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Unfiltriert & Kaltgehopft: Tag der Rauchbierbewahrung

Unfiltriert & Kaltgehopft - der Craftbier Podcast
Zum Tag der Rauchbierbewahrung begrüßen Alex und Gerrit einen ganz besonderen Gast: Matthias Trum, Inhaber der legendären Bamberger Rauchbierbrauerei Schlenkerla in sechster Generation. In dieser Folge tauchen wir tief in die Welt des Rauchbiers ein. Matthias erzählt die faszinierende Geschichte hinter Schlenkerla, erklärt den Ursprung des berühmten Namens und nimmt uns mit hinter die Kulissen einer der traditionsreichsten Brauereien Deutschlands. Dabei geht es um historische Felsenkeller, eigene Mälzerei, jahrhundertealte Brautechniken und die Frage, warum echte Rauchbiere heute weltweit eine absolute Ausnahme sind. Außerdem sprechen wir über die Wiederentdeckung historischer Bierstile mit der neuen Marke Graser, die Zukunft der Bierkultur, die Herausforderungen für Familienbrauereien und warum Tradition für Matthias nicht bedeutet, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.

Transcript

Speaker: Der Craft Beer Podcast.

Speaker: Alex, hallihallo.

Speaker: Gerrit, guten Abend.

Speaker: Heute der 23.7.

Speaker: Tag der Rauchbebewahrung in Deutschland.

Speaker: Ein ganz besonderer Tag für die deutsche Bierkultur.

Speaker: Und wie soll das anders sein?

Speaker: Du hast nicht nur dein Kind in der Tragetasche vor dir, sondern wir haben heute auch einen ganz besonderen Gast.

Speaker: Matthias Trumm ist da.

Speaker: Hallo Matthias.

Speaker: Hi, grüßt euch.

Speaker: Schön, dass ich da sein darf.

Speaker: Matthias, das ist mir ein ganz besonderes Anliegen.

Speaker: Ich möchte ganz kurz erzählen, wie wir zueinander gefunden haben.

Speaker: Und zwar war es ja auf einem Craft Beer Festival in Tallinn.

Speaker: Richtig.

Speaker: Da warst du dort als Aussteller.

Speaker: Eigentlich hätten wir uns auch schon eine Woche eher bei MBCC in Kopenhagen treffen können.

Speaker: Nur, da habe ich es verpasst, muss ich ganz ehrlich sagen.

Speaker: Und da habe ich in Tallinn den Mut zusammengenommen und gesagt, Mensch, Matthias,

Speaker: Dein Bier, so lecker.

Speaker: Möchtest du nicht zu uns in den Podcast kommen?

Speaker: Und was bietet sich da am besten an, als heute in der Folge zum Tag der Rauchbierbewahrung?

Speaker: Ja, herzlich willkommen.

Speaker: Aber lass uns doch mal anfangen.

Speaker: Also ich denke mal, viele kennen ja den Namen Matthias Trum gar nicht.

Speaker: Sag uns doch einfach mal, also stell dich einfach kurz vor, wie heißt deine Brauerei, oder für welche Biere ist deine Brauerei bekannt?

Speaker: Mein Name ist Matthias Strum und ich leite das Schlenkerler, die historische Rauchbierbrauerei in der sechsten Familiengeneration.

Speaker: Das Schlenkerler ist vor allem natürlich für das Rauchbier bekannt.

Speaker: De facto macht das Schlenkerler auch nur Rauchbier.

Speaker: Und hier in Bamberg ist es, kann man schon sagen, auch eine gewisse Institution inzwischen geworden.

Speaker: Bamberg ist ja ein sehr schönes Städtchen, UNESCO-Welterbe, viele Leute, die aus kulturellen Gründen nach Bamberg kommen.

Speaker: Und das ist eben nicht nur die Kultur im Sinne von Bildern oder alten Denkmäler oder Museen, sondern es geht eben in Bamberg auch um die Bierkultur.

Speaker: Und das Rauchbier als Bamberger bierische Besonderheit ist also das große Aushängeschild dieser Bamberger Bierkultur und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch so einen durchaus überregionalen Ruf oder vielleicht sogar weltweiten Ruf erarbeiten können.

Speaker: Und ich hoffe, dass wir da einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten.

Speaker: Und du, da bin ich mir sogar sehr sicher und gerade wenn man auch international unterwegs ist, da sieht man natürlich oder man merkt die Fans, ihr verkauft ja auch Merchandise, man sieht auf irgendeinem Kopenhagener Bierfestival sieht man jemanden mit Schlenkerler Zipper rumrennen und wie auch immer.

Speaker: Also es ist ja wirklich schon eine echte Marke.

Speaker: Und passend dazu, ich habe mir was ganz Besonderes heute aus meinem Keller rausgeholt.

Speaker: Ich habe nämlich das Echt Schlenkerler Rauchbier Fastenbier.

Speaker: Allerdings ist das die 2018er Version.

Speaker: Die möchte ich heute mal, während wir hier das Gespräch führen, mal verkösten und werde mir die jetzt einfach mal aufmachen.

Speaker: Und genau, du sagst, ja, Schlenkerler, klar, das ist glaube ich so wahrscheinlich das bekannteste Bier eurer Brauerei.

Speaker: Aber die Brauerei heißt ja eigentlich ganz anders.

Speaker: Ja, also der eigentliche Name, wenn man ins Handelsregister reinschaut, ist die Hellerbräu.

Speaker: Und dieser Name geht zurück auf das 17.

Speaker: Jahrhundert.

Speaker: Also das Schlenkerler hat tatsächlich als Gebäude die erste urkundige Erwähnung schon 1405.

Speaker: Hat in seiner Zeit verschiedene Namen durchlaufen, von Blaulöwenbräu bis es eben heute die Schlenkerlerbrauerei ist.

Speaker: Aber ab dem 17.

Speaker: Jahrhundert hieß es eben die Brauerei Heller oder Hellerbräu.

Speaker: weil der Inhaber und Braumeister zu der Zeit ein Johann Wolfgang Heller gewesen ist.

Speaker: In dieser Linie bin ich der 14.

Speaker: Braumeister zum Heller.

Speaker: Da ist jetzt keine Blutsverwandtschaft da.

Speaker: Die Heller waren also sehr viele Generationen und dann hat es wieder gewechselt, bis es dann eben vor sechs Generationen zu meiner Familie gekommen ist.

Speaker: Das ist auch schon ein paar Jährchen her.

Speaker: Aber der Name Brauerer Heller ist tatsächlich bis heute geblieben.

Speaker: Und die interessante Frage ist eigentlich, wo kommt der Name Schlenkerler her?

Speaker: Stimmt.

Speaker: Wie kam es denn dazu?

Speaker: Da spielt dann schon tatsächlich meine Familiengeschichte ein bisschen mit rein.

Speaker: Die zweite Generation von meiner Familie, der Andreas Graser.

Speaker: Der hat zumindest der Legende nach in der Brauerei einen Unfall gehabt.

Speaker: Also wir wissen nicht genau, was passiert ist.

Speaker: Die Familienchronik schweigt sich da leider aus.

Speaker: Ob er jetzt von den Brauereipferden getreten wurde oder ob er über ein Holzfass gefallen ist oder ob er schlicht und ergreifend zu viel von seinem Bier getrunken hat.

Speaker: Wir wissen es nicht.

Speaker: Auf jeden Fall nach dem Unfall hinkte er ein bisschen.

Speaker: Und du hast jetzt die Flasche schon in der Hand gehabt.

Speaker: Unten rechts auf dem Etikett sieht man das ganz schön.

Speaker: Da ist so ein rotes Siegel.

Speaker: Genau.

Speaker: Und die Stammgäste von der Brauereigerstätte, die vom Schlenkerler, die haben dem Andreas dann den Spitznamen der Schlenkerler verpasst, also der kleine Schlenkerler.

Speaker: La hier in Franken ist ja sozusagen die Verniedlichung von was, also wir sagen bei uns auch nicht Semmel, sondern das ist ein Brödla.

Speaker: Und also der Franke hängt überall schön ein La hintendran, kennt man vielleicht noch von Lothar Matthäus früher vom Fußball.

Speaker: Das war ja auch ein kerniger Franke, also immer weiche Konsonanten und La hintendran, das ist immer der Franke.

Speaker: Der Franke, nicht Franke, sondern der Franke.

Speaker: Und so ist es dann eben auch der Schlenkerla, also der Bamberger spricht es mit einem Hadden-G aus, mit einem weichen G sozusagen, der Schlenkerla.

Speaker: Und der Name hat sich mit der Zeit dann eben auf die Brauerei, auf die Gaststätte übertragen.

Speaker: Also die Leute haben gesagt, die Stammgäste haben gesagt, wir gehen zum Schlenkerler und haben damit zunächst die Person gemeint.

Speaker: Und mit der Zeit wurde das dann also gleichbedeutend mit Brauerei und Gaststätte und irgendwann mal dann auch mit dem Bier.

Speaker: heute, wenn die Leute Schlenkerler sagen, hier in der Region, dann wird eben automatisch immer auch an Rauchbier gedacht.

Speaker: Also das ist wirklich so diese Verknüpfung, die sich im Lauf der Jahrzehnte ergeben hat.

Speaker: Ist eigentlich ganz witzig, weil

Speaker: Das Rauchbier ist doch ein bisschen, da werden wir im Detail ja wahrscheinlich noch ein wenig drüber sprechen, das Rauchbier hat doch einen sehr ungewöhnlichen Geschmack.

Speaker: Also kräftig rauchig, wie man es von einem Schinken oder so kennt.

Speaker: Und da fremdeln doch ziemlich viele Leute am Anfang damit.

Speaker: Auf jeden Fall, auf jeden Fall.

Speaker: Also da bin ich auch voll dabei.

Speaker: Ich würde auch mal gerade einen Schluck nehmen.

Speaker: Also es hat auf jeden Fall eine super schöne dunkle Farbe.

Speaker: Der Schaum ist auch nicht ganz weiß, sondern geht schon ein bisschen ins Beige rüber.

Speaker: Riecht herrlich.

Speaker: Ich bin mal gespannt, weil es ja jetzt schon ein paar Jährchen abgefüllt ist.

Speaker: Ja, das Fastenbier, das reift wunderbar weiter.

Speaker: Also diese Jahrgangsbiere, die über viele Jahre reifen, machen wir auch mit unserem Urbock und mit unserem Doppelbock.

Speaker: Und das Fastenbier ist eigentlich noch die mildeste Variante davon, aber er kommt unheimlich weich durch diese fünf, oder in deinem Fall sind es jetzt schon acht Jahre zusätzliche Reifung.

Speaker: Es wird einfach unheimlich weich und abgerundet.

Speaker: Also so ein bisschen Bier-Balsamico kann man fast sagen, ein Stück weit.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Hinten raus geht schon so ein bisschen ins, ja, ich sag mal, so leichter Essig, wenn ich das so sagen kann.

Speaker: Vielleicht tatsächlich.

Speaker: Es wird auf jeden Fall sehr trocken.

Speaker: Die Hefe arbeitet einfach permanent weiter und verändert immer die Geschmäcker.

Speaker: Und dieses Konzept der Jahrgangsbiere, das haben also nicht wir uns beim Schlenkerler ausgedacht, sondern das ist eine alte Tradition, die aus England kommt.

Speaker: Das haben die spätestens im 19.

Speaker: Jahrhundert angefangen.

Speaker: Also ähnlich wie man das auch von Champagner oder so kennt, dass du ein Bier halt auf Flaschen ziehst und dann eben oben entsprechend versiegelst, also mit Wachs.

Speaker: Vor drei, vier Jahren haben wir das noch mit diesen Alu-Käppsala gemacht.

Speaker: Und du kriegst einfach ganz tolle Geschmacksaromen damit rein.

Speaker: Also es ist echt was für Liebhaber.

Speaker: Ist auch immer eine limitierte Abfüllung.

Speaker: Gibt es jedes Jahr nur so knapp an die tausend Flaschen.

Speaker: Und ja, kann man... Genau, die werden dann, glaube ich, bei euch im Felsenkeller gelagert.

Speaker: Richtig, genau.

Speaker: 15 Meter unter der Erde.

Speaker: Alte Felsenkeller, die schon seit Jahrhunderten zum Bierlagern verwendet werden.

Speaker: Und wir sind also die letzte Brauerei, zumindest hier in Bamberg, die die Felsenkeller tatsächlich noch in ihrer ursprünglichen Form nutzt oder überhaupt nutzt und da eben das Bier reift, weil die Atmosphäre dort unten, also von Temperaturen und so weiter, ist einfach optimal für die Bierreifung.

Speaker: Moment, Gerrit, bevor wir jetzt hier mit Matthias noch weitermachen, vergiss nicht, Jens hat unseren neuen Bierspiegel geschickt.

Speaker: Ein Spiegelein an der Wand.

Speaker: Jens Bierspiegel.

Speaker: Moin, herzlich willkommen zu Jens Bierspiegel.

Speaker: Es ist wieder soweit, die Schlagzahl wird erhöht.

Speaker: Heute ist eine Rauchbier-Folge und da liegt es nahe, dass ich ein Rauchbier vorstelle und zwar vom Wildwuchsbrauwerk Hamburg, so heißt es ja besser, von Fiete und seiner Gang aus Wilhelmsburg.

Speaker: Die haben ein Rauchbier mit dem schönen Namen Altkanzler.

Speaker: Und auf dem Etikett kann man auch so ein bisschen erkennen, wer das sein sollte, nämlich der 1918, glaube ich, in Hamburg geborene Helmut Schmidt.

Speaker: Seines Zeichens ja.

Speaker: Ehrenraucher der Nation oder was auch immer.

Speaker: Also ich glaube, mit Helmut Schmidt verbindet man neben seiner Bundeskanzlerschaft und seinem Sinn dafür, bei der letzten großen Sturmflut in Hamburg große Hilfe zu leisten und ein großer Organisator zu sein.

Speaker: So verbindet man auf jeden Fall auch Zigaretten mit ihm.

Speaker: Naja, aber wir sind ja wegen dem Bier hier.

Speaker: Und was gibt es dazu zu sagen?

Speaker: Also ein schönes Rauchbier ist mit Cascade-Hopfen gehopft und der kommt auch einigermaßen durch.

Speaker: Natürlich ist das Dominante definitiv der Rauch.

Speaker: Es ist schinkenmäßig, es ist ganz leicht torfig, aber nicht krass dominant, sondern ich finde relativ gut eingebunden ins Bier.

Speaker: Und so ein bisschen Hopfenbittere ist dann am Ende auch noch mit dabei.

Speaker: Das macht es spannend, das macht es ein bisschen vielschichtig.

Speaker: Ja, genauso wie ein Rauchbier sein muss.

Speaker: Nicht langweilig, aber halt auch nicht nur Rauch, sondern einfach auch mal noch eine spannende Hopfennote mit dabei.

Speaker: Und das ist hier gegeben.

Speaker: Ich bin ja nebenbei noch Quiz-Moderator.

Speaker: Manche wissen es, manche kennen mich, waren vielleicht auch schon mal bei mir beim Quiz und da gibt es dann immer irgendwelche Fragen.

Speaker: Und jetzt, wo wir gerade beim Altkanzler sind, Helmut Schmidt, passt natürlich da auch eine gute Quiz-Frage dazu.

Speaker: Nämlich, wisst ihr denn, welche Zigaretten Helmut Schmidt geraucht hat?

Speaker: Ich verrate es euch, denn dann könnt ihr irgendwann mal

Speaker: Vielleicht die Millionenfrage, weil ich könnte ja auch richtig beantworten.

Speaker: Das war ein Reno-Zigaretten-Menthol.

Speaker: Das war eine grüne Schachtel, glaube ich, wo Reno draufstand.

Speaker: Ja, und das war so seine Stammmarke.

Speaker: Das war es schon für heute.

Speaker: Ich freue mich auf die nächste Folge.

Speaker: Ich hoffe, ihr habt ganz viel Spaß mit Gerrit und mit Alex und mit ihrem Gast und lernt ein bisschen was über Rauchbier.

Speaker: Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder

Speaker: einschaltet.

