Transcript
Speaker: Dieser Podcast wurde unterstützt von Biocontrol, dem veterinärmedizinischen Routine- und Speziallabor mit 40 Jahren Erfahrung.
Speaker: Vielen von uns ist ja schon aufgefallen, dass der klassische Hufrehe-Patient heute nicht mehr so ist wie früher.
Speaker: Ich finde ja, dass die Krankheit sich wirklich von hinten anschleicht und nicht plötzlich da ist und das Pferd kann gar nicht mehr laufen.
Speaker: In solchen Fällen handelt es sich fast annähernd immer um eine hyperinsulinämische Hufrehe.
Speaker: Und diese ist das Thema der heutigen Folge des Podcasts Equal Vet News.
Speaker: Wir wollen euch auf den neuesten wissenschaftlichen Stand im Hinblick auf diese Erkrankung bringen und haben wie immer ein paar aktuelle Studien uns genauer angeschaut.
Speaker: Und ich freue mich, dass heute Dr. Carolin Wirth wieder dabei ist, wie schon bei der letzten Folge über Lunge.
Speaker: Sie arbeitet seit 2016 in der Pferdeklinik Hochmoor als Oberärztin mit den Tätigkeitsschwerpunkten Innere Medizin und Kolikchirurgie.
Speaker: Hallo Caro!
Speaker: Ja, hi Anja.
Speaker: Ich freue mich wieder dabei zu sein und bin sehr gespannt auf dieses Thema.
Speaker: Heute darf ich dich mal vorstellen.
Speaker: Du bist Dr. Anja Gabe, Fachdärztin für Pferde und seit 25 Jahren in der Pferdepraxis und auch in Kliniken unterwegs.
Speaker: Anja erstellt seit 25 Jahren Kurzreviews für die Pferdeheilkunde und ist seit 15 Jahren verantwortlich für die Auswahl von englischsprachigen und deutschsprachigen Artikeln.
Speaker: Und seit September 2025 produziert sie diesen tollen Podcast, um wissenschaftliche Erkenntnisse, die für die Pferdepraxis von Bedeutung sind, einfach mal kompakt und praxisnah für alle verständlich zu machen.
Speaker: Vielen Dank für diese Einführung und ich muss sagen, es macht mir einen unfassbaren Spaß, diesen Podcast zu machen.
Speaker: Und dann fangen wir mal mit dem Thema an.
Speaker: Ich weiß, es nervt ein bisschen, wenn so mit Definitionen begonnen wird.
Speaker: Ich finde nur bei der Hufrege über eine Definition zu reden, ist gar nicht so unwichtig.
Speaker: Die Hufrege gilt ja als aseptische Entzündung der Huflederhaut.
Speaker: Bei der hyperinsulinämischen Hufrehe finde ich die Betonung auf das Wort Entzündung etwas fehlleitend.
Speaker: Da ja zwar Entzündungsmediatoren nachgewiesen wurden, ja, aber keine Entzündungszellen.
Speaker: Und das Erkrankungsbild der hyperinsulinämischen Hufrehe steht eigentlich in engem Zusammenhang mit einer Funktionsstörung und einer strukturellen Schädigung der lamellären Verbindung zwischen Hufbein und Hufwand.
Speaker: Und der Schwächung dieser Lamellen, das steht eher im Mittelpunkt als die Entzündung.
Speaker: Ja, würde ich spontan auch echt so mitgehen.
Speaker: Und vor allem, weil unser Thema ja heute eben die hyperinsulinämische Hufrehe ist.
Speaker: Wir wissen, es gibt drei Ursachen für Hufrehe.
Speaker: Eben die genannte hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe.
Speaker: Dann natürlich die systemische Entzündungsreaktion durch eine Grunderkrankung wie Pneumonie oder Colitis beispielsweise und die Überlastung.
Speaker: Und entsprechend einer Studie zur Prävalenz weisen tatsächlich 89 Prozent der betroffenen Pferde eine endokrinopathisch bedingte, also Hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe auf.
Speaker: Ganz schön viel, finde ich.
Speaker: Ja, die meisten wissen ja wahrscheinlich, worauf wir jetzt hinaus wollen, also auf welche Krankheitsbilder.
Speaker: Caro, welche Endokrinopathien lösen denn eine Hufrehe aus?
Speaker: Da haben wir einmal das Äquine-metabolische Syndrom, einhergehend mit einer Insulindysregulation und natürlich die Dysfunktion der Pars Intermedia, der Hypophyse, also PPID abgekürzt.
Speaker: Wobei die Auslösung der Hufrehe ja eigentlich bei diesen Erkrankungen immer im Zusammenhang mit Insulin steht.
Speaker: Und es konnte nachgewiesen werden, dass durch die intravenöse Gabe von Insulin innerhalb von 48 oder 72 Stunden bei gesunden Pferden eine Hufrehe ausgelöst wird.
Speaker: Das ist echt beeindruckend.
Speaker: Und dass Insulin die direkte Ursache für Hufrehe ist, konnte tatsächlich auch durch Ex-Vivo-Studien nachgewiesen werden.
Speaker: Bei denen wurden Gewebeblöcke bestehend aus Hufbend, Lamellengewebe und Hufbein entnommen und acht Stunden entweder alleinig oder mit Zusatz von Insulin inkubiert.
Speaker: Und dann wurden da diesem Gewebe Zugkräfte ausgesetzt.
Speaker: Und was ist dann passiert?
Speaker: Ja, tatsächlich die Gewebeblöcke, die mit Insulin inkubiert worden waren, die versagten deutlich früher als die, die nicht mit Insulin inkubiert wurden.
Speaker: Und die Autoren, die interpretieren das so in der Art, dass durch das Insulin die Lamellenstruktur geschwächt wurde und das eben schon nach acht Stunden.
Speaker: Und die histologischen Untersuchungen, die die noch gemacht haben, zeigte, dass sich die epidermale-dermale Verbindung im Bereich der Basalmembran trennte.
Speaker: Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum schwächt denn dieses Insulin die Lamellen?
Speaker: Das ist eine gute Frage und die kurze Antwort ist, wir haben keine Ahnung, wir wissen es nicht.
Speaker: Es werden immer wieder unterschiedliche Theorien aufgestellt, Untersuchungen dazu gemacht, aber im Endeffekt hat noch keiner wirklich nachweisen können, warum Insulin in der Lage ist, die Huflamellen so zu schwächen.
Speaker: Ja.
