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Folge 63 - Agency First – warum sich Zukunft im Tourismus durch Handlungsmacht entscheidet

Next Stop Future: Trends – Wandel – Zukunft.
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1 Plays2 seconds ago

Transformation ist im Tourismus keine Option mehr, sondern Bedingung. Klimawandel, Individualisierung, demografischer Wandel, Digitalisierung und KI setzen die Branche unter Druck – und trotzdem kommt die Veränderung nicht so recht in Gang. Es wird angepasst, adaptiert, repariert; das System hält sich selbst am Laufen. Aber ist das schon eine Antwort auf das, was gerade passiert?

In unserer letzten Folge vor der Sommerpause gehen wir einer Frage nach, die uns seit Längerem beschäftigt – auch aus dem impulse4travel Manifest heraus: Warum verändert sich so wenig, obwohl wir so viel wissen? Unsere These, zugleich der Kern dieser Folge: Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich nicht daran, ob er ein Stück nachhaltiger oder gemeinwohlorientierter wird. Sie entscheidet sich an der Handlungsmacht. Oder, wie wir es nennen: an der Agency.

Wir sprechen darüber, warum Beteiligung eben nicht automatisch Handlungsmacht bedeutet – und warum Partizipation ohne echte Wirksamkeit oft nur ein Verfahren bleibt. Wir schauen dabei auf die Gäste, auf die Mitarbeitenden und auf die Orte selbst und fragen: Wer darf eigentlich mitgestalten, wer kann Nein sagen, wer trägt Verantwortung – und bekommt auch die Möglichkeit, sie zu tragen? Denn Agency ist keine Mengenfrage, sondern eine Frage der Verteilung.

Dahinter steht ein Perspektivwechsel, der uns wichtig ist: weg von der Konsum- und Produktlogik, hin zu einer gestaltenden Logik im Lebensraum. Auch die Overtourism-Debatte lesen wir so neu – nicht als Kapazitäts-, sondern als Legitimitätsfrage.

Und wir spielen verschiedene Zukünfte durch: vom „Weiter so" über das „Patchwork" (für uns aktuell der wahrscheinlichste Pfad) und die „Selektion", in der Reisen wieder zum Privileg wird, bis zum Kategoriebruch, in dem sich das touristische Modell ganz auflöst. Ihnen gegenüber steht ein fünftes, wünschenswertes Szenario: die „Kultur der Wahl", in der Agency zum systemischen Prinzip wird. Der Haken: Sie verlangt Mut. Denn geteilte Handlungsmacht heißt auch, Kontrolle abzugeben.

Unsere Botschaft: Wer über die Zukunft des Tourismus sprechen will, muss über Handlungsmacht sprechen. Sonst reden wir nicht über Transformation.

Zu diesem Thema veröffentlichen wir in den kommenden Wochen mehr – schaut gern auf nextstopfuture.de vorbei. 

Next Stop: Future

Agency First

Catharina Fischer

Anja Kirig

Recommended
Transcript

Nachhaltigkeitsstrategien im Tourismus

00:00:16
Speaker
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Next Stop Future.
00:00:19
Speaker
Schön, dass ihr wieder dabei seid.
00:00:21
Speaker
In der Tourismusbranche ist in den letzten Jahren einiges passiert.
00:00:25
Speaker
Es wurden zum Beispiel viele Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet, geschrieben und in Teilen auch umgesetzt.
00:00:32
Speaker
Weil man verstanden hat, auf diesen Weg müssen wir uns begeben.
00:00:36
Speaker
Es sind neue Beteiligungsprozesse entstanden, in denen man versucht hat, die Menschen vor Ort einzubinden, also die Einwohnerinnen und Einwohner zumindest in die Überlegungen mit hineinzunehmen.
00:00:48
Speaker
Und es wurden auch neue Leitbilder entwickelt für den Tourismus, für Orte und für ganze Regionen.
00:00:55
Speaker
In all diesen Prozessen, in den Diskussionen drumherum, ist eigentlich erstaunlich klar, was sich verändern müsste.
00:01:03
Speaker
Wir reden viel darüber, was sich verändern sollte.
00:01:06
Speaker
Und trotzdem bleibt vieles, wie es ist.
00:01:09
Speaker
Es wird angepasst, es wird adaptiert, teilweise wird repariert, was vielleicht längst nicht mehr funktioniert.
00:01:15
Speaker
Und das System hält sich dabei vor allem selbst sehr gut am Laufen.
00:01:20
Speaker
Schon allein deshalb, weil es in Bewegung ist, weil es im Betrieb ist.

Warum stagniert der Tourismus?

00:01:25
Speaker
In dieser Folge fragen Anja und ich, warum ist das eigentlich so?
00:01:29
Speaker
Warum kommen wir trotz allem, was wir wissen, nicht wirklich voran?
00:01:34
Speaker
Für uns hängt das an einem Begriff, der oft übersehen wird.
00:01:38
Speaker
An der Handlungsmacht.
00:01:39
Speaker
Oder wie wir auch sagen, Agency.
00:01:42
Speaker
Also an der Frage, wer in diesem System eigentlich wirklich gestalten darf.
00:01:48
Speaker
Wer in einem Lebensraum wirklich gestalten darf und wer am Ende doch nur mitmachen soll.
00:01:54
Speaker
Und das ist für uns der entscheidende Punkt.
00:01:56
Speaker
Denn vielleicht entscheidet sich die Zukunft des Tourismus nicht nur daran, ob er nachhaltiger wird, gemeinwohlorientierter oder auch transformationsbereiter, sondern daran, wie Handlungsmacht grundsätzlich verteilt ist.
00:02:10
Speaker
Zwischen Gästen, Mitarbeitenden und Akteuren an den Orten, die bereist werden.

Vision für ein transformiertes Tourismusökosystem

00:02:16
Speaker
Wir haben dazu mögliche Zukunft durchgespielt und ein Szenario gefunden, in dem wirklich alle mitgestalten könnten.
00:02:24
Speaker
Der Preis dafür ist allerdings ein hoher.
00:02:27
Speaker
Denn dieses Szenario bedingt wirkliche Transformation.
00:02:31
Speaker
Hier wird nicht nur über Veränderung geredet, hier findet sie tatsächlich statt.
00:02:36
Speaker
Und das hat natürlich seinen Preis.
00:02:39
Speaker
Es ist unsere letzte Folge vor der Sommerpause.
00:02:42
Speaker
Es ist ein Thema, das uns danach weiter begleiten wird.
00:02:45
Speaker
Hört gerne rein.
00:02:46
Speaker
Viel Spaß bei dieser Folge.
00:02:49
Speaker
Hallo Anja, ich grüße dich.
00:02:51
Speaker
Hallo liebe Katharina, wie geht es dir?
00:02:53
Speaker
Mir geht es gut.
00:02:55
Speaker
Es gibt ja bald Ferien.
00:02:58
Speaker
Wir haben gerade darüber gesprochen.
00:02:59
Speaker
In Hessen laufen Sie schon.
00:03:02
Speaker
Ihr seid in drei Wochen wieder aus den Ferien oder ist Bayern noch in den Ferien?
00:03:07
Speaker
Gerade frisch drin, genau.
00:03:08
Speaker
Also ich war ja schon ein paar Tage weg.
00:03:10
Speaker
Letzte Woche und du fährst dann erst noch im Urlaub.
00:03:13
Speaker
Ich fahre dann erst noch, genau.
00:03:14
Speaker
Wir machen diesmal ein bisschen eine größere Tour und da freuen wir uns schon drauf.
00:03:19
Speaker
Genau.
00:03:20
Speaker
Und da geht es natürlich auch um Tourismus, wie es heute auch hier bei uns geht.
00:03:25
Speaker
Ich kann sagen, es ist doch eine elegante Überleitung zu unserem Thema heute.
00:03:29
Speaker
Also wir sind dann die Touristen und dürfen mal gucken, was sich so tut in zwei Lebensräumen, kann man so sagen, die wir mal besuchen.
00:03:37
Speaker
Und wir wollen auch über das Thema Lebensraum sprechen.
00:03:43
Speaker
Aber, das berühmte Aber, wir wollen vor allen Dingen über Handlungsmacht sprechen.
00:03:50
Speaker
Und da darf ich dich jetzt einfach mal bitten, steig doch mal ein, weil tatsächlich ist das etwas, mit dem wir uns ja jetzt schon seit geraumer Zeit beschäftigen, so im stillen Kämmerlein so ein bisschen.
00:04:00
Speaker
Wir haben schon drüber geschrieben und auch untereinander diskutiert und haben uns Gedanken gemacht,
00:04:09
Speaker
Auch aus dem Impulse Travel Manifest heraus, wo letztendlich wir auch mit beteiligt waren zur Zukunft des Tourismus und einer Vision, eines Leitbildes für 2030.

