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Episode 6 - Prof. Dr. Mathias Hellriegel

Mitgift | Der forsche Podcast der gif
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96 Plays3 months ago

In dieser Episode taucht Stefan Stüdemann gemeinsam mit Prof. Dr. Mathias Hellriegel, langjähriges Mitglied und Leiter der Kompetenzgruppe Hochhäuser der gif, in die Welt der Hochhäuser und des Baurechts ein.

Gemeinsam beleuchten sie Mathias' beeindruckende zehnjährige Vorstandstätigkeit bei der gif und seine Motivation, nach dieser Zeit nicht einfach aufzuhören, sondern mit der Gründung der Kompetenzgruppe Hochhaus etwas zurückzugeben. Mathias erklärt, warum Hochhäuser nicht nur eine architektonische Faszination sind, sondern eine wichtige Antwort auf die Wohnungskrise und den sparsamen Umgang mit Grund und Boden darstellen können – von der Frankfurter Skyline bis zu innovativen Wohnkonzepten in Berlin.

Ein besonderer Fokus liegt außerdem auf dem sogenannten „Bauturbo". Mathias räumt mit Missverständnissen auf und zeigt, dass es sich weniger um einen Neubau-Turbo, sondern vielmehr um einen Umbau- und Nachverdichtungsturbo handelt. Er gibt spannende Einblicke in die neuen Abweichungsmöglichkeiten von Bebauungsplänen, die revolutionäre Novellierung des Schallschutzes (TA Lärm) und erklärt, wie diese Instrumente die Flächenkonversion in ehemaligen Gewerbegebieten ermöglichen.

Mathias verrät außerdem, warum die interdisziplinäre Arbeit in der gif für Juristen so wertvoll ist und gibt einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft der Immobilienwirtschaft.
Mit einem klaren Appell: Mehr bauen, mehr planen und mehr Präsenz im Büro statt Home-Office.

Transcript

Einführung und Bedeutung der Interdisziplinarität

00:00:08
Speaker
Willkommen bei MitGift, dem Podcast der GIF, Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung.
00:00:19
Speaker
Fakten fundiert erklären, frische Fragen stellen, Forschung fördern.
00:00:23
Speaker
MitGift macht Komplexes verständlich, fokussiert auf das Wesentliche und geht forsch voran.
00:00:34
Speaker
Das Tolle an der GIF finde ich ja das Interdisziplinäre.
00:00:37
Speaker
Diese zehn Jahre im Vorstand der GIF haben mir so viel gegeben.
00:00:41
Speaker
In Berlin hat man da noch eine relativ hohe Hochhausfeindlichkeit.
00:00:45
Speaker
Das, was du uns geschildert hast, deutet auch darauf hin, dass das vielleicht, ich sag mal, die Gesetzgebung nicht immer mit dem kompatibel ist, was wir so landläufig als gesunder Menschenverstand verstehen würden.
00:00:56
Speaker
Ich finde, der Staat hat das Seinige dazu beigetragen, dass wir in dieser Krise sind, in der wir uns befinden.

Begrüßung und Vorstellung des Gastes

00:01:08
Speaker
Und hier ist Ihr Host, Stefan Stüdemann.
00:01:11
Speaker
Herzlich willkommen oder willkommen zurück zu MitGIF, dem Podcast der IF.
00:01:15
Speaker
Ich freue mich sehr, heute einen Gast begrüßen zu dürfen, der in der GIF schon sehr bekannt ist, muss man so formulieren, natürlich auch in der Branche an sich sehr, sehr stark vernetzt und uns schon viel Informationen, vor allem über ein paar Themen gegeben hat, die in der letzten Zeit durchaus sehr spannend geworden sind, weil sich viele Dinge entgegeben haben.
00:01:34
Speaker
Ich mache es kurz.
00:01:35
Speaker
Wir haben heute hier
00:01:37
Speaker
Prof. Dr. Matthias Hellregel.
00:01:39
Speaker
Er ist Anwalt, er ist Honorarprofessor, er ist auch Richter und vor allem ist er ganz, ganz langjähriges Mitglied des GIF-Vorstandes gewesen und inzwischen Co-Leiter der KG Hochhaus, über die wir heute natürlich auch noch sprechen werden.
00:01:59
Speaker
Erstmal herzlich willkommen, lieber Matthias.
00:02:02
Speaker
Vielen Dank für die Einladung, lieber Stefan.
00:02:04
Speaker
Ich freue mich sehr, dass du hier bist und dass wir die Zeit haben, dein Know-how heute ein bisschen abzuzapfen und vor allem natürlich ein bisschen darüber zu sprechen, was wir eigentlich in der GIF machen, was du aktuell in der GIF machst, was du in der GIF auch gemacht hast.
00:02:18
Speaker
Das sind Themen, die uns sehr interessieren.
00:02:20
Speaker
Und ich komme mal zum ersten Punkt.
00:02:22
Speaker
Wie war denn so dein erster Berührungspunkt mit der

Matthias' Erfahrungen mit GIF

00:02:25
Speaker
GIF?
00:02:25
Speaker
Wie ist denn das damals entstanden?
00:02:26
Speaker
Vielleicht kannst du da mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.
00:02:30
Speaker
Ja, da kann ich mich noch ziemlich genau daran erinnern.
00:02:34
Speaker
Früher war vor der Expo Real in München immer das Immobiliensymposium in Regensburg.
00:02:41
Speaker
Und da ich seit über 20 Jahren Dozent bei der iRaps bin, war ich auch immer zu diesem Immobiliensymposium.
00:02:49
Speaker
Und im Rahmen der
00:02:52
Speaker
des Symposiums, es waren immer tolle Vorträge.
00:02:54
Speaker
Es war immer ein toller Auftakt zur Expo, weil man eigentlich in sehr konzentrierten Vorträgen das Stimmungsbild und auch die Wirtschaftslage zusammengefasst bekommen hat.
00:03:05
Speaker
Und ein wesentlicher Bestandteil des Symposiums war auch die Verleihung des GIF-Forschungspreises.
00:03:12
Speaker
Und von daher kenne ich die GIF schon viele, viele Jahre.
00:03:17
Speaker
Den Forschungspreis verleihen wir auch heute noch.
00:03:19
Speaker
Das ist immer wieder ein jährlich ganz toller Anlass.
00:03:22
Speaker
Insofern schön, dass du in dem Raum auf die Hilfe gekommen bist.
00:03:25
Speaker
Wie ging es denn weiter?
00:03:27
Speaker
Irgendwann haben mich
00:03:30
Speaker
erst Andreas Schulden und dann aber Tobias Just angesprochen und dann gesagt, Matthias, wir haben einen Anschlag auf dich vor.
00:03:40
Speaker
Wir brauchen im GIF-Vorstand einen Juristen.
00:03:43
Speaker
Hältst du Lust?
00:03:44
Speaker
Und ich hatte große Lust, weil ich am Anfang gar nicht so genau wusste, was mich da erwartet und habe da mitgemacht.
00:03:52
Speaker
Das waren immer tolle Runden.
00:03:54
Speaker
Ich war ja dann zehn Jahre im Vorstand, die maximale Zeit.
00:03:59
Speaker
Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.
00:04:01
Speaker
Ich habe tolle Leute kennengelernt, es haben sich auch richtige Freundschaften daraus entwickelt.
00:04:06
Speaker
Und ich bin für die Zeit wahnsinnig dankbar.
00:04:09
Speaker
Das Schönste war eigentlich nicht nur die Arbeit,
00:04:13
Speaker
im Vorstand, sondern auch das gesellige Zusammensein am Vorabend und der Austausch mit den anderen und die Diskussion, die vielen guten Foren.
00:04:22
Speaker
Also das hat mir schon große Freude bereitet.
00:04:25
Speaker
Kann ich bestätigen.
00:04:26
Speaker
Ich durfte dich ja auch noch ein Stück weit in der Forschungsarbeit begleiten und es ja weiterhin auch zusammen machen können.
00:04:32
Speaker
Und tatsächlich, natürlich geht es um die inhaltliche Arbeit, aber das Miteinander wirklich bei uns, finde ich, wird sehr, sehr groß geschrieben und es macht einfach und es darf auch Spaß machen.
00:04:42
Speaker
Ich glaube, das ist vielleicht auch eines der Erfolgsgeheimnisse hinter dem ganzen Thema.
00:04:47
Speaker
Jetzt musst du uns ein bisschen erzählen, natürlich, wir haben oder sind ja immer auf der Suche nach Juristen im Forschern, weil wir einfach wissen, dass juristischer Beistand dort vonnöten ist.
00:04:56
Speaker
Du hast es dann zehn Jahre mit Bravour gemacht, diese Position.
00:04:59
Speaker
Erzähl uns doch mal ein bisschen, wie bist du denn zur Juristerei?
00:05:03
Speaker
Ja, also erstmal so selbstverständlich ist das ja nicht mit den Juristen im Vorstand.
00:05:06
Speaker
Eigentlich hat das Tobias Just als damals neuer Präsident erst ins Leben gerufen.
00:05:14
Speaker
Ich beantworte gleich deine Frage, aber kurzer Exkurs.
00:05:17
Speaker
Aber ich finde, dass die Juristerei in der Immobilienwirtschaft und auch in der GIF nach wie vor zu kurz kommt.
00:05:25
Speaker
Es ist schon ein Kernanliegen meiner zehnjährigen Vorstandstätigkeit gewesen,
00:05:31
Speaker
Das ist mir in Teilen auch gelungen, aber eigentlich muss jede KG, muss jede unserer Kompetenzgruppen und das Herz der Gift schlägt ja in den Kompetenzgruppen und in der Geschäftsstelle, aber eben die Arbeit wird vor allem in inhaltlicher Arbeit in
00:05:49
Speaker
den KGs gemacht, die organisatorisch in der Geschäftsstelle.
00:05:54
Speaker
Und dazu gehört eben auch die Rüsterei.
00:05:57
Speaker
Und das ist ein wesentlicher Bestandteil der Immobilienwirtschaft und kommt aus meiner Sicht noch zu kurz, das müssen wir stärken.