Speaker: Ja, bis bald.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Und jetzt zurück zum Podcast.

Speaker: Ja, jetzt schweifen wir so ein bisschen ab, aber ich muss da nochmal nachhaken, weil das sehr interessant für mich ist, weil ich halt so ein Liebhaber bin und mir gerne mal diese Jahrgangsbiere bestelle und mir die auch immer nochmal in den Keller stelle.

Speaker: Welche Sorten habt ihr denn als Jahrgangsbiere?

Speaker: Das Fastenbier kenne ich, ich kenne den Eichen Doppelbock.

Speaker: Genau, das klassische Rauchbier wird ja mit einem Buchenholzrauchmalz gebraut.

Speaker: Dann zu Weihnachten haben wir einen Doppelbock, der mit einem Eichenholzrauchmalz gebraut wird.

Speaker: Der hat 8% Alkohol, also der kommt ziemlich scharf um die Kurve.

Speaker: Und das war tatsächlich das erste Bier.

Speaker: 2010 haben wir angefangen.

Speaker: Mit den Jahrgangsbieren haben wir erst mit der Eiche gemacht.

Speaker: Und wie wir dann nach ein paar Jahren gemerkt haben, dass das geschmacklich wirklich super funktioniert, haben wir das dann ausgeweitet auf das Fastenbier und auf den Urbock.

Speaker: Das ist unser traditionelles Bockbier für die Herbstzeit.

Speaker: Also muss man ein bisschen ausholen.

Speaker: Hier in Bamberg, der Herbst ist Bockbierzeit.

Speaker: Da haben also alle Brauereien gebraucht.

Speaker: Eigene Bockbiere in der Stadt und auch in der Region.

Speaker: Die Bockanstiche, also der jeweils erste Tag in der jeweiligen Brauerei, wo das Bockbier ausgeschenkt wird, das hat sich in den letzten 40, 50 Jahren zu großen Treffpunkten der örtlichen Bierliebhaber und der Jugend entwickelt.

Speaker: Also das ist wie so ein bisschen Volksfeststimmung.

Speaker: Aber eben nur für einen Abend, bis halt so die erste Charge von den Fässern leer ist und danach geht es dann sozusagen im Normalbetrieb weiter.

Speaker: Und unser Beitrag dazu oder unsere Historie dazu ist eben ein Urbock.

Speaker: Mit Uhr zielt man natürlich auf diese ursprüngliche Form des Bockbieres ab, das eben ja aus der Stadt Einbeck kam.

Speaker: weil eben wir eine sehr traditionelle Herstellungsweise haben mit dem Rauchgeschmack, aber da kommen wir ja nachher noch weiter in den Details mit drauf.

Speaker: Ganz genau.

Speaker: Vielen Dank auf jeden Fall erstmal bis dahin.

Speaker: Aber sag mal, seit wann gibt es denn dann die Brauerei an sich?

Speaker: Ja, also wir haben jetzt nicht die erste Brauurkunde, wo man sagen kann, genau mit dem Datum hat es gestartet.

Speaker: Also die urkundliche Erwähnung geht zurück auf das Jahr 1405.

Speaker: Da war es wohl noch keine gewerbliche Brauerei, wahrscheinlich nur Hausbrauen, wie es ja sehr viele damals gemacht haben.

Speaker: Ab 1485 sind Büttner als Besitzer überliefert.

Speaker: Dazu muss man wissen, dass in Bamberg die Büttner und die Brauer in einer Zunft gemeinschaftlich organisiert waren und im Prinzip immer beides hergestellt haben.

Speaker: Also der Zunftschwur hieß, dass man gute Fässer herstelle und diese mit gutem Bier fülle.

Speaker: Also kurz gesagt, der Brauer hat seine Fässer selber hergestellt und der Fassmacher hat auch Bier gebraut.

Speaker: Also wahrscheinlich ging es 1485 los.

Speaker: Kann man aber nicht 100 Prozent belegen.

Speaker: Der erste wirkliche Nachweis ist von 1538.

Speaker: Da war nämlich ein Breuer und Wirt der Inhaber der Brauerei.

Speaker: Und damals hieß es dann eben auch schon die Brauerei zum Blauen Löwen.

Speaker: Das war also der ganz ursprüngliche Name, bevor es dann eben später weiterging mit Brauerei Heller und irgendwann mit Schlenkerler.

Speaker: Und ja, zuletzt war es ja so, dass du jetzt auch in der, ich glaube, sechsten Generation aktiv bist.

Speaker: Genau, richtig, ja.

Speaker: War das denn bei dir dann von Anfang an klar, dass du in der Brauerei aktiv wirst, dass du es übernimmst oder wie kam deine Entscheidung dazu?

Speaker: Also warst du quasi eine Wiege gelegt?

Speaker: Ja, ich wurde mit der Flasche großgezogen, genau.

Speaker: Naja, meine Familie hat immer schon, und ich tue das ja immer noch, in der Gaststätte gewohnt.

Speaker: Und wenn ich von der Schule heimkam, bin ich durch die Gaststätte in mein Zimmer gelaufen.

Speaker: Oder vom Sport.

Speaker: Das war immer sozusagen Teil der natürlichen Ordnung für mich.

Speaker: Und dass man nicht in einer Gaststätte wohnen konnte, das hat sich mir eigentlich gar nicht so erschlossen.

Speaker: Das kam dann erst später mit Bundeswehr und Studium.

Speaker: Also insofern wirklich von klein auf damit groß geworden.

Speaker: Ich habe keine Geschwister.

Speaker: Insofern war dann auch klar, wenn es ich nicht machen würde, dann braucht man irgendwie eine konstruktive oder kreative andere Lösung.

Speaker: Meine Eltern haben mich jetzt nicht gezwungen.

Speaker: Also die haben nicht gesagt, du musst oder du sollst.

Speaker: Natürlich hat man mir auf positive Art und Weise das Ganze vorgelebt und die positiven Seiten betont, die man hat, wenn man eben selbstständig ist und wenn man so ein altes Haus fortführen kann, aber natürlich auch die Verpflichtung.

Speaker: die da dahinter steckt.

Speaker: Und ich muss ehrlich sagen, ich habe in Teenagerzeiten und so gar nicht groß darüber reflektiert, sondern das war für mich einfach klar, dass ich das fortführen möchte.

Speaker: In der Schule war Geschichte eins meiner Lieblingsfächer oder eigentlich das Lieblingsfach und Schlenkerler ist gelebte Geschichte, Biergeschichte.

Speaker: Außerdem Mathematik und so hat mir ganz gut gefallen, was man ja hier mit dem wirtschaftlichen Hintergrund dann auch braucht.

Speaker: Und spätestens bei der Bundeswehr habe ich gemerkt, dass es doch auch ganz toll ist, wenn du nicht irgendwelche Anweisungen befolgen musst, sondern wenn du dein eigener Chef bist und selber entscheiden kannst, was du tust.

Speaker: Und die Kombination hast du natürlich mit deinem eigenen Betrieb, dass du dich selber organisierst und eben, ja,

Speaker: selber die Anweisungen geben kannst, natürlich auch für alles dann gerade stehst und die Verantwortung, die Verpflichtung hast, aber mir persönlich taugt es einfach und ich glaube, ich wäre ziemlich dumm gewesen, wenn ich was anderes gemacht hätte.

Speaker: Also es macht jeden Tag nach wie vor sehr viel Spaß.

Speaker: Fast alles.

Speaker: Es gibt so ein paar Dinge, so Thema Bürokratie und so, die sind jetzt dann vielleicht eher nervig, aber das hast du ja heute in jeder Arbeit.

Speaker: Also nur happy, happy, fun, fun von früh bis spät.

Speaker: Also das, glaube ich, hat keiner von uns.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Insofern bin ich nach wie vor äußerst zufrieden mit dieser Entscheidung, die ich gemacht habe.

Speaker: War ganz witzig in der Schule im Abschlussjahr.

Speaker: gab es dann natürlich so eine Berufsberatung, wo dann eben so ein Typ da in die Schule reinkam und den Leuten irgendwas nahegelegt hat.

Speaker: Und ich war also der Einzige aus dem ganzen Jahrgang, der sich keinen Termin hat geben lassen, weil ich mir gedacht habe, was soll ich mir das anhören?

Speaker: Gehe ich lieber irgendwo ein Bier trinken oder mache sonst was Schönes?

Speaker: Ja, und hat sich ausgezahlt.

Speaker: Hat alles gepasst.

Speaker: Ja, definitiv.

Speaker: Also lebst du quasi über der Gaststätte?

Speaker: Genau, genau.

Speaker: Immer schon?

Speaker: Immer schon, ja.

Speaker: Also wenn man vor dem Schlenkerler steht, das Fachwerkhaus anschaut, der erste Stock, das war mein Kinderzimmer und heute ist es mein Büro.

Speaker: Und unsere Wohnung ist inzwischen im zweiten Stock im Rückgebäude.

Speaker: Wir waren früher im zweiten Stock im Vordergebäude.

Speaker: Also wir sind innerhalb vom Gebäude mal umgezogen, einfach wegen zwei Kindern, weil du Platz brauchst.

Speaker: Und weil es hinten raus, sage ich mal, die Dominikaner Straße, Sandstraße, wo das Schlenkerler ist, ist so ein bisschen zur Kneipenmeile in Bamberg geworden.

Speaker: Und da ist abends natürlich immer ordentlich was los.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Ja.

Speaker: Das ist natürlich super, davon leben wir auch, ganz klar, muss man mit sagen.

Speaker: Aber wenn die Kinder früh um sechs Uhr raus müssen, um die Schule zu müssen, dann kannst du halt schlecht den Leuten draußen sagen, um neun Uhr so, jetzt hört man mit dem Bier trinken auf.

Speaker: Deswegen haben wir dann den Ausweichweg nach hinten gewählt und das funktioniert dann auch ganz gut.

Speaker: Aber klar, seit vielen Generationen

Speaker: war das immer schon so gewesen.

Speaker: Also tatsächlich haben wir immer so die Familientradition, dass bei der Übergabe von der alten auf die junge Generation die alte Generation ausgezogen ist und sich dann halt was anderes gesucht hat.

Speaker: Und das hat mein Vater im Prinzip auch so gehandhabt.

Speaker: Der hat zwar hier noch, meine Mutter ist vor ein paar Jahren verstorben, mein Vater ist aber noch fit und da.

Speaker: Und der hat noch eine Wohnung hier, lebt aber im Wesentlichen in seinem Gartenhaus, weil er da einfach seine Ruhe und seine Freizeit genießen kann.

Speaker: Meine Urgroßmutter hat das auch so gehandhabt.

Speaker: Und ja, so langsam muss ich mir dann auch mal Gedanken machen, wie ich das in zehn Jahren tue, wenn dann vielleicht meine Kinder übernehmen.

Speaker: So einen kleinen Plan im Hinterkopf gibt es dazu.

Speaker: Also auch da wollen wir die alte Tradition einfach fortführen und der jungen Generation dann natürlich auch freie Hand geben, weil wenn da ständig jemand, dein Vater, deine Mutter neben dir steht und dir über die Schultern guckt und schaut, was du machst.

Speaker: Ja, schwierig.

Speaker: Also das ist, denke ich, so eine Art, ich glaube, das ist so eine ganz spezielle Art Generationenvertrag, den du in Familienunternehmen einfach brauchst, dass du eine sinnvolle Übergabe machst, dass jeder seine Freiräume hat, dass jeder natürlich auf der anderen Seite auch der Verantwortung irgendwo gerecht wird.

Speaker: Also du kannst jetzt nicht ein Haus mit dem Schlenkerler übernehmen und dann verkaufen und sagen, jawohl, super, da mache ich jetzt Party damit oder ich drehe das um und mache einen Pizzaladen draus oder was auch immer.

Speaker: Also du bist da schon eingeschränkter, als wenn du jetzt, sag ich mal, selber was aufbaust.

Speaker: Also bei uns ist immer so ein bisschen die Überlegung, was hätten denn die Ahnen zu dieser oder jener Sache gesagt, wie hätten die entschieden?

Speaker: Das wird immer schon so ein bisschen mit überlegt.

Speaker: Also jetzt nicht als Damoklesschwert oder als Bedrohung aus der Vergangenheit, aber schon so als

Speaker: Leitlinie ein bisschen, um sozusagen nicht nur die Brautradition, sondern auch die Familientradition entsprechend fortzuführen.

Speaker: Und ich glaube, wenn man im Schlenkerler ist, in der Brauereikastätte in Bamberg und so die Atmosphäre da drin wahrnimmt, die alten Bilder an der Wand und so weiter, dann atmet es halt auch sehr viel Familiengeschichte.

Speaker: Und ich glaube, das trägt sehr viel zur Gemütlichkeit vom Haus auch bei.

Speaker: Und dem fühle ich mich natürlich verpflichtet.

Speaker: Ganz stark, logisch.

Speaker: Und ich glaube, du wohnst ganz schön.

Speaker: Wenn ich mich so erinnere, wenn ich da in der Dominikaner Straße stehe, draußen, dann habe ich mein Willi-Becher Merzen in der Hand irgendwie.

Speaker: Es gibt definitiv schlechtere Orte, zumindest als Touristen natürlich, wo man dann Bier trinken könnte.

Speaker: Und wenn ich ehrlich bin, wenn ich jemanden aufs Thema Rauchbier davon überzeugen möchte,

Speaker: dann wäre es wirklich in Bamberg vermutlich an einem milden Sommerabend dann bei euch vorm Gasthaus tatsächlich auf der Straße, weil das ist super, das ist Lebensqualität, das ist so ein schönes Gefühl, wenn man da steht, einfach in der Runde und dieses Bier trinkt und dann schmeckt das auch, ich würde sagen, 90% der Leute mögen das dann.

Speaker: Ja, also das stimmt auf jeden Fall und du triffst immer wieder Leute, es kommt jemand vorbei, du kommst ins Gespräch.

Speaker: Also ich meine, das wird ja heute immer so ein bisschen ausgeblendet bei dieser ganzen Alkoholdebatte oder überhaupt Gastronomie.

Speaker: Wenn wir gucken, wie sehr heute über soziale Medien und so die Leute eigentlich ein Stück weit vereinsamen und dieser Treffpunkt Gastronomie, das verlängerte Wohnzimmer, das wird total unterschätzt, was das auch für die psychische Gesundheit der Leute bedeutet.

Speaker: Über Facebook und Instagram kannst du ja keine echten Freundschaften pflegen.

Speaker: Klar tauscht du dich mit Leuten aus, kriegst ein paar Insights und so weiter, aber diese Emotionenaustausch, dass du einfach mit jemandem an einem Tisch zusammensitzt oder auf der Straße zusammenstehst, egal ob du jetzt ein tiefschürfendes oder ein oberflächliches Gespräch führst, das ist vollkommen egal.

Speaker: Du tauscht diese Gefühle miteinander aus und

Speaker: Ich meine, wir sind soziale Wesen.

Speaker: Seit der Steinzeit sind wir in Gruppen unterwegs.

Speaker: Und jetzt sitzen wir allein vorm Computer.

Speaker: Also das ist schon...

Speaker: ich glaube, das ist der jungen Generation jetzt, wo viele da vielleicht ein bisschen zurückhalten, das sind noch gar nicht so bewusst.

Speaker: Und in Bamberg, wenn du in der Altstadt stehst, das ist ja nicht nur bei uns vor der Tür, sondern auch vor anderen Häusern, wenn du da zusammenstehst, Leute triffst und ins Gespräch einsteigst, da merkst du eigentlich erst, was Menschsein ist.

Speaker: Und das ist total wichtig.

Speaker: Und

Speaker: Ja, Schlückchen Alkohol hilft dann natürlich auch, weil es gibt natürlich die Leute, die, sage ich mal, dadurch etwas lockerer werden und dann auch eher ins Gespräch einsteigen.

Speaker: Und man merkt gar nicht, wie dann die Zeit verrauscht und man einen tollen Abend verbracht hat und am nächsten Tag sich super daran erinnern kann.

Speaker: Ja, spätestens wenn man wach wird und die Zähne nicht geputzt hat.