Widerstand des Systems gegen Veränderungen

00:04:21
Speaker
Ja, daraus ist dann so ein bisschen auch dieses Gefühl entstanden, hier können wir eigentlich noch ein bisschen tiefer gehen, ein bisschen weiter gehen.
00:04:27
Speaker
weiß ich ja augenscheinlich, wie man es auch lesen darf und auch hören darf, viel gerade tut, wieder verändert, verändern müsste im Tourismus im Speziellen.
00:04:39
Speaker
Und daraus ist letztendlich diese Idee oder letztendlich, ich sage mal, auch diesen Gedanken weiter zu spinnen entstanden und da mal ein bisschen tiefer zu gehen.
00:04:49
Speaker
warum wir denn trotz allem, was wir so wissen, eigentlich nicht so ganz vorankommen, wie wir das vielleicht könnten.
00:04:54
Speaker
Aber jetzt steigt es ein.
00:04:59
Speaker
Die Spannungsbogen, so sagt man das, aufgebaut.
00:05:02
Speaker
Ich finde, es gibt ja immer so verschiedene Perspektiven Richtung Zukunft.
00:05:05
Speaker
Also zum einen kann man ja irgendwie, als Zukunftsvorstand bekommt man dann immer so die Frage gestellt, wie entwickelt sich das denn alles?
00:05:11
Speaker
Da kann man zum einen so gucken, wie entwickeln sich so Gästebedürfnisse und da kann man sich so anpassen an so Gästebedürfnisse.
00:05:16
Speaker
Dann kann man sich ja auch die globale Geschichte anschauen und natürlich ist auch häufig dann sozusagen die Frage, wie jetzt auch bei Impulse for Travelmask müsste man eigentlich tun?
00:05:24
Speaker
Und was ist eigentlich eine wünschenswerte Zukunft?
00:05:27
Speaker
Und aus dieser...
00:05:29
Speaker
Aus dieser Frage heraus haben wir uns ja auch diesem Thema angenähert und uns überlegt, okay, wie könnte es sich eigentlich oder wie wird sich wahrscheinlich oder welche Möglichkeiten gibt es, dass sich Tourismus entwickelt?
00:05:38
Speaker
Also welche Zukunft sind eigentlich möglich?
00:05:41
Speaker
Und dann haben wir uns ja nochmal gefragt, was wäre eigentlich wünschenswert?
00:05:45
Speaker
Weil tatsächlich ist es ja so, dass wir davon ausgehen können, wir haben einfach einen großen Druck, den spüren eigentlich alle Branchen, nicht nur Tourismus und der Wirtschaft.
00:05:53
Speaker
sind ganz klar eben auch diese Megatrends mit verantwortlich, ob es nun Individualisierung ist, ein demografischer Wandel.
00:05:59
Speaker
Der Klimawandel ist natürlich ein ganz großer Megatrend, der besonders auch den Tourismus betreffen wird und auch schon betrifft.
00:06:05
Speaker
Aber eben auch so Themen wie Digitalisierung und KI.
00:06:08
Speaker
Das heißt, wir haben eigentlich eine Transformation, ist irgendwie im Gange.
00:06:14
Speaker
Es ist eigentlich keine Option, sondern eine Bedingung.
00:06:17
Speaker
Wir haben ja auch schon viel über Transformationen gesprochen.
00:06:20
Speaker
Und dafür aber merkt man, und das hattest du gerade auch schon angesprochen, dass irgendwie geht es nicht so richtig in Gang.
00:06:26
Speaker
Also die erlebte Reaktion, die wir haben, ist eigentlich eher so eine Reaktion.
00:06:29
Speaker
Es wird so ein bisschen geflickt und man reagiert auf etwas, statt zu verändern.

Das Konzept der 'transformational debt'

00:06:35
Speaker
Und ich arbeite da so ein bisschen auch gerne mit diesem Begriff, dieser Transformationsschuld.
00:06:39
Speaker
Also Schuld nicht im Sinne von, dass man irgendwie vergessen hat zu liefern, also nicht so im moralischen Sinne, sondern hier dann tatsächlich auch nochmal aus diesem systemischen Gedanken, dass wir einfach, dass das System versucht, sich selbst zu halten.
00:06:51
Speaker
Und das erleben wir eben im Tourismus, in der Tourismusbranche ganz, ganz deutlich.
00:06:55
Speaker
Da wird ganz viel versucht, sich anzupassen, zu adaptieren.
00:06:58
Speaker
Man versucht, ein System am Laufen zu halten.
00:07:01
Speaker
Und das ist sicherlich natürlich ein mögliches Szenario, was weitergeht.
00:07:04
Speaker
Aber es ist sozusagen keine adäquate Antwort auf die Grundbedingungen, die wir haben.
00:07:10
Speaker
Und das heißt, es ist eigentlich so ein zerpasstes Gestaltungsfenster oder eine akkumulierte Schuld, in Anführungsstrichen, die wir jetzt irgendwie abarbeiten müssen.
00:07:20
Speaker
Das heißt, und daraus ist dann eben auch unsere Gedanken und unsere Recherche und unsere Überlegungen entstanden, was braucht es eigentlich sozusagen, damit diese Transformation eben auch möglich wird, dass also nicht besser repariert wird, sondern die Logik sich auch ändert.
00:07:36
Speaker
Und die ändert sich tatsächlich auch dann nur, wenn es diese Handlungsoptionen gibt.
00:07:42
Speaker
Und das ist so ein bisschen dieser Kern des Ganzen, diese Handlungsoptionen zu haben und zwar für alle Beteiligten.
00:07:49
Speaker
Und das ist der Begriff, den wir eben so mit Agency First oder Agency markiert haben.
00:07:55
Speaker
Ja, um dann vielleicht so ein bisschen kurz zu ergänzen, also Handlungsoptionen oder Agency ist ja eins zu eins übersetzt Handlungsmacht.
00:08:04
Speaker
Erstmal auch so ein bisschen, oh, also was muss jetzt heißen, Handlungsmacht.
00:08:08
Speaker
Aber um es mal vielleicht auch ein bisschen runterzubrechen, ein schönes Beispiel, wie ich finde,
00:08:14
Speaker
In vielen Lebensraumstrategien, wie man ja heute schon auch sagen darf, oder auch immer noch Tourismusstrategien, steht auch noch oft drüber, aber ist ja Partizipation ein ganz großes Thema.
00:08:26
Speaker
Also es werden lange Prozesse durchgeführt, es werden viele Stakeholder beteiligt, es wird die Stakeholder.
00:08:32
Speaker
Die EinwohnerInnen werden mitbeteiligt, durchaus vielleicht darüber hinaus sogar auch noch weitere Gruppen, die erstmal gar nicht unmittelbar im Fokus gestanden haben.
00:08:44
Speaker
Und man versucht durch diese Beteiligung natürlich, ja, die Leute mitzunehmen.
00:08:49
Speaker
Man versucht natürlich vielleicht auch so eine Art Konsens zu schaffen für verschiedene Entscheidungen dann später.
00:08:55
Speaker
Und was wir dann oft sehen ist, dass man...
00:08:59
Speaker
die Annahme hat ja auch so ein bisschen, glaube ich, dass das tatsächlich jetzt dann zu einer anderen Logik führt, auch im System, also wie man untereinander dann auch miteinander umgeht, wie man agiert, ja, was es dann vielleicht auch für andere Ergebnisse hat.
00:09:16
Speaker
wo wir dann aber sehen dürfen, dass das nicht unbedingt der Fall ist.
00:09:20
Speaker
Und da haben wir uns zum Beispiel gefragt, warum ist es denn so?
00:09:23
Speaker
Und das ist genau das, was du sagtest.
00:09:26
Speaker
Es ist letztendlich oft zu sehen, dass Beteiligung ja nicht unbedingt automatisch heißt, dass dann halt
00:09:34
Speaker
Handlungsmacht verschoben ist.
00:09:36
Speaker
Man kann natürlich viele Leute befragen und man kann sie wieder einladen und sie kommen und sie geben ihre Meinung ab und sie sagen, das hätten wir gern und das hätten wir nicht.
00:09:45
Speaker
Und am Ende des Tages bleibt aber die Entscheidungsgewalt wo ganz woanders.
00:09:49
Speaker
Oder auch wirklich diese Option zu sagen,
00:09:52
Speaker
nee, das machen wir jetzt nicht.
00:09:54
Speaker
Oder beziehungsweise da sind wir dann nicht ein Teil davon.
00:09:58
Speaker
Und genau das ist dieser kleine, feine Unterschied.
00:10:00
Speaker
Ganz oft erlebt bei Nachhaltigkeitsstrategien, bei Gemeinwohlansätzen, wo dann ja auch viele immer doch gefordert sind, mitzumachen oder es ist zumindest gewünscht.
00:10:12
Speaker
verschiebt sich am Ende eben nicht dieser Handlungsspielraum, der dann tatsächlich auch zu einem anderen System und einer anderen Möglichkeit im Lebensraum führen

