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Pathophysiologie und Diagnostik der hyperinsulinämischen Hufrehe

E7 · Equine Vet News
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400 Plays3 months ago

Die hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe-Erkrankung ist heute die häufigste Form der Hufrehe beim Pferd. In dieser Folge des Podcasts Equine Vet News widmen sich Dr. Anja Gabe und Dr. Carolin Wirth den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Pathophysiologie, klinischem Erscheinungsbild und Diagnostik dieser Erkrankung. Diese Folge wurde unterstützt von Biocontrol Ingelheim. 

Zu Beginn wird erläutert, welche Ursachen einer Hufrehe zugrunde liegen können. Im Mittelpunkt stehen dabei das equine metabolische Syndrom (EMS) mit Insulindysregulation sowie die Dysfunktion der Pars intermedia der Hypophyse (PPID). Anhand experimenteller Studien wird diskutiert, welche Rolle Insulin bei der Entstehung der Erkrankung spielt und wie erhöhte Insulinkonzentrationen strukturelle Veränderungen der Lamellen verursachen können.

Ein weiterer Abschnitt der Folge befasst sich mit den klinischen Symptomen der Hufrehe und deren oft sehr variablem Erscheinungsbild. Ergänzend wird die radiologische Diagnostik erläutert, einschließlich der wichtigsten Messparameter wie Rotation des Hufbeins, Sohlendicke und Hufbeinsenkung sowie deren Aussagekraft für Diagnose und Prognose.

Im zweiten Teil der Folge steht die Diagnostik der Insulindysregulation im Vordergrund. Besprochen werden die Bestimmung des basalen Insulinwertes, praktische Aspekte der Probenentnahme und Präanalytik sowie mögliche Einflussfaktoren wie Transportstress. Darüber hinaus wird der orale Zucker – bzw. Glukosetest vorgestellt, mit denen eine postprandiale Hyperinsulinämie nachgewiesen werden kann.

Oraler Zuckertest (OST) - Nachweis einer postprandialen Hyperinsulinämie

1. Pferd sollte 6–8 h kein Kraftfutter, keine Möhren, Äpfel oder Leckerlis erhalten haben

2. Blutprobe zur Basalbestimmung des Insulins

3. 0,45 ml/kg KGW Karo® Light Corn Syrup oral verabreichen

4. zweite Blutprobe nach 60 oder 90 Minuten

Ergebnis:  post-prandiale Hyperinsulinämie bei 85µIU/mL (RIA) oder >63 μIU/mL (Immulite 2000 xpi) 

Oraler Glukosetest (OGT) - Nachweis einer postprandialen Hyperinsulinämie

1. Pferd über Nacht nüchtern

2. Basale Blutprobe

3. 1 g Glukose/kg KGW als 20 %ige Lösung über Nasenschlundsonde

4. Blutprobe nach etwa 120 Minuten

5. Beurteilung der Insulinantwort auf definierte Glukosebelastung

6. Keine α₂-Agonisten (v. a. Xylazin) verwenden, da sie den Insulinwert beeinflussen können

Ergbenis: Cut-off Wert  110 µLU/mL nach 120 min 

Aufbereitung der Blutprobe für die Insulinbestimmung

1. Blutprobennahme

2. Probe stehen lassen – Blutgerinnnung

3. Abzentrifugation idealerweiser innerhalb 4h (Laborangabe)

4. Abzentrifugation auch möglich nach 3 Tagen (Veröffentlichung)

5. Serum oder Heparinplasma- in die Kühlung

6. Möglichst gefroren versenden

Transcript

Einführung und Vorstellung der Sponsoren

00:00:03
Speaker
Dieser Podcast wurde unterstützt von Biocontrol, dem veterinärmedizinischen Routine- und Speziallabor mit 40 Jahren Erfahrung.

Veränderung der Präsentation von Hufrehe

00:00:16
Speaker
Vielen von uns ist ja schon aufgefallen, dass der klassische Hufrehe-Patient heute nicht mehr so ist wie früher.
00:00:23
Speaker
Ich finde ja, dass die Krankheit sich wirklich von hinten anschleicht und nicht plötzlich da ist und das Pferd kann gar nicht mehr laufen.
00:00:31
Speaker
In solchen Fällen handelt es sich fast annähernd immer um eine hyperinsulinämische Hufrehe.
00:00:37
Speaker
Und diese ist das Thema der heutigen Folge des Podcasts Equal Vet News.

Vorstellung des Gastes Dr. Carolin Wirth

00:00:42
Speaker
Wir wollen euch auf den neuesten wissenschaftlichen Stand im Hinblick auf diese Erkrankung bringen und haben wie immer ein paar aktuelle Studien uns genauer angeschaut.
00:00:52
Speaker
Und ich freue mich, dass heute Dr. Carolin Wirth wieder dabei ist, wie schon bei der letzten Folge über Lunge.
00:00:59
Speaker
Sie arbeitet seit 2016 in der Pferdeklinik Hochmoor als Oberärztin mit den Tätigkeitsschwerpunkten Innere Medizin und Kolikchirurgie.
00:01:09
Speaker
Hallo Caro!
00:01:10
Speaker
Ja, hi Anja.
00:01:11
Speaker
Ich freue mich wieder dabei zu sein und bin sehr gespannt auf dieses Thema.
00:01:17
Speaker
Heute darf ich dich mal vorstellen.
00:01:19
Speaker
Du bist Dr. Anja Gabe, Fachdärztin für Pferde und seit 25 Jahren in der Pferdepraxis und auch in Kliniken unterwegs.
00:01:27
Speaker
Anja erstellt seit 25 Jahren Kurzreviews für die Pferdeheilkunde und ist seit 15 Jahren verantwortlich für die Auswahl von englischsprachigen und deutschsprachigen Artikeln.

Ziele des Podcasts und Vorstellung der Gastgeberin

00:01:36
Speaker
Und seit September 2025 produziert sie diesen tollen Podcast, um wissenschaftliche Erkenntnisse, die für die Pferdepraxis von Bedeutung sind, einfach mal kompakt und praxisnah für alle verständlich zu machen.
00:01:48
Speaker
Vielen Dank für diese Einführung und ich muss sagen, es macht mir einen unfassbaren Spaß, diesen Podcast zu machen.
00:01:55
Speaker
Und dann fangen wir mal mit dem Thema an.
00:01:58
Speaker
Ich weiß, es nervt ein bisschen, wenn so mit Definitionen begonnen wird.
00:02:03
Speaker
Ich finde nur bei der Hufrege über eine Definition zu reden, ist gar nicht so unwichtig.

Entzündung und Lamellen-Schwächung bei Hyperinsulinämie

00:02:10
Speaker
Die Hufrege gilt ja als aseptische Entzündung der Huflederhaut.
00:02:15
Speaker
Bei der hyperinsulinämischen Hufrehe finde ich die Betonung auf das Wort Entzündung etwas fehlleitend.
00:02:22
Speaker
Da ja zwar Entzündungsmediatoren nachgewiesen wurden, ja, aber keine Entzündungszellen.
00:02:31
Speaker
Und das Erkrankungsbild der hyperinsulinämischen Hufrehe steht eigentlich in engem Zusammenhang mit einer Funktionsstörung und einer strukturellen Schädigung der lamellären Verbindung zwischen Hufbein und Hufwand.
00:02:48
Speaker
Und der Schwächung dieser Lamellen, das steht eher im Mittelpunkt als die Entzündung.
00:02:55
Speaker
Ja, würde ich spontan auch echt so mitgehen.
00:02:59
Speaker
Und vor allem, weil unser Thema ja heute eben die hyperinsulinämische Hufrehe ist.
00:03:04
Speaker
Wir wissen, es gibt drei Ursachen für Hufrehe.
00:03:07
Speaker
Eben die genannte hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe.
00:03:11
Speaker
Dann natürlich die systemische Entzündungsreaktion durch eine Grunderkrankung wie Pneumonie oder Colitis beispielsweise und die Überlastung.

