
00:23:52
Speaker
500 Kilo fährt, das trinkt ja im Durchschnitt 30 Liter pro Tag und kann dann eine Wasserquelle, die kontaminiert ist, zu einem Problem werden, Anja, wenn da Samen drin waren.
00:24:03
Speaker
Ja, das ist echt ein bisschen frustrierend.
00:24:05
Speaker
Also entsprechend der vorliegenden Ergebnisse würde es bei kontaminiertem Wasser mit nur vier gefrorenen Samen zu einer Aufnahme von 38 Milligramm Toxin kommen.
00:24:17
Speaker
Und das liegt oberhalb der von Wahlberg vorgeschlagenen maximal tolerierten Dosis für Pferde von 24,5 Milligramm pro Pferd.
00:24:31
Speaker
Also zusammenfassend nochmal.
00:24:33
Speaker
Eine hohe jährliche Variabilität der Hypoglycin-A-Produktion innerhalb desselben Baumes kann bestehen.
00:24:41
Speaker
Das deutet darauf hin, dass bestimmte klimatische Bedingungen eine erhöhte Hypoglycin-A-Konzentration begünstigen.
00:24:49
Speaker
Bei beschädigten Samen erhöhen Wärme und Feuchte die Produktion von Hypoglycin A und es besteht die Möglichkeit einer Kontamination des Wassers.
00:24:59
Speaker
Im Gegensatz dazu beeinflussen keine anderen dieser untersuchten Umweltfaktoren, wie jetzt zum Beispiel Pilzinfektion oder auch die Bodenzusammensetzung, die Hypoglycin A-Konzentration im Bergerhornsamen signifikant.
00:25:12
Speaker
Diese Studie stammt ja jetzt aus Großbritannien.
00:25:14
Speaker
Wie sieht es denn in Deutschland mit den Ahornarten aus?
00:25:18
Speaker
Es gibt 561 Ahornarten.
00:25:21
Speaker
Davon sind natürlich aber leider nicht alle getestet.
00:25:23
Speaker
Bis 2020 kann man sagen, dass 50 Arten getestet wurden.
00:25:27
Speaker
Davon sind acht Ahornarten bekannt jetzt, dass sie halt Hypoglycin A enthalten.
00:25:33
Speaker
In Europa haben wir da vor allem das Problem mit dem Bergarhorn.
00:25:37
Speaker
Der Eschenahorn ist vor allem in den USA bekannt, ist mittlerweile aber auch in Deutschland vertreten.
00:25:43
Speaker
Und dann gibt es noch andere Ahornarten in Deutschland wie den Spitzahorn und den Feldahorn.
00:25:48
Speaker
Die haben kein Hypoglyzyna, also sind nicht toxisch.
00:25:51
Speaker
Und können wir die Ahornarten gut unterscheiden?
00:25:54
Speaker
Also kann man dann sehen, ob ein Risiko besteht, wenn ich einfach auf die Weide komme und den Baum sehe.
00:25:59
Speaker
Gibt es da klare Unterscheidungsmerkmale der Blätter oder der Flügelfrüchte?
00:26:05
Speaker
Also generell erstmal müsst ihr natürlich den Ahorn erkennen.
00:26:08
Speaker
Diese typischen Blätter kennt ihr, glaube ich, beziehungsweise kleiner Tipp ist immer diese Flügelfrüchte.
00:26:13
Speaker
Das sind diese Nasenzwicker, die man den Kindern auf die Nase setzt.
00:26:16
Speaker
Das ist ein Ahorn.
00:26:18
Speaker
Und dann könnt ihr unterscheiden zwischen Spitz- und Feldahorn.
00:26:22
Speaker
Das sind die, die nicht
00:26:23
Speaker
Hypoglycin A enthalten und dem Bergerhorn.
00:26:26
Speaker
Und zwar hat der Bergerhorn in seinem Blattstiel keinen Milchsaft.
00:26:30
Speaker
Das heißt, wenn ihr den Stiel knickt oder zerdrückt, dann tritt dort kein Saft aus, so ein milchiger Saft.
00:26:35
Speaker
Und das tut es aber bei dem Spitz- und Feldahorn.
00:26:39
Speaker
Generell ist es aber ganz praktisch und einfach, wenn ihr so eine gängige Pflanzenerb auf dem Handy habt.
00:26:45
Speaker
Und damit die Blätter und Samen identifiziert oder auch den Baum.
00:26:48
Speaker
Oder aber ihr fragt die Frau Aboling aus der Tiro in Hannover.
00:26:53
Speaker
Die hilft durch den Zweifel auch sehr gut weiter.
00:26:56
Speaker
Und die Flügelfrüchte, die haben ja Flügel besagterweise.