Speaker: Und dann denkt man, war Kettenraucher.

Speaker: Nein, nein, nein, nein, das ist was anderes.

Speaker: Gerhard, darf ich da mal kurz anschließen?

Speaker: Natürlich, natürlich.

Speaker: Wir haben uns tatsächlich eine Frage überlegt, die eigentlich ganz gut passt.

Speaker: weil du ja sagst, Matthias, die Sandgasse, da geht es rund.

Speaker: Ich würde zwar sagen, Schlenkerler ist eine der prägendsten Wirtschaften in Bamberg oder Gastwirtschaften.

Speaker: Da geht eigentlich jeder mal hin.

Speaker: Ist dieses Erbe und dieser Fokus auf euch und diese Masse an Leuten, die da auch mal an einem Samstag stehen können, bei euch Last oder ist es noch Freude?

Speaker: Es ist auf jeden Fall Freude.

Speaker: Weil wenn ich von meinem Büro rausschaue und sehe da unten die Leute, wie sie lachen, wie sie tolle Gespräche haben, da brauche ich noch nicht mal rausgucken.

Speaker: Das höre ich durch die geschlossenen Fenster durch, wenn sie lachen.

Speaker: Dann kommt zwischendrin mal ein Musiker, dann singt ein Chor zusammen.

Speaker: Das ist echte Lebensfreude und die steckt an.

Speaker: Also da kannst du nicht sagen, das ist negativ oder so.

Speaker: Gibt vielleicht mal einen Schreierer dabei, dem musst du dann halt sagen, so jetzt schrei mal woanders, das will ja keiner.

Speaker: Solche Situationen hast du natürlich mal.

Speaker: Der Fahrradfahrer, der jetzt schnell durchfahren will, der empfindet vielleicht jetzt auch nicht die allergrößte Freude, das muss man fairerweise sagen.

Speaker: Aber das Ganze ist als Spielstraße deklariert da draußen, also im Prinzip eine Fußgängerzone.

Speaker: Und mei, da steht man halt zusammen und zwischendrin dann noch die Reisegruppe, denen die Geschichte vom Schlenkerler erzählt wird oder irgendeine kunsthistorische Besonderheit von der Altstadt.

Speaker: Das macht halt einfach das Leben aus.

Speaker: In München durch die Fußgängerzone kannst du auch nicht mit dem Fahrrad durchbrettern.

Speaker: Das ist halt einmal so.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Insofern ganz klar Freude.

Speaker: Doppelt unterstrichen.

Speaker: Perfekt.

Speaker: Und du hast jetzt schon von dem alten Wirtshaus geredet und dass du so ein bisschen immer an die Ahnen denkst.

Speaker: Das ist ja mit eurer Brauerei und den historischen Kellern wahrscheinlich dasselbe.

Speaker: Dass du da auch immer so ein bisschen versuchst, wie hätten das die Ahnen gemacht?

Speaker: Wie kann man die Moderne in das einbinden, was die Ahnen gemacht haben?

Speaker: Wie anstrengend ist das?

Speaker: Wie viele Steine legst du dir da selbst in den Weg?

Speaker: Frag mal meine Frau, wie viele Steine ich schon aus dem Keller rausgebuddelt habe, um das Ganze zu ermöglichen.

Speaker: Sie macht immer diesen Witz von Herr der Ringe mit den Zwergen, die also zu tief gegraben haben und dann irgendwas erweckt haben, weil wir haben bei uns im Keller eben auch schon einiges gebuddelt und zusätzliche Keller wieder freigelegt, die mit Bauschutt voll waren und so weiter.

Speaker: Also ja, ganz grundsätzlich, die Felsenkeller oben, die gibt es ja schon seit Ewigkeiten.

Speaker: Das Bier wurde früher tatsächlich mal im Rückgebäude von der Brauereigastätte gebraut und dort oben gelagert.

Speaker: Und mein Urgroßvater hat dann vor circa 100 Jahren die Brauerei nach oben verlegt, weil hier unten in der Dominikaner Straße einfach nicht genug Platz war.

Speaker: Alles historisch, alles alt dort oben und in vielen Bereichen natürlich eine große Herausforderung, weil du nicht so produzieren kannst, wie das heute eine moderne Brauerei vielleicht tun würde, die auf die grüne Wiese gebaut ist.

Speaker: Also das geht mit banalen Sachen los, wie der Gabelstapler, der die LKWs beladen muss, der muss auf der Straße das Ganze tun, weil in Brauereigebäude kein Platz ist.

Speaker: Da brauchst du aufwendige bürokratische Genehmigungsverfahren, dass du das überhaupt machen darfst.

Speaker: Wir haben vor ein paar Jahren nach langen Ringen mit dem Denkmalschutz endlich eine PV-Anlage aufs Dach von der Brauerei setzen können, weil wir natürlich viel Strombedarf haben.

Speaker: Also alle solche Sachen, die woanders normal und innerhalb von ein paar Wochen erledigt sind, die gehen bei uns entweder gar nicht oder halt nur nach langen, langen Vorarbeiten.

Speaker: Gleichzeitig hat es auch gewisse Vorteile.

Speaker: Also Thema Lagerung des Bieres, die Reifung von allen Schlenkerlerbieren, die ja noch im Felsenkeller bei uns stattfindet,

Speaker: Da sind wir tatsächlich vergleichsweise energiesparend unterwegs, weil die natürliche Kälte von den Felsenkellern schon mal für eine Grundkühle sorgt und dann brauchst du gar nicht mehr so viel nachkühlen.

Speaker: Das machen wir eigentlich nur am Ende der Lagerung, um eine bessere Abfüllung und eine bessere Eiweißstabilität im Bier zu haben.

Speaker: Da musst du woanders sehr aufwendig Kühlhäuser bauen und entsprechend mehr mit Kühlenergie reingehen.

Speaker: Wir haben tatsächlich jetzt auch, und das illustriert vielleicht die Geschichte ganz gut oder deine Frage ganz gut.

Speaker: Das Besondere am Schlenkerler ist ja, dass wir eine eigene Melzerei mit drin haben, was dann in der Herstellung, kommen wir ja wahrscheinlich nachher noch drauf, auch den Rauchgeschmack letzten Endes im Malz erzeugt und damit im Bier.

Speaker: Und bei der Herstellung von Malz gibt es also im Prinzip drei Produktionsschritte.

Speaker: Zunächst wird das Getreide in Wasser eingeweicht, nennt man das Weichen, dauert ungefähr einen Tag.

Speaker: Danach die Keimung, das Korn keimt für fünf, sechs, sieben Tage, je nach Malzart.

Speaker: Und dann spricht man vom sogenannten Grünmalz und das Grünmalz wird dann eben getrocknet.

Speaker: Diese Keimung passiert heute in modernen Industriemelzereien, in großen Kühlhäusern mit aufwendigen Lüftungsanlagen und Wasserberieselungsanlagen, weil es geht eben darum, dass man für das Korn eine nicht zu warme Temperatur in diesen Häusern hat, weil sonst wächst es zu schnell und zu unregelmäßig und gleichzeitig musst du dann kühlen.

Speaker: weil durch das Wachstum Wärme entsteht und durch das Kühlen trocknest du das Korn aber eigentlich aus.

Speaker: Deswegen musst du wieder mit Wasser nacharbeiten.

Speaker: Also es ist ein relativ diffiziler Prozess, dass du hinterher ein gutes Grünmalz hast.

Speaker: Wir hatten sowas auch bis vor einigen Jahren, so ein modernes Keimkasten-Kühlhaus-Konstrukt.

Speaker: Und da hatte mein Vater in den 1970er Jahren gebaut und war also dann an der Zeit, dass das alles erneuert wurde.

Speaker: Und ich hatte in alten Texten eben gelesen, weil früher gab es ja keine künstliche Kühlung, wie haben die Brauer das früher gemacht?

Speaker: Wie haben die die Temperatur in ihrem Malz kontrolliert?

Speaker: Nun ganz einfache Sache, also entweder haben sie nur im Winter gemälzt, das war die eine Variante, oder was eben hier im Amberg gemacht wurde,

Speaker: Die haben das Melzen, also dieses Keimen in den Felsenkellern gemacht, weil die eben von Natur aus kalt sind.

Speaker: Damit war dann in mir die Idee geboren, okay, das ist die Historie, die möchte ich wiederherstellen.

Speaker: Jetzt brauche ich einen modernen Maschinenbauer, der mir das so baut, dass es also mit den modernen Hygieneanforderungen und mit der Arbeitssicherheit und was es eben heute alles so gibt, was vor 100 Jahren kein Menschen gekümmert hat, zusammenpasst.

Speaker: Und das war dann ein Projekt, was sich also über viele Jahre hingezogen hat.

Speaker: Und im Ergebnis haben wir jetzt zwei weltweite Prototypen für viel, viel, viel, viel Geld, die im Felsenkeller bei uns stehen und auf historische Art und Weise das Grünmalz bereiten.

Speaker: Ohne künstliche Kühlung.

Speaker: Also wir brauchen keine Kälteanlage.

Speaker: Wir sparen total viel Strom in der Herstellung.

Speaker: Wir brauchen eine Lüftungsanlage wegen Arbeitssicherheit und CO2.

Speaker: Das ist der einzige Kompromiss, den wir natürlich eingehen mussten, weil du willst ja nicht, dass da jemandem was passiert.

Speaker: Und dieses Wenden des Grünmalzes, was du früher mit der Schaufel gemacht hast, läuft dort unten automatisiert, weil das kannst du arbeitstechnisch heute auch keinem mehr zumuten,

Speaker: dass du da zwei-, dreimal am Tag hunderte von Kilo Gerste hin und her schaufelst.

Speaker: Dafür kriegst du kein Personal mehr.

Speaker: Wir haben sozusagen das Beste aus der alten und aus der neuen Welt zusammengebracht, weil wir, als wir das dann vor zwei Jahren angefangen haben, haben wir dann festgestellt, dass tatsächlich die Grünwalzqualitäten, die in dieser feuchten Luft, in dem Felsenkeller von Natur aus entstehen,

Speaker: eigentlich besser sind als das, was aus den modernen Kühlhäusern rauskommt.

Speaker: Also der Schritt zurück hat uns tatsächlich einen qualitativen kleinen Vorteil gebracht.

Speaker: Finanziell brauchen wir nicht drüber reden.

Speaker: Also für das Geld, was wir da rein investiert haben, hätten wir die nächsten 50 Jahre alles zukaufen können.

Speaker: Aber darum geht es nicht.

Speaker: Es geht um diese Bewahrung der alten Tradition und natürlich auch darum, dass man eine Besonderheit hat, die andere jetzt so nicht machen.

Speaker: Also damit sind wir wirklich weltweit einzigartig.

Speaker: Zumindest habe ich noch von niemandem anderen gehört, der sowas in der Richtung macht.

Speaker: Augustiner München, die machen so ein bisschen Melzung im Keller unten, aber das ist eine andere Geschichte eigentlich, weil das ist ein gemauerter Keller und kein historischer Felsenkeller.

Speaker: Und ja, also ich bin jedes Mal, freue ich mich wie ein Honigkuchenpferd, wenn ich da unten drin bin und diese Anlage laufen sehe.

Speaker: Also das macht richtig Spaß.

Speaker: Richtig gut.

Speaker: Das ist der einzige, der schimpft.

Speaker: Aber das beantworte, glaube ich, meine Frage, wie aufwendig es ist, in so einem Felsenkeller zu arbeiten und zu brauen, wo man da irgendwelche Prototypen holen muss.

Speaker: Es schließt sich aber natürlich an, kann man überhaupt innerhalb dieser Felsenkeller aktuell noch expandieren oder seid ihr irgendwie so, dass ihr sagt, mehr geht nicht mehr?

Speaker: Also wir haben noch drei oder vier Abteilungen, die ungenutzt sind.

Speaker: Also theoretisch vom Keller würde es gehen.

Speaker: Also zum Beispiel weitere Lagertanks oder wie auch immer.

Speaker: Das ist aber nicht der Flaschenhals in der Produktion.

Speaker: Der Flaschenhals bei uns ist tatsächlich die Malzherstellung, also die Darre, wo das Malz über dem offenen Feuer getrocknet wird.

Speaker: Da können wir letzten Endes nicht mehr machen, als wir jetzt herstellen.

Speaker: Und auch im Sudhaus und Flaschenfüllung und so sind wir eigentlich auch überall ziemlich am Limit.

Speaker: Also die gesamte Produktionskapazität liegt irgendwie bei uns oder die Auslastung.

Speaker: liegt bei über 90 Prozent.

Speaker: Punktuell kannst du ein bisschen was machen, mit den Sorten ein bisschen hin und her spielen, das eine oder andere historische Rezept sich noch ausdenken, da machen wir ja auch permanent was.

Speaker: Aber dass wir jetzt richtig expandieren könnten im Sinne von, dass wir jetzt die Produktion die nächsten zehn Jahre verdoppeln oder um 50 Prozent erhöhen, das ist bei uns nicht drin und das ist auch nicht das Ziel.

Speaker: Also darum

Speaker: Darum geht es uns nicht.

Speaker: Also wir wollen nicht Hektoliter maximieren oder Gewinn maximieren.

Speaker: Da müssten wir dann ganz anders an das Thema rangehen, sondern da bin ich eben wieder bei meiner Familiengeschichte.

Speaker: Das haben auch meine Vorfahren immer so gehandhabt.

Speaker: Es geht tatsächlich darum, diese alte Tradition zu bewahren, das Rauchbier zu bewahren, weil mehr Geld verdienen könnten wir auf andere Art und Weise.

Speaker: Aber es macht halt nicht so viel Spaß.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Und vielleicht mal eine ganz interessante Frage, welche Marken gehören denn eigentlich alles so zur Hellerbräu?

Speaker: Also du hast jetzt ausgiebig nochmal davon erzählt, überwiegend dann Schlenkerler, sag ich mal, aber ich kenne zumindest noch irgendwie Heinzlein, gibt es, ne?

Speaker: Hell und dunkel, das sind die alkoholarmen, glaube ich, Biere, wenn ich mich recht erinnere.

Speaker: Stiftsgartenbier hatte ich auf jeden Fall nochmal irgendwie abgespeichert.

Speaker: Ganz neu hatten wir, ich glaube, in einer der letzten Folgen hatten wir schon mal die Biere von Konrad Gaser, die jetzt ganz brandaktuell sind, probiert.

Speaker: Und da hatten wir uns ja auch in Tallinn drüber nochmal ein bisschen unterhalten.

Speaker: Ja, erzähl doch mal ein bisschen, was gehört denn, was für Marken verbinden oder können wir denn noch mehr verbinden mit euch?

Speaker: Also ganz grundsätzlich gibt es eigentlich nur zwei Marken.

Speaker: Der Kern von der Hellerbräu ist das Schlenkerler Rauchbier.

Speaker: Und daneben als zweite Marke, das haben wir im Prinzip vor sechs Jahren gestartet, ist diese Marke Graser.

Speaker: Und zu Graser gehört dann das Heinzlein, das Stiftsgarten und diese ganzen anderen historischen Wiederentdeckungen dazu.

Speaker: Der Hintergrund von dem Ganzen ist eigentlich folgender.

Speaker: Der Original Schlenkerler, das war der Andreas Graser, die zweite Generation meiner Familie.

Speaker: Sein Vater, der Konrad Graser,

Speaker: Der war der Bräu in der Brauerei Michelsberg oben als Pächter, und zwar ein Vierteljahrhundert lang, von 1840 bis 1865.

Speaker: Die Brauerei Michelsberg ist eigentlich die älteste Brauerei von Bamberg.

Speaker: Die geht zurück bis auf das 11.

Speaker: Jahrhundert, also Benediktinerkloster.

Speaker: Das ist diese große Klosteranlage, die über der Stadt thront.

Speaker: Und die haben dort oben bis 1969 gebraut, also bis 1800 als Klosterbrauerei.

Speaker: Dann nach der Säkularisation war es eine städtische Stiftung und diese Stiftung hat die Brauerei eben an private Braumeister verpachtet und einer davon war der Konrad Graser.

