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#86 - Bist du wirklich auf dem richtigen Weg, dein Essverhalten nachhaltig zu lösen?

Chainless Woman
Chainless Woman

131 plays · Sep 25, 2026

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Speaker: Woher weißt du, dass du wirklich auf dem richtigen Weg bist, dein Essverhalten und deine Gewichtsthemen zu lösen und nicht wieder auf einem Irrweg gelandet bist?

Speaker: Wenn viele Frauen die Erfahrung machen,

Speaker: immer wieder zu glauben und zu hoffen, sie sind jetzt auf dem richtigen Weg und dann doch wieder feststellen, ich habe mich da verirrt, kann das ganz, ganz viel Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung auslösen und irgendwann auch zu einer Resignation führen.

Speaker: Und wir möchten dir heute mit dieser Podcast-Folge helfen zu erkennen, ob du wirklich auf dem richtigen Weg bist mit den Maßnahmen, die du bisher ergriffen hast oder ob du vielleicht doch wieder nur aus deinem Muster heraus handelst und Maßnahmen ergreifst,

Speaker: die dich im Muster behalten.

Speaker: Herzlich willkommen zum Chainless Woman Podcast.

Speaker: Mein Name ist Natascha Wilms und seit über zehn Jahren begleite ich Frauen, die unter emotionalem Essen und ständigen Gewichtsthemen und Abnehmen versuchen, leiden.

Speaker: Wenn du dauerhaft diesen Kreislauf, diesen Kampf gegen dich selbst und gegen dein Essverhalten verlassen möchtest, bist du genau wichtig hier.

Speaker: Denn in diesem Podcast schauen wir uns die Ursachen für diese Herausforderung an und wir schauen uns echte nachhaltige Lösungen an, damit du nicht immer und immer wieder von vorne anfangen musst.

Speaker: Mein Name ist Lena und ich arbeite jetzt inzwischen seit über fünf Jahren Vollzeit als Coach und habe mich in dieser Zeit insbesondere auf die Wechselwirkung von Körper und Psyche, Nervensystemarbeit und emotionalem Essen spezialisiert und bin jetzt seit ungefähr zweieinhalb Jahren mit Natascha hier bei Chanice Wum dabei und begleite hier Frauen und freue mich, dass wir uns in diesem Podcast regelmäßig hören dürfen.

Speaker: Ich bin ja auch mit vielen Frauen in unserer Community und auf Instagram per Chat in Kontakt und freue mich da immer über den Austausch.

Speaker: Und wenn sich dann Frauen dort öffnen und ich so Sätze lese wie, ich glaube, ich bin gerade auf einem guten Weg, dann frage ich manchmal nach, wie sieht denn der Weg gerade aus, den du damit gehst?

Speaker: Und dann erzählen sie meistens, ja, ich habe mich jetzt im Fitnessstudio wieder angemeldet und mir vorgenommen, mich einfach wieder mehr zu bewegen.

Speaker: Und wir haben uns jetzt einen Essensplan zu Hause gemacht und ich kaufe jetzt gesünder ein und kaufe einfach auch schon keine Süßigkeiten mehr.

Speaker: Habe mich jetzt auch mal damit beschäftigt, wie ich vielleicht mein Nervensystem besser regulieren kann.

Speaker: Und habe so ein paar Bücher über das Thema Emotionen gelesen.

Speaker: Da höre ich dann zum Beispiel öfter mal auch so zum Beispiel was vom Emotionscode oder so.

Speaker: Und dann gehen wir da so ein bisschen mehr in den Austausch und dann wird irgendwie klar, für mich zumindest, dass sie irgendwie ja doch wieder auf demselben Weg sind, auf dem sie schon immer waren.

Speaker: Ja, auf dem Weg, das Verhalten zu verändern und auf dem Weg, sich neue Pläne zu machen, wie sie das Verhalten verändern können.

Speaker: Mit, ich mache das jetzt einfach, also ich ziehe das jetzt einfach durch, also einfach Kontrolle und sich zu versuchen zu disziplinieren.

Speaker: Vielleicht jetzt auch,

Speaker: mehr zu verstehen, aber nicht mehr unbedingt die ganzen hunderten von Ernährungsbeiträgen und Bücher zu lesen, die sie vorher die letzten Jahre gelesen haben, sondern Bücher zum Thema Emotionen, Bücher zum Thema inneres Kind, Bücher zum Thema Nervensystemen.

Speaker: Das heißt, es findet eigentlich wieder ein Lösungsversuch auf genau derselben Ebene statt, nämlich auf der Verhaltensebene, die ja nicht die Ursachenebene ist, sondern eigentlich die Symptomebene, und auf der Verstandesebene, also der Hoffnung, wenn ich, gut, okay, ich habe jetzt verstanden, ich muss mich mit Ernährung an sich nicht mehr so viel beschäftigen, weil ich ja auch weiß theoretisch, was gut für mich wäre,

Speaker: Aber ich habe gecheckt, da liegt was Tieferes drunter und das versuche ich jetzt zu verstehen, indem ich Bücher lese über die Psychologie dahinter.

Speaker: Und es ist wieder das Verstehen und es ist wieder das Verhalten, was fokussiert wird und damit ist es genau derselbe Weg wie vorher, nur irgendwie ein bisschen in einem anderen Kostüm.

Speaker: Und

Speaker: führt leider meistens genau zum selben Ergebnis.

Speaker: Und ich glaube, es ist deshalb einfach wichtig, dass wir uns mal anschauen, was so die verschiedenen Phasen sind, in denen wir uns befinden, wenn wir versuchen, so ein Thema für uns zu lösen und auch, was es so für Fallen gibt.

Speaker: in diesen einzelnen Phasen gibt, in die man sich verrennen kann oder wo man sich verirren kann, damit du als Hörerin jetzt hier einfach eine bessere Orientierung hast.

Speaker: Stecke ich da gerade jetzt wirklich die Energie in den richtigen Weg oder verpufft meine Motivation und Lebensenergie und meine Ressourcen, auch monetären Ressourcen, vielleicht einfach nur wieder darin?

Speaker: Genau, deswegen, Lena, lass uns da mal ein bisschen tiefer einsteigen.

Speaker: Machen wir.

Speaker: Wir haben ja jetzt uns so eine Auflistung gemacht, was es für unterschiedliche Phasen gibt und die würde ich einfach gerne mal so Stück für Stück durchgehen und so der erste

Speaker: Der erste Punkt, über den wir schon noch einiges sagen können, also ich habe dazu einiges zu sagen, ist natürlich, wenn uns das Muster noch völlig unbewusst ist.

Speaker: Das betrifft natürlich jetzt nicht die, die hier zuhören.

Speaker: Also nicht in diesem Moment, weil wenn ich mir so einen Podcast zu dem Thema anhöre, dann habe ich schon gecheckt, dass ich da ein Thema habe, das mich belastet und auch langfristig nicht gesund für mich ist.

Speaker: Aber ich finde es trotzdem wichtig, dass wir einmal darüber reden, weil es gab ja irgendwann mal den Punkt, wo erst überhaupt das Bewusstsein entstanden ist.

Speaker: Und häufig ist ganz, ganz viele Jahre vorher eben das einfach normal gewesen.

Speaker: So dachte man zumindest.

Speaker: Und ich glaube, es ist ganz gut, darauf mal einzugehen, wie normal emotionales Essverhalten eigentlich in unserer Gesellschaft ist, sodass wir es gar nicht mehr als eine belastende Situation empfinden, die eigentlich etwas zum Ausdruck bringt, was ganz dringend gesehen werden muss.

Speaker: Ja, bin ich ganz bei dir.

Speaker: Also das habe ich ja damals, als ich bei

Speaker: die ja angefangen habe mit zu coachen, da habe ich erst gemerkt, wie weit verbreitet dieses Thema ist außerhalb dieses Coaching-Raums.

Speaker: Also, dass das irgendwie ganz klar war, plötzlich so Aussagen wie, ich brauche dann einfach abends erstmal eine Tüte Chips.

Speaker: Das habe ich vorher auch gehört, aber ich habe das gar nicht zugeordnet, dass es da diese...

Speaker: diese Verbindung von Emotion mit Essen gibt in einem Ausmaß, was sich anfühlt, als brauche ich das dann wirklich, also als gäbe es keine andere Möglichkeit.

Speaker: Und ich glaube, das Tückische an dem ersten Punkt ist häufig, also das Nichts zu realisieren ist das eine, da ist das Muster noch sehr, sehr unbewusst.

Speaker: Aber viele gehen hier schon, wo du eben zu Fallstricken kamst,

Speaker: oder zu fallen kamst, hier ist eigentlich schon die erste Falle, weil viele haben danach immer noch kein richtiges Bewusstsein über das Muster, sondern merken irgendwann anhand von ihrem Körpergewicht, anhand von schlechteren Arztwerten oder Blutwerten, anhand von weniger Beweglichkeit, merken sie irgendwie, das gefällt mir gerade nicht.

Speaker: Und das scheint was mit meinem Essen zu tun zu haben, dass ich jetzt dieses Körpergewicht habe, so aussehe, mich im Spiegel nicht mehr leiden kann.

Speaker: Und dann kommt häufig erst irgendwann auch über einen längeren Leidensprozess erst das Verständnis okay,

Speaker: vielleicht habe ich etwas wie emotionales Essen in Anführungsstrichen.

Speaker: Also ich glaube, viele kommen erst mal darauf, dass sie mit etwas in Kontakt kommen, wie dem Körpergewicht, dem Spiegelbild und so weiter, dass ihnen das erst mal bewusst wird, dass sie das nicht wollen oder dass das irgendwie Ausdruck von etwas ist, wo sie das Gefühl haben, das passt nicht ganz zu mir oder wie konnte es so weit kommen und so weiter, aber noch gar kein wirkliches Bewusstsein über das Muster.

Speaker: Trotzdem ist es natürlich schon mal ein erster Gedanke,

Speaker: weil wir mitbekommen, irgendwas arbeitet da gerade in mir, was scheinbar nicht ganz gesundheitsfördernd ist und was sich irgendwie nicht so anfühlt, als würde mein Körper zu mir gehören und in die Richtung gehen, wie ich das gerne möchte mit dem Körper und für den Körper, nicht gegen ihn.

Speaker: Und was halt wirklich wichtig ist, ist, dass wir uns einmal bewusst machen, wie normal es für uns ist,

Speaker: Wir wachsen ja eigentlich mit der Idee auf, dass es normal ist, dass...

Speaker: Frauen einfach immer mal eine Diät machen müssen und dass man sein Essverhalten kontrollieren muss und wenn man halt ein Gewichtsproblem hat, dann isst man halt einfach zu viel und bewegt sich zu wenig und hat zu wenig Disziplin.

Speaker: Das ist ja so die allgemeine gesellschaftliche Denkweise dazu.

Speaker: Ja.

Speaker: einfach sehr, sehr oberflächlich ist und so ein bisschen auch, dass die, ich sag mal, das Menschenbild verbreitet, wenn man da ein Problem hat, dann ist man einfach zu faul, dann ist man zu undiszipliniert und dann liegt das einfach nur an der Ernährung und nur an der Bewegung und wenn man das Ergebnis, also zum Beispiel das Gewicht verändern will, dann muss man halt sich da einfach mal ein bisschen besser zusammenreißen.

Speaker: Und

Speaker: Dadurch, dass das so normal ist, denken wir halt auch nicht darüber nach, dass das halt nicht normal ist.

Speaker: Also dass das eine Kompensations-, also eine Bewältigungsstrategie ist und dass sich sowohl emotional als auch körperlich da etwas verschoben hat.