Unkonventioneller Weg zur Juristerei

00:06:05
Speaker
Aber jetzt zu der eigentlichen Frage, wie bin ich eigentlich auf die Rüsterei gekommen?
00:06:10
Speaker
Das ist schon ungewöhnlich, weil
00:06:13
Speaker
ich aus einer reinen Medizinerfamilie komme.
00:06:16
Speaker
Sowohl mein Vater als auch mein Bruder, meine Schwägerin, meine beiden Großväter, das sind alles Mediziner gewesen.
00:06:23
Speaker
Und wenn sie nicht Mediziner waren, dann waren es medizinisch-technische Assistenten oder pharmazeutisch-technische Assistenten.
00:06:33
Speaker
Ja, wir hatten dann in der neunten Klasse einen Mutkord gemacht bei mir im Geschichtsunterricht.
00:06:40
Speaker
Und ich hatte die Position des Richters und es hat mich so fasziniert und mir so Spaß gemacht, dass fortan mein Schloss Felsenfest war, Jura zu studieren und eigentlich auch Richter zu werden.
00:06:58
Speaker
dann muss es irgendwann im Studium ein Tipping Point gegeben haben, den kann ich mich leider nicht erinnern, wo das umgekippt ist und ich Anwalt werden wollte.
00:07:09
Speaker
Das kann ich dir aber gar nicht genau sagen, aber jetzt bin ich Anwalt geworden und bin da auch sehr glücklich im Leben in dem Beruf.
00:07:19
Speaker
Ja, und wir waren auch sehr glücklich, dich lange Zeit in der GIF als vor allem Juristen, aber generell natürlich als wertvolles Vorstandsmitglied erleben zu dürfen.
00:07:31
Speaker
Wie ging es dann für dich in der Vorstandsarbeit weiter?
00:07:35
Speaker
Was waren für dich so die Schwerpunkte über die Zeit?
00:07:37
Speaker
Du hast ja schon gesagt, du hast die maximale Ära von zehn Jahren erfüllt.
00:07:43
Speaker
Bis ja der GIF, auch darüber sprechen wir gleich nochmal,
00:07:46
Speaker
dann treu geblieben, aber was waren so für dich wesentliche Themen im Vorstand, die dir wichtig waren in der Arbeit, die du voranbringen wolltest?
00:07:57
Speaker
Also auch da antworte ich jetzt erstmal indirekt, das Tolle an der GIF finde ich ja das Interdisziplinäre.
00:08:04
Speaker
Das ist übrigens das, was ich gar nicht verstehen kann, dass die anderen Juristen, die sich aus meiner Sicht noch viel stärker an der GIF engagieren könnten, als sie bislang tun, was sie immer noch nicht so richtig verstanden haben.
00:08:17
Speaker
Das Tolle an der GIF und an den GIF Kompetenzgruppen ist ja, dass man dort auf Nicht-Juristen trifft.
00:08:24
Speaker
und sich interdisziplinär austauschen kann und an Richtlinien, Leitfäden etc.
00:08:31
Speaker
arbeiten kann.
00:08:34
Speaker
Der Höhepunkt für die meisten Anwälte jedes Jahr ist die Juve-Gala in Frankfurt.
00:08:40
Speaker
Ich kann das gar nicht verstehen, wie man sich mit 300 anderen Anwälten, ich glaube in Europa ist das in Frankfurt,
00:08:48
Speaker
zusammentreffen kann und sich gegenseitig feiert und Preise verleiht.
00:08:53
Speaker
Und ich habe da noch nie, ich will da auch nicht hin, denn ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als einen Abend mit 300 Mal Konkurrenten zu verbringen, wo kein einziger Mandant da ist.
00:09:07
Speaker
Wobei ein paar Inhouse-Teams sind auch dabei eben doch sehr untergeordnet.
00:09:10
Speaker
Und das Tolle bei der GIF ist eigentlich, dass man
00:09:13
Speaker
dass man auf den Foren oder auch in den Kompetenzgruppen seine Zielgruppe trifft und meistens eben ohne Konkurrenten, weil die Juristen nach wie vor unterrepräsentiert sind.
00:09:27
Speaker
Es gibt ein paar Anwälte, die haben das sehr clever verstanden, also dort mal
00:09:32
Speaker
Ein Shoutout an GSK beispielsweise, der Kollege Jan Hennig, der sie sehr verdienstvoll gemacht hat, um die Arbeit in der KG Einzelhandel oder ihrer Händler, die mittlerweile die Patin der
00:09:53
Speaker
Kompetenzgruppe für Geflächen und Definitionen für die MAFG ist.
00:09:59
Speaker
Und das ist einfach eine tolle Sache.
00:10:01
Speaker
Also dieser interdisziplinäre Austausch und die Organisation der Foren.
00:10:09
Speaker
Wir hatten ja das Forum Flächenkonversion, das Forum Quartiere, wir haben das Forum ESG veranstaltet.
00:10:19
Speaker
Das waren schon absolute Highlights.
00:10:22
Speaker
Also an der Stelle nochmal ein Aufruf an alle Juristen und Juristinnen dann draußen.
00:10:27
Speaker
Kommt zur GIF.
00:10:29
Speaker
Schaut euch das an und bringt mehr juristischen Sachverstand in die GIF und tauscht euch und vernetzt euch aus.
00:10:37
Speaker
Ich glaube, ja, dem ist nicht viel hinzuzufügen.
00:10:40
Speaker
Da würde ich dir absolut zustimmen.
00:10:43
Speaker
Jetzt haben wir das Thema der GIF-Arbeit so ein bisschen beleuchtet.