Ursachen und Prävalenz von Hufrehe

00:03:20
Speaker
Und entsprechend einer Studie zur Prävalenz weisen tatsächlich 89 Prozent der betroffenen Pferde eine endokrinopathisch bedingte, also Hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe auf.
00:03:30
Speaker
Ganz schön viel, finde ich.
00:03:32
Speaker
Ja, die meisten wissen ja wahrscheinlich, worauf wir jetzt hinaus wollen, also auf welche Krankheitsbilder.
00:03:38
Speaker
Caro, welche Endokrinopathien lösen denn eine Hufrehe aus?
00:03:43
Speaker
Da haben wir einmal das Äquine-metabolische Syndrom, einhergehend mit einer Insulindysregulation und natürlich die Dysfunktion der Pars Intermedia, der Hypophyse, also PPID abgekürzt.
00:03:56
Speaker
Wobei die Auslösung der Hufrehe ja eigentlich bei diesen Erkrankungen immer im Zusammenhang mit Insulin steht.
00:04:04
Speaker
Und es konnte nachgewiesen werden, dass durch die intravenöse Gabe von Insulin innerhalb von 48 oder 72 Stunden bei gesunden Pferden eine Hufrehe ausgelöst wird.
00:04:16
Speaker
Das ist echt beeindruckend.
00:04:18
Speaker
Und dass Insulin die direkte Ursache für Hufrehe ist, konnte tatsächlich auch durch Ex-Vivo-Studien nachgewiesen werden.
00:04:25
Speaker
Bei denen wurden Gewebeblöcke bestehend aus Hufbend, Lamellengewebe und Hufbein entnommen und acht Stunden entweder alleinig oder mit Zusatz von Insulin inkubiert.
00:04:34
Speaker
Und dann wurden da diesem Gewebe Zugkräfte ausgesetzt.
00:04:39
Speaker
Und was ist dann passiert?
00:04:41
Speaker
Ja, tatsächlich die Gewebeblöcke, die mit Insulin inkubiert worden waren, die versagten deutlich früher als die, die nicht mit Insulin inkubiert wurden.
00:04:50
Speaker
Und die Autoren, die interpretieren das so in der Art, dass durch das Insulin die Lamellenstruktur geschwächt wurde und das eben schon nach acht Stunden.
00:04:59
Speaker
Und die histologischen Untersuchungen, die die noch gemacht haben, zeigte, dass sich die epidermale-dermale Verbindung im Bereich der Basalmembran trennte.
00:05:08
Speaker
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum schwächt denn dieses Insulin die Lamellen?
00:05:12
Speaker
Das ist eine gute Frage und die kurze Antwort ist, wir haben keine Ahnung, wir wissen es nicht.
00:05:18
Speaker
Es werden immer wieder unterschiedliche Theorien aufgestellt, Untersuchungen dazu gemacht, aber im Endeffekt hat noch keiner wirklich nachweisen können, warum Insulin in der Lage ist, die Huflamellen so zu schwächen.

Endokrinopathien und ihre Rolle bei Hufrehe

00:05:32
Speaker
Ja.
00:05:33
Speaker
Dann halten wir einfach grundsätzlich mal fest, Insulin löst Veränderungen der Lamellen aus, warum und wie auch immer, und kann zu Ufrehe führen.
00:05:43
Speaker
Jetzt stellt sich die Frage, warum entwickeln Pferde eine Insulindysregulation?
00:05:48
Speaker
Hast du da eine Antwort drauf?
00:05:50
Speaker
Also okay, wir landen jetzt beim Äquinenmetabolischen Syndrom.
00:05:54
Speaker
Das ist charakterisiert durch eine Insulindysregulation.
00:05:58
Speaker
Das ist das charakteristische Kernmerkmal für dieses Äquinenmetabolische Syndrom.
00:06:04
Speaker
Und die bedingt das erhöhte Risiko für eine Hufrehe.
00:06:08
Speaker
Und natürlich existieren auch andere Merkmale, wie zum Beispiel regionale oder generalisierte Adipositas oder Hypertriglyceridermie.
00:06:19
Speaker
Diese müssen aber gar nicht alle erkennbar sein und es ist auch möglich, dass ein Pferd eine Insulindysregulation hat und dünn ist.
00:06:27
Speaker
Jetzt haben wir immer wieder über Insulindysregulation gesprochen.
00:06:31
Speaker
Caro, was ist das denn eigentlich?
00:06:35
Speaker
Also bei der Insulindysregulation, da treten Störungen im Gleichgewicht von Insulin und Glucose im Serum bzw.
00:06:42
Speaker
Plasma auf.
00:06:44
Speaker
Und davon gibt es verschiedene Kombinationen von dieser Hyperinsulinämie.
00:06:49
Speaker
Es gibt Dysregulationen.
00:06:50
Speaker
Diese als basale Hyperinsulinämie, ohne dass vorher eine Zuckerzufuhr stattgefunden hat.
00:06:55
Speaker
Dann gibt es die, die nach dem Fressen oder nach Iatrogen zugeführtem Zucker, oral oder intravenös, auftritt.
00:07:03
Speaker
Und die, die durch Insulinresistenz im peripheren oder auch hepatischen Gewebe entsteht.
00:07:08
Speaker
Okay, das schauen wir uns nachher bei den Diagnosemöglichkeiten etwas genauer an.
00:07:14
Speaker
Jetzt bleibt aber die Frage, wieso entwickelt denn ein Pferd eine Insulindysregulation?

Überfütterung und genetische Prädispositionen

00:07:20
Speaker
Also beim Pony würde ich sagen, das sind einfach Fressmaschinen.
00:07:23
Speaker
Und die heutigen Pferdeponys kriegen einfach zu viel Futter.
00:07:30
Speaker
In zwei Studien konnte nachgewiesen werden, dass durch eine deutlich den Bedarf überschreitende Energieaufnahme über 17 Wochen bei zunächst normalgewichtigen Ponys eine signifikant höhere postprandiale Überinsulinemie auftritt als bei den Kontrollponys.
00:07:48
Speaker
Der basale Insulinwert war allerdings unauffällig.
00:07:50
Speaker
Und falls sich jemand jetzt für die Theorie dahinter interessiert, es wird davon ausgegangen, dass aufgrund der erhöhten Aufnahme von Kohlenhydraten die Absorption durch vermehrte Bildung der entsprechenden Transportproteine für Glucose gesteigert wird und eine erhöhte Aktivität der enteroinsulinären Achse entsteht.
00:08:09
Speaker
Na super.
00:08:10
Speaker
Jetzt darf ich wegen den Wechseljahren schon nichts mehr essen, ohne sofort zuzunehmen.
00:08:14
Speaker
Und jetzt erzählst du mir, dass je mehr Zucker ich esse, desto mehr Transportproteine habe ich, um den noch besser aufzunehmen, um noch mehr Hüftgold zu bekommen.
00:08:23
Speaker
Das ist ja super.
00:08:24
Speaker
Ich muss definitiv mehr Fahrrad fahren.
00:08:26
Speaker
Ich sehe das schon.
00:08:27
Speaker
Ja, kein Stress.
00:08:28
Speaker
Ich habe auch gute Nachrichten.
00:08:30
Speaker
Wenn du ein Pony bist und nach der langen Zuhohn-Aufnahme mal 17 Wochen nur Heu frisst, dann wird das mit dem Insulin auf jeden Fall wieder normal.
00:08:38
Speaker
Ja, das kannst du mir erzählen.
00:08:40
Speaker
Ich habe die Studie auch gelesen.
00:08:42
Speaker
Und in der zweiten Phase, also nach diesen 17 Wochen nur Heuaufnahme, haben die wieder sehr viel Kohlenhydrate bekommen.
00:08:50
Speaker
Und es zeigte sich, dass schon nach neun Wochen, nicht nach 17 Wochen zu hoher Kohlenhydrataufnahme, also früher als im ersten Versuch, der signifikante Unterschied zwischen den Kontrollponys und den über den Bedarf gefütterten Ponys,
00:09:05
Speaker
im Hinblick auf die postprandiale Hyperinsulinämie wieder da war.
00:09:10
Speaker
Also das geht dann viel schneller wieder, wenn du vorher schon so viel gegessen hast.
00:09:15
Speaker
Schade, genau.
00:09:17
Speaker
Also man muss somit davon ausgehen, auch wenn die Pferde eine Weile wieder ihrem Bedarf entsprechend gefüttert werden, dass die Anfälligkeit für eine Veränderung der Insulinwerte leider bleibt.