Speaker: Und wenn ich jetzt, sage ich mal, den Schmerz entwickle, weil das Gewicht zu hoch ist.

Speaker: Also ich meine, wir haben ja häufig auch die Situation mit Frauen,

Speaker: die zu uns kommen, die einfach sehr, sehr stark darunter leiden, dass sie glauben, dass sie zu dick sind, aber sie in der Tat gar nicht sind.

Speaker: Und dass sie vor allen Dingen die ganze Zeit die Gedanken kreisen darum haben, dass irgendwas mit ihnen, mit ihrem Körpergewicht und mit ihrem Essverhalten nicht stimmt und einen starken Food-Fokus hat.

Speaker: Aber es gibt eben auch die Situation, wo Menschen halt erst darauf kommen, dass sie eigentlich ein Thema mit Ernährung und auch mit der Kompensation von bestimmten Dingen haben, indem sie einfach erst mal nur das Gewichtsproblem sehen.

Speaker: Genau, ja.

Speaker: Und auch das wird ja zu neuen Normen, weil wenn wir uns die Zahlen angucken, dann sehen wir ja jetzt bei Erwachsenen eben schon über 50 Prozent Übergewicht.

Speaker: Ja, habe ich auch gehört, ja.

Speaker: Ja, und vor allen Dingen sind da ja jetzt, sage ich mal, nur die Übergewichtssituationen mit drin.

Speaker: Aber was da nicht mit drin ist, sind all die Menschen, die unter ihrem Essverhalten leiden und es trotzdem durch bestimmte Maßnahmen schaffen, einfach im Normalgewicht zu bleiben.

Speaker: Da sind nicht die Menschen drin, die emotional nicht essen, also die einfach, wenn sie Stress haben, vergessen zu essen,

Speaker: was auch einfach langfristig natürlich durch den Nährstoffmangel und den Stress im Körper Schäden verursacht.

Speaker: Und es sind nicht die Menschen drin, die dann wirklich auch tatsächlich Bulimie, Mager sucht, also die tatsächlichen Essstörungen, sondern wenn wir dann nämlich uns die Zahlen angucken, dann sind wir natürlich bei weit mehr als einfach nur 50 Prozent Übergewicht bei der

Speaker: Erwachsenenbevölkerung, dann tendieren wir, ich schätze, das ist keine valide Zahl, aber eher gehen 70, 80 Prozent der Menschen in unserer Gesellschaft, die in irgendeiner Form, wie auch immer die geartet ist, Schwierigkeiten im Essverhalten hat.

Speaker: Und deswegen bekommt man halt schnell den Eindruck, weil es die Masse betrifft, dass es halt normal ist.

Speaker: Ich würde einfach unterstellen,

Speaker: So gut wie alle Menschen, die ein Gewichtsproblem haben, haben ein Thema mit emotionalem Essen und nicht einfach nur ein Thema damit, dass sie einfach mal aus Lust und Laune zu viel essen oder einfach aus Faulheit sich zu wenig bewegen, denn das Verhalten wird immer emotional gesteuert und hat immer etwas auch mit dem Nervensystemzustand zu tun.

Speaker: Das ist also in meinen Augen in den seltensten Fällen einfach nur ein Wissensproblem oder ein Disziplinmangel, weil wir ja selber auch im Alltag erleben, dass die Frauen, die zu uns kommen, ja tendenziell eher sehr diszipliniert sind in anderen Lebensbereichen und halt in dem Lebensbereich einfach häufig die Kontrolle verlieren.

Speaker: Ja, es ist eigentlich quasi in ihrem Alltag die Abbildung des Essverhaltens.

Speaker: Also entweder ich kontrolliere alles oder ich verliere komplett die Kontrolle.

Speaker: Und so zeigt sich da dann in unterschiedlichen Lebenskontexten auf der Arbeit zum Beispiel total kontrolliert, im Essverhalten dann eben komplett außer Kontrolle.

Speaker: Aber so pendelt das häufig ja auch zwischen Extremen und das ist ja eigentlich auch das Tückische,

Speaker: Weil sobald dann wieder ein paar Ressourcen gesammelt wurden, die wieder dazu befähigen, die Kontrolle aufrechtzuerhalten, kriegt das System plötzlich das Gefühl, ah, jetzt bin ich auf einem guten Weg, weil jetzt kriege ich es ja wieder hin, mich zu disziplinieren und die Kontrolle zu behalten.

Speaker: Und so pendelt das immer wieder.

Speaker: Und das andere ist, das habe ich vor kurzem noch im Post drüber verfasst, wir sind genauso besessen vom Essen wie Essen.

Speaker: zu Zeiten, wo noch gar nicht so ein Fokus darauf war, was jetzt gesund ist und darmfreundlich und nervensystemfreundlich und so weiter.

Speaker: während einer Zeit lang dieses intuitive Essen.

Speaker: Also man kann einfach alles essen, was man möchte, weil der Körper weiß schon, was er braucht.

Speaker: Darüber haben wir ja schon öfter gesprochen, warum das nicht so einfach möglich ist.

Speaker: Darauf gehe ich jetzt nicht nochmal so in der Tiefe ein.

Speaker: Aber während das dann ein Trend war, dann ist ganz lange Body Positivity.

Speaker: Das heißt einfach, es ist ganz egal, wie schwer ein Körper ist, auch egal, wie beeinträchtigend der Körper im Alltag ist.

Speaker: Auch darüber haben wir schon gesprochen, dass das nichts damit zu tun hat,

Speaker: mit einer Respektfrage diese Person zu achten und respektvoll zu behandeln, gar keine Frage, aber dass das nicht die Lösung sein kann, dass wir Frauenkörper, unter denen Menschen real leiden, einfach aufgrund einer Social-Media-Bewegung beschönigen oder so tun, als wäre damit kein körperliches, gesundheitliches oder emotionales

Speaker: Problem verbunden.

Speaker: Und dann ist es irgendwann in den Trend von Nervensystemregulation gekommen.

Speaker: Also dann haben plötzlich alle ganz viel mit dem Nervensystem in den Emotionen gearbeitet.

Speaker: Und in Bezug auf das Essverhalten muss plötzlich alles anti-entzündlich sein, darmfreundlich.

Speaker: Du kriegst 27 Millionen Rezepte,

Speaker: die diese Regel von, du sollst so und so viele Kräuter und Pflanzen in der Woche essen, zusammenstellen.

Speaker: Also es verschiebt sich alles einfach nur in einem scheinbar gesünderen und netteren Umfang.

Speaker: Aber eine Person, die sich chronisch mit Fastfood ernährt, weil sie sich nichts Gesundes vorbereitet oder zu essen zubereitet, hat genauso ein großes Essensthema wie die Person, die jede einzelne Zutat auf Antientzündlichkeit, auf Gluten und so weiter trägt.

Speaker: und im Restaurant nichts mehr essen kann, weil sie das Gefühl hat, vergiftet zu sein oder dass der Darm deswegen direkt rebelliert.

Speaker: Also das eine sieht halt einfach gesünder aus, genauso wie die Person, die sich an Plänen und Diäten halten, erstmal disziplinierter und schlanker aussehen mögen eine Zeit lang.

Speaker: Aber der Leidensdruck und die Unbewusstheit des Themas darunter sind genau gleich stark.

Speaker: Nur bei dem einen ist es schneller offensichtlich, dass da ein Problem vorliegt und die anderen wissen es noch gar nicht, weil sie auch gesellschaftlich darin tendenziell oft ja sogar positiv gespiegelt werden.

Speaker: Ich meine, die Erfahrung hast du ja selbst gemacht in deinen Bikini-Bodybuilder-Zeiten.

Speaker: Du warst ja eigentlich eine Zeit lang die Einzige, der bewusst dann wurde durch die Leidenserfahrungen, dass es dir nicht gut ging und alle anderen fanden das ja erstmal ganz toll, bewundert und so weiter.

Speaker: Ich hätte das auch wegignorieren können, dass es mir nicht gut geht, ne?

Speaker: Hast du ja bis zum gewissen Grad auch, aber dann wird es halt irgendwann auch schwieriger.

Speaker: Dann schießt halt trotzdem ein gutes Gefühl daraus, so ausgesehen und so ein Feedback zu bekommen.

Speaker: Und dann lässt sich etwas leichter ignorieren, wie sehr der Körper trotzdem leidet oder auch die Seele darunter leidet.

Speaker: Naja, und es ist auch ein großer Leidensdruck damit verbunden, weil das dann einzusehen,

Speaker: auch mit dem Verlust einhergeht, diese narzisstische Bestätigung permanent zu bekommen.

Speaker: Also immer die Bestätigung zu bekommen.

Speaker: Das heißt, wenn ich dann erkenne, oh okay, das, wofür ich die ganze Zeit bewundert werde, ist nicht gesund und wenn ich das loslasse, dann verliere ich auch die Bewunderung.

Speaker: Das ist natürlich ein großer Leidensdruck, der in diese Richtung ist.

Speaker: Man sieht es ja auch bei zum Beispiel Fitnessinfluencern wie Sophia Thiel.

Speaker: Also ganz, ganz lange als große Ikone in diesem Fitnessbereich und so weiter und dann schlägt das ins Gegenteil um, sitzt dann in Interviews und sagt, ich habe mich ehrlich gesagt nie wirklich gut gefühlt und ich konnte das nie wirklich glauben, was ich da gehört habe.

Speaker: Aber solange du das Feedback bekommst, dass du toll aussiehst, spürst du das natürlich ein bisschen weniger bis gar nicht mehr.

Speaker: Aber in dem Moment, wo du es ausbleibst, fällst du halt komplett in diese Selbstwertwunde zurück, weil die natürlich nie versorgt wurde.

Speaker: Naja, und die Leute auch natürlich genauso gerne drauf schießen, wenn sie es nicht mehr bewundern, ne?

Speaker: Das ist dann ja der andere Punkt, ja, absolut.

Speaker: Also deswegen, das ist mir nur ganz, ganz wichtig, weil dieses Bewusstsein des Musters häufig schon der erste Fallstrick ist, weil den meisten das Muster noch nicht wirklich bewusst ist, sondern sie häufig einfach...

Speaker: die Symptome sehen und daraus ein Problem sehen, aber nicht wirklich das Muster dahinter und wir auch unbewusst und auch gesellschaftlich ganz viele Schutzstrategien entwickelt haben, dieses Muster auch nicht sehen zu wollen, wie beispielsweise auch bei einer Sophia Thiel.

Speaker: Und ich glaube, die wird vor allen Dingen deswegen so beschossen oder viele andere, wenn man dann merkt, die nebenzu auch bei einer Selena Gomez, damals war das ja so, als die ein bisschen fülliger wurde, das war ja ein Riesenthema, auch in den Schlagzeilen.

Speaker: Kamela Reif jetzt auch.

Speaker: Bei ihr habe ich das nicht so mitbekommen, aber in gewisser Weise ist es fast egal, wen es betrifft und wir sehen darin, wie unverarbeitet die eigenen Themen sind, weil wenn ich bei den Personen sehe, die ich dafür so bewundert habe, okay, selbst das scheint keine Garantie dafür zu sein, dass ich für immer in einem Körper bin, den ich jetzt erstmal als ideal sehe, dann muss ich die andere Person beschießen, weil sonst müsste ich ja erkennen, meine eigene Angst wieder fühlen,

Speaker: dass ich auch wieder die Kontrolle verliere, dass es auch bei mir nicht funktioniert, dass ich auch irgendwann in ein Körpermaß komme, was mir nicht gefällt oder was vielleicht abgewertet würde.

