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Zwei neue Studien zu Einflussfaktoren auf die Insulinkonzentration im Blut und die Gehalte von nicht-strukturellen Kohlenhydraten im Weidegras

Equine Vet News
Equine Vet News

384 plays · Apr 21, 2026

In dieser Folge von Equine Vet News diskutieren Dr. Anja Gabe und Dr. Caroline Wirth die Ergebnisse von zwei Studien, von welchen eine Untersuchung sich mit den unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Insulinkonzentration – Jahreszeit, Rasse, Alter und Geschlecht – beschäftigt: „The Seasonality of Serum Insulin Concentrations in Equids and the Association With Breed, Age, and Sex“ von Ana Lopes et al., veröffentlicht 2025 im Journal of Veterinary Internal Medicine. Die zweite Untersuchung befasste sich mit saisonalen Variationen der nicht-strukturellen Kohlenhydrate (NSC) im Weidegras und deren metabolische Auswirkungen: „The Effect of Seasonal Changes in Non-Structural Carbohydrates in Pasture on the Metabolic Profile of Horses with Laminitis“ von Eva Mlyneková et al. veröffentlicht 2026 in Animals. Auch besprechen Dr. Anja Gabe und Dr. Caroline Wirth den Ablauf einer durch Fruktane ausgelösten Hufrehe. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Insulinkonzentrationen als auch NSC-Gehalte jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen. Während Insulinwerte – auch bei Pferden mit Hufrehe – nicht signifikant durch die Variationen der nicht-strukturellen Kohlenhydraten verändert waren, zeigen vorberichtlich an Hufrehe erkrankte Pferde signifikante Veränderungen der Glukosekonzentration. Quellen Seasonality of Serum Insulin Concentrations in Equids and the Association With Breed, Age, and Sex von Ana Lopes et al (2025) Journal of Veterinary Internal Medicine https://doi.org/10.1111/jvim.70089 The Effect of Seasonal Changes in Non-Structural Carbohydrates in Pasture on the Metabolic Profile of Horses with Laminitis von Eva Mlyneková et al (2026) Animals https://doi.org/10.3390/ani16020267 Pasture Non-Structural Carbohydrates and Equine Laminitis. Vicky Longland et al. (2006) Proceedings of the Nutrition Society https://doi.org/10.1093/jn/136.7.2099S Equine Laminitis: Induced by Oligofructose (Fructan) Overload Christopher Pollitt et al. (2006) Journal of Veterinary Internal Medicine https://doi.org/10.2746/042516406776866327 Fruktangehalt im Gras von Pferdeweiden während der Weidesaison 2002 Dahlhoff S, Dissertation Hannover 2003

Transcript

Speaker: In dieser Folge des Podcasts Equim-Vet-News möchten wir euch die Ergebnisse von zwei Studien noch einmal im Rahmen des Themenkomplexes Hufrehe vorstellen.

Speaker: Die eine Studie beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Insulinkonzentration

Speaker: Und die andere mit den Variationen der Kohlenhydratkonzentration, und zwar der nicht strukturellen Kohlenhydraten im Gras über die Weidesaison hinweg.

Speaker: In den letzten beiden Folgen haben wir ja schon sehr ausführlich über das Thema hyperinsulinische Hufrehe gesprochen.

Speaker: Heute wollen wir das Ganze etwas kürzer halten und uns nur auf zwei aktuelle Studien zu diesem Thema fokussieren.

Speaker: Eigentlich ähnlich wie im Journal Club.

Speaker: Genau, ich bin mal gespannt, ob wir das schaffen, uns kurz zu halten.

Speaker: Und wir halten uns kurz, aber wir stellen uns jetzt auch kurz einmal vor.

Speaker: Ich bin Dr. Anja Garbe, Host dieses Podcasts, in welchem wir euch aktuelle Studienerkenntnisse kompakt und praxisnah vorstellen wollen.

Speaker: Und heute ist Dr. Caroline Wirth wieder dabei.

Speaker: Die ist Oberärztin aus der Pferdeklinik in Hochmoor und sie war ja schon bei drei Folgen dazugeschaltet.

Speaker: Und es ist immer wieder eine Freude und es macht unfassbaren Spaß, mit dir, Caro, über tiermedizinische Themen zu sprechen.

Speaker: Ja, schön.

Speaker: Ich freue mich wie immer, dabei zu sein und würde sagen, wir fangen mit der ersten Studie an.

Speaker: Für die Diagnose der Insulindysregulation messen wir Insulin entweder als Basalenwert oder im Rahmen des oralen Zuckertests.

Speaker: Jetzt stellt sich hier natürlich die Frage nach Einflussfaktoren auf diese Insulinwerte.

Speaker: Und da haben Ana Lopez et al.

Speaker: im Jahr 2025 im Journal of Veterinary Internal Medicine einen Artikel veröffentlicht.

Speaker: Ja, vorherige Studien hatten schon einen saisonalen Einfluss auf die Insulinwerte nachgewiesen und auch rassebedingte Unterschiede gezeigt.

Speaker: Und aus der Humanmedizin ist bekannt, dass sogar geschlechtsbezogene Einflüsse bestehen.

Speaker: Genau.

Speaker: Allerdings muss man sagen, die Ergebnisse der schon veröffentlichten Studien waren ja nicht so richtig einheitlich und die Tierzahlen relativ klein.

Speaker: Da sollte jetzt in dieser Studie eine größere Probandenzahl mit einbezogen werden.

Speaker: Genau.

Speaker: Und in die Auswertung aufgenommen wurden Daten zu Jahreszeit, Rasse, Geschlecht und Alter und dann natürlich deren eventueller Einfluss auf die basale Insulinkonzentration bzw.

Speaker: die Insulinkonzentration nach der Gabe von Zucker.

Speaker: Also dort war das in der Regel der Karosirup, wie wir das schon kennen.

Speaker: Und sag mal, wie haben die diese größere Studienpopulation überhaupt zusammenbekommen?

Speaker: Die haben einfach beim Labor nachgefragt.

Speaker: Also es wurden retrospektiv Labordaten aus den Jahren 2012 bis 2023 ausgewertet und damit konnten 57.700 Datensätze gesichtet werden.

Speaker: Und dann in die endgültige Auswertung aufgenommen wurden dann die Datensätze, klar, bei denen entweder die basale Insulinkonzentration bestimmt worden war oder eben die Insulinkonzentration,

Speaker: 60 beziehungsweise 90 Minuten nach der Gabe des Karosirups, also im Rahmen des Oralen Zuckertests.

Speaker: Welche Parameter haben die denn dann in Beziehung zu dem Insulinwert gesetzt?

