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Therapie der akuten Hufrehe mit Insulindysregulation

E8 · Equine Vet News
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357 Plays3 months ago

In dieser Folge des Podcast EquineVetNews zur hyperinsulinämischen Hufrehe steht die Behandlung der hyperinsulinämie-assoziierten Hufrehe-Erkrankung im Mittelpunkt. Ausgangspunkt ist das bereits diagnostizierte Pferd mit akuter Hufrehe und nachgewiesener Endokrinopathie. Dr. Anja Gabe und Dr. Carolin Wirth besprechen die drei wesentlichen therapeutischen Säulen: Analgesie und Entzündungshemmung, biomechanische Unterstützung des Hufes sowie die gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Endokrinopathie.

Ausführlich widmet sich die Folge der Therapie der zugrunde liegenden Endokrinopathie. Bei Pferden mit PPID wird der Einsatz von Pergolid eingeordnet. Bei Pferden mit Insulindysregulation liegt der Schwerpunkt zunächst auf dem Fütterungsmanagement.

Im letzten Abschnitt werden medikamentöse Therapieoptionen zur Senkung der Insulinkonzentration diskutiert. Dabei werden Metformin und Levothyroxin kritisch eingeordnet, bevor ausführlich auf die SGLT2-Inhibitoren eingegangen wird. Besprochen werden Wirkmechanismus, klinische Erfahrungen, mögliche Effekte auf Insulinkonzentration, Body Condition Score und Hufrehesymptomatik sowie die bekannten Risiken, insbesondere die Entwicklung einer Hypertriglyzeridämie. Abschließend werden mehrere aktuelle Studien zu Ertugliflozin, Velagliflozin und zur Wirkung von Pergolid auf die Insulindysregulation bei PPID vorgestellt und hinsichtlich ihrer praktischen Relevanz für die Pferdepraxis eingeordnet. Hier sind die vier in der Folge besprochenen Studien: 

Preliminary observations on the use of ertugliflozin in the management of hyperinsulinaemia and laminitis in 51 horses: A case series. Sundra et al. (2023) Equine Veterinary Education https://doi.org/10.1111/eve.13738; Oral sugar test responses to ertugliflozin in ten horses with insulin dysregulation. Sundra et al. (2024) Equine Veterinary Education https://doi.org/10.1111/eve.13924; Effects of the Sodium-Glucose Cotransporter-2 Inhibitor Velagliflozin on Insulin Concentrations in Horses With Insulin Dysregulation. Thane et al. (2025) Journal of Veterinary Internal Medicine https://doi.org/10.1111/jvim.70256; Effects of Pergolide on Insulin Dysregulation in Horses With and Without Pituitary Pars Intermedia Dysfunction. Gallinelli et al. (2025) Equine Veterinary Journal

Dosierung

Levothyroxin-Natrium: 48 mg/Pferd/Tag p.o.

Velagliflozin: 0,3 mg/kg p.o. einmal täglich

Ertugliflozin: 0,05 mg/kg p.o. einmal täglich

Transcript

Einleitung und akute Therapieansätze

00:00:03
Speaker
Dies ist der zweite Teil des Podcasts Equinvet News zur hyperinsulinämischen Hufrehe.
00:00:09
Speaker
Wir beschäftigen uns zunächst mit der Therapie der akuten hyperinsulinämischen Hufrehe und der Therapie der Insulindisregulation.
00:00:18
Speaker
Wir gehen genauer auf die SGLT2-Inhibitoren ein und besprechen am Ende drei Studien zu genau diesem Thema, die in den Jahren 2024 und 2025 veröffentlicht worden sind.
00:00:35
Speaker
Okay, jetzt haben wir unsere Hufrehe diagnostiziert und eine Endokrinopathie.

SGLT2-Inhibitoren und Studienübersicht

00:00:41
Speaker
Und jetzt wollen wir behandeln.
00:00:44
Speaker
Die Therapie umfasst drei Säulen, also Schmerzmittel und Entzündungshemmer, biomechanische Unterstützung des Hufes und natürlich die Ursache behandeln.
00:00:54
Speaker
Und wir gehen auch auf die Kryotherapie ein.
00:00:58
Speaker
Ich beginne immer erst mal, dass das Pferd in die Box kommt und jegliche Bewegung verboten ist.
00:01:06
Speaker
So viele Späne wie möglich eingestreut werden, damit das Pferd, meistens ja ein Pony, wie auf so einem Moosteppich läuft.
00:01:16
Speaker
Und ich stelle die Pferde eigentlich schon in der Regel sechs Wochen in die Box.
00:01:23
Speaker
Also auf jeden Fall versuche ich den Besitzern, das so nahe zu bringen, dass sie nicht zu früh anfangen, mit diesem akuten Rehepferd spazieren zu gehen.
00:01:34
Speaker
Weil meiner Erfahrung nach...
00:01:36
Speaker
ist es echt schlecht, wenn die zu früh anfangen, mit denen zu laufen.
00:01:41
Speaker
Ich kann da überhaupt keine Studien zitieren.
00:01:44
Speaker
Wie gesagt, meiner Erfahrung nach brauchen die meisten sechs Wochen.
00:01:48
Speaker
Bei mir ist es in die Boxstellen ja auch ein bisschen ein größeres Problem bei den Offenstellen.
00:01:52
Speaker
Das ist ja bei dir jetzt nicht so wirklich das Problem.
00:01:54
Speaker
Du kannst die ja dann einfach in deine Klinikbox packen und dann stehen die da.
00:02:00
Speaker
Genau, bei uns geht das ganz automatisch.
00:02:03
Speaker
Ja.

Schmerzmittel und biomechanische Unterstützung

00:02:05
Speaker
Nein, das geht nicht, Frau Doktor.
00:02:06
Speaker
Ja, ist ein bisschen schwierig manchmal.
00:02:09
Speaker
Wie sieht denn dein Management dann neben Bestellen das Pferd in die Box aus?
00:02:15
Speaker
Genau, Boxenruhe total wichtig.
00:02:17
Speaker
Finde ich, machst du sehr gut, dass du das so konsequent hältst.
00:02:21
Speaker
Bei uns erhalten die Hofrehe Pferde dann noch ein NSID.
00:02:25
Speaker
Meistens nehmen wir Phenylbutazone und die bekommen eine flache Unterstützung im hinteren Strahlbereich.
00:02:33
Speaker
Das fertigen wir mit so einem Knet-Silikon an.
00:02:35
Speaker
Das ist jetzt kein klassisches Hochstellen.
00:02:38
Speaker
Wir halten diese Keile also relativ flach.
00:02:39
Speaker
Es ist eher so eine Unterstützung.
00:02:41
Speaker
Was bei uns noch ein wichtiger oder eine der wichtigsten Therapiesäulen ist, ist die Kryotherapie.
00:02:48
Speaker
Das ist was, das ist aber wirklich aufwendig und ich denke daher leider der Klinik vorenthalten.
00:02:54
Speaker
Es gab experimentelle Studien mit entzündungsbedingten Hufrehen und da wurde nachgewiesen, dass die Kryotherapie, wenn sie vor dem Auslösen der Rehe begonnen wird, tatsächlich in der Lage ist, die Symptome und auch die Schäden der Lamellen signifikant zu verringern.
00:03:08
Speaker
Selbst wenn sie erst mit Beginn der klinischen Symptomatik begonnen wird, auch dann reduziert sie den Schweregrad.
00:03:14
Speaker
Das Problem ist, sie muss wirklich kontinuierlich erfolgen und zwar eigentlich bis mindestens 48 Stunden nach Beginn der Symptome.
00:03:22
Speaker
Wenn wir das machen, diese Kryotherapie, dann sieht das so aus.
00:03:25
Speaker
Wir nehmen einfach leere Infusionsbeutel, davon gibt es in der Klinik zuhauf,
00:03:30
Speaker
Die schneiden wir auf und da stellen wir die Hufe rein.
00:03:33
Speaker
In die Beutel kommt dann selbst hergestelltes Crushed-Eis und je nach Außentemperatur muss man das Eis alle ein bis zwei Stunden nachfüllen.
00:03:42
Speaker
Das ist also echt aufwendig.
00:03:44
Speaker
Unsere Tierarzthelfer stöhnen immer, je mehr Rehe und Pferde in der Klinik stehen.
00:03:50
Speaker
Wie würdest du das draußen machen?
00:03:52
Speaker
Machst du das überhaupt?
00:03:53
Speaker
Also wir müssen das ja unsere Besitzer machen, das ist echt schwierig, diese 48 Stunden zu halten.
00:03:57
Speaker
Also ich hatte eine Kundin, die hat aus so Plastiktischdecken Boots gebaut und dann war es dann so weit oben und ich habe bis jetzt mir noch kein Boot gekauft für diese Pferde.
00:04:12
Speaker
Also es ist wirklich schwierig.
00:04:14
Speaker
Also bei mir kommen die dann eben für Stunden mal rein oder ich mache einen Verband hoch und die gießen immer nach.
00:04:19
Speaker
Aber es ist sicher nie so ideal, wie es sein soll, dass die Pferde wirklich in diesem Eiswasser stehen.
00:04:26
Speaker
Das kriege ich leider in der Praxis echt schwierig hin.
00:04:29
Speaker
Das ist wirklich schwierig.
00:04:30
Speaker
Und es ist ja auch schwierig, wenn es erst kalt ist und dann warm wird.
00:04:34
Speaker
Das hat ja auch Effekte, negative im schlimmsten Fall.
00:04:37
Speaker
Und deshalb würde ich es dann, glaube ich, auch eher weglassen, wenn man es nicht gewährleisten kann.
00:04:41
Speaker
Ja, also ich gebe den dann ja auch für Nybutazon, sowohl für die Analgesie als auch als Entzündungshemmer.
00:04:48
Speaker
Und dazu ist gezeigt worden, dass der nicht selektive Cox-Hemmer, also wie Flonixin oder Fenybutazon, analgetisch besser wirkt als die selektiven Cox-2-Hemmer.
00:05:03
Speaker
Und die Vermutung ist, dass die
00:05:06
Speaker
diese Medikamente eine inhibitorische Wirkung auf die zentralen sensorischen Nerven haben und daher besser analgetisch wirken,
00:05:14
Speaker
Und ein spannender Studien-Fakt zu Phenobutation ist, die haben Phenobutation über neun Tage verabreicht, intravenös, Dosis von vier Milligramm pro Kilogramm.
00:05:27
Speaker
Und die verringerte die postprandiale Insulinreaktion.
00:05:32
Speaker
Das ist jetzt nur ein Hinweis, dass die Gabe von Phenobutation eventuell das Ergebnis des oralen Zuckertests verfälschen könnte.
00:05:40
Speaker
Da müsste man ein bisschen aufpassen.