00:27:00
Speaker
Damit können sie leider bis zu 100 Meter fliegen.
00:27:02
Speaker
Ja, sehr super.
00:27:04
Speaker
Da muss gar kein Ahorn auf der Weide oder angrenzend an der Weide stehen und die Pferde können trotzdem das Toxin aufnehmen.
00:27:12
Speaker
Und ich habe noch bessere Nachrichten.
00:27:14
Speaker
Also Pferde können das Toxin auch über kontaminiertes Heu aufnehmen.
00:27:19
Speaker
Da wurde nachgewiesen, dass Samen und Keimling im Heu über Monate bis Jahre Hypoglycin A enthalten werden.
00:27:27
Speaker
Und das Mähen der entsprechenden Weide löst sogar eine Erhöhung der Konzentration in den Keimlingen aus.
00:27:33
Speaker
Und die Verwendung eines Herbizids, also das Herbizid, was in dieser Studie verwendet worden ist, hatte überhaupt keinen positiven Einfluss auf die Hypogluzin A-Konzentration.
00:27:42
Speaker
Also sie wurde damit auch nicht weniger in den Keimlingen.

Rolle der Darmmikrobiota und Präventionsstrategien

00:27:49
Speaker
Du hattest ja jetzt noch zwei weitere Studien herausgesucht zum Thema Mikrobiota und der atypischen Weidemyopathie.
00:27:55
Speaker
Was war denn da der Grundgedanke?
00:27:57
Speaker
Der Grundgedanke war, dass Hypoglycin A an sich ja nicht toxisch ist, sondern ein sogenanntes Protoxin ist.
00:28:04
Speaker
Es muss erst zum Methylen-Zyklopropyl-Acetyl-Koenzym A metabolisiert werden.
00:28:11
Speaker
Das war der eine Gedanke.
00:28:12
Speaker
Der zweite Gedanke war, es erkranken nicht alle Pferde auf den Weiden.
00:28:18
Speaker
Aber auch die nicht erkrankten Pferde weisen Hypoglycin A im Blut auf, in ähnlichen Konzentrationen wie die erkrankten Pferde.
00:28:27
Speaker
Und jetzt stellt sich ja die Frage, wieso erkranken nicht alle Pferde und wo wird das Protoxin in den toxischen Metaboliten umgewandelt?
00:28:37
Speaker
Somit standen in beiden Studien die Darmmikrobiota im Fokus, da Bakterien in der Lage sind, Hypogluzin A zu spalten.
00:28:46
Speaker
Und damit stellte sich halt die Frage, ob die Bakterien eine Bedeutung in diesem Rahmen spielen.
00:28:52
Speaker
Okay, dann haue ich jetzt die Frage, die wir immer haben, raus.
00:28:54
Speaker
Wie war denn der Aufbau der Studie, liebe Anja?
00:28:58
Speaker
Also die eine Studie, in der wurden frische Kotproben für die Untersierung der Mikrobiota genutzt.
00:29:05
Speaker
Und zwar einmal von klinisch gesunden Pferden, welche kein Hypoglycin A und auch nicht MCPA-Karnitin im Blut aufwiesen.
00:29:13
Speaker
Das waren sechs Tiere.
00:29:15
Speaker
Dann wurden Kotproben von sogenannten klinisch gesunden Co-Weidepferden untersucht.
00:29:22
Speaker
die auf einer Weide standen, wo in den vorherigen 24 Stunden ein Fall mit atypischer Weidemyopathie aufgetreten war.
00:29:30
Speaker
Und die Proben wurden innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten dieses Falles genommen.
00:29:35
Speaker
Das waren fünf Pferde.
00:29:37
Speaker
25 Pferde hatten wirklich atypische Weidemyopathie.
00:29:41
Speaker
Und da wurde die Kotprobe zum Zeitpunkt der Klinikeinweisung genommen.
00:29:45
Speaker
Bei allen Pferden wurden auch Blutproben genommen.
00:29:50
Speaker
Und Hypogluzin A bestimmt, MCPA-Karnitine und Azylkanitine analysiert.
00:29:56
Speaker
Und natürlich, es erfolgte eine Analyse der fäkalen Mikrobiota.
00:30:04
Speaker
Okay, ich bin gespannt.
00:30:06
Speaker
Was sagen die Ergebnisse?
00:30:07
Speaker
Also erstmal war Hypoglycin A in der Konzentration bei Erkrankten und bei Co-Weidepferden gleich.
00:30:13
Speaker
Die MCPA-Karnitine waren bei erkrankten Pferden signifikant höher als bei Co-Weidepferden und bei nicht überlebenden Pferden höher als bei überlebenden Pferden.
