Transcript
Speaker: ist Nachhaltigkeit utopisch und wie gelingt es, dass möglichst viele Menschen gut leben können, ohne dabei die Zukunft aufzuziehen. All das wird heute behandelt und zwar von einem richtigen Star -Goth. Und wer das ist und wie er zu mir kommt, das erfährst du jetzt.
Speaker: Ah, wer ist hier? Dein Christian, dein Mr. Broccoli und willkommen in deinem neuen Lieblingsformat, die vegane Welt neu denken. Und heute haben wir wieder ein Schwergewicht hier im Podcast. Und zwar handelt es sich um Professor Dr. Christian Beth.
Speaker: Er setzt sich auf vielfältigen Ebenen für die Nachhaltigkeit ein, in der Wirtschaft, in der Lehre an Universitäten und in der Zivilgesellschaft beim Club of Rome. Ja genau, du hast richtig gehört, er unterstützt ehrenamtlich die Arbeit des Club of Rome, dessen deutschen Präsidium er angehört und noch viel wichtiger,
Speaker: Er hat den aktuellen Brief an den Club of Rome geschickt. Den aktuellen Bericht an den Club of Rome wurde von Professor Dr. Christian Berg verfasst und ich habe dieses Manifest hier in der Hand über 300 Seiten geballtes Wissen. Er behandelt wirklich das Thema Nachhaltigkeit von allen Seiten und
Speaker: Das beinhaltet richtig, richtig viel und komplexe Dinge. Aber in den nächsten 20 Minuten bricht Professor Dr. Christian Beck das hervorragend runter. Er benennt die Probleme, aber auch, was du direkt gleich tun kannst. Beispielsweise ist es ja so,
Speaker: dass wir zum Beispiel falsche Marktbedingungen haben, falsche Rahmenbedingungen im Markt. Wir dürfen nicht nur das Schädliche lassen, sondern auch das Gute fördern. Oder zumindest dann das Schädliche mit einem Preis versehen. Wie oft haben wir beispielsweise schon darüber unterlegt, Fleisch aus Massentierhaltung wirklich ganz ganz teuer zu machen, weil wir den Preis der nachhaltigen Umweltverschmutzung und des nachhaltigen Leidens der Tiere
Speaker: und auch unseren Preis, nämlich unsere eigene Gesundheit, mit in den Kaufpreis dieses Fleisches einpreisen sollte. Das tun wir aber bisher noch nicht und all das sind super Tipps, die ihr uns jetzt gibt. Noch hier eine ganz kurze Laudatio zu unserem Professor.
Speaker: Er war zunächst bei SAP als Senior Researcher Sustainability und später als Produktmanager für Sustainability, also Nachhaltigkeit und Risk Management, hat dann das Thema Nachhaltigkeit in der Managementberatung des Unternehmens verantwortet.
Speaker: 2016 hat er dann seine eigenen Engagements im Bereich Nachhaltigkeit, zum Beispiel Vorträge, erhöht und lädt dazu parallel als Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und globalen Wandel an der TU Klausthal. Er ist wiederkehrend Gastprofessor für Corporate Sustainability und unterrichtet auch dort an der MBA School des Europa Instituts der Universität des Saarlandes.
Speaker: Also ein wirkliches, wirkliches Schwergewicht. Es ist mir eine große Ehre, ihn hier begrüßen zu dürfen, bevor wir in den nächsten Episoden weitere Schwergewichte begrüßen. Du darfst da auf jeden Fall richtig, richtig krass gespannt sein, wer da jetzt noch alles kommt. Jetzt aber erstmal die Bühne frei für den lieben Prof. Dr. Christian Bähm. Schön, dass Sie da sind.
Speaker: Hallo zusammen, ich begrüße euch alle ganz herzlich zu diesem Podcast. Mein Name ist Christian Berg und ich möchte euch in den nächsten 15 -20 Minuten ein bisschen was über das Thema erzählen, mit dem ich mich schon seit ziemlich langer Zeit, fast 20 Jahre auseinandersetze und euch von einem neuen Buch berichten, das ich gerade geschrieben habe und das der neue Club of Rome Bericht geworden ist.
Speaker: Bevor ich dazu komme möchte ich mich zunächst herzlich bei christian benzel bedanken toll dass du mich eingeladen hast hier in diesem forum zu euch zu sprechen. Ich finde das total klasse weil ich auch glaube dass es hier viele überschneidung gibt zwischen dem was euch was uns allen wichtig ist thema fitness gesundheit gesunde vegane ernährung.