Biomechanische Methoden zur Hufunterstützung

00:05:47
Speaker
Ich versuche natürlich auch eine Unterstützung der Sohle und den Strahl mit zum Tragen zu bringen.
00:05:52
Speaker
Ich verwende entweder Gips in Kombination mit Kars, also Celona-Gipsbinden, die modelliere ich dann so, dass die Strahlfurchen ausgefüllt werden.
00:06:01
Speaker
Der Strahl wird mit der Gipsbinde bedeckt, sodass also so eine Platte entsteht und vor der Strahlspitze alles schwebt.
00:06:07
Speaker
Und das fixiere ich dann mit einem Kars und
00:06:11
Speaker
Und der bleibt dann meistens sechs Wochen wirklich drauf.
00:06:14
Speaker
Es sei denn, ich denke, die Zehe ist sehr lang und der Schmied muss vorher kommen, die Zehe zu kürzen.
00:06:19
Speaker
Weil ich finde, dass das dann auch das Rehepferd komfortabler macht.
00:06:23
Speaker
Total.
00:06:24
Speaker
Wenn das Pferd auf der gesamten Sohlenfläche empfindlich ist oder...
00:06:30
Speaker
auf die Karsbinde, die wird sehr hart, nicht gut reagiert, dann nehme ich das weiche Luwax-Polster.
00:06:36
Speaker
Es gibt ein Hufreh-Polster von Luwax.
00:06:39
Speaker
Auch wieder Strahlspitze freilassen, also alles vor der Strahlspitze freilassen.
00:06:43
Speaker
Und da kommt dann auch nochmal ein Kars dazu.
00:06:47
Speaker
Ich stelle die nicht mehr hoch.
00:06:51
Speaker
Also ich mache das Plan und sage halt, okay, ich will alles zum Tragen bringen und den Tragrand zum Schweben bringen.
00:06:57
Speaker
Ich versuche sogar den Lateralen zu
00:07:00
Speaker
Tragkranz zum Schweben zu bringen, nicht nur die Dorsale-Wand.
00:07:03
Speaker
Jetzt stellen wir beide nicht so richtig hoch, bis gar nicht.
00:07:08
Speaker
Diese Trachtenerhöhung, ja, nein.
00:07:10
Speaker
Hast du dazu Studien gefunden?
00:07:12
Speaker
Also da habe ich jetzt echt gesucht.
00:07:15
Speaker
So, die Studien dazu haben erstmal ganz uneinheitliches Studiendesign und ganz unterschiedliche Ergebnisse.
00:07:23
Speaker
Und ich würde euch jetzt einfach nur die Ergebnisse richten und jeder muss für sich selber entscheiden, ob er jetzt die Trachte erhöht oder nicht, weil ich finde, da gibt es keine eindeutige Empfehlung.
00:07:37
Speaker
Also in einer Untersuchung war die Abrollphase verkürzt.
00:07:42
Speaker
Allerdings muss man sagen, in dieser Untersuchung war der ganze Hof eingegibst.
00:07:45
Speaker
Es war also nicht nur eine Trachtenerhöhung, wenn man sich die Bilder anschaut.
00:07:50
Speaker
In einer anderen wurde eine Zunahme der Kraft im Trachtenbereich und eine Abnahme im Hufspitzenbereich erzielt.
00:08:00
Speaker
Also das, was wir möchten.
00:08:02
Speaker
Eine weitere auch Verlagerung des Kraftzentrums nach Palma, aber gleichzeitig eine Steigerung der Krafteinwirkung auf die laterale Hufwand um 34 Prozent.
00:08:16
Speaker
Dann ist eine Studie gewesen,
00:08:20
Speaker
Da haben die Pferde im Beginn der Hufrehe untersucht und haben Kunststoffeisen angebracht, ohne Trachtenerhöhung, wo der Strahl dann in Volllast ging, also diese herzförmigen Eisen.
00:08:35
Speaker
Und da wurde das Bewegungsmuster der Pferde deutlich besser.
00:08:39
Speaker
Und dann gab es eine Studie mit einem biomechanischen Finite-Elemente-Modell.
00:08:45
Speaker
Bei dieser erzielte die Erhöhung des palmaren Winkels eine Steigerung der Krafteinwirkung auf die dorsalen Lamellen.
00:08:53
Speaker
Also das, was wir überhaupt nicht wollen.
00:08:57
Speaker
So, das waren die Ergebnisse, die ich gefunden habe.
00:09:00
Speaker
Man muss wissen, dass wenn man die Trachte erhöht,
00:09:05
Speaker
der Druck im Hufgelenk signifikant zunimmt.
00:09:09
Speaker
Die oberflächliche Beugesehne vermehrt belastet wird und eventuell auch der Fesselträger.
00:09:14
Speaker
Der wichtigste Punkt ist immer, das Pferd sollte auf keinen Fall schlechter laufen, nachdem wir einen Gips angelegt haben oder auch das Polster, sondern möglichst besser.
00:09:27
Speaker
So, jetzt...
00:09:33
Speaker
haben wir das alles gemacht.
00:09:34
Speaker
Wir haben Schmerzmittel gegeben, eventuell Kryotherapie.
00:09:37
Speaker
Und wir haben auch biomechanische Unterstützung gemacht.
00:09:42
Speaker
Jetzt sind die aber immer noch schmerzhaft.
00:09:44
Speaker
Caro, was ist dann euer nächster Schritt?
00:09:48
Speaker
Unser nächster Schritt ist dann eine Variante des multimodalen Therapie-Schemas.
00:09:53
Speaker
Da kommt der Patient bei uns an eine Dauertropfinfusion mit Lidokain, Ketamin und Butophanol.
00:10:00
Speaker
Zusätzlich zu dem NSAID.
00:10:03
Speaker
Ist jetzt natürlich wieder Klinikbedingung.
00:10:06
Speaker
Da ist das möglich.
00:10:07
Speaker
Was machst du?
00:10:08
Speaker
Du kannst ja keinen Dauertropf-Infusion am Stall machen.
00:10:10
Speaker
Nee, das mache ich nicht.
00:10:12
Speaker
Also zuerst einmal, es bringt nichts, die Dosierung der eingesetzten NSADs einfach zu erhöhen.
00:10:19
Speaker
Da im Hinblick auf die Analgesie von Phenylbutazon oder Flonixin ab einer bestimmten Dosis ein Plateau erreicht wird.
00:10:27
Speaker
Also bei einer Dosierung von 4,4 Milligramm pro Kilogramm Phenylbutazon im Vergleich zu 8 Milligramm pro Kilogramm wurde keine Verbesserung der Analgesie erzielt und auch bei der Verdopplung der Dosis von Flonixin wurde auch keine verbesserte Analgesie beobachtet.
00:10:49
Speaker
Somit verwende ich in diesen Fällen zusätzlich Acetaminophen, also Paracetamol, in einer Dosis von 30 mg pro kg oral.
00:11:00
Speaker
Und das zweimal täglich.
00:11:04
Speaker
Da muss man die Humantabletten verwenden und ich kann schon einen Tipp geben, also wenn die in die Apotheke gehen und so viel Paracetamol haben wollen, sagen die Apotheker auch was, also schreibt gleich ein Rezept, weil sonst kriegen die nicht so viele Tabletten.
00:11:17
Speaker
In einer Studie wurden diese über 21 Tage verabreicht und es zeigten sich keine Nebenwirkungen.