Gründung von KG Hochhäuser

00:10:47
Speaker
Jetzt ist es ja bei dir so, du bist aus dem Forschung rausgegangen, aber hast gesagt, hey,
00:10:51
Speaker
Das war es jetzt nicht.
00:10:52
Speaker
Ich möchte gerne weiterhin in der GIF arbeiten und meinen Teil dazu beitragen und auch vielleicht die Themen, die mir Spaß machen und wo ich denke, da gibt es vielleicht auch noch nicht genug, weiter stärken oder ausentwickeln im Rahmen der GIF.
00:11:07
Speaker
Und das hast du getan, indem du gesagt hast, hey, ich möchte eine neue Kompetenzgruppe gründen, die Kompetenzgruppe Hochhäuser.
00:11:15
Speaker
Vielleicht kannst du dazu mal ein paar Sätze erzählen, was da die Motivation war und was ihr da eigentlich treibt.
00:11:22
Speaker
Darf ich auch da wieder etwas indirekt antworten?
00:11:24
Speaker
Selbstverständlich.
00:11:27
Speaker
Diese zehn Jahre im Vorstand der GIF haben mir so viel gegeben, dass ich, als ich tonusgemäß ausscheiden musste, was ich auch gut fand, war eine Satzungsänderung, die ich maßgeblich auf Initiative von Tobias begleitet habe.
00:11:45
Speaker
Aber ich musste ausscheiden und ich dachte mir, das kann es jetzt nicht gedehrend sein.
00:11:52
Speaker
Auf der einen Seite und auf der anderen Seite verspüre ich eine große Dankbarkeit für diese Chance, die ich hatte, dort mitzuwirken.
00:11:59
Speaker
Und da war es mir wichtig, auch etwas zurückzugeben.
00:12:02
Speaker
Und das hat in drei Schritte gemündet.
00:12:07
Speaker
Erstens, dass ich sofort meine persönliche Mitgliedschaft in eine Fördermitgliedschaft umgewandelt habe.
00:12:14
Speaker
Zweitens, dass ich, um die Juristerei und die Rechtswissenschaften zu stärken, einen Forschungspreis bestiftet habe, nämlich für Immobilienrecht.
00:12:28
Speaker
Wir hatten in der Vergangenheit immer die eine oder andere immobilienrechtliche Arbeit, haben auch mal die eine oder andere ausgezeichnet.
00:12:35
Speaker
Aber es ist noch kein richtiger Schwerpunkt gewesen und ich denke, dass das jetzt auch ein tolles Vehikel ist, um die immobilienrechtlichen Nährstühle, die es uns witzigerweise gar nicht gibt, können wir vielleicht gleich nochmal drauf zurückkommen,
00:12:53
Speaker
stärker auf die GIF aufmerksam zu machen, damit eben nicht nur die Praktiker, sondern auch die Wissenschaftler aus der Rechtswissenschaft sich stärker in die GIF eindringen.
00:13:05
Speaker
Und das dritte war, dass ich eine Passion habe für Hochhäuser.
00:13:12
Speaker
Ich finde, das sind tolle Gebäude.
00:13:16
Speaker
Ich habe eine hohe Faszination, glaube ich, wie jeder, für die New Yorker Skyline.
00:13:22
Speaker
Und ich finde auch die Frankfurter Skyline sehr interessant.
00:13:25
Speaker
Ich begleite hier in Berlin mehrere Hochhausprojekte und es hat mir immer viel Spaß gemacht.
00:13:31
Speaker
Und ich denke auch, dass Hochhäuser die Antwort, die richtige Antwort auf viele Fragen unserer Zeit sind.
00:13:40
Speaker
und habe gleichzeitig bemerkt, dass die Anforderungen an Hochhäuser in den 7a Städten in Deutschland sehr unterschiedlich ausgeprägt sind.
00:13:56
Speaker
Und dachte mir, das könnte man doch eigentlich mal aufgreifen und in einer Kompetenzgruppe beleuchten.
00:14:03
Speaker
Ich habe die dann
00:14:05
Speaker
zusammen mit Markus Vieringen gegründet von der KVL.
00:14:09
Speaker
Und das muss ich jetzt wirklich mal sagen, lieber Markus, ich könnte mir da niemanden Besseren an meiner Seite vorstellen als dich.
00:14:19
Speaker
Ich bin jedes Mal fasziniert.
00:14:21
Speaker
Die KVL ist ja Projektsteuerer, nicht so.
00:14:24
Speaker
Und wie der dieses Projekt steuert,
00:14:28
Speaker
Das ist einfach faszinierend.
00:14:30
Speaker
Wir hatten gerade am, wann war das glaube ich, am, also ich weiß nicht, letzte Woche hatten wir einen Call, wo einfach so tolle Leute zusammengekommen sind, wo wir so wahnsinnig produktiv sind.
00:14:44
Speaker
Ich mache das zusammen bei mir im Büro mit der Franziska Wortmann und wir sind nach jeder Videokonferenz und nach jedem Treffen total geflasht, was wir da eigentlich auf die Beine gestimmelt hatten.
00:14:59
Speaker
Wir hatten letztes Jahr das GIF Forum.
00:15:01
Speaker
Wir planen dieses Jahr noch ein Kompetenzgruppen-Treffen in Präsenz in Frankfurt.
00:15:07
Speaker
Wir werden vielleicht sogar noch eine Veranstaltung machen, habe ich dem Vorstand noch gar nicht berichtet, aber wir überlegen tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte noch mal eine zusätzliche Veranstaltung zu machen.
00:15:18
Speaker
Und da ist ein solcher Drive drin.
00:15:21
Speaker
Auch nur so als Beispiel.
00:15:24
Speaker
Wir hatten neulich eine Videokonferenz mit Simon Kemp von der Periscope, der Vorstandsvorsitzende oder CEO.
00:15:29
Speaker
Und ich sagte, Simon,
00:15:32
Speaker
Du kannst ja übrigens auch gerne jemanden aus deinem Team mit einbinden, wenn du da nicht so viel Zeit hast.
00:15:37
Speaker
Und er so, nee, nee, nee, Matthias, ich will hier selber meinen Input geben.
00:15:42
Speaker
Und das ist nur ein Beispiel.
00:15:45
Speaker
Es sind wirklich von mehreren Projektentwicklern einfach die Top-Leute dabei.
00:15:52
Speaker
Und ja, ich bin sehr gespannt, was da rauskommen wird.
00:15:56
Speaker
Hört sich sehr spannend an und es ist natürlich auch ein tolles Zeichen für die KG, aber auch
00:16:01
Speaker
Für die GIF, dass das innerhalb dieser Gesellschaft passiert, sowas, und dass dieses Engagement einfach so ist, erlebe ich tatsächlich auch sehr, sehr häufig.
00:16:09
Speaker
Aber ich gebe zu, es ist schon eine GIF-Spezifika, möchte ich mal so sagen, und es freut uns natürlich auch besonders, dass es so gut funktioniert.
00:16:19
Speaker
Das Thema Hochhäuser ist ja, ich sage mal, sehr emotionsbeladen in Summe.