Speaker: Und dementsprechend sind da häufig dann die inneren Kämpfe noch mal größer als bei Personen, die in gewisser Weise diese Stadion überwunden haben, weil ihr Körper schon eine Form angenommen hat, wo sie sagen, okay, das ist jetzt wirklich nicht mehr mein Thema, jetzt geht es quasi...

Speaker: in Anführungsstrichen, um eine Art Schadensbegrenzung und ich bin schon den verächtlichen Augen der Gesellschaft und den teilweise verachtenden Umgangsweisen von Ärzten und anderen Personen damit ausgesetzt.

Speaker: Das heißt, sie haben weniger

Speaker: weniger Möglichkeiten, das zu verdrängen, dass dein Muster vorliegt.

Speaker: Das macht es nicht leichter, um Gottes Willen.

Speaker: Das andere Extrem ist, was ich halt leider auch immer wieder mitbekomme, das ist auch ein bisschen schon paradox,

Speaker: Dass man dann Menschen sieht, die dann halt unter zum Beispiel Sophias Sachen posten und sagen, ja, also ich habe im Prinzip durch eigentlich dein Vorbild und dein Programm mitunter, also das ist ja nicht die Ursache, aber es befördert das Ganze noch.

Speaker: auch eine Erstörung entwickelt und ich bin dir so dankbar, dass du jetzt darüber sprichst.

Speaker: Da ist dann auch so ein bisschen so, jo, also man sollte sich dann vielleicht auch einfach ein bisschen weniger stark beeinflussen lassen von den Personen,

Speaker: von denen man vielleicht auch gewisse Dinge übernommen hat, die einen da noch weiter reingeschoben haben.

Speaker: Aber das ist jetzt ein Thema, da können wir ganz lange reingehen.

Speaker: Ich glaube, wir können einfach festhalten, dass in dem Moment, wo dir auffällt, das wäre Punkt zwei, also Punkt eins ist, das Muster ist noch völlig unbewusst und Punkt zwei wäre dann, oder Phase zwei wäre dann, dir fällt auf, dass da irgendwas passiert.

Speaker: nicht richtig ist, dein Gewicht oder dein Verhalten, also du isst zu viel, du bewegst dich zu wenig oder du isst zu wenig und bewegst dich zu viel, das gibt es ja auch, ja, und du merkst irgendwie,

Speaker: stimmt da was nicht.

Speaker: Und du denkst aber erst mal, das hat was einfach mit Wissensmangel zu tun, mit Disziplinmangel zu tun und du verstehst das Muster noch nicht in Gänze, sondern hast den Fokus, wie Lena eben gesagt hat, eher auf dem Symptom und versuchst jetzt irgendwie durch mehr Kontrolle, durch mehr Pläne, durch mehr Disziplin

Speaker: durch eine neue Diätform, da gibt es ja richtiges Diet-Hopping, da gehst du dann von Low-Carb zu Paleo, zu Clean-Eating, zu intuitives Essen, zu...

Speaker: Gibt es ja alle möglichen Sachen.

Speaker: Und dann gehst du zum Krafttraining und zum Hit und zum Tabata und zum Zumba.

Speaker: Und wenn das nicht klappt, dann muss es vielleicht Spinning sein oder es muss Joggen sein.

Speaker: Also du hüpfst so eigentlich von einem Lösungsversuch zum nächsten immer alles auf der Verhaltensebene, immer alles mit.

Speaker: dem Druck, der Kontrolle dahinter und irgendwann kommst du an den Punkt, wo du realisierst,

Speaker: irgendwie, ich habe mich jetzt an all diesen Dingen abgearbeitet und irgendwie falle ich immer wieder zurück.

Speaker: Da muss noch was anderes dahinter stecken oder darunter liegen.

Speaker: Und das sind die Momente, wo wir Frauen dann manchmal auch bei Instagram schreiben und sagen, ey Mann, ich habe erst eigentlich durch deinen Content verstanden, dass ich...

Speaker: emotional esse.

Speaker: Also das war mir vorher überhaupt nicht bewusst.

Speaker: Ich dachte immer, ich habe einfach irgendwie zu wenig Wissen darüber, was ich brauche.

Speaker: Das habe ich mir dann angeeignet.

Speaker: Ich dachte immer, ich bin einfach zu blöd oder zu faul.

Speaker: Und das ist ja eine wunderbare Bestätigung für die Selbstwertthematik, die darunter liegt.

Speaker: Also

Speaker: Dein Inneres, deine innere Wunde sagt ja sozusagen, ich bin nicht gut genug.

Speaker: Und die erfährt natürlich immer wieder Bestätigung darin, dass das so ist, weil...

Speaker: das wird dir ja jedes Mal gespiegelt.

Speaker: Du schaffst das nicht so was anscheinend Einfaches.

Speaker: Man sieht ja dann auch schöne Vorher-Nachher-Bilder und Menschen, die das dann angeblich geschafft haben.

Speaker: Wie lange die das geschafft haben und wie lange das hält, wissen wir nicht.

Speaker: Und was sie da für Schäden angerichtet haben, um da hinzukommen, wissen wir auch nicht.

Speaker: Aber man sieht es dann und denkt sich so, warum schafft die das?

Speaker: Warum schaffe ich das nicht?

Speaker: Das kann doch nicht so schwer sein.

Speaker: Und wenn ich das nicht hinbekomme, ist das ja eine wunderbare Bestätigung dafür, dass ich halt einfach

Speaker: Scheiße bin, ja, dass ich halt einfach nicht gut genug bin und dass ich eine faule Sau bin, so wie das, weiß ich nicht, Papa schon gesagt hat, dass ich einfach zu faul bin und Mama schon gesagt hat, ich muss mich mehr anstrengen, ja, und habe dadurch einfach nur die Bestätigung dafür,

Speaker: Und dann ist halt die Frage, möchte ich das noch glauben?

Speaker: Also möchte ich noch glauben, dass ich das Problem bin, dass ich einfach zu schwach bin?

Speaker: Oder könnte es sein, dass die Methoden, die ich da angewendet habe und die die Masse anwendet und auch zur Verfügung stellt, einfach gar nicht zu dem Ziel führen können, zu dem ich eigentlich hin möchte?

Speaker: Ja, und das ist halt einfach, also das ist halt dieses Wechselspiel von innen und außen, weil die innere Welt dockt natürlich erstmal besonders an diese gesellschaftlichen Ablenkungsmechanismen perfekt an, weil diese Abwehrstrategie des Essverhaltens ja ursprünglich mal zum Schutz angeht.

Speaker: Einer frühkindlichen Verletzung oder eben so eines Selbstwertgefühls herhalten durfte und musste.

Speaker: Und deswegen ist das ja auch, also diese Schleifen, die so viele Frauen, die wir auch begleiten, drehen.

Speaker: jedes Mal mit der Hoffnung, jetzt wird es aber wirklich anders und jetzt, das macht doch auch Sinn, was die mir erzählen mit Kaloriendefizit.

Speaker: Und ah, okay, das habe ich aber noch nicht so ganz verstanden und das verstehe ich aber jetzt und vielleicht sind es dann wirklich genau, muss ich wirklich nur mehr Protein zu mir nehmen und ah ja, okay, vielleicht schmeckt mir das wirklich einfach nicht so gut, deswegen muss ich jetzt in jedes Essen und in jedes Getränk irgendeinen Sirup zum Beispiel reinmachen oder so.

Speaker: Also

Speaker: Da sind ganz, ganz viele perfekte Möglichkeiten, die inneren Abwehrstrategien nicht hinzugucken, weiter aufrechtzuerhalten und deswegen habe ich das eben auch nochmal gesagt mit diesen neuesten Trends Richtung anti-entzündlich und darmfreundlich und so weiter, weil es eben eine schöne Verpackung des gleichen Themas ist, die...

Speaker: uns gar nicht mitbekommen lässt, dass das auch den Körper schaden kann, weil wir ja erstmal denken, ja gut, es ist doch anti-entzündlich und es ist doch erstmal darmfreundlich und es ist doch erstmal ausgewogen und es ist doch erstmal an meine Werte angepasst.

Speaker: Wenn dein Nervensystem die ganze Zeit im Alarmmodus ist, die ganze Zeit im Stress, du dich die ganze Zeit zurückhalten musst, weil du eigentlich lieber zur Tafel Schokolade greifen möchtest,

Speaker: ... aber ja gelernt hast, dass das höchstens so ab einem sehr, sehr großen Prozentteil Kakao-Anteil überhaupt gut für dich sein kann,...... dann ist dein Nervensystem permanent in Stress und dann interessiert das auf eine Art deinen Körper nur sehr bedingt,...... was du so zu dir nimmst, weil es kaum verarbeitet werden kann, weil die Zellen einfach im Alarmmodus feststecken.

Speaker: Und dann dreht man noch eine Schleife und dann dreht man noch eine Schleife...

Speaker: Und man hat sogar ja schon jetzt das Verständnis dafür, dass da noch was anderes drunter steckt.

Speaker: Aber die wenigsten sind an der Stelle im Prozess schon da zu erkennen, was steckt denn eigentlich darunter?

Speaker: Was kompensiere oder vermeide ich oder versuche ich zu regulieren, indem ich esse?

Speaker: Sondern wenn sie die Frage stellen, okay, was steckt da vielleicht wirklich dahinter?

Speaker: Dann kommt, ah, es steckt dahinter, dass ich Darmfreundlichkeit noch nicht erkannt habe oder dass ich noch nicht die richtige Diätform habe.

Speaker: erlebt habe.

Speaker: Oder, dass ich, wenn ich Stress habe, esse, das ist ja schon mal ein guter Bewusstseinsschritt, das zu verstehen, dass wir bei Stress essen,

Speaker: bedeutet aber noch lange nicht, dass wir verstehen, was macht mir denn eigentlich die ganze Zeit Stress?

Speaker: Also wo entsteht dieser Stress denn die ganze Zeit?

Speaker: Durch äußere Faktoren, aber auch durch innere Emotionen oder durch kindliche Verletzungen.

Speaker: Und das heißt, an der Stelle sind wir schon häufig ganz, ganz überfordert, weil so viele neue Reize, Gedanken, Eindrücke auf uns einprassieren, sind aber noch an einem ganz, ganz frühen und unbewussten Punkt in Anführungsstrichen,

Speaker: Weil wir da erstmal überhaupt erkennen, dass da ein Thema möglicherweise dahinter steckt und das könnte natürlich erstmal jedes Thema der Welt sein.

Speaker: Weil bei manchen ist es vielleicht auch einfach ein Nährstoffmangel und die Zellen sind gerade nicht gut versorgt und dann kann so ein Körper auch relativ schnell wieder in was Entspanntes reinkommen, die Laune kann steigen, wenn der Körper wieder

Speaker: die Stoffe bekommt, die er braucht.

Speaker: Aber bei ganz vielen ist es eben nicht so, sondern da liegen noch andere Themen darunter, die sich dann wechselseitig mit den körperlichen Prozessen beeinflussen.

Speaker: Und dann stehst du halt in so einem riesengroßen Dschungel und hast noch weniger Ahnung als vorher gefühlt, wo du dich manchmal zurücksehens und denkst, es war auch schon, als ich noch gar nicht wusste, dass ich ein Problem habe, weil jetzt weiß ich es, aber die Lösung kenne ich irgendwie auch nicht.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Absolut.

Speaker: Und dann muss man sagen, das ist so die Phase, in der die meisten einfach über Jahre und Jahrzehnte

Speaker: Und manchmal, traurigerweise, ein ganzes Leben stecken bleiben.

Speaker: Weil wir dann tendenziell einfach immer wieder zu dem greifen, was wir kennen.

Speaker: Wie gesagt, nur ein bisschen in einer anderen Form.