Echte Transformation durch gerechte Machtverteilung

00:10:21
Speaker
würde.
00:10:21
Speaker
Genau.
00:10:24
Speaker
Und das finde ich nochmal ganz wichtig, was du gesagt hast.
00:10:27
Speaker
Es ist sozusagen nicht, also dieses, es verschiebt sich nicht.
00:10:30
Speaker
Und Agency und Handlungsmacht und Handlungsoption ist also eine Verteilungsfrage und nicht sozusagen diese Machtfrage oder Mengenfrage.
00:10:36
Speaker
Also es geht nicht so zu sagen, dass wir eine Quantität an Agency, an Handlungsoption und an Handlungsmacht brauchen, sondern tatsächlich die Frage ist, wie ist es verteilt?
00:10:47
Speaker
Und das ist eben auch so, wenn wir uns nochmal anschauen, es gibt verschiedene mögliche Szenarien für die Zukunft des Tourismus und überall existiert eigentlich Handlungsmacht.
00:10:56
Speaker
Sie ist eben aber nur unterschiedlich verteilt.
00:10:58
Speaker
Sie verlagert sich anders.
00:11:00
Speaker
Und das ist für mich auch nochmal ein ganz wichtiger Punkt.
00:11:03
Speaker
Weil darüber kann man dann nämlich auch gucken, wo ist eigentlich am meisten Agency für alle Beteiligten vorhanden.
00:11:09
Speaker
Und das ist dann aus unserer Perspektive eben auch die größte Chance eigentlich wirklich für eine Transformation des Tourismus als Gesamtsystem.
00:11:21
Speaker
Absolut.
00:11:21
Speaker
Und wir haben jetzt gerade schon so ein bisschen auf die Einwohner geschaut.
00:11:25
Speaker
Wir schauen da in dem Bezug aber nicht nur auf die Einwohner.
00:11:28
Speaker
Wir schauen zum Beispiel auch sehr stark auf die Gäste.
00:11:31
Speaker
Und ein Thema, was wir ja schon seit Jahren in der Branche haben, ist ja so ein bisschen die Diskussion, um die
00:11:39
Speaker
ich sag mal, den nicht so ganz veränderbaren Gast im Hinblick auf die Nachhaltigkeit.
00:11:44
Speaker
Ja, weil es ist tatsächlich in der Branche selbst viel passiert.
00:11:49
Speaker
Viele Nachhaltigkeitsstrategien sind gemacht worden.
00:11:54
Speaker
Teilweise sind sie dann auch umgesetzt worden, teilweise nicht.
00:11:59
Speaker
Aber gerade eben hier Richtung Gast wurde ja auch viel kommuniziert.
00:12:02
Speaker
Es wurde auch durchaus am Produkt gearbeitet.
00:12:06
Speaker
Nicht bei allen, aber bei sehr vielen.
00:12:08
Speaker
Und dennoch haben wir ja immer wieder diese Diskussion, ja, aber die Menschen sind interessiert, haben hohes Interesse, sie fühlen sich dadurch oder haben dieses Thema schon auch so ein bisschen verinnerlicht.
00:12:20
Speaker
Aber am Ende des Tages, wenn es darum geht, tatsächlich anders zu handeln, dann schauen wir eher auf eine Minderheit.
00:12:28
Speaker
Und das ist ja auch wieder ein sehr, sehr schönes Beispiel, weil wir dann uns auch gefragt haben, warum ist das eigentlich so?
00:12:35
Speaker
Und das ist, glaube ich, gerade das, was ich sozusagen auch bei diesen Beteiligungsformaten mit den Einwohnerinnen ganz oft zeige, dass der Gast am Ende des Tages dennoch keine wirkliche
00:12:46
Speaker
Handlungsmacht hat oder einen Handlungsspielraum hat.
00:12:49
Speaker
Er bucht ein bestimmtes Produkt, das ist dann vielleicht durchaus nachhaltiger, aber er kann natürlich nur aus einem bestimmten Optionsblumenstrauß wählen.
00:13:01
Speaker
Und es ist tatsächlich auch nicht so eine wirkliche Übertragung auf den Gast.
00:13:05
Speaker
Also man versucht das natürlich auch gerade jetzt so bei diesem regenerativen Ansatz, da komplett auch neu zu denken.
00:13:12
Speaker
Aber wir gucken ja immer auf den Gesamtmarkt.
00:13:15
Speaker
Und wenn wir den Gesamtmarkt anschauen dürfen, dann ist es auch bei dem Thema Nachhaltigkeit so, dass man versucht hat, am bestehenden System es ökologischer zu machen, sozialer zu machen, ökonomisch auch nachhaltiger zu machen.
00:13:27
Speaker
Aber that's it.
00:13:29
Speaker
Also wir haben sozusagen diese Handlungsspielräume auch in Richtung Gast nicht wirklich aufgemacht.
00:13:33
Speaker
Genau.
00:13:34
Speaker
Und ich denke, das ist auch nochmal, weil du es jetzt auch nochmal angesprochen hattest, Partizipation ist einfach ein Verfahren.
00:13:39
Speaker
Aber Agency ist etwas, wo ich eine Wirksamkeit auch habe, wo ich tatsächlich eben auch diese
00:13:45
Speaker
Und ich glaube, daran scheitert es oft eben auch zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit, wenn ich nicht merke, dass das, was ich mache oder das, was ich investiere, auch wirklich, dass diese Selbstwirksamkeit da ist oder dass ich wirklich nicht nur etwas mitmache, sondern wirklich auch etwas verändern kann.
00:14:02
Speaker
Und das ist für mich tatsächlich auch nochmal bei Agency ganz zentral, eben diese Wirkung, die Wirksamkeit und das halt eben auf allen Ebenen.
00:14:13
Speaker
ob diese Perspektiven tatsächlich dann auch in irgendeiner Weise wirksam werden und die Partizipation in die Umsetzung kommt und Partizipation eben nicht nur ein Teilprozess ist, sondern einfach ein ganzes, ein richtiger Teil des Systems wird.
00:14:30
Speaker
Ein Teil des