Therapien und deren Effektivität

00:11:26
Speaker
Jetzt wissen wir ja alle, es gibt ja noch weitere Behandlungsansätze, wie zum Beispiel der Adalas, Heparin oder Aspirin-Gabe.
00:11:35
Speaker
Verwendet ihr irgendetwas davon?
00:11:39
Speaker
Nein, davon wirklich gar nichts.
00:11:42
Speaker
Wir haben bei der hyperinsulinämischen Hufrehe gar keine Trommelbildung.
00:11:48
Speaker
Daher gibt der Einsatz von Heparin oder RASS einfach keinen Sinn.
00:11:52
Speaker
Und für den Adalas gibt es keine Evidenz.
00:11:56
Speaker
Ich sag mal, wenn man mal googelt und nach Adalas guckt, findet man viele spannende Dinge.
00:12:02
Speaker
Es gibt zum Beispiel an der Uni Heidelberg, die hat mal eine Ausstellung zum Thema Adalas.
00:12:07
Speaker
Es gibt auch eine Studie zur Wirkung von Adalas bei EMS-Patienten von der Berliner Charité.
00:12:13
Speaker
Und es gibt natürlich zahlreiche Heilpraktikerseiten, die die Blutreinigung postulieren.
00:12:20
Speaker
Aber für unsere Seite gibt es keine Evidenz und wir machen keine der genannten Dinge.
00:12:25
Speaker
wenn von mir wieder der Adalas gefordert wird.
00:12:30
Speaker
Es gibt interessanterweise schon eine Studie zur Wirkung von Heparin auf Hufrehe.
00:12:35
Speaker
Die haben die Hufrehe durch Oligofruktose ausgelöst, also eher die entzündungsbedingte Hufrehe.
00:12:43
Speaker
Gleichzeitig haben die Pferde niedrigmolekulares Heparin erhalten.
00:12:47
Speaker
Es war eine Kontrollpferde dabei,
00:12:50
Speaker
Und die haben das nicht erhalten, die Heparin.
00:12:52
Speaker
Und es zeigte sich kein Unterschied der Lahmheit zwischen den Gruppen.
00:12:55
Speaker
Ja, die haben jetzt keine histopathologischen Untersuchungen gemacht bei den Pferden.
00:13:00
Speaker
Aber immerhin die eine Gruppe behandelt mit Heparin, die andere nicht.
00:13:04
Speaker
Und es ergab keinen Unterschied des Lahmheitsgrades der Rehe.
00:13:09
Speaker
Ja, und noch dazu kommt ja, dass man eben das niedrig- oder niedermolekulare Heparin nehmen sollte.
00:13:15
Speaker
Und das ist auch gar nicht so günstig.
00:13:19
Speaker
Ich habe das früher auch verwendet, praktisch, wenn ich wusste, der hat irgendwie 10 Kilo Gerste gefressen, dann habe ich das auch verwendet, aber nach den Ergebnissen brauchen wir das glaube ich nicht.
00:13:31
Speaker
Da ist die Kryotherapie viel wichtiger.
00:13:34
Speaker
Auf jeden Fall.
00:13:37
Speaker
Jo, okay.
00:13:38
Speaker
Bevor wir jetzt zur Therapie der Insulindysregulation übergehen, gibt es wieder eine kleine Zusammenfassung.
00:13:45
Speaker
Bei einem akuten Rehschub wird auf jeden Fall energetisch und antiflogistisch mit Phenylbutazon oder Flonixin therapiert.
00:13:54
Speaker
Falls diese Analgesie nicht ausreicht, kann man in der Außenpraxis gut auf Acetaminophen zurückgreifen, also Paracetabol.
00:14:02
Speaker
Und in der Klinik kann man noch auf analgetische Infusionstherapie zurückgreifen.
00:14:07
Speaker
Zum Beispiel mit Ketamin, Lidocain, Butophanol.
00:14:11
Speaker
Es gibt auch Protokolle mit Morphin, wenn man das zur Verfügung stehen hat.
00:14:16
Speaker
Und die Kryotherapie ist extrem sinnvoll, muss allerdings bis auf Höhe des Fesselkorbs erfolgen und damit es überhaupt was bringt, über mindestens 48 Stunden durchgehend gemacht werden.
00:14:30
Speaker
Eine biomechanische Unterstützung ist wichtig, mit oder ohne Trachtenhochstellung, Zuhilfenahme des Hufschmiedes ist immer sinnvoll bei einer Hufrehe.
00:14:42
Speaker
Und man sollte gucken, dass man die Sohle zum Tragen kriegt, einschließlich des Strahls und die Zehe sollte immer schweben.
00:14:50
Speaker
Die Boxenruhe, die du schon genannt hast, versteht sich von selbst, würde ich jetzt mal sagen.
00:14:54
Speaker
Und die Dauer der Boxenruhe und der ganzen Therapie hängt einfach wirklich vom Krankheitsverlauf ab.
00:15:05
Speaker
Jetzt kommen wir zur Behandlung der Endokrinopathie.
00:15:07
Speaker
Wir gehen jetzt ganz kurz nur auf die Behandlung von PPID ein.
00:15:11
Speaker
Wir sind uns ja alle einig, diese Pferde erhalten Pergolit und die Dosis langsam schrittweise bis zum erwünschten Wert erhöhen.
00:15:21
Speaker
Für diejenigen, die noch nicht so lange in der Praxis unterwegs sind, weil so oft, fand ich es, tritt es nicht auf, manchmal können die Pferde deutlich schwitzen durch Pergolit
00:15:32
Speaker
Oder sogar ein ataktisches Bewegungsbild zeigen.

Management von Fütterung und Ernährung

00:15:36
Speaker
Und dann wird die Dosis erstmal reduziert.
00:15:40
Speaker
Wenn über die Behandlung von Insulindysregulation gesprochen wird, muss natürlich auf die Fütterung eingegangen werden.
00:15:47
Speaker
Da wir akut erkrankte Pferde haben, spielt Bewegung jetzt erstmal keine Rolle.
00:15:53
Speaker
Also auf die gehen wir nicht ein, auf das Management ein.
00:15:57
Speaker
Ja, ich stelle euch einmal unseren Beispielpatienten vor.
00:16:01
Speaker
Es handelt sich um eine adipöse Fjordstute im Alter von zwölf Jahren mit mittelgradiger akuter Rehersymptomatik.
00:16:11
Speaker
Jetzt ist meine Frage, wie möchtest du gerne die Fütterung gestalten?
00:16:15
Speaker
Und wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Besitzerin einfach alles tut, was du sagst.
00:16:22
Speaker
Du kannst es optimieren.
00:16:23
Speaker
Das ist ja super, das ist ja wie im Schlafen.
00:16:26
Speaker
Okay, also beim akuten Schub einer, wenn wir jetzt davon ausgehen, hyperinsulinämischen Hufre, wird natürlich erstmal jegliches Kraftfutter abgesetzt und das Pferd von der Weide genommen.
00:16:37
Speaker
Das ist, glaube ich, allen klar.
00:16:40
Speaker
Mein zweiter Schritt ist, du hast ja gesagt, ich darf machen, was ich möchte, da möchte ich gerne, dass die gefütterte Heumenge gewogen wird, um mal so eine erste Vorstellung zu bekommen, wie viel Heu dieses Pferd eigentlich jetzt erhält.
00:16:56
Speaker
Was ist denn für dich die angestrebte Heumenge in so einem Fall?
00:16:59
Speaker
Ja, deshalb wiegen.
00:17:00
Speaker
Also es kommt immer darauf an, wie viel hat denn diese Stute überhaupt erhalten, um so auszusehen.
00:17:05
Speaker
Weil sind wir ehrlich, bei einer Fjordstute viel Kraftfutter wird die nicht bekommen haben.
00:17:11
Speaker
So, und wenn die jetzt über 1,5 Kilogramm Heu pro Kilogramm Körpermasse erhalten hat, also das, was wir eigentlich möchten, aber wenn sie durchführen,
00:17:21
Speaker
Dann würde ich die Ration erstmal auf diese 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpermasse begrenzen.
00:17:28
Speaker
So, falls sie schon in Anführungsstrichen nur 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpermasse erhält...
00:17:38
Speaker
wäre dann eine Begrenzung auf 1,2 Kilogramm pro Kilogramm Körpermasse empfohlen, weil unsere Fjordstute ist ja jetzt auch adipös, soll also wirklich abnehmen.
00:17:53
Speaker
So, ich kann ja immer noch machen, was ich möchte, oder?
00:17:56
Speaker
Jetzt hätte ich gern eine Heuanalyse.
00:17:59
Speaker
Da wir wissen, Heu hat auch nicht strukturelle Kohlenhydrate und diese sollen ja in so geringem Maß wie möglich gefüttert werden.
00:18:09
Speaker
Und der angestrebte Wert in diesem Heu liegt eigentlich immer aber für Pferde mit Hufrehe oder der Prädisposition für Hufrehe bei unter 10%.