Speaker: Und uns selbst so ein bisschen vormachen, dass das ja jetzt eine neue Möglichkeit ist.

Speaker: Und das ist natürlich auch das, wie der Markt funktioniert.

Speaker: Es ist nicht umsonst so, dass wir jedes Jahr aufs Neue, ich glaube, aktuell...

Speaker: war der Jahresumsatz der Diätindustrie 40 Millionen.

Speaker: Wie gesagt, zählst du da schon die Abnehmenspritze und die Medikamente hinzu?

Speaker: Das wollte ich jetzt gerade einmal mit dazunehmen.

Speaker: Ich weiß nicht, ob die da schon mit drin ist, aber wir wissen, dass jetzt schon das Medikament der Abnehmenspritze das erfolgreichste Medikament der Menschheitsgeschichte ist.

Speaker: Ich habe irgendwas mit 47 Milliarden Umsatz gehört.

Speaker: Ja, und die rechnen das hoch.

Speaker: Also das ist ja, ich meine, das ist ja, kann man schon fast eine Agenda nennen.

Speaker: Also die rechnen das hoch auf die nächsten zehn Jahre.

Speaker: Ich weiß, die zahlen gerade nicht mehr, aber das kann jeder bitte selber für sich einmal erlesen.

Speaker: auf was für Beträge das steigen wird, eben weil es die Masse betrifft und weil es eben nicht nur für Diabetes-Situationen hergestellt wurde.

Speaker: Und Diabetes ist ja eine der am weitesten verbreitenden Erkrankungen in der westlichen Geschichte.

Speaker: Man streitet sich ja fast schon darüber, ob das nicht sogar Todesursache Nummer eins ist, weil wir haben eigentlich Todesursache Nummer eins

Speaker: aktuell Herz-Kreislauf- Erkrankungen, aber man stellt häufig fest, dass diese Herz-Kreislauf- Erkrankungen durch unentdeckte Diabetes zustande gekommen ist, weil der Diabetes ja letztendlich die Gefäße und damit auch das Herz, die Adern und so weiter schädigt.

Speaker: Das heißt,

Speaker: Also das ist natürlich ein Riesenmarkt und das kann auch nur ein Riesenmarkt bleiben, wenn ich halt immer wieder Angebote schaffe, die den Leuten das Gefühl geben, dass sie jetzt eine Lösung gefunden haben, nur um dann halt nach einer Zeit wieder festzustellen, dass es keine Lösung war und das sind halt großartige Stammkunden.

Speaker: Naja, und indem du halt weiter anbietest, was überhaupt dahin führt, dass Menschen in dieser Masse dann später diese Lösung brauchen oder wollen.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Das hört sich sehr reißerisch an, aber ich sage es so, wie ich es meine.

Speaker: Man züchtet sich einfach chronisch kranke Menschen dahin, weil die sind halt gewinnbringend.

Speaker: Man kann das ja reißerisch finden und man kann sich ja auch...

Speaker: wie das System läuft und dann erkennt man, also natürlich ist das total schlimm und traurig, aber es ist nun mal das, wie es läuft.

Speaker: Also das ist ja, auch wenn man sich anschaut, wir machen ja auch sicherlich nochmal was ganz gezielt zum Thema Abnehmenspritz oder Abnehmtabletten gibt es ja jetzt auch inzwischen oder soll es ja zumindest geben, aber

Speaker: allein wenn man sich anguckt, was das für eine Beipackliste ist, wie teuer das ist, was für Einsteige das sind, wie abhängig das macht, also von mir aus nicht mal nur körperlich, aber also das ist der Wahnsinn, es ist einfach purer Wahnsinn und

Speaker: Ich verstehe es ja sogar.

Speaker: Also ich kann das nachvollziehen.

Speaker: Die Verzweiflung ist groß.

Speaker: Ja, natürlich.

Speaker: Darauf ziele ich gar nicht ab.

Speaker: Ich sehe schon so eine beidseitige Verantwortung, natürlich, gar keine Frage.

Speaker: Aber ich kann das mir vorstellen, gerade wenn ich dann einem Arzt gegenüber sitze, der mich dahingehend nicht ausreichend aufklärt,

Speaker: Was er nicht kann, weil er weder die ernährungstechnischen noch die psychologischen Mechanismen hinter der Thematik kennt.

Speaker: Das sowieso, aber ich meine jetzt auch in Bezug auf die Nebenwirkungen und so weiter.

Speaker: Also das Bild, was entsteht.

Speaker: Das ist ja super emotional überlagert, genauso wie auch bei Angstsituationen sind alle möglichen eigentlich unbedrohlichen Situationen Angst überlagert durch die Vorstellung und in solchen Fällen sehe ich das genau andersrum.

Speaker: Eigentlich eine kritisch zu betrachtende Einwirkung auf den Körper ist,

Speaker: wird dann aufgrund dieses angenehmen Gefühls zu der Vorstellung, wie sehe ich dann aus, wie ist dann mein Körper, wie fühle ich mich dann, was wird dann möglich, was kann ich dann tragen, wie viele Jahre des verzweifelten Versuchs können dann endlich beendet werden, wird es ja komplett überlagert und dann gibt es noch nicht mal eine Aufklärung darüber, was bedeutet das eigentlich ganz konkret, gerade für mich, für mein Portemonnaie, für meine Gesundheit, für meine Knochen und so weiter,

Speaker: Und dann entsteht daraus eben genau dieses Geschäft, was gerade daraus entsteht.

Speaker: Und es ist einfach eine Katastrophe, wie fahrlässig damit umgegangen wird.

Speaker: Aber es ist eben auch die Folge daraus, dass viele Menschen keine gute Anlaufstelle finden, wo genau diese Aspekte mit arbeiten.

Speaker: berücksichtigt werden und häufig ja auch schon tausende Sachen probiert haben, es auf andere Weg zu lösen und jetzt nicht einfach sagen, das ist ja das Entspannteste, das mache ich mal so, sondern häufig ja auch die Folge aus einem tiefen, langen Leidensweg mit tiefer Verunsicherung und auch einer gewissen Hoffnungslosigkeit, dass es irgendwie noch anders lösbar wäre und das, ja.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Genau.

Speaker: Und ich glaube, das ist aber auch Ausdruck dieser Hilflosigkeit und Ohnmacht, aus dieser zweiten Phase irgendwie rauszukommen.

Speaker: Weil wenn es halt so nicht klappt, dann vielleicht mit einem Medikament oder einer OP oder was auch immer dann.

Speaker: Aber es ist nicht wirklich ein Ausstieg und was es braucht, um jetzt von Phase 2 in Phase 3 zu kommen, nämlich in dieser dritten Phase erkennen wir also jetzt, es gibt ein tieferes Muster und du wirst,

Speaker: beginnst vielleicht mit so Fragen, was brauche ich eigentlich statt dem Essen zu reflektieren.

Speaker: Du beginnst vielleicht auch schon wahrzunehmen, dass es bestimmte Situationen und Gefühle gibt, die dein Essverhalten verstärken.

Speaker: Also

Speaker: Ich nehme mal so Beispiele aus dem Coaching-Alltag.

Speaker: Wenn mir dann Frauen erzählen, ja, immer wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, dann ist das erst, was ich mache, ich gehe da an den Kühlschrank oder an den Süßigkeiten-Schrank.

Speaker: Oder wenn ich nach Hause komme von der Familie, dann

Speaker: Oder wenn mein Kind einen Wutanfall hatte oder auf der Arbeit, also während der Arbeit wandert mein, oder im Homeoffice, seit ich im Homeoffice bin, stehe ich zehnmal am Tag gefühlt in der Küche vor dem Kühlschrank.

Speaker: Und dann fängt man schon in Phase 3 an zu beobachten, okay, da steckt ein bisschen mehr dahinter.

Speaker: Und dir wird klar, okay, ich habe eigentlich ein emotionales Bedürfnis,

Speaker: steckt irgendwie da mit drin.

Speaker: Aber ich weiß nicht, also es ist ja eigentlich unlogisch, dass ich jetzt esse, weil ich brauche eigentlich Emotionsregulation.

Speaker: Und dann kommen wir in eine Phase, die ganz spannend ist.

Speaker: Dann wird nämlich versucht, der Impuls noch mehr zu bekämpfen.

Speaker: Also in Phase 2 bekämpfen wir den ja schon irgendwie mit Plänen und mit irgendwie dem Versuch,

Speaker: das Verhalten zu kontrollieren.

Speaker: Aber nur weil mir bewusst ist, dass ich eigentlich ein emotionales Bedürfnis habe, wird das jetzt nicht unbedingt dazu führen, dass sich der Impuls löst.

Speaker: Ich würde sogar fast sagen, dass Phase 3 häufig übersprungen wird.

Speaker: Also dass die vielleicht sogar manchmal erst später einsetzt.

Speaker: Also dass bevor das Gefühl aufkommt oder bevor das Verständnis tiefer wird, für was bräuchte ich an dieser Stelle eigentlich, dass schon

Speaker: vorher dieser Kampf einsetzt, diesen Impuls zu bekämpfen, zu unterdrücken, sich durch Ablenkung davon abzulenken, sich über Druck oder auch hier nochmal über Pläne davon abzulenken.

Speaker: Also dass häufig dieses tiefere Verständnis zwar schon in der Phase davor einsetzen kann,

Speaker: zu erkennen, okay, ich erkenne jetzt, wann das sich eher auslöst, welche Gefühle dadurch eigentlich betäubt werden sollen oder welche unerfüllten Bedürfnisse dadurch gefüllt werden sollen.

Speaker: Es kann sein, dass das an dieser Stelle schon bewusst wird, muss aber nicht sein, kann auch erst zu einer späteren Stelle kommen oder es ist in Anführungsstrichen noch nicht bis zum Ende gedacht, also man kriegt schon mit, okay,

Speaker: Ich esse immer, wenn ich bei meinen Eltern bin oder kurz danach, also muss es ja auch was mit meinen Eltern zu tun haben und dann erkennt man vielleicht sogar schon, ja, weil immer, wenn ich bei denen bin, dann kritisieren die mein Leben oder fragen mich, wie es denn jetzt passiert.

Speaker: auf der Arbeit läuft und ob ich jetzt immer noch nicht mehr verdiene oder ob ich immer noch keinen Partner habe oder wie auch immer.

Speaker: Und dann habe ich das Gefühl, ah, damit hängt das zusammen.

Speaker: Oder ich werde bewertet, du hast aber zugenommen, du hast aber schön abgenommen.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: So was leider auch.

Speaker: Und das heißt, da kriegen wir dann ein erstes Gefühl dafür, wie du schon sagst, okay, dadurch wird es ausgelöst.

Speaker: Und dann fehlinterpretieren wir aber häufig, ah, okay, weil die heute so zu mir sind, reagiere ich so.

Speaker: Das eigentliche Muster darunter, dass das schon viel früher entstanden ist, kindlich ist, in dieser Phase häufig noch überhaupt nicht präsent und zugänglich.

Speaker: Und deswegen kommen wir dann auch in diesen, entweder dann in die vierte Phase oder wir haben halt quasi diese,

Speaker: Bewusstwerdungsphase ein bisschen übersprungen und gehen halt wieder in den Kampf über beispielsweise auch wieder Pläne, Disziplin, Kontrolle.

Speaker: Das heißt, die innere Lösung scheint zu sein, okay, wenn ich mich nur genug von diesem Impuls ablenke, wenn ich den nur genug unter Kontrolle halte, so wie ich mich damals auch schon ständig unter Kontrolle gehalten habe, dann

Speaker: müsste das ja eigentlich aufhören.

Speaker: Dann müsste ich ja eigentlich aufhören, so zu essen.