Speaker: Und 1969 sind die letzten zwei Pächter, das waren zwei Brüder, innerhalb von drei Monaten überraschend verstorben.

Speaker: Und dann wurde der Braubetrieb eingestellt, weil er oben am Michelsberg in dieser alten Klosteranlage aus diversen Gründen nicht mehr möglich war.

Speaker: Also es ging damit los, dass die LKWs nicht in den Hof fahren konnten und so weiter.

Speaker: Und heute befindet sich dort das Fränkische Brauereimuseum.

Speaker: Also das wurde alles bewahrt, die Räumlichkeiten.

Speaker: Da ist ein altes Sudhaus drin, sieht man alte Lagerfässer und so weiter.

Speaker: Also ganz spannend, wenn man so einen Blick in die Historie des Bräumlichkeiten

Speaker: der Bierherstellung reinwerfen will.

Speaker: Und ja, der Konrad Graser, wie gesagt, hat das ein Vierteljahrhundert dort oben lang geleitet.

Speaker: Und mir ist das eigentlich alles erst so vor zehn, zehn, elf Jahren bewusst geworden.

Speaker: Meine Großmutter ist 2015 verstorben mit 104 Jahren.

Speaker: Mit Bier wird man alt, offensichtlich.

Speaker: Zumindest auf die eine oder andere Weise.

Speaker: Und in ihrem Nachlass gab es so eine große Holztruhe.

Speaker: Die stand schon eigentlich immer bei uns hier im alten Haus, aber man hat da nie groß reingeschaut.

Speaker: Und als es dann eben darum ging, die ganzen Dinge zu ordnen und so, was man halt so macht in so einer Situation,

Speaker: haben wir eben auch die Truhe durchgeschaut.

Speaker: Und siehe da, da fanden sich ganz viele alte Bücher zum Bierbrauen, 200, 300 Jahre alt.

Speaker: Die Protokolle der Bamberger Bierbrauer Vereinigung aus dem 19.

Speaker: Jahrhundert.

Speaker: Da war einer meiner Vorfahren nämlich der Schriftführer und der hat es schlicht und ergreifend alles da drin gesammelt sozusagen.

Speaker: Es gab ein altes handschriftliches Kochbuch aus der Brauereigastätte,

Speaker: Von einer Urgroßtante von mir, die also 30 Jahre lang unten die Küche geleitet hat.

Speaker: Da hat unser Küchenchef auch schon ein paar Sachen daraus hervorgezaubert und neue Rezepte aufgelegt.

Speaker: Und das Kronjuwel aus dieser Truhe war ein handschriftliches Sudprotokollbuch von Konrad Graser.

Speaker: Der hat nämlich von 1840 bis 1854 jeden einzelnen Sudbier aufgeschrieben, den er gemacht hat.

Speaker: Und zwar sehr detailliert.

Speaker: Also mit Wassermenge, Hopfenmenge, Malzmenge, wie die Gärung gelaufen ist und so weiter.

Speaker: Also sehr, sehr ausführlich das Ganze.

Speaker: Und als ich das gesehen habe, habe ich mir gleich gedacht, Mensch, das ist Wahnsinn, da müssen wir irgendwas draus machen.

Speaker: Ich habe dann erst einen Historiker gehabt, der mir das in moderne Schrift übertragen hat, weil diese alte Schreibschrift konnte ich kaum entziffern.

Speaker: Und dann hat mir mein Biergeschichte-Professor aus Weinstephan, Professor Dr. Meusdorfer, sehr interessiert.

Speaker: bei der Analyse der Rezepte geholfen, weil das war ja nicht wie heute so und so viele Liter und so und so viele Kilogramm, sondern das waren alles alte Maßeinheiten.

Speaker: Also Biermengen wurden zum Beispiel in Eimern gemessen.

Speaker: Ja, aber wie viel ist ein Eimer?

Speaker: Das war zum Glück ein definiertes Maß.

Speaker: Es gab also den Münchner Eimer, es gab den Bamberger Eimer.

Speaker: Also das kann man umrechnen.

Speaker: Der Bamberger Eimer waren 68 Liter zum Beispiel.

Speaker: Und so ging es also weiter.

Speaker: Interessant.

Speaker: Durch alle Sachen hindurch.

Speaker: Das hat sich dann also wirklich ein paar Jahre hingezogen, bis man das dann auch alles ein bisschen analysieren konnte, bis ich auch entsprechend Sekundärliteratur dazu gelesen habe.

Speaker: Wie haben die denn damals überhaupt gebraut?

Speaker: Auch die Bücher natürlich gesichtet habe.

Speaker: Es gibt zwei sehr gute Bücher zum Bamberger Bierbrauen aus dem 19.

Speaker: Jahrhundert.

Speaker: Und da ist dann in mir so die Idee gereift, dass man diese ganzen alten Brautechniken, die da erwähnt wurden, die sind nämlich

Speaker: Ganz viele Brautechniken sind in der Industrialisierung verloren gegangen, weil die eben für den massenmarkttauglichen oder für die günstigere, modernere Bierproduktion, die dann auch mit Maschineneinsatz natürlich gearbeitet hat, da waren viele von diesen alten Handwerkstechniken zu aufwendig.

Speaker: Die hat man...

Speaker: Sank und klanglos beerdigt, sage ich mal.

Speaker: Ganze Bierstile hat man beerdigt, wie zum Beispiel das Heinzlein.

Speaker: Und da ist also wahnsinnig viel verloren gegangen.

Speaker: Und da ist diese Idee in mir gereift, diese alten historischen Biersorten, die muss man eigentlich zurückbringen oder diese Handwerkstechniken.

Speaker: Und wenn wir das jetzt unter dem Namen Schlenkerler gemacht hätten, hätten wir tun können.

Speaker: Dann hätten aber alle Leute Rauchbier erwartet.

Speaker: Dann hätten wir also auf einmal, ich weiß nicht, 25 verschiedene Rauchbiere gehabt.

Speaker: Wie wir vorhin schon kurz angedeutet haben, hat der eine oder andere mit Rauchbier ja so ein kleines Berührungsproblem.

Speaker: Also wäre vielleicht da ein bisschen schwierig gewesen und vor allem, und das ist jetzt eigentlich der entscheidende Punkt, das Raucharoma im Bier ist was relativ Dominantes.

Speaker: Wenn du ein Rauchbier trinkst, dann ist es ein sehr vordergründiger Geschmack.

Speaker: Und viele von diesen alten Handwerkstechniken bringen auch besondere Geschmacksnuancen, die aber sehr fein und nur leicht wahrnehmbar sind.

Speaker: Und

Speaker: Das würde vom Rauch einfach überdeckt werden.

Speaker: Und deswegen habe ich ganz bewusst die Entscheidung getroffen und habe gesagt, wir wollen das nicht als Rauchbiere machen, sondern eben schon mit modernen rauchfreien Malz, weil das gab es zur Zeit vom Konrad Graser schon.

Speaker: In der Tat hatten zu seiner Zeit schon relativ viele Brauereien umgestellt.

Speaker: Und vor dem Hintergrund war es einfach historisch plausibel und auch möglich und sinnvoll, dass wir das als nicht rauchige Biere machen.

Speaker: Dankenswerterweise hat Konrad Graser auch nichts von Rauchmalz in seinen Rezepturen geschrieben.

Speaker: Also er hat uns auch die Freiheit gelassen, dass wir das so machen können.

Speaker: Und das war also so die Grundidee hinter den Graserbieren.

Speaker: Und wir haben dann in der Corona-Zeit gestartet mit dem Heinzlein, ein alkoholarmes Bier, was tatsächlich früher Wasserersatz für die Leute gewesen ist.

Speaker: Bis Mitte, Ende 19.

Speaker: Jahrhundert gab es ja noch keine Kanalisation.

Speaker: Es gab keine Wasseraufbereitung in irgendeiner Form.

Speaker: Mikrobiologie war mehr oder weniger unbekannt.

Speaker: Das kam ja dann erst mit Louis Pasteur.

Speaker: Und deswegen war Wasser häufig keimbelastet und eigentlich krankmachend.

Speaker: Und das Bier war im Vergleich zum Wasser historisch gesehen die sichere Alternative, weil das Bier wurde abgekocht.

Speaker: Da waren die Keime also dann schon mal abgetötet.

Speaker: Und durch die Gärung kommt es zu einem pH-Sturz im Bier, also einem pH-Absinken, was dann pathogenen Keimen das Leben schwer macht.

Speaker: Also in einer Bieratmosphäre, in einem Bier, können normalerweise pathogene Keime nicht überleben.

Speaker: Also sprich, es kann auch nicht reinfiziert werden.

Speaker: Und der Hopfen wirkt dann auch nochmal bakteriostatisch.

Speaker: Und es war tatsächlich so, das ging aus einem der alten Bücher hervor,

Speaker: dass in Bamberg hier das Heinzlein ein Drittel der Gesamtproduktionsmenge der Brauereien ausgemacht hat.

Speaker: Also wirklich Wasserersatz und die Leute haben den ganzen Tag letzten Endes Heinzlein getrunken und abends kam dann halt das normale Bier.

Speaker: Und in Corona hatte man Zeit für sowas und viele Leute waren ja dann auch die ganze Zeit zu Hause gesessen und mit ihrem Flaschenbier.

Speaker: Und da hat es einfach wunderbar reingepasst in die Zeit und überhaupt jetzt, wo viele Leute alkoholarm, alkoholfrei trinken wollen.

Speaker: Und deswegen haben wir eben im Heinzlein gestartet.

Speaker: Das Stiftsgartenbier kam dann 2021 zu einem Jubiläum von der Michelsberger Kirche oben, also der alten Klosterkirche.

Speaker: Das ist dann schon ein klassisches Rezept.

Speaker: Rezept Nummer 13 haben wir, glaube ich, genommen aus dem Sudbuch.

Speaker: Sehr vollmundig, malzaromatisch mit 5,7 Prozent Alkohol, also ein bisschen stärker.

Speaker: Und jetzt seit letztem Jahr gibt es also eine ganze Serie von Graserbieren, ein Braunbier, ein Felsenkellerbier, ein historisches Pilz, ein Lager.

Speaker: Und in jedem von diesen Bieren steckt eine brauhistorische Besonderheit drin.

Speaker: Also wir wollen mit jedem Bier einen alten Geschmack wiedererlebbar machen, der durch die Industrialisierung verloren gegangen ist.

Speaker: Kann man so sagen, dass diese historische Erhaltung eigentlich so der Kern eures Unternehmens ist?

Speaker: Ihr wollt versuchen, die Historie zu erhalten?

Speaker: Ja, also das ist wirklich absolut auf den Punkt gebracht, das worum es in der Hellerbräu, im Schlenkerla und jetzt dann auch beim Graser natürlich geht, dass man diese alten Traditionen bewahrt.

Speaker: Und das ist tatsächlich bei uns auch immer Familiengeschichte.

Speaker: Also mein Vater hat immer gesagt, der Vergangenheit verpflichtet, der Zukunft zugewandt.

Speaker: Ja, das war so sein Motto.

Speaker: Mein Motto ist, dass Traditionen bewahren heißt nicht die Asche aufzuheben, sondern das Feuer weiterzugeben.

Speaker: Und das ist ja das, was wir in der Darre von der Schlenkerler Melzerei jeden Tag im Prinzip machen, dass das Feuer eben weiter brennt und der Rauch in das Bier hineinkommt.

Speaker: Also das ist wirklich, worum es im Schlenkerler geht, diese alte Traditionsbewahrung.

Speaker: Auf den Punkt gebracht.

Speaker: Das ist sehr schön.

Speaker: Wir haben jetzt schon ein paar Mal so dieses Thema Darre und diesen Rauchgeschmack angerissen.

Speaker: Bevor wir ein bisschen in diese Geschichte einsteigen, warum ihr das macht und wie das aufwendig ist.

Speaker: Gibt es ein Bier, wo du sagst, jeder sollte mal dieses Bier getrunken haben, das steht für uns wie kein zweites?

Speaker: Gibt es das?

Speaker: Das wäre auf jeden Fall das klassische Rauchbiermerzen.

Speaker: Also das ist das Aushängeschild.

Speaker: Das ist die Rezeptur, die seit Jahrhunderten nicht verändert wurde.

Speaker: Also das haben wir immer gleich gebraut.

Speaker: Als ich von meinem Vater übernommen habe, haben wir im Wesentlichen nur dieses eine Bier gebraut.

Speaker: Also wir waren fast so eine Einsortenbrauerei, wie man das ja früher von anderen Brauereien auch gekannt hat.

Speaker: Und das ist das klassische Rauchbier schlechthin, das Schlenkerler Rauchbiermerzen.

Speaker: Sehr gut.

Speaker: Finde ich auch übrigens hervorragend, wenn man das bei euch vor Ort direkt aus dem Holzfass trinkt.

Speaker: Das ist wirklich nochmal das nächste Level, würde ich sagen.

Speaker: Jeder, der das aus der Flasche nicht so gern mag, sollte mal nach Bamberg und sich das dort vom Fass kaufen.

Speaker: Das ist nochmal was ganz anderes.

Speaker: Einfach nochmal ein bisschen weicher und runder auf dem Gaumen.

Speaker: Das ist genial.

Speaker: Also es geht mir tatsächlich auch so.

Speaker: Ich trinke es viel lieber aus dem Holzfass als aus der Flasche.

Speaker: Und wir haben noch eine Hörerfrage, wenn wir nochmal beim Standort sind.

Speaker: Und zwar ch.sch.ba.

Speaker: Wann gibt es in Bamberg ein gescheites Brauereimuseum?

Speaker: Du hattest gerade nochmal was von einem Museum erwähnt.

Speaker: Es gibt das fränkische Brauereimuseum.

Speaker: Das wird ehrenamtlich von ehemaligen Braumeistern und Brauern geführt.

Speaker: Die kämpfen immer so ein bisschen mit der Finanzierung, weil da natürlich auch dieses Stiftungsmanagement von der Stadt mit drin ist.

Speaker: Also ich finde, die machen einen super Job da oben, wird alles super bewahrt.

Speaker: Das Problem, in Anführungszeichen, was vielleicht so ein bisschen dahinter ist, die Leute, die Brauereimuseen kennen, denken normalerweise an sowas wie das Kulmbacher Brauereimuseum oder bei der Brauerei Meisel in Bayreuth, wo halt eine Großbrauerei dahintersteht mit den entsprechenden finanziellen Mitteln und hauptamtlichem Personal, was sich da alles darum kümmert, inklusive Führung und alles, was dazu gehört.

Speaker: Das hat das Fränkische Brauereinmuseum in Bamberg nicht, weil es eben ein Verein ist und kein gewerbliches Unternehmen.

Speaker: Da müssten im Prinzip ein bisschen andere Strukturen geschaffen werden, dass irgendwie städtische Angestellte oder wie auch immer das organisieren würden, weil man würde ja nicht wollen, dass so ein alter Standort jetzt auf einmal zu einem großen Braukonzern gehört, nur dass da ein paar Mittel sind, um irgendwelche Leute zu finanzieren.

Speaker: Aber ich verstehe das Ansinnen.

Speaker: Also manche Leute haben da so ein

Speaker: Das soll jetzt nicht negativ klingen, so ein Bier-Erlebnis-Park ein bisschen im Kopf, dass du halt Verkostungen drin hast, dass es Schaubrauen gibt, dass da Action ist, dass sich da was tut.

Speaker: Und das kann natürlich ein ehrenamtlich getragener Verein so nicht leisten.

Speaker: Und insofern kann ich verstehen, dass der eine oder andere da sagt, naja, das hätte ich mir jetzt vielleicht anders vorgestellt.

Speaker: Aber es ist halt der historische Standort, wo früher tatsächlich gebraut wurde.

Speaker: Also wie so ein bisschen was Sakrales das Ganze hat.

Speaker: Und in der Kirche hast du ja auch nicht so viel Action normalerweise.

Speaker: Insofern passt es vielleicht ganz gut.

Speaker: Ja, okay.

Speaker: Und ein weiterer User, und zwar Herr Weyermann möchte gerne wissen, wie ist denn eigentlich die Beziehung der Brauer in Bamberg untereinander?