Speaker: Und dem was mir wichtig ist nämlich die Frage wie wir auch zu einem gesunden Planeten einem gesunden Leben auf diesem Globus gemeinsam kommen. Christian und ich haben uns kennengelernt bei dem Reflection Summit von Beatrice Bürger im Juli Juli 2020. Mitten in der Corona Zeit und daraus entstand dann die Idee dass wir vielleicht mal was zusammen machen freue mich sehr darüber vielen Dank Christian.
Speaker: Das Thema, was mich beschäftigt, ist das Thema Nachhaltigkeit. Und ich glaube uns allen ist sehr wichtig, dass wir das Thema Gesundheit, das Thema Fitness, wie wir uns fühlen, wie wir wirken auch in unserer Umgebung.
Speaker: Und ich glaube uns ist allen klar das geist seele leib zusammengehören das macht keinen sinn nur den körper zu trainieren wenn wir irgendwie uns mental nicht auch entsprechend trainieren auf andere ausrichten. Und ich bin überzeugt davon dass wir als menschen auch soziale wesen sind das heißt wir müssen auch immer gucken wie geht es anderen, wie geht es den menschen in unserer umgebung und da wir nun mal auf einem globalen,
Speaker: in einer global vernetzten Welt leben, müssen wir auch immer fragen, wie sieht es letztlich auch in anderen Erdteilen aus. Und das merken wir natürlich in den letzten Jahren ganz verschärft, wie steht es eigentlich um die Gesundheit unseres Planeten.
Speaker: Und da brauche ich glaube ich nicht viel zu sagen. Wir wissen alle, dass es hier dramatische Fehlentwicklungen gibt. Stichwort Klimawandel, Stichwort Artensterben. In Deutschland haben wir zum Beispiel massiven Rückgang von Insekten, Abholzung von Regenwäldern, Plastikmüll in den Ozeanen. Also es ist richtig schlecht bestellt um die Erde. Und wenn man sich anguckt, wie wir im Moment zur Wege sind mit den globalen Übereinkünften,
Speaker: mit den verträgen ob das nun das pariser klimaschutzabkommen ist oder die um die nachhaltigkeitsziele der vereinten nationen, wir haben mühsam erreicht uns mit starten mit allen starten auf bestimmte ziele zu verständigen aber wenn es darum geht wie wir die wirklich umsetzen, dann müssen wir feststellen da ist noch wahnsinnig viel zu tun.
Speaker: So und ich habe mich mit dieser Frage lange beschäftigt und ich habe mir gesagt, woran liegt das eigentlich, dass wir nicht nachhaltiger sind? Warum ist es nicht sozusagen der Default, dass wir automatisch als Menschen oder auch als Gesellschaften nachhaltiger sind?
Speaker: Ich habe wie vorhin gesagt schon lange mit dem thema nachhaltigkeit mich beschäftigt. Und ich habe zum teil politik beraten ich habe war in der wirtschaft tätig ich habe NGOs mich engagiert. Und immer wieder tolle ideen entwickelt gesehen tolle projekte inspirierte menschen. Und dann nach einiger zeit festgestellt aus den besten ideen wurde leider doch nichts.
Speaker: So und dann habe ich mich gefragt woran liegt das und ich bin zu überzeugen gekommen dass es nicht nur diesen einen grund gibt.
Speaker: Genauso wie wir als Menschen irgendwie ganzheitlich zu verstehen sind, so müssen wir auch an dieses Thema Nachhaltigkeit rangehen. Wir können nicht nur eine Ursache benennen und sagen okay es ist eine falsche Wirtschaft oder es ist eine falsche Ernährung, es ist ein falsches Verhalten von Menschen, es ist eine falsche Politik, es ist alles das und leider noch viel mehr. Das macht die Sache so schwierig.
Speaker: Und jetzt möchte ich euch ein bisschen von dem von dem Buch erzählen in dem ich versucht habe diesen diesen Fragen mal nachzugehen. Und ich weiß nicht ob ihr den Club of Rome kennt der Club of Rome ist wahrscheinlich eine der ersten NGOs gewesen beziehungsweise es ist eigentlich mehr ein Club keine NGO die schon Ende der sechziger Jahre gegründet wurde und einer der ersten Initiativen die sich im Grunde mit der Zukunft des Planeten beschäftigen.