Speaker: Wenn ich also mir ganz klar einen Ernährungsplan schreibe, ich achte darauf, dass ich nicht hungrig einkaufen gehe, vielleicht bestelle ich, isse mir sogar per Flink oder per Rewe to go oder was auch immer, sodass ich gar nicht in die Verlockung komme, diese ganzen anderen Lebensmittel von meiner Nase zu sehen, dann müsste ja eigentlich dieser Impuls aufhören.

Speaker: Und das klappt dann bei manchen vielleicht auch eine ganze Weile, fühlt sich vielleicht auch erstmal ganz gut und erfolgreich an, weil man merkt, oh cool, das klappt ja und dann lenkt man sich eben für einen Moment ab und dann kommt der nächste...

Speaker: die nächste krisenreiche Situation oder der nächste Stressor und dann knallt das einfach wieder komplett zurück.

Speaker: Und dementsprechend würde ich fast sagen, dass Phase 4 und 5 fast zusammengehören.

Speaker: Also erstmal gegen den Impuls zu kämpfen und darüber erstmal zu lernen, das Verhalten besser zu kontrollieren.

Speaker: Also nicht mehr jedem Impuls direkt zu folgen, aber

Speaker: eben nicht als Ausdruck von des Themas gelöst, sondern als Ausdruck von, ich kann es gerade einfach ganz gut noch kontrollieren.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und in dieser Phase, also irgendwann ab diesem Punkt, wenn wir dann eben gemerkt haben, okay, also dass mir das jetzt bewusst ist, das ändert irgendwie gerade noch nichts an meinem Verhalten.

Speaker: Ich glaube, ich brauche da Hilfe.

Speaker: Und dann Fragen zum Beispiel häufig bei uns,

Speaker: Frauen an.

Speaker: Also zum Beispiel haben wir dann häufig am Telefon den Wunsch, wir fragen ja auch immer nach dem Wunsch, was ist dein Wunsch an uns, um die Vorstellung auch so ein bisschen zu sehen und dann hören wir oft, ja, ich wünsche mir einfach irgendwie, dass mir jemand mal Tools an die Hand gibt, wie ich

Speaker: das Essverhalten vermeiden kann.

Speaker: Und da sehen wir schon im Gespräch häufig immer noch diesen, ich sag's mal, Denkfehler oder vielleicht auch, sag ich mal, die Limitierung in dem, was wir glauben, was möglich ist.

Speaker: dass auch da eigentlich wieder einfach die Hoffnung ist, dass ein Profi uns einfach nur bessere Tools an die Hand gibt, um den Impuls zu kontrollieren.

Speaker: Und das passiert ja auch häufig.

Speaker: Und das passiert auch häufig, weil häufig ist halt ein Coaching, also nicht unseres, aber die Angebote, die wir da draußen sehen, einfach nur eine Wiederholung des Musters, nur dass wir halt jemanden neben uns stehen haben, dem wir halt Rede und Antwort stehen müssen.

Speaker: der uns halt sagt, du machst das jetzt mal so und so und so und dann sind das halt häufig begleitete Abnehmversuche, also Menschen, die dann einfach wieder auf ein Kaloriendefizit gesetzt werden, so wie sie es vielleicht die letzten Jahre versucht haben oder sich an einen Ernährungsplan halten und da ist halt einfach nur jemand als Coach dabei, der sozusagen sagt,

Speaker: den Druck verstärkt, sich daran jetzt auch wirklich halten zu müssen, weil jetzt hat man Geld ausgegeben, jetzt hat man vielleicht auch so eine größere soziale Scham, da jetzt irgendwie kein schlechter Coachie sein zu wollen, man wird vielleicht tatsächlich auch beschämt, das ist auch etwas, was wir relativ häufig von unseren Klienten hören.

Speaker: Und dann ist eine Wiederholung im Muster durch die Wahl des Angebots zu sehen und deswegen führen dann häufig auch Coaching-Angebote nicht zu einer nachhaltigen Veränderung.

Speaker: Oder wenn dann einfach die Erkenntnis da ist, es könnte auch was damit zu tun haben, was ich vielleicht in der Kindheit erlebt habe, wie ich vielleicht reguliert wurde oder nicht korreguliert wurde, wie meine Mutter schon mit diesem Thema oder meine Oma oder mein Papa mit diesem Thema gekämpft hat.

Speaker: Und vielleicht gibt es da so ein paar Dinge, die ich emotional aufarbeiten muss.

Speaker: Und dann kommen auch viele Frauen zu uns und sagen, ja, ich war schon jahrelang in Therapie.

Speaker: Und erst gestern hatte ich die Situation wieder, da hat mich dann eine Klientin gefragt, weil ich ihr empfohlen habe, auch nochmal zusätzlich zum Coaching in eine Traumatherapie zu gehen.

Speaker: Wir haben einfach im Laufe des Coachings festgestellt, dass da eben noch was Größeres drunter liegt.

Speaker: Und bei der Anamnese, bei der Therapeutin, sagte sie eben auch, dass sie auch diese Thematik mit dem emotionalen Essen hat.

Speaker: Und die Therapeutin hat das dann sofort abgewiegelt, hat gesagt, damit kennt sie sich nicht aus.

Speaker: Und das ist etwas, was wir sehr häufig beobachten.

Speaker: Also dass einfach die Therapeuten, was das Thema emotionales Essen und Essverhalten generell und auch

Speaker: Gewichtsthemen und Abnehmen angeht, auch sehr überfordert sind und eigentlich auch mit diesen Mainstream-Glaubenssätzen voll und das dann entweder abblocken, da gar nicht drauf eingehen, wenn das genannt wird, dann

Speaker: Da wird da kurz drüber gesprochen, aber dann wird das irgendwie auch so ein bisschen übergangen oder nicht mehr mit in den Prozess integriert.

Speaker: Und dann wird sich halt stark vielleicht auch auf das Aufarbeiten, das haben wir ja bei tiefen psychologischen Prozessen, von Kindheitsthemen konzentriert.

Speaker: Und da kann man jetzt die Frage stellen, wie wird das dann aufgearbeitet, meistens vor allem kognitiv.

Speaker: Oder in der Verhaltenstherapie wird dann halt versucht, Alternativverhalten zu erlernen.

Speaker: Und auch da passiert in dieser Phase etwas, nämlich dass häufig das Muster einfach noch bewusster wird und akute, ich sage mal zum Beispiel Essstörungsthematiken sich schon auch stabilisieren können, dadurch, dass man dann in die Therapie geht.

Speaker: Die Frage ist,

Speaker: stabilisiert sich nur das sichtbare Verhalten oder verändert sich auch wirklich am inneren Leiden etwas.

Speaker: Und da sehen wir halt, dass wir häufig eben mit Frauen sprechen, die diesen Weg gegangen sind und halt festgestellt haben, ja, also nach außen zeige ich jetzt weniger stark dieses Verhalten, aber innerlich ist immer noch

Speaker: Es sind immer noch diese ständigen Gedankenkreisen darüber da, es sind immer noch die Impulse da.

Speaker: Ich habe dann halt irgendwie bessere Abwehrmechanismen oder Ablenkungen entwickelt, sodass ich nicht jedes Mal dem Impuls nachgehe, aber da ist er halt immer noch und auch recht stark.

Speaker: Und es ist einfach eine Belastung.

Speaker: Und da kommt halt Therapie an ihre Grenzen.

Speaker: Dafür ist Therapie in diesem Gesundheitssystem, wie wir es gerade haben, auch nicht gedacht.

Speaker: Therapie hat leider, man könnte es meinen, aber hat leider einfach nicht den Auftrag, die Menschen, das ist schön, wenn das währenddessen passiert, aber

Speaker: Es geht darum, kranke Menschen zu stabilisieren und wieder funktionell zu bekommen.

Speaker: Und wenn es ihnen dann besser geht, muss es ja ein Stück weit auch, ist das super, aber es hat nicht den Anspruch, dass man wirklich glücklich ist oder dass man sich befreit fühlt.

Speaker: Also

Speaker: Wir sagen immer so, von Null bis Minus ist dann eher der Bereich, in dem Therapie ansetzt.

Speaker: Und wenn ich jetzt von Null, also irgendwie ist es nicht geil, ich kann damit leben, ich kann damit überleben, ich kann damit auch funktionieren, aber ich fühle mich eigentlich nicht wirklich gut und glücklich damit, dann ist das unbedingt der Bereich,

Speaker: wo man selbstverantwortlich als Betroffener schauen muss, weil dann eben die klassischen Therapiekonzepte einfach nicht mehr greifen.

Speaker: Deswegen ist es da auch wichtig, einfach zu schauen, weder wie in Phase 2 dieser Fokus auf, ich bewege mich jetzt einfach anders, ich ernähre mich jetzt einfach anders, noch ich suche mir einen Ernährungscoach, der mir im Prinzip einfach nur wieder sagt, ernähre dich anders und bewege dich anders, noch

Speaker: Alleine die Therapie ist ein Zeichen dafür, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Speaker: Das sind alles Maßnahmen, die...

Speaker: auch ihre Grenzen haben und häufig bleiben wir dann irgendwo in diesen Phasen hängen.

Speaker: Wir schaffen es nicht von Phase 2 in Phase 3 oder von Phase 4 in Phase 5, weil wir immer noch auf der kognitiven Ebene bleiben.

Speaker: Also wir sind immer noch dabei, besser zu verstehen, besser das Verhalten zu kontrollieren, um

Speaker: Und deswegen sagen wir ja auch, die Nervensystemindustrie ist jetzt die neue Diätindustrie.

Speaker: Also jetzt besser zu versuchen, das Nervensystem durch Tools zu regulieren zum Beispiel.

Speaker: Also wir versuchen besser, unser Verhalten zu kontrollieren.

Speaker: Und das funktioniert manchmal an einer Stelle, verschiebt das Problem aber dann häufig an einer anderen Stelle.

Speaker: Ja, und vor allen Dingen bleiben viele an dieser Phase hängen, weil durch die ganzen neuen kognitiven Erkenntnisse, auch durch Therapie, erstmal ja ein ganz neuer Bewusstseinshorizont erstmal aufzugehen scheint.

Speaker: Man erkennt zum ersten Mal, wow, ich esse, wenn ich mich eigentlich wütend fühle.

Speaker: Und das hat sogar was damit zu tun, dass ich mich als Kind schon nicht ausdrücken konnte.

Speaker: Und meine Mutter und meine Oma haben das auch schon nicht gemacht und dadurch...

Speaker: kommt so ein ganz neuer Erfahrungshorizont oder ich nenne es mal ein Wissenshorizont, der wird immer größer dadurch und wir haben plötzlich das Gefühl, wir haben es jetzt endlich verstanden und wir können es zuordnen und dann kommt der häufige Leidensdruck

Speaker: diese sogenannte Verhaltens-, also kognitive Verhaltensdissonanz, dass wir es immer besser verstehen und immer weniger oder immer noch genauso wenig umsetzen können.

Speaker: Und dieser Leidensdruck, der dann häufig auch eine gewisse Zeit lang braucht, weil wir dann häufig denken, wir müssen es nur noch besser verstehen, dann löst es sich.

Speaker: Wenn wir dann irgendwann mit dem Verstehen merken, das ändert es jetzt scheinbar auch nicht wirklich, dann kommt häufig der innere Leidensdruck, der dazu kommt,

Speaker: der uns dazu motiviert, in die nächste Phase zu kommen, nämlich aufzuhören, nur an dem Verhalten zu arbeiten, aufzuhören, nur auf der kognitiven Ebene das zu verstehen und erklären und analysieren zu wollen, reflektieren zu wollen, zu kontrollieren, was wir tun und warum wir das tun, sondern in den nächsten Schritt überzugehen, zu erkennen,

Speaker: Was liegt eigentlich wirklich darunter und weshalb, also was in mir, was emotional, was anhand meiner Prägungen führt eigentlich dazu, dass ich mich noch so verhalte?