Speaker: Es kam die Frage von einem Herrn Weyermann.

Speaker: Ne, Weimann.

Speaker: Ach Weimann, jetzt hat ich dachte hier schon Melzerei Weiermann aus Bamberg stellt Fragen.

Speaker: Das wär's, ja.

Speaker: Das wär's, genau.

Speaker: Also das Verhältnis der Brauer in Bamberg ist, denke ich, sehr gut.

Speaker: Wir treffen uns regelmäßig, um diverse Dinge zu besprechen, also gemeinsame Bierveranstaltungen, irgendwelche Markenauftritte, Werbung und so weiter.

Speaker: Und es funktioniert, denke ich, alles relativ gut.

Speaker: Also natürlich gibt es den einen oder anderen Konkurrenzdruck auch untereinander.

Speaker: Da sind wir als Schlenkerler jetzt vielleicht so ein bisschen außen vor, weil das Rauchbier da doch eine besondere Geschichte ist, also mit der Brauerei Spezial.

Speaker: der anderen Rauchbierbrauerei arbeiten wir sehr gut zusammen.

Speaker: Gerade diesen Tag der Rauchbierbewahrung machen wir auch entsprechend zusammen.

Speaker: Und wie es immer so ist in so Gemeinschaften, manche bringen sich etwas mehr ein und andere etwas weniger.

Speaker: Aber grundsätzlich positives und gutes Miteinander und vor allem jetzt kein irgendwie gegeneinander oder gegeneinander bekämpfen, wie man das vielleicht von woanders kennt.

Speaker: Passt schon, würde der Bamberger sagen.

Speaker: ist doch nicht gelobt ist... Wie sagt man, nicht gelobt ist geschimpft, ist gelobt genug.

Speaker: Nicht geschimpft ist globt genug, genau.

Speaker: Dementsprechend glaube ich, die fränkische Rebensart passt da auch.

Speaker: Er ist gerade auch erwähnt, noch die Brauerei Spezial.

Speaker: Es gibt zwei Brauereien auf der Welt, die tatsächlich ihr malz noch selber darren.

Speaker: Ich habe jetzt schon mal so eine Melzerei grob von innen gesehen, aber glaube ich auch nur

Speaker: Im Fernsehen, ehrlich gesagt.

Speaker: Wie unterscheidet sich jetzt so eine Rauchmalz-Darre von einer ganz normalen Darre?

Speaker: Und wie aufwendig ist das Ganze?

Speaker: Also kleine Korrektur, Spezial und Schlenkerler sind die einzigen Brauereien weltweit, die das Rauchbier von alter Zeit bis heute bewahrt haben und eben noch eine klassische Rauchdage haben.

Speaker: Es gibt tatsächlich auch andere Brauereien, die selber das Malz komplett herstellen, aber dann eben mit modernen darin ohne Rauchgeschmack.

Speaker: Also zum Beispiel der Augustin in München stellt auch noch selber Malz her.

Speaker: Nicht das Ganze, was er braucht, sondern einen kleinen Teil, aber eben mit allen Prozessschritten mit drin.

Speaker: Grundsätzlich habe ich ja vorhin schon kurz erwähnt, gibt es drei Prozessschritte bei der Malzherstellung.

Speaker: Das Einweichen, das Keimen und dann das Trocknen.

Speaker: In der modernen Melzerei passiert die Trocknung mit Heißluft, die mit einem konventionellen Heizsystem erzeugt wird.

Speaker: Ein großer Föhn.

Speaker: Ölbrenner, Gasbrenner, ein großer Föhn, so kann man es sich vorstellen.

Speaker: Öl oder Gasbrenner.

Speaker: Irgendwann wird es wahrscheinlich mal die Wärmepumpe sein, die elektrisch betrieben ist oder wer weiß, was da noch alles erfunden wird.

Speaker: Aber das Entscheidende ist, dass diese Heißluft, die das Malz trocknet, letzten Endes aromafrei ist.

Speaker: Also da kommt jetzt nicht das Abgas vom Gasfeuer mit rein oder sonst noch irgendwas, sondern es ist einfach eine Trocknungsluft, um das Getreide, das Grünmalz zu trocknen.

Speaker: Ähnlich wie tatsächlich auch das Getreide nach der Ernte getrocknet werden muss, damit es lagerfähig ist.

Speaker: Historisch gesehen konnte man das nicht so ohne weiteres herstellen.

Speaker: Historisch gesehen, wenn man einen Malz trocknen wollte, gab es nur zwei Möglichkeiten.

Speaker: Entweder man hat es in der Sonne getrocknet, wenn es eben warm und trocken genug gewesen ist.

Speaker: Also da, wo Bierbrauen erfunden wurde vor 10.000 Jahren im Nahen Osten, da hat man das wahrscheinlich so gemacht.

Speaker: Hier in unseren Breitengraden mit dem feuchten Klima und immer wieder Regen.

Speaker: Also zumindest vor Klimawandelzeiten konntest du dich ja nicht darauf verlassen, dass du längere Trockenphasen hast.

Speaker: Da musste man das Grünmalz also über einem offenen Feuer trocknen.

Speaker: Das war die einzige Möglichkeit, die es gab.

Speaker: Und wenn man ein Grünmalz über einem offenen Feuer trocknet, dann war es also damals unvermeidbar, dass der Rauch von diesem Feuer in das Grünmalz mit eingedrungen ist, als Nebeneffekt sozusagen, und das Malz geräuchert hat.

Speaker: Und wenn man dann ein Bier aus diesem Malz gebraut hat, hat das Bier eben auch ein Raucharoma, einen Rauchgeschmack gehabt.

Speaker: Und das war tatsächlich in unseren Breitengraden die ursprüngliche und die einzige Form der Bierherstellung.

Speaker: Also wenn wir eine Zeitmaschine hätten und könnten 500 Jahre in die Vergangenheit zurückreisen, dann würden wir also feststellen, dass alle Biere ein mehr oder weniger rauchiges Aroma haben.

Speaker: Also je nachdem, wie die Dara jetzt genau konstruiert war, war das vielleicht ein wenig weniger oder ein wenig stärker intensiv.

Speaker: Aber da war definitiv immer ein Rauchgeschmack dabei.

Speaker: Da gibt es auch alte Ausgrabungsstätten, die das belegen.

Speaker: Rauchdarren, also die älteste Rauchdarren in Deutschland, die ich jetzt kenne, ist aus dem Jahr 500 vor Christus, also zweieinhalbtausend Jahre.

Speaker: Also das war wirklich die ursprüngliche Art und Weise, wie man Malz getrocknet hat.

Speaker: Und das war über Zehntausende oder über Tausende von Jahren so.

Speaker: Bis zur Industrialisierung, bis zum 17.

Speaker: Jahrhundert.

Speaker: Also in England kam es dann zu einer folgenschweren Umwandlung.

Speaker: England hatte seine Wälder abgeholzt und Holz war also knapp und teuer geworden, wahrscheinlich für den Schiffsbau.

Speaker: Die große Flotte, die man ja immer gebraucht hat, Kolonialisierung, die diversen Kriege, die man permanent geführt hat, gegen Spanier, gegen Franzosen, gegen Holländer und wen auch immer.

Speaker: Und wenn man ein Rauchmalz herstellen will, dann braucht man also ein sehr aromatisches Holz, damit der Rauch eben dann auch angenehm im Malz und im Bier schmeckt.

Speaker: Und das war also sehr teuer geworden.

Speaker: Die Engländer mussten Holz im großen Stil importieren, vor allem von den Holländern.

Speaker: Die Holländer, nicht weil die jetzt in Holland einen Haufen Wälder hatten, sondern die Holländer waren die große Handelsnation der Zeit und die haben das Holz aus dem Baltikum geholt, aus Skandinavien, Estland, Litauen und aus Russland, also was später Russland wurde.

Speaker: Modern interpretiert könnte man also sagen, dass England von Energieimporten aus dem Osten abhängig war.

Speaker: Und da haben wir ja vor ein paar Jahren gemerkt, das ist jetzt nicht so eine ideale Situation.

Speaker: Gleichzeitig haben die Engländer regelmäßig mit den Holländern Krieg geführt.

Speaker: Das merken wir jetzt gerade aktuell.

Speaker: Wenn du mit dem, der dich mit Energie versorgt, Krieg führst, ist das auch eine schlechte Situation.

Speaker: Und aus dieser Zwickmühle wollten die Engländer also raus und wollten auf einen heimischen Brennstoff umstellen, also so eine ganz frühe Form von Brexit, wenn man so will.

Speaker: Also Historiker können dir immer Parallelen bringen.

Speaker: Geschichte wiederholt sich permanent.

Speaker: Es ist immer wieder das Gleiche, nur mit anderen Vorzeichen.

Speaker: Und man wollte umstellen auf die Kohle als Brennstoff.

Speaker: Die Kohle war ja auch, sage ich mal, der Treibstoff der Industrialisierung.

Speaker: Die Hochöfen, wo das Metall geschmolzen wurde, die Dampfmaschine, die ja dann die Grundlage für die modernen Fabriken gewesen ist, für die Massenproduktion.

Speaker: Alles wurde mit Kohle angetrieben und man wollte also auch das Malz mit Kohle trocknen, mit einem Kohlefeuer.

Speaker: Das Problem war jetzt aber, dass der Rauch von Kohle halt sehr beißend, sehr unaromatisch ist und entsprechend hat dann das Malz und das Bier nicht besonders gut geschmeckt.

Speaker: Und man brauchte also eine Technologie, um diesen Rauch herausfiltern zu können.

Speaker: Und da hat ein Engländer, Nicholas Holtz aus Cornwall, hat eine entsprechende Erfindung gemacht.

Speaker: Im Prinzip so eine Art Luftfilter, jetzt mal ganz übertrieben formuliert.

Speaker: Also er hat einen Weg gefunden, wie er den Rauch von der Hitzequelle nach außen leiten konnte, bevor dann tatsächlich die Heißluft

Speaker: Das Malz getrocknet hat und er hat für diese Erfindung am 23.

Speaker: Juli 1635, also heute vor fast 400 Jahren, ein Patent vom englischen König bekommen.

Speaker: Das muss man auch dazu wissen.

Speaker: Also die Tatsache, dass es überhaupt ein Patentwesen gab, da war England führend gegenüber dem Rest der Welt.

Speaker: Und dieses Patentwesen hat eben dafür gesorgt, dass sehr viele Erfindungen gemacht wurden, also auch die Dampfmaschine und so weiter.

Speaker: Ohne Patentwesen hätte es ja keinen Anreiz gegeben, eine Erfindung zu machen, weil du kannst davon ja nicht ökonomisch profitieren.

Speaker: Und Patente sorgen eben sehr schnell dafür, dass die Kreativität in Schwung kommt und dass eben neue Techniken entwickelt werden.

Speaker: Und England war da eben absolut führend.

Speaker: Also zum Vergleich, Deutschland hat sein Patentwesen erst Ende des 19.

Speaker: Jahrhunderts bekommen, also fast 300 Jahre später.

Speaker: China hat heute noch kein richtig funktionierendes, ja wahrscheinlich.

Speaker: Also das war echt ein Thema und die Engländer waren da der Welt voraus und deswegen wurde konsequenterweise diese Erfindung auch dort drüben gemacht.

Speaker: Und Nicholas Halls, der hat dann später auch noch den Adelstitel eines Sirs bekommen.

Speaker: Der hat dann sogar ausgerechnet, wie viel Geld die britische Krone, die englische Krone sparen könnte, wenn man denn alle Brauereien mit seiner Erfindung ausstatten würde.

Speaker: Und er kam auf die atemberaubende Summe von 400.000 Pfund.

Speaker: was also in heutigen Zahlen in den Milliarden oben ist.

Speaker: Ich meine, wir wissen ja, was wir für Öl und Gas zahlen, was wir von irgendwo importieren.

Speaker: Und entsprechend war der englische König natürlich hoch erfreut und hat das Patent gewährt.

Speaker: Und in der Folge haben dann wirklich sehr viele Brauereien sehr schnell auf die neue Technik umgestellt, weil es eben kostengünstiger war, so das Malz herzustellen.

Speaker: Es war bestimmt auch am Anfang

Speaker: sage ich mal, ein gewisser Modetrend.

Speaker: Auf einmal gab es Bier ohne Rauchgeschmack.

Speaker: Das war was Neues.

Speaker: Das war bestimmt ganz toll.

Speaker: Und gleichzeitig war es auch möglich, diese englische Darre, wie sie dann genannt wurde, größer zu bauen als die traditionellen Feuerdarren.

Speaker: Also man konnte das Malz in einem viel größeren Maßstab herstellen.

Speaker: Es wurden dann große Industriemelzereien gegründet.

Speaker: die also in die Massenproduktion des Malzes eingestiegen sind.

Speaker: Und es war dann für die Brauereien tatsächlich kostengünstiger, das Malz von so einer Industriemelzerei zu kaufen, als es selber herzustellen.

Speaker: Und das hat dann in England nur knapp 100 Jahre gedauert, also bis ungefähr 1750 oder so.

Speaker: Und dann war das Rauchbier ausgestorben.

Speaker: Genauso übrigens der Rauch Hopfen.

Speaker: Also auch Hopfen ist auf offenen Darren getrocknet worden.

Speaker: Das waren die sogenannten Oisthauses.

Speaker: Die sind dann auch relativ schnell auf Kohle und auf Dampf umgestellt worden.

Speaker: Und auch da ist dann das Raucharoma sozusagen im Hopfen verloren gegangen.

Speaker: Um 1800 herum kam die Technik dann nach Deutschland.

Speaker: Die Spatenbrauerei in München 1806, Gabriel Sedlmayr der Ältere, der war einer der Ersten, der Erste, der seine bayerische Darre, sprich Rauchdarre, stillgelegt hat.

Speaker: Und durch eine englische Darre, also auch in Deutschland hat man die so genannt, weil sie eben mit dieser Erfindung aus England synonym war, er hat seine bayerische Darre durch eine englische Darre ersetzt.

Speaker: Und es passierte dann hier in Deutschland genau das Gleiche.

Speaker: Auch hier setzten sich die rauchfreien Biere sehr, sehr schnell durch, weil die Produktion einfach wesentlich kostengünstiger war, beziehungsweise man würde das heute Outsourcing nennen, Industriemelzereien neu gegründet wurden, die dann eben die Brauereien kostengünstiger mit Malz versorgen konnten, als die Brauereien das vorher selber gemacht haben.

Speaker: Und um 1900 herum waren dann die Rauchbiere, die Rauchmalze alle verschwunden.

Speaker: Mit zwei Ausnahmen eben, also mit fünf Ausnahmen muss man sagen.

Speaker: Um 1900 herum gab es in Bamberg noch die Brauerei Spezial und Schlenkerler.

Speaker: Wir zwei sind die einzigen, die das eben auch heute noch machen.

Speaker: Und dann gab es noch drei weitere Brauereien, die damals noch Rauchmals hergestellt haben.

Speaker: Zwei davon haben im Zweiten Weltkrieg geschlossen.

Speaker: Die dritte war die Brauerei Greifenklau.

Speaker: Und die hat in den 70er Jahren, glaube ich, ihre Melzerei eingestellt und hat jetzt sozusagen auch nur noch eine moderne Produktionsweise mit eben entsprechend zugekauften Malz.

Speaker: Und um diese ganze lange Geschichte jetzt zusammenzufassen, Schlenkerler und Spezial haben also das Raufbier nicht erfunden, wie es manchmal so heißt, dass irgendwie im Mittelalter die Brauerei abgebrannt wäre oder wie auch immer da ein rauchlicher Geschmack mal reinkam.

Speaker: Sondern wir beide haben über die Jahrhunderte diese Tradition bis in die Moderne bewahrt und sind damit jetzt dann auch ein Stück weit Vorbild natürlich für diese ganzen modernen Craft-Rauchbiere, die es ja gibt, weil man inzwischen eben auch von den Industriemelzereien Malz mit einem Raucharoma kaufen kann.