Speaker: Die haben die Jahreszeit genommen, also Frühjahr, März bis Mai, Sommer, Juni bis August, dann der Herbst war September bis November und Winter, Dezember bis Februar und eben wie schon gesagt, Rasse, Geschlecht und Alter.

Speaker: So, und die ganze Zeit haben wir jetzt darüber gesprochen, wie viele Fälle kamen denn letztendlich zusammen?

Speaker: Ja, das sind schon viele Zahlen.

Speaker: Also für den basalen Insulinwert waren es 15.140 eingesandte Proben.

Speaker: Die Verteilung über das Jahr war relativ gleichmäßig.

Speaker: Es war ein bisschen vermehrt im Frühjahr und im Sommer.

Speaker: Da wurden ein bisschen mehr Proben eingesandt für diesen Wert als im Herbst und im Winter.

Speaker: Was wäre das denn dann für die einzelnen Jahreszeiten?

Speaker: Jetzt mal ganz schnell gerechnet von dir an, ja.

Speaker: Also ganz schnell Winter circa 3.000, auch im Herbst circa 3.000 und im Frühjahr und Sommer waren es 4.000 bis 5.000.

Speaker: Eingeschickte Proben.

Speaker: Das sind schon große Zahlen.

Speaker: Von der Rasseverteilung, wie sah das da aus?

Speaker: Die üblichen Verdächtigen?

Speaker: Ja, also es ist nicht verwunderlich.

Speaker: Shetland-Ponys, Welch-Ponys und Cops waren am häufigsten vertreten.

Speaker: Natürlich waren auch Warmblüter und Vollblüter dabei, aber eben seltener als die genannten Ponyrassen.

Speaker: Und ich nehme jetzt eine Antwort schon vorweg.

Speaker: Du fragst dich ja gleich nach dem Alter.

Speaker: Das lag im Median bei 16 Jahren.

Speaker: Okay, und wie viele Proben im Rahmen eines oralen Zuckertests wurden genommen?

Speaker: Ab dem Jahr 2017 wurde der durchgeführt und das waren ca.

Speaker: 6000 Proben.

Speaker: Und auch hier wieder unsere Ponys, Cops, Shetland Ponys und Welch Ponys vermehrt vertreten.

Speaker: Gut, wieder hohe Zahlen.

Speaker: Und welche Einflussfaktoren haben die jetzt hier auf die basale Insulinkonzentration festgestellt?

Speaker: Also im Hinblick auf die Jahreszeit zeigt es sich, dass die basale Insulinkonzentration im Winter signifikant höher war als im Sommer, Frühjahr oder Herbst.

Speaker: Ein ähnliches Muster wurde auch bei den Werten nach Gabe des Karo-Sirups beobachtet.

Speaker: Also im Hinblick auf die Signifikanz.

Speaker: Hier waren die Werte im Herbst signifikant niedriger als im Frühjahr, Sommer oder Winter.

Speaker: Also wieder, nur eben nicht signifikant, tendenziell höhere Werte im Winter und Frühjahr im Vergleich zu Sommer oder Herbst.

Speaker: Die Tendenz geht halt dazu, dass Winter und Frühjahr die Werte höher sind, sowohl

Speaker: die Basalinsulinkonzentration als auch die Nachgabe des Karosirops.

Speaker: Hätte ich jetzt erstmal so nicht erwartet, wie erklären die Autoren diese Ergebnisse?

Speaker: Hättest du das gedacht?

Speaker: Ja, nee, und es ist auch echt spannend, wie viele unterschiedliche Mechanismen sie dann in die Diskussion aufgenommen haben.

Speaker: Manche sind einfacher zu verstehen und manche sind etwas komplizierter.

Speaker: Wir werden euch da jetzt so ein bisschen durchführen.

Speaker: welche Mechanismen das auslösen könnte.

Speaker: Machen wir es von einfach zu schwer, hoffe ich.

Speaker: Der erste Gedanke, der einem kommt, ist natürlich die Fütterung.

Speaker: Da hätte ich aber irgendwie einen größeren Einfluss über die Weide erwartet.

Speaker: Und im Winter fällt die Weide ja eigentlich weg.

Speaker: Aber da sind die Werte höher.

Speaker: Wie erklären die das?

Speaker: Ja.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Also es ist erstmal sehr schade, die haben keine Daten zur Fütterung erfasst.

Speaker: Das ist natürlich zum einen dem retrospektiven Charakter der Studie geschuldet.

Speaker: Und wenn wir ehrlich sind, Fütterungsdaten von fast 22.000 Pferden zu erfassen, sprengt einfach den Rahmen so einer Studie.

Speaker: Und die einfachste Erklärung für die Autoren war, dass die Pferde im Winter mehr Kraftfutter erhalten, also energiereicheres Futter und dass dadurch die Werte im Winter höher sind.

Speaker: Okay, das wäre jetzt also die banale Erklärung über die Fütterung.

Speaker: Finde ich gut nachvollziehbar.

Speaker: Ja, jetzt kommt aber das Aber.

Speaker: Jetzt geht die Diskussion los.

Speaker: Für die Autoren war das nicht ganz erklärbar.

Speaker: Alleine jetzt müssen wir auch schon sagen, weil ja auch die Werte nach Gabe des Karosirups erhöht waren, die ja eigentlich fütterungsunabhängig sein sollten.

Speaker: Und sie diskutieren daher eine endogene saisonale Stoffwechselanpassung.

Speaker: Also wirklich eine physiologische Anpassung des Pferdes, so im Sinne einer Veränderung der peripheren Insulinsensitivität und der Reaktivität des Pankreas im Laufe des Jahres.

Speaker: Oder wie ist das gemeint?

Speaker: Ja genau, also im Sinne eines jahreszeitlichen Rhythmus.

Speaker: Die Hypothese ist dann, dass im Winter es anscheinend zu einer verminderten Insulinsensitivität kommt, also eine Art physiologische Insulinresistenz,

Speaker: mit gleichzeitig gesteigerter Insulinsegression.

Speaker: Das heißt also, das Pferd produziert mehr Insulin, weil die Gewebe weniger sensibel sind auf das Insulin?

Speaker: Ist das richtig?

Speaker: Das ist schon die Hypothese der Autoren.

Speaker: Und es ist evolutionsbiologisch auch nicht unsinnig.

Speaker: Also auf der einen Seite sollte Pferd

Speaker: Fett schnell aufgebaut werden im Winter, wenn Futter zur Verfügung steht.

Speaker: Weil es ja oft kein Futter zur Verfügung ist und wenn schon welches da ist, sollte möglichst schnell Fett aufgebaut werden.

Speaker: Also hohe Insulinwerte, wenn Futter zur Verfügung steht, sind sinnvoll.

Speaker: Auf der anderen Seite sollte natürlich das Fett schnell mobilisiert werden können, wenn kein Futter zur Verfügung steht oder wenig Fett.