PPID und Insulin-Metabolismus bei älteren Pferden

00:09:29
Speaker
Auf jeden Fall länger bestehen bleibt, ja, kommt schnell wieder.
00:09:32
Speaker
Wir wissen ja jetzt alle, dass wie viel man essen muss, um zuzunehmen, sehr individuell ist, sowohl bei uns Menschen als auch bei den Pferden und da denken wir natürlich alle sofort an Genetik.
00:09:45
Speaker
Und in einer Studie aus 2019 wurden SNP-Genotypdaten analysiert und gezeigt wurde, dass bei Morgan und auch bei Weltsponys eine mittelgradige bis hohe Heritabilität für das Äquine-metabolische Syndrom vorliegt.
00:10:04
Speaker
Und bei finländischen Kalbblüdern wurden mehrere potenziell mit Insulindysregulation in Zusammenhang stehende Kandidatengene nachgewiesen.
00:10:14
Speaker
Also Genetik spielt eine Rolle.
00:10:17
Speaker
Ja, das stimmt, wie so oft.
00:10:19
Speaker
Aber wir sind natürlich trotzdem weit entfernt von den kommerziellen Gentests.
00:10:23
Speaker
Und Genetik ist nicht alles.
00:10:25
Speaker
Also weiterhin spielt Fütterung und Bewegung.
00:10:29
Speaker
Eine sehr wichtige Rolle.
00:10:30
Speaker
Jetzt stellt sich die Frage, wie löst PPID eine Hufrehe aus und ist es allein nicht nur das PPID?
00:10:36
Speaker
Ja, das ist nicht so ganz klar.
00:10:39
Speaker
Also was wir wissen ist, dass die histopathologischen Veränderungen bei diesen Pferden, also bei Pferden mit PPID,
00:10:46
Speaker
denen einer durch Hyperinsulinämie ausgelösten Hufrehe entsprechen.
00:10:51
Speaker
Wir wissen auch, dass PPID oft mit einer Insulindysregulation einhergeht.
00:10:57
Speaker
Also aus einer Studie ist bekannt, da sind 274 Pferde untersucht worden mit PPID und diese wiesen zu 89,9 Prozent eine Hufrehe auf.
00:11:10
Speaker
Und bei 76 dieser Pferde mit Hufrehe wurde eine Insulindysregulation nachgewiesen.
00:11:18
Speaker
Was wir jetzt auch noch wissen, ist, dass der schwere Grad der Hufrehe bei Pferden mit PPID mit den Insulinwerten korrelierte.
00:11:27
Speaker
Okay, also bei den Werten kommt einem schon der Gedanke auf, dass Insulin eine wichtige Rolle spielt.
00:11:34
Speaker
Aber wie beeinflusst PPID den Insulinstoffwechsel überhaupt?
00:11:39
Speaker
Man hat immer nur so ACTH im Kopf.
00:11:42
Speaker
Ja, aber wir haben ja auch, dass bei PPID auch Pro-Opio-Melanocortin-Derived-Peptide vermehrt ausgeschüttet werden.
00:11:51
Speaker
Und da besteht die Theorie, dass diese eventuell die Insulin-Clearance verringern.
00:11:58
Speaker
Oder und bei den Pankreaszellen die Insulinsekretion steigern und so zu einer Insulindysregulation führen oder dazu beitragen.
00:12:08
Speaker
Klingt schlüssig.
00:12:10
Speaker
Jetzt haben wir erstmal eine Ahnung davon, warum EMS und PPID Hufrehe auslösen.
00:12:17
Speaker
Über die Dysfunktion der Pars Intermedia, der Hypophyse, habt ihr ja schon in der ersten Folge des Podcasts gesprochen.
00:12:23
Speaker
Aber Wiederholungen können ja nicht schaden, würde ich sagen.
00:12:26
Speaker
Also PPID ist eine langsam fortschreitende, altersabhängige, degenerative Erkrankung dopaminerger Neuronen im Hypothalamus.
00:12:36
Speaker
Das führt dann dazu, dass eine Hyperplasie und schließlich Adenombildung in der Pars Intermedia der Hypophyse entsteht.
00:12:44
Speaker
Diese setzt dann vermehrt ACTH, also das Adrenocorticotropohormon, sowie weitere verwandte Peptide frei.
00:12:52
Speaker
PPID betrifft 20% der Pferde über 15 Jahre und sogar 30% der Pferde über 30 Jahre.
00:12:58
Speaker
Und sie wird eben ausgelöst durch die gerade genannte hypothalamische Degeneration.
00:13:04
Speaker
Okay, und jetzt ist schon die erste Zusammenfassung.
00:13:06
Speaker
Also es gibt drei Auslöser für Hufrehe.
00:13:09
Speaker
Die hyperinsulinämische Hufrehe ist die häufigste Form.
00:13:13
Speaker
Hier ist der wichtigste Faktor das Insulin.
00:13:16
Speaker
Die beiden endokrinopathischen Grunderkrankungen,