00:30:25
Speaker
Die Alphadiversität, das ist ein Maß für die mikrobielle Komplexizität innerhalb eines Systems, die war bei den Kontrollpferden, also die nicht auf den Weiden waren, signifikant höher als bei allen anderen.
00:30:39
Speaker
Beta-Diversität, die beschreibt die Unterschiede in der mikrobiellen Zusammensetzung zwischen zwei Proben oder Gruppen von Proben.
00:30:46
Speaker
Die unterschied sich auch zwischen den Gruppen.
00:30:49
Speaker
Und auch waren bestimmte Genera unterschiedlich.
00:30:54
Speaker
Und dann kam das Wichtige.
00:30:57
Speaker
Die Blutwerte von MCPA-Carnitin und von der Fettsäure C14-1 korrelierten mit den Variationen der Mikrobiota.
00:31:06
Speaker
Okay Anja, das musst du uns jetzt einmal aufschlüsseln.
00:31:09
Speaker
Was bedeutet das denn nun?
00:31:10
Speaker
Was ist jetzt meine klinische Aussage daraus?
00:31:13
Speaker
Ja, da haben wir noch keine Klinik.
00:31:14
Speaker
Also wir haben jetzt erstmal nur eine Korrelation zwischen Blutwerten und der intestinalen Mikrobiota bei Pferden mit atypischer Weidemyopathie.
00:31:23
Speaker
Jetzt stellt sich die Frage, ob diese Veränderungen direkt auf die Wirkung der Protoxine auf die Mikrobiota zurückzuführen sind oder auf den bakteriellen Metabolismus der Protoxine oder und auf den pathologischen Zustand des Wirts.
00:31:41
Speaker
Die Frage blieb.
00:31:42
Speaker
Es war jetzt erstmal nur Korrelation, Blutwerte und intestinale Mikrobiota.
00:31:51
Speaker
Okay, und beantwortet denn jetzt diese andere Untersuchung zu dem Thema die Fragen?
00:31:56
Speaker
Naja, die hat auf jeden Fall nochmal das zum Thema und untersucht jetzt genauer die Wirkung von Hypoglycin A auf die intestinale Mikroflora und umgekehrt.
00:32:06
Speaker
Also ob die Mikroflora einen Einfluss auf die Hypoglycin A Konzentration hat.
00:32:11
Speaker
Und wie das?
00:32:31
Speaker
Es gab einen Kontrollansatz ohne Hypogluzin A. Es gab einen Ansatz mit einer definierten Menge von Hypogluzin A. Und einen Ansatz von Nährmedium ohne Bakterien auch mit einer definierten Menge von Hypogluzin A. Es wurden regelmäßig Proben genommen bis zum Ende dieser 48 Stunden.
00:32:51
Speaker
Es wurde die Hypogluzin A-Konzentration bestimmen, die Konzentration von kurzkettigen Fettsäuren.
00:32:59
Speaker
und die Genprofile der Bakterien analysiert.
00:33:02
Speaker
Okay, und was haben uns jetzt die Ergebnisse gebracht?
00:33:05
Speaker
Die Mikroflora veränderte sich über die Zeit und auch in Abhängigkeit von der Zugabe von Hypogluzin A. Im Nährmedium veränderte sich die Konzentration von Hypogluzin A nicht, aber in dem Medium mit den Kotproben.
00:33:21
Speaker
Das heißt, Hypogluzin A wurde mikrobiell abgebaut, ohne dass toxische Metaboliten entstanden wurden.
00:33:28
Speaker
Somit wirkt die intestinale Mikroflora also eher protektiv, als dass sie das Protoxin in den toxischen Metaboliten umwandelt, oder?
00:33:37
Speaker
Genau, das war jetzt auch die Annahme der Autoren.
00:33:44
Speaker
Und wie immer, am Ende fassen wir jetzt alle Informationen nochmal zusammen.
00:33:50
Speaker
Alright, ich starte.
00:33:51
Speaker
Die atypische Weidemyopathie tritt vor allem im Herbst bei jungen, eher dünnen, nicht zugefütterten Weidepferden auf.
00:33:59
Speaker
Sie wird ausgelöst durch einen toxischen Metaboliten von Hypoglycin A, welches sich in den Samen, weniger in den Blättern und in Europa in der Regel vom Bergahorn befindet.
00:34:11
Speaker
Dieser Metabolit beeinflusst die Beta-Oxidation in den Muskelfasern von Halte- und Atemmuskulatur und löst damit eine schwere Rhabdomyolyse aus, die führt zum Festliegen und meist auch zum Tod.
00:34:24
Speaker
Eine spezielle Therapie existiert nicht, sie ist symptomatisch und somit ist die Prävention von besonderer Bedeutung.
00:34:30
Speaker
Samen bilden die wichtigste Toxinquelle und wenn diese geschädigt sind, kann auch Wasser kontaminiert werden.