Speaker: Und das wäre erklärbar durch die physiologische Insulinresistenz.

Speaker: Jetzt wissen wir, also vielleicht nicht wir alle, aber manche,

Speaker: dass eigentlich Insulin ja eine antilipolytische Wirkung hat.

Speaker: Und dann ist es ja unlogisch, warum das denn jetzt bei hohen Insulinwerten so wirkt.

Speaker: Und da sagen die Autoren, dass eine relative Insulinresistenz im Winter bestehen könnte und dadurch diese antilipolytische Wirkung von Insulin verringert ist.

Speaker: Und somit eine erleichterte Telepolyse vorhanden ist, also eine verbesserte Fettmobilisierung.

Speaker: Das ist deren Theorie hinter diesen erhöhten Werten.

Speaker: Also so eine Art Wintermodus des Stoffwechsels, so würde ich es jetzt mal beschreiben.

Speaker: Und geben die Ärzte auch eine Erklärung für die niedrigen Insulinkonzentrationen im Herbst?

Speaker: Sie vermuten, dass es sich da um eine höhere Insulinsensitivität handelt und eine Art Vorbereitung für den Winter.

Speaker: Jetzt waren ja nicht nur die basalen Werte erhöht, sondern auch die reaktive Insulinausschüttung.

Speaker: Nachgabe des Karosirups war verstärkt.

Speaker: Ja, das würde halt eher dafür sprechen, dass es nicht nur an der Fütterung lag, dass die Werte im Winter höher waren, sondern einfach an einer veränderten pankreatischen Antwort und einer veränderten Insulinsensitivität im Laufe des Jahres.

Speaker: Klingt verwirrend, aber sagt uns, glaube ich, einfach, dass die Interpretation der Werte schwieriger ist, als wir vielleicht bisher dachten.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Also es scheint ja so, dass im Herbst die Insulinsensitivität höher ist, also anaboler Zustand eher.

Speaker: Und im Winter kippt es eher in Richtung höhere Insulinspiegel und geringere Sensitivität.

Speaker: Und dann stellt sich natürlich die Frage, ist das physiologisch?

Speaker: Okay, viele Theorien habe ich jetzt aber eigentlich verstanden, würde ich sagen.

Speaker: Jetzt wurde ja auch noch der Einfluss der Rasse und auch des Geschlechts auf diese Insulinkonzentration beurteilt.

Speaker: Was haben die da rausgefunden?

Speaker: Jetzt wird es etwas einfacher.

Speaker: Welch und Shetland Ponys, gefolgt von Cognemara Ponys, hatten die höchsten Werte, was ja jetzt nicht wirklich erstaunt.

Speaker: Da hat ja jeder von uns entsprechende Erfahrungswerte auch schon gesammelt.

Speaker: Voll würde ich dir zustimmen.

Speaker: Spontan fällt mir da ein, dass diese Rassen meistens etwas zu dick sind und insgesamt vielleicht auch weniger gearbeitet werden als so ein Vollblut oder Warmblut.

Speaker: Kommst du denn darauf?

Speaker: Das kann ich ja gar nicht nachvollziehen.

Speaker: Also die Autoren haben da jetzt nichts zu ergänzen, es ist ja auch deren Meinung.

Speaker: Okay, jetzt halten wir das fest.

Speaker: Und Alter und Geschlecht, danach haben die doch auch noch geguckt.

Speaker: Was gab es da für Zusammenhänge?

Speaker: Auch hier ist es jetzt einfacher als eben bei diesen jahreszeitlichen Einflüssen.

Speaker: Ältere Pferdewiesen höhere Insulinwerte auf und da fällt einem natürlich sofort die Dysfunktion der Pars intermedia, der Hypofyse ein.

Speaker: Und das ist ja dann relativ verständlich.

Speaker: Spannend ist, dass Stuten höhere Konzentrationen aufwiesen.

Speaker: Und wir reden hier auch von signifikant höheren Werten.

Speaker: Okay, das mit dem Alter finde ich einleuchtend.

Speaker: Das mit der Geschlechterverteilung weiß ich nicht.

Speaker: Wie ist das zu erklären?

Speaker: Das erklären die leider gar nicht.

Speaker: Ich habe manchmal ganz, ganz subjektiv den Eindruck, dass ich mehr Stuten behandle, welche Hufrehe haben.

Speaker: im Vergleich zu Wallachen und Hengsten.

Speaker: Aber das kann natürlich auch totaler Zufall sein.

Speaker: Ich habe das jetzt, also mein Patientenmaterial reicht nicht aus, um da eine große Studie rauszumachen.

Speaker: Wie sieht das denn bei euch aus?

Speaker: Ehrlich gesagt kann ich es dir gerade gar nicht genau sagen.

Speaker: Ich würde vom Gefühl, würde ich sagen, es ist gleichmäßig verteilt.

Speaker: Aber kann genauso gut sein, wenn ich mal die Daten auslese, danach gucke, dass dann vielleicht auch die Studien tendenziell mehr sind.

Speaker: Vom Gefühl kein Unterschied, aber...

Speaker: Ja, da kannst du ja mal eure Datenbank sichten.

Speaker: Da kannst du jetzt einmal da schauen, wie das bei euch aussieht.

Speaker: Also okay, zusammengefasst, die Studienergebnisse dieser Untersuchung zeigten, dass die Insulinkonzentrationen im Winter höher waren, bei den Basalinsulinkonzentrationen, tendenziell auch bei den Ergebnissen des oralen Zuckertests.

Speaker: Da waren signifikant die Werte im Herbst.

Speaker: niedriger und tendenziell eben im Winter und Frühjahr höher als im Herbst und Sommer.

Speaker: Ältere Pferde zeigten höhere Insulinkonzentrationen und Stuten ebenfalls und natürlich die Ponyrassen.

Speaker: Jetzt hat natürlich diese Studie, wie alle Untersuchungen, ihre Limitationen, obwohl die jetzt sehr große Fallzahlen hatten.

Speaker: Was hier der wichtigste Punkt ist, sind vielleicht die fehlenden Informationen zum Management und der Fütterung, insbesondere vor der Probenentnahme.

Speaker: Ich finde so bei Insulindysregulation ist eigentlich gerade das ein wichtiger Faktor.

Speaker: Du hast ja schon gesagt, welche Gründe da eine Rolle spielen, finde ich auch total nachvollziehbar.

Speaker: Für mich eigentlich jetzt am Ende die wichtigste Botschaft, dass wir festhalten, dass die Möglichkeit besteht, dass es physiologische jahreszeitliche Schwankungen von den Insulinwerten gibt.