Mitarbeiterbeteiligung und Nachhaltigkeit im Tourismus

00:14:31
Speaker
Systems.
00:14:31
Speaker
Und das gilt natürlich dann auch für nach innen, also für die Unternehmen selbst in Richtung ihrer MitarbeiterInnen.
00:14:37
Speaker
Auch das ist sehr wichtig.
00:14:39
Speaker
Ja, also insofern schon auch interessanterweise ein sehr, sehr starkes Thema bei allen, ich sage mal,
00:14:49
Speaker
neuen, in Anführungsstrichen, neuen Strategien oder erweiterten Ansätzen, auch auf Basis von Nachhaltigkeit oder Gemeinwohl oder jetzt dann auch regenerativer Tourismus steht ja, diese Mensch-Perspektive ist eine sehr zentrale, gerade auch nach innen gewandt in die Unternehmen und gerade in Bezug natürlich auf die Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen.
00:15:11
Speaker
Und auch da wieder, es ist ja immer dieser, dieser, dieser,
00:15:15
Speaker
Kleiner, feiner Unterschied im Sinne von, ermögliche ich tatsächlich, also gebe ich Raum, mache ich Raum auf, übertrage ich auch Handlungsmacht an die, die im Unternehmen sind oder tue ich das letztendlich nicht?
00:15:34
Speaker
Und damit
00:15:36
Speaker
Wie eingangs schon gesagt, hängt stark davon ab, ob sich tatsächlich etwas ändert.
00:15:41
Speaker
Also auch ganz oft gesehen bei dem Nachhaltigkeitsthema.
00:15:44
Speaker
Insofern diese Handlungsmacht nicht aufgemacht wird in Richtung der Mitarbeitenden, im Sinne auch einer Befähigung für das Unternehmen, mit dem Unternehmen.
00:15:55
Speaker
Und ja, ist das, ich sage jetzt mal ein bisschen überspitzt, ein schöner grüner Anstrich, aber mehr auch nicht.
00:16:03
Speaker
Genau.
00:16:04
Speaker
Und das, denke ich, ist auch nochmal ganz zentral, dass eben Handlungsmacht nach außen setzt, eben auch diese Handlungsmacht nach innen voraus.
00:16:11
Speaker
Das heißt, es braucht diese Entscheidungsspielräume, es braucht eben auch diese Räume zum Lernen, es braucht aber auch eine Rollenklarheit, wenn wir nochmal gerade eben in die Betriebe reingucken, damit eben auch das nach außen transportiert werden kann.
00:16:24
Speaker
Und das ist vielleicht auch nochmal, wenn man sich auch nochmal diesen Begriff anschaut, das ist sozusagen immer, Agency bedeutet eigentlich eine Fähigkeit oder die Möglichkeit, immer auch anders handeln zu können.
00:16:36
Speaker
Also nicht zwingend immer einem Pfad zu folgen oder etwas...
00:16:40
Speaker
zu Ja oder Nein zu sagen, sondern dass es eben bewusste Spielräume sind, die eröffnet werden, statt eben Abläufe bereits festzulegen.
00:16:48
Speaker
Und das betrifft eben ganz klar eben auch nach innen in den Betrieben, in den Unternehmen, aber eben auch in der Struktur, wie ich zum Beispiel ein Lebensform denke.
00:16:57
Speaker
dass ich da diese flexiblen Räume habe und eben auch durchlässige Regeln.
00:17:00
Speaker
Also diese Option ist ganz wichtig.
00:17:02
Speaker
Und dann aber eben auch sozusagen das Aushandeln im gemeinsamen Tun.
00:17:05
Speaker
Und hier kommt dann wieder auch diese Perspektive, dass eben Agency gleichwertig verteilt sein muss.
00:17:11
Speaker
Also das heißt, es entsteht tatsächlich durch diese konkreten Interaktionen, durch das konkrete Miteinander zwischen den Menschen vor Ort, den Gastgebenden, den Orten, der Destination, der Tourismusbranche und eben auch den Gästen.
00:17:23
Speaker
Also dass da wirklich irgendwie auch diese
00:17:26
Speaker
die Option, die Handlungsfreiheit, aber vielleicht auch ein Stück weit die Handlungsverantwortung dann auch eben bei allen gleich sozusagen auch gelagert ist.
00:17:36
Speaker
Genau und das impliziert in dem Moment dann aber auch, dass Dinge durchaus dann nicht mehr stattfinden oder anders stattfinden oder durchaus erst mal
00:17:49
Speaker
ja, vielleicht nicht so ins Rollen kommen, wie man sich das gewünscht hat, weil man aber tatsächlich auch sich in diesen Raum begibt, indem man aushandelt, fairerweise.

Lösungen für Overtourism aus lokaler Perspektive

00:18:03
Speaker
Und das ist ja...
00:18:05
Speaker
ja, auch prädestiniert auch für diese ganze Overtourism-Debatte.
00:18:12
Speaker
Weil das hatten wir ja auch in einer anderen Folge schon mal besprochen und haben ja da auch ganz klar gefragt, wem gehört der Raum?
00:18:18
Speaker
Und das ist halt auch da wieder, das ist das eine, die Menschen zu befragen und
00:18:27
Speaker
ansatzweise versuchen, damit zu integrieren.
00:18:29
Speaker
Es ist etwas anderes, diesen Menschen tatsächlich eine Handlungsmacht zu geben in ihrem Ort, in ihrem Raum.
00:18:36
Speaker
Und dann entsteht sozusagen ein geteilter Raum und dann entsteht sozusagen im Sinne einer wirklichen Kooperation, eines wirklichen Partizipieren durchaus eine neue Logik in diesem Raum, dass dann Lösungen gefunden werden oder
00:18:52
Speaker
Wie auch immer.
00:18:53
Speaker
Also was wir jetzt auch sehen bei diesem Lebensraumthema oder gerade im Obertusenbereich, sage ich jetzt mal, dann kommen wir schnell mit Besucherlenkung, mit Reglementierung.
00:19:05
Speaker
Das sind ja oft durchaus nur teilweise oder gar nicht ausgehandelte Mechanismen,
00:19:13
Speaker
die ja eher von einer kommunalen Ebene kommen oder von einer administrativen Ebene kommen, kommen ja nicht von den Menschen, die dort leben.
00:19:23
Speaker
Die haben etwas darunter teilweise dann auch zu leiden, wenn Dinge reglementiert sind, beziehungsweise wenn Besucherströme in gewisser Weise geleitet werden, ist ja ein Eingriff im Raum.
00:19:38
Speaker
Punkt.
00:19:39
Speaker
Genau.
00:19:40
Speaker
Und ich denke, dieses Overtourism-Beispiel ist eben auch ganz schön.
00:19:45
Speaker
Es wird momentan immer so als diese Kapazitätsfrage behandelt und eigentlich geht es eben darum eher, dass es eine Legitimitätsdiskussion ist.
00:19:54
Speaker
Und das steckt natürlich auch schon stark in diesem Lebensraumthema drin.
00:19:58
Speaker
Aus welcher Perspektive wird das eigentlich beteiligt?
00:20:00
Speaker
Und es ist sozusagen nicht, natürlich ist es am Ende irgendwie auch eine Frage, wie viel passt an irgendeine Stelle rein oder sowas, aber das ist nicht die zentrale Frage, sondern die Frage ist tatsächlich, wie viel Mitautorinnenschaft hat jeder einzelne Akteur in diesem Raum.
00:20:20
Speaker
Tourismus, gerade touristische Destinationen, sind ja eher so ein Stück weit Kulisse für die Gäste und dadurch eben auch ein Stück weit Belastung für die BewohnerInnen.
00:20:29
Speaker
Und das, wenn es sozusagen aus diesem Produktgedanken eben auch rausgeht, sondern in diese Mitgestaltungsebene reingeht.
00:20:38
Speaker
Ich glaube, dann ändert sich eben auch der Zugang zum Thema Overtourism.
00:20:42
Speaker
Ja, definitiv.
00:20:44
Speaker
Das ist glaube ich auch etwas ganz Zentrales im Lebensraumgedanken, dass die vorherrschende Logik ist nicht die Konsumlogik und die Produktlogik, sondern sie ist halt sozusagen die gestaltende Logik.
00:20:59
Speaker
Logik im Raum und Tourismus ist ein Teil von diesem Raum.
00:21:06
Speaker
Das ist aber tatsächlich, glaube ich, eine der größten Herausforderungen, die wir eigentlich immer wieder sehen dürfen und auch erfahren dürfen, wenn man auch mit verschiedenen Akteuren spricht.
00:21:18
Speaker
das sieht man ja auch generell in der Gesellschaft, dass wir uns von der Konsumlogik wegbewegen, hin zu einer Gemeinschaftslogik, Gemeinwohllogik, gestaltenden Logik, um letztendlich dann aber auch so eine Macht, Handlungsmacht, Handlungsspielraum, Waden nehmen zu können.
00:21:40
Speaker
Also ich denke mir auch immer wieder, insoweit ist es fast logisch, weil wenn du in dieser Konsumperspektive bist,
00:21:47
Speaker
Sowohl als Akteur, sowohl als jemand, der vor Ort lebt, der jetzt auch einfach sagt, das ist jetzt mein Raum, den konsumiere ich, hier bezahle ich meine Wohnung, hier lebe ich und so weiter.
00:21:59
Speaker
Als auch der kommt, der kommt dann auch nochmal mit einer Konsummule ruhig, ist der Konflikt schon vorprogrammiert.
00:22:11
Speaker
Das ist glaube ich etwas, was man sich immer wieder so ein bisschen vor Augen halten darf.
00:22:15
Speaker
Und solange keiner, solange einer, auch nur einer diese Konsumlogik weiter treibt und hat
00:22:21
Speaker
stört er diesen Raum.
00:22:23
Speaker
Diesen Prozess, genau, ja.
00:22:25
Speaker
Damit wir das System im Grunde genommen weiter erhalten.