Symptome von Hufrehe und diagnostische Herausforderungen

00:13:19
Speaker
die eine Prädisposition für Hufrehe bedingen, sind zum einen das Äquine-metabolische Syndrom und zum anderen die Dysfunktion der Pars Intermedia der Hypophyse.
00:13:30
Speaker
Bei dem Equinmetabolischen Syndrom spielen Genetik, Fütterung und natürlich Bewegung eine wichtige Rolle.
00:13:36
Speaker
Bei PPID spielt das Alter die wichtigste Rolle, weil es sich um eine neurogene Degeneration handelt.
00:13:48
Speaker
Wir haben ja jetzt die ganze Zeit über die Auslöser einer hyperinsulinämischen Hufrehe gesprochen und damit das Pferd ein bisschen von hinten aufgezäumt.
00:13:56
Speaker
Wir hatten die Diagnose ja noch gar nicht gestellt.
00:14:00
Speaker
Und in manchen Fällen ist das heute gar nicht mehr so einfach, die Diagnose Hufreherkrankung zu stellen.
00:14:07
Speaker
Wir hatten ja schon erwähnt, dass das klassische Bild, also Tätigkeit,
00:14:11
Speaker
Das Pferd nimmt viel Last auf beide Hinterbeine auf und streckt die Beine Vorderbeine so nach vorne, kann überhaupt nicht laufen, eigentlich eher selten auftritt.
00:14:21
Speaker
Caro, aber trotzdem einmal die klinischen Symptome einer Hufrehe.
00:14:26
Speaker
Okay, also die ganz klassischen.
00:14:29
Speaker
Klammergang auf jeden Fall.
00:14:31
Speaker
Auf hartem Boden laufen sie meist schlechter als auf weichem Boden.
00:14:35
Speaker
Die genannte Trachtenfußung.
00:14:37
Speaker
Wir haben auch ein sogenanntes Trippeln, sprich die Pferde verlagern, wechseln ihr Körpergewicht von einer auf die andere Gliedmaße.
00:14:44
Speaker
Der Wendeschmerz ganz typisch.
00:14:45
Speaker
Eine vermehrte Pulsation der Digitalarterien.
00:14:49
Speaker
Oft auch positiver Zangenbefund, meist dann vor der Strahlspitze.
00:14:53
Speaker
Manche zeigen vermehrtes Liegen oder auch die Unwilligkeit, einen Huf hochnehmen zu lassen.
00:14:59
Speaker
Und wenn man unter den Huf guckt, haben wir auch eine Verbreiterung der weißen Linie oder außen am Hufhorn divergierende Hufringe.
00:15:05
Speaker
Und diese ganzen Symptome können alle zusammen oder auch einzeln auftreten.
00:15:10
Speaker
Du hast ja jetzt echt viele Einzelbefunde aufgezählt und ich habe mir überlegt, welcher ist mir von diesen jetzt eigentlich am wichtigsten.
00:15:20
Speaker
Und ich muss schon sagen, eigentlich das klassische Gangbild, also meistens sind es ja die beiden Vorderbeine, dass da Klammergang ist und der Wendeschmerz.
00:15:30
Speaker
Alle anderen Symptome sind sehr variabel.
00:15:33
Speaker
Ich habe schon alles erlebt.
00:15:34
Speaker
Hufrehe ohne Pulsation, Hufrehe, Zange negativ.
00:15:39
Speaker
Also da ist alles möglich.
00:15:41
Speaker
Und man muss auch sagen, es geht auch, dass nur eine Vordergliedmaße eine Lahmheit zeigt oder sogar eine Hintergliedmaße eine Lahmheit zeigt.
00:15:50
Speaker
Und man da echt manchmal ganz schön auf dem falschen Dampfer ist, weil man denkt, es sind ja nicht beide Beine getroffen, also beide Vordergliedmaßen betroffen.
00:16:01
Speaker
Aber wie so immer, in der Pferdemedizin ist alles möglich.
00:16:05
Speaker
Ja, voll.
00:16:06
Speaker
Kann ich dir nur zustimmen.
00:16:08
Speaker
Und ich muss sagen, wir sehen auch immer mehr Patienten, die nicht das bekannte, schwere, klassische Bild einer Hufrehe zeigen.
00:16:15
Speaker
Und Pferde mit geringen Symptomen oder subtilen Symptomen, wenn man sie so nennen mag, werden immer mehr.
00:16:21
Speaker
Das macht auf jeden Fall auch die Compliance vom Besitzer schwieriger.
00:16:24
Speaker
Ich glaube sogar draußen bei euch noch mehr als bei uns, dass es schwierig ist, den Leuten zu vermitteln, dass auch dieses Pferd eine Hufrehe hat.
00:16:32
Speaker
Weil im Kopf der Menschen ist immer noch dieses klassische Bild, hochgradig schmerzhaft, mag sich gar nicht mehr bewegen, wie du es gerade beschrieben hast.
00:16:40
Speaker
Ja, absolut.
00:16:41
Speaker
Ja, total.
00:16:44
Speaker
Ja, wenn jetzt das Wort Rehe im Raum steht, dann wird ja oft nach dem Röntgenbild gefragt.
00:16:50
Speaker
Röntgenst du beim ersten Besuch sofort?
00:16:53
Speaker
Ja, ich sage das jetzt ganz ehrlich.
00:16:55
Speaker
Ich versuche erst mal, also beim akuten Reheschub gar kein Röntgenbild zu machen, wenn ich aufgrund der Klinik eigentlich den starken Verdacht einer Hufrehe habe.
00:17:06
Speaker
Ich weiß, es ist ein bisschen verrückt, aber wir wissen ja, dass im akuten Zustand
00:17:11
Speaker
keine Veränderungen sichtbar sein müssen.

Radiographische Diagnose von Hufrehe

00:17:15
Speaker
Und da muss ich ja der Besitzerin erklären oder dem Besitzer, dass obwohl auf dem Röntgenbild nicht zu erkennen ist, das Pferd eine Hufrehe hat und der jetzt bitte in die Box geht.
00:17:25
Speaker
Und wir haben echt viele Offenstelle und da ist es ganz schön schwierig.
00:17:28
Speaker
Da muss ich sowieso schon Überzeugungskraft aufweisen.
00:17:33
Speaker
Und
00:17:35
Speaker
Wenn ich dann noch ein Röntgenbild habe, was unauffällig ist, wird das noch schwieriger.
00:17:39
Speaker
Jetzt ist im Jahr 2025 eine Studie veröffentlicht worden, bei welcher beurteilt wurde, ob über das Röntgenbild doch eine Einteilung in subakut oder akut an Hufrehe erkrankt oder gesund möglich ist.
00:17:53
Speaker
Und zwar erfolgte eine Messung der Breite der parallel zur dorsalen Hufwand verlaufenden Auffällungszone.
00:18:02
Speaker
Diese wurde dann zusätzlich noch in ein Verhältnis gesetzt und zwar zur palmaren, kortikalen Linie des Hufbeins.
00:18:10
Speaker
Bei den erkrankten Pferden war die Breite um 2 mm bzw.
00:18:16
Speaker
2,2 mm breiter im mittleren Bereich des Hufbeins.
00:18:20
Speaker
Jetzt kommen die Abers.
00:18:21
Speaker
Diese Messwerte sind beeinflusst von der Positionierung des Hufs bzw.
00:18:25
Speaker
der Röhre.
00:18:27
Speaker
Diese Einflüsse waren geringer, wenn man das Verhältnis gebildet hat.
00:18:31
Speaker
Also das hatte eine bessere Aussagekraft.
00:18:34
Speaker
Ich habe jetzt meine Röntgenbilder im Nachhinein angeschaut und finde es schwierig, die Messpunkte korrekt zu setzen.
00:18:42
Speaker
Also ich weiß noch nicht, ob das wirklich so möglich ist, die akute Hufrehe damit zu diagnostizieren.
00:18:50
Speaker
Da sind schon viele Einflussfaktoren dabei.
00:18:54
Speaker
Und okay, das war jetzt etwas spezieller, Caro, jetzt mal ganz einfach.
00:18:57
Speaker
Welche Aufnahmen machst du denn beim Verdacht oder zur Kontrolluntersuchung einer Hufrehe?
00:19:03
Speaker
Also erstmal vorneweg, durch die komfortable Klinik-Situation fertige ich eigentlich immer direkt Röntgenaufnahmen an.
00:19:11
Speaker
Grundsätzlich ist es natürlich wichtig, um so einen Ist-Zustand zu haben und den Verlauf vielleicht besser beurteilen zu können.
00:19:18
Speaker
Auch um vielleicht eine schon vorhandene chronische Hufrehe aufzudecken, die vom Besitzer vorher unbenerkt blieb.
00:19:24
Speaker
was später dann Fragen aufwirft.
00:19:27
Speaker
Aber ich verstehe natürlich deine Compliance-Taktik sehr gut.
00:19:30
Speaker
Würde mich da anschließen, wenn ich draußen wäre.
00:19:32
Speaker
Also nicht verkehrt.
00:19:33
Speaker
Und man muss sagen, Geld spielt ja auch oft eine Rolle.
00:19:38
Speaker
Wenn es finanziell möglich ist, dann fertigen wir in der Klinik gerne drei Aufnahmen an.
00:19:41
Speaker
Und zwar ist es einmal die Lateromediale und die Dorsopalmare bzw.
00:19:47
Speaker
Plantare, die auf...
00:19:50
Speaker
Blöcken und wir machen eine Oxspring-Aufnahme, kann man auch als Dorsal 45 bis 55 Grad proximal palmarodistal oblieg bezeichnen.
00:20:01
Speaker
Wenn finanzielle Einschränkungen bestehen oder das Pferd super schmerzhaft ist und man nicht viel Zeit hat, dann ist auf jeden Fall die Lateromediale die Aufnahme, die wir als erstes machen, die wichtigste für uns.
00:20:15
Speaker
Und genau, dabei markieren wir die oberste Kante vom Kronenrand mit dem röntgendichten Metallmarker.
00:20:21
Speaker
Die Markerlänge ist bekannt, sollte bekannt sein, damit man später die Maße angleichen kann.
00:20:26
Speaker
Ja, was verwendest du, Anja?
00:20:28
Speaker
Ich habe das mit den Markern auch früher gemacht.
00:20:30
Speaker
Ich mag jetzt mein Kontrastmittel.
00:20:32
Speaker
Also ich verwende Kontrastmittel, fange oben an Kronsalm an und dann...
00:20:36
Speaker
Kier ich praktisch die dorsale Wand und auch die Sohle und habe schon vorher dann mit einem Marker, mit bekannter Länge praktisch mein System geeicht.
00:20:46
Speaker
Und das mag ich sehr gerne mit diesem Kontrastmittel.
00:20:50
Speaker
Wir können ja unterschiedliche Phänomene radiologisch darstellen, welche bei einer Hufrehe auftreten.
00:20:58
Speaker
Die meist am deutlichsten erkennbare ist ja die Rotation des Hufbeins.
00:21:02
Speaker
Sie ist relativ einfach sichtbar oder eben messbar.
00:21:04
Speaker
Allerdings muss man da immer beachten, dass die Hornwandbearbeitung einen Einfluss auf das Messergebnis hat.
00:21:11
Speaker
Und wir können natürlich weitere Messungen machen.
00:21:14
Speaker
Caro, was messt ihr denn in der Klinik so?
00:21:19
Speaker
Also vorneweg will ich nochmal sagen, es gibt tatsächlich zahlreiche Messungen, die man zusätzlich machen kann.
00:21:26
Speaker
Von denen ist für mich aber am wichtigsten die, die du gerade schon genannt hast, die Rotation.
00:21:32
Speaker
Dann die Sohlendicke, also zwischen Hufbein und Boden, der Abstand und die Senkung.
00:21:40
Speaker
Und das wird gemessen durch die sogenannte Founder Distance, die Rehstrecke im Deutschen nennt man sie oft.
00:21:45
Speaker
Das ist der Abstand vom Saumband.
00:21:48
Speaker
Zum Prozessus extensurius des Hufbeins.
00:21:51
Speaker
Neben diesen Messungen, die man macht, eben noch sehr, sehr, sehr viele weitere andere, können auch noch Parameter wie Aufhellungslinien, zum Beispiel im Bereich der dorsalen Wand und ein sogenanntes Coronary Bend Hallow sowie Formveränderung von Hufhorn und Hufbein beurteilt werden.
00:22:07
Speaker
Jetzt ist es ja so, dass diese vielen Messmöglichkeiten einem suggerieren, dass man super objektive Auswertung der Röntgenbilder bei Hufrehe-Pferden hat.
00:22:18
Speaker
Aber wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail.
00:22:22
Speaker
Es gibt wirklich individuelle und auch ausgeprägte Unterschiede in Referenzwerten bei verschiedenen Rassen und auch bei verschiedenen Größen.
00:22:30
Speaker
Und man muss beachten, eigentlich jeder Huf ist vom Hufschmied bearbeitet und kann, je nachdem wie lang oder kurz es her ist, die Befunde erheblich verfälschen.
00:22:39
Speaker
Und wie du schon sagst, im Anfangsstadium kann Röntgenbefunden ja komplett fehlen.