00:18:22
Speaker
Wo kriege ich so eine Information denn her, wie viel von diesen nicht trockteren Kohlenhydraten in meinem Heu sind?
00:18:28
Speaker
Und gibt es Angaben, wie hoch dieser Wert in Deutschland durchschnittlich ist, dass ich es vielleicht dann gar nicht erst analysieren lassen muss?
00:18:40
Speaker
Ich weiß nicht, ob es so einfach ist.
00:18:41
Speaker
Also du kannst auf jeden Fall die Analysen der LUFA einsehen.
00:18:46
Speaker
Und diese zeigen, dass seit dem Jahr 2022 Heu im Durchschnitt über 10% wasserlösliche Kohlenhydrate enthält.
00:18:55
Speaker
Und da ist auch eine echte Spanne.
00:18:56
Speaker
Deshalb wäre die Analyse nicht ganz unwichtig.
00:19:00
Speaker
Und somit wissen wir, okay, auch im Heu könnte der Wert höher sein als 10%, also das, was wir nicht wollen.
00:19:06
Speaker
Und jetzt besteht die Möglichkeit, diesen Prozentsatz zu
00:19:11
Speaker
durch das Wässern von Heu zu senken.
00:19:14
Speaker
Okay, und wenn das Heu jetzt gewässert wird, wie lange mache ich das?
00:19:18
Speaker
Und um wie viel Prozent kann ich überhaupt den Gehalt von diesen nicht strukturellen Kohlenhydraten reduzieren?
00:19:23
Speaker
Ja, also das hängt einmal von der Wassertemperatur ab, die du wählst, und auch von der Außentemperatur ab.
00:19:32
Speaker
Und in einer Studie, die fand ich ganz schön, wurde nachgewiesen, dass bei einer Außentemperatur von 8 Grad Celsius und einer Stunde im Wasser die Reduzierung bei 12 Prozent lag und bei drei Stunden aber nur bei 15 Prozent, also nur drei Prozent mehr.
00:19:49
Speaker
Und im Sommer bei einer Außentemperatur von 16 Grad, das ist ein bisschen strange im Sommer, es war aber eine englische Studie, war die Reduzierung innerhalb von einer Stunde 30 Prozent.
00:20:00
Speaker
Die drei Stunden im Wasser brachten da keine deutlich höhere Reduzierung.
00:20:07
Speaker
In einer anderen Untersuchung lag das vor über 16 Stunden im Winter bei 8 Grad Celsius im Wasser.
00:20:13
Speaker
Und da war eine Reduzierung um 28 erzielt worden und im Sommer bei 16 Grad Celsius, glaube ich wieder England, um 46 Prozent.
00:20:24
Speaker
Okay, wenn wir länger bei höheren Außentemperaturen einweichen, sinken die Werte also deutlicher.
00:20:29
Speaker
Jetzt haben wir natürlich hier im Sommer nicht 16, sondern vielleicht 25 bis 35 Grad.
00:20:35
Speaker
Wie sieht es denn dann mit der bakteriellen Belastung des Heu aus?
00:20:38
Speaker
Ja, es ist glaube ich wirklich der Knackpunkt an dem Ganzen.
00:20:40
Speaker
Also die Veränderung des bakteriellen Profils ist sehr stark vom Heu abhängig.
00:20:46
Speaker
Man kann das nicht ganz pauschalisieren, aber es wurde schon ein fünffacher Anstieg der CFU-Programm, also der koloniebildenden Einheitenprogramm, innerhalb von einer halben Stunde beschrieben.
00:20:59
Speaker
Somit wäre jetzt das Einweichen von einer Stunde einfach ein Kompromiss.
00:21:05
Speaker
Ja, wäre ich dabei.
00:21:08
Speaker
Okay, die Araufutteraufnahme, die wird ja deutlich reduziert.
00:21:11
Speaker
Das heißt ja auch unsere Fresszeiten.
00:21:14
Speaker
Kann man da so ein bisschen mit Stroh gegenwirken, uns das erleichtern?
00:21:19
Speaker
Wie viel Stroh darf so ein Fett fressen, Anja?
00:21:21
Speaker
Ja, also das ist eine einfache Antwort.
00:21:23
Speaker
Also 0,4 Kilogramm Stroh pro 100 Kilogramm Körpermasse kann man dazunehmen.
00:21:30
Speaker
Und wir reden ja immer von Fresspausen, die sollen so kurz wie möglich gehalten werden.
00:21:35
Speaker
Und bei mir, also es sind so zwei Tricks, auch wenn das jetzt für die Orthopädie des Halses nicht so toll ist.
00:21:41
Speaker
Zwei Heunetze ineinander ärgert die Pferde extrem und dann fressen die wirklich langsamer.
00:21:47
Speaker
Und was echt funktioniert ist, wenn man die Möglichkeit hat, das Heunetz mit Heu gefüllt von der Decke hängen zu lassen.
00:21:55
Speaker
Dann haben die auch echt was zu tun, weil das ist wirklich schwieriger, da das Heu rauszukriegen.
00:21:59
Speaker
Dann dauert es auch länger.
00:22:00
Speaker
Also das verlängert die Fresszeiten schon etwas, dass sie ein bisschen länger brauchen, das Heu wegzufressen.
00:22:06
Speaker
Okay, Heunetz von der Decke würde ich orthopädisch wirklich sehr bedenklich ansehen, aber... Ja, das glaube ich.
00:22:15
Speaker
Für und wieder.
00:22:16
Speaker
Das ist diskutabel, würde ich sagen.
00:22:19
Speaker
Ja, mögen die Öksebeten nicht so.
00:22:21
Speaker
Nee, auf gar keinen Fall.
00:22:22
Speaker
Würde ich mich fast auch nicht trauen.
00:22:24
Speaker
Okay, zurück zu den Fakten.
00:22:29
Speaker
Wir wissen ja, dass bei einer Reinheufütterung die Wahrscheinlichkeit groß ist, einfach zu wenig Eiweiß ins Pferd zu bekommen.
00:22:37
Speaker
Und die Eiweißwerte im Heu werden ja auch von Jahr zu Jahr geringer aufgrund der Umweltbedingungen.
00:22:43
Speaker
Das heißt, wir müssen eine Eiweißzulage geben.
00:22:45
Speaker
Was empfiehlst du da?
00:22:46
Speaker
Was sollte man nehmen?
00:22:48
Speaker
Also klar kann man jetzt irgendwie ein kommerzielles Eiweißprodukt kaufen lassen.
00:22:55
Speaker
Preiswerter ist natürlich 10 bis 20 Gramm Bierhefe pro 100 Kilogramm Pferd.
00:23:02
Speaker
Vorteil da ist, dass der Stärkegehalt in der Bierhefe gering ist.
00:23:06
Speaker
Also ich würde jetzt Bierhefe bei meinen Kunden empfehlen.
00:23:10
Speaker
Ja, Bierhefe finde ich auch gut, empfehle ich auch.
00:23:13
Speaker
Okay, also wir haben jetzt unsere dicke, hübsche Fjordstute mit 500 Kilogramm Körpergewicht.
00:23:21
Speaker
Die erhält 6 bis 7,5 Kilo Heu.
00:23:25
Speaker
Das Heu wird über eine Stunde gewässert und sie kriegt noch zwei Kilo Stroh zum Knabbern und 50 bis 100 Gramm Bierhefe.
00:23:34
Speaker
Ist das richtig so, der Futterplan?
00:23:36
Speaker
Habe ich noch irgendwas vergessen?
00:23:37
Speaker
Ja, also ich würde noch ein vitaminisiertes Mineralfutter empfehlen.
00:23:41
Speaker
Also das würde noch dazukommen und dann finde ich, das ist eine runde Geschichte.
00:23:47
Speaker
In zweierlei Hinsicht.
00:23:52
Speaker
Okay, wir kommen zurück zur Fjordstute.
00:23:55
Speaker
Meine Fjordstute wurde jetzt trotz Futterumstellung, trotz Rehegipsen, trotz Schmerztherapie zwar etwas besser, aber einfach nicht gut.
00:24:04
Speaker
Und es traten auch immer wieder akute Schübe, sprich neue Verschlechterungen auf von der Hufrehe.
00:24:11
Speaker
Daraufhin habe ich dann den basalen ACTH-Wert und auch den basalen Insulinwert bestimmt.
00:24:15
Speaker
Und ich muss sagen, beides war unauffällig.
00:24:17
Speaker
Die Stute blieb aber schmerzhaft, hatte geringeradig Pulsation, die Zange war positiv, sie hatte Wendeschmerz.
00:24:24
Speaker
Also wir kommen zu den Funktionstests.
00:24:26
Speaker
Ich habe einen THRH-Stimulationstest gemacht und auch einen oralen Zuckertest.
00:24:30
Speaker
Und beide waren auffällig.
00:24:32
Speaker
Also habe ich erst mal mit Pergolid-Gabe begonnen.
00:24:36
Speaker
Jetzt war die Frage, ob man die Insulindysregulation auch medikamentös behandeln kann.
00:24:45
Speaker
Und um die Insulinkonzentration im Blut zu senken, wurde bei Pferden angelehnt an die Humanmedizin Metformin