Speaker: Und der Club of Rome hat Anfang der 70er Jahre gab es einen ganz berühmten Bericht an den Club of Rome. Der wurde von Wissenschaftlern, Wissenschaftlerinnen geschrieben am MIT. Und die haben die Frage untersucht, wie geht es eigentlich mit der Entwicklung der Menschheit weiter in den nächsten Jahrzehnten und haben da ein Computermodell benutzt und haben
Speaker: Verschiedene Parameter da in ein Computermodell eingespeist in Klammern man höre und staune vor 50 Jahren also da waren die schon so weit dass sie mit Computermodellen die Welt simulieren konnten, und haben Bevölkerungsentwicklung Ernährung Situationen Umweltverschmutzung und einige Indikatoren modelliert,
Speaker: und kam zu dem ergebnis es gibt grenzen des wachstums und dieses dieses buch dieser bericht grenzen des wachstums ist ein absoluter bestseller geworden international.
Speaker: im Prinzip etwas gesagt, was einem gesunden Menschenverstand sofort einleuchtet. Man kann auf einem endlichen Planeten nicht unendlich wachsen. Es gibt einfach Grenzen. Und der Club of Rome ist mit diesem Buch sehr berühmt geworden und es gab seitdem jedes Jahr ungefähr einen Bericht an den Club of Rome, der wird von Wissenschaftlern geschrieben und der Club of Rome prüft dann diese Berichte, ob sie den sehr hohen Qualitätsstandards genügen und
Speaker: Wenn der Club of Rome das entscheidet dann wird eben ein Buch auch als Bericht an den Club of Rome akzeptiert.
Speaker: Das habe ich. Ich habe das versucht. Ich habe ein Buch geschrieben, zu dem ich euch gleich noch ein bisschen mehr erzählen werde und habe das dem Club of Rome eingereicht. Und es war sehr, sehr ehrenvoll für mich und eine große Freude, dass der Club of Rome das Buch akzeptiert hat. Und das, was ich euch jetzt erzählen möchte, sind Gedanken aus diesem neuen aktuellen Club of Rome Bericht.
Speaker: Im März wollten wir ihn der Presse vorstellen und das musste wegen Corona leider virtuell passieren. Ich habe das dann gestreamt auf YouTube. In dem Videokanal vom YouTube -Kanal von der deutschen Gesellschaft Club of Rome könnt ihr das finden. Oder auch auf meiner Homepage christianberg .net. In dem Buch versuche ich zu analysieren, was sind eigentlich die Gründe, warum wir nicht nachhaltiger sind.
Speaker: Ich habe das eben schon angedeutet. Das hat natürlich mit vielen Fragen zu tun, mit Fragen zum Beispiel des Marktes. Wir investieren jede Menge und subventionieren jede Menge wirtschaftliche Aktivitäten, die der Umwelt schaden. Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass wir ungefähr 50 Milliarden Euro jedes Jahr für Dinge ausgeben als Staat, die nachweislich der Umwelt schaden.
Speaker: Und das erste, was man tun müsste, wenn man mit der Umwelt weiterkommen will und die Umwelt verbessern möchte, die Umweltsituation, dann müssen wir zumindest mal aufhören, die Umwelt weiter zu schädigen. Also es ist so, wie wenn, was weiß ich, einer der drogenabhängig ist oder suchtabhängig sozusagen zum Arzt geht und eine Symptombekämpfung haben möchte. Das erste wäre doch mal, das Schädliche sein zu lassen.
Speaker: Das haben schon viele Leute vorgeschlagen, ich habe das selbst auch mal vorgeschlagen, in der Arbeitsgruppe, die ich für die Kanzlerin geleitet habe vor acht Jahren. Passiert ist da leider sehr wenig, aber deswegen ist es nicht falsch, es ist einfach so, dass wir das dringend umsetzen müssen.
Speaker: Der nächste Schritt wäre nicht nur das Schädliche lassen, sondern das Gute auch fördern bzw. das, was schädlich ist und was wirklich gar nicht zu vermeiden ist, zumindest mit einem Preis belegen. Deswegen haben wir im Moment in Deutschland die Diskussion, ob wir nicht eine CO2 -Steuer bzw. einen Preis für CO2 einführen.
Speaker: Und der gedanke ist wenn man mit co2 emissionen einfach einen preis verbindet dann hat man einen anreiz dass die leute weniger co2 in die luftblasen weniger mit dem auto fahren und so weiter.