Speaker: Dann halten wir einfach grundsätzlich mal fest, Insulin löst Veränderungen der Lamellen aus, warum und wie auch immer, und kann zu Ufrehe führen.
Speaker: Jetzt stellt sich die Frage, warum entwickeln Pferde eine Insulindysregulation?
Speaker: Hast du da eine Antwort drauf?
Speaker: Also okay, wir landen jetzt beim Äquinenmetabolischen Syndrom.
Speaker: Das ist charakterisiert durch eine Insulindysregulation.
Speaker: Das ist das charakteristische Kernmerkmal für dieses Äquinenmetabolische Syndrom.
Speaker: Und die bedingt das erhöhte Risiko für eine Hufrehe.
Speaker: Und natürlich existieren auch andere Merkmale, wie zum Beispiel regionale oder generalisierte Adipositas oder Hypertriglyceridermie.
Speaker: Diese müssen aber gar nicht alle erkennbar sein und es ist auch möglich, dass ein Pferd eine Insulindysregulation hat und dünn ist.
Speaker: Jetzt haben wir immer wieder über Insulindysregulation gesprochen.
Speaker: Caro, was ist das denn eigentlich?
Speaker: Also bei der Insulindysregulation, da treten Störungen im Gleichgewicht von Insulin und Glucose im Serum bzw.
Speaker: Plasma auf.
Speaker: Und davon gibt es verschiedene Kombinationen von dieser Hyperinsulinämie.
Speaker: Es gibt Dysregulationen.
Speaker: Diese als basale Hyperinsulinämie, ohne dass vorher eine Zuckerzufuhr stattgefunden hat.
Speaker: Dann gibt es die, die nach dem Fressen oder nach Iatrogen zugeführtem Zucker, oral oder intravenös, auftritt.
Speaker: Und die, die durch Insulinresistenz im peripheren oder auch hepatischen Gewebe entsteht.
Speaker: Okay, das schauen wir uns nachher bei den Diagnosemöglichkeiten etwas genauer an.
Speaker: Jetzt bleibt aber die Frage, wieso entwickelt denn ein Pferd eine Insulindysregulation?
Speaker: Also beim Pony würde ich sagen, das sind einfach Fressmaschinen.
Speaker: Und die heutigen Pferdeponys kriegen einfach zu viel Futter.
Speaker: In zwei Studien konnte nachgewiesen werden, dass durch eine deutlich den Bedarf überschreitende Energieaufnahme über 17 Wochen bei zunächst normalgewichtigen Ponys eine signifikant höhere postprandiale Überinsulinemie auftritt als bei den Kontrollponys.
Speaker: Der basale Insulinwert war allerdings unauffällig.
Speaker: Und falls sich jemand jetzt für die Theorie dahinter interessiert, es wird davon ausgegangen, dass aufgrund der erhöhten Aufnahme von Kohlenhydraten die Absorption durch vermehrte Bildung der entsprechenden Transportproteine für Glucose gesteigert wird und eine erhöhte Aktivität der enteroinsulinären Achse entsteht.
Speaker: Na super.
Speaker: Jetzt darf ich wegen den Wechseljahren schon nichts mehr essen, ohne sofort zuzunehmen.
Speaker: Und jetzt erzählst du mir, dass je mehr Zucker ich esse, desto mehr Transportproteine habe ich, um den noch besser aufzunehmen, um noch mehr Hüftgold zu bekommen.
Speaker: Das ist ja super.
Speaker: Ich muss definitiv mehr Fahrrad fahren.
Speaker: Ich sehe das schon.
Speaker: Ja, kein Stress.
Speaker: Ich habe auch gute Nachrichten.
Speaker: Wenn du ein Pony bist und nach der langen Zuhohn-Aufnahme mal 17 Wochen nur Heu frisst, dann wird das mit dem Insulin auf jeden Fall wieder normal.
Speaker: Ja, das kannst du mir erzählen.
Speaker: Ich habe die Studie auch gelesen.
Speaker: Und in der zweiten Phase, also nach diesen 17 Wochen nur Heuaufnahme, haben die wieder sehr viel Kohlenhydrate bekommen.
Speaker: Und es zeigte sich, dass schon nach neun Wochen, nicht nach 17 Wochen zu hoher Kohlenhydrataufnahme, also früher als im ersten Versuch, der signifikante Unterschied zwischen den Kontrollponys und den über den Bedarf gefütterten Ponys,
Speaker: im Hinblick auf die postprandiale Hyperinsulinämie wieder da war.
Speaker: Also das geht dann viel schneller wieder, wenn du vorher schon so viel gegessen hast.
Speaker: Schade, genau.
Speaker: Also man muss somit davon ausgehen, auch wenn die Pferde eine Weile wieder ihrem Bedarf entsprechend gefüttert werden, dass die Anfälligkeit für eine Veränderung der Insulinwerte leider bleibt.
Speaker: Auf jeden Fall länger bestehen bleibt, ja, kommt schnell wieder.
Speaker: Wir wissen ja jetzt alle, dass wie viel man essen muss, um zuzunehmen, sehr individuell ist, sowohl bei uns Menschen als auch bei den Pferden und da denken wir natürlich alle sofort an Genetik.
Speaker: Und in einer Studie aus 2019 wurden SNP-Genotypdaten analysiert und gezeigt wurde, dass bei Morgan und auch bei Weltsponys eine mittelgradige bis hohe Heritabilität für das Äquine-metabolische Syndrom vorliegt.
Speaker: Und bei finländischen Kalbblüdern wurden mehrere potenziell mit Insulindysregulation in Zusammenhang stehende Kandidatengene nachgewiesen.
Speaker: Also Genetik spielt eine Rolle.
Speaker: Ja, das stimmt, wie so oft.
Speaker: Aber wir sind natürlich trotzdem weit entfernt von den kommerziellen Gentests.
Speaker: Und Genetik ist nicht alles.
Speaker: Also weiterhin spielt Fütterung und Bewegung.
Speaker: Eine sehr wichtige Rolle.
Speaker: Jetzt stellt sich die Frage, wie löst PPID eine Hufrehe aus und ist es allein nicht nur das PPID?
Speaker: Ja, das ist nicht so ganz klar.
Speaker: Also was wir wissen ist, dass die histopathologischen Veränderungen bei diesen Pferden, also bei Pferden mit PPID,
Speaker: denen einer durch Hyperinsulinämie ausgelösten Hufrehe entsprechen.
Speaker: Wir wissen auch, dass PPID oft mit einer Insulindysregulation einhergeht.