Speaker: Aber dieses traditionelle Rauchmalz mit einer eigenen Darre, die ein offenes Feuer drunter brennen hat, das gibt es über die Jahrhunderte durchgängig tatsächlich nur bei Schlenkerler und Spezial.

Speaker: Und deswegen waren wir so, naja, verrückt und haben diesen 23.

Speaker: Juli zum Tag der Rauchbebewahrung gemacht, um eben diesen Patenttag zu

Speaker: von der Erfindung der ersten rauchfreien Darre, also zum Memorandum zu machen, um eben diese Geschichte am Leben zu halten, wo die Bierherstellung oder die Malzherstellung ursprünglich mal herkam.

Speaker: Und vor allem, um den Leuten ganz klar zu sagen, hey, alles das, was ihr heute trinkt, ohne Rauch, egal ob das jetzt ein tolles oder ein nicht so tolles Bier ist, aber es ist auf jeden Fall neu.

Speaker: Und vor 400 Jahren gab es das alles nicht.

Speaker: Ja, spannend.

Speaker: Du hast gerade schon die modernen Craft Brauereien angesprochen, die ja auch gerne wieder zu rauchigen Sachen greifen.

Speaker: Ich trinke übrigens gerade von Blechbrut aus Bamberg.

Speaker: Ah, okay.

Speaker: ein Rauchbier.

Speaker: Blechbrot aus Bamberg, die brauen bestimmt nicht selber.

Speaker: Das ist bestimmt ein Typ, der irgendwo im Bamberger Umland das herstellen lässt.

Speaker: Genau, die Dose ist tatsächlich in Ingolstadt bei Yankee Kraut entstanden.

Speaker: Aber zumindest der Firmensitz ist streng genommen in Bamberg.

Speaker: Sorry, wenn ich da jetzt einfach reingrätsche, aber du hast mich vorhin gefragt, wie das Verhältnis der Bamberger Brauer untereinander ist.

Speaker: Also da sind wir uns immer einig.

Speaker: Wir regen uns ziemlich drüber auf, sage ich ganz offen, wenn jemand einen Firmensitz in Bamberg hat, aber keine eigene Brauerei und dann sagt, es wäre ein Bamberger Bier oder es wäre eine Bamberger Brauerei.

Speaker: Weil im Selbstverständnis von uns Bamberger Bierbrauern, und wir haben alle die entsprechende Braumeisterausbildung,

Speaker: Wenn du eine Brauerei, oder wenn du dich Brauerei nennen willst, dann musst du auch einen Sudkessel haben, also in der entsprechenden Größe, ja, nicht nur einen Topf irgendwo in der Ecke und den Rest lässt du woanders brauen, sondern du musst dein Bier eben selber brauen, du musst die ganzen Anlagen dazu haben und musst das entsprechend selber machen, weil alles andere, ja,

Speaker: Ich verstehe es, ja.

Speaker: Ist nicht die ganze Wahrheit, die man dem Bieter sagt.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Sagen wir es mal.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Man muss Reichbruch zugutehalten, Bamberg steht nur tatsächlich in der Anschrift, der Rest steht Born in Franconia.

Speaker: Ich glaube, das ist weit genug gefasst, dass man sagt, okay, es ist sehr schwammig.

Speaker: Aber zurück auf diese ganzen Craft-Rauch-Sachen zu kommen.

Speaker: Zum einen hatten wir eine Zuhörerfrage, ob es noch mehr Bierstile gibt, die du dir vorstellen könntest, gerade jetzt in der Zusammenarbeit mit Craft-Bierbrauereien, sowas wie Rauch-IPA, rauchiges Stout oder sowas.

Speaker: Gibt es da irgendwas, wo du sagst, wir interessieren uns dafür oder könntet ihr das euch vorstellen?

Speaker: Also ganz grundsätzlich kannst du natürlich jeden Biertypus als Rauchbier brauen.

Speaker: Du nimmst einen Rauchmalz, entweder ausschließlich oder anteilig und dann bekommst du da ein Raucharoma mit rein.

Speaker: Und ich würde vermuten, dass die ganz ursprünglichen IPAs auch ein gewisses Raucharoma hatten, weil die IPAs gab es ja schon zu einer Zeit, als die Modernen darin noch gar nicht erfunden waren, vermute ich mal.

Speaker: Also gut, müsste ich jetzt die IPA-Geschichte nochmal genau angucken, wann das losging.

Speaker: Aber die Portugiesen sind doch schon 1500 oder so, sind die doch schon rüber Richtung Indien gesegelt.

Speaker: Also irgendwas in der Richtung könnte es schon gegeben haben.

Speaker: Insofern

Speaker: Grundsätzlich vorstellbar, ja.

Speaker: Der Punkt für mich ist so ein bisschen, dass wir natürlich auch auf dieser fränkischen Brautradition fußen.

Speaker: Und ein IPA hat es hier natürlich bei uns jetzt nicht gegeben.

Speaker: Was ich mir vorstellen kann, das haben wir tatsächlich letztes Jahr auch erstmalig gemacht.

Speaker: Es gab früher in Polen einen historischen Rauchbierstil, das Gräzer Rauchbier oder Grudisje.

Speaker: Und unser Importeur in Polen, Broa Pinta,

Speaker: Die haben vor 15 Jahren diesen Stil zusammen mit anderen polnischen Kraftbauern wiederbelebt.

Speaker: Und letztes Jahr war also 15-jähriges Jubiläum dieser Wiederbelebung.

Speaker: Und dann haben die uns eben gefragt, ob wir da nicht eine Schlenkerler-Version davon brauen wollen.

Speaker: Und fanden wir total spannend.

Speaker: Vor allem deswegen, weil dieses Grotis hier mit Weizenrauchmalz gebraut wird.

Speaker: Und wir hatten noch nie Weizenmalz bei uns in der Melzerei hergestellt.

Speaker: Also war dann auch so ein bisschen eine Lernkurve für uns, weil das läuft natürlich so ein bisschen anders ab, als man das jetzt beim Gerstenmalz macht, mit Keimen und so weiter.

Speaker: Die Malztrocknung war dann ziemlich das Gleiche eigentlich.

Speaker: Und wir haben uns dann auch von Prova ein bisschen beraten lassen, weil wir natürlich jetzt da keine Erfahrung hatten, wie genau dieser Grotisse-Stil gebraut wurde und dann ein bisschen recherchiert.

Speaker: Und haben das letztes Jahr auch auf den Markt gebracht, war sehr erfolgreich, gerade auch hier in Bamberg als Sommerbier.

Speaker: Und deswegen haben wir das auch heuer wieder jetzt im Sommer im Sortiment.

Speaker: Und das Ganze haben wir genannt, also eine Hommage an das Gräzerrauchbier.

Speaker: Also jetzt nicht irgendwie so tun, als ob das was Altes hier aus der Region wäre, das wäre ja auch Quatsch, sondern also im Englischen würden wir sagen, ein Attribute to.

Speaker: Also man verneigt sich vor diesem alten Bierstil und macht halt dann eine Schlenkerler-Version davon.

Speaker: Und sowas wäre natürlich grundsätzlich auch mit anderen Bierstilen vorstellbar.

Speaker: wenn wir denn die Kapazität und die Zeit dazu haben.

Speaker: Aber sehe ich im Moment jetzt nicht unbedingt, aber ich kann mir das in der Zukunft sehr gut vorstellen, weil mir sowas auch einfach Spaß macht, wenn man da mal andere Sachen ausprobiert.

Speaker: Gerade IPA mit diesem kräftigen Hopfen herum und so ist ja auch spannend, auch wenn es jetzt, sage ich mal, in der Craft-Best-Szene, das IPA ist ja doch so ein bisschen ausgelutscht ist inzwischen, weil ja jeder seins hat.

Speaker: Aber ganz grundsätzlich kann man sich da natürlich schon was in der Richtung vorstellen.

Speaker: Ja, weil du beschreibst, es ist ausgelutscht.

Speaker: Vielleicht ist das genau die Nische.

Speaker: Da muss man ganz realistisch sein.

Speaker: Rauchbier ist nie ein Massenprodukt.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Egal, was du da jetzt für ein Label dran packst, ob das jetzt ein IPA oder was auch immer ist, du wirst es nicht palettenweise in den Supermarkt reinstellen.

Speaker: Das funktioniert nicht.

Speaker: Dafür ist es auch zu teuer am Ende wegen der handwerklichen Herstellung.

Speaker: Muss man auch mal ganz klar sagen.

Speaker: Jetzt haben wir noch eine Frage von Sandy5082.

Speaker: Bleibt das Grezza Dauergast?

Speaker: Bei euch?

Speaker: Also jährlich?

Speaker: Im Sommer.

Speaker: Im Sommer ist der Plan, ja.

Speaker: Also, weil es einfach eine super Ergänzung ist.

Speaker: Es hat nur 2,9 Prozent Alkohol.

Speaker: Gerade jetzt, wenn du dann so Hitzewellen hast, wo du mit dem klassischen Rauchbier mit den 5 Prozent vielleicht doch ein bisschen struggelst, ist das Gräser einfach eine tolle Ergänzung.

Speaker: Und im Winter sehe ich es jetzt eher nicht, aber im Sommerhalbjahr wollen wir das auf jeden Fall weiterhin mit anbieten.

Speaker: Und ansonsten seid ihr, glaube ich, auch, ich sag mal, weltweit

Speaker: berühmt, bekannt.

Speaker: Wie läuft das so?

Speaker: Ich glaube, Amerika, seid ihr auch präsent?

Speaker: Richtig, ja.

Speaker: Wie läuft das genau ab?

Speaker: Können wir es kurz mal erwähnen?

Speaker: Ja, in den USA sind wir seit den 90er Jahren präsent.

Speaker: Das ist ein Deutscher, der ausgewandert ist und dort eine Importfirma aufgemacht hat.

Speaker: In meinen Augen der beste Spezialitäten-Importeur in den USA überhaupt.

Speaker: Unheimlich perfektionistisch, was Bierqualität angeht und überhaupt die ganze Logistik und das Know-how.

Speaker: Er schult auch immer ganz intensiv.

Speaker: in der Gastronomie die Leute, dass die die Bierstile auch erklären können und sich damit auskennen.

Speaker: Also nicht einfach nur reinverkaufen und dann ist ja wurscht, was passiert.

Speaker: Also ein unheimlich ganzheitlicher Ansatz.

Speaker: Und du hast es angesprochen, es gibt Schlenkerler in der Dose in den USA.

Speaker: Das füllen aber nicht wir hier in Deutschland ab.

Speaker: Das macht tatsächlich unser Importeur dort drüben.

Speaker: Der hat ein, soweit ich weiß, weltweit einzigartiges Tankcontainer-Konzept.

Speaker: Das sind also...

Speaker: mobile Bierlagertanks, die auf ein Containergrundgerüst montiert sind, die auch gekühlt sind.

Speaker: Und damit fährt er seine Brauereien weltweit ab und sammelt die Biere ein.

Speaker: Und in den USA werden die dann vor Ort

Speaker: quasi Brauerei frisch in Fässer und eben in diese Dosen abgefüllt, die alle im Voraus schon vorverkauft sind.

Speaker: Also maximale Frische.

Speaker: Besser geht es wirklich nicht.

Speaker: Und es ist phänomenal, was da für eine Bierqualität geschmacklich herauskommt.

Speaker: Weil dieser Lagertank, der ja unterwegs im Transport ist durch die Kühlung,

Speaker: Die Haltbarkeit läuft eigentlich erst an mit der Abfüllung in den USA und dadurch gewinnt der fünf, sechs Wochen locker.

Speaker: Und du kannst, wenn du, die haben auch einen eigenen Verkauf bei sich auf dem Gelände einmal die Woche, wo dann vom Fass aus geschenkt wird.

Speaker: Wenn du da hingehst, ist das fast so frisch wie bei uns in der Brauerei.

Speaker: Also das ist echt phänomenal.

Speaker: Sehr cool.

Speaker: Du Matthias, ich habe mein Bier leer.

Speaker: Prost, glücklich.

Speaker: Es war wirklich gut.

Speaker: Schönes Begleitbier für diese Folge.

Speaker: Matthias, was bedeutet gutes Bier für dich persönlich?

Speaker: Ist eigentlich ein Dreiklang.

Speaker: An erster Stelle ein guter Geschmack.

Speaker: Und gut ist natürlich für jeden relativ.

Speaker: Also es muss einem persönlich schmecken.

Speaker: Die Geschmäcker sind einfach verschieden.

Speaker: Das zweite ist, dass es handwerklich gut gemacht ist.

Speaker: Also keine Fehlgeschmäcker, keine Off-Flavers, vernünftige Haltbarkeit, natürlich jetzt nicht umgekippt und so.

Speaker: Also alles, was man unter Braukunst versteht.

Speaker: Und das Dritte, und da bin ich vielleicht so ein bisschen anders als manche Leute, ich brauche immer eine gute Geschichte zum Bier.

Speaker: Okay.

Speaker: Das kann im Falle von Schlenkerler, ist es natürlich immer die Geschichte, also die Historie dahinter, wo kommt es her, was ist die Basis, was ist die Handwerkstechnik und so.

Speaker: Das kann aber auch die Geschichte sein, wie der Brauer sich das ausgedacht hat, wie er auf die Rezeptur gekommen ist oder so.

Speaker: Also

Speaker: Bei ganz vielen deutschen Bieren finde ich das total fürchterlich.

Speaker: Wenn du hinten aufs Etikett guckst und da steht, wir brauen nach dem Reinheitsgebot, wir nehmen nur die besten Zutaten und wir haben ein ganz altes Rezept.

Speaker: Das ist total austauschbar bei ganz vielen Bieren.

Speaker: So schmecken sie dann auch.

Speaker: Wenn das Etikett nicht drauf wäre, wüsstest du überhaupt nicht, was du trinkst.

Speaker: Das ist mir einfach zu wenig.

Speaker: Ich möchte nicht nur meinen Gaumen und meinen Magen anstrengen, meinen Trinken, ich will auch meinen Kopf anstrengen und was drüber nachdenken.

Speaker: Und deswegen brauche ich eine Story dahinter.

Speaker: Und das ist dann auch gleich ein Gesprächsthema, was du hast.

Speaker: Du stehst auf der Straße und unterhältst dich.

Speaker: Du kannst dich über dieses Getränk unterhalten und es ist nicht nur wie die Aufzugsmusik, was da irgendwo im Hintergrund spielt, wo es eigentlich jedem völlig wurscht ist, sondern es ist ein Ding.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Es hat Geschichte dahinter.

Speaker: Genau.

Speaker: Also ist das so dieser Twist, den würdest du so beschreiben, dass das vielleicht das extra Merkmal ist, was ein gutes Bier von einem normalen unterscheidet.

Speaker: Also für mich persönlich ja, auf jeden Fall.

Speaker: Ja.

Speaker: Also und da gibt es ja viele Beispiele.

Speaker: Es gibt da sogar industrielle Beispiele.

Speaker: Also wenn ich jetzt das Pilsner Bier von der Pilsner Urquell mir anschaue,

Speaker: Ich habe letztes Jahr unseren Importeur besucht und war dann in Tschechien und war unter anderem dann eben auch in Pilsen und habe dann eine sehr exklusive Brauereiführung vom Altbraumeister bekommen.

Speaker: Die sollte eine Stunde dauern.

Speaker: Wir waren dann vier Stunden unterwegs.

Speaker: Also da habe ich auch ganz, ganz viele spannende Sachen über die Geschichte der Pilsner Brauerei gehört.

Speaker: Und natürlich ist das heute ein Massenprodukt, was in Riesenmengen und in Dosen und in die ganze Welt geht.

Speaker: Aber wenn du die Geschichte dahinter hörst, wie es dazu gekommen ist, und da spielt tatsächlich auch Rauchbier eine Rolle,

Speaker: Wahnsinn.

Speaker: Trinkst du mit ganz anderen Augen, mit ganz offenem Hirn und für mich persönlich ist es dann auch so, dass das tatsächlich den Geschmack verändert.

Speaker: Du hast eine Resonanz in deinem Hirn sozusagen mit der Geschichte, die dir dahinter steckt.

Speaker: Es ist für mich wahnsinnig entscheidend.