Agentur als Freiheit zur Teilhabe

00:22:28
Speaker
Was ich vielleicht nochmal an der Stelle, und ich glaube, das ist vielleicht nochmal ganz wichtig zu erwähnen, wenn wir sozusagen auch von Handlungsmacht und auch von Handlungsoptionen reden, ist, es bedeutet eben natürlich ein Stück weit auch eine Verantwortung, aber es bedeutet auch eine Handlungsfreiheit, das zu erleben.
00:22:43
Speaker
Also es geht nicht darum, dass jetzt jeder sozusagen
00:22:46
Speaker
mitmachen muss, sondern und ich glaube, das ist auch das, wo ich sehe, dass eigentlich auch die, eine wünschenswerte Zukunft sich hin entwickelt, dass wir die Optionen haben und diese eben auch nutzen können.
00:22:58
Speaker
Das heißt, in dem Kontext eben uns auch als handlungswirksam erleben können.
00:23:04
Speaker
Also die das Angebot haben, die Freiheit haben, mitzugestalten und dann eben auch ein Stück weit Wirksamkeit zu spüren.
00:23:11
Speaker
Und ich glaube, das macht dann eben auch Lust auf diese Mehrgestaltung, mitgestaltung.
00:23:15
Speaker
Das heißt, Agency geht nicht sozusagen um dieses, um ein Zwingen an permanenter Beteiligung, sondern eben die Wahl dazwischen.
00:23:23
Speaker
Ob ich sozusagen teilnehme, mich rückziehe, ob ich eine Co-Creation oder Co-Kreation mitmache oder eben auch eine Entlastung brauche.
00:23:30
Speaker
Das heißt,
00:23:31
Speaker
Dieser Autonomie-Level kann sich natürlich auch immer wieder verschieben, aber es ist alles sozusagen möglich.
00:23:37
Speaker
Das heißt, es geht nicht darum, dass Touristen nicht mehr Touristen sein dürfen und sich ihre Erholung verdienen oder sowas, sondern eben, dass sie auch Touristen für ein paar Stunden sein dürfen und sich einfach treiben lassen können in einem...
00:23:50
Speaker
sage ich jetzt mal doch, dann wieder Produkt, aber was natürlich eben auf einer Agency basiert.
00:23:55
Speaker
Und also nicht sozusagen eine Verantwortung, wie ein moralischer Druck auf die Einzelnen abgewälzt werden.
00:24:01
Speaker
Das ist nämlich wieder das Gegenteil eigentlich von Agency, von einer geteilten Handlungsmacht, sondern das wäre dann wieder sozusagen etwas, wo, wie zum Beispiel gerne auch beim Thema Nachhaltigkeit, etwas auf eine Person oder auf ein Individuum abgewälzt wird, so nach dem Motto, du musst handeln, damit irgendwie das Klima gerettet wird, so eben gerade nicht.
00:24:19
Speaker
Du eben nicht, genau.