Speaker: Wozu dient dieses Verhalten eigentlich noch?

Speaker: Und deswegen würde ich auch sagen, danach die Phasen kommen relativ eng beieinander, weil dann kriegen wir dadurch mehr mit, welche Bedürfnisse und kindlichen Verletzungen und Konflikte da eigentlich drunter liegen und versucht werden, über Essen zu regulieren oder kompensiert zu werden, um dann auf der tieferen emotionalen Ebene,

Speaker: Im Körper erleben, im kindlichen, nicht im kindlichen Erleben, aber im Erleben mit den kindlichen Erfahrungen, auch körperlich und emotional, wirklich an der Wurzel anzusetzen, da wo es mal entstanden ist, da zu fühlen, wo es entstanden ist.

Speaker: als Erwachsener, Repairington nennt sich das, also nachträglich diesen inneren Teil, der im Mangel war, dessen Bedürfnisse und Emotionen unterdrückt werden mussten, nachträglich auszudrücken, sodass das Verhalten...

Speaker: was diesen Impuls ständig zurückhalten sollte, gar nicht mehr gebraucht wird und wir dementsprechend dann irgendwann in Phase 8 übergehen können, wo wir den Impuls gar nicht mehr sofort bekämpfen müssen, weil er erstens gar nicht mehr so häufig aufkommt, aber zweitens auch, wenn er aufkommt, wir einen viel größeren Verhaltensraum haben,

Speaker: zwischen dem Reiz, also zum Beispiel ein verachtender Blick vom Chef oder ein Zurückziehen des Partners und der Reaktion, die vorher vielleicht sofort der Griff zum Kühlschrank war oder wir sind wieder bei dem alten Beispiel, wir sind bei der Familie und kriegen einen spöttischen Spruch zu unserem Körper,

Speaker: wo dann der Griff direkt zum Kühlschrank war, kriegen wir viel leichter einen anderen Faltenspielraum, der uns wirklich anders reagieren lässt, auch wenn das trotzdem weh tut.

Speaker: Und zwar nicht über noch mehr Kontrolle, sondern weil wir mit dem mal in Kontakt waren, was mal dazu geführt hat, dass wir uns überhaupt so verhalten.

Speaker: Ja, und das im Prinzip ist der Punkt, wo wir dann auch häufig auch bei den Vorgesprächen sagen,

Speaker: Wir eröffnen die Möglichkeit, dass es eben nicht mehr darum geht, einfach nur den Impuls zu kontrollieren, sondern auch so tiefgreifend daran zu arbeiten, dass der Impuls weniger stark, weniger häufig und bis hin zu gar nicht mehr auftaucht.

Speaker: Und dann reden wir nämlich von echter Freiheit, weil ich mich dann eben nicht mehr ständig damit beschäftigen muss, was ich esse, wie viel ich esse.

Speaker: Ich muss mich auch nicht ständig damit beschäftigen, wann ich meine Regulationstools nutze, um mein Nervensystem zu regulieren, weil automatisch, wenn ich an dieser tieferen Ebene arbeite, das Nervensystem lernt sich selbst.

Speaker: zu regulieren, ohne dass wir das halt ständig bewusst machen.

Speaker: Und das hatte ich gestern auch in einem Feedback-Gespräch mit einer unserer Klientin, kommt nächste Woche ein Podcast online und man kann sich auch gerne mal den letzten Podcast mit Jasmin anhören.

Speaker: Das ist auch eine Klientin, die vier Jahre lang in Therapie war, in Ernährungscoachings war.

Speaker: Und eben auch von ihrer Erfahrung schildert, wie wir eigentlich gearbeitet haben, damit eben dieser Impuls auch eben nicht mehr so stark auftaucht und sich auflöst.

Speaker: Und gerade auch Kerstin, mit der ich gestern gesprochen habe, die sagte dann, wir haben dann gesagt, das glaubt einem ja eigentlich keiner, weil man sich das einfach nicht vorstellen kann.

Speaker: Alle sagen, sie wollen endlich einfach ein normales Essverhalten haben,

Speaker: Aber ein normales Essverhalten bedeutet, ich denke einfach nicht mehr drüber nach.

Speaker: Es ist einfach so, wie es ist.

Speaker: Und da komme ich halt nicht hin, indem ich halt ständig darüber nachdenke.

Speaker: Oder indem ich ständig kontrolliere.

Speaker: Also ich kann das nicht auf der Ebene lösen, auf der das Problem entsteht.

Speaker: Und das Problem entsteht durch zu viel Kontrolle, zu viel Druck, dadurch zu viel Stress im Nervensystem, dadurch zu wenig Regulation im Nervensystem.

Speaker: Und jetzt versuche ich,

Speaker: zu viel Druck und Härte noch mit zu viel Druck und Härte zu begegnen und es darüber zu lösen, das wird so nicht funktionieren.

Speaker: Das heißt also, die Phasen, von der Lena eben gesprochen haben, wenn wir also aus Phase 4 kommen,

Speaker: Du kämpfst noch gegen den Impuls zu Phase 5, du versuchst mit tieferer Arbeit, wie zum Beispiel Therapie, dein Verhalten besser zu kontrollieren und kognitiv aufzuarbeiten, was halt auch zu dem Verhalten führt, kommst du dann eben zur Phase 6, wo du erkennst,

Speaker: Ich muss aufhören, am Verhalten selbst zu arbeiten und das Verhalten selbst zu fokussieren.

Speaker: Und das führt dich in die Phase 7.

Speaker: Du beginnst mit dem zu arbeiten, was unter dem Muster liegt.

Speaker: Und jetzt muss man sagen, hier ist sozusagen eine krasse Hürde.

Speaker: Also aus dieser Phase 5 und 6...

Speaker: Wirklich in die Phase 7 zu kommen und mit dem zu arbeiten, was unter dem Muster liegt, ist mitunter eine der größten Blockaden aus mehreren Faktoren.

Speaker: A, wir haben zu wenige Angebote, die einfach zur Verfügung stehen,

Speaker: mit der wir diese Arbeit bewältigen können, wo wir einfach diesen Weg auch gehen können.

Speaker: Das ist ja mitunter auch der Grund, warum Lena und ich uns entschieden haben, Therapeuten und Coaches auszubilden, weil wir einfach gemerkt haben, es gibt zu viele Angebote, die die Leute irgendwo in den ersten Phasen festhalten und nicht wirklich weiterbringen.

Speaker: Und der nächste Punkt ist hier, wir müssen an der Stelle überwinden.

Speaker: Das haben wir ja vielleicht auch schon mal gemacht, indem wir gesagt haben, okay, dann arbeite ich mit einem Ernährungscoach daran.

Speaker: Dann arbeite ich mit einem Therapeuten daran.

Speaker: Da habe ich ja vielleicht schon mehrmals überwunden, dass ich versuche, das alleine zu schaffen.

Speaker: Habe aber auch die Erfahrung gemacht, jetzt habe ich diese Hürde schon genommen, mich jemandem anzuvertrauen.

Speaker: Und irgendwie...

Speaker: hat es trotzdem nicht so richtig geklappt.

Speaker: Und mit jedem dieser Erfahrungen ist es natürlich schwieriger, sich wieder in die Hände von jemand anderem sozusagen zu begeben.

Speaker: Und erst recht, wenn es halt wirklich bedeutet, so tief zu tauchen, mit Emotionen zu arbeiten, weil da gibt es halt einfach gewisse Ängste.

Speaker: Das ist ein Bereich, in dem du dich bis zur Phase 7 in der Form noch nie bewegt hast.

Speaker: Und das sehen wir immer wieder, egal wie viel Therapie und welche verschiedenen Therapievarianten und Persönlichkeitsentwicklungskurse und keine Ahnung, was die Klärenden gemacht haben, die zu uns gekommen, die sagen, alle durch die Bank weg.

Speaker: So habe ich daran noch nie gearbeitet.

Speaker: Und ich hatte null Vorstellung davon, wie das aussieht und null Vorstellung davon, wie ich das beschreiben soll, was ich da erlebt habe.

Speaker: Das kann man, wie gesagt, so ein bisschen raushören, wenn man Jasmin's Podcast hört.

Speaker: weil das ist unglaublich schwierig, eine emotionale Erfahrung kognitiv zu beschreiben, weil man einfach als jemand, der das noch nie erlebt hat, gar kein Gefühl dafür hat, wie sich das anfühlt.

Speaker: Und ich sage auch immer zu den Frauen am Telefon, die sagen, ja, aber was kommt denn da auf mich zu?

Speaker: Und wir versuchen das natürlich so gut es geht zu erklären, um etwas Sicherheit zu geben.

Speaker: Es ist aber auch so, dass ich sage, du hättest sehr wahrscheinlich das Problem gar nicht, wenn du ein Gefühl dafür hättest, was es bedeutet, in der Tiefe mit dem Körper und den Emotionen und den Ursachen für dein Muster in Kontakt zu treten.

Speaker: Weil das ging ja bisher gar nicht, das emotionale Essen,

Speaker: hast du dir ja auch auf einer Ebene unbewusst gebaut, um das nicht spüren zu müssen, was wir da im Prinzip sachte und traumasensibel und sicher Stück für Stück berühren.

Speaker: Ja, und vor allen Dingen, das ist ja auch, also versuch mal jemanden, der...

Speaker: nichts mit emotionalem Essen zu tun hat, der das nicht kennt, zu erklären, wie sich das anfühlt, emotional zu essen.

Speaker: Nicht aufhören zu können, keine Übelkeit zu fühlen bei egal wie vielen Mengen.

Speaker: Beispielsweise hatten wir eine Klientin mal, die dann massenweise Magerquark gegessen hat.

Speaker: Wo man eigentlich...

Speaker: Ich weiß nicht, ab wann das einsetzen würde, dass man das eigentlich körperlich mehr zu sich nehmen würde.

Speaker: Versuch das mal jemandem zu erklären, der das nicht kennt.

Speaker: Versuch mal jemandem zu erklären, wie es sich anfühlt, sich im Spiegel anzuschauen.

Speaker: Jeder sagt dir, du bist doch hübsch und schlank und du siehst dich, als wärst du das Dreifache von dem, was andere sehen.

Speaker: Das ist nichts, was sich kognitiv erklären lässt, wenn es keinen Erfahrungs- und keinen Erlebensspielraum in der anderen Person dazu gibt.

Speaker: Und genauso ist es eben auch bei diesen Prozessen.

Speaker: Wenn diese Erfahrung, dieses Erleben noch nicht gemacht wurde, dann können wir uns den Mund fusselig reden und wir versuchen es mit diesem Podcast ja schon möglichst gut auf den Punkt zu kriegen, um ein Gefühl dafür irgendwie zu erzeugen, was es bedeuten kann.

Speaker: Aber wir müssen da eben auch ehrlich zugeben, dass wir da eine Grenze stoßen müssen.

Speaker: weil diese Erfahrung nicht kognitiv erklärbar ist.

Speaker: Sie ist erlebbar.

Speaker: Wir können jemandem versuchen zu erklären, wie ein Apfel schmeckt, aber nur wenn wir reinbeißen und wirklich das schmecken, dann erleben wir das.

Speaker: Dann versteht wir plötzlich, was uns die andere Person die ganze Zeit versucht hat zu erklären.

Speaker: Und genauso ist es bei diesen emotionalen Prozessen auch.