Speaker: Nicht nur bei Bier, auch bei Essen und so.

Speaker: Jetzt hier bei uns in der Brauereigaststätte haben wir so ein altes Bamberger Gericht, die Bamberger Zwiebel.

Speaker: die es auch in der Form nur hier in Bamberg gibt, da gibt es auch eine 200-jährige Geschichte dahinter.

Speaker: Und das macht die Sache einfach nochmal interessanter, als wenn es jetzt halt nur ein Haxen ist.

Speaker: So wie es halt überall in Bayern der Fall ist.

Speaker: Und gibt es denn einen Trend im Bierbereich, den du besonders kritisch siehst?

Speaker: Naja, also wir haben einen gewissen Trend zu Großbrauereien.

Speaker: Was durch das Alkoholfreie jetzt, glaube ich, noch ein Stück weit verstärkt wird, weil so wie jetzt Alkoholfreibier im Moment betrieben wird, brauchst du ja relativ aufwendige Anlagen dafür, was in der Regel nur in der Großbrauerei möglich ist.

Speaker: Und das sorgt natürlich für...

Speaker: Standardisierung, Einheitsgeschmäcker, Austauschbarkeit.

Speaker: Und wenn man jetzt gerade die deutsche Bierlandschaft anschaut mit dieser Aktionitis in den Supermärkten, dem Preisverfall, dann ist das natürlich, ich drücke es mal vorsichtig aus, für die Bierkultur nicht förderlich.

Speaker: Und da müssen wir Kleinen natürlich irgendwo gegenhalten und auch schauen, wie wir uns bewahren.

Speaker: Dass man eben auch dem Konsumenten klar macht, wo jetzt der Unterschied ist.

Speaker: Warum kostet eine Kiste Schlenkerler 20, 25 Euro, wenn du einen Karsten Oettinger oder inzwischen auch Warsteiner für 7, 8, 9 Euro bekommst bei gleicher Literzahl?

Speaker: Das macht viel Arbeit.

Speaker: Also ich mache das gerne.

Speaker: Ich erzähle das natürlich immer auch gerne.

Speaker: Deswegen bin ich wieder bei meinen Etiketten mit der Story hinten drauf.

Speaker: Und auf unserer Webseite kannst du natürlich auch ganz viel dazu lesen.

Speaker: Aber das Einheitsbier, diese Einheitsbräu, das finde ich echt schade.

Speaker: Also es macht mir jetzt keine Angst, weil ich glaube jetzt nicht, dass Handwerkshersteller wie das Schlenker davon wirklich bedroht sind.

Speaker: Wir werden immer unsere Nische finden.

Speaker: Aber die Bierkultur als Ganzes, und das hat in Bamberg, in Franken, in Bayern ja schon einen gewissen Stellenwert, die ist da schon so ein bisschen bedroht, ist vielleicht zu viel, aber ein Stück weit gefährdet.

Speaker: Das fände ich schade, wenn das jetzt zu sehr in die Richtung läuft.

Speaker: Ich hoffe noch auf die Gegenbewegung von der Generation.

Speaker: Was ist das, was nach Z kommt?

Speaker: Ist das dann AA?

Speaker: Ich weiß es nicht.

Speaker: Alpha, ja, hört sich besser an als A, ja.

Speaker: Generation Alpha.

Speaker: Aber du bekommst ja tagtäglich aktuell mit, von den ganzen Nachrichten, von Brauerei sterben und hier macht eine Brauerei zu und da macht eine Brauerei zu.

Speaker: Das nimmt ja aktuell deutlich zu, also das ist natürlich auch ein Zwangsort, der mit reinspielt.

Speaker: Ach na ja, also ich meine, der Mensch macht eigentlich immer den gleichen Fehler und verlängert Trends linear in die Zukunft.

Speaker: Aber so läuft es ja nicht ab.

Speaker: Du hast immer wieder Brüche und ich hatte letzte Woche ein sehr

Speaker: Ja, eigentlich positives Gespräch.

Speaker: Ein Mitarbeiter von unserem Importeur aus Australien war hier zu Besuch mit Frau und Kind.

Speaker: Und mit Brauereifung und eben alles, was dazugehört.

Speaker: Und dann haben wir uns eben auch ein wenig ausgetauscht, weil er hat sehr kleine Kinder.

Speaker: Meine sind jetzt im Teenageralter.

Speaker: Dann ging es um dieses ganze Thema Social Media und so weiter.

Speaker: Australien hat ja jetzt schon seit einem Jahr dieses Social Media erst ab 13.

Speaker: Und mit gemischten Ergebnissen.

Speaker: Aber immerhin tut sich ein bisschen was.

Speaker: Und dann ging es eben auch um dieses Thema Jugend und Alkohol.

Speaker: Und er hat gemeint, ja, die jungen Leute in Australien trinken jetzt wieder mehr.

Speaker: Und dann habe ich gemeint, sehr, sehr, wieso und überhaupt.

Speaker: Und er hat dann gesagt, ja, da spielt tatsächlich auch diese Handykulturen so mit rein.

Speaker: Die haben einfach drüben festgestellt, dass viele junge Leute auch deswegen in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken oder sonst sich irgendwie ausschweifend verhalten, weil sie halt Angst haben, dass sie fotografiert werden und dass das in sozialen Medien landet und dann halt in irgendeiner Form Probleme macht, spätestens wenn du dich für einen Job bewirbst.

Speaker: Und es gibt tatsächlich in Australien jetzt relativ viele Kneipen, wo du am Eingang so eine Batterie mit Schließfächern hast und du musst dein Handy abgeben.

Speaker: Und dann kannst du da drin, so wie wir das früher von unserer Jugend kennen, unbeobachtet Party machen, mit allem, was dazugehört, auf den Tisch tanzen, flirten und so weiter, ohne dass du Angst haben musst, dass du am nächsten Tag da irgendwie online durch den Kakao gezogen wirst.

Speaker: Und das scheint die Jugend so richtig zu befreien.

Speaker: Und

Speaker: Da wünsche ich mir, dass vielleicht bei uns, also alle, die zuhören und eigene Gastronomie haben, Leute, überlegt euch das mal.

Speaker: Bei uns im Schlenkerler in der Form wird es wahrscheinlich nicht gehen, weil wir keinen Türsteher haben, aber überall da, Clubs und so weiter, vielleicht ist das wirklich eine Richtung, in die man gehen sollte, dass die Jugend wieder ein bisschen befreiter ist.

Speaker: Gar nicht jetzt, um mehr Alkohol zu trinken.

Speaker: Darum geht es mir nicht mehr primär.

Speaker: Aber dass da wieder mehr Freiheiten da sind.

Speaker: Also ich glaube, die ganze Generation Z, die fühlen sich einfach total überwacht.

Speaker: Es gibt ganz viele Clubs tatsächlich auch, moderne Clubs, die die Kameras abkleben lassen am Eingang.

Speaker: Also dass du das hier nicht abgibst, aber du musst die Kameras abkleben.

Speaker: Ja, das kannst du ja wieder runter machen, oder?

Speaker: Genau, aber wenn das beobachtet wird, wirst du auch den restlichen Abend und dein restliches Leben aus diesem Club nicht mehr...

Speaker: nicht mehr gewünscht.

Speaker: Zumindest auch der Ansatz ist gut, weil, wie du sagst, das permanente Online-Sein ist auch nicht das, du hast ja vorher schon angesprochen, man versucht ja doch durchaus auch wieder persönlich ins Gespräch zu kommen und da ist auch ein Getränk aus

Speaker: auf Malzbasis durchaus ein Treiber eines guten Gesprächs.

Speaker: Ja, das ist auf jeden Fall richtig.

Speaker: Und es geht nicht darum, sich zu besaufen und so, völlig klar.

Speaker: Und es geht auch ohne Bier, ist auch klar.

Speaker: Aber dieses Gefühl, überwacht zu sein, ich glaube, das muss abgeschalten werden.

Speaker: Und ich meine, ich sehe es bei meinen Kindern, du kriegst jeden Tag zwei oder drei Nachrichten aus der Schul-App, wo du dann wieder mitkriegst, wo sie irgendwelche Prüfungen haben und wo was für Veranstaltungen sind und was auch immer.

Speaker: Das ist ja von den Lehrern alles gut gemeint, aber ganz ehrlich, wir waren doch damals in der Schule froh, wenn die Eltern nicht jede Ex mitgekriegt haben und man vielleicht eine schlechte Note auch mal verschweigen konnte.

Speaker: 100 Prozent.

Speaker: Das muss einfach wieder her.

Speaker: Wir haben, keine Ahnung, vielleicht sind das wieder wir Deutsche, aber wir haben das Handy irgendwie zu so einem Pseudostasi-Instrument gemacht.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Aber sag doch mal, du erzählst gerade,

Speaker: Generation Z trinkt immer weniger.

Speaker: Der Trend zum Alkoholfreien ist da.

Speaker: Die nächste Zuhörerfrage von Pacho.

Speaker: Wie sieht es bei euch aus?

Speaker: Alkoholfreies Rauchbier?

Speaker: Also ihr habt ja mit dem Heinzlein alkoholarme Biere.

Speaker: Wie schaut es da diesbezüglich aus?

Speaker: Gibt es da Überlegungen?

Speaker: Also wir sind mit, im Ausland wird ja meistens low and no Alkohol in ein Paket zusammengepackt.

Speaker: In Deutschland wird es ja noch mehr getrennt, alkoholarme und alkoholfrei.

Speaker: Mit dem Heinzlein sind wir dabei.

Speaker: Da ist tatsächlich auch so eine kleine juristische Besonderheit drin.

Speaker: Erzähle ich immer ganz gerne.

Speaker: Also das Heinzlein hat 0,9 Alkohol.

Speaker: Und weil es ein Bier ist, nennt man das juristisch alkoholarm.

Speaker: Wenn das Heinzlein ein Traubensaft wäre, dann wäre der alkoholfrei.

Speaker: Weil Traubensaft darf bis zu 1% Alkohol haben.

Speaker: Also wenn ihr für eure Kinder mal einen Traubensaft kauft, dran denken, bis zu 1% Alkohol.

Speaker: Muss nicht deklariert werden.

Speaker: Und insofern finde ich das ein bisschen so eine Diskussion.

Speaker: Ich meine auch die Alkoholfreien, die meisten haben ja 0,5.

Speaker: Ist ja auch nicht frei von Alkohol.

Speaker: Die richtig alkoholfreien mit 0,0 können eben nur die großen Industriebrauereien herstellen mit der entsprechenden Entalkoholisierung.

Speaker: Ob das dann geschmacklich was Gutes ist, das muss jeder für sich selber entscheiden.

Speaker: Diese Entalkoholisierung ist, denke ich, auf absehbare Zeit kein Thema, weil das für Kleinstbrauereien, wie wir das sind, ökonomisch einfach nicht darstellbar ist.

Speaker: Also du könntest dir so eine Anlage zulegen und dann kostet die Kiste Bier halt hinterher 30, 35 Euro.

Speaker: weiß ich nicht, ob die Leute das kaufen würden.

Speaker: Und erschwerend dazu kommt, dass du bei diesem Enteraloxysieren verlierst du sehr viel Aromen und du musst es dann wieder rearomatisieren.

Speaker: Und kann ich mir für ein historisches Rauchbier nicht wirklich vorstellen.

Speaker: Ich weiß, sowas gibt es heute in modernen und machen auch manche Leute, aber im historischen Kontext passt es nicht.

Speaker: Nichtsdestotrotz überlegen wir natürlich auch in der Richtung,

Speaker: Wir haben auch so ein paar Ideen im Hinterkopf.

Speaker: Lasst euch überraschen.

Speaker: Vielleicht gibt es irgendwann mal was in der Richtung.

Speaker: Und das wäre so ein bisschen vielleicht meine nächste Frage.

Speaker: Das ist vielleicht meine nächste Frage.

Speaker: ich weiß nicht, inwiefern du uns mitnehmen möchtest oder vielleicht auch kannst oder darfst, welche neuen Projekte hast du denn so auf der Liste?

Speaker: Also grundsätzlich starte ich gerne so ab, wir gehen da so langsam Richtung Ende des Interviews und zum Ende macht man ja gerne so den weiteren Blick, den Ausblick nach vorne und

Speaker: Klar, ihr seid jetzt eine sehr, sehr alte, traditionsreiche Brauerei, deshalb, ich kann mir jetzt die Frage schenken, wo siehst du dich in drei bis fünf Jahren?

Speaker: Also ich glaube, das wissen wir alle.

Speaker: Aber vielleicht kann ich so ein bisschen was aus dir herauskitzeln.

Speaker: Was sind so neue Projekte vielleicht, die du so auf der Liste hast?

Speaker: Also ganz konkret ist es im Sinne von einer konkreten Biersorte oder so ist es jetzt nicht.

Speaker: Wir wollen auf jeden Fall bei den historischen Graserbieren das Sortiment noch ein bisschen erweitern.

Speaker: Da gibt es ein paar Ideen.

Speaker: Heuer zur Sandcover wird es ein spezielles Festbier geben.

Speaker: Dann nur im Graser Brauerei aus Schank.

Speaker: Das ist ja die ehemalige Brudermühle am Alten Rathaus.

Speaker: Wunderschön gelegen mit Blick aufs Wasser.

Speaker: Und eben nur zur Sandcover.

Speaker: Also ein spezielles Festbier.

Speaker: Lasst euch überraschen.

Speaker: Dann im Herbst wird es da heuer auch ein Starkbier dort geben, auch das mit einem historischen Twist dazu, also jetzt nicht einfach nur ein Bockbier, wie jeder andere auch.

Speaker: In der Schlenkerlerschiene beim Rauchbier, wir haben es ja vorhin schon ganz kurz erwähnt, das klassische Rauchbier wird mit einem Buchenholz-Rauchmalz hergestellt.

Speaker: Daneben haben wir, um andere Aromen von anderen Hölzern zu erkunden, haben wir den Eiche Doppelbock mit Eichenholz-Rauchmalz.

Speaker: Und seit ein paar Jahren gibt es ein Schwarzbier mit Erlenholz-Rauchmalz und ein Rotbier mit Kirschholz-Rauchmalz.

Speaker: Das Rotbier ist fantastisch.

Speaker: Also alle Biere sind fantastisch.

Speaker: Aber das Rotbier ist nochmal wirklich...

Speaker: Das Rotbier ist super für die Rauchbier-Einsteiger, die das nicht so heftig haben wollen, weil da kommen auch noch so ganz leicht ein bisschen fruchtige Noten von der Kirsche mit durch, also vom Kirschholz.

Speaker: Kirschen sind natürlich nicht drin.

Speaker: Und also das ist schon ein Gedicht auf dem Gaumen.

Speaker: Also in der Richtung habe ich noch ein paar Ideen, was man machen könnte.

Speaker: Es hängt tatsächlich alles so ein bisschen mit der Kapazität zusammen.

Speaker: Also wir hatten erst letzte Woche...

Speaker: Bei uns intern habe ich mit meinen Braumeistern gesprochen, weil ich glaube, ich habe mehr Ideen, als meine Leute umsetzen können am Schluss.

Speaker: Weil du musst halt das Malz dafür herbringen, du musst die entsprechenden Slots frei haben in der Sudproduktion und so weiter.

Speaker: Wir hatten tatsächlich aus der Graseserie noch ein Sommerbier für heuer vor, was wir dann jetzt tatsächlich einfach nicht mehr geschafft haben, weil wir nicht hinterhergekommen sind.

Speaker: Also Ideen sind da viele da, aber man muss halt aufpassen, dass man sich auch nicht verzettelt, weil an erster Stelle steht immer die Qualität.

Speaker: Aber es wird in den nächsten Jahren schon noch ein paar Sachen geben und das ist auch die eine oder andere etwas ungewöhnliche Idee dabei.

Speaker: Aber einen konkreten Zeitplan kann ich nicht sagen, aber es wird mit dem Schlenkerler und mit dem Graser bestimmt nicht langweilig werden.

Speaker: Das freut mich.

Speaker: Du machst es also weiterhin spannend.

Speaker: Schön.

Speaker: Natürlich.

Speaker: Sehr cool.