Zukünftige Szenarien im Tourismus

00:24:21
Speaker
Und du hattest es gerade schon erwähnt, wir haben es jetzt glaube ich ein paar Mal schon genannt, mögliche Zukünfte, wünschenswerte Zukünfte und im Kontext von Agency haben wir uns auch Gedanken gemacht und auf das geschaut, was wir sehen dürfen draußen, auch beobachten dürfen seit einiger Zeit.
00:24:40
Speaker
Und insofern können wir ja auch sagen, auch gerade bezogen auf diese verschiedenen Zielgruppen im System, also sprich die Akteure, sprich die Gäste, sprich auch die Mitarbeiterinnen und auch dieser Ort selbst, ist letztendlich auch in unserem Sinne gibt es eine wünschenswerte Zukunft.
00:24:57
Speaker
Ja, wir haben das auch in verschiedene Szenarien gegossen.
00:25:01
Speaker
Da kannst du ja gleich nochmal drauf eingehen.
00:25:02
Speaker
Und es gibt sozusagen mögliche Zukunfte aus der Betrachtung des Jetzt auch heraus, beziehungsweise auch dessen, was wir so an Entwicklung sehen, wo wir aber sagen können, da findet Agency halt nicht so statt.
00:25:17
Speaker
Ja, gerade auf die genannten Zielgruppen von eben, weil sie in unterschiedlicher Art und Weise im System gefangen sind, um es mal so auszudrücken.
00:25:26
Speaker
Und das System, wie du eingangs sagtest, versucht sich eigentlich selbst zu erhalten.
00:25:32
Speaker
Genau, da haben wir einfach mit auf diesen, ausgehend von der Agency-Frage, sowohl kombiniert mit den Megatrends als eben Treiber, aber eben auch die Frage, in welchen Möglichkeitsräumen und Transformationsräumen bewegen sich, haben wir verschiedene Szenarien erarbeitet.
00:25:48
Speaker
Du sagst, das ist gerade was sozusagen an möglichen Zukunften denkbar ist.
00:25:54
Speaker
Und da ist zum einen natürlich so dieses Szenario, dass man sagen kann, okay, es geht weiter so wie bisher.
00:25:59
Speaker
Also wir arbeiten weiter in einem bestehenden System.
00:26:02
Speaker
Das heißt, es gibt vielleicht die Kennzahlen belohnen.
00:26:07
Speaker
Also der Volumen ist das Ziel.
00:26:09
Speaker
Das System erhält sich irgendwie.
00:26:11
Speaker
Und das ist ja auch so ein bisschen dieser Gedanke von Transformationsschuld, dass das System irgendwie weiter versucht wird, am Laufen zu erhalten.
00:26:20
Speaker
Und das heißt, es gibt dann aber sozusagen,
00:26:23
Speaker
Und man reist irgendwie weiter in diesem System, ohne vielleicht auch etwas zu erfahren und zu haben.
00:26:28
Speaker
Also das wäre so dieses Weiter-so.
00:26:30
Speaker
Nichts ändert sich eigentlich wirklich.
00:26:31
Speaker
Und man versucht immer sozusagen, es gibt eine Trägheitsphase und keine wirkliche Strategie.
00:26:37
Speaker
Dann haben wir natürlich, ja kurz, ganz kurz, nur ganz kurz, weil ich glaube, es ist schon so wichtig zu sagen, mit den Auswirkungen, die wir ja jetzt auch schon sehen.
00:26:47
Speaker
Also, dass es dann so Einbrüche gibt, dass Akteure vom Markt verschwinden, dass Destinationen durchaus schwieriger bereisbar sind, aus Gründen, die wir ja auch schon ganz oft gesprochen haben.
00:27:01
Speaker
Also, man
00:27:03
Speaker
Ich will nur sagen, also weiter so heißt nicht, dass das unendlich weiter so geht.
00:27:06
Speaker
Das wird irgendwann sich tatsächlich sozusagen in Teilen erledigt haben.
00:27:14
Speaker
Es ist dann sozusagen keine bewusste, mitgestaltete Transformation, sondern es wird sozusagen eher aus inneren Widersprüchen obsolet werden.
00:27:26
Speaker
Ein anderes Szenario, was wir entwickelt haben, haben wir Patchwork genannt und das ist tatsächlich auch vielleicht so für die nächsten Jahre fast ein bisschen der wahrscheinlichste Pfad.
00:27:35
Speaker
Also ich sage jetzt mal für die nächsten paar Jahre noch, dass wir in so einem, es gibt sozusagen eine Krise, man reagiert auf die Krise, man adaptiert sich so ein bisschen.
00:27:43
Speaker
Das haben wir ja gerade auch bei der Corona-Pandemie erlebt.
00:27:46
Speaker
Man hat vielleicht auch viele Ideen und aber fliegt sozusagen hier und da nur.
00:27:52
Speaker
Und es ist wie so eine leise Implosion eigentlich, weil irgendwie die Branche dadurch schrittweise versucht, sich zwar immer wieder selbst zu reparieren, aber sich damit ein Stück weit auch überflüssig macht.
00:28:02
Speaker
Also das heißt, der Patchwork ist auch so ein Stück weit ein Erhaltungsmodus.
00:28:09
Speaker
Und hier ist ganz klar eben auch, da würde vielleicht auch sozusagen der Gedanke der Partizipation mit reinbringen oder man kann auch hier sozusagen sehen, man versucht vielleicht dieses Lebensraummodell in einer Logik zu etablieren, die aber noch der alten Logik entspricht, dem alten System entspricht und dadurch quietscht es auch irgendwie an allen Ecken und Enden.
00:28:29
Speaker
Und es funktioniert irgendwie nicht so wirklich richtig.
00:28:32
Speaker
Aber es wird vielleicht auch noch ein Stück weit weiter funktionieren, aber sich irgendwann tatsächlich irgendwie auch schrittweise irrelevant werden.
00:28:39
Speaker
Genau.
00:28:39
Speaker
Und ein ganz kurzer Erdenzo, was ich hier spannend finde, auch, der Punkt kommt ja auch von dir,
00:28:45
Speaker
dass die Mitarbeiter im System immer müder werden von diesem Geflicke.
00:28:51
Speaker
Ständig kommt was Neues, man muss sich wieder neu ausrichten, es kommt wieder ein neuer Auftrag und das sehen wir ja in ganz vielen Organisationen.
00:29:00
Speaker
Viele sind einfach auch müde.
00:29:04
Speaker
Da wird wieder ein neues Thema durchgetrieben, gerade ist es die KI und man muss wieder gucken, Gott, wo bleibt man, was macht man jetzt, wie stellt man sich auf und
00:29:13
Speaker
Nebenbei hat man noch die Krisen, die wir nun alle kennen und wissen.
00:29:17
Speaker
Und da entsteht auch so eine Müdigkeit im System, die tatsächlich dann auch zu einer inneren Abkehr führt von den Menschen, die im Tourismus arbeiten.
00:29:25
Speaker
Weil sie selber merken, wir haben so viel gemacht, aber es ändert sich letztendlich nicht wirklich was.
00:29:31
Speaker
Genau.
00:29:34
Speaker
Ja, und ein weiteres Szenario, was erstmal, und da haben wir beide auch lange drüber diskutiert, ein Szenario, wir haben es jetzt eine Selektion genannt, ist, dass tatsächlich sozusagen der Tourismus ein Stück weit, ich sage jetzt mal, so ein paar Jahrhunderte zurückgeht und es mehr so dieses, also wirklich etwas Exklusives wird.
00:29:53
Speaker
Das heißt, es geht um
00:29:55
Speaker
um privilegierte Reisemöglichkeiten.
00:29:59
Speaker
Es bleibt nur noch eine Exklusivität, also einer bestimmten Gruppe eigentlich die Möglichkeit zu reisen übrig, aufgrund zum Beispiel von, weil die Kapazitäten beschränkt werden, vielleicht aber auch, weil die Zugänge beschränkt werden.
00:30:11
Speaker
Wir können es durch Geopolitik heute tatsächlich ganz gut sehen.
00:30:15
Speaker
Aber vielleicht auch, weil sozusagen die einzelnen Destinationen auf den Overtourism mit Beschränkungen so weit reagieren, dass wirklich nur noch eine bestimmte Gruppe Zugang hat.
00:30:24
Speaker
Das heißt, also das würde so ein bisschen bedeuten, dass das, was wir in den letzten Jahrzehnten eigentlich so als Demokratisierung des Reisemarkts erlebt haben, alle können eigentlich heute, oder fast alle natürlich nur, können irgendwie reisen, stürmt eigentlich so ein bisschen.
00:30:37
Speaker
Das heißt, die Teilhabe am Reisemarkt wird eine Frage von Zugang sein.
00:30:45
Speaker
Das bedeutet nicht zwingend sozusagen den Ausschluss vom Reisen als solches, sondern vielleicht diesen Ausschluss vom Reisen in das, was wir heute als Zugang zur Welt irgendwie auch nennen.
00:30:56
Speaker
Das heißt, es gibt vielleicht unterschiedliche Korridore, ein privilegierter Korridor, wenn ich wirklich viel Geld habe und mir dazu Zugang erkaufen kann, aber sozusagen vielleicht auch einfach einen funktionalen Korridor, wenn es eine Geschäftsreise sein muss.
00:31:10
Speaker
Das ist so ein bisschen, wir haben darüber diskutiert und dann kam tatsächlich ja auch der Iran-Krieg, wo man gemerkt hat, okay, hier verschiebt sich ja tatsächlich was.
00:31:16
Speaker
Hier werden auch einmal wirklich irgendwie auch Regionen unter Umständen lassen sich vielleicht gar nicht mehr bereisen aufgrund geopolitischer Bedingungen, aber vielleicht auch einfach, weil nicht mehr Kerosin da ist.
00:31:26
Speaker
Das hat sich dann alles anders entwickelt.
00:31:28
Speaker
Aber theoretisch ist dieses Szenario nicht ganz unwahrscheinlich.
00:31:32
Speaker
Wenn wir uns sozusagen überlegen, wie kann irgendwie darauf reagiert werden auf die Krisen, die wir momentan haben.
00:31:38
Speaker
Genau, es ist auch nicht unwahrscheinlich, wenn man ehrlicherweise, wenn man auch so gesamtgesellschaftlich auf uns schaut.
00:31:44
Speaker
Also wir wissen ja, wie sich gerade leider die Gesellschaft entwickelt, nach oben und nach unten.
00:31:51
Speaker
Wir haben ja nicht mehr diese breite Mitte.
00:31:53
Speaker
Wir sehen das in den USA schon seit einigen Jahren sehr, sehr stark und sowas ist ja dann relativ zeitnah, in Anführungsstrichen, ein paar Jahre später bei uns.
00:32:03
Speaker
Und
00:32:04
Speaker
Das ist sicherlich auch etwas, wo man genau hinschauen sollte, wer sich perspektivisch Reisen, so wie es gerade noch stattfindet, auch leisten kann.
00:32:15
Speaker
Genau, also wer hat eigentlich den Zugang?
00:32:17
Speaker
Und ich glaube, wir aus unserer europäischen Perspektive haben natürlich mit einem Pass, wenn wir einen EU-Pass haben, also einen Pass, der in der EU ist, haben wir natürlich unglaublich viel auch Privilegien, die ganz viele andere Länder heute natürlich auch nicht haben.
00:32:30
Speaker
Also das heißt, das muss man ja auch sehen, dass da über Visa schon mal ganz viele Beschränkungen auch sind.
00:32:36
Speaker
Und dass das aber theoretisch auch ein Modell ist, das wieder zurück zu uns kommen kann.
00:32:40
Speaker
Also wenn Schengen in Gefahr ist oder wenn halt wirklich irgendwie mehr Abschottungen passiert.
00:32:45
Speaker
Also es ist sozusagen nicht wirklich ein unrealistisches Szenario, sondern eher dann eben auch aus einer Notwendigkeit und aus Krisen heraus eben entstehend.
00:32:57
Speaker
Und dann haben wir noch ein viertes Szenario, das ein bisschen der Kategoriebruch