Speaker: Und

Speaker: Deswegen können wir halt hier nur bis zum gewissen Grad versuchen, durch das, was wir teilen, Vertrauen zu schaffen, dass es hier den sicheren Raum gibt, diese Erfahrung selber machen zu können.

Speaker: Und das Schöne ist, am Ende entsteht dann das Gefühl von, ja, irgendwie ja auch klar.

Speaker: Irgendwie...

Speaker: Das war total besonders, aber irgendwie merke ich, es ist ja ein Zurückkommen, es ist ja ein Zurückerinnern.

Speaker: Es ist nicht, wir machen was komplett Neues, was dem Menschsein eigentlich gar nicht innewohnt, sondern es ist eher ein Wiederankommen, ein sich Erinnern, auch zellulär Erinnern an das, was eigentlich schon immer da war und wie die Sonne halt immer da ist, nur dann eben durch Prägungen, durch Überzeugungen, durch diese ganzen Diät-Spiralen und so weiter,

Speaker: Wolkendecke für Wolkendecke für Wolkendecke immer weiter überlagert war, bis wir irgendwann einfach davon überzeugt sind, es gibt die Sonne dahinter gar nicht mehr.

Speaker: Ich habe sie so lange nicht mehr gesehen, es ist schon so lange bewölkt, ich glaube, die gibt es nicht mehr.

Speaker: Und so fühlt sich das dann häufig auch an, wie du es eben so schön beschrieben hast, wenn Jan dann im Gespräch fragt, okay, wie wäre es denn, wenn du dich gar nicht kontrollieren müsstest, weil der Impuls gar nicht mehr da wäre?

Speaker: dann dieses Unvorstellbare kommt, sich zu fragen, ach, das geht auch.

Speaker: Ja, dann nehme ich das.

Speaker: Die Sonne ist da, die Sonne ist da und dieser Zugang ist da und das muss wieder erinnert werden und genau, das ist das, was dann in den Prozessen passiert und das ist leider erst häufig sehr spät im Prozess, dass die Person dafür dann ja auch

Speaker: bereit sind, sich dem zuzuwenden.

Speaker: Und das ist dann auch nicht so, wir machen dann hier mal ein bisschen was und da mal ein bisschen was und dann ist der Impuls einfach weg.

Speaker: Weil man muss ja überlegen, das sind Nervenbahnen, die sind über Jahre und Jahrzehnte stark befahren worden.

Speaker: Deswegen muss man sagen, wenn wir in Phase 7 dann sind und du mit dem beginnst zu arbeiten, was unter dem Muster eigentlich liegt, dann kommen wir zur Phase 8

Speaker: nämlich, dass du immer stärker merkst, okay, da ist noch ein Impuls, aber du bekämpfst den nicht mehr so stark.

Speaker: Also du musst dem nicht automatisch folgen, du bekommst eben Abstand zu diesem Impuls und es entsteht eben so ein Raum dazwischen, das hat Lena eben schon beschrieben.

Speaker: Und

Speaker: Wenn wir diesen Weg dann fortschreiten, dann kommt irgendwann Phase 9 und in Phase 9 verliert dieses Muster zunehmend seine Funktion.

Speaker: Also es gibt immer weniger Gründe dafür, warum du diese altbefahrenen Nervenbahnen nutzen sollst.

Speaker: Und es sind auf diesem Weg schon neue Nervenbahnen angelegt worden, zum Beispiel mit Emotionsständen dann eben anders umzugehen.

Speaker: Und dadurch kann, weil diese Nervenbahnen nicht mehr so häufig befahren werden, weil es einfach nicht mehr notwendig ist, diese Route zu nehmen, der Impuls immer weniger werden.

Speaker: Er wird seltener, er wird schwächer, er hält auch nicht mehr so lange an.

Speaker: Wenn du dem

Speaker: trotzdem nochmal folgst, dann, es gibt ja immer auch mal emotionale Situationen, die unseren Toleranzfenster überschreiten und eine Ausnahmesituation sind und der Stress steigt so groß, dass du doch nochmal dahin zurückreist, zieht dich das nicht komplett rein und du bist darin nicht wieder total gefangen, sondern du kannst es

Speaker: Und du kannst danach einfach ganz normal weitermachen, weil du im Vertrauen bist.

Speaker: Das ist jetzt mal passiert, aber es reißt mich nicht mehr rein.

Speaker: Einfach, weil es wirklich nicht mehr diese Funktion erfüllt.

Speaker: Und das Nervensystem, wir nehmen das also nicht weg, weil häufig ist ja auch zu Coachings statt, so ein bisschen...

Speaker: diese Angst da, oh Gott, jetzt darf ich keine Süßigkeiten mehr essen, jetzt muss ich mich hier zusammenreißen, diese alte Diätmentalität kommt hoch.

Speaker: Und das ist aber tatsächlich dann gar nicht so.

Speaker: Und wir sagen das dann auch immer, das ist gar nicht notwendig, dass wir dir das wegnehmen oder dass du dir das wegnehmen musst, weil wir ja so daran arbeiten, dass du es nicht mehr brauchst.

Speaker: Und das heißt, du wirst dich irgendwann frei entscheiden können, ob du ein Stück Schokolade essen möchtest, weil du das jetzt gerade genießen willst.

Speaker: Oder nicht.

Speaker: Und du wirst einfach darauf nicht mehr in der Intensität zurückgreifen müssen.

Speaker: Und dann kommt Phase 10.

Speaker: Nämlich, dass das neue Verhalten immer selbstverständlicher wird.

Speaker: Und das erzählte Kerstin gestern auch so.

Speaker: Sie wartet manchmal in Stresssituationen noch so darauf, dass dieser Gedanke kommt.

Speaker: Aber er kommt nicht.

Speaker: Also der Gedanke, dass der Impuls kommt, aber der Impuls kommt gar nicht mehr.

Speaker: Ja, jetzt zu essen.

Speaker: Genau.

Speaker: Und das ist so die Phase, sag mal so neun, zehn, wo du so merkst, so eine Klientin erzählt, mir ist gerade gestern aufgefallen, hier liegt seit zwei Wochen eine Toffee-Fee-Packung auf meinem Schreibtisch und ich habe sie nicht angerührt.

Speaker: Also keine Ahnung, die hätte ich halt früher in fünf Minuten weg inhaliert.

Speaker: Ja.

Speaker: Und dann fällt einem nämlich plötzlich irgendwann ein, mal so ganz nebenbei, oh, das ist aber anders geworden.

Speaker: Und dann sind wir nämlich bei, es ist einfach normal.

Speaker: Das wird selbstverständlicher, ja.

Speaker: Und es ist vor allen Dingen auch, also, wie soll ich das sagen, dass einerseits zeigt das, wie tief so ein Muster drin sitzt, ja.

Speaker: dass obwohl der Impuls nicht kommt, der Gedanke kommt, dass der Impuls kommen wird, weil über die regelmäßige, über Jahre wiederholte Erfahrung eben irgendwann auch Gehirnspuren eben hinterlegt sind, sage ich mal, oder entstanden sind, die genau diese Situation mit diesem Verhalten und diesem Gefühl koppeln.

Speaker: Und das ist natürlich erstmal super faszinierend zu erleben, wie sich diese Spuren voneinander trennen, wenn sich die emotionalen Ursachen wirklich lösen.

Speaker: Und gleichzeitig, und das ist das, was ich auch teilweise so schade finde, dadurch, dass das so stark in meinem Leben gespeichert ist, entsteht häufig diese tiefe Überzeugung von, ja, ist ja schön, dass das für die funktioniert hat.

Speaker: Aber für mich wird es nicht funktionieren.

Speaker: Wenn bei mir eine Packung Trophy-Fee liegen würde, ich würde sie essen.

Speaker: Es ist ja schön, dass sie darauf wartet, dass der Impuls kommt und bei ihr kommt er nicht.

Speaker: Bei mir kommt er.

Speaker: Und es gibt eine fehlende Vorstellung dafür, dass man diese Person sein kann, bei der das funktioniert, bis man das durchlaufen hat und erlebt es.

Speaker: Ich kann die Person sein, da sind wir wieder bei diesem Apfel-Thema, ich kann erzählen, wie das ist und vielleicht kann ich dadurch sogar jemanden inspirieren, weil er merkt ja, okay, die Person hatte das Thema ja wirklich mal und trotzdem fehlt irgendwann das Vorstellungsvermögen dafür, das könnte auch ich sein, weil es so viele gemachte Erfahrungen gab, wo diese Hoffnungslosigkeit drin war von jetzt habe ich es doch schon versucht.

Speaker: Jetzt habe ich schon auf Emotionen geguckt.

Speaker: Jetzt habe ich schon Nervensystemarbeit gemacht.

Speaker: Jetzt habe ich mir schon das Buch geholt, das Kind in dir will Heimat finden und das Arbeitsbuch dazu mit meinem inneren Kind gearbeitet.

Speaker: Jetzt habe ich schon verstanden, wie emotionales Essen funktioniert und so weiter.

Speaker: Und dadurch entsteht irgendwann in diesen einzelnen Phasen wie so eine Art...

Speaker: Du sagst es immer so schön, die Tür steht vor einem, der Schlüssel ist in der Hand, aber weil ich eh nicht glaube, dass dahinter was Gutes auf mich wartet, bleibe ich einfach mit dem Schlüssel in der Hand stehen und drehe mich irgendwann wieder um.

Speaker: Und das ist der Punkt, an dem wir nur dazu ermutigen können, dass es sich lohnt, durch diese Tür durchzugehen, sodass das wirklich zu einem selbstverständlichen Falten wird, dass dieser Impuls nicht da ist,

Speaker: weil er in der Tiefe gelöst ist.

Speaker: Also die Quelle, wo es immer wieder entsteht, wird gelöst.

Speaker: Wie bei so einem Wasserschaden schauen wir nicht, dass wir das Wasser die ganze Zeit wegschaufeln und eimerweise wegtragen, sondern wir gucken, wo tritt die ganze Zeit das Wasser aus und lösen es an dieser Stelle, sodass du nicht ständig mit dem Eimer da stehen musst und den entstandenen Schaden in Anführungsstrichen irgendwie beseitigen musst.

Speaker: Sondern dass es irgendwann ganz klar ist,

Speaker: da kommt kein Wasser mehr.

Speaker: Weil die Stelle, wo es ausgetreten ist, die ist ja jetzt repariert.

Speaker: Also muss ich mir gar keinen Stress mehr machen.

Speaker: Mit anderen Worten, irgendwann kommt dann auch in dir dieses Gefühl von, ah,

Speaker: das Essen, das kommt ja gar nicht mehr.

Speaker: Ich muss mich gar nicht mehr kontrollieren.

Speaker: Ich muss gar nicht mehr 20.000 Pläne schreiben, weil die Stelle, wo das ausgebrochen ist, in Anführungsstrichen, diese Emotionen und die unterschwelligen, unbewussten Dynamiken, die dazu geführt haben, die sind ja gelöst.

Speaker: Und dann kann es entspannter werden und dann können wir auch entspannter bleiben, wenn in bestimmten Phasen

Speaker: Oder in bestimmten Situationen ein altes Muster doch nochmal für einen Moment durchschlägt, weil wir dürfen halt eben nicht vergessen, dass das so tief verankert ist über so viele Jahre, teilweise ja auch schon generationsübergreifend, also teilweise schon in den Jahren.

Speaker: Generation vor uns verankert, teilweise schon im Säuglingsalter gespeichert, dass Essen Regulation bedeutet, dann im Kleinkindalter weiter gefördert, dass Emotionsregulation über Essen passiert und nicht über Kontakt.