Speaker: Also wir brauchen hier, um das zusammenzufassen, anderen Marktrahmenbedingungen. Der Markt an sich kann sehr schön und sehr effizient Güter allokieren, wie die Ökonomen sagen, also Güter letztlich fair verteilen, aber er braucht die richtigen Rahmenbedingungen und die haben wir im Moment noch nicht. Ein zweites Problem ist, dass viele Herausforderungen natürlich globaler Natur sind.
Speaker: Die können wir nicht in Deutschland alleine beseitigen. Wir können nicht den Klimaschutz alleine vorantreiben. Wenn andere nicht mitziehen, dann ist das vergeblich. Trotzdem ist es natürlich super wichtig, dass wir damit anfangen und dass wir zeigen, wie es gehen kann und vielleicht folgen uns dann andere auch auf diesem Weg.
Speaker: Wir brauchen aber für diese globalen Herausforderungen letztlich auch globale Regulierungsmechanismen, eine globale Steuerung. Die Wissenschaftler sprechen von Global Governance, also nicht eine Weltregierung, aber einen Prozess, in dem weltweit zum Beispiel Verträge geschlossen werden und Staaten sich verpflichten, bestimmte Ziele zu erreichen.
Speaker: Das ist bis heute noch sehr unvollkommen. Es gibt Verträge, wie zum Beispiel das Pariser Klimaabkommen. Die sind auch wichtig und gut. Daran sollten wir weiter arbeiten, um die umzusetzen. Aber wir haben zum Beispiel niemanden, der global letztlich dafür sorgt, dass das auch eingehalten wird. Also wenn jemand eine Nation zum Beispiel sagt, sie steigen aus dem Vertrag aus, ja, was ist dann?
Speaker: dann kann es eine globale Zivilgesellschaft geben, die dann vielleicht den Zeigefinger hebt und sagt, das solltet ihr aber nicht, aber es bleibt letztlich folgenlos. Das heißt, das ist ein zweites Problem, warum wir nicht nachhalten.
Speaker: Eine ganz andere Baustelle ist die Frage, wie wir eigentlich als Menschen uns um Nachhaltigkeit kümmern. Viele von uns wollen irgendwas tun und sagen, man müsste, man sollte, man könnte, aber das Konkrete umsetzen, das merkt wahrscheinlich jeder von uns auch bei Fragen gesunder Ernährung, bei Fragen der Fitness, immer wieder diesen inneren Schweinehund zu überwinden.
Speaker: Und das ist bei vielen Fragen der Nachhaltigkeit auch nicht anders. Wir können nicht erwarten, dass wir von heute auf morgen auf einmal nachhaltig werden. Das müssen wir auch üben. Wir müssen da bestimmte Verhaltensweisen hinterfragen. Muss ich den Abend vor dem Fernsehen mit Natüdeships verbringen oder kann ich nicht auch viel aktivere
Speaker: Wege finden meine meine Freizeit zu gestalten die mich vielleicht ein bisschen Überwindung kosten die mir aber langfristig sehr sehr gut tun, viel zu meiner Gesundheit zu meiner Fitness auch zu meiner meinem Sozialverhalten sehr positiv beitragen können. Also das ist sozusagen der individuelle Schiene, wo es darum geht auch diese Barrieren zur Nachhaltigkeit auch im eigenen persönlichen Leben zu adressieren.
Speaker: In dem ersten Teil des Buches geht es um diese Barrieren. Vielleicht sage ich noch einen Satz dazu, dass es wichtig ist, dass wir die gemeinsam adressieren. Also alle gemeinsam, jeder da, wo er oder sie steht, aber auch gleichzeitig. Niemand kann alles immer gleichzeitig berücksichtigen, aber es ist wichtig, dass man nicht sozusagen alles auf ein Pferd setzt und sagt, wir müssen jetzt unbedingt den Markt in dieser oder jener Weise verändern.
Speaker: Und dabei vergisst man, dass wir die Leute auch mitnehmen müssen, dass wir auch politische Prozesse brauchen, dass wir auch an unserem eigenen Verhalten arbeiten müssen. Aber wenn wir am Verhalten arbeiten, am Markt arbeiten, an der Politik arbeiten, an den Steuerungsmechanismen arbeiten und das viele Leute an vielen Orten, dann kann plötzlich auch ein Phasenübergang zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beginnen. Das ist meine feste Überzeugung.
Speaker: Ich habe dazu in dem Buch ein Beispiel verwendet, das viele von uns wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen können. Wenn ich euch frage, wie wir alle kennen Wasser in drei Aggregatzuständen. Gasförmig als Wasserdampf, flüssig als flüssiges Wasser und fest als gefrorenes Wasser als Eis.