Hochhäuser als Lösung urbaner Herausforderungen

00:16:25
Speaker
Es gibt ja auch viele, die da nicht so mit einverstanden sind, genauso wie es auch vehemente Verfechter dafür gibt.
00:16:31
Speaker
Du hattest schon gesagt, für dich ist es eine der Antworten.
00:16:35
Speaker
Ich habe ja im Vorgespräch gelernt, dass es doch tatsächlich einen relevanten Anteil an Wohnen in Hochhäusern gibt.
00:16:43
Speaker
Hast du eine Idee, wo geht denn da eure Reise hin?
00:16:46
Speaker
Also gibt es da sozusagen dieses typische vertikale Quartier?
00:16:50
Speaker
Ist das noch ein Thema oder wo liegen die Schwerpunkte jetzt eigentlich eurer Arbeit im Ausblick bei den Hochhäusern?
00:17:00
Speaker
Ja, also wen wir auch in der Gruppe haben, ist David Pissier, der diesen schönen Dreisatz geprägt hat, Hochhäuser, Sehnsucht, Versprechen, Feindbild.
00:17:12
Speaker
Und das bringt es eigentlich sehr schön auf den Punkt, gerade hier in Berlin.
00:17:17
Speaker
Also ich denke, andere Städte sind da wesentlich hochhausfreundlicher, aber in Berlin hat man da noch eine relativ hohe Hochhausfeindlichkeit.
00:17:29
Speaker
Was wir uns in der Gruppe vorgenommen haben, ist, das Hochhaus aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
00:17:37
Speaker
Und wir haben innerhalb der Kompetenzgruppe sechs Unterarbeitsgruppen gebildet, die sich jeweils aus zwei Perspektiven, zum Beispiel Stadtgesellschaft oder Umwelt und Landwirtschaft,
00:17:56
Speaker
Womit ist Umwelt kombiniert?
00:17:58
Speaker
Nicht mit Nachhaltigkeit, das wäre ja albern, aber ich glaube mit der Tragwärtsstallität beispielsweise und natürlich auch Projektentwicklung und Wirtschaftlichkeit.
00:18:12
Speaker
Also dann auch die Frage, was ist ein gutes Hochhaus, was macht ein gutes Hochhaus aus, was kann es der Stadt zurückgeben?
00:18:18
Speaker
Also wir haben verschiedene Perspektiven, auf die wir auf das Hochhaus schauen.
00:18:23
Speaker
Und diese Arbeitsgruppen, diese Unterarbeitsgruppen arbeiten gerade daran.
00:18:28
Speaker
Und es ist jetzt die spannende Frage, was kommt da raus bis Sommer?
00:18:34
Speaker
Wir wollen uns am 3.
00:18:34
Speaker
Juli in Frankfurt treffen.
00:18:39
Speaker
Und das dann schon mal zusammenbinden.
00:18:42
Speaker
Wir haben jetzt in der letzten Woche in der Videokonferenz wurden da schon mal so ein paar Ergebnisse vorgestellt.
00:18:48
Speaker
Und da war ich eben auch sehr beeindruckt, weil
00:18:54
Speaker
Wir hatten den Kick-Off im September eigentlich mit dem Forum, das wir veranstaltet hatten.
00:19:00
Speaker
Was aus meiner Sicht schon ein totaler Erfolg war, weil beispielsweise die Senatsbaudirektorin aus Berlin, Frank Heifeld, das neue Hochhausleitbild dort vorgestellt hat.
00:19:10
Speaker
Das war, glaube ich, rund zwei Monate, bevor sie es offiziell vorgestellt hatten.
00:19:14
Speaker
Ja, das war schon revolutionär.
00:19:16
Speaker
Und dann haben wir im Anschluss die Aufgabe geschärft, die Unterarbeitsgruppen gebildet und hatten im Januar einen Kick-Off für die Unterarbeitsgruppen.
00:19:26
Speaker
Und haben jetzt im Februar
00:19:29
Speaker
mal besammelt, was bislang rausbekommen ist.
00:19:31
Speaker
Ich fand wirklich erstaunt, weil die sich eben getroffen und gearbeitet haben und sehr produktiv sind.
00:19:37
Speaker
Also das ist jetzt nicht so eine Laberveranstaltung, sondern da wird richtig gearbeitet.
00:19:42
Speaker
Und das ist schon wirklich sehr beeindruckend zu sehen.
00:19:46
Speaker
Und ja, was ist das Ziel?
00:19:50
Speaker
Ich glaube, wenn man es so auf einen Punkt bringen sollte, würde man sagen, das Ziel ist zu definieren, was ist das gute Hochraut?
00:19:58
Speaker
Und diese Antwort ist nicht eindimensional, die ist mehrdimensional.
00:20:03
Speaker
Könnte sein, dass wir da am Ende nicht mit einem Punktesystem arbeiten, vielleicht mit einer Scorecard, aber das wollen wir jetzt noch gar nicht vorwegnehmen.
00:20:14
Speaker
Das sind Ideen, die im Raum stehen.
00:20:16
Speaker
Aber wir wollen eigentlich jetzt erstmal den kreativen Schaffungsprozess laufen lassen und das nicht zu sehr vom Ergebnis her denken und das Ergebnis eher daraus entwickeln, was jetzt die Kreativität uns liefert, um zu aufpassen, dass man zwar auf der einen Seite das Ziel vor Augen hat, aber eben ja auch nicht Scheuklappen aufsetzt.
00:20:39
Speaker
Und das ist jetzt gerade die sehr, sehr spannende Arbeit, die wir da machen.
00:20:44
Speaker
Hört sich wirklich an, du hast es ein bisschen angerissen eben hier in Berlin.
00:20:48
Speaker
Wir nehmen ja in Berlin auf, das Thema Hochhäuser ist durchaus, sagen wir mal, ambivalent.
00:20:56
Speaker
Kannst du vielleicht schon mal so eine Idee geben, kristallisiert sich bei euch heraus, dass ihr diese Frage, was ist ein gutes Hochhaus, auch regional unterschiedlich beantworten werdet?
00:21:08
Speaker
Ja, das war die große Erkenntnis, eigentlich auch im letzten Call.
00:21:13
Speaker
Es gibt kein One-Size-Fits-All, sondern man muss das unterschiedlich betrachten.
00:21:21
Speaker
Es gibt ja auch unterschiedliche Bedarfe.
00:21:24
Speaker
Ich glaube, einheitlich ist in den 7a-Steppen, um vielleicht auf die Vorfrage zurückzukommen, die Wohnungsnachfrage.
00:21:33
Speaker
die unbefriedigend beantwortet wird.
00:21:36
Speaker
Und das Hochhaus ist, wenn du es auch international betrachtest, ja nicht ein Bürohochhaus, sondern eben wird auch vielfach zum Wohnen genutzt.
00:21:50
Speaker
und kann insofern auch eine interessante Antwort sein auf die Frage unserer Zeit und die soziale Frage unserer Zeit, das Wohnen und auch den sparsamen Umgang mit Grund und Boden.
00:22:05
Speaker
Und das ist ja jetzt auch nichts Neues da, in der Vertikalität zu denken.
00:22:09
Speaker
Ich meine, man braucht sich nur die Hochhäuser an der Leipziger Straße oder an Marzahn anzuschauen.
00:22:14
Speaker
Jetzt wollen wir nicht neue soziale Brennpunkte mit Vorstandssiedlungen schaffen, aber ein integriertes Hochhaus an einer integrierten Lage kann sicherlich was zurückgeben.
00:22:29
Speaker
Und da gibt es ja auch beispielsweise aktuell Pläne, wenn man sich anguckt, was der Senat und der Projekt im Wickel an der Oschauer Straße dort verfolgen.
00:22:39
Speaker
Dort ist ein 167 Meter hohes Wohnhochhaus geplant.
00:22:44
Speaker
Absolut, ja die Überlegung gibt es und interessant wirklich darüber nachzudenken, dass ein Hochhaus eben auch eine Antwort auf das Thema Wohnraum sein kann.
00:22:53
Speaker
Ich weiß gar nicht, wie viele Menschen bei Hochhaus auch dann an diese Thematik tatsächlich denken, aber es ist ja naheliegend und gerade wie du sagst, wenn das Thema dann in die Umgebung
00:23:05
Speaker
integriert ist und da nehme ich mal deinen Aussagen, dass ihr genau auch diese Themen beleuchten werdet in den Fragestellungen und dafür möglicherweise dann auch Antworten findet, respektive Bewertungsmaßstäbe, nach denen etwas gelingen kann oder eben auch gerade nicht.
00:23:21
Speaker
Genau das ist das Ziel.
00:23:23
Speaker
Sehr gut.
00:23:23
Speaker
Also hört sich sehr fischversprechend an.
00:23:26
Speaker
Tolle neue KG, die wir da haben und wir freuen uns natürlich sehr,
00:23:29
Speaker
auf die Ergebnisse, auch auf die Veranstaltungen zu dem Thema.
00:23:33
Speaker
Wir werden ja auch unser Wohnlabor dieses Jahr erstmalig durchführen im Juno.
00:23:39
Speaker
Das heißt, auch da werden wir natürlich die Gelegenheit haben, zum Thema Wohnen zu sprechen und vielleicht dann auch ein bisschen das Thema hoch auszustreifen.
00:23:46
Speaker
Also das wäre natürlich eine tolle Sache.
00:23:50
Speaker
Das ist das Thema KG.
00:23:51
Speaker
Du bist aber auch natürlich in deiner Tätigkeit als Anwalt mit einer eigenen OZ-Tät vor allem bekannt für das