Speaker: Ich möchte auch für mich selber ein bisschen Abwechslung haben.

Speaker: Hast du denn eine Vision, wie sich Bier in Deutschland generell weiterentwickeln wird aus deiner Sicht?

Speaker: Ich glaube, wir werden eine zweigleisige Entwicklung haben, was sich ja eigentlich die letzten Jahre schon angedeutet hat oder vielleicht sogar im Untergrund die ganze Zeit so ein bisschen mitschwingt.

Speaker: Wir werden auf der einen Seite, sage ich mal, die Massengrundversorgung haben,

Speaker: mit 0815-Bier für alle die Leute, denen es am Schluss wurscht ist, solange es ein Bier ist.

Speaker: Wo dann auch so Sachen mit reinspielen, wo es halt ums Geld geht.

Speaker: Also günstige Kästen oder bei irgendwelchen Sportsponsoring-

Speaker: wo dann sehr viel finanziert werden muss, damit das Bier überhaupt ausgeschenkt wird.

Speaker: Also sowas wie Fußball-WM oder so, da wirst du ja nie ein kleines Handwerksbier sehen.

Speaker: Ja, geht nicht.

Speaker: Also das wird die eine Schiene sein, die auch volumenmäßig sicherlich immer das Gros der Gesamtproduktion sein wird.

Speaker: Und die zweite Schiene wird das handwerkliche Bierbrauen sein,

Speaker: Mit vielleicht zwei Ausprägungen.

Speaker: Die eine Ausprägung, wo es dann eben um besonders extravagante Geschmäcker geht.

Speaker: Also das, was man vielleicht so vor 10, 15 Jahren mit Craft Beer gleichgesetzt hat.

Speaker: Also möglichst verrückte Aromen, was weiß ich, ein Pumpkin IPA gereift im Kokosholzfass oder irgendwie sowas in der Richtung.

Speaker: Ja, weil da gibt es immer wieder Leute, die sowas mal probieren wollen.

Speaker: Ja, da hast du immer einen kleinen Markt dafür.

Speaker: Und das andere wird dann also die traditionelle Handwerksbrauerei sein, also sowas wie Schlenkerler oder eben auch hier im fränkischen Bereich oder in München oder im bayerischen Bereich die eine oder andere kleine Handwerksbrauerei.

Speaker: wo du dann immer auch eine Familiengeschichte dahinter hast, eine Gastronomie vor Ort dahinter hast, wo vielleicht ein gewisser touristischer Anteil mit dabei ist.

Speaker: Also ich denke an sowas vielleicht auch wie Kloster Weltenburg oder Andex und so.

Speaker: Ob die dann immer selbstständig sind, steht auf dem anderen Blatt natürlich.

Speaker: Aber wo du so ein Erlebnis eigentlich drum herum baust.

Speaker: Und das sehen wir ja beim Schlenkerler auch.

Speaker: Also klar, die Stammkundschaft, die kommt hierher und das ist denen ihr Wohnzimmer.

Speaker: Aber der, der nach Bamberg kommt, so wie ja auch ihr das vorhin ein bisschen geschildert habt, der kommt für das Biererlebnis, den besonderen Geschmack vom Holzfass, die Atmosphäre.

Speaker: Also so ein bisschen überspitzt formuliert, wie manche nach Legoland fahren, um da halt die kleinen Legomobile anzugucken und da was Besonderes zu erleben.

Speaker: So kommen halt auch Leute, um hier die Bierkultur zu erleben.

Speaker: Und das wird immer seinen Platz haben in der einen oder anderen Form.

Speaker: Und ich glaube, dieser 2, 2,5, 3-Klang, der wird es in der Richtung sein.

Speaker: Und der wird dann, glaube ich, auch relativ lang erhalten bleiben.

Speaker: Und ich bin eigentlich ganz froh, dass ich in dieser Erlebnisschiene bin und mich in dem großen Industriebereich da kämpfen muss, wo

Speaker: Eigentlich alles Interessantes, nur nicht der Biergeschmack.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Wenn wir nochmal hier zu deinem Erlebnis kommen und jetzt wahrscheinlich so ein paar Meter vors Haus schauen, stehen da vielleicht heute noch, wahrscheinlich 22 Uhr ist der Brauereiausschrank heute vielleicht schon zu, aber eigentlich stehen da ja immer Leute.

Speaker: Und es stehen da bestimmt auch immer Leute, die zum allerersten Mal einen Schlenkerler Märzen aus dem Fass probieren.

Speaker: Wenn du mal jemanden triffst, Matthias, und der schaut irgendwie fragend oder skeptisch, was sagst du jedem, der zum allerersten Mal dieses Bier probiert?

Speaker: Ich sage immer, dass es ein altes Bamberger Sprichwort gibt.

Speaker: Das haben nicht wir uns ausgedacht, sondern das wird von Alters her tatsächlich so erzählt.

Speaker: Um auf den Geschmack von Rauchbier zu kommen, musst du erst mal drei Seidler trinken.

Speaker: Und nach drei Seidler bist du dann im Geschmack auch richtig drin.

Speaker: Dann gibt es natürlich immer erst mal Gelächter, wenn man das erzählt.

Speaker: So, ja, ja, nach drei Bier schmeckt alles, so ungefähr, weil dann hast du ja deinen Seirer sozusagen.

Speaker: Ja.

Speaker: Man kann das Ganze tatsächlich aber auch erklären.

Speaker: Da gibt es einen sensorischen Hintergrund dazu.

Speaker: Es hängt damit zusammen, mit unserem Mund können wir nur fünf verschiedene Geschmacksrichtungen wahrnehmen.

Speaker: Süß, sauer, salzig, bitter und Umami.

Speaker: Alles andere nehmen wir mit der Nase wahr.

Speaker: Das heißt, die Aromen von dem, was wir essen oder trinken, wird durch die Wärme im Mund, durchs Kauen, durch die Enzyme im Speichel und so weiter, werden diese Aromen wasserdampflüchtig und gehen vom Mund in die Nase.

Speaker: Oder wenn du ein großes offenes Glas hast oder so, geht es natürlich gleich in die Nase, die Gerüche.

Speaker: Und insbesondere Rauch ist natürlich was, was wir mit der Nase wahrnehmen und nicht mit dem Mund.

Speaker: Ja, logisch.

Speaker: So, und da kommt jetzt folgender Effekt zum Tragen.

Speaker: Wenn du in einen Raum gehst und nimmst dort einen Geruch wahr, dann ist der am Anfang sehr intensiv.

Speaker: Aber nach relativ kurzer Zeit tritt dieser Geruch eigentlich in den Hintergrund und wird sozusagen Teil der natürlichen Ordnung.

Speaker: Und dann nimmst du das gar nicht mehr so intensiv wahr.

Speaker: Und dann

Speaker: Das ist eben genau, was beim Rauchbiertrinken, beim Schlenkerla-Trinken passiert.

Speaker: Am Anfang, die ersten paar Schlücke, ist der Rauch unheimlich dominant im Aroma.

Speaker: Und du schmeckst eigentlich fast nichts anderes außer Rauch.

Speaker: Und damit kämpft der eine oder andere, ganz klar.

Speaker: Aber wenn du dir selber die Chance gibst, dieses Aroma zu erleben und eben ein bisschen weiter trinkst, und das müssen jetzt nicht einmal unbedingt drei Gläser sein, da reicht auch eins, dann

Speaker: Nach einer Weile haben sich deine Geschmacksrezeptoren, deine Geruchsrezeptoren quasi daran gewöhnt.

Speaker: Und dann tritt dieses Raucharoma so langsam nach hinten.

Speaker: Und dann kommen die anderen Aromen vom Bier durch, also das Malzaroma, die Karbonisierung von der Kohlensäure, die Hopfenbittere, diese Vollmundigkeit, das Brotartige, weil wir haben ja noch so ein Dekoktionsmaischverfahren, wo du fast wie ein flüssiges Brot im Bier letzten Endes hast.

Speaker: Und

Speaker: Erst wenn diese ganzen Geschmackskomponenten sozusagen in Balance sind bei dir und der Rauch entsprechend zurückgetreten ist, erst dann hast du eigentlich den richtigen Schlenkerler-Geschmack auf dem Kaum hin.

Speaker: Und das passiert eben erst nach einer Weile.

Speaker: Da musst du wirklich rankommen.

Speaker: Und es ist tatsächlich so, dass die ersten ein, zwei, drei Schlenkerler, die du in deinem Leben trinkst, die schmecken wie drei verschiedene Biere.

Speaker: Ja, das stimmt.

Speaker: Es gibt natürlich immer noch Leute, die auch beim Dritten sagen, ne, nicht mein Ding.

Speaker: Völlig klar.

Speaker: Aber die Chance solltest du dir geben, dass du jetzt nicht nur einen kleinen Versuchler machst und einen Mini-Nipperer, weil da kriegst du den Geschmack nicht richtig mit.

Speaker: Ja, das stimmt.

Speaker: Da musst du ein bisschen dranbleiben.

Speaker: Und vor allem auch darauf achten, dass du nicht Erkältung oder sowas hast.

Speaker: Weil wenn die Nase zu ist, nimmst du Aromen einfach nicht richtig wahr.

Speaker: Kennt man ja.

Speaker: Also das werde ich demnächst auf jeden Fall mal machen.

Speaker: Ich werde mir ein schönes Schlenker beim Herzen öffnen.

Speaker: Und dabei den Podcast hören mit deiner Beschreibung, wie man an Rauch dir wirklich vernünftig trinken soll.

Speaker: Das war eine schöne Beschreibung.

Speaker: Ja, danke.

Speaker: Du sag noch mal, was ist denn dein persönliches Lieblingsbier von euch?

Speaker: Das kommt so ein bisschen auf die Situation drauf an.

Speaker: Also die Saisonalität natürlich, in der Fastenzeit das Fastenbier, haut mich jedes Mal vom Hocker.

Speaker: In der Weihnachtszeit, im Winter generell der Eiche Doppelbock, absolut genial.

Speaker: Im Sommer war bisher das Kreuz mein Favorite.

Speaker: Inzwischen mag ich tatsächlich das Grotis hier lieber.

Speaker: Ganz elegant.

Speaker: Tagsüber Bier im Büro immer ein.

Speaker: Das muss ich noch probieren irgendwann.

Speaker: Mein Bürobier ist das Heinzlein, klar, klaren Kopf, weiterarbeiten können.

Speaker: Ist also eigentlich immer was dabei.

Speaker: Und tatsächlich das Allzeitbier, was du immer trinken kannst, ist das Märzen vom Holzfass.

Speaker: Aber tatsächlich vom Holzfass.

Speaker: Also von der Flasche geht natürlich auch, aber Holzfass ist einfach nochmal klassenbesser.

Speaker: Weil es einfach so unheimlich weich auf dem Gaumen daherkommt.

Speaker: Das stimmt.

Speaker: Ich trinke aber auch gerne andere Biere.

Speaker: Also ich muss nicht nur Schlenkerlappe trinken.

Speaker: Also ich mag eigentlich alles, was dunkel und kräftig daherkommt.

Speaker: Also Trappistenbiere, Stouts, Imperial Stouts, sowas in der Richtung.

Speaker: Auch Porter.

Speaker: Ja, finde ich genial.

Speaker: Also da bin ich einfach von klein auf geeicht, also seit ich halt Bier trinken durfte.

Speaker: Ein schönes Hazy IPA.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Also Sauerbiere gar nicht.

Speaker: Also mit Sauer komme ich überhaupt nicht klar.

Speaker: Ich esse total gern Joghurt mit irgendwie Nüssen und Zeug.

Speaker: Da kann ich mit dem Saueraroma wunderbar was anfangen, aber in Bier...

Speaker: Da bin ich einfach zu sehr hier auf Franken geeicht.

Speaker: Sour ist ein Fehler, Romainbier.

Speaker: Ich weiß, in Belgien macht man das und einer meiner Braumeister ist auch absoluter Sourbier-Fan.

Speaker: Sag ich auch überhaupt nichts gegen.

Speaker: Jeder Topf findet seinen Deckel, aber mein Deckel ist das Sourbier definitiv nicht.

Speaker: Aber zum nächsten Jubiläum gibt es eine Kollab mit Trefontaine und Schlenkerle.

Speaker: Ja, ja.

Speaker: Vielleicht meine Kinder eines Tages.

Speaker: Mal gucken.

Speaker: Genau.

Speaker: Matthias, bevor wir tatsächlich zum absoluten Ende kommen, haben wir noch eine ganz schnelle Fragerunde, wo du ganz wenig Zeit hast zu antworten.

Speaker: Gerrit hat zwei Fragen.

Speaker: Die sind wirklich einfach, hoffentlich.

Speaker: Einfach aus dem Bauchhaus.

Speaker: Genau, aus dem Bauchhaus.

Speaker: Meine erste Frage, ober- oder untergerig?

Speaker: Untergerig.

Speaker: Schäufele oder Bratwurst?

Speaker: Bratwurst.

Speaker: Flasche oder Dose?

Speaker: Flasche.

Speaker: Rotbier oder Helles?

Speaker: Rotbier.

Speaker: Die waren wirklich einfach.

Speaker: Dankeschön.

Speaker: Wir wollen immer ganz explizit spannende Fragen aus unseren Gästen rauskitzeln.

Speaker: Ja, wir nehmen einfach mal mit, das nächste Mal bei Schlenkerler vielleicht auch mal die Bratwurst probieren.

Speaker: Die scheint auch relativ gut im Gastwirthaus zu schmecken.

Speaker: Die ist auch mal mit drin.

Speaker: Die dem Schäufele vorziehen würde.

Speaker: Auf jeden Fall, weil da ist Rauchmalz mit drin in der Bratwurst.

Speaker: Unsere eigene Rezeptur hat mein Chefkoch vor 20 Jahren entwickelt und machen wir selber.

Speaker: Also beziehungsweise inzwischen lassen wir es nach unserem Rezept von der Metzgerei machen, weil wir die Mengen nicht herbekommen, aber finde ich total klasse.

Speaker: Also so leicht süßlich, passt wunderbar zum Bier dazu, perfekte Kombi.

Speaker: Cool.

Speaker: Und ich bin jetzt auch ganz ehrlich, ist auch günstiger als das Schäufel.

Speaker: Insofern freut es den einen oder anderen vielleicht auch.

Speaker: Ja.

Speaker: Dann wissen wir ja, wo der nächste unfiltriert und Kaltkopf-Podcast-Betriebsausflug hingeht.

Speaker: Auf jeden Fall, Gerhard.

Speaker: In der Schwemme bei Matthias auf eine Bratwurst und ein, zwei, drei.

Speaker: Mindestens drei, damit wir das Aroma auch wirklich mitkriegen vom Rauchbier.

Speaker: Genau.

Speaker: Würde mich freuen.

Speaker: Seid ihr jederzeit herzlich willkommen.

Speaker: Wunderbar.

Speaker: Matthias, besten Dank für deine Zeit.

Speaker: Einen wunderbaren Tag der Rauchbeerbewahrung.

Speaker: Wir freuen uns auf jeden Fall, dass ihr das Erbe sofort tragt und dass du so enthusiastisch berichtet hast von der Brauerei und der Geschichte und alles.

Speaker: Wir könnten, glaube ich, noch zwei, drei, vier andere Biere trinken und stundenlang weitersprechen.

Speaker: Aber ich glaube, auf meiner persönlichen Agenda steht auf jeden Fall eine Brauereibesichtigung.

Speaker: Die habe ich bisher noch nicht bei euch geschafft.

Speaker: Sag einfach Bescheid, wenn ihr mal da seid, machen wir sehr gerne.

Speaker: Brauerei und Melzerei Besichtigung natürlich.

Speaker: Ja, Melzerei, richtig.

Speaker: Genau.

Speaker: Vielen Dank, Matthias.

Speaker: Vielen Dank, dass ich bei euch sein durfte und hat super Spaß gemacht und wir sehen uns in Bamberg auf dem Seiler Rauchbier vom Holzfass.

Speaker: Auf jeden Fall.

Speaker: Bis dann.

Speaker: Danke.

Speaker: Ciao.

Speaker

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