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Hypersalivation ohne oder mit Schluckstörung – und es sind weder die Zähne noch eine Schlundverstopfung image

Hypersalivation ohne oder mit Schluckstörung – und es sind weder die Zähne noch eine Schlundverstopfung

Equine Vet News
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246 Plays6 months ago

In dieser Folge besprechen Dr. Anja Gabe und Dr. Laura Schröter die wichtigsten Ursachen von Hypersalivation beim Pferd, sowohl ohne als auch mit Schluckstörung, und beleuchten mehrere aktuelle Veröffentlichungen zu Stomatitis, futterbedingten Hypersalivation und zur sonographischen Diagnostik von Zungenveränderungen. Besonders beleuchtet werden die Studienergebnisse der Veröffentlichungen “Extensively harvested hay contaminated with common windgrass induced an ulcerative stomatitis–gingivitis outbreak in horses“ von Vervuert et al (2025, Equine Veterinary Education, https://doi:10.1111/eve.14070); “Feed-induced hypersalivation in horses from Austria, Germany and Switzerland “ von Böswald et al (2025, Equine Veterinary Journal, https://doi:10.1111/evj.14433) und “Sonographische Diagnose lingualer Abszessbildung bei zwei Pferden mit Futteraufnahmestörung “ von Pelli et al (2025, Tierärztliche Praxis https://doi:10.1055/a-2588-9597).

Ursachen für Stomatitis

  • Mechanisch: Grannen
  • Viren: Herpes-, Orthopox- und Arteritisviren
  • Toxine: Cantharidin, Pestizide
  • Medikamente: NSAIDs
  • Wolfsmilchgewächse
  • Elektronenmikroskopische Untersuchung für den Nachweis von Viruspartikel

Hypersalivation ohne Läsionen und ohne Schluckstörung

  • Aufnahme von Mykotoxinen: Slaframin, Swainsonin, Ergotalkaloide
  • Gebildet von phytopathogenen Pilzen

Hypersalivation durch Schluckstörung

  • Botulismus 
  •         Frühanzeichen: verlangsamte Futteraufnahme beim Hafer-Test (150-200g)
  • Tetanus
  • Zentrale neurologische Erkrankungen
  • Erkrankungen oder Verletzungen der Zunge

Quellenangaben unter: https://pferdepraxishofheim.com/equine-vetnews/folge-4/

Transcript

Hypersalivation bei Pferden: Fallstudie eines Haflingers

00:00:04
Speaker
Ihr seid sicher auch schon einmal zu einem Pferd gerufen worden, das plötzlich angefangen hat, vermehrt zu speicheln.
00:00:10
Speaker
Ja, das könnte natürlich eine Schlundverstopfung sein, aber das ist ja heute nicht unser Thema.
00:00:16
Speaker
Genau.
00:00:17
Speaker
Falls ihr uns auf Instagram folgt, habt ihr eventuell das Video gesehen, in dem ein Haftlinger, mal ganz ehrlich, sehr ungewöhnliche Kaubewegungen zeigt.
00:00:27
Speaker
Und da denkt man ja eigentlich sofort, Zahn, das ist ein Zahnproblem.
00:00:33
Speaker
Ja klar, das wäre natürlich absolut denkbar gewesen, aber in diesem Fall waren die Zähne ja tatsächlich komplett unauffällig, richtig?
00:00:41
Speaker
Ja genau, da war nichts, da kommen wir noch zu.
00:00:45
Speaker
Wir sprechen aber heute über Hypersalivation, sowohl ohne als auch mit Schluckstörung und wenn euch das interessiert, dann bleibt

Ziel der Episode: Wissenschaftliche Erkenntnisse für Tierärzte

00:00:54
Speaker
dran.
00:00:54
Speaker
Ihr hört Equinvet News, ein Podcast zu aktuellen pferdemedizinischen Studien.
00:01:01
Speaker
Ja, und wie schon beim letzten Mal bedanken wir uns bei allen Forschenden und FallberichtautorInnen, die ihre Daten veröffentlichen und neue Therapie und diese Diagnosemöglichkeiten aufzeigen.
00:01:13
Speaker
Ja, genau.
00:01:14
Speaker
Und unser Ziel ist es, euch, also StudentInnen, AnfangsassistentInnen, GemischpraktikerInnen.
00:01:20
Speaker
Ich weiß, mancher macht jetzt, warum geändert die jetzt, aber es geht einfach schneller.
00:01:24
Speaker
Und natürlich auch erfahrenen PferdetierInnen, wissenschaftliche Erkenntnisse kompakt, praxisnah und strukturiert zusammenzufassen.
00:01:33
Speaker
Und dafür wählen wir in jeder Folge eine aktuelle Studie aus.
00:01:37
Speaker
sprechen aber auch immer über die Erkrankung selbst und heute in diesem Zusammenhang besonders ausführlich über die Differenzialdiagnosen.
00:01:45
Speaker
Und weil wir in erster Linie studienbasierte Informationen weitergeben wollen, lesen wir zu jedem Thema natürlich nicht nur die aktuellen Veröffentlichungen, sondern auch mehrere Publikationen.
00:01:57
Speaker
Ja, das artet manchmal aus, nicht wahr, Laura?
00:01:59
Speaker
Also man fängt dann mit ein, zwei an und dann werden es immer mehr.
00:02:03
Speaker
Ja.