Speaker: Also aus einer Studie ist bekannt, da sind 274 Pferde untersucht worden mit PPID und diese wiesen zu 89,9 Prozent eine Hufrehe auf.
Speaker: Und bei 76 dieser Pferde mit Hufrehe wurde eine Insulindysregulation nachgewiesen.
Speaker: Was wir jetzt auch noch wissen, ist, dass der schwere Grad der Hufrehe bei Pferden mit PPID mit den Insulinwerten korrelierte.
Speaker: Okay, also bei den Werten kommt einem schon der Gedanke auf, dass Insulin eine wichtige Rolle spielt.
Speaker: Aber wie beeinflusst PPID den Insulinstoffwechsel überhaupt?
Speaker: Man hat immer nur so ACTH im Kopf.
Speaker: Ja, aber wir haben ja auch, dass bei PPID auch Pro-Opio-Melanocortin-Derived-Peptide vermehrt ausgeschüttet werden.
Speaker: Und da besteht die Theorie, dass diese eventuell die Insulin-Clearance verringern.
Speaker: Oder und bei den Pankreaszellen die Insulinsekretion steigern und so zu einer Insulindysregulation führen oder dazu beitragen.
Speaker: Klingt schlüssig.
Speaker: Jetzt haben wir erstmal eine Ahnung davon, warum EMS und PPID Hufrehe auslösen.
Speaker: Über die Dysfunktion der Pars Intermedia, der Hypophyse, habt ihr ja schon in der ersten Folge des Podcasts gesprochen.
Speaker: Aber Wiederholungen können ja nicht schaden, würde ich sagen.
Speaker: Also PPID ist eine langsam fortschreitende, altersabhängige, degenerative Erkrankung dopaminerger Neuronen im Hypothalamus.
Speaker: Das führt dann dazu, dass eine Hyperplasie und schließlich Adenombildung in der Pars Intermedia der Hypophyse entsteht.
Speaker: Diese setzt dann vermehrt ACTH, also das Adrenocorticotropohormon, sowie weitere verwandte Peptide frei.
Speaker: PPID betrifft 20% der Pferde über 15 Jahre und sogar 30% der Pferde über 30 Jahre.
Speaker: Und sie wird eben ausgelöst durch die gerade genannte hypothalamische Degeneration.
Speaker: Okay, und jetzt ist schon die erste Zusammenfassung.
Speaker: Also es gibt drei Auslöser für Hufrehe.
Speaker: Die hyperinsulinämische Hufrehe ist die häufigste Form.
Speaker: Hier ist der wichtigste Faktor das Insulin.
Speaker: Die beiden endokrinopathischen Grunderkrankungen, die eine Prädisposition für Hufrehe bedingen, sind zum einen das Äquine-metabolische Syndrom und zum anderen die Dysfunktion der Pars Intermedia der Hypophyse.
Speaker: Bei dem Equinmetabolischen Syndrom spielen Genetik, Fütterung und natürlich Bewegung eine wichtige Rolle.
Speaker: Bei PPID spielt das Alter die wichtigste Rolle, weil es sich um eine neurogene Degeneration handelt.
Speaker: Wir haben ja jetzt die ganze Zeit über die Auslöser einer hyperinsulinämischen Hufrehe gesprochen und damit das Pferd ein bisschen von hinten aufgezäumt.
Speaker: Wir hatten die Diagnose ja noch gar nicht gestellt.
Speaker: Und in manchen Fällen ist das heute gar nicht mehr so einfach, die Diagnose Hufreherkrankung zu stellen.
Speaker: Wir hatten ja schon erwähnt, dass das klassische Bild, also Tätigkeit,
Speaker: Das Pferd nimmt viel Last auf beide Hinterbeine auf und streckt die Beine Vorderbeine so nach vorne, kann überhaupt nicht laufen, eigentlich eher selten auftritt.
Speaker: Caro, aber trotzdem einmal die klinischen Symptome einer Hufrehe.
Speaker: Okay, also die ganz klassischen.
Speaker: Klammergang auf jeden Fall.
Speaker: Auf hartem Boden laufen sie meist schlechter als auf weichem Boden.
Speaker: Die genannte Trachtenfußung.
Speaker: Wir haben auch ein sogenanntes Trippeln, sprich die Pferde verlagern, wechseln ihr Körpergewicht von einer auf die andere Gliedmaße.
Speaker: Der Wendeschmerz ganz typisch.
Speaker: Eine vermehrte Pulsation der Digitalarterien.
Speaker: Oft auch positiver Zangenbefund, meist dann vor der Strahlspitze.
Speaker: Manche zeigen vermehrtes Liegen oder auch die Unwilligkeit, einen Huf hochnehmen zu lassen.
Speaker: Und wenn man unter den Huf guckt, haben wir auch eine Verbreiterung der weißen Linie oder außen am Hufhorn divergierende Hufringe.
Speaker: Und diese ganzen Symptome können alle zusammen oder auch einzeln auftreten.
Speaker: Du hast ja jetzt echt viele Einzelbefunde aufgezählt und ich habe mir überlegt, welcher ist mir von diesen jetzt eigentlich am wichtigsten.
Speaker: Und ich muss schon sagen, eigentlich das klassische Gangbild, also meistens sind es ja die beiden Vorderbeine, dass da Klammergang ist und der Wendeschmerz.
Speaker: Alle anderen Symptome sind sehr variabel.
Speaker: Ich habe schon alles erlebt.
Speaker: Hufrehe ohne Pulsation, Hufrehe, Zange negativ.
Speaker: Also da ist alles möglich.
Speaker: Und man muss auch sagen, es geht auch, dass nur eine Vordergliedmaße eine Lahmheit zeigt oder sogar eine Hintergliedmaße eine Lahmheit zeigt.
Speaker: Und man da echt manchmal ganz schön auf dem falschen Dampfer ist, weil man denkt, es sind ja nicht beide Beine getroffen, also beide Vordergliedmaßen betroffen.
Speaker: Aber wie so immer, in der Pferdemedizin ist alles möglich.
Speaker: Ja, voll.
Speaker: Kann ich dir nur zustimmen.
Speaker: Und ich muss sagen, wir sehen auch immer mehr Patienten, die nicht das bekannte, schwere, klassische Bild einer Hufrehe zeigen.
Speaker: Und Pferde mit geringen Symptomen oder subtilen Symptomen, wenn man sie so nennen mag, werden immer mehr.
Speaker: Das macht auf jeden Fall auch die Compliance vom Besitzer schwieriger.