Einführung des BauTurbo

00:24:01
Speaker
Thema Bautor.
00:24:01
Speaker
Da müssen wir unbedingt drüber sprechen, denn da hat sich in der Vergangenheit einiges getan, beziehungsweise es gab eine Novellierung der Gesetzgebung, die dazu führte, dass dieser sogenannte Bautor tatsächlich jetzt in Kraft getreten ist, beziehungsweise Anwendung finden kann.
00:24:20
Speaker
Ich habe mich ja schon ein paar Mal Fettnäpfchen gesetzt mit der Unwissenheit, die ich bei dem Thema versprühe.
00:24:25
Speaker
Nichtsdestotrotz, auch ich werde langsam schlau und habe gelernt, dass es nicht zuvorderst darum geht, dass die Themen beschleunigt werden in Summe, sondern dass es um ein großes Paket oder eine Bündelung von Maßnahmen geht, die in diesem Bautrube enthalten sind.
00:24:44
Speaker
Und du bist der Profi, das kann man ganz klar sagen.
00:24:49
Speaker
Deswegen würde ich dich an der Stelle einmal bitten, vielleicht in kurzen Sätzen zusammengefasst, worum geht es eigentlich im Bautogo?
00:24:58
Speaker
Also der Bautubo im engeren Sinne ist der 246e Baugesetzbuch, der am 31.
00:25:05
Speaker
Oktober nach zweijähriger Diskussion eingeführt wurde.
00:25:09
Speaker
Aber das Gesetzgebungspaket war wesentlich umfangreicher.
00:25:17
Speaker
Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag am 6.
00:25:23
Speaker
Mai eingeschrieben, dass die neue Bauministerin Huberts mit vier Aufgaben betreut wird.
00:25:32
Speaker
Erstens der Verlängerung des Ummandlungsverbots.
00:25:35
Speaker
Das wäre zum 31.12.2025 ausgelaufen und musste aus Sicht der SPD verlängert werden.
00:25:42
Speaker
weil es sonst mit dem Aufteilungsgeschäft weitergegangen wäre, was die SPD verhindern wollte und man kann auch nicht was sagen musste, denn ansonsten wären sie von Grünen und Linken geschlachtet worden.
00:25:59
Speaker
Das ist eigentlich die entscheidende Antwort schon auf die Frage, warum dieses Gesetzespaket so schnell
00:26:05
Speaker
durchgelaufen ist durch den Bundestag.
00:26:08
Speaker
Ich hatte schon gesagt, 6.
00:26:09
Speaker
Mai war Koalitionsvertrag.
00:26:12
Speaker
Dann hatte die Ministerin eigentlich 100 Tage.
00:26:14
Speaker
Sie brauchte nur 27, um das Gesetzespaket vorlegen zu können.
00:26:19
Speaker
Erste Lesung vor der Sommerpause, zweite, dritte Lesung, Ausschusssitzung im September, zweite Lesung und zwischen Bundesrat im Oktober.
00:26:28
Speaker
Da macht das in Kraft treten.
00:26:30
Speaker
Und wir beklagen ja den ausbleibenden Herbst der Reform, den Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt hatte.
00:26:39
Speaker
Aber beim Baurecht, da wurde geliefert.
00:26:43
Speaker
Und warum wurde geliefert?
00:26:45
Speaker
Weil dieses Umwandlungsverbot bis zum Ende des Jahres ins Gesetz musste.
00:26:49
Speaker
Und ruckepack von diesem Umwandlungsverbot und dessen Verlängerung waren drei gesetzgeberische Maßnahmen, die es wirklich in sich haben.
00:26:58
Speaker
Das erste sind ganz erheblich ausgeweitete Abweichungsmöglichkeiten für die Profis § 31 Absatz 3, § 34 Absatz 3a und 3b.
00:27:13
Speaker
Und was steht da drin?
00:27:14
Speaker
Da steht drin, dass man von Bebauungsplänen jetzt, ich sag es mal vereinfacht, stärker abweichen kann.
00:27:24
Speaker
Das war problematisch und führte dazu, dass beispielsweise in Berlin, eigentlich gerade im Westteil,
00:27:32
Speaker
keine Aufstockung, kein Dachgeschossausbau mehr möglich war, weil die Befreiungsinstrumentarien von einem alten Bebauungsplan, der heißt Baunutzungsplan, von 1960, 1961 nicht vorhanden waren.
00:27:47
Speaker
Die Rechtsprechung war da ein wegweisendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im April 2024.
00:27:54
Speaker
Da hat er gesagt, die klassische Befreiung scheitert bei einer Aufstockung.
00:28:00
Speaker
Beispielsweise, wenn die GFZ-Vorgabe, also die Geschossflächenzahl 1,5 ist und ich bin in der Aufstockung auf einer 2,4 oder 2,5 kommen, dann haben die gesagt, das ist von der Abweichung zu stark.
00:28:12
Speaker
Das könnt ihr nicht mit dem alten Instrumentarium befreien.
00:28:16
Speaker
Der Gesetzgeber hatte das schon 2021 gesehen, dieses Problem, und da mit einem neuen Paragraphen 31 Absatz 3 reagiert, der war aber unzugreifend.
00:28:27
Speaker
Das war das Wollernmobilisierungsgesetz.
00:28:29
Speaker
Und der erlaubte zwar Befreiungen auch in größerem Maße, aber nur im Einzelfall.
00:28:36
Speaker
Und die Rechtsprechung sagte, Einzelfall liegt ja nur in atypischem Sachverhalten vor, aber nicht bei einer Aufstockung oder bei einem Dachgeschossausbau, weil davon gibt es ja Zehntausende in Berlin und Hunderttausende deutschlandweit.
00:28:50
Speaker
Das sind ja keine Einzelfälle.
00:28:54
Speaker
Und der Gesetzgeber hat jetzt auf diese Rechtsprechung reagiert und erlaubt dieses stärkere Abweichen nicht mehr nur im Einzelfall, sondern auch in mehreren vergleichbaren Fällen.
00:29:05
Speaker
Und das wird uns jetzt Aufstockungen und Dachgeschoss ausbauten, aber auch die Widerrichtung von Seitenflügeln, runderzeitlichen Strukturen, vielleicht sogar auch die Errichtung von
00:29:20
Speaker
den klassischen Gartenhäusern, nicht zweiter Reihe, hinter dem Vorderhaus, maßgeblich vereinfachen.
00:29:29
Speaker
Beziehungsweise man muss eigentlich sagen, nach der Rechtsprechung ging es nicht mehr, konnten diese Nachverdichtungen nicht mehr genehmigt werden.
00:29:40
Speaker
Das ist übrigens auch immer meine Antwort an die Kritiker von dem Bauturbopaket, die sagen, ach, das ist ein Spekulationsturbo oder nein, das ist ein Neubauturbo, das ist alles falsch und geht in die falsche Richtung.
00:29:52
Speaker
Ich sage, ja, Leute, vielleicht beschäftigt ihr euch erst mal mit dem Gesetz, denn es ist in erster Linie ein Umbauturbo, ein Nachverdichtungsturbo.
00:30:02
Speaker
Es gibt eigentlich niemanden, selbst bei den Grünen und Linken, die gegen die Nachverdichtung, den Bauen im Bestand sind, die sich darum verdient machen.
00:30:15
Speaker
Genau da zielt der erste und wesentliche Baustein dieses Gesetzespakets.
00:30:22
Speaker
Dieses Problem mit den Uraltbebauungsplänen haben wir nicht nur in Berlin, das haben wir auch deutschlandweit.
00:30:33
Speaker
Dann haben wir einen revolutionär novellierten Schallschutz.
00:30:39
Speaker
Es ist so bislang im deutschen Bauplanungsrecht,
00:30:45
Speaker
dass wir uns vor dem Verkehrslärm mit passivem Schallschutz schützen können.
00:30:52
Speaker
Also wenn man Verkehrslärm hat, wenn man an der Autobahn wohnt oder in der Nähe vom Flughafen oder auch an den Gleisen, dann kriegt man Schallschutzfenster, man hat drinnen ruhige Innenpegel, man hat eine mechanische Belüftung und alles ist gut.
00:31:08
Speaker
Beim Gewerbelernen ist das nicht erlaubt, weil man den Gewerbelern 0,5 Meter vor dem öffentlichen Fenster lässt.
00:31:16
Speaker
Wenn ich den Lärm aber draußen lasse und nicht drinnen, dann ist es für die Emissionsschutzbehörden
00:31:26
Speaker
egal welche Form von Schallschutz ich verbaue, weil ich messe ja draußen.
00:31:30
Speaker
Es ist dem Schallschützer, dem Emissionsschutzbehörde und dem Emittenten vollkommen egal, ob ich dort die tollsten Fenster habe oder eben einfach Verglasung.
00:31:42
Speaker
Und
00:31:44
Speaker
Das führt natürlich zu Systembrüchen.
00:31:47
Speaker
Ein LKW, der auf der Straße fährt, darf laut sein, weil er ist Verkehrslärm.
00:31:52
Speaker
In dem Moment, wo er hier auf den Hof fährt, wir haben hier einen klassischen Betriebshof, man verlässt die Straße, quert die Bordsteinkante und ist auf einem Hof.
00:32:04
Speaker
Und auf einmal ist das Fahrgeräusch kein Verkehrslärm mehr, sondern Gewerbelärm.
00:32:10
Speaker
Draußen kann ich mich mit einem Schallstützfenster schützen, hier drinnen nicht.
00:32:14
Speaker
Völlig absurd.
00:32:15
Speaker
Es ist ja das gleiche Geräusch.
00:32:19
Speaker
Wir reden jetzt nicht von einer Verladerante, wir reden jetzt nicht von rückwärts Einparken mit Piepen, ich rede auch nicht von Türenknallen, über das man sich nochmal besonders unterhalten kann.
00:32:32
Speaker
Wirklich.
00:32:33
Speaker
Der gleiche LKW, das gleiche Geräusch.
00:32:36
Speaker
Und das ist absurd.
00:32:39
Speaker
Da gab es über Jahre hinweg schon Diskussionen, da eine experimentierklausulitäre Lärm einzuführen, haben sich die Bauminister immer nicht durchsetzen können, witzigerweise gegen zwei starke Lobbygruppen, nämlich die Wirtschaftsministerien und die Umweltministerien.
00:33:01
Speaker
die dort in einer Verleihungszusammengestaltung, das ist ja auch ungewöhnlich, dass Wirtschafts- und Umwelt sind hier.
00:33:09
Speaker
Die Wirtschaftsministerien gepusht natürlich von Industrie- und Handelskammern.
00:33:17
Speaker
die um die Sicherheit ihrer Betriebsstandorte fürchten und die Umweltministerien aufgrund des Lärmschutzes, die gesagt haben, aber Lärmschutz ist doch Gesundheitsschutz und da können wir keinen Mut dazu rückreichen.
00:33:31
Speaker
Und die Frau Hubertz, über die man sich halt gerne lustig macht, wenn sie dann mit ihrer Kaffeetasse durch ihr läuft und dann irgendwie so denkt, das kleine Mädchen und
00:33:41
Speaker
Die hat diesen Streit einfach abgeräumt.
00:33:46
Speaker
Die hat sich mit dem Schneider getroffen, dem Umweltminister, und hat das Problem abgeräumt.
00:33:56
Speaker
Sie haben jetzt ein Primat des Bebauungsplans fixiert.
00:33:59
Speaker
Das heißt, ich kann in einem Bebauungsplan von den Vorgaben der THLM abweichen.
00:34:05
Speaker
Ich kann statt Außenpegel Innenpegel festsetzen,
00:34:11
Speaker
Und damit es eben auch wieder schaffen, ein höheres Maß an Nachverdichtung, in dem eben Wohnen und Gewerbe tendenziell näher zusammenrücken kann.
00:34:25
Speaker
Das Ding ist ja,
00:34:28
Speaker
Die Produktivität und die produzierenden Betriebe und deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt geht ja seit Jahren zurück.
00:34:36
Speaker
Und deswegen haben wir, und dafür ist glaube ich hier oberschöne Weide, ein sehr schönes Beispiel aus der Zeit gefallene Gewerbegebiete.
00:34:44
Speaker
In diesen Gewerbegebieten ist nichts mehr los.
00:34:48
Speaker
Da ist vielleicht noch ein Schreiner, aber ansonsten, gerade wo bin ich hier dran vorbeigefahren?
00:34:54
Speaker
Schraubenwirt, Fressnapf, Lidl.
00:34:57
Speaker
Das ist das, was sich in diesen Gewerbegebieten ansiedelt.
00:35:01
Speaker
Und es ist ja nicht so, dass jetzt Tesla hierher kommt oder BMW und ihre neue Motorradfabrik hier in Oberöchschöneweide erstellt.
00:35:11
Speaker
Und
00:35:13
Speaker
Dementsprechend sind große Teile von Gewerbegebieten frei und bieten sich für eine Flächenkonversion an.
00:35:19
Speaker
Das ist übrigens auch nicht eine Berliner Besonderheit, sondern das gibt es überall.
00:35:26
Speaker
Hamburg hat die Hafencity umgewandelt.
00:35:30
Speaker
Jetzt ist die HafenCity 2.0 dran mit dem Billebogen.
00:35:33
Speaker
In Bremen haben wir die Überseestadt.
00:35:35
Speaker
In London hatten wir vor 20 Jahren die Docklands.
00:35:40
Speaker
In New York den Meatpacking District mit der Highline.
00:35:44
Speaker
Das sind ja internationale Beispiele, weil ja auch international einfach der Anteil der Schwerindustrie zurückgeht.
00:35:56
Speaker
Diese Flächen bieten sich an und nach bisherigen Rechten musste man dort einen übertriebenen Schallschutz und ganz kreative Lösungen mit nach innen verlagerten Messpunkten oder feststehenden Fensterfronten umsetzen, um das zu realisieren.
00:36:16
Speaker
Da geht jetzt mehr und das ist wirklich ein radikaler Schritt.
00:36:23
Speaker
Die Kritiker sagen, geht es noch nicht weit genug und es fehlt die Koalitionsregel der THL.
00:36:27
Speaker
Ja, darüber kann man sich noch unterhalten.
00:36:29
Speaker
Man kann es noch besser machen, aber das geltende Recht nach Ansicht der meisten Kommentatoren hat dort einen riesigen Schritt gemacht und dieses Regime revolutionär geändert.