Einführung von Dr. Gabe und Dr. Schröter: Expertise in Pferdemedizin

00:02:04
Speaker
Ich habe jetzt für diese Episode drei Veröffentlichungen aus dem Jahr 2025 ausgewählt und zwar einen Fallbericht zur ulcerativen Stomatitis aus Equal Veterinary Education.
00:02:18
Speaker
Ein Partikel zur fütterungsinduzierten Hypersalivation aus dem Equine Veterinary Journal und zuletzt eine Arbeit zur sonographischen Diagnostik lingualer Absesse aus der tierärztlichen Praxis.
00:02:31
Speaker
Bevor wir einsteigen, stellen wir uns kurz vor.
00:02:35
Speaker
Ich bin Dr. Anja Gabe, Fachtierärztin für Pferde, seit 25 Jahren in der Pferdepraxis unterwegs und ich habe auch in einigen Kliniken gearbeitet.
00:02:43
Speaker
Ich bin auch verantwortlich für den Inhalt des Kompendiums der Pferdeheilkunde und
00:02:48
Speaker
Heute zugeschaltet ist Dr. Laura Schröter, die sich sehr häufig mit Maulhöhlenuntersuchungen beschäftigt und damit perfekt zu dem heutigen Thema passt.
00:02:57
Speaker
Hallo Laura.
00:02:59
Speaker
Hallo, genau.
00:03:00
Speaker
Ich arbeite seit 15 Jahren in der Pferdepraxis mit dem Schwerpunkt Zahnheilkunde, daher die Maulhöhlenuntersuchung.
00:03:10
Speaker
Und seit 2022 schreibe ich auch Kurzreviews für das Kompendium der Pferdeheilkunde.

Untersuchung des Kauverhaltens und Speichelflusses bei einem Pferd

00:03:20
Speaker
Viele von euch haben vielleicht unser Sneak-Peak-Video auf Instagram gesehen.
00:03:24
Speaker
Dieser Patient war Auslöser für die heutige Folge.
00:03:27
Speaker
Er zeigte ja diese auffälligen Kaubewegungen, aber auch vermehrten Speichelfluss und konnte normal schlucken.
00:03:35
Speaker
Die Kontrolle der Mandibula-Este war unauffällig.
00:03:39
Speaker
Genau, und bei einem Pferd mit vermehrtem Speichelfluss ist die Kontrolle der Mandibulaäste besonders wichtig, denn es könnte eine Fraktur oder auch nur eine Fissur vorliegen.
00:03:50
Speaker
Damit speicheln Pferde nämlich auch vermehrt.
00:03:53
Speaker
Und das Einlegen des Maulgatters, egal ob sediert oder unsediert, kann fatal sein, denn durch das Kauen des Pferdes auf dem Maulgatter kann aus einer Fissur oder aus einer einfachen Fraktur eben eine schwerwiegende Fraktur entstehen.
00:04:07
Speaker
Ja, und dank Laura achte ich da jetzt echt ein bisschen mehr drauf.
00:04:11
Speaker
Und ich war auch bei der Untersuchung, es war natürlich abends und im Notdienst, nicht ganz so gründlich am Anfang.
00:04:19
Speaker
Der Wallach hatte eine Zahnvorgeschichte, die ich kannte.
00:04:23
Speaker
Der hatte eine Backenzahmslapfracture und zeigte damals die gleichen Symptome.
00:04:28
Speaker
Und dann dachte ich, ich bin ganz schnell und habe ohne Sedierung ein Maulgatter angelegt und erstmal natürlich sofort die Backenzähne kontrolliert.
00:04:37
Speaker
Aber die Backenzähne waren ja gar nicht das Problem.
00:04:42
Speaker
Nein, es waren natürlich nicht die Backenzähne.
00:04:44
Speaker
Und ich habe dann erst mal angefangen, ordentlich das Maul zu untersuchen.
00:04:48
Speaker
Und da zeigte sich ganz schnell, dass die Mausschleimhaut das Problem war.

Studien zu oralen Läsionen durch Grannen bei Pferden

00:04:52
Speaker
Und zwar hatte die Erosionen unter der Zunge, die Schleimhaut der Lade war stark gerötet und die Schleimhaut zeigte Ulster und Erosionen.
00:05:02
Speaker
Und konntest du denn direkt erkennen, was der Auslöser dafür war?
00:05:06
Speaker
Ja, der Übeltäter war Gutsicht bei Maul.
00:05:09
Speaker
Es waren Grannen und die saßen in den interdentalen Spalten der Schneidezähne.
00:05:14
Speaker
Sie waren unter der Zunge, sie waren in der Lippenschleimhaut.
00:05:17
Speaker
Und da haben sie dann durch die mechanische Irritation die Entzündung ausgelöst.
00:05:22
Speaker
Ja, und dazu hast du uns ja jetzt auch eine passende Veröffentlichung rausgesucht.
00:05:27
Speaker
Genau, Fairfield et al.
00:05:29
Speaker
hat 2025 in Equine Veterinary Education einen Fallbericht publiziert, der sich genau damit befasst.
00:05:37
Speaker
Und wie viele Pferde waren in dem Fall betroffen?
00:05:40
Speaker
Das war ein Stall mit 33 Pferden und von diesen zeigten 29 Tiere orale Läsionen, also gingivale Papeln, ein Erythem und teils blutende Ulzerationen.
00:05:53
Speaker
Die Grannen waren zwischen der Gingiva und den Zähnen eingeklemmt.
00:05:58
Speaker
Und aufgetreten waren die Symptome zwei bis drei Tage nach Fütterung einer neuen Heuschage.