Speaker: Ich glaube sogar draußen bei euch noch mehr als bei uns, dass es schwierig ist, den Leuten zu vermitteln, dass auch dieses Pferd eine Hufrehe hat.
Speaker: Weil im Kopf der Menschen ist immer noch dieses klassische Bild, hochgradig schmerzhaft, mag sich gar nicht mehr bewegen, wie du es gerade beschrieben hast.
Speaker: Ja, absolut.
Speaker: Ja, total.
Speaker: Ja, wenn jetzt das Wort Rehe im Raum steht, dann wird ja oft nach dem Röntgenbild gefragt.
Speaker: Röntgenst du beim ersten Besuch sofort?
Speaker: Ja, ich sage das jetzt ganz ehrlich.
Speaker: Ich versuche erst mal, also beim akuten Reheschub gar kein Röntgenbild zu machen, wenn ich aufgrund der Klinik eigentlich den starken Verdacht einer Hufrehe habe.
Speaker: Ich weiß, es ist ein bisschen verrückt, aber wir wissen ja, dass im akuten Zustand
Speaker: keine Veränderungen sichtbar sein müssen.
Speaker: Und da muss ich ja der Besitzerin erklären oder dem Besitzer, dass obwohl auf dem Röntgenbild nicht zu erkennen ist, das Pferd eine Hufrehe hat und der jetzt bitte in die Box geht.
Speaker: Und wir haben echt viele Offenstelle und da ist es ganz schön schwierig.
Speaker: Da muss ich sowieso schon Überzeugungskraft aufweisen.
Speaker: Und
Speaker: Wenn ich dann noch ein Röntgenbild habe, was unauffällig ist, wird das noch schwieriger.
Speaker: Jetzt ist im Jahr 2025 eine Studie veröffentlicht worden, bei welcher beurteilt wurde, ob über das Röntgenbild doch eine Einteilung in subakut oder akut an Hufrehe erkrankt oder gesund möglich ist.
Speaker: Und zwar erfolgte eine Messung der Breite der parallel zur dorsalen Hufwand verlaufenden Auffällungszone.
Speaker: Diese wurde dann zusätzlich noch in ein Verhältnis gesetzt und zwar zur palmaren, kortikalen Linie des Hufbeins.
Speaker: Bei den erkrankten Pferden war die Breite um 2 mm bzw.
Speaker: 2,2 mm breiter im mittleren Bereich des Hufbeins.
Speaker: Jetzt kommen die Abers.
Speaker: Diese Messwerte sind beeinflusst von der Positionierung des Hufs bzw.
Speaker: der Röhre.
Speaker: Diese Einflüsse waren geringer, wenn man das Verhältnis gebildet hat.
Speaker: Also das hatte eine bessere Aussagekraft.
Speaker: Ich habe jetzt meine Röntgenbilder im Nachhinein angeschaut und finde es schwierig, die Messpunkte korrekt zu setzen.
Speaker: Also ich weiß noch nicht, ob das wirklich so möglich ist, die akute Hufrehe damit zu diagnostizieren.
Speaker: Da sind schon viele Einflussfaktoren dabei.
Speaker: Und okay, das war jetzt etwas spezieller, Caro, jetzt mal ganz einfach.
Speaker: Welche Aufnahmen machst du denn beim Verdacht oder zur Kontrolluntersuchung einer Hufrehe?
Speaker: Also erstmal vorneweg, durch die komfortable Klinik-Situation fertige ich eigentlich immer direkt Röntgenaufnahmen an.
Speaker: Grundsätzlich ist es natürlich wichtig, um so einen Ist-Zustand zu haben und den Verlauf vielleicht besser beurteilen zu können.
Speaker: Auch um vielleicht eine schon vorhandene chronische Hufrehe aufzudecken, die vom Besitzer vorher unbenerkt blieb.
Speaker: was später dann Fragen aufwirft.
Speaker: Aber ich verstehe natürlich deine Compliance-Taktik sehr gut.
Speaker: Würde mich da anschließen, wenn ich draußen wäre.
Speaker: Also nicht verkehrt.
Speaker: Und man muss sagen, Geld spielt ja auch oft eine Rolle.
Speaker: Wenn es finanziell möglich ist, dann fertigen wir in der Klinik gerne drei Aufnahmen an.
Speaker: Und zwar ist es einmal die Lateromediale und die Dorsopalmare bzw.
Speaker: Plantare, die auf...
Speaker: Blöcken und wir machen eine Oxspring-Aufnahme, kann man auch als Dorsal 45 bis 55 Grad proximal palmarodistal oblieg bezeichnen.
Speaker: Wenn finanzielle Einschränkungen bestehen oder das Pferd super schmerzhaft ist und man nicht viel Zeit hat, dann ist auf jeden Fall die Lateromediale die Aufnahme, die wir als erstes machen, die wichtigste für uns.
Speaker: Und genau, dabei markieren wir die oberste Kante vom Kronenrand mit dem röntgendichten Metallmarker.
Speaker: Die Markerlänge ist bekannt, sollte bekannt sein, damit man später die Maße angleichen kann.
Speaker: Ja, was verwendest du, Anja?
Speaker: Ich habe das mit den Markern auch früher gemacht.
Speaker: Ich mag jetzt mein Kontrastmittel.
Speaker: Also ich verwende Kontrastmittel, fange oben an Kronsalm an und dann...
Speaker: Kier ich praktisch die dorsale Wand und auch die Sohle und habe schon vorher dann mit einem Marker, mit bekannter Länge praktisch mein System geeicht.
Speaker: Und das mag ich sehr gerne mit diesem Kontrastmittel.
Speaker: Wir können ja unterschiedliche Phänomene radiologisch darstellen, welche bei einer Hufrehe auftreten.
Speaker: Die meist am deutlichsten erkennbare ist ja die Rotation des Hufbeins.
Speaker: Sie ist relativ einfach sichtbar oder eben messbar.
Speaker: Allerdings muss man da immer beachten, dass die Hornwandbearbeitung einen Einfluss auf das Messergebnis hat.
Speaker: Und wir können natürlich weitere Messungen machen.
Speaker: Caro, was messt ihr denn in der Klinik so?
Speaker: Also vorneweg will ich nochmal sagen, es gibt tatsächlich zahlreiche Messungen, die man zusätzlich machen kann.
Speaker: Von denen ist für mich aber am wichtigsten die, die du gerade schon genannt hast, die Rotation.
Speaker: Dann die Sohlendicke, also zwischen Hufbein und Boden, der Abstand und die Senkung.