Auswirkungen des BauTurbo auf Stadtentwicklung

00:36:42
Speaker
Ja, nein, jetzt noch den eigentlichen Motto.
00:36:44
Speaker
Nicht so.
00:36:45
Speaker
Und das ist nämlich genau...
00:36:48
Speaker
Und das ist nämlich das, was jetzt hinterher drüppelt.
00:36:51
Speaker
Das ist eben dann der 246e.
00:36:56
Speaker
der subsidiär greift, also der ist nachrangig über den vorrangigen Instrumenten.
00:37:03
Speaker
Das sind eben 31 Absatz 3, die Abweichung von Bebauungsplänen und der 34 Absatz 3a und 3b, das ist dort, wo es keine Bebauungspläne gibt.
00:37:15
Speaker
Dort muss man sich ja einfügen in die nähere Umgebung und 3a und 3b sagen, ja,
00:37:23
Speaker
Das gilt aber nicht mehr für Wohnungsbauvorhaben, die können auch über das prägende Maß hinaus zugelassen werden.
00:37:30
Speaker
Und dementsprechend stellt sich dann die Frage, was bleibt denn dann noch für den Bautubo?
00:37:36
Speaker
Vor allem Außenbereichsflächen, also Flächen, für die es noch keinen Bebauungsplan gibt oder für die ein Bebauungsplan Aufstellung ist.
00:37:47
Speaker
wo es auch an der prägenden Bebauung fehlt, sodass es auch nicht mal 34 lösen kann.
00:37:54
Speaker
Ja, sagen die Kritiker, aber das kann doch gar nicht sein.
00:37:56
Speaker
Wir müssen doch die grüne Wiese frei halten von der Bebauung.
00:38:00
Speaker
Wir haben ein 30 Hektar Ziel.
00:38:02
Speaker
Wir brauchen weniger Bau auf der grünen Wiese und nicht mehr.
00:38:07
Speaker
Thema Flächenversiegelung.
00:38:10
Speaker
Und auch da ist wieder die Antwort aus meiner Sicht, dass das völlig fehl geht, weil wir auch in den Ballungsräumen riesige 35er Gebiete haben.
00:38:21
Speaker
Typischerweise Eisenbahnen, Linsen, die sich anbieten, aber auch Stadterweiterungen.
00:38:28
Speaker
Es gibt diesen schönen Satz, was haben Paris und Pankow gemeinsam?
00:38:33
Speaker
Jetzt bin ich gespannt.
00:38:36
Speaker
die Größe.
00:38:37
Speaker
Also Paris und Pankow sind gleich groß.
00:38:40
Speaker
Der Bezug Pankow und von Paris die Kernstadt.
00:38:44
Speaker
Ich glaube, es sind 400.000 von 3 Kilometer weit.
00:38:47
Speaker
Jedenfalls sind sie gleich groß.
00:38:50
Speaker
Und Paris hat auf dem gleichen Raum 2 Millionen Einwohner, wo Pankow 400.000 hat.
00:39:00
Speaker
Und das zeigt eben, dass Berlin
00:39:04
Speaker
noch ein gehöriges Maß an Nachverdichtungspotenzial hat, ohne dass wir die grüne Wiese in Brandenburg komplett zutackern müssen.
00:39:14
Speaker
Ja, hört sich danach an.
00:39:15
Speaker
Somit ist es dann im internationalen Vergleich.
00:39:18
Speaker
Wird der eine oder andere sicherlich auch nicht erfreut sein über diese Erkenntnis, aber in der Tat muss man sich da ja auch an gewissen Maßstäben messen lassen.
00:39:26
Speaker
Und wenn wir diese Stadt noch weiterentwickeln wollen, dann ist das vielleicht genau eine der Antworten.
00:39:31
Speaker
Aber vielen Dank für diesen
00:39:35
Speaker
für mich sehr interessanten neuen Einblick in den Bauturbo, der dann doch wesentlich mehr und vor allem andere Charakteristik umfasst.
00:39:43
Speaker
Wenn man deine Kommunikation in den letzten Jahren verfolgt, dann hat man aber schon gemerkt, dass DT Alarm dein spezieller Freund ist und du dich wahrscheinlich doch eher freust, dass das Thema jetzt so nobeliert worden ist, wie es dann wurde, weil das, was du uns geschildert hast,
00:39:58
Speaker
Das deutet auch darauf hin, dass da vielleicht die Gesetzgebung nicht immer mit dem kompatibel ist, was wir so landläufig als gesunder Menschenverstand verstehen würden, gerade wenn dort an Stellen gemessen wird, wo ich faktisch gar keinen Einfluss auf den Lärm habe.
00:40:13
Speaker
nehmen kann, wenn ich einfach nur meine Baumaßnahmen sehe.
00:40:16
Speaker
Das macht natürlich die Sache noch absurder.
00:40:19
Speaker
Also das freut mich natürlich, dass es in die Richtung geht.
00:40:24
Speaker
Also es hatte schon eine innere Logik.
00:40:27
Speaker
Es hatte schon eine innere Logik.
00:40:29
Speaker
Weil die TA Lern dient ja nicht dazu, zu beurteilen, ob eine Wohnbebauung an einen Gewerbebetrieb heranrücken kann, sondern die Idee der TA Lern ist, dass der Elitent, also der, der den Lern verursacht, weiß, wie laut darf ich sein.
00:40:44
Speaker
Das ist das Ziel der TA Lern, also eine umgekehrte Betrachtungsweise.
00:40:49
Speaker
Und
00:40:51
Speaker
Für den Emittenten ist es natürlich einfacher, vor der Fassade einen Messpunkt zu setzen, weil er sich dann nicht damit auseinandersetzen muss, was hinter der Fassade ist.
00:41:02
Speaker
Auf der anderen Seite, also das ist der ursprüngliche Weg und von daher, es hat eine gewisse Logik.
00:41:06
Speaker
Verstanden, ja.
00:41:10
Speaker
Aber es ist eigentlich heutzutage so, dass es kaum noch einen Gewerbebetrieb gibt, der nicht in einer Gemengelagesituation ist, nennen wir das.