Viren als Ursache für Stomatitis: Testverfahren und Ergebnisse

00:06:05
Speaker
Die Tiere wiesen weder Fieber noch Verhaltensveränderungen auf und auch verweigerten die das Futter überhaupt gar nicht.
00:06:14
Speaker
Abgesehen von der klinischen Untersuchung wurden Blut- und Tupferproben genommen.
00:06:19
Speaker
Und weil der Verdacht auf eine vesikuläre Stomatitis geäußert wurde, wurden Proben an das Friedrich-Löffler-Institut geschickt.
00:06:27
Speaker
Ins Friedrich-Löffler-Institut?
00:06:31
Speaker
Ja, nur die Aussprache des Verdachtes, dass eine Stomatitis Vesikularis vorliegt, bedeutet, dass das Veterinäramt eingeschaltet werden muss, da es sich ja um eine anzeigepflichtige Erkrankung handelt.
00:06:44
Speaker
Und daraufhin werden Proben zum Friedrich-Löffler-Institut gesendet.
00:06:51
Speaker
Und welche Art von Proben werden dann da versandt?
00:06:54
Speaker
Also der Virusnachweis gelingt am sichersten aus frischem Material von Läsionen.
00:07:00
Speaker
Falls das nicht möglich ist, können Tupferproben ohne Medium, weil Virusnachweis aus den veränderten Schleimhautarealen genommen werden und diese werden dann per PCR untersucht.
00:07:12
Speaker
In diesem Fall erfolgt auch eine elektronenmikroskopische Untersuchung und zwar im Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart.
00:07:19
Speaker
Und das ist extrem hilfreich, um zu klären, ob überhaupt Viren beteiligt sind, weil durch diese Untersuchung Viruspartikel nachgewiesen werden können.
00:07:30
Speaker
Ja, das ist ja Praktisch.
00:07:31
Speaker
So spart man sich unnötige PCR-Untersuchungen.
00:07:34
Speaker
Ja, ich fand das auch super.
00:07:37
Speaker
Die Untersuchung kostet etwa 27 Euro pro Probe.
00:07:40
Speaker
Das ist ja absolut erschwinglich, bevor man diese ganzen PCR-Untersuchungen anleiert.
00:07:45
Speaker
Wichtig ist vorher nachzufragen, welches Material am besten geeignet ist.
00:07:51
Speaker
Welche Viren können eine Stomatitis beim Pferd auslösen?
00:07:56
Speaker
Das Stomatitis-Virus haben wir schon erwähnt.
00:07:59
Speaker
Allerdings kommt dieses praktisch ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vor.
00:08:05
Speaker
Neben der starken Hypersalivation treten die Läsionen nicht nur an der Schleimhaut auf.
00:08:12
Speaker
Betroffen kann auch die Haut von Nüstern und Ohren sein.
00:08:17
Speaker
Die Veränderungen heilen in der Regel innerhalb von ein paar Wochen ab.
00:08:22
Speaker
Und zu beachten ist, dass der Virus ansteckend für den Menschen ist.
00:08:26
Speaker
Und welche Viren gibt es noch, die eine Stomatitis auslösen können?
00:08:31
Speaker
Ja, da gibt es unterschiedliche Fallberichte.
00:08:33
Speaker
Also zum Beispiel gab es einen Ausbruch in einem italienischen Eselgestüt mit einem neuartigen Eselherpesvirus, das genetisch eng mit dem Equinemherpesvirus 3 verwandt war.
00:08:47
Speaker
Und es waren mehrere Esel betroffen und es traten nur orale Läsionen auf und sonst keine klinischen Symptome.
00:08:55
Speaker
In Brasilien lösten Orthopox-Viren bei Eseln, Pferden und Rindern auch orale Läsionen aus und ebenfalls ohne weitere klinische Symptomatik.
00:09:09
Speaker
In Kanada wurde bei einem Fohlen ein Äquines Herpesvirus 2 identifiziert.
00:09:15
Speaker
Da waren die Läsionen nicht nur im Maul, sondern auch im Osofagus.
00:09:19
Speaker
Und natürlich können Aceritis Viren auch entsprechende Veränderungen auslösen.
00:09:25
Speaker
Allerdings meist in Kombination mit Fieber und Ödem der Gliedmaßen.
00:09:31
Speaker
Das wurde bei einem Ausbruch in Spanien beschrieben.
00:09:35
Speaker
Und konnten da die Viren nachgewiesen werden?
00:09:38
Speaker
Ja, wir können die nachweisen am ehesten Herpes- und Arteritisviren.
00:09:44
Speaker
Die Tests für die Orthopoxviren sind für andere Tierarten validiert, nicht für das

Pflanzenanalysen und mechanische Reizungen in der Mundhöhle

00:09:49
Speaker
Pferd.
00:09:49
Speaker
Da kann man aber mit dem Labor sprechen.
00:09:51
Speaker
Also ich hatte im Vorfeld mit einem Labor telefoniert und die meinten, dass man das auf jeden Fall versuchen kann, weil meistens eine Verwandtschaft besteht und man doch Orthopoxviren dann auch beim Pferd nachweisen könnte.
00:10:09
Speaker
Dann kommen wir jetzt zurück zu den Studienergebnissen.
00:10:11
Speaker
Da gab es ja keinen Hinweis auf eine virale Beteiligung, oder?
00:10:15
Speaker
Ja, genau.
00:10:16
Speaker
Also elektronenmikroskopisch gelang kein Nachweis von Viruspartikeln und die Untersuchungen im Hinblick auf Stomatitis vesikularis waren erwartungsgemäß alle negativ und auch die Bakteriologie war unauffällig.
00:10:31
Speaker
Und aufgrund des Nachweises von den Grannen erfolgte eine Analyse des Heus und dieses beinhaltete 15 Prozent Windhalm und dessen wiederhakenartige Grannen bohren sich leicht in die Schleimhaut und genau das war ja passiert.
00:10:48
Speaker
Und das ist übrigens der erste Fallbericht zur Auslösung von oralen Läsionen durch Windhelm.
00:10:53
Speaker
In einem älteren Fallbericht entwickelten 20 Pferde nach der Aufnahme von Heu mit 80 Prozent Windhelm eine Obstipation Coli.
00:11:04
Speaker
Ja, das finde ich total beeindruckend.
00:11:06
Speaker
Sowas habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört.
00:11:09
Speaker
Wurden denn die Pferde mit den oralen Läsionen in irgendeiner Weise therapiert?
00:11:14
Speaker
Also es wurde in dieser Veröffentlichung nicht explizit beschrieben, dass die Grannen entfernt wurden.
00:11:19
Speaker
Das habe ich in meinem Fall schon versucht.
00:11:21
Speaker
Also ich habe versucht, diese Grannen alle einzeln rauszuziehen.
00:11:25
Speaker
In dem Fallbericht erfolgten Maulspülungen, Spülungen mit Chlorhexidin oder Auftragen von Propolis.
00:11:32
Speaker
Aber unabhängig von der Art der Therapie halten die Veränderungen innerhalb von zwei bis sechs Wochen ab.
00:11:38
Speaker
Und natürlich wurde die Heuschage entfernt.
00:11:41
Speaker
Und bei welchen Pflanzen besteht noch das Risiko, dass Krannenverletzungen in der Maulschleimhaut auslösen?
00:11:47
Speaker
Also Fallberichten zufolge sind das schon einige.
00:11:49
Speaker
Also Borstenhirse, blaustängige Besenegge, Büffelgras, Kritikale und Gerste.
00:11:56
Speaker
Und in meinem Fall war es wahrscheinlich Mäusegerste.
00:12:00
Speaker
Das gilt als Ackerunkraut.
00:12:03
Speaker
Und gibt es denn eine Idee, wie diese Pflanzenarten in das Heu geraten sind?
00:12:07
Speaker
Ja, es gibt schon zwei Theorien.
00:12:09
Speaker
Also in dem Fall von Fairfield et al.
00:12:11
Speaker
handelte es sich um Heu von extensiv bewirtschafteten, artenreichen Wiesen.
00:12:16
Speaker
Also Wiesen, die sehr wenig oder gar nicht gedüngt worden sind.
00:12:22
Speaker
Meist mit spätem Schnitt und geringem Eingriff in die Vegetation.
00:12:26
Speaker
Und damit vielleicht mit einem höheren Risiko von dem Heu nicht erwünschten Pflanzenarten.
00:12:32
Speaker
Und was war die zweite Theorie?
00:12:34
Speaker
Herr Johnson et al.
00:12:35
Speaker
veröffentlichte einen Fallbericht, bei welchem die Stomatitis durch Cetaria-Arten, also Borstengräsern, ausgelöst wurde.
00:12:43
Speaker
Und er vermutete, dass aufgrund des Klimawandels jetzt Raufutter immer mehr Pflanzenarten enthalten wird, dessen Wachstum durch intensive Trockenperioden begünstigt ist.
00:12:55
Speaker
Und
00:12:55
Speaker
Und auch besteht die Möglichkeit, dass bei sehr staubigen Böden Samen von Acker auf Heuwiesen gelangen und dort zum Beispiel Gerstearten in das Heu gelangen.