Medikamente zur Insulinregulation

00:24:53
Speaker
verabreicht.
00:24:53
Speaker
Dieses Metformin hat allerdings beim Pferd überhaupt keine gute Bioverfügbarkeit.
00:24:57
Speaker
Und die Ergebnisse im Hinblick auf die Wirkung auf das Insulin sind auch widersprüchlich.
00:25:03
Speaker
Ja, und jetzt haben wir ja noch, also es gibt ja Levothyroxin, das war auch im Gespräch.
00:25:08
Speaker
Das wird eigentlich zur Gewichtsreduzierung verwendet, aber es war dann auch mal die Frage aufgekommen, ob es den Insulinstoffwechsel beeinflussen kann, also bei diesen Pferden positiv dann.
00:25:21
Speaker
Und eine Gewichtsreduzierung wurde bei einer Dosis von 48 Milligramm bei einem 500 Kilogramm schweren Pferd in einem Versuch erzielt.
00:25:29
Speaker
Und zwar allerdings nach 16 Wochen 49 Kilo.
00:25:34
Speaker
Und in dieser Studie wurde auch die Insulinsensitivität verbessert.
00:25:39
Speaker
Jetzt muss man sagen, andere Studien beschreiben alle eine Gewichtsreduzierung.
00:25:44
Speaker
Also sind sie sich einig, aber im Hinblick auf die Beeinflussung des Insulinstoffwechsels sind die Ergebnisse schon widersprüchlich.
00:25:51
Speaker
Das ist nicht so einheitlich.
00:25:53
Speaker
Jetzt hatte ich einen Patienten, der eigentlich wenig Heu erhalten sollte, weil zu dick ist.
00:26:00
Speaker
In diesem Fall fing aber der kleine Moppel immer wieder an zu koliken.
00:26:03
Speaker
Und dann war halt die Überlegung, okay, können wir den Diäten lassen oder also eine Gewichtsreduktion über Levothyroxin erzielen?
00:26:10
Speaker
Und dann habe ich mal ausgerechnet, wie viel das kosten würde.
00:26:15
Speaker
Und also eine Woche Therapie läge bei 330 Euro und die mindestens benötigten drei Monate bei 3.900 Euro.
00:26:24
Speaker
Und du ahnst schon, wie es kommt.
00:26:26
Speaker
Also da hat die Besitzerin dann Abstand von genommen und hat gesagt, nee, das ist ja zu teuer, der bleibt ja zu dick.
00:26:33
Speaker
Den kriegen wir nicht schlanker.
00:26:34
Speaker
Aber dafür hat er keine Kollegen mehr.
00:26:36
Speaker
Kann man auch irgendwo verstehen.
00:26:39
Speaker
Ja.
00:26:39
Speaker
Ja.
00:26:40
Speaker
Gut, dann würde ich sagen, gehen wir jetzt zu den aktuellen Therapiemöglichkeiten über, die zur Senkung des Insulinwertes beitragen.
00:26:48
Speaker
Das heißt, wir kommen jetzt zu den sogenannten SGLT2-Inhibitoren.
00:26:53
Speaker
Anja, wie funktionieren die?
00:26:55
Speaker
Ja, also die kommen ja ursprünglich aus der Humanmedizin, da aus der Diabetes-Therapie.
00:26:59
Speaker
Und die SGLT2-Inhibitoren steigern die Glucose-Ausscheidung über den Urin.
00:27:06
Speaker
Und das ist ein bisschen spannend, weil Pferde mit Insulindysregulation gar keine Hyperglykämie aufweisen.
00:27:12
Speaker
Also sie zeigen die gar nicht.
00:27:14
Speaker
Aber diese Inhibitoren regulieren schon die Insulinkonzentration bei Pferden im Blut.
00:27:21
Speaker
Zu dieser Wirkstoffgruppe existieren bisher Fallserien, eine pharmakokinetische Studie und eine Untersuchung zur Wirkung auf postprandiale Insulinreaktionen, aber keine Studien zum langzeitigen Einsatz.
00:27:38
Speaker
Und welche Wirkungen wurden da noch beschrieben, außer jetzt die Reduzierung der Insulinkonzentration im Blut?
00:27:45
Speaker
Also zunächst einmal in den Fallserien wurden die SGLT2-Inhibitoren bei Pferden mit Hufrehe eingesetzt, welche zuvor über Futterveränderungen, da wurde auch Metformin versucht und auch Levothyroxin oder eben in Fällen von PPID Pergolit eingesetzt.
00:28:03
Speaker
Und diese Pferde zeigten keine Verbesserung der Hufrehe-Symptomatik und dann wurde sich entschieden, diese Inhibitoren zu verwenden.
00:28:12
Speaker
Gleichzeitig zeigten diese Pferde auch eine Hyperinsulinämie, das muss man auch noch dazu sagen.
00:28:17
Speaker
Und durch die Inhibitoren wurde eine Verringerung der Insulinkonzentration im Blut erzielt, wie schon gesagt.
00:28:24
Speaker
Dann auch ein Verlust von Fettpolstern und eine Verringerung des Body Condition Scores.
00:28:30
Speaker
Eine Gewichtsabnahme war sehr individuell, also sie wurde nicht bei allen Pferden erreicht und in zwei Fallserien.
00:28:38
Speaker
Mit Hufrehe-Symptomatik verbesserte sich diese deutlich und verschwand auch zum Teil ganz innerhalb von einer 30-tägigen Therapie.
00:28:48
Speaker
Dann wurde in einer weiteren Studie bei Ponys Velagliflozin eingesetzt.
00:28:55
Speaker
Und zwar erhielten diese Ponys mit Insulindysregulation hohe Kohlenhydratmenge über 18 Tage.
00:29:03
Speaker
Ein Teil der Ponys erhielt eben Velagliflozin und die anderen Ponys nicht.
00:29:09
Speaker
Und die Ponys, welche das Velaglyphozin erhalten hatten, entwickelten keine Resymptomatik im Gegensatz zu den Kontrollpferden ohne Therapie.
00:29:20
Speaker
Okay, das ist spannend.
00:29:21
Speaker
Also entsprechend dieser Untersuchung senken die SGLT2-Inhibitoren die Insulinkonzentrationen also schnell.
00:29:28
Speaker
Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Fettpolster weniger werden und ganz wichtig auch, dass die Hufrehe-Symptomatik besser wird.
00:29:36
Speaker
Gibt es denn auch Nebenwirkungen?
00:29:38
Speaker
Bestimmt, Anja, oder?
00:29:40
Speaker
Ja, und wir müssen auch zusätzlich betonen, diese Medikamente sind schon über Wochen angewendet worden, aber natürlich jetzt nicht über Jahre.
00:29:48
Speaker
Und auch nicht bei so vielen Patienten.
00:29:50
Speaker
Das muss man einfach mal voranstellen, wenn wir über Nebenwirkungen sprechen.
00:29:54
Speaker
Die festgestellten Nebenwirkungen sind vor allem die Hypertriglyceridermie.
00:29:58
Speaker
Die war am ausgeprägtensten in den ersten 14 Tagen, also vor allem in der zweiten Behandlungswoche.
00:30:05
Speaker
Bei vielen Pferden regulierte sich diese Pferde.
00:30:09
Speaker
Selten trat eine klinische Symptomatik passend zu diesen Blutwerten auf, also Lethargie, reduzierte Futteraufnahme.
00:30:17
Speaker
Das wurde noch nicht festgestellt.
00:30:21
Speaker
Daneben auch Erhöhungen der GLDH-Aktivität, aber auch ohne klinische Symptomatik.
00:30:28
Speaker
Jetzt ist zu beachten, dass
00:30:30
Speaker
dass wir auch Pferde mit Insulindesregulation haben, die zu dünn sind.
00:30:35
Speaker
Also die haben wir ja auch im Patientengut.
00:30:37
Speaker
Und man muss wissen, wenn dieses Medikament eingesetzt wird, dass über den Urin eine Glucosemenge von 0,8 Kilogramm pro Tag verloren geht.
00:30:46
Speaker
Das ist annähernd die Menge von Glucose, die ein Pferd über Tag verwendet.
00:30:51
Speaker
übers Heu aufnimmt.
00:30:51
Speaker
Das ist schon nicht wenig.
00:30:56
Speaker
Also bei den Patienten sehr aufpassen mit der Medikation.
00:31:00
Speaker
Was ich mir theoretisch auch vorstellen könnte, dass die durch diese Glucosorie, die ja dann auch zu einer Poliorie führt, zwangsläufig auch einen Volumenverlust
00:31:12
Speaker
Wenn auch nicht scheinbar klinisch relevant, aber einen Volumenverlust kriegen, der dann vielleicht ein Risiko für die Niere darstellt.
00:31:19
Speaker
Gerade wenn wir gleichzeitig NSAIDs verabreichen, was ja fast immer der Fall ist.
00:31:23
Speaker
Also würde ich auf jeden Fall zu diesen regelmäßigen Kontrollen neben GLDH auch Kreatinin kontrollieren.
00:31:31
Speaker
Ja, also somit ist schon wichtig, vor Beginn der Therapie die Triglyceride zu kontrollieren, die Konzentrationen, Kreatininwert, die Aktivitäten der GGT und der GLDH.
00:31:44
Speaker
Und falls man sich für eine längerfristige Therapie entscheidet, das auch in regelmäßigen Abständen mal kontrollieren.
00:31:52
Speaker
Und gibt es überhaupt in Deutschland SGLT2-Inhibitoren, die wir hier...
00:31:57
Speaker
verfügbar haben, wo es auch Ergebnisse zugibt, was die Anwendung beim Pferd betrifft?
00:32:03
Speaker
Also bisher wurden ja Fallserien zu Canagliflozin, Velagliflozin und Ertogliflozin veröffentlicht.
00:32:11
Speaker
Von diesen ist Canagliflozin in Deutschland gar nicht lieferbar.
00:32:15
Speaker
Das Velagliflozin ist für Katzen in Deutschland zugelassen.
00:32:18
Speaker
Und das Ertogliflozin, das sind Tabletten für Menschen, die sind in Deutschland erhältlich.
00:32:25
Speaker
Und teuer oder bezahlbar?
00:32:29
Speaker
Ich erzähle es jetzt einfach.
00:32:30
Speaker
Also wenn wir das Katzenprodukt verwenden würden, was wir ja arzneimittelrechtlich machen müssen,
00:32:38
Speaker
würde bei Velagliflozin mit der entsprechenden Dosis einen 500 Kilo für 10 Milliliter des Produkts mit 15 Milligramm pro Milliliter erhalten müssen.
00:32:49
Speaker
Bei einem Listenpreis, also das ist der Preis für uns, von 138 Euro für drei Tage.
00:32:56
Speaker
Also es würde 138 Euro Listenpreis für drei Tage sein.
00:32:59
Speaker
Das lasse ich jetzt einfach mal so da stehen.
00:33:03
Speaker
So, in der Tablettenform, in der Humanmedizin, da gibt es 15 bzw.
00:33:07
Speaker
15 Milligramm Tabletten in einer 98er Tablettenpackung, welche 128 Euro kostet.
00:33:14
Speaker
So, und bei der Dosis von 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpermasse, also 25 Milligramm pro Tag, wären die Kosten 6 Euro, wenn ich mich nicht verrechnet habe.
00:33:26
Speaker
Das bleibt jetzt so stehen.
00:33:27
Speaker
Alles klar, nehmen wir so hin.
00:33:31
Speaker
Nehmen wir sie hin.
00:33:33
Speaker
Verwendest du die SGLT2-Nipeton schon, Anja?
00:33:38
Speaker
Ja, also ich mache das schon.
00:33:39
Speaker
Ich habe im akuten Rehschub, wenn die Diät nicht funktioniert hat oder die Insulinwerte sehr, sehr hoch sind, dann verwende ich das.
00:33:49
Speaker
Ich versuche...
00:33:52
Speaker
schon mich wieder auszuschleichen, um zu schauen, ob ich die Therapie beenden kann, wenn halt die Diät lange genug da war und die Pferde gut abgenommen haben.
00:34:03
Speaker
Ich sage es ganz ehrlich, ich habe beides schon erlebt, ich konnte schon absetzen, aber ich habe auch schon versucht auszuschleichen und der
00:34:09
Speaker
Insulinwert schoss wieder hoch.
00:34:11
Speaker
Dann habe ich zwei Pferde, die immer wieder einen Hufrehe-Schub entwickelten.
00:34:15
Speaker
Beide mit PPID, beide jetzt mit einer Insulindysregulation.
00:34:19
Speaker
Die stehen im Moment noch unter Dauertherapie ohne erneuten Schub.
00:34:24
Speaker
Ich sage aber auch, bei meinen Pferden stiegen die Triglyceride nicht so stark an.
00:34:30
Speaker
Und da ist im Moment noch alles gut.
00:34:32
Speaker
Und ich glaube, die sind jetzt ein halbes Jahr in Therapie.
00:34:40
Speaker
Okay, fasse ich noch einmal zusammen.
00:34:43
Speaker
Zusammenfassung macht Spaß, finde ich.
00:34:45
Speaker
Also, SGLT2-Inhibitoren steigern die Glucoseausscheidung über den Urin.
00:34:52
Speaker
Nachfolgend senken sie somit die Insulinkonzentration im Blut.
00:34:56
Speaker
Gleichzeitig können sie auch das Gewicht und den Body Condition Score reduzieren und sie wirken sich positiv auf die Heilung der Hufrehe aus.
00:35:05
Speaker
Allerdings, jetzt kommt das große Aber, es fehlen noch Informationen zu Langzeitfolgen und es gibt auch keine Studien mit großen Populationen.
00:35:15
Speaker
Was auch ganz wichtig ist, vor und 14 Tage nach der Therapie Triglyceride zu kontrollieren.
00:35:21
Speaker
Und im weiteren Verlauf auch immer wieder regelmäßig Blut abnehmen und eben die Triglyceride, genauso wie Creatine und GLDH, auch am Anfang mit testen.
00:35:32
Speaker
Und die Besitzer sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass wenn Symptome einer Hypertriglyceridemie, also Lethargie, verringerte Futteraufnahme, wenn die auftreten, dass die sofort anrufen, Bescheid sagen und dass man es dann absetzt.
00:35:45
Speaker
Also wahrscheinlich hilft es uns ungemein bei der Rehe.
00:35:47
Speaker
Also ich habe den Eindruck schon, aber ein bisschen aufpassen müssen wir schon bei der Therapie mit dem Medikament.
00:35:54
Speaker
Aber hat Potenzial.
00:35:55
Speaker
Da kommt noch was, glaube ich.
00:35:56
Speaker
Definitiv.
00:35:57
Speaker
Vielleicht ist ja auch alles gut bei den Langzeitstudien dann und wir können es wirklich regelmäßig geben.
00:36:02
Speaker
Wir werden es sehen.
00:36:07
Speaker
Wir haben wie immer aktuelle Studien zu diesem Thema uns genauer angeschaut und einmal zu den Auswirkungen der Erd-Toglifluzine-Gabe auf die postprandiale Insulinreaktion von Sundra et al.