Prognostischer Wert klinischer Befunde

00:22:45
Speaker
Am Ende gibt es auch einfach eine große Überschneidung zwischen normalen und abnormalen Werten.
00:22:50
Speaker
Die Röntgentechnik kann gravierenden Einfluss nehmen.
00:22:52
Speaker
Wir haben zum Beispiel eine Kadaverstudie.
00:22:55
Speaker
Da konnten die bei unterschiedlich schrägen Aufnahmen tatsächlich signifikante Veränderungen in der Messung des Rotationsgrades feststellen.
00:23:02
Speaker
Also wenn ein bisschen schräg nach Dorsal geröntgt wurde, war bereits ab 5 Grad schräg eine Signifikanz messbar.
00:23:09
Speaker
Und wenn man nach Palma abwich, dann war es bei über 10 Grad Abweichungen.
00:23:14
Speaker
Deshalb sollte man wirklich sehr vorsichtig mit diesen Messwerten und auch deren Aussagen umgehen.
00:23:20
Speaker
Und ich muss sagen, wir in der Klinik, wir legen auch nicht mehr so viel Wert auf diese Messungen.
00:23:25
Speaker
Also wir machen sie, wir dokumentieren sie auch immer wieder, aber sie sind für uns nicht das ausschlaggangene Kriterium.
00:23:32
Speaker
Und wir nehmen mehr die Hinweise auf dem Röntgenbild plus die Klinik zusammen.
00:23:39
Speaker
Aber wir fokussieren uns nicht auf diesen Messungen.
00:23:42
Speaker
Jetzt habe ich noch mal eine Frage zu der Kadaverstudie.
00:23:45
Speaker
Wenn ich jetzt nicht perfekt 90 Grad röntge, kann ich dann auch eine Rotation simulieren oder wegröntgen?
00:23:56
Speaker
Also eine, wenn sie nicht vorhanden ist, nein.
00:24:00
Speaker
Also ein gesunder Huf, da kannst du drehen und wenden, wie du willst.
00:24:03
Speaker
Du wirst eine Parallelität haben.
00:24:06
Speaker
Aber wenn du eine Rotation hast, dann kannst du die verschlechtern.
00:24:12
Speaker
Das heißt, nur die Ausprägung kann ich verändern, aber nicht, ob eine da ist oder nicht.
00:24:16
Speaker
Genau.
00:24:18
Speaker
Man muss mehr aufpassen, wenn man die Röntgenbilder macht.
00:24:21
Speaker
Mhm.
00:24:23
Speaker
Mhm.
00:24:27
Speaker
Okay, bei uns und ja auch bei den BesitzerInnen ist ja eigentlich immer im Kopf, dass wenn die Befunde im Röntgenbild extrem ausgeprägt sind, dass dann auch die Prognose schlechter ist.
00:24:40
Speaker
Caro, du hast dir da ja Studien angeschaut.
00:24:43
Speaker
Wie sieht das denn da aus?
00:24:46
Speaker
Also ich habe dazu zwei ganz interessante Artikel gelesen.
00:24:50
Speaker
Einmal war das ein Review und da wurde geschlussfolgert, dass der prognostische Wert der einzelnen Röntgenveränderungen ganz kontrovers beurteilt wird.
00:24:59
Speaker
Die Tendenz geht ein bisschen in die Richtung, dass die Senkung schwerer wiegt als die Rotation allein.
00:25:04
Speaker
Das erklärt sich ja eigentlich dadurch, dass bei der Senkung die Lamellen rundherum geschädigt sind.
00:25:09
Speaker
Und dann gab es eine Arbeit mit 591 Pferden mit Hufrehe, also eine große Zahl.
00:25:14
Speaker
Und da war die Hufbeinsenkung auf jeden Fall prognostisch ungünstiger.
00:25:18
Speaker
Wichtigster Prognosefaktor ist einfach die Ausprägung der klinischen Symptome.
00:25:22
Speaker
Es gibt ja diese Einteilung über Obel, die wir kennen.
00:25:25
Speaker
Und eine Studie hat herausgefunden, dass bei einem Obelgrad von drei oder vier die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu Obelgrad eins, dass sich für eine Euthanasie entschieden wird, zehn bis zwanzig Mal höher ist.
00:25:38
Speaker
Nochmal zur Erinnerung, Obelgrad drei heißt, Pferd bewegt sich widerwillig, Abwehr beim Versuchen, Huf aufzunehmen und Grad vier ist tatsächlich die komplette Verweigerung der Bewegung und Laufen nur unter Zwang möglich.
00:25:51
Speaker
Und man kann sagen, dass bei einer Hufrehe, die durch eine systemische Entzündungsreaktion ausgelöst wird, also nicht unser heutiges Thema, die Prognose im Allgemeinen etwas schlechter ist.