Speaker: Ich habe mir andere Untersuchungen nochmal angeschaut im Hinblick auf diesen saisonalen Einfluss auf die Insulinkonzentration.

Speaker: Und da sind die Ergebnisse wirklich total unterschiedlich.

Speaker: Also einmal wurde gar kein Einfluss festgestellt.

Speaker: Das andere Mal bei Ponys waren die Werte im Herbst höher als im Frühjahr.

Speaker: Eine etwas ausführlichere Untersuchung aus 2022 hat Pferde einmal mit Insulindysregulation und einmal ohne Insulindysregulation erfasst in der Studie.

Speaker: Und da war es dann auch dazwischen nochmal unterschiedlich.

Speaker: Das heißt, Pferde ohne Insulindysregulation zeigten keinen Einfluss der Jahreszeit bei den basalen Werten.

Speaker: Die Werte nach dem Karosirup waren höher im Frühjahr im Vergleich zum Sommer.

Speaker: Und bei Pferden mit Insulindysregulation waren die Basalenwerte und diese T60-Werte, also 60 Minuten Nachgabe des Karosirups im Frühjahr höher als im Herbst und im Winter.

Speaker: Die T60-Werte im Winter waren höher als im Herbst.

Speaker: Also es ist...

Speaker: Zieht sich durch, es scheint wohl einen jahreszeitlichen Zusammenhang zu geben, aber wir kriegen die Jahreszeit noch nicht so ganz raus.

Speaker: Tendenziell würde ich auch jetzt eher sagen, im Winter, Winterfrühjahr scheinen die Werte etwas höher zu sein.

Speaker: Und in der Studie aus dem Jahr 2022 wurde auch geschaut, wie sich der Status der Insulindesregulation über das Jahr änderte.

Speaker: Und da war die Aussage allein über die basale Anzahl,

Speaker: Insulinkonzentration nicht sehr gut.

Speaker: Also da wechselte dann dieser Status immer.

Speaker: Dann war der mal positiv, mal negativ.

Speaker: Das war nicht bei dem oralen Zuckertest so.

Speaker: Also praktisch da wurden immer zu 94 Prozent auch die richtige Diagnose der Insulindysregulation das ganze Jahr übergestellt.

Speaker: Das war eine große Aussage und das würden wir natürlich auch mitgeben, dass unabhängig von saisonalen Veränderungen die Diagnose einer Insulindysregulation konsistenter gestellt werden kann über den oralen Zuckertest.

Speaker: Genau, gehe ich voll mit an.

Speaker: Ja, das ist ja, glaube ich, das, was auch schon in den vergangenen Folgen durchkam, dass es immer besser ist, einen Funktionstest zu machen.

Speaker: Und das bestätigt sich hier ja auf jeden Fall.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Also wir haben jetzt irgendwie aus dieser Untersuchung den Hinweis, im Winter könnten höhere Insulinwerte festzustellen sein, auch im Rahmen des Oralen Zuckertests.

Speaker: Die Frage wieder, ist es physiologisch?

Speaker: Müssen wir Werte im Winter anders interpretieren?

Speaker: Und die Rolle im Hinblick auf eine Entwicklung einer Hufrehe aufgrund dieser im Winter höheren Werte können wir jetzt gar nicht beantworten.

Speaker: Das war auch

Speaker: Nicht Inhalt dieser Untersuchung.

Speaker: Ist irgendwie oft so verrückt.

Speaker: Man liest eine Studie, erhofft sich viele Antworten und am Ende ergeben sich aus diesen Ergebnissen wieder tausend neue Fragestellungen und irgendwie eine große Unbekannte.

Speaker: Macht Forschung ja eigentlich spannend und es ist auch super, dass es Leute gibt, die an diesen Themen dranbleiben.

Speaker: Mich würde interessieren, wenn wir hier in zehn Jahren sitzen, was erzählen wir dann über hyperinsulinämische Hufrehe und den Insulinverlauf?

Speaker: Ja, spannend.

Speaker: Ja, ich bin voll bei dir.

Speaker: Manchmal denke ich, oh Gott, die Leute, die zuhören, denken ganz frustriert, ja, was mache ich denn jetzt mit den Ergebnissen?

Speaker: Und manchmal gibt es einfach nur Ergebnisse.

Speaker: Ja.

Speaker: Okay, das war jetzt eine Studie und eine ist einfach zu langweilig.

Speaker: Und es ist gerade in Animals etwas zu saisonalen Veränderungen von nicht strukturellen Kohlenhydraten im Weidegras veröffentlicht worden und deren Auswirkungen auf das metabolische Profil von Pferden ohne Hufrehe und mit vorberichtlich Hufrehe.

Speaker: Und ich habe gedacht, das passt zu dem Thema.

Speaker: Die Ergebnisse nehmen wir jetzt heute noch mit dazu.

Speaker: Ja, es passt ja.

Speaker: Die Weidesaison beginnt.

Speaker: Ist in vollem Gange, würde ich gerade sagen.

Speaker: Ja genau, wir wollen natürlich, dass die Pferde auf die Weide kommen.

Speaker: Zum einen wegen der Bewegung und zum anderen auch im Hinblick auf die Nährstoffaufnahme.

Speaker: Das natürliche Vitamin E im Gras wird besser aufgenommen, ist besser verfügbar als das aus den üblichen Kraft- und Mineralfuttern.

Speaker: Was ich auch noch ein Pro für die Weide finde, ist, dass einfach die Pferde ihr natürliches Verhalten ausleben können.

Speaker: Oder dass einfach denen am nächsten kommt.

Speaker: Gerade wenn sie in einer Gruppe sind, dann

Speaker: können sie auch ihr Sozialverhalten ausleben.

Speaker: Das finde ich einen sehr wichtigen Faktor, ehrlich gesagt.

Speaker: Muss man jetzt natürlich aber auch sagen, wenn wir ehrlich sind, wir lassen die Pferde mit Hufrehe eigentlich sehr, sehr ungern auf die Weide.

Speaker: Und wenn einer adipös ist, würde ich jetzt auch sagen, lieber nicht.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und in manchen Köpfen von PferdebesitzerInnen spuckt es ja noch herum, dass Eiweiß-Hufre auslöst.

Speaker: Und wir sind uns aber wirklich alle, alle einig, dass der Hauptfaktor die wasserlöslichen Kohlenhydrate und Stärke ist, also zusammen die nicht strukturellen Kohlenhydrate.

Speaker: Und in dieser Studie von Mülnikova et al., 2026 veröffentlicht in Animals, sollten jetzt eben die saisonalen Veränderungen genau dieser Kohlenhydrate im Gras erfasst werden und gleichzeitig der Einfluss auf die Glucose- und Insulinkonzentrationen und auf das Körpergewicht

Speaker: Bei gesunden Pferden und aber auch bei solchen mit vorberichtlich Befunden entsprechend einer Hufrehe.