Medikamente, Toxine und Stomatitis bei Pferden

00:13:11
Speaker
Medikamente sollen ja auch eine Stomatitis auslösen können, oder?
00:13:15
Speaker
Ja, genau.
00:13:16
Speaker
Also alle Nichtstil-Darnantiflogistika können orale Läsionen auslösen, insbesondere Phenobutazonen.
00:13:24
Speaker
Und auch Flonixin.
00:13:25
Speaker
In einer Publikation entwickelten Folien nach langfristiger Flonixin-Gabe, also über 30 Tage, allerdings schon nur mit empfohlener Dosis, die wurde oral oder intramuskulär verabreicht und die entwickelten deutlich oralen Läsionen.
00:13:42
Speaker
Und gab es in dem Zusammenhang dann auch etwas zu den Toxinen?
00:13:47
Speaker
Ja, nicht viel.
00:13:48
Speaker
Also ein Fallbericht beschreibt Pferde, die pestizidkontaminiertes Futter aufgenommen hatten und die entwickelten milde orale Ulzerer, aber auch Ataxie und Konjunktivitis.
00:14:01
Speaker
Und dann gibt es noch die Möglichkeit, dass Blisterbeetle, das ist ein Käfer, ins Heu gelangen und die enthalten Cantaridin.
00:14:10
Speaker
Und das löst schwere systemische Symptome aus und ist assoziiert mit eventuell einer hohen Mortalität.
00:14:20
Speaker
Keine Fallberichte gibt es zu den Wolfsmilchgewächsen, deren Milchsaft ja haut- und schleimhautreizend ist.
00:14:26
Speaker
Also ich meine schon, dass ich damit Fälle erlebt habe, aber einen Fallbericht gab es dazu nicht.
00:14:32
Speaker
Ja, das waren jetzt wirklich viele Informationen zur Stomatitis.
00:14:35
Speaker
Wollen wir das Ganze nochmal zusammenfassen?
00:14:37
Speaker
Ja, ich fasse mal zusammen.

Hypersalivation ohne Läsionen: Mykotoxine und kontaminiertes Futter

00:14:39
Speaker
Also Stomatitis wird mechanisch am ehesten durch Gran ausgelöst.
00:14:43
Speaker
Wunderbar.
00:14:44
Speaker
Viren, die dafür verantwortlich sein können, sind Herpesviren, Orthopoxviren.
00:14:50
Speaker
Aber das ist auch nur in Brasilien vorgekommen.
00:14:52
Speaker
Und das Arteritis-Virus.
00:14:55
Speaker
Bei den Medikamenten stehen die nicht-steodalen Antiflogistika im Mittelpunkt.
00:15:00
Speaker
Und Toxine, das sind Pestizide und das Kanteridin zu nennen.
00:15:08
Speaker
So, jetzt kommen wir mal zur Hypersalivation ohne Läsion der Maulschleimhaut.
00:15:13
Speaker
Und eine der Hauptursachen ist Thema der Studie von Böswald et al.
00:15:18
Speaker
Ja, genau.
00:15:18
Speaker
Der hat sich damit beschäftigt und hat mehrere Fälle davon beschrieben.
00:15:25
Speaker
Ursächlich für eine derartige Hypersalivation können Toxine sein, gebildet von einem Phytopathogenen-Pilz, der hier nicht näher genannt werden darf.
00:15:35
Speaker
Nein, Spaß.
00:15:37
Speaker
Es handelt sich um Rizoktonia leguminicolua und er befällt Rotklee und Weißklee.
00:15:44
Speaker
Du hast echt geübt.
00:15:45
Speaker
Okay, jetzt geht's los.
00:15:47
Speaker
Dieser bildet Slaphramin, welches parasympathomimetisch wirkt, vor allem Gastrointestinaltrakt.
00:15:54
Speaker
Und so werden große Mengen verdünntem Speiche gebildet.
00:15:58
Speaker
Er bildet auch...
00:16:00
Speaker
Sva-Insonin, ein Toxin, welches zentralnervöse Anzeichen wie Hypermetrie, Ataxie und Hyperästhesie bei chronischer Aufnahme verursachen kann.
00:16:11
Speaker
Ja, Hypersalivation kann neben anderen Symptomen wie zum Beispiel Läsionen der Haut an den Gliedmaßen, Raumfell und Fertilitätsproblematiken auch auftreten durch die Aufnahme von Ergotalkaloiden.
00:16:24
Speaker
Und die sind gebildet von Claviceps pupuria,
00:16:29
Speaker
Ein Mutterkornpilz oder Neotyphodium coenophialum.
00:16:35
Speaker
Mann, ey.
00:16:37
Speaker
Butterkorn betrifft ja typischerweise Getreide, vor allem den Roggen.
00:16:41
Speaker
Und die Studie von Böswald et al.
00:16:43
Speaker
beschäftigt sich ja mit der futterassoziierten Toxinbelastung und der klinischen Symptomatik.
00:16:48
Speaker
Was war denn die zentrale Fragestellung der Untersuchung von Böswald et al.?