Speaker: Und das wird gemessen durch die sogenannte Founder Distance, die Rehstrecke im Deutschen nennt man sie oft.
Speaker: Das ist der Abstand vom Saumband.
Speaker: Zum Prozessus extensurius des Hufbeins.
Speaker: Neben diesen Messungen, die man macht, eben noch sehr, sehr, sehr viele weitere andere, können auch noch Parameter wie Aufhellungslinien, zum Beispiel im Bereich der dorsalen Wand und ein sogenanntes Coronary Bend Hallow sowie Formveränderung von Hufhorn und Hufbein beurteilt werden.
Speaker: Jetzt ist es ja so, dass diese vielen Messmöglichkeiten einem suggerieren, dass man super objektive Auswertung der Röntgenbilder bei Hufrehe-Pferden hat.
Speaker: Aber wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail.
Speaker: Es gibt wirklich individuelle und auch ausgeprägte Unterschiede in Referenzwerten bei verschiedenen Rassen und auch bei verschiedenen Größen.
Speaker: Und man muss beachten, eigentlich jeder Huf ist vom Hufschmied bearbeitet und kann, je nachdem wie lang oder kurz es her ist, die Befunde erheblich verfälschen.
Speaker: Und wie du schon sagst, im Anfangsstadium kann Röntgenbefunden ja komplett fehlen.
Speaker: Am Ende gibt es auch einfach eine große Überschneidung zwischen normalen und abnormalen Werten.
Speaker: Die Röntgentechnik kann gravierenden Einfluss nehmen.
Speaker: Wir haben zum Beispiel eine Kadaverstudie.
Speaker: Da konnten die bei unterschiedlich schrägen Aufnahmen tatsächlich signifikante Veränderungen in der Messung des Rotationsgrades feststellen.
Speaker: Also wenn ein bisschen schräg nach Dorsal geröntgt wurde, war bereits ab 5 Grad schräg eine Signifikanz messbar.
Speaker: Und wenn man nach Palma abwich, dann war es bei über 10 Grad Abweichungen.
Speaker: Deshalb sollte man wirklich sehr vorsichtig mit diesen Messwerten und auch deren Aussagen umgehen.
Speaker: Und ich muss sagen, wir in der Klinik, wir legen auch nicht mehr so viel Wert auf diese Messungen.
Speaker: Also wir machen sie, wir dokumentieren sie auch immer wieder, aber sie sind für uns nicht das ausschlaggangene Kriterium.
Speaker: Und wir nehmen mehr die Hinweise auf dem Röntgenbild plus die Klinik zusammen.
Speaker: Aber wir fokussieren uns nicht auf diesen Messungen.
Speaker: Jetzt habe ich noch mal eine Frage zu der Kadaverstudie.
Speaker: Wenn ich jetzt nicht perfekt 90 Grad röntge, kann ich dann auch eine Rotation simulieren oder wegröntgen?
Speaker: Also eine, wenn sie nicht vorhanden ist, nein.
Speaker: Also ein gesunder Huf, da kannst du drehen und wenden, wie du willst.
Speaker: Du wirst eine Parallelität haben.
Speaker: Aber wenn du eine Rotation hast, dann kannst du die verschlechtern.
Speaker: Das heißt, nur die Ausprägung kann ich verändern, aber nicht, ob eine da ist oder nicht.
Speaker: Genau.
Speaker: Man muss mehr aufpassen, wenn man die Röntgenbilder macht.
Speaker: Mhm.
Speaker: Mhm.
Speaker: Okay, bei uns und ja auch bei den BesitzerInnen ist ja eigentlich immer im Kopf, dass wenn die Befunde im Röntgenbild extrem ausgeprägt sind, dass dann auch die Prognose schlechter ist.
Speaker: Caro, du hast dir da ja Studien angeschaut.
Speaker: Wie sieht das denn da aus?
Speaker: Also ich habe dazu zwei ganz interessante Artikel gelesen.
Speaker: Einmal war das ein Review und da wurde geschlussfolgert, dass der prognostische Wert der einzelnen Röntgenveränderungen ganz kontrovers beurteilt wird.
Speaker: Die Tendenz geht ein bisschen in die Richtung, dass die Senkung schwerer wiegt als die Rotation allein.
Speaker: Das erklärt sich ja eigentlich dadurch, dass bei der Senkung die Lamellen rundherum geschädigt sind.
Speaker: Und dann gab es eine Arbeit mit 591 Pferden mit Hufrehe, also eine große Zahl.
Speaker: Und da war die Hufbeinsenkung auf jeden Fall prognostisch ungünstiger.
Speaker: Wichtigster Prognosefaktor ist einfach die Ausprägung der klinischen Symptome.
Speaker: Es gibt ja diese Einteilung über Obel, die wir kennen.
Speaker: Und eine Studie hat herausgefunden, dass bei einem Obelgrad von drei oder vier die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu Obelgrad eins, dass sich für eine Euthanasie entschieden wird, zehn bis zwanzig Mal höher ist.
Speaker: Nochmal zur Erinnerung, Obelgrad drei heißt, Pferd bewegt sich widerwillig, Abwehr beim Versuchen, Huf aufzunehmen und Grad vier ist tatsächlich die komplette Verweigerung der Bewegung und Laufen nur unter Zwang möglich.
Speaker: Und man kann sagen, dass bei einer Hufrehe, die durch eine systemische Entzündungsreaktion ausgelöst wird, also nicht unser heutiges Thema, die Prognose im Allgemeinen etwas schlechter ist.
Speaker: Ich kann es schon wieder zusammenfassen.
Speaker: Ist ja nett.
Speaker: Also die klinischen Befunde einer Hufrehe variieren in ihrer Ausprägung und müssen nicht alle vorhanden sein.
Speaker: Die Darstellung übers Röntgenbild ist eher im chronischen Zustand möglich.
Speaker: Im akuten Zustand müssen keine Befunde vorhanden sein.
Speaker: Wichtig, die Darstellung des Kronsaums und der Hornwand entweder mit Kontrastmittel oder mit Metallmarker.
Speaker: Es gibt sehr viele Messparameter, aber Achtung, diese werden durch die Aufnahmetechnik beeinflusst.
Speaker: Um eine Prognose zu formulieren, solltet ihr mehrere Faktoren mit einbeziehen.
Speaker: Von größerer Bedeutung ist der klinische Schweregrad das Gewicht des Pferdes.
Speaker: Da sind wir heute noch gar nicht drauf eingegangen, das spielt natürlich eine große Rolle.