Bluttests für Insulindysregulation

00:26:01
Speaker
Ich kann es schon wieder zusammenfassen.
00:26:03
Speaker
Ist ja nett.
00:26:04
Speaker
Also die klinischen Befunde einer Hufrehe variieren in ihrer Ausprägung und müssen nicht alle vorhanden sein.
00:26:11
Speaker
Die Darstellung übers Röntgenbild ist eher im chronischen Zustand möglich.
00:26:15
Speaker
Im akuten Zustand müssen keine Befunde vorhanden sein.
00:26:21
Speaker
Wichtig, die Darstellung des Kronsaums und der Hornwand entweder mit Kontrastmittel oder mit Metallmarker.
00:26:27
Speaker
Es gibt sehr viele Messparameter, aber Achtung, diese werden durch die Aufnahmetechnik beeinflusst.
00:26:34
Speaker
Um eine Prognose zu formulieren, solltet ihr mehrere Faktoren mit einbeziehen.
00:26:39
Speaker
Von größerer Bedeutung ist der klinische Schweregrad das Gewicht des Pferdes.
00:26:43
Speaker
Da sind wir heute noch gar nicht drauf eingegangen, das spielt natürlich eine große Rolle.
00:26:47
Speaker
Die Chronizität der Rehe und im Hinblick auf das Röntgenbild eher die Hufbeinsenkung und nicht die Rotation.
00:27:00
Speaker
Da die Therapie der Hufrehe natürlich vom Auslöser abhängig ist, gehen wir jetzt darauf ein, wie eine Insulindysregulation diagnostiziert werden kann.
00:27:11
Speaker
Im Hinblick auf PPID wissen wir ja, wir messen den ACTH-Wert und zur Probenaufbereitung und für die Fälle, in denen die ACTH-Konzentration nicht den Wert hat, den ihr eigentlich erwartet habt,
00:27:24
Speaker
haben wir ein zusätzliches Testverfahren.
00:27:26
Speaker
Auf das sind wir genauer in der ersten Folge dieses Podcasts eingegangen.
00:27:30
Speaker
Ich weiß, der Ton ist da nicht so gut, aber der Inhalt ist schon, das passt schon.
00:27:37
Speaker
Okay, eine Insulindysregulation entspricht ja entweder einer basalen Hyperinsulinomie oder einer postprandialen Hyperinsulinomie, also nach Aufnahme von Kohlenhydraten oder einer verringerten Insulinsensitivität.
00:27:54
Speaker
Okay Caro, welche diagnostischen Möglichkeiten haben wir?
00:27:59
Speaker
Ganz einfach.
00:28:00
Speaker
Erstmal kann man den basalen Insulinwert bestimmen.
00:28:03
Speaker
Ich habe jetzt ganz viele Fragen.
00:28:05
Speaker
Also erstens, müssen die Pferde davor hungern?
00:28:08
Speaker
Welches Probenmaterial verwenden wir?
00:28:11
Speaker
Muss die Probe schnell abzentrifugiert werden?
00:28:14
Speaker
Muss sie gekühlt aufbewahrt werden oder sogar gefroren werden?
00:28:19
Speaker
Ja, das sind eigentlich alles so meine Fragen, die ich jetzt so habe.
00:28:23
Speaker
Also, die Pferde müssen nicht mehr hungern, wie man es früher mal gesagt hat.
00:28:28
Speaker
Die können Heu gefressen haben, die dürfen auch auf der Wiese gewesen sein.
00:28:33
Speaker
Einzige Ausnahme, wichtig ist, circa sechs bis acht Stunden vorher kein Kraftfutter, sprich auch keine Leckerlis, keine Möhren, keine Äpfel.
00:28:41
Speaker
Dann nehmt ihr Vollblutproben, wartet die Gerinnung ab.
00:28:46
Speaker
20, 30 Minuten dauert das meistens bei Raumtemperatur.
00:28:49
Speaker
Im Winter, wenn es kälter ist, auch schon mal 45 bis 60.
00:28:53
Speaker
Und idealerweise sollte die Probe danach abzentrifugiert werden und das Serum schnell in die Kühlung reinführt.
00:29:00
Speaker
Ich muss sagen, ich habe hier natürlich auch gut reden.
00:29:02
Speaker
Ich arbeite in der Klinik und die Wege vom Patienten zur Zentrifuge und dann auch zum Kühlschrank sind irgendwie super kurz.
00:29:10
Speaker
Ja, aber Anja, draußen in der Praxis, wie machst du das da?
00:29:13
Speaker
Du fährst dann ja auch noch weiter zu anderen Kunden, wenn du die Probe genommen hast.
00:29:16
Speaker
Ja, ich muss mir zugeben, ich gönne mir den Luxus einer Zentrifuge im Auto und habe auch ein Aggregat.
00:29:23
Speaker
Das heißt...
00:29:24
Speaker
Finde ich super.
00:29:25
Speaker
Ich zentrifugiere die Probe auch nach der Gerinnungsphase ab und stelle sie dann in meine Kühlschublade.
00:29:33
Speaker
Wir haben jetzt echt viel gelesen für diesen Podcast.
00:29:35
Speaker
Ich habe jetzt auch mal geguckt.
00:29:36
Speaker
Ja, die hat auch ihre 4 Grad Celsius.
00:29:39
Speaker
Ich habe jetzt noch mal Studien gesucht, um rauszufinden, ob wir wirklich so schnell abzentrifugieren müssen.
00:29:49
Speaker
Also ob wir wirklich nach dieser Gerinnungsphase sofort abzentrifugieren müssen.
00:29:55
Speaker
Das ist cool und irgendwie auch relevant.
00:29:58
Speaker
Gibt es da Informationen, die den Praxisalltag dann ein bisschen entspannen?
00:30:02
Speaker
Ja, also ich sage jetzt schon mal vorweg, es gab Unterschiede zwischen den Informationen, die ich von meinem Labor erhalte und den Ergebnissen der Studie.
00:30:11
Speaker
Das ist schon mal ein bisschen spannend.
00:30:14
Speaker
Also Dakota Leschke hat zu dem Thema 2019 etwas veröffentlicht.
00:30:18
Speaker
Und zwar wurde in dieser Studie die Proben verfüllt in Serum, Heparin und EDTA-Röhrchen.
00:30:26
Speaker
Und dann bei 4 Grad Celsius und 20 Grad Celsius nicht abzentrifugiert aufbewahrt.
00:30:32
Speaker
Bis zu acht Tage nach Blutabnahme.
00:30:36
Speaker
Und dann natürlich nach bestimmten Zeiten abzentrifugiert und der Insulinwert bestimmt, um zu schauen, wann verändert der sich denn.
00:30:44
Speaker
So, und wenn die Heparinproben und Vollblutproben im Serumröhrchen bei 4 Grad aufbewahrt worden waren, konnte gar kein Einfluss des Zeitpunktes der Zentrifugation festgestellt werden.
00:30:57
Speaker
Also somit könnten Proben bei 4 Grad Celsius über 8 Tage aufbewahrt werden, also die Vollblutproben.
00:31:04
Speaker
Bei 20 Grad war das kürzer, also da bleiben die Werte stabil bis zu 3 Tagen.
00:31:10
Speaker
Also das wäre dann auch so, dass die Zentrifugation erst nach drei Tagen erfolgen müsste.
00:31:16
Speaker
Und dann im nächsten Schritt, das Insulin war im Serum oder im Heparin-Plasma bei Kühlung über drei Tage stabil.
00:31:25
Speaker
Wichtig, in dieser Studie wurde herausgefunden, dass die EDTA-Plasma-Werte von Insulin deutlich niedriger waren im Vergleich zu den Serum-Werten.
00:31:35
Speaker
Das sind spannende Erkenntnisse und würde den Praxisalltag ja immens entspannen, oder?
00:31:41
Speaker
Ja, eigentlich schon.
00:31:42
Speaker
Also eigentlich, nach diesen Ergebnissen, könnte man mit dem Vollblut den ganzen Tag durch die Gegend fahren und zu Hause abzentrifugieren.
00:31:50
Speaker
Ich würde es aber ehrlicherweise nach der Gerinnungsphase im Sommer sicherheitshalber ins Kühlfach stellen, da im Sommer ja dann doch im Auto die Temperatur über 20 Grad geht.
00:32:04
Speaker
somit theoretisch könntet ihr mit dem Vollblut durch die Gegend fahren und abends abzentrifugieren.
00:32:10
Speaker
So, und ich habe ja eigentlich gesagt, ich habe mit meinem Labor gesprochen.
00:32:16
Speaker
Und deren Ergebnisse der Präanalytik stimmen nicht mit den Studienergebnissen überein.
00:32:22
Speaker
Also deren Ergebnisse entsprechend sollte die Probe innerhalb von zwei bis vier Stunden nach Probenentnahme zentrifugiert werden und das Serum- oder Heparinplasma daraufhin in die Kühlung bringen.
00:32:35
Speaker
Also sprecht es mit eurem Labor ab, wie deren Ergebnisse von der Präanalytik ist und der Versand der Probe dann doch lieber gefroren, damit wirklich sichergestellt ist, dass diese 4 Grad Celsius aufrechterhalten bleiben.
00:32:49
Speaker
Wir sollten nämlich auch noch im Labor nachfragen, welches Analysegerät die benutzen, damit man den Insulinwert richtig beurteilen kann.