Speaker: Was haben die hier für Befunde herangezogen, um jetzt diese Hufrehe zu klassifizieren?

Speaker: Also zum einen war es die veränderte weiße Linie, dann wenn die Tiere Lahmheit zeigten oder gezeigt hatten und radiologisch Rotation oder Senkung des Hufbeins.

Speaker: Dann sag mir doch mal, wie der Studienaufbau hier war.

Speaker: Also im März erhielten die Pferde erstmal Heu ad Libitum und danach gingen sie auf die Koppel und standen von April bis Oktober auf der Weide ganztägig ohne jegliche Zufütterung.

Speaker: Und welche Proben haben die genommen?

Speaker: Was haben die analysiert in der Studie?

Speaker: Also die haben zum einen Blutproben genommen und zwar im Herbst.

Speaker: Quatsch, nicht im Herbst.

Speaker: Ich bin noch so aus diesem Insulinherbst drin.

Speaker: Also die Blutproben wurden genommen im März und im Mai, Juli und Oktober und zweimal morgens.

Speaker: Und dann eben die Grasproben und zwar an Stellen der Weide, wo es sichtlich abgegrast worden war.

Speaker: Und bestimmt wurde der Gehalt der wasserlöslichen Kohlenhydroate und von Stärke bei den Grasproben logisch.

Speaker: Und dann die Konzentrationen von Glucose, Insulin und Fructosaminen in den Blutproben.

Speaker: Super, dann können wir jetzt schon mit den Ergebnissen loslegen.

Speaker: Sag mir mal, was bei dem Gras rauskam, das interessiert mich wirklich.

Speaker: Ja, also die Konzentration der wasserlösischen Kohlenhydrate waren im Mai am höchsten, da lagen die bei 127 Gramm pro Kilogramm und das nahm dann bis Oktober kontinuierlich ab und im Oktober waren die Werte dann bei 58 Gramm pro Kilogramm Trockensubstanz.

Speaker: Im Gegensatz dazu war die Stärke im Mai nahezu nicht vorhanden.

Speaker: Der Wert stieg dann im Juli auf ca.

Speaker: 26 g pro kg Trockensubstanz deutlich an, blieb im Oktober fast auf ähnlichen Niveau, lag da bei 24 g pro kg Trockensubstanz.

Speaker: Okay, das sind ja jetzt erstmal nur Zahlen.

Speaker: Es gibt ja eine Empfehlung der maximalen Stärkeaufnahme bei einem Hufrehe-gefährdeten Pferd.

Speaker: Wenn man jetzt diese Zahlen nimmt, könnte die überschritten werden?

Speaker: Du hast ja Fragen.

Speaker: Also das muss gerechnet werden.

Speaker: Ich gebe jetzt mal an, das ist...

Speaker: mit Vorsicht zu genießen, weil die Pferde ja nicht auf einmal das aufnehmen, sondern über den ganzen Tag grasen.

Speaker: Und die empfohlene Stärkemenge bei einem Hufrehe gefährdeten Pferd liegt bei 0,5 bis 1 Gramm Stärke pro Kilogramm Pferd pro Mahlzeit.

Speaker: Und da ist natürlich unser Faktor, den wir überhaupt nicht beurteilen können.

Speaker: Wenn man jetzt davon ausgeht, bei drei Mahlzeiten pro Tag wären das 1,5 bis 3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

Speaker: Bei Risikofärden sollte man dann bei 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bleiben.

Speaker: Okay Anja, und wie rechne ich jetzt die Stärkeaufnahme pro Tag bei den Pferden auf der Weide aus?

Speaker: Ja, das muss man leider echt ein bisschen schätzen.

Speaker: Also die prozentuale Trockensubstanzaufnahme eines Pferdes liegt zwischen zwei bis drei Prozent vom Körpergewicht, aber auch zum Teil bei 5,2 Prozent des Körpergewichts.

Speaker: Das bedeutet, wenn wir ein 500-Kilogramm-Pferd haben, da wäre jetzt unsere dicke Fjordstute, ihr erinnert euch, aus der letzten Folge auch mit dabei, wäre das eine Aufnahme zwischen 10 bis 26 Kilogramm Trockensubstanz pro Tag.

Speaker: Du merkst schon, wo die Schwierigkeit kommt.

Speaker: Total.

Speaker: Also meine Stute lag auf jeden Fall in der höheren Klasse.

Speaker: So, und wie geht es jetzt weiter?

Speaker: Ja, okay, also jetzt nehmen wir den Monat mit Juli mit den hohen Stärkegehalten.

Speaker: Und das würde bedeuten, dass bei der niedrigen Aufnahme wären es 10 Kilo Trockensubstanz.

Speaker: Mit dem Stärkewert beim 500 Kilo Pferd wäre es bei 0,5 Gramm pro Kilogramm Pferd.

Speaker: Also alles fein.

Speaker: Wenn wir jetzt unsere kleine Fressmaschine haben,

Speaker: die dann 26 Kilo aufnehmen, dann wären es 1,3 Gramm Stärke pro Kilogramm Körpergewicht.

Speaker: Aber wie gesagt, pro Tag, nicht pro Mahlzeit.

Speaker: Und die Angabe ist immer pro Mahlzeit.

Speaker: Okay, also bei unseren Fressmaschinen wird es knapp.

Speaker: Jetzt gibt es ja im Konsensusstatement zu EMS noch die Angabe, dass diese nicht strukturellen Kohlenhydrate im Raufutter unter 10 Prozent liegen sollten.

Speaker: Also nicht strukturelle Kohlenhydrate, sprich wasserlösliche Kohlenhydrate und Stärke, die werden hier zusammengefasst.

Speaker: Kannst du jetzt damit nochmal einmal bitte rechnen, Anja?

Speaker: Na klar, rechnen ist ja echt meine Lieblingsbeschäftigung, war schon in der Schule, super hier.

Speaker: Wobei das ist echt einfach.

Speaker: Also im Mai lag diese Prozentzahl bei 12,7, im Juli bei 11,7 und im Oktober bei 8,2.

Speaker: Also da wäre eben bis Juli der Wert immer zu hoch.

Speaker: Ich würde dann erklären, warum im Mai bei normalem Weidegang die Hofrehe-Patienten anrufen.

Speaker: Und wir stellen hier aber auch fest, im Juli ist der Weidegang auch nicht ganz risikofrei.

Speaker: Hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, wie viel Gras da noch auf der Weide ist.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Genau.

Speaker: Existieren eigentlich entsprechende aktuell veröffentlichte Zahlen aus Deutschland zu diesen nicht strukturellen Kohlenhydraten?