Integration von Tourismus und Alltag

00:33:02
Speaker
ist.
00:33:02
Speaker
Und ich finde, das heißt, darüber haben wir so vor fünf, sechs Jahren und auch während der Pandemie nochmal ganz stark diskutiert und uns überlegt, also gerade auch vor der Pandemie, als wir so über Themen wie Workation gesprochen haben und Pleasure, wo Arbeit und Leben sich vermischt hat und wo man sagen könnte, okay,
00:33:20
Speaker
wird sich vielleicht Tourismus komplett auflösen, dass wir sozusagen eigentlich ein Leben führen, in dem das Reisen so in den Alltag integriert ist, dass es dieses touristische
00:33:36
Speaker
gar nicht mehr geben wird.
00:33:37
Speaker
Das heißt, diese Co-Living-Geschichten und dass wirklich irgendwie das zunehmend ineinander sich verstrickt und vermischt und dadurch sozusagen so Gedanken wie Temporary Citizens, also wo man einfach mehrere Monate an einem Ort wohnt, Gast und Einwohner zugleich ist.
00:33:58
Speaker
Also das waren ja wirklich auch starke Kreaturen,
00:34:00
Speaker
Gedanken und Ideen, die so vor fünf, sechs Jahren eben auch stattgefunden haben, als wir irgendwie darüber auch oder als wir festgestellt haben, wie stark sich eben auch dieses Fähren vermischen.
00:34:09
Speaker
Und das ist natürlich auch eins der möglichen Szenarien.
00:34:14
Speaker
Ja, was spannend ist ja, wie gesagt, bei den vier Genannten jetzt, also wir werden dazu auch was veröffentlichen, das muss jetzt nicht jeder hier mitschreiben oder kann sich natürlich den Podcast ganz oft anhören.
00:34:28
Speaker
Was spannend ist bei diesen vier, und das nochmal sei ja an der Stelle genannt, dass, wie gesagt, die Orte, die bereist werden, sowie die Menschen, die reisen, als auch die, die in der Branche arbeiten,
00:34:43
Speaker
tatsächlich sozusagen in diese Veränderungen, die wir beschrieben haben, wenig Handlungsmacht und Spielraum haben.
00:34:50
Speaker
Sie sind Teil dieser Systeme, Teil dieses Systems, wie das auch jetzt.
00:34:56
Speaker
Und wir haben gesagt, Patchwork ist für uns ein sehr, sehr wahrscheinliches, beziehungsweise sehen wir das auch schon sehr, sehr stark, dass wir eigentlich in diesem Patchwork-Szenario sind.
00:35:04
Speaker
Man ist Teil davon.
00:35:05
Speaker
Man ist
00:35:07
Speaker
hat durchaus vielleicht das Gefühl einer entsprechenden Handlungsspielraum, aber der führt, wie gesagt, nicht dazu, dass sich am großen Ganzen, um es mal ein bisschen platt auszudrücken, etwas ändert.
00:35:19
Speaker
Und das führt wiederum dazu, dass sich so Entwicklungen, die wir jetzt mal ein bisschen skizziert haben, auch im Kontext der Megatrends, das ist vielleicht auch nochmal was Wichtiges zu sagen, dass diese Entwicklung, die
00:35:34
Speaker
Die laufen halt immer weiter und man läuft sozusagen in verschiedene Art und Weise mit, ohne dass man, wie gesagt, handelnd anstößt.
00:35:46
Speaker
Und was vielleicht daran wichtig ist, also genau, man kann zu jedem Szenario kann man sagen, wie hoch ist eigentlich die Agency, sowohl von den Reisenden wie von der lokalen Bevölkerung, aber eben auch der Branche selbst.
00:35:55
Speaker
Und ich glaube, das ist auch etwas, was nochmal ganz

Kultur der Wahl im Tourismus

00:35:57
Speaker
relevant ist.
00:35:57
Speaker
Also wie viel Handlungsmacht spüren eigentlich die Akteure in der Branche selbst?
00:36:02
Speaker
Haben Sie eigentlich eine sehr hohe oder eine geringe oder eine niedrige Handlungsmacht, die Sie da spüren?
00:36:07
Speaker
Und das ist ja auch oft etwas, was eben dann diesen lebenden Effekt hat.
00:36:10
Speaker
Wenn ich merke, das, was ich tue, hat eigentlich überhaupt keine Auswirkungen oder keine Wirkung.
00:36:14
Speaker
Ich weiß eigentlich gar nicht, wo die Hebel sind, um sozusagen etwas zu verändern.
00:36:20
Speaker
Und da haben wir sozusagen diese vier Szenarien eben geclustert und geschaut, okay, wie hoch ist eigentlich die jeweilige Handlungsmacht oder auch Handlungsoptionen der Akteure?
00:36:31
Speaker
Und haben dann uns überlegt, okay, was braucht es eigentlich für ein Szenario, in dem wirklich alle Akteure eine hohe oder sehr hohe Agency haben.
00:36:39
Speaker
Und das ist das, womit wir eben auch eingestiegen sind.
00:36:42
Speaker
Das ist das Szenario, das wäre das fünfte, eben die Kultur der Wahl haben wir es genannt.
00:36:47
Speaker
wo man sagen kann, okay, da ist diese Möglichkeit der Partizipation nicht nur ein Verfahren, sondern es ist wirklich die Wirkung und es ist wirklich im System integriert.
00:36:59
Speaker
Und das hat wirklich dann die Auswirkung, dass es nicht mehr sozusagen die Agency ein Nebenprodukt ist, sondern wirklich eine bewusste strategische Entscheidung oder eine systemische Entscheidung eigentlich.
00:37:12
Speaker
Und damit hat man eben dann auch die Möglichkeit, diese Transformation, in der wir uns ja irgendwie befinden, tatsächlich auch umzusetzen.
00:37:20
Speaker
Es wird also zu so einem systemischen Prinzip statt eben so einem Nebenprodukt von funktionierenden Märkten.
00:37:26
Speaker
Richtig, genau.
00:37:27
Speaker
Und das heißt aber durchaus auch Kontrolle abgeben.
00:37:30
Speaker
Und ich glaube, das ist für viele ein sehr, sehr schwieriges Thema.
00:37:35
Speaker
Im Kleinen wie im Großen.
00:37:37
Speaker
Aber das sei an der Stelle gesagt.
00:37:39
Speaker
Also Agency bedeutet in seiner Ausführung oder in dieser Kultur der Wahl auch Kontrolle abzugeben.
00:37:48
Speaker
Und wie du sagtest, es geht nicht darum, irgendwas neu zu steuern oder irgendwie besser zu machen oder besser zu lenken, was auch immer.
00:37:58
Speaker
Es ist
00:37:59
Speaker
Eigentlich eine Logik gegen Optimierungsdruck, gegen Plattformstrukturen, gegen diese Systeme, die uns ja auch so ein bisschen auftrukturiert werden, in denen wir uns augenscheinlich frei bewegen können, aber dennoch immer wieder merken, wir kommen da an Grenzen, sowohl dann vielleicht im persönlichen Bereich,
00:38:22
Speaker
im persönlichen Tun, als auch dann natürlich im größeren Denken, wenn es dann zum Beispiel um strukturelle Sachen in der Destination geht oder gerade auch im Hinblick auf Politik.
00:38:34
Speaker
Und ich glaube, dass, ich sage mal, wir haben auch gesagt beim Imparts-Vertöver-Manifest, wir wollen eine neue Ehrlichkeit und so ehrlich sollten wir sein.
00:38:45
Speaker
Also Agency-bedingt Kontrolle abzugeben.
00:38:49
Speaker
Es bedingt Kontrolle abzugeben und gleichzeitig ist es das einzige dieser fünf Szenarien, wo jeder eigentlich Zukunft aktiv mitgestalten kann.