Untersuchungen zu Mykotoxin-bedingter Hypersalivation

00:16:53
Speaker
Ja, in den Jahren 2016 bis 2018 wurden vermehrt fütterungsinduzierte Fälle von Hypersalivation im deutschsprachigen Raum diagnostiziert.
00:17:03
Speaker
Und ein erneuter Ausbruch trat zwischen Mai 2018 und August 2019 auf.
00:17:08
Speaker
Und dieser wurde genau aufgearbeitet.
00:17:11
Speaker
Also es wurden die klinischen Daten natürlich erfasst, einschließlich der Art der Salivation und ob Lesionen aufgetreten waren oder nicht.
00:17:21
Speaker
Dann wurden ausgewertet Informationen zur Fütterung, Anzahl der betroffenen Tiere und der Haltung.
00:17:26
Speaker
Und es wurden 22 Futterproben analysiert, einschließlich Grobinspektion, Mikroskopie feiner Partikel.
00:17:34
Speaker
Es wurde eine mykologische Kultur angelegt und es erfolgten Mykotoxin-Analysen.
00:17:40
Speaker
Zu Slaframinen, zwei Insoninen und Ergotalkaloiden.
00:17:45
Speaker
Und wie waren da die Ergebnisse?
00:17:47
Speaker
Also es traten insgesamt elf Ausbrüche auf.
00:17:50
Speaker
Acht in Deutschland, zwei in der Schweiz und einer in Österreich.
00:17:55
Speaker
Manche Pferde zeigten eine rein seriöse Hypersalivation und andere eine schaumige.
00:18:01
Speaker
Und unabhängig von der Art der Hypersalivation wiesen einige Pferde Lesionen an Zunge und Gingiva auf, andere überhaupt nicht.
00:18:11
Speaker
In der Regel war das Allgemeinbefinden einschließlich der Futteraufnahme unauffällig und Anzeichen für Infektionserkrankungen wurden auch nicht festgestellt und es waren nicht immer alle Pferde betroffen.
00:18:23
Speaker
Und wie waren die Ergebnisse der Heu- und Gräseruntersuchung?
00:18:26
Speaker
Ja, bei allen Proben wurden Auflagerungen beruhend auf einem Pilzbefall festgestellt.
00:18:32
Speaker
Es waren diese typisch schwarzbraunen Verfärbungen erkennbar, zum Teil in dieser fleckigen Form.
00:18:39
Speaker
Bei zwei Ausbrüchen wurden schwarze, kornartige Partikel mit weißer Schnittfläche entsprechend von Ergotsklerozien festgestellt.
00:18:48
Speaker
Und in einem Ausbruch konnten orangene Pilzbelege festgestellt werden.
00:18:54
Speaker
Und die Mykotoxine?
00:18:55
Speaker
Bei 5 der 11 Ausbrüche wurden Ergotalkaloide nachgewiesen oder entsprechende Ergotsklerozien.
00:19:03
Speaker
Zwei Insonine waren bei 2 von 13 Proben in geringsten Mengen nachweisbar.
00:19:10
Speaker
Die spricht für eine Mykotoxinbildung durch Rhizoktonia, der Pilz, welcher auch Slaphramin bildet.
00:19:19
Speaker
Und Klinik, ähnlich dem durch Slaframin ausgelösten Slobber-Syndrom, also ein Verlust großer Mengen seriösen Speichels, wurde in mehreren Fällen auch beobachtet.
00:19:30
Speaker
Aber Slaframine wurden nicht nachgewiesen.
00:19:34
Speaker
Und die Autoren vermuten, dass Laframine als Mast Mykotoxin vorlag, also analytisch nicht erfasst werden konnte.
00:19:43
Speaker
Und bestand denn ein Zusammenhang zwischen der Art der Hypersalivation, also serös oder schaumig, und den nachgewiesenen Toxinen?
00:19:51
Speaker
Ja, Ergotalkaloide wurden in zwei von drei Ausbrüchen mit schaumiger Hypersalivation nachgewiesen.
00:19:59
Speaker
Diese Röse steht eher im Zusammenhang mit der Aufnahme von Rhizoktonia-assoziierten Toxinen, also Slavramine und Svaisonine.
00:20:09
Speaker
Allerdings waren das schon wenig Proben.
00:20:11
Speaker
Also ob man das wirklich so sagen kann, dass das eine Toxin die schaumige Hypersalivation auslöst und die Seröse nur durch die anderen, das waren schon nicht ganz so viele Proben, um das so deutlich sagen zu können.
00:20:26
Speaker
Und wie schnell besserten sich dann die Symptome nach dem Futterwechsel?
00:20:31
Speaker
Spannenderweise nicht sofort.
00:20:34
Speaker
Die Hypersalivation klang erst nach Tagen bis zu Wochen ab, wenigen Wochen zwar, aber es dauerte manchmal.
00:20:42
Speaker
Und es wird vermutet, dass das abhängig war von der Stärke der Kontaminationen.
00:20:48
Speaker
Ja, also dann sollten wir uns bei Auftreten von Hypersalivation vor allem die Futterpflanzen ganz genau anschauen.
00:20:53
Speaker
Ja, genau.
00:20:54
Speaker
Also ich sehe uns schon über die Weise laufen und dann überall den Klee suchen, wo die Verfärbungen sind.
00:20:59
Speaker
Also generell sprechen dunkle, bräunliche, violette oder rötliche Verfärbungen für mikrobielle Veränderungen.
00:21:08
Speaker
Die sind aber nicht spezifisch für einen einzelnen Erreger.
00:21:11
Speaker
Und es ist extrem wichtig, die Unterseite der Blätter sich anzuschauen.
00:21:15
Speaker
Interessant ist, dass bei trockenen, heißen Sommern vermehrt Schadensfälle beobachtet werden.
00:21:21
Speaker
Das ist eigentlich nicht ganz logisch, weil der betreffende Pilz vor allem in feuchten Frühjahren wächst.
00:21:27
Speaker
Doch es besteht die Möglichkeit, dass bei ungewöhnlich trockenem Sommer der Klee aufgrund seiner ausgeprägten Trockenresistenz verschiedene Gräsenarten wie zum Beispiel Weidelgras auf den Weideflächen etwas zurückdrängt.