Speaker: Ja, ich habe mir die Zahlen aus der Lufa Nord mal rausgenommen.

Speaker: Und da war jetzt im Jahr 2025 der mittlere Wert bei 18,3 Prozent Gesamtzucker.

Speaker: Mit Spannweiten zwischen 6,6 Prozent bis 28,7 Prozent.

Speaker: In den Jahren davor war das auch, also die Werte lagen so zwischen 14 und 17 Prozent.

Speaker: Durch die trockenen Jahre und viel Sonne steigen die Zuckerwerte im Gras und Achtung natürlich auch im Heu.

Speaker: Das wissen wir ja eigentlich schon.

Speaker: Ja und warum das so ist, können wir sicherlich die Botanik und die Biochemie fragen, oder?

Speaker: Ja, auf zu den Grundlagen, genau.

Speaker: Also bei der Photosynthese, vielleicht wissen wir das alle noch, werden Einfachzucker gebildet.

Speaker: Wenn die jetzt nicht benötigt werden, zum Beispiel weil die Pflanze nicht mehr wächst, werden Speicherkohlenhydrate gebildet, zum Beispiel Fructan.

Speaker: Das bildet mit den Einfachzucker und den Stärken die Kennzahl nicht strukturelle Kohlenhydrate.

Speaker: Somit viel Sonne, viel Photosynthese, viel Zucker, wenig Regen, wenig Wachstum,

Speaker: Viel Speicherkohlenhydrate.

Speaker: Und daher wird viel Zucker in der Pflanze eingespeichert.

Speaker: Das ist ein kleiner Nebeneffekt oder Fun-Fact.

Speaker: Unsere Grassorten können unlimitiert Fructane speichern und das vor allem in den Stängeln.

Speaker: Super.

Speaker: Und Fruktane.

Speaker: Bei den Fruktanen, da klingelt bei mir was.

Speaker: Und da wurde doch mit Gabe per Nasenschlundsonde von diesen Fruktanen Hufrehe experimentell ausgelöst, richtig?

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Allerdings, und das ist jetzt allerdings, allerdings keine hyperinsulinämische Hufrehe.

Speaker: Es handelt sich hier um ein experimentelles Modell, um das Oligofruktosemodell der Hufrehe.

Speaker: Und das bildet primär eine Entzündungs- bzw.

Speaker: Sepsis-assoziierte Hufrehe ab und nicht die hyperinsulinämische.

Speaker: Also die Hufrehe, die entsteht, wenn ein Pferd jetzt zum Beispiel zu viel Gers oder Hafer frisst und dadurch zu viel fermentierbare Kohlenhydrate in den Dickdarm gelangt.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und diese Kohlenhydrate werden dann schnell durch Bakterien fermentiert.

Speaker: Das ist vor allem Lactobacillus und Streptokokken.

Speaker: Diese bilden dann Laktat und so sinkt der pH-Wert im Dickdarm.

Speaker: Auftreten tut dieser Effekt so circa 12 bis 24 Stunden nach Aufnahme von zu vielen fermentierbaren Kohlenhydraten.

Speaker: Also wenn zum Beispiel ein Kalbblut ausbricht aus der Box, in die Futterkammer gelangt und dann mal so kurz 10 Kilo Gerste frisst.

Speaker: Super, das klingt irgendwie nach einem Erfahrungsbericht.

Speaker: Ich kann dir sagen.

Speaker: Okay, also wir sind beim niedrigen pH-Wert.

Speaker: Den mögen die Gramm-negativen Bakterien nicht.

Speaker: Dadurch sterben sie ab.

Speaker: Und dabei entstehen unsere berühmt-berüchtigten Endotoxine.

Speaker: Diese werden dann resorbiert und voilà, schon haben wir sie, unsere systemische Entzündungsreaktion.

Speaker: Und die löst letztendlich bei Entzündungsmediatoren die Schäden an den Hungflamellen aus.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und wann können wir da mit den ersten Hufrehe-Symptomen rechnen nach so einer Fressorgie?

Speaker: Also manchmal hat man das, dass so 12 bis 24 Stunden danach ein Temperaturanstieg feststellbar ist.

Speaker: Die Hufrehe-Symptomatik mit Pulsation und vielleicht auch Klammgang, die tritt so nach 20 bis 30 Stunden auf.

Speaker: Und in der Regel hat man dann nach 48 Stunden wirklich eine Larmheit und eine klare Schmerzreaktion.

Speaker: So Anja, jetzt sag mir mal, was ist eigentlich dran an diesem Mythos, zu viel Fruktan auf der Weile und das Pferd bekommt eine Hufrehe?

Speaker: Ist das mengenmäßig überhaupt realistisch?

Speaker: Ja, das ist ein spannender Punkt.

Speaker: Das ist wie gesagt auch jetzt ganz schwierig auszurechnen.

Speaker: Wir müssen jetzt sagen, dass die Rehe, die in diesen Studien ausgelöst worden ist, es war eine einmalige Eingabe über die Nasen-Stund-Sonde.

Speaker: Und zwar mit einer Menge von 7,5 Gramm Fruktan pro Kilogramm Körpergewicht.

Speaker: Und da ist natürlich, das stimmt jetzt die Frage, können die Pferde das eigentlich so schnell auf der Weide fressen?

Speaker: Und bei einem 500-Kilo-Pferd wären das 3,75 Kilogramm Fructan auf einmal.

Speaker: Und jetzt schauen wir uns mal an, ob das überhaupt geht.

Speaker: Genau, weil das ist ja eigentlich das, was uns klinisch letztendlich interessiert.

Speaker: Ja, es sind aber die höchsten Werte.

Speaker: Also 5,2 Prozent des Körpergewichts wird als Trockensubstanz aufgenommen.

Speaker: Und den höchsten Fructanwert, das war in Deutschland, in einer Doktorarbeit wurden 81 Gramm pro Kilogramm Trockensubstanz im September festgestellt.

Speaker: Und das wäre 1 bis maximal 2,1 Kilogramm Fructan pro Tag.

Speaker: Das ist dann deutlich weniger als diese experimentelle Dosis.

Speaker: Ja genau, also das entspricht zwei bis vier Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und damit bleibt man klar unter der klassischen Induktionsdosis.

Speaker: Heißt dann für uns ja aber auch, dass die Fructanaufnahme auf der Weide alleine die Form dieser Hufrehe gar nicht auslösen kann, oder?

Speaker: Ja, ich würde das jetzt auch so formulieren.

Speaker: Also zumindest nicht über diesen Mechanismus der massiven Dickdarmüberladung mit fermentierbaren Kohlenhydraten, so wie wir das aus dem Oligofructose-Modell kennen.

Speaker: Und trotzdem sehen wir ja Hufrehe-Fälle, genau nachdem die Pferde Weidegang hatten.