Zusammenfassung und Kontaktinformationen

00:34:37
Speaker
Bodenart, Baumalter, Standort des Baumes oder Pilzbefall hatten keinen Einfluss auf die Konzentration von Hypoglycin A im Samen.
00:34:46
Speaker
Und es besteht eine hohe jährliche Variabilität der Hypoglycin A-Produktion innerhalb von einem Baum.
00:34:54
Speaker
Im Heu einer kontaminierten Weide ist Hypoglycin A über Jahre nachweisbar.
00:35:00
Speaker
Die intestinale Mikroflora ist bei Pferden mit Aufnahme von Hypoglycin A verändert.
00:35:07
Speaker
Hypoglycin A wird durch Bakterien abgebaut, somit sind diese eher protektiv.
00:35:11
Speaker
Okay, ihr Lieben, das war's.
00:35:13
Speaker
Und bevor wir jetzt unserer Gespräche Revue passieren, hast du, glaube ich, liebe Anja, noch eine Geschichte zu dem Thema für unsere Rubrik Es läuft nicht immer alles rund.
00:35:24
Speaker
Ja, für diese Geschichte gehen wir jetzt echt in meine Vergangenheit.
00:35:27
Speaker
Langes her.
00:35:29
Speaker
Und so als ich studiert habe, haben wir natürlich auch Pathologie gehabt.
00:35:34
Speaker
Und meine Gruppe war im Sektionsraum und es waren zwei Pferde, die tot auf der Weide gefunden waren.
00:35:41
Speaker
Und die lagen da und wurden seziert und plötzlich gingen alle Türen zu.
00:35:46
Speaker
Es wurde gekuschelt.
00:35:49
Speaker
Unheimlich.
00:35:49
Speaker
Und wir standen da und sagten, was ist jetzt los?
00:35:51
Speaker
Und auf der anderen Seite der Tür stand dann, ich muss ganz ehrlich sagen, der hat ein bisschen gegrinst, Mensch und sagte,
00:35:59
Speaker
Es tut uns sehr leid, aber wir haben Milzbrandverdacht.
00:36:02
Speaker
Ihr dürft hier jetzt nicht raus.
00:36:03
Speaker
Dann hat das eine Weile gedauert, hin und her, was wir machen.
00:36:07
Speaker
Und dann war angegeben, ihr geht jetzt alle in die Dusche.
00:36:10
Speaker
Ihr duscht euch alle ab, wascht euch mit Jodlösung, worauf dann ein Pathologieassistent noch meinte, das nützt sowieso nicht gegen die Sporen.
00:36:19
Speaker
Und ich kann euch eins sagen, also Jodlösung in den Haaren, das ist wirklich kein Spaß mit so einem Shampoo.
00:36:25
Speaker
Dann durften wir nur unsere Unterwäsche anziehen, haben dann irgendwelche weißen Überzieher-Overalls gehabt an den Füßen.
00:36:33
Speaker
Keine Socken, sondern so blaue Überzieher.
00:36:36
Speaker
Und es war in Berlin und es war Winter.
00:36:39
Speaker
Ich habe dann noch meine Kommilitonin im Auto mitgenommen.
00:36:42
Speaker
Mit der habe ich mich letztens noch gesprochen darüber.
00:36:44
Speaker
Und dann sind wir nach Hause gefahren und schon mit ein bisschen Muffensausen, ob wir jetzt Milz dran hatten.
00:36:50
Speaker
Am einen haben sich dann Antibiotika, wir haben sich Antibiotika gegen Missbraun reingezogen.
00:36:55
Speaker
Wir haben dann abgewartet und im Endeffekt waren das zwei Pferde mit atypischer Weidemöopathie.
00:37:03
Speaker
Total Gefahr.
00:37:04
Speaker
Also finde ich auch der Traum deiner schlaflosen Nächte mit der Pantum-Truppe duschen gehen.
00:37:12
Speaker
Mit Jodseife, die Haare waschen.
00:37:15
Speaker
Also das ist eine schöne Geschichte, finde ich.
00:37:21
Speaker
Wir sind jetzt am Ende dieser Folge von Equal Vet News angekommen.
00:37:25
Speaker
Wie immer könnt ihr die Informationen bei den Shownotes einsehen.
00:37:29
Speaker
Wir hoffen, dass es euch gefallen hat.
00:37:31
Speaker
Wenn ihr Anmerkungen oder Themenwünsche habt, schreibt mir unter podcast-at-pferdepraxishofan.com.
00:37:38
Speaker
Wir wünschen euch ruhige Nächte, kooperative Patienten.
00:37:43
Speaker
Bis bald.
00:37:44
Speaker
Bis bald.