Studien zu Ertogliflozin und Velagliflozin

00:36:20
Speaker
aus dem Jahr 2024 veröffentlicht im Equal Veterinary Education.
00:36:25
Speaker
Und mit Aufnehmen tun wir Ergebnisse ihrer Fallserie zu 51 Pferden, die mit Ertoglyphozin behandelt worden waren.
00:36:35
Speaker
Dann gehen wir ein auf eine doppelt verblindete, randomisierte, placebo-kontrollierte Untersuchung zu Velaglyphozin aus dem Jahr 2025, veröffentlicht im Journal of Veterinary Internal Medicine.
00:36:47
Speaker
Und zu guter Letzt zur Auswirkung der Pergolit-Gabe auf die Insulindösregulation von Gallinelli et al.
00:36:55
Speaker
aus dem Jahr 2025 veröffentlicht im Equine Veterinary Journal.
00:37:01
Speaker
Ja, wollen wir mit der Ertugliflozin-Studie einfach beginnen?
00:37:04
Speaker
Ja, gerne.
00:37:05
Speaker
Also, Sundar et al.
00:37:07
Speaker
hat im Jahr 2023 eine Fallserie zur Therapie mit Ertugliflozin veröffentlicht.
00:37:14
Speaker
Und mit der Fallserie würde ich ganz gerne beginnen.
00:37:18
Speaker
Wie viele Pferde wurden da behandelt mit dem Ertuglefluzin und warum überhaupt?
00:37:22
Speaker
Also es wurden 51 Pferde behandelt.
00:37:24
Speaker
Diese hatten Hufberehe-bedingte Lahmheit und eine basale Hyperinsulinermie.
00:37:30
Speaker
Und zwar trotz mindestens sechs Wochen Diät und Managementoptimierung.
00:37:34
Speaker
Bevor Ertoglifluzin verabreicht wurde, erfolgte eine klinische Untersuchung, Einteilung der Symptome entsprechend des Obelgrad.
00:37:43
Speaker
Das Gewicht wurde mit einem Maßband geschätzt und Nacken, Bauch und Brustumfang gemessen und Blutproben genommen.
00:37:49
Speaker
Und welche Parameter haben die aus den Blutproben dann analysiert?
00:37:53
Speaker
Ja, die, die wir schon genannt haben.
00:37:54
Speaker
Also Insulin, Triglyceride, Leberenzyme und Kreatinin.
00:37:58
Speaker
Das alles vor Beginn der Therapie und nach 30 Tagen.
00:38:02
Speaker
Eine Untergruppe wurde bis zu 240 Tagen weiterverfolgt und es wurde auch der Glucoseverdemorie bestimmt.
00:38:10
Speaker
Und gab es Ergebnisse?
00:38:11
Speaker
Ja, der mediane Isulinwert fiel von über 300 auf 43 Mikroeinheiten pro Milliliter.
00:38:19
Speaker
Doch bei acht Pferden verblieb die Insulinkonzentration erhöht.
00:38:24
Speaker
Die Autoren vermuten, dass bei diesen Tieren der SGLT1-Rezeptor hochgereguliert war.
00:38:30
Speaker
Wir geben ja SGLT2-Inhibitoren.
00:38:34
Speaker
Und wenn der SGLT1-Rezeptor hochreguliert ist, kann so die Glucosereabsorption in der Niere kompensiert werden.
00:38:44
Speaker
Und daher vermuten die das nicht bei allen Pferden.
00:38:47
Speaker
Der Insulinwert so gut abfiel, wie sie da wollten.
00:38:52
Speaker
Und was hat die Lahmheit gezeigt?
00:38:54
Speaker
Gab es da Veränderungen?
00:38:58
Speaker
Ja, sehr beeindruckend.
00:38:59
Speaker
Der mediane Obelgrad sank von 10 auf 1.
00:39:03
Speaker
Die Besitzer beobachteten eine Verbesserung nach schon sieben Tagen.
00:39:06
Speaker
Und bei Pferden, die Phenylbutation erhalten hatten, konnte dieses nach sieben bis 14 Tagen abgesetzt werden.
00:39:14
Speaker
Auch das Gewicht und die Werte der morphometrischen Messungen sanken.
00:39:18
Speaker
Allerdings war das sehr individuell.
00:39:21
Speaker
Also zum Beispiel die Gewichtsreduktion variierte zwischen zwei Kilo und 72 Kilo.
00:39:27
Speaker
Zwei Kilo kann auch ein Äpfelhaufen sein.
00:39:33
Speaker
Ja, das ist nicht so ganz so viel.
00:39:36
Speaker
Okay, trat eine Nebenwirkung auf?
00:39:39
Speaker
Klinisch nicht wirklich.
00:39:40
Speaker
Bei zehn Pferden wurde eine Polyurie bzw.
00:39:43
Speaker
Polydipsie beobachtet, aber ohne Anzeichen eines zu hohen Volumenverlusts.
00:39:49
Speaker
Kurzfristig wurde ein Anstieg der GGT-Aktivität bei 11 Pferden an Tag 30 festgestellt.
00:39:55
Speaker
Diese sank im weiteren Verlauf unabhängig, ob mit oder ohne Ertoglyphlozin-Gabe.
00:40:02
Speaker
Die Creatinin-Werte blieben alle in der Norm.
00:40:05
Speaker
Wie erwartet, stiegen bei 88% der Pferde die Triglyceride an.
00:40:11
Speaker
Und bei Nachkontrollen an Tag 60 wurde dies immer noch bei 62% der Pferde festgestellt.
00:40:17
Speaker
Aber klinische Symptome entsprechend einer Hypertriglyceridermie wurden nicht beobachtet.
00:40:23
Speaker
Das klingt dann ja in der Summe eigentlich erstmal richtig gut.
00:40:27
Speaker
Aber es gibt bestimmt ein Aber, oder?
00:40:30
Speaker
Na klar, gibt es immer.
00:40:33
Speaker
Also keine Kontrollgruppe, retrospektiv, heterogene Tiere, teils Pergolit, teils Phenylbutazone, Komedikation.
00:40:42
Speaker
Also kann jetzt ohne Kontrollgruppe natürlich nicht sicher gesagt werden, ob die Pferde nicht sowieso über die Zeit besser geworden wären.
00:40:51
Speaker
Das ist auf jeden Fall ein großes Aber, würde ich sagen.
00:40:55
Speaker
Trotzdem spannende Ergebnisse.
00:41:01
Speaker
Und jetzt die zweite Studie.
00:41:03
Speaker
Da sollten ja die Auswirkungen von Ertogliflozin auf die postprandiale Insulinreaktion überprüft werden.
00:41:10
Speaker
Wie war die?
00:41:12
Speaker
Ja genau, also wir wissen ja jetzt, Ertogliflozin hat bei diesen 51 Pferden die Insulinwerte reduziert und die Klinik verbessert.
00:41:20
Speaker
Jetzt stellte sich die Frage, wie schnell wirkt Ertogliflozin denn?
00:41:25
Speaker
Und so wurde überprüft, inwieweit sich die postprandiale Insulinreaktion nach Zuckergabe durch diesen SGLT2-Inhibitor verändert.
00:41:34
Speaker
Wie war die Studie aufgebaut?
00:41:36
Speaker
Die Studienpopulation umfasste zehn Pferde mit vorberichtlich Hufrehe und Insulindysregulation, diagnostiziert über unseren oralen Zuckertest mit dem CARO Light Syrup.
00:41:49
Speaker
Daraufhin wurde Ertogliflozin in einer Dosis von 0,05 mg pro kg oral einmal täglich vormittags verabreicht.
00:41:58
Speaker
Am vierten Therapietag wurde der orale Zuckertest wiederholt und neben Insulin, Glucose auch die Konzentration von Triglycerin, Creatinin und die Aktivitäten von GGT und GLDH bestimmt.
00:42:11
Speaker
Und was kam dabei raus?
00:42:13
Speaker
Also wir hatten zu allen drei Zeitpunkten des oralen Zuckertest.
00:42:17
Speaker
Wir nehmen ja...
00:42:18
Speaker
Die haben drei Proben genommen.
00:42:20
Speaker
Bei allen drei Zeitpunkten konnte eine signifikante Reduzierung der Insulinkonzentration festgestellt werden nach dieser viertägigen Therapie.
00:42:31
Speaker
Der nüchtern Insulinwert fiel von medial 22 auf unter 5.
00:42:37
Speaker
Der T60-Wert halbierte sich ungefähr und der T90-Wert auch.
00:42:43
Speaker
Vor Behandlung hatten fünf der zehn Pferde ein erhöhtes basales Insulin, also einen erhöhten basalen Insulinwert.
00:42:51
Speaker
Nach vier Tagen konnte das bei keinem Pferd mehr nachvollzogen werden.
00:42:56
Speaker
Aber diese postbraniale Reaktion, die normalisierte sich nicht bei allen Pferden, oder?
00:43:01
Speaker
Ja, richtig.
00:43:02
Speaker
Also zum Zeitpunkt 60 und 90 Minuten nach Zuckergabe wiesen schon noch sechs Pferde immer noch eine zu starke Insulinreaktion auf.
00:43:12
Speaker
Und was war mit der Larmheit in dieser Studie?
00:43:16
Speaker
Da war jetzt kein signifikanter Effekt nach vier Tagen.
00:43:19
Speaker
Aber das wäre jetzt auch sehr schnell und bei diesem Krankheitsbild nicht wirklich zu erwarten, dass das so schnell geht.
00:43:26
Speaker
Auf jeden Fall.
00:43:27
Speaker
Was mich noch interessiert, definitiv die Triglyceride.
00:43:29
Speaker
Wie waren die nach vier Tagen?
00:43:32
Speaker
Ja, auch die.
00:43:32
Speaker
Anstieg bereits nach vier Tagen nachweisbar.
00:43:35
Speaker
Bei fünf Pferden stieg die Konzentration oberhalb des Normwertes.
00:43:42
Speaker
Also wieder hoch, ja.
00:43:43
Speaker
Gibt es eine Erklärung für diesen frühen Triglyceridanstieg?
00:43:47
Speaker
Wir kommen jetzt schon wieder mit Nerdywissen.
00:43:49
Speaker
Also die plausibelste Erklärung ist so.
00:43:53
Speaker
Der Insulinwert fällt ab.
00:43:55
Speaker
Dann wird kompensatorisch Glucagon sezerniert aus den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse.
00:44:01
Speaker
Und Glucagon stimuliert die Lipolyse und die Fettsäure-Mobilisierung.
00:44:06
Speaker
Ergebnis, Triglyceride steigen an.
00:44:09
Speaker
Witzig ist, beim Menschen ist es genau umgekehrt.
00:44:11
Speaker
Da sinken die Triglyceride unter SGLT2-Hemmung.
00:44:16
Speaker