Orale Zuckerbelastungstests und Einflussfaktoren

00:32:58
Speaker
Weil die Referenzen mit einem bestimmten Test gemacht werden.
00:33:03
Speaker
Es gibt im Internet tatsächlich dafür ein freizugängliches Tool.
00:33:06
Speaker
Das ist der Equine Insulin Converter.
00:33:11
Speaker
Allerdings muss man jetzt zu diesem Ganzen, was wir gerade besprochen haben, sagen, dass die Sensitivität des Basal-Insulin-Wertes gar nicht so gut ist.
00:33:20
Speaker
Sprich, wenn der Wort in der Norm ist, aber das klinische Bild eigentlich überhaupt nicht dazu passt, dann heißt es weiter testen.
00:33:28
Speaker
Also wir internesten, wir testen ja gerne.
00:33:30
Speaker
Für uns also gar kein Problem.
00:33:33
Speaker
Ich würde sagen, es geht weiter mit dem oralen Zuckertest.
00:33:36
Speaker
Wie machst du den, Anja?
00:33:38
Speaker
Also entsprechend neuere Erkenntnisse verwende ich.
00:33:41
Speaker
0,45 Milliliter pro Kilogramm Karolite Kornsirup.
00:33:46
Speaker
Den kann man im Internet bestellen.
00:33:49
Speaker
Also zuerst Vollbeprobe ins Serumröhrchen.
00:33:52
Speaker
Dann den klebrigen Sirup mit 60 Milliliter Spritze, also irgendwie in das Pferd bekommen.
00:33:57
Speaker
Ich sage es ganz ehrlich, also freiwillig haben die das noch nie bei mir gefressen.
00:34:00
Speaker
Also es ist wirklich eine Riesensauerei, dieses Zuckerzeug in das Pferd zu bekommen.
00:34:05
Speaker
Dann wird die zweite Blutprobe entweder nach 60 oder 90 Minuten genommen, warten, bis die Blutproben geronnen sind, abzentrifugieren, Serum abheben und ab in die Kühlung und gefroren ins Labor.
00:34:19
Speaker
Bei diesem Wert wird kontrolliert, wie hoch der Insulinwert nach Gabe von Zucker im Endeffekt ansteigt.
00:34:26
Speaker
Die Richtwerte dazu findet ihr in den Shownotes, in welchen ja immer die wichtigsten Daten sind und der Link zu den Quellen aufgeführt wird.
00:34:35
Speaker
Und eine Lektüre, welche ich euch wirklich gerne an die Hand geben möchte, wären die Unterlagen der Equine Endocrinology Group.
00:34:46
Speaker
Die sind frei zugänglich im Netz und da sind wirklich sehr viele Informationen, sowohl zu PPID als auch zu EMS, aufgeführt.
00:34:54
Speaker
Und auch, die wird immer wieder aktualisiert.
00:34:57
Speaker
Da sind auch Schaubilder, wann man welchen Tests macht, wie aussagekräftig welcher Test ist.
00:35:02
Speaker
Caro, jetzt bist du ja in der Klinik.
00:35:05
Speaker
Du machst den Test anders, ne?
00:35:06
Speaker
Du nimmst kein Karosirup, oder?
00:35:09
Speaker
Nee, genau.
00:35:09
Speaker
Wir machen den oralen Glucose-Test per Nasenschlundsonde.
00:35:14
Speaker
Bei uns ist es so, dass die Pferde stationär eingestellt werden und über Nacht hungern.
00:35:19
Speaker
Morgens wird dann eine Blutprobe für Basalwerte entnommen.
00:35:24
Speaker
Dann kriegen die Patienten, nachdem wir sie gewogen haben, weil da dosieren wir wirklich genau, ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht Glucose, aufgelöst in einer 20-prozentigen Lösung, per Nasenschlundsonne verabreicht.
00:35:37
Speaker
Und in den meisten Fällen nehmen wir eine Blutprobe 120 Minuten später.
00:35:40
Speaker
Es gibt auch Protokolle, wo häufiger Blut genommen wird, aber es wurde festgestellt, dass diese 120-Minuten-Blutprobe für eine Aussage ausreicht.
00:35:50
Speaker
Ganz wichtig hier zu erwähnen ist noch, dass man keine Alpha-2-Agonisten verwenden sollte, vor allem kein Xylacin, weil da weiß man, das verfälscht den Insulinwert.
00:36:00
Speaker
Also wenn man einen sehr, sehr wehrhaften Patienten hat, muss man eventuell eine andere Option wählen.
00:36:06
Speaker
Ja, dann kauf dir demnächst den Karossirup-Edge.
00:36:10
Speaker
Die auch das klebrige Zeug verwenden.
00:36:12
Speaker
Da würde ich fast sagen, die Sonde geht schneller und komfortabler bei uns in der Klinik.
00:36:17
Speaker
Würde ich auch sagen, ist echt eine Schweinerei.
00:36:21
Speaker
Ja, gut, jetzt haben wir den basalen Insulinwert bestimmt und den oralen Zuckertest durchgeführt.
00:36:27
Speaker
Und mit diesen Methoden haben wir jetzt eben erstmal die basale Hyperinsulinämie und auch die postprandiale Hyperinsulinämie erfasst.
00:36:37
Speaker
Eine Insulindysregulation kann ja aber auch mit einer verminderten Insulinsensitivität einhergehen.
00:36:43
Speaker
Die Testverfahren für diese Insulinsensitivität sind aber komplizierter und für Praxis und auch sogar Klinik eigentlich zum Teil wegen des Zeitaufwands, aber auch wegen des schwer verfügbaren zu verwendeten Insulins.
00:37:00
Speaker
Nicht so praktikabel.
00:37:01
Speaker
Also daher gehen wir da jetzt heute auch nicht genauer drauf ein, weil das unter Forschungsbedingungen routinemäßig gemacht wird, aber in Praxis und Klinik tatsächlich selten.
00:37:11
Speaker
Ja, genau.
00:37:12
Speaker
Das lassen wir aus.
00:37:13
Speaker
Wird schon lange genug heute, glaube ich.
00:37:19
Speaker
Also, sowohl beim Insulin als auch beim ACTH kommt ja immer wieder die Frage, inwieweit Stress das Ergebnis beeinflussen kann.
00:37:29
Speaker
Im Hinblick auf ACTH wurde 2020 eine Untersuchung durchgeführt und bei dieser wurde ein Schmerzscore eingesetzt und daraufhin beurteilt, ob es eine Korrelation zwischen dem Pain-Score und der Konzentration von ACTH gibt.
00:37:47
Speaker
Und es konnte keine Korrelation festgestellt werden, also überhaupt nicht.
00:37:50
Speaker
Auch nicht bei einem hohen Pain-Score gab es eine Korrelation zwischen der Konzentration von ACTH und diesem Schmerz.
00:37:58
Speaker
Aber es bestand eine Korrelation zur Cortisol-Konzentration.
00:38:03
Speaker
Und in einer weiteren Untersuchung, in welcher Hufrehe-Pferde eingeschlossen worden war, zeigte sich keine Korrelation zwischen geringem bis mittelgradigem Schmerz.
00:38:17
Speaker
Und den ACTH-Wert.
00:38:19
Speaker
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie sieht denn das jetzt beim Insulin aus?
00:38:26
Speaker
Da ist es ein bisschen anders.
00:38:28
Speaker
Im Fall von Insulin gibt es auf jeden Fall Studien, die einen Einfluss von Stress zeigen.
00:38:36
Speaker
Für mich als Klinikerin ist hier der Zusammenhang mit dem Transport nicht ganz unwichtig.
00:38:40
Speaker
Der löst nämlich mehr Stress aus, als man manchmal denkt.
00:38:44
Speaker
Und ganz kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass ein Transport, der über 1,5 Stunden dauert, sowohl die basale Insulinkonzentration als auch das Ergebnis des oralen Zuckertests bei Pferden mit Insulindysregulation beeinflusst und das tatsächlich über einen Zeitraum von 24 Stunden.
00:39:02
Speaker
Fazit also für die Klinik, um keine falschen Testergebnisse zu erhalten, sollten die Pferde bestmöglich erst nach 24 Stunden, wenn sie in der Klinik angekommen sind, beprobt werden.
00:39:12
Speaker
Sonst besteht vor allem bei der Basalwertmessung das Risiko einer falsch positiven Diagnose von Insuliner Dysregulation.