Speaker: Das heißt, wir

Speaker: haben in gewisser Weise über ganz, ganz viele Jahrzehnte diese Erfahrung gespeichert.

Speaker: Und wenn wir dann in einer Situation sind, wo wir besonders stark getriggert werden, beispielsweise eine familiäre Situation, die genau eins zu eins an die Situation damals erinnert, wo das immer wieder entstanden ist, oder ein schwerer Schicksalsschlag, oder wir sind irgendwie voll erkältet, das Immunsystem ist gerade komplett unten,

Speaker: Das heißt, wir haben sehr wenige körperliche Ressourcen.

Speaker: Dann kann es passieren, dass für einen Moment dieses alte Verhalten noch einmal durchbricht, weil es eben

Speaker: die lange Zeit automatischste und einfachste Form der Regulation war.

Speaker: Und wenn wir vorher diese Phasen nicht durchlaufen sind, dann wird das ein Hebelmoment sein, wo das System denkt, ach du Scheiße, jetzt ist es eh wieder vorbei, jetzt habe ich mich so lange kontrolliert und jetzt bin ich wieder komplett zurück.

Speaker: Und dann ist es häufig auch so.

Speaker: Und dann fängt wieder eine Phase an, wo das emotionale Essen komplett durchbricht und sich all die zurückgehaltenen Impulse durch die Kontrolle vorher durchbringt,

Speaker: doch noch erlaubt, dann haben wir wieder das Gefühl, so, jetzt ist eh egal, jetzt hatte ich es eh erledigt, jetzt kann ich mich nicht mehr kontrollieren und dann laufen die Spiralen immer weiter.

Speaker: Wenn wir die Phasen aber durchlaufen haben, wenn wir wirklich an der Wurzel gearbeitet haben, dann merken wir, okay, jetzt gerade...

Speaker: Ja, jetzt gerade habe ich wieder emotional gegessen, hatte ich dem letzten Mal eine Klientin, die dann gesagt hat, ja und dann, ich konnte nicht mehr, ich habe dann einfach emotional gegessen, heute ist schon wieder besser, also heute habe ich auch diesen Impuls gar nicht mehr gehabt und mir geht es auch schon wieder besser, aber gestern ging es gar nicht und...

Speaker: Dann mal das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das nach einem Tag, ohne dass sie dafür großartig was getan hat, wieder weg war, wieder in einem Normalzustand war, das war dann eigentlich eher der Game Changer, weil sie hing natürlich in der Schuld und Schamspirale von, oh Mist, jetzt ist das wieder aufgekommen.

Speaker: Aber man kann sich das ein bisschen vorstellen wie beim Immunsystem, wenn man so eine Schwachstelle hat.

Speaker: Also wenn ich zum Beispiel erkältet werde, dann merke ich das meistens, dass ich einen gewissen Druck auf den Ohren bekomme und dass mein Zahnfleisch anfälliger ist.

Speaker: Dann kann ich schon sagen, okay, mein Immunsystem ist gerade nicht auf dem Top-Zustand.

Speaker: Das heißt, das ist mein schwächstes Glied in Anführungsstrichen.

Speaker: Und wenn mein Körper im Immunsystem gerade geschwächt ist, dann kann ich relativ sicher davon ausgehen, dass das ein Signal dafür sein wird.

Speaker: Und es bleibt vielleicht auch so, aber die Häufigkeit, in der das Immunsystem überhaupt so runtergefahren ist, dass es zu Symptomen tendiert, wird irgendwann weniger, wenn ich anfange, mich gut zu versorgen.

Speaker: Und so ist es im Nervensystem auch.

Speaker: Also ja, vielleicht ist es dann so am Anfang,

Speaker: dass wenn das Nervensystem komplett im Alarm-Modus ist, dass ich dann zum schwächsten Glied in Anführungsstrichen der Kette zurückgreife, automatisch nämlich nochmal zum emotionalen Essen.

Speaker: aber erstens nicht mehr in der Intensität, zweitens nicht mehr so unkontrolliert und drittens überhaupt nicht mehr so oft, weil der ganze Nervensystemzustand und der psychische Zustand so gestärkt ist, dass ich gar nicht mehr so häufig überhaupt in die Situation komme, dass mich etwas so aus der Bahn werfen kann.

Speaker: Und deswegen ist es ganz wichtig, das ist vielleicht sogar die wichtigste Aussage von meiner Seite heute, zwei Sachen.

Speaker: Einerseits ist

Speaker: dass es kein sicheres Signal dafür ist, auf dem richtigen Weg zu sein, wenn du dein Verhalten gut kontrollieren kannst.

Speaker: Das haben wir jetzt ausführlich beleuchtet, weshalb das kein sicheres Zeichen dafür ist.

Speaker: Und auf der anderen Seite, dass es kein sicheres Zeichen für Rückschritt und dafür ist, dass du auf dem falschen Weg bist, wenn in bestimmten Situationen das alte Muster sich doch nochmal zeigt.

Speaker: Ich weiß, hier hören den Podcast auch viele Frauen, die wir begleiten, die bei uns in Chain is Woman von uns begleitet werden und an die richtet sich das natürlich genauso.

Speaker: Es ist kein sicheres Zeichen für Rückschritt.

Speaker: Wenn ein altes Verhalten nochmal aufkommt, dann ist es ein Zeichen dafür, dass da in dem Moment das Nervensystem für einen Moment sich nicht anders zu erinnern wusste.

Speaker: Und trotzdem bleibt alles mit Wirkung im System, was sich innerlich gelöst hat, wo innerlich durch emotionale Prozesse gegangen wurde, das bleibt und es wird stabiler und so wird es immer seltener, immer weniger intensiv und es wird immer selbstverständlicher, sodass irgendwann die Frage auftaucht,

Speaker: Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, wie das eigentlich mal war.

Speaker: Ich erinnere mich an die Zeit, aber ich kann nicht mehr nachfühlen, wie das mal war.

Speaker: Ganz häufige Rückmeldung von, ich sitze manchmal vor dem Essen und ich frage mich, wie ich das mal essen konnte.

Speaker: Weil heute geht das nicht mehr.

Speaker: Geht mir auch so.

Speaker: Genau, du sagst es ja auch so.

Speaker: Alleine bei dem Gedanken wird es mir schon schrecklich übel, wenn ich mir überlege, wie habe ich denn früher drei Tafeln Schokolade gegessen und dann weitergemacht.

Speaker: Da wird es mir heute auch, also nicht nur magentechnisch, sondern auch allein der Blutzucker, da wird es mir so schlecht gehen, da kann ich wahrscheinlich nicht schlafen oder so.

Speaker: Also wirklich wild.

Speaker: Man verliert dann auch die Vorstellung dafür, wie das überhaupt mal ging.

Speaker: Und das ist eben ganz wichtig, dass uns das auch bewusst ist.

Speaker: Ich meine, wir haben ja nicht umsonst auch die Fähigkeit bekommen, Dinge mal wegzuschieben oder Situationen, die unsere emotionale Resilienz, also Toleranz,

Speaker: einfach überschreiten, dann in dem Moment eine Bewältigungsstrategie zu nutzen.

Speaker: Bewältigungsstrategien sind ja auch nicht per se einfach immer nur schlecht, die werden nur dann für uns schädlich, wenn wir da immer wieder automatisch reinrutschen und keine Kontrolle mehr über diese Bewältigungsstrategien haben.

Speaker: Und dementsprechend, wie Lena schon gesagt hat, im Leben wird es immer mal Situationen geben, die sind nicht alltäglich, die sind extrem emotional belastend und wenn in solchen Momenten sowas wieder auftaucht, ist das vollkommen in Ordnung und ist eben kein Rückschritt.

Speaker: Der Unterschied ist eben wirklich einfach nur, du reagierst viel schneller, du weißt, was passiert, du weißt, was du brauchst und du kannst es vor allen Dingen einfach annehmen und rutschst eben nicht in diese Scham-Schuld-Spirale rein, die das dann meistens noch weiter befeuert und du kommst eben da eben schneller auch wieder raus.

Speaker: Ja, am nächsten Tag sieht die Welt häufig, wie man so schön sagt, dann wirklich schon wieder anders aus, beziehungsweise sie fühlt sich wieder anders an und das ist eigentlich der Hauptgewinn, ja.

Speaker: Das Ziel ist deshalb eben nicht, dass der Impuls nie wieder auftaucht.

Speaker: Wir haben trotzdem das Ziel, dass wir an der Ursache für den Impuls einsetzen, damit er deutlich weniger wird und im normalen Alltag nicht mehr in dieser Form und Häufigkeit auftaucht.

Speaker: Und damit das Ganze im normalen Alltag eben wirklich zu einem ausbalancierten, normalen Essverhalten wird.

Speaker: Und daran siehst du letztendlich auch den Unterschied zwischen dem, dass du gelernt hast, dein Muster zu kontrollieren, was spätestens in Stresssituationen dann eben nicht mehr kontrollierbar ist, und einem Muster, das...

Speaker: dass du tatsächlich einfach so bearbeitet hast, weil du durch diese Phasen gegangen bist, dass es an Bedeutung verliert und dass es auch vor allen Dingen an Funktion verliert.

Speaker: Und das ist eben genau der Weg, den wir unseren Klienten hier möglich machen wollen.

Speaker: Wir begleiten eben durch diese Phasen hindurch, beziehungsweise die meisten kommen eben schon irgendwo hin.

Speaker: in der Phase 5, 6, 7 zu uns, ja, und haben da einfach sich an den ersten Phasen richtig, richtig doll abgearbeitet und sind auch einfach mega erschöpft davon, haben keinen Bock mehr auf den Kampf und wenn du auch keinen Bock mehr hast auf den Kampf und vor allen Dingen, wenn du nicht wieder deine Lebensenergie, Zeit, deine Ressourcen, auch monetäre Ressourcen in irgendwas reinstecken willst, was

Speaker: wieder eigentlich nur das Muster verschärft oder kurzzeitig mal so ein bisschen besser kontrollieren lässt, sondern du wirklich diese Phase durchlaufen willst und sagst, ich möchte, dass dieses Muster an Bedeutung und Funktion verliert und dass ich das nicht ständig kontrollieren muss, dann bist du natürlich herzlich eingeladen, mit uns einfach mal ein Kennenlerngespräch zu führen.

Speaker: Du findest dazu den Link unten in den Shownotes.

Speaker: Wir freuen uns sehr, mit dir persönlich zu sprechen.

Speaker: Dann können wir auch einfach mal gucken, in welchen Phasen du da jetzt auch gerade festhängst.

Speaker: Und wir können dich nochmal ein bisschen besser mitnehmen, wie wir in deinem individuellen Fall dann auch mit dir arbeiten, damit du genau diesen Prozess durchleben kannst und das auch für dich möglich wird.

Speaker: Also wenn du das glauben möchtest, wenn du sagst, du willst es hinter dich bringen, dann trau dich, vereinbar dir einfach erstmal einen Termin und dann freuen wir ganz bald mit dir zu sprechen.

Speaker: Genau, und wenn du es nicht glaubst, dann kannst du dir die Podcast-Folgen anhören.

Speaker: Jasmin und nächste Woche mit Kerstin.

Speaker: Da sprechen dann nicht nur wir darüber, sondern auch Menschen, die das erfahren haben.

Speaker: Also die wissen, wie es sich anfühlt, in diesen Apfel in Anführungsstrichen reinzubeißen.

Speaker: Ja.

Speaker: Genau.

Speaker: Ich wünsche euch einen schönen Tag.

Speaker: Ja, bis zur nächsten Podcast-Folge.

Speaker: Bis bald.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Ciao.

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