Aber die haben ja auch eine Hyperglykämie, was die Pferde nicht haben.
00:44:18
Speaker
Also da ist schon ein Unterschied zwischen Mensch und Pferd.
00:44:22
Speaker
Auf jeden Fall.
00:44:24
Speaker
Und Leberparameter, Creatinin, gab es da auch Veränderungen?
00:44:29
Speaker
Ja, GLDH stieg bei einem Pferd an und der GGT-Wert auch.
00:44:35
Speaker
Das war schon signifikant zwischen dem Tag 0 und dem Tag 4, wurde festgestellt.
00:44:40
Speaker
Und was nimmst du mit für die Praxis, Anja?
00:44:42
Speaker
Also schon, wie wir gesagt haben, Ertoglyphazin ist in der Lage, die basale Insulinkonzentration zu verringern und auch die postprandiale Insulinreaktion allerdings nicht bei allen Pferden.
00:44:57
Speaker
Wenn wir jetzt die beiden Studien zusammenfassen, ist Ertogliflozin eine Therapiealternative zur Senkung der Insulinwerte und auch für die Senkung der Insulinreaktion nach Zuckergabe?
00:45:10
Speaker
Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass die Hufrehe-Symptome bei Pferden, bei welchen schon alles vorher ausprobiert wurde, besser werden oder ganz verschwinden.
00:45:20
Speaker
In beiden Studien stiegen die Konzentration der Triglyceride sehr schnell und in manchen Fällen deutlich, allerdings verrückterweise immer ohne entsprechende Klinik bis jetzt.
00:45:32
Speaker
Was fehlt uns denn jetzt noch für wirklich eine fundierte Empfehlung?
00:45:35
Speaker
Okay, also, da haben wir noch einiges.
00:45:37
Speaker
Wieder keine randomisierte, kontrollierte Studie, geringe Pferdeanzahl, keine pharmakokinetischen Daten bisher.
00:45:44
Speaker
Also, wie lange wirkt dieser Wirkstoff eigentlich?
00:45:47
Speaker
Wie lange ist der aktiv?
00:45:49
Speaker
Keine Langzeitergebnisse.
00:45:51
Speaker
Aber für mich bleibt es in manchen Fällen mit rezidivierender Hufrehe und in den akuten Fällen, welche man wirklich in den Griff kriegt, mit Insulindysregulation definitiv eine Therapiealternative.
00:46:05
Speaker
Würde ich zustimmen, auf jeden Fall.
00:46:11
Speaker
Du hast jetzt noch eine Studie zu Velaglyphlozin herausgesucht.
00:46:15
Speaker
Was war bei dieser Studie die Intention?
00:46:16
Speaker
Wodach haben die geguckt?
00:46:19
Speaker
Velagliflozin, mein Gott, das Wort, das erhole ich jetzt echt oft, ist auch ein SGLT2-Inhibitor, wie wir wissen, der bei Pferden mit Insulindesregulation den Insulinspiegel senkt.
00:46:30
Speaker
Das ist schon untersucht worden.
00:46:32
Speaker
Und gab es dazu auch schon Vorarbeiten beim Pferd?
00:46:36
Speaker
Ja, ja.
00:46:37
Speaker
Also die Studie haben wir schon erwähnt.
00:46:39
Speaker
Velaglifozin verringerte eben bei Pferden mit Insulindysregulation die postprandiale Insulinreaktion und in einer placebo-kontrollierten Studie entwickelten Ponys unter Therapie im Gegensatz zu den Kontrollpferden.
00:46:53
Speaker
Ohne Therapie keine Hufrehe nach Aufnahme hoher Mengen von Kohlenhydraten.
00:46:58
Speaker
Und jetzt sollte ein doppelt verblindeter, randomisierter, placebo-kontrollierter Versuch durchgeführt werden.
00:47:07
Speaker
Das klingt schon mal vielversprechend.
00:47:09
Speaker
Wie genau sah dann dieses Studiendesign aus?
00:47:11
Speaker
Okay, also 40 Wochen, zwei Phasen.
00:47:15
Speaker
Wie gesagt, eine Doppelblindstudie, Placebo kontrolliert.
00:47:17
Speaker
In der Phase 1, 20 Wochen, bekamen Pferde der Gruppe A Velagliflozin in einer Dosierung 0,3 Milligramm pro Tag einmal täglich und die Gruppe B das Placebo.
00:47:30
Speaker
Phase 2, alle Pferde, Velagliflozin.
00:47:33
Speaker
Insgesamt waren es 37 Pferde mit bestätigter Insulindysregulation per oralem Zuckertest.
00:47:41
Speaker
Diese Pferde wiesen nicht nur veränderte Blutergebnisse auch, sondern auch klinische Symptome wie regionale bzw.
00:47:49
Speaker
generalisierte Adipositas und vorberichtlich Hufrehe.
00:47:54
Speaker
Die wurden regelmäßig untersucht in dem Studienzeitraum und es wurden dann auch regelmäßig Blutproben genommen, klinisch untersucht, Beurteilung der Lahmheit erfolgte, das Body Condition Score und auch der Fetcam Score.
00:48:07
Speaker
Und neben den Insulinwerten wurde regelmäßig Glucose, Triglycerine, Creatinin, Aktivitäten der SDAH, der GLDH und der GGT bestimmt.
00:48:17
Speaker
Also eine richtig schön ausführliche Studie.
00:48:21
Speaker
Was kam denn da jetzt bei raus?
00:48:23
Speaker
Hat Velaglyphlozin die Insulinspiegel gesenkt?
00:48:26
Speaker
Ja, sehr deutlich.
00:48:27
Speaker
Also der mediane Insulinwert lag vor Beginn der Medikamentengabe bei durchschnittlich 191 Mikroeinheiten pro Milliliter.
00:48:35
Speaker
Und in der Phase 1 lag der mediane Ruheinsulinwert in der Behandlungsgruppe bei 71 und in der Placebogruppe bei 157.
00:48:45
Speaker
Das war dann ein signifikanter Unterschied.
00:48:49
Speaker
Und die Placebogruppe wurde ja dann in der zweiten Phase auch auf Velagliflozin umgestellt.
00:48:56
Speaker
Und dann sank bei diesen Tieren auch der Insulinwert deutlich auf 50 Mikrointernationale Einheiten pro Milliliter.
00:49:05
Speaker
Und hat sich beim Body Condition Score was verändert?
00:49:08
Speaker
Hätte sich meine Fjordstute gefreut?
00:49:11
Speaker
Ja, hätte sie.
00:49:13
Speaker
Also, jetzt nicht riesig, aber der Body Condition Score sank Median um einen Punkt stärker als in der Placebo-Gruppe.
00:49:21
Speaker
Die Autoren gehen davon aus, dass das auf den Energieverlusten über die Glucosorie bedingt war.
00:49:29
Speaker
Der Kampffett-Score unterschied sich nicht aufgrund der Therapie, also da änderte sich nichts.
00:49:35
Speaker
Und was war mit der Larmheit?
00:49:36
Speaker
Wurde die besser?
00:49:37
Speaker
Ja.
00:49:38
Speaker
Ja, bei den beiden Gruppen.
00:49:39
Speaker
Also das war nicht unterschiedlich.
00:49:41
Speaker
Kein signifikanter Unterschied zwischen der Behandlungsgruppe und der Placebogruppe, aber generell verbessert.
00:49:47
Speaker
Okay, und was war mit den Nebenwirkungen?
00:49:49
Speaker
Da brauchst du so ein bisschen drauf.
00:49:51
Speaker
Ja, ja.
00:49:52
Speaker
Ja, das ist der kritische Punkt.
00:49:53
Speaker
Also fast alle Pferde zeigten einen raschen Triglyceridanstieg kurz nach Behandlungsstunden.
00:49:59
Speaker
Der Peak lag in Woche 2.
00:50:02
Speaker
Acht Pferde überschritten die Grenze von 1000 mg pro Deziliter und wurden aus der Studie genommen.
00:50:08
Speaker
Das Gute nach Absätzen normalisierten sich die Werte innerhalb von ein bis drei Wochen.
00:50:14
Speaker
Und ich weiß, das ist für dich als Klinikerin echt unfassbar.
00:50:19
Speaker
Klinische Anzeichen einer Hyperlipidemie, also wie Inherpetenz und Appetit, wurde bei keinem Pferd beobachtet.
00:50:28
Speaker
Ja, das ist echt spannend.
00:50:30
Speaker
Finde ich verrückt.
00:50:32
Speaker
Klinisch dumme Hypertriglyceridemie mit Werten von 1000 Milligramm pro Deziliter.
00:50:38
Speaker
Das ist echt hoch.
00:50:40
Speaker
Ja, also wenn ich ein Fett damit hätte, würde ich panisch werden.
00:50:42
Speaker
Ich auch.
00:50:43
Speaker
100 Prozent.
00:50:44
Speaker
Ja, und die haben nichts gezeigt.
00:50:46
Speaker
Also es ist schon faszinierend.
00:50:48
Speaker
Ist spannend.
00:50:50
Speaker
Was waren jetzt denn hier die Hauptlimitationen?
00:50:52
Speaker
Hier gibt es doch schon auch welche, oder?
00:50:54
Speaker
Du fragst da immer nach.
00:50:56
Speaker
Also die Pferde waren im Heimatstall, also keine Standardisierung im Hinblick auf Fütterung und Bewegung und es war keine Crossover-Studie.
00:51:04
Speaker
Und es wurden nur die Basalinsulinkonzentrationen untersucht und keine weiteren Parameter der Insulindisregulation bestimmt.
00:51:14
Speaker
Okay, gut, wir können festhalten, gute Wirkung auf die Insulinkonzentration, eine knackige Hypothrilezeridemie, welche auf jeden Fall ernst genommen werden sollte, auch wenn die asymptomatisch ist, aber 1000 Milligramm pro Deziliter.
00:51:29
Speaker
Ja, das bleibt dabei, da bin ich echt gespannt, was da rauskommt.
00:51:32
Speaker
Also wie das weitergeht, dass wir diesen Wert haben, weil ich denke, dass wir dieses Medikament ganz sicher vermehrt ansetzen werden.
00:51:44
Speaker
Okay Caro, jetzt bist du dran.
00:51:46
Speaker
Du hast dir eine Studie zur Pergolitwirkung auf die Insulindysregulation bei Pferden alleinig mit PPID und bei Pferden mit PPID und Insulindysregulation genauer angeschaut.