Speaker: Und die Physiker nennen den Übergang von einer Phase in die nächste, einen Phasenübergang. Also wenn ich Wasser habe und ich möchte diesen Phasenübergang erreichen und möchte daraus Wasserdampf erzeugen, dann erreiche ich einen Phasenübergang. Und meistens macht man das von flüssig zu gasförmig, indem man was tut.
Speaker: Richtig, man erhitzt. Also ich stelle mein Wasser auf die Herdplatte oder in den Wasserkocher und führe Energie zu und dann fängt Wasser an zu kochen und verdampft. Physiker wissen aber, dass man es auch anders machen könnte. Und das weiß wahrscheinlich jeder von uns, der schon mal im Gebirge war und Eier gekocht hat. Denn im Gebirge haben wir weniger Druck,
Speaker: Und bei weniger Druck brauchen die Wassermoleküle weniger Kraft, um aus dem flüssigen Wasser zu entfliehen und in die gasförmige Phase zu kommen. Und deswegen geht das dort schneller. Das heißt, auf dem Mount Everest kocht Wasser vielleicht bei 70 Grad. Das heißt, es geht schneller. Dieser Phasenübergang geht schneller, wenn der Umgebungsdruck geringer ist.
Speaker: Umgekehrt dauert es länger, wenn der Umgebungsdruck höher ist. Und genau das mache ich zum Beispiel beim Schnellkochtopf. Ich halte den Deckel im wörtlichen Sinne drauf und erhöhe den Druck und dann kocht Wasser eben nicht bei 100 Grad, sondern vielleicht bei 120 oder 130 Grad. Und dann werden die Sachen, die ich kochen möchte, entsprechend schneller gar.
Speaker: Was will ich damit sagen? Schon bei diesem leieinfachen Beispiel in der Physik vom Phasenübergang von Wasser von flüssig zu gasförmig reicht es nicht, wenn ich nur einen Parameter angucke. Wenn ich nur die Temperatur angucke. Das reicht nicht. Ich muss die Temperatur und gleichzeitig die Druck beachten. Nämlich den Druck reduzieren und die Temperatur erhöhen. Oder zumindest darf ich nicht den Druck auch im selben Maße erhöhen.
Speaker: wenn ich diesen Phasenübergang erreichen möchte. Wenn ich das vergleiche mit dem Übergang in eine nachhaltigere Gesellschaft, dann ist völlig klar, dass ich hier natürlich nicht nur zwei Parameter habe, nicht nur drei, nicht nur 20, sondern vielleicht 100 oder 200 Parameter.
Speaker: Das heißt, wir müssen gleichzeitig die Wirtschaft ändern. Wir müssen in der Politik was tun. Wir müssen mit den Menschen, mit uns selber arbeiten, an unserem persönlichen Verhalten arbeiten. Und das muss eben idealerweise alles gleichzeitig passieren. Das ist eine ziemlich komplexe Aufgabe.
Speaker: Und deswegen sage ich im zweiten Teil des Buches, und dazu möchte ich jetzt ein bisschen was sagen, dass wir jeden und jede unterstützen sollten bei dieser Aufgabe. Denn wir alle wollen oder viele von uns wollen etwas beitragen zu einer nachhaltigeren Gesellschaft. Und dann fragt man sich ja, wie mache ich das? Kaum einer von uns ist Entscheidungsträger, Politiker oder Firmenvorstand.
Speaker: Aber jeder oder jede möchte vielleicht auch was beitragen. Und deswegen entwickle ich im zweiten Teil des Buches Handlungsprinzipien für Nachhaltigkeit. Handlungsprinzipien wechseln jetzt die Brille sozusagen von der systemischen Sicht im ersten Teil bei den Barrieren auf die Akteure. Was kann denn Lieschen Müller, Max Mustermann, was kannst du, was kann ich tun, um zur Nachhaltigkeit beizutragen?
Speaker: Und dafür sage ich, brauchen wir solche Prinzipien. Und diese Prinzipien sind in der Regel nicht neu, die habe ich mir nicht selber ausgedacht, aber ich habe sie sozusagen systematisiert und zusammengetragen und zum Teil alte Prinzipien genommen und auch auf neue Zusammenhänge angewendet. Ein Beispiel eines sehr alten Prinzipes ist das Verursacherprinzip.