Umnutzung von Industriegebieten

00:41:22
Speaker
Also wo
00:41:25
Speaker
geräuschintensive und geräuschsensible Nutzungen aufeinandertreffen.
00:41:30
Speaker
Und deswegen braucht eigentlich jeder Emittent heute im Verhältnis zu seiner Emissionsschutzbehörde ein Lärmgutachten, beziehungsweise bei einer heranrückenden Wohnbebauung wird ja auch ein Lärmgutachten erstellt,
00:41:41
Speaker
Und in diesem Lärngutachten setzt sich der Lärngutachter natürlich mit der Umgebungsbebauung auseinander und guckt dann in die Baugenehmigung rein und guckt, welches Schalldämmmaß ist dort verbaut worden und kann sich danach orientieren.
00:41:58
Speaker
Von daher ist es ein Stück weit aus der Zeit gefallen und man muss auch sagen, es ist aus meiner Sicht anachronistisch und kreativ.
00:42:06
Speaker
international beispiellos.
00:42:08
Speaker
Es ist ja auch nicht 80 Prozent des deutschen Umweltrechts sind europäisch vorgegeben, aber es gibt kein anderes Land auf dieser Welt, das diese Unterscheidung
00:42:17
Speaker
zwischen Werbe- und Verkehrslärm führt.
00:42:20
Speaker
Und dementsprechend war das gut, dass wir das jetzt überwunden haben.
00:42:24
Speaker
Also an der Stelle nochmal vielen Dank ans Bundesbauministerium für diese Novellierung.
00:42:30
Speaker
Ich verlasse mich da auf deine Einschätzung als Profi, dass uns das Thema wirklich voranbringt.
00:42:34
Speaker
Das wäre auch meine nächste Frage.
00:42:36
Speaker
Siehst du denn jetzt konkret
00:42:38
Speaker
dass diese Ausgestaltung auch genutzt wird.
00:42:40
Speaker
Weil, wenn ich es richtig verstehe, auch wieder auf Leihen gesprochen, das Thema ist ja auch Länderaufgabe, nicht wahr?
00:42:47
Speaker
Das heißt, es muss dann in den Ländern, in den Kommunen ankommen.
00:42:50
Speaker
Wie geht man natürlich damit um?
00:42:52
Speaker
Wie ist so dein Eindruck?
00:42:53
Speaker
Ja, also nicht Länder, sondern tatsächlich Kommunen.
00:42:57
Speaker
Also wir haben ja Bund, Länder und Kommunen und die Kommunen haben die verhandlungsrechtlich garantierte Planungshoheit und bei den Kommunen liegt die Zustimmung.
00:43:06
Speaker
Und diese Zustimmung ist so ausgestaltet vom Gesetzgeber, dass die
00:43:14
Speaker
Kommunen da einen sehr großen Spielraum haben, dass sie eigentlich gerichtlich kaum überprüfbar ist, eigentlich nur eine Art Willkürkontrolle, also ob sie jetzt völlig willkürlich oder völlig sachfremd Ergebungen herangezogen haben, sodass die Kommunen da einen sehr großen Spielraum haben.
00:43:35
Speaker
Ich persönlich und auch weitere Kommentatorinnen, die sogar von einem
00:43:39
Speaker
juristischen Fachbegriff einen Beurteilungsspielraum aus, was so eine ganz besondere Ermächtigung an die Exekutive ist, dort relativ frei zu entscheiden, ohne dass die Judikative, die Gerichte, da zu stark reinreden können.
00:43:58
Speaker
Da sprichst du vom Status quo jetzt.
00:44:01
Speaker
Diese neue Regelung.
00:44:09
Speaker
Die Kommunen müssen für die neuen Abweichungsregelungen 133, 433a, b und 246e ihre Zustimmung geben.
00:44:18
Speaker
Und in dieser Zustimmung sind sie relativ frei.
00:44:21
Speaker
Das ist ein großer Kritikpunkt, aus meiner Sicht eine absolute Selbstverständlichkeit, weil das ist Ausdruck der kommunalen Planungshoheit und eben verfassungsrechtlich garantiert ist.
00:44:31
Speaker
Denn die Kommunen entscheiden ihre örtlichen Angelegenheiten vor Ort selbst.
00:44:37
Speaker
Das ist die verfassungsrechtliche Garantie.
00:44:41
Speaker
Und dementsprechend ist die kommunale Zustimmung auch nicht weggiskutierbar.
00:44:49
Speaker
Durch die Medien geistern jetzt Nicht-Anwendungsbeschlüsse von Kommunen in Bayern, insbesondere war große IZ-Meldung, Nicht-Anwendungsbeschluss von Kommunen in Bayern.
00:45:05
Speaker
Das ist aus meiner Sicht schon zweierlei problematisch.
00:45:09
Speaker
Erstens finde ich es problematisch, weil ich glaube, bei einem Nichtanwendungsbeschluss werden die Kommunen ihre Aufgabe, die der Gesetzgeber ihnen gegeben hat, nicht gerettet.
00:45:17
Speaker
Sie sind zwar relativ frei, ob sie die Zustimmung geben oder nicht, aber sie müssen das Anlass vorhaben zu beprüfen und können jetzt nicht abstrakt sagen, ich mache meinem Gemeindegebiet vom Bautoburg keinen Gebrauch.
00:45:28
Speaker
Das ist aus meiner Sicht ein beurteilendes Ausfall.
00:45:30
Speaker
Wenn keine Beurteilung, zu der sie ermächtigt sind, machen sie sich extrem angreifbar.
00:45:38
Speaker
Erstens und zweitens würde ich mir wünschen, dass wir statt dieser Meldung, statt dass diese Meldung in den Vordergrund gerückt wird, mal melden würden, dass von den sieben Arschstätten fünf
00:45:52
Speaker
nämlich alle außer Hamburg und Stuttgart, und Hamburg muss ich nochmal überprüfen, weil ich meine, die auch schon was gehört, sehr positive Beschlüsse gefasst haben und gesagt haben, ja, wir wollen davon Gebrauch machen, wir
00:46:05
Speaker
wollen dafür etwas im Gegenzug haben.
00:46:08
Speaker
Beispielsweise hat Frankfurt gesagt, wir machen das nicht für Einfamilienhäuser, wir machen es auch nicht für Mikroapartments und wir fordern einen Sozialanteil an bezahlbarem Wohnen und wir fordern auch typischerweise eine Bauverpflichtung.
00:46:24
Speaker
Also wer von uns eine Genehmigung im Bautubo bekommt, der soll damit nicht
00:46:31
Speaker
spekulieren und das soll nicht Genehmigungen sein, die in den Baumüberhang fließen, sondern der kriegt auch die harte Verpflichtung, das dann umzusetzen.
00:46:40
Speaker
Übrigens die nächste Antwort an die Kritiker vom Bauturbo, die immer sagen, ach der Bauturbo, der bringt doch nichts außer Spekulation.
00:46:47
Speaker
Nee, richtig angewendet, so wie eben in fünf von sieben A-Städten,
00:46:54
Speaker
ist das ein total tolles Instrument, um die gemeindlichen Vorstellungen durchzusetzen.
00:47:00
Speaker
Der Gesetzgeber ist ausdrücklich zu ermutigt, indem er gesagt hat, die Zustimmung kann unter Bedingungen erteilt werden.
00:47:09
Speaker
Typischerweise wird es so sein, dass man sein Vorhaben im Vorfeld der Kommune vorstellt, mit ihr diskutiert, vielleicht sogar einen stellebaulichen Vertrag abschließt, wo man die Rechte und Pflichten gegenseitig regelt.
00:47:21
Speaker
Und dann braucht man gar keine Bedingungen mehr nachher in der Zustimmung.
00:47:23
Speaker
Und dann kommt man damit wesentlich schneller zu seinen Baugenehmigungen als bisher.
00:47:30
Speaker
Denn bislang ist es ja so, dass man für Bauvorhaben, größere Bauvorhaben, einen Bebauungsplan brauchte, gerade in der Klächenkonversion.
00:47:40
Speaker
Und diese Bebauungsplanverfahren in Berlin teilweise zehn Jahre dauern.
00:47:44
Speaker
Also einfach viel zu lang.
00:47:46
Speaker
Und deswegen hat das Ganze schon einen erheblichen Schwangerloseffekt.
00:47:50
Speaker
Ja, sehr interessant.
00:47:51
Speaker
Das klingt doch erstmal plausibel, dass man dann als Gesetzgeber natürlich gewisse Vorgaben macht, die durchaus im Rahmen nachvollziehbar sind an der Stelle, so würde ich das jetzt sagen.
00:48:03
Speaker
Aber wir gerade bei dem Thema Wohnspekulation, die wir in der Vergangenheit viel erlebt haben, was so nicht sein sollte.
00:48:09
Speaker
Und dann hatte man eben als Stadt oder als Entwicklungspartner keinen Hebel, um das Thema zu steunen und überhaupt in irgendeiner Weise zu forcieren.
00:48:17
Speaker
Das war ja einfach Fakt.
00:48:19
Speaker
Und insofern klingt das erstmal interessant, nachvollziehbar.
00:48:23
Speaker
Wie ist denn jetzt so, um bei den positiven Beispielen nochmal zu bleiben, deine Einschätzung, passiert da jetzt schon einiges mit den neuen Anwendungen?