Speaker: Die Chronizität der Rehe und im Hinblick auf das Röntgenbild eher die Hufbeinsenkung und nicht die Rotation.
Speaker: Da die Therapie der Hufrehe natürlich vom Auslöser abhängig ist, gehen wir jetzt darauf ein, wie eine Insulindysregulation diagnostiziert werden kann.
Speaker: Im Hinblick auf PPID wissen wir ja, wir messen den ACTH-Wert und zur Probenaufbereitung und für die Fälle, in denen die ACTH-Konzentration nicht den Wert hat, den ihr eigentlich erwartet habt,
Speaker: haben wir ein zusätzliches Testverfahren.
Speaker: Auf das sind wir genauer in der ersten Folge dieses Podcasts eingegangen.
Speaker: Ich weiß, der Ton ist da nicht so gut, aber der Inhalt ist schon, das passt schon.
Speaker: Okay, eine Insulindysregulation entspricht ja entweder einer basalen Hyperinsulinomie oder einer postprandialen Hyperinsulinomie, also nach Aufnahme von Kohlenhydraten oder einer verringerten Insulinsensitivität.
Speaker: Okay Caro, welche diagnostischen Möglichkeiten haben wir?
Speaker: Ganz einfach.
Speaker: Erstmal kann man den basalen Insulinwert bestimmen.
Speaker: Ich habe jetzt ganz viele Fragen.
Speaker: Also erstens, müssen die Pferde davor hungern?
Speaker: Welches Probenmaterial verwenden wir?
Speaker: Muss die Probe schnell abzentrifugiert werden?
Speaker: Muss sie gekühlt aufbewahrt werden oder sogar gefroren werden?
Speaker: Ja, das sind eigentlich alles so meine Fragen, die ich jetzt so habe.
Speaker: Also, die Pferde müssen nicht mehr hungern, wie man es früher mal gesagt hat.
Speaker: Die können Heu gefressen haben, die dürfen auch auf der Wiese gewesen sein.
Speaker: Einzige Ausnahme, wichtig ist, circa sechs bis acht Stunden vorher kein Kraftfutter, sprich auch keine Leckerlis, keine Möhren, keine Äpfel.
Speaker: Dann nehmt ihr Vollblutproben, wartet die Gerinnung ab.
Speaker: 20, 30 Minuten dauert das meistens bei Raumtemperatur.
Speaker: Im Winter, wenn es kälter ist, auch schon mal 45 bis 60.
Speaker: Und idealerweise sollte die Probe danach abzentrifugiert werden und das Serum schnell in die Kühlung reinführt.
Speaker: Ich muss sagen, ich habe hier natürlich auch gut reden.
Speaker: Ich arbeite in der Klinik und die Wege vom Patienten zur Zentrifuge und dann auch zum Kühlschrank sind irgendwie super kurz.
Speaker: Ja, aber Anja, draußen in der Praxis, wie machst du das da?
Speaker: Du fährst dann ja auch noch weiter zu anderen Kunden, wenn du die Probe genommen hast.
Speaker: Ja, ich muss mir zugeben, ich gönne mir den Luxus einer Zentrifuge im Auto und habe auch ein Aggregat.
Speaker: Das heißt...
Speaker: Finde ich super.
Speaker: Ich zentrifugiere die Probe auch nach der Gerinnungsphase ab und stelle sie dann in meine Kühlschublade.
Speaker: Wir haben jetzt echt viel gelesen für diesen Podcast.
Speaker: Ich habe jetzt auch mal geguckt.
Speaker: Ja, die hat auch ihre 4 Grad Celsius.
Speaker: Ich habe jetzt noch mal Studien gesucht, um rauszufinden, ob wir wirklich so schnell abzentrifugieren müssen.
Speaker: Also ob wir wirklich nach dieser Gerinnungsphase sofort abzentrifugieren müssen.
Speaker: Das ist cool und irgendwie auch relevant.
Speaker: Gibt es da Informationen, die den Praxisalltag dann ein bisschen entspannen?
Speaker: Ja, also ich sage jetzt schon mal vorweg, es gab Unterschiede zwischen den Informationen, die ich von meinem Labor erhalte und den Ergebnissen der Studie.
Speaker: Das ist schon mal ein bisschen spannend.
Speaker: Also Dakota Leschke hat zu dem Thema 2019 etwas veröffentlicht.
Speaker: Und zwar wurde in dieser Studie die Proben verfüllt in Serum, Heparin und EDTA-Röhrchen.
Speaker: Und dann bei 4 Grad Celsius und 20 Grad Celsius nicht abzentrifugiert aufbewahrt.
Speaker: Bis zu acht Tage nach Blutabnahme.
Speaker: Und dann natürlich nach bestimmten Zeiten abzentrifugiert und der Insulinwert bestimmt, um zu schauen, wann verändert der sich denn.
Speaker: So, und wenn die Heparinproben und Vollblutproben im Serumröhrchen bei 4 Grad aufbewahrt worden waren, konnte gar kein Einfluss des Zeitpunktes der Zentrifugation festgestellt werden.
Speaker: Also somit könnten Proben bei 4 Grad Celsius über 8 Tage aufbewahrt werden, also die Vollblutproben.
Speaker: Bei 20 Grad war das kürzer, also da bleiben die Werte stabil bis zu 3 Tagen.
Speaker: Also das wäre dann auch so, dass die Zentrifugation erst nach drei Tagen erfolgen müsste.
Speaker: Und dann im nächsten Schritt, das Insulin war im Serum oder im Heparin-Plasma bei Kühlung über drei Tage stabil.
Speaker: Wichtig, in dieser Studie wurde herausgefunden, dass die EDTA-Plasma-Werte von Insulin deutlich niedriger waren im Vergleich zu den Serum-Werten.
Speaker: Das sind spannende Erkenntnisse und würde den Praxisalltag ja immens entspannen, oder?
Speaker: Ja, eigentlich schon.
Speaker: Also eigentlich, nach diesen Ergebnissen, könnte man mit dem Vollblut den ganzen Tag durch die Gegend fahren und zu Hause abzentrifugieren.
Speaker: Ich würde es aber ehrlicherweise nach der Gerinnungsphase im Sommer sicherheitshalber ins Kühlfach stellen, da im Sommer ja dann doch im Auto die Temperatur über 20 Grad geht.
Speaker: somit theoretisch könntet ihr mit dem Vollblut durch die Gegend fahren und abends abzentrifugieren.