Speaker: Das steht schon in dem ältesten Text über Rechtstext der Menschheit, in dem sogenannten Codex Hammurabi, der im Orient im dritten Jahrtausend vor Christus, ungefähr vor 4000 Jahren, entstanden ist.
Speaker: In diesem Codex Hammurabi wird beschrieben, was passiert, wenn jemand einen Damm baut, also ein Wasser, einen Fluss mit einem Damm versieht, um Wasser zu haben und er baut diesen Damm schlampig und der Damm bricht.
Speaker: Dann heißt es, dann soll derjenige, der den Damm so schlampig gebaut hat, soll verkauft werden in die Sklaverei und mit dem Geld, was man dort dafür bekommt, werden dann diejenigen entschädigt, deren Felder er verwüstet hat. Und ihr glaubt nicht, als ich das geschrieben habe, brach gerade in Brasilien der Damm von Vale in Minas Gerais und hunderte von Menschen kamen ums Leben.
Speaker: Und ich habe eine Gänsehaut gekriegt, weil ich mir gesagt habe, wie kann das sein, dass ein großer Konzern gerade mal einen Jahresgewinn zurücklegt, um damit die Opfer zu entschädigen. Und früher, vor 4 .000 Jahren, waren das doch sehr viel härtere Strafen. Da wurde man verkauft in die Sklaverei, um die Entschädigung zu ermöglichen.
Speaker: Also dieses Verursacher -Prinzip ist schon uralt. Aber was wir heute viel zu wenig tun, wir wenden es an, vielleicht im Zivilrecht, wenn es um Streitigkeiten zwischen Menschen geht, aber es geht viel zu wenig im Umweltrecht. Also wenn ich die Umwelt schädige, dann müsste ich eigentlich im selben Maße, wie ich sie schädige, auch entsprechend für die Wiedergutmachung aufkommen.
Speaker: Ein Schritt in diese Richtung ist zum Beispiel eine CO2 -Steuer. Aber nun braucht man natürlich nicht nur eine CO2 -Steuer, sondern man müsste entsprechend jedes Verhalten entsprechend mit einem Preis versehen. Also das Verursacher -Prinzip ist ein uraltes Prinzip, aber es ist bisher noch viel zu wenig praktiziert worden im Bereich der Umwelt. Ein anderes Prinzip ist Diversität fördern.
Speaker: Habt ihr mal über das Wort Monokultur nachgedacht? Eigentlich ist Monokultur ein Unwort, denn Kultur kann es nur in der Mehrzahl geben, in der Vielfalt geben. Wo ich nur mono habe, alles gleich ist, da habe ich totale Langeweile, da passiert nichts Neues. Deswegen kann es eigentlich eine Monokultur gar nicht geben.
Speaker: Das gilt nicht nur in der Landwirtschaft, das gilt in der Ökologie, das gilt aber auch in Firmenvorständen. Wenn Firmen nur von weißen Männern gelenkt werden, dann sind sie weniger innovativ und auch weniger profitabel, als wenn ich im Management einen interessanten Mix von Frauen und Männern und auch anderen sozusagen Kriterien der Diversität habe.
Speaker: Also Diversität fördern, Verursacherprinzip und drittes, was ich noch kurz erwähnen möchte, Transparenz fördern. Transparenz fördern heißt überhaupt erstmal ermöglichen, dass man faire Bedingungen für Vertragsverhandlungen hat.
Speaker: Wenn verschiedene Parteien über etwas verhandeln, wie das international häufig geschieht und eine Partei verheimlicht wirklich öffentlich relevante Informationen, dann hat sie sich quasi einen Vorteil erschlichen, den der andere nicht hat und dann ist ein fairer Ausgleich der Interessen nicht möglich. Deswegen ist Transparenz so iminent wichtig, was wir zum Beispiel auch brauchen, um Korruption und Lobbyismus zu bekämpfen.
Speaker: Es gibt noch eine ganze Reihe weiter Prinzipien. Ich will euch nicht zu sehr damit heute auf die Folter spannen. Wen das interessiert, der kann das gerne nachlesen in meinem Buch. Ist Nachhaltigkeit utopisch, das dieses Jahr erschienen ist beim Ökom Verlag. Wenn ihr weitere Informationen wollt, guckt gerne mal auf meine Website christianberg .net oder schreibt mir auch eine E -Mail. Ich freue mich über Rückmeldungen und Christian, dir noch mal vielen Dank für die Einladung heute zu euch zu sprechen.