Kritik und Hoffnung in der Wohnungsbaukrise

00:48:32
Speaker
Ja, das kann ich gerade nicht ganz stehen lassen.
00:48:37
Speaker
Ich finde, der Staat hat das Seinige dazu beigetragen, dass wir in dieser Krise sind, in der wir uns befinden.
00:48:47
Speaker
Das geht los mit den großen Wohnungspaketverkäufen.
00:48:50
Speaker
In den Nullerjahren, das geht weiter mit der Einstellung der sozialen Wohnraumförderung im gleichen Zeitraum, mit dem Abbau der Verwaltungskapazitäten in den Stadtplanungsämtern, mit der Anhebung der Grunderwerbsteuer von 3 auf 6 Prozent, teilweise sind es 6,5 Prozent,
00:49:09
Speaker
Die Einstellung der Neubauvorhaben, also es wurden einfach keine Bebauungspläne mehr erlassen.
00:49:18
Speaker
Und ich habe auf LinkedIn gerade neulich das Schöne gelesen und das fand ich wirklich klasse.
00:49:23
Speaker
Textaufgabe an Linke und Grüne.
00:49:26
Speaker
120 Leute suchen eine Wohnung.
00:49:28
Speaker
Es gibt nur 100.
00:49:29
Speaker
Wie hoch muss die Miete sein, damit alle eine bekommen?
00:49:32
Speaker
Das ist eigentlich der entscheidende Punkt.
00:49:37
Speaker
Wir müssen ins Bauen, Bauen, Bauen kommen und vor dem Bauen, Bauen, Bauen.
00:49:41
Speaker
Und übrigens nicht das blinde Bauen, Bauen, Bauen, sondern das sozial ausgewogene Licht.
00:49:48
Speaker
Dafür stehen ja auch die kooperativen Baulandmodelle.
00:49:50
Speaker
Aber das braucht man eigentlich gar nicht mehr dazu zu sagen, weil die in allen A-Stücken gelten.
00:49:54
Speaker
Vor dem Bauen, Bauen, Bauen steht das Planen, Planen, Planen und das wurde eben stark vernachlässigt.
00:50:00
Speaker
Beispielsweise unter Rot-Rot-Grün 16 bis 21 in Berlin gab es drei Bebauungspläne pro Jahr auf Senatsebene.
00:50:10
Speaker
Das ist einfach viel zu wenig.
00:50:13
Speaker
Und deswegen ist diese Krise hausgemacht und jetzt habe ich über den Lock-In-Effekt von Mietpreisregulierung noch gar nicht gesprochen.
00:50:21
Speaker
Was war die eigentliche Frage?
00:50:24
Speaker
Du hattest nur gesagt, dass du es nicht so stehen lassen kannst, dass jetzt der Gesetzgeber nachher keine Partizipation hat.
00:50:30
Speaker
Das würde ich an der Schöne-Schwein-Nesvorsuch tatsächlich auch nicht gemeint.
00:50:33
Speaker
Aber gerade dieses Thema der Bodenspekulation haben wir halt sehr häufig erlebt in der Vergangenheit.
00:50:38
Speaker
Aber es wurde ja eben gepusht.
00:50:40
Speaker
Wenn ich das Angebot verknappe,
00:50:45
Speaker
also das neue Bauland verknappe, weil ich die Bebauungsplanverfahren so überfordere und überhaupt gar keine mehr betreibe, dann muss ich demjenigen, dem einen, der durchs Ziel läuft und auf einmal denkt, er hat den goldenen Topf am Ende des Regenbogens gefunden, kann ich dann auch keinen Vorwurf machen.
00:51:04
Speaker
Absolut.
00:51:06
Speaker
Das ist der Punkt.
00:51:06
Speaker
Und die Verknappung entsteht eben staatlich und nicht vom Markt.
00:51:11
Speaker
Ja.
00:51:12
Speaker
Absolut.
00:51:12
Speaker
Also sehe ich genauso.
00:51:13
Speaker
Insofern, wir glauben mal, dass der Bauturbo, nach dem auch, was du jetzt uns nochmal hier aufgetischt hast, im positiven Sinne, wirklich dazu beitragen kann, aufgrund dieser Vielfältigkeit, die er bietet, tatsächlich dort wieder Impulse reinzubringen und natürlich auch dieses Miteinander.
00:51:31
Speaker
Und das ist ja am Ende auch, worum es geht.
00:51:33
Speaker
zwischen Kommunen und Investoren und Baunträgern natürlich wieder zu stärken und vielleicht auch wieder ein bisschen mehr Vertrauen herzustellen.
00:51:40
Speaker
Das ist ja ein großes Thema.
00:51:41
Speaker
Ohne Vertrauen geht in dem Bereich einfach nichts.
00:51:44
Speaker
Matthias, angesichts der Zeit, wir kommen zum Ausblick.
00:51:47
Speaker
Ich frage mal traditionell gerne nochmal, wohin geht die Reise im Bereich unserer Immobilienwirtschaft, den Bautobahn, weil es gehört.
00:52:00
Speaker
Wie ist deine Einschätzung, Ausblick?
00:52:02
Speaker
Wir haben jetzt viele Jahre der leider Krise hinter uns.
00:52:07
Speaker
Geht es wieder aufwärts?
00:52:07
Speaker
Vielleicht auch dank Bautoro oder was ist dein Bauchgefühl?
00:52:12
Speaker
Ja, also ich beantworte mir persönlich die Frage eigentlich relativ einfach.
00:52:22
Speaker
Egal nach welcher Betrachtungsweise, wir haben zu wenig Wohnungen in Deutschland.
00:52:29
Speaker
ob es jetzt diese 400.000 noch sein müssen, wie Kanzler Scholz und Geiwitz ausgegeben haben, ob es 300.000 sein müssen, wie dieses Bundesinstitut BBSR meines Erachtens ermittelt hat oder jetzt im aktuellen Begutachten der Immobilienweisen,
00:52:55
Speaker
Ich weiß, jetzt habe ich ein bisschen weniger, aber der Grundkonsens ist, wir brauchen weiterhin mehr Wohnungen.
00:53:04
Speaker
Und deswegen mache ich mir um die Baukonjunktur eigentlich keine Sorgen.
00:53:10
Speaker
Die Fördermittel werden auch ausgeweitet.
00:53:13
Speaker
Also um den Bereich sorge ich mich nicht.
00:53:18
Speaker
Was ich nicht gut und nicht richtig finde, ist, dass das Gewerbe, also vor allem die Büros,
00:53:25
Speaker
so
00:53:28
Speaker
dahin siechen.
00:53:31
Speaker
Ich denke, da werden wir auch noch eine Trendwende erleben.
00:53:34
Speaker
Es gibt ja auch die guten Mietvertragsabschlüsse in Frankfurt.
00:53:40
Speaker
Immer noch stein in Mieten.
00:53:41
Speaker
Wir haben bei 60 Euro vermietet.
00:53:43
Speaker
Ich habe mit einem Projektentwickler am Alexanderplatz eine Durchschnittsmiete von 41 Euro in seinem Objekt realisiert, gerade neu errichtet.
00:53:52
Speaker
Und Heinz hat jetzt einen riesigen Mietvertrag mit Straubach geschlossen am Südkreuz.
00:53:57
Speaker
Also die Verträge gibt es noch und ich glaube auch, dass das, was ja in den 10er Jahren den Büromarkt geputscht hat, nämlich die ESG-Kriterien und auch die ESG-Anforderungen für neue Mietverträge, dass das im Büromarkt eigentlich auch greifen müsste.
00:54:15
Speaker
Es tut es aber noch nicht.
00:54:17
Speaker
Warum?
00:54:18
Speaker
weil wir eben noch zu viele Leute im Homeoffice haben.
00:54:23
Speaker
Aber auch da denke ich, das kann eigentlich nicht die Zukunft sein.
00:54:28
Speaker
Ich erinnere gerne an meine ersten Berufsjahre bei Fischfields, was da an ihnen gestiftet wurde zwischen den Etagen.
00:54:36
Speaker
Und deswegen sage ich, ist das mal vielleicht ein Appell an die jungen Leute, kommt zurück ins Büro, ihr verpasst da was.
00:54:42
Speaker
Ja, ganz klares Commitment an der Stelle.
00:54:46
Speaker
Bisschen weniger Homeoffice, bisschen mehr Gemeinsamkeiten.
00:54:49
Speaker
Ich zitiere da mal gerne einen Kunden von mir, der sagte, der Kollege Zufall spielt eine große Rolle und der Kollege Zufall, den gibt es halt digital ja selten, der passiert halt analog.
00:54:59
Speaker
Also insofern ja, ich kann das nachvollziehen.
00:55:02
Speaker
Wir werden schauen, wo da die Reise hingeht.
00:55:04
Speaker
Ich glaube, es ist tatsächlich ein bisschen eine kulturelle, es ist auch eine Generationenfrage, aber es ist natürlich auch eine Frage, wie wir es vorleben.
00:55:11
Speaker
Und am Ende, ich sage mal, vielleicht nicht das Thema der Repression, sondern eher der, was sind denn die Vorteile, wie du es auch schon formuliert hast.
00:55:19
Speaker
Es gibt eben natürlich auch die Vorteile, wenn man sich physisch sieht, so wie wir hier auch gemeinsam im Studio sitzen und diesen wunderbaren Rückkast gemeinsam aufgenommen haben.
00:55:28
Speaker
Insofern, das ist ein tolles Schlusswort.
00:55:31
Speaker
Ich danke dir, lieber Matthias, vielmals für deinen Besuch, für die tollen Insights.
00:55:37
Speaker
in deine bisherige GIF-Karriere in DKD und das Thema Bautogo, wo ich glaube, dass viele dir zugehört haben, einen kleinen Aha-Effekt mindestens hatten.
00:55:48
Speaker
Und ich hoffe, dass wir von diesem Bautogo noch lange hören werden und von dir natürlich auch noch lange in der GIF.
00:55:53
Speaker
Insofern, lieber Matthias, herzlichen Dank für deine Zeit und danke für dein Besuch hier bei uns im kleinen Podcaststudio.
00:55:59
Speaker
Ja, vielen Dank für die schöne Einladung.
00:56:02
Speaker
Das war MitGift, der Forsche-Podcast der GIF.
00:56:05
Speaker
Mehr Infos gibt es unter gif-ev.de.
00:56:15
Speaker
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