Pflanzentoxine und chemische Reizstoffe: Auswirkungen auf den Speichelfluss

00:21:41
Speaker
Musik
00:21:46
Speaker
Natürlich existieren auch noch andere Ursachen für eine Hypersalivation.
00:21:50
Speaker
Und zum Beispiel zählt dazu auch die Aufnahme von bestimmten Pflanzen wie Thuja oder Liliengewächsen.
00:21:56
Speaker
Das hatte ich jetzt allerdings noch nie.
00:21:59
Speaker
Nee, ich auch nicht.
00:22:00
Speaker
Aber wir wissen ja eigentlich alle, dass die Pferde nicht ans Thuja dürfen.
00:22:04
Speaker
Ja, und Parasympathomimetika lösen auch vermehrte Speicherbildung aus.
00:22:09
Speaker
Ja.
00:22:10
Speaker
Die sind in Insektiziden enthalten, also Organophosphate oder Carbamate zählen dazu.
00:22:17
Speaker
Diese sind aber glücklicherweise in der EU weitgehend jetzt verboten.
00:22:26
Speaker
Durch einen veränderten Schluckakt speichert das Pferd natürlich auch vermehrt.
00:22:30
Speaker
Und ein veränderter Schluckakt kann zum Beispiel ausgelöst werden durch Botulismus.

Botulismus-Test: Symptome und Herausforderungen

00:22:37
Speaker
Gab es da nicht einen Funktionstest dazu?
00:22:39
Speaker
Ja, da gibt es einen Test zu.
00:22:40
Speaker
Der ist allerdings nicht evaluiert.
00:22:43
Speaker
Also es gilt eher als typisches Frühanzeichen bei Pferden mit Botulismus.
00:22:49
Speaker
Die Pferde werden bei dem Test normal angefüttert.
00:22:52
Speaker
Und dann soll man eine Schüssel, eine flache Schüssel mit 150 bis 200 Gramm mit Hafer hinstellen.
00:23:00
Speaker
Dann soll die Zeit gemessen werden, die das Pferd benötigt, um diese Menge aufzunehmen.
00:23:04
Speaker
Und natürlich soll man gleichzeitig beobachten, fallen Körner aus dem Maul, wirkt die Zunge schlaff oder wenig beweglich, speichelt das Tier mehr.
00:23:14
Speaker
Ein gesundes Pferd sollte beobachten,
00:23:18
Speaker
diese Menge von Hafer, also 150 bis 200 Gramm, in 30 bis 60 Sekunden fressen.
00:23:26
Speaker
Ein Verdacht auf Botulismus besteht allerdings erst bei einer deutlichen Verlangsamung.
00:23:32
Speaker
Also wirklich, wenn die Pferde mehrere Minuten benötigen, teils fünf bis zehn Minuten.
00:23:38
Speaker
Und in manchen Fällen kann es sein, dass die Pferde sehr schnell beginnen zu fressen und dann immer langsamer werden.
00:23:45
Speaker
Ja.
00:23:47
Speaker
Und neben dem Botulismus, ich weiß nicht, ob du dich noch an das Pferd erinnern kannst, das hatten wir auch zusammen behandelt, bei dem dann letztendlich Tetanus nachgewiesen wurde.

Ursachen der Hypersalivation: Infektionen und Toxine

00:23:59
Speaker
Das hatte tatsächlich auch vermehrt gespeichelt.
00:24:04
Speaker
Andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems können natürlich auch den Schluckreflex verändern und damit eine Hypersalivation auslösen und natürlich auch Erkrankungen, jegliche Erkrankungen der Zunge.
00:24:16
Speaker
Ja, genau.
00:24:17
Speaker
Und bevor wir da einsetzen, nochmal eine kurze Zusammenfassung mit diesen schönen Wörtern.
00:24:22
Speaker
Also Mykotoxine wie Ergotalkaloides, Va-Insonin oder Slavramin können eine Hypersalivation auslösen.
00:24:30
Speaker
Die ausgelöste Hypersalivation kann schaumig oder rein serös sein.
00:24:35
Speaker
Ergotalkaloide lösen eher eine schaumige Hypersalivation aus.
00:24:41
Speaker
Zwa-Insonin und Slavramin, eine seröse und letzteres Mykotoxin, soll eine sehr starke Hypersalivation auslösen.
00:24:49
Speaker
Sie werden von Pilzen auf Pflanzen häufig bei Klee gebildet.
00:24:55
Speaker
Und schaut auf jeden Fall auf die Unterseite der Blätter.
00:25:03
Speaker
So, damit sind wir dann jetzt beim letzten Thema angekommen und wir möchten einmal kurz auf die Diagnostikmöglichkeiten der Zungeuntersuchung im Stall eingehen.