Tourismus als Verbindung von Gesellschaft und Wirtschaft

00:38:58
Speaker
Insofern ist es irgendwie beides, es ist aktiviert und es ist tatsächlich aber wirklich auch, es erfordert diesen Mut eben auch Kontrolle abzugeben und anders eben auch zu agieren und anders zu handeln.
00:39:10
Speaker
Und eben diese Handlungsmacht eben auch zu fragen, erhöht es hier, was ich mache gerade, die Handlungsmacht der einzelnen
00:39:17
Speaker
oder der einzelnen Mitspieler in diesem System oder stabilisiert es einfach nur das System?
00:39:25
Speaker
Und das ist vielleicht auch immer so eine Frage, die sich dann so die einzelnen, die man sich stellen kann, die sich die Branche, aber eben auch die Akteure stellen können.
00:39:33
Speaker
Also was ist eigentlich gerade sozusagen die Absicht, mit der ich etwas mache?
00:39:39
Speaker
Genau.
00:39:39
Speaker
Und auch, wer kann Nein sagen?
00:39:41
Speaker
Wer kann Grenzen setzen?
00:39:43
Speaker
Wer kann Alternativen eröffnen?
00:39:45
Speaker
Sind es immer nur die gleichen?
00:39:49
Speaker
Wer trägt Verantwortung und bekommt dann auch die Möglichkeit, diese auch zu tragen?
00:39:56
Speaker
Oder ist das auch in bestimmte Strukturen gegossen und die werden sozusagen nie aufgebrochen oder verändert?
00:40:05
Speaker
Und ich denke, das knüpft eben dann auch so ein bisschen an diesen Gedanken dieses Lebensraums an.
00:40:12
Speaker
Also das Lebensraum ist eigentlich wirklich, und damit ist in den letzten Jahren eigentlich ein guter Ansatz geschaffen worden.
00:40:19
Speaker
Das ist sozusagen nicht eine von vielen Aufgaben da drin, sondern es ist ein Stück weit eben auch der Grundgedanke, der da drin steht.
00:40:25
Speaker
Das ist eigentlich eine Voraussetzung dafür, dass wirklich auch Agency wirksam werden kann.
00:40:29
Speaker
Nur eben nicht innerhalb des bestehenden Systems, sondern wirklich in einer transformierten Logik.
00:40:34
Speaker
Also es ist jetzt auch kein Etikett für irgendwie was Neues oder für dieses Lebensraumthema, sondern es ist tatsächlich so eine Grundbedingung für das System, um letztendlich Zukunftsentwicklung zu schaffen.
00:40:53
Speaker
zu ermöglichen.
00:40:55
Speaker
Und das möglichst viele im System.
00:40:58
Speaker
Also das sei vielleicht an der Stelle auch nochmal gesagt, weil natürlich viele Begrifflichkeiten durch die Branche sausen auf verschiedenen Bühnen und Veranstaltungen oder Modelle.
00:41:10
Speaker
Und das ist es nicht.
00:41:13
Speaker
Es geht tatsächlich um eine Logik im System,
00:41:18
Speaker
Und insofern man die sozusagen auch nicht ermöglicht oder etabliert oder auch erst mal gar nicht sieht, kann man das tatsächlich dann auch, ja, kann man es einerseits gar nicht vergleichen mit einem Nachhaltigkeitsansatz oder mit einem Gemeinwohlansatz.
00:41:41
Speaker
Beziehungsweise ist es auch gar nicht in dem Sinne ein Modell, was einfach übergestülpt wird.
00:41:47
Speaker
Genau.
00:41:48
Speaker
Und das ist auch nochmal daran ganz relevant, dass Agency wirklich kein Alleinstellungsmerkmal vom Tourismus ist.
00:41:53
Speaker
Also deswegen auch ist es keine neue Worthülse für ein bereits existierendes Thema, sondern tatsächlich ist es eine gesellschaftliche Frage von der
00:42:02
Speaker
wirklich von Mitgestaltung, von Verteilung von Handlungsmacht.
00:42:05
Speaker
Und das kann man eben sozusagen, diese Agency kann man, und darüber hattest du eben, das hattest du vorhin auch angesprochen, auch eben zum Beispiel auf das Thema von Nachhaltigkeit und Reaktionen auf den Klimawandel sehen.
00:42:16
Speaker
Also wie viel Handlungsmacht spürt eigentlich der Einzelne in unserer Gesellschaft,
00:42:20
Speaker
im Kontext mit Gestaltung oder mit Wirksamkeit.
00:42:24
Speaker
Und das finde ich eben auch nochmal das Interessante daran, dass halt Tourismus einfach eins der wenigen Systeme ist, dass wirklich diese ganzen, dass Gesellschaft, Menschen, Ökonomien und verschiedene Bereiche eben auch gleichzeitig berührt, wo diese Themen so zentral eben auch zusammenfallen.
00:42:41
Speaker
Und daran lässt es sich eben aber wirklich nochmal unglaublich gut aufzeigen und eben auch durchspielen.
00:42:47
Speaker
Genau.

Zukunft des Tourismus durch gerechte Machtverteilung

00:42:48
Speaker
Und wir können eigentlich so glaube ich abschließend sagen, dass also aus unserer Perspektive entscheidet sich diese Zukunftsfrage des Tourismus eben an dieser Handlungsmacht.
00:42:57
Speaker
Und es entscheidet sich jetzt nicht grundsätzlich daran, ob jemand mehr nachhaltig ist oder mehr gemeinwohlorientiert.
00:43:05
Speaker
Weil letztendlich, was das Wort schon sagt, es ist eine Orientierung.
00:43:09
Speaker
Es ist sozusagen ein thematisch inhaltlicher Ansatz oder auch eine Überzeugung, eine Werthaltung natürlich, die da ganz stark hintersetzt.
00:43:18
Speaker
Aber solange sozusagen diese Handlungsmacht weiterhin ungleich verteilt ist, wird sich diese sozusagen, diese Potenziale, die da drinnen liegen, werden sich nicht entfalten können im Kontext von Zukunftsfähigkeit für die Destination oder auch für das Haus.
00:43:37
Speaker
Weil das System, in dem dann die einzelnen Akteure miteinander Dinge aushandeln, arbeiten, wirken, sich ja nicht verändert.
00:43:49
Speaker
Auch wenn, ich sage mal, über den System vielleicht Gemeinwohl steht oder Nachhaltigkeit steht oder Lebensraum steht.
00:43:55
Speaker
Ja, das ist glaube ich.
00:43:57
Speaker
Ganz klar, wer über die?
00:43:59
Speaker
Und das ist vielleicht auch so, glaube ich, unsere Botschaft, die wir da geben können, dass wer über die Zukunft vom Tourismus sprechen möchte, der muss einfach irgendwie Agency mit integrieren.
00:44:07
Speaker
Sonst spricht man eben nicht über Transformation, sondern über ein Szenario, was letztendlich Tourismus ein Stück weit weiterführt im bestehenden System oder zu einer Auflösung.
00:44:20
Speaker
Genau, da dürfen wir gespannt sein, wo uns die Reise noch führt, sprich wörtlich.
00:44:30
Speaker
Ja, also wie gesagt, wir werden dazu auch etwas publizieren.
00:44:36
Speaker
Man kann das dann noch auf unserer Seite sich dann mal einen Überblick verschaffen, gerne natürlich uns auch ansprechen, schreiben, wenn ihr mögt.
00:44:45
Speaker
Und wir sind letztendlich auch gespannt, wie wir so mit dem Thema auch mit den verschiedenen Akteuren diskutieren dürfen oder wie wir da so ein bisschen vielleicht dann doch noch die ein oder andere Tür aufmachen im Sinne auch der Zukunft des Tourismus.
00:45:04
Speaker
Und wir sind natürlich auch immer offen.
00:45:06
Speaker
Also wenn es da Anregungen, Kommentare gibt,
00:45:10
Speaker
Vielleicht auch andere Überlegungen oder Dinge, die hier mit hineingreifen, dann schreibt sie uns gerne.
00:45:16
Speaker
Also, ja, keine Scheu.
00:45:20
Speaker
Gut, super.
00:45:22
Speaker
Dann freue ich mich auf das, was kommt bei dem Thema.
00:45:27
Speaker
Und ich würde sagen, das ist ja unsere letzte Folge jetzt mal so ein bisschen vor der Sommerpause.
00:45:33
Speaker
Vor der Sommerpause, genau.
00:45:35
Speaker
Vor der Sommerpause, ja, ist nicht unsere letzte Folge.
00:45:39
Speaker
Genau, im August, wie gesagt, machen wir mal ein bisschen frei.
00:45:45
Speaker
Und ja, gehen wir mal in den Mund, was auch immer.
00:45:48
Speaker
Wir werden uns im September wieder mit vielen Zähnen und freuen uns jetzt.
00:45:53
Speaker
Aber trotzdem eben über Kommentare und Zähnen und Rückmeldungen.
00:46:00
Speaker
Und wenn ihr Hördurst habt, könnt ihr euch ja die anderen Folgen gerne anhören.
00:46:06
Speaker
Es gibt ja jetzt einige sehr spannende und damit würde ich sagen, einen schönen Tag dir noch, Anja.
00:46:14
Speaker
Samadir, genau.
00:46:17
Speaker
Den wir immer hoffentlich haben.
00:46:18
Speaker
Und bis bald.
00:46:20
Speaker
Bis bald, ja.
00:46:21
Speaker
Ciao.