Speaker: So, und ich habe ja eigentlich gesagt, ich habe mit meinem Labor gesprochen.
Speaker: Und deren Ergebnisse der Präanalytik stimmen nicht mit den Studienergebnissen überein.
Speaker: Also deren Ergebnisse entsprechend sollte die Probe innerhalb von zwei bis vier Stunden nach Probenentnahme zentrifugiert werden und das Serum- oder Heparinplasma daraufhin in die Kühlung bringen.
Speaker: Also sprecht es mit eurem Labor ab, wie deren Ergebnisse von der Präanalytik ist und der Versand der Probe dann doch lieber gefroren, damit wirklich sichergestellt ist, dass diese 4 Grad Celsius aufrechterhalten bleiben.
Speaker: Wir sollten nämlich auch noch im Labor nachfragen, welches Analysegerät die benutzen, damit man den Insulinwert richtig beurteilen kann.
Speaker: Weil die Referenzen mit einem bestimmten Test gemacht werden.
Speaker: Es gibt im Internet tatsächlich dafür ein freizugängliches Tool.
Speaker: Das ist der Equine Insulin Converter.
Speaker: Allerdings muss man jetzt zu diesem Ganzen, was wir gerade besprochen haben, sagen, dass die Sensitivität des Basal-Insulin-Wertes gar nicht so gut ist.
Speaker: Sprich, wenn der Wort in der Norm ist, aber das klinische Bild eigentlich überhaupt nicht dazu passt, dann heißt es weiter testen.
Speaker: Also wir internesten, wir testen ja gerne.
Speaker: Für uns also gar kein Problem.
Speaker: Ich würde sagen, es geht weiter mit dem oralen Zuckertest.
Speaker: Wie machst du den, Anja?
Speaker: Also entsprechend neuere Erkenntnisse verwende ich.
Speaker: 0,45 Milliliter pro Kilogramm Karolite Kornsirup.
Speaker: Den kann man im Internet bestellen.
Speaker: Also zuerst Vollbeprobe ins Serumröhrchen.
Speaker: Dann den klebrigen Sirup mit 60 Milliliter Spritze, also irgendwie in das Pferd bekommen.
Speaker: Ich sage es ganz ehrlich, also freiwillig haben die das noch nie bei mir gefressen.
Speaker: Also es ist wirklich eine Riesensauerei, dieses Zuckerzeug in das Pferd zu bekommen.
Speaker: Dann wird die zweite Blutprobe entweder nach 60 oder 90 Minuten genommen, warten, bis die Blutproben geronnen sind, abzentrifugieren, Serum abheben und ab in die Kühlung und gefroren ins Labor.
Speaker: Bei diesem Wert wird kontrolliert, wie hoch der Insulinwert nach Gabe von Zucker im Endeffekt ansteigt.
Speaker: Die Richtwerte dazu findet ihr in den Shownotes, in welchen ja immer die wichtigsten Daten sind und der Link zu den Quellen aufgeführt wird.
Speaker: Und eine Lektüre, welche ich euch wirklich gerne an die Hand geben möchte, wären die Unterlagen der Equine Endocrinology Group.
Speaker: Die sind frei zugänglich im Netz und da sind wirklich sehr viele Informationen, sowohl zu PPID als auch zu EMS, aufgeführt.
Speaker: Und auch, die wird immer wieder aktualisiert.
Speaker: Da sind auch Schaubilder, wann man welchen Tests macht, wie aussagekräftig welcher Test ist.
Speaker: Caro, jetzt bist du ja in der Klinik.
Speaker: Du machst den Test anders, ne?
Speaker: Du nimmst kein Karosirup, oder?
Speaker: Nee, genau.
Speaker: Wir machen den oralen Glucose-Test per Nasenschlundsonde.
Speaker: Bei uns ist es so, dass die Pferde stationär eingestellt werden und über Nacht hungern.
Speaker: Morgens wird dann eine Blutprobe für Basalwerte entnommen.
Speaker: Dann kriegen die Patienten, nachdem wir sie gewogen haben, weil da dosieren wir wirklich genau, ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht Glucose, aufgelöst in einer 20-prozentigen Lösung, per Nasenschlundsonne verabreicht.
Speaker: Und in den meisten Fällen nehmen wir eine Blutprobe 120 Minuten später.
Speaker: Es gibt auch Protokolle, wo häufiger Blut genommen wird, aber es wurde festgestellt, dass diese 120-Minuten-Blutprobe für eine Aussage ausreicht.
Speaker: Ganz wichtig hier zu erwähnen ist noch, dass man keine Alpha-2-Agonisten verwenden sollte, vor allem kein Xylacin, weil da weiß man, das verfälscht den Insulinwert.
Speaker: Also wenn man einen sehr, sehr wehrhaften Patienten hat, muss man eventuell eine andere Option wählen.
Speaker: Ja, dann kauf dir demnächst den Karossirup-Edge.
Speaker: Die auch das klebrige Zeug verwenden.
Speaker: Da würde ich fast sagen, die Sonde geht schneller und komfortabler bei uns in der Klinik.
Speaker: Würde ich auch sagen, ist echt eine Schweinerei.
Speaker: Ja, gut, jetzt haben wir den basalen Insulinwert bestimmt und den oralen Zuckertest durchgeführt.
Speaker: Und mit diesen Methoden haben wir jetzt eben erstmal die basale Hyperinsulinämie und auch die postprandiale Hyperinsulinämie erfasst.
Speaker: Eine Insulindysregulation kann ja aber auch mit einer verminderten Insulinsensitivität einhergehen.
Speaker: Die Testverfahren für diese Insulinsensitivität sind aber komplizierter und für Praxis und auch sogar Klinik eigentlich zum Teil wegen des Zeitaufwands, aber auch wegen des schwer verfügbaren zu verwendeten Insulins.
Speaker: Nicht so praktikabel.
Speaker: Also daher gehen wir da jetzt heute auch nicht genauer drauf ein, weil das unter Forschungsbedingungen routinemäßig gemacht wird, aber in Praxis und Klinik tatsächlich selten.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Das lassen wir aus.
Speaker: Wird schon lange genug heute, glaube ich.
Speaker: Also, sowohl beim Insulin als auch beim ACTH kommt ja immer wieder die Frage, inwieweit Stress das Ergebnis beeinflussen kann.
Speaker: Im Hinblick auf ACTH wurde 2020 eine Untersuchung durchgeführt und bei dieser wurde ein Schmerzscore eingesetzt und daraufhin beurteilt, ob es eine Korrelation zwischen dem Pain-Score und der Konzentration von ACTH gibt.