Diagnose von Zungenproblemen bei Pferden: Bildgebung und Fallstudien

00:25:13
Speaker
Natürlich steht am Anfang die allgemeine Untersuchung des Pferdes und die genaue Untersuchung des Kopfes, einschließlich der Kieferäste, wie Laura schon so deutlich ausgeführt hat.
00:25:23
Speaker
Und daraufhin die Untersuchung unter Sedation mit Maulgatter.
00:25:28
Speaker
Genau, damit können wir Zungenverletzungen und Tumore ganz gut erfassen.
00:25:32
Speaker
In manchen Fällen mit Hypersalivation und Schluckbeschwerden kann diese Untersuchung allerdings auch unauffällig sein.
00:25:38
Speaker
Genau, was machst du in den Fällen?
00:25:40
Speaker
In dem Fall würde ich erstmal ein Röntgenbild machen, auf jeden Fall in zwei Ebenen und idealerweise mit geöffnetem Maul, da metallische Fremdkörper in der Zunge nicht selten sind.
00:25:51
Speaker
Hast du nicht letztens irgendwas gesucht, um genau das zu verhindern?
00:25:55
Speaker
Den metallischen Fremdkörper in der Zunge?
00:25:59
Speaker
Ach genau.
00:26:01
Speaker
Mir ist heute...
00:26:04
Speaker
im hohen Bogen eine Kanüle ins Heu gefallen oder beziehungsweise ins Stroh.
00:26:09
Speaker
Und weil ich genau diesen Fall in einem der letzten Artikel für diesen Podcast nachgelesen hatte, nämlich dass ein Pferd eine Kanüle gefressen hatte, die einen großen Abszess in der Zunge verursacht hatte, war ich natürlich völlig panisch heute.
00:26:26
Speaker
Und die Kanüle musste daraufhin mit einem Detaildetektor gesucht werden.
00:26:31
Speaker
Wo haben die denn den Metalldetektor hergehabt?
00:26:34
Speaker
Ja, den hatten die da im Stadt.
00:26:37
Speaker
Wofür weiß ich nicht.
00:26:40
Speaker
Ich war jetzt mit einem Metalldetektor in meinem Auto, falls mir eine Kanüle runterfällt.
00:26:46
Speaker
Röntgen tun wir natürlich gerne alle, aber nicht jeder hat ein mobiles Röntgengerät dabei.
00:26:51
Speaker
Und ja, wir wissen auch, man kann das endoskopisch kontrollieren, aber auch nicht jeder hat ein Endoskop im Auto.
00:26:58
Speaker
Und ich sage mal ganz ehrlich, also mein flexibles Endoskop habe ich äußerst ungern in der Nähe von Zähnen.
00:27:06
Speaker
Aber...
00:27:07
Speaker
Wahrscheinlich fahren doch viele mit einem Ultraschallgerät im Auto.
00:27:12
Speaker
Und genau diese diagnostische Möglichkeit steht im Mittelpunkt des Fallberichts von Pelliat Alnig, wa?
00:27:18
Speaker
Genau, in dieser Veröffentlichung werden zwei Fälle mit Zungenabstessen beschrieben, welche durch Sonografie diagnostiziert wurden.
00:27:26
Speaker
Ich stelle mal einen davon hier vor.
00:27:28
Speaker
Der Wallach zeigte seit vier Wochen eine Futteraufnahmestörung,
00:27:33
Speaker
Kein Fieber und eine Schwellung der Zunge im kaudalen Bereich mit oberflächlicher Läsion.
00:27:39
Speaker
Die Röntgenuntersuchung war ohne Befund und die Symptome besserten sich zwar unter Antibiotika, NSAIDs und Kortikoiden, aber das Krankheitsbild blieb weiterhin bestehen.
00:27:51
Speaker
Und dann ging es weiter mit Bildgebung, oder?
00:27:54
Speaker
Genau.
00:27:54
Speaker
Im CT zeigte sich dann eine Umfangsvermehrung in der Zunge mit diffus erhöhter Weichteildichte und einer angedeuteten hyperdensen Kapfel.
00:28:04
Speaker
Und der Verdacht ging dann in Richtung Abszess oder Hämatom.
00:28:09
Speaker
Und man hat dann zunächst konservativ weiterbehandelt mit Rotlicht und NSAID.
00:28:13
Speaker
Aber in den folgenden fünf Tagen gab es keine klinische echte Verbesserung.
00:28:19
Speaker
Und dann haben die die Zunge mit dem Ultraschall untersucht, oder?
00:28:24
Speaker
Genau.
00:28:24
Speaker
Unter Sedation wurde zuerst Transkutan geschallt mit einer konvexen Sonde.
00:28:30
Speaker
Dabei war eine ovale hypoechogene Struktur erkennbar.
00:28:35
Speaker
Und anschließend erfolgte mit Maulgatter die orale Sonografie mit einer Linearsonde direkt auf der Zunge.
00:28:42
Speaker
Und da zeigte sich dann eine ovale Kaverne mit heterogen feinkörniger Struktur, mit einer anechogenen Flüssigkeitsansammlung, teils mit kleinen hyperechogenen Stippchen.
00:28:54
Speaker
Und das ist sehr typisch für einen Abszess, eventuell sogar mit einem Fremdkörper.
00:28:58
Speaker
Und wie wurde dann weiter vorgegangen?
00:29:00
Speaker
Was haben die dann gemacht?
00:29:01
Speaker
Ja, der Abszess wurde dann mit einem lang gebogenen Druckhaar punktiert und dabei gewann man gelblich-bräunliche Flüssigkeit und die wurde mikrobiologisch untersucht und Actinobacillus equuli nachgewiesen.
00:29:14
Speaker
Und wie haben die diesen tief liegenden Abszess dann gespalten?
00:29:19
Speaker
Für die chirurgische Versorgung erfolgte dann eine Injektionsnarkose, weil eine nasale Intubation durch die schwere Zungenproblematik tatsächlich nicht mehr möglich war.
00:29:29
Speaker
Und der Abszess wurde dann mit einem gebogenen Tenotom unter sonografischer Kontrolle eröffnet.
00:29:36
Speaker
Und mit verduntener Jodlösung gespült und anschließend austamponiert.
00:29:40
Speaker
Und wie war die postoperative Behandlung?
00:29:43
Speaker
Das Pferd hat dann für weitere fünf Tage eine systemische Antibiotikatherapie und NSAIDs erhalten und dazu noch einen oralen Magenschutz.
00:29:52
Speaker
Gefüttert wurde dann zunächst Heukops und Heu in kleinen Portionen aus der Hand.
00:29:57
Speaker
Und nach 21 Tagen konnte das Pferd dann mit normaler Heufütterung entlassen werden.