Speaker: Ja, wir wissen ja, dass eine hyperinsulinische Hufrehe bei Ponys durch Weidegang ausgelöst worden ist in einer Untersuchung.

Speaker: Sie sind über Wochen auf die Weide gelassen und haben dort eine deutlich höhere Energieaufnahme erhalten, als sie eigentlich für den Erhaltungsbedarf brauchten.

Speaker: Das heißt, die haben zugenommen und dann, das haben wir in einem Podcast beschrieben, nach sechs bis acht Wochen haben die erste

Speaker: Reh-Symptome gezeigt.

Speaker: Und natürlich spielen die Fructane auch eine Rolle als Bestandteile der nicht strukturellen Kohlenhydrate, aber die umfassen halt auch die Einfachzucker und die Stärke.

Speaker: Ich glaube, wir alle haben ja diese Gespräche mit den Besitzern, die meistens gut informiert sind.

Speaker: Wenn so ein neuer Trend rauskommt, zum Beispiel, dass man den Fruktangehalt bestimmt, beziehungsweise der Fruktangehalt zu bestimmten Zeiten höher ist.

Speaker: Jetzt wissen wir ja aber, dass, wie du gerade sagst, Fruktan nicht allein, sondern die nicht strukturellen Kohlenhydrate insgesamt ausschlaggebend sind.

Speaker: Ist das bei diesen denn auch so?

Speaker: Gibt es auch hier zeitliche Schwankungen in der Menge?

Speaker: Den jahreszeitlichen Zusammenhang haben wir ja schon erwähnt, also die hohen Werte im Mai.

Speaker: Das wurde auch bei den Fructanen bestätigt.

Speaker: Da waren die Werte auch Mai bis Juni höher, aber Achtung, auch im September.

Speaker: Und Longland hat einen sehr schönen Übersichtsartikel veröffentlicht über diese nicht strukturellen Kohlenhydratgehalte im Weidegras.

Speaker: Und er erwähnt, dass die Werte von morgens bis zum Nachmittag ansteigen, also die Maximalwerte eher nachmittags vorzufinden sind.

Speaker: Dann wird erwähnt, dass Faktoren, die das Wachstum des Grases steigern würden, also zum Beispiel Stickstoffdünger, würden die Werte eher senken und auf Schattenweiden, wenig Sonne, wenig Photosynthese, eher weniger nicht strukturelle Kohlenhydrate im Gras vorhanden sind.

Speaker: Jetzt ist natürlich mit dem Stickstoffdünger, wie du sagst, mehr Wachstum, eigentlich weniger nicht strukturelle Kohlenhydrate.

Speaker: Aber muss man ja auch sagen, man hat folgend mehr Gras und eine höhere Gesamtaufnahme beim Pferd, was dann wiederum schlecht ist.

Speaker: Mhm.

Speaker: Ganz schön komplex mit dem Gras und seinen Zuckern.

Speaker: Am einfachsten wäre es natürlich, man sagt einfach, Hufrehe, Pferde, gar nicht auf die Weide.

Speaker: Ja, also im Mai ist ja sowieso keine Diskussion für uns.

Speaker: Jetzt sind aber im September sehr hohe Fructanwerte auch nachgewiesen worden.

Speaker: In unserer Studie im Juli die hohen Stärkekonzentrationen.

Speaker: Also zusammengefasst ist Weide wirklich kein sicherer Weg.

Speaker: Und es gibt zu jeder Zeit irgendeinen Faktor, der die Aufnahme dieser nicht strukturellen Kohlenhydrate so beeinflussen kann, dass es für ein Hofrehefährt echt unsicher wird.

Speaker: Um jetzt mal so ein bisschen eine Leitlinie an die Hand zu geben, gibt es ein paar einfache, ich weiß, Grundsätze für den Weidegang, an denen man sich zumindest ein bisschen orientieren kann.

Speaker: Kannst du da einmal ein paar Grundsätze nennen?

Speaker: ja vielleicht machen wir das beim Pferd, was noch keine Rehe hat, sondern einfach nur zu dick ist.

Speaker: Also es geht ja dann immer um das Verhindern der hohen Aufnahme von nicht strukturellen Kohlenhydraten.

Speaker: Also wer weitet Zeit am Morgen, theoretisch

Speaker: Dann auf Schattenweiden, nicht auf Weiden mit hoher Lichtintensität.

Speaker: Und bei den frisch Geschnittenen ist es jetzt auch schon wieder spannend, weil ja die Stängelbasen hohe Fructanwerte enthalten.

Speaker: Es ist wirklich schwierig, da irgendeine Richtlinie hinzugeben.

Speaker: Das ist so das, was aus der Literatur rausgenommen werden kann.

Speaker: Okay, das war jetzt unser kleiner Ausflug zu den Fruktangehalten auf der Weide und zur entzündungsbedingten Hufrehe.

Speaker: In der Veröffentlichung, die wir ja hier konkret besprechen, wurde nicht nur das Gras analysiert, sondern auch die Insulin- und Glucosekonzentration der Pferde.

Speaker: Wie haben diese denn in der Studie auf die unterschiedlichen Gehälter an nicht strukturellen Kohlenhydraten im Gras reagiert?

Speaker: Das war echt spannend.

Speaker: Obwohl der Gehalt der wasserlösischen Kohlenhydrate zwischen 58 Gramm und 127 Gramm variierte und die Stärkekonzentration zwischen 0,1 und 26 Gramm

Speaker: stieg der Insulinwert der Kontrollpferde nicht signifikant an.

Speaker: Der lag während der Weidezeit zwischen 2,65 und 2,68 Mikroeinheiten pro Milliliter.

Speaker: Das ist spannend.

Speaker: Würde ich jetzt bei den Rehepferden anders erwarten.

Speaker: Wie sah das da aus?

Speaker: Da war auch keine signifikante Veränderung.

Speaker: Die Zahlen variierten zwischen 2,88 und 3,18 Mikroeinheiten pro Milliliter.

Speaker: Also auch keine signifikante Veränderung.

Speaker: durch die Veränderung im Gras.

Speaker: Ja, verrückt irgendwie, ne?

Speaker: Und die Glucosekonzentration, was haben die da irgendeinen Unterschied gebracht?

Speaker: Ja, da zeigten sich signifikante Unterschiede.

Speaker: Und zwar waren die Werte bei den Hufrehe-Pferden erstmal signifikant höher als bei den Kontrollpferden, und zwar im Mai und Oktober.

Speaker: Und gruppenunabhängig waren die höchsten Glucose-Werte im Juli nachzuweisen.

Speaker: Da war der Wert der Stärke ja sehr hoch, das

Speaker: ist die Erklärung der Autoren dafür.