Speaker: Und es konnte keine Korrelation festgestellt werden, also überhaupt nicht.
Speaker: Auch nicht bei einem hohen Pain-Score gab es eine Korrelation zwischen der Konzentration von ACTH und diesem Schmerz.
Speaker: Aber es bestand eine Korrelation zur Cortisol-Konzentration.
Speaker: Und in einer weiteren Untersuchung, in welcher Hufrehe-Pferde eingeschlossen worden war, zeigte sich keine Korrelation zwischen geringem bis mittelgradigem Schmerz.
Speaker: Und den ACTH-Wert.
Speaker: Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie sieht denn das jetzt beim Insulin aus?
Speaker: Da ist es ein bisschen anders.
Speaker: Im Fall von Insulin gibt es auf jeden Fall Studien, die einen Einfluss von Stress zeigen.
Speaker: Für mich als Klinikerin ist hier der Zusammenhang mit dem Transport nicht ganz unwichtig.
Speaker: Der löst nämlich mehr Stress aus, als man manchmal denkt.
Speaker: Und ganz kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass ein Transport, der über 1,5 Stunden dauert, sowohl die basale Insulinkonzentration als auch das Ergebnis des oralen Zuckertests bei Pferden mit Insulindysregulation beeinflusst und das tatsächlich über einen Zeitraum von 24 Stunden.
Speaker: Fazit also für die Klinik, um keine falschen Testergebnisse zu erhalten, sollten die Pferde bestmöglich erst nach 24 Stunden, wenn sie in der Klinik angekommen sind, beprobt werden.
Speaker: Sonst besteht vor allem bei der Basalwertmessung das Risiko einer falsch positiven Diagnose von Insuliner Dysregulation.
Speaker: Das ist schon spannend.
Speaker: Ich habe jetzt wirklich lange gesucht, um Studien zu finden, bei welchem der Einfluss von Schmerz, also gerade orthopädischem Schmerz,
Speaker: auf die Insulinkonzentration im Blut untersucht worden ist.
Speaker: Und ich bin echt nicht fündig geworden.
Speaker: Also es existiert eine Untersuchung zur systemischen Entzündungsreaktion.
Speaker: Und da waren sowohl die Insulinwerte als auch eine Hyperglykämie mit dem Auftreten einer SIRS, also dieser systemischen Entzündungsreaktion, korreliert.
Speaker: Aber ob ein orthopädischer Schmerz den Insulinwert ansteigen lässt, dazu habe ich wirklich nichts gefunden.
Speaker: Und ich habe in meiner Verzweiflung schon vorher bei meinen eigenen Patienten Blutproben abgenommen, aber leider bei keinem mit Lahmheit, das ist der nächste.
Speaker: Aber bei einem Pferd mit Kolik und hochgradigem Glaukom, da waren die Insulinwerte in Ordnung.
Speaker: Und dann eine Stute, die wirklich dick ist, also wirklich dick.
Speaker: Die Besitzerin kriegt jedes Mal Ärger, wenn ich komme.
Speaker: Und diese Stute hat eine hochgradige Uticaria entwickelt, die sah aus wie so ein Michelin-Männchen.
Speaker: Also das war überall geschwollen.
Speaker: Und da war der Insulinwert auch normal, war jetzt in dem Fall nicht so gut, weil jetzt lässt sie die auf keinen Fall mehr diäten, weil die sagt, ja Frau Kabe, der Insulinwert war ja gut.
Speaker: Jetzt ist ja immer wieder die Frage, können wir, wenn das Pferd Schmerzen hat...
Speaker: den Basalwert bestimmen, dessen Sensitivität ja jetzt sowieso nicht so hoch ist.
Speaker: Es besteht ja die Möglichkeit des Oralen Zuckertests.
Speaker: Auch da ist die Frage, können wir den dann machen?
Speaker: Und wir beide waren ja eben erst auf der GPM-Fortbildung Networking Days und da war auch Hufrehe Thema.
Speaker: Und da kam eine Frage aus dem Publikum, kann man den Oralen Zuckertest auch im Hufreheschub durchführen?
Speaker: Und da war die klare Antwort ja.
Speaker: Und auch, dass keine Gefahr einer Verstärkung der Hufrehe durch diesen Test ist.
Speaker: Also da war klar, wenn akute Hufrehe, kann man auch den oralen Zuckertest durchführen.
Speaker: Jetzt fasse ich mal zusammen.
Speaker: Um die Ursache einer hyperinsulinämischen Hufrehe zu finden, helfen Blutproben, einmal die Bestimmung des ACTH-Wertes und eventuell Durchführung des TH-Stimulationstests.
Speaker: Siehe hier zur ersten Podcast-Folge zum Thema PPID.
Speaker: Dann können wir einfach den basalen Insulinwert bestimmen.
Speaker: Wenn diese beiden Werte negativ sind und ihr aber immer noch nicht wisst, woher die Rehe kommt und klinischen Verdacht hat, dann wäre es ein guter Zeitpunkt, um einen dieser schönen Funktionstests zu machen.
Speaker: Entweder den oralen Zuckertest mit dem Maissirup oder eben...
Speaker: die orale Glucose via Nasenschlundsonde.
Speaker: Dazu könnt ihr beide Tests, also den THH-Stimulationstest und den Zuckertest, auch an einem Tag durchführen.
Speaker: Die Ergebnisse waren auch korrekt, wenn man die zusammen gemacht hat.
Speaker: Und ihr könnt die Tests auch verwenden, um das Risiko der Entwicklung einer Hufrehe abzuschätzen.
Speaker: Das geht besonders gut mit dem oralen Zuckertest.
Speaker: Und das ist für die Kommunikation von den Pferdebesitzern hilfreich, würde ich sagen.
Speaker: Vielen Dank für diese schöne Zusammenfassung, Karom.
Speaker: Das war der erste Teil des Podcasts zur hyperinsulinämischen Hufrehe mit besonderem Fokus auf die Pathophysiologie und die Diagnostik.
Speaker: Im zweiten Teil zu diesem Thema gehen wir genauer auf die Therapie der akuten Hufrehe ein, einschließlich der Therapie für die Insulindysregulation und für PPED.
Speaker: und besprechen aktuelle Studien.
Speaker: Wie immer, ich wünsche euch einen wunderschönen Tag, kooperative Besitzer und einen ruhigen Dienst.
Speaker: Bis bald.