Erfahrungen mit Ultraschall bei Zungendiagnosen

00:30:05
Speaker
Da wir ja wussten, dass wir heute über Ultraschall der Zunge sprechen werden, haben wir einen Zahnpatienten einmal die Zunge per Ultraschall untersucht.
00:30:17
Speaker
Und wir haben zusammen per Zufall einen Patienten mit Schluckbeschwerden zusammen besucht und auch dort diese Ultraschalluntersuchung, sagen wir es ehrlich, einmal probiert.
00:30:28
Speaker
Genau, ja.
00:30:29
Speaker
Die orale Sonographie bei einem tief sedierten Pferd klappte ja ganz gut.
00:30:33
Speaker
Wir haben dafür ja deinen Gönnschallkopf genommen, also eine Linearsonde und auf 8 MHz eingestellt.
00:30:40
Speaker
Und da konnte man dann die Muskelfasern, die leicht wellenförmig verlaufen, recht gut darstellen und auch die Gefäße, aber die transkutane Sonographie.
00:30:51
Speaker
Ja, das finde ich auch.
00:30:52
Speaker
Also bei der Transkutan-Sonografie, da würde ich dann echt empfehlen, jemanden mitzunehmen, der die Region schon oft geschaltet hat, da ein entsprechendes Buch mitnehmen und viel Zeit, um das beurteilen zu können.
00:31:08
Speaker
Genau, die Region von Larynx-Bereich und Kaudaler Zunge gehen ineinander über und da hilft wirklich ein Buch oder eben auch entsprechend Übung.
00:31:20
Speaker
Aber man kann schon was erkennen.
00:31:21
Speaker
Man muss nur ein bisschen Anatomie wieder üben.
00:31:24
Speaker
Ja.

Zusammenfassung und Anekdoten

00:31:30
Speaker
Da einige von den HörerInnen zurückgemeldet haben, dass sie die Zusammenfassungen gut finden, wird jetzt noch einmal alles kurz zusammengefasst.
00:31:39
Speaker
Also Hypersalivation mit oralen Läsionen, mechanischer Grund, die Grannen.
00:31:46
Speaker
Viral, da sind mehrere Viren möglich.
00:31:50
Speaker
Und bei Verdacht zunächst erstmal eine elektronenmikroskopische Untersuchung, ob überhaupt Virenpartikel nachweisbar sind.
00:31:58
Speaker
Nachfragen, ob in der letzten Zeit NSRDs verabreicht worden sind.
00:32:03
Speaker
Toxine sind eher selten.
00:32:06
Speaker
Hypersalivation ohne Lesionen und ohne Schluckstörung.
00:32:10
Speaker
Da stehen die Mykotoxine gebildet von Pilzen, gerne auf Klee, aber auch auf Gras und Heu im Mittelpunkt.
00:32:20
Speaker
Aufnahme von bestimmten Pflanzen mit Thuja oder Liliengewächse oder Parasympathomimetika können natürlich auch dafür verantwortlich sein.
00:32:30
Speaker
Hypersalivation ohne Läsionen mit Schluckstörung, veränderter Schluckakt, da sind neurologische Ursachen einschließlich Botulismus und Tetanus möglich und natürlich eine Zungenproblematik.
00:32:46
Speaker
Da beinhaltet die Diagnostik, Klinik, Röntgen und wie wir heute gehört haben, auch der Ultraschall und natürlich die endoskopische Untersuchung und das CT.
00:32:57
Speaker
Ja, und wie immer, bevor wir beide jetzt noch ein bisschen virtuell quatschen, eine kurze Episode von Es läuft nicht immer alles rund.
00:33:05
Speaker
Ja, genau.
00:33:06
Speaker
Ich weiß nicht, ob euch das schon mal passiert ist.
00:33:08
Speaker
Also manchmal fahre ich auch mit Tieren vom Hof wieder weg und habe dann irgendwas im Auto.
00:33:14
Speaker
Und ich war auf einem Hof, da läuft alles rum.
00:33:17
Speaker
Hühner, Katzen, Hunde, Pferde.
00:33:20
Speaker
Und ich bin weggefahren und war noch auf dem Feldweg und es machte Rock.
00:33:24
Speaker
Und ich habe gedacht, kann ja nicht wahr sein, hast du Halluzinationen?
00:33:28
Speaker
Und es machte wieder Gurg.
00:33:29
Speaker
Wo kommt das denn her?
00:33:30
Speaker
Ich habe angehalten.
00:33:32
Speaker
Und dann war in meinem Hinterraum ein weißes Huhn.
00:33:36
Speaker
Nein, es hat kein Ei gelegt.
00:33:37
Speaker
Und es hat mir ein Segen auch keine anderen Hinterlassenschaften in meinem Auto gelassen.
00:33:42
Speaker
Ich war ein Segen auch noch nicht auf der Autobahn.
00:33:44
Speaker
Und ich bin dann zurückgefahren und habe den Gast dann doch wieder abgesetzt.
00:33:50
Speaker
Hast du auch schon mal Tiere mitgenommen?
00:33:51
Speaker
Ja, also Hühner...
00:33:53
Speaker
Sind wir noch nicht ins Auto gekommen.
00:33:55
Speaker
Aber gelegentlich habe ich versehentlich auch schon mal eine Katze mitgehört, die ich aber natürlich wieder zurückgebracht habe.
00:34:02
Speaker
Ja, Katzen hatte ich auch so.
00:34:04
Speaker
Dann sage ich mal tschüss, Laura.
00:34:06
Speaker
Bis zum nächsten Mal hoffentlich.
00:34:08
Speaker
Ja, sehr schön war es wieder.
00:34:09
Speaker
Bis zum nächsten Mal.
00:34:11
Speaker
Tschüss.
00:34:16
Speaker
Das war die vierte Folge von Equine Vet News.
00:34:18
Speaker
Wir hoffen, dass es euch gefallen hat.
00:34:20
Speaker
Wir freuen uns, wenn ihr auch in der nächsten Folge wieder reinhört.
00:34:23
Speaker
Wie immer findet ihr die Quellenangaben zu den Veröffentlichungen unter den Shownotes.
00:34:29
Speaker
Anregungen und Themenwünsche könnt ihr mir jederzeit an podcast.pferdepraxishofein.com zusenden.
00:34:35
Speaker
Wir wünschen euch ruhige Nächte und kooperative Patienten.
00:34:40
Speaker
Bis bald.