Speaker: Klingt ein bisschen nach einer subtilen metabolischen Dysregulation bei diesen Hufrehefähren, was ja auch nicht verwunderlich wäre.

Speaker: Ja, aber die Werte lagen meist im Referenzbereich.

Speaker: Aber bei den Hufrehe-Pferden Konsistenz näher an der oberen Grenze.

Speaker: Wobei, jetzt muss man auch noch mal sagen, im Konsensusstatement zu EMS wird erwähnt, dass Glucose kein sinnvoller Parameter für die Diagnose einer Insulindesregulation ist.

Speaker: Also wir können das auf keinen Fall in die Richtung so interpretieren, aber eben, dass die Hufrehe-Pferde eher auf diese

Speaker: Nicht strukturellen Kohlenhydratvariationen reagieren als Kontrollpferde.

Speaker: Und das Körpergewicht, da würde ich doch auch eine Veränderung erwarten.

Speaker: Ja, das war aber gleich.

Speaker: Also die nahmen im Verlauf der Weidesaison zu.

Speaker: Das war nicht unterschiedlich zwischen den Gruppen.

Speaker: Da gab es keine signifikanten Unterschiede.

Speaker: Jetzt abschließend, was nehmen wir aus der Studie mit, Anja?

Speaker: Also der basale Insulinwert, auch bei vorberichtlich an Hufreha-erkrankten Pferden, muss sich nicht durch eine veränderte Aufnahme von nichtstrukturellen Kohlenhydraten ändern.

Speaker: Und das ergänzt natürlich die Aussage des ersten Teils, dass der orale Zuckertest diagnostisch wirklich wichtig ist, auch um ein Risiko abzusehen und der basale Insulinwert echt nur so am Rand des Problems kratzt.

Speaker: Eigentlich schade, dass dieser hier nicht durchgeführt wurde.

Speaker: Aber gut, paar Dinge nehmen wir ja mit.

Speaker: Was wir vielleicht aber auch noch erwähnen sollten, dass die hier eine ganz bestimmte Rasse genommen haben, nämlich die Huzulen.

Speaker: Und die Probandenzahl mit 15 Fähren pro Gruppe eher klein war.

Speaker: Das nur so im Hinterkopf behalten bei der Wertung der Ergebnisse.

Speaker: Ja.

Speaker: Okay, es war jetzt irre.

Speaker: Es waren ja nur zwei Studien, aber wir haben ganz schön viele Informationen jetzt doch in dem Podcast gehabt.

Speaker: Also nochmal eine letzte Zusammenfassung.

Speaker: Es scheint so zu sein, dass es jahreszeitliche Schwankungen der Insulinkonzentration im Blut vorhanden sind, die eventuell nicht über die Fütterung zu erklären sind.

Speaker: Der orale Zuckertest ist für die Diagnostik sinnvoller als die alleinige Bestimmung der basalen Insulinkonzentration.

Speaker: Erwartungsgemäß schwanken die Gehalte der nicht strukturellen Kohlenhydrate im Gras über das Jahr mit Maximalwerten im Mai.

Speaker: Die Insulinkonzentrationen müssen in Reaktion auf diese Veränderungen auch bei Hufreheferden nicht über den Normwert steigen.

Speaker: Und auch hier wieder der Rural-Zuckertest ist von besonderer diagnostischer Relevanz.

Speaker: Der Stärkegehalt im Gras war im Juli deutlich höher als im Mai und verursachte wahrscheinlich einen Anstieg der Glucosekonzentration, welcher ausgeprägter war bei den Hufrehepferden.

Speaker: Das war's, oder?

Speaker: Caro, möchtest du noch etwas ergänzen?

Speaker: Ich bin da eigentlich ganz zufrieden mit der Zusammenfassung.

Speaker: Ich würde sagen, jetzt kommen wir noch mal zu einer neuen Chaosgeschichte von dir, oder?

Speaker: Was lief nicht rund?

Speaker: Ja, gerne.

Speaker: Diesmal nicht von mir.

Speaker: Also ich wurde von einer Podcast-Hörerin, eine nette, liebe Kollegin von mir angerufen, hat gesagt, sie hat jetzt eine ganz tolle Geschichte.

Speaker: Notdienst, Kolika, sie konnte mit ihrem Auto nicht bis zum Pferd fahren.

Speaker: Also hat alle Kolik-Sachen einschließlich Sonde mit zum Pferd genommen.

Speaker: Das Pferd war extrem stark kolikend und sie hat es eigentlich sofort in die Klinik geschickt.

Speaker: Und als sie ihre Sachen zusammenräumt, sind die schon losgefahren.

Speaker: Das Pferd war schon auf dem Hänger und die waren losgekommen.

Speaker: Und das war in einer Hofreite.

Speaker: Und dann möchte sie raus.

Speaker: Und dann hatten die die eingeschlossen.

Speaker: Beide Türen waren hinten.

Speaker: Vorne hinten waren die Türen.

Speaker: Dann hat sie versucht, diese Leute anzurufen.

Speaker: Und die sind nicht ans Telefon gegangen.

Speaker: Und sie stand jetzt mit Nasenstundsonde, Medikamenten in dieser Hofreite und kam nicht raus.

Speaker: Also ist sie

Speaker: über die niedrigste Mauer geklettert, die es da gab.

Speaker: Der Nachbar, der guckte schon durch die Gardine.

Speaker: Sie hatte schon Angst, dass gleich die Polizei gerufen wird, weil sie da über die Mauer geklettert war.

Speaker: Und sie ist auch nicht sehr sanft gelandet mit ihrem ganzen Plörren, die sie dabei hatte.

Speaker: Oh nein!

Speaker: Und landete da unten, staffte zu ihrem Auto und ist etwas fluchend aus dieser Hofreite wieder weggefahren.

Speaker: Also...

Speaker: Ich habe mich noch nie einschließen lassen, aber das kann nicht wahr sein.

Speaker: Herrlich.

Speaker: Unser Beruf hat es in sich.

Speaker: Ja, Caro.

Speaker: Ich sage, wir sind am Ende der achten Folge des Podcasts Ich mein Wett News angekommen.

Speaker: Wir hoffen, dass es euch gefallen hat und ihr das nächste Mal auch wieder reinhört.

Speaker: Die Quellenangaben sind wie immer unter den Shownotes zu finden.

Speaker: Und wenn ihr Anmerkungen habt oder Themenwünsche, schreibt mir gerne unter anjagabe-at-pferdepraxishofein.com.

Speaker: Und wie immer, wir wünschen euch kooperative Patienten und ruhige Nächte.

Speaker: Bis bald.

Speaker: Bis bald, Caro.

Speaker: Jo, bis dann, Anja.

Speaker: Bis dann, tschüss.

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