Zusammenfassung und Ausblick auf die nächste Episode

00:39:19
Speaker
Das ist schon spannend.
00:39:21
Speaker
Ich habe jetzt wirklich lange gesucht, um Studien zu finden, bei welchem der Einfluss von Schmerz, also gerade orthopädischem Schmerz,
00:39:33
Speaker
auf die Insulinkonzentration im Blut untersucht worden ist.
00:39:37
Speaker
Und ich bin echt nicht fündig geworden.
00:39:40
Speaker
Also es existiert eine Untersuchung zur systemischen Entzündungsreaktion.
00:39:46
Speaker
Und da waren sowohl die Insulinwerte als auch eine Hyperglykämie mit dem Auftreten einer SIRS, also dieser systemischen Entzündungsreaktion, korreliert.
00:39:57
Speaker
Aber ob ein orthopädischer Schmerz den Insulinwert ansteigen lässt, dazu habe ich wirklich nichts gefunden.
00:40:03
Speaker
Und ich habe in meiner Verzweiflung schon vorher bei meinen eigenen Patienten Blutproben abgenommen, aber leider bei keinem mit Lahmheit, das ist der nächste.
00:40:13
Speaker
Aber bei einem Pferd mit Kolik und hochgradigem Glaukom, da waren die Insulinwerte in Ordnung.
00:40:19
Speaker
Und dann eine Stute, die wirklich dick ist, also wirklich dick.
00:40:23
Speaker
Die Besitzerin kriegt jedes Mal Ärger, wenn ich komme.
00:40:26
Speaker
Und diese Stute hat eine hochgradige Uticaria entwickelt, die sah aus wie so ein Michelin-Männchen.
00:40:31
Speaker
Also das war überall geschwollen.
00:40:34
Speaker
Und da war der Insulinwert auch normal, war jetzt in dem Fall nicht so gut, weil jetzt lässt sie die auf keinen Fall mehr diäten, weil die sagt, ja Frau Kabe, der Insulinwert war ja gut.
00:40:44
Speaker
Jetzt ist ja immer wieder die Frage, können wir, wenn das Pferd Schmerzen hat...
00:40:51
Speaker
den Basalwert bestimmen, dessen Sensitivität ja jetzt sowieso nicht so hoch ist.
00:40:56
Speaker
Es besteht ja die Möglichkeit des Oralen Zuckertests.
00:40:59
Speaker
Auch da ist die Frage, können wir den dann machen?
00:41:02
Speaker
Und wir beide waren ja eben erst auf der GPM-Fortbildung Networking Days und da war auch Hufrehe Thema.
00:41:09
Speaker
Und da kam eine Frage aus dem Publikum, kann man den Oralen Zuckertest auch im Hufreheschub durchführen?
00:41:16
Speaker
Und da war die klare Antwort ja.
00:41:18
Speaker
Und auch, dass keine Gefahr einer Verstärkung der Hufrehe durch diesen Test ist.
00:41:24
Speaker
Also da war klar, wenn akute Hufrehe, kann man auch den oralen Zuckertest durchführen.
00:41:34
Speaker
Jetzt fasse ich mal zusammen.
00:41:36
Speaker
Um die Ursache einer hyperinsulinämischen Hufrehe zu finden, helfen Blutproben, einmal die Bestimmung des ACTH-Wertes und eventuell Durchführung des TH-Stimulationstests.
00:41:48
Speaker
Siehe hier zur ersten Podcast-Folge zum Thema PPID.
00:41:52
Speaker
Dann können wir einfach den basalen Insulinwert bestimmen.
00:41:56
Speaker
Wenn diese beiden Werte negativ sind und ihr aber immer noch nicht wisst, woher die Rehe kommt und klinischen Verdacht hat, dann wäre es ein guter Zeitpunkt, um einen dieser schönen Funktionstests zu machen.
00:42:07
Speaker
Entweder den oralen Zuckertest mit dem Maissirup oder eben...
00:42:11
Speaker
die orale Glucose via Nasenschlundsonde.
00:42:15
Speaker
Dazu könnt ihr beide Tests, also den THH-Stimulationstest und den Zuckertest, auch an einem Tag durchführen.
00:42:22
Speaker
Die Ergebnisse waren auch korrekt, wenn man die zusammen gemacht hat.
00:42:27
Speaker
Und ihr könnt die Tests auch verwenden, um das Risiko der Entwicklung einer Hufrehe abzuschätzen.
00:42:32
Speaker
Das geht besonders gut mit dem oralen Zuckertest.
00:42:34
Speaker
Und das ist für die Kommunikation von den Pferdebesitzern hilfreich, würde ich sagen.
00:42:40
Speaker
Vielen Dank für diese schöne Zusammenfassung, Karom.
00:42:46
Speaker
Das war der erste Teil des Podcasts zur hyperinsulinämischen Hufrehe mit besonderem Fokus auf die Pathophysiologie und die Diagnostik.
00:42:57
Speaker
Im zweiten Teil zu diesem Thema gehen wir genauer auf die Therapie der akuten Hufrehe ein, einschließlich der Therapie für die Insulindysregulation und für PPED.
00:43:08
Speaker
und besprechen aktuelle Studien.
00:43:10
Speaker
Wie immer, ich wünsche euch einen wunderschönen Tag, kooperative Besitzer und einen ruhigen Dienst.
00:43:17
Speaker
Bis bald.