Pergolid und Insulindysregulation

00:51:59
Speaker
Genau, wir gehen jetzt einmal kurz weg von den SGLT2-Diode.
00:52:05
Speaker
bei Galinelli et al.
00:52:06
Speaker
Da wurde untersucht, ob Pergolit, also unser alltägliches PPID-Medikament, ob das auch die Insulindysregulation verbessert.
00:52:15
Speaker
Ja, wir diagnostizieren diese beiden Erkrankungen, also PPID und Insulindysregulation, ja oft und auch gerne in Kombination.
00:52:24
Speaker
Und das ist ja klar, kann Pergolit die Insulindysregulation verbessern?
00:52:29
Speaker
Und wie war das Studiendesign bei der Studie?
00:52:32
Speaker
Also bei der Studie handelte es sich um eine randomisierte Crossover-Studie.
00:52:37
Speaker
Es waren 16 Pferde und Ponys, die wurden in zwei Gruppen aufgeteilt.
00:52:41
Speaker
Einmal gab es die Gruppe PPID plus Insulindysregulation und eine Gruppe, die nur eine Insulindysregulation aufwies, ohne an PPID erkrankt zu sein.
00:52:52
Speaker
Und alle Tiere bekamen entweder vier Wochen Pergolit, zwei Mikrogramm pro Kilogramm einmal täglich oder gar nichts.
00:53:00
Speaker
Und in dieser Phase dazwischen gab es vier Wochen Washout.
00:53:05
Speaker
Dann wurden zwei Tests gemacht.
00:53:07
Speaker
Einmal der C-Git für die Gewebensinsulinresistenz und auch noch der sogenannte Standard-Mahlzeiten-Test.
00:53:15
Speaker
So wird er benannt mit einer stärkereichen Fütterung für diese postbraniale Insulinantwort.
00:53:22
Speaker
Hm, okay.
00:53:24
Speaker
Und wurden die Ergebnisse des C-Gits, also der Test für die Insulinsensitivität durch Pergolid verändert?
00:53:31
Speaker
Kurze Antwort für den C-Git, nein.
00:53:35
Speaker
Pergolid hatte keinen Effekt auf die Gewebsinsulinresistenz und das auch in keiner der Beingruppen.
00:53:41
Speaker
Und beim Mahlzeitentest, war da was unterschiedlich zwischen den Gruppen?
00:53:44
Speaker
Da wird es jetzt interessant.
00:53:46
Speaker
In der PPID-Plus-Insulin-Dysregulation-Gruppe hatte Pergoli die postpraniale Insulinantwort sogar signifikant gesenkt.
00:53:55
Speaker
Bei der Gruppe mit den Fähren, die nur eine Insulin-Dysregulation hatten, gab es allerdings keinen Effekt.
00:54:02
Speaker
Okay, also der dritte Effekt nur auf, wenn PPID und Insulin-Dysregulation vorliegt.
00:54:10
Speaker
Haben die Autoren einen Erklärungsansatz dafür gegeben?
00:54:13
Speaker
Ja, es gibt ein paar plausible Erklärungen, die in der Diskussion aufgeführt wurden.
00:54:18
Speaker
Erstens, es gibt tatsächlich die zwei Rezeptoren auf den Äquen-Pankreas-Zellen.
00:54:23
Speaker
Das haben Gallinelli et al.
00:54:25
Speaker
selbst in einer Vorbeit von 2024 gezeigt.
00:54:29
Speaker
Zweiter Punkt war, bei PPID produziert die Pars Intermedia massenhaft PUMC-Peptide, die wiederum ihrerseits die Insulinsekretion stimulieren können.
00:54:40
Speaker
Pergolit bremst diese Hypersekretion.
00:54:43
Speaker
Und der dritte Punkt war, dass es Hinweise gibt aus anderen Spezies, dass es einen sogenannten Antikretineffekt vom Dopamin, also eine Hemmung der inkretinvermittelnden Insulinantwort gibt.
00:54:57
Speaker
Sehr schön.
00:54:57
Speaker
Drei Mechanismen, alle plausibel, keine bewiesen.
00:55:02
Speaker
Willkommen in der Pferdemedizin.
00:55:04
Speaker
Jetzt kann ich mal nach den Limitationen fragen.
00:55:07
Speaker
Limitation?
00:55:09
Speaker
Die üblichen Verdächtigen.
00:55:11
Speaker
Kleine Tierzahl, heterogene Gruppe und nur vier Wochen Behandlung und auch nur während einer Saison.
00:55:23
Speaker
Also Anja, was Schlussfolgern wir aus diesen Studien?
00:55:27
Speaker
Also wir haben jetzt alle Funktionstests gemacht.
00:55:30
Speaker
Wir wissen, das Pferd hat PPID und Insulindesregulation und Hufrehe.
00:55:37
Speaker
Dann therapieren wir die akute Hufrehe einschließlich Diät und ich würde Pergolid geben.

Behandlungspläne und Schlussfolgerungen

00:55:44
Speaker
Wenn sich das klinische Bild nicht kontinuierlich bessert oder schlechter wird, wäre mein nächster Schritt,
00:55:52
Speaker
weil wir haben ja jetzt erfahren, dass Pergolid die Insulindysregulation beeinflusst unsere Werte und verbessert, dann würde ich eben mal schauen mit einem erneuten oralen Zuckertest, wie stark ist denn die Insulindysregulation noch und wenn die Klinik wirklich es erforderlich macht, würde ich wirklich den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren überdenken.
00:56:18
Speaker
Okay.
00:56:19
Speaker
Und verwenden wahrscheinlich.
00:56:21
Speaker
Das andere Szenario ist mein Pferd mit akuter Hufrehe, Insulindysregulation und Adipositas.
00:56:30
Speaker
Hier haben wir auch alle Funktionstests gemacht, die uns eben das gezeigt haben.
00:56:35
Speaker
Hier therapiere ich erstmal die akute Hofrehe einschließlich einer strengen Diät.
00:56:41
Speaker
Wenn dann diese Maßnahmen innerhalb von vier bis sechs Wochen keine Besserung erzielen oder sogar eine Verschlechterung, dann würde auch ich nach Kontrolle von Leberwerten, Creatinin und Triglyceriden den Einsatz von den SGLT2-Nibitoren überlegen.
00:56:57
Speaker
Ja, würde ich drüber nachdenken.
00:57:00
Speaker
Okay, alle zum gleichen Schluss gekommen.
00:57:04
Speaker
Okay, wir haben jetzt echt sehr ausführlich über die Hyperinsulinermännische Hufrehe gesprochen und sind am Ende angekommen.
00:57:10
Speaker
Das war bestimmt wieder unfassbar lang.
00:57:12
Speaker
Ich hoffe, es war euch allen nicht zu lang, aber es ist einfach ein sehr großes Thema und wir haben viele Informationen zusammengetragen, die wir meinten wirklich wichtig sind.
00:57:23
Speaker
Und ich muss mich bei Caro bedanken.
00:57:25
Speaker
Es ist immer eine Freude, mit dir einen Podcast zu machen.
00:57:27
Speaker
Es ist einfach toll.
00:57:29
Speaker
So toll.
00:57:31
Speaker
Das freut mich richtig, Anja.
00:57:32
Speaker
Ich finde es auch mega cool.
00:57:34
Speaker
Es war jetzt das zweite Mal.
00:57:35
Speaker
Fühlt sich aber schon an, als hätten wir es mehr als zweimal gemacht zusammen.
00:57:40
Speaker
Zum Abschluss, zum Durchatmen und Lachen, immer die Rubrik, es läuft nicht immer alles

Humorvolle Anekdote zum Schluss

00:57:46
Speaker
rund.
00:57:46
Speaker
Und heute wieder mit Anja.
00:57:49
Speaker
Also okay, die Geschichte läuft nicht so ganz rund, ist ja immer bei mir.
00:57:53
Speaker
Da war ich noch angestellt, da war ich gar nicht selbstständig und hatte Dienst und bin mit meinem Auto durch die Gegend gefahren, musste tanken.
00:58:02
Speaker
Diesel, und was mache ich?
00:58:04
Speaker
Tanke.
00:58:05
Speaker
Super, mein Diesel.
00:58:07
Speaker
Und der einzige Glückspunkt war, dass ich weiß, okay, das geht nicht.
00:58:10
Speaker
Und dann, naja, so Tierärztin, man kann ja irgendwie alles regeln.
00:58:15
Speaker
Dann habe ich also versucht, mit der Nasenschlundsonde dieses Benzin da wieder rauszusaugen.
00:58:19
Speaker
Also Leute, das geht echt nicht.
00:58:21
Speaker
Die Sonne ist auch im Eimer.
00:58:23
Speaker
Also ADAC angerufen, Praxisfahrt beendet, Kollegin Bescheid gegeben zu sagen, ich könnte heute nicht mehr Praxis fahren, ich müsste jetzt erstmal das Benzin aus meinem Diesel rauskriegen.
00:58:36
Speaker
Ist wahrscheinlich jeden Mal passiert, aber ich glaube, wir Tiertze, dass wir dann die Sonde nehmen und versuchen, dieses Benzin daraus zu suppeln, ist vielleicht nicht, ist dann schon speziell.
00:58:46
Speaker
Das ist ja speziell.
00:58:48
Speaker
Könnte man mal drüber nachdenken.
00:58:51
Speaker
Es geht auch nicht.
00:58:51
Speaker
Es funktioniert wirklich überhaupt nicht.
00:58:54
Speaker
Und die Sonde ist so eklig.
00:58:56
Speaker
Die benutzt du nie wieder.
00:58:59
Speaker
Ja, das war meine Rubrik.
00:59:00
Speaker
Es läuft gut.
00:59:01
Speaker
Nicht immer so rund, wie man das gerne möchte.
00:59:03
Speaker
Und in dem Chaos greift man manchmal an der Zapfsäule falsch.
00:59:06
Speaker
Das passiert mir allerdings jetzt auch nie wieder.
00:59:08
Speaker
Das glaube ich.
00:59:09
Speaker
Ja, dann, Caro.
00:59:10
Speaker
Sehr schön, Anja.
00:59:15
Speaker
Ich würde sagen, bis zum nächsten Mal.
00:59:18
Speaker
Bis zum nächsten Mal.
00:59:19
Speaker
Tschüss.